Wendeschützschaltung
Ein Drehstrommotor kann ohne großen Aufwand seine Drehrichtung umkehren. Möglich macht das die Wendeschützschaltung – eine klassische Schaltung der Schütztechnik, die in unzähligen Maschinen und Anlagen steckt. Das eigentliche Thema ist dabei nicht das Schalten an sich, sondern eine saubere Trennung der beiden Drehrichtungen. Denn ziehen die beiden Schütze gleichzeitig an, knallt es.
Vorwissen
- Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
- Schütze und Relais
- Selbsthaltung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum für die Drehrichtungsumkehr eines Drehstrommotors zwei Phasen vertauscht werden,
- Haupt- und Steuerstromkreis einer Wendeschützschaltung im Schaltplan lesen und interpretieren,
- die drei Verriegelungsebenen (Tasterverriegelung, elektrisch, mechanisch) unterscheiden und ihre Funktion erklären,
- Betriebsmittel und Anschlüsse nach den gültigen Kennzeichnungsregeln benennen,
- typische Fehler bei Verdrahtung, Auslegung und Schaltkategorie erkennen.
1. Was ist eine Wendeschützschaltung?
Eine Wendeschützschaltung kehrt die Drehrichtung eines Drehstrommotors um. Dafür sind zwei Schütze nötig: eines für die eine Drehrichtung, eines für die andere. Beide schalten denselben Motor – aber jedes verdrahtet die Phasen unterschiedlich zum Motor durch.
In der Praxis findet sich diese Schaltung überall dort, wo ein Antrieb in beide Richtungen laufen muss: Hubtore, Aufzüge, Hebezeuge, Förderbänder mit Wendebetrieb, Drehbänke und Bohrmaschinen. Im Gegensatz zur einfachen Direkteinschaltung (eigener Beitrag), bei der nur ein Schütz den Motor in einer Richtung anlaufen lässt, kann mit der Wendeschützschaltung die Drehrichtung auch im laufenden Betrieb gewechselt werden.
Welche Aufgabe erfüllt eine Wendeschützschaltung?
- a) Sie erhöht das Drehmoment beim Anlauf eines Drehstrommotors.
- b) Sie reduziert den Anlaufstrom eines Drehstrommotors.
- c) Sie regelt die Drehzahl eines Drehstrommotors über die Frequenz.
- d) Sie schaltet einen Drehstrommotor in beiden Drehrichtungen.
Richtig: d)
Die Wendeschützschaltung dient ausschließlich der Drehrichtungsumkehr. Drehmoment- und Drehzahlanpassung sind nicht ihre Aufgabe – dafür gibt es Sanftanlaufgeräte, Stern-Dreieck-Schaltungen oder Frequenzumrichter.
Wie viele Schütze enthält eine klassische Wendeschützschaltung?
- a) Eines
- b) Zwei
- c) Drei
- d) Vier
Richtig: b)
Pro Drehrichtung wird ein Schütz benötigt. Beide schalten denselben Motor, aber mit unterschiedlicher Phasenfolge. Eine dritte oder vierte Schalteinheit gehört zu anderen Schaltungen (z.B. Stern-Dreieck oder Polumschaltung).
2. Drehrichtungsumkehr durch Phasentausch
Damit der Motor in die andere Richtung dreht, muss das Drehfeld im Stator umgekehrt werden. Das Drehfeld (eigener Beitrag) ist das magnetische Feld im Innern des Motors, das umläuft und den Rotor mitnimmt. Seine Drehrichtung hängt direkt davon ab, in welcher Reihenfolge die drei Außenleiter die Statorwicklungen versorgen.
Das Praktische daran: Es genügt, zwei beliebige Außenleiter zu vertauschen. Welche zwei – physikalisch egal. Jedes Vertauschen kehrt die Drehrichtung um. In der Praxis hat sich aber eine Konvention durchgesetzt:
Rechtslauf: L1 → U L2 → V L3 → W
Linkslauf: L1 → W L2 → V L3 → U
L2 bleibt stehen, L1 und L3 tauschen. Diese Konvention findet sich in fast allen Schaltplänen so. Tauscht man stattdessen L1 mit L2 oder L2 mit L3, funktioniert die Umkehr genauso – der Plan sieht nur ungewohnt aus.
Wodurch wird die Drehrichtung eines Drehstrom-Asynchronmotors bestimmt?
- a) Durch die Höhe der angelegten Spannung
- b) Durch die Phasenfolge der Außenleiter
- c) Durch die Frequenz der Netzspannung
- d) Durch die Anschlussart (Stern oder Dreieck)
Richtig: b)
Allein die Reihenfolge der Außenleiter (Phasenfolge) legt die Drehrichtung des Drehfelds und damit des Rotors fest. Spannungshöhe und Schaltungsart beeinflussen Drehmoment und Strom, die Frequenz beeinflusst die Drehzahl – aber keine davon kehrt die Drehrichtung um.
Wie viele Außenleiter müssen mindestens vertauscht werden, um die Drehrichtung umzukehren?
- a) Einen einzigen
- b) Zwei beliebige
- c) Alle drei
- d) Keinen, dafür müssen N und PE getauscht werden
Richtig: b)
Ein einzelner getauschter Außenleiter macht das Drehfeld unsymmetrisch – der Motor würde brummen und Strom ziehen, aber nicht regulär anlaufen. Alle drei zu tauschen ergibt die gleiche Phasenfolge wie vorher. N und PE haben mit der Drehrichtung nichts zu tun.
Welche Phasenfolge zum Motor entspricht in der üblichen Konvention dem Linkslauf?
- a) L1→U, L2→V, L3→W
- b) L1→V, L2→U, L3→W
- c) L1→W, L2→V, L3→U
- d) L1→U, L2→W, L3→V
Richtig: c)
In der Standardkonvention bleibt L2 auf V, L1 und L3 werden getauscht. Damit liegt beim Linkslauf L1 auf W und L3 auf U. Die anderen Antworten beschreiben entweder Rechtslauf oder einen Tausch anderer Phasen.
3. Hauptstromkreis der Wendeschützschaltung
Im Hauptstromkreis fließt der Motorstrom. Hier sitzen die beiden Schütze, durch die der Strom vom Netz zum Motor läuft. Beide Schütze sind eingangsseitig parallel an L1, L2 und L3 angeschlossen. Ausgangsseitig landen sie aber unterschiedlich am Motor:
Schütz -Q1 (Rechtslauf): Anschluss 1→U, 3→V, 5→W
Schütz -Q2 (Linkslauf): Anschluss 1→W, 3→V, 5→U
Die Hauptkontakte tragen feste Anschlussbezeichnungen nach ÖNORM EN 60947: Eingangsseite 1, 3, 5, Ausgangsseite 2, 4, 6. Diese Nummerierung ist auf jedem Schütz aufgedruckt und gilt unabhängig vom Hersteller. Die Klemmen am Motor heißen U1, V1, W1 (am Klemmenbrett ebenfalls so beschriftet).
Die Betriebsmittelkennzeichnung folgt der ÖNORM EN 81346. Übliche Buchstaben:
| Buchstabe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Q | Schaltglied (Schütz) | -Q1, -Q2 |
| F | Schutzeinrichtung (Sicherung, Überlastrelais) | -F1, -F3 |
| S | Befehlsgerät (Taster, Schalter) | -S0, -S1, -S2 |
| M | Motor | -M1 |
| T | Transformator | -T1 |
Das vorangestellte Minuszeichen ist nach ÖNORM EN 81346 for das Produkt-Kennzeichen vorgesehen. In älteren Plänen findet sich auch „K“ statt „Q“ für Schütze und Verzicht auf das Minuszeichen – die Logik dahinter bleibt aber dieselbe.
Vor den Schützen sitzt eine gemeinsame Vorsicherung -F1 (Schmelzsicherung oder Leitungsschutzschalter), die die Zuleitung gegen Kurzschluss schützt. Direkt nach den Schützen, vor dem Motor, sitzt das thermische Überlastrelais -F3 (oder ein kombinierter Motorschutzschalter, eigener Beitrag), das den Motorstrom überwacht und vor langsamer thermischer Überlastung schützt.
Welche Anschlussbezeichnungen tragen die Eingangsklemmen der Hauptkontakte eines Schützes?
- a) 1, 3, 5
- b) 2, 4, 6
- c) 13, 14, 23
- d) A1, A2
Richtig: a)
Die Eingangsklemmen der Hauptkontakte sind mit den ungeraden Ziffern 1, 3, 5 nummeriert, die Ausgänge mit 2, 4, 6. 13/14 sind Hilfsschließer-Anschlüsse, A1/A2 sind die Spulenanschlüsse.
Welche Funktion hat das thermische Überlastrelais im Hauptstromkreis?
- a) Es schaltet den Motor bei Kurzschluss ab.
- b) Es schaltet den Motor bei langsamer thermischer Überlastung ab.
- c) Es kehrt die Drehrichtung des Motors um.
- d) Es trennt den Motor vom Netz bei Spannungsausfall.
Richtig: b)
Das thermische Überlastrelais überwacht den Motorstrom über einen längeren Zeitraum und löst aus, wenn der Strom dauerhaft über dem Nennwert liegt. Kurzschlüsse fängt die Schmelzsicherung -F1 ab. Drehrichtungsumkehr ist Aufgabe der Schütze, Spannungsausfall wirkt direkt auf die Schützspulen.
Auf welcher Seite eines Schützes ist die Phasenfolge bei -Q1 und -Q2 unterschiedlich?
- a) Auf der Eingangsseite – die Phasen kommen anders aus dem Netz.
- b) Auf der Ausgangsseite zum Motor – L1 und L3 sind dort getauscht.
- c) Beide Schütze sind komplett identisch verdrahtet.
- d) Die Phasenfolge ist auf beiden Seiten unterschiedlich.
Richtig: b)
Eingangsseitig liegen an beiden Schützen die gleichen Außenleiter L1, L2, L3. Ausgangsseitig sind bei -Q2 die Außenleiter L1 und L3 zur Motorklemmleiste getauscht. Identisch verdrahtet wären die Schütze nicht – dann würden beide dieselbe Drehrichtung schalten.
4. Steuerstromkreis mit Selbsthaltung und elektrischer Verriegelung
Im Steuerstromkreis fließen die kleinen Steuerströme, die die Schützspulen versorgen. Dieser Stromkreis liegt entweder direkt an einer Phase (z.B. L1 gegen N) oder hinter einem Steuertransformator, der die Steuerspannung von 400 V auf 230 V oder 24 V herunterbringt.
Die Bauteile im Steuerkreis sind:
- -S0: Aus-Taster (Öffner). Trennt beide Spulen.
- -S1: Ein-Taster für Rechtslauf (Schließer).
- -S2: Ein-Taster für Linkslauf (Schließer).
- -Q1, -Q2: die Schützspulen mit Hilfskontakten.
- -F3: thermisches Überlastrelais mit Auslösekontakt.
Drei Punkte sind hier besonders wichtig:
Selbsthaltung. Nach Loslassen des Ein-Tasters bleibt der Schütz angezogen, weil sein eigener Hilfsschließer 13-14 parallel zum Taster liegt. Das Prinzip Selbsthaltung wird in einem eigenen Beitrag ausführlich behandelt – hier gilt es nur als Voraussetzung.
Gegenseitige elektrische Verriegelung. In Reihe vor der Spule von -Q1 liegt der Hilfsöffner 21-22 von -Q2. Umgekehrt sitzt vor -Q2 der Hilfsöffner 21-22 von -Q1. Ist ein Schütz angezogen, ist sein Hilfsöffner offen und der Stromweg zur anderen Spule unterbrochen. Verriegelungen im Allgemeinen werden in einem eigenen Beitrag behandelt – konkret zeigt sich hier, warum diese Verriegelung sicherheitskritisch ist: ohne sie kann ein gleichzeitiger Anzug auftreten, und das ergibt einen zweipoligen Kurzschluss zwischen L1 und L3 direkt im Schaltschrank.
Motorschutz im Steuerstromkreis. Das thermische Überlastrelais -F3 hat zwei Anschlüsse auf der Steuerseite: einen Auslöse-Öffner 95-96 und einen Schließer 97-98. Der Öffner 95-96 wird in Reihe vor den gesamten Steuerstromkreis geschaltet – vor -S0, vor allen anderen Bauteilen. Löst das Überlastrelais aus, öffnet 95-96, beide Spulen verlieren die Spannung und beide Schütze fallen ab. Der Motor steht. Ohne diese Verdrahtung läuft der Motor trotz Überlast weiter, bis er thermisch zerstört ist – einer der schwersten Planungsfehler in einer Motorsteuerung.
Stromweg von oben nach unten (Beispiel Rechtslauf):
- L1 (oder Steuerspannungsphase)
- Steuersicherung -F2
- -F3 Öffner 95-96 (Motorschutz)
- -S0 Öffner (Aus)
- Parallel: -S1 Schließer oder -Q1 Hilfsschließer 13-14 (Selbsthaltung)
- -Q2 Hilfsöffner 21-22 (Verriegelung)
- -Q1 Spule A1-A2
- N
Welche Anschlussbezeichnungen tragen Hilfsschließer und Hilfsöffner an einem Schütz typischerweise?
- a) 13-14 (Schließer) und 21-22 (Öffner)
- b) 1-2 (Schließer) und 3-4 (Öffner)
- c) A1-A2 (Schließer) und B1-B2 (Öffner)
- d) 95-96 (Schließer) und 97-98 (Öffner)
Richtig: a)
Auf Schütz-Hilfskontakten ist die Nummerierung 13-14 (Schließer, NO) und 21-22 (Öffner, NC) nach ÖNORM EN 60947 Standard. 1-6 sind Hauptkontakte, A1-A2 ist die Spule, 95-96/97-98 sind die Auslösekontakte des Überlastrelais (Öffner und Schließer).
Wo im Steuerstromkreis muss der Auslöse-Öffner des Motorschutzes (95-96) sitzen?
- a) Parallel zur Schützspule des -Q1
- b) Nur im Zweig des Rechtslauf-Schützes
- c) In Reihe vor dem gesamten Steuerstromkreis
- d) Hinter den Hilfsöffnern beider Schütze
Richtig: c)
Der Öffner 95-96 muss vor allen Spulen liegen, damit bei Auslösung beide Schütze gleichzeitig abfallen. Eine parallele Anordnung würde nichts schalten, eine einseitige nur den Rechtslauf abschalten und den Linkslauf weiterlaufen lassen. Hinter den Hilfsöffnern säße er zu spät im Strompfad.
Was bewirkt der Hilfsöffner 21-22 von -Q2 im Steuerstromkreis?
- a) Er hält -Q2 nach Loslassen des Tasters in Selbsthaltung.
- b) Er schaltet den Motor vom Netz ab.
- c) Er löst das Motorschutzrelais aus.
- d) Er verriegelt -Q1 gegen das Anziehen, solange -Q2 angezogen ist.
Richtig: d)
Der Öffner 21-22 ist Teil der gegenseitigen Verriegelung. Ist -Q2 angezogen, öffnet sein 21-22 und unterbricht den Strompfad zur Spule von -Q1. Selbsthaltung läuft über den Schließer 13-14, der Motorschutz hat eine eigene Komponente.
Was passiert ohne die gegenseitige elektrische Verriegelung der beiden Schütze im Worst Case?
- a) Der Motor läuft schneller als zulässig.
- b) Die Selbsthaltung versagt.
- c) Es entsteht ein zweipoliger Kurzschluss zwischen den Außenleitern.
- d) Das Motorschutzrelais löst zu früh aus.
Richtig: c)
Ziehen beide Schütze gleichzeitig an, verbindet -Q1 z.B. L1 auf U und -Q2 gleichzeitig L3 auf U – damit sind L1 und L3 über die Schützkontakte direkt verbunden, ein satter zweipoliger Kurzschluss. Die Vorsicherung fliegt sofort, im schlimmsten Fall mit Lichtbogen im Schaltschrank.
5. Direktes Umschalten – Tasterverriegelung und mechanische Verriegelung
Die bisher beschriebene Standardschaltung verlangt, dass vor jedem Drehrichtungswechsel der Aus-Taster -S0 betätigt wird. Sicher, aber langsam. Wer im laufenden Betrieb sofort umschalten will – etwa bei einem Tor, das man kurz heben und gleich wieder absenken möchte –, erweitert die Schaltung um eine Tasterverriegelung.
Tasterverriegelung. Statt eines einfachen Schließers wird jeder Ein-Taster als Wechseltaster ausgeführt: ein Schließer für den eigenen Schütz, dazu ein Öffner für den gegenüberliegenden. Drückt man -S2 (Linkslauf), öffnet zuerst der Öffnerkontakt im Zweig von -Q1, -Q1 fällt ab. Erst danach schließt der Schließer für -Q2. Die Tasterverriegelung erzwingt also das Aus-Schalten des alten Schützes im Moment des Umschaltens – ohne separates Drücken von -S0.
Mit Tasterverriegelung sind drei Verriegelungsebenen wirksam:
- Tasterverriegelung – greift mechanisch im Tastergehäuse, schon vor dem eigentlichen Schaltvorgang.
- Elektrische Verriegelung über die Hilfsöffner – greift, sobald das gegenüberliegende Schütz angezogen ist.
- Mechanische Verriegelung – greift direkt am Schütz-Anker.
Mechanische Verriegelung. Auf der Schütz-Hardware sitzt zwischen den beiden Schützen eine Verriegelungswippe. Das ist ein einfaches Kunststoffteil zwischen den Ankern beider Schütze. Zieht ein Schütz an, drückt der Anker die Wippe zur Seite und blockiert den Anker des anderen Schützes mechanisch. Selbst wenn elektrisch beide Spulen Spannung bekämen – die Mechanik lässt nicht beide gleichzeitig durchziehen.
Im Katalog gängiger Hersteller gibt es Wendeschützkombinationen als fertige Baugruppen: zwei Schütze samt Verriegelungswippe, Verkabelung der getauschten Phasen und vormontierte Hilfskontakte. Spart Verdrahtungszeit und reduziert Fehlerquellen.
Wozu dient ein Wechseltaster in der Wendeschützschaltung?
- a) Direkter Drehrichtungswechsel ohne separates Drücken des Aus-Tasters.
- b) Er ersetzt die Selbsthaltung des Schützes.
- c) Er ersetzt das thermische Überlastrelais.
- d) Er stellt die Drehzahl des Motors stufenweise um.
Richtig: a)
Der Wechseltaster vereint einen Schließer für den eigenen Schütz mit einem Öffner für den gegenüberliegenden und sorgt damit für einen direkten Umschaltvorgang. Selbsthaltung und Motorschutz haben eigene Bauteile, Drehzahlumstellung ist eine andere Schaltung.
Wo greift die mechanische Verriegelung am Schütz?
- a) Im Tastergehäuse
- b) Direkt am beweglichen Anker der Schütze
- c) Im Hauptstromkreis hinter dem Motorschutz
- d) Über einen zusätzlichen Hilfsöffner im Steuerstromkreis
Richtig: b)
Eine Verriegelungswippe zwischen den beiden Schützankern blockiert den zweiten Anker, wenn der erste anzieht. Im Tastergehäuse sitzt die Tasterverriegelung, im Hauptstromkreis gibt es keine eigene Verriegelung, im Steuerstromkreis die elektrische über Hilfsöffner.
Welche Verriegelungsebene wirkt zeitlich zuerst beim Drücken eines Wechseltasters?
- a) Mechanische Verriegelung am Anker
- b) Elektrische Verriegelung über Hilfsöffner
- c) Tasterverriegelung im Tastergehäuse
- d) Vorsicherung fällt aus
Richtig: c)
Der Wechseltaster öffnet zuerst seinen eigenen Öffnerkontakt, danach schließt der Schließer. Erst dadurch fällt der alte Schütz ab, womit auch die elektrische und mechanische Verriegelung des Gegen-Schützes löst.
6. Auslegung und Sicherheit in der Praxis
Eine Wendeschützschaltung ist auf den ersten Blick einfach. Die typischen Probleme stecken im Detail – in der Schaltspielzahl, in der Umschaltpause und in der mechanischen Belastung.
Schaltkategorie AC-3 oder AC-4. Schütze werden nach Gebrauchskategorien nach ÖNORM EN 60947 dimensioniert. AC-3 ist die Standardkategorie für das Schalten von Käfigläufermotoren beim normalen Anlauf und Betrieb. Ein direktes Reversieren unter Last fällt aber unter AC-4: hier wird das Schütz deutlich stärker beansprucht, weil der Motor durch das umgekehrte Drehfeld noch dreht, während die Schütz-Kontakte schon öffnen und schließen. Der Schaltstrom beim Reversieren liegt typischerweise beim 5- bis 6-fachen Motornennstrom. Wer mit häufigem Direktreversieren arbeitet, muss das Schütz nach AC-4 auswählen oder eine Nummer größer als nach AC-3.
Auslaufzeit und Umschaltpause. Beim Umschalten von Rechts- auf Linkslauf dreht der Rotor noch in der alten Richtung, während im Stator schon das neue, gegenläufige Drehfeld aufgebaut wird. Die mechanische Belastung von Welle, Kupplung und Getriebe ist erheblich – vergleichbar mit einer plötzlichen Bremsung samt Reversierdrehmoment. Bei größeren Antrieben gibt der Anwender deshalb eine Umschaltpause vor: eine kurze Zeit (oft mit Zeitrelais realisiert, eigener Beitrag), in der nach dem Abfall des einen Schützes der andere noch nicht anziehen darf. Übliche Werte je nach Antrieb sind 0,2 s bis mehrere Sekunden.
Motorschutz. Wie in Kapitel 4 gezeigt, sitzt das thermische Überlastrelais im Hauptstromkreis und bindet seinen Auslöse-Öffner 95-96 in den Steuerstromkreis ein. Im Wendebetrieb ist der Motor durch die Reversier-Stromspitzen stärker belastet als bei reiner Direkteinschaltung – das thermische Modell des Relais bildet das in der Regel ab, sofern es korrekt auf den Motornennstrom eingestellt ist. Hintergründe zu Motorschutzschaltern und Motorschutzrelais behandelt ein eigener Beitrag.
Erdung und Schutzleiter. Der Schutzleiter PE geht direkt vom Netz zum Motorgehäuse, ohne durch Schütze, Sicherungen oder das Überlastrelais zu führen. Das gilt grundsätzlich für jede Motorschaltung. Die Schaltschrankerdung selbst ist über die Tragschiene mit dem Hauptpotentialausgleich verbunden.
Welche Schaltkategorie nach ÖNORM EN 60947 ist für ein Schütz mit häufigem Direktreversieren maßgeblich?
- a) AC-1
- b) AC-3
- c) AC-4
- d) AC-6
Richtig: c)
AC-4 deckt das Schalten von Asynchronmotoren beim Reversieren, Gegenstrombremsen und Tippbetrieb ab – mit deutlich höheren Schaltströmen als AC-3. AC-1 wäre ohmsche Last, AC-3 ist normaler Motorbetrieb ohne Reversieren, AC-6 betrifft Transformatoren bzw. Beleuchtungslasten.
Warum wird zwischen zwei Drehrichtungswechseln gelegentlich eine Umschaltpause vorgesehen?
- a) Damit die Sicherung im Steuerstromkreis sich nicht erwärmt.
- b) Damit das Drehfeld langsamer aufgebaut wird.
- c) Um die mechanische Belastung von Welle, Kupplung und Getriebe zu verringern.
- d) Damit das Motorschutzrelais Zeit für eine Selbstdiagnose hat.
Richtig: c)
Eine Pause lässt den Rotor zuerst abbremsen, bevor das neue Drehfeld in Gegenrichtung anliegt. Damit fallen Reversier-Stromspitzen und schlagartiges Gegen-Drehmoment kleiner aus, was Welle, Kupplung und Getriebe schont. Die anderen Antworten beschreiben Effekte, die mit der Umschaltpause nichts zu tun haben.
Wie wird der Schutzleiter PE in einer Wendeschützschaltung geführt?
- a) Über die Hauptkontakte des Rechtslauf-Schützes
- b) Über den Auslösekontakt des Motorschutzrelais
- c) Über die Vorsicherung -F1
- d) Direkt vom Netz-PE zum Motorgehäuse, ohne Schaltglieder
Richtig: d)
Der PE-Leiter darf in keinem Schaltgerät unterbrochen werden – weder durch ein Schütz noch ein Schutzrelais noch eine Sicherung. Er führt direkt vom Netz-PE-Anschluss zum Motorgehäuse und garantiert auch im Fehlerfall, dass das Gehäuse auf Schutzleiterpotential liegt.
Abschlusstest
Beim Tausch von wie vielen Außenleitern kehrt sich die Drehrichtung eines Drehstrommotors um?
- a) Einen einzigen Außenleiter
- b) Zwei beliebige Außenleiter
- c) Allen drei Außenleitern
- d) Keinen, dafür müssen N und PE getauscht werden
Richtig: b)
Genau zwei beliebige Außenleiter zu tauschen kehrt das Drehfeld und damit die Drehrichtung um. Einer macht das Drehfeld unsymmetrisch, alle drei ergeben die gleiche Phasenfolge wie zuvor. N und PE sind für die Drehrichtung irrelevant.
Welche Klemmenbezeichnungen tragen Hilfsöffner an einem Standardschütz?
- a) 13-14
- b) 1-2
- c) A1-A2
- d) 21-22
Richtig: d)
Hilfsöffner sind nach ÖNORM EN 60947 mit 21-22 gekennzeichnet. 13-14 ist der Hilfsschließer, 1-2 wären Hauptkontakt-Anschlüsse, A1-A2 ist die Spule.
Welcher Zustand entsteht, wenn die gegenseitige elektrische Verriegelung fehlt und beide Schütze gleichzeitig anziehen?
- a) Zweipoliger Kurzschluss zwischen zwei Außenleitern
- b) Drehzahl-Halbierung des Motors
- c) Erhöhter Wirkungsgrad
- d) Stillstand des Motors ohne Schaden
Richtig: a)
Beide Schütze ziehen unterschiedliche Phasen auf dieselbe Motorklemme. Dadurch werden L1 und L3 direkt über die Schützkontakte verbunden – ein satter Kurzschluss. Die Vorsicherung -F1 löst aus, im schlechtesten Fall mit Lichtbogen.
Welche Aufgabe hat der Hilfsschließer 13-14 in der Wendeschützschaltung?
- a) Er verriegelt das gegenüberliegende Schütz.
- b) Er löst das Überlastrelais aus.
- c) Er trennt den Motor vom Schutzleiter.
- d) Er hält das eigene Schütz nach Loslassen des Tasters in Selbsthaltung.
Richtig: d)
Der Hilfsschließer 13-14 liegt parallel zum Ein-Taster und übernimmt den Strompfad zur Spule, sobald das Schütz angezogen hat – Selbsthaltung. Die anderen Funktionen erfüllen andere Bauteile.
Wozu sitzt der Auslöse-Öffner 95-96 des thermischen Überlastrelais im Steuerstromkreis?
- a) Damit bei thermischer Überlast beide Schütze abfallen und der Motor stillgesetzt wird.
- b) Damit die Selbsthaltung des Rechtslauf-Schützes erhalten bleibt.
- c) Damit das Drehfeld umgekehrt wird.
- d) Damit der Motor sanfter anläuft.
Richtig: a)
Der Öffner 95-96 sitzt vor dem gesamten Steuerstromkreis und unterbricht beide Spulenstromkreise gleichzeitig, wenn das Überlastrelais auslöst. Ohne diese Verdrahtung würde der Motor trotz Überlast weiterlaufen und thermisch zerstört.
Wo greift die mechanische Verriegelung in einer Wendeschützkombination?
- a) An den Schmelzsicherungen
- b) An der Steuersicherung
- c) Am Motorklemmenbrett
- d) An den beweglichen Ankern der beiden Schütze
Richtig: d)
Eine Verriegelungswippe zwischen den Ankern blockiert den zweiten Anker mechanisch, sobald der erste anzieht. Sicherungen oder Klemmenbrett haben mit der mechanischen Verriegelung nichts zu tun.
Welche Schaltkategorie deckt das direkte Reversieren von Käfigläufermotoren ab?
- a) AC-1 für ohmsche Lasten
- b) AC-2 für Schleifringläufer
- c) AC-3 für Normalanlauf
- d) AC-4 für Reversieren und Tippbetrieb
Richtig: d)
AC-4 ist die spezifische Gebrauchskategorie für Reversieren, Gegenstrombremsen und Tippbetrieb mit Schaltströmen bis zum 6-fachen Nennstrom. AC-1 betrifft ohmsche Lasten, AC-2 Schleifringläufer im Normalanlauf, AC-3 Käfigläufer ohne Reversieren.
Wie wird die Umschaltpause zwischen Rechts- und Linkslauf in der Praxis realisiert?
- a) Über ein Zeitrelais im Steuerstromkreis
- b) Über eine kleinere Vorsicherung
- c) Durch Erhöhung der Motorspannung
- d) Durch Anbau eines Frequenzumrichters
Richtig: a)
Ein Zeitrelais (Abfall- oder Anzugsverzögerung) gibt eine definierte Pause vor, bevor der gegensätzliche Schütz anziehen darf. Die anderen Maßnahmen haben mit der Umschaltpause nichts zu tun.
Welche Bauteilkennzeichnung ist für ein Schütz im Schaltplan üblich?
- a) -F gefolgt von einer Ziffer
- b) -S gefolgt von einer Ziffer
- c) -Q gefolgt von einer Ziffer
- d) -M gefolgt von einer Ziffer
Richtig: c)
Schütze gehören zur Gruppe der Schaltglieder und werden mit -Q gekennzeichnet (ÖNORM EN 81346). -F sind Schutzeinrichtungen, -S Befehlsgeräte (Taster, Schalter), -M Motoren.
Welcher Vorteil ergibt sich aus einer Tasterverriegelung gegenüber rein elektrischer Verriegelung?
- a) Direkter Drehrichtungswechsel ohne separates Drücken des Aus-Tasters
- b) Verzicht auf den Motorschutz
- c) Wegfall der Selbsthaltung
- d) Höhere Motorleistung
Richtig: a)
Mit Wechseltastern öffnet beim Umschalten zuerst der Öffnerkontakt des Gegen-Schützes, und der eigene Schließer kontaktiert erst danach – das ermöglicht direktes Wenden ohne Aus-Taster. Motorschutz, Selbsthaltung und Motorleistung bleiben davon unberührt.
Glossar
- Wendeschützschaltung
- Schaltung mit zwei Schützen zur Drehrichtungsumkehr eines Drehstrommotors, bei der zwei Außenleiter im Hauptstromkreis getauscht werden.
- Hauptstromkreis
- Stromkreis, in dem der Motorstrom fließt; enthält Vorsicherung, Schütz-Hauptkontakte, Überlastrelais und Motor.
- Steuerstromkreis
- Stromkreis kleiner Leistung mit Tastern, Schützspulen und Hilfskontakten, der den Hauptstromkreis ein- und ausschaltet.
- Hilfsschließer (13-14)
- Schließer-Hilfskontakt am Schütz, dient der Selbsthaltung durch Überbrückung des Ein-Tasters nach Anzug.
- Hilfsöffner (21-22)
- Öffner-Hilfskontakt am Schütz, der bei Anzug öffnet und im gegenüberliegenden Steuerzweig die elektrische Verriegelung bildet.
- Wechseltaster
- Taster mit einem Schließer und einem Öffner in einem Gehäuse für direktes Umschalten ohne zusätzlichen Aus-Taster.
- Mechanische Verriegelung
- Verriegelungswippe zwischen zwei Schützen, die den zweiten Anker beim Anzug des ersten mechanisch blockiert.
- Wendeschützkombination
- fertig montierte Baugruppe aus zwei Schützen, mechanischer Verriegelung und vorverdrahteten getauschten Phasen.
- Tasterverriegelung
- Verriegelung im Tastergehäuse über die Öffnerkontakte eines Wechseltasters, die das gegenüberliegende Schütz abschalten, bevor der eigene Schließer kontaktiert.
- Schaltkategorie AC-3
- Gebrauchskategorie nach ÖNORM EN 60947 für das Schalten von Käfigläufermotoren im Normalbetrieb ohne Reversieren.
- Schaltkategorie AC-4
- Gebrauchskategorie für Reversieren, Gegenstrombremsen und Tippbetrieb von Käfigläufermotoren mit erhöhtem Schaltstrom (bis 6-facher Nennstrom).
- Umschaltpause
- Zeit zwischen dem Abfall des einen und dem Anzug des anderen Schützes, mit Zeitrelais realisiert; schont Antriebsstrang und Schütz.
- Auslöse-Öffner 95-96
- Öffnerkontakt am thermischen Überlastrelais auf der Steuerseite, der bei Auslösung den Steuerstromkreis unterbricht.
- Betriebsmittelkennzeichnung (ÖNORM EN 81346)
- Systematische Bezeichnung von Bauteilen im Schaltplan mit Buchstaben (Q, F, S, M) und laufender Nummer, vorangestelltem Minuszeichen.
