Motorschutz: Auslegung und Einstellung

Ein Motor, der zu warm wird, stirbt langsam. Die Wicklungsisolierung altert mit jedem Grad über der zulässigen Temperatur schneller, irgendwann bricht sie durch und es kommt zum Windungsschluss. Damit es nicht so weit kommt, sitzt zwischen Netz und Motor ein Schutzorgan. Der Knackpunkt: Dieses Schutzorgan muss bei echter Überlast zuverlässig abschalten, darf aber beim normalen Anlauf — wo kurzzeitig ein Vielfaches des Betriebsstroms fließt — nicht fehlauslösen. Genau dieses Abwägen ist die Kunst der Auslegung.

Dieser Beitrag zeigt, wie man die Schutzwerte richtig bestimmt und einstellt: vom Typenschild über das thermische Überlastrelais bis zum Nachweis, dass der Motor sicher hochläuft. Die Gerätekunde — welcher Motorschutzschalter, welches Relais — ist hier nicht das Thema; es geht um die Werte und ihre Begründung.

Vorwissen

  • Motortypenschild lesen
  • Drehstrom: Stern- und Dreieckschaltung
  • Elektrische Leistung und Strom im Drehstromsystem

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, wovor Überlast- und Kurzschlussschutz einen Motor jeweils schützen
  • aus den Typenschilddaten den Bemessungsstrom und den zu erwartenden Anlaufstrom bestimmen
  • ein thermisches Überlastrelais korrekt einstellen, auch bei Einbau im Dreieckstrang
  • die passende Auslöseklasse anhand von Anlaufstrom und Anlaufzeit auswählen und den sicheren Hochlauf nachweisen
  • die Sonderanforderungen bei Motoren im Ex-Bereich einordnen

1. Warum Motorschutz nötig ist

Ein Drehstrommotor zieht im Normalbetrieb seinen Bemessungsstrom, und der erzeugt in den Wicklungen genau so viel Wärme, wie der Motor über sein Gehäuse abführen kann. Das Gleichgewicht stimmt. Sobald der Motor aber mehr Strom zieht, als er soll, kippt diese Bilanz: Es entsteht mehr Wärme, als abgeführt wird, und die Wicklungstemperatur steigt.

Zwei grundsätzlich verschiedene Fehler bedrohen den Motor.

Der erste ist die Überlast. Der Motor läuft, aber er muss mehr leisten, als er darf — etwa weil das Förderband überladen ist, ein Lager schwergängig wird oder eine Phase ausfällt und die verbleibenden Wicklungen den Strom übernehmen. Der Strom steigt dann auf das Ein- bis Mehrfache des Bemessungsstroms. Das ist kein dramatischer Knall, sondern ein schleichender Prozess: Die Wicklung wird über Sekunden bis Minuten zu heiß. Ein Sonderfall ist der blockierte Läufer — der Motor steht still, zieht aber den vollen Anlaufstrom dauerhaft, ohne dass der Lüfter am Wellenende kühlt. Hier wird es besonders schnell kritisch.

Der zweite Fehler ist der Kurzschluss. Hier fließt schlagartig ein sehr hoher Strom, weil sich zwei Leiter direkt berühren oder die Isolation durchschlägt. Das passiert in Millisekunden und richtet durch die enorme Stromstärke mechanischen und thermischen Schaden an — Leiter verdampfen, Kontakte verschweißen.

Diese beiden Fehler verlangen unterschiedliche Schutzorgane. Der Überlastschutz darf sich Zeit lassen, weil der Motor eine thermische Trägheit hat — eine kurze, hohe Stromspitze beim Anlauf verträgt er problemlos, eine dauerhafte mäßige Überlast nicht. Der Kurzschlussschutz dagegen muss sofort trennen. Aus diesem Grund übernimmt in der Praxis nicht ein einziges Gerät beide Aufgaben mit derselben Charakteristik, sondern die Schutzfunktion ist abgestuft.

Ein Motor läuft normal an, das Überlastrelais löst aber nach wenigen Sekunden aus, obwohl die Last korrekt ist. Welche Ursache passt am besten zum Verständnis von thermischer Trägheit?

  • a) Das Überlastrelais ist zu niedrig eingestellt oder hat eine zu flinke Auslöseklasse
  • b) Der Kurzschlussschutz hat angesprochen
  • c) Der Motor zieht im Normalbetrieb zu wenig Strom
  • d) Die thermische Trägheit des Motors ist zu hoch

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: Wenn der Anlaufstrom das Relais bereits zur Auslösung bringt, ist entweder der Einstellwert zu niedrig oder die Auslöseklasse zu flink für die Anlaufzeit gewählt. b beschreibt einen anderen Schutzpfad, der bei einem normalen Anlauf gar nicht ansprechen sollte. c würde keine Auslösung verursachen. d verdreht den Zusammenhang — eine höhere Trägheit würde die Auslösung eher verzögern, nicht beschleunigen.

Warum ist ein blockierter Läufer thermisch gefährlicher als der gleiche Stromwert im laufenden Betrieb?

  • a) Weil bei Stillstand die Spannung höher ist
  • b) Weil der blockierte Motor mehr Drehmoment erzeugt
  • c) Weil der Kurzschlussschutz bei Stillstand nicht funktioniert
  • d) Weil der eigene Lüfter am Wellenende nicht kühlt und der hohe Strom dauerhaft fließt

Richtig: d)

Antwort d trifft den Kern: Der wellenmontierte Lüfter steht still, die Eigenkühlung fällt weg, während gleichzeitig der hohe Anlaufstrom dauerhaft anliegt. Die Spannung bleibt unverändert (a), das Drehmoment ist hier irrelevant (b), und der Kurzschlussschutz arbeitet stromabhängig unabhängig von der Drehzahl (c).

2. Die Schutzgrößen aus dem Typenschild

Jede Auslegung beginnt am Typenschild. Dort stehen die Werte, auf die der Schutz eingestellt wird. Das Lesen des Typenschilds im Detail ist ein eigenes Thema — hier interessieren nur die Größen, die für den Schutz zählen.

Die wichtigste ist der Bemessungsstrom I_N — der Strom, den der Motor bei Bemessungsleistung und Bemessungsspannung im Dauerbetrieb aufnimmt. Auf diesen Wert wird der Überlastschutz eingestellt. Steht I_N direkt auf dem Schild, ist man fertig. Oft sind aber zwei Strom- und Spannungswerte angegeben, je einer für Stern und Dreieck — dann muss man wissen, in welcher Schaltung der Motor am Netz liegt, und den passenden Wert nehmen.

Fehlt der Strom, lässt er sich aus Leistung, Spannung, Leistungsfaktor und Wirkungsgrad berechnen. Beim Drehstrommotor gilt:

I_N = P / (sqrt(3) * U * cos_phi * eta)

  • I_N …… Bemessungsstrom (Leiterstrom) in A
  • P …….. abgegebene Bemessungsleistung in W
  • U …….. Außenleiterspannung in V
  • cos_phi .. Leistungsfaktor
  • eta …… Wirkungsgrad

Wichtig ist die Unterscheidung: P auf dem Typenschild ist die abgegebene mechanische Wellenleistung, nicht die aufgenommene elektrische Leistung. Deshalb steht der Wirkungsgrad eta im Nenner — die aufgenommene Leistung ist um den Wirkungsgrad höher als die abgegebene, und entsprechend höher ist der Strom.

Ob der Motor in Stern oder Dreieck läuft, entscheidet außerdem darüber, welcher Strom durch das eigentliche Schutzelement fließt. Darauf kommt es im nächsten Kapitel an.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrommotor hat auf dem Typenschild 7,5 kW abgegebene Leistung, 400 V, cos φ = 0,84 und einen Wirkungsgrad von 0,88. Wie groß ist der Bemessungsstrom?

Gegeben: P = 7500 W; U = 400 V; cos φ = 0,84; η = 0,88

Gesucht: I_N in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel ansetzen: I_N = P / (√3 · U · cos φ · η)
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen: I_N = 7500 / (1,732 · 400 · 0,84 · 0,88)
  3. Schritt 3 — Nenner ausrechnen: Nenner = 1,732 · 400 · 0,84 · 0,88 = 512,1

Ergebnis: I_N = 7500 / 512,1 = 14,6 A

Übungen

Ein Motor mit 4 kW, 400 V, cos φ = 0,82, η = 0,86. Bestimme I_N.

I_N = 4000 / (1,732 · 400 · 0,82 · 0,86) = 4000 / 488,4 = 8,2 A

Ein Motor mit 11 kW, 400 V, cos φ = 0,85, η = 0,89. Bestimme I_N.

I_N = 11000 / (1,732 · 400 · 0,85 · 0,89) = 11000 / 524,0 = 21,0 A

Ein Motor zieht laut Typenschild 30 A bei 400 V und cos φ = 0,86. Wie groß ist die aufgenommene elektrische Leistung?

P_auf = √3 · U · I · cos φ = 1,732 · 400 · 30 · 0,86 = 17.870 W ≈ 17,9 kW

Ein Motor mit 15 kW, 400 V, cos φ = 0,87, η = 0,90. Bestimme I_N und vergleiche mit einem baugleichen Motor mit nur η = 0,84.

Bei η = 0,90: I_N = 15000 / (1,732 · 400 · 0,87 · 0,90) = 15000 / 542,3 = 27,7 A. Bei η = 0,84: I_N = 15000 / (1,732 · 400 · 0,87 · 0,84) = 15000 / 506,2 = 29,6 A. Der schlechtere Wirkungsgrad treibt den Strom um knapp 2 A nach oben.

Ein 22-kW-Motor (400 V) soll einen Bemessungsstrom von höchstens 42 A haben. Welcher Mindest-Leistungsfaktor ist bei η = 0,91 nötig?

Umstellen nach cos φ: cos φ = P / (√3 · U · I · η) = 22000 / (1,732 · 400 · 42 · 0,91) = 22000 / 26.470 = 0,83. Der Leistungsfaktor muss mindestens 0,83 betragen.

Auf einem Typenschild steht „7,5 kW“. Welche Leistung ist damit gemeint?

  • a) Die an der Welle abgegebene mechanische Leistung
  • b) Die vom Netz aufgenommene elektrische Leistung
  • c) Die Blindleistung des Motors
  • d) Die Verlustleistung in den Wicklungen

Richtig: a)

Antwort a ist korrekt: Die Typenschildleistung ist die abgegebene Wellenleistung. Die aufgenommene Leistung (b) ist um die Verluste höher und ergibt sich erst, wenn man durch den Wirkungsgrad teilt. Blindleistung (c) und Verlustleistung (d) sind andere Größen, die nicht auf dem Schild als Hauptleistung stehen.

Zwei baugleichen Motoren unterscheiden sich nur im Wirkungsgrad. Welcher zieht bei gleicher abgegebener Leistung den höheren Strom?

  • a) Der mit dem höheren Wirkungsgrad
  • b) Beide ziehen den gleichen Strom
  • c) Der mit dem niedrigeren Wirkungsgrad
  • d) Das hängt nur vom cos φ ab, nicht vom Wirkungsgrad

Richtig: c)

Antwort c stimmt: Ein niedrigerer Wirkungsgrad bedeutet mehr Verluste, also muss bei gleicher abgegebener Leistung mehr Leistung aufgenommen werden — der Strom steigt. a kehrt den Zusammenhang um. b ist falsch, weil der Wirkungsgrad sehr wohl in die Stromberechnung eingeht. d blendet den Wirkungsgrad fälschlich aus, obwohl er im Nenner der Formel steht.

Ein Motor ist am 400-V-Netz in Dreieck geschaltet und sein Leiterstrom beträgt 26 A. Wie groß ist den Strom in einem einzelnen Wicklungsstrang?

  • a) 26 A
  • b) 45 A
  • c) 9 A
  • d) 15 A

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: In Dreieckschaltung ist der Strangstrom um den Faktor √3 kleiner als der Leiterstrom, also 26 / 1,732 = 15 A. a verwechselt Leiter- und Strangstrom (gilt nur bei Stern). b multipliziert statt zu dividieren. c teilt fälschlich durch 3 statt durch √3.

3. Überlastschutz: thermisches Überlastrelais einstellen

Das klassische Gerät für den Überlastschutz ist das thermische Überlastrelais — oft direkt unter dem Schütz montiert. Sein Herzstück ist ein Bimetall: ein Streifen aus zwei verschweißten Metallen mit unterschiedlicher Wärmeausdehnung. Fließt Strom durch eine Heizwicklung am Bimetall, biegt sich der Streifen, und ab einer bestimmten Verbiegung schaltet er einen Hilfskontakt, der den Steuerstromkreis und damit das Schütz abschaltet. Je höher der Strom, desto schneller die Erwärmung, desto früher die Auslösung. Das Relais bildet also die thermische Trägheit des Motors nach — es löst nicht bei jeder kurzen Spitze aus, sondern erst, wenn die Wärme über die Zeit zu groß wird.

Die Grundregel für die Einstellung lautet: Einstellwert = Bemessungsstrom des Motors. Man dreht das Einstellrad auf den I_N-Wert vom Typenschild. Damit löst das Relais bei dauerhafter Überschreitung dieses Stroms aus, lässt aber den Bemessungsbetrieb ungestört laufen.

Beim Einbauort wird es interessant. Sitzt das Überlastrelais in der Zuleitung zum Motor, fließt der volle Leiterstrom hindurch, und man stellt es auf I_N ein. Sitzt das Relais dagegen im Dreieckstrang — also direkt in einer Motorwicklung, wie es bei größeren Stern-Dreieck-Schaltungen vorkommt — fließt nur der Strangstrom hindurch. Der ist in Dreieckschaltung um den Faktor √3 kleiner als der Leiterstrom. Dann muss der Einstellwert ebenfalls auf den Strangstrom heruntergerechnet werden:

I_Einstell = I_N / sqrt(3)

  • I_Einstell .. Einstellwert bei Einbau im Dreieckstrang in A
  • I_N ……… Leiter-Bemessungsstrom des Motors in A

Wer das übersieht und im Strang trotzdem auf den Leiterstrom einstellt, hat einen um rund 73 % zu hoch eingestellten Überlastschutz — der Motor brennt durch, bevor das Relais auslöst.

Auslöseklassen

Überlastrelais sind nicht alle gleich träge. Die Auslöseklasse (englisch „Trip Class“, abgekürzt CLASS) gibt an, wie lange das Relais beim 7,2-fachen Einstellstrom aus dem kalten Zustand bis zur Auslösung braucht — das ist eine genormte Vergleichsbedingung.

Auslöseklasse max. Auslösezeit bei 7,2 × I_e typische Anwendung
CLASS 10A bis 10 s leichter Anlauf, schnelle Auslösung
CLASS 10 bis 10 s Standard-Normalanlauf
CLASS 20 bis 20 s erschwerter Anlauf
CLASS 30 bis 30 s Schweranlauf, große Massen

Die Logik dahinter: Ein Motor mit kurzer Anlaufzeit kommt mit einer flinken Klasse (CLASS 10) aus. Ein Antrieb mit großer Schwungmasse, der lange hochläuft — etwa ein großer Lüfter oder eine Zentrifuge — würde mit CLASS 10 schon beim Anlauf fehlauslösen, weil der hohe Anlaufstrom zu lange anliegt. Hier braucht man CLASS 20 oder 30. Die Klasse wird also so gewählt, dass sie den Anlauf gerade noch durchlässt, aber im Fehlerfall noch rechtzeitig schützt. Wie man das nachweist, steht in Kapitel 5.

Nach einer Auslösung kühlt das Bimetall ab, bevor man wieder einschalten kann. Bei der Rückstellung unterscheidet man Hand- und Automatikrückstellung. Handrückstellung ist in den meisten Anwendungen die sichere Wahl, weil eine Person den Fehler zur Kenntnis nimmt, bevor der Antrieb wieder läuft. Automatikrückstellung wird nur dort eingesetzt, wo ein selbsttätiges Wiederanlaufen ungefährlich und gewollt ist.

Besonderheiten bei Motoren im Ex-Bereich (t_E-Zeit)

In explosionsgefährdeten Bereichen — etwa in Lackieranlagen, in der Chemie oder dort, wo brennbare Stäube auftreten — gelten verschärfte Regeln. In Österreich ist das über die VEXAT (Verordnung explosionsfähige Atmosphären) und die ATEX-Vorgaben geregelt. Der Motorschutz ist hier nicht nur eine Frage der Lebensdauer des Motors, sondern direkt eine Frage der Zündgefahr: Eine überhitzte Motoroberfläche darf eine explosionsfähige Atmosphäre nicht entzünden.

Bei der häufigsten Zündschutzart für solche Motoren ist die t_E-Zeit (Erwärmungszeit) die zentrale Kenngröße. Sie steht auf dem Typenschild des Ex-Motors und gibt an, wie lange der Motor bei blockiertem Läufer vom Bemessungsbetrieb aus erwärmen darf, bis er die zulässige Grenztemperatur seiner Temperaturklasse erreicht. Diese Zeit ist die harte Obergrenze: Das Schutzorgan muss den blockierten Motor innerhalb der t_E-Zeit abschalten.

Daraus folgt für die Auslegung: Man wählt das Überlastrelais und seine Auslöseklasse so, dass die Auslösezeit beim Verhältnis von Anlauf- zu Bemessungsstrom kleiner ist als die t_E-Zeit. Auf dem Ex-Motor sind dafür meist das Stromverhältnis I_A/I_N und die zugehörige t_E-Zeit angegeben — anhand der Auslösekennlinie des Relais prüft man, ob es bei diesem Stromverhältnis rechtzeitig auslöst. Zusätzlich müssen die Schutzgeräte selbst für den Einsatz mit Ex-Motoren bescheinigt sein. Eine Auslegung „nach Gefühl“ ist hier nicht zulässig — der Nachweis über die t_E-Zeit is verpflichtend und wird bei der Prüfung kontrolliert.

Gelöstes Beispiel

Ein Motor hat einen Leiter-Bemessungsstrom von 24 A. Das Überlastrelais ist im Dreieckstrang eingebaut. Auf welchen Wert wird es eingestellt?

Gegeben: I_N = 24 A (Leiterstrom); Einbau im Dreieckstrang

Gesucht: I_Einstell in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Zusammenhang erkennen: Im Strang fließt nur der Strangstrom, der um √3 kleiner ist als der Leiterstrom.
  2. Schritt 2 — Einstellwert berechnen: I_Einstell = I_N / √3 = 24 / 1,732

Ergebnis: I_Einstell = 13,9 A

Übungen

Ein Motor hat I_N = 18 A, das Relais sitzt in der Zuleitung (Leiterstrom). Auf welchen Wert wird eingestellt?

Im Leiter fließt der volle Leiterstrom, also I_Einstell = I_N = 18 A.

Ein Motor hat I_N = 35 A (Leiterstrom), das Relais sitzt im Dreieckstrang. Einstellwert?

I_Einstell = 35 / 1,732 = 20,2 A

Ein Relais ist im Strang auf 10 A eingestellt. Welchem Leiter-Bemessungsstrom entspricht das?

I_N = I_Einstell · √3 = 10 · 1,732 = 17,3 A

Ein Techniker stellt ein Strang-Relais bei einem Motor mit I_N = 30 A versehentlich auf 30 A statt auf den Strangwert. Um welchen Faktor ist der Schutz zu hoch eingestellt?

Richtig wären 30 / 1,732 = 17,3 A. Eingestellt sind 30 A. Faktor = 30 / 17,3 = 1,73 — der Schutz ist um √3, also rund 73 %, zu hoch eingestellt.

Ein Ex-Motor hat I_A/I_N = 6 und eine t_E-Zeit von 8 s. Das gewählte Relais löst bei 6-fachem Einstellstrom nach 7 s aus. Ist die Auslegung zulässig?

Die Auslösezeit (7 s) ist kleiner als die t_E-Zeit (8 s). Der Motor wird im Blockierfall rechtzeitig abgeschaltet, die Auslegung ist zulässig. Bei einer Auslösezeit über 8 s wäre sie unzulässig.

Ein thermisches Überlastrelais sitzt im Dreieckstrang eines Motors mit 28 A Leiter-Bemessungsstrom. Welcher Einstellwert ist korrekt?

  • a) 28 A
  • b) 48,5 A
  • c) 9,3 A
  • d) 16,2 A

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Im Strang fließt der Strangstrom, also 28 / √3 = 28 / 1,732 = 16,2 A. a wäre der Leiterstrom und damit ein zu hoher Einstellwert. b multipliziert fälschlich mit √3. c teilt durch 3 statt durch √3.

Ein großer Lüfter mit hoher Schwungmasse löst beim Anlauf wiederholt das Überlastrelais aus, obwohl keine Überlast vorliegt. Welche Maßnahme ist fachlich richtig?

  • a) Eine trägere Auslöseklasse wählen (CLASS 20 oder 30)
  • b) Den Einstellwert deutlich über den Bemessungsstrom anheben
  • c) Eine flinkere Auslöseklasse wählen (CLASS 10A)
  • d) Den Kurzschlussschutz höher einstellen

Richtig: a)

Antwort a ist korrekt: Der lange Anlauf braucht ein trägeres Relais, das den hohen Anlaufstrom länger durchlässt — CLASS 20 oder 30. b würde den Motor dauerhaft ungeschützt lassen, der Einstellwert bleibt der Bemessungsstrom. c verschärft das Problem mit einer noch flinkeren Klasse. d betrifft einen anderen Schutzpfad, der mit dem Anlaufverhalten des Überlastschutzes nichts zu tun hat.

Was beschreibt die t_E-Zeit bei einem Motor im Ex-Bereich?

  • a) Die Zeit, bis der Motor seine Bemessungsdrehzahl erreicht
  • b) Die maximale Einschaltdauer im Normalbetrieb
  • c) Die Zeit, die der blockierte Motor vom Bemessungsbetrieb bis zum Erreichen der Grenztemperatur braucht
  • d) Die Abkühlzeit des Bimetalls nach einer Auslösung

Richtig: c)

Antwort c trifft die Definition: Die t_E-Zeit ist die Erwärmungszeit bei blockiertem Läufer bis zur zulässigen Grenztemperatur und bildet die Obergrenze für die Abschaltung. a beschreibt die Anlaufzeit, eine andere Größe. b und d sind frei erfunden und haben mit der t_E-Zeit nichts zu tun.

4. Kurzschlussschutz und die Abstimmung mit dem Überlastschutz

Das thermische Überlastrelais ist bewusst träge — und genau das macht es für den Kurzschlussfall ungeeignet. Bei einem Kurzschluss fließt ein Vielfaches des Anlaufstroms, und das Bimetall würde viel zu langsam reagieren; der schade wäre längst entstanden. Deshalb braucht jeder Motorabgang zusätzlich einen Kurzschlussschutz, der den hohen Strom schlagartig abschaltet. Diese Aufgabe übernehmen Sicherungen oder die magnetische Schnellauslösung in einem Motorschutzschalter — die Geräteauswahl im Detail ist ein eigenes Thema.

Entscheidend für die Auslegung ist, dass Überlast- und Kurzschlussschutz aufeinander abgestimmt sein müssen. Man spricht von Koordination. Die beiden Schutzbereiche teilen sich den Strombereich auf: Im unteren Bereich, von leichter bis mäßiger Überlast, arbeitet das Überlastrelais mit seiner stromabhängigen, trägen Kennlinie. Erst bei sehr hohen Strömen — weit oberhalb des Anlaufstroms — übernimmt der Kurzschlussschutz und trennt sofort. Wenn die beiden Kennlinien sauber ineinandergreifen, gibt es keinen Strombereich, der ungeschützt bleibt, und keinen, in dem das falsche Gerät zuerst auslöst.

Diese Abstimmung lässt sich gut in einem Kennlinien-Diagramm darstellen. Auf der waagrechten Achse steht der Strom (als Vielfaches von I_N), auf der senkrechten die Auslösezeit. Beide Achsen sind logarithmisch, weil die Werte über mehrere Größenordnungen reichen.

13× Strom (Vielfaches von I_N) 1 s 10 s 100 s Zeit Überlastrelais Kurzschlussschutz Anlaufpunkt Motor

Die rote Kurve ist die Auslösekennlinie des Überlastrelais — je höher der Strom, desto kürzer die Zeit bis zur Auslösung. Die blaue Linie ist der Kurzschlussschutz, der ab einem hohen Vielfachen von I_N nahezu senkrecht abschaltet. Der grüne Punkt markiert den Anlaufstrom des Motors, der deutlich unter der Überlastkennlinie liegen muss, damit das Relais den Anlauf nicht abwürgt.

Bei der Koordination unterscheidet man zwei Stufen. Bei Koordinationstyp 1 darf das Schaltgerät nach einem Kurzschluss beschädigt sein — es muss nur sicher abschalten, ohne Gefahr für die Umgebung; danach wird es ausgetauscht. Bei Koordinationstyp 2 bleibt das Gerät auch nach einem Kurzschluss funktionsfähig und kann nach Prüfung weiterbetrieben werden. Welcher Typ gefordert ist, hängt von der Anlage und der Verfügbarkeitsanforderung ab. Voraussetzung für beide ist, dass die eingesetzte Gerätekombination für den am Einbauort möglichen Kurzschlussstrom ausgelegt ist — die Kurzschlussfestigkeit muss zum Netz passen.

Warum kann ein thermisches Überlastrelais den Kurzschlussschutz nicht mit übernehmen?

  • a) Weil es bewusst träge ist und im Kurzschlussfall zu langsam reagiert
  • b) Weil es nur Gleichstrom messen kann
  • c) Weil es nur einen Leiter überwacht
  • d) Weil es bei hohen Strömen gar nicht auslöst

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: Die thermische Trägheit, die für den Überlastschutz erwünscht ist, macht das Relais für den Kurzschluss zu langsam — der Schaden entstünde, bevor das Bimetall reagiert. b ist falsch, Überlastrelais arbeiten mit Wechselstrom. c trifft nicht zu, übliche Relais überwachen alle drei Leiter. d ist falsch — es löst aus, nur eben zu spät.

Bei welchem Koordinationstyp muss das Schaltgerät nach einem Kurzschluss ohne Reparatur weiterbetrieben werden können?

  • a) Koordinationstyp 1
  • b) Koordinationstyp 2
  • c) Beide Typen fordern das
  • d) Keiner der beiden Typen

Richtig: b)

Antwort b stimmt: Bei Typ 2 bleibt das Gerät nach einem Kurzschluss funktionsfähig. Bei Typ 1 (a) darf es beschädigt sein und wird getauscht. c und d widersprechen der Definition der beiden Typen.

In einem Kennlinien-Diagramm liegt der Anlaufpunkt eines Motors oberhalb der Überlastkennlinie. Was bedeutet das für den Betrieb?

  • a) Der Motor läuft problemlos an
  • b) Der Kurzschlussschutz spricht zuerst an
  • c) Der Motor wird im Betrieb dauerhaft überlastet
  • d) Das Überlastrelais löst beim Anlauf aus, bevor der Motor hochgelaufen ist

Richtig: d)

Antwort d ist korrekt: Liegt der Anlaufpunkt oberhalb (also bei längerer Zeit als) die Kennlinie es zulässt, löst das Relais während des Anlaufs aus. a ist das Gegenteil des Dargestellten. b betrifft einen anderen Strombereich, der Anlaufstrom liegt unterhalb der Kurzschlussschwelle. c verwechselt Anlauf mit Dauerbetrieb.

5. Auslegung in der Praxis: Anlaufstrom und Auslöseklasse wählen

Jetzt kommt alles zusammen. Beim Einschalten zieht ein Drehstrommotor nicht seinen Bemessungsstrom, sondern den Anlaufstrom — typischerweise das Fünf- bis Achtfache von I_N bei direkter Einschaltung. Dieser hohe Strom fließt nur kurz, nämlich während der Anlaufzeit, bis der Motor seine Drehzahl erreicht hat. Genau in diesem Zeitfenster darf der Überlastschutz nicht auslösen.

Der Anlaufstrom selbst lässt sich aus dem Bemessungsstrom und dem Anlaufstromverhältnis bestimmen, das oft als I_A/I_N auf dem Typenschild steht:

I_A = faktor * I_N

  • I_A ….. Anlaufstrom in A
  • faktor .. Anlaufstromverhältnis I_A/I_N (z. B. 6)
  • I_N ….. Bemessungsstrom in A

Mit dem Anlaufstrom und der Anlaufzeit wählt man die Auslöseklasse. Die Frage ist immer dieselbe: Lässt die gewählte Klasse den Anlauf gerade noch durch?

Nachweis des sicheren Hochlaufs

Die Klassenwahl ist erst dann begründet, wenn man sie nachweist. Der Nachweis besteht aus einer Gegenüberstellung zweier Zeiten am Anlaufstrompunkt:

  • die Anlaufzeit t_A — wie lange der Motor braucht, um hochzulaufen
  • die Auslösezeit t_aus des Relais beim Anlaufstrom — abgelesen aus der Auslösekennlinie der gewählten Klasse beim Vielfachen I_A/I_N

Die Bedingung für sicheren Hochlauf lautet:

t_A < t_aus

  • t_A ….. Anlaufzeit des Motors in s
  • t_aus … Auslösezeit des Relais beim Anlaufstrom in s

Solange die Auslösezeit größer ist als die Anlaufzeit, hat der Motor seinen Hochlauf abgeschlossen, bevor das Relais auslösen würde — der Anlauf ist sicher. Liegt die Anlaufzeit dagegen über der Auslösezeit, würgt das Relais den Anlauf ab; dann muss man eine trägere Klasse wählen und erneut prüfen.

Anschaulich ist das dasselbe, was das Kennlinien-Diagramm aus Kapitel 4 zeigt: Der Anlaufpunkt des Motors (Anlaufstrom auf der waagrechten Achse, Anlaufzeit auf der senkrechten) muss unterhalb der Auslösekennlinie des Relais liegen. Gleichzeitig — und das ist die zweite Grenze — muss die Relaiskennlinie unterhalb der thermischen Grenzkennlinie des Motors bleiben, also der Linie, die angibt, wie lange der Motor einen bestimmten Überstrom thermisch aushält. Der gültige Bereich für die Relaiskennlinie ist also ein Korridor: oberhalb des Anlaufpunkts, unterhalb der thermischen Motorgrenze. Bei Ex-Motoren tritt an die Stelle dieser Grenzkennlinie die in Kapitel 3 beschriebene t_E-Zeit als harte Obergrenze.

Gelöstes Beispiel

Ein Motor mit 11 kW, 400 V, cos φ = 0,85, η = 0,89 hat ein Anlaufstromverhältnis von 7. Bestimme Bemessungs- und Anlaufstrom.

Gegeben: P = 11000 W; U = 400 V; cos φ = 0,85; η = 0,89; Faktor I_A/I_N = 7

Gesucht: I_N und I_A in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Bemessungsstrom: I_N = 11000 / (1,732 · 400 · 0,85 · 0,89) = 11000 / 524,0 = 21,0 A
  2. Schritt 2 — Anlaufstrom: I_A = 7 · 21,0 = 147 A

Ergebnis: I_N = 21,0 A, I_A = 147 A

Übungen

Ein Motor hat I_N = 16 A und ein Anlaufstromverhältnis von 6. Wie groß ist der Anlaufstrom?

I_A = 6 · 16 = 96 A

Ein Motor mit 5,5 kW, 400 V, cos φ = 0,83, η = 0,87 hat ein Anlaufstromverhältnis von 6,5. Bestimme I_N und I_A.

I_N = 5500 / (1,732 · 400 · 0,83 · 0,87) = 5500 / 500,3 = 11,0 A; I_A = 6,5 · 11,0 = 71,5 A

Ein Motor mit I_N = 30 A und Anlaufzeit 4 s, Anlaufstromverhältnis 7. Das gewählte Relais (CLASS 10) löst beim 7-fachen Strom nach 9 s aus. Ist der Hochlauf sicher?

Bedingung t_A < t_aus: 4 s < 9 s ist erfüllt. Der Hochlauf ist sicher, CLASS 10 reicht.

Derselbe Motor wie in Übung 3, aber mit großer Schwungmasse und nun 14 s Anlaufzeit. Ist CLASS 10 (9 s Auslösezeit beim 7-fachen) noch zulässig? Falls nein, was tun?

14 s < 9 s ist nicht erfüllt — das Relais würde den Anlauf abwürgen. CLASS 10 ist unzulässig. Man wählt eine trägere Klasse (z. B. CLASS 20) und prüft erneut, ob deren Auslösezeit beim 7-fachen Strom über 14 s liegt.

Ein 15-kW-Motor (400 V, cos φ = 0,86, η = 0,90) mit Anlaufstromverhältnis 7,2 läuft in 10 s hoch. Bestimme I_A und beurteile, ob ein Relais mit 13 s Auslösezeit beim 7,2-fachen Strom passt; nenne zusätzlich die zweite einzuhaltende Grenze.

I_N = 15000 / (1,732 · 400 · 0,86 · 0,90) = 15000 / 536,2 = 28,0 A; I_A = 7,2 · 28,0 = 201,6 A. Sicherer Hochlauf: 10 s < 13 s ist erfüllt, das Relais passt. Zweite Grenze: Die Relaiskennlinie muss zugleich unterhalb der thermischen Grenzkennlinie des Motors bleiben, damit der Motor im Überstrombereich nicht überhitzt, bevor das Relais auslöst.

Ein Motor hat I_N = 20 A und ein Anlaufstromverhältnis von 7. Wie groß ist sein Anlaufstrom bei direkter Einschaltung?

  • a) 140 A
  • b) 27 A
  • c) 70 A
  • d) 200 A

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: I_A = 7 · 20 = 140 A. b addiert fälschlich. c nimmt den halben Faktor. d überschätzt das Verhältnis.

Welche Bedingung muss für einen sicheren Hochlauf zwischen Anlaufzeit t_A und Auslösezeit t_aus des Relais gelten?

  • a) t_A muss größer sein als t_aus
  • b) t_A muss kleiner sein als t_aus
  • c) t_A und t_aus müssen gleich sein
  • d) Die beiden Zeiten haben nichts miteinander zu tun

Richtig: b)

Antwort b ist korrekt: Nur wenn die Anlaufzeit kürzer ist als die Auslösezeit, ist der Hochlauf abgeschlossen, bevor das Relais auslösen würde. a kehrt die Bedingung um und würde zum Abwürgen führen. c ist der Grenzfall, der keinen Sicherheitsabstand lässt. d ignoriert den zentralen Auslegungsnachweis.

Die Relaiskennlinie soll in einem Korridor liegen. Wodurch wird dieser Korridor nach oben begrenzt?

  • a) Durch den Anlaufpunkt des Motors
  • b) Durch den Bemessungsstrom
  • c) Durch die thermische Grenzkennlinie des Motors
  • d) Durch die Netzspannung

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: Nach oben (längere Zeiten bei Überstrom) begrenzt die thermische Grenzkennlinie des Motors den Korridor — darüber würde der Motor überhitzen, bevor das Relais auslöst. a begrenzt den Korridor nach unten, nicht nach oben. b und d sind keine Grenzen der Kennlinienlage im Zeit-Strom-Diagramm.

Ein Antrieb mit großer Schwungmasse hat eine lange Anlaufzeit. Welche Auslöseklasse ist tendenziell richtig, und warum?

  • a) CLASS 10A, weil sie am schnellsten schützt
  • b) CLASS 10, weil sie der Standard ist
  • c) Die Auslöseklasse spielt bei langer Anlaufzeit keine Rolle
  • d) CLASS 20 oder 30, weil die längere Anlaufzeit ein träges Relais erfordert

Richtig: d)

Antwort d stimmt: Eine lange Anlaufzeit verlangt ein Relais, das den Anlaufstrom länger durchlässt, also CLASS 20 oder 30. a und b wären zu flink und würden den Anlauf abwürgen. c ignoriert genau den Zusammenhang, um den es bei der Auslegung geht.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Drehstrommotor hat 9 kW abgegebene Leistung, 400 V, cos φ = 0,85 und η = 0,88. Bestimme den Bemessungsstrom.

Gegeben: P = 9000 W; U = 400 V; cos φ = 0,85; η = 0,88

Gesucht: I_N in A

Lösungsweg:

I_N = 9000 / (1,732 · 400 · 0,85 · 0,88) = 9000 / 518,2

Ergebnis: I_N = 17,4 A

Aufgabe 2: Ein Motor hat I_N = 40 A (Leiterstrom). Das Überlastrelais ist im Dreieckstrang eingebaut. Auf welchen Wert wird es eingestellt?

Gegeben: I_N = 40 A; Einbau im Dreieckstrang

Gesucht: I_Einstell in A

Lösungsweg:

I_Einstell = I_N / √3 = 40 / 1,732

Ergebnis: I_Einstell = 23,1 A

Aufgabe 3: Ein Motor mit I_N = 18 A hat ein Anlaufstromverhältnis von 6,5. Bestimme den Anlaufstrom.

Gegeben: I_N = 18 A; Faktor = 6,5

Gesucht: I_A in A

Lösungsweg:

I_A = 6,5 · 18

Ergebnis: I_A = 117 A

Aufgabe 4: Ein Ex-Motor hat eine t_E-Zeit von 6 s und ein Stromverhältnis I_A/I_N von 5,5. Das vorgesehene Relais löst bei 5,5-fachem Strom nach 5 s aus. Ist die Auslegung zulässig? Begründe.

Gegeben: t_E = 6 s; Auslösezeit beim 5,5-fachen Strom = 5 s

Gesucht: Zulässigkeit

Lösungsweg:

Bedingung Auslösezeit < t_E: 5 s < 6 s

Ergebnis: Zulässig — der blockierte Motor wird vor Erreichen der Grenztemperatur abgeschaltet.

Aufgabe 5: Ein Motor mit 7,5 kW, 400 V, cos φ = 0,84, η = 0,87 hat ein Anlaufstromverhältnis von 7. Bestimme I_N und I_A.

Gegeben: P = 7500 W; U = 400 V; cos φ = 0,84; η = 0,87; Faktor = 7

Gesucht: I_N und I_A in A

Lösungsweg:

I_N = 7500 / (1,732 · 400 · 0,84 · 0,87) = 7500 / 506,3 = 14,8 A; I_A = 7 · 14,8 = 103,6 A

Ergebnis: I_N = 14,8 A; I_A = 103,6 A

Aufgabe 6: Ein Motor hat eine Anlaufzeit von 8 s. Das gewählte Relais löst beim Anlaufstrom nach 11 s aus. Prüfe den sicheren Hochlauf und nenne die zweite Bedingung, die die Relaiskennlinie erfüllen muss.

Gegeben: t_A = 8 s; t_aus = 11 s

Gesucht: Beurteilung des Hochlaufs

Lösungsweg:

Bedingung t_A < t_aus: 8 s < 11 s ist erfüllt.

Ergebnis: Der Hochlauf ist sicher. Zweite Bedingung: Die Relaiskennlinie muss unterhalb der thermischen Grenzkennlinie des Motors bleiben.

Worauf wird der Einstellwert eines thermischen Überlastrelais grundsätzlich gestellt, wenn es in der Motorzuleitung sitzt?

  • a) Auf den Anlaufstrom
  • b) Auf den Bemessungsstrom des Motors
  • c) Auf den halben Bemessungsstrom
  • d) Auf den Kurzschlussstrom

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: Der Einstellwert ist the Bemessungsstrom, damit der Dauerbetrieb ungestört läuft und echte Überlast zur Auslösung führt. a würde jede Überlast unbemerkt lassen. c würde im Normalbetrieb fehlauslösen. d verwechselt Überlast- mit Kurzschlussschutz.

Ein Überlastrelais sitzt im Dreieckstrang eines Motors mit 50 A Leiter-Bemessungsstrom. Welcher Einstellwert ist korrekt?

  • a) 50 A
  • b) 86,6 A
  • c) 28,9 A
  • d) 16,7 A

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: 50 / √3 = 50 / 1,732 = 28,9 A, weil im Strang nur der Strangstrom fließt. a ist der Leiterstrom (zu hoch). b multipliziert fälschlich mit √3. d teilt durch 3 statt durch √3.

Welche Auslöseklasse wählt man typischerweise für einen Schweranlauf mit langer Anlaufzeit?

  • a) CLASS 30
  • b) CLASS 10A
  • c) CLASS 10
  • d) Die Klasse ist beliebig

Richtig: a)

Antwort a trifft zu: CLASS 30 lässt den hohen Anlaufstrom am längsten durch und passt zum Schweranlauf. b und c sind zu flink und würden den Anlauf abwürgen. d ignoriert den Zusammenhang zwischen Anlaufzeit und Klassenwahl.

Warum übernimmt das thermische Überlastrelais nicht zugleich den Kurzschlussschutz?

  • a) Weil es zu teuer wäre
  • b) Weil es nur eine Phase überwacht
  • c) Weil seine träge Charakteristik im Kurzschlussfall zu langsam ist
  • d) Weil es im Kurzschlussfall gar keinen Strom misst

Richtig: c)

Antwort c ist korrekt: Die für den Überlastschutz gewollte Trägheit macht das Relais für den schlagartigen Kurzschluss zu langsam. a ist kein technischer Grund. b trifft auf übliche dreiphasige Relais nicht zu. d ist falsch — es misst den Strom, reagiert aber zu spät.

Was beschreibt die t_E-Zeit eines Ex-Motors und welche Konsequenz hat sie für den Schutz?

  • a) Die Einschaltdauer; das Relais muss länger als t_E halten
  • b) Die Anlaufzeit; das Relais muss exakt bei t_E auslösen
  • c) Die Abkühlzeit; das Relais muss schneller abkühlen
  • d) Die Erwärmungszeit des blockierten Motors bis zur Grenztemperatur; das Schutzorgan muss innerhalb dieser Zeit abschalten

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Die t_E-Zeit ist die Erwärmungszeit bis zur zulässigen Grenztemperatur bei blockiertem Läufer und bildet die verpflichtende Obergrenze für die Abschaltung. a, b und c verwechseln die t_E-Zeit mit anderen Zeiten und kehren die Schutzbedingung um.

Welcher Wert vom Typenschild ist die direkte Basis für die Einstellung des Überlastschutzes?

  • a) Die Bemessungsdrehzahl
  • b) Der Leistungsfaktor cos φ
  • c) Die Bemessungsleistung in kW
  • d) Der Bemessungsstrom I_N

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Der Bemessungsstrom ist der direkte Einstellwert. Die Drehzahl (a) ist für den Überlastschutz irrelevant. Der Leistungsfaktor (b) und die Leistung (c) gehen nur indirekt in die Stromberechnung ein, wenn I_N nicht angegeben ist.

Bei der Koordination von Überlast- und Kurzschlussschutz: Was bedeutet Koordinationstyp 2?

  • a) Das Gerät darf nach einem Kurzschluss zerstört sein
  • b) Das Gerät bleibt nach einem Kurzschluss funktionsfähig und kann nach Prüfung weiterbetrieben werden
  • c) Es ist kein Kurzschlussschutz nötig
  • d) Überlast- und Kurzschlussschutz sind im selben Bimetall vereint

Richtig: b)

Antwort b stimmt: Typ 2 fordert Weiterbetriebsfähigkeit nach dem Kurzschluss. a beschreibt Typ 1. c ist falsch, Kurzschlussschutz ist immer nötig. d ist technisch unsinnig — die beiden Schutzfunktionen haben unterschiedliche Auslöseelemente.

Ein Motor mit großer Schwungmasse löst beim Anlauf wiederholt das auf den Bemessungsstrom korrekt eingestellte Überlastrelais der CLASS 10 aus. Was ist die fachlich richtige Maßnahme?

  • a) Den Einstellwert über den Bemessungsstrom hinaus erhöhen
  • b) Den Motor ohne Überlastschutz betreiben
  • c) Eine trägere Auslöseklasse wählen und den sicheren Hochlauf neu nachweisen
  • d) Die Netzspannung absenken

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: Bei korrektem Einstellwert, aber zu flinker Klasse wählt man eine trägere Klasse und prüft erneut, ob t_A < t_aus gilt. a würde den Dauerschutz aushebeln. b ist unzulässig. d ist keine sinnvolle Schutzmaßnahme und würde den Anlauf zusätzlich verschlechtern.

Im Zeit-Strom-Diagramm liegt der Anlaufpunkt eines Motors knapp unterhalb der Relaiskennlinie und die Relaiskennlinie unterhalb der thermischen Grenzkennlinie. Wie ist die Auslegung zu beurteilen?

  • a) Unzulässig, der Anlauf wird abgewürgt
  • b) Unzulässig, weil der Kurzschlussschutz fehlt
  • c) Nicht beurteilbar ohne die Drehzahl
  • d) Zulässig: Anlauf läuft durch und der Motor ist thermisch geschützt

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Der Anlaufpunkt unter der Relaiskennlinie sichert den Hochlauf, und die Relaiskennlinie unter der Motorgrenze sichert den thermischen Schutz — beide Korridorbedingungen sind erfüllt. a beschreibt den umgekehrten Fall. b ist hier irrelevant, das Diagramm betrifft den Überlastbereich. c führt eine Größe ein, die für diese Beurteilung nicht gebraucht wird.

Ein Motor zieht laut Typenschild 7,5 kW (abgegeben), 400 V, cos φ = 0,84, η = 0,86. Welcher Bemessungsstrom ergibt sich näherungsweise, und worauf stellt man bei Einbau in der Zuleitung das Relais?

  • a) Rund 11 A, Einstellung auf den halben Wert
  • b) Rund 26 A, Einstellung auf den doppelten Wert
  • c) Rund 15 A, Einstellung auf den Anlaufstrom
  • d) Rund 15 A, Einstellung auf diesen Wert

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: I_N = 7500 / (1,732 · 400 · 0,84 · 0,86) = 7500 / 500,6 = 15,0 A, und bei Einbau in der Zuleitung stellt man das Relais auf genau diesen Bemessungsstrom. a unterschätzt den Strom und halbiert grundlos. b überschätzt den Strom deutlich. c hat den Strom richtig, stellt aber fälschlich auf den Anlaufstrom ein, was jede Überlast unbemerkt ließe.

Glossar

Bemessungsstrom (I_N)
Der Strom, den ein Motor bei Bemessungsleistung und Bemessungsspannung im Dauerbetrieb aufnimmt; er ist der Einstellwert für den Überlastschutz.
Überlast
Betriebszustand, in dem der Motor dauerhaft mehr Strom zieht als zulässig, wodurch die Wicklung langsam überhitzt.
Blockierter Läufer
Stillstand des Motors bei anliegender Spannung; es fließt der volle Anlaufstrom ohne Eigenkühlung, thermisch besonders gefährlich.
Thermisches Überlastrelais
Schutzgerät mit Bimetall, das stromabhängig erwärmt wird und bei zu langer Überlast den Steuerstromkreis abschaltet.
Bimetall
Streifen aus zwei verschweißten Metallen mit unterschiedlicher Wärmeausdehnung, der sich bei Erwärmung biegt und dadurch einen Kontakt schaltet.
Auslöseklasse (Trip Class)
Genormte Angabe (CLASS 10A, 10, 20, 30), wie lange ein Überlastrelais beim 7,2-fachen Einstellstrom bis zur Auslösung braucht; bestimmt, wie viel Anlaufstrom es durchlässt.
Anlaufstrom (I_A)
Der erhöhte Strom beim Einschalten, typischerweise das Fünf- bis Achtfache des Bemessungsstroms; fließt nur während der Anlaufzeit.
Anlaufzeit (t_A)
Die Zeitspanne vom Einschalten bis zum Erreichen der Bemessungsdrehzahl, während der der Anlaufstrom fließt.
Thermische Grenzkennlinie
Linie im Zeit-Strom-Diagramm, die angibt, wie lange ein Motor einen bestimmten Überstrom thermisch aushält; die Relaiskennlinie muss darunter bleiben.
Koordinationstyp 1 / Typ 2
Abstufung der Abstimmung von Überlast- und Kurzschlussschutz: Bei Typ 1 darf das Gerät nach einem Kurzschluss beschädigt sein, bei Typ 2 bleibt es funktionsfähig.
t_E-Zeit
Bei Ex-Motoren die Erwärmungszeit des blockierten Läufers vom Bemessungsbetrieb bis zur zulässigen Grenztemperatur; das Schutzorgan muss innerhalb dieser Zeit abschalten.

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