Klassische Steuerung vs. SPS – wann was?

In jeder Werkstatt und auf jeder Baustelle taucht früher oder später dieselbe Frage auf: Lösen wir das mit Schützen oder mit einer SPS? Beide Wege funktionieren, beide werden auch heute noch täglich verbaut. Wer sich auf reine Gewohnheit verlässt, baut entweder unnötig teure Anlagen oder läuft sich bei der nächsten kleinen Änderung tot. Dieser Beitrag zeigt, was die zwei Konzepte unterscheidet, wo jedes seine Stärken ausspielt und nach welchen Kriterien in der österreichischen Praxis sauber entschieden wird.

Vorwissen

  • Schütze und Relais
  • Selbsthaltung
  • Was ist eine SPS? – Aufbau und Funktionsweise

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den prinzipiellen Unterschied zwischen verbindungsprogrammierter und speicherprogrammierter Steuerung in eigenen Worten erklären
  • die wesentlichen Vor- und Nachteile beider Konzepte gegenüberstellen
  • für eine konkrete Steuerungsaufgabe begründet entscheiden, welcher Weg sinnvoll ist
  • die Rolle von Kleinsteuerungen und Mischlösungen einordnen

1. Zwei Welten — verbindungs- und speicherprogrammiert

Wenn eine Maschine auf Tastendruck einen Motor anlaufen lassen soll, braucht es eine Steuerung. Die entscheidende Frage ist: Wo lebt die Logik dieser Steuerung?

Bei der verbindungsprogrammierten Steuerung — kurz VPS — steckt die Logik in den Drähten. Ein Schütz hier, ein Hilfskontakt dort, eine Brücke zwischen zwei Klemmen. Die Funktion entsteht durch das, was wie verdrahtet ist. Will man die Funktion ändern, muss man umverdrahten. Klassische Schützsteuerungen mit Selbsthaltung, Verriegelungen und Wendeschaltungen fallen alle in diese Kategorie.

Bei der speicherprogrammierten Steuerung — kurz SPS — steckt die Logik in einem Programm. Die Hardware ist universell: ein paar Eingangsklemmen, ein paar Ausgangsklemmen, dazwischen ein Prozessor, der ein Programm abarbeitet. Will man die Funktion ändern, schreibt man das Programm um — die Verdrahtung bleibt unangetastet.

Die Fachsprache nennt diese beiden Welten Hardwarelogik (Funktion entsteht in Bauteilen und Drähten) und Softwarelogik (Funktion entsteht im Programm). Das ist der ganze Kern. Alles andere — Diagnose, Flexibilität, Kosten, Anwendungsfälle — folgt aus diesem einen Unterschied.

Die SPS entstand Ende der 1960er-Jahre in der Automobilindustrie, weil ständige Modellwechsel die Schaltschränke immer wieder umverdrahten ließen. Ein halbes Jahrhundert später ist die SPS aus der Industrie nicht mehr wegzuwählen. Trotzdem wird klassische Schützsteuerung weiter verbaut — manchmal aus gutem Grund, manchmal aus Gewohnheit. Welcher Grund wann zutrifft, klären die nächsten Kapitel.

Eine Anlage wird heute komplett neu mit Schützen und Hilfsrelais aufgebaut. Welche Aussage zur Logik dieser Anlage trifft am ehesten zu?

  • a) Die Logik liegt in der Verdrahtung und ändert sich nur durch Umverdrahten
  • b) Die Logik liegt im Programm der Schütze und kann später umgeschrieben werden
  • c) Die Logik liegt im zentralen Prozessor und arbeitet zyklisch
  • d) Die Logik wird über die Versorgungsspannung definiert

Richtig: a)

Klassische Schützsteuerungen are verbindungsprogrammiert: Welche Funktion sie erfüllen, ergibt sich aus der konkreten Verdrahtung der Kontakte und Spulen. Schütze tragen kein eigenes Programm in sich, einen zentralen Prozessor gibt es nicht, und die Versorgungsspannung bestimmt nur die Energieversorgung, nicht die Logik.

Worin liegt der historische Grund für die Entwicklung der SPS?

  • a) Die Hersteller wollten teurere Schaltschränke verkaufen
  • b) Schütze hielten den hohen Strömen in der Automobilindustrie nicht stand
  • c) Häufige Funktionsänderungen erforderten ständiges Umverdrahten der Schaltschränke
  • d) Die ÖNORM verbot ab 1970 reine Schützsteuerungen

Richtig: c)

Treiber der SPS-Entwicklung war der Aufwand für Umverdrahtungen bei Modellwechseln in der Automobilfertigung. Wirtschaftliche Motive der Hersteller, Strombelastbarkeit oder Normvorgaben spielten dabei keine Rolle — Schütze halten hohe Ströme problemlos aus, und ein Verbot reiner Schützsteuerungen gab und gibt es nicht.

Welche Aussage zur SPS im Vergleich zur klassischen VPS ist korrekt?

  • a) Eine SPS ersetzt grundsätzlich jede klassische Steuerung wirtschaftlicher
  • b) Eine SPS arbeitet ohne Eingangs- und Ausgangsklemmen
  • c) Eine SPS ist eine besondere Bauform eines Schützes
  • d) Die Hardware einer SPS ist universell — die Funktion entsteht im Programm

Richtig: d)

Genau das ist der Kerngedanke der speicherprogrammierten Steuerung: identische Hardware kann die unterschiedlichsten Aufgaben erfüllen, weil die Funktion im Programm liegt. Wirtschaftlich überlegen ist die SPS keineswegs immer; sie hat selbstverständlich Klemmen für Ein- und Ausgänge; und mit einem Schütz hat sie funktional nichts gemein.

2. Funktionsweise im direkten Vergleich

Der entscheidende Unterschied ist nicht nur, wo die Logik liegt, sondern auch, wie sie ausgeführt wird.

Die VPS arbeitet parallel und ereignisgesteuert. Jeder Stromkreis ist eine eigene physikalische Leitung. Wird ein Taster gedrückt, schließt der kontakt, Strom fließt, das Schütz zieht an. Das geschieht in wenigen Millisekunden — und alle Stromkreise tun das gleichzeitig und unabhängig voneinander. Es gibt keine „Reihenfolge“ im Programm: Was sich gleichzeitig ändern will, ändert sich gleichzeitig.

Die SPS arbeitet zyklisch. Der Prozessor liest zuerst alle Eingänge ein, verarbeitet dann das Programm einmal von oben nach unten durch und schreibt am Ende die berechneten Zustände auf die Ausgänge. Dann beginnt der Zyklus von vorne. Dieser Ablauf heißt EVA-Prinzip (Eingabe – Verarbeitung – Ausgabe). Die Zeit, die ein Durchlauf benötigt, ist die Zykluszeit und liegt bei einer modernen Klein-SPS typischerweise im Bereich weniger Millisekunden.

Für die Praxis hat dieser Unterschied handfeste Folgen:

  • Ein sehr kurzer Eingangsimpuls von etwa 2 ms sieht ein Schütz problemlos. Eine SPS mit 10 ms Zykluszeit kann denselben Impuls verpassen, wenn er genau zwischen zwei Eingangs-Abfragen liegt.
  • In der VPS verläuft alles wirklich parallel. In der SPS wird Schritt für Schritt abgearbeitet — was im Programm weiter unten steht, „sieht“ Änderungen aus früheren Programmzeilen sofort.
  • Die Reaktionszeit der SPS hat eine eingebaute Untergrenze: die Zykluszeit. Die VPS hat diese Grenze nicht; sie reagiert mit der elektromechanischen Schaltzeit ihrer Bauteile.

Die Details des zyklischen Programmablaufs sind ein eigenes Thema. Hier reicht der Kerngedanke: Was bei der VPS gleichzeitig passiert, passiert in der SPS nacheinander — nur so schnell, dass es von außen meist gleichzeitig wirkt.

Beispiel Selbsthaltung im direkten Vergleich:

In der VPS ist die Selbsthaltung ein Stück Verdrahtung. Ein-Taster und Hilfskontakt des Schützes liegen parallel, Aus-Taster in Reihe — Schaltplan und Logik sind dasselbe.

In der SPS ist die Selbsthaltung eine Programmzeile: Das Ausgangsbit wird gesetzt, wenn (Start ODER Selbsthaltebit) UND nicht Stopp wahr ist. Verdrahtet sind nur die Klemmen — Start-Taster auf Eingang 1, Stopp-Taster auf Eingang 2, Schütz auf Ausgang 1. Der Rest ist Software.

Beides liefert das gleiche Ergebnis. Nur der Weg dorthin ist fundamental verschieden — und damit auch alles, was später bei Änderungen und Fehlersuche passiert.

VPS — Logik in der Verdrahtung SPS — Logik im Programm Taster S1 Hilfskontakt K1 Taster S0 K1 Funktion = Verdrahtung parallel · ereignisgesteuert Änderung = Umverdrahten E0.0 E0.1 PROGRAMM A0.0 := (E0.0 OR A0.0) AND NOT E0.1 zyklisch · EVA A0.0 Funktion = Programm zyklisch · EVA-Prinzip Änderung = Code anpassen

Ein Taster liefert nur einen 2 ms langen Impuls. Welche Aussage ist korrekt?

  • a) Ein Schützrelais verarbeitet diesen Impuls in der Regel zuverlässig
  • b) Eine SPS mit 10 ms Zykluszeit erkennt diesen Impuls in jedem Fall
  • c) Beide Systeme erkennen den Impuls grundsätzlich gleich gut
  • d) Ein Schützrelais ist zu langsam, eine SPS wäre die einzige Lösung

Richtig: a)

In der VPS reagieren die Bauteile elektromechanisch — ein 2-ms-Impuls reicht problemlos, um einen Kontakt umzuschalten. Eine SPS tastet ihre Eingänge nur einmal pro Zyklus ab; liegt der Impuls genau zwischen zwei Abtastungen, wird er nicht erkannt. Genau deshalb gibt es bei der SPS keine pauschale „Erkennt immer“-Garantie für sehr kurze Impulse.

Was bezeichnet das EVA-Prinzip bei einer SPS?

  • a) Einschalten – Verriegeln – Ausschalten als Schaltreihenfolge
  • b) Erkennen – Verstärken – Ansteuern in der Endstufe
  • c) Eingang – Verarbeitung – Ausgang als zyklischen Programmablauf
  • d) Empfangen – Vergleichen – Auswerten im Sensor

Richtig: c)

EVA beschreibt den dreigeteilten Zyklus jeder SPS: Eingänge einlesen, Programm verarbeiten, Ausgänge setzen — und wieder von vorne. Die anderen Begriffspaare gibt es in der Technik, sie haben mit dem SPS-Zyklus aber nichts zu tun.

Worin unterscheidet sich die Signalverarbeitung einer VPS von der einer SPS grundsätzlich?

  • a) VPS arbeitet zyklisch, SPS parallel
  • b) VPS verarbeitet Signale parallel, SPS zyklisch nacheinander
  • c) Beide arbeiten zyklisch mit identischer Zykluszeit
  • d) Beide arbeiten ereignisgesteuert, der Unterschied liegt nur in der Spannung

Richtig: b)

Die VPS ist hardwareseitig parallel — alle Stromkreise sind eigene Leitungen und reagieren unabhängig. Die SPS arbeitet ihr Programm zyklisch von oben nach unten ab. Antwort a verdreht das Verhältnis, c und d sind sachlich falsch.

3. Vor- und Nachteile — die ehrliche Bilanz

Eine Steuerungsentscheidung wird nicht „im Bauch“ getroffen, sondern an klaren Kriterien. Diese Tabelle stellt die wichtigsten Punkte gegenüber:

Kriterium Klassische VPS (Schützsteuerung) SPS
Logik liegt in Verdrahtung Programm
Reaktion nahezu verzögerungsfrei, parallel zyklisch, durch Zykluszeit begrenzt
Anschaffung bei wenigen Funktionen meist günstiger meist teurer
Anschaffung bei vielen Funktionen meist teurer meist günstiger
Funktionsänderung umverdrahten, oft aufwendig Programm anpassen, schnell
Diagnose nur über Messen und Sichtprüfung Statusanzeige, Logging, Fernzugriff möglich
Kommunikation, Vernetzung aufwendig, oft nicht vorgesehen meist eingebaut
Robustheit gegen EMV und Spannungsspitzen sehr hoch gut, aber empfindlicher als Elektromechanik
Lebensdauer der Hardware sehr lang, mechanischer Verschleiß lang, aber elektronische Bauteile altern
Schulungsbedarf gering, gut sichtbare Wirkweise höher — Programmierung, Tools
Erweiterbarkeit begrenzt, jede Änderung sichtbarer Eingriff gut, oft per Software und Klemmen-Reserve

Drei Punkte sind in der Praxis besonders relevant:

Diagnose und Fehlersuche. Bei einer reinen VPS sieht man Drähte und Kontakte; mit Schaltplan und Multimeter findet sich der Fehler in den allermeisten Fällen — vorausgesetzt, der Schaltplan ist aktuell. Bei einer SPS sind Eingangs- und Ausgangszustände auf einen Blick in der Programmiersoftware sichtbar, oft auch aus der Ferne. Beides hat Vorteile; in komplexen Anlagen gewinnt meist die SPS, in einfachen die VPS.

Kostenstruktur. Eine VPS hat lineare Kosten: zwei zusätzliche Funktionen bedeuten zwei zusätzliche Schütze, mehr Verdrahtung, mehr Klemmen. Eine SPS hat einen Sockelpreis (das Gerät selbst), der sich auf viele Funktionen verteilt. Daraus folgt eine Schwelle, ab der die SPS günstiger wird — diese liegt erfahrungsgemäß je nach Anwendung im Bereich weniger Funktionen.

Lebenszyklus. Wer heute eine Schützsteuerung baut, kann in 20 Jahren oft noch dieselbe Hardware kaufen oder ersetzen. Wer heute eine SPS verbaut, sieht sich in 10 bis 15 Jahren mit Abkündigungen, neuen Software-Versionen und veränderten Programmiertools konfrontiert. Das spricht für SPS in dynamischen Umgebungen, für VPS in sehr langlebigen Anlagen mit klarer, stabiler Funktion.

Welche Eigenschaft spricht in der Regel für eine klassische Schützsteuerung gegenüber einer SPS?

  • a) Sie ist bei komplexer Logik wartungsärmer
  • b) Sie kann ferndiagnostiziert werden
  • c) Sie ist EMV-unkritisch und sehr robust gegen Spannungsspitzen
  • d) Sie erlaubt schnelle Softwareänderungen ohne Eingriff in die Verdrahtung

Richtig: c)

Elektromechanische Bauteile sind gegenüber Spannungsspitzen, Temperaturen und Störfeldern deutlich unempfindlicher als Halbleiter. Bei komplexer Logik ist die VPS gerade nicht wartungsärmer; Ferndiagnose und Softwareänderung sind klassische SPS-Vorteile.

Worin liegt un zentraler Nachteil einer rein klassischen Schützsteuerung bei größeren Anlagen?

  • a) Die Verdrahtung wird schnell unübersichtlich und Änderungen sind aufwendig
  • b) Schütze altern schneller als Halbleiter
  • c) Schütze dürfen in Österreich nicht mehr verbaut werden
  • d) Schütze benötigen zwingend einen Frequenzumrichter

Richtig: a)

Jede zusätzliche Funktion bedeutet bei der VPS zusätzliche Bauteile, zusätzliche Drähte, zusätzliche Klemmen — bei großen Anlagen wird das schnell unübersichtlich. Schütze altern nicht schneller als Halbleiter, sind weiterhin uneingeschränkt zulässig und arbeiten völlig unabhängig vom Frequenzumrichter.

Wo zeigt eine SPS gegenüber der klassischen Steuerung typischerweise ihre Stärke?

  • a) Bei sehr einfachen Stromkreisen mit zwei Funktionen
  • b) In Umgebungen ohne jede Netzversorgung
  • c) Wenn ausschließlich ein einziger Motor zu schalten ist
  • d) Bei komplexer Logik, Diagnose und häufigen Funktionsänderungen

Richtig: d)

Genau in diesen Anwendungen rechnet sich die SPS klar: Sie schluckt Komplexität ohne zusätzlichen Hardwareaufwand, liefert Diagnoseinformationen mit und lässt sich per Software ändern. Bei trivialen Aufgaben ist sie meist überdimensioniert, eine Netzversorgung braucht sie genauso wie jede andere Steuerung, und ein einzelner Motor lässt sich auch mit einem Schütz allein elegant schalten.

4. Auswahlkriterien — wann was?

Die Antwort auf „Schütz oder SPS?“ entsteht aus mehreren Kriterien gleichzeitig. Keines davon entscheidet allein — aber zusammen ergeben sie ein klares Bild.

Anzahl der Ein- und Ausgänge. Als grobe Faustregel: Bei weniger als etwa 8 bis 10 binären Funktionen ist eine Schützsteuerung wirtschaftlich konkurrenzfähig. Darüber wird die SPS in der Regel günstiger und übersichtlicher.

Komplexität der Logik. Einfache Verriegelungen, Selbsthaltungen und Stern-Dreieck-Schaltungen bilden sich mit Schützen sauber ab. Sobald Schrittketten, Zähler, Zeitfunktionen mit vielen Stufen, Vergleichsoperationen oder Analogwerte ins Spiel kommen, kippt das Verhältnis zur SPS.

Häufigkeit von Änderungen. Eine Anlage, deren Funktion über zwanzig Jahre exakt gleich bleibt, ist mit einer VPS gut bedient. Eine Anlage, an der jährlich neue Funktionen hinzukommen oder Programme umgestellt werden, schreit nach einer SPS.

Diagnose- und Visualisierungsbedarf. Soll der Betreiber Störungen aus der Ferne sehen, Betriebsstunden mitloggen oder Werte auf einem Display anzeigen? Das ist SPS-Heimat. Eine reine VPS kann das nur mit aufwendigen Zusatzkomponenten.

Kommunikation mit übergeordneten Systemen. Sobald Feldbus, OPC UA, Ethernet oder Anbindung an MES- oder Leitsysteme gefordert sind, führt praktisch kein Weg an einer SPS vorbei.

Investition versus Betrieb. Eine VPS hat klare Anschaffungskosten und kaum Betriebskosten. Eine SPS hat ähnliche Anschaffungskosten, dazu aber Engineering-Aufwand (Programmierung, Inbetriebnahme), Lizenzen für Software und Update-Aufwand über die Jahre. Bei wenigen Funktionen kann die VPS-Gesamtrechnung günstiger ausfallen, bei vielen die SPS.

Umgebungsbedingungen. Sehr raue Umgebungen mit Vibration, EMV-Belastung, hohen Temperaturen oder Staub verzeihen elektromechanischen Bauteilen mehr als elektronischen. In Schaltschränken im Maschinenbau spielt das kaum eine Rolle, in mobilen Maschinen oder Outdoor-Anlagen schon.

Lebenszyklus der Anlage. Soll die Anlage 30 Jahre stehen, ist die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ein echtes Thema. Schütze gibt es heute noch in derselben Bauform wie vor 30 Jahren; bei einer SPS muss man in der Lebenszeit oft mit einem Plattformwechsel rechnen.

Faustregeln aus der Praxis:

  • Bis ca. 8–10 E/A, einfache Logik, kaum Änderungen erwartet → Schützsteuerung
  • Mittlere Komplexität, Wunsch nach Diagnose, einzelner Schaltschrank → SPS oder Logikrelais
  • Vernetzte Anlage, Schrittketten, mehrere Bedienprogramme → eindeutig SPS
  • Sicherheitskreise nach Risikobeurteilung → Sicherheitsschaltgerät oder Sicherheits-SPS, eigenes Thema

Welches Kriterium spricht eindeutig FÜR eine SPS-Lösung?

  • a) Nur zwei Ein- und zwei Ausgänge im gesamten Schaltschrank
  • b) Vorgaben des Bauherrn zum Einsatz von Schützen
  • c) Häufige Funktionsanpassungen während der Inbetriebnahme und im Betrieb
  • d) Notwendigkeit einer extrem schnellen, hardwarenahen Reaktion unter 1 ms

Richtig: c)

Häufige Anpassungen sind das Paradebeispiel für SPS-Stärken: Software-Änderung statt Umverdrahten. Wenige E/A und Bauherrenvorgaben können sogar gegen die SPS sprechen; bei sehr schneller hardwarenaher Reaktion ist die VPS oft im Vorteil, weil die Zykluszeit der SPS eine Untergrenze setzt.

Ein Anlagenbetreiber legt großen Wert darauf, Störungen direkt aus dem Büro analysieren zu können. Welche Lösung passt am besten?

  • a) Klassische Schützsteuerung ohne weitere Maßnahmen
  • b) Reine Relaissteuerung mit Klemmenleiste
  • c) Schützsteuerung mit zusätzlicher Stundenzähler-Anzeige
  • d) SPS-Lösung mit Diagnosefunktion und Kommunikationsschnittstelle

Richtig: d)

Ferndiagnose über Ethernet, VPN oder Cloud ist eine klassische SPS-Disziplin. Reine VPS-Lösungen bieten diese Möglichkeit nicht ohne erheblichen Zusatzaufwand; ein Stundenzähler hilft bei der Wartungsplanung, aber nicht bei der Fehleranalyse aus der Ferne.

Welches Argument spricht in der Praxis am ehesten gegen den Einsatz einer SPS für eine ganz einfache Aufgabe?

  • a) SPS-Hardware ist EMV-empfindlicher als Schütze
  • b) Bei sehr wenigen Funktionen kann die SPS-Lösung pro Funktion teurer sein als die VPS-Lösung
  • c) SPS-Programme dürfen in Österreich nur mit Sonderzulassung verwendet werden
  • d) Eine SPS kann grundsätzlich keine 230-V-Lasten schalten

Richtig: b)

Der Sockelpreis einer SPS verteilt sich auf wenige Funktionen schlecht — pro genutztem E/A wird die Lösung teurer als bei einer reinen Schützsteuerung. EMV-Empfindlichkeit kann eine Rolle spielen, ist aber nicht das Hauptargument bei einfachen Aufgaben; die rechtlichen und schaltungstechnischen Aussagen in c) und d) sind sachlich falsch — eine SPS schaltet 230 V über Relaisausgänge problemlos.

5. Mischformen und Kleinsteuerungen

Die Welt der Steuerungen ist in der Praxis selten schwarz oder weiß. Zwischen reiner Schützsteuerung und „großer“ SPS liegt eine ganze Familie von Zwischenlösungen.

Kleinsteuerungen und Logikrelais. Geräte wie LOGO! von Siemens, Easy von Eaton, Zelio von Schneider oder Crouzet Millenium sind kompakte, programmierbare Geräte mit typisch 8 bis 24 Ein- und Ausgängen. Programmiert werden sie meist mit einem stark vereinfachten Funktionsplan oder Kontaktplan, häufig sogar direkt über das Gerätedisplay. Sie kosten einen Bruchteil einer „echten“ SPS, brauchen kaum Engineering und sind in vielen kleineren Anwendungen die wirtschaftlichste Lösung — Lichtsteuerungen, Heizungs- und Lüftungsanlagen, einfache Maschinenfunktionen.

Sie ersetzen klassische Verdrahtungen wie Wendeschützschaltungen oder Stern-Dreieck-Anläufe nicht, sondern bilden die Steuerlogik kompakt ab. Die Lastschütze bleiben — ihre Ansteuerung kommt aus dem Logikrelais statt aus einer Drahtbrücke.

Hybride Lösungen. Sehr verbreitet ist die Kombination: Der Hauptstromkreis (Motorabgänge) wird klassisch mit Schützen aufgebaut, die Steuerlogik liegt in einer SPS oder Kleinsteuerung. Diese Trennung kombiniert die Vorteile beider Welten — robuste, normgerechte Leistungsschaltung außen, flexible Logik innen. In den allermeisten modernen Schaltschränken läuft es genau so.

Sicherheitstechnik. Sicherheitskreise stellen besondere Anforderungen, die weder eine Standard-Schützsteuerung noch eine normale SPS allein erfüllt. Hier kommen Sicherheitsschaltgeräte oder Sicherheits-SPS zum Einsatz. Die Auswahl folgt dabei nicht den oben genannten Wirtschaftlichkeitskriterien, sondern der Risikobeurteilung nach ÖNORM EN ISO 12100 — der zentralen Norm für die Risikobeurteilung von Maschinen — und dem daraus abgeleiteten Performance Level. Eigenes Thema.

Wann Kleinsteuerung statt SPS? Faustregel: Wenn die funktion gut in 24 E/A passt, kein Feldbus verlangt wird, keine umfangreiche Programmierumgebung benötigt wird und ein einfaches Display als Bedienoberfläche reicht — dann ist die Kleinsteuerung meist die richtige Wahl. Wachsen die Anforderungen über diese Schwelle, gehört das Projekt zu einer richtigen SPS.

Was ist ein Logikrelais bzw. eine Kleinsteuerung wie LOGO! oder Easy am ehesten?

  • a) Eine Sonderbauform eines klassischen Schützes
  • b) Eine kompakte, programmierbare Kleinsteuerung als Mittelweg zwischen Relais und SPS
  • c) Ein Frequenzumrichter ohne Leistungsteil
  • d) Ein reines Visualisierungsgerät für SPS-Daten

Richtig: b)

Logikrelais sind kleine programmierbare Steuerungen mit reduziertem Funktionsumfang und einfacher Programmierung. Sie sind keine Schütze, keine Frequenzumrichter und keine reinen Anzeigegeräte, sondern eine eigene Kategorie zwischen klassischer Verdrahtung und ausgewachsener SPS.

Welche Aufgabe ist typisch für eine hybride Lösung?

  • a) Hauptstromkreis mit Schützen, Steuerstromkreis mit SPS
  • b) Reine Software-Steuerung ohne jedes Schaltglied
  • c) Hauptstromkreis mit SPS-Endstufe, Steuerstromkreis komplett mit Schützen
  • d) Zwei parallele SPS, die identische Programme abarbeiten

Richtig: a)

Die übliche Mischform trennt Last und Logik: Im Lastkreis schalten weiterhin Schütze die Motoren, die Steuerlogik dahinter läuft in einer SPS oder Kleinsteuerung. Die anderen Varianten gibt es theoretisch, sind aber keine typischen hybriden Lösungen.

Wann wird in einer Anlage typischerweise ein Sicherheitsschaltgerät oder eine Sicherheits-SPS eingesetzt, statt die Sicherheit allein über Standardschütze abzubilden?

  • a) Wenn die Standard-Steuerung mit weniger als 10 Ein-/Ausgängen auskommt
  • b) Wenn keine ÖNORM-Vorschriften gelten
  • c) Wenn die Risikobeurteilung einen geprüften Sicherheitskreis mit Performance Level fordert
  • d) Wenn die Kosten ohne Aufpreis gleich bleiben sollen

Richtig: c)

Die Risikobeurteilung nach ÖNORM EN ISO 12100 und die daraus folgenden Anforderungen an Performance Level und funktionale Sicherheit machen Sicherheitsschaltgeräte oder Sicherheits-SPS notwendig. Anzahl der E/A oder Kostenargumente entscheiden in der Sicherheitstechnik nicht.

6. Entscheidungsleitfaden mit Praxisbeispielen

Mit den Kriterien aus den vorigen Kapiteln lässt sich der Großteil aller Steuerungsentscheidungen entlang weniger Schritte treffen.

Steuerungsaufgabe Komplexe Logik, Schrittketten oder Vernetzung? JA SPS (ggf. mit HMI) NEIN Häufige Änderungen, Diagnose oder Display nötig? JA Kleinsteuerung oder SPS NEIN Mehr als ca. 8–10 Ein- und Ausgänge? JA Kleinsteuerung oder SPS NEIN Klassische Schützsteuerung Sicherheitskreise gesondert nach Risikobeurteilung — Sicherheits-SPS bzw. Sicherheitsschaltgerät

Praxisbeispiel 1 — Bewässerungsanlage für ein Gewerbegrundstück. Eine Pumpe, ein Schwimmerschalter, ein manueller Wahlschalter „Hand-0-Auto“, eine Kontrollleuchte. Keine geplanten Erweiterungen, keine Vernetzung, normale Werkstattumgebung. → Klassische Schützsteuerung mit einem Hauptschütz und einem Hilfsrelais. Material kostet wenig, jeder Techniker kann sie warten, die Anlage läuft jahrzehntelang.

Praxisbeispiel 2 — Verpackungsmaschine in einem mittelständischen Betrieb. Drei verschiedene Produktgrößen, jeweils eigene Förderzeiten und Stempelhübe, Auswahl per Knopfdruck am Bedienpanel, Stückzählung, Anbindung an die Betriebsdatenerfassung. → SPS mit Bedienpanel ist hier die einzige sinnvolle Lösung. Eine Schützsteuerung würde an der Programmumschaltung scheitern; eine Kleinsteuerung wäre für die Vernetzung knapp.

Praxisbeispiel 3 — Tor- und Beleuchtungssteuerung einer Lagerhalle. Acht Sektionaltore, jedes mit zwei Endlagen, zentrale Bedienung im Meisterbüro, einfache Zeitschaltung der Außenbeleuchtung, Wunsch nach Anzeige offener Tore. → Kleinsteuerung wie LOGO! oder Easy. 16 E/A für Endlagen, ein paar Ausgänge für Antriebe und Lampe, ein kleines Display. Eine SPS wäre überdimensioniert, eine reine Schützsteuerung würde an Bedienkomfort und Statusanzeige scheitern.

Praxisbeispiel 4 — Erweiterung einer 20 Jahre alten Schützsteuerung um eine zusätzliche Verriegelung. Die Anlage läuft tadellos, der Schaltplan ist aktuell, eine einzige Funktion soll hinzukommen. → Ergänzung um ein Hilfsschütz oder Relais innerhalb der bestehenden VPS. Ein Umbau auf SPS wäre wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen — die kleine Erweiterung passt in die bestehende Logik hinein.

Eine kleine Bewässerungsanlage mit Schwimmerschalter, einer Pumpe und einem Ein-/Aus-Schalter soll gebaut werden — keine geplanten Erweiterungen. Welche Lösung ist in der Regel sinnvoll?

  • a) Schützsteuerung oder direkte Relaislösung
  • b) Servosteuerung mit Bussystem
  • c) Kleinsteuerung mit HMI-Display und Datenarchivierung
  • d) Mittelklasse-SPS mit Sicherheits-SPS

Richtig: a)

Bei zwei bis drei Funktionen ohne Erweiterungswunsch ist die klassische Lösung am wirtschaftlichsten. Servosteuerungen sind für Pumpenanwendungen unpassend, eine Kleinsteuerung mit Display ist überdimensioniert, eine Mittelklasse-SPS mit Sicherheitstechnik komplett übertrieben.

Eine Verpackungsmaschine soll mehrere Produktgrößen verarbeiten, die per Knopfdruck umgeschaltet werden. Welche Steuerungslösung ist hier typisch?

  • a) Reine Schützsteuerung ohne Erweiterungen
  • b) Klassische Wendeschützschaltung
  • c) Hybride Lösung aus Schützen und einem zusätzlichen Zeitrelais
  • d) SPS mit Programm pro Produktgröße und Bedienpanel

Richtig: d)

Mehrere Produktrezepte mit unterschiedlichen Ablaufzeiten und Bedienoberfläche sind in Hardware praktisch nicht sinnvoll abbildbar. Die SPS speichert die Rezepte als Datensätze und bedient sie über das Panel — genau ihre Domäne.

Eine bestehende klassische Schützsteuerung läuft seit 20 Jahren störungsfrei. Der Kunde möchte sie nun lediglich um eine einzige Verriegelung erweitern. Was ist meist die wirtschaftlichste Variante?

  • a) Komplettumbau auf SPS mit Visualisierung
  • b) Ergänzung um ein einzelnes zusätzliches Hilfsschütz oder Relais innerhalb der vorhandenen VPS
  • c) Parallelbetrieb mit einer zweiten Schützsteuerung
  • d) Stilllegung und Neubau mit Sicherheits-SPS

Richtig: b)

Für eine einzelne kleine Erweiterung ist der Eingriff in die bestehende Verdrahtung sauber, schnell und günstig. Ein Komplettumbau oder Neubau wäre unwirtschaftlich, ein paralleler Steuerungskreis schafft Schnittstellen, die unnötige Fehlerquellen erzeugen.

Abschlusstest

Frage 1: Bei einem ganz einfachen Maschinenneubau in der österreichischen Werkstatt mit insgesamt drei Tastern und einem Schütz fällt die Entscheidung gegen eine SPS. Welche Begründung ist am tragfähigsten?

  • a) ) SPSen sind in Österreich nur in Großanlagen zugelassen
  • b) Bei sehr wenigen Funktionen ist die VPS-Lösung kostengünstiger und ausreichend robust
  • c) Eine SPS kann nur 24 V DC schalten
  • d) Schütze sind EMV-empfindlicher als SPS-Module

Richtig: b)

Bei drei E/A verteilt sich der SPS-Sockelpreis schlecht — die VPS ist günstiger und ausreichend. Zulassungsbeschränkungen gibt es nicht, eine SPS schaltet über ihre Ausgänge auch 230 V, und Schütze sind elektromechanisch deutlich unempfindlicher gegen Störungen.

Frage 2: Welcher der folgenden Punkte ist KEIN typischer Vorteil einer SPS gegenüber einer klassischen Schützsteuerung?

  • a) Einfache Anpassung der Funktion per Software
  • b) Erweiterte Diagnosefunktionen
  • c) Bessere Kommunikationsanbindung
  • d) Reaktionszeit grundsätzlich kürzer als bei einem Hilfsrelais

Richtig: d)

Bei der Reaktionszeit hat die SPS einen prinzipiellen Nachteil — die Zykluszeit begrenzt sie nach unten. Ein Hilfsrelais reagiert hardwareseitig in wenigen Millisekunden, eine Standard-SPS oft langsamer. Die anderen Punkte sind klassische SPS-Vorteile.

Frage 3: Welche Aussage zur Zykluszeit ist richtig?

  • a) Sie spielt nur bei klassischen Schützsteuerungen eine Rolle
  • b) Sie ist immer länger als eine Sekunde
  • c) Sie kann bei sehr kurzen Eingangsimpulsen zu nicht erkannten Signalen führen
  • d) Sie ist bei allen SPS-Modellen identisch

Richtig: c)

Genau hier liegt das praktische Risiko: Ein Eingangsimpuls, der kürzer ist als die Zykluszeit, kann zwischen zwei Abtastungen liegen und übersehen werden. Die Zykluszeit gehört zur SPS, nicht zur VPS, liegt im Millisekundenbereich und ist je nach Modell und Programm sehr unterschiedlich.

Frage 4: Ein Anlagenbauer plant eine Steuerung, bei der in den nächsten Jahren mehrfach mit zusätzlichen Funktionen, Schnittstellen und Sensoren gerechnet wird. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Eine SPS bietet hier in der Regel die deutlich flexiblere Plattform
  • b) Eine reine Schützsteuerung ist hier zwingend besser
  • c) Erweiterungen sind grundsätzlich nur mit Hilfsrelais möglich
  • d) Solche Anlagen sind nach ÖNORM unzulässig

Richtig: a)

Bei absehbarem Wachstum spielt die SPS ihre Stärke aus: zusätzliche Funktionen meist über Software, weitere Sensoren über Reserveklemmen, Schnittstellen oft schon vorhanden. Eine reine VPS würde mit jeder Erweiterung umverdrahtet, die anderen Aussagen sind sachlich falsch.

Frage 5: Was beschreibt eine Mischlösung in der Praxis am ehesten?

  • a) Reine Mechanikbauteile ohne elektrische Komponenten
  • b) Lastkreise mit Schützen, Steuerlogik mit SPS oder Logikrelais
  • c) Zwei voneinander unabhängige Schützsteuerungen
  • d) Eine SPS, die ihre Eingänge selbst speist

Richtig: b)

Die typische Aufgabenteilung in modernen Schaltschränken: Schütze für die Last, programmierbare Geräte für die Logik. So kombiniert man Robustheit und Flexibilität.

Frage 6: Welcher Punkt ist beim Vergleich der Lebenszykluskosten besonders entscheidend?

  • a) Ausschließlich der Einkaufspreis der Komponenten
  • b) Die Anzahl der Schrauben im Schaltschrank
  • c) Die Inbetriebnahme-, Anpassungs- und Diagnosekosten über die gesamte Lebensdauer
  • d) Der Wechsel des Lieferanten alle zwei Jahre

Richtig: c)

Der reine Einkaufspreis greift zu kurz — die laufenden Aufwände für Änderungen, Diagnose und Schulung über die Lebenszeit machen häufig den größten Anteil der Gesamtkosten aus. Genau hier punktet die SPS oft trotz höherer Anschaffung.

Frage 7: Warum kann eine SPS in einer extrem rauen Umgebung mit starken Spannungsspitzen riskanter sein als eine robuste Schützsteuerung?

  • a) Schütze sind grundsätzlich gegen Spannungsspitzen immun
  • b) Elektronische Bauteile sind in der Regel EMV-empfindlicher als rein elektromechanische
  • c) Schütze benötigen keine Spannungsversorgung
  • d) SPSen dürfen nicht über 20 °C betrieben werden

Richtig: b)

Elektronik reagiert empfindlicher auf Störungen, Transienten und elektromagnetische Einkopplungen als Spulen und Kontakte. Schütze sind nicht „immun“, aber durch ihre Bauweise toleranter. Versorgung brauchen beide, Temperaturgrenzen liegen weit über 20 °C.

Frage 8: Welches Merkmal ist typisch für Logikrelais wie LOGO! oder Easy?

  • a) Sie sind reine Hilfsschütze ohne Programmierfähigkeit
  • b) Sie haben weder Eingänge noch Ausgänge
  • c) Sie sind ausschließlich für Sicherheitstechnik zugelassen
  • d) Sie verbinden geringe Kosten mit einfacher Programmierbarkeit und sind ein Mittelweg

Richtig: d)

Genau das macht ihren Erfolg aus: günstig, schnell programmiert, oft direkt am Gerätedisplay, mit moderatem Funktionsumfang. Die anderen Aussagen widersprechen dem Wesen dieser Geräte.

Frage 9: In welcher Situation würdest du am ehesten eine klassische Schützsteuerung beibehalten?

  • a) Bei einer komplexen Verpackungsmaschine mit 12 Programmen
  • b) Bei einer bestehenden, gut funktionierenden Anlage mit minimaler Einzeländerung
  • c) Bei Anlagen mit hoher Diagnoseanforderung über Feldbus
  • d) Bei Anlagen mit kontinuierlicher Datenaufzeichnung

Richtig: b)

„Never change a running system“ gilt auch hier: Für eine einzige Erweiterung lohnt sich ein Umbau praktisch nie. Bei komplexen Programmen, Feldbus-Diagnose oder Datenaufzeichnung führt der Weg eindeutig zur SPS.

Frage 10: Welche Aussage zur Verarbeitung von Eingangssignalen ist korrekt?

  • a) Eine VPS reagiert auf Eingangssignale nahezu verzögerungsfrei in Hardware
  • b) Eine SPS reagiert prinzipiell schneller als jede Hardware-Lösung
  • c) Schütze reagieren erst nach dem Programmzyklus
  • d) Eine SPS reagiert ereignisgesteuert ohne jeden Zyklus

Richtig: a)

Die VPS ist elektromechanisch unmittelbar — der Eingang löst die Reaktion direkt aus. Die SPS arbeitet zyklisch und braucht mindestens eine Zykluszeit zur Reaktion; sie ist deshalb nicht prinzipiell schneller als Hardware. Schütze haben keinen Programmzyklus, und ereignisgesteuerte SPS-Architekturen sind die Ausnahme, nicht die Regel.

Glossar

Verbindungsprogrammierte Steuerung (VPS)
Steuerung, deren Funktion durch die physikalische Verdrahtung der Bauteile festgelegt ist. Klassische Schützsteuerungen sind das wichtigste Beispiel.
Speicherprogrammierte Steuerung (SPS)
Steuerung, deren Funktion in einem austauschbaren Programm liegt und auf universeller Hardware ausgeführt wird.
EVA-Prinzip
Dreistufiger Programmablauf einer SPS aus Eingabe (Eingänge einlesen), Verarbeitung (Programm durchlaufen) und Ausgabe (Ausgänge setzen). Wird zyklisch wiederholt.
Zykluszeit
Dauer eines kompletten EVA-Durchlaufs. Sie ist die untere Grenze für die Reaktionszeit einer SPS auf ein Eingangssignal.
Hardwarelogik
Logische Funktion, die durch die feste Verdrahtung von Bauteilen entsteht. Änderungen erfordern einen Eingriff in die Verdrahtung.
Softwarelogik
Logische Funktion, die durch ein Programm festgelegt wird. Änderungen erfordern eine Anpassung des Programms, nicht der Verdrahtung.
Logikrelais / Kleinsteuerung
Kompakte, programmierbare Steuerung mit reduziertem Funktionsumfang. Wirtschaftlicher Mittelweg zwischen klassischer Schützsteuerung und vollwertiger SPS.
Hybride Steuerung
Kombination aus klassischer Schaltung im Lastkreis (Schütze für die Motoren) und programmierbarer Steuerung im Steuerstromkreis. Heute der häufigste Aufbau in industriellen Schaltschränken.
Diagnosefähigkeit
Eigenschaft einer Steuerung, ihren eigenen Zustand sowie Eingangs- und Ausgangswerte zur Auswertung bereitzustellen — direkt am Gerät, am Bedienpanel oder über eine Schnittstelle nach außen.

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