Das Ohmsche Gesetz
Ohne das Ohmsche Gesetz gibt es keine Schaltungsberechnung. Es beschreibt den Zusammenhang zwischen drei Größen, die jeden Stromkreis bestimmen: Spannung, Strom und Widerstand. Wer das Gesetz beherrscht, kann jede Grundschaltung rechnen, jeden Vorwiderstand auslegen und jede Messung einordnen.
Dieser Beitrag baut den Zusammenhang von Grund auf — von der historischen Entdeckung über die drei Umformungen bis zur praktischen Anwendung. Genauso wichtig ist zu wissen, wo das Gesetz nicht gilt: bei Halbleitern, Glühlampen und anderen nicht-linearen Bauelementen.
Vorwissen
Bevor du dich in dieses Thema vertiefst, sollten folgende Grundlagen sitzen:
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- das Ohmsche Gesetz in seinen drei Formen aufstellen und sicher zwischen ihnen umformen
- aus zwei der drei Größen U, I und R die dritte berechnen
- eine Strom-Spannungs-Kennlinie lesen und den Widerstandswert daraus ableiten
- ohmsche von nicht-ohmschen Bauelementen unterscheiden und den Gültigkeitsbereich des Gesetzes einordnen
- einen Vorwiderstand für eine LED auslegen
Kapitel 1 — Was das Ohmsche Gesetz aussagt
Im Jahr 1826 untersuchte der deutsche Physiker Georg Simon Ohm den Zusammenhang zwischen Stromstärke und Spannung in metallischen Leitern. Er stellte fest, dass bei einem festen Leiter und konstanter Temperatur die Stromstärke proportional zur anliegenden Spannung wächst. Verdoppelt man die Spannung, verdoppelt sich der Strom. Halbiert man sie, halbiert sich der Strom. Diese einfache Proportionalität trägt heute seinen Namen — und die Einheit des elektrischen Widerstands ebenfalls: 1 Ohm (Ω).
Ein anschauliches Bild dafür ist der Wasserkreislauf. Stell dir einen erhöhten Wassertank vor, von dem ein Rohr nach unten führt. Die Höhe des Wasserstands entspricht der Spannung — sie ist die treibende Kraft. Das Rohr hat eine bestimmte Engstelle, die dem Widerstand entspricht. Was durchfließt, ist der Strom. Hebt man den Tank höher, fließt mehr Wasser. Verengt man das Rohr, fließt weniger. Genau dieses Verhalten beschreibt das Ohmsche Gesetz für den elektrischen Stromkreis.
Mathematisch ausgedrückt heißt das:
Diese eine Gleichung steckt hinter praktisch jeder Berechnung im Gleichstromkreis. Sie sagt: Welche Spannung über einem Widerstand abfällt, hängt vom durchfließenden Strom und vom Widerstandswert ab — beides geht linear ein.
U = R · I
- U … Spannung in Volt (V)
- R … Widerstand in Ohm (Ω)
- I … Stromstärke in Ampere (A)
Was sagt das Ohmsche Gesetz über den Zusammenhang von Spannung und Strom bei einem ohmschen Widerstand aus?
- a) Spannung und Strom sind unabhängig voneinander.
- b) Der Strom wächst quadratisch mit der Spannung.
- c) Der Strom wächst proportional zur Spannung.
- d) Der Strom sinkt, wenn die Spannung steigt.
Richtig: c)
Das Ohmsche Gesetz beschreibt eine lineare Proportionalität: I = U / R. Bei konstantem R bedeutet doppelte Spannung doppelter Strom. Die Optionen a, b und d widersprechen direkt der linearen Beziehung U = R · I.
In der Wasseranalogie zum Stromkreis entspricht der elektrische Widerstand am ehesten welcher Größe?
- a) der Engstelle im Rohr
- b) der Wassermenge im Tank
- c) der Höhe des Wassertanks
- d) der Fließgeschwindigkeit
Richtig: a)
Die Engstelle bestimmt, wie viel Wasser bei gegebenem Druck durchkommt — das ist der Widerstand. Die Höhe des Tanks (c) entspricht der Spannung, die Fließgeschwindigkeit (d) bzw. der Durchfluss entspricht dem Strom. Die Wassermenge selbst (b) ist keine direkte Entsprechung im Modell.
Kapitel 2 — U, I und R berechnen — die drei Umformungen
Aus U = R · I lassen sich durch einfaches Umstellen zwei weitere Formen ableiten. Welche du verwendest, hängt davon ab, was du suchst:
Ein bewährter Trick als Eselsbrücke ist das Ohmsche Dreieck: U steht oben, R und I stehen unten nebeneinander. Mit dem Finger auf die gesuchte Größe — die anderen beiden zeigen die Formel. Verdeckst du U, bleibt R · I übrig. Verdeckst du I, bleibt U / R. Verdeckst du R, bleibt U / I.
So einfach das ist — in der Praxis liegt der häufigste Fehler selten in der Formel selbst. Er liegt in den Einheiten.
Die Formeln gelten nur, wenn alle Werte in den SI-Grundeinheiten eingesetzt werden: Volt, Ampere und Ohm. Schlampig wird es bei Milliampere, Kiloohm oder Millivolt — diese müssen vorher umgerechnet werden:
- 1 mA = 0,001 A → mA durch 1000 teilen
- 1 kΩ = 1000 Ω → kΩ mit 1000 multiplizieren
- 1 mV = 0,001 V → mV durch 1000 teilen
- 1 MΩ = 1 000 000 Ω → MΩ mit 1 000 000 multiplizieren
Wer das übersieht, bekommt Ergebnisse, die um Faktoren wie 1000 oder mehr daneben liegen. Eine gute Gewohnheit: vor dem Rechnen alle Größen in V, A und Ω notieren — und dann erst einsetzen.
U = R · I
- U … Spannung in Volt (V)
- R … Widerstand in Ohm (Ω)
- I … Stromstärke in Ampere (A)
I = U / R
- U … Spannung in Volt (V)
- R … Widerstand in Ohm (Ω)
- I … Stromstärke in Ampere (A)
R = U / I
- U … Spannung in Volt (V)
- R … Widerstand in Ohm (Ω)
- I … Stromstärke in Ampere (A)
Gelöstes Beispiel
An einem Widerstand von 220 Ω liegt eine Spannung von 9 V an. Wie groß ist der Strom durch den Widerstand?
Gegeben:
- U = 9 V
- R = 220 Ω
Gesucht: I in A
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel umstellen: I = U / R
- Schritt 2 — Werte einsetzen: I = 9 V / 220 Ω = 0,0409 A = 40,9 mA
Ergebnis: I ≈ 40,9 mA
Übungen
Ein Widerstand von 470 Ω liegt an 12 V. Wie groß ist der Strom?
I = 12 / 470 ≈ 0,0255 A = 25,5 mA
Durch eine Heizwicklung fließt bei 230 V ein Strom von 4,6 A. Welchen Widerstand hat die Wicklung?
R = 230 / 4,6 = 50 Ω
An einem Widerstand von 1,5 kΩ wird ein Strom von 8 mA gemessen. Welche Spannung liegt an?
R = 1500 Ω, I = 0,008 A → U = 1500 · 0,008 = 12 V
Eine Magnetspule mit 12 Ω wird an 24 V betrieben. Wie groß ist der Strom durch die Spule?
I = 24 / 12 = 2 A
An einem Messshunt fallen bei einem Strom von 5 A genau 75 mV ab. Welchen Widerstand hat der Shunt?
U = 0,075 V → R = 0,075 / 5 = 0,015 Ω = 15 mΩ
An einem Widerstand von 100 Ω fließt ein Strom von 50 mA. Wie groß ist die Spannung am Widerstand?
- a) 0,5 V
- b) 2 V
- c) 50 V
- d) 5 V
Richtig: d)
Zunächst 50 mA in A umrechnen: 0,05 A. Dann U = R · I = 100 · 0,05 = 5 V. Option a entsteht, wenn man fälschlich durch 100 dividiert; b kommt aus einer Verwechslung der Operation; c entsteht, wenn man die Einheitenumrechnung mA → A vergisst und 100 · 50 rechnet.
Welche der folgenden Umrechnungen ist korrekt?
- a) 1 mA = 100 A
- b) 1 kΩ = 1000 Ω
- c) 1 mV = 1 V
- d) 1 MΩ = 1000 Ω
Richtig: b)
Das Präfix k (Kilo) bedeutet 10³, also 1000. Daher ist 1 kΩ = 1000 Ω korrekt. a verwechselt die Bedeutung des Präfix m (Milli, 10⁻³); c ist falsch, da Milli ein Tausendstel bedeutet; d verwechselt M (Mega, 10⁶) mit k.
Welche Formel ergibt sich, wenn man U = R · I nach R umstellt?
- a) R = U / I
- b) R = I / U
- c) R = U · I
- d) R = I · U
Richtig: a)
Beide Seiten durch I dividieren: R = U / I. Option b kehrt Zähler und Nenner um — das wäre der Leitwert 1/R. Die Optionen c und d behalten die Multiplikation bei und ergeben dimensionsmäßig V · A = Watt, also Leistung.
Kapitel 3 — Die Strom-Spannungs-Kennlinie
Eine Kennlinie zeigt grafisch, wie zwei Größen zusammenhängen. Bei der Strom-Spannungs-Kennlinie (auch I-U-Kennlinie genannt) wird der Strom in Abhängigkeit von der angelegten Spannung aufgetragen — Spannung auf der waagrechten Achse, Strom auf der senkrechten.
Bei einem ohmschen Widerstand ergibt sich immer eine Gerade durch den Ursprung. Das folgt direkt aus dem Ohmschen Gesetz: I = U / R. Setzt man U = 0, ist auch I = 0 — die Gerade beginnt im Nullpunkt. Mit jedem zusätzlichen Volt steigt der Strom um den gleichen Betrag, nämlich 1/R Ampere.
Die Steigung der Geraden hat damit eine direkte physikalische Bedeutung:
Je größer der Widerstand, desto flacher die Gerade. Je kleiner der Widerstand, desto steiler. Aus der Kennlinie kannst du den Widerstandswert direkt ablesen: Du suchst dir irgendeinen Punkt auf der Geraden, liest U und I ab und bildest R = U / I.
Im Diagramm siehst du drei Widerstände unterschiedlicher Größe. Der kleine 10-Ω-Widerstand lässt schon bei wenig Spannung viel Strom durch — die Gerade steigt steil an. Der 50-Ω-Widerstand begrenzt den Strom stärker, seine Gerade verläuft flach. Bei 10 V fließen durch den 10-Ω-Widerstand 1 A, durch den 50-Ω-Widerstand nur 0,2 A.
Steigung = I / U = 1 / R
Zwei Widerstände werden in einer I-U-Kennlinie verglichen. Widerstand A hat eine steilere Gerade als Widerstand B. Welche Aussage stimmt?
- a) A und B haben gleichen Widerstand, aber unterschiedliche Spannung.
- b) A hat einen größeren Widerstand als B.
- c) A hat einen kleineren Widerstand als B.
- d) Steilere Geraden bedeuten höhere Verlustleistung.
Richtig: c)
Die Steigung der I-U-Kennlinie ist 1/R. Eine steilere Steigung bedeutet ein größeres 1/R, also ein kleineres R. Option b kehrt den Zusammenhang um; a ist sinnlos, da bei gleichem R die Geraden deckungsgleich wären; d vermischt Kennlinie mit Leistungsbetrachtung, die im Diagramm gar nicht direkt ablesbar ist.
Eine I-U-Kennlinie zeigt einen Punkt bei U = 6 V und I = 0,3 A. Welchen Widerstand hat das Bauteil, wenn die Kennlinie eine Gerade durch den Ursprung ist?
- a) 1,8 Ω
- b) 20 Ω
- c) 0,05 Ω
- d) 50 Ω
Richtig: b)
R = U / I = 6 / 0,3 = 20 Ω. Option a multipliziert statt zu dividieren (6 · 0,3 = 1,8); c ist der Kehrwert (1/20); d wäre die Division 6 / 0,12 — taucht häufig auf, wenn man Strom und Widerstand verwechselt. Wichtig: Bei einer Geraden durch den Ursprung gilt das Verhältnis U/I in jedem Punkt — der Widerstand ist eindeutig bestimmt.
Kapitel 4 — Ohmsche und nicht-ohmsche Bauelemente
Bisher haben wir so getan, als würde sich jedes Bauteil brav an das Ohmsche Gesetz halten. Das ist eine bequeme Annahme — und sie stimmt für viele Anwendungen. Aber eben nicht immer.
Ein Bauelement nennt man ohmsch (oder linear), wenn sein Widerstand über den gesamten Betriebsbereich konstant bleibt. Egal welche Spannung anliegt oder welcher Strom fließt: R hat immer denselben Wert. Die Kennlinie ist eine perfekte Gerade durch den Ursprung.
Beispiele für ohmsches Verhalten:
- Festwiderstände aus Kohle-, Metallschicht- oder Drahtmaterial
- Heizleiter aus Konstantan oder ähnlichen Legierungen bei moderaten Temperaturen
- Kupferleitungen bei kleinen Strömen, solange die Eigenerwärmung gering bleibt
Demgegenüber stehen die nicht-ohmschen Bauelemente. Ihr Widerstand hängt vom Betriebspunkt ab — von der Spannung, vom Strom, von der Temperatur oder von der Polarität. Ihre Kennlinie ist gekrümmt, geknickt oder verläuft gar nicht durch den Ursprung.
Drei typische Beispiele:
Glühlampe. Im kalten Zustand hat der Wolframdraht einen sehr kleinen Widerstand. Sobald Strom fließt, erwärmt sich der Draht, und sein Widerstand steigt deutlich an — beim Betriebspunkt kann er das 10- bis 15-fache des Kaltwiderstands erreichen. Die I-U-Kennlinie krümmt sich entsprechend: bei kleiner Spannung steile Steigung (kalt, kleiner R), bei großer Spannung flachere Steigung (heiß, großer R).
Diode. Unterhalb der Schwellspannung (bei Silizium-Dioden etwa 0,7 V) fließt praktisch kein Strom — die Kennlinie verläuft fast flach entlang der Spannungsachse. Danach steigt der Strom exponentiell an. Eine Diode ist also weit von einem ohmschen Bauteil entfernt; ihre Kennlinie hat einen klaren Knick.
NTC- und PTC-Widerstände. Heißleiter (NTC) verringern ihren Widerstand mit steigender Temperatur, Kaltleiter (PTC) erhöhen ihn. Beide werden gezielt für temperaturabhängige Funktionen eingesetzt — etwa als Temperatursensor, Übertemperaturschutz oder Einschaltstrombegrenzer.
| Bauelement | Kennlinie | Widerstand | Beispiel-Anwendung |
|---|---|---|---|
| Festwiderstand | Gerade durch Ursprung | konstant | Strombegrenzung, Spannungsteiler |
| Glühlampe | konkave Kurve | steigt mit Strom | Beleuchtung, Indikatorlampen |
| Diode | Knick bei Schwellspannung | sperrt unterhalb der Schwelle | Gleichrichtung, Verpolungsschutz |
| NTC-Widerstand | fallende Kurve | sinkt mit Temperatur | Temperatursensor, Einschaltstrombegrenzer |
| PTC-Widerstand | steigende Stufenkurve | steigt mit Temperatur | Selbstrückstellende Sicherung, Motorschutz |
Bei nicht-ohmschen Bauteilen muss man zwei Widerstandsbegriffe sauber auseinanderhalten. Das absolute Verhältnis R = U / I in einem Arbeitspunkt nennt man statischen Widerstand. Er gibt an, wie sich der Arbeitspunkt insgesamt verhält. Davon zu unterscheiden ist der differentielle Widerstand r = dU / dI. Er entspricht der Steigung der Tangente an die Kennlinie im jeweiligen Arbeitspunkt und beschreibt, wie stark sich der Strom bei einer kleinen Spannungsänderung verändert. Bei rein linearen, ohmschen Bauelementen sind beide Größen identisch — die Gerade durch den Ursprung hat überall die gleiche Steigung. Bei gekrümmten Kennlinien (Diode, Glühlampe, NTC) weichen statischer und differentieller Widerstand voneinander ab. Für die Auslegung von Halbleiter-Schaltungen — etwa der Spannungsstabilisierung mit Z-Diode — ist der differentielle Widerstand die entscheidende Größe.
Welche Aussage zur Kennlinie einer Glühlampe ist korrekt?
- a) Sie ist eine Gerade durch den Ursprung.
- b) Sie verläuft horizontal entlang der Stromachse.
- c) Sie steigt erst nach Erreichen einer Schwellspannung an.
- d) Sie ist gekrümmt, weil der Widerstand mit der Temperatur steigt.
Richtig: d)
Im Betrieb wird der Wolframdraht heiß, sein Widerstand steigt mit der Temperatur. Bei kleinen Spannungen ist der Draht kalt (kleiner R, steile Steigung), bei großen Spannungen heiß (großer R, flachere Steigung). Option a beschreibt einen ohmschen Festwiderstand, c beschreibt eine Diode, b ist physikalisch unsinnig.
Welches der folgenden Bauelemente verhält sich annähernd ohmsch?
- a) Metallschicht-Festwiderstand
- b) Silizium-Diode
- c) NTC-Heißleiter
- d) Glühlampe
Richtig: a)
Ein Metallschicht-Festwiderstand hat einen praktisch konstanten Widerstandswert über den gesamten Spezifikationsbereich. Die Diode (b) zeigt einen Knick bei der Schwellspannung, der NTC (c) ändert seinen Widerstand stark mit der Temperatur, die Glühlampe (d) ändert ihn mit dem Strom durch Selbsterwärmung.
Was versteht man unter dem differentiellen Widerstand?
- a) Den Widerstand bei sehr kleinem Strom.
- b) Den Mittelwert aus Minimal- und Maximalwiderstand.
- c) Das Verhältnis dU/dI bzw. die Steigung der Tangente an die Kennlinie in einem Arbeitspunkt.
- d) Das absolute Verhältnis U/I im Arbeitspunkt einer Kennlinie.
Richtig: c)
Der differentielle Widerstand r = dU/dI beschreibt die Steigung der Tangente an die Kennlinie an einem Arbeitspunkt — also wie stark sich U ändert, wenn I um einen kleinen Betrag variiert. Diese Größe wird besonders bei Halbleitern (Diode, Z-Diode, Transistor) gebraucht, weil sich diese bei kleinen Aussteuerungen lokal so verhalten, als hätten sie genau diesen Widerstandswert. Option d beschreibt den statischen Widerstand, nicht den differentiellen. Die Optionen a und b sind frei erfunden.
Kapitel 5 — Wann gilt das Ohmsche Gesetz?
Das Ohmsche Gesetz ist keine universelle Wahrheit, sondern eine Modellannahme — eine Vereinfachung, die unter bestimmten Bedingungen gut zutrifft und unter anderen nicht. Drei Voraussetzungen sind dabei zentral:
Konstante Temperatur. Der Widerstand eines metallischen Leiters hängt von der Temperatur ab. Erwärmt sich der Leiter durch Stromfluss selbst (Joulesche Wärme), ändert sich sein Widerstand — und damit auch die Linearität. Für Praxisrechnungen ist das oft unproblematisch, weil die Erwärmung bei typischen Bauteilen klein bleibt. Bei Glühlampen, Heizdrähten und Sicherungsdrähten ist sie aber zentral. Wie genau Temperatur und Widerstand zusammenhängen, behandelt der Beitrag Elektrischer Widerstand und spezifischer Widerstand ausführlich.
Lineares Bauelement. Das Ohmsche Gesetz beschreibt einen linearen Zusammenhang. Halbleiterbauelemente (Diode, Transistor, Z-Diode) sind dezidiert nicht-linear — ihre Kennlinien folgen Exponentialfunktionen oder haben Knickpunkte. Hier ist das Ohmsche Gesetz allenfalls in kleinen Arbeitsbereichen näherungsweise gültig.
Gleichstrombetrieb oder rein ohmsche Verhältnisse. Solange wir mit Gleichspannung an reinen Widerständen arbeiten, ist die Welt einfach. Sobald Wechselspannung ins Spiel kommt, treten zusätzlich Blindwiderstände auf — kapazitive bei Kondensatoren, induktive bei Spulen. Diese Themen folgen in den Beiträgen zur Wechselstromtechnik. Das Ohmsche Gesetz bleibt dort die Basis, wird aber um den Begriff der Impedanz erweitert.
In der täglichen Praxis bedeutet das: Für jeden klassischen Widerstand in einem Gleichstromkreis kannst du das Ohmsche Gesetz bedenkenlos einsetzen. Sobald Halbleiter, Wechselstrom oder starke Temperatureffekte ins Spiel kommen, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Voraussetzungen.
Welche der folgenden Bedingungen ist eine Voraussetzung dafür, dass das Ohmsche Gesetz exakt gilt?
- a) Es muss Wechselspannung angelegt sein.
- b) Die Temperatur des Leiters muss konstant bleiben.
- c) Der Stromkreis darf keine Sicherung enthalten.
- d) Die Spannung muss kleiner als 50 V sein.
Richtig: b)
Die Linearität U = R · I gilt nur, wenn R selbst konstant bleibt. Da der Widerstand metallischer Leiter temperaturabhängig ist, muss die Temperatur konstant gehalten werden. Optionen a, c und d sind willkürliche Behauptungen ohne Bezug zur Gültigkeit des Gesetzes.
In welchem der folgenden Fälle ist das Ohmsche Gesetz nicht direkt anwendbar?
- a) Bei einem Drahtwiderstand mit 100 Ω an 12 V Gleichspannung.
- b) Bei einem Metallschichtwiderstand in einer LED-Schaltung.
- c) Bei einer Heizwicklung im Wassererhitzer bei stabilem Betrieb.
- d) Bei einer Z-Diode im Bereich der Durchbruchspannung.
Richtig: d)
Eine Z-Diode hat eine stark nicht-lineare Kennlinie — im Durchbruchbereich bleibt die Spannung über weite Strombereiche fast konstant. Das ist der Inbegriff eines nicht-ohmschen Verhaltens. Die anderen drei Bauteile sind im stationären Betrieb klassische ohmsche Anwendungen.
Kapitel 6 — Anwendung in der Praxis — Vorwiderstand berechnen
Eine der häufigsten Anwendungen des Ohmschen Gesetzes ist die Berechnung eines Vorwiderstands. Ein typischer Fall: Eine Leuchtdiode (LED) soll an eine Spannungsquelle angeschlossen werden, die deutlich höher ist als die LED-Flussspannung. Würde man die LED direkt anschließen, würde der Strom unbegrenzt ansteigen und die LED zerstören. Der Vorwiderstand begrenzt den Strom auf den zulässigen Wert.
Die allgemeine Formel für den Vorwiderstand:
Zwei Punkte sind dabei kritisch. Erstens: An jedem Widerstand fällt Leistung in Form von Wärme ab. Bei größeren Spannungsunterschieden oder höheren Strömen kann das schnell mehr werden, als ein kleiner 1/4-Watt-Widerstand verträgt. Die Verlustleistung muss kontrolliert werden — die Details dazu behandelt der Beitrag Elektrische Leistung und Arbeit.
Zweitens: In der Werkstatt folgt auf die Berechnung immer die Messung. Der berechnete Vorwiderstand wird mit dem Multimeter überprüft, und nach Einbau wird auch der tatsächliche Strom kontrolliert — entweder direkt mit einem in den Stromkreis eingeschleiften Multimeter oder über den Spannungsabfall am Vorwiderstand. Die Grundlagen dazu liefert der Beitrag Multimeter: Spannung, Strom, Widerstand messen.
R_v = (U_q – U_LED) / I_LED
- R_v ….. Vorwiderstand in Ohm (Ω)
- U_q ….. Versorgungsspannung in Volt (V)
- U_LED … LED-Flussspannung in Volt (V)
- I_LED … LED-Nennstrom in Ampere (A)
Gelöstes Beispiel
An eine 24-V-Quelle soll eine weiße LED mit Flussspannung 3,2 V und Nennstrom 20 mA angeschlossen werden. Welchen Vorwiderstand brauchst du?
Gegeben:
- U_q = 24 V
- U_LED = 3,2 V
- I_LED = 20 mA = 0,02 A
Gesucht: R_v in Ω
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Spannung über dem Vorwiderstand: U_Rv = U_q − U_LED = 24 V − 3,2 V = 20,8 V
- Schritt 2 — Vorwiderstand mit Ohmschem Gesetz: R_v = U_Rv / I_LED = 20,8 V / 0,02 A = 1040 Ω
Ergebnis: R_v = 1040 Ω → Normwert 1 kΩ (E12) wäre der nächste passende.
Übungen
Eine grüne LED (U_LED = 2,1 V, I_LED = 15 mA) soll an 9 V betrieben werden. Wie groß ist der Vorwiderstand?
R_v = (9 − 2,1) / 0,015 = 6,9 / 0,015 = 460 Ω
Eine rote LED (U_LED = 1,8 V, I_LED = 10 mA) soll an einer 5-V-Versorgung leuchten. Vorwiderstand?
R_v = (5 − 1,8) / 0,01 = 3,2 / 0,01 = 320 Ω
Wie groß muss der Vorwiderstand sein, damit an einer 24-V-Quelle eine Reihenschaltung aus drei roten LEDs (je 2 V) bei 20 mA leuchtet?
U_LED gesamt = 3 · 2 V = 6 V → R_v = (24 − 6) / 0,02 = 18 / 0,02 = 900 Ω
Eine Leuchtdiode soll mit 25 mA an einer 12-V-Versorgung betrieben werden. Der berechnete Vorwiderstand beträgt 400 Ω. Welche Flussspannung hat die LED?
U_Rv = R_v · I = 400 · 0,025 = 10 V → U_LED = 12 − 10 = 2 V
In einer Schaltung wird bei einer 12-V-Versorgung ein Vorwiderstand von 220 Ω an einer weißen LED (U_LED = 3 V) verwendet. Welcher Strom fließt durch die LED, und ist das im üblichen Nennbereich (typisch 10–25 mA)?
U_Rv = 12 − 3 = 9 V → I = 9 / 220 ≈ 0,041 A = 41 mA. Das liegt deutlich über dem typischen Nennbereich — die LED wird wahrscheinlich überlastet. Der Vorwiderstand sollte größer gewählt werden.
Warum braucht eine LED an einer Spannungsquelle, die höher als ihre Flussspannung ist, einen Vorwiderstand?
- a) Ohne Vorwiderstand würde der Strom durch die LED unbegrenzt ansteigen und sie zerstören.
- b) Der Vorwiderstand erzeugt die nötige Flussspannung.
- c) Der Vorwiderstand schützt die LED vor zu niedriger Spannung.
- d) Ohne Vorwiderstand würde die LED nicht leuchten.
Richtig: a)
Eine LED ist ein nicht-ohmsches Bauelement mit nahezu konstanter Flussspannung. Liegt eine höhere Spannung an, kann theoretisch ein sehr hoher Strom fließen, was die LED thermisch zerstört. Der Vorwiderstand sorgt für den nötigen Spannungsabfall und damit für die Strombegrenzung. b und c sind sachlich falsch; d ist falsch, weil ohne Vorwiderstand der erste Strom-Stoß durch die LED durchaus zu kurzem Leuchten führt — bevor sie zerstört wird.
Eine weiße LED mit U_LED = 3,2 V und I_LED = 20 mA soll an 12 V betrieben werden. Welcher Vorwiderstand ist korrekt?
- a) 160 Ω
- b) 440 Ω
- c) 600 Ω
- d) 240 Ω
Richtig: b)
U_Rv = 12 − 3,2 = 8,8 V. R_v = 8,8 / 0,02 = 440 Ω. Option a ergibt sich, wenn man fälschlicherweise nicht die LED-Spannung abzieht (3,2 / 0,02 = 160). Option c wäre falsch, wenn man 12 V / 0,02 rechnet (600). Option d entsteht aus einem Rechenfehler.
Abschlusstest
Aufgabe 1: An einem Widerstand von 330 Ω liegt eine Spannung von 6 V an. Wie groß ist der Strom?
Gegeben: U = 6 V, R = 330 Ω
Gesucht: I in A
Lösungsweg:
- I = U / R = 6 / 330 ≈ 0,0182 A = 18,2 mA
Ergebnis: I ≈ 18,2 mA
Aufgabe 2: Durch einen Heizleiter fließt bei 230 V ein Strom von 9,2 A. Welchen Widerstand hat der Leiter im Betrieb?
Gegeben: U = 230 V, I = 9,2 A
Gesucht: R in Ω
Lösungsweg:
- R = U / I = 230 / 9,2 = 25 Ω
Ergebnis: R = 25 Ω
Aufgabe 3: An einem Vorwiderstand von 1,2 kΩ wird ein Strom von 12 mA gemessen. Welche Spannung fällt am Vorwiderstand ab?
Gegeben: R = 1,2 kΩ = 1200 Ω, I = 12 mA = 0,012 A
Gesucht: U in V
Lösungsweg:
- U = R · I = 1200 · 0,012 = 14,4 V
Ergebnis: U = 14,4 V
Aufgabe 4: Eine Reihenschaltung aus zwei roten LEDs (je U_LED = 2 V, I = 20 mA) soll an einer 9-V-Quelle betrieben werden. Wie groß muss der Vorwiderstand sein?
Gegeben: U_q = 9 V, U_LED gesamt = 2 · 2 V = 4 V, I = 0,02 A
Gesucht: R_v in Ω
Lösungsweg:
- R_v = (9 − 4) / 0,02 = 5 / 0,02 = 250 Ω
Ergebnis: R_v = 250 Ω
Aufgabe 5: Ein Spannungswandler liefert 5 V. Über einem nachgeschalteten Widerstand wird ein Spannungsabfall von 3,5 V bei einem Strom von 70 mA gemessen. Welchen Widerstandswert hat dieser Widerstand?
Gegeben: U = 3,5 V, I = 70 mA = 0,07 A
Gesucht: R in Ω
Lösungsweg:
- R = U / I = 3,5 / 0,07 = 50 Ω
Ergebnis: R = 50 Ω
Aufgabe 6: Eine grüne LED mit U_LED = 2,2 V soll an 24 V mit einem Strom von 15 mA betrieben werden. Berechne den Vorwiderstand.
Gegeben: U_q = 24 V, U_LED = 2,2 V, I_LED = 0,015 A
Gesucht: R_v in Ω
Lösungsweg:
- R_v = (24 − 2,2) / 0,015 = 21,8 / 0,015 ≈ 1453 Ω
Ergebnis: R_v ≈ 1453 Ω → Normwert 1,5 kΩ (E12)
Aufgabe 7: In einer I-U-Kennlinie eines ohmschen Widerstands fließt bei 8 V ein Strom von 0,16 A. Welcher Widerstand ist das?
Gegeben: U = 8 V, I = 0,16 A
Gesucht: R in Ω
Lösungsweg:
- R = U / I = 8 / 0,16 = 50 Ω
Ergebnis: R = 50 Ω
Aufgabe 8: Eine Magnetspule mit einem Widerstand von 18 Ω soll an 230 V geprüft werden — wäre das zulässig, wenn die Spule maximal 8 A verträgt?
Gegeben: U = 230 V, R = 18 Ω, I_max = 8 A
Gesucht: I bei 230 V, Vergleich mit I_max
Lösungsweg:
- I = U / R = 230 / 18 ≈ 12,8 A. Das ist deutlich mehr als die zulässigen 8 A.
Ergebnis: Nein, der Strom liegt bei rund 12,8 A — die Spule würde überlastet.
An einem Widerstand von 50 Ω liegt eine Spannung von 10 V an. Welche Stromstärke fließt?
- a) 0,2 A
- b) 5 A
- c) 500 A
- d) 0,02 A
Richtig: a)
I = U / R = 10 / 50 = 0,2 A. Option b verwechselt die Operation (10 · 50 wäre 500, nicht 5); c ist 10/0,02 — sinnlos; d wäre der Fall bei R = 500 Ω.
Welche Größe lässt sich aus der Steigung einer linearen I-U-Kennlinie direkt ablesen?
- a) Die Spannung in jedem Punkt
- b) Die Verlustleistung des Widerstands
- c) Der Reziprokwert des Widerstands (1/R)
- d) Der maximale Strom des Bauteils
Richtig: c)
Die Steigung dI/dU ist 1/R. Die Spannung selbst ist die Achse, also keine Steigung; Verlustleistung müsste über P = U · I berechnet werden, nicht aus der Steigung; ein maximaler Strom lässt sich aus einer einzelnen Kennlinie ohne weitere Angaben nicht direkt bestimmen.
Welches der folgenden Bauelemente verhält sich am ehesten ohmsch?
- a) Drahtwiderstand aus Konstantan
- b) Glühlampe
- c) Halbleiterdiode im Durchlassbereich
- d) Z-Diode im Durchbruchbereich
Richtig: a)
Konstantan ist eine Legierung, deren Widerstand über einen weiten Temperaturbereich annähernd konstant bleibt — daher der Name. Drahtwiderstände aus Konstantan sind die am besten linearen Bauteile in dieser Liste. Glühlampe (b), Diode (c) und Z-Diode (d) haben alle stark nicht-lineare Kennlinien.
Wie verändert sich der Widerstand einer Glühlampe im Betrieb gegenüber dem Kaltzustand?
- a) Er bleibt gleich.
- b) Er steigt typischerweise um das 10- bis 15-fache.
- c) Er sinkt auf etwa ein Zehntel.
- d) Er steigt um genau das Doppelte.
Richtig: b)
Der Widerstand des Wolframdrahts steigt mit der Temperatur. Bei voller Glühtemperatur beträgt er typisch das 10- bis 15-fache des Kaltwiderstands. Option c verwechselt die Richtung; a ignoriert die Temperaturabhängigkeit; d ist ein willkürlicher Wert.
Eine LED mit U_LED = 2 V und I_LED = 20 mA soll an einer 9-V-Quelle betrieben werden. Welchen Wert sollte der Vorwiderstand etwa haben?
- a) 350 Ω
- b) 100 Ω
- c) 450 Ω
- d) 9 Ω
Richtig: a)
R_v = (9 − 2) / 0,02 = 7 / 0,02 = 350 Ω. Option b wäre nur halb so groß und würde zu hohem Strom führen; c entsteht, wenn man 9 statt 7 in den Zähler einsetzt; d ist offensichtlich zu klein.
Welche Aussage zur I-U-Kennlinie einer Halbleiter-Diode in Durchlassrichtung ist korrekt?
- a) Sie ist eine Gerade durch den Ursprung.
- b) Sie steigt erst nach Erreichen der Schwellspannung steil an.
- c) Sie verläuft parallel zur Spannungsachse.
- d) Sie ist symmetrisch zum Ursprung.
Richtig: b)
Bei Silizium-Dioden fließt bis etwa 0,6–0,7 V praktisch kein Strom — danach steigt der Strom exponentiell an. Option a beschreibt einen ohmschen Widerstand; c würde keinen Strom überhaupt zulassen; d beschreibt keine Diode (Dioden sind asymmetrisch — das ist ihr ganzer Witz).
Du misst an einem Bauteil bei 6 V einen Strom von 0,3 A, bei 12 V einen Strom von 0,6 A. Was kannst du daraus schließen?
- a) Das Bauteil ist eine Diode.
- b) Das Bauteil hat einen variablen Widerstand.
- c) Das Bauteil ist ein ohmscher Widerstand mit R = 20 Ω.
- d) Das Bauteil ist eine Glühlampe im Betrieb.
Richtig: c)
Verdoppelte Spannung führt zu verdoppeltem Strom — das ist die typische lineare Beziehung. R = U/I = 6/0,3 = 20 Ω, gleicher Wert auch bei 12 V / 0,6 A = 20 Ω. Optionen a, b und d wären nicht-lineare Bauteile.
Welche Größe muss in das Ohmsche Gesetz I = U / R in welcher Einheit eingesetzt werden, damit das Ergebnis in Ampere herauskommt?
- a) U in V, R in mΩ
- b) U in mV, R in Ω
- c) U in kV, R in Ω
- d) U in V, R in Ω
Richtig: d)
Volt geteilt durch Ohm ergibt Ampere — das sind die SI-Grundeinheiten der Beziehung. Werden mV oder kV eingesetzt, kommt mA oder kA heraus; bei mΩ statt Ω verschiebt sich das Ergebnis um den Faktor 1000.
Welche der folgenden Aussagen über das Ohmsche Gesetz ist falsch?
- a) Bei konstantem Widerstand ist der Strom proportional zur Spannung.
- b) Es gilt nur bei konstanter Temperatur des Leiters.
- c) Es gilt für alle elektrischen Bauelemente uneingeschränkt.
- d) Die Einheit des Widerstands ist Ohm.
Richtig: c)
Aussage c ist falsch: Das Ohmsche Gesetz gilt nur für ohmsche, lineare Bauelemente bei konstanter Temperatur. Bei Dioden, Glühlampen und anderen nicht-linearen Bauteilen ist es allenfalls lokal als differentieller Widerstand anwendbar. Die anderen drei Aussagen sind korrekt.
Aus einer I-U-Kennlinie eines unbekannten Bauteils erkennst du, dass die Kennlinie eine Gerade durch den Ursprung ist und bei U = 4 V einen Strom von I = 0,5 A zeigt. Was lässt sich daraus folgern?
- a) Das Bauteil ist eine Glühlampe mit R_Kalt = 8 Ω.
- b) Das Bauteil hat einen Widerstand von 0,125 Ω.
- c) Das Bauteil ist ein ohmscher Widerstand mit R = 8 Ω.
- d) Das Bauteil hat einen differentiellen Widerstand von 8 Ω, der von R abweicht.
Richtig: c)
Gerade durch den Ursprung = ohmsches Verhalten. R = U/I = 4/0,5 = 8 Ω. Option a wäre nur bei gekrümmter Kennlinie sinnvoll; b ist der Kehrwert (Leitwert); d würde nur Sinn ergeben, wenn die Kennlinie nicht-linear wäre — bei einer Geraden durch den Ursprung sind statischer und differentieller Widerstand identisch.
Glossar
- Ohmsches Gesetz
- Beschreibt den linearen Zusammenhang U = R · I zwischen Spannung, Widerstand und Strom bei einem ohmschen Bauelement und konstanter Temperatur.
- Ohmsches Bauelement
- Ein Bauelement, dessen Widerstand über den gesamten Betriebsbereich konstant bleibt; die I-U-Kennlinie ist eine Gerade durch den Ursprung.
- Nicht-ohmsches Bauelement
- Bauelement mit nicht-linearer Kennlinie, dessen Widerstand vom Betriebspunkt abhängt (z. B. Diode, Glühlampe, NTC, PTC).
- Strom-Spannungs-Kennlinie (I-U-Kennlinie)
- Grafische Darstellung des Zusammenhangs zwischen Strom und Spannung eines Bauteils. Bei ohmschen Bauteilen eine Gerade durch den Ursprung, sonst gekrümmt.
- Statischer Widerstand
- Absolutes Verhältnis R = U/I in einem Arbeitspunkt. Bei ohmschen Bauelementen für die gesamte Kennlinie identisch, bei nicht-ohmschen vom Betriebspunkt abhängig.
- Differentieller Widerstand
- Steigung der Kennlinie an einem Arbeitspunkt, r = dU/dI. Beschreibt, wie stark sich der Strom bei einer kleinen Spannungsänderung verändert. Bei rein linearen Bauelementen identisch mit dem statischen Widerstand, bei nicht-linearen davon verschieden.
- Vorwiderstand
- In Reihe zu einem Verbraucher geschalteter Widerstand, der einen Teil der Spannung aufnimmt und damit den Strom durch den Verbraucher auf den zulässigen Wert begrenzt — typische Anwendung bei LEDs.
- Schwellspannung
- Spannungswert, ab dem in einer Diode oder ähnlichen Halbleitern überhaupt Strom in Durchlassrichtung zu fließen beginnt (Silizium-Diode ca. 0,6–0,7 V; LEDs je nach Farbe 1,8–3,2 V).
