Feldeffekttransistor (MOSFET)

Der MOSFET ist heute eines der wichtigsten Bauteile in der Elektronik. Ohne ihn gäbe es keine modernen Wechselrichter, keine Schaltnetzteile, keine Frequenzumrichter — und auch keine Mikroprozessoren. Was den MOSFET so besonders macht, ist seine Steuerung: Er reagiert auf eine Spannung am Gate, nicht auf einen Strom wie der Bipolartransistor. Das macht ihn praktisch leistungslos ansteuerbar und sehr schnell.

Wer den MOSFET einmal verstanden hat, versteht damit auch die innere Logik fast aller modernen Leistungs- und Digitalschaltungen — vom Frequenzumrichter bis zum Mikrocontroller. Der folgende Aufbau geht vom Halbleiter-Querschnitt über die Kennlinien bis zur praktischen Ansteuerung mit Gate-Treibern und Schutzbeschaltung.

Vorwissen

  • Leiter, Halbleiter und Isolatoren
  • Dotierung und pn-Übergang
  • Bipolartransistor — Funktion und Grundschaltungen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den Aufbau eines MOSFETs erklären und die Anschlüsse Gate, Drain, Source und Bulk benennen
  • den Unterschied zwischen Anreicherungs- und Verarmungstyp sowie zwischen n-Kanal und p-Kanal beschreiben
  • die Kennlinien eines MOSFETs lesen und die Bereiche „gesperrt“, „Triodenbereich“ und „Sättigungsbereich“ zuordnen
  • die Schlüsselkenngrößen U_GS(th), R_DS(on) und Gate-Ladung Q_G praktisch einordnen
  • erklären, warum Leistungs-MOSFETs einen Gate-Treiber brauchen und nicht direkt an einen Mikrocontroller-Pin gehören
  • mit Sättigungs-Stromgleichung und Verlustleistungs-Formel typische Berechnungen durchführen

1. Was ist ein MOSFET?

Stell dir einen Wasserhahn vor, der mit einem dünnen Steuerdraht aufgedreht wird, ohne dass durch den Draht selbst Wasser fließt. Genau das macht ein MOSFET: Eine kleine Spannung am Steuereingang öffnet oder schließt einen kräftigen Hauptstrompfad — und der Steuereingang selbst zieht praktisch keinen Strom.

Der Name verrät den Aufbau: MOSFET steht für Metal-Oxide-Semiconductor Field-Effect Transistor — also Metall-Oxid-Halbleiter-Feldeffekttransistor. Das Steuersignal wirkt über ein elektrisches Feld, das durch eine isolierende Oxidschicht hindurch in den Halbleiter greift. Daher der Name „Feldeffekttransistor“.

Der entscheidende Unterschied zum Bipolartransistor: Der Bipolartransistor ist stromgesteuert — am Basisanschluss muss permanent ein Basisstrom fließen, damit er leitet. Der MOSFET ist spannungsgesteuert — eine Spannung am Gate genügt, der Steueranschluss ist durch die Oxidschicht isoliert. Für die Ansteuerlogik bedeutet das: weniger Verlustleistung, einfachere Treiberschaltungen, schnelleres Schaltverhalten.

Wo MOSFETs heute überall stecken:

  • in Wechselrichtern für Photovoltaik-Anlagen
  • in Schaltnetzteilen vom Handy-Ladegerät bis zum Server-Netzteil
  • in Frequenzumrichtern für Drehstrommotoren
  • in Motorsteuerungen für E-Autos und E-Bikes
  • als Logikbausteine in CPUs und Mikrocontrollern — milliardenfach pro Chip

Warum heißt der MOSFET „Feldeffekttransistor“?

  • a) Weil sein Steuersignal über ein elektrisches Feld wirkt, das durch eine isolierende Schicht in den Halbleiter greift
  • b) Weil er auf magnetische Felder reagiert
  • c) Weil er im freien Feld eingesetzt wird
  • d) Weil sich sein Schaltzeichen wie ein Feld darstellt

Richtig: a)

Erklärung: Der Name beschreibt das Funktionsprinzip: Eine Spannung am Gate erzeugt ein elektrisches Feld, das durch die Gate-Oxidschicht hindurchwirkt und im Halbleiter unter dem Gate einen leitfähigen Kanal aufbaut oder abschnürt. Magnetische Felder und Einsatzorte haben mit dem Namen nichts zu tun.

Was unterscheidet die Ansteuerung eines MOSFETs grundsätzlich von der eines Bipolartransistors?

  • a) Der MOSFET arbeitet mit Wechselspannung, der Bipolartransistor mit Gleichspannung
  • b) Der MOSFET is spannungsgesteuert, der Bipolartransistor stromgesteuert
  • c) Der MOSFET hat keine Anschlüsse, der Bipolartransistor schon
  • d) Der MOSFET arbeitet nur im linearen Bereich

Richtig: b)

Erklärung: Beim Bipolartransistor muss durch die Basis ununterbrochen ein Strom fließen, damit der Kollektor-Emitter-Pfad leitet. Beim MOSFET genügt eine Spannung zwischen Gate und Source — der Gate-Anschluss ist durch die Oxidschicht isoliert und zieht im stationären Zustand keinen Strom. Beide Bauteile arbeiten mit Gleich- und Wechselspannung, beide haben Anschlüsse, und beide können sowohl linear als auch im Schaltbetrieb arbeiten.

In welchen typischen Anwendungen findet man Leistungs-MOSFETs?

  • a) Ausschließlich in der Sensorik
  • b) Nur in mechanischen Schaltern
  • c) In Wechselrichtern, Schaltnetzteilen, Frequenzumrichtern und Motorsteuerungen
  • d) Nur in Audioverstärkern für hohe Frequenzen

Richtig: c)

Erklärung: Leistungs-MOSFETs schalten heute überall dort, wo schnell und verlustarm größere Ströme geschaltet werden müssen — also vor allem in der Leistungselektronik. Audioverstärker sind nur eine Nischenanwendung. Sensoren und mechanische Schalter haben mit MOSFETs als Schaltelement nichts zu tun.

2. Aufbau und Anschlüsse

Ein MOSFET hat vier Anschlüsse, auch wenn er meist nur mit drei nach außen geführt wird:

  • Gate (G) — der Steuereingang, durch die Oxidschicht isoliert
  • Drain (D) — der „Abfluss“, an dem der Hauptstrom austritt
  • Source (S) — die „Quelle“, an der der Hauptstrom einspeist
  • Bulk (B) oder Substrat — der Trägerkörper, meist intern mit Source verbunden

Im Querschnitt sieht ein n-Kanal-Anreicherungs-MOSFET so aus:

p-Substrat (Bulk) n⁺ n⁺ SiO₂ (Isolator) Metall S (Source) G (Gate) D (Drain) B Kanalbereich (entsteht bei U_GS > U_GS(th)) Source-Gebiet Gate-Bereich Drain-Gebiet

Wichtig: Zwischen Gate und dem darunter liegenden Halbleiter sitzt eine dünne Oxidschicht aus Siliziumdioxid. Das ist ein hervorragender Isolator. Genau deshalb fließt am Gate im stationären Zustand kein Strom — das Gate „spürt“ den Halbleiter nur über das elektrische Feld.

n-Kanal- vs p-Kanal-MOSFET:

Bei einem n-Kanal-MOSFET sind Source und Drain stark n-dotiert (n⁺), das Substrat ist p-dotiert. Der entstehende Kanal leitet über Elektronen. Diese Bauart ist heute Standard bei Leistungs-MOSFETs, weil Elektronen beweglicher sind als Löcher — der Bauteil wird dadurch leistungsfähiger.

Beim p-Kanal-MOSFET ist alles umgekehrt: Source und Drain p⁺-dotiert, Substrat n-dotiert. Der Kanal leitet über Löcher. p-Kanal-Typen kommen vor allem ergänzend zum n-Kanal vor, etwa in CMOS-Logikschaltungen.

Schaltzeichen nach ÖNORM EN IEC 60617:

In österreichischen und europäischen Schaltplänen werden MOSFETs nach IEC 60617 gezeichnet. Es gibt vier Grundtypen:

n-Kanal Anreicherungstyp (selbstsperrend) G D S n-Kanal Verarmungstyp (selbstleitend) G D S p-Kanal Anreicherungstyp (selbstsperrend) G D S p-Kanal Verarmungstyp (selbstleitend) G D S durchgezogene Kanallinie = selbstleitend (Verarmungstyp) unterbrochene Kanallinie = selbstsperrend (Anreicherungstyp) Bulk-Pfeil zeigt nach innen → n-Kanal · nach außen → p-Kanal

Die zwei Merkmale, an denen du jeden MOSFET-Typ erkennst:

Merkmal im Schaltzeichen Bedeutung
Kanallinie durchgezogen selbstleitend = Verarmungstyp
Kanallinie unterbrochen selbstsperrend = Anreicherungstyp
Bulk-Pfeil zeigt zum Kanal n-Kanal
Bulk-Pfeil zeigt vom Kanal weg p-Kanal

In der Praxis triffst du fast immer auf den n-Kanal-Anreicherungstyp — er ist der Arbeiter unter den MOSFETs.

Wozu dient die Oxidschicht zwischen Gate und Halbleiter?

  • a) Sie verhindert, dass ein Steuerstrom über das Gate fließt, und überträgt das Steuersignal nur als elektrisches Feld
  • b) Sie dient als zusätzlicher Widerstand
  • c) Sie erzeugt das Magnetfeld zur Kanalsteuerung
  • d) Sie ist eine Schutzhülle gegen mechanische Beschädigung

Richtig: a)

Erklärung: Die Gate-Oxidschicht (Siliziumdioxid) ist ein hervorragender Isolator. Dadurch kann zwischen Gate und Source kein Gleichstrom fließen — die Steuerung erfolgt rein über das elektrische Feld, das durch die Oxidschicht hindurch in den Halbleiter greift. Das ist die Grundlage der Spannungssteuerung beim MOSFET. Mit Widerständen, Magnetfeldern oder mechanischer Schutzfunktion hat die Schicht nichts zu tun.

Wie unterscheidest du im Schaltzeichen einen Anreicherungstyp von einem Verarmungstyp?

  • a) Am Pfeil am Source-Anschluss
  • b) An der Kanallinie: unterbrochen beim Anreicherungstyp, durchgezogen beim Verarmungstyp
  • c) An der Anzahl der Anschlüsse
  • d) An der Position des Gates

Richtig: b)

Erklärung: Nach IEC 60617 ist die senkrechte Kanallinie das entscheidende Merkmal: Eine unterbrochene Linie zeigt, dass der Kanal nicht von selbst vorhanden ist (selbstsperrend, Anreicherungstyp). Eine durchgezogene Linie zeigt einen bereits vorhandenen Kanal (selbstleitend, Verarmungstyp). Der Bulk-Pfeil dagegen unterscheidet zwischen n-Kanal und p-Kanal, nicht zwischen den Typen. Anschlusszahl und Gate-Position sind bei allen Grundtypen gleich.

Warum sind Leistungs-MOSFETs heute überwiegend n-Kanal-Typen?

  • a) Sie sind günstiger in der Herstellung
  • b) Elektronen sind beweglicher als Löcher, daher haben n-Kanal-Typen bei gleicher Fläche bessere elektrische Eigenschaften
  • c) p-Kanal-Typen halten keine hohen Spannungen aus
  • d) n-Kanal-Typen brauchen keine Gate-Steuerung

Richtig: b)

Erklärung: Im n-Kanal leiten Elektronen den Strom, im p-Kanal Löcher. Elektronen bewegen sich im Silizium etwa zwei- bis dreimal schneller als Löcher. Daraus folgt direkt: Bei gleicher Chipfläche hat ein n-Kanal-MOSFET einen niedrigeren Einschaltwiderstand und kann höhere Ströme schalten. Die Spannungsfestigkeit ist hingegen nicht prinzipiell unterschiedlich, der Herstellungspreis spielt eine untergeordnete Rolle, und Gate-Steuerung brauchen beide Typen.

3. Funktionsprinzip — Inversionskanal und Schwellspannung

Nimm einen n-Kanal-Anreicherungs-MOSFET. Im Ruhezustand — ohne Spannung am Gate — gibt es zwischen Drain und Source keinen leitfähigen Kanal. Zwischen den beiden n⁺-Gebieten liegt durchgehend p-dotiertes Substrat. Der MOSFET sperrt.

Legst du nun eine positive Spannung U_GS zwischen Gate und Source an, baut sich im Gate ein positives Potenzial auf. Das elektrische Feld durchdringt die Oxidschicht und drückt die positiven Löcher im p-Substrat unter dem Gate nach unten weg. Gleichzeitig zieht es freie Elektronen zur Oberfläche.

Sobald U_GS einen bestimmten Wert überschreitet — die Schwellspannung U_GS(th) — sammeln sich genug Elektronen direkt unter der Oxidschicht, dass dort ein dünner n-leitender Bereich entsteht. Dieser nennt sich Inversionskanal, weil das ursprünglich p-leitende Material lokal zu n-leitendem Material „umgekippt“ ist. Jetzt kann Strom zwischen Drain und Source fließen.

U_GS < U_GS(th): MOSFET gesperrt, I_D ≈ 0

U_GS > U_GS(th): MOSFET leitet, I_D > 0

  • U_GS … Gate-Source-Spannung in V
  • U_GS(th) … Schwellspannung in V
  • I_D … Drain-Strom in A

Typische Werte für U_GS(th) liegen bei Logik-Level-MOSFETs bei rund 1 bis 2 V, bei Standard-Power-MOSFETs bei 2 bis 4 V.

Anreicherungstyp vs Verarmungstyp:

Der bisher beschriebene MOSFET ist der Anreicherungstyp — der Kanal muss erst durch die Gate-Spannung „angereichert“ werden. Ohne Steuerspannung ist er gesperrt.

Beim Verarmungstyp ist es umgekehrt: Hier ist beim Herstellungsprozess bereits ein dünner leitender Kanal eingebaut. Ohne Steuerspannung leitet der MOSFET. Erst eine Spannung mit umgekehrtem Vorzeichen schnürt den Kanal aus — der Kanal wird an Ladungsträgern „verarmt“.

Typ Verhalten ohne U_GS Polarität U_GS zum Einschalten
n-Kanal-Anreicherungstyp gesperrt positiv
n-Kanal-Verarmungstyp leitend wird negativer → sperrt
p-Kanal-Anreicherungstyp gesperrt negativ
p-Kanal-Verarmungstyp leitend wird positiver → sperrt

In der Leistungselektronik findest du fast ausschließlich Anreicherungstypen. Der Grund liegt in der Sicherheit: Ein selbstsperrender MOSFET ist im stromlosen Zustand der Steuerelektronik aus — fällt die Ansteuerung aus, schaltet die Last ab.

Was geschieht beim n-Kanal-Anreicherungs-MOSFET, wenn U_GS leicht unter U_GS(th) liegt?

  • a) Der Drain-Strom erreicht seinen Maximalwert
  • b) Der Kanal ist voll ausgebildet
  • c) Der Inversionskanal entsteht noch nicht, der MOSFET sperrt praktisch
  • d) Der MOSFET arbeitet im Sättigungsbereich

Richtig: c)

Erklärung: Erst bei U_GS > U_GS(th) sammeln sich genug Elektronen unter dem Gate, um den Inversionskanal zu bilden. Knapp darunter ist der Kanal nicht ausgebildet, es fließt nur ein vernachlässigbarer Reststrom (Sperrbereich). Maximaler Drain-Strom, voller Kanal und Sättigungsbereich setzen ein deutliches Überschreiten der Schwelle voraus.

Wieso wird der leitfähige Bereich beim Anreicherungstyp „Inversionskanal“ genannt?

  • a) Weil er nur bei umgekehrter Stromrichtung entsteht
  • b) Weil das Gate-Material umgekehrt eingebaut wird
  • c) Weil sich der Stromfluss umkehrt
  • d) Weil das ursprünglich p-leitende Substrat unter dem Gate lokal zu n-leitendem Material „umgekippt“ wird

Richtig: d)

Erklärung: Vor dem Anlegen der Gate-Spannung ist das Substrat unter dem Gate p-dotiert. Das elektrische Feld zieht Elektronen an die Grenzfläche und drängt Löcher weg. Dadurch entsteht dort ein dünner n-leitender Bereich — die Leitungsart hat sich also lokal umgekehrt (invertiert). Mit Stromrichtung, Gate-Material oder Stromumkehr hat der Begriff nichts zu tun.

Warum werden in der Leistungselektronik fast ausschließlich Anreicherungstypen eingesetzt?

  • a) Sie sind ohne Steuerspannung gesperrt, was die Sicherheit beim Ausfall der Ansteuerung erhöht
  • b) Sie sind einfacher herzustellen
  • c) Sie haben einen höheren Einschaltwiderstand
  • d) Sie benötigen keinen Gate-Treiber

Richtig: a)

Erklärung: Ein selbstsperrender MOSFET ist im stromlosen Zustand der Steuerelektronik abgeschaltet — fällt die Versorgung der Ansteuerung aus, geht die Last sicher in den AUS-Zustand. Das ist in der Leistungselektronik (Wechselrichter, Motorsteuerung) ein zentrales Sicherheitsargument. Höherer Einschaltwiderstand wäre ein Nachteil, nicht ein Vorteil. Beide Typen sind herstellbar, und beide brauchen einen Gate-Treiber bei höheren Leistungen.

4. Kennlinien des MOSFET

Das Verhalten eines MOSFETs liest man am besten an seinen Kennlinien ab. Es gibt zwei wichtige:

Übertragungskennlinie I_D(U_GS): Bei fester Drain-Source-Spannung wird gezeigt, wie der Drain-Strom mit steigender Gate-Spannung wächst. Unterhalb von U_GS(th) bleibt I_D praktisch null. Über der Schwelle wächst I_D quadratisch.

Ausgangskennlinienfeld I_D(U_DS): Für mehrere feste Werte von U_GS wird gezeigt, wie sich I_D mit U_DS ändert. Daraus ergeben sich drei Bereiche:

  • Sperrbereich — U_GS < U_GS(th), I_D ≈ 0
  • Triodenbereich (auch ohmscher oder linearer Bereich) — U_DS < U_GS − U_GS(th). Der Kanal ist durchgehend leitfähig, der MOSFET verhält sich näherungsweise wie ein steuerbarer Widerstand. Der Strom steigt mit U_DS.
  • Sättigungsbereich (auch Abschnürbereich) — U_DS ≥ U_GS − U_GS(th). Am Drain-Ende schnürt der Kanal ab, der Strom hängt nur noch von U_GS ab — fast konstant über U_DS.
UDS in V ID in mA 0 1 2 3 4 5 6 7 0 1 2 3 4 Abschnürlinie UGS = 3 V UGS = 4 V UGS = 5 V UGS = 6 V Trioden- bereich Sättigungs- bereich

Im Sättigungsbereich gilt für den Drain-Strom näherungsweise:

I_D = (k/2) · (U_GS − U_GS(th))²

  • I_D … Drain-Strom in mA
  • k … Verstärkungs-Faktor in mA/V²
  • U_GS … Gate-Source-Spannung in V
  • U_GS(th) … Schwellspannung in V

Der Parameter k (Verstärkungs-Faktor, auch Transkonduktanz-Parameter genannt) wird durch die Geometrie des Bauteils und das Material bestimmt. Typische Kleinsignal-MOSFETs haben k zwischen 0,1 und 1 mA/V², Leistungs-MOSFETs deutlich darüber.

Im Triodenbereich gilt eine andere Formel:

I_D = k · ((U_GS − U_GS(th)) · U_DS − U_DS²/2)

  • gilt für U_DS < U_GS − U_GS(th)

Für die meisten praktischen Berechnungen — Verstärker-Auslegung, Sättigungs-Arbeitspunkt — reicht die Sättigungs-Gleichung.

Hinweis: Die Formel gilt nur, solange U_GS > U_GS_th ist und der MOSFET im Sättigungsbereich arbeitet — also U_DS ≥ U_GS − U_GS_th. Wenn U_GS unter der Schwelle liegt, ist der MOSFET real gesperrt und I_D ≈ 0.

Gelöstes Beispiel

Ein MOSFET hat U_GS(th) = 2 V und k = 0,5 mA/V². Er wird mit U_GS = 6 V und U_DS = 8 V betrieben. Wie groß ist der Drain-Strom?

Gegeben: U_GS(th) = 2 V, k = 0,5 mA/V², U_GS = 6 V, U_DS = 8 V

Gesucht: I_D in mA

Lösungweg:

  1. Betriebsbereich prüfen: U_GS − U_GS(th) = 6 V − 2 V = 4 V; U_DS = 8 V > 4 V → MOSFET arbeitet im Sättigungsbereich
  2. Sättigungs-Stromgleichung anwenden: I_D = (k/2) · (U_GS − U_GS(th))²; I_D = (0,5/2) · (4)² mA = 0,25 · 16 mA

Ergebnis: I_D = 4 mA

Übungen

Ein MOSFET hat U_GS(th) = 1,5 V und k = 0,4 mA/V². Berechne I_D bei U_GS = 3 V und U_DS = 5 V.

Lösung: U_GS − U_GS(th) = 1,5 V; U_DS > 1,5 V → Sättigung; I_D = (0,4/2) · 1,5² = 0,45 mA

Wie groß ist I_D bei U_GS(th) = 2 V, k = 0,8 mA/V², U_GS = 4 V, U_DS = 10 V?

Lösung: U_GS − U_GS(th) = 2 V; U_DS > 2 V → Sättigung; I_D = (0,8/2) · 2² = 1,6 mA

Ein MOSFET (k = 1 mA/V², U_GS(th) = 2 V) soll genau I_D = 8 mA führen. Welche U_GS ist nötig (Sättigung angenommen)?

Lösung: 8 = (1/2) · (U_GS − 2)² → (U_GS − 2)² = 16 → U_GS − 2 = 4 → U_GS = 6 V

Bei welcher Mindest-Drain-Source-Spannung arbeitet der MOSFET aus Aufgabe 3 noch sicher im Sättigungsbereich?

Lösung: U_DS ≥ U_GS − U_GS(th) = 6 V − 2 V = 4 V

Ein MOSFET hat I_D = 9 mA bei U_GS = 5 V und I_D = 4 mA bei U_GS = 4 V (beide Werte im Sättigungsbereich). Schätze U_GS(th) und k ab.

Lösung: Aus 9 = (k/2)·(5 − U_th)² und 4 = (k/2)·(4 − U_th)² folgt (5 − U_th)²/(4 − U_th)² = 9/4 → (5 − U_th)/(4 − U_th) = 1,5 → 5 − U_th = 6 − 1,5·U_th → 0,5·U_th = 1 → U_th = 2 V; eingesetzt: 4 = (k/2)·4 → k = 2 mA/V²

Wann arbeitet ein MOSFET im Sättigungsbereich?

  • a) Wenn U_DS ≥ U_GS − U_GS(th) ist und U_GS > U_GS(th)
  • b) Wenn U_GS unter U_GS(th) liegt
  • c) Wenn der Drain-Strom null ist
  • d) Wenn U_DS = 0 V ist

Richtig: a)

Erklärung: Der Sättigungsbereich wird durch zwei Bedingungen definiert: Erstens muss der MOSFET überhaupt eingeschaltet sein, also U_GS > U_GS(th). Zweitens muss U_DS so groß sein, dass der Kanal am Drain-Ende abschnürt — das ist genau dann der Fall, wenn U_DS ≥ U_GS − U_GS(th). Liegt U_DS darunter, befindet sich der MOSFET im Triodenbereich. U_GS unter der Schwelle bedeutet Sperrbereich, U_DS = 0 ohnehin.

Wie verhält sich der MOSFET im Triodenbereich näherungsweise?

  • a) Wie eine ideale Stromquelle
  • b) Wie eine Konstantspannungsquelle
  • c) Wie ein durch U_GS steuerbarer Widerstand
  • d) Wie ein offener Schalter

Richtig: c)

Erklärung: Im Triodenbereich ist der Kanal über die gesamte Länge gleichmäßig leitfähig. Der MOSFET zeigt eine fast lineare I_D-U_DS-Kennlinie — also Widerstandsverhalten. Die Steigung lässt sich über U_GS einstellen: höhere U_GS → niedrigerer Widerstand. Eine ideale Stromquelle wäre der Sättigungsbereich, ein offener Schalter der Sperrbereich.

Ein MOSFET mit U_GS(th) = 2 V wird mit U_GS = 5 V betrieben. Ab welcher Drain-Source-Spannung verlässt er den Triodenbereich?

  • a) U_DS = 1 V
  • b) U_DS = 2 V
  • c) U_DS = 5 V
  • d) U_DS = 3 V

Richtig: d)

Erklärung: Der Übergang vom Trioden- in den Sättigungsbereich liegt genau bei U_DS = U_GS − U_GS(th). Mit U_GS = 5 V und U_GS(th) = 2 V ergibt das U_DS = 3 V. Darunter Triodenbereich, darüber Sättigung. Die anderen Werte ergeben sich aus falscher Anwendung der Bedingung.

5. MOSFET als Schalter

In der Leistungselektronik ist das die wichtigste Betriebsart. Idee: Der MOSFET hat genau zwei Zustände — voll eingeschaltet oder voll ausgeschaltet. Zwischen beiden wird umgeschaltet, eine sinnvolle Pulsweitenmodulation steuert den effektiven Mittelwert von Strom oder Spannung an der Last.

EIN-Zustand: U_GS wird deutlich über U_GS(th) gesetzt, üblich sind 10 bis 15 V bei Standard-MOSFETs, 5 bis 6 V bei Logic-Level-Typen. Der Kanal ist voll ausgebildet, der MOSFET arbeitet im Triodenbereich nahe U_DS = 0. Er verhält sich wie ein kleiner Widerstand zwischen Drain und Source.

AUS-Zustand: U_GS = 0 (oder negativ). Der Kanal ist nicht vorhanden, der MOSFET sperrt. Es fließt nur ein vernachlässigbarer Reststrom.

R_DS(on) — der Schlüsselwert

Der Widerstand zwischen Drain und Source im voll eingeschalteten Zustand heißt R_DS(on). Er ist die wichtigste Auswahlkenngröße für einen Leistungs-MOSFET. Typische Werte:

  • Kleine Logik-MOSFETs: einige hundert mΩ
  • Power-MOSFETs für Motorsteuerungen: 1 bis 50 mΩ
  • Hochstrom-Typen für Wechselrichter: unter 1 mΩ

Aus R_DS(on) folgen die Leitverluste direkt:

P_leit = I_D² · R_DS(on)

  • P_leit … Verlustleistung im EIN-Zustand in W
  • I_D … Drain-Strom in A
  • R_DS(on) … Einschalt-Widerstand in Ohm

Ein Beispiel: 10 A Drain-Strom durch einen MOSFET mit R_DS(on) = 20 mΩ erzeugen 10² · 0,02 = 2 W Leitverluste. Bei 50 mΩ wären es schon 5 W — der MOSFET müsste deutlich besser gekühlt werden.

Gate-Ladung und parasitäre Kapazitäten

Solange der MOSFET ruhig leitet, ist der Steuereingang fast leistungslos. Beim Umschalten sieht die Sache anders aus. Die Gate-Elektrode bildet mit dem darunter liegenden Halbleiter und mit dem Drain-Bereich winzige Kondensatoren:

  • C_GS — Kapazität zwischen Gate und Source
  • C_GD — Kapazität zwischen Gate und Drain (auch Miller-Kapazität genannt)

Um den MOSFET einzuschalten, müssen diese Kapazitäten auf die Gate-Spannung aufgeladen werden. Um ihn auszuschalten, müssen sie wieder entladen werden. Die dafür benötigte Ladung wird im Datenblatt als Gate-Ladung Q_G angegeben — typische Werte liegen zwischen einigen nC bei kleinen Typen und über 100 nC bei kräftigen Power-MOSFETs.

Während des Umschaltens fließt durch das Gate kurzzeitig ein Ladestrom, und gleichzeitig ist der MOSFET in einem teilleitenden Zwischenzustand — über ihm liegt eine Spannung und durch ihn fließt ein Strom. Das ergibt Schaltverluste, die mit steigender Schaltfrequenz proportional wachsen.

In der Praxis bedeutet das:

  • Je schneller umgeschaltet wird, desto kürzer der verlustreiche Übergangsbereich, aber desto höher der Spitzenstrom durchs Gate.
  • Ein MOSFET mit großer Gate-Ladung braucht einen Treiber, der den nötigen Ladestrom liefern kann — typische Gate-Treiber liefern 1 bis mehrere Ampere kurzzeitig.
  • Ein Mikrocontroller-Pin schafft das nicht. Mehr dazu in Kapitel 7.

Body-Diode — die eingebaute Diode

Konstruktionsbedingt enthält jeder MOSFET zwischen Drain und Source eine Body-Diode. Beim n-Kanal-Anreicherungs-MOSFET is diese Diode in normaler Betriebsrichtung gesperrt. Schaltet man eine induktive Last (Motor, Spule) ab, ermöglicht die Body-Diode aber bei umgekehrter Polarität einen Stromfluss — sie wirkt als Freilaufdiode. In Brückenschaltungen (zum Beispiel beim Frequenzumrichter) wird dieser Effekt aktiv genutzt; in Schaltern mit Wechselspannungslast muss man die Body-Diode dagegen beachten, weil ein MOSFET in dieser Richtung gar nicht sperren kann.

Gelöstes Beispiel

Ein Power-MOSFET mit R_DS(on) = 10 mΩ schaltet einen Laststrom von 15 A. Welche Leitverluste entstehen?

Gegeben: R_DS(on) = 10 mΩ = 0,010 Ω, I_D = 15 A

Gesucht: P_leit in W

Lösungweg:

  1. Formel ansetzen: P_leit = I_D² · R_DS(on)
  2. Einsetzen: P_leit = (15)² · 0,010 W = 225 · 0,010 W

Ergebnis: P_leit = 2,25 W

Übungen

Welche Leitverluste hat ein MOSFET mit R_DS(on) = 25 mΩ bei einem Strom von 8 A?

Lösung: P = 8² · 0,025 = 1,6 W

Bei welchem Strom erreicht ein MOSFET mit R_DS(on) = 50 mΩ Leitverluste von genau 5 W?

Lösung: 5 = I² · 0,05 → I² = 100 → I = 10 A

Ein Schaltnetzteil zieht 4 A. Welchen maximalen R_DS(on) darf der MOSFET haben, damit die Leitverluste 1 W nicht überschreiten?

Lösung: 1 = 4² · R → R = 1/16 = 62,5 mΩ

Zwei MOSFETs werden parallel geschaltet, jeder hat R_DS(on) = 20 mΩ. Der Laststrom beträgt insgesamt 30 A und teilt sich gleichmäßig auf. Wie hoch sind die gesamten Leitverluste?

Lösung: Je MOSFET 15 A: P_je = 15² · 0,02 = 4,5 W; gesamt 9 W

Ein MOSFET mit R_DS(on) = 30 mΩ schaltet im PWM-Betrieb. Effektivstrom durch den MOSFET 12 A. Wie hoch sind die Leitverluste, und wie verändern sie sich, wenn der Effektivstrom um 25 % steigt?

Lösung: Original: 12² · 0,03 = 4,32 W; neuer Strom 15 A: 15² · 0,03 = 6,75 W; Anstieg um etwa 56 %

Wovon hängen die Leitverluste eines MOSFET-Schalters ab?

  • a) Vom Quadrat des Drain-Stroms und vom Einschaltwiderstand R_DS(on)
  • b) Nur vom Drain-Strom
  • c) Nur von der Schaltfrequenz
  • d) Von der Gate-Source-Spannung

Richtig: a)

Erklärung: Leitverluste entstehen, weil im EIN-Zustand zwischen Drain und Source der Restwiderstand R_DS(on) liegt. Es gilt P = I² · R, also gehen Strom mit der zweiten Potenz und Widerstand linear ein. Die Schaltfrequenz beeinflusst die Schaltverluste, nicht die Leitverluste. U_GS beeinflusst R_DS(on) nur indirekt — solange voll übersteuert wird, ist R_DS(on) auf seinem Minimum.

Warum braucht ein Leistungs-MOSFET einen eigenen Gate-Treiber?

  • a) Weil das Gate dauerhaft Strom benötigt
  • b) Weil sonst der Drain-Strom zu klein bleibt
  • c) Weil der Gate-Treiber die Schwellspannung erzeugt
  • d) Weil die Gate-Kapazitäten beim Umschalten kurzzeitig hohe Lade- und Entladeströme erfordern, die ein Mikrocontroller-Pin nicht liefern kann

Richtig: d)

Erklärung: Im stationären Zustand zieht das Gate keinen Strom — die Oxidschicht isoliert. Beim Umschalten müssen aber die Gate-Source- und Gate-Drain-Kapazitäten in sehr kurzer Zeit umgeladen werden. Daraus folgen kurzzeitige Spitzenströme von mehreren hundert mA bis über 1 A. Ein Mikrocontroller-Pin liefert typischerweise nur 20–40 mA. Folge: Ohne Gate-Treiber wäre der Umschaltvorgang viel zu langsam — mit drastischen Schaltverlusten und Überhitzung. Die Schwellspannung ist eine Bauteileigenschaft, der Drain-Strom hängt am Lastkreis, nicht am Treiber.

Was ist die Body-Diode eines MOSFETs?

  • a) Eine zusätzliche Z-Diode am Gate
  • b) Eine externe Freilaufdiode, die parallel geschaltet wird
  • c) Eine konstruktionsbedingt vorhandene Diode zwischen Drain und Source, die in einer Richtung leitet
  • d) Eine Diode zur Schwellspannungs-Regelung

Richtig: c)

Erklärung: Durch den Schichtaufbau eines MOSFETs entsteht zwischen Drain-Gebiet und Substrat (Source) automatisch ein pn-Übergang — eben die Body-Diode. Sie ist in normaler Drain-Source-Richtung gesperrt, leitet aber in umgekehrter Richtung. Bei induktiven Lasten ist sie eine eingebaute Freilaufdiode, bei Wechselspannung dagegen eine Falle, weil der MOSFET in dieser Richtung gar nicht sperren kann. Sie sitzt nicht am Gate, ist nicht extern und hat mit der Schwellspannung nichts zu tun.

6. MOSFET als Verstärker

Neben dem Schalterbetrieb lässt sich der MOSFET auch als analoger Verstärker einsetzen — analog zum Bipolartransistor in Emitterschaltung. In der Leistungselektronik kommt das selten vor, in der Audio- und Messtechnik dagegen regelmäßig.

Der Arbeitspunkt wird so gewählt, dass der MOSFET im Sättigungsbereich liegt — also U_DS ≥ U_GS − U_GS(th). Dort verhält er sich näherungsweise wie eine durch U_GS gesteuerte Stromquelle. Eine kleine Änderung von U_GS bewirkt eine größere Änderung von I_D, und über einen Drain-Widerstand entsteht daraus eine verstärkte Ausgangsspannung.

Die wichtigste Verstärkergrundschaltung heißt Source-Schaltung — Source liegt auf Bezugspotenzial, das Eingangssignal wird am Gate eingespeist, der Ausgang liegt am Drain. Sie entspricht der Emitterschaltung beim Bipolartransistor.

Das Maß für die Verstärkungswirkung ist die Steilheit g_m: Sie sagt, um wie viel sich der Drain-Strom ändert, wenn U_GS um 1 V steigt.

g_m = k · (U_GS − U_GS(th))

  • g_m … Steilheit in mA/V
  • k … Verstärkungs-Faktor in mA/V²

Je höher der Arbeitspunkt-Strom, desto höher die Steilheit — der MOSFET wird im Großstrombetrieb empfindlicher auf Spannungsänderungen am Gate.

Die Source-Schaltung ist invertierend — das heißt: Eingangs- und Ausgangssignal sind um 180° phasenverschoben. Der Grund liegt im Vorzeichen der Ausgangsspannung: Steigt das Eingangssignal U_GS, steigt I_D entsprechend an. Der größere Drain-Strom fließt durch den Drain-Widerstand R_D und erzeugt dort einen größeren Spannungsabfall. Da die Versorgungsspannung U_B fest ist, sinkt die Drain-Spannung U_DS — also die Ausgangsspannung. Vereinfacht gilt für die Spannungsverstärkung der Source-Schaltung:

v_U = − g_m · R_D

  • v_U … Spannungsverstärkung (dimensionslos)
  • g_m … Steilheit im Arbeitspunkt in mA/V
  • R_D … Drain-Widerstand in kΩ

Das Minuszeichen ist die mathematische Form der Phasendrehung um 180° — genau wie bei der Emitterschaltung des Bipolartransistors.

Gelöstes Beispiel

Ein MOSFET (k = 0,4 mA/V², U_GS(th) = 2 V) wird im Arbeitspunkt U_GS = 4 V betrieben. Welche Steilheit hat er dort?

Gegeben: k = 0,4 mA/V², U_GS(th) = 2 V, U_GS = 4 V

Gesucht: g_m in mA/V

Lösungweg:

  1. Formel ansetzen: g_m = k · (U_GS − U_GS(th))
  2. Einsetzen: g_m = 0,4 · (4 − 2) mA/V

Ergebnis: g_m = 0,8 mA/V

Übungen

Berechne die Steilheit bei k = 1 mA/V², U_GS = 5 V, U_GS(th) = 1 V.

Lösung: g_m = 1 · 4 = 4 mA/V

Ein MOSFET hat g_m = 2 mA/V im Arbeitspunkt. Welche Drain-Strom-Änderung ergibt sich bei einer Eingangssignal-Amplitude von 50 mV?

Lösung: ΔI_D = 2 mA/V · 0,05 V = 0,1 mA

Welche Spannungsverstärkung hat eine Source-Schaltung mit g_m = 5 mA/V und Drain-Widerstand R_D = 2 kΩ?

Lösung: v_U = − g_m · R_D = − 5 · 2 = −10 → 10-fache Verstärkung mit Phasendrehung um 180°

In welchem Betriebsbereich arbeitet ein MOSFET als Linearverstärker?

  • a) Im Sperrbereich
  • b) Im Triodenbereich
  • c) Im Wechselbetrieb zwischen Sperr- und Triodenbereich
  • d) Im Sättigungsbereich

Richtig: d)

Erklärung: Nur im Sättigungsbereich verhält sich der MOSFET näherungsweise wie eine durch U_GS gesteuerte Stromquelle — die Voraussetzung für saubere Linearverstärkung. Im Sperrbereich fließt kein Strom, im Triodenbereich ist der MOSFET ein Widerstand. Der Wechsel zwischen Sperr- und Triodenbereich entspricht dem Schalterbetrieb, nicht dem Verstärkerbetrieb.

Welche Grundschaltung des MOSFETs entspricht funktional der Emitterschaltung beim Bipolartransistor?

  • a) Source-Schaltung
  • b) Drain-Schaltung
  • c) Gate-Schaltung
  • d) Bulk-Schaltung

Richtig: a)

Erklärung: In der Source-Schaltung liegt Source auf Bezugspotenzial, das Eingangssignal kommt ans Gate, der Ausgang wird am Drain abgegriffen — vom Aufbau und vom Verhalten her ist das die direkte Entsprechung zur Emitterschaltung beim BJT. Die Drain-Schaltung entspricht der Kollektorschaltung, die Gate-Schaltung der Basisschaltung. Eine Bulk-Schaltung ist nicht gebräuchlich.

Wie verändert sich die Steilheit g_m, wenn der Arbeitspunkt-Strom verdoppelt wird (k und U_GS(th) bleiben)?

  • a) Sie steigt um den Faktor Wurzel(2) ≈ 1,41
  • b) Sie verdoppelt sich
  • c) Sie bleibt gleich
  • d) Sie halbiert sich

Richtig: a)

Erklärung: Im Sättigungsbereich gilt I_D = (k/2)·(U_GS − U_GS(th))² und g_m = k·(U_GS − U_GS(th)). Setzt man die Stromgleichung in g_m ein, ergibt sich g_m = √(2·k·I_D). Verdoppelt sich I_D bei festem k, steigt g_m mit Wurzel(2), also etwa um den Faktor 1,41. Eine echte Verdopplung der Steilheit erfordert eine Vervierfachung des Stroms.

7. Schutz, Handling und Ansteuerung in der Praxis

Die Gate-Oxidschicht ist nur wenige Atomlagen dick — und das ist ihre Stärke und ihr Risiko zugleich. Hier kommt zusammen, was du beim Hantieren und Ansteuern wissen musst.

ESD — der unsichtbare Feind

Die Gate-Oxidschicht hält elektrische Felder bis typischerweise 10⁸ V/m aus. Bei wenigen Nanometern Dicke ergibt das nur 20 V bis 30 V maximale Gate-Source-Spannung. Eine elektrostatische Entladung aus dem menschlichen Körper (ein paar tausend Volt durch Reibung an Kleidung oder Teppich) durchschlägt die Schicht in Bruchteilen einer Sekunde.

Folge: Der MOSFET ist defekt — oft nicht sofort sichtbar, sondern als Verkürzung der Lebensdauer oder als Frühausfall im Betrieb.

Schutzmaßnahmen beim Hantieren:

  • ESD-Armband mit Verbindung zur Erdungsleitung tragen
  • Antistatische Arbeitsunterlage verwenden
  • Bauteile in ESD-Schutzverpackung (leitfähige Folie, schwarze antistatische Schaumstoffe) belassen, bis sie verlötet werden
  • Beim Auspacken zuerst das Gehäuse berühren, dann das Gate kurz auf Source-Potenzial bringen, dann erst Spannung anlegen
  • Lötkolben mit geerdeter Spitze verwenden

Viele moderne Power-MOSFETs haben Gate-Schutzdioden intern eingebaut — das reduziert das Risiko, ersetzt aber gutes Handling nicht.

Maximale U_GS — das harte Limit

Im Datenblatt findest du U_GS_max als absoluten Grenzwert. Typische Werte:

  • Standard-Power-MOSFETs: ±20 V
  • Logic-Level-MOSFETs: ±12 V bis ±20 V

Wird dieser Wert überschritten — auch nur kurz — ist die Oxidschicht defekt. Anders als beim Bipolartransistor gibt es hier keine zweite Chance.

Gate-Treiber und Gate-Vorwiderstand

Ein Gate-Treiber-IC liefert die hohen kurzzeitigen Lade- und Entladeströme, die ein Mikrocontroller-Pin nicht aufbringen kann. Typische Bausteine liefern 1 bis 10 A Peak-Strom auf kurze Pulse und sorgen so für saubere, schnelle Schaltflanken.

Zwischen Gate-Treiber-Ausgang und MOSFET-Gate sitzt fast immer ein Gate-Vorwiderstand (typisch 5 bis 50 Ω). Er begrenzt den Spitzenstrom, dämpft Schwingungen zwischen Gate-Induktivität und Gate-Kapazität und ermöglicht es, die Schaltgeschwindigkeit gezielt einzustellen. Kleiner Vorwiderstand → schnelles Schalten, mehr EMV-Probleme. Größerer Vorwiderstand → langsameres Schalten, mehr Schaltverluste, aber ruhiger.

Warum sind MOSFETs besonders ESD-empfindlich?

  • a) Weil das Gehäuse elektrisch leitend ist
  • b) Weil der Drain-Anschluss freiliegt
  • c) Weil die Gate-Oxidschicht nur wenige Atomlagen dick ist und schon bei wenigen Dutzend Volt durchschlagen wird
  • d) Weil die Source besonders empfindlich auf Spannungsspitzen ist

Richtig: c)

Erklärung: Die isolierende Oxidschicht zwischen Gate und Halbleiter ist die mechanisch-elektrisch verletzlichste Stelle des MOSFETs. Schon wenige Dutzend Volt — beispielsweise aus einer elektrostatische Entladung aus der Hand — übersteigen die Durchschlagfestigkeit und zerstören die Schicht dauerhaft. Gehäuse, Drain und Source spielen für die ESD-Empfindlichkeit keine vergleichbar kritische Rolle.

Welche Maßnahme schützt am besten beim Bestücken einer Leiterplatte mit Power-MOSFETs?

  • a) Möglichst hohe Lötkolben-Temperatur einstellen
  • b) Bauteile vor dem Verbau einige Minuten in der Hand wärmen
  • c) Vor dem Hantieren das Werkstück und den eigenen Körper über ein ESD-Armband mit der Erdung verbinden, Bauteile in ESD-Verpackung lassen bis zum Einbau
  • d) MOSFETs bei laufender Spannungsversorgung einsetzen

Richtig: c)

Erklärung: Standard-Vorgehensweise im ESD-Bereich: Person, Werkstück und Bauteilverpackung auf gleichem Potenzial halten. Das ESD-Armband leitet Aufladungen kontrolliert ab. Höhere Löttemperatur und Erwärmen in der Hand sind kontraproduktiv — Erwärmen in der Hand schützt vor gar nichts, hohe Temperatur kann das Bauteil thermisch beschädigen. Unter Spannung Bauteile zu wechseln ist gefährlich für Bauteil und Person.

Welche Funktion hat ein Pull-down-Widerstand zwischen Gate und Source eines Leistungs-MOSFETs?

  • a) Er erhöht die Schaltgeschwindigkeit
  • b) Er hält das Gate definiert auf 0 V, solange der Treiber inaktiv ist — und verhindert dadurch unkontrolliertes Einschalten
  • c) Er erzeugt die Schwellspannung
  • d) Er ersetzt den Gate-Treiber

Richtig: b)

Erklärung: Ohne Pull-down könnte das Gate vor dem Hochfahren des Mikrocontrollers oder bei einem Treiber-Fehler floaten. Schon kleine Streukapazitäten oder Einkopplungen könnten dann reichen, um den MOSFET unkontrolliert teilweise einzuschalten — mit zerstörerischer Folge bei einer großen Last dahinter. Der Pull-down (typisch 10–100 kΩ) garantiert, dass das Gate definiert auf Source-Potenzial liegt, solange kein Treiber aktiv ist. Auf Schaltgeschwindigkeit und Schwellspannung hat er praktisch keinen Einfluss, und einen Gate-Treiber ersetzt er nicht.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein MOSFET hat U_GS(th) = 2,5 V und k = 0,8 mA/V². Er wird im Sättigungsbereich bei U_GS = 5 V betrieben.

Gegeben: U_GS(th) = 2,5 V; k = 0,8 mA/V²; U_GS = 5 V

Gesucht: I_D in mA

Lösungweg:

I_D = (k/2)·(U_GS − U_GS(th))² = (0,8/2)·(5 − 2,5)² = 0,4 · 6,25 mA

Ergebnis: I_D = 2,5 mA

Aufgabe 2: Ein anderer MOSFET (U_GS(th) = 3 V, k = 1,2 mA/V²) soll im Sättigungsbereich einen Drain-Strom von 9,6 mA führen. Welche Gate-Source-Spannung ist nötig?

Gegeben: U_GS(th) = 3 V; k = 1,2 mA/V²; I_D = 9,6 mA

Gesucht: U_GS in V

Lösungweg:

9,6 = (1,2/2)·(U_GS − 3)² → (U_GS − 3)² = 16 → U_GS − 3 = 4

Ergebnis: U_GS = 7 V

Aufgabe 3: Ein Power-MOSFET mit R_DS(on) = 8 mΩ schaltet 25 A. Wie hoch sind die Leitverluste?

Gegeben: R_DS(on) = 0,008 Ω; I_D = 25 A

Gesucht: P_leit in W

Lösungweg:

P_leit = I_D²·R_DS(on) = 625 · 0,008 W

Ergebnis: P_leit = 5 W

Aufgabe 4: Welche Mindest-Drain-Source-Spannung muss anliegen, damit ein MOSFET mit U_GS = 6 V und U_GS(th) = 2 V im Sättigungsbereich arbeitet?

Gegeben: U_GS = 6 V; U_GS(th) = 2 V

Gesucht: minimale U_DS in V

Lösungweg:

U_DS ≥ U_GS − U_GS(th) = 6 V − 2 V

Ergebnis: U_DS ≥ 4 V

Aufgabe 5: Ein MOSFET wird mit k = 0,5 mA/V² und U_GS(th) = 1,5 V im Arbeitspunkt U_GS = 3,5 V betrieben. Welche Steilheit g_m hat er dort?

Gegeben: k = 0,5 mA/V²; U_GS(th) = 1,5 V; U_GS = 3,5 V

Gesucht: g_m in mA/V

Lösungweg:

g_m = k·(U_GS − U_GS(th)) = 0,5 · 2 mA/V

Ergebnis: g_m = 1 mA/V

Aufgabe 6: Ein MOSFET mit R_DS(on) = 40 mΩ soll Leitverluste von maximal 1,6 W haben. Wie groß darf der Drain-Strom höchstens werden?

Gegeben: R_DS(on) = 0,04 Ω; P_leit_max = 1,6 W

Gesucht: I_D_max in A

Lösungweg:

1,6 = I²·0,04 → I² = 40 → I = √40 A

Ergebnis: I_D_max ≈ 6,32 A

Was bedeutet die Aussage „ein MOSFET ist spannungsgesteuert“?

  • a) Er reagiert auf magnetische Spannungsfelder
  • b) Sein Stromfluss zwischen Drain und Source wird durch die Spannung U_GS gesteuert, und das Gate selbst zieht im stationären Zustand keinen Strom
  • c) Er kann nur mit Gleichspannung betrieben werden
  • d) Die Spannung am Drain steuert den Stromfluss am Gate

Richtig: b)

Erklärung: Beim MOSFET wirkt das Steuersignal als Spannung über die isolierte Gate-Elektrode. Die Oxidschicht verhindert einen Steuerstrom — gesteuert wird also rein durch das elektrische Feld der Gate-Spannung. Magnetfelder spielen keine Rolle, der MOSFET arbeitet mit Gleich- und Wechselspannung, und der Strom fließt zwischen Drain und Source, nicht „am Gate“.

Welcher MOSFET-Typ ist ohne Steuerspannung leitend?

  • a) n-Kanal-Anreicherungstyp
  • b) Verarmungstyp
  • c) p-Kanal-Anreicherungstyp
  • d) Logic-Level-Anreicherungstyp

Richtig: b)

Erklärung: Der Verarmungstyp hat bei der Fertigung bereits einen vorhandenen Kanal — er leitet ohne Steuerspannung. Erst eine Steuerspannung mit entsprechender Polarität schnürt den Kanal ab. Alle Anreicherungstypen, egal ob n- oder p-Kanal und egal ob Logic-Level oder nicht, sind ohne Steuerspannung gesperrt — sie sind selbstsperrend.

Im Schaltzeichen nach ÖNORM EN IEC 60617 erkennt man einen n-Kanal-MOSFET daran, dass …

  • a) … die Kanallinie durchgezogen ist
  • b) … die Kanallinie unterbrochen ist
  • c) … der Bulk-Pfeil vom Kanal weg zeigt
  • d) … der Bulk-Pfeil zum Kanal hin zeigt

Richtig: d)

Erklärung: Die Richtung des Bulk-Pfeils unterscheidet n- und p-Kanal. Beim n-Kanal-MOSFET liegt im Substrat p-Material, im Kanal n-Material — der Pfeil zeigt nach Diodenkonvention vom p-Bereich (Substrat) zum n-Bereich (Kanal), also nach innen zum Kanal. Die Kanallinie (durchgezogen/unterbrochen) unterscheidet zwischen Verarmungs- und Anreicherungstyp, nicht zwischen n- und p-Kanal.

Welche Beziehung beschreibt die Schwellspannung U_GS(th) richtig?

  • a) Unterhalb von U_GS(th) ist beim Anreicherungstyp praktisch kein Inversionskanal vorhanden, der MOSFET sperrt
  • b) Bei U_GS = U_GS(th) erreicht der MOSFET maximalen Drain-Strom
  • c) U_GS(th) ist die Spannung zwischen Drain und Source im EIN-Zustand
  • d) U_GS(th) gibt es nur beim Verarmungstyp

Richtig: a)

Erklärung: U_GS(th) ist die Mindest-Gate-Source-Spannung, ab der sich beim Anreicherungstyp der Inversionskanal bildet. Darunter sperrt der MOSFET praktisch komplett. Maximaler Drain-Strom liegt deutlich darüber, U_DS hat mit der Schwellspannung gar nichts zu tun, und die Schwelle ist eine zentrale Größe gerade beim Anreicherungstyp, nicht beim Verarmungstyp.

Ein MOSFET arbeitet im Triodenbereich, wenn …

  • a) … U_GS > U_GS(th) und U_DS < U_GS − U_GS(th) gilt
  • b) … U_GS = U_GS(th) und U_DS = 0 V gilt
  • c) … U_GS < U_GS(th) gilt
  • d) … U_DS sehr viel größer als U_GS ist

Richtig: a)

Erklärung: Im Triodenbereich ist erstens der Kanal vorhanden (U_GS > U_GS(th)) und zweitens reicht U_DS noch nicht aus, um den Kanal am Drain-Ende abzuschnüren (U_DS < U_GS − U_GS(th)). Der MOSFET verhält sich dann wie ein steuerbarer Widerstand. U_GS unter der Schwelle wäre Sperrbereich, ein sehr großes U_DS treibt den MOSFET sicher in die Sättigung.

Wann sind die Schaltverluste eines MOSFETs besonders hoch?

  • a) Bei sehr niedrigem Drain-Strom
  • b) Wenn der MOSFET dauerhaft eingeschaltet ist
  • c) Wenn der MOSFET dauerhaft gesperrt ist
  • d) Bei sehr hoher Schaltfrequenz und großer Gate-Ladung

Richtig: d)

Erklärung: Schaltverluste entstehen bei jedem Umschaltvorgang im Übergangsbereich, in dem gleichzeitig Strom und Spannung am MOSFET liegen. Sie wachsen direkt mit die Schaltfrequenz — je öfter pro Sekunde umgeschaltet wird, desto mehr Energieverluste pro Sekunde. Eine große Gate-Ladung verlängert den Übergangsbereich. Dauerhaft EIN oder dauerhaft AUS hat keine Schaltverluste — nur Leitverluste bzw. Sperrverluste.

Welche Aussage zur Body-Diode eines n-Kanal-MOSFETs ist korrekt?

  • a) Sie leitet in der gleichen Richtung wie der reguläre Drain-Strom
  • b) Sie ist eine zusätzliche Komponente, die extern verlötet wird
  • c) Sie ist konstruktionsbedingt zwischen Drain und Source vorhanden und leitet entgegengesetzt zum regulären Drain-Strom
  • d) Sie schützt das Gate vor Überspannung

Richtig: c)

Erklärung: Die Body-Diode entsteht durch den Schichtaufbau zwischen Drain-Gebiet und Substrat. Sie ist also fest eingebaut, nicht extern. Bei einem n-Kanal-MOSFET ist sie in regulärer Stromrichtung (Drain positiv gegen Source) gesperrt — sie leitet erst in umgekehrter Richtung. Den Gate-Schutz übernehmen ggf. separate interne Schutzdioden, nicht die Body-Diode.

Warum schaltet man einen Power-MOSFET im Logikbetrieb deutlich über seine Schwellspannung — typisch 10–15 V statt etwa 3 V?

  • a) Damit der MOSFET schneller schaltet, dafür aber höhere Verluste hat
  • b) Damit der Kanal voll ausgebildet ist und R_DS(on) seinen niedrigsten Wert annimmt
  • c) Damit die Schwellspannung sinkt
  • d) Damit die Body-Diode aktiv wird

Richtig: b)

Erklärung: Knapp über der Schwellspannung ist der Inversionskanal nur teilweise ausgebildet, der Widerstand zwischen Drain und Source ist hoch. Erst bei deutlicher Übersteuerung (typisch um 5 V über der Schwelle) erreicht R_DS(on) seinen Datenblatt-Minimalwert. Höhere U_GS hat keinen direkten Einfluss auf die Schaltgeschwindigkeit — die wird vor allem durch die Gate-Ladung und den Treiber bestimmt. Die Schwellspannung ist eine Bauteilkennzahl und sinkt nicht durch höhere U_GS. Die Body-Diode wird durch die Drain-Source-Polarität gesteuert, nicht durch U_GS.

Welche Folge hat ein einmaliges Überschreiten der maximal zulässigen U_GS um wenige Volt?

  • a) Der MOSFET schaltet schneller
  • b) Die Schwellspannung steigt
  • c) Der Drain-Strom verringert sich
  • d) Die Gate-Oxidschicht kann in Bruchteilen einer Sekunde durchschlagen und der MOSFET ist dauerhaft defekt

Richtig: d)

Erklärung: Im Gegensatz zu vielen anderen Halbleiter-Limits ist U_GS_max ein absolutes Hard-Limit. Wird es überschritten, durchschlägt die Oxidschicht — der MOSFET hat einen Gate-Source-Kurzschluss und ist dauerhaft unbrauchbar. Es gibt keine Selbstheilung, keine Erholung. Die anderen Optionen kommen schlicht nicht vor.

Welche Aufgabe hat der Gate-Vorwiderstand in einer typischen Leistungs-MOSFET-Treiberschaltung?

  • a) Er stellt die Schwellspannung ein
  • b) Er erzeugt den Drain-Strom
  • c) Er begrenzt den Spitzenstrom des Treibers, dämpft Schwingungen am Gate und stellt die Schaltgeschwindigkeit ein
  • d) Er ersetzt die Body-Diode

Richtig: c)

Erklärung: Der Gate-Vorwiderstand begrenzt den Spitzenstrom durch das Gate während der Umladung der Gate-Kapazitäten, dämpft eventuelle Schwingungen zwischen Gate-Induktivität und Gate-Kapazität und legt damit auch die Schaltgeschwindigkeit fest. Mit der Schwellspannung (eine Bauteileigenschaft), dem Drain-Strom (hängt am Lastkreis) und der Body-Diode (im Bauteil eingebaut) hat er nichts zu tun.

Glossar

MOSFET
Metal-Oxide-Semiconductor Field-Effect Transistor, ein spannungsgesteuerter Halbleiterschalter mit isoliertem Steuereingang. Heute das Standardbauteil der Leistungs- und Digitalelektronik.
Feldeffekttransistor
Sammelbegriff für Transistoren, bei denen der Stromfluss durch ein elektrisches Feld (statt durch einen Steuerstrom) gesteuert wird. Der MOSFET ist die wichtigste Bauform.
Gate
Steuereingang des MOSFETs, durch die Oxidschicht vom Halbleiter elektrisch isoliert. Eine Spannung am Gate erzeugt das Feld, das den Kanal steuert.
Drain
Hauptstrom-Ausgang des MOSFETs.
Source
Hauptstrom-Eingang des MOSFETs, meist Bezugspotenzial der Steuerspannung.
Bulk (auch Substrat)
Trägerkörper des MOSFETs, in der Regel intern mit Source verbunden.
Inversionskanal
Dünner leitfähiger Bereich direkt unter der Gate-Oxidschicht, in dem der Halbleiter durch das Gate-Feld seinen Leitungstyp gewechselt hat. Verbindet Drain und Source elektrisch.
Schwellspannung U_GS(th)
Minimale Gate-Source-Spannung, ab der sich beim Anreicherungstyp der Inversionskanal bildet und der MOSFET zu leiten beginnt.
Anreicherungstyp
Selbstsperrender MOSFET. Ohne Steuerspannung ist kein Kanal vorhanden, er muss durch U_GS erst „angereichert“ werden.
Verarmungstyp
Selbstleitender MOSFET. Der Kanal ist herstellungsbedingt vorhanden; eine Steuerspannung mit umgekehrter Polarität schnürt ihn ab („verarmt“ ihn an Ladungsträgern).
Triodenbereich (auch ohmscher oder linearer Bereich)
Arbeitsbereich des MOSFETs mit U_DS < U_GS − U_GS(th). Der MOSFET verhält sich wie ein durch U_GS steuerbarer Widerstand.
Sättigungsbereich (auch Abschnürbereich)
Arbeitsbereich mit U_DS ≥ U_GS − U_GS(th). Der Kanal ist am Drain-Ende abgeschnürt, der Drain-Strom hängt fast nur noch von U_GS ab.
R_DS(on)
Widerstand zwischen Drain und Source im voll eingeschalteten Zustand. Wichtigste Auswahlkenngröße für Leistungs-MOSFETs; bestimmt die Leitverluste direkt.
Gate-Ladung Q_G
Ladungsmenge, die zum vollständigen Umschalten des MOSFETs in das Gate fließen muss. Bestimmt zusammen mit dem verfügbaren Treiberstrom die Schaltgeschwindigkeit.
Steilheit g_m
Maß für die Verstärkungswirkung im Sättigungsbereich; gibt an, um wie viel sich I_D bei einer Änderung von U_GS um 1 V ändert.
Body-Diode
Konstruktionsbedingt vorhandene Diode zwischen Drain und Source, die in einer Richtung leitet und in der anderen sperrt. Wirkt bei induktiven Lasten als Freilaufdiode.
Gate-Treiber
Spezialisierter Treiberbaustein, der die hohen kurzzeitigen Lade- und Entladeströme für die Gate-Kapazität liefert und so saubere Schaltflanken ermöglicht.
ESD
Electrostatic Discharge, elektrostatische Entladung. Spannungen aus elektrostatischer Aufladung (oft mehrere Kilovolt) zerstören MOSFETs durch Oxiddurchschlag.
Scroll to Top