Isolationsmessung

Jede elektrische Anlage lebt davon, dass Strom genau dort fließt, wo er soll – im Leiter, nicht durch das Gehäuse, nicht über feuchtes Mauerwerk und schon gar nicht durch einen Menschen. Dafür sorgt die Isolierung. Solange sie intakt ist, merkt man von ihr nichts. Lässt sie nach, beginnt es leise: ein paar Mikroampere kriechen über Risse, über Feuchtigkeit, über verschmutzte Oberflächen ab. Genau diese schleichende Verschlechterung macht die Isolationsmessung sichtbar, lange bevor ein Fehlerstrom gefährlich wird.

In diesem Beitrag geht es darum, was der Isolationswiderstand eigentlich ist, warum man ihn mit Gleichspannung gegen Erde misst, wie man den Messwert richtig ermittelt und bewertet – und worauf es bei der Durchführung in der Praxis ankommt, damit weder die Elektronik noch der Messende Schaden nimmt.

Vorwissen

  • Elektrischer Widerstand und spezifischer Widerstand
  • Leiter, Halbleiter und Isolatoren
  • ÖVE-Schutzkonzept: Basisschutz, Fehlerschutz, Zusatzschutz

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, welche Aufgabe der Isolationswiderstand hat und warum er im MΩ-Bereich liegt
  • beschreiben, warum mit Gleichspannung gemessen wird und welche Prüfspannung zu welcher Nennspannung gehört
  • den Isolationswiderstand aus Prüfspannung und Ableitstrom berechnen und das Ergebnis bewerten
  • eine Isolationsmessung an einer Anlage sicher und in der richtigen Reihenfolge durchführen
  • aus einem niedrigen Messwert auf mögliche Fehlerursachen schließen und Polarisationsindex und DAR einordnen

1. Warum Isolationsmessung?

Die Isolierung eines Leiters hat eine einzige, aber zentrale Aufgabe: Sie trennt den stromführenden Leiter zuverlässig von allem, was nicht Strom führen soll – vom Gehäuse, von benachbarten Leitern, vom Schutzleiter, von der Erde. Ein neues Kabel erfüllt das mühelos. Über die Jahre arbeiten aber Wärme, Feuchtigkeit, mechanische Belastung, UV-Licht und Verschmutzung gegen die Isolierung. Sie wird spröde, bekommt feine Risse, nimmt Feuchtigkeit auf.

Sobald das passiert, fließt ein winziger Strom dort, wo eigentlich keiner fließen dürfte – ein Ableitstrom, auch Kriechstrom genannt. Anfangs sind das Bruchteile eines Milliampere. Das klingt harmlos, ist es aber nicht: Ein dauerhafter Kriechstrom über eine verschmutzte Oberfläche erwärmt diese, der Kohlenstoff in der Verschmutzung wird leitfähiger, der Strom steigt, die Erwärmung steigt – ein Prozess, der bis zum Kriechstrombrand führen kann. Und ein Mensch, der ein Gehäuse berührt, dessen Isolierung versagt hat, schließt den Fehlerstrom über den eigenen Körper gegen Erde.

Hier liegt der Unterschied zur gewöhnlichen Widerstandsmessung. Bei einem Widerstand in einer Schaltung interessiert ein Wert von einigen Ohm bis Kiloohm. Beim Isolationswiderstand geht es um genau das Gegenteil: Er soll so hochohmig wie möglich sein. Gemessen wird im Bereich von Megaohm (MΩ) bis Gigaohm (GΩ). Ein intaktes Kabel hat oft mehrere hundert MΩ oder mehr. Fällt dieser Wert deutlich ab, ist das ein Frühwarnzeichen – die Isolierung baut ab, auch wenn die Anlage noch normal funktioniert.

Genau deshalb ist die Isolationsmessung fester Bestandteil jeder Erstprüfung einer neuen Anlage und jeder wiederkehrenden Prüfung. Sie deckt einen Mangel auf, der mit bloßem Auge und im laufenden Betrieb unsichtbar bleibt.

Warum wird beim Isolationswiderstand ein möglichst hoher Wert angestrebt, während man bei einem Verbraucherwiderstand mit kleinen Werten arbeitet?

  • a) Weil die Isolierung den Stromfluss zwischen Leiter und Erde möglichst vollständig unterbinden soll
  • b) Weil ein hoher Widerstand die Leistung des Verbrauchers erhöht
  • c) Weil ein hoher Widerstand den Kurzschlussstrom begrenzt
  • d) Weil das Messgerät nur hohe Werte anzeigen kann

Richtig: a)

Der Isolationswiderstand beschreibt nicht den Nutzstrompfad, sondern den unerwünschten Pfad zwischen aktivem Leiter und Erde. Je höher dieser Widerstand, desto kleiner der Ableitstrom – die Isolierung tut also genau dann ihre Arbeit, wenn der Wert sehr groß ist. Antwort b verwechselt Isolations- mit Lastwiderstand, c betrifft die Kurzschlussstrombegrenzung im Leiter selbst, d ist sachlich falsch.

Ein Kriechstrom von wenigen Mikroampere über eine verschmutzte Isolieroberfläche gilt als gefährlich. Welche Begründung trifft zu?

  • a) Der Strom ist sofort tödlich für den Menschen
  • b) Der Strom löst sofort den Leitungsschutzschalter aus
  • c) Der Strom verändert die Netzspannung messbar
  • d) Die örtliche Erwärmung kann die Oberfläche leitfähiger machen und einen sich selbst verstärkenden Prozess bis zum Brand auslösen

Richtig: d)

Mikroampere sind für sich genommen weder tödlich noch lösen sie einen Schutzschalter aus. Die Gefahr liegt in der Rückkopplung: Der Kriechstrom erwärmt die Bahn, Verschmutzung verkohlt und wird leitfähiger, der Strom steigt weiter. Dieser Effekt kann über lange Zeit unbemerkt bis zum Kriechstrombrand führen. Antwort c beschreibt keinen realen Effekt in dieser Größenordnung.

2. Das Messprinzip

Wer einen Isolationswiderstand messen will, steht vor einem Problem: Die üblichen 230 V oder 400 V des Netzes reichen nicht aus, um eine beginnende Schwachstelle zuverlässig sichtbar zu machen. Eine Isolierung kann bei Betriebsspannung noch unauffällig wirken und erst bei höherer Spannung „durchschlagen“. Deshalb arbeitet ein Isolationsmessgerät with einer eigenen, eingebauten Hochspannungsquelle, die eine definierte Prüfspannung erzeugt – deutlich höher als die Betriebsspannung des geprüften Stromkreises.

Diese Prüfspannung ist Gleichspannung. Das hat einen handfesten Grund. Jedes Kabel, jede Wicklung bildet zwischen Leiter und Erde eine kleine Kapazität. Würde man mit Wechselspannung messen, flösse über diese Kapazität ein kapazitiver Blindwiderstand-Strom – ein Strom, der nichts mit der Isolationsqualität zu tun hat, das Ergebnis aber verfälscht. Mit Gleichspannung tritt dieser Effekt nach dem ersten Aufladen nicht mehr auf: Im eingeschwungenen Zustand fließt nur noch der echte Ableitstrom durch die Isolierung. Genau den will man messen.

Das Messgerät legt die Prüfspannung an und misst den daraufhin fließenden Ableitstrom. Aus beiden Größen ergibt sich der Isolationswiderstand nach dem Ohmschen Gesetz:

R_iso = U_pruef / I_ableit

  • R_iso …… Isolationswiderstand in MΩ
  • U_pruef …. Prüfspannung in V
  • I_ableit … Ableitstrom in µA

Ein kurzer Blick auf die Einheiten erklärt, warum sich das Ergebnis so bequem ergibt: Da 1 µA = 10⁻⁶ A und 1 MΩ = 10⁶ Ω entsprechen, kürzen sich die Zehnerpotenzen bei der Division von Volt durch Mikroampere genau so, dass das Ergebnis direkt in Megaohm vorliegt. Man teilt also schlicht die Spannung in Volt durch den Strom in Mikroampere und liest den Widerstand in MΩ ab.

Ein Zahlenbeispiel macht die Größenordnungen klar: Bei 500 V Prüfspannung und einem Ableitstrom von 1 µA ergibt sich ein Isolationswiderstand von 500 MΩ. Umgekehrt heißt das auch: Je schlechter die Isolierung, desto größer der Ableitstrom bei gleicher Prüfspannung. Die Beziehung lässt sich daher auch umstellen, um abzuschätzen, welcher Ableitstrom bei einem bestimmten Isolationswiderstand zu erwarten ist:

I_ableit = U_pruef / R_iso

  • I_ableit … Ableitstrom in µA
  • U_pruef …. Prüfspannung in V
  • R_iso …… Isolationswiderstand in MΩ

Diese zweite Form ist mehr als eine mathematische Spielerei. Sie zeigt direkt, wie schnell der Kriechstrom ansteigt, wenn der Isolationswiderstand abfällt – und macht damit die Gefahr aus Kapitel 1 greifbar.

Welche Prüfspannung verwendet wird, richtet sich nach der Nennspannung des geprüften Stromkreises. Übliche Stufen sind 250 V, 500 V und 1000 V. Für Stromkreise im üblichen Niederspannungsbereich bis 500 V Nennspannung wird typischerweise mit 500 V geprüft. Die genaue Zuordnung und die zugehörigen Mindestwerte folgen im nächsten Kapitel.

Gelöstes Beispiel

Ein Stromkreis wird mit einer Prüfspannung von 500 V gemessen. Das Isolationsmessgerät zeigt einen Ableitstrom von 2,5 µA an. Wie groß ist der Isolationswiderstand?

Gegeben: U_pruef = 500 V, I_ableit = 2,5 µA

Gesucht: R_iso in MΩ

Lösungweg:

  1. Formel ansetzen: R_iso = U_pruef / I_ableit
  2. Einsetzen mit passenden Einheiten: Wie oben gezeigt, ergibt Volt geteilt durch Mikroampere den Widerstand direkt in Megaohm. R_iso = 500 V / 2,5 µA = 200 MΩ

Ergebnis: Der Isolationswiderstand beträgt 200 MΩ.

Übungen

Bei 250 V Prüfspannung fließt ein Ableitstrom von 5 µA. Berechne den Isolationswiderstand.

R_iso = 250 V / 5 µA = 50 MΩ.

Ein Messgerät zeigt bei 500 V Prüfspannung einen Isolationswiderstand von 100 MΩ. Welcher Ableitstrom fließt?

I_ableit = U_pruef / R_iso = 500 V / 100 MΩ = 5 µA.

An einer Maschine wird mit 1000 V geprüft. Der Ableitstrom beträgt 4 µA. Berechne den Isolationswiderstand.

R_iso = 1000 V / 4 µA = 250 MΩ.

Welcher Ableitstrom ist bei einer Prüfspannung von 500 V zu erwarten, wenn der Isolationswiderstand gerade noch 1 MΩ beträgt? Was bedeutet das Ergebnis für die Beurteilung?

I_ableit = 500 V / 1 MΩ = 500 µA = 0,5 mA. Der Ableitstrom ist hundertfach höher als bei intakter Isolierung – ein deutliches Warnzeichen.

Zwei gleichartige Kabel werden mit 500 V geprüft. Kabel A liefert 0,5 µA, Kabel B liefert 8 µA. Berechne beide Isolationswiderstände und beurteile, welches Kabel die bessere Isolierung hat.

Kabel A: R_iso = 500 V / 0,5 µA = 1000 MΩ. Kabel B: R_iso = 500 V / 8 µA = 62,5 MΩ. Kabel A hat die deutlich bessere Isolierung, weil bei gleicher Prüfspannung ein viel kleinerer Ableitstrom fließt.

Warum wird die Isolationsmessung mit Gleichspannung und nicht mit Wechselspannung durchgeführt?

  • a) Weil bei Wechselspannung ein kapazitiver Stromanteil das Ergebnis verfälschen würde
  • b) Weil ein Messgerät keine Wechselspannung erzeugen kann
  • c) Weil Gleichspannung ungefährlicher für den Prüfer ist
  • d) Weil Gleichspannung tiefer in die Isolierung eindringt

Richtig: a)

Leiter und Erde bilden eine Kapazität. Bei Wechselspannung flösse über diese ein Blindstrom, der nichts über die Isolationsqualität aussagt, das Ergebnis aber verfälscht. Mit Gleichspannung verschwindet dieser Anteil nach dem Aufladen, und es bleibt nur der echte Ableitstrom. Antwort c ist falsch, weil die Prüfspannung gerade hoch ist; b ist technisch unzutreffend; d beschreibt keinen relevanten Effekt für die Messung.

Bei einer Prüfspannung von 500 V wird ein Ableitstrom von 10 µA gemessen. Wie groß ist der Isolationswiderstand?

  • a) 5 MΩ
  • b) 50 MΩ
  • c) 500 MΩ
  • d) 5000 MΩ

Richtig: b)

R_iso = U_pruef / I_ableit = 500 V / 10 µA = 50 MΩ. Bei Volt geteilt durch Mikroampere ergibt sich das Resultat unmittelbar in Megaohm. Die übrigen Werte entstehen durch falsche Zehnerpotenzen beim Umrechnen.

Was geschieht mit dem Ableitstrom, wenn bei gleichbleibender Prüfspannung der Isolationswiderstand absinkt?

  • a) Er bleibt konstant
  • b) Er sinkt ebenfalls
  • c) Er steigt an
  • d) Er kehrt seine Richtung um

Richtig: c)

Aus I_ableit = U_pruef / R_iso folgt: Bei konstanter Prüfspannung und sinkendem Widerstand steigt der Strom. Genau dieser Anstieg macht eine nachlassende Isolierung gefährlich. Eine Stromrichtungsumkehr (d) gibt es bei Gleichspannung nicht.

3. Grenzwerte und Bewertung

Ein gemessener Isolationswiderstand für sich allein sagt noch nichts aus. Erst der Vergleich mit einem Mindestwert entscheidet, ob die Isolierung als ausreichend gilt. Diese Mindestwerte und die zugehörigen Prüfspannungen sind in der österreichischen Errichternorm für elektrische Niederspannungsanlagen, der ÖVE/ÖNORM E 8101, festgelegt. Das Prinzip dahinter: Je höher die Nennspannung eines Stromkreises, desto höher die Prüfspannung und desto höher der geforderte Mindestwiderstand.

Für die gängigen Bereiche gilt vereinfacht:

Nennspannung des Stromkreises Prüfspannung typischer Mindest-Isolationswiderstand
SELV und PELV (Schutzkleinspannung) 250 V mindestens 0,5 MΩ
bis 500 V (z. B. übliche 230/400-V-Kreise) 500 V mindestens 1 MΩ
über 500 V 1000 V mindestens 1 MΩ

Der praktisch wichtigste Fall ist die Zeile in der Mitte: Eine normale Hausinstallation oder ein Maschinenstromkreis mit 230 V oder 400 V wird mit 500 V geprüft, und der Wert muss mindestens 1 MΩ erreichen. Wird dieser Mindestwert unterschritten, gilt die Messung als nicht bestanden – die Anlage darf in diesem Zustand nicht in Betrieb genommen oder weiterbetrieben werden.

Wichtig ist die Einordnung dieser Zahl: 1 MΩ ist die absolute Untergrenze. Ein intakter, neuer Stromkreis liegt um Größenordnungen darüber, oft bei hunderten MΩ. Ein Wert, der zwar noch über 1 MΩ liegt, aber gegenüber einer früheren Messung stark abgefallen ist, ist deshalb ebenfalls ein Warnsignal. Genau deshalb lohnt es sich, Messwerte über die Zeit zu dokumentieren statt nur das einmalige Bestehen abzuhaken.

Zwei Umgebungseinflüsse verzerren das Ergebnis regelmäßig und müssen mitgedacht werden. Feuchtigkeit auf oder in der Isolierung senkt den gemessenen Wert teils dramatisch – ein Kabel, das morgens im feuchten Schacht 0,8 MΩ liefert, kann nach dem Abtrocknen wieder bei 200 MΩ liegen. Auch Temperatur spielt hinein: Mit steigender Temperatur sinkt der Isolationswiderstand vieler Materialien. Wer Messwerte über Jahre vergleichen will, muss also wissen, unter welchen Bedingungen gemessen wurde, sonst vergleicht er Äpfel mit Birnen.

Ein üblicher 400-V-Drehstromkreis wird geprüft. Welche Prüfspannung und welcher Mindestwert gelten?

  • a) 250 V Prüfspannung, mindestens 0,5 MΩ
  • b) 1000 V Prüfspannung, mindestens 0,5 MΩ
  • c) 400 V Prüfspannung, mindestens 1 MΩ
  • d) 500 V Prüfspannung, mindestens 1 MΩ

Richtig: d)

Stromkreise bis 500 V Nennspannung – dazu zählen die üblichen 230/400-V-Kreise – werden mit 500 V Prüfspannung gemessen, und der Isolationswiderstand muss mindestens 1 MΩ betragen. Die Prüfspannung ist bewusst höher als die Nennspannung gewählt; eine Prüfung mit 400 V (c) gibt es in dieser Stufung nicht.

Eine Messung an einem Maschinenstromkreis ergibt 1,2 MΩ. Im Vorjahr lag derselbe Kreis bei 180 MΩ. Wie ist das zu bewerten?

  • a) Alles in Ordnung, da der Mindestwert von 1 MΩ eingehalten ist
  • b) Der Wert ist formal noch knapp ausreichend, der starke Abfall ist aber ein deutliches Warnsignal und erfordert weitere Untersuchung
  • c) Die Vorjahresmessung war fehlerhaft, der neue Wert ist maßgeblich
  • d) Der Stromkreis ist sicher zerstört und muss sofort getauscht werden

Richtig: b)

Formal liegt 1,2 MΩ über der Grenze von 1 MΩ. Entscheidend ist hier aber der Verlauf: Ein Abfall von 180 MΩ auf 1,2 MΩ deutet auf eine massiv fortschreitende Schädigung der Isolierung hin. Das ist der Grund, Messwerte zu dokumentieren und nicht nur das Bestehen abzuhaken. Eine sichere Aussage „zerstört“ (d) lässt der Wert allein nicht zu – erst die Fehlersuche klärt die Ursache.

Warum kann derselbe Stromkreis morgens 0,7 MΩ und am Nachmittag 150 MΩ liefern?

  • a) Weil Feuchtigkeit in der Isolierung den Wert stark senkt und nach dem Abtrocknen wieder ansteigt
  • b) Weil das Messgerät zwischendurch defekt war
  • c) Weil sich die Netzspannung verändert hat
  • d) Weil der Ableitstrom tageszeitabhängig die Richtung wechselt

Richtig: a)

Feuchtigkeit ist einer der größten Störeinflüsse bei der Isolationsmessung. Sie bildet einen leitfähigen Pfad und drückt den gemessenen Widerstand nach unten; trocknet die Isolierung ab, steigt der Wert wieder. Deshalb ist die Bedingung bei der Messung mitzuprotokollieren. Netzspannung (c) spielt keine Rolle, weil mit der internen Prüfspannung gemessen wird.

4. Durchführung in der Praxis

Die Theorie ist überschaubar – die meisten Fehler bei der Isolationsmessung passieren bei der praktischen Durchführung. Zwei Dinge stehen über allem: Sicherheit und das Vermeiden von Schäden an angeschlossener Elektronik.

Zuerst die Sicherheit. Der zu prüfende Anlagenteil wird spannungsfrei geschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert. Die Isolationsmessung an einer unter Spannung stehenden Anlage ist nicht nur sinnlos, sondern gefährlich und zerstört in der Regel das Messgerät. Hinzu kommt: Das Messgerät selbst erzeugt eine hohe Prüfspannung von bis zu 1000 V. Während der Messung liegt diese Spannung an den Messleitungen und am geprüften Objekt an – hier nicht hingreifen. Kabel und Leitungen mit nennenswerter Kapazität speichern diese Spannung außerdem nach der Messung. Deshalb gehört das Entladen nach jeder Messung dazu; gute Messgeräte übernehmen das automatisch und zeigen es an.

Der zweite kritische Punkt ist die angeschlossene Elektronik. Elektronische Betriebsmittel – Steuerungen, Frequenzumrichter, Netzteile, LED-Treiber, Überspannungsschutzeinrichtungen – vertragen die hohe Prüfspannung nicht. Sie werden vor der Messung abgeklemmt oder der betreffende Stromkreis wird so vorbereitet, dass die Prüfspannung nicht an die empfindlichen Bauteile gelangt. Ein bewährter Weg, um genau das zu erreichen, ist eine Brücke zwischen L und N: Verbindet man die aktiven Leiter miteinander und misst dann gemeinsam gegen den Schutzleiter, liegt zwischen L und N keine Prüfspannung an – die dort eingebauten Elektronikkomponenten bleiben unbelastet, während die Isolierung gegen Erde trotzdem geprüft wird.

Gemessen wird grundsätzlich zwischen den Punkten, zwischen denen die Isolierung trennen soll:

  • jeder aktive Leiter gegen den Schutzleiter PE (L gegen PE, N gegen PE)
  • die aktiven Leiter gegeneinander (L gegen N), sofern keine empfindliche Elektronik dazwischen liegt

Bei einer Installation arbeitet man sich von der Verteilung aus durch die einzelnen Stromkreise. Bei einem einzelnen Gerät misst man zwischen den aktiven Anschlüssen und dem berührbaren leitfähigen Gehäuse beziehungsweise dem Schutzleiteranschluss. Die Messdauer beträgt üblicherweise einige Sekunden, bis sich der angezeigte Wert stabilisiert hat – bei großen Kabellängen oder Wicklungen dauert das länger, weil sich zuerst die Kapazität aufladen muss.

Das verwendete Messgerät ist kein gewöhnliches Multimeter, sondern ein Isolationsmessgerät, das die Anforderungen der ÖVE/ÖNORM EN 61557-2 erfüllt – jener Norm, die Mess- und Überwachungsgeräte für die Prüfung des Isolationswiderstands in Niederspannungsanlagen festlegt. Der Messablauf selbst und die einzuhaltenden Grenzwerte richten sich nach der ÖVE/ÖNORM E 8101.

Das folgende Schema zeigt eine typische Messanordnung an einem Abzweig: Die aktiven Leiter L und N sind durch eine Brücke verbunden und werden gemeinsam gegen den Schutzleiter PE gemessen. So bleibt eine empfindliche elektronische Last unbelastet, während die Isolierung gegen Erde geprüft wird.

Isolationsmessung mit L-N-Brücke gegen PE Abzweig / Klemmen L N PE Brücke L–N Schutzleiter PE Iso-Messgerät empfindliche Elektronik durch Brücke entlastet Prüfspannung 500 V DC
Anschluss-Schema der Messung

Warum verbindet man bei empfindlicher angeschlossener Elektronik L und N durch eine Brücke und misst gemeinsam gegen PE?

  • a) Damit zwischen L und N keine Prüfspannung anliegt und die Elektronik nicht beschädigt wird
  • b) Damit das Messgerät einen höheren Wert anzeigt
  • c) Damit die Messung schneller geht
  • d) Weil sonst der Schutzleiter unter Spannung steht

Richtig: a)

Liegen L und N auf gleichem Potential, fällt zwischen ihnen keine Prüfspannung ab – die dort eingebauten elektronischen Bauteile werden nicht belastet. Gleichzeitig prüft die Spannung gegen PE weiterhin die Isolierung gegen Erde. Die Brücke dient also dem Schutz der Elektronik, nicht der Beschleunigung (c) oder der Anzeige (b).

Welche Aussage zur Sicherheit bei der Isolationsmessung ist korrekt?

  • a) Die Messung darf an einer unter Spannung stehenden Anlage erfolgen, solange das Gerät dafür zugelassen ist
  • b) Nach der Messung ist kein Entladen nötig, weil Gleichspannung sich nicht speichert
  • c) Die Anlage ist spannungsfrei zu schalten, und Kabel sind nach der Messung zu entladen, da sie die Prüfspannung speichern können
  • d) Die Prüfspannung ist so niedrig, dass sie ungefährlich ist

Richtig: c)

Auschließlich an der spannungsfrei geschalteten Anlage wird gemessen. Kabel und Wicklungen bilden Kapazitäten, die die hohe Prüfspannung speichern und nach der Messung gefährlich werden können – deshalb das Entladen. Die Prüfspannung von bis zu 1000 V ist keineswegs harmlos (d), und eine Messung unter Betriebsspannung (a) zerstört das Gerät.

Warum dauert die Messung an einem langen Kabel länger als an einem kurzen Leiterstück, bis sich der Wert stabilisiert?

  • a) Weil das Messgerät bei langen Kabeln langsamer rechnet
  • b) Weil lange Kabel grundsätzlich einen schlechteren Isolationswiderstand haben
  • c) Weil die Prüfspannung bei langen Kabeln automatisch sinkt
  • d) Weil zuerst die Kabelkapazität aufgeladen werden muss, bevor nur noch der Ableitstrom fließt

Richtig: d)

Beim Anlegen der Gleichspannung lädt sich zunächst die Kapazität zwischen Leiter und Erde auf. Während dieser Aufladephase fließt ein zusätzlicher Strom, der den angezeigten Wert verfälscht. Erst wenn die Kapazität geladen ist, fließt nur noch der echte Ableitstrom und der Wert stabilisiert sich – bei langen Kabeln dauert das entsprechend länger.

5. Fehlersuche mit der Isolationsmessung

Zeigt die Messung einen zu niedrigen Wert, beginnt die eigentliche Arbeit: die Ursache finden. Ein niedriger Isolationswiderstand hat in der Praxis einige typische Verdächtige. Feuchtigkeit ist der häufigste – in Schächten, in Außenanlagen, in Anlagen, die länger stillstanden. Mechanische Beschädigung der Isolierung durch Quetschen, Scheuern oder Nagetiere ist der zweite Klassiker. Dazu kommen Verschmutzung mit leitfähigen Ablagerungen und schlicht Alterung der Isolierstoffe.

Ein wichtiger Point ist die Unterscheidung, ob der niedrige Wert vom geprüften Leiter selbst kommt oder von einem parallel angeschlossenen Verbraucher. Bei der Messung liegen alle parallel angeschlossenen Pfade gemeinsam am Messgerät – ein einziges feuchtes Gerät am Ende eines Stromkreises drückt den Wert für den gesamten Kreis. Deshalb arbeitet man sich beim Eingrenzen schrittweise vor: Verbraucher und Teilstrecken nacheinander auftrennen und einzeln messen. Steigt der Wert nach dem Abklemmen eines bestimmten Geräts sprunghaft an, ist die Ursache gefunden.

Hilfreich ist auch die Beobachtung des Messwerts über die Zeit. Bei intakter, aber feuchter Isolierung steigt der angezeigte Wert während der Messung oft langsam an – ein Effekt der Polarisation: Die Ladungsträger in der Isolierung ordnen sich unter der Gleichspannung allmählich, der Strom geht zurück, der Widerstand steigt. Bei einer dauerhaft geschädigten Isolierung bleibt dieser Anstieg dagegen aus, der Wert verharrt niedrig.

Genau aus diesem Verhalten leiten sich zwei Kennzahlen ab, die in der industriellen Instandhaltung – etwa bei Motorwicklungen großer Antriebe – zum Standard gehören:

Der Polarisationsindex (PI) vergleicht zwei Messwerte über eine längere Zeitspanne:

PI = R_iso(10 min) / R_iso(1 min)

  • PI ……….. Polarisationsindex (Verhältniszahl, ohne Einheit)
  • R_iso(10 min) Isolationswiderstand nach 10 Minuten in MΩ
  • R_iso(1 min) Isolationswiderstand nach 1 Minute in MΩ

Ein hoher PI (deutlich über 1, oft 2 oder mehr) zeigt eine trockene, gesunde Isolierung, deren Widerstand über die Zeit deutlich ansteigt. Ein PI nahe 1 deutet auf Feuchtigkeit oder Alterung hin – der Widerstand steigt kaum noch an.

Das Dielektrische Absorptionsverhältnis (DAR) ist die schnellere Variante desselben Gedankens über eine kürzere Zeitspanne:

DAR = R_iso(60 s) / R_iso(30 s)

  • DAR ………. Dielektrisches Absorptionsverhältnis (Verhältniszahl, ohne Einheit)
  • R_iso(60 s) Isolationswiderstand nach 60 Sekunden in MΩ
  • R_iso(30 s) Isolationswiderstand nach 30 Sekunden in MΩ

Beide Kennzahlen haben einen großen praktischen Vorteil: Sie sind Verhältniszahlen. Temperatur und Feuchtigkeit beeinflussen beide Einzelmessungen ähnlich, kürzen sich im Verhältnis also weitgehend heraus. Damit lassen sich Wicklungen über Jahre vergleichen, auch wenn die Bedingungen nicht exakt gleich waren – ein Vorteil, den die punktuelle Einzelmessung nicht bietet.

Ein Stromkreis liefert einen zu niedrigen Isolationswiderstand. Nach dem Abklemmen eines bestimmten Geräts springt der Wert auf das Hundertfache. Was folgt daraus?

  • a) Das Kabel des Stromkreises ist defekt und muss getauscht werden
  • b) Das abgeklemmte Gerät war die Ursache für den niedrigen Wert
  • c) Das Messgerät ist defekt
  • d) Die Prüfspannung war zu niedrig eingestellt

Richtig: b)

Parallel angeschlossene Verbraucher liegen bei der Messung gemeinsam am Messgerät. Steigt der Wert nach dem Abklemmen eines Geräts sprunghaft, war genau dieses Gerät der niederohmige Pfad. Das Kabel selbst ist in Ordnung – ein voreiliger Tausch (a) wäre der typische Fehler.

Eine Motorwicklung liefert nach 1 Minute 50 MΩ und nach 10 Minuten 120 MΩ. Wie groß ist der Polarisationsindex und wie ist er zu deuten?

  • a) PI = 0,42 – die Isolierung ist feucht
  • b) PI = 70 – die Isolierung ist beschädigt
  • c) PI = 2,4 – die Isolierung ist trocken und in gutem Zustand
  • d) PI = 1,0 – kein Aussagewert

Richtig: c)

PI = R_iso(10 min) / R_iso(1 min) = 120 MΩ / 50 MΩ = 2,4. Ein Wert deutlich über 1 zeigt, dass der Widerstand über die Zeit kräftig ansteigt – typisch für eine trockene, gesunde Isolierung. Ein PI nahe 1 würde dagegen auf Feuchtigkeit oder Alterung hindeuten.

Warum sind PI und DAR als Verhältniszahlen gegenüber einer einzelnen Widerstandsmessung im Vorteil, wenn man eine Wicklung über mehrere Jahre vergleichen will?

  • a) Weil sie immer einen höheren Wert liefern
  • b) Weil Temperatur- und Feuchteeinflüsse beide Einzelmessungen ähnlich verändern und sich im Verhältnis weitgehend herauskürzen
  • c) Weil sie ohne Messgerät bestimmt werden können
  • d) Weil sie unabhängig von der Prüfspannung den absoluten Widerstand liefern

Richtig: b)

Temperatur und Feuchtigkeit beeinflussen beide Teilmessungen in ähnlicher Weise. Bildet man das Verhältnis, fällt dieser gemeinsame Einfluss weitgehend heraus, und es bleibt eine Kennzahl, die vor allem den Zustand der Isolierung beschreibt. Genau das macht den Langzeitvergleich aussagekräftig, während ein einzelner Absolutwert stark von den Messbedingungen abhängt.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Stromkreis wird mit 500 V Prüfspannung gemessen, der Ableitstrom beträgt 4 µA.

Gegeben: U_pruef = 500 V; I_ableit = 4 µA

Gesucht: R_iso in MΩ; Bewertung gegenüber dem Mindestwert

Lösungsweg: R_iso = U_pruef / I_ableit = 500 V / 4 µA = 125 MΩ

Ergebnis: 125 MΩ. Der Wert liegt weit über dem Mindestwert von 1 MΩ – die Isolierung ist in Ordnung.

Aufgabe 2: An einem 250-V-Kreis (Schutzkleinspannung) wird ein Isolationswiderstand von 0,4 MΩ gemessen.

Gegeben: U_pruef = 250 V; R_iso = 0,4 MΩ; Mindestwert 0,5 MΩ

Gesucht: Ableitstrom; Bewertung

Lösungsweg: I_ableit = U_pruef / R_iso = 250 V / 0,4 MΩ = 625 µA. Der Mindestwert von 0,5 MΩ ist unterschritten.

Ergebnis: Ableitstrom 625 µA; die Messung gilt als nicht bestanden, da 0,4 MΩ unter dem Mindestwert von 0,5 MΩ liegt.

Aufgabe 3: Eine Motorwicklung wird über die Zeit gemessen: nach 30 s 80 MΩ, nach 60 s 100 MΩ, nach 1 min 100 MΩ, nach 10 min 260 MΩ.

Gegeben: R_iso(30 s) = 80 MΩ; R_iso(60 s) = 100 MΩ; R_iso(1 min) = 100 MΩ; R_iso(10 min) = 260 MΩ

Gesucht: DAR und PI

Lösungsweg: DAR = 100 / 80 = 1,25; PI = 260 / 100 = 2,6

Ergebnis: DAR = 1,25 und PI = 2,6. Beide Werte deuten auf eine trockene, gesunde Isolierung hin.

Aufgabe 4: Zwei parallele Verbraucher hängen an einem mit 500 V geprüften Kreis. Gemeinsam wird ein Ableitstrom von 50 µA gemessen.

Gegeben: U_pruef = 500 V; I_ableit = 50 µA

Gesucht: R_iso des Gesamtkreises; Bewertung

Lösungsweg: R_iso = 500 V / 50 µA = 10 MΩ

Ergebnis: 10 MΩ. Der Wert liegt zwar über 1 MΩ, ist aber für eine intakte Anlage niedrig – ein Hinweis, durch Auftrennen den verursachenden Verbraucher einzugrenzen.

Welche Einheit hat der Isolationswiderstand typischerweise und warum?

  • a) Ohm, weil es ein normaler Widerstand ist
  • b) Megaohm bis Gigaohm, weil eine gute Isolierung sehr hochohmig ist
  • c) Kiloohm, weil das dem Verbraucherwiderstand entspricht
  • d) Volt, weil mit hoher Spannung gemessen wird

Richtig: b)

Eine intakte Isolierung lässt nur einen winzigen Ableitstrom zu, was rechnerisch einem sehr hohen Widerstand entspricht – daher MΩ bis GΩ. Volt (d) ist die Einheit der Prüfspannung, nicht des Ergebnisses.

Was ist der wesentliche Grund für die Gleichspannungsmessung?

  • a) Der kapazitive Stromanteil entfällt im eingeschwungenen Zustand und verfälscht das Ergebnis nicht
  • b) Gleichspannung ist billiger zu erzeugen
  • c) Wechselspannung beschädigt die Isolierung
  • d) Gleichspannung ist für den Prüfer ungefährlich

Richtig: a)

Die Kapazität zwischen Leiter und Erde würde bei Wechselspannung einen Blindstrom verursachen, der nichts über die Isolationsqualität aussagt. Bei Gleichspannung entfällt dieser Anteil nach dem Aufladen. Antwort d ist falsch, da die Prüfspannung hoch ist.

Ein 400-V-Kreis wird geprüft. Welche Prüfspannung wird angelegt?

  • a) 250 V
  • b) 400 V
  • c) 1000 V
  • d) 500 V

Richtig: d)

Stromkreise bis 500 V Nennspannung werden mit 500 V Prüfspannung gemessen. Die Prüfspannung wird bewusst höher als die Nennspannung gewählt, eine Stufe „400 V“ gibt es nicht.

Warum muss empfindliche Elektronik vor der Messung geschützt werden?

  • a) Sie verfälscht sonst die Anzeige in unzulässiger Weise
  • b) Sie speichert die Prüfspannung dauerhaft
  • c) Die hohe Prüfspannung kann elektronische Bauteile zerstören
  • d) Sie senkt die Prüfspannung ab

Richtig: c)

Frequenzumrichter, Netzteile, Steuerungen und Überspannungsschutz vertragen die hohe Prüfspannung nicht und können beschädigt werden. Deshalb klemmt man sie ab oder schützt sie durch eine L-N-Brücke.

Welche Bedeutung hat ein Polarisationsindex nahe 1?

  • a) Die Isolierung ist trocken und gesund
  • b) Die Isolierung steigt im Wert stark an
  • c) Die Isolierung ist feucht oder gealtert
  • d) Die Messung ist ungültig

Richtig: c)

Ein PI nahe 1 bedeutet, dass der Isolationswiderstand über die Zeit kaum ansteigt. Das ist typisch für feuchte oder gealterte Isolierungen. Ein gesunder, trockener Zustand zeigt sich an einem deutlich höheren PI.

Ein Kabel zeigt morgens 0,9 MΩ, nach dem Trocknen 180 MΩ. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?

  • a) Das Messgerät war morgens defekt
  • b) Ein dauerhafter mechanischer Schaden
  • c) Eine zu hohe Prüfspannung am Morgen
  • d) Feuchtigkeit in oder auf der Isolierung

Richtig: d)

Ein Wert, der sich nach dem Trocknen massiv erholt, ist das klassische Zeichen für Feuchtigkeit. Ein dauerhafter mechanischer Schaden (b) würde sich durch Trocknen nicht beheben lassen.

Warum dokumentiert man Isolationswerte über die Zeit, statt nur das Bestehen abzuhaken?

  • a) Weil ein starker Abfall auch oberhalb des Mindestwerts auf eine fortschreitende Schädigung hinweist
  • b) Weil die Norm nur die Dokumentation, nicht den Wert vorschreibt
  • c) Weil der Mindestwert sich jährlich ändert
  • d) Weil das Messgerät sonst keine Werte speichert

Richtig: a)

Ein Wert, der von 180 MΩ auf 2 MΩ fällt, liegt formal noch über 1 MΩ, signalisiert aber eine deutliche Verschlechterung. Nur der zeitliche Verlauf macht solche Entwicklungen sichtbar.

Was ist beim Messen an einem langen Kabel zu beachten?

  • a) Die Prüfspannung muss verdoppelt werden
  • b) Der Wert stabilisiert sich erst, wenn die Kabelkapazität aufgeladen ist
  • c) Lange Kabel können nicht gemessen werden
  • d) Der Mindestwert verdoppelt sich

Richtig: b)

Beim Anlegen der Gleichspannung lädt sich zunächst die Kapazität auf. Während dieser Phase ist der angezeigte Wert noch nicht aussagekräftig; erst nach dem Aufladen fließt nur der echte Ableitstrom und der Wert wird stabil.

Welche Norm legt die Anforderungen an das Isolationsmessgerät fest?

  • a) ÖVE/ÖNORM E 8101
  • b) IEC 60617
  • c) ÖVE/ÖNORM EN 61557-2
  • d) ÖNORM EN ISO 12100

Richtig: c)

Die EN 61557-2 legt die Anforderungen an Messgeräte zur Prüfung des Isolationswiderstands fest. Die E 8101 regelt Errichtung, Ablauf und Grenzwerte; die IEC 60617 betrifft Schaltzeichen, und die ISO 12100 die Risikobeurteilung von Maschinen.

Ein Stromkreis liefert genau 1 MΩ bei 500 V Prüfspannung. Wie ist das zu bewerten?

  • a) Deutlich über dem Mindestwert – einwandfrei
  • b) Unter dem Mindestwert – nicht bestanden
  • c) Der Wert ist für 500 V nicht zulässig
  • d) Genau am Mindestwert – formal gerade noch zulässig, aber sehr niedrig und beobachtungswürdig

Richtig: d)

Für Kreise bis 500 V gilt 1 MΩ als Mindestwert. Genau 1 MΩ erfüllt diese Grenze formal, ist aber im Vergleich zu intakten Anlagen mit hunderten MΩ sehr niedrig – ein klarer Anlass, die Ursache zu prüfen und den Wert weiter zu beobachten.

Glossar

Isolationswiderstand
Widerstand der Isolierung zwischen aktiven Leitern und Erde bzw. zwischen den Leitern; soll möglichst hochohmig sein und wird in MΩ bis GΩ angegeben.
Ableitstrom
Kleiner Strom, der über eine nicht ideale Isolierung zwischen aktivem Leiter und Erde fließt; auch Kriechstrom genannt. Steigt mit nachlassender Isolierung.
Prüfspannung
Vom Isolationsmessgerät erzeugte Gleichspannung (typisch 250, 500 oder 1000 V), die zur Messung an das geprüfte Objekt angelegt wird.
Polarisation
Allmähliche Ausrichtung der Ladungsträger in der Isolierung unter Gleichspannung, durch die der gemessene Widerstand bei gesunder Isolierung über die Zeit ansteigt.
Polarisationsindex (PI)
Verhältnis des Isolationswiderstands nach 10 Minuten zu dem nach 1 Minute; ein hoher Wert zeigt eine trockene, gesunde Isolierung.
Dielektrisches Absorptionsverhältnis (DAR)
Verhältnis des Isolationswiderstands nach 60 Sekunden zu dem nach 30 Sekunden; schnelle Variante des Polarisationsindex.

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