Gleichstrombremsung mit Schützsteuerung
Ein Drehstrom-Asynchronmotor läuft nach dem Ausschalten frei aus. Je nach Schwungmasse kann das Sekunden bis Minuten dauern. Für viele Anwendungen ist das zu langsam: Kreissägen, Förderbänder oder Hebezeuge brauchen einen schnellen, definierten Stillstand. Die Gleichstrombremsung löst das, ohne Bremsbeläge und ohne Drehfeldumkehr. Sie speist nach dem Abschalten Gleichstrom in den Stator und nutzt den Motor selbst als Bremse.
Dieser Beitrag zeigt, wie das Verfahren funktioniert, wie Haupt- und Steuerstromkreis aufgebaut werden, welche Anschlussarten es gibt und wie Bremsstrom und Bremszeit ausgelegt werden.
Vorwissen
- Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
- Selbsthaltung
- Zeitrelais
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- das Wirkprinzip der Gleichstrombremsung erklären
- die gängigen Anschlussarten der Statorwicklungen unterscheiden
- den Haupt- und Steuerstromkreis einer Bremsschaltung lesen und entwerfen
- Bremsstrom, DC-Spannung und Trafogröße überschlägig auslegen
- die sicherheitstechnischen Grenzen einer reinen Schützsteuerung erkennen
1. Warum Gleichstrombremsung — Prinzip und Einordnung
Wenn der Bedien-Taster losgelassen wird, trennt das Hauptschütz den Motor vom Netz. Der Läufer läuft frei aus, getragen nur von den Reibverlusten. Bei kleinen Lüftern stört das niemandem. Bei einer Holzkreissäge mit großem Sägeblatt kann der Nachlauf dagegen 20 bis 30 Sekunden betragen — eine echte Gefahrenquelle und ein Produktivitätsproblem.
Es gibt mehrere Verfahren, um diesen Nachlauf zu kürzen: die Gegenstrombremsung mit Drehfeldumkehr, mechanische Bremsen, generatorische Bremsung über Frequenzumrichter. Diese werden in einem separaten Beitrag zu den Bremsverfahren behandelt.
Die Gleichstrombremsung sticht aus dieser Reihe heraus, weil sie kontaktlos arbeitet, präzise dosierbar ist und den Antriebsstrang mechanisch schont. Das Wirkprinzip ist einfach: Sobald der Motor vom Drehstromnetz getrennt ist, schaltet ein zweites Schütz Gleichstrom auf einen Teil der Statorwicklungen. Der Stator erzeugt damit kein Drehfeld mehr, sondern ein stehendes Magnetfeld. Der noch rotierende Käfigläufer schneidet dieses Feld, in den Läuferstäben werden Spannungen induziert, der entstehende Läuferstrom erzeugt zusammen mit dem stehenden Statorfeld ein Bremsmoment. Der Motor bremst sich selbst gegen seine eigene Schwungmasse ab.
Wichtig dabei: Die Bremswirkung hängt von der Bewegung des Läufers ab. Bei Stillstand entfällt die Induktion, das Bremsmoment wird null. Ein Halten des Motors gegen ein äußeres Lastmoment ist mit der DC-Bremsung also nicht möglich — dafür braucht es eine zusätzliche mechanische Halte- oder Stillstandsbremse.
Was passiert physikalisch beim Einspeisen von Gleichstrom in den Stator eines Asynchronmotors?
- a) Es entsteht ein Drehfeld mit doppelter Frequenz
- b) Der Motor wird kurzgeschlossen und magnetisch entladen
- c) Es entsteht ein stehendes Magnetfeld, in dem der drehende Läufer induziert wird
- d) Der Läufer wird elektrisch erregt und wirkt als Generator
Richtig: c)
Gleichstrom hat keine zeitliche Änderung, also kein Drehfeld. Das Magnetfeld steht still. Der noch drehende Käfigläufer fungiert in diesem stehenden Feld wie der Rotor eines Generators: Es werden Spannungen induziert, der dadurch fließende Käfigstrom erzeugt zusammen mit dem Statorfeld ein Bremsmoment.
Welche Aussage zur Gleichstrombremsung is korrekt?
- a) Sie erzeugt Bremsmoment nur, solange der Läufer rotiert
- b) Sie hält den Motor auch im Stillstand gegen ein äußeres Lastmoment
- c) Sie wirkt nur in Verbindung mit einem Frequenzumrichter
- d) Sie funktioniert ausschließlich bei Schleifringläufern
Richtig: a)
Das Bremsmoment entsteht durch Induktion im rotierenden Läufer. Sobald der Läufer steht, gibt es keine Bewegung im Magnetfeld, keine induzierte Spannung, kein Bremsmoment. Für statisches Halten braucht es eine zusätzliche mechanische Bremse.
Warum braucht die Gleichstrombremsung — anders als die Gegenstrombremsung — keine Drehfeldumkehr?
- a) Weil sie mit Wechselstrom in einer Wicklung arbeitet
- b) Weil sie über die Läuferspannung geregelt wird
- c) Weil sie die Frequenz des Versorgungsnetzes verändert
- d) Weil der DC-Strom ein stehendes Feld erzeugt und keine Drehrichtung umkehren muss
Richtig: d)
Bei der Gegenstrombremsung wird ein Drehfeld in Gegenrichtung erzeugt. Das bremst, kann aber bei zu spätem Abschalten den Motor rückwärts beschleunigen. Die DC-Bremsung erzeugt kein Drehfeld, sondern ein stehendes Feld; eine ungewollte Rückwärtsdrehung ist damit ausgeschlossen.
2. Anschlussarten der Statorwicklungen
Die drei Statorwicklungen U-V-W eines Drehstrom-Asynchronmotors lassen sich auf mehrere Arten mit Gleichstrom beaufschlagen. Welche Variante gewählt wird, hängt von der verfügbaren DC-Spannung, dem gewünschten Bremsmoment und der zulässigen Wicklungserwärmung ab. Drei Anschlussarten haben sich in der Praxis durchgesetzt.
Zwei-Leiter-Anschluss an zwei Klemmen. Der DC-Strom wird zwischen zwei Motorklemmen angelegt (z.B. U und V), die dritte bleibt offen. In der Sternschaltung fließt der Strom dann durch zwei Wicklungen in Reihe. Standard-Variante in der Industrie — der Wicklungswiderstand ist gut bekannt, die nötige DC-Spannung bleibt überschaubar.
Anschluss am Sternpunkt. Setzt einen zugänglichen Sternpunkt voraus. Der DC-Strom fließt zwischen Sternpunkt und einer einzelnen Klemme — nur eine Wicklung trägt Strom. Halber Widerstand, halbe benötigte DC-Spannung, kleineres Bremsmoment.
Drei-Leiter-Anschluss mit Brücke. Zwei Klemmen werden gebrückt (z.B. V und W), die DC-Quelle liegt zwischen U und der Brücke V-W. Eine Wicklung trägt den vollen Strom, die anderen beiden tragen jeweils den halben Strom in Reihenschaltung — alle drei Wicklungen führen Strom und werden gleichmäßiger erwärmt.
In der Praxis ist die erste Variante (2-Leiter-Anschluss an zwei Klemmen) am verbreitetsten, weil sie mit Standard-Steuertrafos und Brückengleichrichtern gut auslegbar ist und ein brauchbares Bremsmoment liefert.
Welche Aussage zum Sternpunkt-Anschluss (DC zwischen Sternpunkt und einer einzelnen Klemme) ist richtig?
- a) Er erzeugt das größte Bremsmoment aller Anschlussarten
- b) Er kommt mit der kleinsten DC-Spannung aus, das Bremsmoment ist aber geringer
- c) Er erfordert die größte DC-Spannung
- d) Er belastet alle drei Wicklungen gleichmäßig
Richtig: b)
Im Stromkreis liegt nur ein einzelner Wicklungswiderstand. Daher genügt eine kleinere Spannung für den gewünschten Bremsstrom. Da nur eine Wicklung wirksam ist, fällt aber auch das Magnetfeld und damit das Bremsmoment kleiner aus. Voraussetzung: Der Sternpunkt muss überhaupt zugänglich sein.
Warum verteilt der Brücken-Anschluss (V–W gebrückt, DC zwischen U und Brücke) die Erwärmung gleichmäßiger?
- a) Weil der Gleichstrom in einem Schaltkreis hin- und herfließt
- b) Weil der Stern in einen Wechselstromzweig zurückkehrt
- c) Weil das Bremsschütz die Wicklungen periodisch umpolt
- d) Weil der DC-Strom auf alle drei Wicklungen aufgeteilt wird
Richtig: d)
Beim Brücken-Anschluss tragen alle drei Wicklungen Strom (U den vollen, V und W jeweils den halben). Bei den 2-Leiter-Varianten bleibt mindestens eine Wicklung stromlos.
3. Hauptstromkreis aufbauen
Im Hauptstromkreis fließen die hohen Motorströme — Drehstrom für den Antrieb, Gleichstrom für die Bremsung. Beide Stromquellen müssen über getrennte Schütze auf die Motorklemmen geführt werden, und sie dürfen niemals gleichzeitig wirksam sein.
Die zentralen Komponenten:
- Q1 — Hauptschütz schaltet den Drehstrom auf den Motor (klassische Direkteinschaltung)
- F2 — Motorschutz überwacht den Motorstrom über Bimetallauslöser oder Motorschutzschalter; das Thema ist Inhalt eines eigenen Beitrags
- T1 — Steuertrafo transformiert die Netzspannung auf die niedrigere AC-Bremsspannung herunter
- V1 — Brückengleichrichter richtet die AC-Spannung des Trafos zur DC-Bremsspannung gleich
- Q2 — Bremsschütz schaltet den Gleichstrom auf die Motorklemmen
Gegenseitige Verriegelung im Hauptkreis. Q1 and Q2 dürfen nie gleichzeitig geschlossen sein. Geschieht das doch, wird der DC-Kreis gegen das Netz geschaltet — der Gleichrichter bekommt rückwärts die Drehspannung aufgedrückt, Sicherungen lösen aus, im schlimmsten Fall brennen Dioden oder der Trafo durch. Die Verriegelung erfolgt elektrisch über Hilfskontakte im Steuerkreis und zusätzlich oft mechanisch durch verriegelte Schützpaare. Verriegelungen sind selbst Thema eines eigenen Beitrags.
Was passiert, wenn die Verriegelung zwischen Q1 und Q2 fehlt und beide gleichzeitig anziehen?
- a) Der Motor läuft mit doppelter Drehzahl
- b) Das Bremsmoment verdoppelt sich kurz
- c) Der DC-Kreis wird gegen das Drehstromnetz geschaltet — Kurzschluss oder Trafodefekt
- d) Der Motor wechselt selbständig die Drehrichtung
Richtig: c)
Sobald Q1 die Phasen auf den Motor schaltet, liegt auf den Motorklemmen Drehstrom. Schließt jetzt zusätzlich Q2, wird die DC-Quelle gegen das Netz geschaltet — der Gleichrichter und der Trafo erleiden einen Kurzschluss. Sicherungen lösen aus, im schlimmsten Fall brennt der Gleichrichter durch.
Welche Aufgabe hat der Brückengleichrichter im Hauptstromkreis?
- a) Er wandelt die AC-Spannung des Steuertrafos in eine pulsierende Gleichspannung um
- b) Er glättet das Drehfeld des Motors
- c) Er erhöht die Bremsspannung auf Netzpotenzial
- d) Er übernimmt die Aufgabe des Motorschutzes
Richtig: a)
Der Steuertrafo liefert AC, der Motor braucht für die Bremsung aber DC. Ein Brückengleichrichter aus vier Dioden (Schaltzeichen B2) macht aus der AC-Spannung eine pulsierende DC-Spannung, deren Mittelwert etwa 0,9 · U_AC beträgt. Die Wicklungsinduktivität wirkt zusätzlich glättend.
4. Steuerstromkreis und zeitlicher Ablauf
Der Steuerstromkreis koordiniert den Wechsel vom Motorbetrieb zur Bremsung und beendet die Bremsung nach einer einstellbaren Zeit. Zentrales Element ist ein Zeitrelais K1T.
Der Ablauf in vier Schritten:
- Start. EIN-Taster S1 drücken → Q1 zieht an, ein Hilfskontakt von Q1 hält die Spule über sich selbst (Selbsthaltung). Der Motor läuft im Drehstrombetrieb. Gleichzeitig öffnet ein Q1-Öffner im Bremskreis und sperrt Q2.
- Ausschalten und Bremsen einleiten. AUS-Taster S0 drücken → der Strompfad der Selbsthaltung von Q1 wird unterbrochen, Q1 fällt ab. Damit schließt der Q1-Öffner im Bremskreis und gibt die Versorgung für K1T-Spule und Q2-Spule frei. Q2 zieht über den noch geschlossenen K1T-Öffner an, der Gleichrichter wird auf die Motorklemmen geschaltet.
- Zeitrelais läuft. Die K1T-Spule wurde gleichzeitig mit Q2 erregt — die voreingestellte Bremszeit läuft (typisch 0,5 bis 5 s). K1T arbeitet als ansprechverzögerter Öffner: Sein Kontakt im Pfad von Q2 bleibt zunächst geschlossen.
- Bremsung beenden. Nach Ablauf der Verzögerungszeit öffnet K1T seinen Kontakt → Q2 fällt ab, der Bremsstrom wird abgeschaltet, der Motor steht. Beim nächsten EIN-Befehl zieht Q1 an, sein Öffner unterbricht den Bremskreis vollständig, K1T-Spule fällt ab, das System ist für die nächste Bremsung bereit.
Gegenseitige Verriegelung im Steuerkreis. Im Spulenpfad von Q1 sitzt ein Öffner-Kontakt von Q2, im Spulenpfad von Q2 sitzt ein Öffner-Kontakt von Q1. Solange das eine Schütz angezogen ist, kann das andere nicht anziehen — auch nicht bei klemmendem Taster.
Warum wird im Steuerstromkreis ein Zeitrelais zur Begrenzung der Bremsdauer eingesetzt?
- a) Damit der Motor während des Bremsens nicht zu schnell stoppt
- b) Um die Bremsspannung in regelmäßigen Abständen umzupolen
- c) Um den Gleichrichter zu kühlen
- d) Um die Wicklungserwärmung durch dauerhaften DC-Strom zu verhindern
Richtig: d)
Der Gleichstrom heizt die Statorwicklung deutlich stärker auf als der reguläre Drehstrom, weil keine induktive Gegenspannung mehr aufgebaut wird. Ohne Zeitbegrenzung würde die Wicklung in Minuten überhitzen. Das Zeitrelais sorgt dafür, dass der Bremsstrom nach erreichtem Stillstand sicher abgeschaltet wird.
Was wäre die Folge, wenn die gegenseitige Verriegelung im Steuerkreis ausfällt?
- a) Q1 und Q2 könnten gleichzeitig anziehen, was zu Kurzschluss zwischen Netz und DC-Quelle führt
- b) Der Motor läuft kurz schneller und bremst dann sanfter
- c) Das Zeitrelais zieht zweifach an
- d) Die Bremszeit verkürzt sich automatisch
Richtig: a)
Die Verriegelung ist die Absicherung gegen den fatalen Zustand, in dem gleichzeitig Netzdrehstrom und DC am Motor anliegen. Ohne sie wäre ein Kurzschluss bei jedem Tastendruck mit Versatz möglich.
Welche Reihenfolge der Schaltvorgänge ist korrekt, wenn der AUS-Taster betätigt wird?
- a) Q2 zieht an, dann fällt Q1 ab
- b) Das Zeitrelais zählt rückwärts, dann fällt erst Q1, dann Q2 ab
- c) Q1 fällt ab, gleichzeitig zieht Q2 mit dem Zeitrelais an, nach Ablauf der Zeit fällt Q2 ab
- d) Q1 und Q2 fallen gleichzeitig ab
Richtig: c)
Der AUS-Taster trennt die Selbsthaltung von Q1, Q1 fällt ab. Damit schließt der Q1-Öffner im Bremspfad und gibt die Versorgung für K1T und Q2 frei — beide ziehen gleichzeitig an. Nach Ablauf der Verzögerungszeit öffnet der K1T-Kontakt und Q2 fällt ab.
5. Auslegung von Bremsstrom und Bremszeit
Nicht jeder Motor braucht den gleichen Bremsstrom, und nicht jede Bremszeit ist sinnvoll. Drei Größen müssen aufeinander abgestimmt werden: der Bremsstrom I_DC, die DC-Quellspannung U_DC und die AC-Trafospannung U_AC.
Bremsstrom in Abhängigkeit vom Motornennstrom
Faustregel aus der Praxis: Der DC-Bremsstrom liegt beim 1- bis 4-fachen des Motornennstroms. Das Verhältnis wird hier als Bremsfaktor k bezeichnet.
I_DC = k * I_N
- I_DC … DC-Bremsstrom in A
- k … Bremsfaktor (1 bis 4, dimensionslos)
- I_N … Motornennstrom (Typenschild) in A
Mehr Strom heißt mehr Bremsmoment, aber auch mehr Wärme in der Wicklung. Bei sanften Bremsungen genügt k ≈ 1,5, bei schnellen Stopps werden k = 3 oder mehr gewählt — die Bremszeit muss dann aber kurz bleiben.
Bremsmoment hängt quadratisch vom Bremsstrom ab
M_B ≈ c * I_DC²
- M_B … Bremsmoment in Nm
- c … motor- und schaltungsabhängiger Faktor
- I_DC … Bremsstrom in A
Praktische Folge: Verdoppelt sich der Bremsstrom, vervierfacht sich das Bremsmoment. Schon moderate Stromerhöhungen kürzen die Bremszeit deutlich.
DC-Spannung aus dem Wicklungswiderstand
Der Bremsstrom wird durch den Widerstand der durchflossenen Statorwicklungen begrenzt:
U_DC = I_DC * R_W
- U_DC … benötigte DC-Spannung in V
- I_DC … gewünschter Bremsstrom in A
- R_W … wirksamer Wicklungswiderstand der gewählten Anschlussart in Ohm
R_W ist nicht der Widerstand einer einzelnen Wicklung, sondern der Gesamtwiderstand des konkreten Anschluss-Schemas. Bei zwei Wicklungen in Reihe ist das ungefähr 2 · R (eine einzelne Wicklung), beim Sternpunkt-Anschluss ein R, beim Brücken-Anschluss ungefähr 1,5 · R.
AC-Trafospannung am Brückengleichrichter
Ein einphasiger Brückengleichrichter (B2) ohne Glättung liefert eine pulsierende Gleichspannung mit dem arithmetischen Mittelwert:
U_DC ≈ 0,9 * U_AC
- U_DC … mittlere DC-Spannung am Gleichrichter-Ausgang in V
- U_AC … Effektivwert der AC-Eingangsspannung in V
Daraus folgt für die nötige Trafospannung:
U_AC ≈ U_DC / 0,9
- U_AC … AC-Effektivwert am Trafoausgang in V
- U_DC … gewünschte mittlere DC-Spannung in V
Bremszeit
Die Bremszeit hängt von Schwungmasse, Lastmoment und Bremsmoment ab. In der Praxis werden typische Werte zwischen 0,5 s (kleine Antriebe) und 5 s (große Schwungmassen) eingestellt. Dauerhaft eingeschalteter DC-Bremsstrom ist nicht zulässig — die Wicklung würde überhitzen.
Gelöstes Beispiel
Ein Drehstrom-Asynchronmotor mit 5,5 kW hat einen Nennstrom von I_N = 11 A. Es ist ein 2-Leiter-Anschluss mit zwei Wicklungen in Reihe vorgesehen. Der Widerstand pro Wicklung beträgt 0,5 Ohm. Es wird mit einem Bremsfaktor k = 2,5 gearbeitet. Wie groß sind Bremsstrom, DC-Spannung und AC-Trafospannung?
Gegeben: I_N = 11 A, k = 2,5, R pro Wicklung = 0,5 Ohm, Reihenschaltung → R_W = 1,0 Ohm
Gesucht: I_DC, U_DC, U_AC
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Bremsstrom: I_DC = k · I_N = 2,5 · 11 A = 27,5 A
- Schritt 2 — DC-Spannung: U_DC = I_DC · R_W = 27,5 A · 1,0 Ohm = 27,5 V
- Schritt 3 — AC-Trafospannung: U_AC = U_DC / 0,9 = 27,5 V / 0,9 ≈ 30,6 V
Ergebnis: I_DC = 27,5 A, U_DC = 27,5 V, U_AC ≈ 30,6 V
Übungen
Ein 3 kW Motor hat I_N = 6,5 A. Mit k = 2 und R_W = 1,5 Ohm: Welcher Bremsstrom fließt und welche DC-Spannung wird gebraucht?
I_DC = 13 A, U_DC = 19,5 V
Ein Motor mit I_N = 10 A wird mit k = 2 gebremst. R_W ist 0,8 Ohm. Welche AC-Trafospannung ist nötig?
I_DC = 20 A, U_DC = 16 V, U_AC ≈ 17,8 V
Bei einem Motor mit I_N = 15 A soll der Bremsfaktor von k = 1,5 auf k = 3 verdoppelt werden. Um welchen Faktor ändert sich das Bremsmoment?
Verdopplung des Stroms = Vervierfachung des Moments (M_B ∝ I_DC²)
Ein 4 kW Motor mit I_N = 8,5 A soll mit Bremsfaktor k = 3 gebremst werden. R_W beträgt 1,2 Ohm. Wie groß ist die nötige AC-Trafospannung?
I_DC = 25,5 A, U_DC = 30,6 V, U_AC ≈ 34 V
An einem 7,5 kW Motor wird beobachtet, dass mit U_DC = 50 V der Bremsstrom 25 A erreicht. Wie groß ist der wirksame Wicklungswiderstand R_W, und welche AC-Trafospannung würde rechnerisch dahinterstehen?
R_W = U_DC / I_DC = 50 V / 25 A = 2,0 Ohm; U_AC ≈ 50 V / 0,9 ≈ 55,6 V
Welcher Zusammenhang zwischen Bremsstrom und Bremsmoment ist korrekt?
- a) Quadratisch: doppelter Strom = vierfaches Moment
- b) Linear: doppelter Strom = doppeltes Moment
- c) Konstant: das Moment hängt nicht vom Strom ab
- d) Umgekehrt proportional
Richtig: a)
Das Bremsmoment hängt vom Magnetfluss und vom induzierten Läuferstrom ab. Beide steigen mit dem Bremsstrom — der Fluss näherungsweise linear, der induzierte Strom ebenfalls. Das Produkt ergibt eine quadratische Abhängigkeit: M_B ∝ I_DC².
Ein Bremskreis arbeitet mit U_AC = 24 V am Brückengleichrichter. Welche mittlere DC-Spannung steht ungefähr zur Verfügung?
- a) Etwa 11 V
- b) Etwa 21,6 V
- c) Etwa 24 V
- d) Etwa 34 V
Richtig: b)
Ein einphasiger Brückengleichrichter (B2) liefert ohne Glättung den arithmetischen Mittelwert U_DC ≈ 0,9 · U_AC. Bei 24 V AC sind das rund 21,6 V DC.
6. Anwendung, Schutz und Abgrenzung
Gleichstrombremsung mit klassischer Schützsteuerung findet sich überall dort, wo ein definierter, schneller Stillstand gefragt ist, aber kein Frequenzumrichter eingesetzt wird: Holzkreissägen, Förderbänder mit großer Schwungmasse, einfache Hebezeuge im Industriebetrieb, Pressen mit Schwungrad-Antrieb.
Wann lohnt sich die klassische Variante?
Drei Argumente sprechen für die Schützsteuerung: niedrige Kosten gegenüber Frequenzumrichtern, einfache Diagnose mit Multimeter, große Robustheit gegen elektromagnetische Störungen. Wenn ein Antrieb nur EIN und AUS braucht und keine variable Drehzahl gefordert ist, ist die DC-Bremsung wirtschaftlich.
Frequenzumrichter mit integriertem Bremschopper sind technisch eleganter und energieeffizienter, lohnen sich aber meist erst, wenn neben dem Bremsen auch eine variable Drehzahl gefordert ist.
Sicherheitstechnische Einordnung
Die Schaltung mit Q1, Q2 and Zeitrelais ist eine Betriebsfunktion — sie sorgt im Normalbetrieb für sauberes Bremsen. Sie ist keine sicherheitsgerichtete Funktion im Sinn der Maschinensicherheit.
Sobald die Bremsung gefahrbringende Bewegungen verkürzt — bei Kreissägen, Schneidmaschinen, Hubvorrichtungen — verlangt die Risikobeurteilung nach ÖNORM EN ISO 12100 eine zusätzliche Sicherheitsschicht. Das Zeitrelais kann ausfallen, ein Hilfskontakt verkleben, der Bediener kann die Schutztür öffnen, bevor der Motor wirklich steht. Übliche Ergänzungen:
- Sicherheitsrelais oder Sicherheits-SPS, die das Bremsschütz redundant überwachen
- Stillstandswächter, die die Drehzahl messen und erst bei Stillstand die Schutztür freigeben
- mechanische Bremsen als zweite, unabhängige Bremswirkung
Der erforderliche Performance Level (PL) ergibt sich aus der Risikobeurteilung nach ÖNORM EN ISO 13849-1. Die Auswahl der konkreten Sicherheitsbauteile ist Inhalt eigener Beiträge zur funktionalen Sicherheit.
Warum ist eine reine Schützsteuerung mit Zeitrelais bei sicherheitskritischen Anwendungen nicht ausreichend?
- a) Weil das Zeitrelais zu schnell schaltet
- b) Weil ein Hilfskontakt verkleben oder das Zeitrelais ausfallen kann, ohne dass das System es erkennt
- c) Weil DC-Bremsung grundsätzlich verboten ist
- d) Weil der Steuertrafo keine Sicherheitsklasse erreicht
Richtig: b)
Die Schaltung enthält keine Selbstüberwachung. Ein verklebter Hilfskontakt oder ein defektes Zeitrelais würde bei der nächsten Bremsung still versagen — der Motor läuft weiter, das System merkt nichts. Sicherheitsfunktionen brauchen eigensichere Bauteile und Diagnose.
Welchen Mehrwert bringt ein Stillstandswächter gegenüber einem Zeitrelais bei einer Holzkreissäge?
- a) Er ersetzt das Bremsschütz
- b) Er verkürzt die Bremszeit auf unter 0,5 s
- c) Er stellt sicher, dass die Schutzeinrichtung erst freigegeben wird, wenn der Motor tatsächlich steht
- d) Er macht den Brückengleichrichter überflüssig
Richtig: c)
Ein Zeitrelais sagt nur „Zeit abgelaufen“, nicht „Motor steht still“. Ein Stillstandswächter misst Drehzahl oder Bewegung und gibt die Schutztür erst frei, wenn der Antrieb wirklich zur Ruhe gekommen ist. Das ist bei sägenden, schneidenden oder klemmgefährdenden Maschinen oft Pflicht.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Drehstrom-Asynchronmotor mit P_N = 4 kW hat einen Nennstrom von I_N = 8,5 A. Es wird ein 2-Leiter-Anschluss mit zwei Wicklungen in Reihe verwendet, der Widerstand pro Strang beträgt 0,6 Ohm. Der Bremsfaktor wird auf k = 2,5 eingestellt. Berechne Bremsstrom, DC-Spannung und nötige AC-Trafospannung.
Gegeben: I_N = 8,5 A, k = 2,5, R pro Wicklung = 0,6 Ohm → R_W = 1,2 Ohm
Gesucht: I_DC, U_DC, U_AC
Lösungsweg:
- I_DC = 2,5 · 8,5 A = 21,25 A
- U_DC = 21,25 A · 1,2 Ohm = 25,5 V
- U_AC = 25,5 V / 0,9 ≈ 28,3 V
Ergebnis: I_DC = 21,25 A, U_DC = 25,5 V, U_AC ≈ 28,3 V
Aufgabe 2: Bei einem 7,5 kW Motor (I_N = 14,5 A) soll der Bremsfaktor von k = 1,5 auf k = 3 verdoppelt werden. Um welchen Faktor verändert sich das theoretische Bremsmoment? Welche neuen Bremsströme ergeben sich?
Gegeben: I_N = 14,5 A, k1 = 1,5, k2 = 3
Gesucht: Verhältnis M_B2 / M_B1, I_DC1, I_DC2
Lösungsweg:
- I_DC1 = 1,5 · 14,5 = 21,75 A
- I_DC2 = 3 · 14,5 = 43,5 A
- M_B ∝ I_DC² → M_B2 / M_B1 = (43,5 / 21,75)² = 2² = 4
Ergebnis: Das Bremsmoment vervierfacht sich. I_DC1 = 21,75 A, I_DC2 = 43,5 A
Aufgabe 3: Ein Bremskreis wird mit U_DC = 36 V betrieben, der Bremsstrom wird mit 24 A gemessen. Wie groß ist der wirksame Wicklungswiderstand R_W?
Gegeben: U_DC = 36 V, I_DC = 24 A
Gesucht: R_W
Lösungsweg:
- R_W = U_DC / I_DC = 36 V / 24 A = 1,5 Ohm
Ergebnis: R_W = 1,5 Ohm
Aufgabe 4: Welche AC-Trafospannung muss ein Steuertrafo liefern, wenn die DC-Bremsspannung am Brückengleichrichter 45 V betragen soll? Welche überschlägige Trafoscheinleistung ist nötig, wenn der DC-Bremsstrom 30 A erreicht?
Gegeben: U_DC = 45 V, I_DC = 30 A
Gesucht: U_AC, ungefähre Trafoscheinleistung S
Lösungsweg:
- U_AC ≈ U_DC / 0,9 = 45 V / 0,9 = 50 V
- S ≈ U_AC · I_DC ≈ 50 V · 30 A = 1500 VA
Ergebnis: U_AC = 50 V, S ≈ 1,5 kVA (überschlägig; der tatsächliche AC-Strom am Trafoausgang ist wegen der Gleichrichterform etwas größer)
Welches der folgenden Bremsverfahren erzeugt am Asynchronmotor ein stehendes Magnetfeld?
- a) Gegenstrombremsung
- b) Gleichstrombremsung
- c) Generatorische Bremsung über Frequenzumrichter
- d) Mechanische Backenbremse
Richtig: b)
Die Gegenstrombremsung erzeugt ein rückwärts drehendes Drehfeld. Die generatorische Bremsung lässt den Motor als Generator wirken (Energie zurück in den Zwischenkreis). Die mechanische Bremse arbeitet ohne Magnetfeld. Nur die DC-Bremsung speist Gleichstrom in den Stator und erzeugt damit ein stehendes Feld.
Wann wirkt die Gleichstrombremsung nicht mehr?
- a) Bei Drehzahlen über der Nenndrehzahl
- b) Bei Wicklungstemperaturen unter 40 °C
- c) Sobald der Läufer steht
- d) Während des Anlaufs des Motors
Richtig: c)
Ohne Bewegung im Magnetfeld keine Induktion im Läufer, ohne Läuferstrom kein Bremsmoment. Bei Stillstand ist die DC-Bremsung wirkungslos und muss durch eine mechanische Bremse ergänzt werden, wenn ein Lastmoment gegen den stehenden Motor wirkt.
Wofür wird im Steuerstromkreis das Zeitrelais K1T benötigt?
- a) Es ersetzt das Bremsschütz Q2
- b) Es zählt die Anzahl der Bremsvorgänge
- c) Es ändert die Bremsspannung in Stufen
- d) Es begrenzt die Dauer, in der DC-Strom durch die Wicklung fließt
Richtig: d)
DC-Strom in der Wicklung erzeugt Verlustleistung, ohne dass die rotierende Bewegung für Kühlung sorgt. Das Zeitrelais schaltet den Bremsstrom nach erreichtem Stillstand ab und verhindert Überhitzung. Ohne Zeitrelais würde Q2 bis zum nächsten Eingriff angezogen bleiben.
Welche Folge hat eine fehlende Verriegelung zwischen Q1 und Q2 bei mechanisch klemmenden Hilfskontakten?
- a) Der Motor läuft langsamer aus
- b) Es kann ein Kurzschluss zwischen Netz und DC-Quelle entstehen
- c) Q1 bleibt dauerhaft angezogen
- d) Das Zeitrelais zieht doppelt an
Richtig: b)
Ohne Verriegelung können bei mechanischen Fehlern beide Schütze zeitgleich anziehen. Dann liegt am Motor gleichzeitig Drehstrom und DC — der Gleichrichter wird gegen das Netz geschaltet, mit Kurzschlussfolge. Die Verriegelung ist die zentrale Schutzmaßnahme gegen diesen Zustand.
Welcher Anschluss bietet die gleichmäßigste Wicklungserwärmung?
- a) Drei-Leiter-Anschluss mit Brücke V–W
- b) Zwei-Leiter-Anschluss zwischen U und V
- c) Sternpunkt-Anschluss mit einer einzelnen Wicklung
- d) Wechselnde Anschlüsse nach Bremszyklus
Richtig: a)
Beim Brücken-Anschluss tragen alle drei Wicklungen Strom. Bei den 2-Leiter-Varianten bleibt mindestens eine Wicklung stromlos und damit ungenutzt für die Wärmeableitung — die durchflossenen Wicklungen erwärmen sich stärker.
In welcher Situation ist eine reine DC-Bremsung mit Schützsteuerung sicherheitstechnisch unzureichend?
- a) Bei einer Pumpe ohne mechanische Gefahr
- b) Bei einem Lüfter im Maschinenraum
- c) Bei einer Wasserpumpe im Außenbereich
- d) Bei einer Holzkreissäge mit gefahrbringendem Nachlauf
Richtig: d)
Sobald der Bremsvorgang eine Schutzfunktion erfüllt — also den Bediener vor gefahrbringender Bewegung schützen muss — reicht eine reine Betriebsschaltung mit Zeitrelais nicht. Das Zeitrelais kann ausfallen, der Motor kann noch laufen. Notwendig sind dann Sicherheitsrelais und Stillstandswächter.
Welche Aussage zur Auslegung der Bremszeit ist richtig?
- a) Sie sollte dauerhaft auf maximaler Stufe stehen
- b) Sie ist gesetzlich auf 10 s festgelegt
- c) Sie hängt von der Schwungmasse und dem Bremsmoment ab und liegt typisch zwischen 0,5 und 5 s
- d) Sie hängt allein vom Wicklungswiderstand ab
Richtig: c)
Die Bremszeit ergibt sich aus der zu vernichtenden Bewegungsenergie und dem aufgebrachten Bremsmoment. Bei großen Schwungmassen länger, bei kleinen Antrieben kürzer. Werte über 10 s sind unüblich, weil die Wicklungstemperatur dann kritisch wird.
Welche Aufgabe übernimmt der Brückengleichrichter im Hauptstromkreis?
- a) Er steuert die Drehzahl des Motors
- b) Er ersetzt die Selbsthaltung des Hauptschützes
- c) Er glättet das Drehfeld
- d) Er wandelt die AC-Spannung des Steuertrafos in pulsierende DC-Spannung um
Richtig: d)
Der Steuertrafo liefert Wechselspannung. Für die Bremsung braucht es Gleichstrom — der Brückengleichrichter aus vier Dioden erzeugt aus der AC-Spannung eine pulsierende DC-Spannung mit Mittelwert 0,9 · U_AC. Die Wicklungsinduktivität glättet die Pulse zusätzlich.
Was passiert, wenn das Zeitrelais K1T defekt ist und der Schließer im AUS-Zustand verharrt (Kontakt bleibt offen)?
- a) Der Motor bremst doppelt so schnell
- b) Q2 zieht beim AUS-Befehl gar nicht erst an, der Motor läuft frei aus
- c) Der Bremsstrom fließt dauerhaft
- d) Q1 bleibt eingeschaltet
Richtig: b)
K1T und Q2 ziehen über denselben Strompfad an. Bei einem offen verharrenden K1T-Kontakt im Strompfad von Q2 kommt der Strom für Q2 nicht zustande — die Bremsung findet schlicht nicht statt, der Motor läuft natürlich aus. Bei einem gegenteilig verklebten Kontakt wäre die Folge das Gegenteil: Bremsstrom dauerhaft.
Welche Norm regelt in Österreich die funktionale Sicherheit von Maschinensteuerungen, also auch sicherheitsrelevante Bremsfunktionen?
- a) ÖNORM EN ISO 13849-1
- b) ÖNORM EN 60204
- c) ÖNORM EN 60617
- d) ÖNORM EN 50110
Richtig: a)
ÖNORM EN ISO 13849-1 legt die Performance Level (PL a bis PL e) für sicherheitsgerichtete Teile von Steuerungen fest. Sie wird angewendet, wenn eine Bremsfunktion Teil der Risikominderung ist. EN 60204 ist die elektrische Ausrüstung von Maschinen, EN 60617 die Schaltsymbole, EN 50110 der Betrieb von elektrischen Anlagen.
Welchen Sinn hat es, das Bremsschütz Q2 zweipolig statt dreipolig auszuführen?
- a) Es vereinfacht die Selbsthaltung
- b) Die DC-Quelle hat nur zwei Anschlüsse (+ und −), drei Pole wären überflüssig
- c) Es spart elektrische Energie
- d) Es ist Vorschrift in ÖNORM EN 60617
Richtig: b)
Der Gleichrichter liefert eine zweipolige Spannung (Plus und Minus). Ein drittes Schaltvermögen wird nicht benötigt, weil keine dritte Leitung zum Motor geführt wird. Standard-Bremsschütze sind daher zweipolig.
Welche Faustregel für den Bremsstrom ist üblich?
- a) Bremsstrom 1- bis 4-facher Motornennstrom
- b) Bremsstrom genau der zehnfache Motornennstrom
- c) Bremsstrom ein Zehntel des Motornennstroms
- d) Bremsstrom unabhängig vom Motornennstrom
Richtig: a)
In der Praxis hat sich das Verhältnis k = I_DC / I_N zwischen 1 und 4 bewährt. Werte darunter geben zu wenig Bremsmoment, Werte darüber führen zu massiver Wicklungserwärmung in kurzer Zeit.
Glossar
- Gleichstrombremsung
- Bremsverfahren am Drehstrom-Asynchronmotor, bei dem nach dem Abschalten Gleichstrom in den Stator eingespeist wird; erzeugt ein stehendes Magnetfeld, das im rotierenden Läufer Bremsmoment induziert.
- Hauptschütz Q1
- Schütz, das im Hauptstromkreis den Drehstrom auf den Motor schaltet (klassische Direkteinschaltung).
- Bremsschütz Q2
- Schütz, das im Hauptstromkreis die Gleichspannung vom Brückengleichrichter auf die Motorklemmen schaltet.
- Bremsfaktor k
- Verhältnis zwischen DC-Bremsstrom und Motornennstrom; in der Praxis typisch zwischen 1 und 4.
- Brückengleichrichter (B2)
- Vier Dioden in einphasiger Brückenschaltung, die aus einer Wechselspannung eine pulsierende Gleichspannung mit Mittelwert 0,9 · U_AC erzeugen.
- Steuertrafo
- Transformator, der die Netzspannung auf die für die DC-Bremsung benötigte AC-Spannung herunterregelt; speist den Brückengleichrichter.
- Stillstandswächter
- Sicherheitsbauteil, das die Drehzahl oder die Bewegung des Motors überwacht und eine Schutztür erst freigibt, wenn der Antrieb tatsächlich steht; zuverlässiger als ein reines Zeitrelais.
- Performance Level (PL)
- Sicherheitsklassifizierung nach ÖNORM EN ISO 13849-1 (PL a bis PL e), die den geforderten Sicherheitsgrad einer Steuerungsfunktion einer Maschine festlegt.
