Drehzahlsteuerung beim Gleichstrommotor

Wer einen Gleichstrommotor in einer Maschine sieht, sieht meist mehr als nur einen Antrieb. Er sieht ein Stellglied, das auf Befehl schneller oder langsamer drehen soll — vom Sanftlauf einer Bandanlage bis zur Hochdrehzahl einer Schleifspindel. Wie dieses Stellen funktioniert, hängt an einer einzigen Gleichung. Diese Gleichung verstehen heißt: jedes Drehzahlstellverfahren am Gleichstrommotor verstehen.

Vorwissen

  • Gleichstrommotor – Aufbau und Funktion
  • Ohmsches Gesetz
  • Elektromagnetische Induktion

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die Drehzahlgleichung des Gleichstrommotors herleiten und ihre drei Stellgrößen benennen
  • Ankerspannungssteuerung und Feldschwächung sicher voneinander abgrenzen und ihren Einsatzbereich einordnen
  • den Konstantmoment- vom Konstantleistungsbereich unterscheiden und die Gefahr eines Feldausfalls beurteilen
  • typische Stellglieder (Stromrichter, Chopper, PWM) in der Praxis zuordnen
  • den Vier-Quadranten-Betrieb am n-M-Diagramm beschreiben

1. Die Drehzahlgleichung des Gleichstrommotors

Im stationären Betrieb stehen sich im Ankerkreis genau zwei Spannungen gegenüber: die von außen angelegte Ankerspannung und die im Anker induzierte Gegenspannung. Aus der Maschenregel folgt die Spannungsgleichung des Ankerkreises:

U = I_A · R_A + U_i

  • U … Ankerspannung in V
  • I_A … Ankerstrom in A
  • R_A … Ankerwiderstand in Ω
  • U_i … induzierte Gegenspannung in V

Die induzierte Gegenspannung entsteht, weil sich die Ankerwicklung in einem Magnetfeld dreht. Nach dem Induktionsgesetz ist sie proportional zum Erregerfluss und zur Drehzahl:

U_i = c · Φ · n

  • c … Maschinenkonstante (Bauart, Wicklung), V·s
  • Φ … Erregerfluss in Wb
  • n … Drehzahl in 1/s

Die Maschinenkonstante c fasst alles zusammen, was sich an einem fertigen Motor nicht mehr ändern lässt: Polpaarzahl, Windungszahl, Wicklungsschema. Sie ist eine reine Bauartgröße. Setzt man die zweite Gleichung in die erste ein und stellt nach n um, entsteht die zentrale Beziehung dieses Beitrags — die Drehzahlgleichung:

n = (U − I_A · R_A) / (c · Φ)

Aus dieser einen Gleichung ergeben sich drei Möglichkeiten, die Drehzahl zu beeinflussen:

  • die Ankerspannung U verändern
  • den Erregerfluss Φ verändern
  • den Widerstand im Ankerkreis R_A vergrößern (über einen Vorwiderstand)

Mehr gibt die Physik nicht her. Jedes praktische Stellverfahren — vom Vorwiderstand im Modellbau bis zum hochdynamischen Servoantrieb — greift an einer dieser drei Stellen an. Eine Anmerkung zu den Bauarten: Die Drehzahlgleichung gilt direkt für fremderregte und Nebenschlussmaschinen, bei denen Φ unabhängig vom Ankerstrom eingestellt werden kann. Beim Reihenschlussmotor wandert der Ankerstrom auch durch die Erregerwicklung, dort ist Φ stark lastabhängig und die Kennlinien werden weicher.

Gelöstes Beispiel

Ein fremderregter Gleichstrommotor läuft an 400 V Ankerspannung. Der Ankerstrom beträgt 22 A, der Ankerwiderstand 0,5 Ω, die Spannungskonstante c·Φ = 15,2 V·s. Wie hoch ist die Drehzahl?

Gegeben: U = 400 V, I_A = 22 A, R_A = 0,5 Ω, c · Φ = 15,2 V·s

Gesucht: n in 1/s und in 1/min

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — induzierte Gegenspannung: U_i = U − I_A · R_A = 400 − 22 · 0,5 = 389 V
  2. Schritt 2 — Drehzahl: n = U_i / (c · Φ) = 389 / 15,2 = 25,59 1/s
  3. Schritt 3 — Umrechnung in 1/min: n = 25,59 · 60 ≈ 1536 1/min

Ergebnis: n ≈ 25,6 1/s bzw. ca. 1536 1/min

Übungen

Ein Gleichstrommotor läuft an 220 V, Ankerstrom 10 A, R_A = 0,4 Ω, c·Φ = 8 V·s. Wie hoch ist die Drehzahl in 1/s und in 1/min?

U_i = 216 V; n = 27 1/s = 1620 1/min.

Ein fremderregter Motor zieht bei 230 V Leerlauf 1,5 A und dreht mit 1500 1/min (= 25 1/s). R_A = 0,8 Ω. Welche Spannungskonstante c·Φ hat die Maschine?

U_i = 230 − 1,5·0,8 = 228,8 V; c·Φ = 228,8/25 ≈ 9,15 V·s.

Bei gleicher Maschinenkonstante c·Φ = 9,15 V·s steigt der Ankerstrom auf 12 A. Welche Drehzahl stellt sich ein, wenn U und R_A unverändert bleiben (R_A = 0,8 Ω, U = 230 V)?

U_i = 230 − 12·0,8 = 220,4 V; n = 220,4/9,15 ≈ 24,1 1/s ≈ 1445 1/min.

Ein DC-Motor mit c·Φ = 1,1 V·s soll bei einem Ankerstrom von 30 A und R_A = 0,2 Ω genau 20 1/s laufen. Welche Ankerspannung muss angelegt werden?

U_i = c·Φ · n = 22 V; U = U_i + I_A · R_A = 22 + 6 = 28 V.

Welche Verlustleistung entsteht im Anker der vorigen Aufgabe?

P_Cu = I_A² · R_A = 900 · 0,2 = 180 W.

Welche Größe in der Drehzahlgleichung kann an einem fertigen Motor nicht mehr verändert werden, um die Drehzahl zu beeinflussen?

  • a) die Ankerspannung U
  • b) die Maschinenkonstante c
  • c) der Erregerfluss Φ
  • d) ein zusätzlicher Widerstand im Ankerkreis

Richtig: b)

c ist eine reine Bauartgröße (Wicklungsschema, Polpaarzahl). U lässt sich über das Stellglied ändern, Φ über den Erregerstrom, R lässt sich über einen Vorwiderstand erhöhen.

Ein fremderregter Gleichstrommotor läuft bei U = 200 V, I_A = 10 A, R_A = 0,5 Ω. Welche induzierte Gegenspannung stellt sich ein?

  • a) 210 V
  • b) 200 V
  • c) 205 V
  • d) 195 V

Richtig: d)

U_i = U − I_A · R_A = 200 − 5 = 195 V. Die induzierte Gegenspannung ist immer um den Spannungsabfall am Ankerwiderstand kleiner als die angelegte Spannung.

Was bewirkt eine Verdopplung des Erregerflusses Φ bei konstanter Ankerspannung und konstantem Strom?

  • a) die Drehzahl halbiert sich
  • b) die Drehzahl verdoppelt sich
  • c) die Drehzahl bleibt gleich
  • d) der Motor bleibt stehen

Richtig: a)

In n = (U − I_A·R_A) / (c·Φ) steht Φ im Nenner. Mehr Fluss heißt langsamer drehen. Diese Asymmetrie ist später der Schlüssel zum Feldschwächbereich.

2. Ankerspannungssteuerung — der Grunddrehzahlbereich

Hält man den Erregerfluss konstant und verändert nur die Ankerspannung, ergibt sich aus der Drehzahlgleichung ein einfacher Zusammenhang: die Drehzahl folgt der Ankerspannung nahezu linear. Bei jeder Spannung kann der Motor sein volles Nenndrehmoment liefern, denn das Drehmoment hängt nicht von U ab, sondern vom Ankerstrom:

M = c · Φ · I_A

Der Strom stellt sich automatisch so ein, dass die Lastsituation passt. Genau das macht die Ankerspannungssteuerung so attraktiv: über den gesamten Drehzahlbereich bis zur Nenndrehzahl bleibt das verfügbare Drehmoment konstant. Man spricht vom Konstantmomentbereich. Im n-M-Diagramm sieht das so aus: Bei jeder Ankerspannung gibt es eine eigene Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie, alle nahezu parallel und nur in der Höhe versetzt. Senkt man die Spannung, rutscht die ganze Kennlinie nach unten.

M n 0 U = U_N U = 0,75 U_N U = 0,5 U_N U = 0,25 U_N M_N Drehzahl-Drehmoment-Kennlinien bei Ankerspannungssteuerung

Weil das Stellglied bei der Ankerspannungssteuerung kein Energiefresser ist (anders als beim Vorwiderstand), arbeitet dieses Verfahren mit gutem Wirkungsgrad. Das ist der Grund, warum es heute bei jedem ernsthaften Gleichstromantrieb zum Einsatz kommt.

Gelöstes Beispiel

Ein fremderregter Motor hat im Nennbetrieb U_N = 400 V, n_N = 1500 1/min, c·Φ = 15,2 V·s, R_A = 0,5 Ω, I_A = 22 A. Welche Ankerspannung muss anliegen, damit der Motor bei gleichem Drehmoment mit 750 1/min läuft?

Gegeben: n_neu = 750 1/min = 12,5 1/s, I_A = 22 A (gleicher Lastmoment → gleicher Strom bei konstantem Φ), R_A = 0,5 Ω, c·Φ = 15,2 V·s

Gesucht: U

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — induzierte Gegenspannung bei der neuen Drehzahl: U_i = c · Φ · n = 15,2 · 12,5 = 190 V
  2. Schritt 2 — erforderliche Ankerspannung: U = U_i + I_A · R_A = 190 + 22 · 0,5 = 201 V

Ergebnis: U ≈ 201 V (rund die Hälfte der Nennspannung für die halbe Drehzahl)

Übungen

Welche Ankerspannung ergibt 500 1/min bei gleichen Motordaten und I_A = 22 A?

n = 8,33 1/s; U_i = 126,7 V; U = 137,7 V.

Ein Motor (c·Φ = 1,2 V·s, R_A = 0,3 Ω) soll bei I_A = 15 A genau 30 1/s drehen. Welche Ankerspannung muss eingestellt werden?

U_i = 36 V; U = 36 + 4,5 = 40,5 V.

Welche Drehzahl stellt sich beim Motor aus dem gelösten Beispiel ein, wenn die Last halbiert wird (I_A = 11 A) und die Ankerspannung auf 201 V steht?

U_i = 201 − 5,5 = 195,5 V; n = 195,5/15,2 = 12,86 1/s ≈ 772 1/min.

Bei welcher Ankerspannung steht der unbelastete Motor (I_A ≈ 0) mit 1500 1/min still? Trickfrage — wann ist n = 0?

Bei U = I_A · R_A. Ist I_A = 0, dann auch U = 0; bei Volllast (I_A = 22 A) wäre U = 11 V die Stillstandsspannung.

Wirkungsgrad-Abschätzung: Bei U = 400 V, I_A = 22 A, beträgt die zugeführte Ankerleistung wieviel? Wieviel davon ist Kupferverlust?

P_zu = 400 · 22 = 8800 W; P_Cu = 22² · 0,5 = 242 W; das sind ca. 2,75 % Verlust nur am Ankerwiderstand.

Welche Größe bestimmt das aktuelle Drehmoment eines fremderregten Gleichstrommotors mit konstantem Φ?

  • a) die Ankerspannung U
  • b) die Drehzahl n
  • c) der Ankerstrom I_A
  • d) der Ankerwiderstand R_A

Richtig: c)

M = c · Φ · I_A. Bei konstantem Φ hängt das Drehmoment nur vom Strom ab. Die Spannung bestimmt dagegen die Drehzahl.

Ein Gleichstromantrieb läuft im Konstantmomentbereich. Wie verhält sich die maximal abgebbare Leistung?

  • a) sie steigt linear mit der Drehzahl
  • b) sie bleibt konstant
  • c) sie sinkt mit steigender Drehzahl
  • d) sie ist proportional zu U²

Richtig: a)

Wenn M konstant bleibt und n steigt, dann steigt P = 2π · n · M linear. Die abgegebene Leistung ist proportional zur Drehzahl, solange der Motor im Konstantmomentbereich arbeitet.

Was passiert mit der n-M-Kennlinie, wenn die Ankerspannung halbiert wird?

  • a) sie wird steiler
  • b) sie verschiebt sich nach unten, im Wesentlichen parallel
  • c) sie wird flacher
  • d) sie kippt um den Nullpunkt

Richtig: b)

Eine niedrigere Ankerspannung senkt die Leerlaufdrehzahl, die Steigung der Kennlinie wird durch R_A bestimmt und bleibt nahezu gleich. Die Kennlinien sind also annähernd parallel verschoben.

3. Feldschwächung — der Konstantleistungsbereich

Ist die Ankerspannung am oberen Anschlag — also bei Nennspannung — und der Motor läuft mit Nenndrehzahl, kann man die Drehzahl trotzdem noch weiter erhöhen: indem man den Erregerfluss Φ absenkt. In der Drehzahlgleichung steht Φ im Nenner, also gilt:

n ~ 1 / Φ

Bei halbiertem Fluss verdoppelt sich die Drehzahl. Praktisch wird der Erregerstrom über ein eigenes Stellglied (den Feldsteller) heruntergeregelt. Der Preis dafür kommt aus der Drehmomentgleichung. Mit weniger Fluss sinkt auch das verfügbare Drehmoment, denn der Ankerstrom ist nach oben begrenzt:

M = c · Φ · I_A

Bei halbiertem Φ bleibt bei gleichem Strom nur das halbe Drehmoment. Im Produkt P = M · ω heben sich der Anstieg der Drehzahl und der Abfall des Drehmoments gegenseitig auf — die Leistung bleibt nahezu konstant. Das ist der Konstantleistungsbereich.

n M, P n_N M = const M ~ 1/n P ~ n P = const Grunddrehzahlbereich (Ankerspannungssteuerung) Feldschwächbereich (Feldschwächung) Drehmoment- und Leistungsverlauf über die Drehzahl

In der Praxis lässt sich die Drehzahl durch Feldschwächung typisch um den Faktor 2 bis 3 über die Nenndrehzahl steigern. Mehr ist meist nicht möglich, weil mehrere Grenzen zugleich greifen: mechanische Festigkeit der Wicklung und des Kommutators, einsetzende Kommutierungsprobleme (Bürstenfeuer) und die Gefahr einer Entmagnetisierung bei Lastsprüngen. Was passiert, wenn der Fluss komplett verschwindet? Bei Φ → 0 strebt die Drehzahl rein rechnerisch gegen unendlich. Das ist kein theoretisches Schreckensszenario, sondern der Fall, der eintritt, wenn die Erregerwicklung unterbrochen ist — etwa durch einen Kabelbruch oder einen defekten Feldsteller. Der unbelastete Motor läuft dann so lange immer schneller, bis er sich selbst zerstört: Wicklungen lösen sich vom Anker, der Kommutator zerlegt sich, Lager brechen. Genau deshalb gehört zu jedem Gleichstromantrieb mit Feldschwächung eine Feldausfallüberwachung: ein Relais oder eine Schutzfunktion im Stromrichter, die den Ankerkreis sofort spannungsfrei schaltet, sobald der Erregerstrom unter einen Mindestwert fällt. Ohne diese Schutzfunktion ist ein Gleichstromantrieb mit Feldsteller nicht sicher zu betreiben.

Gelöstes Beispiel

Ein Antrieb arbeitet bis 1500 1/min mit voller Erregung. Über diese Nenndrehzahl hinaus wird der Erregerfluss reduziert. Auf welchen Wert (in Prozent vom Nennfluss) muss Φ abgesenkt werden, um 3000 1/min zu erreichen, wenn die Ankerspannung am oberen Anschlag bleibt?

Gegeben: n_N = 1500 1/min, n_neu = 3000 1/min, U bleibt auf Nennspannung

Gesucht: Φ / Φ_N

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Verhältnis aus der Drehzahlgleichung (U ≈ const): n_neu / n_N = Φ_N / Φ_neu
  2. Schritt 2 — auflösen: Φ_neu / Φ_N = n_N / n_neu = 1500 / 3000 = 0,5

Ergebnis: Der Erregerfluss muss auf 50 % des Nennwerts gesenkt werden.

Übungen

Welcher Erregerfluss (in % von Φ_N) ergibt 2250 1/min bei einer Nenndrehzahl von 1500 1/min?

Φ/Φ_N = 1500/2250 = 0,667; also 66,7 % vom Nennfluss.

Bei Nennmoment 50 Nm und Nennerregung. Welches Drehmoment kann der Motor noch liefern, wenn Φ auf 60 % gesenkt wird und I_A unverändert bei Nennstrom bleibt?

M ~ Φ, also M_neu = 0,6 · 50 = 30 Nm.

Berechne die Leistung in den beiden Punkten 1500 1/min/50 Nm und (2500 1/min, 30 Nm).

P_1 = 2π · 25 · 50 = 7854 W ≈ 7,85 kW; P_2 = 2π · (2500/60) · 30 ≈ 7854 W ≈ 7,85 kW — beide Punkte liefern (näherungsweise) gleiche Leistung, das ist genau der Konstantleistungsbereich.

Welche Folge hat ein plötzlicher Feldverlust (Φ → 0) bei einem unbelasteten Motor an Nennspannung, ohne Schutzbeschaltung?

Die Drehzahl steigt unbegrenzt, der Motor geht mechanisch durch — Wicklungen oder Kommutator zerstören sich.

Eine Werkzeugmaschine fährt im Schwerlastbetrieb 800 1/min bei 60 Nm, danach im Schlichtbetrieb 2400 1/min. Bei welchem Drehmoment liegt sie im Schlichtbetrieb, wenn die Steuerung konstant die maximal mögliche Leistung ausnutzt?

P = 2π · (800/60) · 60 ≈ 5026 W. Im Schlichtbetrieb: M = P / (2π · n) = 5026 / (2π · 40) ≈ 20 Nm.

Im Feldschwächbereich bei konstantem Ankerstrom verhält sich das verfügbare Drehmoment wie folgt:

  • a) es steigt mit der Drehzahl
  • b) es bleibt konstant
  • c) es schwankt um den Nennwert
  • d) es sinkt umgekehrt proportional zum Verhältnis n / n_N

Richtig: d)

M = c·Φ·I_A. Bei konstantem I_A sinkt M with Φ, und Φ wurde um den Faktor n_N/n abgesenkt. Damit sinkt das Drehmoment im gleichen Verhältnis wie die Drehzahl steigt.

Welche Schutzeinrichtung ist bei einem Gleichstromantrieb mit Feldsteller zwingend erforderlich?

  • a) Phasenfolgeüberwachung
  • b) Feldausfallüberwachung
  • c) Frequenzüberwachung
  • d) Temperaturüberwachung des Bürstenstaubs

Richtig: b)

Fällt das Feld aus, steigt die Drehzahl ungebremst an, bis der Motor zerstört wird. Die Feldausfallüberwachung erkennt das und schaltet den Ankerkreis ab. Phasenfolge spielt beim DC-Antrieb keine Rolle, Frequenzüberwachung ebenfalls nicht.

Ein Antrieb soll von 1500 1/min auf 2500 1/min beschleunigt werden, ohne die Ankerspannung weiter zu erhöhen. Wie groß muss der Erregerfluss nun sein?

  • a) 100 % von Φ_N
  • b) 80 % von Φ_N
  • c) 60 % von Φ_N
  • d) 30 % von Φ_N

Richtig: c)

Φ_neu / Φ_N = n_N / n_neu = 1500 / 2500 = 0,6, also 60 % des Nennflusses. Die Feldschwächung folgt direkt aus dem Verhältnis der Drehzahlen.

4. Vorwiderstand im Ankerkreis — klassisch, heute selten

Die dritte Stellgröße der Drehzahlgleichung ist der Widerstand im Ankerkreis. Schaltet man einen zusätzlichen Vorwiderstand R_V vor den Anker, wird aus dem Ankerwiderstand effektiv (R_A + R_V). Damit steigt der Spannungsabfall im Ankerkreis und die induzierte Gegenspannung — und damit die Drehzahl — sinkt:

n = (U − I_A · (R_A + R_V)) / (c · Φ)

Das Verfahren funktioniert, hat aber zwei massive Nachteile. Erstens wird die Kennlinie weicher: Der Spannungsabfall am Vorwiderstand hängt vom Ankerstrom ab. Mit jeder Laständerung verschiebt sich die Drehzahl. Bei kleiner Last dreht der Motor fast wie ohne Vorwiderstand, bei großer Last bricht die Drehzahl deutlich ein. Zweitens — und das ist der eigentliche K.o.-Punkt — wird im Vorwiderstand pure Verlustleistung umgesetzt:

P_V = I_A² · R_V

Bei mittleren Antrieben sind das schnell mehrere Kilowatt, die als Wärme entsorgt werden müssen. Was anfangs als Steuerung gedacht war, ist energetisch eine Bremsung. Heute findet man Vorwiderstands-Drehzahlsteuerung praktisch nur noch dort, wo Kosten und Aufwand jede andere Lösung verbieten: in kleinen Modellanwendungen, manchen Bordausstattungen alter Fahrzeuge oder als Anlasswiderstand beim Anfahren großer alter Maschinen. Für ernsthafte regelbare Antriebe ist sie aus dem Rennen — abgelöst durch leistungselektronische Stellglieder mit Wirkungsgraden weit über 90 %.

Gelöstes Beispiel

Ein Gleichstrommotor (U = 220 V, R_A = 0,8 Ω, c·Φ = 8 V·s, I_A = 10 A) soll durch einen Vorwiderstand auf etwa 1200 1/min (= 20 1/s) gedrosselt werden. Wie groß muss R_V sein und wie viel Leistung verheizt der Widerstand?

Gegeben: U = 220 V, R_A = 0,8 Ω, c·Φ = 8 V·s, I_A = 10 A, n_soll = 20 1/s

Gesucht: R_V, P_V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — benötigte induzierte Gegenspannung: U_i = c · Φ · n = 8 · 20 = 160 V
  2. Schritt 2 — Spannungsabfall am Gesamtwiderstand: U − U_i = 220 − 160 = 60 V
  3. Schritt 3 — Gesamtwiderstand des Ankerkreises: R_ges = 60 / 10 = 6 Ω, R_V = R_ges − R_A = 6 − 0,8 = 5,2 Ω
  4. Schritt 4 — Verlustleistung im Widerstand: P_V = 10² · 5,2 = 520 W

Ergebnis: R_V ≈ 5,2 Ω, Verlust am Widerstand ≈ 520 W

Übungen

Wie groß ist die zugeführte Ankerleistung im selben Beispiel und wie viel Prozent davon verheizt der Vorwiderstand?

P_zu = 220 · 10 = 2200 W; 520/2200 ≈ 23,6 % gehen am Vorwiderstand verloren.

Welcher Vorwiderstand würde die Drehzahl auf 1500 1/min (Nenndrehzahl, 25 1/s) belassen — also nichts ändern? Was bedeutet das?

U_i = 200 V; U − U_i = 20 V; R_ges = 2 Ω; R_V = 1,2 Ω. Mit diesem Wert läuft der Motor genau wie mit nur seinem eigenen R_A bei einer entsprechend niedrigeren Versorgung — der Vorwiderstand bewirkt einen reinen Spannungsabfall.

Ein Vorwiderstand von 4 Ω wird in einen Motorkreis eingebaut (R_A = 0,5 Ω, U = 200 V, c·Φ = 10 V·s, I_A = 15 A). Welche Drehzahl stellt sich ein?

Gesamt-Spannungsabfall: 15 · 4,5 = 67,5 V; U_i = 132,5 V; n = 13,25 1/s ≈ 795 1/min.

Wie groß ist die Verlustleistung im Vorwiderstand der vorigen Aufgabe?

P_V = 225 · 4 = 900 W.

Welcher prinzipielle Nachteil außer der Verlustleistung lässt sich am Verhalten bei sich ändernder Last erkennen? Begründe kurz.

Bei steigender Last steigt I_A; damit steigt der Spannungsabfall am Vorwiderstand und U_i sinkt. Folge: Die Drehzahl bricht bei großer Last deutlich ein, die Kennlinie ist sehr lastabhängig.

Was geschieht mit der Drehzahl eines Gleichstrommotors bei plötzlich steigender Last, wenn ein Vorwiderstand im Ankerkreis liegt?

  • a) sie bricht stärker ein als ohne Vorwiderstand
  • b) sie steigt
  • c) sie bleibt nahezu konstant
  • d) sie wird unabhängig von der Last

Richtig: a)

Bei höherer Last steigt I_A. Damit fällt mehr Spannung am Vorwiderstand ab, U_i sinkt deutlich, die Drehzahl bricht ein. Ohne Vorwiderstand ist dieser Effekt durch den kleinen R_A viel schwächer.

Eine Drehzahlreduzierung um 25 % über einen Vorwiderstand bei voller Ankerspannung führt zu einer Wirkungsgrad-Verschlechterung von etwa:

  • a) 0 %
  • b) 5 %
  • c) 10 %
  • d) 25 %

Richtig: d)

Etwa 25 % der zugeführten Energie werden im Vorwiderstand in Wärme umgesetzt. Genau das ist der Grund, warum dieses Verfahren praktisch ausgestorben ist.

5. Praktische Umsetzung: Stromrichter und Gleichstromsteller

Die Theorie liefert die Stellgröße U_A — die Praxis muss sie erzeugen. Da Niederspannungsnetze in Österreich Drehstrom mit 400 V und 50 Hz liefern, braucht jeder Gleichstromantrieb ein Stellglied, das daraus eine einstellbare Gleichspannung formt. Zwei Bauarten beherrschen das Feld. Netzgeführter Stromrichter: Eine vollgesteuerte B6C-Brückenschaltung mit Thyristoren am Drehstromnetz. Über den Zündzeitpunkt der Thyristoren lässt sich der Mittelwert der Ausgangsspannung zwischen voll positiv (Motorbetrieb vorwärts) und voll negativ (Bremsen oder Rückspeisung) einstellen. Das ist die klassische Lösung für mittlere und große Gleichstromantriebe von 5 kW bis weit über 100 kW, etwa in Walzwerken, Kranen und älteren Werkzeugmaschinen. Gleichstromsteller (Chopper, Tiefsetzsteller): Ein elektronischer Schalter — heute typischerweise ein IGBT oder MOSFET — verbindet die Last in schneller Folge mit einer festen Quellspannung U_q und trennt sie wieder. Über das Tastverhältnis D (Verhältnis von Einschaltzeit zur Periode) ergibt sich der Mittelwert der Ausgangsspannung:

U_A = D · U_q

  • D … Tastverhältnis, 0 … 1
  • U_q … Quellspannung in V
  • U_A … mittlere Ankerspannung in V

Diese Technik heißt Pulsweitenmodulation (PWM). Sie ist heute die Standardlösung für kleinere und mittlere Gleichstromantriebe — vom 24-V-Stellantrieb bis zum Servoumrichter. Eine Drosselspule und die Induktivität der Ankerwicklung selbst glätten den pulsförmigen Strom, sodass der Motor effektiv eine geglättete Gleichspannung sieht.

t U 0 U_q U_A T (Periode) t_ein = D·T PWM-Spannung am Chopper, Tastverhältnis D ≈ 0,6

Wichtig: Soll auch die Feldschwächung umgesetzt werden, braucht es zwei getrennte Stellglieder — ein leistungsstarkes für den Ankerstromkreis und ein kleineres, eigenständiges für den Erregerstrom. Beide werden von einem gemeinsamen Regler überwacht, der das Zusammenspiel von Anker- und Feldsteuerung sauber koordiniert. Im folgenden Rechner schlägt der Term cPhi die Brücke zwischen Theorie und Praxis: Er entspricht der Spannungskonstante c·Φ aus der Drehzahlgleichung und ist hier zu einem einzigen Zahlenwert zusammengefasst, weil sich c und Φ am laufenden Motor ohnehin nicht trennen lassen.

Gelöstes Beispiel

Ein Chopper arbeitet an einer Batteriespannung von 48 V. Der angesteuerte Motor hat R_A = 0,2 Ω and c·Φ = 0,6 V·s. Im aktuellen Lastfall zieht der Anker 30 A. Welche Ankerspannung und welche Drehzahl ergeben sich bei einem Tastverhältnis von 0,75?

Gegeben: U_q = 48 V, D = 0,75, R_A = 0,2 Ω, c·Φ = 0,6 V·s, I_A = 30 A

Gesucht: U_A, n

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — mittlere Ankerspannung: U_A = D · U_q = 0,75 · 48 = 36 V
  2. Schritt 2 — induzierte Gegenspannung: U_i = U_A − I_A · R_A = 36 − 6 = 30 V
  3. Schritt 3 — Drehzahl: n = U_i / (c · Φ) = 30 / 0,6 = 50 1/s = 3000 1/min

Ergebnis: U_A = 36 V, n = 50 1/s ≈ 3000 1/min

Übungen

Welche mittlere Ankerspannung gibt der Chopper aus dem gelösten Beispiel bei D = 0,4 ab?

U_A = 0,4 · 48 = 19,2 V.

Wie ändert sich die Drehzahl im gelösten Beispiel, wenn das Lastdrehmoment den Ankerstrom auf 45 A ansteigen lässt (Tastverhältnis und Quellspannung unverändert)?

U_i = 36 − 45·0,2 = 27 V; n = 27/0,6 = 45 1/s = 2700 1/min — Drehzahl bricht um 10 % ein, das Stellglied muss D leicht erhöhen, wenn die Drehzahl konstant gehalten werden soll.

Welche durchschnittliche Schaltleistung gibt ein Chopper an einen 24-V-Motor ab, wenn das Tastverhältnis 0,8 beträgt und 12 A fließen?

U_A = 19,2 V; P = 19,2 · 12 = 230,4 W.

Welches Tastverhältnis ist nötig, damit ein Motor an U_q = 400 V eine mittlere Ankerspannung von 240 V sieht?

D = 240/400 = 0,6.

Warum ist die Glättungsdrossel an einem Chopper wichtig? Was wäre die Folge ihres Fehlens?

Sie glättet den pulsförmigen Strom auf einen näherungsweise konstanten Mittelwert. Ohne Glättung käme es zu großen Stromrippeln, mehr Verlusten, Drehmomentpulsationen, schlechterer Kommutierung und schnellerem Bürstenverschleiß.

Welche Bauart eines Stellglieds wird typisch für einen 24-V-Stellantrieb in einer batteriebetriebenen Anwendung verwendet?

  • a) Gleichstromsteller mit PWM
  • b) netzgeführter B6C-Stromrichter
  • c) Vorwiderstand im Ankerkreis
  • d) Stern-Dreieck-Anlasser

Richtig: a)

Batteriebetrieb heißt vorhandene Gleichspannung, also kein Bedarf an Gleichrichtung. Ein PWM-Chopper formt aus der festen Batteriespannung die einstellbare Ankerspannung mit hohem Wirkungsgrad. B6C arbeitet am Drehstromnetz, Vorwiderstand verheizt zu viel, Stern-Dreieck hat mit Gleichstrom nichts zu tun.

Wie groß ist die mittlere Ankerspannung am Ausgang eines Choppers bei U_q = 100 V und einem Tastverhältnis D = 0,35?

  • a) 65 V
  • b) 35 V
  • c) 100 V
  • d) 14 V

Richtig: b)

U_A = D · U_q = 0,35 · 100 = 35 V. Das Tastverhältnis ist das Verhältnis Einschaltzeit zur Periodendauer und skaliert die mittlere Ausgangsspannung direkt.

Welche Aufgabe hat die Drossel am Ausgang eines Choppers, der einen Gleichstrommotor speist?

  • a) sie glättet den Ankerstrom
  • b) sie erhöht die Schaltfrequenz
  • c) sie schützt vor zu hoher Ankerspannung
  • d) sie wandelt PWM in Sinusspannung

Richtig: a)

Die Drossel speichert während der Einschaltphase Energie und gibt sie während der Ausschaltphase wieder ab, sodass der Ankerstrom näherungsweise konstant bleibt. Die Schaltfrequenz wird vom Steuergerät bestimmt, eine Sinusumwandlung findet nicht statt.

6. Drehrichtungsumkehr und Vier-Quadranten-Betrieb

Im Vorzeichen der Drehzahlgleichung steckt nicht nur die Drehzahlhöhe, sondern auch die Drehrichtung. Sie hängt vom Zusammenspiel der Polaritäten von Ankerspannung und Erregerfluss ab. Wer eine der beiden umpolt, kehrt die Drehrichtung um — wer beide gleichzeitig umpolt, hat am Ende wieder die alte Drehrichtung. Praktisch gibt es deshalb zwei Wege, die Drehrichtung zu wechseln:

  • Ankerumpolung: schnell, weil die Ankerinduktivität klein ist und Stromrichter im Vier-Quadranten-Aufbau das ohne mechanisches Umschalten beherrschen.
  • Felderregerumpolung: langsam, weil die Erregerwicklung eine große Induktivität hat und der Erregerstrom langsam abklingt, durch Null läuft und in die andere Richtung wieder aufgebaut werden muss.

Wer schnelle Drehrichtungswechsel braucht — Servo, Vorschub, Hebezeug — wählt deshalb immer die Ankerumpolung. Mit dem Vorzeichen von Drehzahl und Drehmoment ergeben sich vier sinnvolle Kombinationen, die zusammen den Vier-Quadranten-Betrieb bilden:

M n Quadrant I Motorbetrieb Rechtslauf n > 0, M > 0 Quadrant II Generatorbetrieb Bremsen Rechtslauf n > 0, M < 0 Quadrant III Motorbetrieb Linkslauf n < 0, M < 0 Quadrant IV Generatorbetrieb Bremsen Linkslauf n < 0, M > 0 Vier-Quadranten-Betrieb beim Gleichstrommotor

In Quadrant I und III liefert der Motor Energie an die mechanische Last — klassischer Motorbetrieb in der jeweiligen Drehrichtung. In Quadrant II und IV kehrt sich der Energiefluss um: Die Last treibt den Motor an, dieser arbeitet als Generator und schiebt Energie zurück in den Stromrichter. Je nach Bauart der Leistungselektronik wird diese Energie entweder in einem Bremswiderstand verheizt oder ins Netz zurückgespeist. So funktioniert beim Hebezeug das Halten und Senken einer Last, beim Kran das gezielte Abbremsen, beim Werkzeugmaschinen-Vorschub die schnelle Umkehr. Wichtig: Nicht jeder Stromrichter beherrscht alle vier Quadranten. Eine Einquadranten-Schaltung kennt nur Motorbetrieb in einer Drehrichtung. Eine Vierquadranten-Schaltung kann Motor- und Generatorbetrieb in beide Drehrichtungen — und ist konstruktiv aufwendiger und teurer.

Was passiert, wenn an einem Gleichstrommotor sowohl die Ankerspannung als auch der Erregerfluss gleichzeitig umgepolt werden?

  • a) der Motor bleibt stehen
  • b) das Drehmoment verdoppelt sich
  • c) die Drehrichtung bleibt wie zuvor
  • d) der Motor wird zerstört

Richtig: c)

Das Drehmoment hängt vom Produkt aus Erregerfluss und Ankerstrom ab. Werden beide umgepolt, bleibt das Vorzeichen des Drehmoments gleich, und damit auch die Drehrichtung. Zum Umkehren muss genau eine der beiden Größen umgepolt werden.

Welche Bauart von Stromrichter ist nötig, damit eine Last sowohl in beide Drehrichtungen angetrieben als auch in beiden Drehrichtungen elektrisch gebremst werden kann?

  • a) Einquadranten-Stromrichter
  • b) Zweiquadranten-Stromrichter
  • c) Vier-Quadranten-Stromrichter
  • d) ein einfacher Vorwiderstand mit Umschalter

Richtig: c)

Nur ein Vier-Quadranten-Stromrichter beherrscht alle vier Kombinationen aus Drehrichtung und Drehmomentrichtung. Ein- und Zweiquadranten-Schaltungen lassen jeweils nur einen Teil der Quadranten zu, ein Vorwiderstand kann gar keinen Energierückfluss verarbeiten.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein fremderregter Gleichstrommotor läuft an 460 V Ankerspannung, R_A = 0,3 Ω, c·Φ = 1,8 V·s. Der Ankerstrom beträgt 40 A. Bestimme die Drehzahl in 1/s und in 1/min.

Gegeben: U = 460 V, R_A = 0,3 Ω, c·Φ = 1,8 V·s, I_A = 40 A

Gesucht: n

Lösungsweg:

  1. U_i = 460 − 40 · 0,3 = 448 V
  2. n = 448 / 1,8 ≈ 248,9 1/s
  3. n ≈ 248,9 · 60 ≈ 14 933 1/min

Ergebnis: ca. 249 1/s bzw. rund 14 900 1/min (kleiner Hochdrehzahlantrieb).

Aufgabe 2: Ein Antrieb läuft im Nennpunkt: U_N = 220 V, I_A,N = 12 A, R_A = 0,6 Ω, n_N = 1500 1/min. Welche Spannungskonstante c·Φ besitzt der Motor (in V·s)?

Gegeben: U_N, I_A,N, R_A, n_N

Gesucht: c·Φ

Lösungsweg:

  1. n_N = 1500/60 = 25 1/s
  2. U_i = 220 − 12 · 0,6 = 212,8 V
  3. c·Φ = U_i / n_N = 212,8 / 25 ≈ 8,51 V·s

Ergebnis: c·Φ ≈ 8,51 V·s.

Aufgabe 3: Derselbe Motor wird auf 800 1/min bei gleichem Drehmoment (also gleichem I_A) heruntergesteuert. Welche Ankerspannung ist erforderlich?

Lösungsweg:

  1. n_neu = 800/60 = 13,33 1/s
  2. U_i = 8,51 · 13,33 = 113,5 V
  3. U = 113,5 + 12 · 0,6 = 120,7 V

Ergebnis: ca. 121 V.

Aufgabe 4: Ein Chopper arbeitet an U_q = 600 V mit einem Tastverhältnis von 0,55. Welche mittlere Ankerspannung gibt er ab? Welche Drehzahl ergibt sich am Motor mit c·Φ = 4,8 V·s, R_A = 0,4 Ω und I_A = 25 A?

Lösungsweg:

  1. U_A = 0,55 · 600 = 330 V
  2. U_i = 330 − 25 · 0,4 = 320 V
  3. n = 320 / 4,8 ≈ 66,7 1/s ≈ 4000 1/min

Ergebnis: U_A = 330 V; n ≈ 66,7 1/s ≈ 4000 1/min.

Aufgabe 5: Ein Motor läuft mit Nennfluss bei 1200 1/min. Nun wird durch Feldschwächung der Erregerfluss auf 70 % des Nennwerts gesenkt. Welche Drehzahl ergibt sich bei gleichbleibender Ankerspannung und ungefähr gleicher Belastung?

Lösungsweg:

  1. n_neu / n_alt ≈ Φ_alt / Φ_neu = 1 / 0,7 ≈ 1,429
  2. n_neu ≈ 1200 · 1,429 ≈ 1714 1/min

Ergebnis: ca. 1714 1/min.

Aufgabe 6: Ein Vorwiderstand R_V = 3 Ω wird in einen Ankerstromkreis eingebaut, in dem 18 A fließen. Wie hoch ist die Verlustleistung im Vorwiderstand? Wie viel davon sind dauerhafte thermische Belastung — wenn der Antrieb 8 Stunden am Tag im selben Arbeitspunkt läuft, welche Energie wird pro Tag im Vorwiderstand vernichtet?

Lösungsweg:

  1. P_V = 18² · 3 = 972 W
  2. W = 972 · 8 = 7776 Wh ≈ 7,78 kWh pro Tag

Ergebnis: P_V ≈ 972 W, W ≈ 7,78 kWh pro Tag.

Aus welchen beiden Gleichungen folgt die Drehzahlgleichung des Gleichstrommotors?

  • a) Maschenregel im Ankerkreis und Induktionsgesetz
  • b) Knotenregel und ohmsches Gesetz
  • c) Faradayscher Satz und Lenzsche Regel
  • d) Drehmomentgleichung und Energieerhaltungssatz

Richtig: a)

U = I_A·R_A + U_i ist die Maschenregel im Ankerkreis. U_i = c·Φ·n ist die im Anker induzierte Gegenspannung nach dem Induktionsgesetz. Einsetzen und Umstellen liefert die Drehzahlgleichung.

Ein Gleichstromantrieb arbeitet im Konstantmomentbereich. Welche Aussage trifft auf das Stellverfahren zu?

  • a) der Erregerfluss wird geschwächt
  • b) die Ankerspannung wird variiert
  • c) ein Vorwiderstand wird zwischengeschaltet
  • d) das Tastverhältnis wird auf 1 festgelegt

Richtig: b)

Im Konstantmomentbereich (bis Nenndrehzahl) bleibt Φ konstant und nur die Ankerspannung wird gestellt. Feldschwächung folgt erst darüber, im Konstantleistungsbereich.

Worauf zielt eine Feldausfallüberwachung beim Gleichstromantrieb mit Feldsteller?

  • a) Schutz vor Überstrom im Anker
  • b) Begrenzung der Schaltfrequenz des Choppers
  • c) Abschaltung des Ankerkreises bei Wegfall des Erregerflusses
  • d) Vermeidung von Bürstenfeuer

Richtig: c)

Fällt das Feld aus (Φ → 0), läuft der Motor unkontrolliert hoch und zerstört sich. Die Feldausfallüberwachung erkennt den Wegfall des Erregerstroms und schaltet sofort den Ankerkreis spannungsfrei. Überstromschutz und Schaltfrequenz sind andere Funktionen.

Wie verhalten sich Drehmoment und Drehzahl im Feldschwächbereich näherungsweise zueinander?

  • a) beide steigen gemeinsam
  • b) M sinkt im gleichen Verhältnis, wie n steigt — die Leistung bleibt konstant
  • c) das Drehmoment ist drehzahlunabhängig
  • d) das Produkt aus n und M sinkt mit zunehmendem 1/Φ

Richtig: b)

Bei konstantem Ankerstrom sinkt M ~ Φ und n ~ 1/Φ. Im Produkt P = 2π·n·M heben sich beide Effekte gegenseitig auf — die Leistung bleibt im Feldschwächbereich näherungsweise konstant.

Ein Chopper gibt bei U_q = 200 V eine mittlere Spannung von 80 V aus. Welches Tastverhältnis ist eingestellt?

  • a) 0,2
  • b) 0,4
  • c) 0,6
  • d) 0,8

Richtig: b)

D = U_A / U_q = 80 / 200 = 0,4. Das Tastverhältnis ist das Verhältnis aus Einschaltzeit und Periodendauer und damit zugleich der Skalierungsfaktor der mittleren Ausgangsspannung.

Welcher der folgenden Vorgänge ändert die Drehrichtung eines fremderregten Gleichstrommotors?

  • a) Verdopplung der Ankerspannung
  • b) Vertauschen der Anschlüsse an Anker und Erregerwicklung gleichzeitig
  • c) Umpolen ausschließlich der Ankerspannung
  • d) Erhöhung des Vorwiderstands

Richtig: c)

Drehrichtung folgt aus dem Vorzeichen des Drehmoments. Wird nur die Ankerspannung umgepolt, ändert sich das Vorzeichen einmal — der Motor dreht in die andere Richtung. Vertauschen beider gleichzeitig ergibt zwei Vorzeichenwechsel — die Drehrichtung bleibt gleich.

Welche Aussage zum Vorwiderstand im Ankerkreis trifft zu?

  • a) die Verlustleistung im Vorwiderstand ist proportional zum Quadrat des Ankerstroms
  • b) der Wirkungsgrad steigt bei Einsatz eines Vorwiderstands
  • c) die n-M-Kennlinie wird flacher
  • d) der Vorwiderstand hat keinen Einfluss auf die Lastempfindlichkeit

Richtig: a)

P_V = I_A² · R_V — Verlustleistung steigt quadratisch mit dem Strom. Der Wirkungsgrad sinkt deutlich, die Kennlinie wird durch den höheren effektiven Widerstand steiler (lastempfindlicher). Mit anderen Worten: die Drehzahl bricht bei Last stärker ein.

Was bedeutet „Quadrant IV“ im Vier-Quadranten-Diagramm eines Gleichstromantriebs?

  • a) Motorbetrieb in Rechtslauf
  • b) Motorbetrieb in Linkslauf
  • c) Generatorbetrieb in Rechtslauf
  • d) Generatorbetrieb in Linkslauf

Richtig: d)

Quadrant IV bedeutet negative Drehzahl (Linkslauf) und positives Drehmoment (entgegen der Drehrichtung) — also bremsendes Drehmoment bei Linkslauf, d. h. generatorisches Bremsen während des Linkslaufs.

In einem Hubgerüst eines Gabelstaplers soll eine Last gehalten und langsam abgesenkt werden. In welchen Quadranten arbeitet der Antrieb beim kontrollierten Absenken?

  • a) Quadrant II oder IV — Generatorbetrieb
  • b) ausschließlich Quadrant I
  • c) ausschließlich Quadrant III
  • d) Quadrant I oder III, beides Motorbetrieb

Richtig: a)

Beim Absenken treibt die Last den Motor an. Das Drehmoment hat das umgekehrte Vorzeichen wie die Drehzahl. Damit liegt der Arbeitspunkt entweder im zweiten oder im vierten Quadranten — der Motor arbeitet als Generator und muss die freiwerdende Energie aufnehmen (Bremswiderstand oder Rückspeisung).

Welcher Zusammenhang gilt für eine konstante Spannungskonstante c·Φ zwischen U_i und n?

  • a) U_i ist konstant
  • b) U_i ~ 1/n
  • c) U_i ~ n
  • d) U_i ~ n²

Richtig: c)

U_i = c · Φ · n. Bei konstantem Fluss ist die induzierte Gegenspannung direkt proportional zur Drehzahl. Diese Linearität ist der Grund, warum sich die Drehzahl im Grunddrehzahlbereich so sauber über die Ankerspannung stellen lässt.

Welche Realisierung der Drehzahlsteuerung wird heute bevorzugt bei größeren Industrie-Gleichstromantrieben am Drehstromnetz eingesetzt?

  • a) Vorwiderstand im Ankerkreis
  • b) Anlasstrafo
  • c) Leonardsatz mit rotierender Umformermaschine
  • d) netzgeführter Stromrichter (z. B. B6C)

Richtig: d)

Die netzgeführte Thyristor-Stromrichterschaltung (B6C oder vergleichbar) hat den klassischen Leonardsatz weitgehend abgelöst. Sie ist statisch, wartungsarm und kann den Vier-Quadranten-Betrieb beherrschen. Vorwiderstände und Anlasstrafos sind energetisch unbrauchbar bzw. nur für den Anlauf gedacht.

Was bewirkt eine Erhöhung des Tastverhältnisses am Chopper bei sonst gleichen Bedingungen?

  • a) die mittlere Ankerspannung sinkt
  • b) die Drehzahl bleibt konstant
  • c) die Drehzahl sinkt
  • d) die mittlere Ankerspannung steigt — und damit die Drehzahl

Richtig: d)

U_A = D · U_q. Mehr Tastverhältnis bedeutet höhere mittlere Ankerspannung und damit nach n = (U_A − I_A·R_A) / (c·Φ) auch höhere Drehzahl. Das ist genau der Stellzugriff, mit dem ein Chopper die Drehzahl steuert.

Glossar

Ankerspannung (U_A)
die am Anker des Gleichstrommotors anliegende Klemmenspannung. Sie wird vom Stellglied (Stromrichter oder Chopper) bereitgestellt.
Induzierte Gegenspannung (U_i)
die im rotierenden Anker durch Induktion entstehende Spannung. Sie wirkt der angelegten Ankerspannung entgegen und ist proportional zu Drehzahl und Erregerfluss.
Maschinenkonstante (c)
eine bauartabhängige Konstante des Gleichstrommotors, die Polpaarzahl, Wicklungsschema und Windungszahl zusammenfasst. Sie ist an einem fertigen Motor nicht mehr veränderbar.
Drehzahlgleichung
die zentrale Beziehung n = (U − I_A·R_A) / (c·Φ). Sie zeigt die drei Stellgrößen Ankerspannung, Erregerfluss und Ankerwiderstand.
Konstantmomentbereich
der Drehzahlbereich bis zur Nenndrehzahl, in dem das Drehmoment unabhängig von der Drehzahl bleibt. Drehzahlstellung erfolgt hier über die Ankerspannung.
Konstantleistungsbereich
der Drehzahlbereich oberhalb der Nenndrehzahl, in dem das Drehmoment mit steigender Drehzahl sinkt und die Leistung näherungsweise konstant bleibt. Drehzahlstellung erfolgt hier über die Feldschwächung.
Feldschwächung
gezieltes Absenken des Erregerstroms und damit des Erregerflusses, um die Drehzahl über die Nenndrehzahl zu steigern.
Feldausfallüberwachung
Schutzeinrichtung, die den Wegfall des Erregerflusses erkennt und sofort den Ankerkreis abschaltet. Verhindert das mechanische Durchgehen des Motors.
Stromrichter
leistungselektronische Schaltung, die aus Netzwechselspannung eine einstellbare Gleichspannung formt. Üblich am Drehstromnetz: die vollgesteuerte B6C-Brückenschaltung mit Thyristoren.
Gleichstromsteller (Chopper)
ein elektronischer Schalter zwischen einer festen Gleichspannungsquelle und der Last. Durch schnelles Ein- und Ausschalten wird über das Tastverhältnis die mittlere Ankerspannung eingestellt.
Pulsweitenmodulation (PWM)
das Modulationsverfahren des Choppers. Das Verhältnis aus Einschalt- zu Gesamtzeit (Tastverhältnis D) bestimmt den Mittelwert der Ausgangsspannung.
Tastverhältnis (D)
das Verhältnis aus Einschaltzeit zur Periodendauer eines PWM-Signals, im Bereich 0 bis 1.
Vier-Quadranten-Betrieb
Betrieb eines Antriebs in allen vier Kombinationen aus Drehrichtung und Drehmomentrichtung. Erfordert ein entsprechend ausgelegtes Stellglied (Vier-Quadranten-Stromrichter), das auch den generatorischen Bremsbetrieb in beide Drehrichtungen unterstützt.

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