RLC-Parallelschaltung

Schaltet man einen Wirkwiderstand, eine Spule und einen Kondensator parallel an dieselbe Wechselspannung, passiert etwas, das auf den ersten Blick stört: Die drei Zweige ziehen jeder für sich Strom, aber diese Ströme erreichen ihre Höchstwerte nicht gleichzeitig. Man kann sie deshalb nicht einfach zusammenzählen. Wer den Gesamtstrom richtig bestimmen will, muss verstehen, wie die einzelnen Zweigströme zeitlich zueinander liegen — und genau darum geht es in diesem Beitrag.

Vorwissen

  • Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme
  • Spule im Wechselstromkreis – induktiver Blindwiderstand
  • Kondensator im Wechselstromkreis – kapazitiver Blindwiderstand

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum bei der Parallelschaltung mit Strömen statt mit Spannungen gerechnet wird
  • die drei Zweigströme I_R, I_L und I_C berechnen und ihr Phasenverhalten beschreiben
  • ein Stromzeigerdiagramm aufstellen und daraus den Gesamtstrom geometrisch ermitteln
  • Gesamtstrom und Phasenwinkel einer RLC-Parallelschaltung rechnerisch bestimmen
  • den Sonderfall der Stromresonanz qualitativ einordnen

1. Was ist anders an der Parallelschaltung?

Bei einer Parallelschaltung sind alle drei Bauteile mit denselben zwei Knotenpunkten verbunden. Daraus folgt eine einfache, aber zentrale Tatsache: An jedem der drei Zweige liegt die gleiche Spannung an. Die Spannung ist hier die gemeinsame Größe — sie ist überall in Betrag und Phase identisch.

Bei der Reihenschaltung ist es genau umgekehrt: Dort fließt durch alle Bauteile derselbe Strom, und die Spannungen teilen sich auf. Diese Reihenschaltung wird in einem eigenen Beitrag behandelt; hier reicht der Hinweis, dass man die beiden Schaltungen nicht durcheinanderbringen darf.

Weil bei der Parallelschaltung die Spannung die gemeinsame Größe ist, dreht man die ganze Betrachtung um: Man legt die Spannung als festen Bezug fest und schaut, welcher Strom in jedem Zweig fließt. Der Gesamtstrom ist die Summe der drei Zweigströme — allerdings keine einfache Summe, sondern eine geometrische. Warum das so ist, klärt sich im nächsten Kapitel.

Ein kurzer Ausblick: Wer mit Parallelschaltungen viel rechnet, steigt oft auf das Denken in Leitwerten um (Leitwert ist der Kehrwert des Widerstands). Das macht die Formeln eleganter. Für das Verständnis ist der Weg über die Ströme aber anschaulicher, und genau den gehen wir hier.

Warum legt man bei der RLC-Parallelschaltung die Spannung als Bezugsgröße fest und nicht den Strom?

  • a) Weil an allen Zweigen dieselbe Spannung anliegt und somit die gemeinsame Größe ist
  • b) Weil die Spannung leichter zu messen ist als der Strom
  • c) Weil der Strom in der Parallelschaltung keine Rolle spielt
  • d) Weil die Spannung in jedem Zweig unterschiedlich ist

Richtig: a)

In der Parallelschaltung liegt an jedem Zweig dieselbe Spannung an — das macht sie zur gemeinsamen, festen Größe und damit zum sinnvollen Bezug. Antwort b beschreibt zwar einen praktischen Nebeneffekt, ist aber nicht der Grund. c ist falsch, da der Strom gerade das Gesuchte ist. d beschreibt die Reihenschaltung verkehrt herum.

Worin unterscheidet sich die Parallelschaltung grundsätzlich von der Reihenschaltung?

  • a) In der Parallelschaltung ist der Strom überall gleich, in der Reihenschaltung die Spannung
  • b) In beiden Schaltungen ist die Spannung die gemeinsame Größe
  • c) Es gibt keinen grundsätzlichen Unterschied im Rechenweg
  • d) In der Parallelschaltung ist die Spannung überall gleich, in der Reihenschaltung der Strom

Richtig: d)

Bei der Parallelschaltung ist die Spannung gemeinsam, der Strom teilt sich auf. Bei der Reihenschaltung ist es genau umgekehrt: gemeinsamer Strom, aufgeteilte Spannungen. Antwort a vertauscht beides, b und c sind schlicht falsch.

2. Die drei Teilströme — R, L und C einzeln betrachtet

Schauen wir uns jeden Zweig einzeln an. Da die Spannung überall gleich ist, hängt der jeweilige Strom nur vom Widerstand des Zweiges ab — und vom Phasenverhalten des Bauteils.

Wirkwiderstand R: Durch den ohmschen Zweig fließt the Strom

I_R = U / R

  • I_R … Strom durch den Wirkwiderstand in A
  • U … anliegende Spannung in V
  • R … Wirkwiderstand in Ohm

Dieser Strom ist in Phase mit der Spannung. Steigt die Spannung, steigt der Strom im gleichen Takt. Es gibt keine zeitliche Verschiebung.

Spule (induktiver Zweig): Hier wirkt nicht R, sondern der induktive Blindwiderstand X_L. Der Strom beträgt

I_L = U / X_L

  • I_L … Strom durch die Spule in A
  • U … anliegende Spannung in V
  • X_L … induktiver Blindwiderstand in Ohm

Der Strom durch die Spule eilt der Spannung um 90° nach. Die Spule wehrt sich gegen Stromänderungen, deshalb hinkt ihr Strom hinterher. (Wie sich X_L aus Induktivität und Frequenz ergibt, ist Thema des eigenen Beitrags zur Spule im Wechselstromkreis.)

Kondensator (kapazitiver Zweig): Hier wirkt der kapazitive Blindwiderstand X_C:

I_C = U / X_C

  • I_C … Strom durch den Kondensator in A
  • U … anliegende Spannung in V
  • X_C … kapazitiver Blindwiderstand in Ohm

Der Strom durch den Kondensator eilt der Spannung um 90° voraus. Der Strom fließt in den Kondensator, um dessen Ladung und damit die Spannung zu ändern — der Strom ist also schon auf seinem Maximum, während die Spannung erst noch ansteigt.

Das Entscheidende: Spulenstrom und Kondensatorstrom verhalten sich genau gegensätzlich. Der eine eilt 90° nach, der andere 90° vor. Zwischen I_L und I_C liegen also volle 180° — sie zeigen in entgegengesetzte Richtungen und wirken einander entgegen. Diese Gegenläufigkeit ist der Schlüssel zur ganzen Schaltung.

Eine RLC-Parallelschaltung liegt an 230 V. Der ohmsche Zweig hat R = 115 Ω. Wie verhält sich I_R zeitlich zur Spannung, und wie groß ist er?

  • a) I_R = 2 A, in Phase mit der Spannung
  • b) I_R = 2 A, eilt der Spannung um 90° voraus
  • c) I_R = 0,5 A, eilt der Spannung um 90° nach
  • d) I_R = 2 A, eilt der Spannung um 90° nach

Richtig: a)

Im ohmschen Zweig gilt I_R = U/R = 230/115 = 2 A, und der Strom ist in Phase mit der Spannung — ohmsche Widerstände erzeugen keine Phasenverschiebung. b und d schreiben dem Wirkwiderstand fälschlich eine Verschiebung zu, c rechnet zusätzlich falsch.

Warum kann man die drei Zweigströme I_R, I_L und I_C nicht einfach arithmetisch addieren?

  • a) Weil sie unterschiedliche Einheiten haben
  • b) Weil sie zeitlich gegeneinander verschoben sind und ihre Maxima nicht gleichzeitig auftreten
  • c) Weil die Spannung in den Zweigen unterschiedlich ist
  • d) Weil der Kondensatorstrom immer null ist

Richtig: b)

Die Zweigströme erreichen ihre Höchstwerte zu unterschiedlichen Zeitpunkten, weil L und C jeweils 90° Phasenverschiebung erzeugen. Eine einfache Summe würde so tun, als träfen alle Maxima gleichzeitig zusammen — das ist falsch. a ist unsinnig (alle in Ampere), c beschreibt die Parallelschaltung verkehrt, d ist falsch.

Wie groß ist der Phasenwinkel zwischen dem Spulenstrom I_L und dem Kondensatorstrom I_C?

  • a) 0°, sie sind in Phase
  • b) 90°
  • c) 45°
  • d) 180°, sie sind gegenphasig

Richtig: d)

I_L eilt 90° nach, I_C eilt 90° vor. Der Abstand zwischen beiden beträgt damit 180° — sie sind gegenphasig und wirken einander entgegen. Diese Gegenläufigkeit ist der Grund, warum man später die Differenz I_L − I_C bildet.

3. Das Stromzeigerdiagramm

Um die phasenverschobenen Ströme sauber zusammenzusetzen, zeichnet man sie als Zeiger. Ein Zeiger ist ein Pfeil, dessen Länge den Betrag des Stroms angibt und dessen Richtung die Phasenlage.

Als Bezugszeiger dient die Spannung U. Sie zeigt waagrecht nach rechts, weil sie die gemeinsame Größe ist und alle Phasenangaben sich auf sie beziehen.

Nun tragen wir die drei Ströme relativ zur Spannung ein:

  • I_R liegt in Phase mit U und zeigt ebenfalls waagrecht nach rechts.
  • I_L eilt 90° nach und zeigt deshalb senkrecht nach unten.
  • I_C eilt 90° vor und zeigt senkrecht nach oben.

Da I_L und I_C auf derselben senkrechten Linie liegen, aber in entgegengesetzte Richtungen zeigen, ziehen wir sie zusammen. Übrig bleibt ein einziger senkrechter Zeiger, der resultierende Blindstrom:

I_b = I_L – I_C

  • I_b … resultierender Blindstrom in A
  • I_L … Strom durch die Spule in A
  • I_C … Strom durch den Kondensator in A

Ist I_L größer als I_C, zeigt der Blindstrom nach unten — die Schaltung verhält sich induktiv. Ist I_C größer, zeigt er nach oben — die Schaltung verhält sich kapazitiv. Sind beide gleich groß, heben sie sich auf; das ist der Resonanzfall, den wir am Ende noch ansprechen.

Der Gesamtstrom I ergibt sich nun als Zeiger von der gemeinsamen Spitze aus: Er ist die geometrische Summe aus dem waagrechten Wirkstrom I_R und dem senkrechten Blindstrom I_b. Im Diagramm bildet er die Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks, dessen Katheten I_R und I_b sind.

Der Winkel zwischen dem Gesamtstrom I und der Spannung U ist der Phasenwinkel φ. Er sagt, wie stark der Gesamtstrom gegenüber der Spannung verschoben ist und in welche Richtung.

U I_R I_C I_L I_b = I_L − I_C I φ kapazitiv (oben) induktiv (unten)
Das Diagramm zeigt den induktiven Fall: I_L ist länger als I_C, der Blindstrom I_b zeigt nach unten, und der Gesamtstrom I eilt der Spannung nach.

In einem Stromzeigerdiagramm einer RLC-Parallelschaltung zeigt der resultierende Blindstrom nach oben. Was bedeutet das?

  • a) Die Schaltung verhält sich kapazitiv, weil I_C überwiegt
  • b) I_L und I_C sind gleich groß
  • c) Die Schaltung verhält sich induktiv
  • d) Der Wirkstrom ist null

Richtig: a)

I_C wird nach oben aufgetragen. Zeigt der resultierende Blindstrom nach oben, überwiegt also der Kondensatorstrom, und die Schaltung wirkt kapazitiv. c beschreibt den umgekehrten Fall (Blindstrom nach unten), b wäre der Resonanzfall mit Blindstrom null, d ist nicht ableitbar.

Welche beiden Größen bilden im Stromzeigerdiagramm die Katheten des rechtwinkligen Dreiecks, dessen Hypotenuse der Gesamtstrom ist?

  • a) U und I_R
  • b) I_R und I_b
  • c) I_L und I_C
  • d) U und I_b

Richtig: b)

Der Gesamtstrom setzt sich rechtwinklig aus dem Wirkstrom I_R (waagrecht) und dem resultierenden Blindstrom I_b (senkrecht) zusammen. Diese beiden sind die Katheten. I_L und I_C werden vorher zu I_b verrechnet, and die Spannung ist kein Strom und damit keine Kathete im Stromdreieck.

Warum darf man I_L und I_C im Zeigerdiagramm voneinander abziehen statt sie zu addieren?

  • a) Weil sie verschiedene Beträge haben
  • b) Weil der Kondensator den Strom verbraucht
  • c) Weil die Spule keinen Strom führt
  • d) Weil sie um 180° gegeneinander verschoben sind und in entgegengesetzte Richtungen zeigen

Richtig: d)

I_L zeigt nach unten, I_C zeigt nach oben — die beiden sind gegenphasig (180°). Zwei gegengerichtete Zeiger auf derselben Linie ergeben in der Summe ihre Differenz. Deshalb gilt I_b = I_L − I_C. a allein begründet keine Subtraktion, b und c sind sachlich falsch.

4. Gesamtstrom und Phasenwinkel berechnen

Jetzt setzen wir die Geometrie in Zahlen um. Aus dem rechtwinkligen Dreieck im Zeigerdiagramm folgt der Gesamtstrom über den Satz des Pythagoras:

I = Wurzel aus (I_R^2 + (I_L – I_C)^2)

  • I … Gesamtstrom in A
  • I_R … Wirkstrom in A
  • I_L … Spulenstrom in A
  • I_C … Kondensatorstrom in A

Der Ausdruck in der Klammer ist der bereits bekannte resultierende Blindstrom I_b = I_L − I_C. Dass er quadriert wird, sorgt dafür, dass sein Vorzeichen für den Betrag des Gesamtstroms keine Rolle spielt — ob die Schaltung induktiv oder kapazitiv ist, der Gesamtstrom hat denselben Betrag, solange der Blindstrom gleich groß ist.

Den Phasenwinkel φ liefert das Verhältnis der beiden Katheten:

tan(phi) = (I_L – I_C) / I_R

  • phi … Phasenwinkel zwischen Gesamtstrom und Spannung in Grad
  • I_L … Spulenstrom in A
  • I_C … Kondensatorstrom in A
  • I_R … Wirkstrom in A

Das Vorzeichen verrät die Richtung: Ist I_L − I_C positiv (induktiv), eilt der Gesamtstrom der Spannung nach; ist es negativ (kapazitiv), eilt er vor. In der Praxis interessiert oft nur der Betrag des Winkels und die Angabe „induktiv“ oder „kapazitiv“.

Der Zusammenhang zwischen Gesamtstrom und dem Gesamtwiderstand der Schaltung — der Impedanz Z = U/I — wird in einem eigenen Beitrag zum Scheinwiderstand vertieft. Hier genügt es zu wissen, dass ein kleiner Gesamtstrom bei gegebener Spannung einer großen Impedanz entspricht und umgekehrt.

Gelöstes Beispiel

Eine RLC-Parallelschaltung liegt an U = 230 V. Gegeben sind die drei Zweigwiderstände: R = 100 Ω, X_L = 80 Ω, X_C = 120 Ω. Gesucht sind Gesamtstrom und Phasenwinkel.

Gegeben: U = 230 V, R = 100 Ω, X_L = 80 Ω, X_C = 120 Ω

Gesucht: Gesamtstrom I in A und Phasenwinkel φ in Grad

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Zweigströme berechnen:
    I_R = U / R = 230 / 100 = 2,30 A
    I_L = U / X_L = 230 / 80 = 2,875 A
    I_C = U / X_C = 230 / 120 = 1,917 A
  2. Schritt 2 — Resultierender Blindstrom:
    I_b = I_L − I_C = 2,875 − 1,917 = 0,958 A
    Der Wert ist positiv → die Schaltung verhält sich induktiv.
  3. Schritt 3 — Gesamtstrom (Pythagoras):
    I = √(I_R² + I_b²) = √(2,30² + 0,958²) = √(5,29 + 0,918) = √6,208 = 2,492 A
  4. Schritt 4 — Phasenwinkel:
    tan φ = I_b / I_R = 0,958 / 2,30 = 0,4165
    φ = arctan(0,4165) = 22,6°

Ergebnis: Gesamtstrom I ≈ 2,49 A, Phasenwinkel φ ≈ 22,6° (induktiv, Strom eilt nach)

Übungen

Eine RLC-Parallelschaltung hat die Zweigströme I_R = 3 A, I_L = 4 A und I_C = 0 A (Kondensator nicht angeschlossen). Berechne den Gesamtstrom.

I_b = 4 − 0 = 4 A; I = √(3² + 4²) = √25 = 5 A. (Reiner RL-Fall, induktiv.)

Gegeben sind I_R = 5 A, I_L = 6 A, I_C = 6 A. Berechne Gesamtstrom und Phasenwinkel.

I_b = 6 − 6 = 0 A; I = √(5² + 0²) = 5 A; tan φ = 0/5 = 0 → φ = 0°. Die Blindströme heben sich auf, die Schaltung wirkt rein ohmsch (Resonanzfall).

Eine Parallelschaltung liegt an 400 V mit R = 200 Ω, X_L = 100 Ω, X_C = 400 Ω. Berechne den Gesamtstrom.

I_R = 400/200 = 2 A; I_L = 400/100 = 4 A; I_C = 400/400 = 1 A; I_b = 4 − 1 = 3 A; I = √(2² + 3²) = √13 = 3,606 A. Induktiv.

Eine RLC-Parallelschaltung hat I_R = 1,5 A, I_L = 1,2 A, I_C = 3,2 A. Bestimme Gesamtstrom und Phasenwinkel und gib an, ob die Schaltung induktiv oder kapazitiv ist.

I_b = 1,2 − 3,2 = −2,0 A (negativ → kapazitiv); I = √(1,5² + 2,0²) = √(2,25 + 4) = √6,25 = 2,5 A; tan φ = −2,0/1,5 = −1,333 → φ = −53,1°. Kapazitiv, Strom eilt vor.

An einer RLC-Parallelschaltung mit U = 230 V werden gemessen: R = 57,5 Ω, X_L = 46 Ω, X_C = 92 Ω. Berechne den Gesamtstrom, den Phasenwinkel und beurteile das Verhalten.

I_R = 230/57,5 = 4 A; I_L = 230/46 = 5 A; I_C = 230/92 = 2,5 A; I_b = 5 − 2,5 = 2,5 A (positiv → induktiv); I = √(4² + 2,5²) = √(16 + 6,25) = √22,25 = 4,717 A; tan φ = 2,5/4 = 0,625 → φ = 32,0°. Induktiv, Strom eilt nach.

Eine RLC-Parallelschaltung hat I_R = 6 A und einen resultierenden Blindstrom I_b = 8 A. Wie groß ist der Gesamtstrom?

  • a) 10 A
  • b) 14 A
  • c) 2 A
  • d) 48 A

Richtig: a)

Wirk- und Blindstrom stehen senkrecht aufeinander, also gilt Pythagoras: I = √(6² + 8²) = √100 = 10 A. Antwort b addiert fälschlich arithmetisch (6+8), c bildet die Differenz, d multipliziert.

Bei einer RLC-Parallelschaltung ist I_C deutlich größer als I_L. Was lässt sich über den Phasenwinkel sagen?

  • a) φ ist positiv, der Strom eilt der Spannung nach
  • b) φ ist null
  • c) φ ist negativ, der Strom eilt der Spannung voraus
  • d) Der Phasenwinkel ist immer 90°

Richtig: c)

Ist I_C > I_L, wird I_b = I_L − I_C negativ. Damit wird tan φ negativ, φ ist negativ, und die Schaltung verhält sich kapazitiv — der Gesamtstrom eilt der Spannung voraus. a beschreibt den induktiven Fall, b den Resonanzfall, d gilt nur für eine reine Blindschaltung ohne Wirkanteil.

Zwei RLC-Parallelschaltungen haben denselben Wirkstrom. Schaltung A hat I_b = +3 A (induktiv), Schaltung B hat I_b = −3 A (kapazitiv). Wie unterscheiden sich ihre Gesamtströme im Betrag?

  • a) Schaltung A hat den größeren Gesamtstrom
  • b) Schaltung B hat den größeren Gesamtstrom
  • c) Beide haben denselben Gesamtstrom-Betrag
  • d) Das lässt sich ohne die Spannung nicht beantworten

Richtig: c)

Im Pythagoras wird der Blindstrom quadriert, dadurch fällt das Vorzeichen weg: (+3)² = (−3)² = 9. Bei gleichem Wirkstrom ergibt sich also derselbe Betrag des Gesamtstroms. Nur die Phasenlage (nach- oder voreilend) unterscheidet sich. d ist falsch, da die Zweigströme bereits gegeben sind.

5. Sonderfall Stromresonanz — kurzer Ausblick

Ein besonderer Betriebszustand tritt ein, wenn der Spulenstrom und der Kondensatorstrom genau gleich groß sind: I_L = I_C. Dann wird der resultierende Blindstrom null, die beiden Blindströme heben sich vollständig auf. Übrig bleibt nur der Wirkstrom — die Schaltung verhält sich nach außen rein ohmsch, und der Gesamtstrom erreicht sein Minimum.

Dieser Zustand heißt Stromresonanz. Die Parallelschaltung aus L und C wird dabei auch als Parallelschwingkreis oder Sperrkreis bezeichnet, weil sie bei Resonanz den Gesamtstrom besonders klein hält. Was dabei im Inneren der Schaltung passiert, bei welcher Frequenz Resonanz eintritt und wozu man Schwingkreise nutzt, wird im eigenen Beitrag zu Resonanz und Schwingkreisen ausführlich behandelt. Für die RLC-Parallelschaltung reicht es zu wissen: Bei I_L = I_C ist die Schaltung in Resonanz, der Blindstrom verschwindet und der Gesamtstrom wird minimal.

Was passiert mit dem Gesamtstrom einer RLC-Parallelschaltung im Resonanzfall?

  • a) Er wird maximal
  • b) Er wird null
  • c) Er verdoppelt sich
  • d) Er wird minimal, weil nur noch der Wirkstrom übrig bleibt

Richtig: d)

Bei Resonanz heben sich I_L und I_C auf, der Blindstrom ist null. Es bleibt nur I_R, und der Gesamtstrom erreicht sein Minimum. Er wird aber nicht null (b), solange ein Wirkwiderstand vorhanden ist. a und c sind falsch — im Gegenteil, der Parallelschwingkreis hält den Gesamtstrom klein.

Wie verhält sich eine RLC-Parallelschaltung im Resonanzfall nach außen?

  • a) Rein induktiv
  • b) Rein kapazitiv
  • c) Rein ohmsch
  • d) Wie ein offener Schalter

Richtig: c)

Da sich die Blindströme aufheben, bleibt nur der Wirkstrom übrig. Strom und Spannung sind dann in Phase — die Schaltung verhält sich rein ohmsch, der Phasenwinkel ist null. a und b setzen einen übrig bleibenden Blindanteil voraus, den es im Resonanzfall nicht gibt; d trifft nicht zu, da weiterhin Wirkstrom fließt.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine RLC-Parallelschaltung liegt an U = 230 V. Die Zweige haben R = 115 Ω, X_L = 57,5 Ω und X_C = 115 Ω. Berechne die drei Zweigströme.

Gegeben: U = 230 V, R = 115 Ω, X_L = 57,5 Ω, X_C = 115 Ω

Gesucht: I_R, I_L, I_C

Lösungsweg:

I_R = U/R = 230/115 = 2 A
I_L = U/X_L = 230/57,5 = 4 A
I_C = U/X_C = 230/115 = 2 A

Ergebnis: I_R = 2 A, I_L = 4 A, I_C = 2 A

Aufgabe 2: Berechne für die Schaltung aus Aufgabe 1 den resultierenden Blindstrom, den Gesamtstrom und den Phasenwinkel.

Gegeben: I_R = 2 A, I_L = 4 A, I_C = 2 A

Gesucht: I_b, I, φ

Lösungsweg:

I_b = I_L − I_C = 4 − 2 = 2 A (positiv → induktiv)
I = √(I_R² + I_b²) = √(2² + 2²) = √8 = 2,828 A
tan φ = I_b/I_R = 2/2 = 1 → φ = 45°

Ergebnis: I_b = 2 A, I ≈ 2,83 A, φ = 45° (induktiv)

Aufgabe 3: Eine RLC-Parallelschaltung an 400 V hat R = 80 Ω, X_L = 200 Ω, X_C = 100 Ω. Berechne den Gesamtstrom.

Gegeben: U = 400 V, R = 80 Ω, X_L = 200 Ω, X_C = 100 Ω

Gesucht: I

Lösungsweg:

I_R = 400/80 = 5 A
I_L = 400/200 = 2 A
I_C = 400/100 = 4 A
I_b = 2 − 4 = −2 A (kapazitiv)
I = √(5² + (−2)²) = √(25 + 4) = √29 = 5,385 A

Ergebnis: I ≈ 5,39 A (kapazitiv)

Aufgabe 4: Für die Schaltung aus Aufgabe 3 ist der Phasenwinkel zu bestimmen.

Gegeben: I_R = 5 A, I_b = −2 A

Gesucht: φ

Lösungsweg:

tan φ = I_b/I_R = −2/5 = −0,4
φ = arctan(−0,4) = −21,8°

Ergebnis: φ ≈ −21,8° (kapazitiv, Strom eilt vor)

In einer RLC-Parallelschaltung gilt für die gemeinsame Größe an allen drei Zweigen:

  • a) Der Strom ist überall gleich
  • b) Die Leistung ist überall gleich
  • c) Die Spannung ist überall gleich
  • d) Der Phasenwinkel ist überall gleich

Richtig: c)

Bei Parallelschaltung liegen alle Bauteile an denselben zwei Knoten, also liegt überall dieselbe Spannung an. Der Strom teilt sich auf (a falsch), Leistung und Phasenwinkel unterscheiden sich je Zweig (b, d falsch).

Der Strom durch welches Bauteil eilt der Spannung um 90° voraus?

  • a) Wirkwiderstand
  • b) Spule
  • c) Bei allen dreien gleich
  • d) Kondensator

Richtig: d)

Der Kondensatorstrom eilt der Spannung 90° voraus, weil erst Ladung fließen muss, bevor sich Spannung aufbaut. Der Wirkstrom ist in phase (a), der Spulenstrom eilt nach (b).

Eine RLC-Parallelschaltung hat I_R = 4 A, I_L = 6 A, I_C = 3 A. Wie groß ist der Gesamtstrom?

  • a) 5 A
  • b) 13 A
  • c) 7 A
  • d) 6,4 A

Richtig: a)

I_b = 6 − 3 = 3 A; I = √(4² + 3²) = √25 = 5 A. b addiert alles arithmetisch, c addiert I_R und I_b linear, d verwendet einen falschen Blindstrom.

Wann verhält sich eine RLC-Parallelschaltung nach außen rein ohmsch?

  • a) Wenn R sehr groß ist
  • b) Wenn I_L = I_C ist
  • c) Wenn kein Kondensator vorhanden ist
  • d) Wenn die Spannung null ist

Richtig: b)

Sind Spulen- und Kondensatorstrom gleich groß, hebt sich der Blindstrom auf und es bleibt nur der Wirkstrom — das ist der Resonanzfall. a verändert nur den Betrag des Wirkstroms, c ergäbe einen rein induktiven Zweiganteil, d ist trivial-unsinnig.

Eine Parallelschaltung zeigt einen Phasenwinkel von φ = +35°. Was bedeutet das positive Vorzeichen?

  • a) Die Schaltung ist induktiv, der Strom eilt der Spannung nach
  • b) Die Schaltung ist kapazitiv, der Strom eilt vor
  • c) Die Schaltung ist in Resonanz
  • d) Der Gesamtstrom ist null

Richtig: a)

Ein positives φ folgt aus positivem I_b = I_L − I_C, also überwiegt der Spulenstrom — induktives Verhalten, der Gesamtstrom eilt der Spannung nach. b beschreibt den negativen Fall, c gilt nur bei φ = 0, d ist nicht ableitbar.

Warum führt die einfache arithmetische Addition I = I_R + I_L + I_C zum falschen Ergebnis?

  • a) Weil die Ströme unterschiedliche Frequenzen haben
  • b) Weil ein Teil des Stroms verloren geht
  • c) Weil die Ströme phasenverschoben sind und ihre Maxima nicht gleichzeitig auftreten
  • d) Weil die Spannung sich aufteilt

Richtig: c)

Die drei Zweigströme erreichen ihre Höchstwerte zu verschiedenen Zeiten — L und C erzeugen je 90° Verschiebung. Eine arithmetische Summe ignoriert das und liefert einen zu großen Wert. Alle Ströme haben dieselbe Frequenz (a falsch), Strom geht nicht verloren (b), und die Spannung ist bei Parallelschaltung gerade gemeinsam (d).

Eine RLC-Parallelschaltung hat einen kleinen Gesamtstrom bei großer anliegender Spannung. Was folgt daraus für die Impedanz?

  • a) Die Impedanz ist klein
  • b) Die Impedanz ist groß
  • c) Die Impedanz ist null
  • d) Die Impedanz lässt sich nicht beurteilen

Richtig: b)

Aus Z = U/I folgt: große Spannung geteilt durch kleinen Strom ergibt eine große Impedanz. Das ist gerade das Kennzeichen eines Parallelschwingkreises nahe der Resonanz. a kehrt den Zusammenhang um, c und d sind falsch.

Im Stromzeigerdiagramm wird I_L nach unten und I_C nach oben aufgetragen. Worauf beruht diese Festlegung?

  • a) Auf einer willkürlichen Konvention ohne physikalischen Hintergrund
  • b) Darauf, dass die Spule mehr Strom führt als der Kondensator
  • c) Auf der unterschiedlichen Größe der Blindwiderstände
  • d) Auf dem entgegengesetzten Phasenverhalten: I_L eilt nach, I_C eilt vor

Richtig: d)

I_L eilt der Spannung 90° nach (nach unten), I_C eilt 90° vor (nach oben). Die Richtungen im Diagramm bilden direkt dieses gegensätzliche Phasenverhalten ab. Es ist keine Willkür (a), und es hängt nicht von den Beträgen ab (b, c) — nur von der Phasenlage.

Bei welcher der folgenden Schaltungen ist der Phasenwinkel exakt null?

  • a) I_R = 3 A, I_L = 5 A, I_C = 2 A
  • b) I_R = 0 A, I_L = 4 A, I_C = 2 A
  • c) I_R = 3 A, I_L = 4 A, I_C = 4 A
  • d) I_R = 3 A, I_L = 2 A, I_C = 5 A

Richtig: c)

φ = 0 verlangt I_b = I_L − I_C = 0, also I_L = I_C. Nur Variante c erfüllt das (4 = 4). a und d haben ungleiche Blindströme, bei b ist zwar I_b ≠ 0 und zusätzlich I_R = 0, was zu φ = ±90° führt, nicht null.

Eine RLC-Parallelschaltung wird mit konstanter Spannung betrieben. Die Frequenz wird so verändert, dass die Schaltung von induktivem in kapazitives Verhalten übergeht. Was muss dabei zwingend durchlaufen werden?

  • a) Ein Zustand mit maximalem Gesamtstrom
  • b) Ein Zustand mit I_b = 0, also die Stromresonanz
  • c) Ein Zustand, in dem der Wirkstrom null wird
  • d) Ein Zustand mit unendlich großem Gesamtstrom

Richtig: b)

Der Übergang von induktiv (I_b > 0) zu kapazitiv (I_b < 0) erfordert einen stetigen Durchgang durch I_b = 0 — das ist genau die Stromresonanz mit minimalem Gesamtstrom. a ist falsch, weil der Gesamtstrom dort minimal, nicht maximal ist; der Wirkstrom bleibt unverändert (c); d trifft auf den Reihenschwingkreis zu, nicht auf die Parallelschaltung.

Glossar

RLC-Parallelschaltung
Schaltung, bei der Wirkwiderstand, Spule und Kondensator parallel an derselben Wechselspannung liegen; die gemeinsame Größe ist die Spannung, die Zweigströme teilen sich auf.
Zweigstrom
Der Strom, der durch einen einzelnen parallelen Zweig (R, L oder C) fließt. Die drei Zweigströme sind gegeneinander phasenverschoben.
Wirkstrom (I_R)
Der Strom durch den ohmschen Zweig; in Phase mit der Spannung.
Resultierender Blindstrom (I_b)
Die Differenz aus Spulen- und Kondensatorstrom, I_b = I_L − I_C; senkrechter Anteil im Stromzeigerdiagramm.
Stromzeigerdiagramm
Darstellung der Zweigströme als Pfeile relativ zur Spannung als Bezug; ermöglicht die geometrische Ermittlung des Gesamtstroms.
Phasenwinkel φ
Der Winkel zwischen Gesamtstrom und Spannung; positiv bei induktivem, negativ bei kapazitivem Verhalten.
Stromresonanz
Betriebszustand mit I_L = I_C, in dem sich die Blindströme aufheben, der Gesamtstrom minimal wird und die Schaltung rein ohmsch wirkt.
Parallelschwingkreis (Sperrkreis)
Parallelschaltung aus Spule und Kondensator, die bei Resonanz den Gesamtstrom besonders klein hält.
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