Schlupf und M-n-Kennlinie beim ASM

Der Drehstrom-Asynchronmotor läuft NIE ganz mit dem Drehfeld mit – und genau dieser Unterschied macht ihn überhaupt erst arbeitsfähig. Wenn man die Sache mit dem Schlupf einmal verstanden hat, fällt einem auch die typische Form der M-n-Kennlinie plötzlich nicht mehr in den Schoß, sondern macht Sinn. In diesem Beitrag schauen wir uns beides zusammen an, weil das eine ohne das andere nicht erklärbar ist.

Vorwissen

  • Drehfeld
  • Motorkenngrößen: M-n-Kennlinie, Drehmoment, Leistung
  • Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den Schlupf eines Asynchronmotors berechnen und erklären, warum er physikalisch notwendig ist
  • die Synchrondrehzahl aus Netzfrequenz und Polpaarzahl bestimmen
  • die charakteristischen Punkte der M-n-Kennlinie (Anlauf-, Sattel-, Kipp- und Nennmoment) zuordnen
  • den Arbeitspunkt aus Motor- und Lastkennlinie überleiten
  • die Auswirkung von Spannungs- und Frequenzänderungen auf das Betriebsverhalten einschätzen

1. Warum braucht der ASM Schlupf?

Im Stator entsteht ein rotierendes Magnetfeld, das Drehfeld. Es rotiert mit einer festen Drehzahl, die nur von Netzfrequenz und Polpaarzahl abhängt – das ist die Synchrondrehzahl. Im Käfigläufer oder Schleifringläufer sitzen Leiter, in denen dieses bewegte Feld Spannungen induziert.

Jetzt kommt der Knackpunkt: Eine Spannung wird nur induziert, wenn sich Feld und Leiter relativ zueinander bewegen. Würde der Läufer exakt mit dem Drehfeld mitlaufen, gäbe es keine Relativbewegung, keine induzierte Spannung, keinen Strom in den Läuferstäben – und damit auch kein Drehmoment.

Der ASM muss also zwangsläufig langsamer drehen als sein Drehfeld. Diese Drehzahldifferenz nennt man Schlupf, und genau aus ihr lebt der Motor. Steigt die Last, sinkt die Drehzahl etwas, der Schlupf wächst, im Läufer wird stärker induziert, der Läuferstrom steigt, das Drehmoment passt sich an. Der Motor regelt sich von selbst.

Das ist auch der Namensgeber: Läufer- und Drehfelddrehzahl sind nicht im Gleichtakt – asynchron.

Die Details zur Felderzeugung stehen im Beitrag „Drehfeld“, der konstruktive Aufbau im Beitrag „Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion“. Hier geht es ausschließlich um die Beziehung Drehzahl–Drehmoment.

Was würde passieren, wenn der Läufer eines ASM tatsächlich mit der Synchrondrehzahl drehen würde?

  • a) Es würde keine Spannung mehr induziert und kein Drehmoment mehr entstehen
  • b) Das Drehmoment wäre maximal
  • c) Der Motor würde sich überdrehen und zerstören
  • d) Die Stromaufnahme würde stark ansteigen

Richtig: a)

Ohne Relativbewegung zwischen Drehfeld und Läufer gibt es keine Flussänderung in den Läuferleitern. Ohne induzierte Spannung fließt kein Läuferstrom, und ohne Läuferstrom kann sich keine Kraft im Magnetfeld aufbauen. Antwort b beschreibt das genaue Gegenteil. c und d treffen auf andere Betriebsfälle zu, hier aber nicht.

Warum reagiert ein Asynchronmotor auf eine plötzliche Belastung von selbst mit einem höheren Drehmoment?

  • a) Der Frequenzumrichter erhöht die Statorspannung
  • b) Der Stator induziert mehr Spannung
  • c) Die Drehzahl sinkt, der Schlupf steigt, im Läufer wird stärker induziert
  • d) Das Drehfeld dreht sich schneller

Richtig: c)

Eine zusätzliche Last bremst den Läufer minimal. Damit wächst der Schlupf, im Läufer wird eine höhere Spannung induziert, der Läuferstrom steigt, das Drehmoment passt sich automatisch an die Last an. Diese Selbstregelung läuft rein physikalisch ab. a setzt einen Umrichter voraus, b und d sind falsch – die Synchrondrehzahl ist bei festem Netz konstant.

2. Synchrondrehzahl und Polpaarzahl

Die Synchrondrehzahl ist die Drehzahl, mit der das Drehfeld im Stator umläuft. Sie ergibt sich aus der Netzfrequenz und aus der Bauart des Motors – konkret aus der Polpaarzahl der Statorwicklung.

Ein Polpaar besteht aus einem Nord- und einem Südpol. Wickelt man die Statornuten so, dass pro Phase nur ein einziges Polpaar entsteht (p = 1), läuft das Drehfeld bei jeder Periode der Netzspannung einmal komplett um. Bei zwei Polpaaren (p = 2) braucht es zwei Perioden für eine Umdrehung – das Drehfeld läuft halb so schnell.

Daraus folgt die Formel für die Synchrondrehzahl:

n_s = f * 60 / p

  • n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
  • f … Netzfrequenz in Hz
  • p … Polpaarzahl

Bei 50 Hz Netzfrequenz ergeben sich nur diskrete Synchrondrehzahlen, weil die Polpaarzahl ganzzahlig sein muss:

Polpaarzahl p Polzahl 2p Synchrondrehzahl n_s bei 50 Hz
1 2 3000 1/min
2 4 1500 1/min
3 6 1000 1/min
4 8 750 1/min

Drehzahlen wie 1450 oder 950 1/min, die auf vielen Typenschildern stehen, sind keine Synchrondrehzahlen, sondern Nenndrehzahlen unter Last – sie liegen schon einige Prozent unter der jeweiligen Synchrondrehzahl. Das ist der erste Hinweis, dass dort Schlupf im Spiel ist.

Gelöstes Beispiel

Ein vierpoliger Asynchronmotor wird am 50-Hz-Netz betrieben. Wie groß ist die Synchrondrehzahl?

Gegeben: Polzahl 2p = 4, also p = 2; f = 50 Hz

Gesucht: n_s in 1/min

Lösungsweg:

  1. Werte einsetzen: n_s = 50 · 60 / 2
  2. Ausrechnen: n_s = 3000 / 2 = 1500 1/min

Ergebnis: n_s = 1500 1/min

Übungen

Welche Synchrondrehzahl hat ein zweipoliger Motor bei 50 Hz?

n_s = 50 · 60 / 1 = 3000 1/min

Ein Motor läuft am 50-Hz-Netz mit einer Synchrondrehzahl von 750 1/min. Wie viele Pole hat er?

p = f · 60 / n_s = 50 · 60 / 750 = 4 Polpaare, also 8 Pole

Ein sechspoliger Motor wird mit einem Frequenzumrichter auf 75 Hz hochgefahren. Welche Synchrondrehzahl ergibt sich?

p = 3, n_s = 75 · 60 / 3 = 1500 1/min

Wie ändert sich die Synchrondrehzahl eines vierpoligen Motors, wenn die Frequenz von 50 Hz auf 60 Hz erhöht wird?

Bei 50 Hz: 1500 1/min, bei 60 Hz: 60 · 60 / 2 = 1800 1/min. Die Drehzahl steigt um 20 %.

Ein zwölfpoliger Asynchronmotor wird im Hubgerüst eines Krans eingesetzt und über einen Umrichter mit 35 Hz versorgt. Bestimme die Synchrondrehzahl.

p = 6, n_s = 35 · 60 / 6 = 350 1/min

Welche Synchrondrehzahl hat ein 4-poliger Asynchronmotor an einem 50-Hz-Netz?

  • a) 1500 1/min
  • b) 3000 1/min
  • c) 1000 1/min
  • d) 750 1/min

Richtig: a)

Vier Pole entsprechen p = 2. Mit n_s = 50 · 60 / 2 ergeben sich 1500 1/min. 3000 wäre 2-polig, 1000 6-polig, 750 8-polig.

Welche der folgenden Drehzahlangaben auf einem Typenschild eines 50-Hz-Motors ist sicher die Nenndrehzahl und keine Synchrondrehzahl?

  • a) 3000 1/min
  • b) 1500 1/min
  • c) 1455 1/min
  • d) 750 1/min

Richtig: c)

3000, 1500 und 750 1/min sind exakte Synchrondrehzahlen bei 50 Hz und 1, 2 bzw. 4 Polpaaren. 1455 1/min liegt knapp unter 1500 und ist typisch für eine Nenndrehzahl eines 4-poligen Motors mit etwa 3 % Schlupf bei Nennlast.

Wie verändert sich die Synchrondrehzahl, wenn ein Motor von p = 2 auf p = 3 umgewickelt wird bei gleichbleibender Netzfrequenz?

  • a) Sie steigt um 50 %
  • b) Sie bleibt gleich
  • c) Sie sinkt um etwa 33 %
  • d) Sie sinkt um 50 %

Richtig: c)

n_s ist umgekehrt proportional zu p. Von 1500 1/min (p = 2) auf 1000 1/min (p = 3) entspricht einer Reduktion um 500 von 1500, also 33 %. 50 % Reduktion wäre bei Verdopplung von p auf 4.

3. Schlupf — Definition und Berechnung

Der Schlupf beschreibt, um wie viel der Läufer hinter dem Drehfeld zurückbleibt. Er ist immer auf die Synchrondrehzahl bezogen und wird üblicherweise dimensionslos oder in Prozent angegeben.

s = (n_s – n) / n_s

  • s … Schlupf (dimensionslos oder in %)
  • n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
  • n … Läuferdrehzahl in 1/min

Bei Stillstand (n = 0) ergibt sich s = 1 oder 100 %. Bei Synchronlauf (n = n_s) wäre s = 0 – das wird im Motorbetrieb nie erreicht. Im Nennbetrieb liegt der Schlupf typischerweise zwischen 1 % und 6 %. Große Motoren (ab etwa 50 kW) haben meist Schlupfwerte unter 2 %, kleine Motoren bis wenige kW können 5 bis 6 % Schlupf aufweisen.

Aus dem Schlupf lassen sich zwei weitere wichtige Größen berechnen. Die Schlupfdrehzahl ist die absolute Differenz zwischen Drehfeld und Läufer:

n_2 = s * n_s = n_s – n

  • n_2 … Schlupfdrehzahl in 1/min

Die Schlupffrequenz ist die Frequenz, mit der im Läufer Spannung induziert wird. Sie hängt direkt am Schlupf:

f_2 = s * f_1

  • f_2 … Schlupffrequenz im Läufer in Hz
  • f_1 … Statorfrequenz in Hz

Bei Stillstand (s = 1) entspricht die Frequenz im Läufer der Netzfrequenz – die Läuferleiter sehen das volle 50-Hz-Drehfeld. Bei Nennbetrieb mit s = 3 % sind das nur noch 1,5 Hz. Dieser Effekt ist wichtig, weil mit der Frequenz auch der induktive Blindwiderstand der Läuferwicklung steigt oder fällt.

Gelöstes Beispiel

Ein 4-poliger Drehstrommotor am 50-Hz-Netz dreht unter Nennlast mit 1455 1/min. Bestimme Schlupf, Schlupfdrehzahl und Schlupffrequenz.

Gegeben: p = 2 (4-polig); f_1 = 50 Hz; n = 1455 1/min

Gesucht: s, n_2, f_2

Lösungsweg:

  1. Synchrondrehzahl bestimmen: n_s = 50 · 60 / 2 = 1500 1/min
  2. Schlupf: s = (1500 − 1455) / 1500 = 0,03 = 3 %
  3. Schlupfdrehzahl: n_2 = 1500 − 1455 = 45 1/min
  4. Schlupffrequenz: f_2 = 0,03 · 50 = 1,5 Hz

Ergebnis: s = 3 %, n_2 = 45 1/min, f_2 = 1,5 Hz

Übungen

Ein 6-poliger Motor (50 Hz) dreht mit 970 1/min. Wie groß ist der Schlupf?

n_s = 1000 1/min, s = (1000 − 970) / 1000 = 0,03 = 3 %

Ein 2-poliger Motor (50 Hz) hat eine Nenndrehzahl von 2880 1/min. Bestimme den Schlupf.

n_s = 3000 1/min, s = (3000 − 2880) / 3000 = 0,04 = 4 %

Ein 4-poliger Motor läuft mit s = 5 %. Welche Läuferdrehzahl ergibt sich bei 50 Hz?

n_s = 1500 1/min, n = n_s · (1 − s) = 1500 · 0,95 = 1425 1/min

Bei welcher Schlupffrequenz arbeitet ein ASM im Stillstand bei 50 Hz Netzfrequenz?

Stillstand bedeutet n = 0, also s = 1. f_2 = 1 · 50 = 50 Hz

Ein Motor wird über einen Frequenzumrichter mit 30 Hz versorgt und läuft mit einem Schlupf von 4 %. Berechne die Schlupffrequenz.

f_2 = 0,04 · 30 = 1,2 Hz

Ein 2-poliger Motor am 50-Hz-Netz hat eine Nenndrehzahl von 2910 1/min. Wie groß ist der Schlupf?

  • a) 3 %
  • b) 1 %
  • c) 2 %
  • d) 5 %

Richtig: a)

Die Synchrondrehzahl beträgt 3000 1/min. s = (3000 − 2910) / 3000 = 90 / 3000 = 0,03 = 3 %. 1 % entspräche 2970, 2 % wäre 2940, 5 % wäre 2850.

Welche Schlupffrequenz hat ein ASM im Augenblick des Einschaltens (Stillstand) bei f_1 = 50 Hz?

  • a) 0 Hz
  • b) 1 Hz
  • c) 5 Hz
  • d) 50 Hz

Richtig: d)

Bei Stillstand ist n = 0, also s = 1. Damit f_2 = 1 · 50 Hz = 50 Hz. Die Läuferleiter sehen im ersten Moment das volle Drehfeld mit voller Frequenz. Mit dem Hochlaufen sinkt diese Frequenz dann rasch ab.

Warum kann der Schlupf eines Motors im Motorbetrieb nicht null werden?

  • a) Weil die Lager Reibung erzeugen
  • b) Weil die Verluste im Statoreisen das verhindern
  • c) Weil ohne Schlupf keine Induktion und damit kein Drehmoment entsteht
  • d) Weil die Netzfrequenz schwankt

Richtig: c)

Bei n = n_s gäbe es keine Relativbewegung zwischen Drehfeld and Läufer, also keine induzierte Spannung im Läufer, keinen Läuferstrom und kein Drehmoment. Der Motor kann sich gegen die kleinsten Verluste nicht halten und schlupft sofort wieder ab. Reibung und Verluste sind nur indirekte Folgen.

4. Die M-n-Kennlinie — wichtige Punkte und Verlauf

Die M-n-Kennlinie zeigt, welches Drehmoment der Motor bei welcher Drehzahl abgeben kann. Auf der waagrechten Achse steht die Läuferdrehzahl n, auf der senkrechten das Drehmoment M. Die grundsätzliche Bedeutung dieser Kennlinien ist im Beitrag „Motorkenngrößen: M-n-Kennlinie, Drehmoment, Leistung“ beschrieben. Beim ASM hat die Kurve eine sehr charakteristische Form mit mehreren markanten Punkten, die im Folgenden wichtig werden:

  • M_A — Anlaufmoment: Drehmoment bei Stillstand (n = 0). Liegt typischerweise bei 1,5 bis 2,5 · M_N.
  • M_S — Sattelmoment: das lokale Minimum während des Hochlaufs, meist bei etwa 30 bis 50 % der Synchrondrehzahl. Entsteht durch Oberwellen im Magnetfeld – ein Effekt, der typisch für den ASM mit Käfigläufer ist.
  • M_K — Kippmoment: das maximale Drehmoment, das der Motor überhaupt liefern kann. Liegt knapp unter der Synchrondrehzahl, typisch bei 2 bis 3 · M_N.
  • M_N — Nennmoment: das Drehmoment bei Nennlast, das auf dem Typenschild als Bezugswert dient. Liegt im steilen Bereich der Kennlinie rechts vom Kippmoment.
  • n = n_s, M = 0: das Drehfeld zieht den Läufer nicht mehr mit, weil keine Drehzahldifferenz mehr besteht.
n M n_s (1500) M_A M_S M_K n_K M_K M_N n_N M_N 0 Anlaufbereich stabiler Betriebsbereich

Die Kennlinie zerfällt damit in zwei sehr unterschiedliche Bereiche. Vom Stillstand bis zum Kippmoment ist der Anstieg unregelmäßig: erst sinkt das Moment leicht ins Sattel, dann steigt es stark zum Kippmoment. Rechts vom Kippmoment, also zwischen n_K und n_s, fällt die Kurve fast linear ab. Genau in diesem rechten Ast liegt der Arbeitsbereich, in dem der Motor normalerweise betrieben wird – der Nennpunkt sitzt mitten in diesem steilen Abschnitt.

Das Sattelmoment ist eine echte Eigenheit des ASM mit Käfigläufer. Es entsteht, weil das reale Statorfeld nicht perfekt sinusförmig, sondern mit Oberwellen behaftet ist. Diese Oberwellen erzeugen während des Hochlaufens kurzzeitig Gegenmomente und drücken die Kurve in einer bestimmten Drehzahl nach unten. Bei geschickter Nutbemessung des Läufers lässt sich der Effekt klein halten – ganz wegbringen lässt er sich nicht.

Welcher Punkt auf der M-n-Kennlinie wird beim Anlaufen aus dem Stillstand als Erstes erreicht?

  • a) Das Kippmoment M_K
  • b) Das Anlaufmoment M_A
  • c) Das Nennmoment M_N
  • d) Das Sattelmoment M_S

Richtig: b)

M_A ist das Drehmoment bei n = 0, also genau im Augenblick des Einschaltens. Es ist der Startpunkt der Kennlinie auf der M-Achse. Sattelmoment kommt während des Hochlaufens, Kippmoment kurz vor Synchrondrehzahl, Nennmoment unter Volllast im stabilen Bereich.

Wodurch entsteht das Sattelmoment beim Käfigläufer-Asynchronmotor?

  • a) Durch die Reibung in den Lagern
  • b) Durch Oberwellen im Magnetfeld
  • c) Durch Sättigung des Eisenkerns bei hoher Drehzahl
  • d) Durch den ohmschen Widerstand der Läuferstäbe

Richtig: b)

Reale Statorwicklungen erzeugen kein perfekt sinusförmiges Drehfeld, sondern eines mit Oberwellen. Diese Oberwellen bilden bei bestimmten Drehzahlen Gegenmomente, die die Kennlinie kurzzeitig nach unten drücken. Reibung wirkt drehzahlunabhängig konstant, Eisensättigung beeinflusst eher das Kippmoment, der Läuferwiderstand verschiebt die ganze Kennlinie ohne Sattel zu erzeugen.

Wie verhält sich der ASM, wenn die Last über das Kippmoment hinaus erhöht wird?

  • a) Er beschleunigt
  • b) Er hält die Drehzahl konstant
  • c) Er bleibt stehen (kippt)
  • d) Er liefert ein noch höheres Drehmoment

Richtig: c)

Jenseits von M_K kann der Motor die Last nicht mehr halten. Die Drehzahl sinkt rasch ab, das Drehmoment fällt entlang des unstabilen Astes weiter, der Motor bleibt schließlich stehen und zieht hohen Stillstandsstrom. Antworten a und d widersprechen dem Kippverhalten direkt.

5. Drehmoment berechnen: Nenn-, Kipp- und Anlaufmoment

Aus dem Typenschild lassen sich die wichtigsten Punkte der Kennlinie quantifizieren. Den Ausgangspunkt bildet das Nennmoment, das sich direkt aus Nennleistung und Nenndrehzahl berechnen lässt. Die allgemeine Beziehung zwischen Drehmoment, Drehzahl und mechanischer Leistung ist im Beitrag „Motorkenngrößen: M-n-Kennlinie, Drehmoment, Leistung“ hergeleitet – hier wird sie auf den ASM angewendet:

M_N = P_N * 60 / (2 * π * n_N)

  • M_N … Nennmoment in Nm
  • P_N … mechanische Nennleistung in W
  • n_N … Nenndrehzahl in 1/min
  • π … Kreiszahl 3,14159…

Wichtig: Die Leistung muss in Watt eingesetzt werden. Wenn am Typenschild „4 kW“ steht, dann sind das 4000 W. Die Drehzahl wird in 1/min eingesetzt, und der Faktor 60 / (2π) übernimmt die Umrechnung in die Winkelgeschwindigkeit.

Für die anderen Drehmomentwerte gibt das Typenschild meist nicht die absoluten Zahlen an, sondern die Verhältnisse:

M_A / M_N Anlaufmoment-Verhältnis (typisch 1,5 bis 2,5)
M_K / M_N Kippmoment-Verhältnis (typisch 2 bis 3)

Damit lässt sich aus dem Nennmoment auf Anlauf- und Kippmoment hochrechnen. Steht zum Beispiel „M_A / M_N = 2,2″ auf dem Typenschild und ist M_N berechnet, dann ist M_A = 2,2 · M_N.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrommotor hat folgende Typenschildangaben: P_N = 7,5 kW, n_N = 1450 1/min, M_A / M_N = 2,0, M_K / M_N = 2,5. Berechne M_N, M_A und M_K.

Gegeben: P_N = 7,5 kW = 7500 W; n_N = 1450 1/min; M_A / M_N = 2,0; M_K / M_N = 2,5

Gesucht: M_N, M_A, M_K

Lösungsweg:

  1. Nennmoment: M_N = 7500 · 60 / (2 · π · 1450) = 450000 / 9110,6 ≈ 49,4 Nm
  2. Anlaufmoment: M_A = 2,0 · 49,4 ≈ 98,8 Nm
  3. Kippmoment: M_K = 2,5 · 49,4 ≈ 123,5 Nm

Ergebnis: M_N ≈ 49,4 Nm, M_A ≈ 98,8 Nm, M_K ≈ 123,5 Nm

Übungen

Welches Nennmoment hat ein Motor mit P_N = 2,2 kW und n_N = 1430 1/min?

M_N = 2200 · 60 / (2 · π · 1430) ≈ 14,7 Nm

Ein 11-kW-Motor mit n_N = 960 1/min: Bestimme M_N.

M_N = 11000 · 60 / (2 · π · 960) ≈ 109,4 Nm

M_N = 50 Nm, M_K / M_N = 2,4. Wie groß ist das Kippmoment?

M_K = 2,4 · 50 = 120 Nm

Ein Motor liefert 18,5 kW bei 2940 1/min. Welches Nennmoment ergibt sich?

M_N = 18500 · 60 / (2 · π · 2940) ≈ 60,1 Nm

M_N = 30 Nm, am Typenschild steht „M_A / M_N = 1,8″. Eine Last erfordert beim Anlauf 60 Nm. Reicht das Anlaufmoment?

M_A = 1,8 · 30 = 54 Nm. 54 Nm < 60 Nm – der Motor kann die Last aus dem Stillstand nicht anfahren.

Welches Nennmoment hat ein Motor mit P_N = 5,5 kW und n_N = 1455 1/min?

  • a) ca. 24 Nm
  • b) ca. 36 Nm
  • c) ca. 49 Nm
  • d) ca. 57 Nm

Richtig: b)

M_N = 5500 · 60 / (2 · π · 1455) = 330000 / 9142 ≈ 36,1 Nm. 24 Nm wäre etwa für 3,7 kW, 49 Nm für 7,5 kW und 57 Nm liegt deutlich darüber.

Wofür stehen die Werte „M_A / M_N“ und „M_K / M_N“ auf einem Motortypenschild?

  • a) Für den Schlupf bei Anlauf und im Nennbetrieb
  • b) Für das Verhältnis von Anlauf- bzw. Kippmoment zum Nennmoment
  • c) Für die Wirkungsgrade in verschiedenen Lastpunkten
  • d) Für den Verlauf der Strangspannung beim Hochlauf

Richtig: b)

Diese Verhältnisse erlauben, M_A und M_K aus dem Nennmoment hochzurechnen, ohne sie absolut angeben zu müssen. Schlupf, Wirkungsgrad und Spannung sind eigene Typenschildangaben.

Ein Motor mit M_N = 40 Nm hat ein Anlaufmoment-Verhältnis von 2,2. Welche Last kann er aus dem Stillstand sicher anfahren?

  • a) 50 Nm
  • b) 70 Nm
  • c) 88 Nm
  • d) 110 Nm

Richtig: c)

M_A = 2,2 · 40 = 88 Nm. Genau dieses Lastmoment kann der Motor gerade noch überwinden. 50 und 70 Nm liegen sicher darunter, 110 Nm überfordern den Motor – er würde nicht hochlaufen.

6. Arbeitspunkt und Einflussfaktoren

Welche Drehzahl der Motor tatsächlich annimmt, entscheidet sich nicht im Motor allein. Der Arbeitspunkt ist der Schnittpunkt der Motor-Kennlinie M_Motor(n) mit der Lastkennlinie M_Last(n). An genau dieser Drehzahl liefert der Motor exakt das Moment, das die Last verlangt – Beschleunigungsmoment ist null, der Antrieb läuft konstant.

Solange der Arbeitspunkt im Bereich zwischen n_K und n_s liegt, ist er stabil: Steigt die Last kurz an, sinkt die Drehzahl, der Motor liefert mehr Moment, die Last wird abgefangen. Sinkt die Last, dreht der Motor schneller, das Moment fällt, alles pendelt sich wieder ein. Im Bereich links vom Kippmoment dagegen ist der Betrieb instabil – schon eine kleine Laststeigerung lässt das Drehmoment des Motors weiter sinken statt steigen, der Motor wird gebremst und bleibt schließlich stehen.

Der Motor kippt, sobald das Lastmoment das Kippmoment überschreitet. Aus diesem Grund wird ein gewisser Sicherheitsabstand zwischen Last- und Kippmoment angestrebt – grob als Faustregel Kippmoment mindestens das 1,6-Fache des maximal zu erwartenden Lastmoments.

Zwei externe Größen beeinflussen die Kennlinie deutlich: Spannung und Frequenz.

Spannung. Das Drehmoment eines ASM ist quadratisch von der Statorspannung abhängig:

M ~ U²

Sinkt die Spannung am Motor durch lange Zuleitungen, schwaches Netz oder einen Spannungseinbruch um 10 %, fällt das Drehmoment auf etwa 0,9² = 0,81, also auf 81 %. Bei 20 % Spannungsverlust bleibt nur noch 64 % des Moments. Diese Abhängigkeit gilt für die gesamte Kennlinie – Anlauf-, Sattel-, Kipp- und Nennmoment skalieren alle mit U².

Frequenz. Wird die Statorfrequenz verändert (typischerweise durch einen Frequenzumrichter), verschiebt sich die gesamte Kennlinie entlang der n-Achse, weil sich die Synchrondrehzahl ändert. Beim Spannungs-Frequenz-Verhältnis U/f = konstant bleibt die Form der Kennlinie weitgehend erhalten, nur eben bei einer anderen Drehzahl. Details dazu im Beitrag „Frequenzumrichter – Funktion und Anwendung“.

Gelöstes Beispiel

Ein Asynchronmotor hat im Datenblatt M_A = 80 Nm bei Nennspannung 400 V. Wie groß ist das Anlaufmoment, wenn beim Einschalten nur 360 V am Motor anliegen?

Gegeben: M_A bei U_N = 400 V: 80 Nm; U_tatsächlich = 360 V

Gesucht: M_A bei reduzierter Spannung

Lösungsweg:

  1. Spannungsverhältnis: U / U_N = 360 / 400 = 0,9
  2. Momentenverhältnis (quadratisch): M / M_N(U=400) = 0,9² = 0,81
  3. Reduziertes Moment: M_A_reduziert = 0,81 · 80 = 64,8 Nm

Ergebnis: M_A sinkt auf 64,8 Nm, also um etwa 19 %.

Übungen

Ein Motor liefert bei 400 V ein Kippmoment von 150 Nm. Welches Kippmoment bleibt bei 380 V übrig?

(380/400)² = 0,9025 → M_K = 0,9025 · 150 ≈ 135 Nm

Lastmoment einer Pumpe: 35 Nm konstant. Motor M_K = 50 Nm bei Nennspannung. Auf welche Spannung darf der Motor minimal absinken, bevor er kippt?

M_K muss mindestens 35 Nm betragen. (U/U_N)² · 50 = 35 → U/U_N = √(35/50) = √0,7 ≈ 0,837. Bei 400 V Nennspannung also U_min ≈ 335 V.

Ein FU stellt einen 4-poligen Motor auf 25 Hz ein, U/f konstant. Wie groß ist die neue Synchrondrehzahl?

n_s = 25 · 60 / 2 = 750 1/min

Ein Motor mit M_N = 30 Nm soll bei 400 V eine Last von 25 Nm antreiben. Auf welche Spannung darf die Versorgung absinken, bevor das Nennmoment unter die Last fällt?

(U/400)² · 30 = 25 → U = 400 · √(25/30) ≈ 365 V

Beim Anlaufen sinkt die Spannung am Motor von 400 auf 320 V. Das Datenblatt-Anlaufmoment beträgt 90 Nm. Welches Anlaufmoment steht real zur Verfügung?

(320/400)² = 0,64 → M_A_real = 0,64 · 90 = 57,6 Nm

Um welchen Faktor sinkt das Drehmoment, wenn die Spannung am Motor von 400 V auf 320 V abfällt?

  • a) Auf 80 % – das Moment sinkt linear mit der Spannung
  • b) Auf 64 % – das Moment sinkt quadratisch mit der Spannung
  • c) Auf 50 % – etwa halb so viel
  • d) Auf 41 % – das Moment sinkt mit der dritten Potenz

Richtig: b)

M ~ U². (320/400)² = 0,8² = 0,64, also 64 %. Linear (a) wäre 80 %, kubisch (d) wäre 0,512 ≈ 51 %. Diese quadratische Abhängigkeit ist der Grund, warum Spannungsabfälle so kritisch sind.

Warum ist der Bereich der M-n-Kennlinie zwischen n_K und n_s als stabil definiert?

  • a) Weil dort der Schlupf sehr klein ist
  • b) Weil dort die geringsten Verluste auftreten
  • c) Weil eine Laststeigerung dort die Drehzahl absinken lässt und das Drehmoment automatisch nachsteigt
  • d) Weil dort die Stromaufnahme am niedrigsten ist

Richtig: c)

Die Stabilität ergibt sich aus der negativen Steigung dM/dn in diesem Bereich. Sinkt die Drehzahl wegen Mehrlast, steigt M – die Last wird abgefangen. Im instabilen Bereich (links vom Kippmoment) ist die Steigung positiv, dort verstärkt sich eine Störung. Kleiner Schlupf und niedrige Verluste sind Nebenerscheinungen, nicht die Ursache der Stabilität.

Bei einem Motor mit langer Zuleitung tritt nach einer Notabschaltung folgendes Bild auf: Der Motor dreht beim Wiedereinschalten sehr langsam, der Strom ist hoch, der Motorschutz löst nach kurzer Zeit aus. Welche Ursache passt am ehesten?

  • a) Eine durchgebrannte Phase im Stator
  • b) Ein Lagerschaden mit erhöhter Reibung
  • c) Ein zu großer Frequenzumrichter
  • d) Spannungsabfall an der Leitung mit Hängenbleiben im Sattelbereich

Richtig: d)

Der hohe Stromfluss bei niedriger Drehzahl ist genau das Bild eines Motors, der die Kennlinie nicht über den Sattel hinaus aufsteigen kann. Eine durchgebrannte Phase würde das Drehfeld stark verzerren und meist sofort ein deutliches Brummen erzeugen. Ein Lagerschaden würde sich akustisch und durch Wärme bemerkbar machen, kostet aber selten so viel Moment. Der FU ist hier nicht beteiligt.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein vierpoliger Asynchronmotor (50 Hz) hat eine Nenndrehzahl von 1440 1/min und eine Nennleistung von 5,5 kW. Berechne Synchrondrehzahl, Schlupf und Nennmoment.

Gegeben: 2p = 4, f = 50 Hz, n_N = 1440 1/min, P_N = 5,5 kW

Gesucht: n_s, s, M_N

Lösungsweg:

  1. n_s = 50 · 60 / 2 = 1500 1/min
  2. s = (1500 − 1440) / 1500 = 0,04 = 4 %
  3. M_N = 5500 · 60 / (2 · π · 1440) = 330000 / 9047 ≈ 36,5 Nm

Ergebnis: n_s = 1500 1/min, s = 4 %, M_N ≈ 36,5 Nm

Aufgabe 2: Auf dem Typenschild eines 6-poligen Motors steht: P_N = 7,5 kW, n_N = 970 1/min, M_K / M_N = 2,8, M_A / M_N = 2,1. Bestimme M_N, M_K, M_A.

Gegeben: P_N = 7,5 kW, n_N = 970 1/min, M_K / M_N = 2,8, M_A / M_N = 2,1

Gesucht: M_N, M_K, M_A

Lösungsweg:

  1. M_N = 7500 · 60 / (2 · π · 970) ≈ 73,8 Nm
  2. M_K = 2,8 · 73,8 ≈ 206,7 Nm
  3. M_A = 2,1 · 73,8 ≈ 155,0 Nm

Ergebnis: M_N ≈ 73,8 Nm, M_K ≈ 207 Nm, M_A ≈ 155 Nm

Aufgabe 3: Ein Motor wird über einen FU bei 35 Hz und konstantem U/f betrieben. Originaldaten am 50-Hz-Netz: 4-polig, n_N = 1455 1/min. Mit welcher ungefähren Drehzahl läuft der Motor unter Nennlast, wenn der Schlupf in absoluten Drehzahleinheiten gleich bleibt?

Gegeben: 50 Hz → n_s = 1500 1/min, n_N = 1455 1/min → Schlupfdrehzahl 45 1/min. FU: 35 Hz.

Gesucht: n bei 35 Hz

Lösungsweg:

  1. Neue Synchrondrehzahl: n_s(35) = 35 · 60 / 2 = 1050 1/min
  2. Schlupfdrehzahl bleibt 45 1/min (Annahme der Aufgabe)
  3. n ≈ 1050 − 45 = 1005 1/min

Ergebnis: n ≈ 1005 1/min

Aufgabe 4: Ein Motor hat bei 400 V ein Kippmoment von 120 Nm. Im Betrieb sinkt die Spannung dauerhaft auf 350 V. Eine Lastpumpe braucht ein Moment von 95 Nm. Kippt der Motor?

Gegeben: M_K bei 400 V: 120 Nm, U_neu = 350 V, M_Last = 95 Nm

Gesucht: Vergleich M_K_neu mit M_Last

Lösungsweg:

  1. Spannungsverhältnis: 350 / 400 = 0,875
  2. (0,875)² = 0,766
  3. M_K_neu = 0,766 · 120 ≈ 92 Nm
  4. M_K_neu (92 Nm) < M_Last (95 Nm)

Ergebnis: Der Motor kippt, weil das Lastmoment knapp über dem reduzierten Kippmoment liegt.

Ein 4-poliger Drehstrommotor läuft bei 50 Hz mit 1470 1/min. Wie groß ist der Schlupf?

  • a) 1 %
  • b) 2 %
  • c) 3 %
  • d) 5 %

Richtig: b)

n_s = 1500 1/min, s = (1500 − 1470) / 1500 = 30 / 1500 = 0,02 = 2 %. Die typischen kleinen Werte entsprechen kleineren Schlupf-Drehzahldifferenzen.

Welche Aussage zur M-n-Kennlinie eines ASM ist korrekt?

  • a) Das Kippmoment ist das maximal mögliche Moment und liegt knapp unter n_s
  • b) Das Anlaufmoment ist immer das größte Moment
  • c) Das Kippmoment liegt am Punkt n = n_s
  • d) Das Sattelmoment ist immer größer als das Anlaufmoment

Richtig: a)

M_K markiert das absolute Maximum der Kennlinie und liegt bei einer Kippdrehzahl knapp unter der Synchrondrehzahl. M_A ist nicht das größte Moment, bei n = n_s ist M = 0, und das Sattelmoment liegt zwischen Anlauf- und Kippmoment.

Ein 2-poliger Motor (50 Hz) hat eine Nenndrehzahl von 2940 1/min. Welche Schlupffrequenz liegt im Nennbetrieb im Läufer an?

  • a) 0,5 Hz
  • b) 1 Hz
  • c) 2 Hz
  • d) 50 Hz

Richtig: b)

s = (3000 − 2940) / 3000 = 0,02. Schlupffrequenz f_2 = 0,02 · 50 = 1 Hz. 50 Hz wäre der Stillstandsfall.

Welche Folge hat eine plötzliche Erhöhung der mechanischen Last auf einen Motor, der im stabilen Bereich der Kennlinie läuft?

  • a) Der Motor steigert die Drehzahl
  • b) Die Drehzahl bleibt gleich, nur der Strom steigt
  • c) Der Motor kippt sofort
  • d) Der Motor verringert die Drehzahl, der Schlupf steigt, das Drehmoment steigt mit

Richtig: d)

Die Selbstregelung des ASM funktioniert genau so: mehr Last → weniger Drehzahl → mehr Schlupf → mehr Induktion und Läuferstrom → mehr Moment. Solange das Lastmoment unter dem Kippmoment bleibt, ist ein neuer stabiler Arbeitspunkt erreichbar.

Welcher Motor hat bei 50 Hz die niedrigste Synchrondrehzahl?

  • a) 4-polig
  • b) 6-polig
  • c) 8-polig
  • d) 12-polig

Richtig: d)

n_s = f · 60 / p. Mehr Pole bedeuten mehr Polpaare und damit niedrigere Synchrondrehzahl. 12-polig ergibt p = 6 and n_s = 500 1/min.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Drehmoment und Spannung am Asynchronmotor?

  • a) Linear: M ~ U
  • b) Quadratisch: M ~ U²
  • c) Wurzelförmig: M ~ √U
  • d) Unabhängig von U

Richtig: b)

Der Fluss im Stator ist proportional zur Spannung, der Strom im Läufer ebenfalls. Das Drehmoment ergibt sich aus Fluss mal Strom, also U · U = U². Diese Abhängigkeit ist zentral für das Verständnis von Spannungseinbrüchen und Anlaufproblemen.

Welche Kombination beschreibt typische Nennwerte eines Asynchronmotors?

  • a) s = 50 %, M_K / M_N = 1,2
  • b) s = 30 %, M_K / M_N = 1,0
  • c) s = 0 %, M_K / M_N = 3,5
  • d) s = 3 %, M_K / M_N = 2,5

Richtig: d)

Nennwerte liegen bei Schlupf von wenigen Prozent (typisch 2–5 %) und einem Kippmoment-Verhältnis zwischen 2 und 3. Antwort a hat unrealistisch hohen Schlupf, b einen Anlaufbetrieb und c eine unmögliche Schlupf-null-Bedingung.

Wann ist die Stromaufnahme im Stator besonders hoch?

  • a) Im Leerlauf nahe der Synchrondrehzahl
  • b) Im Nennpunkt
  • c) Bei Frequenzen über 50 Hz
  • d) Beim Hochlauf, besonders im Stillstandsmoment

Richtig: d)

Bei Stillstand wirkt der Läufer wie eine kurzgeschlossene Sekundärwicklung eines Transformators. Der Anlaufstrom beträgt typisch das 5- bis 7-fache des Nennstroms. Mit steigender Drehzahl sinkt der Strom rasch.

Welcher Punkt der Kennlinie wird beim langsamen Verringern der Last vom Nennpunkt aus durchlaufen?

  • a) Sattelmoment
  • b) Kippmoment
  • c) Synchroner Leerlaufpunkt (n ≈ n_s, M ≈ 0)
  • d) Stillstand

Richtig: c)

Mit sinkender Last steigt die Drehzahl in Richtung n_s, das nötige Moment fällt gegen null. Sattel- und Kippmoment liegen im Anlaufbereich, also in der anderen Richtung. Stillstand wird nur bei Überlast erreicht.

Welche Maßnahme erhöht das Anlaufmoment des Käfigläufer-ASM NICHT?

  • a) Höhere Statorspannung
  • b) Vorschalten eines Anlauftrafos mit höherer Sekundärspannung
  • c) Verwendung eines Stromwandlers im Versorgungskreis
  • d) Konstruktion mit Stromverdrängungsläufer

Richtig: c)

Ein Stromwandler dient zur Messung, er beeinflusst die Energieübertragung zum Motor nicht. Höhere Spannung wirkt direkt auf M ~ U². Ein Anlauftrafo kann gezielt eine höhere Spannung in der Anlaufphase bereitstellen, ein Stromverdrängungsläufer (Doppelnut, Hochstab) erhöht konstruktiv den Läuferwiderstand beim Anlauf und damit M_A.

Ein Motor mit M_N = 60 Nm hat ein Kippmoment-Verhältnis von 2,5. Welche maximale Lastspitze kann er kurzzeitig überwinden?

  • a) 150 Nm
  • b) 60 Nm
  • c) 90 Nm
  • d) 180 Nm

Richtig: a)

M_K = 2,5 · 60 = 150 Nm. Über diesem Wert kippt der Motor.

Welche Auswirkung hat ein Spannungseinbruch von 10 % auf das Anlaufmoment?

  • a) Es sinkt um 5 %
  • b) Es sinkt um 10 %
  • c) Es sinkt um 30 %
  • d) Es sinkt um etwa 19 %

Richtig: d)

(0,9)² = 0,81, also 81 % des Originalwerts. Die Differenz zu 100 % beträgt 19 %. Aufgrund des quadratischen Zusammenhangs ist der Verlust bei Spannungsabfall deutlich größer als beim linearen Verlauf.

Glossar

Synchrondrehzahl
Drehzahl des im Stator erzeugten Drehfeldes, abhängig von Netzfrequenz und Polpaarzahl: n_s = f · 60 / p.
Schlupf
relative Drehzahldifferenz zwischen Drehfeld und Läufer, s = (n_s − n) / n_s, üblicherweise in % angegeben.
Schlupfdrehzahl
absolute Drehzahldifferenz n_s − n in 1/min.
Schlupffrequenz
Frequenz, mit der im Läufer Spannung induziert wird: f_2 = s · f_1.
Polpaarzahl
Anzahl der Polpaare einer Drehfeldwicklung pro Phase; bestimmt zusammen mit der Netzfrequenz die Synchrondrehzahl.
Anlaufmoment M_A
Drehmoment des Motors bei Stillstand, im Moment des Einschaltens.
Sattelmoment M_S
lokales Minimum der M-n-Kennlinie während des Hochlaufens, beim Käfigläufer durch Oberwellen verursacht.
Kippmoment M_K
höchstes Drehmoment, das der Motor liefern kann; liegt bei der Kippdrehzahl knapp unter der Synchrondrehzahl.
Nennmoment M_N
Drehmoment, das der Motor bei Nennleistung und Nenndrehzahl abgibt; aus Typenschilddaten berechenbar.
Arbeitspunkt
Schnittpunkt der Motor-Kennlinie mit der Lastkennlinie, an dem sich Drehmoment und Drehzahl im Gleichgewicht befinden.
Stabiler Bereich
Bereich der M-n-Kennlinie zwischen Kippdrehzahl und Synchrondrehzahl, in dem eine Laststeigerung automatisch zu höherem Motormoment führt.
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