Zählerfunktionen (CTU, CTD, CTUD)

Sobald eine Anlage etwas mitzählen muss — fertige Teile, Hübe einer Presse, ein- und ausfahrende Fahrzeuge — kommen in der SPS die Zählerbausteine ins Spiel. Sie sind seit Jahrzehnten genormt, in jeder Steuerung verfügbar und in der Praxis allgegenwärtig. Wer einmal verstanden hat, wie die drei Grundtypen aufgebaut sind und worauf sie reagieren, kann praktisch jede Zählaufgabe sauber lösen.

Dieser Beitrag zeigt die drei genormten Zähler nach IEC 61131-3: den Vorwärtszähler CTU, den Rückwärtszähler CTD und den kombinierten Auf-/Abwärtszähler CTUD. Wir schauen uns ihre Anschlüsse an, das Verhalten der Ausgänge und die Stolperfallen, die in der Werkstatt am häufigsten zu Fehlern führen.

Vorwissen

  • Was ist eine SPS? – Aufbau und Funktionsweise
  • Zyklischer Programmablauf (EVA-Prinzip)
  • Programmiersprachen nach IEC 61131-3

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum ein Zähler nur auf Signalwechsel und nicht auf Dauersignale reagiert
  • die Anschlüsse von CTU, CTD und CTUD benennen und ihre Funktion beschreiben
  • den Wertebereich der Zählerwerte einschätzen und die Überlaufgefahr erkennen
  • das Vorrangverhalten von Reset und Load beim CTUD richtig anwenden
  • typische Fehler beim Einsatz von Zählern in einem Programm vermeiden

1. Warum Zähler in der SPS?

Stell dir ein Förderband vor, an dem fertige Teile vorbeilaufen. Ein Sensor meldet jedes Teil. Nach genau 24 Stück soll ein Schieber die Charge auf eine Palette schieben. Die Aufgabe klingt simpel: Ereignisse zählen, bei einem Sollwert reagieren. Genau das ist die Kernaufgabe eines Zählers.

Warum reicht dafür nicht einfach ein Merker, den man bei jedem Sensorsignal um eins erhöht? Das Problem steckt im zyklischen Programmablauf. Die SPS arbeitet ihr Programm immer wieder von oben nach unten ab, oft mehrere tausend Mal pro Sekunde. Solange der Sensor ein Teil meldet, liegt sein Signal über viele Zyklen hinweg an. Eine schlichte „+1″-Anweisung würde in jedem dieser Zyklen erneut ausgeführt — der Zählerstand würde regelrecht hochschießen, obwohl nur ein einziges Teil vorbeigelaufen ist.

Hier kommen die Zählerbausteine ins Spiel. Sie sind als genormte Funktionsbausteine nach IEC 61131-3 definiert: ein fertiges, in jeder Steuerung verfügbares Bauteil mit klar festgelegten Ein- und Ausgängen. Intern lösen sie das Zyklusproblem selbstständig, indem sie nur auf den Moment des Signalwechsels reagieren. Wie das genau funktioniert, klären wir im nächsten Kapitel.

Warum ist ein einfacher Merker mit einer „+1″-Anweisung für die Stückzählung an einem Sensor ungeeignet?

  • a) Das Sensorsignal liegt über viele Zyklen an und würde mehrfach hochgezählt
  • b) Merker können grundsätzlich keine Zahlen speichern
  • c) Die Anweisung würde nur einmal beim Programmstart ausgeführt
  • d) Merker werden bei jedem Zyklus automatisch auf null zurückgesetzt

Richtig: a)

Der Knackpunkt ist der zyklische Programmablauf. Ein anliegendes Dauersignal wird in jedem Zyklus erneut ausgewertet, sodass eine simple „+1″-Anweisung den Wert bei jedem Durchlauf erhöht — nicht einmal pro Teil. b) ist falsch, Merker speichern sehr wohl Werte. c) ist falsch, das Programm läuft zyklisch immer wieder. d) ist falsch, Merker behalten ihren Wert über Zyklen hinweg.

Was bedeutet die Aussage, dass ein Zähler ein „genormter Funktionsbaustein nach IEC 61131-3″ ist?

  • a) Er muss vom Programmierer in jeder Anlage neu programmiert werden
  • b) Er ist nur in österreichischen Steuerungen verfügbar
  • c) Er darf ausschließlich in der Programmiersprache AWL verwendet werden
  • d) Seine Anschlüsse und sein Verhalten sind herstellerübergreifend einheitlich festgelegt

Richtig: d)

Die Norm legt fest, welche Anschlüsse ein Zähler hat und wie er sich verhält. Dadurch funktioniert ein CTU bei verschiedenen Herstellern grundsätzlich gleich. a) ist falsch, der Baustein ist fertig vorhanden. b) ist falsch, die Norm ist international. c) ist falsch, Zähler stehen in allen genormten Sprachen zur Verfügung.

2. Die Flanke als Auslöser

Im vorigen Kapitel haben wir gesehen: Das eigentliche Problem ist, dass ein Signal über viele Zyklen anliegt. Die Lösung heißt Flankenauswertung.

Man muss zwei Dinge unterscheiden. Der Signalzustand ist der aktuelle Wert eines Eingangs — entweder 0 oder 1. Der Signalwechsel dagegen ist der Moment, in dem dieser Wert umschlägt. Wechselt ein Signal von 0 auf 1, spricht man von einer steigenden Flanke (auch positive Flanke). Der umgekehrte Wechsel von 1 auf 0 ist die fallende Flanke.

Ein Zähler reagiert nicht auf den Zustand, sondern auf die steigende Flanke am Zähleingang. Egal wie lange das Sensorsignal anschließend noch auf 1 bleibt — gezählt wird nur der eine Augenblick des Wechsels von 0 auf 1. Erst wenn das Signal zwischendurch wieder auf 0 zurückgegangen ist und dann erneut auf 1 steigt, zählt der Baustein wieder um eins weiter.

Diese Flankenerkennung steckt fest im Zählerbaustein eingebaut. Der Programmierer muss sich nicht selbst darum kümmern — er verbindet einfach das Signal mit dem Zähleingang, und der Baustein erledigt den Rest. Das folgende Diagramm zeigt den Zusammenhang zwischen Eingangssignal und gezählter Flanke über die Zeit.

Eingangssignal am Zähleingang und ausgewertete Flanken Signal 1 0 Zähler +1 +1 +1 CV=1 CV=2 CV=3 Zeit
Jede rote Linie markiert eine steigende Flanke — und nur dort erhöht sich der Zählerstand. Die Dauer, die das Signal anschließend auf 1 bleibt, spielt keine Rolle.

Ein Signal am Zähleingang eines CTU springt auf 1 and bleibt für 500 Zyklen auf 1, bevor es wieder auf 0 fällt. Um wie viel erhöht sich der Zählerstand?

  • a) Um 1
  • b) Um 500
  • c) Um 0, da der Zähler nur fallende Flanken auswertet
  • d) Um 250

Richtig: a)

Gezählt wird ausschließlich die steigende Flanke, also der eine Moment des Wechsels von 0 auf 1. Wie lange das Signal danach auf 1 bleibt, ist ohne Bedeutung. b) und d) verwechseln Dauer mit Flanke. c) ist falsch, der Zähleingang eines CTU wertet die steigende, nicht die fallende Flanke aus.

Worin unterscheidet sich der Signalzustand vom Signalwechsel?

  • a) Es gibt keinen Unterschied, beide Begriffe sind gleichbedeutend
  • b) Der Signalwechsel ist immer 1, der Signalzustand immer 0
  • c) Der Signalzustand gilt nur für Ausgänge, der Signalwechsel nur für Eingänge
  • d) Der Signalzustand ist der aktuelle Wert, der Signalwechsel der Moment des Umschlagens

Richtig: d)

Der Zustand beschreibt, ob ein Signal gerade 0 oder 1 ist. Der Wechsel — die Flanke — ist der Übergang zwischen diesen Zuständen. Genau auf diesen Übergang reagiert der Zähler. Die übrigen Antworten erfinden Regeln, die es nicht gibt.

3. CTU — der Vorwärtszähler

Der CTU (Count Up) ist der einfachste der drei Zähler. Er zählt nur in eine Richtung: aufwärts. Jede steigende Flanke am Zähleingang erhöht den Zählerstand um eins.

Der Baustein hat folgende Anschlüsse:

Anschluss Bedeutung Funktion
CU Count Up (Eingang) Zähleingang — jede steigende Flanke zählt +1
R Reset (Eingang) setzt den Zählerstand auf 0
PV Preset Value (Eingang) Vorgabewert / Sollwert
Q Ausgang wird 1, sobald CV ≥ PV
CV Current Value (Ausgang) aktueller Zählerstand

So sieht das Bausteinsymbol aus:

CTU CU R PV Q CV

Der Ablauf ist geradlinig. Bei jeder steigenden Flanke an CU erhöht sich der Current Value (CV) um eins. Sobald CV den Preset Value (PV) erreicht oder überschreitet, schaltet der Ausgang Q auf 1. Ein Signal am Reset-Eingang R setzt CV sofort wieder auf 0, womit auch Q zurückfällt.

Wichtig ist der Datentyp der Werte. Nach IEC 61131-3 sind PV und CV standardmäßig vom Typ INT (Integer, ganze Zahl). Ein INT umfasst den Wertebereich von −32768 bis +32767. Beim CTU stoppt der Zähler beim Erreichen der oberen Grenze und zählt nicht darüber hinaus — er läuft also nicht in den Unterlauf um. Trotzdem muss man den Bereich im Kopf haben: Wer mit großen Stückzahlen arbeitet, kann an diese Grenze stoßen und braucht dann einen Zähler mit größerem Datentyp (etwa DINT).

Bei einem CTU steht PV auf 8. Der aktuelle Zählerstand CV ist 8. Welcher Zustand liegt am Ausgang Q an?

  • a) Q = 0, weil CV den PV erst überschreiten muss
  • b) Q = 1, weil die Bedingung CV ≥ PV erfüllt ist
  • c) Q bleibt undefiniert, bis ein Reset erfolgt
  • d) Q = 0, weil PV und CV exakt gleich sind

Richtig: b)

Q schaltet bereits bei Gleichheit, denn die Bedingung lautet CV ≥ PV (größer oder gleich). Bei CV = 8 und PV = 8 ist sie erfüllt, Q wird 1. a) und d) deuten die Bedingung falsch als „echt größer“. c) ist falsch, Q is klar definiert.

Ein CTU soll an einer Anlage Werkstücke zählen, von denen pro Schicht rund 40000 anfallen. Welches Problem droht bei der Standard-Deklaration mit INT?

  • a) Keines, INT deckt beliebig große Zahlen ab
  • b) Q schaltet bei INT grundsätzlich nicht
  • c) Der Zählerstand erreicht die Obergrenze von 32767 und kann die tatsächliche Stückzahl nicht mehr abbilden
  • d) Der Reset funktioniert bei großen Werten nicht mehr

Richtig: c)

Ein INT reicht nur bis +32767. Bei 40000 Werkstücken ist diese Grenze überschritten — der Zähler kann den realen Stand nicht mehr korrekt führen. Abhilfe schafft ein größerer Datentyp wie DINT. a) ist schlicht falsch. b) und d) erfinden Effekte, die mit dem Wertebereich nichts zu tun haben.

4. CTD — der Rückwärtszähler

Der CTD (Count Down) arbeitet spiegelbildlich zum CTU: Er zählt abwärts. Statt von null hochzulaufen, beginnt er bei einem geladenen Startwert und zählt mit jeder Flanke herunter.

Anschluss Bedeutung Funktion
CD Count Down (Eingang) Zähleingang — jede steigende Flanke zählt −1
LD Load (Eingang) lädt den Vorgabewert PV in CV
PV Preset Value (Eingang) Startwert, von dem heruntergezählt wird
Q Ausgang wird 1, sobald CV ≤ 0
CV Current Value (Ausgang) aktueller Zählerstand
CTD CD LD PV Q CV

Der Ablauf beginnt mit dem Laden. Liegt ein Signal an LD an, wird der Vorgabewert PV in den Zählerstand CV übernommen — der Zähler wird also auf seinen Startwert gesetzt. Danach zählt jede steigende Flanke an CD den Wert um eins herunter. Erreicht CV den Wert 0 oder fällt darunter, schaltet Q auf 1.

Auch hier gelten PV und CV standardmäßig als INT mit dem Wertebereich −32768 bis +32767. Beim Abwärtszählen ist die untere Grenze von −32768 relevante: Der CTD stoppt dort und zählt nicht weiter nach unten.

Was passiert beim CTD, wenn ein Signal an den Load-Eingang LD gelegt wird?

  • a) Der Zählerstand CV wird auf 0 gesetzt
  • b) Der Vorgabewert PV wird in den Zählerstand CV geladen
  • c) Der Ausgang Q wird dauerhaft auf 1 gesetzt
  • d) Der Zähler beginnt, aufwärts zu zählen

Richtig: b)

LD lädt den Startwert: PV wird nach CV übernommen, womit der Zähler auf seinen Ausgangswert gestellt wird. Das ist beim Abwärtszähler nötig, weil er sonst keinen Wert hätte, von dem aus er herunterzählen könnte. a) beschreibt den Reset eines CTU, nicht das Laden. c) und d) sind frei erfunden.

Ein CTD wurde mit PV = 5 geladen. Es treffen sechs steigende Flanken an CD ein. Welcher Zustand liegt vor?

  • a) CV = 1, Q = 0
  • b) CV = 6, Q = 1
  • c) CV = 0, Q = 0
  • d) CV = −1, Q = 1

Richtig: d)

Von 5 ausgehend führen pfünf Flanken auf CV = 0, die sechste auf CV = −1. Da die Bedingung CV ≤ 0 schon ab dem Erreichen von 0 erfüllt ist, steht Q längst auf 1. Negative Werte sind im INT-Bereich problemlos darstellbar. a) und b) rechnen in die falsche Richtung, c) übersieht die sechste Flanke.

5. CTUD — der kombinierte Zähler

Der CTUD (Count Up/Down) vereint beide Richtungen in einem einzigen Baustein. Er kann sowohl vorwärts als auch rückwärts zählen und besitzt entsprechend zwei Zähleingänge und zwei Ausgänge.

Anschluss Bedeutung Funktion
CU Count Up (Eingang) steigende Flanke zählt +1
CD Count Down (Eingang) steigende Flanke zählt −1
R Reset (Eingang) setzt CV auf 0
LD Load (Eingang) lädt PV in CV
PV Preset Value (Eingang) Vorgabewert
QU Ausgang aufwärts wird 1, sobald CV ≥ PV
QD Ausgang abwärts wird 1, sobald CV ≤ 0
CV Current Value (Ausgang) aktueller Zählerstand
CTUD CU CD R LD PV QU QD CV

Der Baustein arbeitet mit einem gemeinsamen Zählerstand CV, den beide Zähleingänge beeinflussen: Eine Flanke an CU erhöht ihn, eine Flanke an CD verringert ihn. Die beiden Ausgänge melden jeweils ihre Grenze. QU wird 1, sobald CV den Vorgabewert PV erreicht (CV ≥ PV). QD wird 1, sobald CV auf 0 oder darunter fällt (CV ≤ 0).

Spannend wird es, wenn Reset und Load gleichzeitig anstehen. Nach IEC 61131-3 ist der Reset (R) dominant gegenüber dem Load (LD). Liegen also beide Signale zugleich an, gewinnt der Reset: CV wird auf 0 gesetzt, das Laden wird ignoriert. Da bei dominantem Reset der Zählerstand CV auf 0 erzwungen wird, schaltet in diesem Moment auch der Abwärts-Ausgang QD auf 1 (denn CV ≤ 0 ist erfüllt), während QU auf 0 fällt. Dieses Ausgangsverhalten muss man bei der Fehlersuche an der Anlage kennen — ein aktiver Reset führt nicht zu einem „neutralen“, sondern zu einem klar definierten Zustand mit gesetztem QD. Diese Vorrangregel ist kein Detail, sondern entscheidend: Ohne sie wäre das Verhalten bei widersprüchlichen Signalen nicht eindeutig vorhersehbar, und genau solche Situationen führen an Maschinen zu schwer auffindbaren Fehlern.

Wie beim CTU und CTD gelten PV und CV standardmäßig als INT mit dem Wertebereich −32768 bis +32767.

Gelöstes Beispiel

Szenario:
Ein Parkhaus wird über einen CTUD verwaltet. Der Vorgabewert ist PV = 50 (Gesamtkapazität). Zu Schichtbeginn ist das Parkhaus leer, der Zählerstand wurde über R auf 0 gesetzt. Im Lauf des Vormittags fahren 5 Autos ein und 2 Autos wieder aus.

Gegeben: PV = 50, Startwert CV = 0, Einfahrten = 5, Ausfahrten = 2

Gesucht: Wert von CV, Zustände von QU und QD

Lösungsweg:

Jede Einfahrt erzeugt eine Flanke an CU (+1), jede Ausfahrt eine Flanke an CD (−1).

  1. Schritt 1 — Einfahrten: 5 Flanken an CU → CV = 0 + 5 = 5
  2. Schritt 2 — Ausfahrten: 2 Flanken an CD → CV = 5 − 2 = 3
  3. Zählerstand: CV = 3
  4. QU wird nur 1, wenn CV ≥ PV (also ≥ 50). Bei CV = 3 ist das nicht erfüllt → QU = 0.
  5. QD wird nur 1, wenn CV ≤ 0. Bei CV = 3 ist das nicht erfüllt → QD = 0.

Ergebnis: Im Parkhaus stehen 3 Autos, weder „besetzt“ noch „leer“ ist gemeldet.

Bei einem CTUD stehen gleichzeitig der Reset-Eingang R und der Load-Eingang LD auf 1. Was geschieht mit dem Zählerstand CV?

  • a) CV wird auf den Vorgabewert PV geladen
  • b) CV bleibt unverändert, weil sich die Signale aufheben
  • c) CV wird auf 0 gesetzt, da der Reset Vorrang hat
  • d) CV wird abwechselnd geladen und zurückgesetzt

Richtig: c)

Nach IEC 61131-3 is der Reset gegenüber dem Load dominant. Bei gleichzeitigem Anliegen gewinnt R: CV wird auf 0 gesetzt, das Laden unterbleibt. a) verkennt die Vorrangregel. b) und d) erfinden ein Verhalten, das die Norm nicht vorsieht.

Welchen Zustand nimmt der Ausgang QD an, wenn bei einem CTUD ein dominanter Reset CV auf 0 zwingt?

  • a) QU = 1, QD = 0
  • b) Beide Ausgänge bleiben unverändert
  • c) QD = 0, weil ein Reset alle Ausgänge sperrt
  • d) QD = 1, weil CV ≤ 0 nun erfüllt ist

Richtig: d)

Der Reset setzt CV auf 0. Damit ist die Bedingung für QD (CV ≤ 0) erfüllt, QD schaltet auf 1, während QU auf 0 fällt. Genau dieses Verhalten ist bei der Fehlersuche wichtig. a) kehrt die Ausgänge um. b) ignoriert die Wirkung des Reset auf CV. c) erfindet eine Sperre, die es nicht gibt.

Ein CTUD verwaltet einen Pufferplatz mit PV = 20. Der Zählerstand steht bei CV = 20. Welche Aussage trifft zu?

  • a) QU = 1, weil CV ≥ PV erfüllt ist
  • b) QD = 1, weil der Puffer voll ist
  • c) Beide Ausgänge sind 0
  • d) QU = 0, weil CV den PV exakt erreicht, aber nicht überschreitet

Richtig: a)

QU schaltet bei CV ≥ PV, und Gleichheit erfüllt diese Bedingung. Bei CV = 20 und PV = 20 wird QU also 1. b) verwechselt QD (untere Grenze) mit dem vollen Zustand. c) übersieht das Schalten von QU. d) deutet die Bedingung fälschlich als „echt größer“.

Worin liegt der wesentliche Vorteil des CTUD gegenüber dem Einsatz eines separaten CTU und CTD?

  • a) Der CTUD zählt deutlich schneller
  • b) Beide Zählrichtungen wirken auf einen gemeinsamen Zählerstand, der die Bilanz direkt abbildet
  • c) Der CTUD benötigt keinen Vorgabewert PV
  • d) Der CTUD wertet auch fallende Flanken aus

Richtig: b)

Der Mehrwert ist der gemeinsame Zählerstand: Auf- und Abwärtsereignisse verrechnen sich automatisch zu einem aktuellen Bestand — ideal für Belegungs- oder Bilanzaufgaben. Mit zwei getrennten Zählern müsste man die Differenz erst selbst bilden. a) ist kein definiertes Merkmal. c) ist falsch, PV wird für QU gebraucht. d) ist falsch, auch der CTUD wertet steigende Flanken aus.

6. Zähler richtig einsetzen

Die drei Bausteine sind schnell verstanden — die Tücken liegen wie so oft im Detail des Einsatzes.

Ein wichtiger Punkt ist das Verhalten nach einem Spannungsausfall. Ob ein Zählerstand erhalten bleibt oder verloren geht, hängt von der Remanenz ab — also davon, ob der Wert in einem spannungsausfallsicheren Speicherbereich liegt. Bei einer Stückzählung über eine ganze Schicht hinweg will man den Stand in der Regel behalten; bei einer Charge, die nach jedem Spannungsausfall ohnehin neu beginnt, eher nicht. Die Remanenz wird bei der Deklaration festgelegt und sollte bewusst gewählt werden.

Ebenso entscheidend ist eine durchdachte Reset-Strategie. Ein CTU ohne sinnvolles Reset zählt irgendwann gegen seine Obergrenze. Die Frage „Wann genau soll der Zähler auf null?“ gehört zu jeder Zählaufgabe dazu — beim Chargenwechsel, per Tastendruck, beim Anlagenstart.

Die häufigsten Fehler in der Praxis sind schnell aufgezählt: ein falsch gesetzter Vorgabewert PV, der den Q-Ausgang zu früh oder nie schalten lässt; ein fehlendes oder falsch verschaltetes Reset; und der bereits erwähnte Klassiker, ein Dauersignal statt eines flankenförmigen Signals am Zähleingang.

Zähler stehen außerdem selten allein. Häufig arbeiten sie mit Zeitfunktionen zusammen — etwa wenn nicht nur die Stückzahl, sondern auch ein Zeitfenster überwacht werden soll. Die Zeitbausteine sind ein eigenes Thema; hier genügt zu wissen, dass sich Zähler und Zeitglieder in einem Programm gut ergänzen.

Eine Stückzählung soll auch nach einem kurzen Stromausfall mit dem letzten Stand weiterlaufen. Worauf kommt es bei der Deklaration des Zählers an?

  • a) Der Zähler muss als CTUD ausgeführt sein
  • b) Der Zählerwert muss remanent deklariert sein
  • c) Der Vorgabewert PV muss auf 0 stehen
  • d) Es muss ein zweiter Zähler als Sicherung mitlaufen

Richtig: b)

Ob ein Wert einen Spannungsausfall übersteht, hängt allein an der Remanenz — also daran, dass der Wert in einem spannungsausfallsicheren Bereich gehalten wird. Der Bausteintyp (a) spielt dafür keine Rolle. c) und d) lösen das Problem nicht.

Welcher der folgenden Punkte ist KEIN typischer Fehler beim Einsatz von Zählern?

  • a) Ein Dauersignal wird statt eines flankenförmigen Signals an den Zähleingang gelegt
  • b) Der Vorgabewert PV ist falsch gesetzt
  • c) Der Zähler wird in einer genormten Programmiersprache nach IEC 61131-3 programmiert
  • d) Das Reset fehlt oder ist falsch verschaltet

Richtig: c)

Die Verwendung einer genormten Sprache ist kein Fehler, sondern der Normalfall. Die anderen drei Punkte sind die Klassiker, die in der Praxis regelmäßig zu Fehlverhalten führen. Die Frage zielt bewusst auf das Erkennen des „falschen Freundes“ unter scheinbar gleichartigen Aussagen.

Abschlusstest

Ein CTU hat PV = 10. Sein Zähleingang CU erhält ein Signal, das auf 1 springt und dort für 300 Programmzyklen verharrt. Wie verändert sich der Zählerstand CV?

  • a) CV erhöht sich um 1
  • b) CV erhöht sich um 300
  • c) CV erhöht sich um 10
  • d) CV bleibt bei 0

Richtig: a)

Gezählt wird nur die steigende Flanke — der eine Wechsel von 0 auf 1. Die Verweildauer auf 1 ist bedeutungslos. Daher genau +1. b) verwechselt Dauer mit Flanke, c) bezieht fälschlich PV ein, d) übersieht die Flanke selbst.

Bei welcher Bedingung schaltet der Ausgang Q eines CTU auf 1?

  • a) Sobald CV ≥ PV
  • b) Sobald CV ≤ 0
  • c) Sobald eine Flanke an R anliegt
  • d) Sobald CV exakt gleich PV ist und keinen Zyklus später

Richtig: a)

Q wird 1, sobald der Zählerstand den Vorgabewert erreicht oder überschreitet. b) beschreibt das Verhalten eines CTD. c) ist falsch, R setzt zurück. d) verengt die Bedingung unzulässig auf exakte Gleichheit in einem einzigen Zyklus.

Welcher Datentyp ist nach IEC 61131-3 für PV und CV standardmäßig vorgesehen, und welchen Wertebereich umfasst er?

  • a) BYTE, 0 bis 255
  • b) BOOL, 0 oder 1
  • c) REAL, beliebige Kommazahlen
  • d) INT, −32768 bis +32767

Richtig: d)

Der Standarddatentyp ist INT mit dem Bereich −32768 bis +32767. a) wäre für Stückzahlen viel zu klein. b) kann nur einen Schaltzustand abbilden, keinen Zählwert. c) ist für ganzzahlige Zählwerte unpassend und nicht der Standard.

Beim CTD wird ein Signal an LD gelegt. Was bewirkt das?

  • a) CV wird auf 0 gesetzt
  • b) CV wird mit dem Vorgabewert PV geladen
  • c) Q wird sofort auf 1 gesetzt
  • d) Der Zähler wechselt in den Aufwärtsmodus

Richtig: b)

LD lädt den Startwert PV in den Zählerstand, von dem aus dann heruntergezählt wird. a) beschreibt einen Reset. c) und d) entsprechen nicht der Funktion des Load-Eingangs.

Ein CTD wurde mit PV = 3 geladen. Es treffen vier steigende Flanken an CD ein. Welcher Zustand liegt vor?

  • a) CV = 1, Q = 0
  • b) CV = 4, Q = 1
  • c) CV = −1, Q = 1
  • d) CV = 0, Q = 0

Richtig: c)

Von 3 ausgehend: drei Flanken führen auf 0, die vierte auf −1. Q wird bereits beim Erreichen von 0 gesetzt (CV ≤ 0) und bleibt 1. a) und b) zählen falsch, d) übersieht die vierte Flanke und verkennt die Q-Bedingung.

Bei einem CTUD stehen R und LD gleichzeitig auf 1. Wie verhält sich der Baustein?

  • a) LD gewinnt, CV wird auf PV geladen
  • b) Der Baustein bleibt im letzten Zustand stehen
  • c) R gewinnt, CV wird auf 0 gesetzt
  • d) CV nimmt den Mittelwert aus 0 und PV an

Richtig: c)

Der Reset ist gegenüber dem Load dominant. Bei gleichzeitigem Anliegen wird CV auf 0 gesetzt und das Laden ignoriert. a) kehrt die Vorrangregel um. b) und d) erfinden ein nicht existierendes Verhalten.

Ein CTUD verwaltet eine Belegungszählung. CU erhält 7 Flanken, CD erhält 3 Flanken, der Startwert war 0. Wie hoch ist CV?

  • a) CV = 10
  • b) CV = 7
  • c) CV = −4
  • d) CV = 4

Richtig: d)

CU zählt aufwärts (+7), CD abwärts (−3), beide wirken auf denselben Zählerstand: 0 + 7 − 3 = 4. a) addiert beide Beträge fälschlich. b) ignoriert die Abwärtsflanken. c) kehrt das Vorzeichen um.

Warum reagiert ein Zähler auf eine Flanke und nicht auf den Signalzustand?

  • a) Weil ein über mehrere Zyklen anliegendes Signal sonst in jedem Zyklus erneut zählen würde
  • b) Weil Flanken energiesparender sind
  • c) Weil der Signalzustand technisch nicht auslesbar ist
  • d) Weil die Norm das Auslesen von Zuständen verbietet

Richtig: a)

Im zyklischen Ablauf wird ein Dauersignal in jedem Durchlauf neu ausgewertet. Würde der Zähler darauf reagieren, liefe sein Stand unkontrolliert hoch. Die Flankenauswertung sorgt dafür, dass jedes Ereignis nur einmal gezählt wird. Die übrigen Antworten sind sachlich falsch.

Ein Zählerstand soll einen Spannungsausfall überstehen. Was ist dafür ausschlaggebend?

  • a) Der Zähler muss als CTU ausgeführt sein
  • b) PV muss möglichst groß gewählt werden
  • c) Das Reset muss dauerhaft auf 1 liegen
  • d) Der Zählerwert muss remanent deklariert sein

Richtig: d)

Allein die Remanenz entscheidet, ob ein Wert über einen Spannungsausfall hinweg erhalten bleibt. Der Bausteintyp (a) und die Höhe von PV (b) ändern daran nichts. c) würde den Zähler dauerhaft auf 0 halten.

Eine Anlage zählt pro Tag etwa 45000 Werkstücke mit einem einzigen, durchlaufenden Zähler. Welche Maßnahme ist sinnvoll?

  • a) PV auf 45000 setzen und INT beibehalten
  • b) Einen Datentyp mit größerem Wertebereich als INT wählen, etwa DINT
  • c) Den Zähler täglich gegen einen neuen austauschen
  • d) Zwei CTU parallel betreiben und beide gleich beschalten

Richtig: b)

Ein INT reicht nur bis 32767. Bei 45000 Werkstücken ist diese Grenze überschritten, also braucht es einen größeren Datentyp wie DINT. a) lässt die Bereichsgrenze außer Acht. c) ist praxisfremd. d) löst das Problem nicht, da beide Zähler dieselbe Grenze hätten.

Welche Aussage zum Ausgang QD eines CTUD ist korrekt?

  • a) QD wird 1, sobald CV ≥ PV
  • b) QD wird 1, sobald CV ≤ 0
  • c) QD wird 1, sobald eine Flanke an CU anliegt
  • d) QD ist immer das invertierte Signal von QU

Richtig: b)

QD meldet die untere Grenze und wird 1, sobald der Zählerstand auf 0 oder darunter fällt. a) beschreibt QU. c) verwechselt Zähleingang mit Ausgang. d) ist falsch — bei mittleren Zählerständen können beide Ausgänge gleichzeitig 0 sein.

Bei einem CTU steht PV = 6 und CV = 6. Anschließend trifft eine weitere Flanke an CU ein. Was gilt?

  • a) Q fällt auf 0 zurück, weil CV nun über PV liegt
  • b) CV bleibt bei 6, weil PV die Obergrenze ist
  • c) CV wird 7, Q bleibt 1
  • d) Der Zähler wird automatisch zurückgesetzt

Richtig: c)

Der CTU zählt über PV hinaus weiter — PV ist kein Stopp, sondern nur die Schwelle für Q. CV wird also 7, und Q bleibt 1, da CV ≥ PV weiterhin erfüllt ist. a) verkennt die ≥-Bedingung. b) verwechselt PV mit der Datentypgrenze. d) erfindet ein automatisches Reset.

Was ist die unmittelbare Folge für die Ausgänge eines CTUD, wenn der dominante Reset aktiv wird?

  • a) QU wird 1 und QD wird 0
  • b) QD wird 1 und QU wird 0, weil CV auf 0 erzwungen wird
  • c) Die Ausgänge behalten ihren vorherigen Zustand
  • d) Beide Ausgänge werden gleichzeitig 1

Richtig: b)

Der Reset zwingt CV auf 0. Damit ist CV ≤ 0 erfüllt — QD schaltet auf 1 —, während die Bedingung CV ≥ PV (bei positivem PV) nicht mehr erfüllt ist und QU auf 0 fällt. a) kehrt das Verhalten um. c) ignoriert die Wirkung des Reset. d) ist nur bei PV ≤ 0 denkbar, nicht im Normalfall.

Glossar

CTU (Count Up)
Vorwärtszähler nach IEC 61131-3; zählt bei jeder steigenden Flanke am Eingang CU aufwärts und setzt den Ausgang Q, sobald der Zählerstand den Vorgabewert erreicht.
CTD (Count Down)
Rückwärtszähler; wird über LD mit einem Startwert geladen und zählt mit jeder Flanke an CD abwärts, bis der Ausgang Q bei Erreichen von 0 schaltet.
CTUD (Count Up/Down)
kombinierter Auf-/Abwärtszähler mit zwei Zähleingängen (CU, CD) und zwei Ausgängen (QU, QD), die auf einen gemeinsamen Zählerstand wirken.
Flanke
der Moment des Signalwechsels; eine steigende Flanke ist der Übergang von 0 auf 1 und löst den Zählvorgang aus.
CV (Current Value)
der aktuelle Zählerstand eines Zählerbausteins, ausgegeben als ganzzahliger Wert.
PV (Preset Value)
der Vorgabewert eines Zählers; Schwelle für das Schalten des Ausgangs beim CTU bzw. Startwert beim CTD.
INT
ganzzahliger Standarddatentyp nach IEC 61131-3 mit einem Wertebereich von −32768 bis +32767.
Remanenz
Eigenschaft eines Speicherwerts, bei einem Spannungsausfall erhalten zu bleiben; entscheidet, ob ein Zählerstand nach dem Wiedereinschalten weiterläuft.
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