Schütze und Relais

In jedem Schaltkasten, der einen Motor steuert, sitzen sie nebeneinander auf der Hutschiene: das große Schütz mit dicken Klemmen für die Last und die kleineren Relais mit feinen Steckkontakten für die Steuerung. Beide arbeiten nach dem gleichen Prinzip — ein Strom durch eine Spule erzeugt ein Magnetfeld, das einen Anker anzieht und Kontakte schaltet. Was sie unterscheidet, ist die Aufgabe: das Schütz schaltet hohe Ströme (typisch Motoren), das Relais schaltet kleine Ströme in der Steuerlogik.

Dieser Beitrag legt das Fundament für jede klassische Schützsteuerung: Aufbau, Kontaktbezeichnungen, Schaltzeichen und die Auswahl nach Gebrauchskategorie. Wer das beherrscht, kann jeden Stromlaufplan lesen und die passende Komponente bestellen.

Vorwissen

  • Das magnetische Feld
  • Spule – Aufbau und Induktivität
  • Elektrischer Strom – Definition und Wirkungen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Schütz und Relais nach Aufbau, Funktion und Einsatzbereich unterscheiden
  • Die Anschlussbezeichnungen von Haupt- und Hilfskontakten lesen und richtig zuordnen
  • Schaltzeichen nach IEC 60617 für Spule, Schließer, Öffner und Wechsler erkennen
  • Den Hauptstromkreis vom Steuerstromkreis trennen und einen Kontaktspiegel auswerten
  • Ein Schütz nach Gebrauchskategorie und Motornennstrom auswählen
  • Typische Fehlerbilder benennen und ihre Ursache zuordnen

1. Schütz und Relais — Grundprinzip und Abgrenzung

Schütz und Relais sind beide elektromagnetisch betätigte Schalter. Das heißt: Sie haben eine Spule, die ein Magnetfeld erzeugt, einen beweglichen Anker, der von diesem Feld angezogen wird, und Kontakte, die sich durch die Ankerbewegung öffnen oder schließen. Das Prinzip ist identisch — der Unterschied liegt im Einsatzgebiet.

Ein Schütz ist für den Lastkreis gebaut. Es schaltet Ströme von einigen Ampere bis weit über 1000 A, hat typischerweise drei Hauptkontakte (für Drehstrom) und eine Lichtbogenlöschkammer über den Hauptkontakten. Schütze werden überall dort eingesetzt, wo Motoren, Heizungen oder andere große Verbraucher unter Spannung geschaltet werden — beim Kompressor in der Werkhalle ebenso wie bei der Förderbandsteuerung in der Logistik.

Ein Relais ist für den Steuerstromkreis gedacht. Es schaltet kleine Ströme (Milliampere bis wenige Ampere), hat oft mehrere Wechslerkontakte und braucht keine aufwendige Lichtbogenlöschung. Relais sitzen in Steuerungen, in Schutzgeräten und in elektronischen Baugruppen. Sie sind kompakt, schnell und vergleichsweise günstig.

Die wichtigste Idee dahinter: Mit einem kleinen Steuerstrom lässt sich ein großer Laststrom schalten. Ein Bediener betätigt einen Taster mit 24 V, das Schütz zieht an und legt 400 V auf einen 7,5-kW-Motor. Steuerstromkreis und Hauptstromkreis sind dadurch sauber getrennt — was sowohl die Sicherheit als auch die Übersichtlichkeit erhöht.

Welche Aussage zum Vergleich Schütz und Relais ist korrekt?

  • a) Schütz und Relais nutzen das gleiche elektromagnetische Prinzip, unterscheiden sich aber im typischen Laststrom
  • b) Ein Relais arbeitet mechanisch, ein Schütz elektromagnetisch
  • c) Schütze schalten Steuerströme, Relais schalten Motoren
  • d) Der Anker eines Relais wird thermisch ausgelöst, der eines Schützes magnetisch

Richtig: a)

Beide Bauteile funktionieren elektromagnetisch — eine Spule zieht einen Anker an. Der Unterschied liegt im Einsatzbereich: Schütze schalten die Last (hohe Ströme), Relais schalten die Steuerung (kleine Ströme). Eine thermische Auslösung gibt es nur bei Schutzgeräten wie dem Motorschutzrelais, nicht beim klassischen Schaltschütz.

Warum trennt man Steuerstromkreis und Hauptstromkreis durch ein Schütz?

  • a) Damit die Spule des Schützes höhere Ströme schalten kann
  • b) Damit der Anlaufstrom des Motors verringert wird
  • c) Aus Platzgründen im Schaltschrank
  • d) Damit der Bediener mit kleiner, sicherer Steuerspannung große Lasten ein- und ausschalten kann

Richtig: d)

Die Trennung hat zwei Gründe: Sicherheit (der Bediener berührt nie direkt das 400-V-Netz) und Übersichtlichkeit (Steuerlogik bleibt klein und einfach). Der Anlaufstrom wird durch die Trennung nicht verändert, und Platz ist ein Nebeneffekt, kein Hauptgrund.

2. Aufbau und Funktionsweise

Ein Schütz besteht aus wenigen, klar abgegrenzten Baugruppen. Das Magnetsystem umfasst die Spule, den festen Magnetkern (das Joch) und den beweglichen Anker. Eine Rückstellfeder drückt den Anker in die Ruhelage zurück, sobald die Spule stromlos ist. An den Anker gekoppelt ist die Kontaktbrücke mit den Hauptkontakten und den Hilfskontakten. Über den Hauptkontakten sitzt eine Lichtbogenlöschkammer, die den beim Öffnen entstehenden Lichtbogen aufteilt und schnell zum Erlöschen bringt.

Der Ablauf: Spule unter Spannung → Magnetfeld baut sich im Eisenkern auf → Anker wird angezogen und legt sich an das Joch → Kontaktbrücke folgt der Bewegung → Schließerkontakte gehen zu, Öfffnerkontakte gehen auf. Spannung weg → Magnetfeld bricht zusammen → Rückstellfeder drückt den Anker zurück → Kontakte gehen in die Ruhelage.

Zwei Begriffe sind dabei zentral: Die Anzugsspannung ist die Mindestspannung, bei der das Schütz sicher anzieht (typisch 85 % der Nennspannung). Die Abfallspannung ist die Spannung, unter der das Schütz sicher abfällt (deutlich niedriger, oft 20–75 % der Nennspannung). Dazwischen liegt ein Bereich, in dem der Zustand mechanisch unsicher wird — etwas, das man bei abgesoffenen Netzspannungen oder zu langen Steuerleitungen im Hinterkopf haben muss.

AC-Schütz und DC-Schütz

Bei einem AC-Schütz durchläuft der Spulenstrom 100-mal pro Sekunde den Nullpunkt (bei 50 Hz). Ohne Gegenmaßnahme würde der Anker im gleichen Takt zurückfedern — das Schütz würde laut brummen und mechanisch schnell verschleißen. Die Lösung ist ein Kurzschlussring (auch Frager- oder Kurzschlussring genannt), der in den Polschuhen eingelassen ist. In ihm wird durch Induktion ein phasenverschobener Strom erzeugt, der ein zeitversetztes Restmagnetfeld aufrechterhält und den Anker auch im Nulldurchgang sicher hält.

Ein DC-Schütz hat dieses Problem nicht — der Gleichstrom durch die Spule erzeugt ein konstantes Magnetfeld. Dafür gibt es eine andere Herausforderung: Der Lichtbogen beim Abschalten erlischt nicht von selbst, weil es keinen Nulldurchgang gibt. DC-Schütze brauchen deshalb stärkere Lichtbogenlöschkammern, oft mit magnetischer Blasung, und sind bei gleicher Schaltleistung größer und teurer als AC-Schütze.

Lichtbogen und Löschung

Wenn ein Schütz unter Last öffnet, springt zwischen den sich trennenden Kontakten ein Lichtbogen über. Bei niedrigen Spannungen reißt er von selbst ab, bei höheren Spannungen oder induktiven Lasten kann er sich halten und Kontakte verbrennen. Die Lichtbogenlöschkammer enthält Löschbleche aus magnetisierbarem Stahl, die den Lichtbogen aufteilen und nach oben aus dem Kontaktbereich herausziehen. Bei guten Schützen passiert das in wenigen Millisekunden.

1 3 5 2 4 6 A1 A2 Lichtbogenlöschkammer Hauptkontakte (offen) Kontaktbrücke Rückstellfeder beweglicher Anker Luftspalt (Ruhelage) Spule (Erregerwicklung) Joch Schematischer Querschnitt eines Schützes in Ruhelage — Spule unerregt, Kontakte offen

Wozu dient der Kurzschlussring im AC-Schütz?

  • a) Er verhindert Kurzschlüsse zwischen den Hauptkontakten
  • b) Er erzeugt ein phasenverschobenes Restmagnetfeld, damit der Anker im Nulldurchgang sicher gehalten wird
  • c) Er kühlt die Spule
  • d) Er löscht den Lichtbogen beim Abschalten

Richtig: b)

Beim Wechselstrom durchläuft der Spulenstrom 100-mal pro Sekunde den Nullpunkt. Ohne Kurzschlussring würde der Anker im selben Takt zurückfedern und das Schütz würde brummen. Der induzierte Strom im Kurzschlussring sorgt für ein zeitversetztes Magnetfeld, das den Anker auch im Nulldurchgang anzieht. Kurzschlüsse zwischen Hauptkontakten und Lichtbogenlöschung sind völlig andere Themen.

Ein Schütz brummt laut nach dem Anziehen. Welche Ursache ist die wahrscheinlichste?

  • a) Spule überlastet
  • b) Hauptkontakte verschweißt
  • c) Lichtbogenlöschkammer verschmutzt
  • d) Kurzschlussring gebrochen oder schmutzige Kontaktfläche zwischen Anker und Joch

Richtig: d)

Brummen ist ein typisches Zeichen dafür, dass der Anker nicht sauber am Joch anliegt oder das Restmagnetfeld im Nulldurchgang fehlt. Beides hängt mit dem Kurzschlussring oder der Polfläche zusammen. Eine überlastete Spule würde durchbrennen, verschweißte Kontakte zeigen sich als Schalt­fehler, eine verschmutzte Löschkammer fällt erst beim Abschaltvorgang auf.

Was beschreibt die Abfallspannung eines Schützes?

  • a) Den Spannungsabfall an der Spule im Dauerbetrieb
  • b) Die maximale Spannung, die die Hauptkontakte aushalten
  • c) Die Spannung, bei der das angezogene Schütz wieder in die Ruhelage zurückfällt
  • d) Die Spannung, die zum sicheren Anziehen nötig ist

Richtig: c)

Die Abfallspannung liegt deutlich unter der Anzugsspannung — typisch zwischen 20 und 75 Prozent der Nennspannung. Dazwischen liegt ein Bereich, in dem das Schütz noch hält, aber nicht mehr sicher anziehen würde. Der Spannungsabfall im Dauerbetrieb und die Spannungsfestigkeit der Hauptkontakte sind andere Kenngrößen.

3. Kontaktarten und Anschlussbezeichnung

Damit jeder, der vor einem Schütz steht, sofort weiß, welche Klemme welche Funktion hat, ist die Bezeichnung normiert. Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Kontaktgruppen: Hauptkontakte für den Lastkreis und Hilfskontakte für den Steuerkreis. Beide werden anders nummeriert.

Hauptkontakte

Die Hauptkontakte sind die „großen“ Kontakte, die den Motor- oder Heizstrom schalten. Sie sind als Schließer ausgeführt — in Ruhestellung offen, bei erregter Spule geschlossen. Die Klemmen sind einstellig nummeriert:

Kontakt Eingang (oben) Ausgang (unten)
Hauptkontakt 1 1 2
Hauptkontakt 2 3 4
Hauptkontakt 3 5 6

Die ungeraden Zahlen liegen oben (Einspeisung vom Netz, üblicherweise L1/L2/L3), die geraden Zahlen unten (Abgang zur Last). Bei einem vierpoligen Schütz (z. B. mit zusätzlichem Neutralleiter-Schaltkontakt) kommen 7/8 dazu.

Hilfskontakte

Hilfskontakte sind die „kleinen“ Kontakte, die in der Steuerung mitarbeiten — etwa für eine Selbsthaltung, eine Verriegelung oder eine Rückmeldung. Sie haben eine zweistellige Funktionsziffer:

  • Erste Ziffer: laufende Nummer des Hilfskontakts (1, 2, 3, 4…)
  • Zweite Ziffer (Endziffer): Funktion
    1/2 → Öffner (in Ruhe geschlossen)
    3/4 → Schließer (in Ruhe offen)

Ein Beispiel: Ein Schütz hat die Hilfskontakte 13/14, 21/22, 33/34, 43/44. Daraus lese ich ab:

  • 13/14 = erster Hilfskontakt, Schließer (Endziffer 3/4)
  • 21/22 = zweiter Hilfskontakt, Öffner (Endziffer 1/2)
  • 33/34 = dritter Hilfskontakt, Schließer
  • 43/44 = vierter Hilfskontakt, Schließer

Das System ist über Geräte­hersteller hinweg gleich und in den entsprechenden Schaltgeräte-Normen festgelegt. Damit kann ein Elektrotechniker einen Schaltplan eines anderen Herstellers ohne Übersetzungstabelle lesen.

Wechslerkontakte

Bei Relais und kleineren Hilfsschützen sind oft Wechsler verbaut: ein gemeinsamer Mittelkontakt, der in Ruhe auf einem Öffneranschluss aufliegt und beim Anziehen auf den Schließer wechselt. Die Bezeichnung folgt dasselbe System — die Klemmen werden mit drei Ziffern beschrieben, etwa 11/12/14, wobei 11 der Mittelkontakt, 12 der Öffner und 14 der Schließer ist.

Spule

Die Klemmen der Schützspule heißen immer A1 und A2. A1 liegt üblicherweise oben am Schütz, A2 unten — daran sieht man auf den ersten Blick, an welche Klemme die Steuerspannung kommt.

Gerätekennzeichnung im Schaltplan

Im Stromlaufplan wird das Schütz mit einem Buchstaben und einer fortlaufenden Nummer benannt: K steht traditionell für Schütze und Hilfsschütze (Hauptschütz oft K1, Hilfsschütz K2 usw.). Schutzgeräte bekommen ein F (Sicherung F1, Motorschutzrelais F2). Diese Kennzeichnung steht direkt neben dem Schaltzeichen und ordnet jedes Bauteil eindeutig zu.

Ein Hilfskontakt eines Schützes trägt die Klemmenbezeichnung 31/32. Welche Aussage ist korrekt?

  • a) Es ist der dritte Hilfskontakt und in Ruhe geschlossen (Öffner)
  • b) Es ist der ersten Hilfskontakt mit der Funktion „Wechsler“
  • c) Es ist ein Hauptkontakt für die dritte Phase
  • d) Es ist die Spulenklemme

Richtig: a)

Die erste Ziffer (3) gibt die laufende Nummer an — es ist der dritten Hilfskontakt. Die Endziffern 1/2 stehen für einen Öffner, also in Ruhe geschlossen. Hauptkontakte haben einstellige Klemmen (1/2, 3/4, 5/6), und die Spule heißt immer A1/A2.

Welche Klemme markiert den Eingang vom Netz an einem Hauptkontakt?

  • a) Klemme 2
  • b) Klemme A1
  • c) Eine der ungeraden Klemmen 1, 3 oder 5
  • d) Klemme 6

Richtig: c)

Die ungeraden Klemmen (1, 3, 5) liegen oben am Schütz und sind als Eingang für die Phasen L1, L2, L3 vorgesehen. Die geraden Klemmen (2, 4, 6) sind die Lastausgänge. A1 is eine Spulenklemme, nicht Teil des Hauptkontakts.

Welche Endziffer kennzeichnet einen Schließerkontakt im Hilfskreis?

  • a) 1/2
  • b) 3/4
  • c) 5/6
  • d) A1/A2

Richtig: b)

Die Konvention lautet: Endziffer 3/4 = Schließer (NO, normally open), Endziffer 1/2 = Öffner (NC, normally closed). 5/6 sind Hauptkontakt-Klemmen, A1/A2 sind die Spulenanschlüsse. Diese Bezeichnung ist herstellerübergreifend gleich.

4. Schaltzeichen und Darstellung im Stromlaufplan

Ein Stromlaufplan eines schützgesteuerten Antriebs ist in zwei Bereiche geteilt: den Hauptstromkreis und den Steuerstromkreis. Im Hauptstromkreis stehen die Energieführungen — Sicherungen, Motorschutzrelais, die drei Hauptkontakte des Schützes und der Motor. Im Steuerstromkreis findet die Logik statt — Taster, Hilfskontakte, die Schützspule, eventuell Meldeleuchten.

Schaltzeichen nach IEC 60617

Die Schaltzeichen sind in der Norm IEC 60617 festgelegt, die in Österreich als ÖNORM EN 60617 gilt. Die wichtigsten Symbole für Schützsteuerungen:

Bauteil Beschreibung des Schaltzeichens
Spule Rechteck mit zwei Anschlüssen (oben A1, unten A2), beschriftet mit Geräte­kennzeichnung (z. B. K1)
Schließer (Hauptkontakt) Senkrechte Linie mit Querbalken (Kontakt offen in Ruhe)
Schließer (Hilfskontakt) Senkrechte Linie mit kurzer schräger Querstrebe nach oben
Öffner (Hilfskontakt) Senkrechte Linie mit Querbalken und kurzer schräger Strebe (Kontakt schließt in Ruhe)
Wechsler Dreiwegekontakt mit Mittelpunkt, Öffner- und Schließerseite

Wichtig: Schaltzeichen werden immer in der Ruhelage dargestellt — so, wie das Schütz unerregt steht. Wer einen Schaltplan liest, muss sich also vorstellen, was passiert, wenn die Spule unter Spannung kommt.

Strompfadnummerierung

Jeder vertikale Strang im Steuerstromkreis bekommt eine fortlaufende Strompfadnummer (1, 2, 3, …). Diese Nummern stehen am unteren Rand des Schaltplans und helfen dabei, Kontakte und Bauteile eindeutig zu lokalisieren. Wer in einem komplexen Plan einen bestimmten Hilfskontakt sucht, geht über die Strompfadnummer und nicht über Koordinaten.

Kontaktspiegel

Hier kommt eine wirklich nützliche Konvention: Unter dem Symbol der Schützspule wird tabellarisch dargestellt, wo welche Hilfs- und Hauptkontakte dieses Schützes im Plan liegen. Das ist der Kontaktspiegel (auch Kontaktzuordnungstabelle).

Ein Beispiel: Unter der Spule des Schützes K1 stehen drei Zeilen mit Strompfadnummern. Daneben jeweils das Kontaktzeichen — Schließer oder Öffner. So weiß man auf einen Blick, dass etwa der Schließer 13/14 von K1 im Strompfad 3 liegt und der Öffner 21/22 im Strompfad 5. Ohne Kontaktspiegel müsste man den kompletten Plan durchsuchen — mit Kontaktspiegel ist es eine Frage von Sekunden.

A1 A2 K1 1/2 3/4 5/6 13/14 21/22 33/34 Hauptkr. Steuerkr. Schaltzeichen Schützspule K1 Kontaktspiegel: links Hauptkontakte (1/2, 3/4, 5/6), rechts Hilfskontakte (13/14 Schließer, 21/22 Öffner, 33/34 Schließer) Eindeutige Zuordnung aller Kontakte eines Schützes auf einen Blick. Spulen-Schaltzeichen mit Kontaktspiegel

In welcher Stellung werden Schaltzeichen im Stromlaufplan dargestellt?

  • a) In der Stellung „Schütz angezogen“
  • b) Immer in Mittelstellung
  • c) In der Ruhelage, also Schütz unerregt
  • d) Je nach Hersteller unterschiedlich

Richtig: c)

Die Norm legt fest, dass alle Schaltzeichen in der unbetätigten, stromlosen Ruhelage gezeichnet werden. Nur so kann ein Plan eindeutig gelesen werden — egal wer ihn zeichnet oder wo er gelesen wird.

Was zeigt ein Kontaktspiegel unter der Schützspule?

  • a) Die Anzugs- und Abfallspannung
  • b) Die Strompfade und Kontaktarten aller Kontakte dieses Schützes
  • c) Die Lichtbogenlöschzeit
  • d) Den Motornennstrom

Richtig: b)

Der Kontaktspiegel ist eine Tabelle direkt unter dem Spulen-Symbol, die zeigt, welche Hauptkontakte und Hilfskontakte dieses Schützes wo im Plan liegen — Strompfadnummer und Kontaktart (Schließer oder Öffner). Spannungen und Strom­werte stehen woanders im Plan oder im Stückverzeichnis.

5. Gebrauchskategorien und Auslegung

Ein Schütz, das eine Heizung schaltet, beansprucht seine Kontakte ganz anders als eines, das einen Motor startet. Bei der Heizung fließt von Anfang an der Nennstrom, beim Motor zuerst der vielfache Anlaufstrom. Damit man weiß, welches Schütz für welche Aufgabe geeignet ist, definieren die Normen sogenannte Gebrauchskategorien.

Die wichtigsten Gebrauchskategorien

Kategorie Anwendung Charakteristik
AC-1 Ohmsche oder leicht induktive Lasten (Heizungen, Beleuchtung) cos φ nahe 1, kein Stoßstrom beim Einschalten
AC-3 Käfigläufer-Asynchronmotoren im Normalbetrieb Hoher Anlaufstrom beim Einschalten, Ausschalten im Auslauf
AC-4 Käfigläufer-Asynchronmotoren in schwerem Betrieb Tippbetrieb, Reversierbetrieb, Gegenstrombremsung — höchste Beanspruchung
DC-1 Ohmsche DC-Lasten Wie AC-1, aber Gleichstrom
DC-3 Nebenschluss-DC-Motoren Mit Anlaufstrom, ohne Reversieren

Bei jedem Schütz steht auf dem Typenschild eine Bemessungsangabe für mehrere Kategorien. Ein Beispiel: „Ie AC-3 400 V 25 A“ bedeutet — bei 400 V Drehstrom und einer Anwendung der Kategorie AC-3 darf das Schütz mit 25 A Motornennstrom belastet werden. Dieselbe Schützausführung kann bei AC-1 deutlich mehr Strom schalten (z. B. 40 A), weil dort der Anlaufstrom fehlt.

Auslegung für AC-3 (Motoren)

Der häufigste Fall in der Praxis ist die Auslegung für einen Drehstrom-Asynchronmotor. Vorgehen:

  1. Motornennstrom aus den Typenschilddaten berechnen oder ablesen.
  2. Schütz mit einem Bemessungsbetriebsstrom in AC-3 wählen, der mindestens dem Motornennstrom entspricht.

Die Norm berücksichtigt intern den ca. 5- bis 7-fachen Anlaufstrom — der Anwender muss diesen also nicht draufrechnen. Das ist eine häufige Fehlerquelle: Wer in der Auslegung den Anlaufstrom „extra“ addiert, bekommt ein zu großes (und zu teures) Schütz.

Auslegung für AC-4 (Tippbetrieb, Reversieren)

Bei AC-4 wird der Motor häufig unter Last geschaltet und reversiert — die Kontakte werden mechanisch und elektrisch viel stärker beansprucht. Ein Schütz, das für AC-3 mit 25 A geeignet ist, schafft in AC-4 oft nur noch 8 bis 12 A. Bei Reversierbetrieb wird deshalb meist ein Schütz eine bis zwei Baugrößen größer gewählt als für reinen AC-3.

Schaltlebensdauer

Jedes Schütz hat zwei Lebensdauerangaben: die mechanische Schaltspielzahl (typisch einige Millionen, ohne Last) und die elektrische Schaltspielzahl (deutlich weniger, hängt stark von der Gebrauchskategorie ab). Bei AC-3 sind oft mehrere hunderttausend Schaltspiele möglich, bei AC-4 entsprechend weniger. Ein Schütz, das pro Minute mehrmals reversiert, ist nach wenigen Monaten am Lebens­ende — das muss bei der Auslegung mitbedacht werden.

I_N = P_N / (√3 · U_N · cos φ · η)

  • I_N … Motornennstrom in A
  • P_N … Wellenleistung in W
  • U_N … Netzspannung (Außenleiter) in V
  • cos φ … Leistungsfaktor (dimensionslos)
  • η … Wirkungsgrad des Motors (dimensionslos)

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrom-Asynchronmotor hat eine Wellenleistung von 4 kW, einen Wirkungsgrad von 0,86 und einen Leistungsfaktor cos φ von 0,82. Er läuft am 400-V-Netz. Welcher Motornennstrom fließt, und welches Schütz wird für AC-3-Betrieb mindestens gebraucht?

Gegeben: Wellenleistung: P_N = 4 kW = 4000 W, Netzspannung: U_N = 400 V, Leistungsfaktor: cos φ = 0,82, Wirkungsgrad: η = 0,86

Gesucht: Motornennstrom I_N in A

Lösungweg:

  1. Formel ansetzen: I_N = P_N / (√3 · U_N · cos φ · η)
  2. Werte einsetzen: I_N = 4000 W / (1,732 · 400 V · 0,82 · 0,86) → I_N = 4000 W / 488,3 V → I_N ≈ 8,19 A

Ergebnis: Der Motornennstrom beträgt etwa 8,2 A. Für AC-3 wird ein Schütz mit Ie AC-3 / 400 V von 9 A oder 12 A ausreichend sein — der nächste typische Größensprung über dem Motornennstrom.

Übungen

Ein Heizregister mit P = 6 kW läuft an 400 V Drehstrom (cos φ = 1, ohmsche Last). Welcher Strom fließt pro Phase, und in welche Gebrauchskategorie fällt diese Anwendung?

I = P / (√3 · U) = 6000 / (1,732 · 400) ≈ 8,66 A pro Phase. Gebrauchskategorie AC-1 (ohmsche Last).

Ein Motor mit P_N = 2,2 kW, cos φ = 0,80, η = 0,82 läuft am 400-V-Netz. Welcher Motornennstrom ergibt sich?

I_N = 2200 / (1,732 · 400 · 0,80 · 0,82) ≈ 4,84 A.

Ein Motor von 11 kW, cos φ = 0,87, η = 0,90 wird am 400-V-Netz betrieben. Berechne den Nennstrom und schätze den Anlaufstrom mit dem Faktor 6 ab.

I_N = 11000 / (1,732 · 400 · 0,87 · 0,90) ≈ 20,3 A. Anlaufstrom geschätzt: 6 · 20,3 ≈ 122 A.

Ein 5,5-kW-Motor (cos φ = 0,84, η = 0,87) wird sowohl im Normalbetrieb (AC-3) als auch in einer Reversier­anwendung (AC-4) eingesetzt. Berechne den Nennstrom. Wie würde sich die Schützauswahl unterscheiden?

I_N = 5500 / (1,732 · 400 · 0,84 · 0,87) ≈ 10,87 A. Für AC-3 reicht ein Schütz mit ca. 12 A AC-3-Bemessung. Für AC-4 muss das Schütz deutlich größer sein — typisch zwei bis drei Baugrößen darüber, also etwa 25 bis 32 A in AC-3-Bemessung, damit es in AC-4 ungefähr die geforderten 10,87 A schafft.

Ein Drehstrommotor mit P_N = 15 kW, cos φ = 0,88, η = 0,91 läuft am 400-V-Netz. Berechne den Motornennstrom und gib den Anlaufstrom für die Faktoren 5, 6 und 7 an. Welche Bandbreite ergibt sich?

I_N = 15000 / (1,732 · 400 · 0,88 · 0,91) ≈ 27,03 A. Anlaufstrom-Bandbreite: 5 · 27,03 ≈ 135 A, 6 · 27,03 ≈ 162 A, 7 · 27,03 ≈ 189 A. Real liegt der Anlaufstrom je nach Motortyp und Schaltzustand in diesem Bereich.

Ein Schütz hat die Angabe „Ie AC-3 400 V 18 A“. Was bedeutet das?

  • a) Es schaltet 18 A nur bei rein ohmscher Last
  • b) Es schaltet 18 A nur in Ruhe
  • c) Es ist für einen Drehstrom-Asynchronmotor mit bis zu 18 A Motornennstrom bei 400 V im Normalbetrieb geeignet
  • d) Es schaltet 18 A Anlaufstrom

Richtig: c)

Ie ist der Bemessungsbetriebsstrom, AC-3 die Gebrauchskategorie für Asynchronmotoren im Normalbetrieb. Der Anlaufstrom ist in der Bemessung bereits berücksichtigt — er wird nicht addiert. Ohmsche Lasten gehören zu AC-1, dort wäre der zulässige Strom in der Regel höher.

Warum wird ein Schütz im Reversierbetrieb meist eine oder zwei Baugrößen größer gewählt als im normalen AC-3-Betrieb?

  • a) Weil die Spule mehr Strom braucht
  • b) Weil die Kontakte beim häufigen Schalten unter Last stärker beansprucht werden — AC-4 verlangt höhere Schaltleistung als AC-3
  • c) Weil der Motornennstrom höher ist
  • d) Weil bei Drehrichtungsumkehr die Phasen vertauscht werden

Richtig: b)

Beim Reversieren wird der Motor häufig unter Last umgeschaltet, oft mit Gegenstrombremsung. Das beansprucht die Kontakte mechanisch und elektrisch wesentlich stärker als der einmalige Anlauf in AC-3. Die Spule wechselt nicht, der Motornennstrom auch nicht, und Phasenvertauschung ist nur eine elektrische Konsequenz — keine Belastungsfrage.

Ein Drehstrommotor mit P_N = 5,5 kW läuft an 400 V mit cos φ = 0,85 und η = 0,87. Welcher Motornennstrom ergibt sich grob?

  • a) etwa 5 A
  • b) etwa 10,7 A
  • c) etwa 20 A
  • d) etwa 47 A

Richtig: b)

I_N = 5500 / (1,732 · 400 · 0,85 · 0,87) ≈ 10,7 A. Wer fälschlich den Wirkungsgrad weglässt, kommt auf etwa 9,3 A — also immer noch im Bereich von 10 A. Werte von 5, 20 oder 47 A sind klar daneben.

6. Schütz und Relais in der Praxis

Im typischen Schaltschrank für eine Antriebssteuerung sieht die Aufgabenteilung so aus: Das Hauptschütz K1 schaltet den Motor — drei Hauptkontakte und mindestens ein Hilfskontakt für die Selbsthaltung. Davor sits eine Sicherung F1, dahinter ein Motorschutzrelais F2 zur Überlastüberwachung. In der Steuerung arbeiten Hilfsrelais und eventuell Zeitrelais mit, die Logikfunktionen abbilden — Verzögerungen, Verriegelungen, Verknüpfungen.

Der Steuerstromkreis ist dabei elektrisch meist auf 24 V Gleichspannung oder 230 V Wechselspannung ausgelegt — niedrig genug, um sicher und übersichtlich zu sein, hoch genug, damit Steuerleitungen über mehrere Meter ohne Spannungsabfallprobleme funktionieren. Der Hauptstromkreis arbeitet mit 400 V Drehstrom.

Ausblick auf typische Schaltungen

Schütze und Relais sind die Bauteile — die wirklich interessanten Anwendungen sind die Schaltungen, die man daraus baut. Ein paar Stichworte, jeweils mit eigenständigen Beiträgen:

  • Selbsthaltung: Das Schütz hält sich nach kurzem Tasterdruck über einen eigenen Hilfskontakt selbst unter Spannung — bis ein Aus-Taster den Stromkreis unterbricht.
  • Verriegelung: Zwei Schütze dürfen nicht gleichzeitig anziehen (z. B. bei einem Wendeschütz). Das wird durch Öffnerkontakte des jeweils anderen Schützes im Steuerkreis erzwungen.
  • Direkteinschaltung (DOL): Der Motor wird direkt mit der vollen Netzspannung gestartet — einfachste und häufigste Schaltung bei kleineren Motoren.
  • Wendeschützschaltung: Zwei Schütze mit vertauschten Phasen ermöglichen Rechts- und Linkslauf.
  • Stern-Dreieck-Schaltung: Ein klassisches Anlaufverfahren für größere Motoren mit reduziertem Anlaufstrom.
  • Zeitrelais: Hilfsschütze mit zeitlich verzögertem Anzug oder Abfall — die Grundlage für Stern-Dreieck-Umschaltungen und vergleichbare Sequenzen.

Jede dieser Schaltungen baut auf den Grundlagen aus diesem Beitrag auf — Kontaktbezeichnungen, Spulen­ansteuerung, Strompfade.

Typische Fehlerbilder

Ein paar Bilder, die jeder Elektrotechniker in der Praxis trifft:

  • Verschweißte Hauptkontakte: Zu hoher Schaltstrom, zu häufiges Schalten unter Last oder ein Kurzschluss hat die Kontakte miteinander verschmolzen. Das Schütz fällt trotz Spannungswegnahme nicht mehr ab — gefährlich, weil der Motor nicht mehr abgeschaltet werden kann. Ersatz, nicht Reparatur.
  • Spulendefekt: Die Spule ist durchgebrannt (Überspannung, Kurzschluss). Das Schütz zieht nicht mehr an. Messung mit dem Multimeter: A1/A2 sollte einen typischen Spulenwiderstand zeigen — bei einer durchgebrannten Spule fließt kein Strom oder es liegt ein Kurzschluss vor.
  • Brummen oder Klappern: Mechanisches Problem — Anker liegt nicht sauber auf, Kurzschlussring defekt, Steuerspannung zu niedrig.
  • Schütz fällt nicht ab: Anker mechanisch geklemmt (Schmutz, verbogen) oder Hilfskontakt eines Selbsthalte­kreises hängt elektrisch fest.

Schütze und Relais schützen übrigens nicht vor Überlast oder Kurzschluss — das ist eine häufige Verwechslung. Für den Schutz vor Überlast braucht es ein Motorschutzrelais (eigener Beitrag), für den Schutz vor Kurzschluss eine Sicherung oder einen Leitungsschutzschalter.

Ein Schütz fällt nach Drücken des Aus-Tasters nicht ab. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?

  • a) Spulendefekt
  • b) Sicherung im Hauptkreis defekt
  • c) Kurzschlussring gebrochen
  • d) Hauptkontakte verschweißt oder Anker mechanisch geklemmt

Richtig: d)

Wenn die Spule stromlos wird, aber das Schütz mechanisch hängt, sind Kontakte miteinander verschweißt oder der Anker klemmt. Beides ist ein Sicherheitsproblem und erfordert sofortigen Tausch des Schützes. Spulendefekt würde zum Nichtanziehen führen, ein defekter Kurzschlussring zu Brummen, und eine Sicherung im Hauptkreis trennt nur den Lastkreis — die Spule wäre weiter erregt.

Welche Aufgabe übernimmt ein Schütz nicht?

  • a) Schalten der Last
  • b) Trennen von Steuer- und Hauptstromkreis
  • c) Wegnehmen der Spannung bei Stillstand des Motors
  • d) Schutz des Motors vor Überlast

Richtig: d)

Ein Schütz ist ein Schalter, kein Schutzgerät. Überlastschutz übernimmt das Motorschutzrelais, Kurzschlussschutz die Sicherung. Lasten schalten, Stromkreise trennen, im Stillstand spannungslos sein — das alles macht das Schütz. Aber Schutzfunktion in dem Sinn hat es nicht.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Drehstrom-Asynchronmotor mit P_N = 3 kW, cos φ = 0,82 und η = 0,84 wird am 400-V-Netz betrieben. Berechne den Motornennstrom und gib das passende Schütz in AC-3 an, wenn die nächste typische Bemessungsgröße 7 A, 9 A, 12 A, 16 A oder 18 A wäre.

Gegeben: P_N = 3000 W, U_N = 400 V, cos φ = 0,82, η = 0,84

Gesucht: Motornennstrom I_N

Lösungweg:

  1. I_N = P_N / (√3 · U_N · cos φ · η)
  2. I_N = 3000 / (1,732 · 400 · 0,82 · 0,84) → I_N = 3000 / 477,2 → I_N ≈ 6,29 A

Ergebnis: Motornennstrom ca. 6,3 A. Passendes Schütz: Ie AC-3 / 400 V = 7 A (nächstgrößere Bemessungsstufe).

Aufgabe 2: Ein Heizregister soll 12 kW Heizleistung am 400-V-Drehstromnetz schalten. Berechne den Strom pro Phase, bestimme die Gebrauchskategorie und gib an, ob in dieser Anwendung der Anlaufstrom relevant ist.

Gegeben: P = 12 000 W, U_N = 400 V, cos φ = 1 (ohmsche Last)

Gesucht: Phasenstrom I, Gebrauchskategorie

Lösungweg:

  1. I = P / (√3 · U_N · cos φ)
  2. I = 12 000 / (1,732 · 400 · 1) → I = 12 000 / 692,8 → I ≈ 17,3 A

Ergebnis: Phasenstrom 17,3 A. Gebrauchskategorie AC-1 (ohmsche Last). Ein Anlaufstrom existiert hier nicht — Widerstandsheizungen nehmen sofort den Nennstrom auf. Schütz mit Ie AC-1 / 400 V von 18 A oder mehr ist passend.

Welche Aussage zum Grundprinzip von Schütz und Relais ist richtig?

  • a) Beide nutzen das gleiche elektromagnetische Schaltprinzip — Spule, Anker, Kontakte
  • b) Schütze sind rein mechanische Schalter ohne Spule
  • c) Relais arbeiten thermisch, Schütze elektromagnetisch
  • d) Schütze und Relais unterscheiden sich grundsätzlich in der Wirkungsweise

Richtig: a)

Schütz und Relais haben das identische Funktionsprinzip — ein Strom in einer Spule erzeugt ein Magnetfeld, das einen Anker bewegt, der wiederum Kontakte schaltet. Die Unterschiede sind nur die Dimensionierung und das Einsatzgebiet. Thermische Auslösung gibt es bei Motorschutzrelais, nicht bei klassischen Schaltrelais.

Ein Hilfskontakt eines Schützes hat die Bezeichnung 43/44. Welche Aussage ist korrekt?

  • a) Es ist ein Hauptkontakt
  • b) Es ist der vierte Hilfskontakt und ein Schließer
  • c) Es ist der dritten Hilfskontakt und ein Öffner
  • d) Es ist ein Wechslerkontakt

Richtig: b)

Die erste Ziffer (4) gibt die laufende Nummer an — vierter Hilfskontakt. Die Endziffern 3/4 stehen für einen Schließer. Hauptkontakte hätten einstellige Klemmen (1/2, 3/4, 5/6 mit einstelliger Nummerierung im Kontext eines Hauptstromkreis-Symbols), Wechsler hätten drei Klemmen.

Welche Klemmen markieren die Spulenanschlüsse eines Schützes?

  • a) 1 und 2
  • b) 13 und 14
  • c) L1 und N
  • d) A1 und A2

Richtig: d)

Spulenanschlüsse heißen einheitlich A1 (oben) und A2 (unten). 1/2 ist ein Hauptkontakt, 13/14 ein Hilfsschließer, L1/N gehören zur Netzspannungsbezeichnung — nicht zur Klemmenbenennung am Schütz.

Was beschreibt die Gebrauchskategorie AC-3 eines Schützes?

  • a) Eine bestimmte Spulennennspannung
  • b) Eine bestimmte Anzahl an Hauptkontakten
  • c) Den Einsatz für Käfigläufer-Asynchronmotoren im Normalbetrieb
  • d) Eine Anwendung mit Wechselstrom oberhalb 1000 V

Richtig: c)

AC steht für Wechselstrom, die Zahl gibt die Lastart an. AC-3 ist der Standardfall für Käfigläufer-Asynchronmotoren mit Anlauf und Ausschalten im Auslauf. Spulenspannung und Polzahl haben damit nichts zu tun.

Welche Aufgabe hat der Kurzschlussring bei einem AC-Schütz?

  • a) Er erzeugt durch Induktion ein phasenverschobenes Restmagnetfeld, damit der Anker im Nulldurchgang nicht abfällt
  • b) Er kühlt die Kontaktoberfläche
  • c) Er löscht Lichtbögen beim Schalten
  • d) Er begrenzt den Spulenstrom beim Einschalten

Richtig: a)

Beim 50-Hz-Wechselstrom durchläuft der Spulenstrom 100-mal pro Sekunde den Nullpunkt. Der Kurzschlussring sorgt für ein Restmagnetfeld, damit der Anker während dieser Nulldurchgänge gehalten wird und nicht brummt oder klappert.

Welche Aussage zur Schützauslegung eines AC-3-Motors ist korrekt?

  • a) Das Schütz wird auf den Anlaufstrom des Motors bemessen
  • b) Der Anlaufstrom muss zum Motornennstrom addiert werden
  • c) Die AC-3-Angabe deckt nur die Anlaufphase ab
  • d) Das Schütz wird auf den Motornennstrom bemessen — der Anlaufstrom ist in der AC-3-Bemessung bereits berücksichtigt

Richtig: d)

Die Gebrauchskategorie AC-3 berücksichtigt die Anlaufbedingungen eines Käfigläufer-Motors intern. Wer den Anlaufstrom „draufrechnet“, wählt ein viel zu großes Schütz. Die Norm-Definition macht das gerade unnötig.

Was zeigt ein Kontaktspiegel im Stromlaufplan?

  • a) Den Spulenwiderstand
  • b) Eine Übersicht aller Kontakte des Schützes mit Strompfadnummer und Kontaktart
  • c) Die Lichtbogenlöschzeit
  • d) Die Kontakttemperatur im Betrieb

Richtig: b)

Der Kontaktspiegel sitzt direkt unter dem Symbol der Schützspule und listet alle Hauptkontakte und Hilfskontakte dieses Schützes auf — jeweils mit Strompfadnummer und der Art (Schließer/Öffner). Damit kann jeder Kontakt im Plan ohne langes Suchen lokalisiert werden.

Wodurch unterscheidet sich ein DC-Schütz hauptsächlich von einem AC-Schütz?

  • a) DC-Schütze haben grundsätzlich keine Hilfskontakte
  • b) DC-Schütze haben eine deutlich höhere Schaltgeschwindigkeit
  • c) DC-Schütze brauchen keine Maßnahme gegen Brummen, aber stärkere Lichtbogenlöschung wegen des fehlenden Nulldurchgangs
  • d) DC-Schütze haben weniger Hauptkontakte

Richtig: c)

Beim Gleichstrom gibt es keinen Nulldurchgang, der das Magnetfeld kurzzeitig auf null fallen lässt — der Anker brummt also nicht. Dafür reißt auch der Lichtbogen beim Abschalten nicht von selbst ab, was eine aufwendigere Lichtbogenlöschung erfordert. Hilfskontakte und Hauptkontakte unterscheiden sich nicht grundsätzlich.

Ein Schütz wird unter Last so heftig reversiert, dass die Kontakte verschweißen. Welche Gebrauchskategorie sollte für eine korrekte Auslegung eigentlich zugrunde gelegt worden sein?

  • a) AC-4 (schwerer Betrieb mit Tippen, Reversieren, Gegenstrombremsung)
  • b) AC-1 (ohmsche Last)
  • c) AC-3 (Motor im Normalbetrieb)
  • d) DC-1 (Gleichstrom ohmsch)

Richtig: a)

Häufiges Reversieren oder Tippen mit Gegenstrombremsung gehört in die Gebrauchskategorie AC-4 — die höchste Beanspruchung für ein Schütz. Wer hier nach AC-3 auslegt, bekommt verschweißte Kontakte. AC-1 ist für ohmsche Lasten, AC-3 für den normalen Motorbetrieb ohne häufiges Reversieren.

Welche Schutzfunktion übernimmt ein Schaltschütz nicht?

  • a) Galvanische Trennung von Steuer- und Hauptstromkreis
  • b) Schalten der Last
  • c) Überlast- und Kurzschlussschutz des Motors
  • d) Bereitstellung mehrerer Hilfskontakte für die Steuerung

Richtig: c)

Schütze sind Schalter, keine Schutzgeräte. Der Motor wird gegen Überlast durch ein Motorschutzrelais geschützt, gegen Kurzschluss durch eine Sicherung oder einen Leitungsschutzschalter. Trennung von Steuer- und Hauptstromkreis und die Bereitstellung von Hilfskontakten gehören dagegen klar zur Funktion eines Schützes.

Glossar

Schütz
Elektromagnetisch betätigter Lastschalter, der mit kleiner Steuerleistung große Ströme im Hauptstromkreis schaltet.
Relais
Elektromagnetisch betätigter Schalter für kleine Ströme, eingesetzt in der Steuer- und Meldetechnik.
Anker
Beweglicher Eisenkern im Magnetsystem, der vom Magnetfeld der Spule angezogen wird und die Kontakte mitbewegt.
Hauptkontakt
Schließerkontakt eines Schützes für den Lastkreis, einstellig nummeriert (1/2, 3/4, 5/6).
Hilfskontakt
Kontakt für den Steuerkreis, zweistellig nummeriert. Endziffer 1/2 = Öffner, 3/4 = Schließer.
Schließer
Kontakt, der in Ruhelage offen ist und beim Anziehen schließt.
Öffner
Kontakt, der in Ruhelage geschlossen ist und beim Anziehen öffnet.
Wechsler
Kontakt mit Mittelanschluss, der je nach Schützzustand entweder den Öffner- oder den Schließerkontakt verbindet.
Kurzschlussring
Ring aus Kupfer oder Aluminium im Polschuh eines AC-Schützes, der ein phasenverschobenes Restmagnetfeld erzeugt und das Brummen im Stromnulldurchgang verhindert.
Lichtbogenlöschkammer
Aufsatz über den Hauptkontakten, der den beim Schalten entstehenden Lichtbogen durch Löschbleche aufteilt und schnell zum Erlöschen bringt.
Anzugsspannung
Mindestspannung an der Spule, bei der das Schütz sicher anzieht; typisch 85 Prozent der Nennspannung.
Abfallspannung
Spannung, unter der das angezogene Schütz wieder in die Ruhelage zurückfällt; deutlich niedriger als die Anzugsspannung.
Gebrauchskategorie
Klassifikation der Schalt­bedingungen eines Schützes (z. B. AC-1, AC-3, AC-4), die Last­art und Beanspruchung beschreibt.
Kontaktspiegel
Tabellarische Darstellung im Stromlaufplan direkt unter der Schützspule, die alle Kontakte des Schützes mit Strompfadnummer und Kontaktart auflistet.
Bemessungsbetriebsstrom (Ie)
Stromwert, mit dem ein Schütz unter den Bedingungen einer bestimmten Gebrauchskategorie dauerhaft betrieben werden darf.
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