Drehfeld
Ein Drehstrommotor läuft, sobald die drei Außenleiter angeklemmt sind — kein bewegter Magnet im Inneren, keine Mechanik, die das Magnetfeld dreht. Was den Läufer mitnimmt, ist ein magnetisches Feld, das von den ruhenden Stator-Wicklungen erzeugt wird und sich trotzdem im Raum dreht. Dieses magnetische Drehfeld ist das Kernprinzip jeder Drehstrommaschine. In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie es entsteht, wie schnell und in welche Richtung es dreht und welche Fallstricke in der Praxis lauern.
Vorwissen
- Was ist Drehstrom? – Erzeugung und Grundprinzip
- Das magnetische Feld
- Wechselspannung und ihre Kenngrößen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, wie aus drei phasenverschobenen Strömen in räumlich versetzten Wicklungen ein Drehfeld entsteht
- die Synchrondrehzahl aus Frequenz und Polpaarzahl berechnen
- Polpaarzahl und Polzahl sicher unterscheiden
- die Drehrichtung eines Drehfelds bestimmen und gezielt umkehren
- Wechselfeld, kreisförmiges Drehfeld und elliptisches Drehfeld einordnen
1. Was ist ein Drehfeld?
Stell dir einen Hufeisenmagneten vor, der von Hand um einen Stahlzylinder gedreht wird. Der Zylinder wird vom Magneten gezogen und beginnt mitzudrehen. Genau dieses Bild steckt hinter dem Drehfeld — nur dass der Magnet nicht aus Eisen besteht und sich auch nicht mechanisch bewegt. Stattdessen erzeugen drei feste Wicklungen im Stator durch ihr Zusammenspiel ein magnetisches Feld, das sich im Raum dreht.
Wechselfeld und Drehfeld sind zwei verschiedene Dinge. Ein Wechselfeld pulsiert in einer festen Achse: Der Feldvektor zeigt immer auf dieselbe Linie, sein Betrag schwankt aber zwischen einem positiven und einem negativen Maximum. Ein Drehfeld dagegen hat einen konstanten Betrag — die Spitze des Feldvektors bewegt sich auf einer Kreisbahn um den Mittelpunkt des Stators. Der Magnetismus „wandert“ gleichmäßig um den Stator herum.
Dieses Drehfeld entsteht ausschließlich im Stator von Drehstrommaschinen. Sobald die drei Außenleiter eines symmetrischen Drehstromnetzes an die drei Wicklungen U, V und W angelegt werden, baut sich das Feld auf — vorausgesetzt, die Wicklungen sind räumlich richtig angeordnet. Wie diese Anordnung aussieht und warum sie das Drehfeld erzeugt, klären wir im nächsten Kapitel.
Frage 1: Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem Wechselfeld und einem Drehfeld?
- a) Das Wechselfeld ist stärker als das Drehfeld
- b) Das Wechselfeld pulsiert in einer festen Achse, das Drehfeld rotiert mit konstantem Betrag
- c) Das Drehfeld entsteht nur in Gleichstrommaschinen
- d) Das Wechselfeld kann nur in einer Spule auftreten, das Drehfeld in beliebig vielen
Richtig: b)
Das Wechselfeld hat eine ortsfeste Achse — der Vektor liegt immer auf derselben Linie, sein Betrag schwankt. Beim Drehfeld bleibt der Betrag konstant, dafür wandert die Richtung des Vektors gleichmäßig um den Mittelpunkt. Die anderen Optionen vermischen Eigenschaften oder sind falsch (Wechselfelder existieren auch in Mehrspulen-Anordnungen).
Frage 2: Wo entsteht das Drehfeld in einer Drehstrommaschine?
- a) Im Stator durch das Zusammenspiel der Wicklungen
- b) In den Schleifringen am Wellenende
- c) Im Läufer durch dort eingeprägte Permanentmagnete
- d) Im Klemmkasten durch die geometrische Anordnung der Klemmen
Richtig: a)
Die Wicklungen sitzen im stillstehenden Stator. Erst ihr Zusammenwirken mit den drei phasenverschobenen Strömen erzeugt das umlaufende Feld. Der Läufer reagiert auf dieses Feld, erzeugt es aber nicht selbst. Schleifringe sind nur Übertragungsmittel, der Klemmkasten ist eine reine Anschlussstelle.
Frage 3: Welche Aussage über die Spitze des Magnetfeldvektors in einem reinen Drehfeld ist richtig?
- a) Sie steht still, nur der Betrag schwankt
- b) Sie bewegt sich auf einer Geraden hin und her
- c) Sie bewegt sich auf einer Ellipse mit unterschiedlich langen Halbachsen
- d) Sie bewegt sich auf einer Kreisbahn mit konstantem Abstand vom Mittelpunkt
Richtig: d)
„Rein“ bedeutet hier symmetrisch und ideal — der Betrag bleibt konstant, die Richtung dreht sich gleichmäßig. Mathematisch beschreibt die Spitze eine Kreisbahn. Eine Gerade beschreibt das Wechselfeld, eine Ellipse das später behandelte elliptische Drehfeld bei unsymmetrischer Belastung.
2. Wie das Drehfeld entsteht
Drei Zutaten sind nötig, damit aus drei einzelnen Wechselfeldern ein Drehfeld wird: drei räumlich um 120° versetzte Wicklungen, drei zeitlich um 120° versetzte Ströme und ein symmetrischer Aufbau aller Stränge. Stimmt eine dieser Bedingungen nicht, läuft die Sache aus dem Tritt — dazu in Kapitel 5 mehr.
Die räumliche Anordnung folgt einer einfachen Regel: Die drei Wicklungen U, V und W werden so im Stator verteilt, dass ihre magnetischen Achsen um jeweils 120° gegeneinander versetzt sind. Eine Wicklung allein erzeugt ein Wechselfeld längs ihrer Achse. Wenn drei solche Wicklungen mit den drei Außenleitern eines Drehstromnetzes verbunden werden, fließen in ihnen die drei Außenleiterströme:
i_U(t) = Î · sin(ω·t)
i_V(t) = Î · sin(ω·t − 120°)
i_W(t) = Î · sin(ω·t − 240°)
- i_U, i_V, i_W … Strangströme in den drei Wicklungen, in A
- Î … Scheitelwert des Strangstroms, in A
- ω … Kreisfrequenz, in 1/s
- t … Zeit, in s
Jeder einzelne Strom erzeugt in seiner Wicklung ein Wechselfeld längs der jeweiligen Wicklungsachse. Die Beträge der drei Teilfelder schwanken zeitlich nach der Sinusfunktion. Da die Wicklungsachsen aber räumlich versetzt sind und die Ströme zeitlich versetzt schwingen, fügen sich die drei Wechselfelder zu jedem Zeitpunkt zu einem neuen Gesamtvektor zusammen — und zwar so, dass sein Betrag konstant bleibt und sich seine Richtung gleichmäßig dreht.
Anschaulich lässt sich das an vier Momentaufnahmen einer Periode nachvollziehen:
- ωt = 0°: Der Strom in U ist null, V führt einen negativen Strom mit etwa −87 % des Scheitelwerts, W einen positiven Strom mit +87 %. Das Gesamtfeld zeigt entgegen der Achse von V und in Richtung der Achse von W‘ — anschaulich „nach links“.
- ωt = 90°: U hat den Scheitelwert erreicht, V und W führen je den halben Strom in negativer Richtung. Das Gesamtfeld zeigt voll in Richtung U — nach oben.
- ωt = 180°: U ist wieder null, V positiv, W negativ. Das Gesamtfeld zeigt jetzt nach rechts — also um 90° im Uhrzeigersinn weitergedreht.
- ωt = 270°: U führt den negativen Scheitelwert, V und W je den halben positiven Strom. Das Gesamtfeld zeigt nach unten.
Der Vektor wandert also bei einer Phasenfolge U → V → W gleichmäßig im Uhrzeigersinn um den Stator. Eine komplette elektrische Periode entspricht einer vollen Umdrehung des Feldes (bei einer Wicklung mit einem Polpaar — dazu gleich mehr). Sein Betrag entspricht dabei dem 1,5-fachen des maximalen Einzelfelds einer Wicklung.
Frage 1: Welche Anordnung der drei Stator-Wicklungen ist Voraussetzung für ein kreisförmiges Drehfeld?
- a) Die magnetischen Achsen sind um je 120° versetzt
- b) Die magnetischen Achsen sind um je 90° versetzt
- c) Die magnetischen Achsen sind um je 60° versetzt
- d) Die magnetischen Achsen liegen alle parallel
Richtig: a)
Die räumliche Versetzung der Wicklungen muss zur zeitlichen Versetzung der Ströme passen. Drehstrom liefert drei Ströme mit jeweils 120° Phasenverschiebung — die Wicklungen müssen entsprechend um 120° versetzt sein, damit die Überlagerung einen konstanten Betrag ergibt. 60° oder 90° würden zu Mischformen führen, parallele Achsen sowieso nur zu Wechselfeldern.
Frage 2: Bei symmetrischen Strömen i_U = ηsin(ωt), i_V = ηsin(ωt−120°), i_W = ηsin(ωt−240°): Welchen Betrag hat das resultierende Drehfeld bezogen auf das maximale Einzelfeld einer Wicklung?
- a) Etwa das 0,87-fache
- b) Genau das 1-fache
- c) Das 1,5-fache
- d) Das 3-fache
Richtig: c)
Die geometrische Summe der drei zeitlich und räumlich versetzten Felder ergibt bei symmetrischen Verhältnissen genau 3/2 = 1,5 · Î_Wicklung. Drei addieren sich nicht voll auf (das wäre Faktor 3, würde ein Parallel-Liegen aller Felder erfordern), aber auch nicht auf 1.
Frage 3: Was passiert mit dem Drehfeld, wenn der Strangstrom in einer einzigen Wicklung null gesetzt wird (z. B. weil eine Phase ausfällt) und die anderen beiden weiterlaufen?
- a) Das Drehfeld bleibt kreisförmig, nur mit kleinerem Betrag
- b) Das Drehfeld kollabiert vollständig zu null
- c) Es entsteht ein Gleichfeld
- d) Aus dem Drehfeld wird ein elliptisches Feld bzw. im Grenzfall ein reines Wechselfeld
Richtig: d)
Die Symmetrie ist gebrochen. Statt einer Kreisbahn beschreibt die Vektorspitze eine Ellipse — der Betrag schwankt periodisch. Im Extremfall, wenn nur noch eine Wicklung Strom führt, bleibt nur das pulsierende Wechselfeld übrig. Das ist auch in der Praxis relevant: Phasenausfall bei laufendem Asynchronmotor.
3. Drehfelddrehzahl und Polpaarzahl
Bisher haben wir so getan, als hätte der Stator genau ein Polpaar — also einen Nordpol und einen gegenüberliegenden Südpol pro Wicklung. Bei dieser einfachsten Bauform dreht das Feld pro elektrischer Periode genau einmal um. Bei 50 Hz Netzfrequenz wären das 50 Umdrehungen pro Sekunde oder 3000 Umdrehungen pro Minute. In vielen Anwendungen ist das zu schnell — und Bauformen mit mehr Polpaaren liefern langsamere Drehfelder.
Polpaarzahl und Polzahl sind zwei verschiedene Größen, die immer wieder verwechselt werden:
- Die Polzahl 2p ist die Gesamtanzahl der magnetischen Pole, die das Drehfeld zeigt.
- Die Polpaarzahl p ist die Anzahl der Polpaare — also Polzahl geteilt durch zwei.
Ein zweipoliger Motor (2p = 2) hat eine Polpaarzahl p = 1. Ein vierpoliger Motor (2p = 4) hat p = 2. Eine Wicklung mit zwei Polpaaren wird so verteilt, dass sie pro Statorumfang viermal Nord–Süd zeigt. Der Effekt: Das Feld muss pro elektrischer Periode nur noch eine halbe Umdrehung machen, um wieder am selben magnetischen Punkt anzukommen.
Die Drehzahl des Drehfelds heißt Synchrondrehzahl n_s. Sie ergibt sich aus Netzfrequenz und Polpaarzahl:
n_s = f / p
- n_s … Synchrondrehzahl in 1/s
- f … Netzfrequenz in Hz
- p … Polpaarzahl, dimensionslos
Üblicher ist die Angabe in Umdrehungen pro Minute:
n_s = 60 · f / p
- n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
- f … Netzfrequenz in Hz
- p … Polpaarzahl, dimensionslos
Der Begriff Synchrondrehzahl rührt daher, dass der Läufer eines Synchronmotors genau mit dieser Drehzahl mitläuft — Stator-Drehfeld und Läufer drehen synchron. Beim Asynchronmotor bleibt der Läufer etwas hinter dem Drehfeld zurück, dieser Drehzahlunterschied heißt Schlupf. Die Details dazu gehören in den Beitrag zum Drehstrom-Asynchronmotor.
Bei 50 Hz Netzfrequenz ergeben sich die typischen Synchrondrehzahlen, die auf praktisch jedem Motor-Typenschild auftauchen:
| Polpaarzahl p | Polzahl 2p | Synchrondrehzahl bei 50 Hz |
|---|---|---|
| 1 | 2 | 3000 1/min |
| 2 | 4 | 1500 1/min |
| 3 | 6 | 1000 1/min |
| 4 | 8 | 750 1/min |
| 6 | 12 | 500 1/min |
Gelöstes Beispiel
Ein Drehstrommotor mit 6 Polen ist an das 50-Hz-Netz angeschlossen. Berechne die Synchrondrehzahl in 1/min.
Gegeben:
Polzahl 2p = 6
f = 50 Hz
Gesucht: n_s in 1/min
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Polpaarzahl aus Polzahl:
p = 2p / 2 = 6 / 2 = 3 - Schritt 2 — Synchrondrehzahl:
n_s = 60 · f / p = 60 · 50 Hz / 3 = 1000 1/min
Ergebnis: n_s = 1000 1/min
Übungen
Ein vierpoliger Drehstrommotor läuft am 50-Hz-Netz. Wie hoch ist die Synchrondrehzahl?
p = 2; n_s = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min
Ein zweipoliger Drehstrommotor wird in den USA am 60-Hz-Netz betrieben. Wie hoch ist die Synchrondrehzahl?
p = 1; n_s = 60 · 60 / 1 = 3600 1/min
Auf dem Typenschild eines Drehstrommotors steht „n_s = 750 1/min, 50 Hz“. Wie viele Pole hat der Motor?
p = 60 · f / n_s = 60 · 50 / 750 = 4; Polzahl 2p = 8
Ein Frequenzumrichter speist einen vierpoligen Motor mit f = 75 Hz. Wie hoch ist die Synchrondrehzahl, und um welchen Faktor ist sie gegenüber dem 50-Hz-Betrieb angestiegen?
p = 2; n_s = 60 · 75 / 2 = 2250 1/min. Faktor gegenüber 1500 1/min: 1,5
Ein Synchrongenerator soll bei einer mechanischen Drehzahl von 600 1/min die Netzfrequenz 50 Hz erzeugen. Wie viele Polpaare braucht der Generator, und welche Polzahl entspricht das?
p = 60 · f / n_s = 60 · 50 / 600 = 5; Polzahl 2p = 10
Frage 1: Ein Drehstrommotor wird vom 50-Hz-Netz auf 60 Hz umgeschaltet, ohne dass sich seine Polpaarzahl ändert. Wie verändert sich die Synchrondrehzahl?
- a) Sie steigt um den Faktor 60/50, also auf das 1,2-fache
- b) Sie bleibt gleich, weil die Polpaarzahl unverändert ist
- c) Sie sinkt um den Faktor 50/60
- d) Sie verdoppelt sich
Richtig: a)
Die Formel n_s = 60 · f / p zeigt, dass die Synchrondrehzahl direkt proportional zur Frequenz ist. 60/50 = 1,2 — ein vierpoliger Motor läuft also statt mit 1500 mit 1800 1/min synchron. Die Polpaarzahl spielt nur als konstanter Teiler eine Rolle.
Frage 2: Auf einem Motor-Typenschild steht „2p = 4, 50 Hz, n = 1440 1/min“. Welche Aussage ist korrekt?
- a) Die Synchrondrehzahl beträgt 3000 1/min, weil 2p = 4 zur Polpaarzahl 4 gehört
- b) Die Synchrondrehzahl beträgt 1500 1/min, der Motor läuft mit Schlupf
- c) Auf dem Typenschild steht ein Druckfehler — n und n_s müssen identisch sein
- d) Die Polpaarzahl ist p = 4 und die Synchrondrehzahl 750 1/min
Richtig: b)
2p = 4 bedeutet vier Pole, also p = 2. Die Synchrondrehzahl liegt damit bei 60 · 50 / 2 = 1500 1/min. Die angegebene Drehzahl 1440 1/min ist die Läuferdrehzahl bei Nennbetrieb, der Unterschied zu 1500 ist der Schlupf — typisch für einen Asynchronmotor. Antwort a verwechselt Polzahl mit Polpaarzahl, d tut das ebenfalls.
Frage 3: Welche Polzahl müsste ein Drehstrommotor haben, damit er bei 50 Hz eine Synchrondrehzahl von 500 1/min erreicht?
- a) 4 Pole
- b) 8 Pole
- c) 10 Pole
- d) 12 Pole
Richtig: d)
Aus n_s = 60 · f / p folgt p = 60 · 50 / 500 = 6. Polzahl 2p = 12. Antwort a entspräche 1500 1/min, b ergäbe 750 1/min, c führt auf 600 1/min.
4. Drehrichtung und Drehrichtungsumkehr
Das Drehfeld bewegt sich nicht beliebig — seine Drehrichtung hängt direkt davon ab, in welcher Reihenfolge die drei Außenleiter ihren positiven Spitzenwert erreichen. Diese Reihenfolge heißt Phasenfolge.
Im österreichischen Drehstromnetz ist die Standard-Phasenfolge L1 → L2 → L3. Werden diese drei Außenleiter den drei Klemmen U, V, W eines Drehstrommotors zugeordnet, ergibt sich ein Rechtsdrehfeld — das Feld rotiert per Definition im Uhrzeigersinn, wenn man auf das Wellenende (Antriebsseite) blickt. Der Motor läuft entsprechend rechtsherum.
Um die Drehrichtung umzukehren, müssen exakt zwei beliebige Außenleiter am Motoranschluss vertauscht werden. Aus der Phasenfolge L1–L2–L3 wird dadurch beispielsweise L2–L1–L3 oder L1–L3–L2 — in beiden Fällen kehrt sich die zeitliche Reihenfolge der Spitzenwerte aus Sicht der Motorklemmen um. Das Drehfeld wird zum Linksdrehfeld, der Motor läuft linksherum.
Wichtig dabei: Werden alle drei Außenleiter zyklisch vertauscht (z. B. L1 auf V, L2 auf W, L3 auf U), bleibt die zeitliche Reihenfolge erhalten — die Drehrichtung ändert sich nicht. Und der Neutralleiter spielt für die Drehrichtung keine Rolle, weil er nicht Teil der Phasenfolge ist.
CEE-Steckvorrichtungen werden in Österreich nach Errichtungsstandard immer mit Rechtsdrehfeld angeschlossen — der Stecker passt nur in einer Orientierung in die Dose, die Phasenfolge ist also durch die Bauform vorgegeben. In der Werkstatt oder am festen Anschluss ist das auch verlässlich. Anders sieht es bei Baustromverteilern, mobilen Notstromaggregaten oder beim Anschluss an eine fremde Installation aus: Hier kann die Phasenfolge falsch herum sein, ohne dass es sichtbar wird. Vor dem ersten Einschalten kritischer Antriebe wird die Phasenfolge daher mit einem Phasenfolge-Prüfer (auch Drehfeld-Messgerät genannt) kontrolliert.
Das Messgerät hat drei Klemmen, die an L1, L2 und L3 angelegt werden, und zeigt mit einer rotierenden Scheibe oder zwei LEDs an, ob ein Rechts- oder Linksdrehfeld vorliegt. Bei kleinen Geräten genügt oft ein kurzer „Tipp-Start“ mit dem Motor, um die Drehrichtung zu kontrollieren — bei großen Antrieben, hydraulischen Pumpen oder Schraubenverdichtern ist das jedoch keine Option, weil schon Sekunden mit falscher Drehrichtung Schäden anrichten können.
Frage 1: An einem Drehstrommotor wird die Verdrahtung wie folgt geändert: L1 wird mit V verbunden, L2 mit U und L3 mit W. Wie verändert sich die Drehrichtung des Motors im Vergleich zur ursprünglichen Schaltung L1–U, L2–V, L3–W?
- a) Die Drehrichtung bleibt gleich, weil alle drei Phasen vertauscht wurden
- b) Die Drehrichtung kehrt sich um, weil zwei Phasen vertauscht wurden
- c) Der Motor läuft nicht mehr an, weil die Phasenfolge zerstört ist
- d) Die Drehzahl halbiert sich
Richtig: b)
L1 und L2 wurden gegeneinander getauscht, L3 bleibt am selben Anschluss. Genau zwei vertauschte Außenleiter — das kehrt die Phasenfolge und damit die Drehrichtung um. Antwort a beschreibt einen zyklischen Tausch, der hier nicht vorliegt.
Frage 2: Eine neue Drehstrompumpe wird an einen Baustromverteiler angeschlossen. Was ist der richtige nächste Schritt vor dem Einschalten?
- a) Den Pumpenmotor kurz im „Tippbetrieb“ einschalten und Drehrichtung beobachten
- b) Über den Hauptschalter einschalten — bei modernen Pumpen erkennt die Elektronik die Phasenfolge automatisch
- c) Mit einem Phasenfolge-Prüfer die Drehrichtung des Netzes prüfen, bevor der Motor läuft
- d) Den Neutralleiter trennen, dann ist die Drehrichtung beliebig wählbar
Richtig: c)
Bei einer Pumpe kann falsche Drehrichtung zwar lange unentdeckt bleiben, aber bereits den Förderbetrieb verfälschen. Die saubere Vorgehensweise ist daher die Phasenfolge-Prüfung vor dem ersten Start. Tippbetrieb ist bei großen Antrieben oder Schraubenverdichtern ungeeignet (Schadensrisiko), die anderen Antworten sind technisch falsch.
Frage 3: Welche Rolle spielt der Neutralleiter bei der Drehrichtungsumkehr eines Drehstrommotors?
- a) Er muss mit einem der Außenleiter getauscht werden, dann dreht der Motor andersherum
- b) Er bestimmt die Drehrichtung gemeinsam mit L1
- c) Er spielt für die Drehrichtung keine Rolle, weil er nicht Teil der Phasenfolge ist
- d) Er muss bei Linksdrehfeld zwingend getrennt werden
Richtig: c)
Die Drehrichtung wird allein durch die zeitliche Reihenfolge der drei Außenleiter bestimmt. Der Neutralleiter ist Bezugspunkt für die Spannungen, trägt aber keine eigene Phaseninformation, die für die Drehfeld-Erzeugung relevant wäre. Drehstrommotoren werden ohnehin meist ohne Neutralleiter (im Dreieck oder Stern ohne Sternpunkt-Verbindung) betrieben.
5. Wechselfeld, elliptisches Drehfeld und Anwendung in Maschinen
Bisher haben wir das ideale, symmetrische Drehfeld betrachtet. In der Praxis treten zwei wichtige Sonderfälle auf, die das Verständnis von Einphasenmotoren und von Netzproblemen erleichtern: das reine Wechselfeld einer einzelnen Spule und das elliptische Drehfeld bei unsymmetrischer Belastung.
Eine einzelne Spule am Wechselstrom erzeugt nur ein pulsierendes Wechselfeld. Der Feldvektor zeigt immer entlang derselben Achse, sein Betrag schwankt sinusförmig zwischen +B_max und −B_max. Mit dem rotierenden Drehfeldvektor aus den vorigen Kapiteln hat das auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Auf den zweiten allerdings schon: Mathematisch lässt sich jedes Wechselfeld in zwei gegenläufige Drehfelder gleicher Amplitude (jeweils B_max/2) zerlegen. Eines dreht im Uhrzeigersinn, das andere gegen den Uhrzeigersinn — beide mit der Netzfrequenz.
Im Stillstand heben sich beide Drehfelder für den Antrieb auf: Sie ziehen den Läufer in beide Richtungen gleich stark, das Drehmoment ist null. Genau deshalb läuft ein einphasiger Asynchronmotor ohne Hilfe nicht von selbst an. Erst eine Anlaufhilfe, etwa eine Hilfswicklung mit Kondensator, bricht die Symmetrie und macht aus dem stehenden Wechselfeld ein elliptisches Drehfeld — und damit ein nutzbares Drehmoment.
Das elliptische Drehfeld ist auch im Drehstromsystem relevant, wenn die drei Stränge unsymmetrisch belastet sind oder eine Phase ausfällt. Statt einer Kreisbahn beschreibt die Spitze des Feldvektors dann eine Ellipse — der Betrag schwankt periodisch zwischen einem Maximum und einem Minimum. Die Drehzahl des Vektors ist über eine Umdrehung nicht mehr konstant: Auf der langen Halbachse läuft das Feld schneller, auf der kurzen langsamer. Welche Auswirkungen das auf einen Drehstrommotor hat (zusätzliche Erwärmung, Drehmomentpendelungen, ein gegenläufiges Gegenfeld), wird im Beitrag zum Drehstrom-Asynchronmotor behandelt.
Damit ist das physikalische Bild komplett. Wie das Drehfeld in den verschiedenen Maschinentypen zum Antrieb wird, ist Thema der jeweiligen Beiträge: Beim Drehstrom-Asynchronmotor induziert das Drehfeld im kurzgeschlossenen Läufer Ströme, die wieder ein eigenes Feld erzeugen — der Läufer wird mitgezogen, bleibt aber durch den Schlupf etwas zurück. Beim Drehstrom-Synchronmotor ist der Läufer selbst magnetisch (mit Permanentmagneten oder erregten Wicklungen) und läuft genau mit der Synchrondrehzahl mit. Bei Einphasenmotoren wie dem Kondensatormotor wird das eingangs beschriebene Wechselfeld durch eine Hilfswicklung in ein verzerrtes Drehfeld überführt — gerade genug, damit der Motor anläuft.
Frage 1: Warum läuft ein einphasiger Asynchronmotor ohne Anlaufhilfe nicht von selbst an?
- a) Der Strangstrom ist zu klein für ein nutzbares Drehmoment
- b) Das pulsierende Wechselfeld lässt sich in zwei gegenläufige Drehfelder zerlegen, die sich im Stillstand gegenseitig aufheben
- c) Der Läufer hat keine elektrische Verbindung zum Stator
- d) Die Netzfrequenz ist für Einphasenbetrieb zu gering
Richtig: b)
Im Stillstand wirken beide gegenläufigen Drehfelder mit gleicher Stärke auf den Läufer — die Momente heben sich auf, der Läufer bleibt stehen. Erst eine Anlaufhilfe (Hilfswicklung mit Kondensator) bricht diese Symmetrie und erzeugt ein bevorzugtes Drehfeld. Antwort a, c, d beschreiben keine reale Eigenschaft des Einphasenmotors.
Frage 2: Eine der drei Außenleiter-Sicherungen eines laufenden Drehstrommotors fällt aus. Was passiert mit dem Drehfeld?
- a) Es wird zu einem elliptischen Drehfeld, im Grenzfall zu einem reinen Wechselfeld
- b) Es bleibt erhalten, dreht aber doppelt so schnell
- c) Es bleibt unverändert kreisförmig, nur mit kleinerem Betrag
- d) Es kollabiert sofort und der Motor bleibt augenblicklich stehen
Richtig: a)
Mit nur noch zwei verbleibenden Strängen geht die Symmetrie verloren — die Vektoraddition liefert keine Kreisbahn mehr, sondern eine Ellipse. Der laufende Motor dreht noch eine Weile weiter (mit erhöhter Erwärmung), startet nach Stillstand aber nicht mehr von selbst. Antwort d gilt nur, wenn alle drei Außenleiter ausfallen.
Frage 3: Welche Aussage zum elliptischen Drehfeld trifft zu?
- a) Der Betrag des Feldvektors bleibt konstant, nur die Drehrichtung wechselt
- b) Die Spitze des Feldvektors beschreibt eine Ellipse; der Betrag schwankt periodisch
- c) Das elliptische Drehfeld dreht doppelt so schnell wie ein kreisförmiges Drehfeld
- d) Ein elliptisches Drehfeld tritt nur bei Gleichstrommaschinen auf
Richtig: b)
Kreisförmig heißt konstanter Betrag — elliptisch heißt schwankender Betrag. Die Form class der Ellipse hängt davon ab, wie stark die drei Stränge unsymmetrisch sind. Die Drehrichtung wechselt nicht, und mit Gleichstrommaschinen hat das nichts zu tun.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein vierpoliger Drehstrommotor wird im 50-Hz-Netz betrieben. Berechne die Synchrondrehzahl in 1/min und in 1/s.
Gegeben:
Polzahl 2p = 4
f = 50 Hz
Gesucht: n_s in 1/min und 1/s
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Polpaarzahl:
p = 2p / 2 = 4 / 2 = 2 - Schritt 2 — Synchrondrehzahl in 1/min:
n_s = 60 · f / p = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min - Schritt 3 — Umrechnung in 1/s:
n_s = 1500 / 60 = 25 1/s
Ergebnis: n_s = 1500 1/min bzw. 25 1/s
Aufgabe 2: Auf einem Synchrongenerator steht „n_s = 1500 1/min“. Er wird in einem Inselnetz mit 60 Hz betrieben. Wie viele Polpaare hat der Generator, und welche Drehzahl müsste er bei 50 Hz haben, um dieselbe Polpaarzahl zu nutzen? Prüfe das Zwischenergebnis auf physikalische Plausibilität.
Gegeben:
n_s = 1500 1/min
f₁ = 60 Hz, f₂ = 50 Hz
Gesucht: Polpaarzahl p; Drehzahl n_s₂ bei f₂ = 50 Hz
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Polpaarzahl aus 60-Hz-Betrieb:
p = 60 · f / n_s = 60 · 60 / 1500 = 2,4 - Schritt 2 — Plausibilitätsprüfung:
p muss eine ganze Zahl sein. Die Angabe „1500 1/min bei 60 Hz“ ist physikalisch nicht möglich. Mit ganzer Polpaarzahl p = 2 wäre n_s = 1800 1/min, mit p = 3 wäre n_s = 1200 1/min. - Schritt 3 — Alternative Auslegung bei 50 Hz für p = 2:
n_s₂ = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min
Ergebnis: Die Aufgabenstellung ist physikalisch nicht erfüllbar — die Polpaarzahl müsste 2,4 sein, was nicht möglich ist. Mit ganzzahliger Polpaarzahl p = 2 ergibt sich bei 60 Hz immer 1800 1/min und bei 50 Hz immer 1500 1/min.
Aufgabe 3: Ein Drehstrommotor mit p = 3 wird über einen Frequenzumrichter betrieben. Berechne die Synchrondrehzahl bei f₁ = 25 Hz, f₂ = 50 Hz und f₃ = 87 Hz.
Gegeben:
p = 3
f₁ = 25 Hz, f₂ = 50 Hz, f₃ = 87 Hz
Gesucht: n_s für jede Frequenz in 1/min
Lösungsweg:
- n_s = 60 · f / p
- bei f₁ = 25 Hz: n_s = 60 · 25 / 3 = 500 1/min
- bei f₂ = 50 Hz: n_s = 60 · 50 / 3 = 1000 1/min
- bei f₃ = 87 Hz: n_s = 60 · 87 / 3 = 1740 1/min
Ergebnis: 500 1/min bei 25 Hz, 1000 1/min bei 50 Hz, 1740 1/min bei 87 Hz
Aufgabe 4: Ein 16-poliger Synchrongenerator wird mit einer mechanischen Drehzahl von 375 1/min angetrieben. Welche Netzfrequenz erzeugt er?
Gegeben:
Polzahl 2p = 16, also p = 8
n_s = 375 1/min
Gesucht: f in Hz
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Umstellen der Synchrondrehzahl-Formel:
f = n_s · p / 60 - Schritt 2 — Einsetzen:
f = 375 · 8 / 60 = 50 Hz
Ergebnis: f = 50 Hz
Frage 1: Welche Bedingung muss erfüllt sein, damit ein Drehfeld konstanten Betrag (also kreisförmig) bleibt?
- a) Die drei Wicklungen müssen unterschiedliche Windungszahlen haben
- b) Die drei Strangströme dürfen nur in zwei Wicklungen fließen
- c) Symmetrische Drehstromströme in räumlich um 120° versetzten symmetrischen Wicklungen
- d) Die Frequenz muss mindestens 50 Hz betragen
Richtig: c)
Voraussetzung sind drei Bedingungen zugleich: gleiche Amplitude der drei Strangströme, je 120° zeitlicher Versatz und drei identische Wicklungen, deren magnetische Achsen je 120° räumlich versetzt sind. Fehlt eine dieser Symmetrien, wird das Feld elliptisch.
Frage 2: Ein Drehstrommotor läuft am 50-Hz-Netz mit der Drehzahl 2890 1/min. Welche Polpaarzahl hat er, und wie groß ist der Schlupf näherungsweise?
- a) p = 1, Schlupf etwa 3,7 %
- b) p = 2, Schlupf etwa 0 %
- c) p = 1, Schlupf etwa 50 %
- d) p = 3, Schlupf etwa 13 %
Richtig: a)
Bei 50 Hz und p = 1 wäre n_s = 3000 1/min; die nächste Standardstufe darunter (p = 2) wäre 1500 1/min. Eine Drehzahl von 2890 1/min liegt also knapp unter 3000 1/min, was zu p = 1 passt. Der Schlupf ergibt sich aus (3000 − 2890) / 3000 ≈ 3,7 %, ein typischer Wert für Asynchronmotoren im Nennbetrieb.
Frage 3: Eine CEE-Steckdose in einer österreichischen Werkstatt wird mit einem Phasenfolge-Prüfer kontrolliert. Das Gerät zeigt Linksdrehfeld an, obwohl die Steckdose nach Errichtungsstandard ein Rechtsdrehfeld führen sollte. Was ist die plausibelste Ursache?
- a) Der Prüfer ist defekt — Linksdrehfeld an CEE-Dosen kommt in Österreich nie vor
- b) Der Neutralleiter wurde mit einer Phase vertauscht
- c) Das ist normal — die Drehfeldrichtung an CEE-Steckdosen ist gesetzlich nicht festgelegt
- d) Bei der Installation oder einer Reparatur wurden zwei Außenleiter vertauscht
Richtig: d)
CEE-Steckdosen sind nach Errichtungsstandard mit Rechtsdrehfeld zu installieren. Wenn der Prüfer Linksdrehfeld anzeigt, ist die Ursache meist eine fehlerhafte Verdrahtung — typischerweise sind zwei Außenleiter vertauscht worden. Antwort c ist falsch (die Vorgabe ist klar), Antwort b würde andere Fehler zeigen (etwa Sternpunktverschiebung oder gefährliche Spannungslagen am Verbraucher), nicht aber das umgekehrte Drehfeld.
Frage 4: Welche der folgenden Maßnahmen kehrt die Drehrichtung eines Drehstrommotors NICHT um?
- a) Tauschen von L1 und L2
- b) Tauschen von L2 und L3
- c) Tauschen von L1 und L3
- d) Tauschen von L1 mit L2 und gleichzeitig L2 mit L3
Richtig: d)
Wenn L1 mit L2 und L2 mit L3 vertauscht werden (zyklisch nach links: L1→L2→L3→L1), bleibt die zeitliche Reihenfolge erhalten und damit auch das Drehfeld. Die Drehrichtung ändert sich nur, wenn genau zwei Außenleiter gegeneinander getauscht werden.
Frage 5: Wie verändert sich die Synchrondrehzahl, wenn die Polpaarzahl bei gleicher Netzfrequenz verdoppelt wird?
- a) Sie bleibt gleich
- b) Sie verdoppelt sich
- c) Sie halbiert sich
- d) Sie vervierfacht sich
Richtig: c)
In n_s = 60 · f / p steht p im Nenner. Doppeltes p halbiert n_s. Bei 50 Hz und p = 2 ist n_s = 1500 1/min, bei p = 4 ergeben sich 750 1/min. Daher werden langsame Antriebe mit höherer Polpaarzahl ausgeführt.
Frage 6: Bei welcher Konstellation entsteht in einem Drehstromsystem ein elliptisches statt eines kreisförmigen Drehfelds?
- a) Wenn die drei Stränge unsymmetrisch belastet sind oder eine Phase ausfällt
- b) Wenn die Netzfrequenz unter 50 Hz fällt
- c) Wenn alle drei Strangströme gleichphasig sind
- d) Wenn der Motor in Sternschaltung statt in Dreieckschaltung läuft
Richtig: a)
Symmetrieverlust ist die Ursache: unterschiedliche Strangströme, eine fehlende Phase oder asymmetrische Wicklungen führen dazu, dass die Vektoraddition keine Kreisbahn mehr ergibt, sondern eine Ellipse. Bei gleichphasigen Strömen wäre gar kein Drehfeld vorhanden (a), Frequenz und Schaltungsart (Stern/Dreieck) wirken sich auf die Drehzahl bzw. die Spannung aus, nicht aber auf die Symmetrieform.
Frage 7: Welche Aussage über die Vektoraddition der drei Strangfelder ist korrekt?
- a) Die drei Einzelfelder addieren sich algebraisch zu null
- b) Der resultierende Vektor hat den 1,5-fachen Betrag des maximalen Einzelfelds einer Wicklung
- c) Der resultierende Vektor hat den 3-fachen Betrag des maximalen Einzelfelds einer Wicklung
- d) Der resultierende Vektor pulsiert mit der dreifachen Netzfrequenz
Richtig: b)
Die geometrische Summe der drei zeitlich und räumlich um 120° versetzten Wechselfelder ergibt rechnerisch 3/2 · B_max einer Einzelwicklung. Ein Faktor 3 würde voraussetzen, dass alle Felder gleichzeitig parallel liegen und maximal sind — das gibt es bei räumlich versetzten Wicklungen nicht. Die Frequenz des Drehens ist die Netzfrequenz selbst (bei p = 1).
Frage 8: Ein 6-poliger Drehstrommotor läuft am 50-Hz-Netz mit einer Drehzahl von 960 1/min. Wie groß ist sein Schlupf?
- a) etwa 1 %
- b) etwa 20 %
- c) etwa 96 %
- d) etwa 4 %
Richtig: d)
6 Pole → p = 3 → n_s = 60 · 50 / 3 = 1000 1/min. Schlupf = (1000 − 960) / 1000 = 0,04 = 4 %. Typischer Wert für Asynchronmotoren im Nennbetrieb. Werte über 10 % treten meist nur unter starker Überlast oder bei Hochlast-Anlaufphasen auf.
Frage 9: Welche Größe steht im Zähler der Formel für die Synchrondrehzahl in 1/min?
- a) Polpaarzahl p
- b) Polzahl 2p
- c) Netzfrequenz f, multipliziert mit 60
- d) Drehmoment M
Richtig: c)
Die Formel lautet n_s = 60 · f / p. Im Zähler steht 60 · f (Frequenz mal Faktor zur Umrechnung in Minuten), im Nenner die Polpaarzahl. Drehmoment spielt für die Synchrondrehzahl keine Rolle — es bestimmt die Belastung und beim Asynchronmotor den Schlupf.
Frage 10: Beim einphasigen Asynchronmotor wird ein Anlaufkondensator in Reihe zu einer Hilfswicklung geschaltet. Welchen Effekt hat das auf das Magnetfeld im Stator?
- a) Das Wechselfeld wird verstärkt, bleibt aber pulsierend
- b) Es entsteht ein zweites, gegenläufiges Wechselfeld
- c) Es entsteht ein reines Gleichfeld
- d) Das pulsierende Wechselfeld wird in ein elliptisches Drehfeld überführt, das ein Drehmoment liefert
Richtig: d)
Die Hilfswicklung mit Kondensator erzeugt einen phasenverschobenen Strom. Zusammen mit dem Strom in der Hauptwicklung ergibt das ein zwar nicht perfektes, aber funktionierendes Drehfeld — elliptisch, weil die Symmetrie nicht ideal ist. Genau dieser Symmetriebruch liefert das Anlaufdrehmoment.
Frage 11: Wie viele Pole hat ein Drehstrommotor, der bei 50 Hz mit einer Synchrondrehzahl von 600 1/min läuft?
- a) 10 Pole
- b) 4 Pole
- c) 8 Pole
- d) 12 Pole
Richtig: a)
p = 60 · f / n_s = 60 · 50 / 600 = 5; Polzahl 2p = 10. Solche langsam laufenden Motoren sind in Aufzügen, Pressen oder als Direktantriebe für Mühlen verbreitet.
Frage 12: Welche Auswirkung hat die zyklische Vertauschung aller drei Außenleiter (L1→V, L2→W, L3→U) auf die Drehrichtung eines Drehstrommotors?
- a) Drehrichtung kehrt sich um
- b) Drehrichtung bleibt unverändert
- c) Motor läuft nicht mehr an
- d) Motor läuft mit halber Drehzahl
Richtig: b)
Eine zyklische Vertauschung ändert die zeitliche Reihenfolge der Phasenfolge nicht — sie bleibt L1→L2→L3, nur die Zuordnung zu den Klemmen verschiebt sich gleichmäßig. Der Motor sieht aus seiner Sicht dieselbe Phasenfolge wie zuvor. Nur die paarweise Vertauschung zweier Außenleiter kehrt die Drehrichtung um.
Glossar
- Drehfeld
- Magnetisches Feld, dessen Vektor mit konstantem Betrag um den Mittelpunkt eines Stators rotiert. Entsteht aus drei räumlich und zeitlich um 120° versetzten Wechselfeldern.
- Wechselfeld
- Magnetisches Feld in fester Achse, dessen Betrag sich zeitlich sinusförmig ändert. Lässt sich mathematisch in zwei gegenläufige Drehfelder halber Amplitude zerlegen.
- Elliptisches Drehfeld
- Rotierendes Feld mit nicht konstantem Betrag; die Spitze des Vektors beschreibt eine Ellipse statt eines Kreises. Tritt bei unsymmetrischer Drehstrombelastung oder Phasenausfall auf.
- Polpaarzahl p
- Anzahl der Polpaare einer Wicklung; ein Polpaar besteht aus einem Nord- und einem Südpol. Bestimmt zusammen mit der Frequenz die Synchrondrehzahl.
- Polzahl 2p
- Gesamtanzahl der magnetischen Pole, also doppelte Polpaarzahl. Steht oft direkt auf dem Motor-Typenschild.
- Synchrondrehzahl n_s
- Drehzahl des Drehfelds. Berechnet sich aus n_s = 60 · f / p (in 1/min). Bei Synchronmotoren ist sie identisch mit der Läuferdrehzahl, bei Asynchronmotoren um den Schlupf höher als die Läuferdrehzahl.
- Phasenfolge
- Zeitliche Reihenfolge, in der die drei Außenleiter ihren positiven Spitzenwert erreichen. Standard im österreichischen Netz: L1 → L2 → L3.
- Rechtsdrehfeld / Linksdrehfeld
- Drehrichtung des Drehfelds, bezogen auf den Blick auf das Wellenende der Maschine. Rechtsdrehfeld entspricht Drehung im Uhrzeigersinn, Linksdrehfeld dem entgegengesetzten Sinn.
- Phasenfolge-Prüfer
- Messgerät mit drei Anschlüssen, das anzeigt, ob an einem Drehstromanschluss ein Rechts- oder Linksdrehfeld vorliegt. Wird vor Inbetriebnahme drehrichtungsempfindlicher Antriebe eingesetzt.
