Bipolartransistor: Funktion und Grundschaltungen

Der Bipolartransistor – englisch Bipolar Junction Transistor, kurz BJT – ist das wichtigste aktive Bauelement der analogen Elektronik. Sein Wirkprinzip lässt sich in einem Satz fassen: Ein kleiner Strom am Steueranschluss steuert einen viel größeren Strom durch das Bauelement. Aus dieser einfachen Eigenschaft ergeben sich zwei Hauptanwendungen — als Verstärker und als elektronischer Schalter — und drei klassische Grundschaltungen, die je nach Aufgabe gewählt werden.

Vorwissen

  • Dotierung und pn-Übergang
  • Diode: Funktion und Kennlinie
  • Das Ohmsche Gesetz

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den inneren Aufbau und das Schaltsymbol eines NPN- und PNP-Transistors beschreiben
  • die drei Betriebsbereiche eines Transistors unterscheiden und in Kennlinien einordnen
  • mit der Stromverstärkung Basis-, Kollektor- und Emitterstrom berechnen
  • die Eigenschaften der drei Grundschaltungen anwendungsbezogen einordnen
  • den Basisvorwiderstand eines Schalttransistors unter Berücksichtigung des Übersteuerungsfaktors dimensionieren

1. Aufbau, Schichten und Schaltsymbol

Ein bipolarer Transistor besteht aus drei dotierten Halbleiterschichten, die abwechselnd aufeinanderfolgen. Je nach Schichtfolge spricht man von einem NPN-Transistor (n-p-n) oder einem PNP-Transistor (p-n-p).

Die mittlere Schicht ist sehr dünn und schwach dotiert — sie ist die Basis (B). Die beiden äußeren Schichten heißen Emitter (E) und Kollektor (C). Der Emitter ist deutlich stärker dotiert als der Kollektor — er liefert die Ladungsträger, die im Transistor „verarbeitet“ werden.

Im Schaltsymbol nach IEC 60617 erkennt man die Bauart am Pfeil am Emitter:

  • NPN: Der Pfeil zeigt vom Transistor weg.
  • PNP: Der Pfeil zeigt zum Transistor hin.

Eselsbrücke: NPN — Not Pointing iN. PNP — Pointing iN.

Die Pfeilrichtung am Emitter entspricht immer der technischen Stromrichtung im aktiven Betrieb.

Schichtaufbau und Schaltsymbol NPN-Transistor n Emitter p Basis n Kollektor E B C Schaltsymbol B C E PNP-Transistor p Emitter n Basis p Kollektor E C Schaltsymbol B C E

In der Praxis dominieren Silizium-Transistoren. Häufige Bauformen sind TO-92 (kleine Signale, drei Drähte aus einem Halbgehäuse), TO-220 (mittlere Leistungen, Metalllasche zur Kühlung) und SMD-Gehäuse wie SOT-23 für die industrielle Bestückung.

Welche Schicht eines Bipolartransistors ist besonders dünn und schwach dotiert?

  • a) Emitter
  • b) Kollektor
  • c) Basis
  • d) Substrat

Richtig: c)

Die Basis ist absichtlich dünn und schwach dotiert ausgeführt. Nur so kann der überwiegende Anteil der vom Emitter injizierten Ladungsträger durch die Basis hindurch zum Kollektor gelangen. Emitter und Kollektor sind beide stärker dotiert; das Substrat ist nur in integrierten Schaltungen ein Thema und keine der drei aktiven Schichten.

Wie zeigt der Pfeil am Emitter im Schaltsymbol eines NPN-Transistors?

  • a) Vom Transistor weg
  • b) Zum Transistor hin
  • c) Quer zur Basis
  • d) Es gibt keinen Pfeil

Richtig: a)

Beim NPN zeigt der Pfeil vom Transistor weg, beim PNP zum Transistor hin. Die Pfeilrichtung entspricht immer der technischen Stromrichtung im aktiven Betrieb. Der Pfeil ist Pflichtbestandteil des IEC-60617-Symbols.

Welche Aussage zum Aufbau eines bipolaren Transistors ist korrekt?

  • a) Emitter und Kollektor sind elektrisch und konstruktiv identisch und können getauscht werden
  • b) Der Kollektor ist stärker dotiert als der Emitter
  • c) Der Emitter ist stärker dotiert als der Kollektor
  • d) Alle drei Schichten haben dieselbe Dotierungskonzentration

Richtig: c)

Der Emitter ist stärker dotiert, weil er die Ladungsträger liefert. Der Kollektor ist schwächer dotiert und größer ausgeführt, um die im aktiven Bereich entstehende Verlustwärme aufzunehmen. Deshalb sind Emitter und Kollektor nicht austauschbar — ein verkehrt herum eingebauter Transistor verhält sich völlig anders als geplant.

2. Funktionsweise des Transistors

Im aktiven Betriebszustand wird die Basis-Emitter-Strecke in Durchlassrichtung gepolt. Diese Strecke verhält sich wie eine normale Diode. Die Basis-Kollektor-Strecke dagegen wird in Sperrrichtung betrieben. Auf den ersten Blick klingt das paradox: Wie soll Strom durch eine gesperrte Diode fließen?

Die Antwort liegt in der dünnen Basisschicht. Beim NPN-Transistor stammen die Ladungsträger aus dem stark dotierten n-Emitter — freie Elektronen. Die positive Basisspannung zieht diese Elektronen in die Basis hinein. Weil die Basis aber sehr dünn ist, rekombiniert nur ein kleiner Teil der Elektronen mit den Löchern der Basis. Dieser kleine Anteil ist der Basisstrom.

Der weitaus größere Teil der Elektronen schießt durch die dünne Basis hindurch in die Sperrzone der Basis-Kollektor-Strecke und wird dort vom elektrischen Feld zum Kollektor gezogen. Das ergibt den Kollektorstrom.

Daraus folgt die zentrale Knotenbeziehung am Transistor:

I_E = I_B + I_C

  • I_E … Emitterstrom in A
  • I_B … Basisstrom in A
  • I_C … Kollektorstrom in A

Weil der Basisstrom sehr klein ist — typisch im Mikroampere-Bereich, während der Kollektorstrom im Milliampere-Bereich liegt — gilt in vielen praktischen Rechnungen die Näherung I_E ≈ I_C.

Beim PNP-Transistor sind alle Spannungs- und Stromrichtungen umgekehrt. Die Ladungsträger sind Löcher statt Elektronen. Die Funktion is sonst identisch.

Wie ist die Basis-Emitter-Strecke eines NPN-Transistors im aktiven Bereich gepolt?

  • a) Sperrrichtung
  • b) Durchlassrichtung
  • c) Spannungslos
  • d) Wechselnd je nach Halbwelle

Richtig: b)

Im aktiven Betrieb ist die BE-Strecke wie eine normale Diode in Durchlassrichtung gepolt — Basis positiver als Emitter. Erst dadurch werden Elektronen aus dem Emitter in die Basis injiziert. Die BC-Strecke ist im aktiven Bereich gleichzeitig in Sperrrichtung gepolt.

Ein NPN-Transistor hat I_B = 50 µA und I_C = 8 mA. Wie groß ist der Emitterstrom?

  • a) 7,95 mA
  • b) 8,00 mA
  • c) 8,05 mA
  • d) 16,00 mA

Richtig: c)

Nach der Knotenregel gilt I_E = I_B + I_C = 0,05 mA + 8,00 mA = 8,05 mA. Wichtig: Der Basisstrom darf zwar oft vernachlässigt werden, aber bei exakten Rechnungen wird er aufaddiert. Antwort (a) wäre die Differenz, (d) die unsinnige Verdoppelung.

Warum kann durch die in Sperrrichtung gepolte Basis-Kollektor-Strecke trotzdem ein nennenswerter Strom fließen?

  • a) Weil die Sperrschicht bei hoher Spannung durchbricht
  • b) Weil die Sperrrichtung in Wahrheit ein Kurzschluss ist
  • c) Weil sich Elektronen und Löcher in der Basis vermehren
  • d) Weil die Basis so dünn ist, dass die vom Emitter injizierten Ladungsträger sie passieren und vom Kollektorfeld eingesammelt werden

Richtig: d)

Die dünne, schwach dotierte Basis ist genau dafür konstruiert: Sie soll die Ladungsträger aus dem Emitter passieren lassen. Im Kollektor-Sperrgebiet wirkt dann das elektrische Feld so, dass diese Ladungsträger zum Kollektor hin beschleunigt werden. Antwort (a) beschreibt den unerwünschten Lawinendurchbruch — kein Normalbetrieb.

3. Betriebsbereiche und Kennlinien

Je nach Beschaltung arbeitet der Transistor in einem von drei Bereichen:

  • Sperrbereich: Beide pn-Übergänge sind gesperrt. Es fließt nur ein vernachlässigbarer Reststrom. Der Transistor ist „aus“.
  • Aktiver Bereich: BE-Strecke leitet, BC-Strecke sperrt. Der Kollektorstrom hängt fast linear vom Basisstrom ab. Das ist der Arbeitsbereich für Verstärker.
  • Sättigungsbereich: Beide Übergänge leiten. Die Kollektor-Emitter-Spannung U_CE ist sehr klein (typisch 0,1 – 0,3 V). Der Transistor ist voll durchgeschaltet — der typische Zustand im Schaltbetrieb.

Beschrieben werden diese Bereiche durch zwei Kennlinien.

Die Eingangskennlinie zeigt den Basisstrom I_B abhängig von der Basis-Emitter-Spannung U_BE. Sie verläuft wie eine ganz normale Diodenkennlinie: Erst ab etwa 0,6 – 0,7 V (bei Silizium) beginnt nennenswert Strom zu fließen, danach steigt I_B exponentiell. Für überschlägige Rechnungen wird in der Praxis mit U_BE ≈ 0,7 V gerechnet.

Das Ausgangskennlinienfeld zeigt den Kollektorstrom I_C abhängig von U_CE, jeweils für einen festen Basisstrom als Parameter. Für jeden Basisstrom-Wert ergibt sich eine eigene Kurve. Im aktiven Bereich verlaufen diese Kurven fast horizontal — der Kollektorstrom ist also nahezu unabhängig von U_CE. Links im Diagramm (kleines U_CE) krümmen sich alle Kurven steil nach unten in die Sättigung.

Ausgangskennlinienfeld U_CE / V I_C / mA 2 4 6 8 10 12 2 4 6 8 Sätt. I_B = 20 µA I_B = 40 µA I_B = 60 µA I_B = 80 µA aktiver Bereich (Sperrbereich: I_B = 0)

Im Kennlinienfeld lassen sich die drei Betriebsbereiche direkt ablesen: Ganz links liegt der Sättigungsbereich (steiler Anstieg bei kleinem U_CE), rechts davon der aktive Bereich (nahezu horizontale Kennlinien), und ganz unten die x-Achse — dort, wo I_C praktisch null ist, herrscht der Sperrbereich.

In welchem Betriebsbereich arbeitet ein Transistor, wenn die Basis-Emitter-Strecke leitet und gleichzeitig die Basis-Kollektor-Strecke sperrt?

  • a) Aktiver Bereich
  • b) Sperrbereich
  • c) Sättigungsbereich
  • d) Durchbruchbereich

Richtig: a)

Die Kombination „BE leitet, BC sperrt“ definiert genau den aktiven Bereich. Dort gilt die lineare Beziehung I_C = B · I_B. Im Sperrbereich sperren beide Übergänge, in der Sättigung leiten beide.

Welche Faustwert wird in der Praxis für die Basis-Emitter-Spannung U_BE eines Silizium-Transistors im aktiven Bereich angenommen?

  • a) 0,3 V
  • b) 0,5 V
  • c) 0,7 V
  • d) 1,4 V

Richtig: c)

Wie bei der Silizium-Diode gilt auch hier: U_BE ≈ 0,7 V. 0,3 V wäre typisch für Germanium, 1,4 V eher für die Reihenschaltung zweier Übergänge (z. B. Darlington), 0,5 V ist nur der Beginn der Knickkurve.

Ein Transistor arbeitet in der Sättigung. Was gilt für U_CE näherungsweise?

  • a) U_CE liegt zwischen 0,1 V und 0,3 V
  • b) U_CE entspricht der Versorgungsspannung
  • c) U_CE ist negativ
  • d) U_CE liegt bei etwa 0,7 V

Richtig: a)

In der Sättigung ist der Transistor voll durchgeschaltet — über CE fällt nur noch eine kleine Restspannung (U_CE,sat) ab. Diese Restspannung ist auch der Grund für die Verlustleistung im Schalter. Antwort (d) verwechselt U_CE mit U_BE.

4. Stromverstärkung

Der entscheidende Kennwert eines Transistors ist die Gleichstrom-Stromverstärkung B — international auch als h_FE oder β bezeichnet. Sie gibt an, um wieviel größer der Kollektorstrom gegenüber dem Basisstrom ist:

B = I_C / I_B

  • B … Gleichstrom-Stromverstärkung, dimensionslos
  • I_C … Kollektorstrom in A
  • I_B … Basisstrom in A

Umgestellt nach dem Kollektorstrom:

I_C = B · I_B

Typische Werte für B liegen zwischen 50 und 800, abhängig vom Transistortyp. Achtung: Die Stromverstärkung streut zwischen einzelnen Exemplaren desselben Typs zum Teil erheblich — Faktor 2 bis 3 ist normal. Im Datenblatt findet man deshalb meist drei Werte: Minimum, typisch, Maximum. Eine zuverlässige Schaltung muss auch mit dem kleinsten zu erwartenden B noch funktionieren.

Außerdem hängt B von Temperatur und Arbeitspunkt ab. Mit steigender Temperatur und steigendem Kollektorstrom wächst B leicht — bei sehr großen Strömen geht es wieder zurück.

Gelöstes Beispiel

Ein Transistor mit B = 150 wird mit einem Basisstrom von 40 µA betrieben. Wie groß sind Kollektor- und Emitterstrom?

Gegeben: B = 150; I_B = 40 µA = 0,04 mA

Gesucht: I_C in mA, I_E in mA

Lösungweg:

  1. Kollektorstrom: I_C = B · I_B = 150 · 0,04 mA = 6 mA
  2. Emitterstrom (Knotenregel): I_E = I_B + I_C = 0,04 mA + 6 mA = 6,04 mA

Ergebnis: I_C = 6 mA, I_E = 6,04 mA

Übungen

Ein Transistor hat B = 100 und I_B = 20 µA. Berechne I_C.

I_C = 100 · 0,02 mA = 2 mA

Bei einem Transistor mit I_C = 50 mA und I_B = 0,5 mA — wie groß ist B?

B = 50 / 0,5 = 100

Wie groß muss I_B sein, damit bei B = 200 ein Kollektorstrom von 80 mA fließt?

I_B = I_C / B = 80 / 200 = 0,4 mA = 400 µA

Ein Transistor mit B = 250 hat einen Emitterstrom von 12,548 mA. Bestimme I_B und I_C.

Aus I_E = I_B · (1 + B) folgt I_B = 12,548 / 251 = 0,05 mA = 50 µA; I_C = 12,548 − 0,05 = 12,498 mA

Ein Transistortyp hat laut Datenblatt B_min = 100 und B_max = 300. Bei welchem Verhältnis von Kollektorstrom kleinstem zu größtem Exemplar erhält man bei festem I_B = 30 µA?

I_C,min = 100 · 0,03 = 3 mA; I_C,max = 300 · 0,03 = 9 mA. Verhältnis 1:3 — eine ungegengekoppelte Schaltung würde damit Kollektorströme zwischen 3 mA und 9 mA aufweisen.

Wie ist die Stromverstärkung B definiert?

  • a) I_E / I_B
  • b) I_B / I_C
  • c) I_C / I_B
  • d) I_C / I_E

Richtig: c)

B = I_C / I_B is die Definition der Gleichstrom-Stromverstärkung. I_C / I_E ergibt den Stromverstärkungsfaktor α der Basisschaltung, der knapp unter 1 liegt. Antwort (b) wäre der Kehrwert von B.

Welcher praktische Wert ist für die Stromverstärkung B eines Standard-Kleinsignaltransistors realistisch?

  • a) 0,5
  • b) 5
  • c) 200
  • d) 50 000

Richtig: c)

Typische Werte für B liegen im Bereich 50 bis 800; 200 ist ein guter Mittelwert. Werte unter 1 hat nur die Basisschaltung (α). 50 000 erreicht erst eine Darlington-Schaltung aus zwei kaskadierten Transistoren.

Warum muss eine Verstärkerstufe so dimensioniert sein, dass sie auch mit dem kleinsten zu erwartenden B noch funktioniert?

  • a) Weil B mit der Zeit immer kleiner wird
  • b) Weil B im Datenblatt grundsätzlich falsch angegeben ist
  • c) Weil B immer 100 beträgt
  • d) Weil B zwischen Exemplaren desselben Typs stark streut und sich mit Temperatur und Strom ändert

Richtig: d)

B ist exemplarabhängig, temperaturabhängig und arbeitspunktabhängig. Wer die Schaltung am typischen B-Wert auslegt, riskiert, dass sie mit dem nächsten Exemplar nicht mehr im gewünschten Arbeitsbereich liegt. Deshalb wird mit dem ungünstigsten Wert gerechnet.

5. Die drei Grundschaltungen

Welcher der drei Anschlüsse — Emitter, Basis oder Kollektor — gemeinsam mit Eingang und Ausgang verschaltet ist, bestimmt die Grundschaltung. Daraus ergeben sich drei Varianten mit jeweils ganz unterschiedlichen Eigenschaften.

Emitterschaltung (E-Schaltung)

  • Eingang: Basis | Ausgang: Kollektor | gemeinsam: Emitter
  • Stromverstärkung und Spannungsverstärkung, beide deutlich größer 1
  • Phasendrehung 180° zwischen Eingangs- und Ausgangssignal
  • Standardschaltung zur Verstärkung kleiner Signale, z. B. NF-Vorstufe

Kollektorschaltung (Emitterfolger)

  • Eingang: Basis | Ausgang: Emitter | gemeinsam: Kollektor
  • Spannungsverstärkung V_u ≈ 1, dafür hohe Stromverstärkung
  • Sehr hohe Eingangsimpedanz, sehr niedrige Ausgangsimpedanz
  • Wird als Impedanzwandler oder Treiberstufe eingesetzt, etwa zwischen hochohmiger Signalquelle und niederohmiger Last

Basisschaltung

  • Eingang: Emitter | Ausgang: Kollektor | gemeinsam: Basis
  • Hohe Spannungsverstärkung, aber Stromverstärkung etwa 1
  • Niedrige Eingangsimpedanz, hohe Ausgangsimpedanz
  • Sehr gute Hochfrequenzeigenschaften — typische Wahl in HF-Verstärkern
Die drei Grundschaltungen (NPN, vereinfacht) Emitterschaltung +U_V R_C U_ein U_aus V_u hoch, V_i hoch Phase 180° gedreht Kollektorschaltung +U_V R_E U_ein U_aus V_u ≈ 1, V_i hoch Impedanzwandler Basisschaltung +U_V R_C U_ein U_aus V_u hoch, V_i ≈ 1 HF-Verstärker

Im Überblick:

Eigenschaft Emitterschaltung Kollektorschaltung Basisschaltung
Spannungsverstärkung V_u hoch ≈ 1 hoch
Stromverstärkung V_i hoch hoch ≈ 1
Eingangsimpedanz mittel hoch niedrig
Ausgangsimpedanz mittel/hoch niedrig hoch
Phasenlage 180° gedreht gleichphasig gleichphasig
Typischer Einsatz Signalverstärkung Impedanzwandlung Hochfrequenz

Welche Grundschaltung dreht das Ausgangssignal gegenüber dem Eingangssignal um 180°?

  • a) Basisschaltung
  • b) Emitterschaltung
  • c) Kollektorschaltung
  • d) Keine, alle Grundschaltungen sind gleichphasig

Richtig: b)

Steigt bei der Emitterschaltung die Basisspannung, dann steigt der Kollektorstrom und damit der Spannungsabfall am Kollektorwiderstand — folglich sinkt U_CE und damit die Ausgangsspannung. Eingang steigt, Ausgang fällt: 180°-Phasendrehung. Basis- und Kollektorschaltung sind dagegen gleichphasig.

Welche Grundschaltung eignet sich am besten als Impedanzwandler zwischen hochohmiger Quelle und niederohmiger Last?

  • a) Emitterschaltung
  • b) Basisschaltung
  • c) Alle drei gleich gut
  • d) Kollektorschaltung

Richtig: d)

Die Kollektorschaltung — auch Emitterfolger genannt — hat sehr hohe Eingangs- und sehr niedrige Ausgangsimpedanz. Genau das ist die Definition eines Impedanzwandlers. Die Spannungsverstärkung liegt nahe 1; verstärkt wird der Strom.

Für eine Hochfrequenz-Verstärkerstufe mit möglichst geringer Eingangskapazität wird typischerweise welche Grundschaltung gewählt?

  • a) Basisschaltung
  • b) Emitterschaltung
  • c) Kollektorschaltung
  • d) Alle haben dieselben HF-Eigenschaften

Richtig: a)

Die Basisschaltung hat keinen Miller-Effekt — die Eingangsseite (Emitter) sieht den Kollektor nicht durch die spannungsverstärkende BC-Strecke verzerrt. Deshalb ist sie bei sehr hohen Frequenzen klar im Vorteil gegenüber der Emitterschaltung. Die Kollektorschaltung verstärkt keine Spannung.

6. Arbeitspunkt und Basisansteuerung

Damit der Transistor als Verstärker arbeiten kann, muss er stabil im aktiven Bereich gehalten werden — bei einem festgelegten Ruhezustand ohne Eingangssignal. Diesen Ruhepunkt nennt man Arbeitspunkt (AP). Er ist durch das Wertepaar (U_CE, I_C) festgelegt und liegt im Ausgangskennlinienfeld auf der Arbeitsgeraden — der Widerstandsgeraden des Kollektorkreises.

Damit der Transistor in Ruhe den passenden Basisstrom bekommt, braucht es eine Basisvorspannung. Die einfachste Lösung wäre ein einzelner Vorwiderstand von der Versorgung zur Basis — sie ist aber instabil gegenüber Temperatur und Bauteilstreuung. In der Praxis wird die Emitterschaltung deshalb mit einem Basisspannungsteiler (R1, R2) und einem Emitterwiderstand R_E ausgeführt.

Der Emitterwiderstand wirkt als Gegenkopplung: Steigt I_C zum Beispiel durch Erwärmung, so steigt der Spannungsabfall an R_E mit. Damit sinkt die effektive U_BE — und der Anstieg von I_C wird automatisch begrenzt. Der Arbeitspunkt bleibt weitgehend stabil, auch wenn B streut oder die Temperatur ansteigt.

Die Basisspannung am Verbindungspunkt der beiden Teilerwiderstände beträgt (vereinfacht, ohne Belastung durch den Basisstrom):

U_B = U_V · R2 / (R1 + R2)

  • U_B … Basisspannung in V
  • U_V … Versorgungsspannung in V
  • R1, R2 … Widerstände des Spannungsteilers in Ohm

Über den Emitterwiderstand fällt die Differenz aus U_B und U_BE ab. Daraus ergibt sich näherungsweise direkt der Kollektorstrom:

U_RE = U_B – U_BE

I_C ≈ I_E = U_RE / R_E

  • U_RE … Spannung am Emitterwiderstand in V
  • U_BE … Basis-Emitter-Spannung ≈ 0,7 V
  • R_E … Emitterwiderstand in Ohm
  • I_C … Kollektorstrom in A
Emitterschaltung mit Basisspannungsteiler +U_V R1 R_C R2 C B E R_E C_in U_ein C_out U_aus U_B U_RE

Gelöstes Beispiel

Eine Emitterschaltung wird mit U_V = 12 V, R1 = 47 kΩ, R2 = 10 kΩ, R_E = 470 Ω und U_BE = 0,7 V betrieben. Welcher Kollektorstrom stellt sich ein?

Gegeben: U_V = 12 V; R1 = 47 kΩ; R2 = 10 kΩ; U_BE = 0,7 V; R_E = 470 Ω

Gesucht: I_C in mA

Lösungweg:

  1. Basisspannung aus Spannungsteiler: U_B = U_V · R2 / (R1 + R2) = 12 V · 10 / (47 + 10) = 12 V · 10 / 57 ≈ 2,105 V
  2. Spannung am Emitterwiderstand: U_RE = U_B − U_BE = 2,105 V − 0,7 V = 1,405 V
  3. Kollektorstrom (mit I_C ≈ I_E): I_C ≈ U_RE / R_E = 1,405 V / 470 Ω ≈ 2,99 mA

Ergebnis: I_C ≈ 3 mA

Übungen

Berechne die Basisspannung U_B bei U_V = 9 V, R1 = 22 kΩ und R2 = 4,7 kΩ.

U_B = 9 V · 4,7 / 26,7 ≈ 1,58 V

Bei der Schaltung aus Aufgabe 1 ist R_E = 220 Ω und U_BE = 0,7 V. Welcher Kollektorstrom ergibt sich?

U_RE = 1,58 V − 0,7 V = 0,88 V; I_C ≈ 0,88 V / 220 Ω ≈ 4 mA

Eine Stufe hat U_V = 15 V und arbeitet nach der Drittel-Regel. Wie groß ist U_CE im Arbeitspunkt?

U_CE ≈ U_V / 3 = 5 V

Welcher Widerstand R_C ist nötig, damit bei U_V = 12 V und I_C = 5 mA über R_C 4 V abfallen?

R_C = 4 V / 5 mA = 800 Ω

Eine Stufe ist mit U_V = 24 V, R1 = 100 kΩ, R2 = 20 kΩ, R_E = 1 kΩ dimensioniert. Bestimme den Kollektorstrom (U_BE = 0,7 V).

U_B = 24 V · 20 / 120 = 4 V; U_RE = 3,3 V; I_C ≈ 3,3 mA

Warum am Arbeitspunkteinstellung über einen Basisspannungsteiler mit Emitterwiderstand stabiler als über einen einzelnen Basisvorwiderstand?

  • a) Der Spannungsteiler liefert eine niedrigere Spannung
  • b) Der Emitterwiderstand erhöht die Verstärkung
  • c) Weil der Spannungsteiler weniger Bauteile benötigt
  • d) Der Emitterwiderstand wirkt als Gegenkopplung und kompensiert Änderungen von B und Temperatur

Richtig: d)

Mit R_E bildet die Schaltung eine Strom-Spannungs-Gegenkopplung: Steigt I_C, steigt U_RE, und damit sinkt das effektive U_BE — der Stromanstieg wird begrenzt. Ohne R_E würde jede B-Streuung den AP voll mitschleppen. Antwort (b) ist falsch: R_E reduziert die Spannungsverstärkung; eingebremst wird er durch einen parallelgeschalteten Emitterkondensator nur für das Signal.

Auf welcher Linie im Ausgangskennlinienfeld liegt der Arbeitspunkt?

  • a) Auf der x-Achse
  • b) Auf der y-Achse
  • c) Auf der Arbeitsgeraden
  • d) Auf einer beliebigen Kennlinie

Richtig: c)

Die Arbeitsgerade ergibt sich aus dem Lastkreis (U_V, R_C, R_E) und gibt für jede Kennlinie U_CE = f(I_C) den möglichen Arbeitspunkt vor. Genauer: Der AP ist der Schnittpunkt von Arbeitsgerade und der Kennlinie, die zum eingestellten Basisstrom gehört.

Welcher Querstrom durch den Basisspannungsteiler sollte gewählt werden, damit die Berechnung der Basisspannung näherungsweise gilt?

  • a) Etwa gleich groß wie the Basisstrom
  • b) Mindestens fünf- bis zehnmal so groß wie der Basisstrom
  • c) Möglichst gleich groß wie der Kollektorstrom
  • d) So klein wie möglich, um Energie zu sparen

Richtig: b)

Ist der Querstrom nur in der Größenordnung des Basisstroms, belastet der Transistor den Teiler merklich — die Spannungsteilerformel stimmt dann nicht mehr. Die Faustregel „mindestens fünf- bis zehnfach“ stellt sicher, dass der Teiler weitgehend unbelastet bleibt. Sehr großer Querstrom (Größenordnung I_C) ist unnötig und vergeudet Energie.

7. Transistor als Schalter

Beim Einsatz als elektronischer Schalter werden gezielt zwei der drei Betriebsbereiche genutzt: Sperrbereich als „offen“ und Sättigungsbereich als „geschlossen“. Im Sättigungsbereich ist U_CE minimal — typisch 0,1 bis 0,3 V — und die Verlustleistung im Transistor entsprechend gering.

Damit der Transistor wirklich sicher in die Sättigung gefahren wird, reicht der theoretisch nötige Basisstrom (I_C/B) nicht aus. Bauteilstreuung und Temperaturabhängigkeit von B könnten zu unsicheren Schaltzuständen führen — der Transistor bliebe im aktiven Bereich und würde unnötig viel Verlustleistung in Wärme umsetzen. In der Praxis wird der Basisstrom deshalb deutlich höher gewählt als rechnerisch notwendig. Das Verhältnis von tatsächlichem zu mindestens notwendigem Basisstrom heißt Übersteuerungsfaktor, Formelzeichen Ü:

I_B = Ü · I_C / B

  • Ü … Übersteuerungsfaktor, dimensionslos
  • I_C … Kollektorstrom (Laststrom) in A
  • B … Stromverstärkung im Datenblatt (min.)
  • I_B … Basisstrom in A

Übliche Werte sind Ü = 2 bis 5, häufig wird mit Ü = 3 gerechnet. Höhere Werte erhöhen die Schaltsicherheit und verkürzen die Schaltzeit, kosten aber etwas mehr Steuerstrom.

Aus dem Basisstrom und der Steuerspannung am Eingang folgt der Basisvorwiderstand R_B:

R_B = (U_steuer – U_BE) / I_B

  • R_B … Basisvorwiderstand in Ohm
  • U_steuer … Steuerspannung am Eingang in V
  • U_BE … Basis-Emitter-Spannung ≈ 0,7 V
  • I_B … Basisstrom in A
Transistor schaltet induktive Last +U_V Last (Spule) Freilaufdiode R_B U_steuer

Gelöstes Beispiel

Ein Mikrocontroller-Ausgang mit 5 V soll über einen NPN-Transistor (B_min = 100) ein Relais mit Spulenstrom 80 mA schalten. Gewählt wird Ü = 3. Wie groß ist der Basisvorwiderstand?

Gegeben: U_steuer = 5 V; U_BE = 0,7 V; I_C = 80 mA; B = 100; Ü = 3

Gesucht: R_B in Ohm

Lösungweg:

  1. Basisstrom mit Übersteuerung: I_B = Ü · I_C / B = 3 · 80 mA / 100 = 2,4 mA
  2. Spannung am Basisvorwiderstand: U_RB = U_steuer − U_BE = 5 V − 0,7 V = 4,3 V
  3. Basisvorwiderstand: R_B = U_RB / I_B = 4,3 V / 2,4 mA ≈ 1 792 Ω

Praxiswahl: nächst kleinerer Normwert, z. B. 1,5 kΩ (sichert die Übersteuerung).

Ergebnis: R_B ≈ 1,5 – 1,8 kΩ

Übungen

Welcher Basisstrom ist nötig, um bei B = 200, I_C = 50 mA und Ü = 4 sicher in die Sättigung zu kommen?

I_B = 4 · 50 mA / 200 = 1 mA

Steuerspannung 3,3 V, U_BE = 0,7 V, gewünschter I_B = 1,5 mA. Welcher Basisvorwiderstand?

R_B = (3,3 − 0,7) V / 1,5 mA = 1,73 kΩ

Ein Transistor mit B_min = 80 soll einen Laststrom von 200 mA schalten. Welcher Basisstrom muss mindestens fließen (Ü = 1)?

I_B = 200 mA / 80 = 2,5 mA — in der Praxis nicht ausreichend, deshalb mit Ü > 1 dimensionieren.

U_steuer = 12 V, U_BE = 0,7 V, I_C = 1 A, B = 50, Ü = 3. Welcher Basisvorwiderstand?

I_B = 3 · 1 000 mA / 50 = 60 mA; R_B = 11,3 V / 60 mA ≈ 188 Ω

Warum darf der Basisvorwiderstand nicht zu groß werden? Gib einen Zahlenwert für die Situation R_B = 10 kΩ, U_steuer = 5 V, B = 100 an.

I_B = (5 − 0,7) V / 10 kΩ = 0,43 mA; damit ist I_C,max = 100 · 0,43 mA = 43 mA — wenn die Last mehr Strom braucht, bleibt der Transistor im aktiven Bereich, schaltet nicht durch und verheizt deutlich Verlustleistung.

In welchem Bereich arbeitet der Transistor, wenn er als Schalter „eingeschaltet“ ist?

  • a) Sperrbereich
  • b) Aktiver Bereich
  • c) Durchbruch
  • d) Sättigung

Richtig: d)

Im Schaltbetrieb wird gezielt zwischen Sperrbereich (aus) und Sättigung (ein) gependelt. Im aktiven Bereich würde am Transistor zu viel Spannung abfallen — er würde unnötig heiß. Der Durchbruch ist ein Zerstörungszustand.

Wozu dient der Übersteuerungsfaktor Ü bei der Dimensionierung eines Schalttransistors?

  • a) Um den Transistor schneller zu sperren
  • b) Um die Verlustleistung im aktiven Bereich zu erhöhen
  • c) Um den Basisstrom zu minimieren
  • d) Um sicherzustellen, dass der Transistor trotz Streuung und Temperaturabhängigkeit von B sicher in der Sättigung bleibt

Richtig: d)

Ohne Übersteuerung würde ein Exemplar mit niedrigerem B im aktiven Bereich hängenbleiben. Mit Ü = 2 bis 5 wird der Basisstrom so kräftig gewählt, dass der Transistor unter allen Bedingungen sicher in Sättigung läuft. Antwort (a) ist falsch — eine starke Übersteuerung verlängert sogar die Ausschaltzeit, weil mehr Ladung aus der Basis abgeräumt werden muss.

Warum gehört bei induktiven Lasten eine Freilaufdiode parallel zur Last?

  • a) Sie senkt die Versorgungsspannung
  • b) Sie schützt den Transistor vor Spannungsspitzen, die beim Abschalten durch die Selbstinduktion entstehen
  • c) Sie erhöht die Schaltgeschwindigkeit
  • d) Sie ist nur ein optionaler Stromspar-Trick

Richtig: b)

Beim Abschalten eines Induktivitäts-Stroms versucht die Spule, den Strom aufrechtzuerhalten, und induziert dafür eine sehr hohe Gegenspannung. Ohne Freilaufdiode kann diese Spannungsspitze die Sperrspannung des Transistors überschreiten — Bauteil zerstört. Die Diode bietet dem Spulenstrom einen Pfad, in dem er abklingen kann.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein NPN-Transistor hat I_B = 80 µA und B = 250. Berechne I_C und I_E.

Gegeben: I_B = 0,08 mA; B = 250

Gesucht: I_C, I_E in mA

Lösungweg:

I_C = 250 · 0,08 mA = 20 mA; I_E = I_B + I_C = 0,08 + 20 = 20,08 mA

Ergebnis: I_C = 20 mA; I_E ≈ 20,08 mA

Aufgabe 2: Ein Transistor wird bei I_C = 12 mA und B = 150 betrieben. Wie groß ist der Basisstrom?

Gegeben: I_C = 12 mA; B = 150

Gesucht: I_B

Lösungweg:

I_B = I_C / B = 12 / 150 mA = 0,08 mA = 80 µA

Ergebnis: I_B = 80 µA

Aufgabe 3: Eine Emitterschaltung mit U_V = 12 V, R1 = 33 kΩ, R2 = 6,8 kΩ, R_E = 330 Ω, U_BE = 0,7 V. Wie groß ist I_C?

Gegeben: U_V = 12 V; R1 = 33 kΩ; R2 = 6,8 kΩ; R_E = 330 Ω; U_BE = 0,7 V

Gesucht: I_C in mA

Lösungweg:

  1. U_B = 12 V · 6,8 / 39,8 ≈ 2,05 V
  2. U_RE = 2,05 V − 0,7 V = 1,35 V
  3. I_C ≈ 1,35 V / 330 Ω ≈ 4,09 mA

Ergebnis: I_C ≈ 4,1 mA

Aufgabe 4: Welcher Kollektorwiderstand R_C ergibt bei U_V = 15 V und I_C = 5 mA einen Spannungsabfall von 6 V?

Gegeben: U_V = 15 V; I_C = 5 mA; U_RC = 6 V

Gesucht: R_C in Ω

Lösungweg:

R_C = U_RC / I_C = 6 V / 5 mA = 1,2 kΩ

Ergebnis: R_C = 1,2 kΩ

Aufgabe 5: Ein NPN-Transistor (B_min = 120) schaltet einen Laststrom von 150 mA. Gewählt: Ü = 3. Welcher Basisstrom muss fließen?

Gegeben: I_C = 150 mA; B = 120; Ü = 3

Gesucht: I_B

Lösungweg:

I_B = 3 · 150 mA / 120 = 3,75 mA

Ergebnis: I_B = 3,75 mA

Aufgabe 6: Berechne den Basisvorwiderstand R_B für U_steuer = 5 V, U_BE = 0,7 V, I_C = 200 mA, B_min = 100, Ü = 3.

Gegeben: U_steuer = 5 V; U_BE = 0,7 V; I_C = 200 mA; B = 100; Ü = 3

Gesucht: R_B

Lösungweg:

  1. I_B = 3 · 200 mA / 100 = 6 mA
  2. U_RB = 5 V − 0,7 V = 4,3 V
  3. R_B = 4,3 V / 6 mA ≈ 717 Ω

Ergebnis: R_B ≈ 680 – 720 Ω (Normwert 680 Ω)

Was bedeutet das „bipolar“ beim Bipolartransistor?

  • a) Er hat zwei Anschlüsse
  • b) Er arbeitet mit Wechselspannung
  • c) Es sind beide Ladungsträgerarten — Elektronen und Löcher — am Stromtransport beteiligt
  • d) Er hat zwei verschiedene Versorgungsspannungen

Richtig: c)

Im Gegensatz zum unipolaren Feldeffekttransistor, bei dem nur eine Ladungsträgerart (Elektronen oder Löcher) den Strom trägt, sind beim BJT immer beide Arten beteiligt. Daher der Name. Die Anzahl der Anschlüsse ist ohnehin drei (B, E, C).

Ein NPN-Transistor leitet, wenn welche Bedingung erfüllt ist?

  • a) U_BE deutlich kleiner als 0,2 V
  • b) U_BE etwa 0,7 V und Kollektor positiver als Emitter
  • c) U_BE negativ
  • d) Basis offen

Richtig: b)

Für den aktiven Betrieb eines NPN muss die BE-Strecke in Durchlassrichtung gepolt sein (U_BE ≈ 0,7 V) und der Kollektor auf höherem Potential liegen als der Emitter. Beim PNP wären die Polaritäten umgekehrt.

Welche Aussage zum Ausgangskennlinienfeld ist richtig?

  • a) Es zeigt I_C abhängig von U_BE
  • b) Es zeigt I_B abhängig von U_CE
  • c) Es ist für alle Transistortypen identisch
  • d) Es zeigt I_C abhängig von U_CE für verschiedene Basisströme

Richtig: d)

Im Ausgangskennlinienfeld ist die unabhängige Größe U_CE, die abhängige I_C, und I_B ist der Scharparameter (also für jeden festen I_B eine eigene Kurve). I_B als Funktion von U_BE zeigt die Eingangskennlinie. Antwort (c) ist falsch — Form und Werte sind typabhängig.

Ein Transistor mit B = 200 hat I_B = 25 µA. Wie groß ist näherungsweise I_E?

  • a) 5 mA
  • b) 0,025 mA
  • c) 200 mA
  • d) 800 mA

Richtig: a)

I_C = 200 · 0,025 mA = 5 mA. Wegen I_E ≈ I_C ist auch I_E ≈ 5 mA. Genauer wäre 5,025 mA, aber für die Näherung passt das. Antwort (b) ist nur I_B, (c) und (d) sind unsinnig.

Welche Aussage zur Emitterschaltung trifft zu?

  • a) Sie verstärkt nur Strom, nicht Spannung
  • b) Ihre Eingangsimpedanz ist sehr niedrig
  • c) Sie wird hauptsächlich für HF-Anwendungen verwendet
  • d) Sie hat eine Phasendrehung von 180° und verstärkt Spannung und Strom

Richtig: d)

Die Emitterschaltung ist die typische Universalverstärkerstufe — sie verstärkt sowohl Spannung als auch Strom und dreht das Signal um 180°. Sehr niedrige Eingangsimpedanz wäre die Basisschaltung; HF ist ebenfalls die Domäne der Basisschaltung.

Wofür wird die Kollektorschaltung typischerweise eingesetzt?

  • a) Als Impedanzwandler oder Treiberstufe
  • b) Als Hochfrequenz-Verstärker
  • c) Als Hauptverstärker für Spannung
  • d) Als Gleichrichter

Richtig: a)

Hohe Eingangs- und niedrige Ausgangsimpedanz machen die Kollektorschaltung zum klassischen Impedanzwandler — sie überbrückt zwischen hochohmigen Signalquellen und niederohmigen Lasten, ohne die Quelle zu belasten. Spannung verstärkt sie kaum (V_u ≈ 1), HF kann sie auch, ist aber dort selten erste Wahl.

Was beschreibt der Übersteuerungsfaktor Ü?

  • a) Das Verhältnis von tatsächlich gewähltem Basisstrom zum mindestens notwendigen Basisstrom für die Sättigung
  • b) Das Verhältnis von U_BE im Schaltbetrieb zu U_BE im aktiven Bereich
  • c) Die maximale Versorgungsspannung
  • d) Die Anzahl an Anschlüssen

Richtig: a)

Ü gibt an, „wie viel Reserve“ beim Basisstrom eingeplant wird. Übliche Werte sind 2 bis 5, häufig 3. Das stellt sicher, dass auch Exemplare mit ungünstig niedrigem B sicher in die Sättigung kommen.

Warum gehört zwischen Mikrocontroller-Ausgang und Basis eines Schalttransistors immer ein Basisvorwiderstand?

  • a) Er begrenzt den Basisstrom und schützt den Mikrocontrollerausgang sowie den BE-Übergang vor Überstrom
  • b) Er verstärkt das Steuersignal
  • c) Er senkt U_BE auf 0 V ab
  • d) Er ist optional und nur kosmetisch

Richtig: a)

Ohne Vorwiderstand würde der Basisstrom nur durch die geringe BE-Schleusenspannung und die Innenwiderstände begrenzt — der Mikrocontrollerausgang könnte beschädigt werden, der BE-Übergang ebenfalls. Der Vorwiderstand setzt einen definierten Basisstrom ein. Antwort (b) ist begrifflich verkehrt: Der Transistor verstärkt, nicht der Widerstand.

Eine Spule wird ohne Freilaufdiode über einen Transistor geschaltet. Was passiert beim Abschalten?

  • a) Nichts Besonderes, der Strom wird einfach unterbrochen
  • b) Die Versorgungsspannung steigt dauerhaft an
  • c) Der Mikrocontroller wird automatisch zurückgesetzt
  • d) Die Spule erzeugt eine sehr hohe Gegenspannung, die den Transistor zerstören kann

Richtig: d)

Eine Induktivität versucht, ihren Strom aufrechtzuerhalten, indem sie eine entsprechende Spannung induziert. Diese Spannung kann ein Vielfaches der Betriebsspannung erreichen und liegt direkt am Transistor an, sobald er sperrt — Sperrspannungsfestigkeit wird überschritten, Bauteil defekt. Die Freilaufdiode verhindert genau das.

Ein Transistortyp ist mit B_min = 100 und B_max = 400 spezifiziert. Wie wird eine Schaltung sinnvoll dimensioniert?

  • a) Mit B = 400, weil das der Idealwert ist
  • b) Mit B = 100, damit auch das ungünstigste Exemplar funktioniert
  • c) Mit B = 250 als Mittelwert
  • d) Egal, weil B im Betrieb immer gleich ist

Richtig: b)

Die Schaltung muss mit jedem Exemplar zuverlässig funktionieren — also auch mit dem mit B = 100. Wird mit B = 400 gerechnet, kommen Exemplare mit niedrigerem B möglicherweise gar nicht in die Sättigung oder erreichen den geplanten Arbeitspunkt nicht. Sicher ist nur der Auslegungspfad mit B_min.

Welche der folgenden Anwendungen passt am besten zur Basisschaltung?

  • a) NF-Audioverstärker zwischen Mikrofon und Verstärker
  • b) Impedanzwandler zwischen Hi-Fi-Vorstufe und Endstufe
  • c) Eingangsstufe eines UKW-Empfängers
  • d) Schalttransistor für ein Relais

Richtig: c)

Die Basisschaltung ist dank ausgezeichneter Hochfrequenzeigenschaften prädestiniert für HF-Anwendungen wie UKW-Empfangsstufen. NF-Universalverstärkung → Emitterschaltung, Impedanzwandlung → Kollektorschaltung, Relais schalten → Emitterschaltung im Schaltbetrieb.

Welche Größe wird in der Sättigung minimal?

  • a) U_BE
  • b) U_CE
  • c) I_C
  • d) I_B

Richtig: b)

In der Sättigung sinkt U_CE auf den Sättigungswert (typisch 0,1 – 0,3 V) ab. I_C ist dort maximal (vom Laststromkreis vorgegeben), I_B ist im Schaltbetrieb sogar erhöht durch die Übersteuerung. U_BE liegt knapp über dem Wert im aktiven Bereich.

Glossar

Bipolartransistor (BJT)
Aktives Halbleiterbauelement aus drei abwechselnd dotierten Schichten (NPN oder PNP). Ein kleiner Basisstrom steuert einen viel größeren Kollektorstrom.
NPN / PNP
Schichtfolge des Transistors. Beim NPN fließt der technische Strom vom Kollektor zum Emitter; beim PNP umgekehrt.
Basis (B), Emitter (E), Kollektor (C)
Die drei Anschlüsse des Transistors. Die Basis steuert; Emitter liefert die Ladungsträger, der Kollektor sammelt sie ein.
Stromverstärkung B (auch h_FE, β)
Verhältnis I_C / I_B im Gleichstrombetrieb. Typische Werte 50 bis 800; exemplarabhängig.
Sperrbereich
Beide pn-Übergänge des Transistors sperren; es fließt nur ein vernachlässigbarer Reststrom. Schaltzustand „aus“.
Aktiver Bereich
BE leitet, BC sperrt. Linearer Bereich; hier wirkt der Transistor als Verstärker.
Sättigung
Beide Übergänge leiten; U_CE liegt bei 0,1 – 0,3 V. Schaltzustand „ein“.
Arbeitspunkt
Ruhezustand des Transistors ohne Eingangssignal, definiert durch (U_CE, I_C). Liegt auf der Arbeitsgeraden im Ausgangskennlinienfeld.
Arbeitsgerade
Linie im Ausgangskennlinienfeld, die durch den Lastkreis (R_C, R_E, U_V) vorgegeben ist. Schnittpunkt mit der zum Basisstrom passenden Kennlinie ergibt den Arbeitspunkt.
Emitterschaltung
Grundschaltung mit Emitter als gemeinsamem Anschluss. Verstärkt Spannung und Strom, dreht die Phase um 180°. Standardschaltung in der Verstärkertechnik.
Kollektorschaltung (Emitterfolger)
Grundschaltung mit Kollektor als gemeinsamem Anschluss. Spannungsverstärkung ≈ 1, hohe Stromverstärkung. Klassischer Impedanzwandler.
Basisschaltung
Grundschaltung mit Basis als gemeinsamem Anschluss. Hohe Spannungsverstärkung, Stromverstärkung ≈ 1, sehr gutes HF-Verhalten.
Übersteuerungsfaktor (Ü)
Verhältnis zwischen tatsächlich eingestelltem und mindestens nötigge Basisstrom für die Sättigung. Übliche Werte 2 bis 5 — sichert das vollständige Durchschalten trotz Bauteilstreuung.
Freilaufdiode
Diode parallel zu einer induktiven Last, in Sperrrichtung zur Versorgung geschaltet. Baut beim Abschalten die Selbstinduktionsspannung ab und schützt den Schalttransistor.

Scroll to Top