Schutzleiter und Potentialausgleich

In jeder elektrischen Anlage gibt es zwei stille Mitspieler, von denen man nichts merkt, solange alles funktioniert: den Schutzleiter und den Potentialausgleich. Im Normalbetrieb tun sie nichts. Sobald aber irgendwo ein Isolationsfehler entsteht und ein Außenleiter Kontakt zu einem Metallgehäuse bekommt, hängt die Sicherheit der Person, die das Gehäuse berührt, genau an diesen beiden Komponenten. Sie arbeiten unterschiedlich, aber zusammen: Der Schutzleiter sorgt dafür, dass im Fehlerfall überhaupt eine Schutzeinrichtung auslöst. Der Potentialausgleich sorgt dafür, dass in der Zeit bis zum Auslösen keine gefährliche Spannung zwischen berührbaren Teilen entsteht.

Vorwissen

  • Schutz bei indirektem Berühren – Überblick
  • ÖVE-Schutzkonzept: Basisschutz, Fehlerschutz, Zusatzschutz
  • Wirkungen des elektrischen Stroms auf den Menschen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Aufgabe, Aufbau und Kennzeichnung des Schutzleiters beschreiben
  • Hauptpotentialausgleich, zusätzlichen Potentialausgleich und Erdungsanlage unterscheiden
  • die Anforderungen an Querschnitt und Verlegung des Schutzleiters nennen
  • die Berührungsspannung berechnen und gegen die Grenzwerte 50 V bzw. 25 V bewerten
  • die Prüfung von Schutzleiter und Potentialausgleich in der Praxis beschreiben

1. Der Schutzleiter (PE) — Aufgabe und Kennzeichen

Ein Bohrhammer fällt vom Gerüst. Der Schlag löst im Inneren eine Aderbefestigung, der Außenleiter berührt das Metallgehäuse. Wer das Gerät jetzt anfasst, schließt im schlimmsten Fall den Stromkreis über den eigenen Körper. Damit das nicht passiert, hängt jedes geerdete Gerät an einem zusätzlichen Leiter, der genau für diesen Fall da ist — dem Schutzleiter.

Der Schutzleiter, kurz PE für Protective Earth, verbindet die berührbaren leitfähigen Teile eines Gerätes mit der Erdungsanlage des Gebäudes. Im Normalbetrieb fließt durch ihn kein Strom. Er ist ein reiner Sicherheitsleiter — ein Reserveweg, der nur im Fehlerfall aktiv wird.

Im Fehlerfall passiert das Folgende: Der Außenleiter berührt das Gehäuse, und der Strom fließt nicht über die Person, sondern über den Schutzleiter zur Erde und zurück zum Trafo. Dieser Kreis ist niederohmig genug, dass ein hoher Fehlerstrom fließt. Der hohe Strom bringt die vorgelagerte Schutzeinrichtung — typischerweise einen Leitungsschutzschalter oder einen FI-Schalter — innerhalb von Millisekunden zum Auslösen. Das Gerät wird vom Netz getrennt, die gefährliche Spannung verschwindet.

Damit der Schutzleiter zuverlässig erkennbar und nicht mit anderen Leitern zu verwechseln ist, gilt eine eindeঙ্কা Farbregel: Grün-gelb ist ausschließlich dem Schutzleiter vorbehalten. Diese Farbkombination darf für keinen anderen Leiter verwendet werden, weder im Kabel noch in der Verteilung.

Aus der reinen Schutzfunktion ergeben sich zwei harte Regeln:

  • Der PE darf niemals als Betriebsleiter verwendet werden. Ein Stromrückfluss über den PE im Normalbetrieb wäre ein gravierender Fehler.
  • Im PE darf kein Schalter und keine Sicherung sitzen. Eine Trennung des Schutzleiters macht die gesamte Schutzfunktion unwirksam — das Gehäuse wäre dann im Fehlerfall berührbar geladen.

In Netzsystemen mit kombiniertem Schutz- und Neutralleiter — dem PEN-Leiter im TN-C-System — werden Schutz- und Neutralleiterfunktion auf einer einzigen Ader geführt. Diese Bauform ist nur bis zu einem bestimmten Querschnitt zulässig und wird im modernen Wohnbau immer weniger eingesetzt. Die Unterscheidung der Netzsysteme TN, TT und IT ist Thema eines eigenen Beitrags.

Frage 1: Welche Aufgabe hat der Schutzleiter im Fehlerfall?

  • a) Er begrenzt den Strom auf einen sicheren Wert.
  • b) Er trennt das Gerät selbst vom Netz.
  • c) Er leitet den Fehlerstrom ab und sorgt damit für das Auslösen der vorgelagerten Schutzeinrichtung.
  • d) Er reduziert die Netzspannung am Verbraucher.

Richtig: c)

Erklärung: Der PE selbst trennt nichts und begrenzt auch keine Ströme. Er stellt eine niederohmige Rückleitung her, durch die im Fehlerfall ein so hoher Strom fließt, dass die vorgelagerte Sicherung oder der FI-Schalter auslöst. Antwort a beschreibt einen Widerstand oder Sicherungsbaustein, b ist Aufgabe der Schutzeinrichtung, nicht des PE selbst, d wäre ein Trafo oder Spannungsteiler.

Frage 2: Welche Farbkennzeichnung ist ausschließlich dem Schutzleiter vorbehalten?

  • a) Grün-gelb
  • b) Blau
  • c) Grau
  • d) Schwarz

Richtig: a)

Erklärung: Grün-gelb ist normativ und international für den PE reserviert. Blau ist die Farbe des Neutralleiters (N), grau und schwarz werden für Außenleiter verwendet. Eine Vermischung der Farben — also etwa Grün-gelb für einen Betriebsleiter — ist unzulässig.

Frage 3: Warum darf im Schutzleiter keine Sicherung und kein Schalter sitzen?

  • a) Weil dadurch die Stromrechnung steigen würde.
  • b) Weil eine Unterbrechung die Schutzfunktion unwirksam macht und das Gehäuse im Fehlerfall unter Spannung bleibt.
  • c) Weil die Sicherung im PE bereits bei kleinen Lastströmen auslösen würde.
  • d) Weil Schalter im PE die Auslösezeit verkürzen würden.

Richtig: b)

Erklärung: Ein unterbrochener PE bedeutet: Im Fehlerfall fließt kein Strom mehr in die Erdungsanlage, die Schutzeinrichtung löst nicht aus, das Gehäuse bleibt unter Netzspannung. Antwort a ist sachfremd, c verwechselt Last- und Schutzstrom, d kehrt die Wirkung ins Gegenteil — eine Trennstelle verzögert oder verhindert die Auslösung, sie beschleunigt sie nicht.

2. Querschnitt und Verlegung des Schutzleiters

Im Fehlerfall fließt durch den PE der gleiche Strom wie durch den fehlerhaften Außenleiter — oft das Mehrfache des Nennstroms. Damit der Leiter diese Belastung aushält und der Spannungsabfall klein bleibt, muss er ausreichend dimensioniert sein.

Die Grundregel lautet: Der Querschnitt des Schutzleiters orientiert sich am Querschnitt des Außenleiters. Bei den im Wohn- und Gewerbebau üblichen kleinen Querschnitten ist der PE gleich groß wie der zugehörige Außenleiter. Bei größeren Querschnitten — typisch in Industrieanlagen — sind reduzierte PE-Querschnitte erlaubt, weil der absolute Spannungsabfall trotz kleinerem Verhältnis ausreichend gering bleibt. Die exakten Werte sind in ÖVE/ÖNORM E 8101 tabelliert.

Zur Dimensionierung kommen die Anforderungen an die Verlegung:

  • Durchgehend ohne Trennstellen. Vom Verteiler bis zum letzten Verbraucher muss eine durchgängige Schutzleiterverbindung bestehen. Keine zusätzlichen Klemmen, die unbeabsichtigt geöffnet werden können.
  • Schraubverbindungen, keine Lötstellen. Klemmverbindungen müssen mechanisch fest sein und sich nicht durch Vibration oder Erwärmung lösen können. Eine reine Lötverbindung darf an einer Hauptverbindungsstelle nicht stehen.
  • Eindeutige Anschlusspunkte. An der Schutzkontaktsteckdose ist der Mittelkontakt der PE-Anschluss. Am Motor- oder Geräteklemmenbrett ist der PE-Anschlusspunkt mit dem Erdsymbol gekennzeichnet.
  • Farbkennzeichnung lückenlos. Auch wenn ein Leiter durch eine Klemme oder ein Verteilerfeld geführt wird, bleibt seine Identität als PE durch die Farbe grün-gelb erkennbar.

In der Praxis bedeutet das: Wer einen PE-Anschluss nur „lose dranlegt“, produziert eine tickende Zeitbombe. Eine lockere PE-Klemme erhöht den Übergangswiderstand. Im Fehlerfall fließt dann ein kleinerer Strom — möglicherweise nicht hoch genug, um die Schutzeinrichtung schnell genug auszulösen. Das Gehäuse bleibt während dieser zu langen Zeit unter erhöhter Spannung.

Frage 1: Wie ist der Querschnitt des Schutzleiters typischerweise dimensioniert?

  • a) Er ist immer halb so groß wie der Neutralleiter.
  • b) Er ist unabhängig vom Außenleiterquerschnitt und immer gleich.
  • c) Er ist immer doppelt so groß wie der Außenleiter.
  • d) Er orientiert sich am Außenleiterquerschnitt und ist bei kleinen Querschnitten gleich groß.

Richtig: d)

Erklärung: Die Dimensionierung folgt dem Außenleiter, weil im Fehlerfall der Strom durch den Außenleiter und den PE gleich ist. Bei kleinen Querschnitten ist der PE gleich groß, bei großen ist ein reduzierter Wert zulässig. Antwort a verwechselt PE und N, b ist sachlich falsch, c würde Material verschwenden ohne Mehrwert.

Frage 2: Welche Verbindungsart ist für den Hauptanschlusspunkt des Schutzleiters geeignet?

  • a) Lose Klemmverbindung mit Zugentlastung
  • b) Schraubklemmverbindung mit definierter mechanischer Festigkeit
  • c) Reine Lötverbindung
  • d) Verdrillte, unisolierte Verbindung

Richtig: b)

Erklärung: Hauptverbindungen müssen mechanisch stabil und nicht durch Vibration lösbar sein. Eine Schraubklemme mit Drehmomentanforderung erfüllt das. Lose Klemmen (a) erhöhen den Übergangswiderstand, reine Lötstellen (c) können bei Erwärmung versagen, verdrillte unisolierte Verbindungen (d) sind weder mechanisch noch elektrisch sicher.

Frage 3: Was ist die Folge eines lockeren PE-Anschlusses?

  • a) Der Schutzkontakt erkennt das nicht und die Anlage funktioniert normal weiter.
  • b) Der Übergangswiderstand bleibt unverändert, weil PE nur Schutzleiter ist.
  • c) Der Übergangswiderstand steigt, der Fehlerstrom sinkt — die Schutzeinrichtung löst eventuell zu langsam oder gar nicht aus.
  • d) Der FI-Schalter löst sofort aus, sobald die Klemme lose ist.

Richtig: c)

Erklärung: Ein höherer Widerstand im PE-Kreis senkt im Fehlerfall den fließenden Strom. Bleibt der Strom unter dem Auslösewert oder löst nur sehr verzögert aus, bleibt das Gehäuse länger unter gefährlicher Spannung. Antwort a stimmt nur im Normalbetrieb, beschreibt aber genau das Tückische — der Mangel bleibt unsichtbar, bis ein Fehler auftritt. b ist physikalisch falsch, d verwechselt PE-Anschluss mit Fehlerstromauslösung.

3. Potentialausgleich — Aufbau und Sammelpunkt

Der Schutzleiter sorgt für das Auslösen einer Schutzeinrichtung. Aber: Zwischen dem Moment des Fehlers und dem Auslösen vergeht eine kurze Zeit. In dieser Zeit kann es zwischen verschiedenen berührbaren Metallteilen — etwa dem fehlerhaften Gerät und einem benachbenten Wasserrohr — kurzzeitig zu Spannungsunterschieden kommen. Hier setzt der Potentialausgleich an: Er verbindet alle berührbaren leitfähigen Teile zu einem einheitlichen Potential. Wenn alles auf gleichem Potential liegt, kann zwischen zwei Teilen keine gefährliche Spannung entstehen — egal was passiert.

In jedem Gebäude wird der Potentialausgleich an einer zentralen Stelle zusammengeführt: an der Hauptpotentialausgleichsschiene, kurz HES (auch als PAS bezeichnet). Diese Schiene sitzt in der Regel direkt neben dem Hausanschlusskasten oder im Hauptverteiler. Sie ist der Sammelpunkt, an dem alle relevanten Leiter zusammenlaufen.

An die Hauptpotentialausgleichsschiene werden angeschlossen:

  • der Schutzleiter (PE) der Verteilung
  • der Anschluss der Erdungsanlage (Fundamenterder, Tiefenerder oder Banderder)
  • metallische Wasserleitungen, sofern sie nicht durch Kunststoff unterbrochen sind
  • metallische Gasleitungen
  • die Heizungsanlage mit ihren Steigleitungen
  • die Blitzschutzanlage und gegebenenfalls der Antennenmast
  • weitere fremde leitfähige Teile, die ins Gebäude führen (z.B. Lüftungskanäle, metallische Steigleitungen)

Diese Gesamtanordnung bildet den Schutzpotentialausgleich (auch Hauptpotentialausgleich, HPA). Er ist die fundamentale Sicherheitsstufe, die in jedem Gebäude verpflichtend ist.

Zusätzlich zum Hauptpotentialausgleich gibt es den zusätzlichen Potentialausgleich (ZPA). Er wird in Bereichen mit erhöhter Gefährdung eingesetzt: Bäder, Duschen, Feuchträume, Schwimmhallen, landwirtschaftliche Stallungen. Im ZPA werden alle berührbaren Metallteile im jeweiligen Raum zusätzlich direkt miteinander verbunden — Wanne, Armaturen, Heizkörper, Abflussrohre, Bodenwannen. Der Hintergrund: In nassen oder leitfähigen Umgebungen ist der menschliche Körperwiderstand niedrig, schon kleine Spannungsdifferenzen können gefährlich werden. Der ZPA stellt sicher, dass selbst innerhalb dieser empfindlichen Bereiche das Potential überall gleich ist.

Damit wird die Abgrenzung zum Schutzleiter deutlich: Der Schutzleiter verbindet berührbare Teile eines Gerätes mit der Erdungsanlage und ist Teil des Auslöse-Mechanismus im Fehlerfall. Der Potentialausgleich verbindet ortsfeste leitfähige Teile (Rohre, Konstruktion, Erdung) so, dass kein Potentialunterschied entstehen kann. Beide arbeiten zusammen, haben aber unterschiedliche Hauptaufgaben.

HES Hauptpotentialausgleichsschiene PE-Schiene (aus Verteiler) Erdungsanlage (Fundamenterder) Wasserleitung Gasleitung Heizung Blitzschutz Antennenmast Stahlkonstruktion Hauptpotentialausgleich Sammelpunkt aller leitfähigen Teile eines Gebäudes

Frage 1: Welche Leiter werden an der Hauptpotentialausgleichsschiene zusammengeführt?

  • a) PE der Verteilung, Erdungsanlage, metallische Wasser-, Gas- und Heizungsleitungen, Blitzschutz und weitere fremde leitfähige Teile
  • b) Nur PE und Neutralleiter
  • c) Nur die Außenleiter L1, L2 und L3
  • d) Nur Antennenkabel und Telefonleitungen

Richtig: a)

Erklärung: Die HES sammelt sämtliche leitfähigen Teile, die das Gebäudepotential beeinflussen können. Antwort b verwechselt PE mit dem Betriebsstromkreis — Neutralleiter gehören nicht direkt auf die HES (nur über den PEN-Punkt im TN-Netz). c sind aktive Außenleiter, die nie geerdet werden. d wäre eine Funktionserdung im engsten Sinn, deckt aber den Schutzpotentialausgleich nicht ab.

Frage 2: In welchen Bereichen ist ein zusätzlicher Potentialausgleich vorgeschrieben?

  • a) In trockenen Wohnräumen mit normaler Verkehrslast.
  • b) Ausschließlich in Industriebetrieben.
  • c) Nur in Räumen ohne fließend Wasser.
  • d) In Bädern, Duschen, Feuchträumen, Schwimmbädern und landwirtschaftlichen Stallungen.

Richtig: d)

Erklärung: Der zusätzliche Potentialausgleich gilt für Bereiche mit erhöhter Gefährdung — typischerweise nasse, leitfähige Umgebungen oder Bereiche mit Tieren. Antwort a bezeichnet genau die Bereiche, in denen er nicht zusätzlich erforderlich ist, b ist zu eng (auch im Wohnbau notwendig), c ist die Umkehr — fließend Wasser ist gerade ein Grund für den ZPA.

Frage 3: Was ist der zentrale Unterschied zwischen Schutzleiter und Potentialausgleich?

  • a) Beide Begriffe meinen dasselbe.
  • b) Der Schutzleiter verbindet ein Gerät mit der Erdungsanlage und führt im Fehlerfall den Auslöse-Strom, der Potentialausgleich verbindet ortsfeste leitfähige Teile, damit kein Potentialunterschied entsteht.
  • c) Der Schutzleiter wird nur in Bädern verwendet, der Potentialausgleich überall sonst.
  • d) Der Schutzleiter ist immer dicker als der Potentialausgleich.

Richtig: b)

Erklärung: Schutzleiter und Potentialausgleich erfüllen verschiedene Aufgaben, die im Schadensfall zusammenwirken. Antwort a vermischt zwei klar getrennte Konzepte, c kehrt den Einsatzbereich um, d ist eine bloße Querschnittsvermutung ohne fachlichen Bezug.

4. Erdungsanlage

Damit Schutzleiter und Potentialausgleich überhaupt funktionieren, brauchen sie einen Bezugspunkt — die Erde. Genauer: eine niederohmige elektrische Verbindung zum umgebenden Erdreich. Diese Verbindung stellt die Erdungsanlage her.

In Österreich ist beim Neubau der Fundamenterder Standard. Dabei wird ein verzinktes Stahlband oder ein Rundstab im Streifenfundament oder in der Bodenplatte einbetoniert, ringförmig über die gesamte Grundfläche des Gebäudes. Der Beton hat einen ausreichend niedrigen Widerstand, sodass die Verbindung zum Erdreich großflächig zustande kommt. Die Ausführung ist in ÖVE/ÖNORM E 8014 geregelt.

Wenn ein Fundamenterder nicht möglich ist — etwa bei Bestandsbauten, in denen nachgerüstet wird — kommen andere Bauformen zum Einsatz:

  • Der Tiefenerder ist ein senkrecht in den Boden eingetriebener Stab oder Rohrabschnitt. Er erreicht tiefere Bodenschichten mit konstanter Feuchtigkeit und damit gleichmäßigerem Widerstand.
  • Der Banderder ist ein im Erdreich oberflächennah verlegter Bandstreifen oder Rundleiter. Er ist einfacher nachzurüsten, der Widerstand schwankt aber stärker mit der Witterung.

Welcher Erder welchen Widerstand erreicht, hängt vom Boden ab. Lehmboden leitet gut, trockener Sand oder Fels deutlich schlechter. Der Erdungswiderstand ist die Größe, an der man die Wirksamkeit der Erdungsanlage misst — je niedriger, desto besser fließt der Fehlerstrom ab. Die Anbindung der Erdungsanlage erfolgt zentral an die Hauptpotentialausgleichsschiene, von der aus PE und Potentialausgleich des Gebäudes versorgt werden.

Eine Unterscheidung ist in der Praxis wichtig: Schutzerdung und Funktionserdung. Die Schutzerdung dient der Sicherheit — sie sorgt dafür, dass im Fehlerfall die Schutzeinrichtung auslöst und Berührungsspannungen begrenzt werden. Die Funktionserdung dagegen hat keinen sicherheitstechnischen Hintergrund. Sie wird bei Steuerelektronik, Mess- und Datentechnik eingesetzt, um ein definiertes Bezugspotential zu schaffen oder Störungen abzuleiten. Beide Erdungen können physikalisch über dieselbe Anlage geführt werden, sind aber konzeptionell getrennt zu betrachten.

Frage 1: Welche Erderbauform ist beim Neubau in Österreich Standard?

  • a) Banderder oberflächennah am Grundstück verlegt.
  • b) Tiefenerder von oben in den Boden eingetrieben.
  • c) Fundamenterder, im Streifenfundament oder in der Bodenplatte einbetoniert.
  • d) Erdungsmatte auf dem Dachboden.

Richtig: c)

Erklärung: Der Fundamenterder ist beim Neubau die Standardlösung, weil er eine große Fläche niederohmig erschließt und gleichzeitig vor Korrosion durch den umgebenden Beton geschützt ist. Banderder (a) und Tiefenerder (b) sind valide Bauformen für Bestand und Nachrüstung. d ist sachfremd — auf dem Dachboden findet keine Erdung statt.

Frage 2: Was unterscheidet Schutzerdung von Funktionserdung?

  • a) Schutzerdung dient der Sicherheit im Fehlerfall, Funktionserdung schafft ein definiertes Bezugspotential für Elektronik und Messtechnik.
  • b) Funktionserdung ist die alte Bezeichnung für Schutzerdung — beide meinen dasselbe.
  • c) Schutzerdung ist nur in Bädern erforderlich, Funktionserdung überall.
  • d) Funktionserdung ist eine zusätzliche mechanische Befestigung, keine elektrische Verbindung.

Richtig: a)

Erklärung: Die Begriffe haben unterschiedliche Aufgaben: Schutzerdung ist sicherheitsrelevant, Funktionserdung dient dem geordneten Betrieb elektronischer Systeme. Antwort b ist eine häufige, aber falsche Vermischung — beide existieren parallel. c kehrt den Einsatzbereich um, d ist eine Fehldeutung des Wortes „Funktion“.

5. Zusammenspiel und Berührungsspannung

Im Fehlerfall passiert das Folgende: Ein Außenleiter berührt das Gehäuse eines Klasse-I-Geräts. Der Schutzleiter ist mit dem Gehäuse und mit der Erdungsanlage verbunden. Es entsteht eine geschlossene Fehlerschleife: Außenleiter → Gehäuse → Schutzleiter → Erdungsanlage → zurück über Erde oder PEN zum Trafo. Durch diese Schleife fließt der Fehlerstrom $I_F$.

Solange dieser Strom fließt, fällt entlang des Schutzleiters und seiner Übergangsstellen eine Spannung ab — der Widerstand $R_{PE}$ ist nicht null. Die Spannung, die zwischen dem fehlerhaften Gehäuse und dem geerdeten Potential entsteht, ist die Berührungsspannung $U_B$. Sie ist genau die Spannung, der eine Person ausgesetzt wäre, die das Gehäuse anfasst und gleichzeitig auf einem geerdeten Boden steht.

Für die Sicherheit gelten Grenzwerte, oberhalb derer die Berührungsspannung gefährlich wird. In üblichen Bereichen ist der Grenzwert 50 V Wechselspannung (50 V AC). Solange die Berührungsspannung darunter bleibt — oder die Spannung innerhalb der zulässigen Ausschaltzeit durch die Schutzeinrichtung unterbrochen wird — ist die Anlage sicher.

In Bereichen mit erhöhter Gefährdung gilt ein strengerer Grenzwert: 25 V Wechselspannung. Das betrifft besonders landwirtschaftliche Betriebsstätten und Tierhaltung, Schwimmbäder und vergleichbare Nassbereiche. Tiere reagieren empfindlicher auf elektrische Ströme als Menschen — der Körperwiderstand ist niedriger, die Berührungsfläche oft großflächig (Boden, Wassertränke). Eine Berührungsspannung, die für Menschen unkritisch wäre, kann in einem Stall bereits zu Verhaltensauffälligkeiten oder Schäden führen.

Hier kommt der Potentialausgleich ins Spiel: Indem er alle berührbaren Metallteile auf ein einheitliches Potential bringt, reduziert er die Berührungsspannung zwischen diesen Teilen praktisch auf null. Selbst wenn das fehlerhafte Gerät kurzzeitig auf erhöhtem Potential liegt, hängt der gesamte verbundene Bereich am gleichen Potential. Es gibt schlicht kein Spannungsgefälle zwischen den Teilen, und damit auch keinen Strom, der durch eine Person hindurch fließen könnte.

Wir haben damit zwei Sicherheitsmechanismen, die zusammenwirken:

  • Der Schutzleiter sorgt dafür, dass der Fehlerstrom hoch genug wird, um die Schutzeinrichtung in der zulässigen Ausschaltzeit auszulösen.
  • Der Potentialausgleich sorgt dafür, dass während dieser Zeit zwischen berührbaren Teilen keine gefährlichen Spannungsunterschiede entstehen.

U_B = I_F * R_PE

  • U_B … Berührungsspannung in V
  • I_F … Fehlerstrom in A
  • R_PE … Widerstand des Schutzleiterkreises in Ohm

Gelöstes Beispiel

In einer Werkstatt tritt an einem Klasse-I-Gerät ein Körperschluss auf. Der Fehlerstrom beträgt 40 A, der Widerstand des gesamten Schutzleiterkreises liegt bei 0,8 Ω.

Gegeben: I_F = 40 A, R_PE = 0,8 Ω

Gesucht: Berührungsspannung U_B in V, Bewertung gegen den Grenzwert.

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel ansetzen: U_B = I_F × R_PE
  2. Schritt 2 — Einsetzen und ausrechnen: U_B = 40 A × 0,8 Ω = 32 V

Ergebnis: U_B = 32 V. Das liegt deutlich unter dem allgemeinen Grenzwert von 50 V — im üblichen Anlagenbereich ist die Berührungsspannung unkritisch.

Übungen

1. Ein Fehlerstrom von 25 A fließt durch einen Schutzleiterkreis mit 1,2 Ω Widerstand. Wie groß ist die Berührungsspannung?

U_B = 25 A × 1,2 Ω = 30 V

2. In einer Anlage wurde nach der Prüfung ein Schutzleiterwiderstand von 2,0 Ω gemessen. Im Fehlerfall fließt ein Strom von 22 A. Wie hoch ist die Berührungsspannung und wie ist sie zu bewerten?

U_B = 22 A × 2,0 Ω = 44 V — knapp unter 50 V, im allgemeinen Bereich noch zulässig, aber praktisch grenzwertig.

3. In einer Pferdebox tritt ein Körperschluss mit 18 A auf, der Schutzleiterkreis hat 1,5 Ω. Wie groß ist die Berührungsspannung, und ist sie für eine Tierhaltung zulässig?

U_B = 18 A × 1,5 Ω = 27 V. In landwirtschaftlichen Betriebsstätten gilt der reduzierte Grenzwert von 25 V — der Wert liegt darüber und ist damit unzulässig.

4. Eine Anlage soll im Fehlerfall eine Berührungsspannung von maximal 50 V einhalten. Der zu erwartende Fehlerstrom liegt bei 60 A. Welcher Schutzleiterwiderstand darf maximal vorhanden sein?

R_PE = U_B / I_F = 50 V / 60 A ≈ 0,83 Ω

5. Zwei Anlagen werden verglichen. Anlage A: I_F = 30 A, R_PE = 1,5 Ω. Anlage B: I_F = 80 A, R_PE = 0,6 Ω. Welche Anlage hat im Fehlerfall die kleinere Berührungsspannung?

Anlage A: U_B = 30 × 1,5 = 45 V. Anlage B: U_B = 80 × 0,6 = 48 V. Anlage A hat die geringere Berührungsspannung. Beachte: Anlage B hat zwar den kleineren Schutzleiterwiderstand (besser für die Auslösung der Schutzeinrichtung), aber durch den höheren Fehlerstrom ist die kurzzeitige Berührungsspannung in Summe leicht höher.

Frage 1: Wie wird die Berührungsspannung berechnet?

  • a) U_B = U_Netz − I_F × R_PE
  • b) U_B = I_F × R_PE
  • c) U_B = R_PE / I_F
  • d) U_B = U_Netz × R_PE

Richtig: b)

Erklärung: Die Berührungsspannung ist der Spannungsabfall am Schutzleiterkreis und folgt direkt aus dem Ohmschen Gesetz. Antwort a zieht den Fehlerspannungsabfall von der Netzspannung ab — falscher Ansatz, weil die Fehlerschleife einen eigenen Kreis bildet. c verwechselt Spannung und Widerstand, d kombiniert sinnlose Größen.

Frage 2: In welchem Bereich gilt der reduzierte Grenzwert von 25 V AC für die Berührungsspannung?

  • a) In Wohnzimmern und Schlafzimmern.
  • b) In Industriebüros mit Standardbeleuchtung.
  • c) In normalen Werkstätten ohne Sondereinrichtungen.
  • d) In landwirtschaftlichen Betriebsstätten, Tierhaltungen, Schwimmbädern und vergleichbaren Nassbereichen.

Richtig: d)

Erklärung: Der reduzierte Grenzwert berücksichtigt die erhöhte Gefährdung durch nasse Umgebung, leitfähige Böden und (bei Tieren) niedrigeren Körperwiderstand. Antworten a, b und c sind Standardumgebungen, in denen der allgemeine Grenzwert von 50 V gilt.

Frage 3: Wie wirkt sich der Potentialausgleich auf die Berührungsspannung zwischen zwei Metallteilen aus?

  • a) Er erhöht die Berührungsspannung, weil mehr Leiter im Spiel sind.
  • b) Er ändert die Berührungsspannung nicht — sie wird nur vom Schutzleiter beeinflusst.
  • c) Er reduziert die Spannung zwischen den verbundenen Teilen praktisch auf null, weil sie auf gleichem Potential liegen.
  • d) Er ersetzt den Schutzleiter und macht die Schutzeinrichtung überflüssig.

Richtig: c)

Erklärung: Der Potentialausgleich verbindet alle berührbaren leitfähigen Teile zu einem einheitlichen Potential — dadurch entsteht zwischen ihnen kein Spannungsgefälle und keine gefährliche Berührungsspannung. Antwort a ist physikalisch falsch, b unterschätzt die Wirkung des PA, d ist ein gefährlicher Irrtum: Der PA ergänzt den PE, ersetzt ihn aber nicht.

6. Prüfung in der Praxis

Auch die beste geplante Anlage hilft nichts, wenn niemand prüft, ob sie auch nach der Installation noch funktioniert. Lockere Klemmen, Korrosion an Anschlussstellen, abgerissene Verbindungen — solche Mängel entstehen nicht beim Planen, sondern in der Praxis. Deshalb gehören regelmäßige Prüfungen von Schutzleiter und Potentialausgleich zum Pflichtprogramm jeder elektrischen Anlage.

Die Prüfung umfasst mehrere Schritte:

Sichtprüfung. Bevor irgendein Messgerät zum Einsatz kommt, geht der erste Blick auf das Augenscheinliche. Sind alle PE- und PA-Leiter durchgehend grün-gelb markiert? Sitzen die Klemmen fest, gibt es Korrosion, sind die Anschlüsse mechanisch unversehrt? Schon die Sichtprüfung deckt einen großen Teil der häufigen Mängel auf.

Schutzleiterprüfung — Niederohmmessung. Hier wird der elektrische Widerstand des Schutzleiterkreises gemessen, vom PE-Anschluss im Verteiler bis zum letzten Schutzkontakt der Steckdose oder zum Geräteanschluss. Das Prüfgerät treibt einen Prüfstrom (typischerweise im Bereich von etwa 200 mA) durch den Kreis und misst den Spannungsabfall. Daraus ergibt sich der Widerstand. Werte deutlich über dem zu erwartenden Bereich deuten auf lockere Klemmen, Korrosion oder Unterbrechungen hin.

Prüfung des Potentialausgleichs. An der HES wird gegen jeden angeschlossenen Leiter geprüft, ob ein elektrischer Durchgang besteht — also ob die Verbindung zur Wasserleitung, zur Gasleitung, zur Heizung, zur Erdungsanlage und so weiter ist. Auch hier mit Niederohmmessung.

Wiederkehrende Prüfungen. Eine Anlage wird nicht nur einmal bei der Errichtung geprüft, sondern in festen Intervallen. Die Prüfintervalle sind in ÖVE/ÖNORM E 8101 sowie in den österreichischen Arbeitnehmerschutz-Vorschriften geregelt und hängen von der Art der Anlage und der Nutzung ab.

Zwei verwandte Messungen gehören eng zu diesem Thema, werden aber in eigenen Beiträgen ausführlich behandelt: Die Schleifenwiderstands- und RCD-Prüfung prüft, ob die Auslösebedingung der Schutzeinrichtung im Fehlerfall tatsächlich erfüllt wird. Die Isolationsmessung prüft, ob die aktiven Leiter gegen Erde und gegeneinander ausreichend isoliert sind. Beides ergänzt die Prüfung von Schutzleiter und Potentialausgleich zu einem vollständigen Prüfumfang.

Frage 1: Wozu dient die Niederohmmessung am Schutzleiter?

  • a) Sie misst den Widerstand des Schutzleiterkreises, um lockere Klemmen, Unterbrechungen oder Korrosion zu erkennen.
  • b) Sie misst die Netzspannung am Verbraucher.
  • c) Sie prüft, ob der FI-Schutzschalter beim Drücken der Test-Taste auslöst.
  • d) Sie ermittelt den Isolationswiderstand zwischen den Außenleitern.

Richtig: a)

Erklärung: Die Niederohmmessung treibt einen Prüfstrom durch den PE-Kreis und misst den Widerstand. Mängel wie lose Klemmen oder Korrosion machen sich durch einen erhöhten Widerstand sofort bemerkbar. Antwort b ist eine Spannungsmessung, c ist die RCD-Funktionsprüfung, d ist die Isolationsmessung — alles eigene Messverfahren mit eigenen Aufgaben.

Frage 2: Welche Aussage zur Prüfung des Potentialausgleichs ist korrekt?

  • a) Der Potentialausgleich muss nur bei der Errichtung einmal geprüft werden, danach nie wieder.
  • b) An der HES wird gegen jeden angeschlossenen Leiter ein elektrischer Durchgang gemessen, um die Vollständigkeit der Verbindung zu prüfen.
  • c) Die Prüfung erfolgt mit Netzspannung an der HES.
  • d) Eine Sichtprüfung ist nicht erforderlich, weil die Messung alle Mängel zeigt.

Richtig: b)

Erklärung: An jedem Anschlusspunkt der HES wird der elektrische Durchgang zur angeschlossenen Leitung geprüft. Antwort a ist falsch — auch der PA unterliegt wiederkehrenden Prüfungen. c wäre gefährlich und unzulässig — die Niederohmmessung arbeitet mit geringem Prüfstrom, nicht mit Netzspannung. d unterschätzt die Sichtprüfung: Viele Mängel (lose Klemme, Korrosion) zeigt schon der Blick.

Abschlusstest

Aufgabe 1: In einem Werkstattgerät tritt ein Körperschluss auf. Der Fehlerstrom beträgt 60 A, der Widerstand des Schutzleiterkreises beträgt 0,6 Ω.

Gegeben: I_F = 60 A, R_PE = 0,6 Ω

Gesucht: Berührungsspannung U_B in V, Bewertung gegen den 50-V-Grenzwert.

Lösungsweg:

  1. U_B = I_F × R_PE = 60 A × 0,6 Ω = 36 V

Ergebnis: U_B = 36 V — deutlich unter 50 V, im üblichen Anlagenbereich zulässig.

Aufgabe 2: Bei einer Anlage in einem Pferdestall darf die Berührungsspannung im Fehlerfall den landwirtschaftlichen Grenzwert nicht überschreiten. Der zu erwartende Fehlerstrom liegt bei 35 A. Welcher Schutzleiterwiderstand darf maximal vorhanden sein?

Gegeben: U_B(max) = 25 V (landwirtschaftliche Betriebsstätte), I_F = 35 A

Gesucht: maximal zulässiger Widerstand R_PE(max) in Ω

Lösungsweg:

  1. Formel umstellen: R_PE = U_B / I_F = 25 V / 35 A ≈ 0,71 Ω

Ergebnis: Der Schutzleiterkreis darf maximal etwa 0,71 Ω haben, damit die Berührungsspannung 25 V nicht überschreitet.

Aufgabe 3: An einer Anlage wurde nach Errichtung der Schutzleiterwiderstand mit 1,8 Ω gemessen. Bei einem theoretischen Fehlerstrom von 28 A: Wie hoch wäre die Berührungsspannung? Wäre die Anlage in einem Wohnraum zulässig?

Gegeben: R_PE = 1,8 Ω, I_F = 28 A

Gesucht: U_B in V und Bewertung

Lösungsweg:

  1. U_B = 28 A × 1,8 Ω = 50,4 V

Ergebnis: U_B ≈ 50,4 V — bereits geringfügig über dem Grenzwert von 50 V. Die Anlage muss nachgebessert werden (Schutzleiterwiderstand reduzieren oder zusätzliche Schutzmaßnahme vorsehen).

Aufgabe 4: In einer Anlage wird gefordert, dass die Berührungsspannung 50 V im Fehlerfall sicher nicht überschreitet. Es wird gemessen, dass der Schutzleiterkreis 1,0 Ω hat. Wie hoch darf der Fehlerstrom maximal sein, damit die Berührungsspannung im Grenzwert bleibt?

Gegeben: U_B(max) = 50 V, R_PE = 1,0 Ω

Gesucht: maximal zulässiger Fehlerstrom I_F(max) in A

Lösungsweg:

  1. Formel umstellen: I_F = U_B / R_PE = 50 V / 1,0 Ω = 50 A

Ergebnis: Bei einem Fehlerstrom über 50 A würde die Berührungsspannung den Grenzwert überschreiten. In einem solchen Fall muss die Schutzeinrichtung den Strom in der zulässigen Ausschaltzeit unterbrechen.

Frage 1: Welche Hauptaufgabe hat der Schutzleiter im Fehlerfall?

  • a) Er reduziert den Strom im Außenleiter.
  • b) Er hält die Berührungsspannung konstant auf 0 V.
  • c) Er ersetzt den Neutralleiter, wenn dieser ausfällt.
  • d) Er bildet eine niederohmige Rückleitung, durch die ein hoher Fehlerstrom fließt und damit die Schutzeinrichtung auslöst.

Richtig: d)

Erklärung: Der PE schafft den niederohmigen Kreis, ohne den die Schutzeinrichtung nicht auslösen könnte. Antwort a beschreibt einen Vorwiderstand, b ist Wunschdenken (eine kurzzeitige Restspannung bleibt immer), c verwechselt PE mit dem Neutralleiter.

Frage 2: Welche Farbe ist ausschließlich dem Schutzleiter zugeordnet?

  • a) Blau
  • b) Grün-gelb
  • c) Grau
  • d) Braun

Richtig: b)

Erklärung: Grün-gelb ist die normativ vorgeschriebene Farbe für den PE — und gilt ausschließlich für ihn. Blau ist der Neutralleiter, braun und grau sind Außenleiter.

Frage 3: Was bezeichnet die Abkürzung PEN?

  • a) Einen kombinierten Schutz- und Neutralleiter in einem einzigen Leiter im TN-C-System.
  • b) Den Prüfstift im Niederohmmessgerät.
  • c) Eine spezielle Schutzeinrichtung für Drehstromanlagen.
  • d) Eine Leiterklemme aus Polyethylen.

Richtig: a)

Erklärung: PEN steht für Protective-Earth-Neutral, also einen Leiter, der gleichzeitig PE und N abdeckt. Diese Bauform existiert nur im TN-C-System und ist nur für ausreichend große Querschnitte zugelassen. Die anderen Antworten erfinden Bedeutungen, die nichts mit dem PEN-Leiter zu tun haben.

Frage 4: Wo sitzt die Hauptpotentialausgleichsschiene im Gebäude?

  • a) Auf dem Dachboden in der Nähe des Antennenmastes.
  • b) Direkt am oder neben dem Hausanschluss bzw. im Hauptverteiler des Gebäudes.
  • c) In jedem Raum jeweils einzeln.
  • d) Im Sicherungsverteiler einer beliebigen Wohnung.

Richtig: b)

Erklärung: Die HES sitzt zentral, dort wo alle relevanten Leiter zusammengeführt werden können — typischerweise neben dem Hausanschlusskasten oder im Hauptverteiler. Antwort a wäre für die Blitzschutzanlage relevant, c würde das ganze Prinzip ad absurdum führen, d trifft den Standort nicht.

Frage 5: In welchen Bereichen ist zusätzlich zum Hauptpotentialausgleich ein zusätzlicher Potentialausgleich (ZPA) erforderlich?

  • a) In trockenen Bürobereichen.
  • b) An jedem normalen Steckdosenanschluss.
  • c) In Bädern, Duschräumen, Schwimmbädern, Feuchträumen und landwirtschaftlichen Stallungen.
  • d) In den Treppenhäusern eines Wohngebäudes.

Richtig: c)

Erklärung: Der ZPA gilt für Bereiche mit erhöhter Gefährdung — typischerweise nasse oder leitfähige Umgebungen. Antwort a sind Standardumgebungen ohne erhöhte Gefährdung, b verwechselt PE-Anschluss mit Potentialausgleich, d ist sachfremd.

Frage 6: Welche Erderbauform ist beim Neubau in Österreich der Standard?

  • a) Der Fundamenterder, ringförmig im Streifenfundament oder in der Bodenplatte einbetoniert.
  • b) Der Banderder auf dem Grundstück oberflächennah verlegt.
  • c) Der Tiefenerder als nachträglich von oben eingetriebener Stab.
  • d) Eine Erdspieß-Konstruktion an jeder Hausecke.

Richtig: a)

Erklärung: In Österreich ist der Fundamenterder beim Neubau Standard, weil er großflächig im Beton verlegt und vor Korrosion geschützt ist. Bandeder und Tiefenerder sind für Bestand und Nachrüstung möglich, aber nicht der Standard. d ist sachfremd.

Frage 7: Welcher Grenzwert für die Berührungsspannung gilt in landwirtschaftlichen Betriebsstätten und Tierhaltungen?

  • a) 100 V AC
  • b) 70 V AC
  • c) 50 V AC
  • d) 25 V AC

Richtig: d)

Erklärung: In Bereichen mit erhöhter Gefährdung — insbesondere Tierhaltung — gilt der reduzierte Grenzwert von 25 V AC, weil Tiere empfindlicher auf elektrische Ströme reagieren. 50 V AC ist der allgemeine Grenzwert für übliche Bereiche, die anderen Werte sind nicht normativ.

Frage 8: Worin unterscheiden sich Schutzerdung und Funktionserdung?

  • a) Sie meinen dasselbe und werden synonym verwendet.
  • b) Schutzerdung dient der Sicherheit im Fehlerfall, Funktionserdung dem definierten Bezugspotential für Elektronik und Messtechnik.
  • c) Schutzerdung nur in Industrie, Funktionserdung nur im Wohnbau.
  • d) Funktionserdung ist eine veraltete Bezeichnung für Banderder.

Richtig: b)

Erklärung: Beide Arten existieren parallel und haben unterschiedliche Aufgaben. Antwort a ist die häufige, aber falsche Vermischung. c teilt nach Branchen, nicht nach Funktion. d ist eine Wortverwechslung.

Frage 9: Warum darf im Schutzleiter weder eine Sicherung noch ein Schalter sitzen?

  • a) Weil eine Unterbrechung im Fehlerfall die Schutzfunktion unwirksam macht — das Gehäuse bliebe unter Netzspannung, ohne dass eine Schutzeinrichtung auslöst.
  • b) Weil Schalter und Sicherungen den Leiterquerschnitt zu stark verkleinern.
  • c) Weil Sicherungen im PE bei der kleinsten Stromschwankung dauernd auslösen würden.
  • d) Weil die Farbe grün-gelb auf Sicherungen schlecht zu erkennen ist.

Richtig: a)

Erklärung: Der Schutzleiter muss durchgehend und ohne Trennstellen aufgebaut sein, damit er im Fehlerfall den Strom ableiten kann. Eine Trennung — durch Sicherung oder Schalter — würde diese Funktion unterbrechen. Die anderen Antworten sind sachfremd oder verkennen die Funktion.

Frage 10: Was ist der häufigste in der Praxis gefundene Mangel bei der Schutzleiterprüfung von Neuanlagen?

  • a) Defekte Außenleiter durch Überlast.
  • b) Vergessene FI-Schutzschalter.
  • c) Komplett fehlende Erdungsanlage.
  • d) Eine einzelne lockere Klemmverbindung, die den Übergangswiderstand erhöht.

Richtig: d)

Erklärung: Die Niederohmmessung deckt vor allem mechanische Mängel an Klemmverbindungen auf — der häufigste Fehler ist eine nicht ausreichend festgezogene PE-Klemme. Die anderen Antworten beschreiben grobe, in der Praxis seltene Mängel oder gehören in andere Prüfschritte.

Glossar

Schutzleiter (PE)
Leiter, der berührbare leitfähige Teile eines Gerätes mit der Erdungsanlage verbindet. Führt im Normalbetrieb keinen Strom und leitet im Fehlerfall den Fehlerstrom ab. Farbe: grün-gelb.
PEN-Leiter
Kombinierter Schutz- und Neutralleiter im TN-C-System. Übernimmt gleichzeitig die Funktion von PE und N und ist nur für ausreichend große Querschnitte zugelassen.
Hauptpotentialausgleich (HPA)
Schutzpotentialausgleich, der alle berührbaren leitfähigen Teile eines Gebäudes zu einem einheitlichen Potential verbindet. In jedem Gebäude einmal verpflichtend.
Zusätzlicher Potentialausgleich (ZPA)
Lokaler Potentialausgleich in Bereichen mit erhöhter Gefährdung wie Bädern, Duschen, Schwimmbädern, Feuchträumen oder landwirtschaftlichen Stallungen. Verbindet alle Metallteile im jeweiligen Raum direkt miteinander.
Hauptpotentialausgleichsschiene (HES, PAS)
Zentrale Sammelschiene des Hauptpotentialausgleichs, an die PE, Erdungsanlage, metallische Versorgungsleitungen und weitere fremde leitfähige Teile angeschlossen werden.
Fundamenterder
In Österreich der Standard-Erder beim Neubau. Ein verzinktes Stahlband oder Rundstab, ringförmig im Streifenfundament oder in der Bodenplatte einbetoniert. Geregelt in ÖVE/ÖNORM E 8014.
Erdungswiderstand
Widerstand der elektrischen Verbindung zwischen Erdungsanlage und umgebendem Erdreich. Hängt vom Boden und der Erderbauform ab und sollte möglichst niedrig sein.
Berührungsspannung
Spannung, der eine Person ausgesetzt wäre, die im Fehlerfall ein fehlerhaftes Gehäuse berührt und gleichzeitig auf einem geerdeten Boden steht. Berechnet sich aus U_B = I_F × R_PE.
Funktionserdung
Erdung, die nicht der Sicherheit, sondern dem definierten Bezugspotential für Elektronik, Mess- und Datentechnik dient. Klar abzugrenzen von der Schutzerdung.

Scroll to Top