Selbsthaltung
Einmotor soll mit einem kurzen Tastendruck starten und so lange laufen, bis jemand ihn aktiv ausschaltet. Genau das löst die Selbsthaltung — die wohl wichtigste Grundschaltung der klassischen Schützsteuerung. Wer sie verstanden hat, hat den halben Schaltschrank verstanden, vom Förderband bis zur Pumpensteuerung.
Vorwissen
- Schütze und Relais
- Schalter und Taster — Öffner und Schließer
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Grundidee der Selbsthaltung und ihr Speicherverhalten in eigenen Worten erklären
- einen Stromlaufplan einer einfachen Selbsthaltung lesen und Schritt für Schritt durchgehen
- Aus-Vorrang und Ein-Vorrang voneinander unterscheiden und entscheiden, wann welche Variante sinnvoll ist
- typische Erweiterungen wie Motorschutzrelais, Meldelampen und mehrere Befehlsstellen in eine Selbsthaltung einbauen
- den Wiederanlaufschutz als Folge der Selbsthaltung erkennen und begründen
1. Grundidee der Selbsthaltung
Drück einmal kurz auf den Start-Taster einer Bohrmaschine. Was passiert? Solange dein Finger draufbleibt, läuft sie. Lässt du los, geht sie aus. Bei einer Handbohrmaschine ist das in Ordnung — bei einem Förderband oder einer Hydraulikpumpe wäre es absurd. Niemand will acht Stunden lang einen Knopf gedrückt halten.
Genau hier setzt die Selbsthaltung an. Die Idee ist einfach: Das Schütz, das den Motor schaltet, soll sich nach dem ersten Tastendruck selbst weiter mit Spannung versorgen. Dazu bekommt es einen Hilfskontakt — einen kleinen Schaltkontakt, der mitläuft, sobald die Schützspule anzieht. Dieser Hilfskontakt wird parallel zum Ein-Taster geschaltet und überbrückt ihn. Sobald das Schütz einmal angezogen hat, hält es sich über diesen Pfad selbst, auch nachdem der Ein-Taster wieder losgelassen wurde. Erst ein Aus-Taster, der die Spannung wegnimmt, bringt das Schütz wieder zum Abfallen.
Damit verhält sich die Selbsthaltung wie ein Speicherglied. Sie merkt sich den Zustand „eingeschaltet“ so lange, bis aktiv ausgeschaltet wird. In der Digitaltechnik macht ein Flip-Flop genau dasselbe — die Selbsthaltung ist quasi sein elektromechanischer Vorgänger.
Warum nimmt man überhaupt einen Taster statt eines normalen Kippschalters? Weil der Taster zurückspringt. Damit ist nach einem kurzen Bedienimpuls die Tasterstellung wieder neutral, und das Schütz fällt bei jedem Spannungsausfall sicher ab. Ein klemmender Kippschalter würde den Motor nach Stromrückkehr unkontrolliert anlaufen lassen — gefährlich. Mehr zu diesem Sicherheitsaspekt im Kapitel über Erweiterungen.
Warum funktioniert eine Selbsthaltung mit einem normalen rastenden Schalter als Ein-Bedienelement nicht sinnvoll?
- a) Weil rastende Schalter zu geringe Strombelastbarkeit haben
- b) Weil der Schalter den Schützausfall nicht meldet
- c) Weil dann zwei Schaltzustände parallel wirken und das Schütz nach Spannungsausfall unkontrolliert wieder anläuft
- d) Weil rastende Schalter keine Öffnerkontakte besitzen
Richtig: c)
Beim Taster liegt nach kurzem Bedienen wieder der Ruhezustand vor — fällt das Schütz wegen Spannungsausfall ab, bleibt es nach Spannungsrückkehr aus. Ein rastender Schalter behält dagegen seine Stellung, sodass nach Spannungsrückkehr das Schütz unkontrolliert wieder anzieht. Die Strombelastbarkeit und Kontaktarten sind nicht das Problem.
Welches Bauteil übernimmt in der klassischen Selbsthaltung die Funktion des „Speichers“?
- a) Das Schütz mit einem eigenen Hilfsschließer als Haltekontakt
- b) Der Ein-Taster, weil er den Pfad einschaltet
- c) Ein Schritt-Schaltwerk nach ÖNORM
- d) Der Aus-Taster, weil er den Pfad unterbricht
Richtig: a)
Das Speicherverhalten entsteht dadurch, dass ein Hilfskontakt des Schützes selbst den Ein-Taster überbrückt. Ohne diesen Hilfskontakt würde die Schaltung sofort wieder abfallen. Ein Kondensator wäre zu kurz wirksam und gehört nicht zur klassischen Selbsthaltung.
Worin liegt der grundlegende Unterschied zwischen einem Taster und einem Schalter?
- a) Taster führen größere Ströme
- b) Taster haben eine mechanische Rückstellfeder, Schalter rasten ein
- c) Taster sind immer Schließer, Schalter immer Öffner
- d) Taster sind ausschließlich für Steuerstromkreise erlaubt
Richtig: b)
Das Rückstellverhalten ist das definierende Merkmal. Sowohl Taster als auch Schalter gibt es in Schließer- und Öffner-Ausführung, und beide dürfen in Steuerstromkreisen verwendet werden. Die Strombelastbarkeit hängt von der Bauform ab, nicht vom Prinzip.
2. Aufbau und Funktion im Schaltplan
Eine Selbsthaltung wird im Steuerstromkreis aufgebaut. Der Steuerstromkreis ist der Stromkreis mit geringer Leistung, in dem die Schützspulen, Taster und Hilfskontakte sitzen und die eigentlichen Schaltentscheidungen getroffen werden. Den großen Motorstrom selbst schalten die Hauptkontakte derselben Schütze im Hauptstromkreis — dort fließt die Energie zum Verbraucher. Die beiden Kreise sind funktional getrennt, miteinander gekoppelt nur über die Mechanik des Schützes.
Im Steuerstromkreis braucht es für die einfachste Selbsthaltung vier Bauteile:
- einen Aus-Taster als Öffner, oft mit S0 bezeichnet
- einen Ein-Taster als Schließer, oft S1
- die Schützspule, beispielsweise K1
- den Haltekontakt — ein Hilfsschließer desselben Schützes K1, der parallel zum Ein-Taster liegt
Der Haltekontakt ist physisch ein Hilfskontakt am Schütz K1. Wenn das Schütz anzieht, schließen alle seine Kontakte gemeinsam — Hauptkontakte im Lastkreis, Hilfskontakte im Steuerkreis. Genau dieser Hilfsschließer parallel zum Ein-Taster makes aus einer Tasterschaltung eine Selbsthaltung.
Die Symbolik im Stromlaufplan folgt der IEC 60617, in Österreich verbindlich übernommen über die ÖVE/ÖNORM-Reihe. Schließer-Kontakte werden als senkrechter Strompfad mit einem schräg angehobenen Kontaktstrich dargestellt, Öffner als senkrechter Pfad mit einer waagerechten Brücke. Taster bekommen über dem Kontakt ein zusätzliches Tasterbetätigungssymbol — eine kurze waagerechte Linie auf dem Anschluss. Hilfskontakte am Schütz tragen dieses Tastersymbol nicht; sie werden mit dem Namen des Schützes (z. B. K1) beschriftet, damit klar wird, dass der Kontakt mit der Spule mitläuft.
Die Funktion läuft in drei Schritten ab:
Im Ruhezustand liegt L1 oben an, das Schütz K1 ist abgefallen. Der Öffner S0 ist geschlossen (er ist ja ein Öffner — geschlossen, solange niemand drückt), aber der Ein-Taster S1 ist offen, und der Haltekontakt K1 ist ebenfalls offen, weil die Spule abgefallen ist. Es fließt kein Strom durch die Spule.
Beim Einschalten drückt jemand kurz auf S1. Der Schließer S1 schließt, der Strom fließt von L1 über S0 (geschlossen), über S1 (jetzt geschlossen), durch die Spule K1, zurück nach N. Die Spule zieht an, das Schütz schaltet die Hauptkontakte im Lastkreis und gleichzeitig den Haltekontakt K1 im Steuerkreis.
Im Haltezustand lässt der Bediener S1 los. S1 öffnet wieder. Aber jetzt ist der Haltekontakt K1 parallel zu S1 geschlossen — der Strompfad bleibt damit über S0 (immer noch geschlossen), über den Haltekontakt K1, zur Spule, nach N. Die Spule hält sich selbst.
Zum Ausschalten drückt jemand auf S0. Der Öffner S0 unterbricht den Strompfad. Egal, ob in diesem Moment auch S1 gedrückt würde — der Strom durch die Spule wird unterbrochen, das Schütz fällt ab, der Haltekontakt öffnet, die Selbsthaltung ist aufgelöst. Lässt man S0 wieder los, schließt er zwar wieder, aber jetzt ist auch der Haltekontakt offen, und ohne erneuten Druck auf S1 läuft das Schütz nicht von selbst an.
Wie ist der Haltekontakt im Stromlaufplan einer einfachen Selbsthaltung topologisch verschaltet?
- a) In Reihe zum Ein-Taster, vor der Schützspule
- b) In Reihe zum Aus-Taster
- c) Parallel zur Schützspule
- d) Parallel zum Ein-Taster
Richtig: d)
Der Haltekontakt überbrückt nach dem Anziehen des Schützes den Ein-Taster, indem er parallel zu ihm geschaltet ist. Eine Reihenschaltung würde das Schließen des Ein-Tasters wirkungslos machen, eine Parallelschaltung zur Spule würde die Spule kurzschließen.
Welche Kontaktart wird typischerweise als Aus-Taster S0 in einer Selbsthaltung eingesetzt?
- a) Schließer mit Rastung
- b) Schließer ohne Rastung
- c) Öffner
- d) Wechsler in Schließerbeschaltung
Richtig: c)
Der Aus-Taster muss den Strompfad unterbrechen, wenn er gedrückt wird — das leistet ein Öffner. Im Ruhezustand ist er geschlossen, sodass die Selbsthaltung aufrecht bleibt. Beim Drücken trennt er den Pfad und das Schütz fällt ab.
Wo sitzt die Schützspule im Stromlaufplan einer klassischen Selbsthaltung?
- a) Im Steuerstromkreis, in Reihe mit den Tastern und dem Haltekontakt
- b) Im Hauptstromkreis zwischen den Phasen
- c) Parallel zum Motor
- d) Im Hilfsstromkreis nur über einen Trenntrafo
Richtig: a)
Die Spule ist Teil des Steuerstromkreises, weil dort die Schaltentscheidungen getroffen werden. Im Hauptstromkreis sitzen nur die Hauptkontakte des Schützes; der Motor liegt nicht parallel zur Spule, sondern wird durch die Hauptkontakte geschaltet.
Was geschieht unmittelbar nach dem Drücken des Ein-Tasters S1 in einer korrekt aufgebauten Selbsthaltung?
- a) Der Aus-Taster S0 öffnet sich automatisch
- b) Die Spule zieht an, der Haltekontakt schließt und der Hauptkontakt versorgt den Motor
- c) Der Haltekontakt öffnet zuerst und schließt erst nach Loslassen
- d) Die Spule wird kurzgeschlossen, bis S1 losgelassen wird
Richtig: b)
Mit dem Drücken von S1 fließt Strom durch die Spule, alle Kontakte des Schützes wechseln gemeinsam ihre Stellung — der Haltekontakt im Steuerkreis und die Hauptkontakte im Lastkreis schließen praktisch gleichzeitig.
3. Aus-Vorrang und Ein-Vorrang
Was passiert eigentlich, wenn jemand Ein- und Aus-Taster gleichzeitig drückt? Ein klassischer Fall, der im Plan oft übersehen wird. Die Antwort hängt davon ab, wie die Schaltung topologisch aufgebaut ist. Es gibt zwei grundlegende Varianten.
In der Standardausführung sitzt der Aus-Taster vor der Verzweigung, an der Ein-Taster und Haltekontakt zusammentreffen. Das ist die Schaltung aus dem vorherigen Kapitel. Dort gilt Aus-Vorrang, manchmal auch „Aus-vor-Ein“ genannt: Wird S0 betätigt, ist der Pfad zur Spule unabhängig von S1 oder vom Haltekontakt unterbrochen. Der Aus-Befehl setzt sich durch.
Bei der zweiten Variante sitzt der Aus-Taster nicht vor, sondern innerhalb des Halte-Pfades. Der Ein-Taster geht stattdessen direkt zur Spule, ohne über den Aus-Taster zu laufen. In diesem Aufbau gilt Ein-Vorrang, also „Ein-vor-Aus“: Solange S1 gedrückt ist, fließt Strom zur Spule, auch wenn gleichzeitig S0 gedrückt wird. Sobald aber S1 losgelassen wird, kann S0 die Selbsthaltung über den Halte-Pfad wieder unterbrechen.
Welche Variante wird in der Praxis genutzt? Fast immer Aus-Vorrang. Der Grund ist Sicherheit. Wer „Aus“ drückt, will, dass das Schütz abfällt — sofort, kompromisslos, auch wenn gleichzeitig versehentlich die andere Hand auf dem Ein-Taster liegt. Ein-Vorrang kehrt das um und lässt den Ein-Befehl gewinnen. Das wäre nur dort tolerierbar, wo der Ein-Taster funktional einen Tippbetrieb erlaubt, also einen Lauf nur so lange, wie der Taster gedrückt ist. Das ist aber kein klassischer Selbsthaltungs-Anwendungsfall, sondern eine andere Steuerungsart.
In Schaltschränken, Maschinensteuerungen und Anlagen ist deshalb Aus-Vorrang die Regel. Die Variante mit Ein-Vorrang taucht in Lehrbüchern auf, weil sie die Topologie illustriert — im Feld trifft man sie kaum noch an. Wer einen alten Schaltschrank revidiert und Ein-Vorrang findet, prüft am besten kritisch, ob das gewollt ist oder ein historischer Verdrahtungsfehler.
Welches Merkmal kennzeichnet eine Selbsthaltung mit Aus-Vorrang?
- a) Der Ein-Taster is als Öffner ausgeführt
- b) Die Schützspule liegt direkt an L1
- c) Der Haltekontakt ist als Öffner ausgeführt
- d) Der Aus-Taster liegt vor der Verzweigung zwischen Ein-Taster und Haltekontakt
Richtig: d)
Die Position des Aus-Tasters im Strompfad bestimmt den Vorrang. Liegt er vor der Verzweigung, unterbricht er den gesamten Pfad zur Spule. Die Kontaktarten der anderen Bauteile bleiben gleich, die Position der Spule ist nicht entscheidend.
Welche Variante wird im industriellen Schaltschrankbau standardmäßig eingesetzt?
- a) Aus-Vorrang
- b) Ein-Vorrang
- c) Wechselseitig je nach Stromrichtung
- d) Beide, parallel verdrahtet, mit Wahlschalter
Richtig: a)
Aus-Vorrang ist der praxisrelevante Standard, weil er aus Sicherheitssicht das gewünschte Verhalten zeigt: Drückt jemand auf „Aus“, fällt das Schütz immer ab. Ein-Vorrang taucht in der Praxis kaum auf.
In einer Selbsthaltung mit Aus-Vorrang werden Ein- und Aus-Taster gleichzeitig betätigt. Welches Verhalten ergibt sich?
- a) Das Schütz zieht an, weil der Ein-Taster den Pfad überbrückt
- b) Das Schütz zieht zyklisch an und ab
- c) Das Schütz bleibt abgefallen, weil der Aus-Taster den Pfad unterbricht
- d) Das Schütz hält den vorherigen Zustand, bis ein Taster wieder losgelassen wird
Richtig: c)
Bei Aus-Vorrang liegt der Aus-Taster im Hauptstrompfad zur Spule. Ist er gedrückt, ist der Pfad offen — unabhängig vom Ein-Taster. Die Spule kann nicht anziehen. Ein zyklisches Verhalten gibt es bei dieser Schaltung nicht.
4. Erweiterungen in der Praxis
In einer realen Anlage hängt selten nur die nackte Selbsthaltung im Steuerstromkreis. Mindestens drei Erweiterungen sind so selbstverständlich, dass sie zur Grundschaltung dazugehören: ein Motorschutzrelais im Steuerstromkreis, Meldelampen für Betrieb und Störung, und gegebenenfalls mehrere Befehlsstellen für verteilte Bedienung.
Das Motorschutzrelais — meist mit F2 oder F3 bezeichnet — überwacht den Motorstrom im Lastkreis und löst bei thermischer Überlast aus. Sein Auslöseöffner gehört in den Steuerstromkreis, klassisch in Reihe mit die Schützspule vor der Selbsthaltungsverzweigung. Sobald das Relais auslöst, öffnet dieser Kontakt, die Schützspule wird stromlos, der Haltekontakt öffnet ebenfalls, und der Motor geht aus. Ein einfaches Bestätigen reicht nicht — das Motorschutzrelais muss am Gerät selbst rückgestellt werden, oft mit einer kleinen Reset-Taste oder automatisch nach Abkühlung, je nach Bauart. Erst danach lässt sich der Motor wieder einschalten. Mehr zum Motorschutz selbst gibt es in einem eigenen Beitrag — hier reicht die Wirkung im Steuerstromkreis.
Meldelampen geben dem Bediener Rückmeldung. Üblich sind zwei: H1 für „Betrieb“, parallel zur Schützspule oder über einen Hilfsschließer des Schützes geschaltet — sie leuchtet, wenn das Schütz angezogen hat. H2 für „Störung“, typischerweise über einen Hilfsöffner des Motorschutzrelais — sie leuchtet, wenn das Motorschutzrelais ausgelöst hat. Die Farbgebung folgt der ÖNORM EN 60204-1: Weiß oder Grün für den normalen Betriebszustand, Gelb (Bernstein) für den abnormalen Zustand wie eine Auslösung des Motorschutzrelais. Rot ist nach dieser Norm dem Notfall vorbehalten — also Not-Halt oder unmittelbare Gefahr — und nicht die richtige Wahl für eine reine Überlast-Meldung.
Mehrere Befehlsstellen kommen ins Spiel, sobald ein Motor von mehreren Orten aus bedient werden soll — etwa Förderbänder mit Bedienpunkten am Anfang und am Ende. Die Regel ist einfach: Mehrere Ein-Taster werden zueinander parallel geschaltet (jeder kann den Motor starten), mehrere Aus-Taster werden in Reihe geschaltet (jeder kann den Motor stoppen). Diese UND-/ODER-Verknüpfung ist die häufigste in der Schützsteuerung — die Details und weiteren Verknüpfungsarten gibt es im eigenen Beitrag zu Verriegelungen.
Bemerkenswert ist eine Eigenschaft, die sich aus der Selbsthaltung quasi nebenbei ergibt: der Wiederanlaufschutz. Bei einem Spannungsausfall — etwa weil eine Sicherung fliegt oder die Versorgung kurz wegbricht — fällt die Schützspule ab. Der Haltekontakt öffnet. Kommt die Spannung zurück, ist der Strompfad zur Spule offen, weil weder S1 gedrückt wird noch der Haltekontakt geschlossen ist. Das Schütz bleibt aus. Der Motor läuft erst wieder an, wenn jemand erneut den Ein-Taster drückt. Diese Eigenschaft ist nicht zufällig — sie ist eine der Hauptgründe, warum die Selbsthaltung in sicherheitsrelevanten Anwendungen Standard ist. Ein rastender Schalter hätte diese Eigenschaft nicht. Der Wiederanlaufschutz ist auch normativ relevant: die ÖNORM EN 60204-1 fordert für Maschinen, dass nach Spannungswiederkehr kein automatischer Wiederanlauf erfolgt.
Wie wird der Auslöseöffner eines Motorschutzrelais typischerweise in eine Selbsthaltung integriert?
- a) Parallel zur Schützspule
- b) Als Öffner in Reihe im Steuerstromkreis vor der Schützspule
- c) Als Schließer parallel zum Aus-Taster
- d) Nur im Hauptstromkreis, nicht im Steuerstromkreis
Richtig: b)
Der Auslöseöffner muss im Steuerstromkreis sitzen, sonst kann er die Schützspule nicht abschalten. Eine reine Verdrahtung im Hauptstromkreis erfasst den Strom, schaltet aber nichts. Parallelschaltungen würden die Funktion verfälschen.
Warum stellt die klassische Selbsthaltung automatisch einen Wiederanlaufschutz dar?
- a) Weil das Schütz nach kurzer Zeit selbsttätig abkühlt
- b) Weil der Ein-Taster nach Spannungsausfall blockiert ist
- c) Weil bei Spannungsausfall die Spule abfällt, der Haltekontakt öffnet und bei Spannungswiederkehr kein Pfad zur Spule mehr offen ist
- d) Weil ein zusätzlicher Spannungswächter eingebaut sein muss
Richtig: c)
Der Wiederanlaufschutz ergibt sich direkt aus die Topologie, nicht aus zusätzlichen Bauteilen. Nach dem Abfallen des Schützes is der Haltekontakt offen, und ohne erneuten Druck auf S1 kommt kein Strom mehr zur Spule. Ein Spannungswächter wäre zusätzliche, hier nicht nötige Hardware.
Wie werden mehrere Ein-Taster an verschiedenen Befehlsstellen einer Selbsthaltung verdrahtet?
- a) Parallel zueinander
- b) In Reihe zueinander
- c) Abwechselnd als Schließer und Öffner
- d) Über ein zusätzliches Vorrang-Relais
Richtig: a)
Jeder Ein-Taster soll allein in der Lage sein, das Schütz anzuziehen — das leistet die Parallelschaltung als ODER-Verknüpfung. In Reihe geschaltet müssten alle Ein-Taster gleichzeitig betätigt werden, was sinnlos wäre.
Wie werden mehrere Aus-Taster an verschiedenen Befehlsstellen verdrahtet?
- a) Parallel zueinander
- b) Über ein zusätzliches Vorrang-Relais
- c) Abwechselnd als Öffner und Schließer
- d) In Reihe zueinander
Richtig: d)
Jeder Aus-Taster soll allein in der Lage sein, das Schütz abzuschalten — das leistet die Reihenschaltung als UND-Verknüpfung der geschlossenen Öffner. Sobald einer geöffnet wird, ist der Pfad unterbrochen. Parallelschaltung würde bedeuten, dass alle gleichzeitig gedrückt werden müssen.
5. Anwendung und Ausblick
Die Selbsthaltung ist überall dort die richtige Wahl, wo ein kurzer Bedienimpuls einen Dauerbetrieb auslösen soll und dieser Dauerbetrieb wieder bewusst beendet werden muss. Pumpensteuerungen, Förderbänder, Lüfter, Beleuchtungssteuerungen mit Treppenhauseffekt, Werkzeugmaschinen, Hydraulikaggregate — überall steckt im Steuerstromkreis dieselbe Grundlogik aus Aus-Taster, Ein-Taster, Schützspule und Haltekontakt. Wer einmal verstanden hat, wie diese vier Bauteile zusammenwirken, liest in fremden Schaltplänen sehr viel schneller mit.
Die klassische Anwendung ist die Direkteinschaltung eines Drehstrommotors — der einfachste Anlauf, bei dem die volle Netzspannung direkt auf die Motorklemmen geschaltet wird. Im Steuerstromkreis sitzt dort dieselbe Selbsthaltung, im Hauptstromkreis das Schütz mit drei Hauptkontakten. Die Details dieser Verschaltung gehören aber in den eigenen Beitrag zur Direkteinschaltung — hier reicht der Hinweis, dass die Selbsthaltung dort als Steuerlogik ihren prominentesten Einsatzort hat.
In moderneren Anlagen wird die klassische Schützsteuerung zunehmend durch die SPS abgelöst. Die Selbsthaltung verschwindet dort aber nicht — sie wird in Software nachgebildet. In den Programmiersprachen nach IEC 61131-3 entsteht aus dem Strompfad eine Set/Reset-Verknüpfung oder ein RS-Flip-Flop-Baustein, der dieselbe Aufgabe übernimmt: Speichern, bis ein Rücksetz-Signal kommt. Wer das nachvollziehen möchte, findet die Details im eigenen Beitrag zur Selbsthaltung in der SPS — die Logik bleibt dieselbe, nur die Realisierung wechselt von Kupferdraht zu Programmcode.
Was bleibt der klassischen Schützsteuerung trotz SPS-Trend? Ihre Stärke ist die direkte, sichtbare, fehlerdiagnostisch unschlagbare Verdrahtung. Ein erfahrener Elektriker liest einen Schaltplan, prüft mit dem Multimeter ein paar Klemmen, und findet eine Störung schneller als ein Programmierer mit dem Laptop am Stecker. Außerdem braucht die Schützsteuerung keine Spannungsversorgung für eine Logikbaugruppe — sie funktioniert, sobald Steuerspannung anliegt. In Anlagen mit wenig Funktionen, in alten Industrieumgebungen und in sicherheitsgerichteten Teilen mancher Maschinen ist sie weiterhin die Schaltung der Wahl. Sobald die Logik komplexer wird, mehrere Verriegelungen, Zeiten und Zähler ins Spiel kommen, wechselt man pragmatisch zur SPS.
Welche der folgenden Anwendungen ist KEIN typischer Einsatzfall für eine Selbsthaltung?
- a) Ein Förderband, das durch kurzen Druck auf einen Start-Taster anläuft
- b) Ein Wohnzimmer-Lichtschalter, der durch Umlegen einrastet und das Licht hält
- c) Eine Pumpensteuerung mit Ein- und Aus-Druckschaltern als Befehlsstellen
- d) Eine Drehbank, die nach kurzem Bedienimpuls dauerhaft läuft
Richtig: b)
Ein rastender Schalter benötigt keine Selbsthaltung, weil er seine Stellung selbst mechanisch hält. Selbsthaltung kommt überall dort zum Einsatz, wo Taster mit Federrückstellung verwendet werden und der Schaltzustand elektrisch gespeichert werden muss.
Wie wird die Funktion der klassischen Selbsthaltung in einer SPS umgesetzt?
- a) Durch ein analoges Speicherelement im Eingangsmodul
- b) Durch Verbindung des Tastereingangs direkt mit dem Ausgang
- c) Durch eine Set/Reset-Verknüpfung beziehungsweise einen RS-Baustein
- d) Durch Verdrahtung eines Hilfsschützes innerhalb der SPS
Richtig: c)
In der SPS wird die Selbsthaltung als logische Speicherfunktion programmiert — typischerweise als Set/Reset-Verknüpfung oder als RS-Baustein nach IEC 61131-3. Hilfsschütze und analoge Module sind dafür nicht erforderlich.
Welche Eigenschaft ist eine Stärke der klassischen Schützsteuerung gegenüber einer SPS-Lösung?
- a) Direkte, im Schaltplan nachvollziehbare Verdrahtung mit guter Fehlerdiagnose vor Ort
- b) Höhere Schaltgeschwindigkeit als bei elektronischen Lösungen
- c) Geringerer Platzbedarf im Schaltschrank
- d) Einfachere Realisierung komplexer Verriegelungen mit Zeitfunktionen
Richtig: a)
Die Schützsteuerung punktet mit ihrer Sichtbarkeit und Diagnostizierbarkeit — jeder Strompfad lässt sich am Plan und mit dem Multimeter prüfen. Bei Schaltgeschwindigkeit, Platzbedarf und komplexer Logik mit Zeiten und Zählern liegt die SPS klar vorn.
Abschlusstest
Frage 1: Was passiert in einer Selbsthaltung mit Aus-Vorrang in dem Moment, in dem der Ein-Taster gedrückt wird, das Motorschutzrelais aber ausgelöst hat?
- a) Das Schütz zieht kurz an und fällt sofort wieder ab
- b) Das Schütz zieht nicht an, weil der Auslöseöffner den Pfad unterbricht
- c) Das Schütz zieht an und hält sich über den Haltekontakt
- d) Das Schütz zieht an, sobald das Motorschutzrelais rückgestellt wird, unabhängig vom Ein-Taster
Richtig: b)
Der Auslöseöffner des Motorschutzrelais sitzt in Reihe im Steuerstromkreis. Ist er offen, kann kein Strom zur Spule fließen, egal was am Ein-Taster passiert. Nach der Rückstellung schließt der Öffner wieder, aber das Schütz zieht erst beim nächsten gewollten Druck auf den Ein-Taster an — nicht automatisch.
Frage 2: Eine Selbsthaltung hat zwei Ein-Taster S1 und S2 sowie zwei Aus-Taster S0 und S3 an verschiedenen Befehlsstellen. Wie sind diese korrekt verschaltet?
- a) S1 und S2 in Reihe, S0 und S3 parallel
- b) S1 und S2 in Reihe, S0 und S3 in Reihe
- c) S1 und S2 parallel, S0 und S3 in Reihe
- d) Alle vier parallel zueinander
Richtig: c)
Jeder Ein-Taster soll allein einschalten können — also parallel. Jeder Aus-Taster soll allein ausschalten können — also in Reihe. Das ist die UND-/ODER-Verknüpfung der Bedienlogik in der klassischen Schützsteuerung.
Frage 3: Welche Aussage zum Haltekontakt einer Selbsthaltung ist korrekt?
- a) Er ist ein Hauptkontakt des Schützes, im Lastkreis verdrahtet
- b) Er ist ein eigenständiges Hilfsrelais, separat von der Schützspule
- c) Er ist ein Öffner-Hilfskontakt des Schützes, parallel zum Aus-Taster
- d) Er ist ein Schließer-Hilfskontakt desselben Schützes, parallel zum Ein-Taster
Richtig: d)
Der Haltekontakt ist ein Hilfsschließer des Schützes, das die Selbsthaltung bewirkt. Er sitzt parallel zum Ein-Taster im Steuerstromkreis und schließt, sobald die Schützspule angezogen hat. Hauptkontakte oder separate Relais sind dafür nicht zuständig.
Frage 4: In einer Anlage soll nach jedem Spannungsausfall der Motor von selbst wieder anlaufen, sobald die Versorgung zurückkommt. Welche Lösung ist passend?
- a) Statt der Selbsthaltung mit Taster eine Schaltung mit rastendem Ein-Schalter und Aus-Schalter
- b) Eine Selbsthaltung mit Ein-Vorrang
- c) Eine Selbsthaltung mit zusätzlichem Wiederanlaufrelais
- d) Eine Selbsthaltung mit Pufferkondensator parallel zur Spule
Richtig: a)
Der Wiederanlaufschutz ist eine inhärente Eigenschaft der Selbsthaltung mit Tastern — ihn zu „umgehen“ widerspricht der Schaltung. Wer einen automatischen Wiederanlauf will, ersetzt die Tasterlogik durch rastende Schalter. Die ÖNORM EN 60204-1 macht hier allerdings für Maschinen klare Einschränkungen — automatischer Wiederanlauf ist nur in bestimmten Fällen zulässig.
Frage 5: In einem alten Schaltschrank ist eine Selbsthaltung mit Ein-Vorrang verbaut. Welche Folge hat das im Vergleich zum Standardfall?
- a) Das Schütz schaltet schneller
- b) Die Schaltung verbraucht weniger Strom
- c) Wird gleichzeitig der Ein- und der Aus-Taster gedrückt, gewinnt der Ein-Taster und das Schütz hält
- d) Der Wiederanlaufschutz funktioniert nicht mehr
Richtig: c)
Bei Ein-Vorrang ist der Aus-Taster nur im Halte-Pfad wirksam. Der Ein-Taster führt direkt zur Spule, sodass er sich gegen ein gleichzeitig gedrücktes „Aus“ durchsetzt. Die Schaltgeschwindigkeit und der Wiederanlaufschutz sind davon unberührt.
Frage 6: Was bedeutet die Eigenschaft, dass eine Selbsthaltung als „Speicherglied“ bezeichnet wird?
- a) Sie speichert den Schaltzustand „eingeschaltet“, bis er aktiv durch den Aus-Taster zurückgenommen wird
- b) Sie speichert elektrische Energie für den Wiederanlauf
- c) Sie speichert den letzten Tasterdruck zeitlich verzögert
- d) Sie speichert eine Soll-Drehzahl im Motorschutz
Richtig: a)
Speicherglied bezieht sich auf das logische Verhalten: Ein kurzer Eingangsimpuls hält den Ausgangszustand stabil, bis ein Reset-Signal kommt. Energie speichert die Schaltung nicht — sie zieht nur Strom, solange die Spule unter Spannung steht.
Frage 7: Wo sitzt der Auslöseöffner eines Motorschutzrelais in einer korrekt aufgebauten Selbsthaltung typischerweise?
- a) Parallel zum Haltekontakt im Steuerstromkreis
- b) In Reihe im Steuerstromkreis vor der Selbsthaltungsverzweigung
- c) Parallel zum Motor im Hauptstromkreis
- d) In Reihe zur Meldelampe „Betrieb“
Richtig: b)
Damit das Motorschutzrelais im Fehlerfall die Selbsthaltung auflöst, muss sein Auslöseöffner in Reihe vor der Verzweigung sitzen — dann unterbricht er sowohl den Ein-Pfad als auch den Halte-Pfad. Parallelschaltungen erfüllen diese Funktion nicht.
Frage 8: Welche der folgenden Aussagen zu Schaltsymbolen in einer Selbsthaltung trifft in Österreich zu?
- a) Bevorzugt werden ANSI-Symbole verwendet
- b) Schaltzeichen können frei gewählt werden, solange sie eindeutig sind
- c) Schaltzeichen werden nach DIN festgelegt, ÖNORM hat keine Relevanz
- d) Verbindlich gelten die Symbole nach IEC 60617 / ÖVE-Übernahme
Richtig: d)
In Österreich gelten die internationalen IEC-Symbole, in der ÖVE/ÖNORM-Familie verbindlich übernommen. ANSI ist amerikanisch und für österreichische Schaltpläne nicht verwendbar; rein deutsche DIN-Schaltzeichen ohne EN- oder IEC-Bezug sind ebenfalls nicht maßgeblich.
Frage 9: Welcher der folgenden Bedienschritte führt aus dem Haltezustand wieder in den Ausgangszustand zurück?
- a) Spannungsausfall oder ein Druck auf den Aus-Taster
- b) Nur ein Druck auf den Aus-Taster, ein Spannungsausfall hat keinen Effekt
- c) Loslassen des Ein-Tasters
- d) Erneutes Drücken des Ein-Tasters
Richtig: a)
Aus dem Haltezustand bringt sowohl ein Spannungsausfall (Spule fällt ab, Haltekontakt öffnet) als auch ein bewusster Druck auf den Aus-Taster die Schaltung zurück. Das Loslassen des Ein-Tasters allein hat keine Wirkung — der Haltekontakt hält. Ein erneuter Druck auf den Ein-Taster ändert auch nichts, weil das Schütz bereits angezogen ist.
Frage 10: Eine Werkstatt hat sechs Maschinen, jede mit eigener Selbsthaltung. Ein kurzer Stromausfall lässt alle abfallen. Was passiert beim Zurückkommen der Spannung?
- a) Alle Maschinen laufen sofort wieder an
- b) Nur die zuletzt eingeschalteten Maschinen laufen wieder an
- c) Keine Maschine läuft automatisch wieder an; jede muss neu gestartet werden
- d) Die Maschinen laufen verzögert, abhängig von der Spulen-Trägheit, automatisch wieder an
Richtig: c)
Das ist die typische Wirkung des Wiederanlaufschutzes. Nach Abfallen aller Schütze sind alle Haltekontakte offen. Bei Spannungsrückkehr ist kein Strompfad zu einer Spule geschlossen, und niemand drückt einen Ein-Taster — also bleibt alles aus. Der Bediener muss jede Maschine bewusst neu starten.
Frage 11: Welche Aussage zur Verdrahtung des Haltekontakts ist korrekt?
- a) Der Haltekontakt darf auch als Hauptkontakt im Lastkreis verwendet werden
- b) Der Haltekontakt ist ein Hilfsschließer mit Klemmenbezeichnung wie 13/14 und sitzt im Steuerstromkreis
- c) Der Haltekontakt ist ein Öffner und unterbricht die Spule
- d) Der Haltekontakt muss aus einem separaten Hilfsrelais kommen
Richtig: b)
Hilfsschließer eines Schützes tragen typische Klemmenbezeichnungen wie 13/14 und sind klein, schwach belastbar, ausschließlich für Steuerstromkreise geeignet. Ein Hauptkontakt ist überdimensioniert und gehört in den Lastkreis. Öffner-Haltekontakte gibt es zwar als Bauteil, aber nicht in dieser Funktion.
Frage 12: Was unterscheidet eine Selbsthaltung von einer reine Tastersteuerung ohne Haltekontakt?
- a) Die Selbsthaltung hat einen zusätzlichen Spannungswächter
- b) Die Selbsthaltung benötigt keinen Aus-Taster
- c) Die Selbsthaltung speichert den Schaltzustand und benötigt einen separaten Aus-Befehl
- d) Die Selbsthaltung schaltet schneller
Richtig: c)
Eine reine Tastersteuerung schaltet das Schütz nur so lange ein, wie der Taster gedrückt wird. Die Selbsthaltung speichert diesen Zustand durch den Haltekontakt und braucht deshalb einen separaten Befehl zum Beenden. Spannungswächter und Schaltgeschwindigkeit sind keine kennzeichnenden Unterschiede.
Glossar
- Selbsthaltung
- Schaltung im Steuerstromkreis, in der ein Schütz oder Relais sich über einen eigenen Hilfsschließer nach kurzem Druck auf den Ein-Taster selbst eingeschaltet hält, bis es aktiv durch den Aus-Taster oder einen Spannungsausfall ausgeschaltet wird.
- Haltekontakt
- Hilfsschließer des Schützes, parallel zum Ein-Taster geschaltet, der nach dem Anziehen des Schützes den Strompfad zur Spule überbrückt und so den Schaltzustand „ein“ hält.
- Hilfskontakt
- Schaltkontakt eines Schützes mit geringer Strombelastbarkeit, der im Steuerstromkreis verwendet wird. Erkennbar an Klemmenbezeichnungen wie 13/14 (Schließer) oder 21/22 (Öffner).
- Steuerstromkreis
- Stromkreis mit geringer Leistung, der Schützspulen, Taster, Hilfskontakte und Meldelampen enthält und die Schaltvorgänge im Hauptstromkreis steuert.
- Hauptstromkreis
- Stromkreis, der die elektrische Energie zum Verbraucher — typischerweise zum Motor — führt und über die Hauptkontakte der Schütze geschaltet wird.
- Aus-Vorrang
- Schaltungsvariante, in der der Aus-Taster vor der Verzweigung zwischen Ein-Taster und Haltekontakt sitzt und damit den Pfad zur Spule sicher unterbricht, auch wenn gleichzeitig der Ein-Taster gedrückt wird.
- Ein-Vorrang
- Schaltungsvariante, in der der Aus-Taster nur im Halte-Pfad sitzt und damit vom Ein-Taster umgangen werden kann; in der industriellen Praxis selten.
- Wiederanlaufschutz
- Eigenschaft der Selbsthaltung, dass das Schütz nach einem Spannungsausfall nicht selbsttätig wieder anläuft, sondern erst durch erneuten Druck auf den Ein-Taster. Gefordert für Maschinen unter anderem in der ÖNORM EN 60204-1.
- Befehlsstelle
- Bedienpunkt mit mindestens einem Ein-Taster und einem Aus-Taster; bei mehreren Befehlsstellen werden alle Ein-Taster parallel und alle Aus-Taster in Reihe geschaltet.
