RC- und RL-Schaltungen
Sobald ein Widerstand mit einem Kondensator oder einer Spule zusammenarbeitet, stimmt eine vertraute Rechenregel plötzlich nicht mehr: Die einzelnen Spannungen lassen sich nicht einfach zusammenzählen. Der Grund ist die Phasenverschiebung – Strom und Spannung erreichen ihre Höchstwerte nicht mehr gleichzeitig. Dieser Beitrag zeigt, wie man bei einer Reihenschaltung aus Widerstand und Blindwiderstand trotzdem zum richtigen Ergebnis kommt, wie man Gesamtspannung, Scheinwiderstand und Phasenwinkel bestimmt – und wozu man RC- und RL-Glieder in der Praxis einsetzt.
Vorwissen
- Spule im Wechselstromkreis (induktiver Widerstand)
- Kondensator im Wechselstromkreis (kapazitiver Widerstand)
- Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum sich Spannungen in einer RC- oder RL-Reihenschaltung geometrisch und nicht arithmetisch addieren
- aus Wirkwiderstand und Blindwiderstand den Scheinwiderstand und den Phasenwinkel einer RC- oder RL-Schaltung berechnen
- die Spannungsdreiecke von RC- und RL-Schaltung lesen und voneinander unterscheiden
- die Filterwirkung von RC- und RL-Gliedern als Tief- oder Hochpass beschreiben und die Grenzfrequenz berechnen
1. Warum sich Spannungen nicht mehr einfach addieren
Im Gleichstromkreis ist die Reihenschaltung unkompliziert: Liegen zwei Widerstände hintereinander, addieren sich ihre Teilspannungen direkt zur Gesamtspannung. 6 Volt plus 4 Volt ergeben 10 Volt – fertig.
Im Wechselstromkreis funktioniert das nur, solange ausschließlich ohmsche Widerstände im Spiel sind. An einem reinen Wirkwiderstand laufen Strom und Spannung im Gleichtakt: Beide erreichen ihren Höchstwert zur selben Zeit, beide gehen gleichzeitig durch null. Man sagt, sie sind in Phase.
Anders bei Kondensator und Spule. An einem Kondensator eilt die Spannung dem Strom um eine Viertelperiode nach, an einer Spule eilt sie um eine Viertelperiode vor – in beiden Fällen eine Verschiebung von 90°. Diese Bauteile setzen dem Wechselstrom einen Blindwiderstand entgegen: einen Widerstand, der keine Wirkleistung verbraucht, sondern Energie nur zwischenspeichert und wieder abgibt.
Schaltet man nun einen Widerstand und einen solchen Blindwiderstand in Reihe, fließt durch beide derselbe Strom. Aber ihre Teilspannungen erreichen ihre Höchstwerte zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Genau hier scheitert das einfache Zusammenzählen: Zwei Spannungen von 6 V und 8 V, die um 90° gegeneinander verschoben sind, ergeben eben nicht 14 V.
Der Ausweg ist die zeigerhafte Darstellung. Man zeichnet jede Spannung als Pfeil (Zeiger), dessen Länge dem Spannungswert entspricht und dessen Richtung die Phasenlage angibt. Spannungen, die um 90° verschoben sind, stehen dann senkrecht aufeinander. Die Gesamtspannung ist nicht die summe der Längen, sondern die geometrische Summe – also die Diagonale im rechtwinkligen Dreieck. Und für rechtwinklige Dreiecke gibt es ein vertrautes Werkzeug: den Satz des Pythagoras.
Das ist die ganze Idee hinter RC- und RL-Schaltungen. Alles Weitere ist die saubere Anwendung dieses Gedankens auf zwei konkrete Fälle.
Ein Widerstand und ein Kondensator liegen in Reihe an Wechselspannung. Am Widerstand misst man 30 V, am Kondensator 40 V. Warum zeigt das Voltmeter an den Klemmen der Reihenschaltung nicht 70 V an?
- a) Weil die beiden Teilspannungen um 90° phasenverschoben sind und sich geometrisch addieren
- b) Weil ein Teil der Spannung im Kondensator verloren geht
- c) Weil das Voltmeter im Wechselstromkreis grundsätzlich zu niedrig misst
- d) Weil sich der Kondensator auflädt und keine Spannung mehr aufnimmt
Richtig: a)
Die Teilspannungen erreichen ihre Höchstwerte nicht gleichzeitig. Geometrisch addiert ergibt sich √(30² + 40²) = 50 V, nicht 70 V. Antwort b) und d) unterstellen einen Spannungs„verlust“, den es im Blindwiderstand nicht gibt – er speichert nur. c) ist falsch, das Messgerät arbeitet korrekt.
Welche Aussage über den Strom in einer RC- oder RL-Reihenschaltung trifft zu?
- a) Der Strom ist in jedem Bauteil anders groß
- b) Durch alle in Reihe liegenden Bauteile fließt derselbe Strom
- c) Im Kondensator fließt gar kein Strom
- d) Der Strom ist nur durch den ohmschen Widerstand bestimmt
Richtig: b)
In einer Reihenschaltung gibt es nur einen einzigen Strompfad, also denselben Strom überall. Genau deshalb wählt man den Strom später als Bezugsgröße für das Zeigerdiagramm. c) ist falsch – im Wechselstromkreis fließt durch den Kondensator sehr wohl ein (Lade-/Entlade-)Strom.
2. Die RC-Reihenschaltung
Wir schalten einen ohmschen Widerstand R in Reihe mit einem Kondensator C und legen Wechselspannung an. Da es eine Reihenschaltung ist, fließt durch beide der gleiche Strom. Diesen Strom nimmt man als Bezugsgröße – an ihm orientieren sich die Spannungen.
Am Widerstand ist die Spannung U_R in Phase mit dem Strom. Am Kondensator eilt die Spannung U_C dem Strom um 90° nach. Im Zeigerdiagramm zeichnet man deshalb U_R waagrecht (in Stromrichtung) und U_C um 90° nach unten gedreht. Beide Zeiger stehen senkrecht aufeinander, und die Gesamtspannung U ist die Diagonale dieses rechtwinkligen Dreiecks – das sogenannte Spannungsdreieck.
Damit ergibt sich die Gesamtspannung über den Satz des Pythagoras:
U = √(U_R² + U_C²)
- U … Gesamtspannung in V
- U_R … Spannung am Widerstand in V
- U_C … Spannung am Kondensator in V
Teilt man jede dieser Spannungen durch den gemeinsamen Strom, erhält man die zugehörigen Widerstände – und dasselbe Dreieck noch einmal, nur in Ohm statt in Volt. Der Scheinwiderstand Z (auch Impedanz genannt) ist der Gesamtwiderstand der Schaltung:
Z = √(R² + X_C²)
- Z … Scheinwiderstand in Ω
- R … Wirkwiderstand in Ω
- X_C … kapazitiver Blindwiderstand in Ω
Der kapazitive Blindwiderstand X_C hängt von der Frequenz und der Kapazität ab – je höher die Frequenz, desto kleiner X_C. Wie man X_C selbst berechnet, ist Thema des Beitrags über den Kondensator im Wechselstromkreis; hier setzen wir den Wert als gegeben voraus.
Der Phasenwinkel φ gibt an, um wie viel Grad die Gesamtspannung gegenüber dem Strom verschoben ist. Im Spannungsdreieck ist er der Winkel zwischen U_R und U:
tan φ = X_C / R
- φ … Phasenwinkel in Grad
- X_C … kapazitiver Blindwiderstand in Ω
- R … Wirkwiderstand in Ω
Bei der RC-Schaltung ist der Strom der Spannung voraus – die Gesamtspannung „hinkt“ hinterher. Man spricht von einem kapazitiven Verhalten.
Gelöstes Beispiel
Eine RC-Reihenschaltung besteht aus R = 120 Ω und einem Kondensator mit X_C = 90 Ω. Sie liegt an U = 230 V. Gesucht sind Scheinwiderstand, Strom und Phasenwinkel.
Gegeben: R = 120 Ω, X_C = 90 Ω, U = 230 V
Gesucht: Z in Ω, I in A, φ in Grad
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Scheinwiderstand:
Z = √(R² + X_C²) = √(120² + 90²) = √(14400 + 8100) = √22500 = 150 Ω - Schritt 2 — Strom:
I = U / Z = 230 V / 150 Ω = 1,53 A - Schritt 3 — Phasenwinkel:
tan φ = X_C / R = 90 / 120 = 0,75
φ = 36,87°
Ergebnis: Z = 150 Ω, I = 1,53 A, φ = 36,87° (Strom eilt der Spannung voraus)
Übungen
Eine RC-Reihenschaltung hat R = 30 Ω und X_C = 40 Ω. Berechne den Scheinwiderstand.
Lösung: Z = √(30² + 40²) = √2500 = 50 Ω
An R = 200 Ω liegt U_R = 100 V, am Kondensator U_C = 75 V. Wie groß ist die Gesamtspannung?
Lösung: U = √(100² + 75²) = √15625 = 125 V
Eine RC-Schaltung mit R = 80 Ω and X_C = 60 Ω liegt an 100 V. Berechne Z und den Strom.
Lösung: Z = √(80² + 60²) = 100 Ω; I = 100 V / 100 Ω = 1 A
Bei R = 50 Ω und X_C = 50 Ω – wie groß ist der Phasenwinkel?
Lösung: tan φ = 50/50 = 1, also φ = 45°
Eine RC-Reihenschaltung an 230 V zieht 2 A bei einem Phasenwinkel von 30°. Berechne Z, R und X_C.
Lösung: Z = U/I = 230/2 = 115 Ω; R = Z·cos30° = 115·0,866 = 99,6 Ω; X_C = Z·sin30° = 115·0,5 = 57,5 Ω
Eine RC-Reihenschaltung hat R = 60 Ω und X_C = 80 Ω. Wie groß ist der Scheinwiderstand?
- a) 140 Ω
- b) 20 Ω
- c) 100 Ω
- d) 70 Ω
Richtig: c)
Z = √(60² + 80²) = √(3600 + 6400) = √10000 = 100 Ω. Die 140 Ω (a) wären die falsche arithmetische Summe, 20 Ω (b) die Differenz – beides ignoriert die geometrische Addition.
Was passiert mit dem Phasenwinkel einer RC-Schaltung, wenn bei gleichbleibendem R die Frequenz steigt?
- a) Er wird kleiner
- b) Er wird größer
- c) Er bleibt konstant
- d) Er springt auf 90°
Richtig: a)
Mit steigender Frequenz sinkt X_C. Da tan φ = X_C / R, wird das Verhältnis kleiner und damit auch φ. Die Schaltung verhält sich zunehmend ohmsch.
In welcher Beziehung stehen U_R und U_C im Zeigerdiagramm der RC-Schaltung?
- a) Sie zeigen in dieselbe Richtung
- b) Sie sind genau gegengleich gerichtet
- c) Sie überlagern sich vollständig
- d) Sie stehen senkrecht aufeinander
Richtig: d)
Die 90°-Phasenverschiebung zwischen Widerstands- und Kondensatorspannung erscheint im Zeigerdiagramm als rechter Winkel. Genau das macht den Pythagoras anwendbar.
3. Die RL-Reihenschaltung
Jetzt tauschen wir den Kondensator gegen eine Spule: R in Reihe mit L. Wieder fließt durch beide derselbe Strom, wieder nehmen wir ihn als Bezug. Der Unterschied steckt allein in der Richtung der Phasenverschiebung.
An der Spule eilt die Spannung U_L dem Strom um 90° vor – genau umgekehrt zum Kondensator. Im Zeigerdiagramm zeichnet man U_R wieder in Stromrichtung, U_L aber um 90° nach oben. Das Spannungsdreieck ist damit das Spiegelbild des RC-Falls: Die Gesamtspannung kippt zur anderen Seite.
Die Rechnung bleibt strukturell identisch. Die Gesamtspannung:
U = √(U_R² + U_L²)
- U … Gesamtspannung in V
- U_R … Spannung am Widerstand in V
- U_L … Spannung an der Spule in V
Der Scheinwiderstand:
Z = √(R² + X_L²)
- Z … Scheinwiderstand in Ω
- R … Wirkwiderstand in Ω
- X_L … induktiver Blindwiderstand in Ω
Der induktive Blindwiderstand X_L verhält sich gegenläufig zu X_C: Mit steigender Frequenz wird er größer. Die Herleitung von X_L gehört zum Beitrag über die Spule im Wechselstromkreis; hier ist der Wert gegeben.
Der Phasenwinkel:
tan φ = X_L / R
- φ … Phasenwinkel in Grad
- X_L … induktiver Blindwiderstand in Ω
- R … Wirkwiderstand in Ω
Der entscheidende Unterschied zur RC-Schaltung: Bei der RL-Schaltung eilt die Spannung dem Strom voraus, der Strom hinkt hinterher. Das nennt man induktives Verhalten. Wer sich die Richtung merken will: Bei der Spule kommt die Spannung „zuerst“, beim Kondensator „zuletzt“.
Gelöstes Beispiel
Eine Spule mit X_L = 60 Ω liegt in Reihe mit R = 80 Ω an U = 230 V. Gesucht sind Scheinwiderstand, Strom und Phasenwinkel.
Gegeben: R = 80 Ω, X_L = 60 Ω, U = 230 V
Gesucht: Z in Ω, I in A, φ in Grad
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Scheinwiderstand:
Z = √(R² + X_L²) = √(80² + 60²) = √(6400 + 3600) = √10000 = 100 Ω - Schritt 2 — Strom:
I = U / Z = 230 V / 100 Ω = 2,3 A - Schritt 3 — Phasenwinkel:
tan φ = X_L / R = 60 / 80 = 0,75
φ = 36,87°
Ergebnis: Z = 100 Ω, I = 2,3 A, φ = 36,87° (Spannung eilt dem Strom voraus)
Übungen
Eine RL-Reihenschaltung hat R = 40 Ω und X_L = 30 Ω. Berechne den Scheinwiderstand.
Lösung: Z = √(40² + 30²) = √2500 = 50 Ω
Am Widerstand liegen U_R = 60 V, an der Spule U_L = 80 V. Wie groß ist die Gesamtspannung?
Lösung: U = √(60² + 80²) = √10000 = 100 V
Eine RL-Schaltung mit R = 120 Ω und X_L = 160 Ω liegt an 200 V. Berechne Z und den Strom.
Lösung: Z = √(120² + 160²) = 200 Ω; I = 200 V / 200 Ω = 1 A
Bei R = 100 Ω beträgt der Phasenwinkel 30°. Wie groß ist X_L?
Lösung: X_L = R · tan30° = 100 · 0,577 = 57,7 Ω
Eine RL-Reihenschaltung an 400 V zieht 5 A bei φ = 53,13°. Berechne Z, R und X_L.
Lösung: Z = 400/5 = 80 Ω; R = Z·cos53,13° = 80·0,6 = 48 Ω; X_L = Z·sin53,13° = 80·0,8 = 64 Ω
Worin unterscheidet sich das Zeigerdiagramm der RL-Schaltung von dem der RC-Schaltung?
- a) Der Strom liegt bei RL nicht mehr fest
- b) Die Blindspannung zeigt bei RL nach oben statt nach unten
- c) Der ohmsche Anteil verschwindet
- d) Die Gesamtspannung ist bei RL immer kleiner
Richtig: b)
Bei der Spule eilt die Spannung voraus, der U_L-Zeiger steht daher nach oben (gegenüber U_C nach unten). Die Rechenstruktur bleibt gleich; nur die Richtung der Blindspannung kehrt sich um.
Eine RL-Reihenschaltung hat R = 90 Ω und X_L = 120 Ω. Wie groß ist der Phasenwinkel?
- a) 30°
- b) 45°
- c) 53,13°
- d) 60°
Richtig: c)
tan φ = X_L / R = 120/90 = 1,333, daraus φ = 53,13°. Der Wert liegt über 45°, weil der Blindwiderstand den Wirkwiderstand übersteigt.
Wie verändert sich der Scheinwiderstand einer RL-Schaltung, wenn die Frequenz steigt?
- a) Er sinkt, weil X_L kleiner wird
- b) Er bleibt konstant
- c) Er hängt nicht von der Frequenz ab
- d) Er steigt, weil X_L größer wird
Richtig: d)
Der induktive Blindwiderstand X_L wächst mit der Frequenz. Da Z = √(R² + X_L²), steigt mit X_L auch der Scheinwiderstand. Das ist genau das gegenläufige Verhalten zur RC-Schaltung.
4. RC und RL als Filter und Phasenschieber
Bis hierher haben wir bei einer festen Frequenz gerechnet. Spannend wird es, wenn man die Frequenz verändert – denn X_C und X_L hängen von ihr ab. Dadurch wird aus einer simplen Reihenschaltung ein Filter: eine Schaltung, die manche Frequenzen durchlässt und andere abschwächt.
Der Trick liegt darin, an welchem Bauteil man die Ausgangsspannung abgreift. Greift man bei einem RC-Glied die Spannung über dem Kondensator ab, sinkt der Ausgang mit steigender Frequenz (weil X_C kleiner wird) – tiefe Frequenzen kommen durch, hohe werden gedämpft. Das ist ein Tiefpass. Greift man stattdessen über dem Widerstand ab, dreht sich das Verhalten um: ein Hochpass.
Beim RL-Glied ist es spiegelbildlich, weil X_L gegenläufig zur Frequenz läuft. Spannung über der Spule ergibt einen Hochpass, Spannung über dem Widerstand einen Tiefpass.
Der Übergang zwischen „durchlassen“ und „dämpfen“ ist fließend. Als Kennwert dient die Grenzfrequenz f_g – die Frequenz, bei der Wirkwiderstand und Blindwiderstand gleich groß sind (R = X). An diesem Punkt ist die Ausgangsspannung auf etwa 70,7 % der Eingangsspannung abgesunken.
Für das RC-Glied:
f_g = 1 / (2 * Math.PI * R * C)
- f_g … Grenzfrequenz in Hz
- R … Wirkwiderstand in Ω
- C … Kapazität in F
Für das RL-Glied:
f_g = R / (2 * Math.PI * L)
- f_g … Grenzfrequenz in Hz
- R … Wirkwiderstand in Ω
- L … Induktivität in H
Gelöstes Beispiel
Ein RC-Tiefpass besteht aus R = 1 kΩ und C = 100 nF. Gesucht ist die Grenzfrequenz.
Gegeben: R = 1000 Ω, C = 100 nF = 0,0000001 F
Gesucht: f_g in Hz
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Grenzfrequenz einsetzen:
f_g = 1 / (2 · π · R · C) = 1 / (2 · 3,1416 · 1000 · 0,0000001) - Schritt 2 — ausrechnen:
f_g = 1 / 0,000628 = 1591 Hz
Ergebnis: f_g ≈ 1591 Hz
Übungen
Ein RC-Glied hat R = 10 kΩ und C = 1 µF. Berechne die Grenzfrequenz.
Lösung: f_g = 1 / (2·π·10000·0,000001) = 15,9 Hz
Bei welcher Kombination liegt die Grenzfrequenz höher: R = 1 kΩ mit C = 100 nF oder R = 2 kΩ mit C = 100 nF?
Lösung: f_g ist umgekehrt proportional zu R. Die kleinere Widerstandsgröße (1 kΩ) ergibt die höhere Grenzfrequenz.
Ein RL-Tiefpass hat R = 50 Ω und L = 10 mH. Berechne f_g.
Lösung: f_g = R / (2·π·L) = 50 / (2·π·0,01) = 796 Hz
Welche Kapazität braucht ein RC-Glied mit R = 4,7 kΩ für eine Grenzfrequenz von 1 kHz?
Lösung: C = 1 / (2·π·R·f_g) = 1 / (2·π·4700·1000) = 33,9 nF
Ein RC-Tiefpass (R = 1 kΩ, C = 159 nF, also f_g ≈ 1000 Hz) wird mit 3 kHz betrieben. Wie groß ist das Spannungsverhältnis am Ausgang?
Lösung: U_out/U_in = 1 / √(1 + (3000/1000)²) = 1 / √10 = 0,316 – das Signal wird auf etwa 32 % gedämpft.
Bei einem RC-Glied wird die Ausgangsspannung über dem Kondensator abgegriffen. Wie verhält sich die Schaltung?
- a) Als Hochpass
- b) Als Tiefpass
- c) Sie dämpft alle Frequenzen gleich
- d) Sie verstärkt hohe Frequenzen
Richtig: b)
X_C sinkt mit steigender Frequenz, also fällt auch die Spannung über dem Kondensator. Tiefe Frequenzen kommen durch, hohe werden gedämpft – ein Tiefpass.
Was gilt am Punkt der Grenzfrequenz?
- a) Wirkwiderstand und Blindwiderstand sind gleich groß
- b) Der Blindwiderstand ist null
- c) Die Ausgangsspannung ist null
- d) Der Phasenwinkel beträgt 90°
Richtig: a)
Per Definition ist bei f_g der Wirkwiderstand gleich dem Blindwiderstand (R = X). Daraus folgt ein Phasenwinkel von 45° und ein Spannungsverhältnis von 0,707 – nicht null.
Ein RC-Tiefpass mit f_g = 1 kHz wird mit 1 kHz betrieben. Auf welchen Anteil der Eingangsspannung ist der Ausgang gesunken?
- a) auf 100 %
- b) auf 50 %
- c) auf etwa 70,7 %
- d) auf 0 %
Richtig: c)
Genau bei der Grenzfrequenz beträgt das Verhältnis 1/√2 ≈ 0,707. Der Ausgang ist also auf rund 70,7 % gesunken – das ist der definierende Punkt der Grenzfrequenz.
Warum setzt man über einem Schaltkontakt, der eine Spule schaltet, oft ein RC-Glied ein?
- a) Um den Strom zu erhöhen
- b) Um die Spule schneller zu erregen
- c) Um die Frequenz zu verdoppeln
- d) Um die Spannungsspitze beim Abschalten zu dämpfen und den Kontakt zu schützen
Richtig: d)
Beim Abschalten einer Induktivität entsteht eine hohe Spannungsspitze, die den Kontakt zerstören kann. Das RC-Glied nimmt diese Energie auf und dämpft die Spitze – ein klassischer Snubber.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine RC-Reihenschaltung besteht aus R = 90 Ω und X_C = 120 Ω und liegt an U = 230 V.
Gegeben: R = 90 Ω, X_C = 120 Ω, U = 230 V
Gesucht: Z, I, φ
Lösungsweg:
Z = √(90² + 120²) = √22500 = 150 Ω; I = 230/150 = 1,53 A; tan φ = 120/90 = 1,333 → φ = 53,13°
Ergebnis: Z = 150 Ω, I = 1,53 A, φ = 53,13°
Aufgabe 2: An einer RC-Reihenschaltung misst man U_R = 120 V und U_C = 50 V.
Gegeben: U_R = 120 V, U_C = 50 V
Gesucht: Gesamtspannung U und Phasenwinkel φ
Lösungsweg:
U = √(120² + 50²) = √16900 = 130 V; tan φ = U_C/U_R = 50/120 = 0,417 → φ = 22,62°
Ergebnis: U = 130 V, φ = 22,62°
Aufgabe 3: Eine RL-Reihenschaltung hat R = 16 Ω und X_L = 12 Ω und liegt an U = 100 V.
Gegeben: R = 16 Ω, X_L = 12 Ω, U = 100 V
Gesucht: Z, I, φ
Lösungsweg:
Z = √(16² + 12²) = √400 = 20 Ω; I = 100/20 = 5 A; tan φ = 12/16 = 0,75 → φ = 36,87°
Ergebnis: Z = 20 Ω, I = 5 A, φ = 36,87°
Aufgabe 4: Eine RL-Reihenschaltung an 230 V zieht 4 A bei einem Phasenwinkel von 60°.
Gegeben: U = 230 V, I = 4 A, φ = 60°
Gesucht: Z, R, X_L
Lösungsweg:
Z = 230/4 = 57,5 Ω; R = Z·cos60° = 57,5·0,5 = 28,75 Ω; X_L = Z·sin60° = 57,5·0,866 = 49,8 Ω
Ergebnis: Z = 57,5 Ω, R = 28,75 Ω, X_L = 49,8 Ω
Aufgabe 5: Ein RC-Tiefpass besteht aus R = 2,2 kΩ und C = 47 nF.
Gegeben: R = 2200 Ω, C = 0,000000047 F
Gesucht: Grenzfrequenz f_g
Lösungsweg:
f_g = 1 / (2·π·2200·0,000000047) = 1 / 0,0006497 = 1539 Hz
Ergebnis: f_g ≈ 1539 Hz
Aufgabe 6: Ein RL-Tiefpass hat R = 100 Ω und L = 22 mH.
Gegeben: R = 100 Ω, L = 0,022 H
Gesucht: Grenzfrequenz f_g
Lösungsweg:
f_g = R / (2·π·L) = 100 / (2·π·0,022) = 100 / 0,1382 = 724 Hz
Ergebnis: f_g ≈ 724 Hz
Warum addiert man in einer RC-Reihenschaltung die Teilspannungen nicht einfach arithmetisch?
- a) Weil ein Teil der Spannung verloren geht
- b) Weil U_R und U_C um 90° phasenverschoben sind
- c) Weil der Kondensator keine Spannung führt
- d) Weil das nur bei Gleichspannung gilt
Richtig: b)
Die 90°-Verschiebung zwischen Widerstands- und Kondensatorspannung erzwingt die geometrische Addition über den Satz des Pythagoras. Verloren geht nichts – der Blindwiderstand speichert nur.
Eine RC-Schaltung hat R = 30 Ω, X_C = 40 Ω. Wie groß ist Z?
- a) 50 Ω
- b) 70 Ω
- c) 10 Ω
- d) 35 Ω
Richtig: a)
Z = √(30² + 40²) = √2500 = 50 Ω. Die 70 Ω wären die unzulässige arithmetische Summe.
Welche Aussage zur RL-Schaltung ist richtig?
- a) Der Strom eilt der Spannung voraus
- b) Die Spannung eilt dem Strom voraus
- c) Strom und Spannung sind in Phase
- d) Die Spannung ist um 180° verschoben
Richtig: b)
An der Spule eilt die Spannung dem Strom um 90° vor, die Gesamtspannung eilt also voraus. Das ist das kennzeichnende induktive Verhalten.
Wie verändert sich der Scheinwiderstand einer RC-Schaltung mit steigender Frequenz?
- a) Er steigt
- b) Er wird negativ
- c) Er sinkt, weil X_C kleiner wird
- d) Er bleibt gleich
Richtig: c)
X_C sinkt mit der Frequenz, damit sinkt auch Z = √(R² + X_C²). Bei sehr hoher Frequenz nähert sich Z dem reinen Wirkwiderstand R.
Bei der Grenzfrequenz eines RC-Tiefpasses gilt:
- a) R = 0
- b) X_C = 0
- c) Z = 0
- d) R = X_C
Richtig: d)
Die Grenzfrequenz ist genau dort, wo Wirkwiderstand und Blindwiderstand gleich groß sind. Daraus folgen φ = 45° und ein Spannungsverhältnis von 0,707.
Eine RL-Schaltung hat R = 60 Ω und X_L = 80 Ω. Wie groß ist der Phasenwinkel?
- a) 36,87°
- b) 45°
- c) 90°
- d) 53,13°
Richtig: d)
tan φ = X_L / R = 80/60 = 1,333 → φ = 53,13°. Über 45°, weil der Blindwiderstand den Wirkwiderstand übersteigt.
Ein RC-Tiefpass wird mit der dreifachen Grenzfrequenz betrieben. Etwa welches Spannungsverhältnis stellt sich ein?
- a) 0,32
- b) 0,95
- c) 0,71
- d) 0,00
Richtig: a)
U_out/U_in = 1/√(1 + 3²) = 1/√10 ≈ 0,316. Oberhalb der Grenzfrequenz fällt der Ausgang deutlich ab.
Was unterscheidet das RL- vom RC-Glied beim Frequenzverhalten?
- a) Beim RL steigt X_L mit der Frequenz, beim RC sinkt X_C
- b) Beide verhalten sich identisch
- c) Beim RL ist die Grenzfrequenz immer null
- d) Das RL-Glied kann nicht als Filter wirken
Richtig: a)
X_L und X_C laufen gegenläufig zur Frequenz. Deshalb kehrt sich bei gleichem Abgriff die Filterwirkung zwischen RL und RC um.
An einer RL-Reihenschaltung liegen U_R = 90 V und U_L = 120 V. Wie groß ist die Gesamtspannung?
- a) 210 V
- b) 105 V
- c) 150 V
- d) 30 V
Richtig: c)
U = √(90² + 120²) = √22500 = 150 V. Die arithmetische Summe 210 V (a) ignoriert die Phasenverschiebung.
Welcher praktische Einsatz ist typisch für ein RC-Glied?
- a) Erhöhung des Wirkungsgrades eines Motors
- b) Snubber zur Dämpfung von Schaltspitzen an Kontakten
- c) Erzeugung von Drehstrom
- d) Gleichrichtung von Wechselspannung
Richtig: b)
Ein RC-Glied über einem Schaltkontakt dämpft die beim Schalten induktiver Lasten entstehenden Spannungsspitzen und schützt so den Kontakt. Gleichrichtung (d) übernehmen Dioden, nicht RC-Glieder.
Eine RC-Schaltung an 100 V zieht 2 A. Wie groß ist der Scheinwiderstand?
- a) 200 Ω
- b) 0,02 Ω
- c) 102 Ω
- d) 50 Ω
Richtig: d)
Z = U / I = 100 V / 2 A = 50 Ω. Der Scheinwiderstand ergibt sich aus Gesamtspannung durch Gesamtstrom, unabhängig von der inneren Aufteilung.
Bei sehr niedriger Frequenz verhält sich eine RL-Reihenschaltung näherungsweise wie:
- a) ein reiner Kondensator
- b) ein offener Stromkreis
- c) ein reiner ohmscher Widerstand
- d) ein Kurzschluss
Richtig: c)
Bei niedriger Frequenz ist X_L sehr klein, der Blindanteil verschwindet fast. Übrig bleibt praktisch nur der Wirkwiderstand R – die Schaltung wirkt ohmsch.
Glossar
- Blindwiderstand
- Widerstand, den Kondensator oder Spule dem Wechselstrom entgegensetzen, ohne Wirkleistung zu verbrauchen; Formelzeichen X, Einheit Ohm.
- Scheinwiderstand (Impedanz)
- Gesamtwiderstand einer Wechselstromschaltung aus Wirk- und Blindwiderstand, geometrisch addiert: Z = √(R² + X²).
- Spannungsdreieck
- rechtwinkliges Zeigerdreieck, in dem sich Wirkspannung und Blindspannung zur Gesamtspannung zusammensetzen.
- Phasenwinkel
- Winkel φ zwischen Strom und Gesamtspannung; ein Maß dafür, wie stark eine Schaltung kapazitiv oder induktiv wirkt.
- Filter
- Schaltung, die je nach Frequenz unterschiedlich stark durchlässt; ein RC- oder RL-Glied wirkt als Tief- oder Hochpass.
- Grenzfrequenz
- Frequenz, bei der Wirk- und Blindwiderstand gleich groß sind und die Ausgangsspannung auf etwa 70,7 % gesunken ist.
