Zeitfunktionen in der SPS: TON, TOF und TP
Eine SPS arbeitet stur im Takt. Sie liest die Eingänge, rechnet das Programm einmal durch, schreibt die Ausgänge — und fängt von vorne an. Von sich aus hat sie kein Gefühl für Zeit. Trotzdem braucht fast jede Anlage irgendwann eine Verzögerung: Ein Motor soll erst anlaufen, wenn die Schmierpumpe schon ein paar Sekunden läuft. Ein Lüfter soll nach dem Abschalten noch nachlaufen. Ein Ventil soll für genau eine Sekunde öffnen, egal wie lange der Taster gedrückt wird.
Genau dafür gibt es Zeitfunktionen — Software-Timer, die als fertige Bausteine im Programm aufgerufen werden. Drei davon decken den allergrößten Teil aller Aufgaben ab: TON, TOF und TP. Wer diese drei sicher beherrscht und ihre Ein- und Ausgänge versteht, löst praktisch jede Zeitaufgabe in der Steuerung.
Vorwissen
- Was ist eine SPS? – Aufbau und Funktionsweise
- Zyklischer Programmablauf (EVA-Prinzip)
- Grundlogik in KOP und FUP
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum eine SPS eigene Bausteine für Zeit braucht
- die Anschlüsse IN, PT, Q und ET eines Zeitbausteins benennen und ihre Funktion beschreiben
- das zeitliche Verhalten von TON, TOF und TP anhand von Impulsdiagrammen unterscheiden
- den richtigen Timer für eine gegebene Aufgabe auswählen
- Zeitwerte im TIME-Format korrekt deklarieren und einfache Zeitberechnungen durchführen
1. Warum die SPS eigene Bausteine für Zeit braucht
Stell dir eine ganz einfache Aufgabe vor: Ein Signal soll erst fünf Sekunden nach dem Tastendruck den Ausgang setzen. Mit einem reinen Logik-Programm kommst du da nicht weiter. Die SPS durchläuft ihr Programm tausende Male pro Sekunde — eine Verknüpfung wie „Taster UND Ausgang“ ist sofort wahr oder sofort falsch. Es gibt im normalen Kontaktplan nichts, das „warte fünf Sekunden“ bedeutet.
Früher hat man das in der Schützsteuerung mit Zeitrelais gelöst — kleinen Geräten, die nach einer eingestellten Zeit einen Kontakt umlegen. In der SPS ist dieses Zeitrelais durch einen Zeitbaustein ersetzt: ein Stück Programm, das im Hintergrund mitzählt und nach Ablauf von der vorgegebenen Zeit sein Ausgangssignal ändert. Der Vorteil liegt auf der Hand. Die Zeit wird nicht mehr an einem Drehrad eingestellt, sondern im Programm hinterlegt, und sie lässt sich jederzeit ohne Schraubendreher ändern.
Damit der Baustein die Zeit korrekt misst, nutzt er die interne Systemuhr der Steuerung. Bei jedem Programmdurchlauf prüft er, wie viel reale Zeit seit dem letzten Zyklus vergangen ist, und addiert sie auf. So entsteht trotz des starren Zyklus ein verlässliches Zeitmaß.
Warum lässt sich eine Einschaltverzögerung nicht durch eine einfache UND-Verknüpfung im Kontaktplan abbilden?
- a) Weil eine logische Verknüpfung im selben Zyklus sofort wahr oder falsch wird und kein Zeitmaß enthält
- b) Weil die UND-Verknüpfung nur mit Analogwerten arbeitet
- c) Weil der Kontaktplan keine Eingänge verarbeiten kann
- d) Weil die SPS Verknüpfungen nur einmal beim Start auswertet
Richtig: a)
Eine UND-Verknüpfung liefert in jedem Zyklus sofort ihr Ergebnis — es gibt darin kein „später“. Eine Verzögerung braucht einen Baustein, der die vergangene Zeit aufaddiert (a). Analogwerte (b) spielen keine Rolle, Eingänge werden sehr wohl verarbeitet (c), und Verknüpfungen werden in jedem Zyklus neu ausgewertet, nicht nur beim Start (d).
Worauf stützt sich ein Zeitbaustein, um trotz schwankender Zykluszeit die Zeit korrekt zu messen?
- a) Auf die Anzahl der durchlaufenen Programmzyklen
- b) Auf einen externen Zeitschalter
- c) Auf die interne Systemuhr der Steuerung
- d) Auf die Netzfrequenz von 50 Hz am Eingang
Richtig: c)
Die Zykluszeit schwankt je nach Programmlast, deshalb wäre Zyklen-Zählen (a) ungenau. Der Baustein liest die reale verstrichene Zeit aus der Systemuhr (c). Ein externer Zeitschalter (b) widerspricht dem Sinn des Software-Timers, und die Netzfrequenz (d) wird dafür nicht herangezogen.
2. Der gemeinsame Aufbau: IN, PT, Q und ET
Das Schöne an den drei Timern: Sie haben alle dieselbe Schnittstelle. Wenn du einen verstanden hast, kennst du die Anschlüsse aller drei. Sie unterscheiden sich nur darin, wann sie ihr Ausgangssignal schalten — nicht darin, welche Anschlüsse sie haben.
Jeder Zeitbaustein hat zwei Eingänge und zwei Ausgänge:
- IN — der Eingang, der den Timer steuert (die Startbedingung, meist ein Taster, Sensor oder ein Merker).
- PT — Preset Time, die vorgegebene Zeit. Hier steht der Sollwert, also wie lange verzögert oder wie lang der Impuls werden soll.
- Q — der Ausgang, der das Ergebnis liefert: ein boolesches Signal, das je nach Timer-Typ zu unterschiedlichen Zeitpunkten HIGH oder LOW wird.
- ET — Elapsed Time, die abgelaufene Zeit. Dieser Ausgang zeigt fortlaufend an, wie viel Zeit der Timer gerade schon zählt. Praktisch für Anzeigen oder um Zwischenwerte weiterzuverarbeiten.
Die Zeitbausteine sind in der ÖNORM EN 61131-3 (der in Österreich übernommenen Fassung der internationalen Norm für SPS-Programmiersprachen) festgelegt. Dadurch sind TON, TOF und TP herstellerübergreifend einheitlich definiert.
Der Datentyp TIME
Die Zeitwerte an PT und ET haben einen eigenen Datentyp: TIME. Eine Zeitkonstante schreibt man als Zeitliteral mit dem Präfix T# (in manchen Systemen auch TIME#). Dahinter folgen Zahl und Einheit:
- T#5s bedeutet 5 Sekunden
- T#500ms bedeutet 500 Millisekunden
- T#10m bedeutet 10 Minuten
- T#2h bedeutet 2 Stunden
Die gängigen Einheiten sind ms (Millisekunden), s (Sekunden), m (Minuten) und h (Stunden). In der Praxis programmiert man selten glatte Sekundenwerte. Ein Filter braucht vielleicht 250 Millisekunden, eine Taktung läuft über mehrere Stunden. Deshalb lassen sich Zeitwerte auch zusammensetzen:
- T#1h30m bedeutet 1 Stunde, 30 Minuten
- T#1h2m3s bedeutet 1 Stunde, 2 Minuten, 3 Sekunden
- T#2s500ms bedeutet 2 Sekunden, 500 Millisekunden
Die Einheiten werden dabei ohne Leerzeichen aneinandergereiht, von der größten zur kleinsten. So lässt sich jede praxisreale Zeit fehlerfrei angeben.
Ein Zeitbaustein wird im Programm als Funktionsbaustein aufgerufen — er merkt sich also seinen Zustand von Zyklus zu Zyklus. Für diesen Beitrag reicht die logische Sicht auf die Schnittstelle IN/PT/Q/ET. Wie die zugehörigen Speicherdaten verwaltet werden und welche Bausteintypen es allgemein gibt, gehört zum Thema der Programmiersprachen und Bausteintypen und wird dort systematisch behandelt.
Was gibt der Ausgang ET eines Zeitbausteins an?
- a) Die vorgegebene Sollzeit
- b) Die bereits abgelaufene Zeit seit dem Start des Timers
- c) Den booleschen Zustand der Startbedingung
- d) Die verbleibende Restzeit bis zum Schalten
Richtig: b)
ET steht für Elapsed Time, also die bereits verstrichene Zeit. Die Sollzeit (a) steht an PT, der boolesche Startzustand (c) an IN. Die Restzeit (d) wäre PT minus ET — sie wird vom Baustein nicht direkt ausgegeben, sondern muss bei Bedarf selbst berechnet werden.
Welche Zeitliteral-Schreibweise steht korrekt für zwei Sekunden und 500 Millisekunden?
- a) T#2.5
- b) T#2s500ms
- c) T#500ms2s
- d) T#2,5s
Richtig: b)
Zusammengesetzte Zeitwerte werden ohne Leerzeichen von der größten zur kleinsten Einheit geschrieben, also T#2s500ms. Eine reine Dezimalzahl ohne Einheit (a) ist kein gültiges TIME-Literal, die umgekehrte Reihenfolge (c) widerspricht der Konvention, und ein Komma (d) ist in der Literal-Schreibweise nicht vorgesehen.
Warum ist es sinnvoll, dass TON, TOF und TP dieselben Anschlüsse besitzen?
- a) Weil sie dadurch im Speicher weniger Platz brauchen
- b) Weil sie sich dann gegenseitig ersetzen und identisch verhalten
- c) Weil man die Schnittstelle nur einmal verstehen muss und sich die Timer nur im Zeitverhalten unterscheiden
- d) Weil die Norm keine unterschiedlichen Anschlüsse zulässt
Richtig: c)
Die einheitliche Schnittstelle senkt den Lernaufwand — wer IN/PT/Q/ET kennt, kennt alle drei. Identisch verhalten (b) tun sie sich gerade nicht, das ist der ganze Unterschied. Der Speicherbedarf (a) hängt nicht an den Anschlussnamen, und die Norm erlaubt durchaus unterschiedliche Bausteine (d) — sie hat die Anschlüsse aus praktischen Gründen vereinheitlicht.
3. TON — die Einschaltverzögerung
TON steht für Timer On-Delay, die Einschaltverzögerung. Sie ist der mit Abstand am häufigsten verwendete Timer.
Das Verhalten: Wird IN auf HIGH gesetzt, beginnt der Timer zu zählen. Erst wenn IN für die volle Dauer PT ununterbrochen HIGH geblieben ist, wird der Ausgang Q ebenfalls HIGH. ET läuft währenddessen mit und zeigt die bereits verstrichene Zeit. Sobald ET den Wert von PT erreicht, bleibt ET auf diesem Wert stehen und Q ist gesetzt.
Der entscheidende Punkt ist die Bedingung „ununterbrochen“. Fällt IN ab, bevor PT erreicht ist, wird der Timer sofort zurückgesetzt — ET springt zurück auf null und Q bleibt LOW. Beim nächsten HIGH an IN beginnt das Zählen wieder von vorne. Es gibt kein Aufaddieren über mehrere Versuche.
Fällt IN ab, nachdem Q schon HIGH war, geht Q sofort wieder auf LOW und ET wird zurückgesetzt. Q folgt dem Eingang also mit Verzögerung beim Einschalten, aber ohne Verzögerung beim Ausschalten.
Im Diagramm sieht man beides: Beim ersten, langen IN-Impuls wird Q nach Ablauf von PT gesetzt und folgt dann dem Abschalten sofort. Beim zweiten, kurzen IN-Impuls reicht die Zeit nicht — Q bleibt aus, ET wird wieder zurückgesetzt.
Ein TON hat PT = T#4s. IN ist zwei Sekunden HIGH, fällt für eine Sekunde ab und ist dann wieder drei Sekunden HIGH. Wann wird Q gesetzt?
- a) Nach den ersten zwei Sekunden, weil der Timer mitzählt
- b) Nach insgesamt fünf Sekunden HIGH-Zeit
- c) Sofort beim zweiten HIGH, weil der Timer schon vorgeladen war
- d) Gar nicht, weil die Unterbrechung den Timer zurücksetzt und keine durchgehende HIGH-Phase 4 s erreicht
Richtig: d)
Die erste HIGH-Phase (2 s) reicht nicht und wird durch das Abfallen gelöscht. Die zweite Phase dauert nur 3 s — auch das ist weniger als PT. Da TON keine Zeiten aufsummiert (a, b) und sich auch nicht „vorlädt“ (c), wird Q nie gesetzt (d).
Was passiert mit Q und ET, wenn bei einem TON nach gesetztem Q und der Eingang IN auf LOW fällt?
- a) Q geht sofort auf LOW und ET wird zurückgesetzt
- b) Q bleibt noch für die Dauer PT HIGH, ET läuft weiter
- c) Q bleibt dauerhaft HIGH bis zum nächsten Start
- d) Q geht auf LOW, aber ET bleibt auf dem PT-Wert stehen
Richtig: a)
TON verzögert nur das Einschalten. Beim Abschalten folgt Q dem Eingang sofort und ET wird auf null gesetzt (a). Das Verhalten in (b) beschreibt den TOF, nicht den TON. (c) und (d) treffen das Rücksetzverhalten nicht.
4. TOF — die Ausschaltverzögerung
TOF steht für Timer Off-Delay, die Ausschaltverzögerung. Sie ist gewissermaßen das Spiegelbild des TON.
Das Verhalten: Wird IN auf HIGH gesetzt, geht Q sofort ebenfalls auf HIGH — ohne jede Verzögerung. Spannend wird es beim Abschalten. Fällt IN auf LOW, bleibt Q noch für die Dauer PT weiter HIGH und schaltet erst danach ab. ET beginnt erst beim Abfall von IN zu zählen und misst, wie lange Q noch nachläuft.
Geht IN wieder auf HIGH, bevor PT abgelaufen ist, wird die Nachlaufzeit abgebrochen: Q bleibt durchgehend HIGH und ET wird zurückgesetzt. Q verzögert also beim Ausschalten, nicht beim Einschalten — genau umgekehrt zum TON.
Q startet im Gleichtakt mit IN, läuft beim Abschalten aber noch um PT nach.
Ein TOF mit PT = T#3s erhält an IN einen HIGH-Impuls von einer Sekunde. Wie lange ist Q insgesamt HIGH?
- a) Eine Sekunde
- b) Drei Sekunden
- c) Zwei Sekunden
- d) Vier Sekunden
Richtig: d)
Q geht sofort mit IN auf HIGH (1 s) und läuft nach dem Abfall noch die volle PT = 3 s nach. Zusammen ergibt das 1 s + 3 s = 4 s (d). Die Nachlaufzeit beginnt erst beim Abfall von IN, nicht beim Einschalten.
Worin unterscheidet sich das Q-Verhalten von TOF und TON grundlegend?
- a) TOF verzögert beim Einschalten, TON beim Ausschalten
- b) TOF verzögert beim Ausschalten, TON beim Einschalten
- c) Beide verzögern beim Einschalten, aber mit unterschiedlicher Zeitbasis
- d) TOF hat keinen Ausgang ET, TON schon
Richtig: b)
TON setzt Q verzögert (nach Ablauf von PT) und schaltet sofort ab; TOF setzt Q sofort und schaltet verzögert ab (b). Aussage (a) vertauscht beide. Beide verzögern eben nicht gleich (c), und beide besitzen einen ET-Ausgang (d).
5. TP — der Impulsbaustein
TP steht für Timer Pulse, den Impulsgeber. Dieser Timer erzeugt einen Ausgangsimpuls von fest definierter Länge.
Das Verhalten: Eine steigende Flanke an IN — also der Wechsel von LOW auf HIGH — startet einen Impuls. Q geht auf HIGH und bleibt für genau die Dauer PT HIGH, unabhängig davon, wie lange IN selbst HIGH bleibt. Der Eingang darf nach dem Auslösen sofort wieder abfallen oder dauerhaft anliegen — die Impulslänge richtet sich allein nach PT. ET zählt während des Impulses von null bis PT hoch.
Ein wichtiges Detail: Während der Impuls läuft, ist TP nicht nachtriggerbar. Eine neue steigende Flanke an IN während eines laufenden Impulses wird ignoriert. Erst wenn der Impuls vollständig abgelaufen ist und IN zwischendurch auf LOW war, kann eine neue Flanke einen neuen Impuls auslösen.
Beim ersten Auslöser ist IN nur kurz HIGH, der Impuls läuft trotzdem die volle PT-Zeit. Beim zweiten Auslöser bleibt IN länger HIGH — der Impuls endet trotzdem nach PT, nicht erst mit dem Abfall von IN.
Ein TP mit PT = T#1s erhält an IN ein Signal, das fünf Sekunden lang HIGH bleibt. Wie lange ist Q HIGH?
- a) Fünf Sekunden
- b) Sechs Sekunden
- c) So lange, bis IN wieder abfällt
- d) Eine Sekunde
Richtig: d)
Die Impulslänge bei TP richtet sich allein nach PT, hier also genau 1 s (d). Die Dauer des IN-Signals (a, c) ist für die Impulslänge ohne Bedeutung. Es werden auch keine Zeiten addiert (b).
Während ein TP-Impuls läuft, kommt an IN eine weitere steigende Flanke. Was geschieht?
- a) Der laufende Impuls wird verlängert
- b) Ein zweiter Impuls startet sofort parallel
- c) Die Flanke wird ignoriert, weil TP während des Impulses nicht nachtriggerbar ist
- d) Der Impuls wird sofort abgebrochen und neu gestartet
Richtig: c)
TP ist während des laufenden Impulses nicht nachtriggerbar — die Flanke verpufft wirkungslos (c). Es gibt keine Verlängerung (a), keinen Parallelimpuls (b) und keinen Neustart (d). Erst nach Ablauf des Impulses und einem LOW an IN kann neu ausgelöst werden.
6. Die drei Timer im Vergleich
Wenn man die drei nebeneinanderlegt, wird das Muster klar. Der Unterschied steckt allein darin, wann Q kommt und wann Q wieder geht.
| Timer | Auslöser | Q geht HIGH | Q geht LOW |
|---|---|---|---|
| TON | IN dauerhaft HIGH | nach Ablauf von PT (verzögert) | sofort mit Abfall von IN |
| TOF | IN HIGH | sofort mit IN | erst PT nach Abfall von IN (verzögert) |
| TP | steigende Flanke an IN | sofort mit der Flanke | nach Ablauf von PT, unabhängig von IN |
Die Auswahl in der Praxis folgt einer einfachen Frage. Soll etwas verzögert eingeschaltet werden? Dann TON. Soll etwas verzögert ausgeschaltet werden, also nachlaufen? Dann TOF. Soll ein fester Impuls entstehen, egal wie lang das Auslösesignal ist? Dann TP.
Für komplexere Abläufe kombiniert man Timer. Schaltet man den Q-Ausgang eines TON auf den IN-Eingang eines zweiten TON, addieren sich die Wartezeiten — so entstehen mehrstufige Verzögerungsketten. In Verbindung mit einer Selbsthaltung lassen sich daraus blinkende oder taktende Signale aufbauen; die Selbsthaltung selbst ist ein eigenes Thema und wird dort behandelt.
Gelöstes Beispiel
Ein TOF soll einen Lüfternachlauf realisieren. Das Anlagensignal liegt 40 Sekunden an IN. Die Vorgabezeit beträgt PT = T#1m30s. Wie lange läuft der Lüfter (Q) insgesamt?
Gegeben: Dauer IN HIGH: t_IN = 40 s, Vorgabezeit: PT = 1 min 30 s = 90 s
Gesucht: Gesamtdauer von Q in s
Lösungsweg:
- Schritt 1 — PT in Sekunden umrechnen: 1 min 30 s = 60 s + 30 s = 90 s
- Schritt 2 — Q-Dauer beim TOF bestimmen: Q ist HIGH während IN HIGH ist und läuft danach um PT nach. Q-Dauer = t_IN + PT = 40 s + 90 s
Ergebnis: Q ist 130 s HIGH (2 min 10 s).
Übungen
Rechne den Zeitwert T#250ms in Sekunden um.
250 ms = 0,25 s.
Ein TON hat PT = T#8s. IN ist sechs Sekunden ununterbrochen HIGH. Welchen Wert hat ET in diesem Moment, und ist Q gesetzt?
ET = 6 s; Q ist noch nicht gesetzt, da PT = 8 s noch nicht erreicht ist.
Ein TP hat PT = T#1s500ms. Wie lange ist Q HIGH, wenn IN nur als 100-ms-Impuls auftritt?
Q ist 1,5 s HIGH — die Impulslänge richtet sich nur nach PT, nicht nach dem IN-Signal.
Zwei TON sind in Reihe geschaltet: Der Q-Ausgang des ersten (PT = T#3s) führt auf IN des zweiten (PT = T#4s). Wie lange dauert es ab dem dauerhaften HIGH am ersten IN, bis der zweite Q schaltet?
3 s + 4 s = 7 s. Der zweite Timer startet erst, wenn der erste nach 3 s sein Q setzt, und braucht dann selbst noch 4 s.
Ein TOF mit PT = T#2m soll einen Nachlauf liefern. Die Anlage läuft 5 Minuten, wird 30 Sekunden abgeschaltet und dann wieder eingeschaltet. Schaltet der Lüfter (Q) in der 30-Sekunden-Pause ab?
Nein. Bei Abfall von IN beginnt die Nachlaufzeit von 2 min. Da IN nach 30 s wieder HIGH wird (vor Ablauf von PT), bleibt Q durchgehend HIGH — der Lüfter läuft ohne Unterbrechung weiter.
Welche Aufgabe ist typisch für einen TP und nicht für TON oder TOF?
- a) Einen Antrieb erst nach Druckaufbau freigeben
- b) Einen Lüfter nach dem Abschalten nachlaufen lassen
- c) Bei jedem Auslöser einen gleich langen Auswurfstoß erzeugen
- d) Eine Freigabe an eine ununterbrochene Vorlaufzeit binden
Richtig: c)
Ein reproduzierbarer Impuls fester Länge ist die TP-Aufgabe (c). Die verzögerte Freigabe (a, d) ist klassisch TON, der Nachlauf (b) klassisch TOF.
Bei welchem Timer beginnt der ET-Ausgang erst dann zu zählen, wenn IN auf LOW fällt?
- a) TON
- b) TOF
- c) TP
- d) Bei keinem der drei
Richtig: b)
Beim TOF misst ET die Nachlaufzeit, die erst mit dem Abfall von IN beginnt (b). Beim TON und TP startet ET dagegen mit dem Einschalten bzw. mit der steigenden Flanke an IN.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Rechne die folgenden Zeitliterale jeweils in Sekunden um: T#1m20s, T#750ms, T#0h2m.
Gegeben: drei Zeitwerte im TIME-Format
Gesucht: jeweiliger Wert in Sekunden
Lösungsweg:
- T#1m20s = 60 s + 20 s = 80 s
- T#750ms = 0,75 s
- T#0h2m = 2 · 60 s = 120 s
Ergebnis: 80 s; 0,75 s; 120 s
Aufgabe 2: Ein TON hat PT = T#10s. IN verläuft so: 4 s HIGH, 2 s LOW, dann dauerhaft HIGH. Nach welcher Zeit ab dem letzten Einschalten wird Q gesetzt, und wie lang ist die erste HIGH-Phase für das Schalten relevant?
Gegeben: PT = 10 s; IN-Verlauf 4 s HIGH / 2 s LOW / dauerhaft HIGH
Gesucht: Verzögerung bis Q ab letztem Einschalten
Lösungsweg:
- Die erste HIGH-Phase (4 s) wird durch das Abfallen vollständig gelöscht und zählt nicht mit.
- Ab dem letzten, dauerhaften HIGH zählt der Timer neu bis PT.
Ergebnis: Q wird 10 s nach dem letzten Einschalten gesetzt; die erste HIGH-Phase ist für das Schalten ohne Bedeutung.
Aufgabe 3: Ein TOF mit PT = T#45s erhält an IN einen HIGH-Impuls von 20 s. Berechne die gesamte Einschaltdauer von Q.
Gegeben: PT = 45 s; t_IN = 20 s
Gesucht: Gesamtdauer Q in s
Lösungsweg:
- Q startet sofort mit IN und läuft nach dem Abfall um PT nach.
- Q-Dauer = 20 s + 45 s
Ergebnis: 65 s
Aufgabe 4: Drei TON sind in Reihe geschaltet (PT-Werte: T#2s, T#3s, T#5s), jeweils Q auf das nächste IN. Wie lange dauert es ab dem dauerhaften HIGH am ersten Eingang, bis der dritte Q schaltet?
Gegeben: PT1 = 2 s, PT2 = 3 s, PT3 = 5 s, Reihenschaltung
Gesucht: Gesamtverzögerung in s
Lösungsweg:
- Die Verzögerungen addieren sich, da jeder Timer erst startet, wenn der vorige sein Q gesetzt hat.
- Gesamtzeit = 2 s + 3 s + 5 s
Ergebnis: 10 s
Ein Förderband soll nach dem Drücken des Starttasters erst drei Sekunden lang eine Warnhupe ertönen lassen und dann anlaufen. Welcher Timer eignet sich für die Anlaufverzögerung des Bandes?
- a) TON
- b) TP
- c) TOF
- d) Ein Zähler
Richtig: a)
Das Band soll verzögert einschalten, nachdem das Startsignal anliegt — das ist die klassische Einschaltverzögerung TON (a). TP erzeugt nur einen Impuls (b), TOF verzögert das Ausschalten (c), und ein Zähler (d) misst keine Zeit.
Bei welcher Konstellation bleibt der Ausgang Q eines TOF durchgehend HIGH?
- a) Wenn IN nach dem Abfall vor Ablauf von PT erneut HIGH wird
- b) Wenn IN dauerhaft LOW bleibt
- c) Wenn PT auf null gesetzt wird
- d) Wenn die steigende Flanke ignoriert wird
Richtig: a)
Wird IN während der Nachlaufzeit wieder HIGH, wird die Nachlaufzeit abgebrochen und Q bleibt durchgehend HIGH (a). Bei dauerhaft LOW (b) läuft Q nach PT aus, bei PT = 0 (c) folgt Q dem Eingang ohne Nachlauf, und Flankenauswertung (d) ist bei TOF nicht das Kriterium.
Was unterscheidet das ET-Verhalten von TON und TOF grundsätzlich?
- a) Bei TON zählt ET ab dem Einschalten von IN, bei TOF ab dem Abfall von IN
- b) Bei beiden zählt ET ab dem Einschalten
- c) TON besitzt kein ET
- d) Bei TOF zählt ET rückwärts
Richtig: a)
Beim TON misst ET die Verzögerungszeit ab dem Einschalten, beim TOF die Nachlaufzeit ab dem Abfall von IN (a). Beide besitzen ein ET (c), das jeweils vorwärts zählt (d), aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten startet — daher ist (b) falsch.
Ein TP mit PT = T#2s wird durch eine steigende Flanke ausgelöst. 1 Sekunde später kommt eine weitere steigende Flanke an IN. Wie verhält sich Q?
- a) Q wird auf insgesamt 3 s verlängert
- b) Q startet einen neuen 2-s-Impuls
- c) Q läuft unverändert bis 2 s nach der ersten Flanke, die zweite Flanke wird ignoriert
- d) Q schaltet sofort ab
Richtig: c)
Während ein TP-Impuls läuft, ist der Baustein nicht nachtriggerbar — die zweite Flanke verpufft, der Impuls endet planmäßig 2 s nach der ersten Flanke (c). Es gibt weder Verlängerung (a) noch Neustart (b) noch vorzeitiges Abschalten (d).
Eine Steuerung soll ein Ventil bei einem Sensorsignal für genau 500 ms öffnen, unabhängig davon, wie lange der Sensor anspricht. Welcher Timer und welche Vorgabe sind richtig?
- a) TON mit PT = T#500ms
- b) TOF mit PT = T#500ms
- c) TON mit PT = T#5s
- d) TP mit PT = T#500ms
Richtig: d)
Ein fester Impuls unabhängig von der Signaldauer ist die TP-Aufgabe, hier mit PT = T#500ms (d). TON (a, c) würde verzögert einschalten und das Ventil danach offen halten, TOF (b) würde es sofort öffnen und erst verzögert schließen.
Warum darf man bei einem TON nicht davon ausgehen, dass mehrere kurze IN-Impulse zusammen die Schaltzeit ergeben?
- a) Weil TON nur steigende Flanken zählt
- b) Weil jeder Abfall von IN den ET-Wert auf null zurücksetzt
- c) Weil TON die Impulse als Zähler addiert
- d) Weil PT bei jedem Impuls kleiner wird
Richtig: b)
TON verlangt eine ununterbrochene HIGH-Phase; jeder Abfall löscht ET (b). Es werden keine Flanken (a) oder Impulse (c) gezählt, und PT bleibt konstant (d).
Welcher Zeitwert ist mit T#1h2m3s gemeint?
- a) 1 Stunde, 2 Minuten, 3 Sekunden
- b) 1 Minute, 2 Sekunden, 3 Millisekunden
- c) 123 Sekunden
- d) 1,23 Stunden
Richtig: a)
Zusammengesetzte Literale werden von der größten zur kleinsten Einheit gelesen: h, m, s — also 1 Stunde, 2 Minuten, 3 Sekunden (a). Die anderen Deutungen verkennen die Einheiten-Reihenfolge.
Ein Hauptantrieb soll erst freigegeben werden, wenn die Schmierpumpe ununterbrochen 6 Sekunden läuft. Fällt die Pumpe kurz aus, soll die Wartezeit neu beginnen. Welcher Timer bildet das ab?
- a) TOF mit PT = T#6s
- b) TP mit PT = T#6s
- c) Zwei TP hintereinander
- d) TON mit PT = T#6s
Richtig: d)
Eine Freigabe nach ununterbrochener Vorlaufzeit, die bei Unterbrechung neu startet, ist genau das TON-Verhalten (d) — jeder Abfall setzt den Timer zurück. TOF (a) verzögert das Ausschalten, TP (b, c) liefert nur einen festen Impuls.
Bei einem TOF wird IN dauerhaft HIGH gehalten. Was zeigt der Ausgang ET an?
- a) Er zählt fortlaufend bis PT hoch
- b) Er bleibt auf null, weil die Nachlaufzählung erst beim Abfall von IN beginnt
- c) Er zeigt die Gesamtbetriebszeit
- d) Er springt sofort auf den PT-Wert
Richtig: b)
Beim TOF startet ET erst mit dem Abfall von IN. Solange IN HIGH ist, gibt es keine Nachlaufzeit zu messen, ET bleibt auf null (b). Ein Hochzählen (a, d) oder eine Betriebszeitmessung (c) findet hier nicht statt.
Welche Aussage zur einheitlichen Schnittstelle der drei Timer trifft zu?
- a) Nur TON besitzt einen ET-Ausgang
- b) Alle drei besitzen IN, PT, Q und ET, unterscheiden sich aber im Zeitverhalten
- c) TP hat keinen PT-Eingang, da die Impulslänge fest ist
- d) TOF nutzt statt PT einen Zähler
Richtig: b)
Alle drei haben dieselben vier Anschlüsse und unterscheiden sich nur darin, wann Q schaltet (b). ET ist bei allen vorhanden (a), TP braucht PT sehr wohl zur Festlegung der Impulslänge (c), und TOF arbeitet mit PT, nicht mit einem Zähler (d).
Glossar
- Zeitfunktion
- Software-Baustein in der SPS, der nach dem EVA-Prinzip Zeit misst und nach einer Vorgabe ein Ausgangssignal schaltet. Ersetzt das mechanische Zeitrelais.
- TON
- Timer On-Delay, Einschaltverzögerung. Der Ausgang Q wird erst HIGH, wenn der Eingang IN für die Dauer PT ununterbrochen HIGH war.
- TOF
- Timer Off-Delay, Ausschaltverzögerung. Q geht sofort mit IN auf HIGH, bleibt nach dem Abfall von IN aber noch für PT HIGH.
- TP
- Timer Pulse, Impulsgeber. Eine steigende Flanke an IN erzeugt einen Q-Impuls fester Länge PT, unabhängig von der Dauer des IN-Signals.
- IN
- Steuereingang eines Zeitbausteins; die Startbedingung, die den Timer auslöst.
- PT
- Preset Time, die vorgegebene Sollzeit eines Zeitbausteins, angegeben im Datentyp TIME.
- Q
- boolescher Ausgang eines Zeitbausteins, der je nach Timer-Typ zu unterschiedlichen Zeitpunkten schaltet.
- ET
- Elapsed Time, die bereits abgelaufene Zeit, die der Baustein fortlaufend ausgibt.
- TIME
- Datentyp für Zeitwerte; als Literal mit dem Präfix T# und Einheiten (ms, s, m, h) geschrieben, auch zusammengesetzt wie T#1h2m3s.
- Nachtriggern
- erneutes Auslösen eines laufenden Timers durch ein neues Eingangssignal. Beim TP nicht möglich, solange der Impuls läuft.
