Verriegelungen: UND- und ODER-Verknüpfung
Wenn in einer Anlage zwei Schütze nie gleichzeitig anziehen dürfen, oder ein Motor nur starten darf, wenn Schutztür ZU und Not-Aus okay sind — dann sind das Verriegelungen. Verriegelungen sind die logischen Spielregeln einer Schützsteuerung. Sie entscheiden, was schalten darf und was nicht. Im Kern stecken zwei Bausteine dahinter: die UND-Verknüpfung (alle Bedingungen müssen passen) und die ODER-Verknüpfung (mindestens eine reicht). Damit lassen sich die meisten Steuerungsaufgaben in der Praxis sauber lösen.
Vorwissen
- Schütze und Relais
- Selbsthaltung
- Wahrheitstabellen und KV-Diagramme
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Aufgabe einer Verriegelung erklären und sie von einer Selbsthaltung abgrenzen.
- UND- und ODER-Verknüpfungen im Stromlaufplan als Reihen- bzw. Parallelschaltung erkennen und zeichnen.
- eine gegenseitige Verriegelung mit Öffnerkontakten aufbauen und ihre Wirkungsweise nachvollziehen.
- kombinierte Verriegelungen aus mehreren UND-/ODER-Bedingungen aufbauen.
- elektrische und mechanische Verriegelung sinnvoll kombinieren.
1. Was ist eine Verriegelung?
In einer Werkstatt steht ein Motor mit Rechts- und Linkslauf. Würde jemand versehentlich beide Schütze gleichzeitig schließen, gäbe es einen Kurzschluss zwischen zwei Außenleitern — die Sicherung fliegt, im schlimmsten Fall mit Lichtbogen. Damit das nicht passiert, sperrt jedes Schütz die Spule des anderen. Das ist eine Verriegelung.
Eine Verriegelung ist eine Schaltung, die bestimmte Schaltzustände erzwingt oder verbietet. Sie ist eine logische Schicht in der Steuerung: sie sagt, unter welchen Bedingungen ein Schütz anziehen darf — und unter welchen es das auf keinen Fall darf. Wichtig ist die Abgrenzung zur Selbsthaltung:
- Eine Selbsthaltung „merkt sich“ einen Tastimpuls — sie hält den Aktor bestromt, nachdem der Start-Taster losgelassen wurde.
- Eine Verriegelung „erlaubt“ oder „verbietet“ einen Schaltzustand — sie prüft, ob bestimmte Bedingungen gerade gegeben sind.
Beide Bausteine werden in der Praxis fast immer kombiniert: eine selbsthaltende Schaltung mit Verriegelungen davor. Die Hardware für Verriegelungen sind dieselben Bauteile wie sonst in der Schützsteuerung:
- Schließerkontakte (NO, normally open) — leiten, wenn die Bedingung erfüllt ist
- Öffnerkontakte (NC, normally closed) — leiten, wenn die Bedingung NICHT erfüllt ist
- Hilfskontakte der Schütze — bilden die Rückmeldung, welcher Aktor gerade zieht
Mit diesen drei Elementen lassen sich alle Verriegelungslogiken aufbauen.
Worin unterscheidet sich eine Verriegelung grundlegend von einer Selbsthaltung?
- a) Verriegelungen werden nur in der SPS verwendet, Selbsthaltungen nur in Schützsteuerungen
- b) Verriegelungen prüfen Bedingungen, Selbsthaltungen holden einen Schaltzustand aufrecht
- c) Verriegelungen wirken nur auf Motoren, Selbsthaltungen nur auf Lampen
- d) Es gibt keinen Unterschied — die Begriffe werden synonym verwendet
Richtig: b)
Verriegelungen sind eine logische Vorbedingung: sie geben einen Schaltkreis nur frei, wenn definierte Zustände erfüllt (oder verboten) sind. Selbsthaltungen sorgen dafür, dass ein Tastimpuls „gemerkt“ wird. Beide Funktionen erscheinen häufig zusammen, sind aber funktional verschieden. Antwort a ist falsch, beide Bausteine gibt es in beiden Welten. c ist Unsinn — beide Bausteine sind aktorunabhängig. d widerspricht dem Sprachgebrauch der Steuerungstechnik.
Welche Kontaktart wird typischerweise benötigt, um die logische Bedingung „X ist NICHT aktiv“ abzubilden?
- a) Schließer
- b) Wechsler in Schließerstellung
- c) Öffner
- d) Hilfsschütz
Richtig: c)
Ein Öffnerkontakt leitet im Ruhezustand und öffnet, wenn der dazugehörige Aktor zieht. Damit bildet er die Aussage „X ist NICHT aktiv“ ab — solange X nicht zieht, ist der Öffner geschlossen und leitet den Stromkreis weiter. Sobald X zieht, öffnet der Kontakt und unterbricht. Schließer leiten umgekehrt erst, wenn der Aktor zieht. Ein Wechsler enthält zwar einen Öffner-Teil, aber die Frage zielt auf die Funktion, nicht die Bauform. Ein Hilfsschütz ist ein Bauteil, kein Kontakttyp.
2. UND-Verknüpfung (Reihenschaltung)
Damit ein Motor anlaufen darf, müssen oft mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein: Hauptschalter EIN, Not-Aus nicht betätigt, Schutztür geschlossen. Fehlt nur eine — kein Anlauf. Genau das ist die UND-Verknüpfung.
Bei der UND-Verknüpfung müssen ALLE Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, damit der Ausgang schaltet. Im Stromlaufplan setzt man das als Reihenschaltung um: alle beteiligten Kontakte hintereinander im selben Strompfad, davor oder dahinter die Schützspule. Bevor wir die Logik in einer Tabelle anschauen, ein paar Vereinbarungen — was bedeuten in der Schützsteuerung die Werte 0 und 1?
Signalzustand in der Schützsteuerung:
- Logisch 1 = Kontakt leitet (Schließer geschlossen oder Öffner geschlossen) / Spule führt Strom und zieht
- Logisch 0 = Kontakt leitet nicht (Schließer offen oder Öffner offen) / Spule stromlos
Mit dieser Übersetzung wird die Wahrheitstabelle direkt zur Verhaltensbeschreibung der Schaltung. Im weiteren Verlauf steht in den Spalten für die Eingänge S1 und S2 also: 1 = Taster betätigt, sodass sein Schließer leitet; 0 = unbetätigt. Im Ausgang K1: 1 = Spule zieht an, 0 = Spule stromlos.
Für zwei Eingänge sieht das in der UND-Verknüpfung so aus:
| S1 | S2 | K1 |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 0 |
| 1 | 0 | 0 |
| 1 | 1 | 1 |
K1 zieht nur, wenn S1 UND S2 gleichzeitig betätigt sind. Sobald auch nur ein kontakt offen ist, ist der Strompfad unterbrochen — K1 fällt ab.
Im Schaltbild nach IEC 60617 — zwei Schließer in Reihe vor der Spule K1:
Erweiterung auf mehr als zwei Bedingungen: jeder zusätzliche UND-Eingang wird einfach in den Strompfad in Reihe eingefügt. Drei, vier oder pfünf Bedingungen funktionieren genauso — jeder zusätzliche Schließer macht die Bedingung enger.
Häufige Verwendungen in der Praxis:
- „Anlage darf nur starten, wenn (Hauptschalter EIN) UND (Not-Aus nicht betätigt) UND (Schutztür geschlossen)“
- „Heizung darf nur einschalten, wenn (Temperaturwächter unter Maximum) UND (Druck im Sollbereich)“
- „Förderband 2 darf nur laufen, wenn (Förderband 1 läuft)“ — als Vorbedingung über den Hilfskontakt von K1
Drei Schließer S1, S2 und S3 sind in einem Strompfad in Reihe geschaltet und steuern die Spule von K1. Wann zieht K1 an?
- a) Wenn alle drei Schließer gleichzeitig geschlossen sind
- b) Wenn S1 und S2 geschlossen sind, S3 ist egal
- c) Wenn mindestens einer der Schließer geschlossen ist
- d) Wenn genau zwei der Schließer geschlossen sind
Richtig: a)
Eine Reihenschaltung von Schließern bildet eine UND-Verknüpfung über alle beteiligten Kontakte. Der Strom muss durch jeden Kontakt durch — bricht der Pfad an einer Stelle, fällt die Spule ab. b ignoriert eine Bedingung, was logisch nicht der Reihenschaltung entspricht. c beschreibt eine ODER-Verknüpfung (Parallelschaltung). d wäre eine XOR-ähnliche Sonderform und in einer Reihenschaltung nicht abbildbar.
Warum werden in sicherheitsrelevanten Strompfaden UND-Bedingungen oft mit Öffnern im Ruhestromprinzip aufgebaut?
- a) Öffner sind elektrisch belastbarer als Schließer
- b) Ein Drahtbruch führt zum sicheren AUS-Zustand der Anlage
- c) Öffner sind günstiger als Schließer
- d) Ruhestromkreise verbrauchen weniger Energie
Richtig: b)
Im Ruhestromprinzip ist der Sicherheitskreis im fehlerfreien Zustand geschlossen — die Anlage bekommt aktiv „es ist alles okay“ signalisiert. Bei einem Drahtbruch wird der Kreis unterbrochen, die Anlage geht in denselben Zustand wie bei einem ausgelösten Not-Aus oder geöffneter Schutztür: AUS. Bei einem Schließer-Stromkreis (Arbeitsstromprinzip) bliebe ein Drahtbruch unbemerkt, weil die Bedingung sowieso nur kurz abgefragt wird. a und c sind sachlich nicht haltbar — Öffner und Schließer sind im selben Schalterkörper meist baugleich. d ist irrelevant, der Energieverbrauch eines Hilfsstromkreises ist verschwindend.
Welcher der folgenden Sätze beschreibt eine UND-Verknüpfung korrekt?
- a) Schütz K2 zieht an, wenn S1 oder S2 betätigt wird
- b) Schütz K2 zieht an, wenn S1 und gleichzeitig S2 betätigt sind
- c) Schütz K2 zieht an, wenn weder S1 noch S2 betätigt ist
- d) Schütz K2 zieht an, sobald S1 mindestens einmal betätigt wurde
Richtig: b)
Die UND-Verknüpfung verlangt, dass alle eingebundenen Bedingungen gleichzeitig wahr sind. a beschreibt eine ODER-Verknüpfung. c ist eine NOR-Verknüpfung. d beschreibt eine speichernde Funktion wie die Selbsthaltung.
3. ODER-Verknüpfung (Parallelschaltung)
Eine Maschine soll von der Bedienstelle vorne und von der Bedienstelle hinten gestartet werden können — beide Tasten sollen den Motor starten. Oder ein Pumpenschütz soll anziehen, sobald entweder der Hand-Taster gedrückt ist oder ein Niveauschalter „voll“ meldet. Das ist die ODER-Verknüpfung.
Bei der ODER-Verknüpfung reicht es, wenn MINDESTENS EINE der Bedingungen erfüllt ist, damit der Ausgang schaltet. Im Stromlaufplan wird das als Parallelschaltung umgesetzt: die beteiligten Kontakte liegen parallel zueinander, der Strom kann durch jeden Zweig einzeln zur Spule fließen.
Wahrheitstabelle für zwei Eingänge:
| S1 | S2 | K1 |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | 1 |
K1 zieht, sobald wenigstens einer der Eingänge auf 1 steht. Nur wenn beide Eingänge 0 sind, bleibt K1 stromlos.
Im Schaltbild: zwei Schließer parallel, dahinter die Spule K1:
Auch hier lässt sich beliebig erweitern. Mehrere Befehlsstellen, mehrere Sensoren oder mehrere Hand-/Automatik-Wege werden einfach parallel geschaltet — der ganze Stromzweig wird „breiter“.
Typische Praxisfälle:
- Ein Aktor mit mehreren Befehlsstellen: vorderer Start-Taster ODER hinterer Start-Taster ODER Funkfernsteuerung
- Mehrere Auslöser für dasselbe Ergebnis: Hand-Schalter „Pumpe EIN“ ODER Niveauschalter „Becken voll“ ODER zentrale Anforderung von der übergeordneten Steuerung
- Mehrere Endlagen, die denselben Folgeschritt auslösen
Zwei Start-Taster S1 und S2 sind parallel geschaltet und steuern die Spule des Schützes K1. Was passiert beim Drücken von S1 allein?
- a) K1 zieht an
- b) K1 zieht nicht an — beide Taster müssen gleichzeitig gedrückt sein
- c) K1 zieht nur an, wenn S2 vorher schon einmal gedrückt war
- d) K1 zieht zwar an, fällt aber sofort wieder ab
Richtig: a)
Parallelschaltung von Schließern ist eine ODER-Verknüpfung. Schon ein einziger geschlossener Kontakt schließt den Stromkreis und lässt die Spule anziehen. b beschreibt eine UND-Verknüpfung. c und d hätten weitere Bauteile als Voraussetzung (Selbsthaltung, Zeitrelais), die hier nicht vorhanden sind.
Welche Aussage zur ODER-Verknüpfung trifft NICHT zu?
- a) Mindestens eine erfüllte Bedingung reicht für das Schalten
- b) Schaltbild: parallele Anordnung der Kontakte im Strompfad
- c) Sind alle Bedingungen gleichzeitig erfüllt, schaltet die Spule trotzdem nur ein Mal
- d) Bei zwei parallelen Schließern S1 und S2 ist S1=1 ODER S2=1 ausreichend
Richtig: c)
Die Aussage in c ist sachlich falsch: die Spule „schaltet“ nicht „ein Mal“, sie zieht an und bleibt angezogen, solange mindestens eine Bedingung erfüllt ist. Die Zahl der gleichzeitig erfüllten Bedingungen ändert daran nichts. a, b und d beschreiben die ODER-Verknüpfung korrekt.
Welche Schaltung würdest du wählen, damit ein Lampenschütz K3 anzieht, sobald der Lichtsensor B1 ODER der Hand-Schalter S2 ODER die Zeitschaltuhr Q1 das Signal „ein“ liefert?
- a) Drei Schließer in Reihe vor K3
- b) Drei Schließer parallel vor K3
- c) Drei Öffner in Reihe vor K3
- d) Drei Öffner parallel vor K3
Richtig: b)
Drei alternative Befehlsgeber für denselben Aktor — klassische ODER-Verknüpfung, also Parallelschaltung von Schließern. Die Variante mit Öffnern parallel wäre eine andere Logik (würde die Spule abschalten, wenn alle drei Geber AKTIV werden). Reihenschaltung wäre eine UND-Verknüpfung — die Lampe ginge nur an, wenn alle drei gleichzeitig „ein“ liefern.
4. Gegenseitige Verriegelung
In einer Wendeschützschaltung steuern zwei Schütze K1 (Rechtslauf) und K2 (Linkslauf) denselben Motor. Würden beide gleichzeitig anziehen, hätte man im Hauptstromkreis einen Kurzschluss zwischen zwei Außenleitern. Die elektrische Gegenmaßnahme ist die gegenseitige Verriegelung: jedes Schütz sperrt die Spule des anderen.
Eine gegenseitige Verriegelung verhindert, dass zwei Schütze gleichzeitig anziehen können. Das logische Prinzip lautet: K1 darf nur ziehen, wenn K2 NICHT zieht — und K2 darf nur ziehen, wenn K1 NICHT zieht. Das „NICHT“ wird mit Öffnerkontakten realisiert.
Konkret: im Strompfad zur Spule K1 liegt ein Öffnerkontakt des Schützes K2. Solange K2 stromlos ist, ist dieser Öffner geschlossen und der Strompfad frei. Sobald K2 zieht, öffnet der Kontakt und unterbricht den K1-Pfad. Genauso umgekehrt: im Strompfad zu K2 sitzt ein Öffner von K1.
Wahrheitstabelle der reinen Verriegelungslogik. S1 und S2 sind die Start-Bedingungen für K1 bzw. K2:
| S1 | S2 | K1 | K2 |
|---|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 | 0 |
| 1 | 0 | 1 | 0 |
| 0 | 1 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | abhängig | abhängig |
Die letzte Zeile zeigt den eigentlichen Knackpunkt: wenn beide Start-Bedingungen gleichzeitig anliegen, entscheidet die Reihenfolge des Anziehens. Welches Schütz minimal früher zieht, sperrt das andere aus. In sauberer Ausführung kombiniert man die elektrische Verriegelung deshalb mit einem Tasterverhalten, das ein gleichzeitiges Drücken unwahrscheinlich macht — und in kritischen Anwendungen mit einer mechanischen Verriegelung (siehe Kapitel 5).
Wichtige Anwendungsfälle für die gegenseitige Verriegelung:
- Wendeschützschaltung: zwei Drehrichtungen — die konkrete Schaltung wird in einem eigenen Beitrag behandelt; das logische Verriegelungs-Prinzip ist aber genau das hier gezeigte.
- Stern-Dreieck-Schaltung: Stern- und Dreieck-Schütz dürfen sich nicht überlappen — auch hier verriegeln sich beide gegenseitig.
- Zwei-Pumpen-Schaltung an einem gemeinsamen Auslass: beide Pumpen gleichzeitig würden gegen verschlossene Klappen pumpen — gegenseitige Verriegelung verhindert das.
- Wechselbetrieb mit Folgelogik: zwei Aggregate teilen sich eine Last, eines davon ist Reserve.
Ein Schütz K1 soll gegenüber K2 verriegelt werden. Welche Kontaktanordnung erfüllt diese Aufgabe korrekt?
- a) Öffner von K2 in Reihe mit der Spule von K1
- b) Schließer von K2 in Reihe mit der Spule von K1
- c) Öffner von K1 in Reihe mit der Spule von K1
- d) Schließer von K1 in Reihe mit der Spule von K2
Richtig: a)
Verriegelung gegen K2 heißt: K1 darf nicht, wenn K2 zieht. Ein Öffner von K2 in der K1-Spulen-Leitung leitet, solange K2 stromlos ist, und unterbricht, sobald K2 anzieht — genau die gewünschte Logik. b würde K1 erst dann freigeben, wenn K2 schon zieht — das Gegenteil einer Verriegelung. c wäre ein selbstunterbrechendes Glied: K1 würde sich beim eigenen Anziehen abschalten. d verriegelt umgekehrt — K2 gegen K1 — aber nicht das, was die Frage will.
In einer Wendeschützschaltung sind K1 (Rechtslauf) und K2 (Linkslauf) elektrisch gegenseitig verriegelt. Was schützt diese Verriegelung NICHT zuverlässig vor einem Fehlerfall?
- a) Gegen versehentliches gleichzeitiges Drücken beider Start-Taster
- b) Gegen einen logischen Fehler im Bedienablauf
- c) Gegen einen verklemmten Schütz-Kontakt am bereits angezogenen Schütz
- d) Gegen gleichzeitiges Ziehen bei sauber montierter Verdrahtung
Richtig: c)
Verklemmt ein Schütz mechanisch in der Anzugsstellung, „sieht“ die Steuerung über den Hilfs-Öffner trotzdem den Zustand „abgefallen“, weil der Hilfskontakt unabhängig vom Hauptkontakt verklemmen kann. Die elektrische Verriegelung versagt in diesem Fall. Genau gegen diesen Fehler wirkt der zusätzliche mechanische Verriegelungsbausatz. Die anderen Punkte deckt die elektrische Verriegelung sehr wohl ab.
Warum wird bei gegenseitiger Verriegelung der Öffner möglichst nahe an der Spule und VOR der eventuellen Selbsthaltung platziert?
- a) Damit die Selbsthaltung schneller anspricht
- b) Damit der Verriegelungskontakt sowohl den Start- als auch den Selbsthaltepfad gemeinsam unterbricht
- c) Damit der Hilfsstromkreis kürzer wird und weniger Spannungsabfall hat
- d) Damit der Schließer der Selbsthaltung kleiner dimensioniert werden kann
Richtig: b)
Liegt der Öffner getrennt nur in einem der beiden Pfade (etwa nur in der Selbsthaltung), könnte das andere Schütz über den jeweils nicht-verriegelten Pfad trotzdem kurzzeitig anziehen. Ein gemeinsamer Verriegelungspunkt direkt vor der Spule unterbricht beide Pfade in einem Schritt. a, c und d haben keinen sachlichen Bezug zur Verriegelungslogik.
5. Kombinierte Schaltungen und mechanische Verriegelung
In einer echten Welt kommen UND- und ODER-Verknüpfungen kaum für sich allein vor. Eine typische Steuerung kombiniert sie: zwei Start-Taster ODER-verknüpft, dann eine ganze Reihe von Sicherheits-Bedingungen UND-verknüpft, dann eine Selbsthaltung, dann eine Verriegelung gegen das andere Schütz. Wie man so etwas sauber aufbaut, ist das Thema dieses Kapitels.
UND und ODER zusammen in einem Strompfad. Die Lesart bleibt einfach: Reihenschaltung = UND, Parallelschaltung = ODER. Wenn beides vorkommt, muss man die Klammern logisch nachzeichnen. Beispiel — Anlauf eines Förderbands:
(S_Start_vorne ODER S_Start_hinten ODER S_Start_Funk) UND (Not-Aus-Kette geschlossen) UND (Schutzgitter geschlossen) UND (Vorlauf-Schütz K1 schon angezogen)
Im Strompfad sieht das so aus: erst eine Parallelschaltung der drei Start-Taster, dahinter in Reihe die UND-Bedingungen, dann die Selbsthaltung über einen Hilfsschließer des Bandschützes, und am Ende die Spule.
Folgesteuerung — Anlauf in Reihenfolge. Eine sehr häufige Variante: zwei Aktoren dürfen nur in einer bestimmten Reihenfolge anlaufen. K2 darf nur ziehen, wenn K1 schon zieht. Realisiert wird das mit einem Schließerkontakt von K1 im Start-Strompfad von K2 — also einer UND-Verknüpfung mit der Vorbedingung „K1 ist aktiv“. Klassisches Beispiel: in einer Förderstraße startet zuerst das Band am Ende der Linie, dann das davor, dann das davor — nie umgekehrt, sonst wird Material aufgestaut. Diese Verschaltung wird auch Folgesteuerung genannt.
Ruhestromprinzip für Sicherheits-Bedingungen. Alles, was die Anlage stoppen muss — Not-Aus, Schutztür-Kontakt, thermischer Überlastschutz — wird über Öffnerkontakte in den Hauptstrompfad eingeschleift. Sind diese Öffner geschlossen (Ruhezustand), läuft die Anlage. Sobald einer öffnet oder ein Draht reißt, fällt die Anlage ab. Diese UND-Verknüpfung „alle Sicherheits-Kontakte geschlossen“ ist die Sicherheits-Kette.
Mechanische Verriegelung. Zwei Schütze gleicher Baugröße lassen sich mit einem mechanischen Verriegelungsbausatz koppeln. Das ist ein kleines Zusatzteil, das auf die Stirnseite der beiden Schütze geschraubt wird und das gleichzeitige Anziehen mechanisch ausschließt. Sie wirkt unabhängig von der elektrischen Verriegelung und fängt Fehler ab, die elektrisch nicht erkannt würden — zum Beispiel einen verklemmten Hauptkontakt bei intaktem Hilfskontakt. Bei Wendeschützschaltungen für mittlere und größere Motoren ist die Kombination aus elektrischer und mechanischer Verriegelung Stand der Technik.
Funktionale Sicherheit. Wenn die Verriegelung sicherheitsrelevant ist — etwa eine Schutztür-Überwachung an einer Maschine, die Personenschaden verursachen kann — kommt zusätzlich die funktionale Sicherheit ins Spiel. Performance Level, zweikanalige Auswertung, Sicherheitsschaltgerät und so weiter. Diese Aspekte werden in eigenen Sicherheits-Beiträgen ausführlich behandelt — hier nur als Erinnerung, dass eine „normale“ Verriegelung mit Öffnern allein für Sicherheitsfunktionen oft nicht reicht.
Eine Anlage hat zwei Start-Taster (vorne und hinten), eine Schutztür-Überwachung und einen Not-Aus. Wie wäre der Strompfad zur Anlaufspule K1 logisch korrekt aufgebaut?
- a) Alle vier Eingänge in Reihe
- b) Alle vier Eingänge parallel
- c) Start-Taster in Reihe, dann parallel zu Schutztür-Öffner und Not-Aus-Öffner
- d) Start-Taster parallel, dann in Reihe mit Schutztür-Öffner und Not-Aus-Öffner
Richtig: d)
Die Start-Taster sind zueinander alternative Befehlsgeber → ODER → parallel. Die Sicherheits-Bedingungen müssen alle gleichzeitig erfüllt sein → UND → in Reihe. Die Schutztür- und Not-Aus-Kontakte werden als Öffner im Ruhestromprinzip eingebaut. a hätte einen einzigen Strompfad ohne Alternativen für die Befehlsgabe. b würde die Anlage starten lassen, sobald irgendein Einzelkontakt leitet — also auch ohne erfüllte Sicherheits-Bedingungen. c invertiert die Logik komplett.
In einer Förderstraße sollen Bänder in der Reihenfolge B3 → B2 → B1 anlaufen, damit kein Stau entsteht. Wie wird die Folgesteuerung in der Schützsteuerung üblich aufgebaut?
- a) Im Start-Strompfad von K_B2 liegt ein Öffner von K_B3
- b) Im Start-Strompfad von K_B3 liegt ein Schließer von K_B2
- c) Die drei Schütze sind alle parallel zueinander geschaltet
- d) Im Start-Strompfad von K_B2 liegt ein Schließer von K_B3
Richtig: d)
B2 darf nur starten, wenn B3 schon läuft — also UND-Vorbedingung „K_B3 ist angezogen“. Das wird mit einem Schließer von K_B3 im Start-Strompfad von K_B2 realisiert. a wäre die Gegenlogik (B2 nur, wenn B3 stillsteht). b kehrt die Reihenfolge um. c entkoppelt die drei Schütze voneinander — eine Reihenfolge gäbe es nicht.
Welche Aussage zur mechanischen Verriegelung trifft NICHT zu?
- a) Sie wird zusätzlich zur elektrischen Verriegelung eingesetzt
- b) Sie ersetzt bei richtiger Auslegung die elektrische Verriegelung vollständig
- c) Sie fängt Fehlerfälle wie verklemmte Hauptkontakte ab
- d) Sie wird mit einem Bausatz auf die Stirnseiten der beiden Schütze montiert
Richtig: b)
Mechanische Verriegelung ist eine Ergänzung, kein Ersatz. Sie kann zwar das gleichzeitige Anziehen verhindern, regelt aber nicht die Bedingungen, unter denen ein Schütz überhaupt ziehen DARF — das macht die elektrische Logik. a, c, d sind korrekt.
Abschlusstest
Welche Aussage zur Reihenschaltung von Schließern im Stromlaufplan ist korrekt?
- a) Es ist eine ODER-Verknüpfung
- b) Schon ein geschlossener Kontakt reicht zur Aktivierung
- c) Der Strom muss durch alle Kontakte gleichzeitig fließen können
- d) Die Reihenfolge der Kontakte ändert die Logik
Richtig: c)
Reihenschaltung = UND. Der Strompfad ist nur dann durchgehend, wenn alle in Reihe liegenden Kontakte geschlossen sind. a vertauscht UND mit ODER. b beschreibt die Parallelschaltung. d ist falsch — die Reihenfolge in einer Reihenschaltung ist logisch irrelevant.
Zwei Endschalter B1 and B2 überwachen zwei Schutztüren. Die Anlage darf nur starten, wenn beide Türen geschlossen sind. Wie werden die Endschalter im Hauptstrompfad eingebunden?
- a) Schließer von B1 parallel zu Schließer von B2
- b) Öffner von B1 parallel zu Öffner von B2
- c) Öffner von B1 in Reihe mit Öffner von B2 im Ruhestromprinzip
- d) Schließer von B1 und Schließer von B2 abwechselnd
Richtig: c)
Beide Türen gleichzeitig geschlossen → UND-Verknüpfung → Reihenschaltung. In der sicherheitsorientierten Ausführung werden Öffner im Ruhestromprinzip verwendet — Tür offen = Öffner offen = Anlage AUS. a und b wären ODER-Verknüpfungen. d ist sachlich unbestimmt.
Welcher der folgenden Fälle ist KEIN typischer Einsatz einer ODER-Verknüpfung?
- a) Zwei Sicherheits-Bedingungen, die beide gleichzeitig erfüllt sein müssen
- b) Zwei Befehlsstellen, die denselben Aktor starten
- c) Drei Sensoren, von denen jeder den Folgeschritt auslösen darf
- d) Ein Hand-Taster und ein Automatik-Signal als alternative Auslöser
Richtig: a)
Punkt a ist eine UND-Verknüpfung, keine ODER-Verknüpfung. Zwei Sicherheits-Bedingungen, die beide erfüllt sein müssen, sind eine Reihenschaltung. b, c, d sind klassische ODER-Anwendungen.
In einer Wendeschützschaltung zieht K1 (Rechtslauf). Was passiert, wenn jetzt der Linkslauf-Taster S2 gedrückt wird, ohne dass vorher gestoppt wurde?
- a) K2 zieht sofort an, K1 fällt parallel ab
- b) K2 zieht nicht an, weil der Öffner von K1 den Strompfad von K2 unterbricht
- c) Beide Schütze ziehen kurz gleichzeitig, es entsteht ein Kurzschluss
- d) K2 zieht an und K1 bleibt zusätzlich angezogen
Richtig: b)
Die gegenseitige Verriegelung sperrt aktiv: solange K1 zieht, ist sein Öffner im K2-Pfad offen. K2 kann gar nicht anziehen, egal wie lange S2 gedrückt wird. a wäre ohne Stop-Eingriff nicht der Fall — die Selbsthaltung von K1 hält weiter. c würde die Verriegelung gerade verhindern. d würde gleichzeitiges Anziehen voraussetzen.
Worauf zielt das Ruhestromprinzip bei Sicherheits-Kontakten ab?
- a) Auf einen niedrigeren Stromverbrauch im Steuerstromkreis
- b) Darauf, dass ein Drahtbruch oder offener Kontakt automatisch zum sicheren AUS führt
- c) Auf eine längere Lebensdauer der Kontakte
- d) Auf eine schnellere Schaltreaktion
Richtig: b)
Im Ruhestromprinzip leiten die Sicherheits-Kontakte im fehlerfreien Zustand aktiv „alles okay“. Jede Unterbrechung — sei sie real (Öffnung des Kontakts) oder fehlerhaft (Drahtbruch) — führt zur selben Reaktion: Anlage AUS. Das ist der Kern fehlersicherer Steuerungstechnik. a, c und d sind keine Argumente, die das Ruhestromprinzip motivieren.
Drei Bedingungen B1, B2 und B3 wirken auf die Spule des Schützes K. Im Strompfad liegt B1 parallel zu B2, dann in Reihe mit B3. Wie lautet die zugehörige logische Aussage?
- a) K zieht, wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind
- b) K zieht, wenn (B1 UND B2) ODER B3 erfüllt sind
- c) K zieht, wenn mindestens eine der drei Bedingungen erfüllt ist
- d) K zieht, wenn (B1 ODER B2) UND B3 erfüllt sind
Richtig: d)
Die Parallelschaltung von B1 und B2 bildet eine ODER-Gruppe, die dann in Reihe mit B3 liegt — also UND-verknüpft. Daraus ergibt sich (B1 OR B2) AND B3. a wäre alle drei in Reihe. b würde eine andere Klammerung verlangen (B1 in Reihe mit B2, das Ganze parallel zu B3). c wäre alle drei parallel.
In einer Folgesteuerung soll Schütz K2 nur dann anziehen können, wenn K1 bereits zieht. Welcher Kontakt muss dafür im Start-Strompfad von K2 liegen?
- a) Ein Schließer von K1
- b) Ein Öffner von K1
- c) Ein Schließer von K2
- d) Ein Öffner von K2
Richtig: a)
„K1 zieht“ → Schließer von K1 ist geschlossen. Diese Bedingung in den Start-Strompfad von K2 eingefügt wirkt als UND-Vorbedingung: K2 kann nur ziehen, wenn der K1-Schließer leitet. b wäre die Gegenlogik. c und d wären Selbst-Bezüge von K2 ohne Bezug zur Folgelogik.
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Selbsthaltung und Verriegelung?
- a) Selbsthaltung wirkt nur bei DC, Verriegelung nur bei AC
- b) Selbsthaltung speichert einen Schaltzustand, Verriegelung erlaubt oder verbietet einen Schaltzustand
- c) Selbsthaltung ist eine Verriegelung gegen das eigene Schütz
- d) Verriegelung ist eine Selbsthaltung mit zusätzlicher Sicherung
Richtig: b)
Selbsthaltung „merkt sich“ den Tastimpuls und hält den Aktor bestromt. Verriegelung ist die logische Vorbedingung, die das Anziehen freigibt oder sperrt. Beide Bausteine werden meist kombiniert, sind aber funktional eigenständig. a ist sachlich unhaltbar. c und d vermischen die Begriffe falsch.
Welche der folgenden Aussagen zur mechanischen Verriegelung trifft zu?
- a) Sie ist ein elektrisches Bauteil mit eigener Hilfsspule
- b) Sie wird vor allem in der SPS-Programmierung eingesetzt
- c) Sie macht die elektrische Verriegelung überflüssig
- d) Sie wirkt unabhängig von der elektrischen Verriegelung als zusätzliche Schicht
Richtig: d)
Die mechanische Verriegelung ist ein rein mechanischer Bausatz, der das gleichzeitige Anziehen zweier Schütze physikalisch verhindert. Sie ergänzt die elektrische Verriegelung, ersetzt sie aber nicht. a ist falsch — keine eigene Spule. b ist Unsinn — SPS hat keine mechanische Komponente in diesem Sinn. c wurde in Kapitel 5 bereits widerlegt.
In einer Pumpensteuerung soll Pumpe P1 anlaufen, wenn der Niveauschalter B1 ODER der Hand-Taster S1 betätigt ist UND gleichzeitig der Trockenlaufschutz B2 nicht ausgelöst hat UND der Motorschutz Q1 nicht ausgelöst hat. Wie ist der Strompfad korrekt aufgebaut?
- a) Schließer B1 in Reihe mit Schließer S1, dann parallel zu Öffner B2 und Öffner Q1
- b) Schließer B1 parallel zu Schließer S1, dann in Reihe mit Schließer B2 und Schließer Q1
- c) Schließer B1 parallel zu Schließer S1, dann in Reihe mit Öffner B2 und Öffner Q1
- d) Alle vier Kontakte parallel
Richtig: c)
B1 und S1 sind alternative Auslöser → ODER → parallel. B2 (Trockenlauf) und Q1 (Motorschutz) sind „nicht ausgelöst“-Bedingungen — als Öffner im Ruhestromprinzip im Strompfad in Reihe. b nutzt Schließer wo Öffner sein müssten, was die Sicherheitsfunktion brechen würde. a und d invertieren die Logik.
Glossar
- Verriegelung
- Schaltung in der Steuerungstechnik, die bestimmte Schaltzustände erzwingt oder verbietet. Sie wirkt als logische Vorbedingung für das Anziehen eines Schützes.
- UND-Verknüpfung
- logische Verknüpfung, bei der alle Eingangsbedingungen gleichzeitig erfüllt sein müssen. Im Stromlaufplan als Reihenschaltung umgesetzt.
- ODER-Verknüpfung
- logische Verknüpfung, bei der mindestens eine der Eingangsbedingungen erfüllt sein muss. Im Stromlaufplan als Parallelschaltung umgesetzt.
- Gegenseitige Verriegelung
- Verriegelung, bei der zwei Schütze sich gegenseitig sperren: keines darf ziehen, wenn das andere zieht. Realisiert mit Öffnerkontakten der jeweils anderen Schützspule im eigenen Strompfad.
- Signalzustand
- in der Schützsteuerung: logisch 1 = kontakt leitet bzw. Spule führt Strom; logisch 0 = Kontakt offen bzw. Spule stromlos.
- Ruhestromprinzip
- Auslegungsprinzip für Sicherheits-Stromkreise: im fehlerfreien Zustand sind alle Kontakte geschlossen und die Steuerung erhält aktiv das Signal „alles okay“. Jeder Drahtbruch oder jede Kontakt-Öffnung führt zum sicheren AUS.
- Folgesteuerung
- Steuerung, bei der mehrere Aktoren nur in einer festgelegten Reihenfolge anlaufen dürfen. Realisiert durch UND-Vorbedingungen mit Schließerkontakten der jeweiligen Vorgänger-Schütze.
- Mechanische Verriegelung
- mechanischer Verriegelungsbausatz, der auf zwei benachbarten Schützen montiert wird und das gleichzeitige Anziehen physikalisch verhindert. Wirkt unabhängig von der elektrischen Verriegelung.
