Dotierung und pn-Übergang

Reines Silizium ist für die Elektronik fast wertlos – es leitet zu schlecht. Erst durch das gezielte Einbringen winziger Mengen von Fremdatomen entstehen die beweglichen Ladungsträger, mit denen sich Bauteile aufbauen lassen. Wo n- und p-dotiertes Material aufeinandertreffen, bildet sich eine Sperrschicht. Genau diese Grenzfläche ist das Herz fast aller Halbleiterbauelemente, von der einfachen Diode bis zum Transistor in einer SPS-Baugruppe.

Vorwissen

  • Leiter, Halbleiter und Isolatoren
  • Elektrische Ladung und Elektronen
  • Das elektrische Feld

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum reines Silizium für elektronische Bauteile zu wenig leitfähig ist
  • den Unterschied zwischen n- und p-Dotierung beschreiben und Beispiele für Donator- und Akzeptoratome nennen
  • den Aufbau der Sperrschicht am pn-Übergang erklären und die Diffusionsspannung einordnen
  • das Verhalten des pn-Übergangs in Durchlass- und Sperrrichtung beschreiben
  • Zener- und Lawineneffekt als Ursachen des Durchbruchs unterscheiden

1. Warum reines Silizium nicht reicht – Eigenleitung

Silizium ist das mit Abstand wichtigste Halbleitermaterial. Ein Si-Atom hat vier Außenelektronen. Im Kristall verbindet sich jedes Atom über kovalente Bindungen mit vier Nachbarn, jedes Bindungspaar wird von zwei Elektronen geteilt. Bei sehr tiefen Temperaturen sitzen alle Elektronen fest in diesen Bindungen – der Kristall leitet praktisch nicht.

Mit steigender Temperatur bekommen einzelne Elektronen genug Energie, um aus ihren Bindungen herauszubrechen. Sie werden frei beweglich, und an ihrer ursprünglichen Stelle bleibt ein Loch zurück – eine open Bindung, die wie eine positive Ladung wirkt. Diesen Effekt nennt man Eigenleitung: Elektronen-Loch-Paare entstehen rein thermisch im reinen Kristall.

Für die Praxis ist das viel zu wenig. Bei Raumtemperatur ist die Eigenleitung von reinem Silizium so gering, dass kaum Strom fließt. Außerdem ist sie stark temperaturabhängig und damit unkontrollierbar. Für brauchbare Bauelemente braucht man eine kontrollierte, gezielt eingestellte Leitfähigkeit. Genau das leistet die Dotierung.

Warum ist reines Silizium bei Raumtemperatur ein schlechter Leiter?

  • a) Weil fast alle Elektronen in kovalenten Bindungen festsitzen und nur wenige Elektronen-Loch-Paare entstehen
  • b) Weil Silizium keine Außenelektronen besitzt
  • c) Weil sich die Atome im Kristall nicht regelmäßig anordnen
  • d) Weil Silizium grundsätzlich keine Ladungsträger enthält

Richtig: a)

Im Si-Kristall is jedes Atom über vier kovalente Bindungen mit seinen Nachbarn verbunden. Bei Raumtemperatur lösen sich nur sehr wenige Elektronen aus diesen Bindungen. Die Eigenleitung ist daher gering. Silizium hat sehr wohl vier Außenelektronen, und der Kristall ist regelmäßig aufgebaut.

Was beschreibt der Begriff Eigenleitung beim Halbleiter?

  • a) Die Leitung in stark dotiertem Halbleitermaterial
  • b) Die Leitung über externe Anschlussdrähte
  • c) Die thermisch erzeugte Leitung im reinen Kristall durch Elektronen-Loch-Paare
  • d) Die Leitung beim Anlegen eines Magnetfelds

Richtig: c)

Eigenleitung bezeichnet die Stromleitung, die schon im undotierten Halbleiter auftritt, weil thermisch immer einige Bindungen aufbrechen und so Elektronen-Loch-Paare entstehen. Dotierung, Anschlussdrähte und Magnetfelder haben damit nichts zu tun.

2. n-Dotierung – Elektronen als Majoritätsladungsträger

Unter Dotierung versteht man das gezielte Einbringen von Fremdatomen in das Halbleiter-Kristallgitter. Typische Mengen liegen bei einem Fremdatom auf rund 10⁶ bis 10⁸ Siliziumatome – wenig im Vergleich, aber enorm für die Leitfähigkeit.

Für die n-Dotierung verwendet man fünfwertige Atome, also Elemente mit fünf Außenelektronen. Praktisch eingesetzt werden Phosphor, Arsen und Antimon. Ein solches Atom besetzt einen Platz im Si-Gitter und bindet sich mit vier seiner Elektronen an die vier Si-Nachbarn. Das fünfte Elektron findet keinen Bindungspartner und ist nur sehr schwach an das Atom gebunden. Schon bei Raumtemperatur löst es sich und steht als frei beweglicher Ladungsträger zur Verfügung. Das fünfwertige Atom wird daher Donator genannt – es spendet ein Elektron.

Wichtig: Der Kristall bleibt elektrisch neutral. Das abgegebene Elektron ist zwar frei beweglich, aber das zurückbleibende Donatoratom ist nicht mehr neutral, sondern positiv geladen – allerdings ortsfest im Gitter. Über den ganzen Kristall heben sich die Ladungen auf.

Im n-dotierten Material gibt es viele freie Elektronen, aber durch die normale Eigenleitung auch einige wenige Löcher. Die zahlenmäßig überlegene Sorte nennt man Majoritätsladungsträger (hier: Elektronen), die andere Minoritätsladungsträger (hier: Löcher).

n-dotiertes Silizium mit Phosphor (5-wertig) Si Si Si Si Si P Si Si Si Si Si Si freies Elektron Donator (5-wertig) Silizium frei bewegliches Elektron

Warum eignet sich Phosphor zur n-Dotierung von Silizium?

  • a) Weil er drei Außenelektronen besitzt
  • b) Weil seine Atome sehr groß sind und das Si-Gitter verspannen
  • c) Weil er als 5-wertiges Atom vier Elektronen für Bindungen nutzt und ein Elektron schwach gebunden bleibt
  • d) Weil er die Eigenleitung von Silizium unterdrückt

Richtig: c)

Phosphor hat fünf Außenelektronen. Vier werden für die kovalenten Bindungen mit den Si-Nachbarn gebraucht, das fünfte ist nur schwach an das P-Atom gebunden und steht schon bei Raumtemperatur als freier Ladungsträger zur Verfügung. Die Größe der Atome und die Eigenleitung haben damit nichts zu tun.

Ist n-dotiertes Silizium elektrisch geladen?

  • a) Ja, es ist überwiegend negativ geladen, weil viele freie Elektronen vorhanden sind
  • b) Nein, denn jedem freien Elektron steht ein positiv geladenes, ortsfestes Donatoratom gegenüber
  • c) Ja, es ist positiv geladen, da die Donatoratome positive Ladungen sind
  • d) Das hängt nur von der Temperatur ab

Richtig: b)

Jedes Donatoratom gibt ein Elektron ab und bleibt dadurch positiv. Frei bewegliche Elektronen und ortsfeste positive Ionen sind in gleicher Anzahl vorhanden, der Kristall ist nach außen neutral.

Wer sind im n-dotierten Halbleiter die Minoritätsladungsträger?

  • a) Löcher
  • b) Elektronen
  • c) Donatoratome
  • d) Akzeptoratome

Richtig: a)

Im n-Material sorgt die Dotierung für viele freie Elektronen – das sind die Majoritätsträger. Daneben entstehen durch normale Eigenleitung wenige Elektronen-Loch-Paare; die Löcher daraus sind die Minoritätsträger. Donator- und Akzeptoratome sind ortsfest und gehören nicht zu den beweglichen Ladungsträgern.

3. p-Dotierung – Löcher als Majoritätsladungsträger

Für die p-Dotierung verwendet man dreiwertige Atome – Bor, Aluminium, Indium oder Gallium. Ein solches Atom sitzt im Gitter und kann nur drei seiner vier Bindungen zu den Si-Nachbarn besetzen. Eine Bindung bleibt unvollständig: An dieser Stelle „fehlt“ ein Elektron. Diese offene Bindung nennt man Loch oder Defektelektron.

Ein Akzeptor ist also ein dreiwertiges Atom, das ein Elektron aufnehmen kann. Wird das Loch durch ein benachbartes Bindungselektron aufgefüllt, ist das Akzeptoratom voll gesättigt – und an der Stelle des Nachbarn entsteht ein neues Loch. Das Loch wandert dadurch wie eine positive Ladung durch den Kristall.

Auch hier bleibt der Kristall elektrisch neutral. Das Akzeptoratom ist nach Aufnahme eines Elektrons negativ geladen und ortsfest. Die positiv wirkenden Löcher sind frei beweglich. Im p-Material sind die Löcher Majoritäts-, die Elektronen Minoritätsladungsträger.

p-dotiertes Silizium mit Bor (3-wertig) Si Si Si Si Si B Si Si Si Si Si Si + Loch (Defektelektron) Akzeptor (3-wertig) Silizium bewegliches Loch

Was bewirkt ein Akzeptoratom im Si-Kristall?

  • a) Es bringt ein zusätzliches Elektron ins Gitter ein
  • b) Es ersetzt zwei Si-Atome gleichzeitig
  • c) Es erhöht die Eigenleitung des Kristalls
  • d) Es lässt eine Bindung unvollständig und schafft so ein Loch

Richtig: d)

Ein dreiwertiges Atom kann nur drei seiner vier Si-Nachbarn binden. Die vierte Bindung bleibt offen und wird als Loch beschrieben. Ein zusätzliches Elektron bringt es nicht ein – das ist die Wirkung der n-Dotierung mit fünfwertigen Atomen.

Welche Aussage zur Löcherwanderung ist korrekt?

  • a) Löcher sind eigenständige Teilchen, die sich wie Elektronen bewegen
  • b) Löcher bewegen sich nur im Vakuum
  • c) Löcher entstehen ausschließlich durch Erwärmung
  • d) Löcher wandern nur scheinbar – tatsächlich rücken Bindungselektronen nach

Richtig: d)

Was sich tatsächlich bewegt, sind Elektronen, die ein benachbartes Loch auffüllen. Das Loch erscheint dann eine Position weiter. Im p-Material entstehen Löcher hauptsächlich durch die Dotierung, nicht nur durch Wärme; eigenständige Teilchen sind sie nicht.

Wer sind im p-dotierten Halbleiter die Majoritätsladungsträger?

  • a) Donatoratome
  • b) Elektronen
  • c) Akzeptoratome
  • d) Löcher

Richtig: d)

Die p-Dotierung mit Akzeptoratomen erzeugt viele bewegliche Löcher – das sind die Majoritätsträger. Die wenigen Elektronen aus der Eigenleitung sind Minoritätsträger. Donator- und Akzeptoratome sind ortsfest.

4. Der pn-Übergang ohne äußere Spannung

Ein pn-Übergang entsteht nicht dadurch, dass man eine p- und eine n-Schicht aneinanderlegt, sondern indem man in einem einzigen Kristall einen Bereich p-dotiert und einen angrenzenden Bereich n-dotiert. Nur so sind die beiden Zonen wirklich elektrisch miteinander verbunden.

An der Grenzfläche treffen plötzlich sehr viele Elektronen (aus dem n-Bereich) auf sehr viele Löcher (aus dem p-Bereich). Die Folge: Elektronen diffundieren ins p-Gebiet und rekombinieren dort mit Löchern, gleichzeitig diffundieren Löcher ins n-Gebiet und rekombinieren mit Elektronen. Diffusion beschreibt diese gerichtete Bewegung vom Bereich höherer zu niedrigerer Konzentration.

Durch die Rekombination verschwinden in einer schmalen Zone rund um die Grenze die beweglichen Ladungsträger. Zurück bleiben die ortsfesten Donatorionen (positiv) auf der n-Seite und die ortsfesten Akzeptorionen (negativ) auf der p-Seite. Diese ortsfesten Ladungen bilden die Raumladungszone, oft auch Sperrschicht oder Verarmungszone genannt.

Im Bereich der Sperrschicht entsteht damit ein elektrisches Feld, das von den positiven Donatorionen zu den negativen Akzeptorionen zeigt. Dieses Feld wirkt der weiteren Diffusion entgegen – es zieht Elektronen zurück in den n-Bereich und Löcher zurück in den p-Bereich. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein: So viele Ladungsträger durch Diffusion in die andere Schicht wandern, so viele werden vom Feld zurückgedrängt.

Die zugehörige Spannung über der Sperrschicht heißt Diffusionsspannung oder innere Spannung. Sie beträgt bei Silizium rund 0,7 V, bei Germanium etwa 0,3 V. Außen am Bauteil ist diese Spannung nicht messbar – sie tritt nur als Potentialunterschied innerhalb der Sperrschicht auf.

pn-Übergang ohne äußere Spannung p-Bereich n-Bereich Sperrschicht + E-Feld in der Sperrschicht Diffusionsspannung U_D ≈ 0,7 V (Si) freies Loch freies Elektron ortsfestes Akzeptor-Ion ortsfestes Donator-Ion

Wodurch bildet sich die Sperrschicht am pn-Übergang?

  • a) Durch Anlegen einer äußeren Spannung
  • b) Durch das Aufkleben einer Isolierschicht zwischen p- und n-Bereich
  • c) Durch das Erwärmen des Kristalls über 100 °C
  • d) Durch Diffusion und Rekombination an der Grenzfläche, wobei ortsfeste Ionen zurückbleiben

Richtig: d)

Die Sperrschicht entsteht von selbst, sobald p- und n-Bereich im gleichen Kristall aneinanderstoßen. Elektronen und Löcher diffundieren und rekombinieren, übrig bleiben fest verankerte Donator- und Akzeptorionen. Eine äußere Spannung oder eine Klebeschicht ist dafür nicht nötig.

Was beschreibt die Diffusionsspannung?

  • a) Die mit dem Voltmeter messbare Klemmenspannung am Bauteil
  • b) Die Spannung, ab der das Bauteil durchbricht
  • c) Den Potentialunterschied über der Sperrschicht, der durch die ortsfesten Ladungen entsteht
  • d) Die thermische Rauschspannung im Kristall

Richtig: c)

Die Diffusionsspannung ist die innere Spannung über der Sperrschicht und beträgt bei Si rund 0,7 V. Von außen ist sie nicht messbar; sie hat nichts mit dem Durchbruch oder mit thermischem Rauschen zu tun.

Welche Aussage zu den Ladungsträgern in der Sperrschicht stimmt?

  • a) Sie ist verarmt an freien Ladungsträgern, enthält aber ortsfeste geladene Ionen
  • b) Sie enthält weder freie noch ortsfeste Ladungen
  • c) Sie enthält nur freie Elektronen
  • d) Sie enthält nur frei bewegliche Löcher

Richtig: a)

Durch Rekombination vanished die beweglichen Ladungsträger fast vollständig. Die ortsfesten Donator- und Akzeptorionen bleiben aber – sie sorgen für das Feld in der Sperrschicht.

5. pn-Übergang mit äußerer Spannung – Sperr- und Durchlassrichtung

Spannender wird es, sobald an den pn-Übergang eine äußere Spannung gelegt wird. Je nachdem, wie die Pole anliegen, verhält sich der Übergang völlig unterschiedlich.

Durchlassrichtung: Der Pluspol der Spannungsquelle liegt am p-Material, der Minuspol am n-Material. Die äußere Spannung wirkt der Diffusionsspannung entgegen. Sie drückt Löcher in Richtung Grenzfläche und Elektronen ebenfalls. Die Sperrschicht wird schmaler. Sobald die äußere Spannung größer ist als die Diffusionsspannung, also bei Silizium ab ungefähr 0,7 V (sogenannte Schwellspannung), bricht die Sperrwirkung zusammen und es fließt ein deutlicher Strom in Durchlassrichtung. Bei Germanium liegt die Schwellspannung bei rund 0,3 V.

Sperrrichtung: Der Pluspol liegt am n-Material, der Minuspol am p-Material. Die äußere Spannung verstärkt das innere Feld. Elektronen werden weiter ins n-Gebiet, Löcher weiter ins p-Gebiet gezogen. Die Sperrschicht wird breiter, freie Ladungsträger verschwinden noch stärker aus der Grenzregion. Es fließt nur ein sehr kleiner Sperrstrom, getragen von Minoritätsladungsträgern, die thermisch ständig nachgebildet werden.

Hier kommt ein wichtiger Praxis-Aspekt ins Spiel: Der Sperrstrom hängt stark von der Temperatur ab. Als Faustregel gilt, dass er sich bei Silizium etwa alle 7 bis 10 K verdoppelt. Bei einer Erwärmung von 25 °C auf 75 °C kann der Sperrstrom also um eine Größenordnung steigen. In dicht gepackten Baugruppen oder in Schaltschränken mit hoher Innentemperatur ist das ein realer Effekt, der bei der Auslegung berücksichtigt werden muss.

Wird die Sperrspannung über einen materialabhängigen Grenzwert hinaus erhöht, kommt es zum Durchbruch. Der Strom steigt dann schlagartig stark an. Hinter dem Durchbruch stehen zwei verschiedene physikalische Effekte, die je nach Dotierung und Spannung dominieren:

  • Zener-Effekt: Bei stark dotierten Übergängen und niedrigen Durchbruchspannungen (unterhalb von etwa 5 bis 6 V) ist die Sperrschicht so dünn, dass das elektrische Feld einzelne Elektronen direkt aus ihren Bindungen reißen kann.
  • Lawineneffekt: Bei schwächer dotierten Übergängen und höheren Durchbruchspannungen erfahren die wenigen Minoritätsträger im starken Feld eine so hohe Beschleunigung, dass sie beim Stoß auf Gitteratome weitere Elektronen aus Bindungen herausschlagen. Diese neuen Elektronen schlagen wiederum weitere heraus – eine Ladungsträgerlawine entsteht.

Beim normalen pn-Übergang ist der Durchbruch unkontrolliert und führt meist zur Zerstörung. Die genannten Effekte werden aber in speziellen Bauteilen gezielt genutzt; ein Beispiel ist die Z-Diode, die zur Spannungsstabilisierung dient und im eigenen Beitrag dazu vertieft wird.

pn-Übergang mit äußerer Spannung Durchlassrichtung p n schmal + I > 0 ab U ≈ 0,7 V (Si) Sperrrichtung p n breit + kleiner Sperrstrom Sperrstrom verdoppelt sich grob alle 7–10 K (Si) Bei zu hoher Sperrspannung: Durchbruch (Zener- oder Lawineneffekt)

Wie muss eine Si-Diode mit pn-Übergang gepolt werden, damit sie leitet?

  • a) Pluspol an n, Minuspol an p
  • b) Pluspol an p, Minuspol an n
  • c) Beide Pole gleichzeitig an n
  • d) Polarität ist beim pn-Übergang egal

Richtig: b)

In Durchlassrichtung wirkt die äußere Spannung der inneren Diffusionsspannung entgegen. Dazu muss Plus am p-Material und Minus am n-Material anliegen. Erst ab etwa 0,7 V (Si) fließt deutlich Strom.

Was passiert mit der Sperrschicht in Sperrrichtung?

  • a) Sie wird breiter, weil das äußere Feld in Richtung des inneren Feldes wirkt
  • b) Sie vanished vollständig
  • c) Sie wird schmaler und es fließt hoher Strom
  • d) Sie bleibt unverändert

Richtig: a)

In Sperrrichtung addieren sich äußeres und inneres Feld. Elektronen werden tiefer ins n-Gebiet, Löcher tiefer ins p-Gebiet gezogen, die Sperrschicht wächst und der Strom bleibt sehr klein.

Eine Schaltung mit Silizium-Dioden funktioniert bei 25 °C einwandfrei. Bei 75 °C im Schaltschrank wird ein Bauteil unerwartet warm. Welche Ursache passt am ehesten zur typischen Temperaturabhängigkeit des Sperrstroms?

  • a) Der Sperrstrom hat sich um etwa eine Größenordnung erhöht
  • b) Der Sperrstrom ist konstant geblieben
  • c) Die Schwellspannung ist von 0,7 V auf 7 V gestiegen
  • d) Die Diode wirkt jetzt wie ein Isolator

Richtig: a)

Der Sperrstrom verdoppelt sich bei Si grob alle 7 bis 10 K. Zwischen 25 °C und 75 °C liegen 50 K, das entspricht ungefähr fünf bis sieben Verdopplungen – also Faktor 30 bis 100. Die Schwellspannung ändert sich dagegen nur wenig (sogar leicht nach unten).

Welche Aussage zum Durchbruch eines pn-Übergangs trifft zu?

  • a) Er entsteht ausschließlich in Durchlassrichtung
  • b) Er wird bei niedrigen Durchbruchspannungen durch den Zener-Effekt, bei hohen durch den Lawineneffekt verursacht
  • c) Er ist immer ein Materialfehler
  • d) Er ist nur bei Germaniumdioden möglich

Richtig: b)

Der Durchbruch tritt in Sperrrichtung auf. Bei stark dotierten Übergängen mit dünner Sperrschicht und niedrigen Durchbruchspannungen dominiert der Zener-Effekt, bei schwächer dotierten Übergängen mit hoher Durchbruchspannung der Lawineneffekt. Er ist eine reale physikalische Eigenschaft, kein Materialfehler, und tritt bei Silizium genauso auf wie bei Germanium.

Abschlusstest

Welche Aussage zum reinen, undotierten Silizium ist korrekt?

  • a) Es ist bei Raumtemperatur ein guter elektrischer Leiter
  • b) Es enthält bei Raumtemperatur nur wenige Elektronen-Loch-Paare und leitet schlecht
  • c) Es enthält keine Elektronen in den Bindungen
  • d) Es ist ein metallischer Leiter mit hoher Leitfähigkeit

Richtig: b)

Im reinen Si-Kristall sitzen fast alle Außenelektronen in kovalenten Bindungen. Nur sehr wenige werden thermisch frei – die Eigenleitung ist gering. Ein Metall ist Silizium nicht.

Welche Elemente werden typischerweise zur n-Dotierung von Silizium verwendet?

  • a) Phosphor, Arsen oder Antimon
  • b) Bor, Aluminium oder Indium
  • c) Kohlenstoff, Schwefel oder Sauerstoff
  • d) Eisen, Nickel oder Kobalt

Richtig: a)

Für die n-Dotierung braucht es fünfwertige Atome. Bor, Aluminium und Indium are dreiwertig und werden für p-Dotierung verwendet. Kohlenstoff, Schwefel oder Metalle wie Eisen kommen in diesem Zusammenhang nicht zum Einsatz.

Welche Aussage zu n- und p-dotiertem Material ist richtig?

  • a) Beide sind insgesamt positiv geladen
  • b) Beide sind insgesamt negativ geladen
  • c) Beide sind insgesamt elektrisch neutral
  • d) Nur das n-Material ist neutral

Richtig: c)

Jedes Donator- oder Akzeptoratom bringt nicht mehr Ladung in den Kristall ein, als es vorher hatte. Frei bewegliche Ladungsträger und ortsfeste, ionisierte Donator- bzw. Akzeptoratome heben sich in der Anzahl genau auf.

Was ist im p-dotierten Material der Majoritätsladungsträger?

  • a) Frei bewegliche Löcher
  • b) Frei bewegliche Elektronen
  • c) Frei bewegliche Akzeptoratome
  • d) Frei bewegliche Donatoratome

Richtig: a)

Die p-Dotierung mit dreiwertigen Atomen schafft viele Löcher. Sie sind die Majoritätsträger. Die wenigen Elektronen aus der Eigenleitung sind Minoritätsträger.

Wodurch entsteht die Sperrschicht am pn-Übergang?

  • a) Durch Anlegen einer Spannung über mehrere Sekunden
  • b) Durch das Aufbringen einer dünnen Oxidschicht
  • c) Durch das Verlöten der p- und n-Schicht
  • d) Durch ortsfeste Donator- und Akzeptorionen, nachdem die beweglichen Ladungsträger an der Grenze rekombiniert sind

Richtig: d)

An der Grenzfläche rekombinieren die diffundierenden Elektronen und Löcher. Übrig bleibt eine Zone aus ortsfesten, ionisierten Donator- und Akzeptoratomen – das ist die Sperrschicht. Eine äußere Maßnahme ist dafür nicht nötig.

Welche Aussage zur Diffusionsspannung trifft zu?

  • a) Sie ist von außen mit dem Voltmeter direkt messbar
  • b) Sie ist null, solange keine äußere Spannung anliegt
  • c) Sie ist eine innere Spannung über der Sperrschicht und beträgt bei Si rund 0,7 V
  • d) Sie ist bei Germanium typischerweise größer als bei Silizium

Richtig: c)

Die Diffusionsspannung ist eine innere Spannung, die durch das Feld der ortsfesten Ionen entsteht. Sie liegt bei Si bei rund 0,7 V, bei Ge bei rund 0,3 V – Si hat also den größeren Wert.

Eine Si-Diode soll in Durchlassrichtung betrieben werden. Welche Polung ist richtig?

  • a) Pluspol der Spannungsquelle an die n-Schicht
  • b) Pluspol der Spannungsquelle an die p-Schicht
  • c) Beide Pole an die Sperrschicht
  • d) Polung egal, solange die Spannung hoch genug ist

Richtig: b)

In Durchlassrichtung muss die äußere Spannung der Diffusionsspannung entgegenwirken. Das heißt: Plus an p-Material, Minus an n-Material.

Welche Aussage zum Sperrstrom in Sperrrichtung ist korrekt?

  • a) Er ist null
  • b) Er ist genauso groß wie der Durchlassstrom
  • c) Er ändert sich mit der Temperatur kaum
  • d) Er ist klein und wird von Minoritätsladungsträgern getragen

Richtig: d)

In Sperrrichtung fließt nur ein sehr kleiner Strom, getragen von den thermisch erzeugten Minoritätsträgern. Null ist er nicht, und er ist deutlich temperaturabhängig.

Eine Si-Diode hat bei 25 °C einen Sperrstrom von 10 nA. Wie groß ist der Sperrstrom näherungsweise bei 55 °C, wenn man die Faustregel „Verdopplung etwa alle 10 K“ zugrunde legt?

  • a) Etwa unverändert 10 nA
  • b) Rund 20 nA
  • c) Rund 80 nA
  • d) Rund 1 mA

Richtig: c)

30 K Temperaturdifferenz entspricht drei Verdopplungen: 10 → 20 → 40 → 80 nA. Werte im mA-Bereich wären für eine intakte Si-Diode im normalen Sperrbetrieb deutlich zu hoch – Standardtypen wie 1N4148 oder 1N4007 liegen bei Raumtemperatur sogar im einstelligen nA-Bereich.

Welcher Effekt dominiert beim Durchbruch eines stark dotierten pn-Übergangs mit niedriger Durchbruchspannung (unter etwa 5 V)?

  • a) Lawineneffekt
  • b) Zener-Effekt
  • c) Hall-Effekt
  • d) Piezoeffekt

Richtig: b)

Bei stark dotierten Übergängen ist die Sperrschicht sehr dünn. Schon bei niedrigen Spannungen wird das Feld so groß, dass Elektronen direkt aus den Bindungen gerissen werden – das ist der Zener-Effekt. Der Lawineneffekt tritt bei höheren Durchbruchspannungen und schwächer dotierten Übergängen auf. Hall- und Piezoeffekt sind völlig andere Phänomene.

Welche Aussage trifft auf den Lawineneffekt zu?

  • a) Er entsteht durch direkte Ablösung von Elektronen aus Bindungen bei niedrigen Spannungen
  • b) Er beruht auf Stoßionisation: beschleunigte Ladungsträger schlagen weitere Elektronen heraus
  • c) Er tritt nur bei Germanium auf
  • d) Er senkt die Sperrspannung des Bauteils dauerhaft auf null

Richtig: b)

Im starken Feld der breiten Sperrschicht werden Minoritätsträger so stark beschleunigt, dass sie beim Stoß auf Gitteratome weitere Elektronen aus Bindungen lösen. Diese stoßen wiederum weitere Elektronen heraus – eine Lawine bildet sich. Direkte Ablösung ohne Stoß beschreibt dagegen den Zener-Effekt.

Welcher Zusammenhang zwischen Sperrschicht-Breite und Spannung ist korrekt?

  • a) In Durchlassrichtung wird die Sperrschicht breiter, in Sperrrichtung schmaler
  • b) Die Sperrschicht-Breite ist immer konstant
  • c) In Sperrrichtung wird die Sperrschicht breiter, in Durchlassrichtung schmaler
  • d) Die Sperrschicht-Breite hängt nur von der Temperatur ab

Richtig: c)

Eine äußere Spannung in Sperrrichtung verstärkt das innere Feld; mehr ortsfeste Ionen werden „freigelegt“, die Zone wird breiter. In Durchlassrichtung passiert das Gegenteil: die Sperrschicht wird abgebaut.

Glossar

Dotierung
Gezieltes Einbringen geringer Mengen von Fremdatomen in das Halbleiter-Kristallgitter, um Anzahl und Art der beweglichen Ladungsträger einzustellen.
Donator
Fünfwertiges Fremdatom (z.B. Phosphor, Arsen, Antimon), das im Si-Gitter ein zusätzliches, leicht abgebbares Elektron liefert.
Akzeptor
Dreiwertiges Fremdatom (z.B. Bor, Aluminium, Indium, Gallium), das im Si-Gitter eine offene Bindung erzeugt und so ein Loch bereitstellt.
Majoritätsladungsträger
Im jeweiligen Material zahlenmäßig überwiegende Ladungsträgerart. Im n-Material die Elektronen, im p-Material die Löcher.
Minoritätsladungsträger
Im jeweiligen Material seltener Ladungsträgerart, hervorgegangen aus der Eigenleitung. Im n-Material die Löcher, im p-Material die Elektronen.
pn-Übergang
Grenzbereich in einem Halbleiterkristall, an dem ein p-dotierter an einen n-dotierten Bereich angrenzt. Bildet die Basis fast aller Halbleiterbauelemente.
Raumladungszone
Zone rund um den pn-Übergang, in der durch Rekombination kaum bewegliche Ladungsträger vorhanden sind. Wird auch Sperrschicht oder Verarmungszone genannt.
Diffusionsspannung
Innere Spannung über der Sperrschicht, die durch die ortsfesten Donator- und Akzeptorionen entsteht. Bei Si rund 0,7 V, bei Ge rund 0,3 V.
Schwellspannung
Äußere Spannung, ab der ein pn-Übergang in Durchlassrichtung deutlich leitet. Bei Silizium etwa 0,7 V, bei Germanium etwa 0,3 V.
Sperrstrom
Sehr kleiner Strom, der in Sperrrichtung durch Minoritätsladungsträger getragen wird. Stark temperaturabhängig, bei Silizium verdoppelt er sich grob alle 7 bis 10 K.
Zener-Effekt
Durchbruchsmechanismus bei stark dotierten pn-Übergängen mit dünner Sperrschicht. Das starke Feld reißt Elektronen direkt aus ihren Bindungen, dominiert bei Durchbruchspannungen unter etwa 5 V.
Lawineneffekt
Durchbruchsmechanismus bei schwächer dotierten Übergängen und höheren Durchbruchspannungen. Beschleunigte Ladungsträger schlagen durch Stoßionisation weitere Elektronen aus Bindungen, der Strom steigt lawinenartig.
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