HMI / Visualisierung – Übersicht

Eine Maschine kann noch so gut programmiert sein – irgendwann muss ein Mensch sie bedienen, ihren Zustand ablesen und im Störungsfall eingreifen. Genau dafür gibt es das HMI. Der Begriff steht für Human-Machine-Interface, zu Deutsch die Mensch-Maschine-Schnittstelle. In der Praxis meint man damit meistens ein Bedienpanel mit Touchscreen, das vorne am Schaltschrank oder direkt an der Maschine sitzt.

Dieser Beitrag zeigt dir, was ein HMI ausmacht, welche Bauformen es gibt, wie das Panel an die Steuerung angebunden wird und worauf es bei einer brauchbaren Visualisierung ankommt. Am Ende weißt du, wie ein HMI-Projekt von der Auswahl der Hardware bis zur Inbetriebnahme grundsätzlich abläuft.

Vorwissen

  • Was ist eine SPS? – Aufbau und Funktionsweise
  • Adressierung von Eingängen, Ausgängen und Merkern
  • Analoge und digitale Signale

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, was ein HMI ist und wie es sich vom klassischen Bedienpult unterscheidet
  • die wichtigsten HMI-Bauformen benennen und nach praktischen Kriterien auswählen
  • den Datenfluss zwischen Prozess, SPS und Bedienpanel beschreiben
  • die Grundregeln für einen übersichtlichen Bildaufbau anwenden
  • Betriebs- und Störmeldungen unterscheiden und das Prinzip der Schwellenwertüberwachung erklären
  • die typischen Schritte und Fehlerquellen bei der Inbetriebnahme eines HMI einordnen

1. Was ist ein HMI?

Früher bestand die Bedienung einer Maschine aus einer Reihe fest verdrahteter Elemente: ein grüner Taster zum Starten, ein roter zum Stoppen, ein paar Meldeleuchten, vielleicht ein Wahlschalter für Hand- und Automatikbetrieb. Jeder dieser Bedienteile war einzeln verkabelt und mit der Steuerung verbunden. Wollte man eine zusätzliche Anzeige, musste man eine weitere Leuchte einbauen und ein Kabel ziehen.

Ein HMI, das Human-Machine-Interface, ersetzt dieses fest verdrahtete Pult durch einen Bildschirm. Statt physischer Taster und Leuchten gibt es jetzt Bedien- und Anzeigeobjekte auf dem Display, die per Software mit der Steuerung verknüpft sind. Eine neue Anzeige bedeutet keine neue Verkabelung mehr, sondern nur ein zusätzliches Objekt im Projekt.

Die Aufgabe eines HMI lässt sich auf zwei Wörter bringen: bedienen und beobachten. Bedienen heißt, dem Prozess Befehle geben – starten, stoppen, Sollwerte vorgeben, Betriebsart wählen. Beobachten heißt, den aktuellen Zustand sehen – läuft der Motor, wie hoch ist der Druck, gibt es eine Störung.

Ein HMI ist dabei nicht dasselbe wie ein SCADA-System. SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) überwacht und steuert ganze Anlagen oder sogar mehrere Standorte zentral von einem Leitstand aus und sammelt langfristig Prozessdaten. Ein HMI sitzt dagegen direkt an einer Maschine oder einem Anlagenteil und bedient genau diesen Bereich. SCADA ist ein eigenes, großes Feld und nicht Thema dieses Beitrags.

Eine bestehende Maschine wird von einem fest verdrahteten Tastenpult auf ein Touchpanel umgerüstet. Welcher Vorteil ergibt sich für spätere Änderungen am Bedienkonzept?

  • a) Zusätzliche Anzeigen erfordern nur eine Software-Anpassung statt neuer Verdrahtung
  • b) Die SPS kann durch das Touchpanel ersetzt werden
  • c) Die Maschine benötigt keine Sicherheitseinrichtungen mehr
  • d) Der Energieverbrauch der Steuerung sinkt deutlich

Richtig: a)

Der zentrale Vorteil eines HMI liegt darin, dass Bedien- und Anzeigeobjekte in Software liegen. Eine neue Anzeige ist ein neues Objekt im Projekt, keine zusätzliche Leuchte mit Kabel. b ist falsch, weil das HMI die SPS nicht ersetzt – die Steuerungslogik bleibt in der SPS. c ist falsch, weil Sicherheitseinrichtungen unabhängig vom Bedienkonzept zwingend bleiben. d ist sachlich nicht der relevante Punkt und auch nicht zutreffend.

Worin unterscheidet sich ein HMI grundsätzlich von einem SCADA-System?

  • a) Ein HMI verarbeitet ausschließlich digitale, SCADA nur analoge Signale
  • b) SCADA is eine ältere Technik, die heute nicht mehr eingesetzt wird
  • c) Ein HMI braucht keine Verbindung zur SPS, SCADA schon
  • d) Ein HMI bedient lokal eine Maschine, SCADA überwacht und steuert ganze Anlagen zentral

Richtig: d)

Der Unterschied liegt im Einsatzbereich: HMI lokal an der Maschine, SCADA übergeordnet für ganze Anlagen samt Datenarchivierung. a ist falsch, beide verarbeiten digitale und analoge Werte. b ist falsch, SCADA ist aktueller Stand der Leittechnik. c ist falsch, ein HMI braucht zwingend eine Verbindung zur Steuerung.

2. HMI-Hardware: Bauformen und Auswahl

HMI-Geräte gibt es in mehreren Bauformen, die sich nach Bedienart, Größe und Robustheit unterscheiden.

Das Tastenpanel hat physische Tasten rund um oder unter dem Display. Es eignet sich dort, wo mit Handschuhen bedient wird oder ein klarer Druckpunkt gewünscht ist. Das Touchpanel verzichtet auf physische Tasten und wird komplett über den Bildschirm bedient. Hier unterscheidet man zwei Technologien: resistive Touchscreens reagieren auf Druck und funktionieren auch mit Handschuh oder Stift, lösen aber gröber auf. Kapazitive Touchscreens reagieren auf die Berührung der Fingerhaut, bieten Gesten wie Wischen und Zoomen, brauchen aber meist die bloße Hand oder spezielle Handschuhe.

Für größere Anwendungen kommt der Industrie-PC zum Einsatz – ein robuster Rechner mit Monitor, auf dem eine vollwertige Visualisierungssoftware läuft. Er bietet mehr Rechenleistung und Bildschirmfläche als ein kompaktes Panel.

Bei der Auswahl spielen mehrere praktische Kriterien zusammen:

Kriterium Worauf es ankommt
Displaygröße Genug Platz für alle nötigen Objekte, ohne dass es unübersichtlich wird
Schutzart (IP) Front meist hoch (Spritzwasser, Reinigung), Rückseite je nach Einbau im Schaltschrank
Bedienart Touch oder Tasten, abhängig von Handschuhpflicht und Umgebung
Umgebung Temperaturbereich, Vibration, Staub, Reinigungsmittel
Rechenleistung Reicht ein Panel oder braucht es einen Industrie-PC

Die Schutzart (IP) beschreibt, wie gut ein Gehäuse gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Sie wird mit dem Kürzel IP und zwei Ziffern angegeben – die erste für Fremdkörper und Staub, die zweite für Wasser. An der Front eines Panels ist eine hohe Schutzart wichtig, weil dort gereinigt wird; die Rückseite sitzt geschützt im Schaltschrank.

In einer Produktion müssen Bediener durchgehend dicke Schutzhandschuhe tragen. Welche Touch-Technologie ist hier am ehesten geeignet?

  • a) Resistiver Touchscreen, weil er auf Druck reagiert
  • b) Kapazitiver Touchscreen, weil er Gesten unterstützt
  • c) Beide sind ohne Einschränkung gleich gut geeignet
  • d) Touchscreens sind hier grundsätzlich unbrauchbar, nur Tasten gehen

Richtig: a)

Resistive Touchscreens werten Druck aus und funktionieren daher auch mit dicken Handschuhen zuverlässig. b ist falsch, weil Standard-kapazitive Screens die Fingerhaut benötigen und mit dicken Handschuhen oft nicht auslösen. c ist falsch wegen genau dieses Unterschieds. d ist zu absolut – ein resistives Touchpanel ist eine gangbare Lösung, auch wenn ein Tastenpanel ebenfalls möglich wäre.

Ein Panel wird in die Tür eines Schaltschranks in einer feuchten Waschhalle eingebaut. Warum muss vor allem die Frontseite eine hohe Schutzart aufweisen?

  • a) Weil die Rückseite wärmer wird als die Front
  • b) Weil die Schutzart nur für die Vorderseite definiert ist
  • c) Weil die Front die gesamte Elektronik enthält und die Rückseite leer ist
  • d) Weil die Front der Umgebung mit Feuchtigkeit und Reinigung ausgesetzt ist, die Rückseite im Schrank geschützt liegt

Richtig: d)

Die Front zeigt in die Umgebung und ist dort Feuchtigkeit, Spritzwasser und Reinigung ausgesetzt, während die Rückseite im geschlossenen Schrank sitzt. a ist nicht der maßgebliche Grund. b ist falsch, Schutzart gilt für das ganze Gehäuse, wird aber für Front und Rückseite oft getrennt angegeben. c ist technisch unsinnig.

3. Verbindung HMI ↔ SPS: Variablen und Kommunikation

Ein HMI zeigt von sich aus gar nichts an – es hat keine eigene Prozesslogik. Alle Werte, die auf dem Bildschirm erscheinen, kommen aus der SPS. Und jeder Tastendruck auf dem Panel landet als Wert in der SPS. Das HMI ist also ein Fenster auf die Daten der Steuerung.

Damit das funktioniert, wird jedes Objekt auf dem Bildschirm mit einer Variablen in der SPS verknüpft. Solche Variablen heißen oft Tags. Eine Statusleuchte für „Motor läuft“ wird zum Beispiel mit einem Ausgang oder einem Merker der SPS verbunden. Ein Eingabefeld für den Soll-Druck schreibt seinen Wert in einen Datenbaustein. Diese Verknüpfung kann in zwei Richtungen gehen:

  • Lesen: Das HMI holt einen Wert aus der SPS und zeigt ihn an (z. B. aktuelle Temperatur).
  • Schreiben: Das HMI gibt einen Wert in die SPS (z. B. neuer Sollwert, Start-Befehl).

Die Anbindung der Variablen bezieht sich auf die übliche Struktur einer Steuerung aus Eingängen, Ausgängen, Merkern und Datenbausteinen. Wie diese intern adressiert werden, ist ein eigenes Thema – hier reicht das Verständnis, dass jedes Bildschirmobjekt auf genau eine solche Adresse zeigt.

Physikalisch hängt das Panel über ein Bussystem oder ein Netzwerk an der SPS. Gängig sind heute Ethernet-basierte Industrienetze wie Profinet, daneben ältere Feldbusse wie Profibus. Über dieses Netz tauschen HMI und SPS laufend Werte aus. Fällt die Verbindung aus, zeigt das Panel keine aktuellen Werte mehr – ein häufiger Fehlerfall, auf den wir in Kapitel 6 zurückkommen.

Das folgende Blockschema zeigt den Datenfluss von links nach rechts: Der physische Prozess liefert Signale an die SPS, die SPS verarbeitet sie und tauscht über das Netzwerk Werte mit dem HMI aus.

Prozess Motor, Ventil, Sensor SPS Steuerungslogik Netzwerk Profinet HMI Bedienpanel Signale Werte lesen und schreiben Lesen: Prozesswerte zum HMI Schreiben: Befehle vom HMI zur SPS

Auf einem Panel wird ein neuer Drehzahl-Sollwert eingegeben, die Maschine übernimmt ihn aber nicht. Die Verbindung ist nachweislich aktiv. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Das Eingabefeld ist mit einer anderen SPS-Adresse verknüpft als die ausgewertete Variable
  • b) Das Panel ist zu klein für den Wertebereich
  • c) Die SPS kann keine Sollwerte verarbeiten
  • d) Das HMI muss den Wert erst selbst berechnen

Richtig: a)

Wenn die Verbindung steht, der Wert aber nicht wirkt, schreibt das Eingabefeld typischerweise auf eine falsche Adresse. b ist unsinnig. c ist falsch, Sollwertverarbeitung ist Standardaufgabe der SPS. d ist falsch, das HMI rechnet nicht selbst, es gibt den Wert nur weiter.

Was passiert mit der Anzeige eines HMI, wenn die Netzwerkverbindung zur SPS abreißt?

  • a) Das HMI übernimmt automatisch die Steuerung der Maschine
  • b) Das HMI zeigt weiter die zuletzt gültigen Werte und gilt als aktuell
  • c) Das HMI kann keine aktuellen Prozesswerte mehr anzeigen und meldet in der Regel einen Kommunikationsfehler
  • d) Die SPS stoppt sofort jede Verarbeitung

Richtig: c)

Ohne Verbindung erhält das HMI keine frischen Werte mehr und signalisiert den Kommunikationsausfall. a ist falsch, das HMI steuert nicht. b ist gefährlich falsch, weil veraltete Werte nicht als aktuell gelten dürfen. d ist falsch, die SPS arbeitet unabhängig vom Panel weiter.

4. Bildaufbau und Bedienoberfläche gestalten

Ein HMI is nur so gut wie seine Bedienoberfläche. Eine überladene, unlogisch aufgebaute Visualisierung kostet im Störungsfall wertvolle Sekunden, weil der Bediener erst suchen muss.

Sinnvoll ist eine Bildhierarchie. Das Startbild oder Übersichtsbild zeigt den Gesamtzustand der Anlage auf einen Blick. Von dort gelangt man über Navigation zu Detailbildern für einzelne Anlagenteile. So bekommt der Bediener erst den Überblick und kann dann gezielt ins Detail gehen, statt alles auf einem überfrachteten Bild zu sehen.

Die typischen Objekte auf einem HMI-Bild sind:

  • Schaltflächen für Befehle wie Start, Stopp, Quittieren
  • Anzeigefelder für Zahlenwerte wie Temperatur oder Stückzahl
  • Balken und Zeiger für analoge Größen, die sich laufend ändern
  • Symbole für Anlagenteile wie Motoren, Ventile, Behälter
  • Statusleuchten für Ein/Aus-Zustände

Bei der Gestaltung gelten ein paar Grundregeln, die sich in der Praxis bewährt haben. Die Oberfläche sollte über alle Bilder hinweg konsistent sein: gleiche Funktion an gleicher Stelle, gleiche Farbe für gleiche Bedeutung. Die Schrift muss aus normalem Bedienabstand lesbar sein. Zusammengehörige Elemente werden räumlich gruppiert, damit das Auge sie als Einheit erfasst. Und es gilt: weniger ist mehr – nur anzeigen, was der Bediener in dieser Situation wirklich braucht.

Warum ist eine Bildhierarchie mit Übersichts- und Detailbildern einem einzigen großen Bild mit allen Informationen vorzuziehen?

  • a) Weil ein einzelnes Bild technisch nicht darstellbar ist
  • b) Weil der Bediener erst den Gesamtüberblick erhält und dann gezielt ins Detail navigieren kann
  • c) Weil Detailbilder weniger Rechenleistung brauchen
  • d) Weil un Übersichtsbild keine Variablen benötigt

Richtig: b)

Die Hierarchie entspricht der Arbeitsweise des Bedieners: zuerst Überblick, dann gezielt Detail. a ist falsch, ein großes Bild wäre technisch machbar, nur unübersichtlich. c ist kein gestalterischer Grund. d ist falsch, auch Übersichtsbilder zeigen Variablen.

Auf einer Anlage findet man die Quittiertaste in jedem Bild an einer anderen Stelle. Welcher Gestaltungsgrundsatz wird verletzt?

  • a) Die Lesbarkeit der Schrift
  • b) Die Schutzart der Front
  • c) Die Konsistenz der Bedienoberfläche
  • d) Die Bildhierarchie

Richtig: c)

Gleiche Funktion gehört an gleiche Stelle – das ist der Grundsatz der Konsistenz, der hier verletzt wird. a betrifft die Schriftgröße, nicht die Position. b ist Hardware und hat mit der Oberfläche nichts zu tun. d betrifft die Abstufung von Bildern, nicht die Position einzelner Tasten.

5. Meldungen, Alarme und Bediensicherheit

Neben dem laufenden Anzeigen von Werten ist die Meldeverwaltung eine Kernaufgabe jedes HMI. Hier unterscheidet man grundsätzlich zwei Arten:

  • Betriebsmeldungen informieren über den normalen Ablauf: „Charge fertig“, „Tür geöffnet“, „Handbetrieb aktiv“. Sie sind keine Störung, sondern Status.
  • Störmeldungen weisen auf einen Fehler hin, der ein Eingreifen verlangt: „Motorschutz ausgelöst“, „Druck zu hoch“, „Sensor defekt“.

Ein zentraler Mechanismus ist die Schwellenwertüberwachung von Analogwerten. Das HMI – oder die SPS, die dem HMI den Status liefert – vergleicht einen laufenden Messwert wie Temperatur oder Druck mit festgelegten Grenzwerten. Wird ein Grenzwert überschritten, ändert sich die Darstellung: Ein Anzeigefeld wechselt die Farbe, ein Balken läuft in den roten Bereich, oder es wird eine Alarmmeldung ausgelöst. So erkennt der Bediener eine kritische Entwicklung, bevor sie zum Schaden führt. Die Grenzwerte werden bei der Projektierung festgelegt, oft mehrstufig – etwa eine Vorwarnung und ein echter Alarm bei einem höheren Wert.

Störmeldungen müssen quittiert werden. Quittieren heißt: Der Bediener bestätigt, dass er die Meldung zur Kenntnis genommen hat. Erst dann verschwindet sie aus der aktiven Anzeige, bleibt aber im Meldearchiv gespeichert. Diese Historie ist wichtig für die Fehlersuche – man sieht, welche Störung wann aufgetreten ist und wie oft.

Damit nicht jeder alles verstellen kann, gibt es eine Benutzerverwaltung mit Zugriffsrechten. Ein einfacher Bediener darf starten, stoppen und quittieren. Sollwerte oder Maschinenparameter ändern dürfen nur Personen mit höherer Berechtigung, etwa aus der Instandhaltung. So verhindert man Fehlbedienungen und unbefugte Eingriffe.

Bei den Meldefarben gilt das Prinzip aus der Bedienpraxis: Rot signalisiert Gefahr oder Störung, Gelb eine Warnung oder einen Zustand, der Aufmerksamkeit erfordert, Grün den sicheren Normalbetrieb. Diese Bedeutungen sollten über die ganze Anlage einheitlich verwendet werden, damit eine Farbe immer dasselbe heißt.

Eine klare Grenze gibt es beim Not-Halt: Die Not-Halt-Funktion darf niemals über eine Schaltfläche auf dem Touchpanel laufen. Not-Halt muss ein fest verdrahteter, mechanischer Taster sein, der unabhängig von Software und Panel wirkt. Das HMI darf einen Not-Halt-Zustand höchstens anzeigen, aber nicht auslösen oder aufheben. Die Sicherheitsanforderungen dazu sind ein eigens Thema.

Eine Analoggröße „Kesseldruck“ soll am HMI überwacht werden. Bei 6 bar soll eine Warnung, bei 8 bar ein Alarm erscheinen. Wie wird das umgesetzt?

  • a) Durch zwei fest verdrahtete Meldeleuchten am Schaltschrank
  • b) Durch Umschalten des Panels in den Handbetrieb
  • c) Durch eine mehrstufige Schwellenwertüberwachung, die den Messwert mit den projektierten Grenzwerten vergleicht
  • d) Indem der Bediener den Druck regelmäßig manuell abliest

Richtig: c)

Genau dafür gibt es die mehrstufige Schwellenwertüberwachung – der laufende Messwert wird mit den festgelegten Grenzen vergleicht und löst gestuft Warnung und Alarm aus. a widerspricht dem Sinn eines HMI mit projektierten Grenzwerten. b hat damit nichts zu tun. d ist gerade das, was die Überwachung überflüssig machen soll.

Warum darf die Not-Halt-Funktion nicht als Schaltfläche auf dem Touchpanel realisiert werden?

  • a) Weil Touchpanels keine roten Flächen darstellen können
  • b) Weil die Not-Halt-Funktion unabhängig von Software und Panelverfügbarkeit sicher wirken muss
  • c) Weil ein Touch-Not-Halt zu teuer wäre
  • d) Weil der Bediener die Schaltfläche nicht findet

Richtig: b)

Not-Halt muss auch dann funktionieren, wenn Software hängt oder das Panel ausfällt – deshalb fest verdrahtet und mechanisch. a ist technisch unsinnig. c ist nicht der Grund. d ist nicht das maßgebliche Sicherheitsargument.

Wozu dient das Meldearchiv eines HMI?

  • a) Es ersetzt die Benutzerverwaltung
  • b) Es löscht quittierte Störungen endgültig aus dem System
  • c) Es steuert den Programmablauf der SPS
  • d) Es speichert aufgetretene Meldungen mit Zeitstempel und unterstützt so die spätere Fehlersuche

Richtig: d)

Das Archiv hält die Meldehistorie fest, sodass man später nachvollziehen kann, welche Störung wann aufgetreten ist. a ist eine andere Funktion. b ist falsch, das Archiv bewahrt die Meldungen ja gerade auf. c ist Aufgabe der SPS-Logik, nicht des Archivs.

6. HMI in der Praxis: Inbetriebnahme und Fehlersuche

Ein HMI-Projekt entsteht am Rechner mit einer Engineering-Software des jeweiligen Herstellers. Dort werden die Bilder gezeichnet, die Objekte angelegt und mit den SPS-Variablen verknüpft. Anschließend wird das fertige Projekt auf das Panel übertragen. Erst auf dem Panel und im Zusammenspiel mit der echten SPS zeigt sich, ob alles passt.

Bei der Inbetriebnahme treten typische Fehler immer wieder auf:

  • Falsche Variablenverknüpfung: Ein Objekt zeigt auf die falsche Adresse. Die Anzeige bleibt leer, zeigt einen falschen Wert oder ein Befehl wirkt nicht – wie in Kapitel 3 beschrieben.
  • Kommunikationsabbruch: Das Panel erreicht die SPS nicht. Ursachen sind ein falsch gesteckter Stecker, eine falsche Netzwerkadresse oder ein Verkabelungsfehler.
  • Adresskonflikt: Zwei Teilnehmer im Netz haben dieselbe Adresse, was die Kommunikation stört.

Steht alles, gehört eine Datensicherung zum Pflichtprogramm. Vom fertigen, getesteten Projekt wird ein Backup angelegt. Geht ein Panel kaputt, lässt sich das Ersatzgerät damit in kurzer Zeit auf denselben Stand bringen, statt die Visualisierung neu zu erstellen.

Für die laufende Wartung prüft man regelmäßig die Funktion von Touch und Anzeige, reinigt die Front fachgerecht und hält die Backups aktuell. Bei Erweiterungen der Maschine wird das HMI-Projekt entsprechend ergänzt und erneut gesichert.

Bei der Farbgestaltung von Meldungen und Zuständen empfiehlt es sich, die in Kapitel 5 genannten Bedeutungen – Rot für Störung, Gelb für Warnung, Grün für Normalbetrieb – über alle Anlagen eines Betriebs gleich zu halten. Das erleichtert das Bedienen für Personal, das zwischen mehreren Maschinen wechselt.

Nach dem Übertragen eines HMI-Projekts bleiben alle Anzeigefelder leer, obwohl die SPS läuft. Ein Verbindungstest zur SPS schlägt fehl. Womit beginnt die Fehlersuche sinnvollerweise?

  • a) Mit dem Neuzeichnen aller Bilder im Projekt
  • b) Mit dem Austausch der SPS
  • c) Mit dem Erhöhen der Displayhelligkeit
  • d) Mit der Prüfung von Netzwerkverkabelung und Netzwerkadressen des Panels

Richtig: d)

Wenn die Verbindung fehlschlägt, liegt das Problem auf der Kommunikationsebene – also zuerst Verkabelung und Adressen prüfen. a behandelt ein anderes Problem und ignoriert den fehlgeschlagenen Verbindungstest. b ist verfrüht und teuer. c ist sachfremd.

Warum ist ein Backup des fertigen HMI-Projekts in der Praxis so wichtig?

  • a) Weil das Panel ohne Backup nicht startet
  • b) Weil bei einem Paneldefekt das Ersatzgerät damit schnell auf denselben Stand gebracht werden kann
  • c) Weil das Backup die SPS-Logik ersetzt
  • d) Weil ohne Backup keine Meldungen archiviert werden

Richtig: b)

Das Backup erlaubt es, ein Ersatzpanel in kurzer Zeit identisch einzurichten, statt alles neu zu projektieren. a ist falsch, das Panel startet auch ohne externes Backup. c ist falsch, das HMI-Backup hat mit der SPS-Logik nichts zu tun. d verwechselt Backup mit Meldearchiv.

Abschlusstest

Welche Aussage beschreibt die Rolle eines HMI im Zusammenspiel mit der Steuerung korrekt?

  • a) Das HMI enthält die gesamte Steuerungslogik und die SPS dient nur als Stromversorgung
  • b) Das HMI dient dem Bedienen und Beobachten, die eigentliche Logik liegt in der SPS
  • c) HMI und SPS sind dasselbe Gerät unter zwei Namen
  • d) Das HMI arbeitet völlig unabhängig von der SPS

Richtig: b)

Das HMI ist die Bedien- und Beobachtungsebene, die Logik bleibt in der SPS. a kehrt die Rollen um. c ist falsch, es sind getrennte Geräte mit getrennten Aufgaben. d ist falsch, ohne SPS-Daten zeigt das HMI nichts an.

Ein Betrieb reinigt seine Maschinen täglich mit Hochdruckreiniger. Worauf ist bei der Auswahl des Panels besonders zu achten?

  • a) Auf eine möglichst niedrige Schutzart, um Kosten zu sparen
  • b) Auf eine möglichst kleine Displaygröße
  • c) Auf eine hohe Schutzart der Front und eine fugenarme Oberfläche
  • d) Auf den Verzicht jeglicher Statusleuchten

Richtig: c)

Bei nasser Reinigung muss die Front gegen Wasser geschützt und leicht zu reinigen sein. a wäre genau falsch herum. b und d haben mit der Reinigungsanforderung nichts zu tun.

Ein resistiver und ein kapazitiver Touchscreen stehen zur Wahl. In welchem Fall ist der resistive klar im Vorteil?

  • a) Wenn häufig Wischgesten und Zoomen gebraucht werden
  • b) Wenn eine besonders hohe Auflösung der Berührung gefordert ist
  • c) Wenn das Panel nie berührt, sondern nur abgelesen wird
  • d) Wenn durchgehend mit dicken Handschuhen bedient wird

Richtig: d)

Resistive Screens reagieren auf Druck und funktionieren mit dicken Handschuhen. a und b sprechen für kapazitive Screens. c macht die Touch-Technologie irrelevant.

Ein Bildschirmobjekt soll dem Bediener erlauben, einen Sollwert vorzugeben. Welche Verknüpfungsrichtung zur SPS liegt vor?

  • a) Schreibend, das HMI gibt den Wert in die SPS
  • b) Nur lesend, das HMI holt den Wert aus der SPS
  • c) Gar keine, der Sollwert bleibt nur im Panel
  • d) Das Objekt verknüpft sich mit dem Netzwerk statt mit der SPS

Richtig: a)

Eine Sollwertvorgabe schreibt einen Wert vom HMI in die SPS. b beschreibt das Anzeigen, nicht das Vorgeben. c wäre wirkungslos. d ist unsinnig, das Netzwerk ist nur der Übertragungsweg.

Welche Reihenfolge der Bildhierarchie ist sinnvoll gestaltet?

  • a) Nur ein einziges Bild mit sämtlichen Werten der Anlage
  • b) Detailbilder zuerst, ein Übersichtsbild gibt es nicht
  • c) Zufällige Anordnung, der Bediener sucht sich das passende Bild
  • d) Ein Übersichtsbild als Einstieg, von dort Navigation zu Detailbildern

Richtig: d)

Erst Überblick, dann Detail – das entspricht der Arbeitsweise und hält die Bilder übersichtlich. a überfrachtet. b nimmt dem Bediener den Gesamtüberblick. c ist keine Gestaltung.

Über alle Bilder hinweg liegt die Start-Schaltfläche mal links oben, mal rechts unten, mal in der Mitte. Welches Problem entsteht dadurch?

  • a) Erhöhte Gefahr von Fehlbedienung, weil die Konsistenz fehlt
  • b) Die Schutzart sinkt
  • c) Das Panel verbraucht mehr Strom
  • d) Die SPS verliert die Verbindung

Richtig: a)

Uneinheitliche Positionen führen zu Suchen und Fehlgriffen – Verletzung der Konsistenz. b, c und d haben mit der Anordnung von Bedienobjekten nichts zu tun.

Eine Temperatur wird am HMI überwacht. Bei 70 °C soll eine gelbe Warnung, bei 85 °C ein roter Alarm erscheinen. Welche Funktion setzt das um?

  • a) Die Benutzerverwaltung
  • b) Das Meldearchiv
  • c) Die mehrstufige Schwellenwertüberwachung von Analogwerten
  • d) Die Datensicherung

Richtig: c)

Gestufte Grenzwerte mit Farbwechsel und Alarm sind genau die Schwellenwertüberwachung. a regelt Zugriffsrechte. b speichert Meldungen. d sichert das Projekt.

Eine Störmeldung wurde quittiert. Was geschieht mit ihr?

  • a) Sie wird sofort und endgültig gelöscht
  • b) Sie löst automatisch einen Not-Halt aus
  • c) Sie wird in eine Betriebsmeldung umgewandelt
  • d) Sie verschwindet aus der aktiven Anzeige, bleibt aber im Meldearchiv erhalten

Richtig: d)

Quittieren bestätigt die Kenntnisnahme; die Meldung geht aus der aktiven Liste, bleibt aber für die Historie im Archiv. a widerspricht dem Zweck des Archivs. b und c sind frei erfunden.

Warum trennt man auf einem HMI die Rechte von Bedienern und Instandhaltung über eine Benutzerverwaltung?

  • a) Damit nur berechtigte Personen Sollwerte und Parameter ändern können und Fehlbedienungen vermieden werden
  • b) Um die Displaygröße besser auszunutzen
  • c) Weil die SPS sonst nicht startet
  • d) Um die Netzwerkadresse zu vergeben

Richtig: a)

Zugriffsrechte verhindern, dass jeder kritische Parameter verstellt – Bedienen und Parametrieren werden getrennt. b, c und d haben mit Benutzerrechten nichts zu tun.

Nach dem Übertragen eines geänderten Projekts arbeitet das Panel einwandfrei. Welcher Schritt gehört unmittelbar danach zur guten Praxis?

  • a) Das Projekt vom Rechner löschen, um Platz zu schaffen
  • b) Ein aktuelles Backup des fertigen Projekts anlegen
  • c) Die SPS auf Werkseinstellung zurücksetzen
  • d) Alle Meldungen aus dem Archiv löschen

Richtig: b)

Nach erfolgreicher Inbetriebnahme sichert man den Stand, um bei einem Defekt schnell ein Ersatzgerät einrichten zu können. a ist riskant. c und d würden funktionierende Einstellungen und wichtige Historie zerstören.

Welche Funktion darf aus Sicherheitsgründen niemals über eine Touch-Schaltfläche des HMI realisiert werden?

  • a) Die Sollwertvorgabe
  • b) Das Quittieren von Meldungen
  • c) Die Not-Halt-Funktion
  • d) Die Bildnavigation

Richtig: c)

Not-Halt muss fest verdrahtet und unabhängig von Software wirken. a, b und d sind normale, zulässige HMI-Funktionen.

Bei der Inbetriebnahme zeigt ein Anzeigefeld dauerhaft einen falschen Wert, die Verbindung zur SPS steht aber. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Ein Adresskonflikt im Stromnetz
  • b) Eine zu hohe Displayhelligkeit
  • c) Eine falsche Variablenverknüpfung des Anzeigefelds
  • d) Ein leeres Meldearchiv

Richtig: c)

Steht die Verbindung, zeigt das Feld aber Falsches, ist es typischerweise mit der falschen Variablen verknüpft. a betrifft die Kommunikation insgesamt, nicht ein einzelnes Feld bei stehender Verbindung. b und d sind sachfremd.

Glossar

HMI (Human-Machine-Interface)
Die Mensch-Maschine-Schnittstelle, über die ein Bediener eine Maschine bedient und ihren Zustand beobachtet, meist als Touchpanel ausgeführt.
SCADA
Übergeordnetes System zur Überwachung und Steuerung ganzer Anlagen von einem Leitstand aus, inklusive langfristiger Datenerfassung; abzugrenzen vom lokal arbeitenden HMI.
Touchpanel
Bedienpanel, das vollständig über den berührungsempfindlichen Bildschirm bedient wird, ohne physische Tasten.
Resistiver Touchscreen
Berührungsbildschirm, der auf Druck reagiert und daher auch mit Handschuh oder Stift bedient werden kann.
Kapazitiver Touchscreen
Berührungsbildschirm, der auf die Berührung der Haut reagiert und Gesten wie Wischen und Zoomen erlaubt.
Schutzart (IP)
Kennzeichnung für den Schutz eines Gehäuses gegen Fremdkörper, Staub und Wasser, angegeben mit dem Kürzel IP und zwei Ziffern.
Variable (Tag)
Datenpunkt in der SPS, mit dem ein Bildschirmobjekt verknüpft wird, um Werte zu lesen oder zu schreiben.
Betriebsmeldung
Meldung über einen normalen Betriebszustand, die keine Störung darstellt.
Störmeldung
Meldung über einen Fehler, der ein Eingreifen des Bedieners verlangt und quittiert werden muss.
Schwellenwertüberwachung
Vergleich eines laufenden Analogwerts mit festgelegten Grenzwerten, bei deren Überschreitung ein Farbwechsel oder Alarm ausgelöst wird.
Quittieren
Bestätigen einer Meldung durch den Bediener, wodurch sie aus der aktiven Anzeige verschwindet, aber im Meldearchiv erhalten bleibt.
Meldearchiv
Gespeicherte Historie aufgetretener Meldungen mit Zeitstempel, Grundlage für die spätere Fehlersuche.
Benutzerverwaltung
Vergabe von Zugriffsrechten am HMI, die festlegt, welche Person welche Funktionen bedienen oder parametrieren darf.
Engineering-Software
Programm am Rechner, mit dem ein HMI-Projekt erstellt, die Bilder gezeichnet, Objekte mit Variablen verknüpft und auf das Panel übertragen werden.
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