Grundlogik in KOP und FUP

Eine Steuerung trifft Entscheidungen: Wenn dieser Taster gedrückt ist und jener Endschalter frei, dann läuft der Motor. Solche Entscheidungen schreibt man bei einer SPS nicht in Fließtext, sondern in einer der genormten Programmiersprachen. Zwei davon sind grafisch und gehören zu den am häufigsten verwendeten in der Praxis: KOP (Kontaktplan) und FUP (Funktionsplan).

Das Spannende daran: Beide zeigen exakt dasselbe. Dieselbe logische Verknüpfung, nur einmal als Strompfad und einmal als Block mit Anschlüssen gezeichnet. Wer das Prinzip dahinter einmal verstanden hat, liest beide Sprachen flüssig und wechselt mühelos zwischen ihnen. Genau darum geht es hier.

Vorwissen

  • Logikgatter: AND, OR, NOT, NAND, NOR, XOR
  • Was ist eine SPS? – Aufbau und Funktionsweise
  • Programmiersprachen nach IEC 61131-3 (KOP, FUP, AWL, ST, AS)

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • ein KOP-Netzwerk und ein FUP-Netzwerk lesen und den Signalfluss richtig deuten
  • die UND-, ODER- und NICHT-Verknüpfung sowohl im Kontaktplan als auch im Funktionsplan erkennen und selbst zeichnen
  • einen Öffner im KOP von einer Negation im FUP unterscheiden und beide korrekt einsetzen
  • eine gemischte Verknüpfung von der einen Darstellung in die andere übertragen
  • die Auswertereihenfolge einer zusammengesetzten Verknüpfung nachvollziehen

1. KOP und FUP – zwei Bilder, eine Logik

Eine SPS arbeitet einen festen Ablauf ab: Sie liest die Eingänge ein, verarbeitet das Programm und gibt die Ergebnisse an die Ausgänge weiter. Dieser zyklische Ablauf und die Frage, wie Eingänge, Ausgänge und Merker adressiert werden, sind eigene Themen — hier setzen wir sie voraus. Wichtig für den Moment ist nur: Das Programm beschreibt, unter welchen Bedingungen ein Ausgang gesetzt wird. Genau diese Bedingungen formuliert man als logische Verknüpfung.

KOP, der Kontaktplan, lehnt sich an den klassischen Stromlaufplan an. Man liest ihn wie einen Schaltplan: Links eine senkrechte Linie (oft als Stromschiene gedacht), rechts der Ausgang. Dazwischen liegen Kontakte. Ist der Pfad von links nach rechts „durchgängig“ — also alle nötigen Kontakte geschlossen — dann wird der Ausgang aktiv. Wer Schaltpläne gewohnt ist, denkt hier in Strompfaden.

FUP, der Funktionsplan, lehnt sich an die Logikgatter der Digitaltechnik an. Hier werden Verknüpfungen als rechteckige Boxen dargestellt: eine Box für UND, eine für ODER und so weiter. Die Eingänge stehen links an der Box, das Ergebnis kommt rechts heraus. Wer aus der Elektronik kommt und Logikgatter kennt, fühlt sich hier sofort zuhause.

In beiden Sprachen läuft der Signalfluss von links nach rechts: links die Bedingungen (Eingänge, Merker), rechts das Ergebnis (Ausgang). Und beide werten dieselbe boolesche Verknüpfung aus — eine logische Aussage, die nur die Werte „wahr“ (1, Bedingung erfüllt) oder „falsch“ (0, nicht erfüllt) kennt. Ob man eine Bedingung als Reihe von Kontakten oder als Box mit Anschlüssen zeichnet, ändert nichts am Ergebnis. Es ist eine reine Frage der Darstellung — und oft auch des persönlichen oder firmeninternen Stils.

Die mathematischen Grundlagen dieser Verknüpfungen — wann eine UND- oder ODER-Verknüpfung welches Ergebnis liefert — sind im Beitrag zu den Logikgattern ausführlich behandelt. Hier konzentrieren wir uns ganz darauf, wie diese Verknüpfungen in KOP und FUP aussehen und wie man sie ineinander überführt.

Ein Kollege hat dieselbe Verknüpfungssteuerung einmal in KOP und einmal in FUP vorliegen. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Die KOP-Variante reagiert schneller, weil sie näher an der Verdrahtung liegt
  • b) FUP kann Verknüpfungen abbilden, die in KOP grundsätzlich nicht darstellbar sind
  • c) Die beiden Darstellungen lassen sich nicht ineinander umrechnen
  • d) Beide liefern bei gleichen Eingangszuständen dasselbe Ergebnis am Ausgang

Richtig: d)

Erklärung: KOP und FUP are nur zwei Darstellungsformen derselben booleschen Logik. Bei gleichen Eingangszuständen ist das Ergebnis identisch (d). Die Darstellung beeinflusst nicht die Verarbeitungsgeschwindigkeit (a), für die einfachen Grundverknüpfungen ist beides gleich mächtig (b), und genau weil dieselbe Logik dahintersteht, lässt sich jede Verknüpfung übertragen (c).

In welche Richtung wird ein KOP- oder FUP-Netzwerk gelesen, und was steht jeweils am Ende dieser Richtung?

  • a) Von rechts nach links; links steht der Ausgang
  • b) Von oben nach unten; unten stehen die Eingänge
  • c) Von links nach rechts; rechts steht das Ergebnis bzw. der Ausgang
  • d) Die Leserichtung ist frei wählbar und ohne Bedeutung

Richtig: c)

Erklärung: In beiden Sprachen läuft der Signalfluss von links (Bedingungen) nach rechts (Ergebnis), am rechten Ende steht der Ausgang (c). Die übrigen Richtungsangaben widersprechen der genormten Darstellung.

2. Die UND-Verknüpfung

Die UND-Verknüpfung ist die Bedingung „alles muss zusammenpassen“. Der Ausgang wird nur dann aktiv, wenn jede einzelne Bedingung gleichzeitig erfüllt ist. Fällt auch nur eine weg, bleibt der Ausgang aus.

Im KOP wird das zur Reihenschaltung: Die Kontakte liegen hintereinander im selben Strompfad. Der gedachte Strom kommt nur dann ganz nach rechts durch, wenn alle Kontakte auf dem Weg geschlossen sind. Ein einziger offener Accent unterbricht den Pfad — der Ausgang bleibt aus. Das deckt sich exakt mit der Vorstellung aus dem Stromlaufplan: zwei Schalter in Reihe, die Lampe leuchtet nur, wenn beide betätigt sind.

Im FUP wird dieselbe Bedingung zur UND-Box, gekennzeichnet mit dem Zeichen &. Alle beteiligten Signale werden links an die Box gelegt, rechts kommt das Ergebnis heraus. Die Box gibt nur dann eine 1 aus, wenn an allen Eingängen eine 1 anliegt.

Als boolescher Ausdruck geschrieben, mit zwei Eingängen E0.0 und E0.1 und dem Ausgang A0.0:

A0.0 = E0.0 UND E0.1

Beide Darstellungen nebeneinander zeigen am deutlichsten, dass es sich um dieselbe Logik handelt:

KOP – Reihenschaltung (UND) E0.0 E0.1 A A0.0 FUP – &-Box (UND) E0.0 E0.1 & A0.0
Beide Bilder beschreiben dieselbe Aussage: A0.0 wird nur dann 1, wenn E0.0 und E0.1 beide 1 sind. Im KOP erkennt man das an den hintereinanderliegenden Kontakten, im FUP am & in der Box.

In einem KOP-Netzwerk liegen drei Schließer hintereinander im selben Strompfad, danach folgt der Ausgang. Welche logische Verknüpfung wird dadurch realisiert?

  • a) Eine UND-Verknüpfung der drei Kontakte
  • b) Eine ODER-Verknüpfung der drei Kontakte
  • c) Eine Negation des mittleren Kontakts
  • d) Eine Verknüpfung, die unabhängig von den Kontakten immer 1 is

Richtig: a)

Erklärung: Hintereinanderliegende Kontakte im selben Pfad bilden eine Reihenschaltung, und die entspricht der UND-Verknüpfung — der Pfad ist nur durchgängig, wenn alle drei geschlossen sind (a). Eine Parallelschaltung wäre ODER (b), von Negation (c) ist keine Rede, und ein dauerhaft gesetzter Ausgang (d) widerspricht der Bedingung.

Ein FUP-Netzwerk besteht aus einer &-Box mit den Eingängen E0.0, E0.1 und E0.2. E0.0 und E0.2 sind 1, E0.1 ist 0. Welchen Wert hat der Ausgang?

  • a) 1, weil die Mehrheit der Eingänge 1 ist
  • b) 1, weil mindestens ein Eingang 1 ist
  • c) 0, weil nicht alle Eingänge 1 sind
  • d) 0, weil eine &-Box höchstens zwei Eingänge verarbeiten kann

Richtig: c)

Erklärung: Eine &-Box gibt nur 1 aus, wenn an allen Eingängen 1 anliegt. Da E0.1 = 0 ist, ist der Ausgang 0 (c). Mehrheit (a) oder „mindestens einer“ (b) sind ODER-Denkweisen, und eine UND-Box kann beliebig viele Eingänge haben (d).

3. Die ODER-Verknüpfung

Die ODER-Verknüpfung ist die Bedingung „einer reicht“. Der Ausgang wird aktiv, sobald mindestens eine der Bedingungen erfüllt ist. Erst wenn keine einzige zutrifft, bleibt er aus.

Im KOP entsteht das durch die Parallelschaltung: Die Kontakte liegen in getrennten Zweigen nebeneinander, die sich am Ende wieder zusammenführen. Es reicht, wenn ein einziger Zweig durchgängig ist, damit der gedachte Strom rechts ankommt. Auch das kennt man aus dem Stromlaufplan: zwei Taster parallel, die Lampe leuchtet, sobald einer von beiden gedrückt wird.

Im FUP wird daraus die ODER-Box, gekennzeichnet mit ≥1 (gelesen: „größer oder gleich eins“). Das Zeichen sagt direkt aus, worum es geht: Sobald die Anzahl der Eingänge mit dem Wert 1 mindestens eins beträgt, wird der Ausgang 1.

Als boolescher Ausdruck:

A0.0 = E0.0 ODER E0.1

Wieder beide Darstellungen nebeneinander:

KOP – Parallelschaltung (ODER) E0.0 E0.1 A A0.0 FUP – ≥1-Box (ODER) E0.0 E0.1 ≥1 A0.0
A0.0 wird 1, sobald E0.0 oder E0.1 (oder beide) 1 sind. Im KOP sieht man die zwei parallelen Pfade, im FUP das ≥1 in der Box.

Zwei Schließer liegen in einem KOP-Netzwerk parallel zueinander und führen danach gemeinsam auf den Ausgang. Beide Kontakte sind offen, dann wird nur der untere geschlossen. Was geschieht am Ausgang?

  • a) Der Ausgang wird 1, weil ein durchgängiger Pfad genügt
  • b) Der Ausgang bleibt 0, weil bei Parallelschaltung beide Kontakte schließen müssen
  • c) Der Ausgang wird 1, aber nur kurzzeitig, dann wieder 0
  • d) Der Ausgang lässt sich aus diesen Angaben nicht bestimmen

Richtig: a)

Erklärung: Bei der Parallelschaltung (ODER) reicht ein einziger durchgängiger Zweig, damit der Ausgang 1 wird (a). Dass beide schließen müssten, wäre die UND-Logik (b); ein kurzzeitiges Signal (c) entsteht nicht von allein, und die Angaben genügen für eine eindeutige Aussage (d).

Welches Zeichen kennzeichnet im Funktionsplan die ODER-Box, und was bedeutet es?

  • a) & — alle Eingänge müssen 1 sein
  • b) =1 — genau ein Eingang darf 1 sein
  • c) ≥1 — mindestens ein Eingang muss 1 sein
  • d) 1 — der Ausgang ist immer 1

Richtig: c)

Erklärung: Die ODER-Box trägt das Zeichen ≥1, das genau die ODER-Bedingung ausdrückt: Sobald die Zahl der Eingänge mit Wert 1 mindestens eins erreicht, ist der Ausgang 1 (c). & ist die UND-Box (a), =1 wäre eine Exklusiv-ODER-Bedingung (b), und ein dauerhaft gesetzter Ausgang (d) gibt es so nicht.

4. Die NICHT-Verknüpfung und Öffnerkontakte

Bisher ging es um Kontakte, die schließen, wenn ihr Signal 1 wird — die Schließer (Arbeitskontakte). Oft braucht man aber das Gegenteil: Eine Bedingung soll erfüllt sein, wenn ein Signal nicht anliegt. Das ist die NICHT-Verknüpfung, auch Negation genannt.

Im KOP geschieht das mit dem Öffner (Ruhekontakt). Er ist im Ruhezustand durchgängig und unterbricht den Pfad, sobald sein Signal 1 wird — also genau umgekehrt zum Schließer. Im Kontaktplan erkennt man ihn am Querstrich durch das Kontaktsymbol. Ein Öffner an E0.2 bedeutet: Der Pfad ist an dieser Stelle durchgängig, solange E0.2 = 0 ist.

Im FUP wird die Negation durch einen kleinen Kreis am Eingang oder Ausgang der Box dargestellt. Liegt der Kreis am Eingang, wird das ankommende Signal vor der Verknüpfung umgedreht: Aus 0 wird 1 und umgekehrt. Liegt der Kreis am Ausgang, wird das Ergebnis der Box invertiert.

Als boolescher Ausdruck schreibt man die Negation häufig mit „NICHT“ oder einem Querstrich über der Variablen:

A0.0 = E0.0 UND NICHT E0.2

In Worten: Der Ausgang wird 1, wenn E0.0 = 1 ist und E0.2 = 0 ist. Genau so eine zusammengesetzte Verknüpfung — ein Schließer und ein negiertes Signal in UND-Verknüpfung — sieht in beiden Sprachen so aus:

KOP – Schließer und Öffner in Reihe E0.0 E0.2 A A0.0 FUP – &-Box mit negiertem Eingang E0.0 E0.2 & A0.0
Im KOP sorgt der Öffner an E0.2 dafür, dass der Pfad nur dann durchgängig ist, wenn E0.2 = 0 bleibt — zusammen mit dem geschlossenen Schließer E0.0. Im FUP übernimmt der kleine Kreis am unteren Eingang dieselbe Aufgabe: Er dreht E0.2 um, bevor die &-Box auswertet. Beide Bilder ergeben dieselbe Bedingung.

Ein Öffner an E0.2 liegt in Reihe mit einem Schließer an E0.0 vor dem Ausgang A0.0. E0.0 = 1 und E0.2 = 1. Welchen Zustand hat A0.0?

  • a) 1, weil beide Signale 1 sind
  • b) 1, weil der Öffner das Signal E0.2 in einen Schließer umwandelt
  • c) Der Zustand wechselt ständig zwischen 0 und 1
  • d) 0, weil der Öffner bei E0.2 = 1 den Pfad unterbricht

Richtig: d)

Erklärung: Ein Öffner ist im Ruhezustand durchgängig und unterbricht, sobald sein Signal 1 wird. Bei E0.2 = 1 ist der Pfad also offen, A0.0 bleibt 0 (d). Dass beide 1 sind, hilft hier gerade nicht (a); der Öffner wird kein Schließer (b), und ein selbsttätiger Wechsel (c) findet nicht statt.

Beim Übertragen eines KOP-Netzwerks mit einem Öffner in den Funktionsplan — wie wird der Öffner dort korrekt abgebildet?

  • a) Als zusätzliche, separate ODER-Box
  • b) Durch einen kleinen Kreis (Negation) am betreffenden Eingang der Box
  • c) Durch Weglassen des Signals, da ein Öffner nichts beiträgt
  • d) Durch Vertauschen aller übrigen Eingänge der Box

Richtig: b)

Erklärung: Der Öffner negiert genau ein Signal; im FUP entspricht das einem Negationskreis am betreffenden Box-Eingang (b). Eine eigene ODER-Box (a) hat damit nichts zu tun, weglassen würde die Bedingung verfälschen (c), und die übrigen Eingänge bleiben unberührt (d).

5. Vom KOP zum FUP und zurück

Die einzelnen Verknüpfungen sind nun klar. In der Praxis treten sie aber selten allein auf — meist kombiniert man sie zu einer zusammengesetzten Bedingung. Genau hier zahlt es sich aus, beide Sprachen lesen zu können, denn oft liegt ein Programm in der einen Form vor und man muss es in der anderen denken.

Nehmen wir eine gemischte Verknüpfung:

A0.0 = (E0.0 UND E0.1) ODER E0.2

In Worten: Der Ausgang wird 1, wenn entweder E0.0 und E0.1 zusammen erfüllt sind, oder wenn E0.2 für sich allein 1 ist. Die runden Klammern legen die Auswertereihenfolge fest: Zuerst wird die UND-Verknüpfung in der Klammer ausgewertet, ihr Ergebnis geht anschließend in die ODER-Verknüpfung ein. Das ist dieselbe „Punkt-vor-Strich“-Idee wie beim Rechnen — nur dass hier UND kommt vor ODER.

Im KOP baut man das so auf: E0.0 und E0.1 liegen als Reihenschaltung (UND) in einem Zweig. Parallel dazu (ODER) liegt E0.2 in einem eigenen Zweig. Beide Zweige führen gemeinsam auf den Ausgang.

Im FUP entsteht eine kleine Kette von Boxen: Zuerst eine &-Box, die E0.0 und E0.1 verknüpft. Deren Ausgang geht zusammen mit E0.2 in eine ≥1-Box, deren Ausgang schließlich auf A0.0 führt. Man liest die Boxenkette von innen nach außen — genau in der Reihenfolge der Klammern.

KOP – (E0.0 UND E0.1) ODER E0.2 E0.0 E0.1 E0.2 A A0.0 FUP – &-Box in ≥1-Box E0.0 E0.1 & E0.2 ≥1 A0.0
Beide Bilder beschreiben dieselbe Bedingung. Der entscheidende Trick beim Übertragen: Man hält sich an die Klammern. Eine Reihenschaltung im KOP wird zur &-Box im FUP, eine Parallelschaltung wird zur ≥1-Box, und ein Öffner wird zum Negationskreis. Umgekehrt genauso.

Welche Sprache wann? Das ist meist Geschmack, Gewohnheit oder firmeninterne Vorgabe. KOP liegt nahe, wenn man aus der Schützsteuerung und vom Stromlaufplan herkommt — die parallele Denkweise zur Verdrahtung hilft beim Fehlersuchen direkt an der Anlage. FUP wird oft bevorzugt, wenn viele Verknüpfungen ineinandergreifen, weil die Boxenstruktur größere Logikblöcke übersichtlicher staffelt. Beide sind nach derselben Norm gleichberechtigt; viele Programmierumgebungen schalten sogar per Knopfdruck zwischen den Darstellungen um.

Eine kleine Transferaufgabe zum Mitdenken: Gegeben ist ein KOP-Netzwerk mit zwei parallelen Zweigen — im oberen liegen E0.0 und E0.1 als Schließer in Reihe, im unteren liegt ein einzelner Öffner an E0.3. Beide Zweige führen auf A0.0. Frage: Welche Boxen liegen im FUP am Ausgang, und wo sitzt die Negation? — Lösung: Der obere Zweig (Reihenschaltung) wird zur &-Box mit E0.0 und E0.1. Deren Ausgang geht zusammen mit E0.3 in eine ≥1-Box (die beiden parallelen Zweige). E0.3 erhält dabei einen Negationskreis am Eingang der ≥1-Box, weil es im KOP ein Öffner war. Am Ausgang der ≥1-Box liegt A0.0. Als Ausdruck: A0.0 = (E0.0 UND E0.1) ODER NICHT E0.3.

Die Verknüpfung A0.0 = (E0.0 UND E0.1) ODER E0.2 soll in den Funktionsplan übertragen werden. Wie ist die Boxenkette korrekt aufgebaut?

  • a) Eine ≥1-Box für E0.0 und E0.1, deren Ausgang mit E0.2 in eine &-Box geht
  • b) Alle drei Eingänge gehen direkt in eine einzige &-Box
  • c) Alle drei Eingänge gehen direkt in eine einzige ≥1-Box
  • d) Eine &-Box für E0.0 und E0.1, deren Ausgang mit E0.2 in eine ≥1-Box geht

Richtig: d)

Erklärung: Die Klammer (E0.0 UND E0.1) wird zuerst ausgewertet — das ist eine &-Box. Deren Ergebnis geht zusammen mit E0.2 in die ODER-Verknüpfung, also eine ≥1-Box (d). Die Vertauschung der Box-Typen (a) kehrt die Logik um, und eine einzige Box (b, c) ignoriert die Klammerung.

Beim Übertragen von KOP nach FUP — welche Zuordnung der Strukturen ist durchgängig richtig?

  • a) Reihenschaltung → &-Box, Parallelschaltung → ≥1-Box, Öffner → Negationskreis
  • b) Reihenschaltung → ≥1-Box, Parallelschaltung → &-Box, Öffner → zweite Box
  • c) Reihenschaltung → Negationskreis, Parallelschaltung → &-Box, Öffner → ≥1-Box
  • d) Alle Strukturen werden im FUP einheitlich durch &-Boxen dargestellt

Richtig: a)

Erklärung: Die festen Übersetzungsregeln lauten: Reihe = UND = &-Box, parallel = ODER = ≥1-Box, Öffner = Negation = Kreis am Eingang (a). Die übrigen Zuordnungen vertauschen diese Entsprechungen und führen zu falscher Logik.

Warum spielt die Klammerung in (E0.0 UND E0.1) ODER E0.2 für das Ergebnis eine Rolle?

  • a) Sie hat keine Rolle, da UND und ODER beliebig vertauschbar sind
  • b) Sie bewirkt, dass E0.2 doppelt gewertet wird
  • c) Sie macht aus der ODER- eine UND-Verknüpfung
  • d) Sie legt fest, dass zuerst die UND-Verknüpfung und danach die ODER-Verknüpfung ausgewertet wird

Richtig: d)

Erklärung: Die Klammer bestimmt die Auswertereihenfolge — erst der Inhalt der Klammer (UND), dann die Verknüpfung nach außen (ODER) (d). UND und ODER sind nicht beliebig vertauschbar (a), E0.2 wird nicht doppelt gewertet (b), und die Klammer ändert keine Verknüpfungsart (c).

Abschlusstest

Frage 1: Ein und dieselbe Steuerungsaufgabe wurde von zwei Personen umgesetzt — eine in KOP, eine in FUP. Beide Programme sind logisch identisch. Was lässt sich mit Sicherheit sagen?

  • a) Das FUP-Programm benötigt im Betrieb weniger Speicher
  • b) Bei identischen Eingangszuständen sind die Ausgangszustände gleich
  • c) Das KOP-Programm ist grundsätzlich schneller in der Abarbeitung
  • d) Nur eines der beiden Programme kann auf einer realen SPS laufen

Richtig: b)

Erklärung: KOP und FUP sind Darstellungen derselben Logik; bei gleichen Eingängen ergeben sich gleiche Ausgänge (b). Aussagen zu Speicher (a) oder Geschwindigkeit (c) folgen nicht aus der Darstellungsform, und beide Sprachen sind nach ÖNORM EN 61131-3 lauffähig (d).

Frage 2: In einem KOP-Netzwerk liegen vier Schließer hintereinander im selben Strompfad. Drei davon sind geschlossen, einer ist offen. Welchen Zustand hat der Ausgang?

  • a) 0, weil ein einziger offener Kontakt den ganzen Pfad unterbricht
  • b) 1, weil die Mehrheit geschlossen ist
  • c) 1, weil bei einer Reihenschaltung ein geschlossener Kontakt genügt
  • d) Der Zustand pendelt zwischen 0 und 1

Richtig: a)

Erklärung: Reihenschaltung bedeutet UND: Alle Kontakte müssen geschlossen sein. Ein offener Kontakt unterbricht den Pfad vollständig, der Ausgang ist 0 (a). Mehrheit (b) und „einer genügt“ (c) sind ODER-Denkweisen.

Frage 3: Eine ≥1-Box im FUP hat drei Eingänge. Alle drei sind 0. Dann wird ein Eingang auf 1 gesetzt. Was passiert am Ausgang?

  • a) Er bleibt 0, weil mindestens zwei Eingänge 1 sein müssen
  • b) Er wird 1, weil bei ODER ein Eingang mit 1 ausreicht
  • c) Er wird 1, aber nur, wenn alle drei Eingänge 1 werden
  • d) Er bleibt dauerhaft 0

Richtig: b)

Erklärung: ≥1 is die ODER-Box: Sobald mindestens ein Eingang 1 ist, wird der Ausgang 1 (b). Eine Mindestzahl von zwei (a) oder das Erfordernis aller drei (c) gehört nicht zur ODER-Logik.

Frage 4: Ein Öffner an E0.1 liegt in Reihe mit einem Schließer an E0.0. Bei welcher Kombination wird der Ausgang 1?

  • a) E0.0 = 1 und E0.1 = 1
  • b) E0.0 = 0 und E0.1 = 0
  • c) E0.0 = 0 und E0.1 = 1
  • d) E0.0 = 1 und E0.1 = 0

Richtig: d)

Erklärung: Der Schließer braucht E0.0 = 1, der Öffner ist nur bei E0.1 = 0 durchgängig. Beide Bedingungen zusammen erfüllt nur die Kombination E0.0 = 1, E0.1 = 0 (d). In allen anderen Fällen ist mindestens einer der beiden Kontakte offen.

Frage 5: Wie wird im Funktionsplan ein Signal negiert, das in einer Box verknüpft werden soll?

  • a) Durch einen kleinen Kreis am betreffenden Eingang der Box
  • b) Durch eine zusätzliche &-Box vor dem Eingang
  • c) Durch Verdoppeln des Signals
  • d) Durch Umbenennen des Eingangs

Richtig: a)

Erklärung: Die Negation wird im FUP durch einen Kreis am Box-Eingang (oder -Ausgang) dargestellt (a). Eine zusätzliche Box (b), Verdopplung (c) oder Umbenennung (d) leisten das nicht.

Frage 6: Die Bedingung A0.0 = (E0.0 ODER E0.1) UND E0.2 soll in KOP umgesetzt werden. Wie sieht der Aufbau aus?

  • a) E0.0, E0.1 und E0.2 alle drei in Reihe
  • b) E0.0 und E0.1 in Reihe, dieser Block parallel zu E0.2
  • c) E0.0 und E0.1 parallel, dieser Block in Reihe mit E0.2
  • d) Alle drei parallel

Richtig: c)

Erklärung: Die Klammer (E0.0 ODER E0.1) ist eine ODER-Verknüpfung — im KOP eine Parallelschaltung. Diese steht über das äußere UND in Reihe mit E0.2 (c). Variante b vertauscht Reihe und parallel, a und d ignorieren die Klammerung.

Frage 7: Warum lässt sich in vielen Programmierumgebungen ein Netzwerk per Knopfdruck zwischen KOP und FUP umschalten?

  • a) Weil die Umgebung das Programm dabei automatisch optimiert
  • b) Weil beide Darstellungen dieselbe boolesche Logik abbilden und ineinander überführbar sind
  • c) Weil FUP nur eine vereinfachte Vorschau von KOP is
  • d) Weil dabei alle Öffner automatisch zu Schließern werden

Richtig: b)

Erklärung: Da KOP and FUP dieselbe Logik in unterschiedlicher Form darstellen, ist die Umrechnung eindeutig und automatisierbar (b). Eine inhaltliche Optimierung (a) findet dabei nicht statt, FUP ist keine bloße Vorschau (c), und Kontakttypen bleiben in ihrer Wirkung erhalten (d).

Frage 8: In einem KOP-Netzwerk führt ein oberer Zweig (E0.0 in Reihe mit E0.1) und ein unterer Zweig (E0.2) gemeinsam auf den Ausgang. Welcher boolesche Ausdruck beschreibt das?

  • a) A0.0 = E0.0 UND E0.1 UND E0.2
  • b) A0.0 = E0.0 ODER E0.1 ODER E0.2
  • c) A0.0 = (E0.0 UND E0.1) ODER E0.2
  • d) A0.0 = (E0.0 ODER E0.1) UND E0.2

Richtig: c)

Erklärung: Der obere Zweig ist eine Reihenschaltung (UND), die beiden parallelen Zweige bilden ein ODER. Das ergibt (E0.0 UND E0.1) ODER E0.2 (c). Die übrigen Ausdrücke geben die Struktur falsch wieder.

Frage 9: Was unterscheidet einen Schließer von einem Öffner im Kontaktplan in ihrer logischen Wirkung?

  • a) Der Schließer ist durchgängig bei Signal 1, der Öffner bei Signal 0
  • b) Der Schließer ist durchgängig bei Signal 0, der Öffner bei Signal 1
  • c) Beide sind bei Signal 1 durchgängig, unterscheiden sich nur im Symbol
  • d) Der Öffner ist immer durchgängig, unabhängig vom Signal

Richtig: a)

Erklärung: Der Schließer wird bei Signal 1 durchgängig, der Öffner ist im Ruhezustand (Signal 0) durchgängig und unterbricht bei 1 (a). Die übrigen Varianten verdrehen oder verwischen diesen Unterschied.

Frage 10: Eine zusammengesetzte Bedingung enthält UND und ODER ohne Klammern. Welche Verknüpfung wird üblicherweise zuerst ausgewertet?

  • a) Die ODER-Verknüpfung
  • b) Die UND-Verknüpfung
  • c) Die zuletzt eingegebene Verknüpfung
  • d) Die Reihenfolge ist undefiniert und zufällig

Richtig: b)

Erklärung: Analog zu „Punkt vor Strich“ gilt UND vor ODER — die UND-Verknüpfung wird zuerst ausgewertet (b). Klammern können diese Reihenfolge gezielt ändern, aber ohne Klammern ist sie festgelegt und nicht zufällig (d).

Frage 11: Ein FUP-Netzwerk besteht aus einer &-Box mit den Eingängen E0.0 und E0.1, wobei E0.1 einen Negationskreis trägt. Bei welcher Kombination wird der Ausgang 1?

  • a) E0.0 = 1 und E0.1 = 1
  • b) E0.0 = 0 und E0.1 = 0
  • c) E0.0 = 1 und E0.1 = 0
  • d) E0.0 = 0 und E0.1 = 1

Richtig: c)

Erklärung: Der Negationskreis dreht E0.1 um, bevor die &-Box auswertet. Die Box braucht an beiden Eingängen 1 — also E0.0 = 1 und das negierte E0.1, was E0.1 = 0 bedeutet (c).

Frage 12: Welche Aussage zur Wahl zwischen KOP und FUP trifft in der Praxis am ehesten zu?

  • a) FUP darf nur für Sicherheitsfunktionen verwendet werden
  • b) KOP ist gesetzlich vorgeschrieben, FUP nur geduldet
  • c) KOP kann ausschließlich UND, FUP ausschließlich ODER abbilden
  • d) Die Wahl hängt meist von Gewohnheit, Herkunft oder firmeninterner Vorgabe ab

Richtig: d)

Erklärung: Beide Sprachen sind gleichberechtigt; welche man nimmt, ist meist eine Frage von Gewohnheit, Vorbildung oder Vorgabe (d). Es gibt keine derartige gesetzliche Festlegung (b), keine Beschränkung auf Sicherheitsfunktionen (a), und beide können alle Grundverknüpfungen abbilden (c).

Glossar

KOP (Kontaktplan)
Grafische SPS-Programmiersprache, die logische Verknüpfungen als Strompfade mit Kontakten darstellt, angelehnt an den Stromlaufplan.
FUP (Funktionsplan)
Grafische SPS-Programmiersprache, die logische Verknüpfungen als rechteckige Boxen mit Ein- und Ausgängen darstellt, angelehnt an Logikgatter.
Schließer (Arbeitskontakt)
Kontakt, der bei Signal 1 durchgängig wird und den Strompfad schließt; bei Signal 0 ist er offen.
Öffner (Ruhekontakt)
Kontakt, der im Ruhezustand (Signal 0) durchgängig ist und bei Signal 1 den Strompfad unterbricht; im KOP am Querstrich erkennbar.
Negation
Umkehrung eines Signals: aus 0 wird 1 und umgekehrt. Im KOP durch den Öffner, im FUP durch einen kleinen Kreis am Box-Anschluss dargestellt.
&-Box
Symbol der UND-Verknüpfung im Funktionsplan; gibt nur dann 1 aus, wenn an allen Eingängen 1 anliegt.
≥1-Box
Symbol der ODER-Verknüpfung im Funktionsplan; gibt 1 aus, sobald mindestens ein Eingang 1 ist.
Auswertereihenfolge
Reihenfolge, in der die Teile einer zusammengesetzten Verknüpfung berechnet werden; UND wird vor ODER ausgewertet, Klammern haben Vorrang.

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