FU-Parametrierung und Inbetriebnahme
Ein Frequenzumrichter kommt nicht einsatzbereit aus dem Karton. Er weiß ab Werk nichts über den Motor, der an ihm hängt, und nichts über die Maschine, die er antreiben soll. Bevor sich die Welle das erste Mal dreht, müssen eine Handvoll Parameter stimmen — sonst läuft der Motor heiß, der Umrichter wirft eine Störung, oder die Anlage fährt mit der falschen Drehrichtung an. Dieser Beitrag zeigt, welche Einstellungen in welcher Reihenfolge gemacht werden und wie eine Inbetriebnahme sauber abläuft, von der ersten Klemmenprüfung bis zum dokumentierten Probelauf.
Vorwissen
- Frequenzumrichter – Funktion und Anwendung
- Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
- Stern- und Dreieckschaltung am Motor
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Reihenfolge einer FU-Inbetriebnahme von der Verdrahtungsprüfung bis zum Probelauf beschreiben
- die nötigen Motordaten vom Typenschild in die richtigen Umrichter-Parameter übertragen
- Synchrondrehzahl und Schlupf eines Motors berechnen und daraus die Nenndrehzahl einordnen
- Hochlauf- und Auslauframpen sowie Frequenzgrenzen sinnvoll einstellen
- Sollwert- und Startquellen den passenden Klemmen zuordnen und eine einfache Steuerverdrahtung lesen
- typische Störmeldungen beim ersten Anlauf einordnen und beheben
1. Was bei der Inbetriebnahme passiert
Ein Frequenzumrichter erzeugt aus dem festen Drehstromnetz eine Spannung mit veränderlicher Frequenz und Höhe. Damit lässt sich die Drehzahl eines Asynchronmotors stufenlos verstellen. Wie er das macht, ist Thema eines eigenen Grundlagenbeitrags — hier geht es darum, was zwischen Auspacken und laufender Maschine passiert.
Im Werkszustand sind in einem FU Standardwerte hinterlegt, die zu irgendeinem fiktiven Durchschnittsmotor passen. Dein Motor ist aber selten dieser Durchschnitt. Die Parametrierung ist das Einstellen aller Werte, die der Umrichter braucht, um genau deinen Motor an genau deiner Maschine korrekt zu betreiben.
Die Inbetriebnahme läuft fast immer nach demselben Muster ab:
- Verdrahtung prüfen — Netzanschluss, Motoranschluss, Schutzleiter, Schirmung. Erst wenn das mechanisch und elektrisch passt, wird eingeschaltet.
- Motordaten parametrieren — die Werte vom Typenschild in den Umrichter übertragen.
- Hochlauf, Auslauf und Frequenzgrenzen festlegen — wie schnell und in welchem Bereich der Motor drehen soll.
- Sollwert- und Startquelle wählen — woher die Drehzahlvorgabe und der Startbefehl kommen.
- Schutz einstellen und Probelauf — mit reduzierter Drehzahl testen, Drehrichtung prüfen, dann freigeben.
Bevor überhaupt ein Parameter gesetzt wird, muss die Verkabelung passen. Ein FU stellt besondere Anforderungen an die geschirmte Motorleitung und die Erdung — das wird gesondert behandelt und hier vorausgesetzt.
Bedient wird der Umrichter auf drei Wegen, je nach Gerät und Situation:
- Bedienpanel direkt am Gerät: Tasten und Display, gut für die Erstinbetriebnahme und schnelle Korrekturen vor Ort.
- PC-Software über eine Schnittstelle: komfortabel bei vielen Parametern, mit Übersicht und Speicherfunktion.
- Kopiermodul oder Speicherkarte: ein fertiger Parametersatz wird auf mehrere baugleiche Geräte übertragen — praktisch in der Serie.
Warum müssen vor dem ersten Probelauf die Motordaten in den Umrichter eingegeben werden?
- a) Damit der Umrichter seine Schutzfunktionen und seine Steuerung auf genau diesen Motor abstimmen kann
- b) Damit der Umrichter die Netzfrequenz messen kann
- c) Weil sonst die Netzsicherung auslöst
- d) Damit das Bedienpanel die richtige Sprache anzeigt
Richtig: a)
Der Umrichter kennt den angeschlossenen Motor nicht von selbst. Erst mit den Typenschilddaten kann er Strombegrenzung, thermischen Schutz und das Spannungs-Frequenz-Verhältnis korrekt einstellen (a). Die Netzfrequenz misst er unabhängig davon (b), die Sicherung reacts auf Strom, nicht auf fehlende Parameter (c), und die Displaysprache hat mit dem Motor nichts zu tun (d).
Eine Anlage hat mehrere baugleiche Antriebe mit identischen Motoren und gleicher Aufgabe. Welches Vorgehen ist am sinnvollsten?
- a) Jeden Umrichter einzeln von Grund auf neu parametrieren
- b) Die Werkseinstellung belassen, da die Motoren ohnehin gleich sind
- c) Einen Umrichter vollständig einstellen und testen, dann den Parametersatz per Kopiermodul übertragen
- d) Nur den ersten Antrieb parametrieren und die übrigen unverdrahtet lassen
Richtig: c)
Bei baugleichen Antrieben spart das Kopieren eines geprüften Parametersatzes Zeit und vermeidet Eingabefehler. Einzeln neu eingeben (a) ist fehleranfällig und unnötig. Die Werkseinstellung passt zu keinem konkreten Motor (b). Antriebe unverdrahtet zu lassen (d) ergibt keine funktionierende Anlage.
2. Motordaten parametrieren
Der wichtigste Schritt nach der Verdrahtungsprüfung: Der Umrichter muss wissen, welcher Motor an ihm hängt. Alle nötigen Werte stehen auf dem Typenschild des Motors. Sie werden eins zu eins in die entsprechenden Parameter übertragen.
Diese Werte braucht der Umrichter typischerweise:
- Nennspannung in V — die Bemessungsspannung der Wicklung
- Nennstrom in A — Grundlage für Strombegrenzung und thermischen Schutz
- Nennfrequenz in Hz — meist 50 Hz, der Bezugspunkt für die Kennlinie
- Nenndrehzahl in 1/min — die Drehzahl bei Nennlast
- Nennleistung in kW — die abgegebene Wellenleistung
- Leistungsfaktor cos φ — Kennwert der Wicklung
- Schaltungsart — Stern oder Dreieck, je nach Klemmenbrettverschaltung und Netzspannung
Die Schaltungsart ist heikel: Ein Motor, der im Dreieck verschaltet ist, aber als Stern parametriert wird (oder umgekehrt), bekommt die falsche Spannung zugeordnet. Hier lohnt ein prüfender Blick aufs Klemmenbrett.
Warum die Nenndrehzahl unter der Synchrondrehzahl liegt
Auf dem Typenschild steht zum Beispiel 1450 1/min — und nicht der „runde“ Wert 1500. Das ist kein Fehler, sondern Prinzip beim Asynchronmotor. Sein Drehfeld dreht sich mit der Synchrondrehzahl, die sich aus Netzfrequenz und Polpaarzahl ergibt:
n_s = (f * 60) / p
- n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
- f … Frequenz in Hz
- p … Polpaarzahl
Achtung bei der Polpaarzahl: Auf dem Typenschild und im Datenblatt steht oft die Polzahl, etwa „4-polig“. Für die Formel brauchst du die Polpaarzahl, also die Hälfte davon — bei einem vierpoligen Motor ist p gleich 2. Wer hier die Polzahl statt der Polpaarzahl einsetzt, rechnet die doppelte Synchrondrehzahl aus. Das ist einer der häufigsten Rechenfehler bei der echten Inbetriebnahme.
Der Läufer kann das Drehfeld aber nie ganz einholen — täte er es, würde keine Spannung mehr in ihn induziert und er hätte kein Drehmoment. Er bleibt also immer etwas zurück. Dieser relative Rückstand heißt Schlupf und wird so berechnet:
s = (n_s – n_n) / n_s
- s … Schlupf (Verhältniszahl, oft in % angegeben)
- n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
- n_n … Nenndrehzahl in 1/min
Aus Schlupf und Synchrondrehzahl folgt umgekehrt die tatsächliche Läuferdrehzahl:
n_n = n_s * (1 – s)
- n_n … Nenndrehzahl in 1/min
- n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
- s … Schlupf (Verhältniszahl)
Für die Parametrierung ist das wichtig, weil moderne Umrichter aus Nenndrehzahl und Nennfrequenz auf den Schlupf schließen und ihn bei der Drehzahlführung rechnerisch ausgleichen (Schlupfkompensation). Stimmt die eingegebene Nenndrehzahl nicht, arbeitet diese Kompensation falsch.
Viele Umrichter bieten ein Autotuning an: Der FU schickt nach der Dateneingabe gezielte Messsignale in den Motor und ermittelt elektrische Kennwerte wie den Wicklungswiderstand selbst. Das verbessert die Regelgüte spürbar, besonders bei anspruchsvolleren Steuerungsarten. Beim Autotuning steht der Motor je nach Verfahren still oder dreht kurz frei — das muss die Anwendung zulassen.
Gelöstes Beispiel
Ein vierpoliger Asynchronmotor (also Polpaarzahl 2) ist am 50-Hz-Netz angeschlossen. Auf dem Typenschild steht eine Nenndrehzahl von 1450 1/min. Bestimme Synchrondrehzahl und Schlupf.
Gegeben: f = 50 Hz, p = 2, n_n = 1450 1/min
Gesucht: Synchrondrehzahl n_s in 1/min, Schlupf s in %
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Synchrondrehzahl: n_s = (f * 60) / p = (50 * 60) / 2 = 3000 / 2 = 1500 1/min
- Schritt 2 — Schlupf: s = (n_s – n_n) / n_s = (1500 – 1450) / 1500 = 50 / 1500 = 0,0333
Ergebnis: n_s = 1500 1/min, s = 0,0333 = 3,33 %
Übungen
Ein zweipoliger Motor (Polpaarzahl 1) läuft am 50-Hz-Netz. Wie groß ist die Synchrondrehzahl?
n_s = (50 * 60) / 1 = 3000 1/min.
Ein sechspoliger Motor (Polpaarzahl 3) am 50-Hz-Netz hat eine Nenndrehzahl von 960 1/min. Berechne den Schlupf in Prozent.
n_s = (50 * 60) / 3 = 1000 1/min. s = (1000 − 960) / 1000 = 0,04 = 4 %.
Ein vierpoliger Motor (Polpaarzahl 2) soll über einen FU mit 30 Hz betrieben werden. Welche Synchrondrehzahl stellt sich ein?
n_s = (30 * 60) / 2 = 900 1/min.
Ein Motor hat bei 50 Hz eine Synchrondrehzahl von 1500 1/min and einen Schlupf von 4 %. Wie groß ist die Nenndrehzahl?
n_n = n_s * (1 − s) = 1500 * (1 − 0,04) = 1500 * 0,96 = 1440 1/min.
Ein vierpoliger Motor (Polpaarzahl 2) hat laut Typenschild 1455 1/min. Über den FU wird die Frequenz auf 60 Hz angehoben. Nimm an, der Schlupf in Prozent bleibt gleich, und berechne die neue Läuferdrehzahl.
Bei 50 Hz: n_s = 1500 1/min, s = (1500 − 1455) / 1500 = 0,03 = 3 %. Bei 60 Hz: n_s = (60 * 60) / 2 = 1800 1/min. n_n = 1800 * (1 − 0,03) = 1800 * 0,97 = 1746 1/min.
Ein vierpoliger Asynchronmotor (Polpaarzahl 2) am 50-Hz-Netz zeigt auf dem Typenschild 1450 1/min. Warum steht dort nicht 1500 1/min?
- a) Wegen der Toleranz der Frequenzmessung im Werk
- b) Weil der Läufer dem Drehfeld immer um den Schlupf hinterherläuft
- c) Weil die Spannung im Betrieb absinkt
- d) Weil das Typenschild auf 50 1/min gerundet ist
Richtig: b)
Der Asynchronmotor braucht eine Relativbewegung zwischen Drehfeld und Läufer, damit überhaupt Spannung induziert wird und Drehmoment entsteht. Dieser Rückstand ist der Schlupf — hier rund 3,3 %. Mit Frequenztoleranz (a), Spannungseinbruch (c) oder Rundung (d) hat das nichts zu tun.
Ein Motor ist auf dem Klemmenbrett im Dreieck verschaltet, im Umrichter wird aber versehentlich Sternbetrieb parametriert. Welche Folge ist am wahrscheinlichsten?
- a) Dem Motor wird ein falsches Spannungs-Frequenz-Verhältnis zugeordnet, was zu Fehlverhalten und Überlast führen kann
- b) Der Motor läuft völlig normal, die Einstellung ist gleichwertig
- c) Die Drehrichtung kehrt sich um
- d) Der Umrichter schaltet automatisch auf die korrekte Schaltungsart um
Richtig: a)
Stern und Dreieck unterscheiden sich in der Wicklungsspannung um den Faktor Wurzel drei. Eine falsche Zuordnung führt dazu, dass der Umrichter mit falschen Spannungswerten arbeitet — der Motor kann zu schwach laufen oder überlastet werden (a). Gleichwertig sind die Schaltungen nicht (b), die Drehrichtung hängt am Phasenanschluss, nicht an Stern/Dreieck (c), und der FU erkennt die Verschaltung nicht selbstständig (d).
Wozu dient das Autotuning eines Frequenzumrichters?
- a) Es stellt die Netzfrequenz automatisch ein
- b) Es kopiert den Parametersatz auf andere Geräte
- c) Es begrenzt automatisch die maximale Drehzahl
- d) Es ermittelt elektrische Motorkennwerte wie den Wicklungswiderstand und verbessert so die Regelgüte
Richtig: d)
Beim Autotuning misst der Umrichter selbst Kennwerte des Motors, die nicht auf dem Typenschild stehen, und verfeinert damit seine Regelung (d). Die Netzfrequenz gibt das Netz vor (a), das Kopieren übernimmt ein Kopiermodul (b), und Drehzahlgrenzen werden über eigene Parameter gesetzt (c).
3. Hochlauf, Auslauf und Frequenzgrenzen
Sobald der Motor bekannt ist, geht es darum, wie er drehen soll: wie schnell er beschleunigt, wie er bremst und in welchem Frequenzbereich er sich bewegen darf.
Rampen
Ein Umrichter lässt den Motor nicht schlagartig auf Solldrehzahl springen, sondern fährt die Frequenz über eine Hochlaufzeit (Rampe auf) linear hoch und über die Auslaufzeit (Rampe ab) wieder herunter. Diese Zeiten sind frei einstellbar und einer der am häufigsten angepassten Parameter überhaupt.
Üblich ist, die Rampe auf die Zeit für den vollen Frequenzhub von 0 bis zur Maximalfrequenz zu beziehen. Aus der eingestellten Rampe lässt sich die tatsächliche Zeit für einen kleineren Frequenzsprung anteilig berechnen:
t = t_rampe * (f_ziel – f_start) / f_max
- t … tatsächliche Hochlaufzeit in s
- t_rampe … eingestellte Rampenzeit für vollen Hub in s
- f_ziel … Zielfrequenz in Hz
- f_start … Startfrequenz in Hz
- f_max … Maximalfrequenz in Hz
Zu kurze Rampen führen zu hohen Strömen beim Beschleunigen und können beim Bremsen Überspannung im Zwischenkreis erzeugen. Zu lange Rampen kosten Taktzeit. Die richtige Einstellung ist immer ein Kompromiss aus Anwendung und Mechanik.
Minimal- und Maximalfrequenz
Mit der Minimalfrequenz und der Maximalfrequenz wird der erlaubte Drehzahlbereich eingegrenzt. Die Minimalfrequenz verhindert, dass der Motor bei sehr niedriger Drehzahl unzulässig heiß wird, weil ein eigenbelüfteter Motor dann kaum noch gekühlt wird. Die Maximalfrequenz begrenzt nach oben — aus mechanischen Gründen oder weil die angetriebene Maschine eine Höchstdrehzahl hat.
Die U/f-Kennlinie
Die einfachste und am weitesten verbreitete Steuerungsart ist die U/f-Steuerung. Dahinter steckt ein einfacher Gedanke: Damit der magnetische Fluss im Motor konstant bleibt, muss die Spannung im gleichen Verhältnis zur Frequenz mitwachsen. Verdoppelt sich die Frequenz, soll sich auch die Spannung verdoppeln. Das Ergebnis ist eine Gerade — die U/f-Kennlinie.
Der Grund für dieses feste Verhältnis ist handfest: Der Wechselstromwiderstand der Motorwicklung (der induktive Widerstand) sinkt mit der Frequenz. Würde man die Frequenz absenken, die Spannung aber hoch lassen, würde der Strom durch die Wicklung in die Höhe schießen — die Wicklung würde überhitzen und der Motor Schaden nehmen. Genau das verhindert die mitgeführte Spannung: Sinkt die Frequenz, sinkt auch die Spannung im gleichen Maß, und der Strom bleibt im sicheren Bereich.
Diese Gerade läuft bis zur Eckfrequenz, die normalerweise mit der Nennfrequenz zusammenfällt (meist 50 Hz). Dort erreicht die Spannung ihren Höchstwert, die Netzspannung. Höher kann der Umrichter die Spannung nicht treiben.
U / f = konstant
- U … Motorspannung in V
- f … Frequenz in Hz
Bei ganz niedrigen Frequenzen reicht das proportionale Verhältnis allein nicht aus, weil der Spannungsabfall am Wicklungswiderstand stark ins Gewicht fällt. Deshalb hebt man den Kennlinienanfang etwas an — die sogenannte Spannungsanhebung (Boost), damit der Motor auch bei kleiner Drehzahl genug Anzugsmoment hat.
Über die Eckfrequenz hinaus: der Feldschwächebereich
Der Umrichter kann die Frequenz auch über die Eckfrequenz hinaus erhöhen — der Motor dreht dann schneller als seine Nenndrehzahl. Die Spannung kann aber nicht weiter mitwachsen, sie steckt bei der Netzspannung fest. Damit sinkt das Verhältnis U/f, der magnetische Fluss wird schwächer. Dieser Bereich heißt Feldschwächbereich.
Aus Sicht der Parametrierung ist hier nur eines wichtig: Im Feldschwächbereich steht weniger Drehmoment zur Verfügung. Wer die Maximalfrequenz über die Nennfrequenz hinaus setzt, muss wissen, dass der Motor oben herum „schlapper“ wird und die Anwendung das verkraften muss. Die elektromagnetischen Hintergründe der Feldschwächung sind Thema der Motorgrundlagen und werden hier nicht vertieft — für die Inbetriebnahme zählt die praktische Folge: höhere Drehzahl, weniger Moment.
Gelöstes Beispiel
Ein Umrichter hat eine Hochlaufzeit von 8 s eingestellt, bezogen auf den vollen Hub bis zur Maximalfrequenz von 50 Hz. Wie lange dauert das Beschleunigen von 0 auf 40 Hz?
Gegeben: t_rampe = 8 s, f_max = 50 Hz, f_start = 0 Hz, f_ziel = 40 Hz
Gesucht: tatsächliche Hochlaufzeit t in s
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Frequenzhub bestimmen: f_ziel − f_start = 40 − 0 = 40 Hz
- Schritt 2 — Anteil an der vollen Rampe: t = t_rampe * (f_ziel − f_start) / f_max = 8 * 40 / 50 = 8 * 0,8 = 6,4 s
Ergebnis: t = 6,4 s
Übungen
Die eingestellte Auslaufzeit beträgt 12 s für den vollen Hub bis 50 Hz. Wie lange dauert das Bremsen von 50 Hz auf Stillstand?
Voller Hub, also t = 12 * 50 / 50 = 12 s.
Rampenzeit 10 s, Maximalfrequenz 50 Hz. Wie lange dauert der Hochlauf von 0 auf 25 Hz?
t = 10 * 25 / 50 = 5 s.
Ein Antrieb soll von 10 Hz auf 50 Hz beschleunigen. Die eingestellte Rampe beträgt 20 s für den Hub bis zur Maximalfrequenz 50 Hz. Wie lange dauert dieser Teilhochlauf?
t = 20 * (50 − 10) / 50 = 20 * 40 / 50 = 16 s.
Maximalfrequenz 60 Hz, eingestellte Hochlaufzeit 15 s. Wie lange dauert es von 0 auf 45 Hz?
t = 15 * 45 / 60 = 15 * 0,75 = 11,25 s.
Ein Motor wird von 20 Hz auf 50 Hz hochgefahren und braucht dafür gemessene 9 s. Die Maximalfrequenz ist 50 Hz. Welche Rampenzeit für den vollen Hub ist eingestellt?
Aus t = t_rampe * (50 − 20) / 50 folgt 9 = t_rampe * 30 / 50, also t_rampe = 9 * 50 / 30 = 15 s.
Bei einem stark belasteten Antrieb mit hoher Schwungmasse wirft der Umrichter beim schnellen Abbremsen wiederholt eine Überspannungsstörung. Welche Einstellung ist als Erstes zu prüfen?
- a) Die Minimalfrequenz erhöhen
- b) Die Nennspannung im Parameter herabsetzen
- c) Den Leistungsfaktor cos φ anpassen
- d) Die Auslaufzeit verlängern oder einen Bremswiderstand vorsehen
Richtig: d)
Beim Bremsen wirkt der Motor als Generator und speist Energie in den Zwischenkreis zurück, die Spannung steigt. Eine längere Auslaufzeit verteilt diese Energie über mehr Zeit, ein Bremswiderstand wandelt sie in Wärme um (d). Die Minimalfrequenz (a) betrifft den unteren Drehzahlbereich, die Nennspannung (b) und der cos φ (c) sind Motordaten und lösen das Bremsproblem nicht.
Was kennzeichnet den Betrieb oberhalb der Eckfrequenz bei einer U/f-Steuerung?
- a) Die Spannung steigt weiter proportional mit der Frequenz
- b) Die Spannung bleibt konstant, das verfügbare Drehmoment sinkt
- c) Der Motor kann gar nicht über die Eckfrequenz betrieben werden
- d) Der Schlupf wird negativ
Richtig: b)
Oberhalb der Eckfrequenz ist die Spannung am Maximum angelangt und kann nicht weiter mitwachsen. Das Verhältnis U/f sinkt, der Fluss wird schwächer, und damit fällt das Drehmoment — der Feldschwächbereich. Weiter proportional steigt die Spannung gerade nicht (a), Betrieb darüber ist möglich (c), und ein negativer Schlupf hat damit nichts zu tun (d).
Warum wird bei der U/f-Kennlinie der Anfang bei niedrigen Frequenzen leicht angehoben (Boost)?
- a) Um den Motor vor Überspannung zu schützen
- b) Um die Maximaldrehzahl zu erhöhen
- c) Um den Spannungsabfall am Wicklungswiderstand auszugleichen und genug Anzugsmoment zu sichern
- d) Um den Schlupf auf null zu bringen
Richtig: c)
Bei kleiner Frequenz ist die Motorspannung gering, und der ohmsche Spannungsabfall an der Wicklung fällt stark ins Gewicht. Ohne Anhebung bliebe zu wenig Spannung zur Flussbildung übrig und das Anzugsmoment wäre zu klein (c). Mit Überspannungsschutz (a), Maximaldrehzahl (b) oder Schlupf (d) hat der Boost nichts zu tun.
4. Sollwertquelle und Steuerung
Jetzt weiß der Umrichter, welcher Motor an ihm hängt und in welchem Bereich er darf drehen. Es fehlen zwei Dinge: Woher kommt die Drehzahlvorgabe (der Sollwert), und woher kommt der Befehl zum Starten und Stoppen?
Woher der Sollwert kommt
Der Sollwert legt fest, wie schnell der Motor laufen soll. Übliche Quellen:
- Analogeingang mit einem Spannungssignal 0–10 V oder einem Stromsignal 4–20 mA — etwa von einer übergeordneten Steuerung oder einem Sensor. Das Stromsignal 4–20 mA hat den Vorteil, dass ein Leitungsbruch (0 mA) sofort als Fehler erkennbar ist.
- Potentiometer direkt am Analogeingang — die einfache Handverstellung vor Ort.
- Festfrequenzen — fest hinterlegte Drehzahlstufen, die über Digitaleingänge angewählt werden.
- Feldbus — der Sollwert kommt digital von einer SPS über ein Bussystem.
Woher der Startbefehl kommt
Getrennt davon wird festgelegt, wie gestartet wird:
- über Klemmen (Schalter oder SPS-Ausgang an einem Digitaleingang)
- über das Bedienpanel am Gerät
- über den Feldbus
Zwei- und Dreidrahtsteuerung
Bei der Steuerung über Klemmen gibt es zwei gängige Konzepte:
- Zweidrahtsteuerung: Ein Schalter gibt den Dauerbefehl. Solange er geschlossen ist, läuft der Motor (Pegelsteuerung). Einfach, aber der Motor läuft nach einer Spannungswiederkehr selbsttätig wieder an, wenn der Schalter noch geschlossen ist.
- Dreidrahtsteuerung: Getrennte Taster für Start und Stopp, intern als Selbsthaltung verschaltet (Flankensteuerung). Ein kurzer Tastendruck auf Start, der Umrichter hält den Befehl, ein Druck auf Stopp beendet ihn. Sicherer gegen ungewolltes Wiederanlaufen.
Welcher Digitaleingang welche Funktion bekommt, wird über Parameter zugeordnet. Die Klemmen sind also nicht fest verdrahtet in ihrer Bedeutung, sondern frei belegbar.
Das folgende Schema zeigt eine typische einfache Verdrahtung: ein Potentiometer als Sollwertgeber am Analogeingang und ein Schalter als Startbefehl am Digitaleingang (Zweidrahtprinzip).
Warum wird in störungskritischen Anwendungen für den analogen Sollwert oft ein 4–20-mA-Signal statt eines 0–10-V-Signals verwendet?
- a) Weil ein Leitungsbruch sofort als 0 mA erkennbar ist und vom gültigen Minimalsollwert unterscheidbar bleibt
- b) Weil 4–20 mA eine höhere Drehzahl erlaubt
- c) Weil Stromsignale grundsätzlich keine Parametrierung brauchen
- d) Weil 4–20 mA die Rampenzeit automatisch verkürzt
Richtig: a)
Beim 4–20-mA-Signal entspricht der kleinste gültige Wert 4 mA. Fällt das Signal auf 0 mA, ist das eindeutig ein Fehler (Drahtbruch) und nicht der Sollwert null (a). Beim 0–10-V-Signal wäre der Bruch nicht ohne Weiteres von einem echten Nullsollwert zu trennen. Mit Drehzahlhöhe (b), Parametrierfreiheit (c) oder Rampenzeit (d) hat das nichts zu tun.
Worin unterscheidet sich die Dreidrahtsteuerung von der Zweidrahtsteuerung beim Start eines FU?
- a) Die Dreidrahtsteuerung benötigt keinen Stoppbefehl
- b) Die Zweidrahtsteuerung arbeitet mit getrennten Start- und Stopptastern
- c) Die Dreidrahtsteuerung nutzt getrennte Start-/Stopptaster mit interner Selbsthaltung, die Zweidrahtsteuerung einen Dauerpegel
- d) Beide Konzepte sind funktional völlig identisch
Richtig: c)
Die Zweidrahtsteuerung gibt über einen geschlossenen Schalter einen Dauerbefehl — der Motor läuft, solange der Pegel ansteht. Die Dreidrahtsteuerung verwendet kurze Tastimpulse für Start und Stopp und hält den Zustand intern (Selbsthaltung), was sicherer gegen ungewolltes Wiederanlaufen ist. Aussage (a) ist falsch, (b) verwechselt die Konzepte, (d) trifft nicht zu.
Ein Digitaleingang des Umrichters soll als Startbefehl dienen. Wie wird diese Funktion festgelegt?
- a) Sie ist fest verdrahtet und unveränderlich
- b) Automatisch, sobald ein Schalter angeschlossen wird
- c) Ausschließlich über das Kopiermodul
- d) Über einen Parameter, der dem Eingang die Funktion „Start“ zuweist
Richtig: d)
Die Digitaleingänge moderner Umrichter sind frei belegbar — welche Funktion ein Eingang übernimmt, wird per Parameter eingestellt (d). Fest verdrahtet sind sie nicht (a), eine automatische Erkennung beim Anschließen gibt es nicht (b), und das Kopiermodul überträgt nur fertige Parametersätze, ist aber nicht der Weg der Zuweisung (c).
5. Schutzparameter und Probelauf
Bevor der Antrieb in den Normalbetrieb geht, werden die Schutzeinstellungen gesetzt und ein erster, kontrollierter Probelauf gefahren.
Schutz im Umrichter
Der FU schützt den Motor über mehrere Mechanismen, die aus den eingegebenen Motordaten abgeleitet werden:
- Thermisches Motormodell: Aus Nennstrom und Belastungsverlauf rechnet der Umrichter die Motorerwärmung nach und löst aus, bevor die Wicklung überhitzt. Damit das stimmt, muss der Nennstrom korrekt parametriert sein.
- Strombegrenzung: Der Umrichter begrenzt den Motorstrom auf einen einstellbaren Maximalwert und schützt so Motor und eigene Endstufe.
Drehrichtung prüfen
Vor dem eigentlichen Lauf wird die Drehrichtung kontrolliert — am besten bei niedriger Frequenz und, wenn möglich, mechanisch entkoppelt. Stimmt die Richtung nicht, lässt sie sich per Parameter umkehren, ohne dass Motorleitungen umgeklemmt werden müssen. Das ist ein praktischer Vorteil des Umrichters gegenüber der direkten Netzschaltung.
Der erste Probelauf
Der Probelauf beginnt mit niedriger Drehzahl. Man beobachtet, ob der Motor ruhig anläuft, ob Geräusche oder Vibrationen auftreten und ob der angezeigte Strom plausibel ist. Erst danach wird schrittweise auf die Betriebsdrehzahl gefahren.
Typische Störmeldungen beim ersten Anlauf und ihre häufigen Ursachen:
| Störung | Häufige Ursache |
|---|---|
| Überstrom | Rampe zu kurz, Motor blockiert, Kurzschluss in der Motorleitung |
| Überspannung im Zwischenkreis | Auslauframpe zu kurz beim Bremsen, fehlender Bremswiderstand |
| Unterspannung | Netzproblem, zu schwache Versorgung |
| Erdschluss | Isolationsfehler in Motor oder Leitung |
| Überlast / thermische Auslösung | Motor überlastet oder Nennstrom falsch parametriert |
Sichern und dokumentieren
Steht die Einstellung, wird der Parametersatz gesichert — auf eine Speicherkarte, ins Kopiermodul oder per PC-Software auf den Rechner. Eine Dokumentation der wichtigsten Parameter gehört zur sauberen Inbetriebnahme: Geht ein Gerät später kaputt, lässt sich der Ersatz in Minuten statt Stunden wieder einstellen.
Der Umrichter wirft beim Hochlauf eines unbelasteten Motors sofort eine Überstromstörung. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten zuerst zu prüfen?
- a) Ein zu hoch eingestellter Leistungsfaktor
- b) Eine zu niedrige Minimalfrequenz
- c) Eine zu kurze Hochlauframpe oder ein Verdrahtungsfehler in der Motorleitung
- d) Ein fehlendes Kopiermodul
Richtig: c)
Tritt der Überstrom schon beim unbelasteten Hochlauf auf, ist die Ursache meist eine zu steile Rampe (der Motor soll zu schnell beschleunigen) oder ein Fehler in der Motorverdrahtung, etwa ein Kurzschluss (c). Der Leistungsfaktor (a) und die Minimalfrequenz (b) erklären einen sofortigen Überstrom nicht, und das Kopiermodul (d) hat mit dem Betrieb nichts zu tun.
Warum lässt sich die Drehrichtung eines FU-gespeisten Motors per Parameter umkehren, ohne Leitungen umzuklemmen?
- a) Weil der Umrichter die Phasenfolge der erzeugten Ausgangsspannung selbst festlegt
- b) Weil der Motor mechanisch umgebaut wird
- c) Weil das Netz die Drehrichtung vorgibt
- d) Weil die Drehrichtung nur vom Schlupf abhängt
Richtig: a)
Der Umrichter erzeugt die Ausgangsspannung selbst und bestimmt damit die Reihenfolge der Phasen. Ein Parameter kehrt diese Reihenfolge um — der Motor dreht anders herum, ohne dass an den Klemmen etwas geändert wird. Ein mechanischer Umbau (b) ist nicht nötig, das Netz gibt nur die Eingangsseite vor (c), und der Schlupf bestimmt nicht die Drehrichtung (d).
Eine thermische Überlaststörung tritt auf, obwohl der Motor nur mäßig belastet ist und nicht heiß wird. Was ist eine plausible Erklärung?
- a) Die Maximalfrequenz ist zu hoch eingestellt
- b) Die Startquelle ist falsch gewählt
- c) Das Potentiometer ist defekt
- d) Der Nennstrom wurde im Umrichter zu niedrig parametriert, daher löst das thermische Modell zu früh aus
Richtig: d)
Das thermische Motormodell rechnet mit dem parametrierten Nennstrom. Ist dieser Wert zu niedrig eingegeben, hält der Umrichter den normalen Betriebsstrom für eine Überlast und löst aus, obwohl der Motor in Wirklichkeit kühl bleibt (d). Die Maximalfrequenz (a), die Startquelle (b) und ein defektes Potentiometer (c) erklären eine thermische Auslösung bei mäßiger Last nicht.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein vierpoliger Asynchronmotor (Polpaarzahl 2) läuft am 50-Hz-Netz und hat laut Typenschild eine Nenndrehzahl von 1440 1/min. Berechne Synchrondrehzahl und Schlupf in Prozent.
Gegeben: f = 50 Hz, p = 2, n_n = 1440 1/min
Gesucht: n_s, s
Lösungsweg:
n_s = (50 * 60) / 2 = 1500 1/min. s = (1500 − 1440) / 1500 = 60 / 1500 = 0,04.
Ergebnis: n_s = 1500 1/min, s = 4 %.
Aufgabe 2: Ein sechspoliger Motor (Polpaarzahl 3) am 50-Hz-Netz hat 5 % Schlupf. Welche Nenndrehzahl ergibt sich?
Gegeben: f = 50 Hz, p = 3, s = 0,05
Gesucht: n_n
Lösungsweg:
n_s = (50 * 60) / 3 = 1000 1/min. n_n = n_s * (1 − s) = 1000 * 0,95 = 950 1/min.
Ergebnis: n_n = 950 1/min.
Aufgabe 3: Ein Umrichter hat eine Hochlaufzeit von 12 s für den vollen Hub bis 50 Hz eingestellt. Wie lange dauert das Beschleunigen von 0 auf 35 Hz?
Gegeben: t_rampe = 12 s, f_max = 50 Hz, f_start = 0 Hz, f_ziel = 35 Hz
Gesucht: t
Lösungsweg:
t = 12 * (35 − 0) / 50 = 12 * 0,7 = 8,4 s.
Ergebnis: t = 8,4 s.
Aufgabe 4: Ein Antrieb soll von 15 Hz auf 50 Hz beschleunigen und braucht dafür gemessene 14 s. Die Maximalfrequenz ist 50 Hz. Welche Rampenzeit für den vollen Hub ist eingestellt?
Gegeben: f_start = 15 Hz, f_ziel = 50 Hz, f_max = 50 Hz, t = 14 s
Gesucht: t_rampe
Lösungsweg:
14 = t_rampe * (50 − 15) / 50 = t_rampe * 35 / 50. t_rampe = 14 * 50 / 35 = 20 s.
Ergebnis: t_rampe = 20 s.
Aufgabe 5: Ein vierpoliger Motor (Polpaarzahl 2) hat bei 50 Hz eine Nenndrehzahl von 1455 1/min. Über den FU wird er mit 40 Hz betrieben. Berechne die Synchrondrehzahl bei 40 Hz und – unter der Annahme gleichbleibenden prozentualen Schlupfs – die Läuferdrehzahl.
Gegeben: p = 2, n_n(50 Hz) = 1455 1/min, f = 40 Hz
Gesucht: n_s(40 Hz), n_n(40 Hz)
Lösungsweg:
Bei 50 Hz: n_s = 1500 1/min, s = (1500 − 1455) / 1500 = 0,03 = 3 %. Bei 40 Hz: n_s = (40 * 60) / 2 = 1200 1/min. n_n = 1200 * (1 − 0,03) = 1200 * 0,97 = 1164 1/min.
Ergebnis: n_s = 1200 1/min, n_n = 1164 1/min.
Aufgabe 6: Ein zweipoliger Motor (Polpaarzahl 1) wird über den FU mit 60 Hz betrieben. Welche Synchrondrehzahl ergibt sich, und liegt der Betrieb über oder unter der Eckfrequenz von 50 Hz?
Gegeben: p = 1, f = 60 Hz, Eckfrequenz 50 Hz
Gesucht: n_s, Bereichseinordnung
Lösungsweg:
n_s = (60 * 60) / 1 = 3600 1/min. 60 Hz liegt über der Eckfrequenz von 50 Hz.
Ergebnis: n_s = 3600 1/min, Betrieb im Feldschwächbereich, also mit reduziertem Drehmoment.
Welcher Schritt steht bei einer FU-Inbetriebnahme vor allen anderen?
- a) Die Sollwertquelle festlegen
- b) Die Hochlauframpe einstellen
- c) Die Verdrahtung prüfen, bevor eingeschaltet wird
- d) Das Autotuning starten
Richtig: c)
Bevor ein einziger Parameter gesetzt oder das Gerät eingeschaltet wird, muss die Verdrahtung stimmen — Netz, Motor, Schutzleiter, Schirmung. Alles andere (a, b, d) folgt erst danach.
Welche Werte stammen direkt vom Motortypenschild und werden in den Umrichter übertragen?
- a) Nennspannung, Nennstrom, Nennfrequenz und Nenndrehzahl
- b) Hochlaufzeit und Auslaufzeit
- c) Sollwertquelle und Startquelle
- d) Minimal- und Maximalfrequenz
Richtig: a)
Die Motordaten — Nennspannung, Nennstrom, Nennfrequenz, Nenndrehzahl, Leistung, cos φ — stehen auf dem Typenschild und werden parametriert (a). Rampen (b), Sollwert-/Startquelle (c) und Frequenzgrenzen (d) sind Anwendungseinstellungen, die nicht vom Typenschild kommen.
Ein vierpoliger Motor am 50-Hz-Netz hat eine Synchrondrehzahl von 1500 1/min. Warum dreht der Läufer im Betrieb langsamer?
- a) Weil die Netzspannung zu niedrig ist
- b) Weil eine Relativbewegung zwischen Drehfeld und Läufer nötig ist, um Drehmoment zu erzeugen
- c) Weil der Umrichter die Drehzahl künstlich begrenzt
- d) Weil das Typenschild gerundet ist
Richtig: b)
Der Asynchronmotor braucht den Schlupf — den Rückstand des Läufers gegenüber dem Drehfeld —, damit überhaupt Spannung in den Läufer induziert wird und Drehmoment entsteht (b). Mit Netzspannung (a), künstlicher Begrenzung (c) oder Rundung (d) hat das nichts zu tun.
Was beschreibt die U/f-Steuerung?
- a) Spannung und Frequenz werden konstant gehalten
- b) Die Frequenz folgt der Drehzahl des Läufers
- c) Die Spannung sinkt mit steigender Frequenz
- d) Die Spannung wächst proportional zur Frequenz, damit der magnetische Fluss konstant bleibt
Richtig: d)
Bei der U/f-Steuerung steigt die Spannung im gleichen Verhältnis wie die Frequenz, damit der Fluss im Motor konstant bleibt — bis zur Eckfrequenz (d). Konstant gehalten werden sie nicht (a), die Frequenz wird vorgegeben, nicht vom Läufer bestimmt (b), und die Spannung sinkt nicht (c).
Was passiert mit dem verfügbaren Drehmoment, wenn der Motor über die Eckfrequenz hinaus betrieben wird?
- a) Es steigt proportional zur Frequenz
- b) Es sinkt, weil die Spannung nicht weiter mitwachsen kann
- c) Es bleibt unverändert
- d) Es wird durch die Minimalfrequenz bestimmt
Richtig: b)
Oberhalb der Eckfrequenz ist die Spannung am Maximum, das Verhältnis U/f sinkt und der Fluss wird schwächer — das Drehmoment fällt ab (Feldschwächbereich) (b). Es steigt also nicht (a) und bleibt nicht konstant (c); die Minimalfrequenz (d) spielt hier keine Rolle.
Warum bevorzugt man in störanfälligen Anwendungen ein 4–20-mA-Sollwertsignal?
- a) Weil ein Drahtbruch durch den Abfall auf 0 mA erkennbar wird
- b) Weil es eine höhere Maximaldrehzahl ermöglicht
- c) Weil es ohne Parametrierung auskommt
- d) Weil es die Rampenzeit verkürzt
Richtig: a)
Der gültige Bereich beginnt bei 4 mA; fällt das Signal auf 0 mA, ist das eindeutig ein Drahtbruch und vom Sollwert null unterscheidbar (a). Mit Drehzahlhöhe (b), Parametrierung (c) oder Rampenzeit (d) hat das nichts zu tun.
Worin unterscheidet sich die Dreidrahtsteuerung von der Zweidrahtsteuerung?
- a) Sie braucht kein Stoppsignal
- b) Sie funktioniert nur über Feldbus
- c) Sie ist funktional gleich, nur anders verdrahtet
- d) Sie verwendet Start-/Stopptaster mit Selbsthaltung statt eines Dauerpegels
Richtig: d)
Die Dreidrahtsteuerung nutzt kurze Tastimpulse für Start und Stopp und hält den Zustand intern (Selbsthaltung) — sicherer gegen ungewolltes Wiederanlaufen als der Dauerpegel der Zweidrahtsteuerung (d). Sie braucht sehr wohl ein Stoppsignal (a), ist nicht auf Feldbus angewiesen (b) und unterscheidet sich funktional klar (c).
Ein Umrichter meldet beim Bremsen einer großen Schwungmasse wiederholt Überspannung im Zwischenkreis. Welche Maßnahme ist sinnvoll?
- a) Die Auslauframpe verlängern oder einen Bremswiderstand einsetzen
- b) Den Nennstrom erhöhen
- c) Die Minimalfrequenz anheben
- d) Den cos φ verringern
Richtig: a)
Beim Bremsen speist der Motor Energie zurück, die Zwischenkreisspannung steigt. Eine längere Auslauframpe oder ein Bremswiderstand fängt das ab (a). Nennstrom (b), Minimalfrequenz (c) und cos φ (d) wirken nicht gegen die Bremsüberspannung.
Warum sollte der erste Probelauf mit niedriger Drehzahl beginnen?
- a) Weil der Umrichter sonst nicht startet
- b) Weil Fehler in Verdrahtung, Schaltungsart oder Daten bei niedriger Drehzahl früh und glimpflich erkennbar sind
- c) Weil bei hoher Drehzahl kein Strom messbar ist
- d) Weil die Rampe sonst nicht greift
Richtig: b)
Bei niedriger Frequenz wirken sich Fehler weniger heftig aus und lassen sich rechtzeitig erkennen, bevor Schaden entsteht. Der Umrichter würde auch bei hoher Drehzahl starten (a), der Strom ist messbar (c), und die Rampe greift unabhängig davon (b).
Der thermische Motorschutz im FU löst zu früh aus, obwohl der Motor kühl bleibt. Welche Parametereinstellung ist zu prüfen?
- a) Die eingestellte Maximalfrequenz
- b) Die gewählte Sollwertquelle
- c) Die Hochlauframpe
- d) Der parametrierte Nennstrom, der vermutlich zu niedrig eingegeben wurde
Richtig: d)
Das thermische Modell stützt sich auf den parametrierten Nennstrom. Ist er zu niedrig, deutet der Umrichter den normalen Betriebsstrom als Überlast (d). Maximalfrequenz (a), Sollwertquelle (b) und Rampe (c) beeinflussen das thermische Modell nicht.
Welche Aufgabe hat das Autotuning bei der Inbetriebnahme?
- a) Es prüft die Verdrahtung auf Erdschluss
- b) Es stellt die Sollwertquelle automatisch ein
- c) Es ermittelt zusätzliche Motorkennwerte messtechnisch und verbessert die Regelgüte
- d) Es sichert den Parametersatz
Richtig: c)
Das Autotuning misst Kennwerte wie den Wicklungswiderstand, die nicht auf dem Typenschild stehen, und verfeinert damit die Regelung (c). Eine Erdschlussprüfung (a), die Sollwertwahl (b) und das Sichern des Parametersatzes (d) sind eigene Vorgänge.
Ein Motor ist im Stern verschaltet, im Umrichter wird aber Dreieckbetrieb parametriert. Welche Gefahr besteht?
- a) Der Umrichter ordnet eine falsche Wicklungsspannung zu, was zu Fehlverhalten oder Überlast führen kann
- b) Keine, die Angabe ist unkritisch
- c) Der Motor läuft grundsätzlich rückwärts
- d) Die Netzsicherung löst sofort aus
Richtig: a)
Stern und Dreieck unterscheiden sich in der Wicklungsspannung um den Faktor Wurzel drei. Eine falsche Zuordnung lässt den Umrichter mit falschen Spannungsannahmen arbeiten — der Motor kann überlastet werden oder zu schwach laufen (a). Unkritisch ist das nicht (b), die Drehrichtung hängt an der Phasenfolge (c), und ein sofortiges Sicherungsauslösen ist nicht die typische Folge (d).
Glossar
- Parametrierung
- Das Einstellen aller Werte im Frequenzumrichter, damit er einen konkreten Motor an einer konkreten Maschine korrekt betreibt.
- Synchrondrehzahl
- Die Drehzahl des Drehfelds im Asynchronmotor, bestimmt durch Netzfrequenz und Polpaarzahl. Der Läufer dreht stets etwas langsamer.
- Schlupf
- Der relative Rückstand der Läuferdrehzahl gegenüber der Synchrondrehzahl, nötig zur Drehmomentbildung; oft in Prozent angegeben.
- Autotuning
- Verfahren, bei dem der Umrichter elektrische Motorkennwerte selbst misst, um die Regelung zu verbessern.
- Hochlaufzeit / Auslaufzeit (Rampe)
- Die eingestellte Zeit, in der der Umrichter die Frequenz beim Beschleunigen hochfährt bzw. beim Bremsen herunterfährt.
- U/f-Steuerung
- Steuerungsart, bei der die Spannung proportional zur Frequenz mitgeführt wird, damit der magnetische Fluss konstant bleibt.
- Eckfrequenz
- Die Frequenz, bei der die Motorspannung ihren Höchstwert erreicht; üblicherweise die Nennfrequenz. Darüber beginnt die Feldschwächung.
- Feldschwächbereich
- Betriebsbereich oberhalb der Eckfrequenz, in dem die Spannung nicht weiter steigen kann, der Fluss schwächer wird und das Drehmoment sinkt.
- Spannungsanhebung (Boost)
- Leichte Anhebung der Spannung am unteren Ende der U/f-Kennlinie, um trotz Wicklungswiderstand genug Anzugsmoment zu sichern.
- Sollwert
- Die Vorgabe für die gewünschte Motordrehzahl, etwa über Analogeingang, Potentiometer, Festfrequenzen oder Feldbus.
- Zweidrahtsteuerung
- Startkonzept mit Dauerpegel: Der Motor läuft, solange der Steuerkontakt geschlossen ist.
- Dreidrahtsteuerung
- Startkonzept mit getrennten Start-/Stopptastern und interner Selbsthaltung, sicherer gegen ungewolltes Wiederanlaufen.
- Thermisches Motormodell
- Rechnerische Nachbildung der Motorerwärmung im Umrichter, die auf dem parametrierten Nennstrom beruht und vor Überhitzung schützt.
