Leitungsdimensionierung und Spannungsfall
Einleitungstext…
Ein Kabel muss zur Last passen. Klingt einfach, ist aber mehr als „dicker ist sicherer“. Wählt man den Querschnitt zu klein, wird die Leitung im Betrieb zu warm – die Isolierung altert schneller, im schlimmsten Fall entsteht ein Brand. Dazu kommt: An jeder Leitung geht unterwegs ein Stück Spannung verloren. Bei langen Leitungen wird das so groß, dass am Ende nicht mehr genug ankommt, damit ein Motor anläuft oder eine Steuerung sauber arbeitet. Und schließlich muss die Schutzeinrichtung im Fehlerfall noch zuverlässig auslösen.
Dieser Beitrag zeigt, wie man den richtigen Leiterquerschnitt findet – aus drei Bedingungen, die alle gleichzeitig erfüllt sein müssen.
Vorwissen
- Widerstand und spezifischer Widerstand
- Elektrische Leistung und Arbeit
- Leistungsfaktor cos φ
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die drei Bedingungen benennen, nach denen ein Leiterquerschnitt bemessen wird
- erklären, warum entlang einer Leitung Spannung verloren geht und wovon der Spannungsfall abhängt
- den Spannungsfall und den erforderlichen Querschnitt für einphasige Wechselstrom- und für Drehstromkreise berechnen
- den Unterschied zwischen dem Faktor 2 im Einphasenkreis und dem Faktor √3 im symmetrischen Drehstromkreis sauber begründen
- aus allen Kriterien den endgültigen, genormten Querschnitt festlegen
1. Warum Querschnitt nicht beliebig ist
Eine elektrische Leitung ist kein idealer Leiter. Sie hat selbst einen Widerstand, und dieser Widerstand sorgt für zwei Effekte: Die Leitung erwärmt sich, und über ihre Länge fällt Spannung ab. Beides begrenzt, wie dünn ein Leiter sein darf.
Der Querschnitt – also die Fläche des Leiters in mm², senkrecht zur Stromrichtung – wird nach drei Anforderungen bemessen:
- Strombelastbarkeit: Der Leiter muss den Betriebsstrom dauerhaft tragen können, ohne dass die Isolierung zu heiß wird. Das ist die Grundbedingung – sie schützt die Leitung vor Überlastung.
- Schutz im Fehlerfall: Bei Überlast und Kurzschluss muss die vorgeschaltete Sicherung oder der Leitungsschutzschalter rechtzeitig auslösen. Der Querschnitt und die Leitungslänge spielen dabei mit.
- Spannungsfall: Über die gesamte Leitungslänge darf nur ein begrenzter Anteil der Spannung verloren gehen, sonst arbeiten die Verbraucher am Ende nicht mehr zuverlässig.
Alle drei müssen erfüllt sein. Man rechnet sie einzeln durch und nimmt am Ende den größten Querschnitt, der sich daraus ergibt. Zu groß zu dimensionieren ist technisch unproblematisch, kostet aber Geld – Kupfer ist teuer, und dickere Leitungen sind schwerer zu verlegen.
Die physikalische Ursache des Ganzen ist der spezifische Widerstand des Leitermaterials. Kupfer leitet sehr gut, Aluminium etwas schlechter, weshalb Aluminiumleitungen bei gleicher Stromtragfähigkeit einen größeren Querschnitt brauchen. Die Grundlagen dazu sind ein eigenes Thema und werden hier nur so weit verwendet, wie wir sie zum Rechnen brauchen.
Eine Leitung wird ausschließlich nach der Strombelastbarkeit dimensioniert und der Spannungsfall nicht geprüft. Welche Folge ist am wahrscheinlichsten, wenn die Leitung sehr lang ist?
- a) Am Verbraucher kommt zu wenig Spannung an
- b) Die Leitung wird im Betrieb deutlich zu heiß
- c) Die Sicherung löst dauernd ohne Last aus
- d) Der Querschnitt ist garantiert zu groß gewählt
Richtig: a)
Die Strombelastbarkeit allein begrenzt nur die Erwärmung. Bei langen Leitungen wird der Spannungsfall zum bestimmenden Kriterium – wird er nicht geprüft, kann am Ende zu wenig Spannung ankommen, obwohl die Leitung thermisch in Ordnung ist. Die Überhitzung ist gerade abgedeckt, weil nach Belastbarkeit dimensioniert wurde; Sicherungsauslösung und zu großer Querschnitt haben mit dem Spannungsfall nichts zu tun.
Warum ist es technisch unkritisch, einen Leiter etwas größer als nötig zu wählen, wirtschaftlich aber nicht ideal?
- a) Ein größerer Querschnitt erhöht den Spannungsfall
- b) Größerer Querschnitt senkt Erwärmung und Spannungsfall, kostet aber mehr Material
- c) Ein größerer Querschnitt verschlechtert die Strombelastbarkeit
- d) Ein größerer Querschnitt lässt die Sicherung zu früh auslösen
Richtig: b)
Mehr Querschnitt bedeutet weniger Widerstand, also weniger Erwärmung and weniger Spannungsfall – technisch immer auf der sicheren Seite. Der Nachteil ist rein wirtschaftlich: mehr Kupfer, höhere Kosten, schwerere Verlegung. Die Aussagen, ein größerer Querschnitt erhöhe den Spannungsfall oder verschlechtere die Belastbarkeit, behaupten das Gegenteil des physikalischen Zusammenhangs; ein früheres Auslösen der Sicherung ist sachlich falsch.
2. Strombelastbarkeit und Verlegeart
Strombelastbarkeit ist der Strom, den ein Leiter dauernd führen darf, ohne dass seine Isolierung eine zulässige Grenztemperatur überschreitet. Fließt Strom, entsteht im Leiter Verlustwärme. Diese Wärme muss an die Umgebung abgegeben werden. Wie gut das gelingt, hängt nicht nur vom Leiter ab, sondern stark davon, wie und wo er verlegen ist.
Eine frei in Luft verlegte Leitung gibt Wärme gut ab. Liegt dieselbe Leitung in einem Rohr unter Putz, gemeinsam mit mehreren anderen Leitungen, staut sich die Wärme – die zulässige Belastbarkeit sinkt. Auch eine hohe Umgebungstemperatur verschlechtert die Wärmeabfuhr.
Diese Einflüsse werden über Reduktionsfaktoren berücksichtigt. Das Prinzip: Man geht von einem Grundwert der Belastbarkeit aus und reduziert ihn, je ungünstiger die Bedingungen sind – mehrere Leitungen gehäuft, hohe Umgebungstemperatur, wärmedämmende Umgebung. Die konkreten Faktoren und Grundwerte stehen in den einschlägigen Tabellen und hängen von Leitungsart und Verlegeart ab; die Auswahl der passenden Verlegeart ist ein eigenes Thema.
Wichtig ist die Bemessungskette, die Betriebsstrom, Belastbarkeit und Schutzeinrichtung verbindet. Drei Größen müssen in einer festen Reihenfolge zueinander passen:
Ib ≤ In ≤ Iz
- Ib … Betriebsstrom des Verbrauchers in A
- In … Nennstrom der Schutzeinrichtung in A
- Iz … Strombelastbarkeit der Leitung in A
Gelesen wird das so: Die Schutzeinrichtung muss mindestens den Betriebsstrom durchlassen (sonst löst sie im Normalbetrieb aus), darf aber nicht mehr Nennstrom haben, als die Leitung dauerhaft verträgt (sonst schützt sie die Leitung nicht). Die Leitung muss also mindestens so belastbar sein wie der Nennstrom ihrer Schutzeinrichtung.
Eine Leitung hat eine Strombelastbarkeit von Iz = 21 A. Der Verbraucher zieht Ib = 16 A. Welcher Nennstrom der Schutzeinrichtung ist nach der Bemessungskette zulässig?
- a) In = 25 A
- b) In = 10 A
- c) In = 20 A
- d) In = 32 A
Richtig: c)
Es muss gelten Ib ≤ In ≤ Iz, also 16 A ≤ In ≤ 21 A. Nur 20 A liegt in diesem Fenster. 10 A ist kleiner als der Betriebsstrom und würde im Normalbetrieb auslösen, 25 A und 32 A liegen über der Belastbarkeit und würden die Leitung nicht schützen.
Mehrere Leitungen werden gebündelt in einem gemeinsamen Rohr verlegt. Wie wirkt sich das auf die zulässige Strombelastbarkeit der einzelnen Leitung aus?
- a) Sie steigt, weil sich die Leiter gegenseitig stützen
- b) Sie bleibt gleich, Verlegeart spielt keine Rolle
- c) Sie sinkt nur bei Gleichstrom
- d) Sie sinkt, weil die Wärmeabfuhr behindert wird
Richtig: d)
Gebündelte Leitungen behindern sich gegenseitig bei der Wärmeabgabe, die Wärme staut sich. Deshalb wird die Belastbarkeit über einen Reduktionsfaktor herabgesetzt. Die Verlegeart ist einer der wichtigsten Einflüsse überhaupt, und der Effekt ist von der Stromart unabhängig.
Was beschreibt der Nennstrom In in der Bemessungskette?
- a) Den Strom, ab dem die Schutzeinrichtung die Leitung dauerhaft schützt
- b) Den maximal möglichen Kurzschlussstrom
- c) Den Spannungsfall der Leitung
- d) Den Betriebsstrom des Verbrauchers
Richtig: a)
In ist der Nennstrom der Schutzeinrichtung – die Bezugsgröße, an der ihr Auslöseverhalten ausgelegt ist. Er muss zwischen Betriebsstrom und Belastbarkeit liegen. Der Kurzschlussstrom, der Spannungsfall und der Betriebsstrom Ib sind jeweils andere Größen.
3. Spannungsfall – physikalische Grundlage
Jeder Leiter hat einen Widerstand. Fließt Strom durch diesen Widerstand, fällt an ihm Spannung ab – genau nach dem ohmschen Gesetz. Bei einer Leitung verteilt sich dieser Widerstand über die gesamte Länge. Die Folge: Am Anfang der Leitung liegt die volle Spannung an, am Ende beim Verbraucher kommt etwas weniger an. Die Differenz ist der Spannungsfall.
Entscheidend ist ein point, der oft übersehen wird: Der Strom fließt im geschlossenen Kreis, also durch Hinleiter und Rückleiter. Beide haben Widerstand, an beiden fällt Spannung ab. Im einphasigen Wechselstromkreis zählt die Leitungslänge deshalb doppelt – einmal hin, einmal zurück.
Der Spannungsfall wird auf zwei Arten angegeben. Der absolute Spannungsfall ΔU ist die Differenz in Volt:
ΔU = U₁ − U₂
- ΔU … Spannungsfall in V
- U₁ … Spannung am Leitungsanfang in V
- U₂ … Spannung am Leitungsende in V
In der Praxis arbeitet man meist mit dem relativen Spannungsfall in Prozent, bezogen auf die Nennspannung:
Δu = (ΔU / U_N) · 100
- Δu … relativer Spannungsfall in %
- ΔU … absoluter Spannungsfall in V
- U_N … Nennspannung in V
Für den zulässigen Spannungsfall gibt es Richtwerte. Üblich ist die Größenordnung von einigen Prozent zwischen Übergabepunkt und Verbraucher; für Beleuchtung wird meist ein engerer Wert angesetzt als für andere Verbraucher, weil dort schon kleine Spannungsabweichungen sichtbar werden. Den konkret einzuhaltenden Wert gibt das jeweilige Projekt bzw. die Anlagenvorgabe vor – wir rechnen im Folgenden mit einem vorgegebenen Grenzwert.
Eine 230-V-Leitung hat am Ende einen Spannungsfall von ΔU = 9,2 V. Wie groß ist der relative Spannungsfall?
- a) 2 %
- b) 4 %
- c) 6 %
- d) 9,2 %
Richtig: b)
Δu = (ΔU / U_N) · 100 = (9,2 / 230) · 100 = 4 %. Den absoluten Wert in Volt mit dem Prozentwert zu verwechseln führt zur Scheinlösung 9,2 %, die anderen Prozentwerte sind Rechenfehler.
Warum geht im einphasigen Wechselstromkreis die Leitungslänge mit dem Faktor 2 in den Spannungsfall ein?
- a) Weil die Spannung zweimal gemessen wird
- b) Weil Wechselstrom doppelt so schnell fließt
- c) Weil Hin- und Rückleiter beide einen Widerstand haben
- d) Weil zwei Sicherungen verbaut sind
Richtig: c)
Der Strom fließt im geschlossenen Kreis durch Hin- und Rückleiter. Beide Leiter haben Widerstand, an beiden fällt Spannung ab – deshalb die doppelte Länge. Die anderen Antworten beschreiben keine physikalische Ursache des Spannungsfalls.
Was bedeutet ein zu großer Spannungsfall für einen Motor am Leitungsende?
- a) Der Motor läuft schneller als vorgesehen
- b) Der Spannungsfall hat auf Motoren keinen Einfluss
- c) Die Sicherung wird dadurch überbrückt
- d) Der Motor bekommt zu wenig Spannung und kann Anlaufprobleme bekommen
Richtig: d)
Ein zu großer Spannungsfall senkt die am Verbraucher verfügbare Spannung. Bei Motoren sinkt damit besonders das Anlaufmoment, der Motor kann schwer oder gar nicht anlaufen. Die übrigen Antworten sind sachlich falsch.
4. Spannungsfall berechnen
Jetzt wird gerechnet. Der Spannungsfall hängt vom Strom, der Leitungslänge, dem Querschnitt und der Leitfähigkeit des Materials ab. Die Leitfähigkeit κ (Kappa) ist der Kehrwert des spezifischen Widerstands; für Kupfer rechnet man üblicherweise mit rund 56 m/(Ω·mm²).
Für den einphasigen Wechselstromkreis lautet die Formel:
ΔU = (2 · l · I · cos φ) / (κ · A)
- ΔU … Spannungsfall in V
- l … einfache Leitungslänge in m
- I … Strom in A
- cos φ … Leistungsfaktor
- κ … Leitfähigkeit in m/(Ω·mm²)
- A … Leiterquerschnitt in mm²
Der Faktor 2 steht für Hin- und Rückleiter – genau der Punkt aus dem letzten Kapitel. Der Leistungsfaktor cos φ berücksichtigt, dass bei induktiven Verbrauchern Strom und Spannung phasenverschoben sind; bei rein ohmscher Last ist cos φ = 1. Was hinter dem Leistungsfaktor steckt, ist ein eigenes Thema – hier verwenden wir ihn als gegebenen Faktor.
Für den symmetrisch belasteten Drehstromkreis sieht die Formel anders aus:
ΔU = (√3 · l · I · cos φ) / (κ · A)
- ΔU … Spannungsfall (Außenleiterspannung) in V
- l … einfache Leitungslänge in m
- I … Außenleiterstrom in A
- cos φ … Leistungsfaktor
- κ … Leitfähigkeit in m/(Ω·mm²)
- A … Leiterquerschnitt in mm²
Hier steht statt der 2 der Faktor √3 (rund 1,732). Der Grund liegt im Drehstromsystem: Bei symmetrischer Last heben sich die drei Außenleiterströme im Neutralleiter auf, der Neutralleiter führt im Normalbetrieb keinen Strom. Es gibt also keinen einfachen „Rückleiter“, an dem zusätzlich Spannung abfällt. Stattdessen ergibt die Verkettung der drei um 120° versetzten Spannungen den Faktor √3 – derselbe Faktor, der auch das Verhältnis von Außenleiter- zu Strangspannung im Drehstromsystem bestimmt.
Wichtig für die Prozentrechnung: Diese Drehstromformel berechnet den absoluten Spannungsfall bezogen auf die Außenleiterspannung, in der Praxis typischerweise 400 V. Beim Umrechnen in Prozent muss als Nennspannung U_N also 400 V eingesetzt werden, nicht die Strangspannung von 230 V. Wer mit der Außenleiterformel rechnet, aber 230 V in die Prozentrechnung steckt, kommt auf einen falschen relativen Spannungsfall.
Dieser Unterschied ist entscheidend. Wer einen Drehstromkreis mit dem Faktor 2 statt √3 rechnet, kommt auf einen völlig falschen Querschnitt. Merke: 2 für einphasig, √3 für symmetrischen Drehstrom.
Beide Formeln lassen sich nach dem erforderlichen Querschnitt umstellen, indem man einen zulässigen Spannungsfall ΔU_zul vorgibt:
A = (2 · l · I · cos φ) / (κ · ΔU_zul)
- A … erforderlicher Querschnitt in mm²
- ΔU_zul … zulässiger Spannungsfall in V
Für Drehstrom steht in dieser umgestellten Formel wieder √3 statt der 2.
Gelöstes Beispiel
Eine einphasige 230-V-Leitung aus Kupfer versorgt einen ohmschen Verbraucher mit I = 16 A. Die Leitung ist 30 m lang (einfache Länge). Der Spannungsfall soll 4 % nicht überschreiten. Welcher Querschnitt ist nötig?
Gegeben: l = 30 m, I = 16 A, cos φ = 1 (ohmsche Last), κ = 56 m/(Ω·mm²), U_N = 230 V, zulässig 4 %
Gesucht: A in mm²
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Zulässigen Spannungsfall in Volt: ΔU_zul = 0,04 · 230 V = 9,2 V
- Schritt 2 — Erforderlichen Querschnitt (einphasig, Faktor 2): A = (2 · 30 · 16 · 1) / (56 · 9,2) => A = 960 / 515,2 => A = 1,86 mm²
Ergebnis: A = 1,86 mm² → in der Praxis wird auf den nächstgrößeren Normquerschnitt aufgerundet, also 2,5 mm².
Übungen
Eine einphasige Kupferleitung (κ = 56), l = 20 m, I = 10 A, cos φ = 1, zulässiger Spannungsfall 5 V. Wie groß ist der erforderliche Querschnitt?
A = (2 · 20 · 10 · 1) / (56 · 5) = 400 / 280 = 1,43 mm².
Berechne für eine einphasige Leitung den Spannungsfall ΔU bei l = 25 m, I = 12 A, cos φ = 1, A = 2,5 mm², κ = 56.
ΔU = (2 · 25 · 12 · 1) / (56 · 2,5) = 600 / 140 = 4,29 V.
Ein symmetrischer Drehstromkreis (400 V) versorgt einen Motor mit I = 20 A über l = 40 m, cos φ = 0,85, κ = 56. Welcher Querschnitt ist nötig, wenn ΔU_zul = 12 V beträgt?
A = (√3 · 40 · 20 · 0,85) / (56 · 12) = (1,732 · 680) / 672 = 1177,8 / 672 = 1,75 mm² → Normquerschnitt 2,5 mm².
Dieselbe Leitung wie in Übung 3, aber fälschlich mit Faktor 2 statt √3 gerechnet. Welcher Querschnitt käme heraus, und um welchen Faktor weicht er vom korrekten Wert ab?
A_falsch = (2 · 40 · 20 · 0,85) / (56 · 12) = 1360 / 672 = 2,02 mm². Das ist um den Faktor 2/…3 ≈ 1,15 zu groß – die Rechnung wäre hier zwar „auf der sicheren Seite“, aber methodisch falsch.
Ein Drehstrommotor zieht I = 32 A über eine 60 m lange Kupferleitung, cos φ = 0,8, κ = 56. Der Spannungsfall soll 3 % von 400 V nicht übersteigen. Welcher Normquerschnitt ist mindestens nötig?
ΔU_zul = 0,03 · 400 = 12 V. A = (1,732 · 60 · 32 · 0,8) / (56 · 12) = (1,732 · 1536) / 672 = 2660,4 / 672 = 3,96 mm² → Normquerschnitt 4 mm².
Ein symmetrischer Drehstromkreis wird versehentlich mit die Einphasenformel (Faktor 2) statt mit √3 für den Querschnitt gerechnet. Welche Aussage trifft zu?
- a) Der berechnete Querschnitt fällt um den Faktor 2/√3 zu groß aus
- b) Der berechnete Querschnitt ist exakt gleich
- c) Der Querschnitt fällt um √3 zu klein aus
- d) Die Stromart hat keinen Einfluss auf den Faktor
Richtig: a)
Faktor 2 statt √3 (≈ 1,732) ergibt das Verhältnis 2/√3 ≈ 1,15, der Querschnitt wird also etwas zu groß berechnet. Das wäre zwar nicht gefährlich, aber methodisch falsch und unnötig teuer. Die Behauptung, die Stromart habe keinen Einfluss auf den Faktor, ist falsch – der Faktor hängt gerade von ihr ab.
Eine einphasige Leitung: l = 30 m, I = 16 A, cos φ = 1, κ = 56, ΔU_zul = 9,2 V. Welcher Querschnitt ergibt sich rechnerisch?
- a) ca. 0,93 mm²
- b) ca. 1,86 mm²
- c) ca. 3,72 mm²
- d) ca. 0,5 mm²
Richtig: b)
A = (2 · 30 · 16 · 1) / (56 · 9,2) = 960 / 515,2 ≈ 1,86 mm². Wer den Faktor 2 vergisst, kommt auf das halbe Ergebnis (≈ 0,93 mm²); wer ihn doppelt ansetzt, auf das doppelte (≈ 3,72 mm²).
Warum entfällt im symmetrisch belasteten Drehstromkreis der „doppelte Weg“ über einen Rückleiter?
- a) Weil Drehstrom keinen Widerstand hat
- b) Weil der Neutralleiter dicker ausgeführt wird
- c) Weil sich die drei Außenleiterströme im Neutralleiter aufheben und dieser stromlos bleibt
- d) Weil bei Drehstrom kein Strom zurückfließt
Richtig: c)
Bei symmetrischer Last summieren sich die drei um 120° versetzten Außenleiterströme im Neutralleiter zu null – er führt im Normalbetrieb keinen Strom. Deshalb gibt es keinen einfachen Rückleiter mit zusätzlichem Spannungsfall; die Verkettung der Spannungen liefert stattdessen den Faktor √3. Die Aussage, bei Drehstrom fließe gar kein Strom zurück, ist zu pauschal: Strom fließt sehr wohl, nur über die drei Außenleiter.
Welche Rolle spielt cos φ in der Spannungsfallformel?
- a) Er ersetzt die Leitungslänge
- b) Er ist immer gleich √3
- c) Er gibt die Leitfähigkeit des Kupfers an
- d) Er berücksichtigt die Phasenverschiebung bei induktiver Last und ist bei ohmscher Last 1
Richtig: d)
cos φ erfasst die Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung. Bei rein ohmscher Last ist cos φ = 1, bei induktiven Verbrauchern (Motoren) kleiner. Mit die Leitfähigkeit κ oder dem Faktor √3 hat er nichts zu tun.
5. Querschnitt festlegen – alle Kriterien zusammen
Jetzt fügt sich alles zusammen. In der Praxis geht man die drei Bedingungen der Reihe nach durch und nimmt am Ende den größten Querschnitt.
Schritt eins ist die Strombelastbarkeit und der Schutz: Man bestimmt aus Betriebsstrom und Verlegeart einen Mindestquerschnitt, der die Bemessungskette Ib ≤ In ≤ Iz erfüllt. Das ist die thermische Grundbedingung.
Schritt zwei ist der Spannungsfall: Mit der passenden Formel (Faktor 2 or √3) berechnet man, welcher Querschnitt nötig ist, damit der zulässige Spannungsfall eingehalten wird. Bei kurzen Leitungen ist dieser Querschnitt meist kleiner als der aus Schritt eins – dann gibt Schritt eins den Ausschlag. Bei langen Leitungen kehrt sich das um: Der Spannungsfall treibt den Querschnitt nach oben.
Schritt drei ist die Abschaltbedingung im Fehlerfall. Auch wenn Belastbarkeit und Spannungsfall passen, muss im Kurzschlussfall genug Strom fließen, damit die Schutzeinrichtung schnell genug auslöst. Je länger die Leitung, desto höher ihr Widerstand und desto kleiner der Kurzschlussstrom am Leitungsende. Wird er zu klein, löst der Leitungsschutzschalter nicht rechtzeitig aus – ein Sicherheitsproblem beim Schutz gegen indirektes Berühren. Bei langen Leitungswegen kann diese Bedingung einen noch größeren Querschnitt erzwingen als die ersten beiden. Die rechnerische Prüfung über Schleifenwiderstand und Kurzschlussstrom ist ein eigenes Thema; wichtig ist hier, dass sie zur Querschnittsfindung dazugehört und nicht vergessen werden darf.
Aus allen drei Schritten ergibt sich jeweils ein Mindestquerschnitt. Maßgebend ist der größte davon. Dieser Wert wird dann auf die nächste Stufe der genormten Querschnittsreihe aufgerundet. Übliche Stufen bei Installationsleitungen:
| Querschnitt in mm² | typischer Einsatz |
|---|---|
| 1,5 | Lichtstromkreise |
| 2,5 | Steckdosenstromkreise |
| 4 | höher belastete Stromkreise |
| 6 | Herdanschluss, größere Verbraucher |
| 10 | Hauptleitungen, große Verbraucher |
| 16 | Zuleitungen, Hausanschlussbereich |
Ergibt die Rechnung etwa 1,86 mm², wählt man 2,5 mm² – Zwischenwerte sind nicht erhältlich, und Abrunden würde die Bedingung verletzen.
Es gibt Faustregeln für den Spannungsfall, etwa grobe Tabellen „Leitungslänge je Querschnitt bei gegebenem Strom“. Sie sind praktisch für die schnelle Abschätzung, ersetzen aber keine Rechnung. Faustregeln gelten für typische Annahmen (bestimmtes cos φ, bestimmte Stromart); weicht der reale Fall ab, führen sie in die Irre. Im Zweifel wird gerechnet.
Gelöstes Beispiel
Eine einphasige 230-V-Kupferleitung versorgt einen Verbraucher mit I = 20 A über l = 35 m, cos φ = 1, κ = 56. Aus der Belastbarkeit ergibt sich ein Mindestquerschnitt von 4 mm². Der Spannungsfall soll 3 % nicht übersteigen. Welcher Normquerschnitt wird verbaut?
Gegeben: l = 35 m, I = 20 A, cos φ = 1, κ = 56, Mindestquerschnitt aus Belastbarkeit: 4 mm², zulässiger Spannungsfall: 3 % von 230 V
Gesucht: gewählter Normquerschnitt
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Zulässiger Spannungsfall in Volt: ΔU_zul = 0,03 · 230 V = 6,9 V
- Schritt 2 — Erforderlicher Querschnitt aus Spannungsfall (einphasig): A = (2 · 35 · 20 · 1) / (56 · 6,9) = 1400 / 386,4 = 3,62 mm²
- Schritt 3 — Vergleich und Aufrunden: Belastbarkeit verlangt 4 mm², Spannungsfall verlangt 3,62 mm². Maßgebend ist der größere Wert: 4 mm². Dieser ist bereits ein Normquerschnitt.
Ergebnis: gewählter Querschnitt 4 mm².
Übungen
Aus der Belastbarkeit ergeben sich 2,5 mm², aus dem Spannungsfall 1,8 mm². Welcher Querschnitt wird gewählt?
Der größere der beiden, also 2,5 mm² (bereits Normquerschnitt).
Eine Rechnung liefert einen erforderlichen Querschnitt von 5,1 mm². Auf welchen Normquerschnitt wird aufgerundet?
Auf 6 mm² – die nächste Stufe über 5,1; Abrunden auf 4 würde die Bedingung verletzen.
Einphasig, 230 V: l = 50 m, I = 16 A, cos φ = 1, κ = 56, zulässiger Spannungsfall 4 %. Welcher Normquerschnitt aus Spannungsfallsicht?
ΔU_zul = 0,04 · 230 = 9,2 V. A = (2 · 50 · 16) / (56 · 9,2) = 1600 / 515,2 = 3,11 mm² → Normquerschnitt 4 mm².
Warum kann bei einer sehr langen Leitung der Querschnitt größer ausfallen, als Belastbarkeit und Spannungsfall verlangen?
Weil bei großer Länge der Leitungswiderstand den Kurzschlussstrom so weit senkt, dass die Abschaltbedingung einen größeren Querschnitt erzwingt, damit die Schutzeinrichtung im Fehlerfall noch rechtzeitig auslöst.
Drehstrom, 400 V: l = 70 m, I = 25 A, cos φ = 0,85, κ = 56, zulässiger Spannungsfall 3 %. Welcher Normquerschnitt aus Spannungsfallsicht?
ΔU_zul = 0,03 · 400 = 12 V. A = (1,732 · 70 · 25 · 0,85) / (56 · 12) = (1,732 · 1487,5) / 672 = 2576,4 / 672 = 3,83 mm² → Normquerschnitt 4 mm².
Aus der Belastbarkeit ergibt sich 2,5 mm², aus dem Spannungsfall 4,2 mm², aus der Abschaltbedingung 6 mm². Welcher Querschnitt wird verbaut?
- a) 6 mm²
- b) 2,5 mm²
- c) 4 mm²
- d) Der Mittelwert der drei
Richtig: a)
Alle drei Bedingungen müssen erfüllt sein, maßgebend ist der größte Mindestquerschnitt – hier 6 mm² aus der Abschaltbedingung. Ein kleinerer Wert würde mindestens eine Bedingung verletzen. Einen „Mittelwert“ gibt es nicht.
Eine Rechnung ergibt einen erforderlichen Querschnitt von 2,3 mm². Welcher Normquerschnitt wird gewählt?
- a) 1,5 mm²
- b) 2,5 mm²
- c) 2,3 mm²
- d) 4 mm²
Richtig: b)
Es wird auf die nächste Stufe aufgerundet, also 2,5 mm². 2,3 mm² ist kein erhältlicher Querschnitt, Abrunden auf 1,5 würde die Bedingung verletzen, 4 mm² wäre unnötig.
Bei einer sehr langen Leitung passt die Belastbarkeit, der Spannungsfall ist knapp eingehalten. Warum kann trotzdem ein größerer Querschnitt nötig sein?
- a) Weil lange Leitungen schwerer sind
- b) Weil der Spannungsfall bei Länge keine Rolle spielt
- c) Weil der Kurzschlussstrom am Ende zu klein wird und die Schutzeinrichtung sonst nicht rechtzeitig auslöst
- d) Weil die Belastbarkeit mit der Länge steigt
Richtig: c)
Mit zunehmender Länge steigt der Leitungswiderstand, der Kurzschlussstrom am Leitungsende sinkt. Wird er zu klein, löst die Schutzeinrichtung im Fehlerfall nicht schnell genug aus – die Abschaltbedingung erzwingt dann einen größeren Querschnitt. Die übrigen Antworten sind sachlich falsch.
Was ist der wesentliche Nachteil reiner Faustregeln zur Querschnittswahl?
- a) Sie sind immer zu konservativ
- b) Sie berücksichtigen die Belastbarkeit nicht
- c) Sie sind in Österreich verboten
- d) Sie gelten nur für bestimmte Annahmen und versagen bei abweichenden Fällen
Richtig: d)
Faustregeln beruhen auf festen Annahmen (Stromart, cos φ, typische Bedingungen). Weicht der reale Fall davon ab, liefern sie falsche Ergebnisse. Für die schnelle Abschätzung sind sie brauchbar, im Zweifel wird gerechnet. Dass sie immer zu konservativ oder in Österreich verboten seien, trifft nicht zu.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine einphasige 230-V-Kupferleitung versorgt einen ohmschen Verbraucher mit I = 18 A über eine einfache Länge von 40 m. κ = 56. Der zulässige Spannungsfall beträgt 4 %. Berechne den erforderlichen Querschnitt.
Gegeben: l = 40 m, I = 18 A, cos φ = 1, κ = 56, ΔU_zul = 4 % von 230 V
Gesucht: A in mm²
Lösungsweg:
- ΔU_zul = 0,04 · 230 = 9,2 V.
- A = (2 · 40 · 18 · 1) / (56 · 9,2) = 1440 / 515,2 = 2,79 mm².
Ergebnis: A = 2,79 mm² → Normquerschnitt 4 mm².
Aufgabe 2: Berechne den Spannungsfall einer einphasige Leitung: l = 25 m, I = 20 A, cos φ = 1, A = 4 mm², κ = 56. Gib auch den relativen Spannungsfall bezogen auf 230 V an.
Gegeben: l = 25 m, I = 20 A, cos φ = 1, A = 4 mm², κ = 56, U_N = 230 V
Gesucht: ΔU in V und Δu in %
Lösungsweg:
- ΔU = (2 · 25 · 20 · 1) / (56 · 4) = 1000 / 224 = 4,46 V.
- Δu = (4,46 / 230) · 100 = 1,94 %.
Ergebnis: ΔU = 4,46 V, Δu ≈ 1,94 %.
Aufgabe 3: Ein symmetrischer Drehstromkreis (400 V) versorgt einen Motor mit I = 30 A über l = 50 m, cos φ = 0,85, κ = 56. Zulässiger Spannungsfall 3 %. Berechne den erforderlichen Querschnitt.
Gegeben: l = 50 m, I = 30 A, cos φ = 0,85, κ = 56, ΔU_zul = 3 % von 400 V
Gesucht: A in mm²
Lösungsweg:
- ΔU_zul = 0,03 · 400 = 12 V.
- A = (1,732 · 50 · 30 · 0,85) / (56 · 12) = (1,732 · 1275) / 672 = 2208,3 / 672 = 3,29 mm².
Ergebnis: A = 3,29 mm² → Normquerschnitt 4 mm².
Aufgabe 4: Eine Drehstromleitung soll mit A = 2,5 mm² ausgeführt werden: l = 30 m, I = 16 A, cos φ = 0,9, κ = 56. Welcher Spannungsfall stellt sich ein, und wie viel Prozent von 400 V sind das?
Gegeben: l = 30 m, I = 16 A, cos φ = 0,9, A = 2,5 mm², κ = 56, U_N = 400 V
Gesucht: ΔU in V und Δu in %
Lösungsweg:
- ΔU = (1,732 · 30 · 16 · 0,9) / (56 · 2,5) = (1,732 · 432) / 140 = 748,2 / 140 = 5,34 V.
- Δu = (5,34 / 400) · 100 = 1,34 %.
Ergebnis: ΔU = 5,34 V, Δu ≈ 1,34 %.
Welche drei Bedingungen bestimmen gemeinsam den Leiterquerschnitt?
- a) Strombelastbarkeit, Spannungsfall, Abschaltbedingung im Fehlerfall
- b) Spannung, Strom, Frequenz
- c) Länge, Farbe, Verlegeart
- d) Material, Spannung, Temperatur
Richtig: a)
Der Querschnitt wird nach Strombelastbarkeit, Spannungsfall und der Abschaltbedingung (Schutz im Fehlerfall) bemessen, maßgebend ist der größte sich ergebende Wert. Die anderen Aufzählungen mischen einzelne Einflussgrößen mit Irrelevantem.
Im symmetrischen Drehstromkreis steht in der Spannungsfallformel der Faktor √3 statt 2. Worauf beruht das?
- a) Drehstrom hat dreimal so viel Spannung
- b) Der Neutralleiter bleibt bei symmetrischer Last stromlos, und die Verkettung der Spannungen ergibt √3
- c) Es sind drei Sicherungen verbaut
- d) √3 ist nur ein Sicherheitszuschlag
Richtig: b)
Bei symmetrischer Last heben sich die Außenleiterströme im Neutralleiter auf – es gibt keinen einfachen Rückleiter. Die Verkettung der drei um 120° versetzten Spannungen liefert den Faktor √3. Er ist kein Zuschlag, sondern folgt aus der Systemgeometrie.
Eine Rechnung ergibt 6,3 mm². Welcher Normquerschnitt wird verbaut?
- a) 6 mm²
- b) 6,3 mm²
- c) 10 mm²
- d) 4 mm²
Richtig: c)
Aufgerundet auf die nächste Stufe der Normreihe, also 10 mm². 6 mm² läge unter dem erforderlichen Wert, 6,3 mm² ist nicht erhältlich.
Eine einphasige Leitung wird länger gemacht, alle übrigen Größen bleiben gleich. Wie ändert sich der Spannungsfall?
- a) Er sinkt
- b) Er bleibt gleich
- c) Er steigt mit dem Quadrat der Länge
- d) Er steigt proportional zur Länge
Richtig: d)
In ΔU = (2 · l · I · cos φ) / (κ · A) geht l linear ein. Doppelte Länge bedeutet doppelter Spannungsfall. Eine quadratische Abhängigkeit besteht nicht.
Was passiert, wenn der Querschnitt verdoppelt wird, bei sonst gleichen Größen?
- a) Der Spannungsfall halbiert sich
- b) Der Spannungsfall verdoppelt sich
- c) Der Spannungsfall bleibt gleich
- d) Der Spannungsfall vervierfacht sich
Richtig: a)
A steht im Nenner der Formel, der Spannungsfall ist umgekehrt proportional zum Querschnitt. Doppelter Querschnitt heißt halber Spannungsfall.
Eine Schutzeinrichtung mit In = 25 A schützt eine Leitung mit Iz = 20 A. Wie ist das zu bewerten?
- a) Korrekt, mehr Nennstrom ist immer besser
- b) Unzulässig, weil In > Iz die Leitung nicht schützt
- c) Korrekt, solange der Betriebsstrom klein ist
- d) Egal, der Nennstrom spielt keine Rolle
Richtig: b)
Die Bemessungskette verlangt In ≤ Iz. Mit In = 25 A über Iz = 20 A könnte die Leitung überlastet werden, bevor die Schutzeinrichtung auslöst – die Leitung ist nicht geschützt. Der Betriebsstrom ändert daran nichts.
Bei welcher Konstellation wird der Spannungsfall am ehesten zum bestimmenden Kriterium für den Querschnitt?
- a) Kurze Leitung, kleiner Strom
- b) Kurze Leitung, hoher Querschnitt
- c) Lange Leitung, hoher Strom
- d) Beleuchtung mit sehr kleiner Last
Richtig: c)
Der Spannungsfall wächst mit Länge und Strom. Bei langer Leitung und hohem Strom wird er groß und treibt den nötigen Querschnitt über den Wert aus der Belastbarkeit hinaus. Bei kurzen Leitungen oder kleinen Lasten ist meist die Belastbarkeit maßgebend.
Ein einphasiger Spannungsfall wird berechnet, dabei aber nur die einfache statt der doppelten Länge angesetzt. Welche Folge hat das?
- a) Der Spannungsfall wird doppelt so groß berechnet
- b) Das Ergebnis ist korrekt
- c) Der Querschnitt wird zu groß gewählt
- d) Der Spannungsfall wird halb so groß berechnet, der Querschnitt zu klein gewählt
Richtig: d)
Der Faktor 2 bildet Hin- und Rückleiter ab. Lässt man ihn weg, kommt nur der halbe Spannungsfall heraus – man hält die Grenze scheinbar ein und wählt einen zu kleinen, im Betrieb unzureichenden Querschnitt.
Warum sinkt der Kurzschlussstrom am Ende einer langen Leitung?
- a) Weil der Leitungswiderstand mit der Länge zunimmt
- b) Weil die Spannung mit der Länge steigt
- c) Weil der Querschnitt mit der Länge wächst
- d) Weil die Sicherung größer wird
Richtig: a)
Mit der Länge steigt der Gesamtwiderstand der Leitung im Fehlerstromkreis. Ein höherer Widerstand begrenzt den Kurzschlussstrom – am Leitungsende fällt er kleiner aus, was die Abschaltbedingung gefährden kann.
Ein Verbraucher zieht Ib = 14 A, die Leitung hat Iz = 21 A. Welcher Nennstrom erfüllt die Bemessungskette?
- a) 10 A
- b) 16 A
- c) 25 A
- d) 32 A
Richtig: b)
Es muss gelten 14 A ≤ In ≤ 21 A. Nur 16 A liegt in diesem Bereich. 10 A unterschreitet den Betriebsstrom, 25 A und 32 A liegen über der Belastbarkeit.
Eine Aluminiumleitung soll denselben Strom tragen wie eine Kupferleitung. Was gilt für den Querschnitt?
- a) Aluminium braucht denselben Querschnitt
- b) Aluminium braucht einen kleineren Querschnitt
- c) Aluminium braucht einen größeren Querschnitt
- d) Der Querschnitt hängt nicht vom Material ab
Richtig: c)
Aluminium leitet schlechter als Kupfer (kleinere Leitfähigkeit κ). Um denselben Strom mit vergleichbarem Spannungsfall und vergleichbarer Erwärmung zu führen, braucht Aluminium einen größeren Querschnitt.
Welcher Wert wird in der Spannungsfallrechnung für Kupfer üblicherweise als Leitfähigkeit κ angesetzt?
- a) rund 18 m/(Ω·mm²)
- b) rund 36 m/(Ω·mm²)
- c) rund 100 m/(Ω·mm²)
- d) rund 56 m/(Ω·mm²)
Richtig: d)
Für Kupfer rechnet man üblicherweise mit etwa 56 m/(Ω·mm²). Der Wert um 36 gehört zu Aluminium, die anderen Werte sind unzutreffend.
Glossar
- Strombelastbarkeit (Iz)
- Der Strom, den ein Leiter dauerhaft führen darf, ohne dass die Isolierung ihre zulässige Grenztemperatur überschreitet.
- Bemessungskette (Ib ≤ In ≤ Iz)
- Bedingung, die Betriebsstrom, Nennstrom der Schutzeinrichtung und Strombelastbarkeit der Leitung in eine feste Reihenfolge bringt.
- Reduktionsfaktor
- Faktor, der die Grundbelastbarkeit eines Leiters wegen ungünstiger Bedingungen wie Häufung oder hoher Umgebungstemperatur herabsetzt.
- Spannungsfall (ΔU)
- Differenz zwischen der Spannung am Leitungsanfang und am Leitungsende, verursacht durch den Eigenwiderstand der Leitung.
- Relativer Spannungsfall (Δu)
- Der Spannungsfall in Prozent, bezogen auf die Nennspannung.
- Leitfähigkeit (κ)
- Materialkennwert, der angibt, wie gut ein Leiter den Strom führt; Kehrwert des spezifischen Widerstands, für Kupfer rund 56 m/(Ω·mm²).
- Verkettungsfaktor √3
- Faktor im symmetrischen Drehstromkreis, der aus der Verkettung der drei um 120° versetzten Spannungen folgt und den Faktor 2 des Einphasenkreises ersetzt.
- Abschaltbedingung
- Anforderung, dass im Kurzschlussfall genug Strom fließt, damit die Schutzeinrichtung rechtzeitig auslöst; bei langen Leitungen kann sie den Querschnitt vergrößern.
- Querschnittsreihe
- Genormte Stufung der erhältlichen Leiterquerschnitte (1,5 / 2,5 / 4 / 6 / 10 / 16 mm² …), auf die das Rechenergebnis aufgerundet wird.
