Dahlander-Schützschaltung
Ein einzelnes Drehstrommotor, zwei feste Drehzahlen — schnell und langsam — wahlweise auf Knopfdruck umschaltbar. Genau das leistet die Dahlander-Schützschaltung. Drei Schütze verschalten die Wicklung eines polumschaltbaren Motors einmal in Dreieck und einmal in Doppelstern. Das Drehzahlverhältnis liegt fest bei 1:2. Die Schaltung ist robust, kommt ohne Frequenzumrichter aus — und steckt voller Details, die in der Praxis über Funktion oder Motorschaden entscheiden.
Vorwissen
- Schütze und Relais
- Stern-Dreieck-Schaltung
- Dahlandermotor – polumschaltbar mit gemeinsamer Wicklung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den Aufbau und Zweck einer Dahlander-Schützschaltung erklären
- die Aufgaben der drei Schütze K1, K2 und K3 im Hauptstromkreis benennen
- die Notwendigkeit des Phasentauschs und der gegenseitigen Verriegelung begründen
- die Motorschutz-Anordnung für beide Drehzahlstufen korrekt umsetzen
- die Schaltung von verwandten Konzepten wie Stern-Dreieck und Polumschaltung mit getrennten Wicklungen abgrenzen
1. Grundidee der Dahlander-Schützschaltung
Stell dir einen Kühlturmlüfter vor: im Sommer dreht er voll, im Winter reicht die halbe Drehzahl. Oder einen Aufzug, der sich vor dem Halt langsam an die Etage heranfährt. In beiden Fällen brauchst du zwei feste Drehzahlen — und genau dafür gibt es den Dahlandermotor mit einer geschickt aufgebauten gemeinsamen Wicklung, die sich elektrisch zwei verschiedenen Polzahlen aufprägen lässt.
Die Dahlander-Schützschaltung ist die elektromechanische Steuerung für diese Polumschaltung. Sie verschaltet die Motorwicklung in der ersten Stufe als Dreieck, in der zweiten Stufe als Doppelstern. Das halbiert die wirksame Polzahl und verdoppelt damit die Drehzahl. Drei Schütze erledigen die Umschaltung.
Zur klaren Abgrenzung: Die Stern-Dreieck-Schaltung wechselt nicht die Drehzahl, sondern dient dem Anlauf — sie senkt den Anlaufstrom, und der Motor läuft danach im Dreieck mit einer einzigen Drehzahl weiter. Die Dahlander-Schaltung liefert dagegen zwei dauerhafte Betriebsdrehzahlen.
Eine weitere Variante sind polumschaltbare Motoren mit zwei getrennten Wicklungen. Die schalten ebenfalls die Drehzahl um, brauchen aber eine andere Schützanordnung — und einen anderen Motor. Diese Variante wird in einem eigenen Beitrag behandelt.
What leistet die Dahlander-Schützschaltung?
- a) Sie senkt den Anlaufstrom eines Drehstrommotors
- b) Sie ermöglicht stufenlose Drehzahlverstellung
- c) Sie schaltet einen Dahlandermotor zwischen zwei festen Drehzahlen um
- d) Sie schützt den Motor vor Überlast
Richtig: c)
Die Schaltung dient der Polumschaltung zwischen Dreieck und Doppelstern und liefert zwei feste Drehzahlen. Stufenlose Verstellung leistet sie nicht — dafür braucht es einen Frequenzumrichter. Anlaufstrom-Reduktion ist Aufgabe der Stern-Dreieck-Schaltung, und der Überlastschutz übernehmen Motorschutzrelais.
In welchem Verhältnis stehen die beiden Drehzahlen einer klassischen Dahlander-Schaltung?
- a) 1:1,5
- b) 1:2
- c) 1:3
- d) frei wählbar
Richtig: b)
Die Polumschaltung halbiert die wirksame Polzahl, wodurch sich die Synchrondrehzahl verdoppelt. Das Verhältnis ist konstruktiv festgelegt und nicht veränderbar. Frei wählbare Drehzahlen erreicht man nur mit Frequenzumrichtern.
Worin unterscheidet sich die Dahlander-Schaltung von einer Stern-Dreieck-Anlaufschaltung?
- a) Die Dahlander-Schaltung liefert zwei Betriebsdrehzahlen, die Stern-Dreieck-Schaltung nur eine
- b) Die Dahlander-Schaltung verwendet Wechselstrom, die Stern-Dreieck-Schaltung Drehstrom
- c) Die Dahlander-Schaltung benötigt keinen Motorschutz
- d) Die Stern-Dreieck-Schaltung verdoppelt die Drehzahl
Richtig: a)
Stern-Dreieck dient dem Anlauf — der Motor läuft danach im Dreieck mit einer einzigen Drehzahl. Die Dahlander-Schaltung dagegen schaltet dauerhaft zwischen zwei Drehzahlen um. Motorschutz braucht jede der beiden Schaltungen — bei Dahlander sogar zwei Schutzrelais.
2. Der Dahlandermotor — was die Schaltung steuert
Bevor wir die Schaltung im Detail anschauen, brauchst du ein klares Bild vom Motor, den sie ansteuert. Der Dahlandermotor wird in einem eigenen Beitrag ausführlich behandelt — hier nur die für die Schützschaltung wesentlichen Punkte.
Der Motor hat sechs Klemmen statt der üblichen drei. Üblich werden sie als 1U, 1V, 1W (Wicklungsanfänge) und 2U, 2V, 2W (Mittelanzapfungen) bezeichnet. Eine gemeinsame Stator-Wicklung lässt sich von außen zwei verschiedenen Verschaltungen aufprägen — je nachdem, wie die sechs Klemmen mit dem Netz verbunden werden.
In der niedrigen Drehzahlstufe wird das Netz an die Klemmen 1U/1V/1W gelegt, die Klemmen 2U/2V/2W bleiben offen. Die Wicklung arbeitet im Dreieck.
In der hohen Drehzahlstufe wird das Netz an 2U/2V/2W gelegt, und 1U/1V/1W werden gegeneinander kurzgeschlossen. Das ergibt eine Doppelstern-Schaltung — kurz YY.
Beim Wechsel von Dreieck auf Doppelstern halbiert sich die wirksame Polzahl, und die Synchrondrehzahl verdoppelt sich:
n_s = (60 · f) / p
- n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
- f … Netzfrequenz in Hz
- p … Polpaarzahl
Die Polpaarzahl p ist die Polzahl geteilt durch 2. Ein Dahlandermotor mit 8/4 Polen hat in Stufe 1 also p = 4 und in Stufe 2 p = 2. Bei f = 50 Hz ergibt das 750 1/min synchron in Stufe 1 und 1500 1/min synchron in Stufe 2. Die tatsächliche Drehzahl liegt durch den Schlupf etwas darunter.
Gelöstes Beispiel
Ein Dahlandermotor mit 4/2 Polen wird an 50 Hz betrieben. Der Schlupf in der niedrigen Drehzahlstufe beträgt 5 %, in der hohen Stufe 4 %. Berechne die beiden tatsächlichen Drehzahlen.
Gegeben: f = 50 Hz, Polzahl niedrige Stufe = 4 → p_niedrig = 2, Polzahl hohe Stufe = 2 → p_hoch = 1, s_niedrig = 5 %, s_hoch = 4 %
Gesucht: n_niedrig und n_hoch in 1/min
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Synchrondrehzahl niedrig:
n_s,niedrig = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min - Schritt 2 — Tatsächliche Drehzahl niedrig:
n_niedrig = 1500 · (1 − 0,05) = 1425 1/min - Schritt 3 — Synchrondrehzahl hoch:
n_s,hoch = 60 · 50 / 1 = 3000 1/min - Schritt 4 — Tatsächliche Drehzahl hoch:
n_hoch = 3000 · (1 − 0,04) = 2880 1/min
Ergebnis: n_niedrig = 1425 1/min, n_hoch = 2880 1/min
Übungen
Berechne die synchrone Drehzahl eines Dahlandermotors mit 8 Polen an 50 Hz.
n_s = 60 · 50 / 4 = 750 1/min.
Ein Dahlandermotor schaltet von 4 auf 2 Polpaare. Wie ändert sich die synchrone Drehzahl bei 50 Hz?
Sie verdoppelt sich von 750 1/min auf 1500 1/min.
Welche tatsächliche Drehzahl ergibt sich in der hohen Stufe eines Dahlandermotors mit 4/2 Polen bei 50 Hz and 3 % Schlupf?
n = 3000 · (1 − 0,03) = 2910 1/min.
Ein Lüftermotor läuft in Stufe 1 mit 720 1/min. Welche Drehzahl wird er ungefähr in Stufe 2 erreichen, wenn der Schlupf etwa gleich bleibt?
Etwa 1440 1/min — also rund das Doppelte.
Ein Dahlandermotor mit 6/3 Polen läuft an 50 Hz und hat in beiden Stufen 5 % Schlupf. Berechne die tatsächlichen Drehzahlen beider Stufen.
n_niedrig = (60 · 50 / 3) · 0,95 = 950 1/min, n_hoch = (60 · 50 / 1,5) · 0,95 = 1900 1/min.
Wieviele Anschlussklemmen hat ein Dahlandermotor?
- a) Drei
- b) Vier
- c) Sechs
- d) Neun
Richtig: c)
Drei Wicklungsanfänge plus drei Mittelanzapfungen ergeben sechs Klemmen. Diese Anzahl ist nötig, um die Wicklung von außen zwischen Dreieck und Doppelstern umverschalten zu können.
Welche Schaltung liegt in der niedrigen Drehzahlstufe eines klassischen Dahlandermotors vor?
- a) Stern
- b) Dreieck
- c) Doppelstern
- d) Reihenschaltung
Richtig: b)
In der niedrigen Drehzahlstufe sind die Klemmen 2U/2V/2W offen, gespeist wird an 1U/1V/1W. Damit arbeitet die Wicklung im Dreieck. Die hohe Drehzahlstufe ergibt durch Kurzschluss von 1U/1V/1W eine Doppelstern-Schaltung.
Welche synchrone Drehzahl ergibt eine Dahlander-Wicklung mit 8/4 Polen an 50 Hz?
- a) 600 / 1200 1/min
- b) 750 / 1500 1/min
- c) 1000 / 2000 1/min
- d) 1500 / 3000 1/min
Richtig: b)
Bei 8 Polen ist p = 4, bei 4 Polen ist p = 2. Mit n_s = 60 · 50 / p ergeben sich 750 1/min in Stufe 1 und 1500 1/min in Stufe 2. Das ist die in der Praxis am häufigsten verbaute Auslegung.
3. Hauptstromkreis: drei Schütze schalten Dreieck und Doppelstern
Der Hauptstromkreis ist der Teil der Schaltung, der den Motor mit dem Netz verbindet. Drei Drehstromschütze K1, K2 und K3 übernehmen das Umverschalten der Wicklung.
K1 — Niedrige Drehzahl (Dreieck):
K1 legt die Netzphasen L1, L2, L3 an die Motorklemmen 1U, 1V, 1W. Die Klemmen 2U, 2V, 2W bleiben offen, weil weder K2 noch K3 angezogen sind. Die Wicklung arbeitet als Dreieck — der Motor läuft mit der niedrigen Drehzahl.
K2 und K3 — Hohe Drehzahl (Doppelstern):
K2 legt die Netzphasen an die Klemmen 2U, 2V, 2W. K3 schließt die Klemmen 1U, 1V, 1W gegeneinander kurz und bildet damit einen künstlichen Sternpunkt. So entsteht die Doppelstern-Schaltung YY. K2 und K3 ziehen immer gemeinsam an — K2 ohne K3 würde keinen geschlossenen Strompfad ergeben, K3 ohne K2 ebenfalls nicht.
Was niemals passieren darf:
K1 darf unter keinen Umständen gleichzeitig mit K2 oder K3 anziehen. Würden K1 und K3 zusammen schalten, hätte das einen Phasenkurzschluss zur Folge: K1 legt die Netzphasen an 1U/1V/1W, K3 schließt genau diese Klemmen gegeneinander kurz. Die Folge wäre bestenfalls eine Sicherungsauslösung, schlimmstenfalls ein schwerer Schaden an Motor und Schaltschrank. Genau deshalb ist die im Steuerstromkreis verankerte Verriegelung kein nettes Extra, sondern Pflicht.
Schaltungsvarianten in der Praxis:
Die hier gezeigte Variante Dreieck → Doppelstern eignet sich für Lasten mit konstantem Drehmoment (z.B. Hubantriebe, Förderbänder, Werkzeugmaschinen). Daneben existieren zwei weitere Dahlander-Verschaltungen, die im Aufbau ähnlich, aber auf andere Lastarten optimiert sind:
- Stern → Doppelstern für Lasten mit quadratisch fallendem Gegenmoment wie Lüfter, Pumpen oder Gebläse. Die Leistung steigt mit der dritten Potenz der Drehzahl.
- Doppelstern → Dreieck für Lasten mit konstanter Leistung, etwa bei Werkzeugmaschinen mit Drehzahl-Drehmoment-Tausch.
In welcher Variante die Schaltung ausgeführt ist, hängt also vom angetriebenen Arbeitsgerät ab. Wird die falsche Variante gewählt, kann der Motor in einer Stufe entweder nicht anlaufen oder thermisch überlastet werden.
Welcher Schütz schaltet allein die niedrige Drehzahl?
- a) K1
- b) K2
- c) K3
- d) K2 und K3 gemeinsam
Richtig: a)
K1 speist die Klemmen 1U/1V/1W, während 2U/2V/2W offen bleiben. Die Wicklung arbeitet damit im Dreieck. K2 und K3 sind nur in der hohen Drehzahlstufe gemeinsam aktiv.
Welche Rolle übernimmt K3 im Hauptstromkreis?
- a) Er speist die Klemmen 2U/2V/2W
- b) Er begrenzt den Anlaufstrom
- c) Er trennt den Motor allpolig vom Netz
- d) Er schließt die Klemmen 1U/1V/1W gegeneinander kurz und bildet einen Sternpunkt
Richtig: d)
K3 verbindet die drei Klemmen 1U/1V/1W zu einem Knoten — dem künstlichen Sternpunkt der Doppelstern-Schaltung. Die Speisung an 2U/2V/2W erledigt K2, und das allpolige Trennen ist Aufgabe des Hauptschalters bzw. der Vorsicherung.
Was passiert, wenn K1 und K3 versehentlich gleichzeitig anziehen?
- a) Die Sicherung löst durch Phasenkurzschluss aus
- b) Der Motor läuft normal weiter
- c) Der Motor läuft auf einer Zwischendrehzahl
- d) Die Drehrichtung kehrt sich nur kurz um
Richtig: a)
K1 legt die Netzphasen an 1U/1V/1W. K3 verbindet exakt diese drei Klemmen miteinander. Das ist nichts anderes als ein dreiphasiger Kurzschluss direkt nach den Schützkontakten. Genau das verhindert die Verriegelung im Steuerstromkreis.
Welche Dahlander-Variante eignet sich für einen Lüfterantrieb?
- a) Dreieck → Doppelstern
- b) Doppelstern → Reihenschaltung
- c) Dreieck → Stern
- d) Stern → Doppelstern
Richtig: d)
Lüfter zeigen ein quadratisch mit der Drehzahl steigendes Gegenmoment. Dafür ist die Variante Stern → Doppelstern ausgelegt, bei der die Leistung mit der Drehzahl stark zunimmt. Die Standardvariante Dreieck → Doppelstern ist auf konstantes Drehmoment zugeschnitten.
4. Drehrichtung und Phasentausch beim Umschalten
Hier liegt ein Detail versteckt, das viele beim ersten Aufbau einer Dahlander-Schaltung übersehen: Beim Wechsel von Dreieck auf Doppelstern dreht sich der Motor rückwärts, wenn man nichts dagegen unternimmt.
Der Grund liegt in der internen Wicklungsführung. Wenn die Netzphasen erst an die Anfänge (1U/1V/1W) und dann an die Mittelanzapfungen (2U/2V/2W) gelegt werden, ändert sich aus Sicht der Wicklungsabschnitte die elektrische Phasenfolge. Aus L1-L2-L3 wird effektiv eine umgekehrte Reihenfolge — und damit dreht sich das Drehfeld in die andere Richtung.
Die Lösung ist einfach und gehört zu jeder Dahlander-Schaltung dazu: An einem der beiden Schütze K2 oder K3 werden zwei Phasen vertauscht angeklemmt. Üblicherweise erfolgt dieser Phasentausch am K2-Schütz, also dort, wo die Klemmen 2U/2V/2W gespeist werden. Damit dreht sich das Drehfeld in der hohen Stufe wieder in die gleiche Richtung wie in der niedrigen Stufe.
In der Praxis: Wer die Schaltung das erste Mal aufbaut und den Phasentausch vergisst, sieht beim Umschalten von Langsam auf Schnell den klassischen Effekt: Der Förderer fährt plötzlich rückwärts, der Lüfter bläst in die falsche Richtung, das Hubwerk senkt sich anstatt zu heben. Vor dem Probelauf gehört darum bei der Inbetriebnahme genau dieser Test dazu — zuerst niedrige Stufe einschalten, Drehrichtung prüfen, dann hohe Stufe, Drehrichtung erneut prüfen.
Was passiert beim Wechsel von Dreieck auf Doppelstern, wenn der Phasentausch fehlt?
- a) Die Drehrichtung des Motors kehrt sich um
- b) Der Motor bleibt stehen
- c) Der Motor läuft mit dreifacher Drehzahl
- d) Die Sicherung löst aus
Richtig: a)
Durch die Umverschaltung der Wicklung ändert sich für die Wicklungsabschnitte die elektrische Phasenfolge. Das Drehfeld dreht in die Gegenrichtung, der Motor wechselt seine Drehrichtung. Der Phasentausch an K2 oder K3 hebt diesen Effekt wieder auf.
Wo wird der Phasentausch üblicherweise ausgeführt?
- a) An den Klemmen des Hauptschalters
- b) Im Steuerstromkreis am Taster S2
- c) Am Schütz K2 für die hohe Drehzahlstufe
- d) Direkt am Motorklemmbrett
Richtig: c)
Der Phasentausch erfolgt im Hauptstromkreis nach dem Schütz K2 bzw. dem Motorschutzrelais F2 — durch das Überkreuzen von zwei Phasenleitungen. So bleibt das Drehfeld in beiden Stufen gleichgerichtet.
Warum ist die Drehrichtungsprüfung in beiden Stufen wichtig?
- a) Weil sonst die Motorschutzrelais nicht ansprechen
- b) Weil sich der Anlaufstrom verdreifacht
- c) Weil sich sonst der Schlupf ändert
- d) Weil ein Drehrichtungswechsel unter Last die Mechanik beschädigen kann
Richtig: d)
Bei großem Schwungmoment kann ein plötzliche Drehrichtungswechsel unter Last Welle, Getriebe oder Antriebsstrang schädigen. Der separate Test beider Stufen vor der ersten Lastfahrt verhindert das.
5. Steuerstromkreis: Verriegelung, Selbsthaltung, Tasterlogik
Der Hauptstromkreis trägt die Last, der Steuerstromkreis sorgt für die richtige Logik: Welcher Schütz darf wann ziehen, was passiert beim Tastendruck, wie wird das ungewollte gleichzeitige Anziehen sicher verhindert.
Die typische Anordnung verwendet drei Taster:
- S0 — AUS-Taster (Öffner), trennt die ganze Steuerung.
- S1 — Taster für die niedrige Drehzahl (Schließer), zieht K1 an.
- S2 — Taster für die hohe Drehzahl (Schließer), zieht K2 und K3 gemeinsam an.
Jedem Schütz ist ein Hilfskontakt für die Selbsthaltung zugeordnet. Nach kurzem Tastendruck bleibt das Schütz angezogen, bis es entweder über S0 oder durch die Verriegelung wieder abfällt.
Das Herzstück ist die gegenseitige Verriegelung: In der Linie für K1 liegt ein Öffner-Hilfskontakt von K2, in der Linie für K2 ein Öffner-Hilfskontakt von K1. Zieht eines der beiden Schütze an, öffnet sich der zugehörige Verriegelungskontakt im anderen Strompfad — der andere Schütz kann dann nicht mehr anziehen. Diese elektrische Verriegelung wird in sicherheitskritischen Anwendungen durch eine mechanische Verriegelung der Schütze ergänzt: Die Schütze are so verbaut, dass selbst bei verschweißten Kontakten kein Doppelanzug möglich ist.
Eine Direktumschaltung zwischen den Stufen ist möglich, läuft aber in der Praxis fast immer über AUS: zuerst wird der laufende Schütz abgeschaltet, dann der andere eingeschaltet. So kommen sich die beiden Schütze sicher nicht in die Quere. Optional kann ein Zeitrelais einen kurzen, definierten Pausenmoment zwischen den Stufen erzwingen — sinnvoll, wenn Schwungmomente erst abklingen sollen, bevor die andere Stufe übernimmt.
In den Linien beider Schütze liegen außerdem die Öffnerkontakte der Motorschutzrelais F1 und F2 in Reihe — löst eines der beiden Relais aus, fällt die ganze Steuerung ab. Mehr dazu im nächsten Kapitel.
Welche Aufgabe übernimmt der Hilfskontakt von K1 in der Linie von K2?
- a) Verriegelung gegen K1
- b) Selbsthaltung von K2
- c) Auslösung des Motorschutzes
- d) Zeitverzögerung der Umschaltung
Richtig: a)
Der Hilfskontakt von K1 in der K2-Linie is ein Öffner. Solange K1 angezogen ist, ist dieser Kontakt offen — und K2 kann nicht anziehen. Genauso umgekehrt: der K2-Öffner in der K1-Linie verhindert das Anziehen von K1 bei laufender hoher Stufe.
Warum erfolgt die Stufenumschaltung in der Praxis meist über AUS?
- a) Weil der Motor sonst zu heiß wird
- b) Weil die Sicherung sonst auslöst
- c) Weil das die Stromaufnahme erhöht
- d) Weil sich die gegenseitige Verriegelung sonst gegenseitig blockiert
Richtig: d)
Die Verriegelung sorgt dafür, dass der andere Schütz erst anziehen darf, wenn der erste komplett abgefallen ist. Der Umweg über AUS stellt sicher, dass das passiert — sonst hängt die Steuerung in einer Patt-Situation.
Wozu dient die mechanische Verriegelung zusätzlich zur elektrischen?
- a) Sie ersetzt die Selbsthaltung
- b) Sie verhindert das gleichzeitige Anziehen auch bei verschweißten Kontakten
- c) Sie reduziert den Stromverbrauch der Spulen
- d) Sie verlängert die Lebensdauer der Hauptkontakte
Richtig: b)
Wenn ein Hilfskontakt durch Verschmutzung oder Verschweißung nicht öffnet, kann die elektrische Verriegelung versagen. Die mechanische Verriegelung blockiert die Schütze konstruktiv, sodass selbst dann kein Doppelanzug möglich ist.
Was passiert, wenn der Öffner-Kontakt eines Motorschutzrelais im Steuerstromkreis öffnet?
- a) Nur der zugehörige Schütz fällt ab
- b) Der Motor läuft auf halber Drehzahl weiter
- c) Es wird automatisch in die andere Drehzahlstufe umgeschaltet
- d) Die gesamte Steuerung wird stromlos und beide Schütze fallen ab
Richtig: d)
Die Öffner von F1 und F2 liegen in der Hauptlinie der Steuerung — vor der Verzweigung in die K1- und K2-Linien. Öffnet einer der beiden, ist der ganze Steuerkreis stromlos und beide Schütze fallen ab.
6. Motorschutz für zwei Drehzahlen
Ein einzelnes Motorschutzrelais reicht für eine Dahlander-Schaltung nicht aus. Der Grund ist einfach: In den beiden Drehzahlstufen fließen unterschiedliche Nennströme durch die Wicklung. Wer das Relais auf den niedrigen Nennstrom einstellt, riskiert ständige Fehlauslösungen in der hohen Stufe. Wer auf den hohen Nennstrom einstellt, schützt den Motor in der niedrigen Stufe nicht mehr ausreichend.
Die Lösung ist eine Anordnung mit zwei thermischen Überstromrelais:
- F1 sitzt im Hauptstromkreis hinter dem Schütz K1 und schützt den Motor in der niedrigen Drehzahlstufe.
- F2 sitzt im Hauptstromkreis hinter dem Schütz K2 und schützt den Motor in der hohen Drehzahlstufe.
Jedes Relais wird auf den Nennstrom seiner zugehörigen Drehzahlstufe eingestellt — die beiden Stromwerte stehen auf dem Motortypenschild. Im Steuerstromkreis liegen die Öffnerkontakte beider Relais in Reihe vor den Schützspulen. Löst eines der beiden Relais aus, fällt die ganze Steuerung ab und beide Schütze gehen in Ruhe.
In der Praxis: Beim Motortypenschild eines Dahlandermotors findest du zwei Zeilen, etwa 7,5/4,5 kW und 14,2/9,6 A bei 400 V. Das bedeutet: in der hohen Stufe zieht der Motor 14,2 A, in der niedrigen 9,6 A. F2 wird also auf 14,2 A eingestellt, F1 auf 9,6 A. Werden die Werte vertauscht, schützt die Anlage nicht zuverlässig — bei stundenlangem Betrieb in der niedrigen Stufe würde der Motor unbemerkt thermisch überlastet werden können.
Mehr zu Aufbau und Funktion der Motorschutzrelais selbst findest du in einem eigenen Beitrag zum Thema Motorschutz.
Warum genügt ein einzelnes Motorschutzrelais bei einer Dahlander-Schaltung nicht?
- a) Weil ein Relais nur einen Strang schützen kann
- b) Weil die Schütze sonst zu langsam abschalten
- c) Weil in den beiden Drehzahlstufen unterschiedliche Nennströme fließen
- d) Weil ein Relais nur Wechselstrom messen kann
Richtig: c)
Der Motor zieht in den beiden Stufen unterschiedliche Nennströme. Ein Relais kann nur auf einen Wert eingestellt sein und schützt damit zuverlässig nur eine Stufe. Erst zwei Relais decken beide Stufen ab.
Wo wird das Relais F2 üblicherweise eingebaut?
- a) Im Steuerstromkreis parallel zu S0
- b) Im Hauptstromkreis hinter dem Schütz K2
- c) Zwischen den Klemmen 1U und 2U
- d) Direkt im Netzeingang vor den Hauptsicherungen
Richtig: b)
F2 muss den Strom messen, der in der hohen Drehzahlstufe durch den Motor fließt. Daher sitzt es im Hauptstromkreis direkt hinter K2 — also dort, wo der Strom dieser Stufe vorbeifließt. Sein Öffnerkontakt liegt zusätzlich im Steuerstromkreis.
Auf welchen Wert wird F1 typischerweise eingestellt?
- a) Auf den Anlaufstrom des Motors
- b) Auf das 1,5-fache des Bemessungsstroms in der niedrigen Stufe
- c) Auf den Bemessungsstrom der niedrigen Drehzahlstufe laut Typenschild
- d) Auf den Bemessungsstrom der hohen Drehzahlstufe laut Typenschild
Richtig: c)
F1 schützt den Motor in der niedrigen Drehzahlstufe. Daher wird es genau auf den Stufen-Nennstrom dieser Stufe eingestellt — der Wert steht auf dem Motortypenschild. Anlaufströme werden über die Auslösecharakteristik und kurze Verzögerung des Relais toleriert.
7. Anwendungen und Grenzen in der Praxis
Die Dahlander-Schützschaltung findet man überall dort, wo zwei feste Drehzahlen ausreichen, der Aufbau einfach bleiben soll und ein Frequenzumrichter zu teuer wäre. Typische Einsatzfälle in Österreich:
- Lüfter und Gebläse mit zwei Leistungsstufen — etwa Kühltürme, Kühlräume, Wärmetauscher-Ventilatoren, Maschinenkühlungen. Im Volllastbetrieb hohe Stufe, im Teillastbetrieb die niedrige.
- Aufzüge mit Notbetrieb oder mit Einfahrgeschwindigkeit vor dem Stockwerkshalt. Schnellfahrt für die Strecke, Langsamfahrt für das genaue Anhalten.
- Hubwerke und Krananlagen mit Schnell- und Feinpositionierung.
- Werkzeugmaschinen mit Eilgang und Arbeitsgang — etwa Bohrwerke, Fräsen, Schleifmaschinen.
- Kreissägen und Bandsägen mit zwei Schnittgeschwindigkeiten je nach Werkstoff.
Die Vorteile der Schaltung sind ihre Einfachheit und Robustheit: Sie kommt mit drei Schützen, zwei Motorschutzrelais und ein paar Tastern aus, braucht keine Leistungselektronik, ist günstig in der Anschaffung und unkompliziert in der Wartung. Bei Standardanwendungen mit klar definierten Drehzahlbereichen ist sie schwer zu schlagen.
Die Grenzen sind ebenfalls klar: Es gibt nur zwei Drehzahlen, das Verhältnis liegt fest bei 1:2, und der Motor ist eine Sonderbauform — teurer als ein normaler Käfigläufer und nur über bestimmte Hersteller verfügbar. Sobald die Anwendung mehr Drehzahlen, einen weichen Anlauf oder eine drehzahlabhängige Regelung verlangt, wird heute meist ein Frequenzumrichter mit einem Standardmotor verwendet. Der Frequenzumrichter bietet stufenlose Verstellung, Anlauf- und Bremsrampen und Diagnosemöglichkeiten — kostet aber deutlich mehr und braucht Wartung der Leistungselektronik.
In der Praxis: Eine klassische Faustregel bei der Auslegung neuer Anlagen lautet: Sind genau zwei Drehzahlen ausreichend und die Lastart bekannt, lohnt sich die Dahlander-Schaltung wirtschaftlich oft auch heute noch. Sobald mehr Flexibilität, Energieoptimierung oder Drehzahlregelung gefragt ist, geht der Weg zum Frequenzumrichter.
Für welche Anwendung passt die Dahlander-Schützschaltung besonders gut?
- a) Stufenlose Drehzahlregelung in einer Spritzgussmaschine
- b) Lüfterantrieb mit zwei festen Drehzahlen
- c) Servoantrieb für eine CNC-Achse
- d) Drehzahlregelung in einem Aufzug mit komfortabler Beschleunigung
Richtig: b)
Lüfter mit Sommer- und Winterstufe sind ein klassischer Dahlander-Einsatz — genau zwei Drehzahlen, einfacher Aufbau, robust. Stufenlose Regelung und Servoanwendungen verlangen Frequenzumrichter oder Servoantriebe.
Was spricht heute oft für einen Frequenzumrichter statt einer Dahlander-Schaltung?
- a) Günstigere Anschaffung
- b) Einfacherer Aufbau im Schaltschrank
- c) Stufenlose Drehzahlverstellung und Anlauframpen
- d) Geringerer Wartungsaufwand der Leistungselektronik
Richtig: c)
Der Frequenzumrichter liefert beliebig viele Drehzahlen mit weichem Anlauf, Bremsrampen und Diagnose — bei Bedarf an Flexibilität ein klarer Vorteil. Günstig in der Anschaffung und einfach im Aufbau ist dafür eher die Dahlander-Schaltung.
Welche Eigenschaft des Dahlandermotors macht den Antrieb teurer als einen Standard-Käfigläufer?
- a) Sonderwicklung mit Mittelanzapfungen und sechs Klemmen
- b) Höhere Drehzahl
- c) Geringerer Wirkungsgrad
- d) Höherer Schlupf
Richtig: a)
Der Motor ist eine konstruktive Sonderbauform — die gemeinsame Wicklung mit Mittelanzapfungen erfordert zusätzlichen Aufwand bei Herstellung und Klemmenbrett. Das macht ihn teurer als einen vergleichbaren Standardmotor.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Dahlandermotor mit 8/4 Polen läuft an 50 Hz. In der niedrigen Drehzahlstufe beträgt der Schlupf 5 %, in der hohen Stufe 4 %. Berechne die tatsächlichen Drehzahlen beider Stufen.
Gegeben: f = 50 Hz, Polzahl niedrig = 8 → p_niedrig = 4, Polzahl hoch = 4 → p_hoch = 2, s_niedrig = 5 %, s_hoch = 4 %
Gesucht: n_niedrig und n_hoch in 1/min
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Synchrondrehzahl niedrig:
n_s,niedrig = 60 · 50 / 4 = 750 1/min - Schritt 2 — Tatsächliche Drehzahl niedrig:
n_niedrig = 750 · (1 − 0,05) = 712,5 1/min - Schritt 3 — Synchrondrehzahl hoch:
n_s,hoch = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min - Schritt 4 — Tatsächliche Drehzahl hoch:
n_hoch = 1500 · (1 − 0,04) = 1440 1/min
Ergebnis: n_niedrig = 712,5 1/min, n_hoch = 1440 1/min
Aufgabe 2: Ein Dahlander-Lüftermotor läuft an 50 Hz mit 4/2 Polen. In Stufe 1 ergibt sich eine Drehzahl von 1410 1/min. Wie hoch ist der Schlupf in Stufe 1? Welche Drehzahl ist in Stufe 2 bei gleichem Schlupf zu erwarten?
Gegeben: f = 50 Hz, Polzahl niedrig = 4 → p_niedrig = 2, n_1 = 1410 1/min
Gesucht: s in Stufe 1, n_2 in Stufe 2
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Synchrondrehzahl Stufe 1:
n_s,1 = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min - Schritt 2 — Schlupf in Stufe 1:
s = (1500 − 1410) / 1500 = 0,06 = 6 % - Schritt 3 — Synchrondrehzahl Stufe 2:
n_s,2 = 60 · 50 / 1 = 3000 1/min - Schritt 4 — Tatsächliche Drehzahl Stufe 2:
n_2 = 3000 · (1 − 0,06) = 2820 1/min
Ergebnis: s = 6 %, n_2 = 2820 1/min
Welche Wicklungsverschaltung liegt in der hohen Drehzahlstufe einer klassischen Dahlander-Schaltung vor?
- a) Dreieck
- b) Stern
- c) Reihenschaltung
- d) Doppelstern
Richtig: d)
In der hohen Stufe wird die Wicklung als Doppelstern (YY) verschaltet — durch Speisung an 2U/2V/2W and Kurzschluss von 1U/1V/1W. Die niedrige Stufe ist dagegen ein Dreieck.
Welche Aufgabe übernimmt K2 im Hauptstromkreis?
- a) Er schließt die Klemmen 1U/1V/1W kurz
- b) Er speist die Klemmen 2U/2V/2W
- c) Er trennt allpolig vom Netz
- d) Er fungiert als Bremsschütz
Richtig: b)
K2 legt das Netz an die Mittelanzapfungen 2U/2V/2W. Der Kurzschluss von 1U/1V/1W ist Aufgabe von K3. Allpoliges Trennen leistet der Hauptschalter, eine Bremsfunktion ist in dieser Schaltung nicht vorgesehen.
Was ist die direkte Folge eines vergessenen Phasentauschs an K2?
- a) Der Motor läuft in beiden Stufen in dieselbe Richtung
- b) Der Motor kehrt beim Umschalten zwischen den Stufen die Drehrichtung um
- c) Der Motor läuft mit doppelter Stromaufnahme
- d) Die Selbsthaltung bleibt offen
Richtig: b)
Ohne Phasentausch dreht sich das Drehfeld in der hohen Stufe entgegen der niedrigen. Der Motor wechselt beim Stufenumschalten die Drehrichtung — bei großen Schwungmomenten ein riskanter Vorgang.
Welche Tasterkombination ist in einer typischen Dahlander-Steuerung üblich?
- a) S0 (Öffner), S1 (Schließer), S2 (Schließer)
- b) S0 (Schließer), S1 (Öffner), S2 (Öffner)
- c) Nur ein Wahlschalter mit drei Stellungen
- d) S1 und S2 als Wechseltaster
Richtig: a)
Der AUS-Taster S0 ist Öffner, weil er die Versorgung trennen muss. Die EIN-Taster S1 und S2 are Schließer, weil sie nur beim Drücken die Spule unter Spannung setzen — die Selbsthaltung übernimmt anschließend der Hilfskontakt des Schützes.
Welche Funktion hat der Öffner-Hilfskontakt von K1 im Strompfad von K2?
- a) Er sorgt für die Selbsthaltung von K2
- b) Er löst K2 bei Überlast aus
- c) Er verriegelt K2 gegen ein Anziehen, solange K1 aktiv ist
- d) Er begrenzt den Spulenstrom
Richtig: c)
Solange K1 angezogen ist, ist sein Öffner-Hilfskontakt in der K2-Linie offen — K2 kann nicht anziehen. Das ist die elektrische Verriegelung, die in Verbindung mit der mechanischen Verriegelung den Doppelanzug verhindert.
Warum sind in einer Dahlander-Schaltung zwei Motorschutzrelais nötig?
- a) Weil ein Relais nur einen Strang absichern kann
- b) Weil die Drehrichtung wechselt
- c) Weil die Stufen unterschiedliche Nennströme haben und beide separat geschützt werden müssen
- d) Weil ein Relais nicht hochohmig genug ist
Richtig: c)
Die beiden Drehzahlstufen ziehen unterschiedliche Nennströme. Ein Relais kann nur auf einen Wert eingestellt sein und schützt damit nur eine Stufe zuverlässig. Erst zwei Relais — auf die jeweiligen Stufen-Nennströme eingestellt — decken beide Stufen sauber ab.
Welche Variante der Dahlander-Schaltung passt zu einem Antrieb mit konstantem Drehmoment, etwa einem Hubwerk?
- a) Stern → Doppelstern
- b) Doppelstern → Dreieck
- c) Stern → Dreieck
- d) Dreieck → Doppelstern
Richtig: d)
Die Standardvariante Dreieck → Doppelstern liefert in beiden Stufen ein etwa konstantes Drehmoment — passend für Hubwerke und ähnliche Anwendungen. Stern → Doppelstern eignet sich für quadratisch fallendes Gegenmoment (Lüfter), Doppelstern → Dreieck für konstante Leistung.
Warum löst beim Auslösen von F1 die ganze Steuerung aus, nicht nur die K1-Linie?
- a) Weil die Öffnerkontakte beider Motorschutzrelais in Reihe vor der Verzweigung der Steuerung liegen
- b) Weil F1 zusätzlich K2 mechanisch blockiert
- c) Weil F1 direkt mit den Hauptsicherungen verbunden ist
- d) Weil F1 und F2 elektrisch gekoppelt sind
Richtig: a)
Die Öffner von F1 und F2 liegen im gemeinsamen Steuerstromweg vor der Aufteilung in K1- und K2-Linie. Öffnet einer der beiden, ist der ganze Steuerkreis spannungslos — beide Schütze fallen ab.
Welches Bauteil ergänzt elektrische und mechanische Verriegelung sinnvoll, wenn zwischen den Stufen eine kurze Auslaufpause gewünscht ist?
- a) Ein Zeitrelais
- b) Ein zusätzliches Motorschutzrelais
- c) Ein Bimetall-Schalter
- d) Ein Spannungsteiler
Richtig: a)
Ein Zeitrelais kann nach dem Abfallen des einen Schützes eine definierte Pause erzwenken, bevor der andere anzieht. Das ist sinnvoll, wenn Schwungmomente erst abklingen sollen — etwa bei Hubwerken oder großen Lüftern.
Welcher Strompfad ist in der hohen Drehzahlstufe geschlossen?
- a) Nur durch K1
- b) Durch K2 allein
- c) Durch K2 und K3 gleichzeitig
- d) Durch K1 und K3 zusammen
Richtig: c)
In der hohen Stufe sind K2 (Speisung 2U/2V/2W) und K3 (Sternpunkt 1U/1V/1W) gleichzeitig geschlossen, K1 dagegen offen. K1 und K3 dürfen nie gleichzeitig schließen, sonst entsteht ein Phasenkurzschluss.
Welche Drehzahl ist bei einem 4/2-poligen Dahlandermotor an 50 Hz mit 4 % Schlupf in der niedrigen Stufe zu erwarten?
- a) 720 1/min
- b) 1440 1/min
- c) 1500 1/min
- d) 2880 1/min
Richtig: b)
Synchrondrehzahl Stufe 1 = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min. Mit 4 % Schlupf ergibt sich n = 1500 · 0,96 = 1440 1/min. Der Wert 2880 1/min entspricht der hohen Stufe, 720 1/min wäre die niedrige Stufe eines 8/4-Motors.
Welche Aussage zur Dahlander-Schaltung im Vergleich zum Frequenzumrichter ist korrekt?
- a) Beide liefern stufenlose Drehzahlen
- b) Der Frequenzumrichter ist günstiger in der Anschaffung
- c) Beide brauchen einen Spezialmotor
- d) Die Dahlander-Schaltung kommt ohne Leistungselektronik aus
Richtig: d)
Die Dahlander-Schaltung arbeitet rein elektromechanisch mit Schützen und Hilfskontakten — ohne Leistungselektronik. Der Frequenzumrichter ist flexibler, aber teurer und benötigt aktive Halbleiterelektronik. Der Spezialmotor mit Sonderwicklung ist hingegen nur bei der Dahlander-Schaltung nötig.
Glossar
- Dahlandermotor
- Polumschaltbarer Drehstrom-Asynchronmotor mit einer gemeinsamen Wicklung, die durch Umverschaltung von Dreieck auf Doppelstern zwei Drehzahlen im Verhältnis 1:2 ermöglicht.
- Doppelstern (YY)
- Wicklungsverschaltung, bei der zwei Sternschaltungen parallel betrieben werden. Entsteht bei der hohen Drehzahlstufe einer Dahlander-Schaltung durch Speisung an 2U/2V/2W und Kurzschluss von 1U/1V/1W.
- Polumschaltung
- Verfahren, mit dem die wirksame Polzahl einer Drehstromwicklung durch elektrische Umverschaltung verändert wird, wodurch sich die Synchrondrehzahl in einem festen Verhältnis ändert.
- Elektrische Verriegelung
- Schaltungstechnische Absicherung über Öffner-Hilfskontakte, die verhindert, dass zwei sich gegenseitig ausschließende Schütze gleichzeitig anziehen.
- Mechanische Verriegelung
- Konstruktive Absicherung, bei der die Schütze so verbaut sind, dass selbst bei verschweißten Kontakten kein gleichzeitiges Schalten möglich ist.
- Phasentausch
- Vertauschen von zwei der drei Phasenleitungen an einem Schütz, um beim Stufenwechsel der Dahlander-Schaltung eine gleichbleibende Drehrichtung sicherzustellen.
- Konstantes Drehmoment
- Lastcharakteristik, bei der das benötigte Drehmoment unabhängig von der Drehzahl etwa gleich bleibt. Typisch für Hubwerke und Förderer. Die zugehörige Dahlander-Variante ist Dreieck → Doppelstern.
- Quadratisches Gegenmoment
- Lastcharakteristik, bei der das Gegenmoment mit dem Quadrat der Drehzahl steigt. Typisch für Lüfter, Pumpen und Gebläse. Passende Dahlander-Variante: Stern → Doppelstern.
