Direkteinschaltung (DOL)
Die einfachste Art, einen Drehstrom-Asynchronmotor in Gang zu bringen, ist auch die häufigste: voll an die Netzspannung dranhängen und einschalten. Das nennt man Direkteinschaltung — im Englischen Direct-On-Line, kurz DOL. Ein einziges Schütz reicht. Der Preis dafür: ein Anlaufstrom, der das Fünf- bis Achtfache des Bemessungsstroms erreicht. Wo das vertretbar ist, ist DOL eine saubere, robuste und günstige Lösung. Wo nicht, kommen andere Anlaufverfahren ins Spiel.
Vorwissen
- Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
- Schütze und Relais
- Selbsthaltung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Direkteinschaltung im Haupt- und Steuerstromkreis lesen und ihre Funktion erklären
- den Anlaufstrom eines Asynchronmotors abschätzen und die Folgen für Netz und Antrieb beurteilen
- entscheiden, ob ein konkreter Motor für DOL geeignet ist oder ein anderes Anlaufverfahren nötig wird
- Schütz, Motorschutz und Kurzschlussschutz für eine DOL-Schaltung sinnvoll auswählen
1. Was ist die Direkteinschaltung?
Bei der Direkteinschaltung wird der Motor über ein Schütz mit den drei Außenleitern L1, L2, L3 verbunden und liegt damit ab dem Einschaltmoment an voller Bemessungsspannung. Es gibt keine Anlaufhilfe, keine Strombegrenzung, keine Vorstufe — Schütz schaltet, Motor läuft an, fertig.
Der Vorteil: minimaler Aufwand. Ein Schütz, ein Motorschutz, ein paar Taster — mehr ist nicht nötig. Auch in der Wartung ist die Schaltung übersichtlich.
Im Gegensatz dazu stehen Anlaufverfahren, die den Anlaufstrom oder das Anlaufmoment gezielt begrenzen — die Stern-Dreieck-Schaltung, der Sanftanlauf über ein elektronisches Anlaufgerät oder der Frequenzumrichter. Diese sind aufwendiger, aber bei größeren Motoren oder empfindlichen Anwendungen notwendig. Jedes dieser Verfahren wird in einem eigenen Beitrag behandelt.
DOL kommt überall dort zum Einsatz, wo der hohe Einschaltstrom verkraftbar ist und das volle Anlaufdrehmoment vom ersten Augenblick an erwünscht ist: kleine Pumpen, Lüfter, Förderbänder mit leichten Anläufen, kleine Kompressoren.
Was unterscheidet die Direkteinschaltung grundsätzlich von anderen Anlaufverfahren?
- a) Sie nutzt einen Frequenzumrichter zur Spannungsregelung
- b) Sie begrenzt den Anlaufstrom durch Vorwiderstände
- c) Sie schaltet den Motor sofort mit voller Bemessungsspannung ein
- d) Sie reduziert das Anlaufmoment um etwa zwei Drittel
Richtig: c)
Die DOL legt den Motor direkt und ohne jede Strombegrenzung an die volle Netzspannung. Frequenzumrichter (a) und Vorwiderstände (b) sind eigene Verfahren. Eine Drehmomentreduktion auf ein Drittel (d) ist typisch für Stern-Dreieck, nicht für DOL.
Welche Anwendung ist für eine Direkteinschaltung typisch?
- a) Kleiner Lüfter mit 1,5 kW
- b) Hauptantrieb einer Drehbank mit 30 kW und häufigen Lastwechseln
- c) Förderband mit geforderter stufenloser Drehzahlsteuerung
- d) Kompressor mit 22 kW im Wohngebiet
Richtig: a)
Kleine, leicht anlaufende Motoren sind das klassische DOL-Anwendungsgebiet. Große Antriebe (b, d) verursachen unzulässige Netzrückwirkungen, und stufenlose Drehzahlsteuerung (c) erfordert einen Frequenzumrichter.
2. Hauptstromkreis — Aufbau und Komponenten
Der Hauptstromkreis ist the Pfad, über den der Motorstrom fließt. Bei DOL ist dieser Pfad denkbar einfach: vom Netz über ein Schaltorgan und einen Schutz direkt zum Motor.
Die Komponenten in der Reihenfolge des Stromflusses:
- Leitungs- und Kurzschlussschutz -F1: drei Schmelzsicherungen oder ein Leitungsschutzschalter mit Kurzschluss-Schnellauslösung. Schützt die Leitung gegen Kurzschluss.
- Hauptschütz -K1: drei Hauptkontakte für L1, L2, L3, gemeinsam vom Schützanker betätigt. Schaltet den Motor ein und aus. Bemessen nach Gebrauchskategorie AC-3 (Schalten und Ausschalten unter Last bei Käfigläufermotoren).
- Motorschutzorgan -F2: thermisches Motorschutzrelais oder Motorschutzschalter. Schützt den Motor gegen thermische Überlast. Auslegung und Einstellung sind in einem eigenen Beitrag detailliert behandelt — hier nur der Grundsatz: Einstellwert entspricht dem Bemessungsstrom vom Motortypenschild.
- Motor -M: Drehstrom-Asynchronmotor, angeschlossen an den Klemmen U1/V1/W1.
Bemerkenswert ist die Aufgabenteilung. Der Kurzschlussschutz reagiert auf sehr hohe Ströme im Millisekunden-Bereich, der Motorschutz auf Ströme knapp über dem Bemessungsstrom über Sekunden bis Minuten. Beide arbeiten zusammen — dieses Zusammenspiel heißt Typkoordination nach ÖNORM EN 60947-4-1 und wird in Kapitel 5 noch ausführlicher behandelt.
Die Bauteilkennzeichen folgen ÖNORM EN 81346 (früher ÖNORM EN 61346): Schütze beginnen mit -K, Sicherungen und Schutzorgane mit -F, Motoren mit -M.
Welches Bauteil schützt den Motor bei thermischer Überlastung im DOL-Hauptstromkreis?
- a) Das Schütz -K1 selbst
- b) Das Motorschutzrelais -F2
- c) Die Schmelzsicherung -F1
- d) Der Stern-Punkt-Leiter
Richtig: b)
Das thermische Motorschutzrelais reagiert auf länger anhaltende Ströme knapp über dem Bemessungsstrom. Schmelzsicherungen und Leitungsschutzschalter (c) reagieren erst bei Kurzschluss-Strömen. Das Schütz selbst (a) hat keine Schutzfunktion, sondern nur eine Schaltfunktion.
Nach welcher Gebrauchskategorie muss ein Schütz für DOL eines Käfigläufermotors bemessen werden?
- a) AC-1
- b) AC-11
- c) DC-13
- d) AC-3
Richtig: d)
AC-3 deckt das Schalten von Käfigläufermotoren ab — sowohl das Einschalten gegen den hohen Anlaufstrom als auch das Ausschalten unter Last. AC-1 (a) gilt für ohmsche oder leicht induktive Lasten, AC-11 (b) für Hilfsstromkreise, DC-13 (c) für Gleichstrom-Schaltungen.
3. Steuerstromkreis — Funktionsablauf
Während der Hauptstromkreis den Motorstrom führt, schaltet der Steuerstromkreis das Schütz aus der Ferne — typisch mit 230 V AC oder 24 V DC, je nach Schützspule.
Der Ablauf:
- EIN-Taster -S1 drücken: Strom fließt über den Hilfskontakt des Motorschutzes, den Ruhekontakt -S0 und den Schließer -S1 in die Schützspule -K1. Die Spule zieht an, alle -K1-Kontakte schließen.
- Selbsthaltung greift: Der Hilfskontakt -K1 parallel zu -S1 überbrückt den EIN-Taster. Beim Loslassen von -S1 bleibt der Stromkreis geschlossen. Die Schaltungstechnik dahinter ist im eigenen Beitrag zur Selbsthaltung ausführlich behandelt — hier reicht es zu wissen, dass dieser kontakt für das Halten zuständig ist.
- AUS-Taster -S0 drücken: der Stromkreis wird unterbrochen, die Spule fällt ab, alle -K1-Kontakte öffnen, der Motor steht.
- Spannungsausfall: ohne Spulenspannung fällt das Schütz sofort ab. Beim Wiederkehren der Spannung läuft der Motor nicht von selbst wieder an — das ist der gewünschte Schutz gegen Wiederanlauf.
- Motorschutz löst aus: der Hilfskontakt -F2 im Steuerstromkreis öffnet, die Spule fällt ab, der Motor wird abgeschaltet.
Ein detail ist wichtig: Der Hilfskontakt des Motorschutzes liegt im Steuerstromkreis, nicht im Hauptstromkreis. Das thermische Element selbst sitzt im Hauptstromkreis und misst den Motorstrom — fliegt es heraus, gibt es diese Information über den potentialfreien Hilfskontakt an den Steuerkreis weiter.
Welcher Kontakttyp wird üblicherweise für den AUS-Taster -S0 in einer DOL-Selbsthaltung verwendet?
- a) Öffner
- b) Schließer
- c) Wechsler
- d) Tasterloser Schalter
Richtig: a)
Der AUS-Taster muss im Ruhezustand Strom durchlassen und beim Drücken den Kreis unterbrechen — das ist ein Öffner (a). Ein Schließer (b) würde den Motor erst durch Drücken stillsetzen, was funktional verkehrt wäre.
Was passiert nach einem kurzen Spannungsausfall in einer korrekt aufgebauten DOL-Selbsthaltung?
- a) Der Motor läuft sofort selbstständig wieder an
- b) Der Motor läuft nach kurzer Verzögerung wieder an
- c) Das Schütz fällt ab, der Motor steht und muss neu eingeschaltet werden
- d) Das Schütz bleibt mechanisch eingerastet, der Motor läuft weiter
Richtig: c)
Ohne Spulenspannung fällt das Schütz ab, der Hilfskontakt der Selbsthaltung opens. Beim Wiederkehr der Spannung allein zieht das Schütz nicht von selbst an — der Bediener muss bewusst neu starten. Genau das ist der gewünschte Schutz gegen unkontrollierten Wiederanlauf.
4. Anlaufstrom und seine Folgen
Im Stillstand wirkt ein Asynchronmotor elektrisch wie ein Transformator mit kurzgeschlossener Sekundärseite. Der Rotor steht, die Drehzahl ist null, the Schlupf ist 100 %. Die Folge: ein deutlich höherer Strom als im Betrieb.
Den exakten Wert von k findet man auf dem Motortypenschild als Anlaufstromverhältnis I_A/I_N. Ein 7,5-kW-Motor mit I_N = 15,2 A und k = 7 zieht im Anlauf rund 106 A. Die Stromspitze dauert nur ein bis drei Sekunden, bis der Motor seine Drehzahl erreicht — sie ist aber sowohl an der Netzbelastung als auch am Drehmomentstoß deutlich messbar.
Konsequenzen:
- Spannungseinbruch im Netz: am Übergabepunkt und besonders am Motor selbst. Lampen können flackern, andere empfindliche Verbraucher können zurücksetzen.
- Belastung des EVU-Anschlusses: der hohe Strom erzeugt einen Spannungsfall in der Versorgungsleitung, der je nach Leitungsquerschnitt und Vorimpedanz erheblich sein kann.
- Mechanischer Drehmomentstoß: das volle Anlaufdrehmoment wirkt schlagartig auf Welle, Kupplung und Antriebsstrang. Bei empfindlichen Maschinen ein Problem.
- Hohe Beanspruchung des Schützes: jedes Einschalten unter Last belastet die Hauptkontakte. Die zulässige Schalthäufigkeit ist im Datenblatt vorgegeben.
I_A = k · I_N
- I_A … Anlaufstrom in A
- I_N … Bemessungsstrom in A
- k … Anlaufstromverhältnis, typisch 5…8
Hinweis zum Faktor √3: In der Drehstrom-Leistungsformel P = √3 · U · I · cos φ · η taucht der Faktor √3 ≈ 1,732 auf. Er folgt aus der 120°-Phasenverschiebung zwischen den drei Strängen im Drehstromsystem. Die Herleitung wird im eigenen Beitrag zur Drehstromleistung behandelt — hier verwenden wir den Faktor wie eine feste Konstante.
Gelöstes Beispiel
Ein Drehstrom-Asynchronmotor mit I_N = 22 A wird direkt eingeschaltet. Laut Typenschild beträgt das Anlaufstromverhältnis I_A/I_N = 6,5. Wie hoch ist der Anlaufstrom?
Gegeben: I_N = 22 A, k = 6,5
Gesucht: I_A in A
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel ansetzen: I_A = k · I_N
- Schritt 2 — Werte einsetzen: I_A = 6,5 · 22 A = 143 A
Ergebnis: I_A = 143 A
Übungen
Ein 4-kW-Motor hat einen Bemessungsstrom von 8,7 A und ein Anlaufstromverhältnis von 6. Berechne den Anlaufstrom bei Direkteinschaltung.
I_A = 6 · 8,7 A = 52,2 A
Auf dem Typenschild eines Motors steht I_N = 11,5 A und I_A/I_N = 7,2. Wie hoch ist der zu erwartende Anlaufstrom?
I_A = 7,2 · 11,5 A = 82,8 A
Ein Motor mit I_N = 30 A und k = 5,8 soll direkt eingeschaltet werden. Berechne den Anlaufstrom.
I_A = 5,8 · 30 A = 174 A
Ein Drehstrom-Asynchronmotor mit P_N = 5,5 kW, U = 400 V, cos φ = 0,84 und Wirkungsgrad η = 0,86 soll mit DOL betrieben werden. Berechne zunächst den Bemessungsstrom I_N und then mit k = 6,5 den Anlaufstrom I_A.
I_N = P_N / (√3 · U · cos φ · η) = 5500 / (1,732 · 400 · 0,84 · 0,86) ≈ 11,0 A
I_A = 6,5 · 11,0 A ≈ 71,5 A
Ein 15-kW-Motor mit I_N = 28,5 A und I_A/I_N = 7,5 wird direkt eingeschaltet. Wie hoch ist der Anlaufstrom, und was lässt sich aus dem Vergleich mit der TAEV-Faustregel ableiten?
I_A = 7,5 · 28,5 A = 213,75 A. Die Motorleistung liegt deutlich über der 4-kW-Faustregel — eine reine Direkteinschaltung ist ohne Rücksprache mit dem Netzbetreiber in der Regel nicht zulässig. Üblich wäre Stern-Dreieck, Sanftanlauf oder Frequenzumrichter.
Warum ist der Anlaufstrom eines Asynchronmotors deutlich höher als der Bemessungsstrom?
- a) Weil der Motor im Anlauf mehr Drehmoment abgibt
- b) Weil der Rotor im Stillstand wie eine kurzgeschlossene Sekundärwicklung wirkt
- c) Weil das Netz beim Einschalten zusätzliche Energie liefert
- d) Weil die Spulen im Motor warm sind
Richtig: b)
Im Stillstand ist der Schlupf 100 %, die rotorseitig induzierte Spannung treibt einen sehr hohen Strom, da der Rotorkreis nahezu kurzgeschlossen ist. Drehmoment (a) ist die Folge, nicht die Ursache. Antworten (c) und (d) sind sachlich falsch.
Welche Größenordnung hat das Anlaufstromverhältnis k = I_A/I_N eines typischen Drehstrom-Asynchronmotors?
- a) 1 bis 2
- b) 2 bis 3
- c) 3 bis 4
- d) 5 bis 8
Richtig: d)
Käfigläufer-Asynchronmotoren zeigen typisch ein Verhältnis von 5 bis 8. Den genauen Wert findet man auf dem Motortypenschild. Niedrigere Werte gehören eher zu Motoren mit Anlaufhilfen oder zu Sonderbauformen.
5. Auswahl der Komponenten
Bei einer DOL-Schaltung müssen drei Schutz- und Schaltorgane sauber aufeinander abgestimmt werden: Kurzschlussschutz, Schütz und Motorschutz. Diese Abstimmung heißt Typkoordination nach ÖNORM EN 60947-4-1.
Schütz nach AC-3 dimensionieren:
Das Schütz muss den Motorstrom in der Gebrauchskategorie AC-3 sicher schalten können. Auswahlkriterium ist der Bemessungsbetriebsstrom I_e:
In der Praxis wählt man die nächstgrößere genormte Schützgröße. Datenblätter geben den AC-3-Strom oder die zugehörige Motorleistung (etwa „bis 4 kW / 400 V AC-3″) an.
Motorschutzorgan:
Auslegung und Einstellung sind im eigenen Beitrag zum Motorschutz detailliert behandelt. Der Grundsatz für DOL: Einstellwert = Motorbemessungsstrom vom Typenschild. Wichtig ist die Wahl der Auslöseklasse, abgestimmt auf die Anlaufdauer:
- Klasse 10 A oder Klasse 10: leichte Anläufe (Pumpen, Lüfter, kurze Anlaufzeit)
- Klasse 20: mittlere Anläufe
- Klasse 30: schwere Anläufe (Mühlen, schwere Bandanläufe mit langer Hochlaufzeit)
Bei DOL is die Anlaufzeit kurz, da das volle Drehmoment vom ersten Moment wirkt — Klasse 10 reicht für die meisten Fälle.
Kurzschlussschutz:
Er muss schneller auslösen, als Schütz oder Motorschutz Schaden nehmen können. Die Auswahl erfolgt nach dem Bemessungs-Kurzschlussschaltvermögen und nach Selektivität zu vorgelagerten Schutzorganen.
Typkoordination Typ 1 vs. Typ 2:
- Typ 1: Nach einem Kurzschluss dürfen Schütz und Motorschutz beschädigt sein und müssen ausgetauscht werden. Die Personen und die Anlage selbst dürfen aber nicht gefährdet sein.
- Typ 2: Nach einem Kurzschluss bleiben Schütz und Motorschutz weiterhin gebrauchstauglich. Ein leichtes Verschweißen der Schützkontakte ist zulässig, sofern es ohne Schwierigkeit gelöst werden kann.
Typ 2 ist heute die in der Industrie übliche Anforderung. Die zulässigen Kombinationen aus Kurzschlussschutz, Schütz und Motorschutz werden vom Hersteller in Koordinationstabellen freigegeben — diese Tabellen sind für die Auswahl verbindlich.
I_e ≥ I_N
- I_e … Bemessungsbetriebsstrom des Schuetzes in AC-3 in A
- I_N … Bemessungsstrom des Motors in A
Gelöstes Beispiel
Ein Drehstrom-Asynchronmotor 5,5 kW, 400 V, I_N = 11,2 A soll mit Direkteinschaltung betrieben werden. Welche Schützgröße (AC-3-Strom) wird mindestens benötigt, und auf welchen Wert wird das Motorschutzorgan eingestellt?
Gegeben: P_N = 5,5 kW, I_N = 11,2 A
Gesucht: I_e des Schützes in AC-3, Einstellwert des Motorschutzes
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Auswahlbedingung Schütz: I_e ≥ I_N, I_e ≥ 11,2 A
- Schritt 2 — Schützgröße wählen: Nächste genormte Schützgröße in AC-3, die mindestens 11,2 A schaltet — typisch ein Schütz mit AC-3-Bemessungsstrom 12 A.
- Schritt 3 — Motorschutz einstellen: Einstellwert = I_N = 11,2 A
Ergebnis: Schütz mit I_e ≥ 12 A in AC-3, Motorschutz auf 11,2 A einstellen.
Übungen
Ein Motor mit P_N = 2,2 kW and I_N = 5,1 A soll mit DOL betrieben werden. Welche Mindest-Schützgröße in AC-3 ist nötig?
I_e ≥ 5,1 A; nächstgrößere genormte Schützgröße, z. B. 7 A oder 9 A in AC-3.
Auf dem Typenschild eines Motors steht I_N = 18,5 A. Auf welchen Wert wird das Motorschutzrelais eingestellt?
Einstellwert = 18,5 A (Motorbemessungsstrom).
Für einen Motor mit langer Anlaufzeit (schweres Förderband) ist eine DOL-Schaltung geplant. Welche Auslöseklasse beim Motorschutz wäre angebracht — 10A, 10, 20 oder 30 — und warum?
Klasse 30, mindestens aber Klasse 20. Sonst löst das Motorschutzrelais bereits während des regulären Anlaufs aus, obwohl der Motor noch nicht überlastet ist.
Ein Asynchronmotor mit I_N = 9,2 A soll mit einem Schütz mit I_e = 9 A in AC-3 betrieben werden. Ist das zulässig?
Nein. Die Bedingung I_e ≥ I_N ist nicht erfüllt (9 A < 9,2 A). Es muss die nächstgrößere Schützgröße gewählt werden, z. B. 12 A.
Bei einer Direkteinschaltung wird Typkoordination Typ 2 nach ÖNORM EN 60947-4-1 gefordert. Was bedeutet das für die Auswahl der Komponenten?
Kurzschlussschutz, Schütz und Motorschutz müssen als vom Hersteller freigegebene Kombination ausgewählt werden. Diese Kombinationen sind in Koordinationstabellen dokumentiert. Nach einem Kurzschluss bleibt die Schaltung gebrauchstauglich — abgesehen von einem ggf. leicht zu lösenden Verschweißen der Schützkontakte.
Welche Bedingung muss der Bemessungsbetriebsstrom I_e eines Schützes in AC-3 für einen Motor mit Bemessungsstrom I_N erfüllen?
- a) I_e ≤ I_N
- b) I_e = 0,5 · I_N
- c) I_e ≥ I_N
- d) I_e = k · I_N
Richtig: c)
Das Schütz muss den Motorstrom dauerhaft führen und unter AC-3-Bedingungen schalten können. Antwort (a) und (b) führen zu Überlastung des Schützes. Antwort (d) — Auslegung nach Anlaufstrom — ist nicht nötig, weil die Gebrauchskategorie AC-3 bereits den Anlauf berücksichtigt.
Welche Norm regelt die Typkoordination von Schütz, Motorschutz und Kurzschlussschutz?
- a) ÖNORM EN 60947-4-1
- b) ÖNORM EN ISO 12100
- c) ÖNORM EN 13849
- d) ÖNORM EN 81346
Richtig: a)
EN 60947-4-1 behandelt Niederspannungsschaltgeräte für Motoranwendungen — genau dieses Thema. EN ISO 12100 (b) und EN 13849 (c) betreffen Sicherheit von Maschinen, EN 81346 (d) die Referenzkennzeichen von Bauteilen.
6. Anwendungsbereiche und Grenzen in der Praxis
DOL ist die erste Wahl, wenn die Randbedingungen passen. Sie ist günstig, robust, schaltet zuverlässig und liefert ab dem ersten Augenblick das volle Drehmoment. Genau das ist die Stärke — und gleichzeitig die Begrenzung.
Wo DOL gut passt:
- Kleine Pumpen und Lüfter
- Förderbänder mit leichtem Anlauf
- Kleine Kompressoren
- Werkzeugmaschinen mit kleinen Hauptantrieben
- Allgemein: Motoren bis etwa 4 kW im 400-V-Netz (TAEV-Faustregel)
Wo DOL an Grenzen stößt:
- Große Motoren: hoher Anlaufstrom belastet das Netz zu stark. Lösung: Stern-Dreieck-Schaltung, Sanftanlauf oder Frequenzumrichter — jeweils eigene Beiträge.
- Empfindliche Maschinen: der schlagartige Drehmomentstoß führt zu mechanischem Verschleiß an Kupplungen und Antriebssträngen. Lösung: Sanftanlauf oder Frequenzumrichter.
- Häufiges Schalten: bei vielen Anläufen pro Stunde wird das Schütz thermisch belastet. Die zulässige Schalthäufigkeit ist im Schütz-Datenblatt vorgegeben.
- Drehzahlsteuerung gefordert: DOL kennt nur eine Drehzahl — die durch Netzfrequenz und Polpaarzahl gegebene Synchrondrehzahl, abzüglich Schlupf. Für variable Drehzahlen ist ein Frequenzumrichter nötig.
In der Praxis: Bei einem Kompressor mit 7,5 kW und 30 Anläufen pro Stunde ist DOL technisch noch möglich, aber das Schütz muss entsprechend hoch bemessen sein und das Netz muss den Anlaufstrom verkraften. Bei einer Pumpe mit 22 kW dagegen ist DOL praktisch ausgeschlossen — sowohl wegen der TAEV als auch wegen der Netzrückwirkungen und der mechanischen Belastung beim Anlauf.
Welcher Anwendungsfall ist für eine Direkteinschaltung am ungeeignetsten?
- a) Pumpe 1,1 kW im Pumpensumpf eines Kellers
- b) Lüfter 0,75 kW in einer Lagerhalle
- c) Förderschnecke 3 kW mit leichtem Anlauf
- d) Aufzug 18 kW im Wohngebäude mit hohen Komfortansprüchen
Richtig: d)
Der Aufzug verbindet alle problematischen Punkte: hohe Leistung über der TAEV-Faustregel, häufiges Schalten, hoher Komfortanspruch (kein Ruckanlauf erwünscht). Lösung wäre ein Frequenzumrichter. Die anderen drei Fälle (a, b, c) sind klassische DOL-Anwendungen.
Welche Alternativen zur DOL kommen in Frage, wenn ein Motor zu groß für die TAEV-Direkteinschaltgrenze ist?
- a) Höhere Bemessungsspannung wählen und DOL beibehalten
- b) Stern-Dreieck, Sanftanlauf oder Frequenzumrichter
- c) Motorschutzrelais auf Klasse 30 einstellen
- d) Schmelzsicherungen mit höherem Bemessungsstrom verwenden
Richtig: b)
Stern-Dreieck, Sanftanlauf und Frequenzumrichter begrenzen den Anlaufstrom — genau das ist nötig. Eine höhere Bemessungsspannung (a) ist meist nicht möglich. Klasse 30 (c) ändert am Anlaufstrom nichts, sondern verzögert nur das thermische Auslösen. Größere Sicherungen (d) lösen das Netzproblem nicht und gefährden die Leitung.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Drehstrom-Asynchronmotor hat einen Bemessungsstrom von I_N = 13,8 A und ein Anlaufstromverhältnis I_A/I_N = 6,8. Berechne den Anlaufstrom bei Direkteinschaltung.
Gegeben: I_N = 13,8 A, k = 6,8
Gesucht: I_A in A
Lösungsweg:
I_A = k · I_N = 6,8 · 13,8 A = 93,84 A
Ergebnis: I_A ≈ 93,8 A
Aufgabe 2: Ein 3-kW-Drehstrom-Asynchronmotor mit U = 400 V, cos φ = 0,82 und η = 0,84 soll direkt eingeschaltet werden. Berechne zuerst den Bemessungsstrom I_N und anschließend mit k = 7 den Anlaufstrom.
Gegeben: P_N = 3000 W, U = 400 V, cos φ = 0,82, η = 0,84, k = 7
Gesucht: I_N und I_A
Lösungsweg:
I_N = P_N / (√3 · U · cos φ · η)
I_N = 3000 / (1,732 · 400 · 0,82 · 0,84)
I_N ≈ 6,29 A
I_A = k · I_N = 7 · 6,29 A ≈ 44,0 A
Ergebnis: I_N ≈ 6,29 A, I_A ≈ 44,0 A
Aufgabe 3: Für einen Motor mit I_N = 16,5 A soll ein Schütz für DOL ausgewählt werden. Welcher Mindestwert für I_e in AC-3 ist nötig, und welche typische Schützgröße kommt in Frage?
Gegeben: I_N = 16,5 A
Gesucht: I_e und nächste Schützgröße
Lösungsweg:
I_e ≥ I_N = 16,5 A
Ergebnis: Schütz mit I_e ≥ 16,5 A in AC-3, typische nächste genormte Größe z. B. 18 A.
Aufgabe 4: Auf dem Typenschild eines Motors steht: 11 kW, 400 V, I_N = 21 A, I_A/I_N = 7,2, cos φ = 0,86. Berechne den Anlaufstrom und beurteile, ob DOL im Verteilnetz nach TAEV-Faustregel ohne Rücksprache mit dem Netzbetreiber zulässig ist.
Gegeben: P_N = 11 kW, I_N = 21 A, k = 7,2
Gesucht: I_A und Beurteilung
Lösungsweg:
I_A = k · I_N = 7,2 · 21 A = 151,2 A
Beurteilung: Die Motorleistung 11 kW liegt deutlich über der TAEV-Faustregel von etwa 4 kW. DOL ist ohne Rücksprache mit dem Netzbetreiber in der Regel nicht zulässig. Übliche Alternativen sind Stern-Dreieck-Schaltung, Sanftanlauf oder Frequenzumrichter.
Ergebnis: I_A ≈ 151 A; DOL nicht ohne Rücksprache mit dem Netzbetreiber.
Was bedeutet die Abkürzung DOL?
- a) Direkt Ohne Lastanlauf
- b) Direct-On-Line
- c) Drehstrom-Ohm-Lastschaltung
- d) Drehzahl-Optimierte Linearschaltung
Richtig: b)
DOL steht für „Direct-On-Line“ — der Motor wird direkt an die volle Netzspannung gelegt. Die anderen Antworten sind erfunden.
Welche Funktion hat der Hilfskontakt -K1 parallel zum EIN-Taster -S1 im Steuerstromkreis?
- a) Er bildet die Selbsthaltung des Schützes
- b) Er trennt den Motorschutz vom Hauptstromkreis
- c) Er führt den Hauptmotorstrom
- d) Er begrenzt den Anlaufstrom
Richtig: a)
Nach dem Einschalten überbrückt der Hilfskontakt den Taster und hält die Spule unter Strom. Der Motorstrom (c) fließt im Hauptstromkreis, nicht über Hilfskontakte. Eine Strombegrenzung (d) leistet DOL nicht.
Welcher der folgenden Motoren ist nach der TAEV-Faustregel am ehesten ohne Rücksprache mit dem Netzbetreiber direkt einschaltbar?
- a) 11 kW Pumpe
- b) 22 kW Kompressor
- c) 7,5 kW Lüfter
- d) 2,2 kW Förderband
Richtig: d)
Die Faustregel liegt bei etwa 4 kW. 2,2 kW liegt deutlich darunter (d). Die anderen drei Motoren überschreiten die Grenze und brauchen entweder Rücksprache oder ein anderes Anlaufverfahren.
Welche Aufgabe hat das Motorschutzorgan -F2 in einer DOL-Schaltung?
- a) Schutz vor Kurzschlüssen mit Auslösung in Millisekunden
- b) Schutz gegen Schalten unter Last
- c) Schutz vor länger anhaltender thermischer Überlastung
- d) Schutz gegen Spannungsunsymmetrie zwischen L1 und N
Richtig: c)
Das thermische Motorschutzrelais reagiert auf Ströme knapp über dem Bemessungsstrom über Sekunden bis Minuten. Kurzschlussschutz (a) übernimmt der Leitungsschutz. Antworten (b) und (d) sind keine typischen Aufgaben des Motorschutzes.
Was ist die richtige Kontaktart für den EIN-Taster -S1 in einer DOL-Selbsthaltung?
- a) Schließer
- b) Öffner
- c) Wechsler ohne Mittelstellung
- d) Schaltschloss mit Verriegelung
Richtig: a)
Der EIN-Taster muss beim Drücken Strom an die Spule weiterleiten und beim Loslassen wieder öffnen — das ist ein Schließer. Ein Öffner (b) würde die Spule dauerhaft mit Strom versorgen, bis er gedrückt wird.
Wonach wird ein Schütz für eine Direkteinschaltung eines Käfigläufer-Asynchronmotors dimensioniert?
- a) Nach dem Anlaufstrom in AC-1
- b) Nach dem Bemessungsbetriebsstrom in AC-3
- c) Nach dem Kurzschlussstrom des Netzes
- d) Nach dem Sicherungsnennstrom des Hauptverteilers
Richtig: b)
AC-3 ist die für Käfigläufermotoren passende Gebrauchskategorie. Sie berücksichtigt sowohl das Einschalten gegen den Anlaufstrom als auch das Abschalten unter Last. AC-1 (a) gilt für rein ohmsche Lasten und wäre für Motoren zu schwach.
Welche Aussage zur Typkoordination Typ 2 nach ÖNORM EN 60947-4-1 stimmt?
- a) Schütz und Motorschutz müssen nach jedem Kurzschluss ersetzt werden
- b) Die Anlage darf nach einem Kurzschluss nicht mehr unter Spannung gesetzt werden
- c) Schütz und Motorschutz bleiben gebrauchstauglich, leichtes Kontakt-Verschweißen ist zulässig
- d) Typ 2 ist nur für Steuerstromkreise gültig
Richtig: c)
Typ 2 fordert, dass Schütz und Motorschutz nach einem Kurzschluss weiter einsetzbar sind. Leichtes Verschweißen ist zulässig, sofern es ohne Hilfsmittel gelöst werden kann. Typ 1 (a) erlaubt dagegen den Tausch der Komponenten nach einem Kurzschluss.
Was passiert in einer DOL-Schaltung mit korrekter Selbsthaltung, wenn das Motorschutzrelais auslöst?
- a) Der Motor wird thermisch begrenzt weiterbetrieben
- b) Das Schütz wird nicht beeinflusst
- c) Der Anlaufstrom wird im nächsten Anlauf reduziert
- d) Der Hilfskontakt -F2 im Steuerstromkreis öffnet, die Schützspule fällt ab, der Motor wird abgeschaltet
Richtig: d)
Der Motorschutz wirkt über seinen Hilfskontakt im Steuerstromkreis. Öffnet dieser Kontakt, fällt das Schütz ab und der Motor wird sicher abgeschaltet. Die anderen Antworten beschreiben Vorgänge, die so nicht stattfinden.
Welche Aussage zur Auslöseklasse 10 des Motorschutzes trifft zu?
- a) Sie passt zu Motoren mit kurzer Anlaufzeit, wie sie bei DOL typisch sind
- b) Sie ist für schwere Anläufe mit über 20 Sekunden Hochlaufdauer vorgesehen
- c) Sie schaltet den Motor nach 10 Sekunden Vollast immer abschalten
- d) Sie deaktiviert den Motorschutz für 10 Sekunden nach dem Einschalten
Richtig: a)
Klasse 10 löst innerhalb von 10 Sekunden bei 7,2-fachem Einstellstrom aus — das passt zur kurzen Anlaufzeit eines DOL-Motors. Schwere Anläufe (b) brauchen Klasse 20 oder 30. Antworten (c) und (d) beschreiben die Auslöseklasse falsch.
Welche der folgenden Aussagen über die Direkteinschaltung ist richtig?
- a) DOL eignet sich grundsätzlich für jeden Drehstrommotor unabhängig von der Größe
- b) Bei DOL ist ein Sanftanlauf zwingend vorgeschaltet
- c) DOL liefert vom ersten Moment an das volle Anlaufdrehmoment
- d) DOL begrenzt den Anlaufstrom durch eine Vorstufe automatisch
Richtig: c)
Volle Spannung ab Einschaltmoment bedeutet auch volles Anlaufmoment — das ist eine Stärke der DOL bei Lasten, die gleich vom Start weg Drehmoment brauchen. Antworten (a) und (b) widersprechen der Definition von DOL. Antwort (d) ist die Umkehrung — DOL begrenzt gerade nicht.
Welches Bauteilkennzeichen wird nach ÖNORM EN 81346 typischerweise für ein Schütz verwendet?
- a) -F
- b) -M
- c) -Q
- d) -K
Richtig: d)
Schütze und Relais bekommen das Kennzeichen -K. -F ist für Schutzorgane, -M für Motoren, -Q für Trennschalter und Leistungsschalter. Diese Kennzeichen sind in EN 81346 festgelegt.
In welcher Reihenfolge liegen AUS-Taster -S0 und EIN-Taster -S1 in einer korrekt aufgebauten DOL-Selbsthaltung?
- a) -S0 als Öffner in Reihe zur Spule, -S1 als Schließer parallel zum Selbsthaltekontakt
- b) -S0 als Schließer parallel zur Spule, -S1 als Öffner in Reihe
- c) Beide als Öffner, in Reihe geschaltet
- d) Beide als Schließer, parallel zur Spule
Richtig: a)
Der AUS-Taster muss den Strom zur Spule unterbrechen können — also Öffner in Reihe. Der EIN-Taster muss den Stromfluss initial herstellen — also Schließer parallel zum Selbsthaltekontakt. Andere Anordnungen führen zu Schaltungen, die entweder nicht abschaltbar sind oder gar nicht erst einschalten.
Glossar
- Direkteinschaltung (DOL)
- Anlaufverfahren für Drehstrom-Asynchronmotoren, bei dem der Motor über ein Schütz direkt mit voller Netzspannung verbunden wird. „DOL“ steht für Direct-On-Line.
- Hauptstromkreis
- Pfad in einer Motorschaltung, über den der Motorstrom fließt. Enthält Kurzschlussschutz, Schütz-Hauptkontakte, Motorschutz und den Motor.
- Steuerstromkreis
- Pfad in einer Motorschaltung, der das Schütz schaltet. Enthält Taster, Hilfskontakte und die Schützspule. Spannungsebene meist 230 V AC oder 24 V DC.
- Anlaufstrom (I_A)
- Strom, den ein Asynchronmotor unmittelbar nach dem Einschalten aufnimmt, solange der Rotor noch nicht auf Drehzahl ist. Typisch 5- bis 8-mal so hoch wie der Bemessungsstrom.
- Anlaufstromverhältnis (k = I_A/I_N)
- Verhältnis zwischen Anlauf- und Bemessungsstrom. Wird auf dem Motortypenschild angegeben und liegt für Käfigläufer-Asynchronmotoren typisch zwischen 5 und 8.
- Gebrauchskategorie AC-3
- In ÖNORM EN 60947-4-1 festgelegte Kategorie für das Schalten von Käfigläufer-Asynchronmotoren. Berücksichtigt sowohl den Anlaufstrom beim Einschalten als auch das Ausschalten unter Last.
- Auslöseklasse
- Kennzahl für das thermische Verhalten eines Motorschutzes, abgestimmt auf die zulässige Anlaufzeit. Klasse 10 für kurze Anläufe (typisch DOL), Klasse 20 für mittlere, Klasse 30 für schwere Anläufe.
- Typkoordination
- Aufeinander abgestimmte Auswahl von Kurzschlussschutz, Schütz und Motorschutz nach ÖNORM EN 60947-4-1. Typ 1 erlaubt Beschädigung der Komponenten nach Kurzschluss, Typ 2 verlangt weitere Gebrauchstauglichkeit.
- TAEV
- Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an öffentliche Versorgungsnetze mit Betriebsspannungen bis 1000 V. Österreichisches Regelwerk für den Anschluss elektrischer Anlagen an das Verteilnetz, regelt unter anderem zulässige Anlaufströme.
