Schaltung polumschaltbarer Motoren mit getrennten Wicklungen
Polumschaltbare Drehstrommotoren liefern zwei verschiedene Drehzahlen aus einem einzigen Antrieb. Bei der Variante mit getrennten Wicklungen sitzen zwei elektrisch unabhängige Stator-Wicklungen mit eigener Polpaarzahl im Motor — eine für die langsame, eine für die schnelle Drehzahl. Der Vorteil gegenüber der Dahlander-Bauart: das Drehzahlverhältnis ist nicht auf 1:2 festgelegt, sondern frei wählbar. Damit der Motor zuverlässig läuft, braucht es eine Schützschaltung mit zwei Hauptschützen und einer wasserdichten Verriegelung — denn nur EINE Wicklung darf zur gleichen Zeit am Netz liegen. Wir gehen Hauptstromkreis, Verriegelung, Steuerstromkreis und Umschaltvorgang Schritt für Schritt durch und vergleichen die Schaltung am Ende mit der verwandten Dahlander-Variante.
Vorwissen
- Schütze und Relais
- Selbsthaltung
- Polumschaltbare ASM mit getrennten Wicklungen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den Hauptstromkreis und den Steuerstromkreis einer polumschaltbaren Schaltung mit getrennten Wicklungen aufbauen und lesen
- die elektrische und die mechanische Verriegelung zwischen den Hauptschützen erklären und ihre Notwendigkeit begründen
- den Umschaltvorgang zwischen den beiden Drehzahlstufen beurteilen und entscheiden, wann ein Zeitrelais sinnvoll ist
- diese Schaltung sauber von der Dahlander-Schaltung abgrenzen
1. Funktion und Klemmenanschluss
Im Stator des Motors sitzen zwei elektrisch unabhängige Wicklungen mit jeweils eigener Polpaarzahl. Eine Wicklung erzeugt die niedrigere, die andere die höhere Drehzahl. Aufbau, Funktion und Auslegung des Motors sind im Beitrag zum Motortyp selbst beschrieben — hier konzentrieren wir uns auf das Schalten.
Für die Schaltung wichtig sind nur die Klemmen am Klemmenbrett:
| Klemmensatz | Wicklung | Üblicher Einsatz |
|---|---|---|
| 1U / 1V / 1W | Wicklung 1 | langsame Drehzahl |
| 2U / 2V / 2W | Wicklung 2 | schnelle Drehzahl |
Jeder Klemmensatz wird über ein eigenes Hauptschütz mit dem Drehstromnetz verbunden. Die jeweils nicht gespeise Wicklung bleibt vollständig offen — daran hängt die ganze folgende Schaltungslogik.
Eine Wicklung des polumschaltbaren Motors wird gerade nicht benötigt. Wie muss sie elektrisch behandelt werden?
- a) Vollständig offen lassen
- b) Über einen Widerstand auf N legen
- c) Beide Enden im Klemmenbrett kurzschließen
- d) Mit der anderen Wicklung parallel schalten
Richtig: a)
Würde die nicht genutzte Wicklung kurzgeschlossen oder mit der anderen verbunden, induzierte das umlaufende Drehfeld der aktiven Wicklung Ströme in den geschlossenen Kreis. Das erzeugt Bremsmoment und thermische Belastung. Die nicht benötigte Wicklung muss daher offen am Klemmenbrett enden.
Welche Aussage zum Drehzahlverhältnis bei getrennten Wicklungen trifft zu?
- a) Es ist konstruktiv immer 1:2
- b) Es lässt sich durch die Polpaarzahl der beiden Wicklungen frei wählen
- c) Es ergibt sich aus dem Verhältnis der beiden Bemessungsspannungen
- d) Es wird durch den Steuertransformator bestimmt
Richtig: b)
Weil die beiden Wicklungen unabhängig voneinander gewickelt werden, kann jede für sich auf die gewünschte Polpaarzahl ausgelegt werden — z. B. 6-polig und 4-polig für 1000/1500 1/min. Beim Dahlandermotor ist das Verhältnis hingegen fest 1:2. Spannung und Steuertrafo bestimmen die Drehzahl nicht.
2. Hauptstromkreis – Aufbau und Bauteile
Der Hauptstromkreis muss zwei Aufgaben erfüllen: jede Wicklung getrennt mit Drehstrom versorgen und jede Wicklung einzeln gegen Überlast schützen. Daraus ergibt sich der Aufbau mit zwei parallelen Strängen.
Die zentralen Bauteile sind:
- eine Sicherung F1 (drei Pole) als Kurzschlussschutz für die gesamte Anlage
- Hauptschütz K1 für die langsame Wicklung
- Hauptschütz K2 für die schnelle Wicklung
- Motorschutzrelais F2 im Strang von K1, eingestellt auf den Bemessungsstrom der langsamen Wicklung
- Motorschutzrelais F3 im Strang von K2, eingestellt auf den Bemessungsstrom der schnellen Wicklung
Die Phasenfolge L1/L2/L3 wird an beiden Wicklungen so verdrahtet, dass der Motor in beide Drehzahlstufen die gleiche Drehrichtung zeigt. Ein Vertauschen von zwei Phasen an einer der Wicklungen würde sonst dazu führen, dass der Motor bei der einen Stufe rechts- und bei der anderen linksherum läuft.
Warum braucht jede Wicklung im Hauptstromkreis ein eigenes Motorschutzrelais?
- a) Weil die Bemessungsströme der beiden Wicklungen unterschiedlich sind
- b) Weil die Wicklungen unterschiedliche Spannungen vertragen
- c) Weil ein einziges Relais elektrisch verboten ist
- d) Damit die Steuerspannung getrennt überwacht wird
Richtig: a)
Die langsame und die schnelle Wicklung sind getrennt ausgelegt und haben in der Regel unterschiedliche Bemessungsströme. Ein einziges Relais könnte nur einen Wert sauber überwachen. Die Spannung ist hingegen für beide Wicklungen die gleiche Netzspannung.
Welche Funktion erfüllt die dreipolige Sicherung F1 im Hauptstromkreis?
- a) Sie schützt den Motor vor Überlast
- b) Sie ersetzt das Motorschutzrelais
- c) Sie übernimmt den Kurzschlussschutz für die gesamte Anlage
- d) Sie sorgt for die Phasenfolge
Richtig: c)
Die Hauptsicherung ist Kurzschlussschutz, kein Überlastschutz — diese Aufgabe haben die Motorschutzrelais F2 und F3. Phasenfolge stellt die Verdrahtung sicher, nicht die Sicherung.
Wie wird sichergestellt, dass beide Drehzahlstufen am Motor dieselbe Drehrichtung ergeben?
- a) Über ein Drehrichtungsrelais im Steuerstromkreis
- b) Über das Motorschutzrelais
- c) Über die mechanische Verriegelung
- d) Durch identische Phasenfolge an beiden Klemmensätzen 1U/1V/1W und 2U/2V/2W
Richtig: d)
Die Drehrichtung wird allein durch die Reihenfolge der drei Phasen am Klemmenbrett bestimmt. Wird die Verdrahtung an beiden Wicklungen identisch ausgeführt, läuft der Motor in beiden Stufen gleich herum. Verriegelung und Motorschutz haben damit nichts zu tun.
Die nicht aktive Wicklung ist während des Betriebs der anderen Wicklung
- a) parallel auf die andere geschaltet
- b) sternförmig auf den Schutzleiter gelegt
- c) über das Schütz aktiv kurzgeschlossen
- d) vollständig offen am Klemmenbrett
Richtig: d)
Nur eine vollständig offene Wicklung kann keine Ströme aus dem Drehfeld der anderen Wicklung führen. Jede Schließform würde Induktionsströme erlauben, die Bremsmomente und unnötige Erwärmung verursachen.
3. Verriegelung – elektrisch und mechanisch
Die beiden Hauptschütze K1 and K2 dürfen unter keinen Umständen gleichzeitig anziehen. Würden beide Wicklungen zugleich am Netz hängen, liefen zwei unterschiedliche Drehfelder im Stator gegeneinander. Die Folge sind hohe Ausgleichsströme, ein starkes inneres Bremsmoment und im schlimmsten Fall ein Wicklungsschaden. Genau deshalb wird die Schaltung doppelt abgesichert.
Die elektrische Verriegelung erfolgt über Hilfskontakte im Steuerstromkreis: Im Strompfad der Spule von K1 sitzt ein Öffner-Kontakt von K2. Zieht K2 an, öffnet dieser Kontakt und unterbricht die K1-Spule — K1 kann jetzt nicht mehr einschalten. Umgekehrt sitzt im Strompfad von K2 ein Öffner-Kontakt von K1. Solange das eine Schütz angezogen ist, kann das andere elektrisch nicht versorgt werden.
Die mechanische Verriegelung kommt zusätzlich dazu. An den beiden Schützen wird ein gemeinsamer Verriegelungsbügel oder ein Verriegelungsmodul montiert. Ein bereits angezogener Schütz blockiert mechanisch den Schaltweg des zweiten — selbst wenn dessen Spule durch einen Defekt unter Spannung käme, könnten die Hauptkontakte nicht schließen.
Warum doppelt? Der elektrische Pfad könnte durch einen verschweißten Hilfskontakt, einen Drahtbruch oder einen Verdrahtungsfehler ausfallen. Die mechanische Verriegelung bleibt davon unberührt — und umgekehrt. Erst die Kombination aus beiden macht die Schaltung im Praxisbetrieb sicher.
Was wäre die unmittelbare Folge, wenn beide Hauptschütze gleichzeitig anziehen würden?
- a) Der Motor läuft mit Mittelwert-Drehzahl
- b) Der Steuertrafo überlastet
- c) Es entstehen hohe Ausgleichsströme und ein starkes Bremsmoment im Motor
- d) Die Sicherung F1 verhindert das automatisch
Richtig: c)
Zwei unterschiedliche Drehfelder im selben Stator verursachen sehr hohe Ausgleichsströme und ein inneres Bremsmoment, was die Wicklung schnell zerstört. Eine gemittelte Drehzahl gibt es nicht. F1 ist Kurzschluss-, kein Verriegelungsschutz.
Wo befinden sich die Kontakte der elektrischen Verriegelung?
- a) Im Hauptstromkreis, in Reihe mit den Wicklungen
- b) Im Motorschutzrelais
- c) Direkt am Motorklemmenbrett
- d) Im Steuerstromkreis, jeweils ein Öffner des anderen Schützes vor der Schützspule
Richtig: d)
Die Verriegelung wirkt auf die Schützspule und gehört damit in den Steuerstromkreis. Hauptkontakte würden den Steuerkreis nicht beeinflussen; Motorklemmenbrett und Motorschutzrelais haben mit der Verriegelung nichts zu tun.
Warum genügt die elektrische Verriegelung allein nicht?
- a) Ein verschweißter Hilfskontakt oder Verdrahtungsfehler kann sie unwirksam machen — die mechanische Verriegelung wirkt unabhängig davon
- b) Sie ist normativ verboten
- c) Sie reagiert zu langsam
- d) Sie funktioniert nur bei 24 V DC
Richtig: a)
Die elektrische Verriegelung kann durch einen einzigen Fehler im Steuerkreis ausfallen. Die mechanische Verriegelung kommt als unabhängige zweite Ebene dazu und blockiert die Schütze auch bei elektrischem Versagen. Reaktionszeit und Spannungsform spielen für diese Frage keine Rolle.
4. Steuerstromkreis – Schaltung und Bedienung
Der Steuerstromkreis verarbeitet die Bedienbefehle und schaltet die beiden Schützspulen. In der österreichischen Praxis wird der Steuerkreis nach ÖNORM EN 60204-1 ausgelegt: er ist vom Hauptstromkreis galvanisch getrennt — typischerweise über einen Steuertransformator auf 230 V AC oder über ein Netzgerät auf 24 V DC. Auf der Sekundärseite sitzt eine eigene Steuerstromkreis-Sicherung, und die Steuerspannung wird gegen Erde abgesichert, sodass bei einem Körperschluss in der Verdrahtung kein unerwünschtes Schalten möglich ist.
Im eigentlichen Logik-Teil arbeiten drei Taster:
- S0 als Aus-Taster (Öffner)
- S1 als Start-Taster für die langsame Stufe (Schließer)
- S2 als Start-Taster für die schnelle Stufe (Schließer)
Dazu kommen die Selbsthaltekontakte der beiden Schütze, die Verriegelungs-Öffner und die Hilfskontakte der Motorschutzrelais.
Bedienlogik:
- Anlauf langsam: Druck auf S1 schließt den Pfad zur K1-Spule. K1 zieht an, Hauptkontakte schließen, Wicklung 1 ist am Netz. Ein Schließer-Hilfskontakt K1 hält den Strompfad nach Loslassen von S1 (Selbsthaltung). Der Öffner-Kontakt von K2 im selben Pfad ist geschlossen, weil K2 nicht angezogen ist.
- Wechsel auf schnell: Druck auf S2 schließt den Pfad zur K2-Spule — vorausgesetzt, K1 ist vorher abgefallen, denn nur dann ist der K1-Öffner im K2-Pfad geschlossen. Wird S2 ohne vorheriges S0 gedrückt, passiert dank Verriegelung nichts; in der Praxis wird daher meist erst S0 gedrückt und dann S2.
- Aus: Druck auf S0 unterbricht den gemeinsamen Pfad. Beide Schütze fallen ab, beide Wicklungen sind spannungsfrei.
Die Hilfsöffner der Motorschutzrelais F2 und F3 sitzen so im Steuerstromkreis, dass eine Auslösung des jeweiligen Relais den zugehörigen Strang abschaltet — bei einigen Schaltungen werden beide Öffner in den gemeinsamen Bus gelegt, sodass eine Überlastung egal welcher Wicklung den ganzen Antrieb stillsetzt.
Welche Aufgabe hat der Steuertransformator in der Schaltung?
- a) Er sorgt für die galvanische Trennung und liefert eine eigene, abgesicherte Steuerspannung nach ÖNORM EN 60204-1
- b) Er erhöht die Spannung für die Schütze
- c) Er ersetzt die Hauptsicherung F1
- d) Er wandelt Drehstrom in Gleichstrom
Richtig: a)
Der Steuertrafo erzeugt aus dem Drehstromnetz eine getrennte Steuerspannung (typisch 230 V AC oder über Gleichrichter 24 V DC). Damit ist der Steuerkreis sicher trennbar und kann eigens abgesichert und geerdet werden. Eine reine Spannungserhöhung oder Gleichrichtung beschreibt seine Aufgabe nicht. F1 bleibt im Hauptstromkreis.
Was passiert, wenn S2 gedrückt wird, während K1 noch angezogen ist?
- a) K2 zieht an und K1 fällt automatisch ab
- b) Beide Schütze sind kurz gleichzeitig aktiv
- c) Der Steuertrafo löst aus
- d) K2 kann nicht anziehen, weil der Verriegelungs-Öffner K1 vor der K2-Spule geöffnet ist
Richtig: d)
Genau das ist Sinn der Verriegelung: Solange K1 angezogen ist, ist sein Öffner im K2-Pfad offen. K2 bekommt keinen Strom und kann nicht anziehen. Es gibt keinen automatischen Wechsel und keine gleichzeitige Aktivierung.
Wie ist die Selbsthaltung im Steuerstromkreis realisiert?
- a) Über einen Öffner-Hilfskontakt parallel zum Aus-Taster
- b) Über einen Schließer-Hilfskontakt des Schützes, parallel zum Start-Taster
- c) Über das Motorschutzrelais
- d) Über den Steuertransformator
Richtig: b)
Ein Schließer-Hilfskontakt des angezogenen Schützes überbrückt den Start-Taster und hält dadurch den Strompfad zur Spule auch nach Loslassen des Tasters. Öffner, Motorschutz oder Trafo spielen für die Haltefunktion keine Rolle.
Welche Wirkung hat das Auslösen des Motorschutzrelais F2 bei Überlast der langsamen Wicklung?
- a) Nur K1 fällt ab; K2 kann sofort gestartet werden
- b) Die Hauptsicherung F1 löst aus
- c) Der Öffner F2 im Steuerstromkreis unterbricht den Strang von K1 — die langsame Wicklung wird abgesaltet
- d) Der gesamte Steuertrafo wird abgesaltet
Richtig: c)
Das Motorschutzrelais wirkt über seinen Hilfsöffner direkt auf den K1-Strang. K1 fällt ab, die langsame Wicklung ist stromlos. Ob K2 danach gestartet werden darf, hängt von der Verdrahtung der F2-Auslösung ab — in vielen Praxisschaltungen wird der gesamte Antrieb stillgesetzt, um den Fehler vor Ort zu prüfen.
5. Umschaltvorgang und Zeitrelais
Beim Wechsel von einer Drehzahlstufe in die andere muss man wissen, was im Motor passiert. Der Rotor dreht durch sein eigenes Trägheitsmoment weiter, auch wenn die aktive Wicklung gerade abgeschaltet wird. Schaltet man jetzt sofort auf die zweite Wicklung um, treffen Rotor und das neue Drehfeld mit einem deutlich anderen Drehzahlniveau aufeinander.
Beim Wechsel von schnell auf langsam ist das besonders kritisch: der Rotor läuft noch mit etwa der schnellen Drehzahl, das neue Drehfeld dreht aber nur halb so schnell oder noch langsamer. Im Motor wirkt der Schlupf jetzt riesig — mit den entsprechend hohen Strömen und einem starken Bremsmoment. Es entsteht ein Stoß, der Mechanik, Lager und Wicklung belastet.
Bei der direkten Umschaltung ohne Pause werden diese Effekte hingenommen — bei kleinen Antrieben und unkritischen Lasten ist das vertretbar. Bei größeren Antrieben oder hohen Massenträgheiten baut man ein Zeitrelais ein, das zwischen dem Abfall des einen Schützes und dem Anziehen des anderen eine kurze Aus-Pause erzwingt. Typische Werte liegen zwischen 0,5 und 2 Sekunden — gerade so lang, dass der Rotor in Richtung der Zieldrehzahl auspendelt und der Stoß spürbar geringer ausfällt.
Warum ist der Wechsel von schnell auf langsam besonders belastend?
- a) Weil der Rotor noch nahe der hohen Drehzahl dreht, das neue Drehfeld aber deutlich langsamer ist und ein starkes Bremsmoment entsteht
- b) Weil die schnelle Wicklung kurzgeschlossen wird
- c) Weil der Steuertrafo dabei überlastet
- d) Weil die Drehrichtung wechselt
Richtig: a)
Der mitlaufende Rotor steht plötzlich vor einem langsameren Drehfeld — die Maschine arbeitet kurzzeitig als generatorische Bremse mit großem Schlupf und hohen Strömen. Die Wicklungen werden nicht kurzgeschlossen, der Steuertrafo bleibt unbelastet, und die Drehrichtung ist bei korrekter Verdrahtung in beiden Stufen gleich.
Wann ist der Einsatz eines Zeitrelais zwischen den beiden Stufen sinnvoll?
- a) Bei großen Massenträgheiten oder starken Drehzahlsprüngen
- b) Immer und ausnahmslos
- c) Nur bei Sternpunktanlauf
- d) Nur bei 24-V-DC-Steuerung
Richtig: a)
Bei kleinen Antrieben und niedrigem Drehzahlsprung ist die direkte Umschaltung in Ordnung. Mit zunehmender Masse oder größerem Drehzahlsprung lohnt sich das Zeitrelais, um den Stoß zu reduzieren. Mit Sternpunktanlauf oder Steuerspannung hat das nichts zu tun.
Welche Aus-Pause ist beim Zeitrelais zwischen den beiden Stufen praxistypisch?
- a) 0 Sekunden
- b) etwa 0,5 bis 2 Sekunden
- c) etwa 10 bis 20 Sekunden
- d) so lange, bis der Motor völlig steht
Richtig: b)
In der Praxis reichen 0,5–2 Sekunden, um die Spitzenströme deutlich zu reduzieren. Pausen im Sekundenbereich wären betrieblich störend; auf den Stillstand zu warten würde den Zweck der Drehzahlumschaltung verfehlen.
6. Anwendungen und Abgrenzung zur Dahlander-Schaltung
Polumschaltbare Motoren mit getrennten Wicklungen kommen überall dort zum Einsatz, wo zwei feste, aber nicht im Verhältnis 1:2 stehende Drehzahlstufen gebraucht werden. Typische Beispiele:
- Werkzeugmaschinen mit zwei Arbeitsdrehzahlen, etwa 1000 und 1500 1/min
- Lüfter und Ventilatoren mit Tag- und Nachtbetrieb
- Hebezeuge und Förderanlagen mit Eil- und Feinpositionierung
- Mischer und Rührwerke mit zwei Geschwindigkeitsstufen
Gegenüber der Dahlander-Schaltung ist der zentrale Unterschied das Drehzahlverhältnis. Beim Dahlander-Motor sitszt eine einzige Wicklung im Stator, die durch Umverschalten der Anschlüsse zwei Polzahlen ergibt — das Verhältnis ist konstruktiv fest 1:2. Bei getrennten Wicklungen ist jede Stufe frei wählbar. Der Preis dafür: zwei getrennte Wicklungen brauchen mehr Bauraum, der Motor wird teurer, und im Betrieb sitzt immer eine ungenutzte Wicklung mit im Stator. Die schaltungstechnische Behandlung der Dahlander-Variante ist im eigenen Beitrag dazu beschrieben.
Welcher Antrieb wäre ein typisches Einsatzfeld für einen polumschaltbaren Motor mit getrennten Wicklungen?
- a) Förderband mit Eil- und Feinpositionierdrehzahl, z. B. 750 und 1000 1/min
- b) Drehstrom-Hauptantrieb mit kontinuierlicher Drehzahlregelung
- c) Sanftanlauf eines Pumpenantriebs
- d) Servoantrieb für eine CNC-Achse
Richtig: a)
Genau die Kombination aus zwei festen, frei wählbaren Drehzahlen ist die Stärke dieser Bauart. Kontinuierliche Regelung gehört zum Frequenzumrichter, Sanftanlauf in den Bereich der Anlaufverfahren, und der Servoantrieb arbeitet mit einer ganz anderen Antriebsklasse.
Was ist der entscheidende konstruktive Unterschied zwischen Dahlander- und getrennter-Wicklung-Bauart?
- a) Die Stromaufnahme
- b) Die Anzahl der Klemmen am Klemmenbrett
- c) Im Stator sitzen eine umverschaltbare Wicklung (Dahlander) bzw. zwei vollständig getrennte Wicklungen
- d) Die Sicherung im Hauptstromkreis
Richtig: c)
Der Dahlander-Motor nutzt eine Wicklung, die durch Umverschaltung zwei Polzahlen ergibt (zwangsläufig 1:2). Bei getrennten Wicklungen liegen zwei elektrisch unabhängige Wicklungen im Stator, jede mit eigener Polzahl. Klemmenzahl, Strom und Sicherung sind Folgen daraus, nicht das Hauptmerkmal.
Welche Drehzahlpaarung ist mit getrennten Wicklungen, aber nicht mit Dahlander möglich?
- a) 1500/3000 1/min
- b) 750/1500 1/min
- c) 1000/1500 1/min
- d) 500/1000 1/min
Richtig: c)
Beim Dahlander ist das Verhältnis konstruktiv 1:2. Damit sind 1500/3000, 750/1500 und 500/1000 alle erreichbar. 1000/1500 entspricht hingegen einem Verhältnis 2:3 — das gibt es nur bei getrennten Wicklungen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein polumschaltbarer Motor mit zwei getrennten Wicklungen hat in Wicklung 1 eine Polpaarzahl von 3 und in Wicklung 2 eine Polpaarzahl von 2. Das Drehstromnetz hat 50 Hz. Berechne die Synchrondrehzahlen beider Wicklungen.
Gegeben: p1 = 3, p2 = 2, f = 50 Hz
Gesucht: n_s1 und n_s2 in 1/min
Lösungsweg:
- Synchrondrehzahl Wicklung 1:
n_s1 = 60 · f / p1 = 60 · 50 / 3 = 1000 1/min - Synchrondrehzahl Wicklung 2:
n_s2 = 60 · f / p2 = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min
Ergebnis: Wicklung 1 läuft mit 1000 1/min, Wicklung 2 mit 1500 1/min — ein Drehzahlpaar im Verhältnis 2:3, mit Dahlander nicht erreichbar.
Aufgabe 2: Welche Polpaarzahl muss eine Wicklung haben, damit der Motor an einem 50-Hz-Netz mit einer Synchrondrehzahl von 750 1/min läuft? Berechne anschließend die zweite Wicklung so, dass das Drehzahlverhältnis 1:2 entsteht.
Gegeben: n_s1 = 750 1/min, f = 50 Hz, gewünschtes Verhältnis n_s2 : n_s1 = 2 : 1
Gesucht: p1 and p2
Lösungsweg:
- Polpaarzahl Wicklung 1:
p1 = 60 · f / n_s1 = 60 · 50 / 750 = 4 - Synchrondrehzahl der zweiten Wicklung:
n_s2 = 2 · n_s1 = 2 · 750 = 1500 1/min - Polpaarzahl Wicklung 2:
p2 = 60 · f / n_s2 = 60 · 50 / 1500 = 2
Ergebnis: p1 = 4, p2 = 2. Diese Auslegung wäre auch mit einem Dahlander-Motor machbar, weil sie genau 1:2 ergibt.
Welche Aussage zum Aufbau der Schaltung trifft zu?
- a) Beide Wicklungen werden über zwei getrennte Hauptschütze K1 und K2 versorgt
- b) Beide Wicklungen werden über ein gemeinsames Schütz versorgt
- c) Die Wicklungen sind im Klemmenbrett dauerhaft parallel verschaltet
- d) Es genügt ein einziges Motorschutzrelais
Richtig: a)
Die zwei elektrisch unabhängigen Wicklungen brauchen zwei eigene Hauptschütze. Ein gemeinsames Schütz oder eine Parallelschaltung im Klemmenbrett ist konzeptionell falsch. Ein gemeinsames Motorschutzrelais kann die unterschiedlichen Bemessungsströme nicht sauber überwachen.
Welche Funktion hat der Verriegelungs-Öffner K2 im Strompfad der K1-Spule?
- a) Er erzwingt Selbsthaltung
- b) Er verhindert, dass K1 anzieht, solange K2 angezogen ist
- c) Er schaltet das Motorschutzrelais
- d) Er sichert den Steuertransformator ab
Richtig: b)
Der Öffner liegt im Steuerstromkreis vor der K1-Spule. Solange K2 angezogen ist, ist der Kontakt offen — K1 kann nicht starten. Das ist die elektrische Verriegelung. Selbsthaltung läuft über einen Schließer, Motorschutz und Trafoabsicherung sind andere Funktionen.
Welche Aussage zur ÖNORM EN 60204-1 in diesem Kontext stimmt?
- a) Sie gilt nur für Hochspannungsanlagen
- b) Sie ist in Österreich nicht anwendbar
- c) Sie regelt unter anderem die galvanische Trennung und Absicherung des Steuerstromkreises an Maschinen
- d) Sie behandelt ausschließlich Sicherungstypen
Richtig: c)
Die ÖNORM EN 60204-1 betrifft die elektrische Ausrüstung von Maschinen, dazu gehört die getrennte Auslegung und Absicherung des Steuerstromkreises. Sie ist in Österreich Stand der Technik. Mit reinen Sicherungstypen oder Hochspannung hat sie nichts zu tun.
Beide Hauptschütze einer polumschaltbaren Schaltung ziehen gleichzeitig an — welche Folge ist zu erwarten?
- a) Der Motor läuft mit Mittel-Drehzahl
- b) Der Steuertrafo schaltet automatisch ab
- c) Die Drehzahl springt auf das Doppelte
- d) Beide Wicklungen wirken mit unterschiedlichen Drehfeldern aufeinander; es entstehen sehr hohe Ströme und ein Wicklungsschaden droht
Richtig: d)
Zwei verschiedene Drehfelder im selben Stator erzeugen Ausgleichsströme weit über dem Bemessungsbereich. Es gibt keine Mittel-Drehzahl, keine Verdoppelung und keine automatische Abschaltung des Trafos. Genau diesen Zustand verhindert die doppelte Verriegelung.
Wo befindet sich die Selbsthaltung der Schütze K1 und K2?
- a) Im Hauptstromkreis parallel zu den Hauptkontakten
- b) Im Steuerstromkreis als Schließer-Hilfskontakt parallel zum Start-Taster
- c) Direkt an der Klemme U2 des Motors
- d) Innerhalb des Motorschutzrelais
Richtig: b)
Selbsthaltung wirkt auf die Schützspule und sitzt parallel zum Start-Taster im Steuerstromkreis. Im Hauptstromkreis, am Motor oder im Motorschutzrelais gibt es diese Funktion nicht.
Welche Bauteile sitzen im Hauptstromkreis zwischen den Schützen K1, K2 und dem Motor?
- a) Steuertransformator und Sicherung F4
- b) Motorschutzrelais F2 bzw. F3, danach die Klemmen 1U/1V/1W bzw. 2U/2V/2W
- c) Aus-Taster S0 und Verriegelungskontakte
- d) Selbsthaltekontakte und Zeitrelais
Richtig: b)
Im Hauptstromkreis sitzt unter jedem Hauptschütz das zugehörige Motorschutzrelais, danach gehen die drei Leiter auf die jeweiligen Klemmen am Motor. Trafo, F4, Taster und Hilfskontakte gehören in den Steuerstromkreis.
Welche Klemmen werden vom Hauptschütz K1 (langsame Stufe) versorgt?
- a) 2U / 2V / 2W
- b) U1 / V1 / W1 und U2 / V2 / W2
- c) 1U / 1V / 1W
- d) Beide Klemmensätze parallel
Richtig: c)
Per Konvention versorgt das Schütz der langsamen Stufe die Klemmen 1U/1V/1W. Eine Parallelschaltung beider Klemmensätze widerspräche dem Konzept der getrennten Wicklungen. U1/V1/W1 sind die Standard-Klemmen einer einfachen ASM, nicht des polumschaltbaren Motors mit getrennten Wicklungen.
Warum genügt allein eine elektrische Verriegelung zwischen K1 und K2 nicht?
- a) Sie reagiert nicht schnell genug
- b) Sie kostet zu viel Energie
- c) Ein einzelner Fehler (verschweißter Hilfskontakt, Verdrahtungsfehler) kann sie wirkungslos machen — die mechanische Verriegelung wirkt unabhängig davon
- d) Sie ist in Österreich nicht zulässig
Richtig: c)
Die elektrische Verriegelung hat genau einen Fehlerpfad — Hilfskontakt oder Verdrahtung. Die mechanische Verriegelung bleibt davon unberührt. Reaktionszeit, Energiekosten oder Normverbote sind kein Argument.
Bei welcher Umschaltung treten die größten Stöße auf?
- a) Stillstand → langsam
- b) Stillstand → schnell
- c) Langsam → schnell
- d) Schnell → langsam
Richtig: d)
Beim Wechsel von schnell auf langsam läuft der Rotor noch mit hoher Drehzahl, während das neue Drehfeld deutlich langsamer ist. Der Motor wird wie ein generatorischer Bremser mit großem Schlupf belastet — Strom und Stoßmoment sind hier am höchsten. Anlaufvorgänge aus dem Stillstand sind dagegen Standardbetrieb.
Welche Hauptaufgabe übernimmt ein Zeitrelais beim Stufenwechsel?
- a) Es schaltet einen Motorschutz vor
- b) Es erzeugt eine kurze Aus-Pause zwischen Abfall und Anziehen, um Stromspitzen und Stöße zu reduzieren
- c) Es regelt die Phasenfolge
- d) Es ersetzt die mechanische Verriegelung
Richtig: b)
Die definierte Aus-Pause lässt den Rotor Richtung Zieldrehzahl auspendeln und senkt die Spitzenströme deutlich. Motorschutz, Phasenfolge und Verriegelung sind eigene, davon unabhängige Funktionen.
Welches Drehzahlpaar ist typisch nicht mit einer Dahlander-Bauart, aber mit getrennten Wicklungen umsetzbar?
- a) 750 / 1500 1/min
- b) 1500 / 3000 1/min
- c) 500 / 1000 1/min
- d) 1000 / 1500 1/min
Richtig: d)
Dahlander schafft konstruktiv nur 1:2-Paare. 1000/1500 1/min entspricht 2:3 und ist nur mit zwei getrennten Wicklungen möglich. Die anderen drei Optionen sind alle 1:2 und damit auch Dahlander-tauglich.
In welchem Anlagenteil sitzen die Auslöse-Öffner von F2 und F3 (Motorschutzrelais)?
- a) Im Hauptstromkreis vor F1
- b) Im Steuerstromkreis, sodass eine Überlast die jeweilige Schützspule abschaltet
- c) Am Motorklemmenbrett
- d) Direkt in der Sicherung F4
Richtig: b)
Die Hilfskontakte der Motorschutzrelais wirken auf den Steuerstromkreis. Ein offener Hilfskontakt unterbricht den Strompfad zur Schützspule, das zugehörige Schütz fällt ab und schaltet die Wicklung im Hauptstromkreis stromlos. Im Hauptstromkreis selbst, am Klemmenbrett oder innerhalb der Sicherung gibt es diese Logik nicht.
Glossar
- Polumschaltbarer Motor mit getrennten Wicklungen
- Drehstrom-Asynchronmotor mit zwei elektrisch unabhängigen Stator-Wicklungen, jede mit eigener Polpaarzahl. Liefert zwei beliebig wählbare Drehzahlstufen.
- Hauptstromkreis
- Der Schaltungsteil, der die Hauptleistung führt: Sicherungen, Hauptkontakte der Schütze, Motorschutzrelais und Motor.
- Steuerstromkreis
- Der Schaltungsteil mit Tastern, Schützspulen, Hilfskontakten und Verriegelungen. In der Regel über einen Steuertransformator galvanisch vom Hauptstromkreis getrennt.
- Hauptschütz
- Schütz im Hauptstromkreis, das die Drehstromversorgung einer Wicklung schaltet. In dieser Schaltung sitzen zwei Hauptschütze, K1 für die langsame und K2 für die schnelle Wicklung.
- Motorschutzrelais
- Thermisches Schutzelement, das die Wicklung gegen Überlast schützt. Wird auf den Bemessungsstrom der jeweiligen Wicklung eingestellt und wirkt über einen Hilfsöffner auf den Steuerstromkreis.
- Elektrische Verriegelung
- Schaltungstechnische Maßnahme, die das gleichzeitige Anziehen zweier Schütze verhindert. Realisiert durch Öffner-Hilfskontakte des jeweils anderen Schützes im Steuerstromkreis.
- Mechanische Verriegelung
- Physische Sperre zwischen zwei Schützen (Verriegelungsbügel oder -modul), die das gleichzeitige Schließen der Hauptkontakte mechanisch ausschließt.
- Zeitrelais
- Schaltglied, das zwischen Eingangs- und Ausgangssignal eine einstellbare Zeitverzögerung erzeugt. In polumschaltbaren Schaltungen typisch für eine kurze Aus-Pause beim Stufenwechsel.
