Encoder-Rückführung beim Servoantrieb
Ein Servoantrieb kann eine Spindel auf hundertstel Millimeter genau positionieren, im Stillstand ein Haltemoment aufbringen und trotzdem sauber wieder anlaufen. Möglich wird das nur, weil der Antrieb jederzeit weiß, wo sein Rotor gerade steht und wie schnell er sich dreht. Diese Rückmeldung liefert der Encoder – der Drehgeber auf der Motorwelle. Ohne ihn wäre ein Servo nur ein Motor, der ungefähr in die richtige Richtung dreht.
Dieser Beitrag zeigt, welche Größen der Encoder zurückmeldet, worin sich die beiden großen Bauarten für den Antrieb unterscheiden, wie das Signal störungsfrei zum Umrichter kommt und wie die Rückführung den Regelkreis schließt.
Vorwissen
- Servomotor – Aufbau und Funktion
- Inkremental- und Absolutwertgeber
- Aufbau eines Regelkreises
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum ein Servoantrieb zwingend eine Lage- und Drehzahlrückführung braucht
- die drei Rückführgrößen Lage, Drehzahl und Kommutierungswinkel benennen und ihre Bedeutung beschreiben
- die antriebsrelevanten Unterschiede zwischen Inkremental- und Absolutgeber erklären (Referenzfahrt, Verhalten bei Spannungsausfall)
- begründen, warum ein inkrementaler Servo-Encoder eine Information über die absolute Rotorlage benötigt und wie er sie bekommt
- die gängigen digitalen Geberschnittstellen und den Sinn der differenziellen, geschirmten Übertragung einordnen
- beschreiben, an welchen Stellen die Encoder-Signale in den Regelkreis des Servoantriebs eingreifen
1. Warum ein Servoantrieb Rückführung braucht
Stell dir einen einfachen Drehstrommotor an einem Frequenzumrichter vor. Der Umrichter gibt eine Frequenz vor, der Motor dreht ungefähr mit der dazu passenden Drehzahl – belastet man ihn, sackt die Drehzahl etwas ab. Für eine Pumpe oder ein Lüfterrad reicht das. Für eine Werkzeugmaschinenachse, die auf eine exakte Position fahren und dort stehenbleiben soll, reicht es nicht.
Der Unterschied liegt im geschlossenen Regelkreis. Beim Servoantrieb misst ein Sensor laufend, wo die Welle tatsächlich steht (der Istwert), und meldet das an den Regler zurück. Der Regler vergleicht den Istwert mit dem Sollwert und stellt nach, bis die Abweichung null ist. Genau diese Rückmeldung nennt man Rückführung.
Ohne Rückführung fehlen dem Antrieb drei Dinge, die ihn erst zum Servo machen: Er kann keine Position ansteuern, weil er die aktuelle Lage nicht kennt. Er kann im Stillstand kein definiertes Haltemoment aufbringen, weil er nicht weiß, in welche Richtung das Drehfeld zeigen muss. Und er kann eine Laststörung nicht ausregeln, weil er den Drehzahleinbruch gar nicht bemerkt.
Ein Schrittmotor umgeht das, indem er gesteuert in festen Schritten weiterrückt – ohne Rückmeldung. Das funktioniert, solange er nicht überlastet wird. Verliert er bei Überlast einen Schritt, merkt es niemand: Die reale Position weicht still von der erwarteten ab. Der Servoantrieb mit Encoder hat dieses Problem nicht, weil er jeden Fehler sofort sieht und korrigiert.
Der Servomotor selbst und die genaue Struktur des Lageregelkreises sind eigene Themen. Hier geht es um das Bindeglied: den Encoder und seine Signale.
Ein Servoantrieb soll eine Linearachse auf eine exakte Position fahren und dort halten. Warum genügt eine reine Drehzahlsteuerung ohne Rückführung dafür nicht?
- a) Weil der Antrieb die tatsächlich erreichte Lage nicht kennt und Abweichungen nicht ausregeln kann
- b) Weil der Motor ohne Rückführung kein Drehmoment erzeugen kann
- c) Weil eine Steuerung grundsätzlich keine Frequenz vorgeben kann
- d) Weil der Motor ohne Rückführung doppelt so viel Strom zieht
Richtig: a)
Eine Steuerung gibt nur einen Sollwert vor, ohne den Istwert zu prüfen. Last- oder Reibungsabweichungen werden nicht erkannt und nicht korrigiert, deshalb ist keine exakte Positionierung möglich (a). Drehmoment erzeugt der Motor auch ohne Encoder (b). Eine Frequenz kann eine Steuerung sehr wohl vorgeben (c). Der Strombedarf hängt von der Last ab, nicht von der Rückführung (d).
Worin liegt der grundlegende Unterschied zwischen einem gesteuerten Schrittmotor und einem geregelten Servoantrieb?
- a) Der Schrittmotor dreht schneller
- b) Der Servoantrieb prüft laufend die tatsächliche Lage und korrigiert Abweichungen, der gesteuerte Schrittmotor nicht
- c) Der Schrittmotor braucht keinen Strom im Stillstand
- d) Der Servoantrieb arbeitet ausschließlich mit Gleichspannung
Richtig: b)
Der gesteuerte Schrittmotor rückt ohne Rückmeldung weiter und merkt einen Schrittverlust nicht; der Servoantrieb erkennt jede Abweichung über den Encoder und regelt nach (b). Drehzahl (a) und Stromverhalten im Stillstand (c) sind keine grundsätzlichen Unterscheidungsmerkmale. Servoantriebe arbeiten nicht ausschließlich mit Gleichspannung (d).
2. Was der Encoder misst – und welche Größen daraus entstehen
Der Encoder sitzt direkt auf der Motorwelle und tastet deren Drehung ab. Aus dieser Abtastung gewinnt der Antrieb drei verschiedene Rückführgrößen.
Die Lage is der Drehwinkel der Welle – die wichtigste Größe für die Positionierung. Die Drehzahl bekommt der Antrieb, indem er beobachtet, wie schnell sich die Lage ändert: Winkeländerung pro Zeit ergibt die Drehgeschwindigkeit. Und der Kommutierungswinkel sagt dem Umrichter, in welcher Stellung der Rotor relativ zu den Statorwicklungen steht – diese Information braucht er, um das Drehfeld richtig auszurichten und überhaupt Drehmoment zu erzeugen. Auf den Kommutierungswinkel kommen wir im nächsten Kapitel zurück, weil er das eigentliche Nadelöhr beim Servo-Encoder ist.
Die kleinste auflösbare Winkeländerung nennt man ein Inkrement – einen Zählschritt des Encoders. Wie fein der Geber auflöst, hängt von der Zahl dieser Schritte pro Umdrehung ab. Bei einem Encoder mit Strich- oder Impulszahl gilt:
alpha = 360 / z
- alpha … Winkelauflösung in Grad pro Schritt
- z …… Schritte pro Umdrehung
Je größer z, desto feiner die Auflösung und desto kleiner der Winkel pro Schritt. Aus der Frequenz der Impulse lässt sich die Drehzahl bestimmen:
n = (f / z) * 60
- n … Drehzahl in 1/min
- f … Impulsfrequenz in Impulse/s (Hz)
- z … Schritte pro Umdrehung
Pro Umdrehung liefert der Geber z Impulse. Teilt man die gemessene Impulsfrequenz durch z, erhält man Umdrehungen pro Sekunde; mal 60 ergibt Umdrehungen pro Minute.
Gelöstes Beispiel
Ein Servo-Encoder liefert 2500 Impulse pro Umdrehung. Bei einer bestimmten Drehzahl misst die Auswertung eine Impulsfrequenz von 125 000 Hz. Wie fein ist die Winkelauflösung und welche Drehzahl liegt vor?
Gegeben: z = 2500 Schritte/Umdrehung, f = 125 000 Hz
Gesucht: Winkelauflösung alpha in Grad, Drehzahl n in 1/min
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Winkelauflösung: alpha = 360 / 2500 = 0,144 Grad pro Schritt
- Schritt 2 — Drehzahl: n = (125000 / 2500) * 60 = 50 * 60 = 3000 1/min
Ergebnis: Auflösung 0,144 Grad pro Schritt, Drehzahl 3000 1/min
Übungen
Ein Encoder hat 1000 Impulse pro Umdrehung. Wie groß ist die Winkelauflösung in Grad?
alpha = 360 / 1000 = 0,36 Grad pro Schritt
Ein Geber mit 3600 Schritten pro Umdrehung liefert eine Impulsfrequenz von 60 000 Hz. Welche Drehzahl liegt vor?
n = (60000 / 3600) * 60 = 16,67 * 60 = 1000 1/min
Ein Encoder soll eine Winkelauflösung von höchstens 0,1 Grad pro Schritt erreichen. Wie viele Schritte pro Umdrehung sind mindestens nötig?
z = 360 / 0,1 = 3600 Schritte/Umdrehung
Ein Geber mit 5000 Strichen pro Umdrehung dreht mit 1500 1/min. Welche Impulsfrequenz entsteht?
f = (n / 60) * z = (1500 / 60) * 5000 = 25 * 5000 = 125 000 Hz
Zwei Encoder erreichen dieselbe Drehzahl, der eine mit 2000, der andere mit 8000 Schritten pro Umdrehung. Um welchen Faktor unterscheidet sich die entstehende Impulsfrequenz, und welcher Geber löst feiner auf?
Die Frequenz ist proportional zu z, also Faktor 8000 / 2000 = 4. Der Geber mit 8000 Schritten liefert die vierfache Frequenz und löst viermal feiner auf (0,045 Grad statt 0,18 Grad pro Schritt).
Wie ermittelt ein Servoantrieb die Ist-Drehzahl aus dem Encoder-Signal?
- a) Aus der Winkeländerung pro Zeit, also der Änderungsgeschwindigkeit der Lage
- b) Aus der absoluten Lage über eine fest hinterlegte Tabelle
- c) Aus der Versorgungsspannung des Encoders
- d) Aus der Strichzahl allein, unabhängig von der Bewegung
Richtig: a)
Die Drehzahl ist die zeitliche Ableitung der Lage – der Antrieb beobachtet, wie schnell sich der gemessene Winkel ändert (a). Die absolute Lage allein ergibt keine Drehzahl (b), die Versorgungsspannung sagt nichts über die Bewegung (c), und die Strichzahl ist nur ein Geberparameter, kein Bewegungswert (d).
Ein Encoder mit 4000 Schritten pro Umdrehung wird gegen einen mit 1000 Schritten getauscht. Was ändert sich an der Winkelauflösung?
- a) Sie bleibt gleich, weil sie nur von der Drehzahl abhängt
- b) Sie hängt ausschließlich von der Impulsfrequenz ab
- c) Sie wird viermal feiner
- d) Sie wird viermal gröber, der Winkel pro Schritt vervierfacht sich
Richtig: d)
alpha = 360 / z; bei einem Viertel der Schritte wird der Winkel pro Schritt viermal so groß, die Auflösung also viermal gröber (d). Sie hängt nicht von der Drehzahl (a) und nicht von der Impulsfrequenz (b) ab, und sie wird gröber, nicht feiner (c).
Welche der drei Rückführgrößen wird benötigt, damit der Umrichter das Drehfeld korrekt zur Rotorlage ausrichten kann?
- a) Die Drehzahl
- b) Die Lage relativ zum Maschinennullpunkt
- c) Der Kommutierungswinkel, also die Rotorstellung relativ zu den Statorwicklungen
- d) Die Impulsfrequenz
Richtig: c)
Für die Drehmomentbildung muss der Umrichter wissen, wie der Rotor zu den Wicklungen steht – das ist der Kommutierungswinkel (c). Drehzahl (a) und Maschinen-Lage (b) sind für die Positionierung bzw. Geschwindigkeitsregelung wichtig, nicht für die Ausrichtung des Drehfelds. Die Impulsfrequenz ist nur eine Messgröße für die Drehzahl (d).
3. Welcher Encodertyp für den Servoantrieb?
Bei der Wahl des Gebers stehen sich zwei Grundprinzipien gegenüber: der inkrementale und der absolute Encoder. Wie diese Signale im Sensor physikalisch entstehen – Spuren, Quadratur, Codescheiben –, ist Thema der allgemeinen Geberlehre. Für den Antrieb zählen zwei praktische Konsequenzen: Was passiert beim Einschalten, und was passiert beispannungsausfall?
Der inkrementale Encoder zählt Schritte ab einem beliebigen Startpunkt. Beim Einschalten weiß er nur „ab hier zähle ich“, nicht aber, wo „hier“ im Maschinenkoordinatensystem liegt. Deshalb braucht ein Servoantrieb mit Inkrementalgeber nach jedem Einschalten eine Referenzfahrt: Die Achse fährt auf einen bekannten Punkt (Referenzschalter oder Nullimpuls des Gebers), erst dann kennt die Steuerung die absolute Position. Fällt die Spannung aus, geht die Lageinformation verloren – nach dem Wiedereinschalten muss erneut referenziert werden.
Der Absolutwertgeber liefert dagegen für jede Position einen eindeutigen, codierten Wert. Schon im Einschaltmoment steht die absolute Lage fest, ohne dass die Achse sich bewegen muss. Eine Referenzfahrt entfällt. Die Auflösung wird hier meist in Bit angegeben – die Zahl der unterscheidbaren Positionen pro Umdrehung ergibt sich aus:
z = 2 ^ n
- z … Schritte pro Umdrehung
- n … Auflösung in Bit
Ein 13-Bit-Geber unterscheidet also 2^13 = 8192 Positionen pro Umdrehung. Die zugehörige Winkelauflösung folgt wie gehabt aus alpha = 360 / z.
Beim Absolutgeber unterscheidet man zwei Bauformen. Der Singleturn-Geber kennt die Position eindeutig innerhalb einer Umdrehung, zählt aber volle Umdrehungen nicht mit. Der Multiturn-Geber zählt zusätzlich die Umdrehungen und kennt damit die absolute Lage auch über viele Wellenumdrehungen hinweg – wichtig etwa bei einer Spindelachse, die sich über mehrere Umdrehungen bewegt. Die Umdrehungszählung bleibt bei Spannungsausfall über eine Pufferung erhalten.
Das Kommutierungsproblem beim Inkrementalgeber
Hier liegt das eigentliche Verständnis-Nadelöhr. Ein Servomotor ist meist permanenterregt (ein PMSM, Permanentmagnet-Synchronmotor). Damit der Umrichter Drehmoment erzeugt, muss er das Statordrehfeld passend zur Rotorlage ausrichten – er braucht den absoluten Kommutierungswinkel. Ein reiner A/B-Inkrementalgeber – benannt nach seinen zwei um 90° phasenversetzten Signalspuren A und B, aus deren Versatz sich die Drehrichtung erkennen lässt – kennt diesen Winkel beim Einschalten aber nicht: Er zählt nur ab dem Startpunkt, die absolute Rotorstellung ist ihm unbekannt. Ohne Zusatzinformation könnte ein solcher Antrieb aus dem Stillstand gar nicht definiert anlaufen.
Dafür gibt es zwei Lösungen. Inkrementale Servo-Encoder haben oft zusätzliche Kommutierungsspuren (häufig als U, V, W bezeichnet, vergleichbar mit Hall-Sensoren). Sie liefern beim Einschalten eine grobe Information über den Sektor, in dem der Rotor steht – genug, um sicher anzulaufen, danach übernimmt das feine Inkrementalsignal. Die zweite Variante ist das Wake-and-Shake-Verfahren: Der Umrichter bestromt die Wicklungen kurz und beobachtet, in welche Richtung der Rotor zuckt; daraus berechnet er die Anfangslage. Das funktioniert ohne Zusatzspuren, ist aber bei empfindlichen Anwendungen unerwünscht, weil sich die Welle dabei kurz bewegt.
Ein Absolutwertgeber hat dieses Problem nicht: Er kennt die absolute Rotorlage von der ersten Millisekunde an und liefert den Kommutierungswinkel direkt mit. Das ist einer der Hauptgründe, warum moderne Servoantriebe überwiegend mit Absolutgebern ausgestattet werden.
Gelöstes Beispiel
Ein Singleturn-Absolutgeber hat eine Auflösung von 14 Bit. Wie viele Positionen unterscheidet er pro Umdrehung und wie fein ist die Winkelauflösung?
Gegeben: n = 14 Bit
Gesucht: Schritte z pro Umdrehung, Winkelauflösung alpha in Grad
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Schritte pro Umdrehung: z = 2 ^ 14 = 16 384 Schritte
- Schritt 2 — Winkelauflösung: alpha = 360 / 16384 = 0,02197 Grad pro Schritt
Ergebnis: 16 384 Positionen pro Umdrehung, Auflösung rund 0,022 Grad pro Schritt
Übungen
Wie viele Positionen pro Umdrehung unterscheidet ein 12-Bit-Absolutgeber?
z = 2^12 = 4096 Positionen
Welche Winkelauflösung in Grad hat ein 16-Bit-Singleturn-Geber?
z = 2^16 = 65 536; alpha = 360 / 65536 = 0,00549 Grad pro Schritt
Ein Antrieb mit Inkrementalgeber wird eingeschaltet. Welche Maßnahme ist nötig, bevor er eine absolute Position anfahren kann, und warum?
Eine Referenzfahrt, weil der Inkrementalgeber nur ab dem Einschaltpunkt zählt und die absolute Lage im Maschinensystem nicht kennt.
Ein Multiturn-Geber löst pro Umdrehung mit 13 Bit auf und kann 4096 Umdrehungen (12 Bit) unterscheiden. Wie viele eindeutige Positionen ergeben sich über den gesamten Bereich?
gesamt = 2^13 * 2^12 = 8192 * 4096 = 33 554 432 Positionen (entspricht 25 Bit)
Ein PMSM-Servo mit reinem A/B-Inkrementalgeber ohne Kommutierungsspuren wird eingeschaltet. Warum kann er nicht ohne Weiteres definiert anlaufen, und welche zwei Verfahren lösen das Problem?
Der Umrichter kennt die absolute Rotorlage und damit den Kommutierungswinkel nicht, kann das Drehfeld also nicht gezielt ausrichten. Lösung: zusätzliche Kommutierungsspuren (U, V, W) für eine grobe Anfangslage oder das Wake-and-Shake-Verfahren, bei dem der Rotor durch kurzes Bestromen lokalisiert wird.
Warum benötigt ein Servoantrieb mit reinem Inkrementalgeber nach jedem Einschalten eine Referenzfahrt?
- a) Weil der Geber bei jedem Einschalten neu kalibriert werden muss
- b) Weil der Inkrementalgeber nur ab dem Startpunkt zählt und die absolute Lage im Maschinensystem nicht kennt
- c) Weil die Drehzahl sonst nicht messbar ist
- d) Weil der Motor sonst kein Drehmoment aufbaut
Richtig: b)
Der Inkrementalgeber liefert nur relative Zählschritte ab dem Einschaltpunkt; die absolute Position muss durch Anfahren eines bekannten Referenzpunkts erst hergestellt werden (b). Eine Kalibrierung im engeren Sinn ist es nicht (a), die Drehzahl ist auch ohne Referenz messbar (c), und Drehmoment baut der Motor unabhängig von der Referenzfahrt auf (d).
Ein PMSM-Servo hat einen reinen A/B-Inkrementalgeber ohne Kommutierungsspuren. Welche Aussage zum Anlauf aus dem Stillstand ist korrekt?
- a) Er kann nicht definiert anlaufen, solange die absolute Rotorlage unbekannt ist – ein Verfahren wie Wake-and-Shake muss sie zuerst bestimmen
- b) Er läuft problemlos an, weil A/B-Signale die Rotorlage absolut angeben
- c) Er läuft nur an, wenn zusätzlich ein Frequenzumrichter ohne Rückführung verwendet wird
- d) Er braucht dafür zwingend einen Multiturn-Geber
Richtig: a)
A/B-Signale sind inkrementell und geben die absolute Rotorlage gerade nicht an; der Umrichter muss die Anfangslage erst ermitteln, etwa per Wake-and-Shake (a). Aussage (b) ist falsch, weil A/B nicht absolut ist. Ein Umrichter ohne Rückführung würde das Problem nicht lösen (c), und ein Multiturn-Geber ist nicht zwingend nötig – Kommutierungsspuren oder Wake-and-Shake genügen (d).
Worin liegt der praktische Vorteil eines Absolutwertgebers gegenüber einem Inkrementalgeber beim Servoantrieb?
- a) Er hat grundsätzlich eine höhere Drehzahlgrenze
- b) Er liefert die absolute Lage sofort beim Einschalten und behält sie bei Spannungsausfall – keine Referenzfahrt nötig
- c) Er kommt ohne jede Schnittstelle zum Umrichter aus
- d) Er benötigt keine Versorgungsspannung
Richtig: b)
Der Absolutgeber codiert jede Position eindeutig und kennt die Lage von Beginn an; gepuffert bleibt sie auch bei Spannungsausfall erhalten, eine Referenzfahrt entfällt (b). Die Drehzahlgrenze (a) ist kein prinzipieller Vorteil, eine Schnittstelle braucht auch der Absolutgeber (c), und ohne Versorgungsspannung arbeitet kein Geber (d).
Wofür wird bei einer Spindelachse, die sich über viele Umdrehungen bewegt, ein Multiturn-Geber benötigt?
- a) Um die Drehzahl genauer zu messen als ein Singleturn-Geber
- b) Um ohne Versorgungsspannung zu arbeiten
- c) Um die Kommutierung zu ermöglichen
- d) Um zusätzlich zur Position innerhalb einer Umdrehung auch die Zahl der vollen Umdrehungen eindeutig zu kennen
Richtig: d)
Ein Singleturn-Geber kennt die Lage nur innerhalb einer Umdrehung; bei mehreren Umdrehungen braucht es die Umdrehungszählung des Multiturn-Gebers, um die absolute Position über den gesamten Verfahrweg zu kennen (d). Die Drehzahlmessung (a) und die Kommutierung (c) hängen nicht daran, und versorgungsfrei arbeitet auch er nicht (b).
4. Signalübertragung und digitale Schnittstellen
Das beste Encoder-Signal nützt nichts, wenn es auf dem Weg zum Umrichter verfälscht wird. In der Antriebstechnik liegen Geberleitungen oft direkt neben Motorkabeln, die von schnell schaltenden Umrichtern gespeist werden – eine starke Quelle elektromagnetischer Störungen. Deshalb werden Gebersignale praktisch immer differenziell übertragen.
Bei der differenziellen Übertragung wird jedes Signal über ein Adernpaar geführt: einmal das Signal, einmal sein invertiertes Gegenstück. Der Empfänger wertet nur die Differenz der beiden Adern aus. Eine Störung, die von außen einkoppelt, trifft beide Adern gleich – in der Differenz hebt sie sich auf. Dieses Prinzip steckt hinter der weit verbreiteten Leitungsschnittstelle nach RS-422. Zusätzlich wird die Leitung geschirmt, um Einkopplungen von vornherein zu dämpfen.
Früher arbeiteten viele Geber mit analogen Sin/Cos-Signalen: zwei um 90° versetzte Sinusspuren, aus denen die Auswertung sehr fein interpoliert. Der Trend geht klar zu rein digitalen Geberschnittstellen, die den Positionswert als fertiges Datenwort übertragen. Im Servoumfeld begegnen einem dabei mehrere Schnittstellen-Konzepte: EnDat, SSI, BiSS und Hiperface. Sie unterscheiden sich in Details – synchron getaktet oder nicht, mit oder ohne zusätzlichen Analogkanal –, verfolgen aber dasselbe Ziel: den absoluten Positionswert sicher und schnell zum Umrichter zu bringen. Praktisch wichtig ist der Trend zur Ein-Kabel-Lösung, bei der Geberdaten und Motorversorgung über ein einziges Kabel laufen – das spart Verdrahtung und Platz im Schaltschrank.
Ein Thema, über das man in der Anlagentechnik schnell stolpert, sind sicherheitsgerichtete Encoder. Für Sicherheitsfunktionen wie SLS (Safely-Limited Speed, sicher begrenzte Geschwindigkeit) reicht ein Standardgeber nicht: Gefordert ist eine redundante oder in sich überwachte Erfassung, oft mit zwei unabhängigen Spuren oder einem zusätzlichen analogen Sin/Cos-Kanal zur Plausibilitätsprüfung. Solche Geber sind zertifiziert (Stichwort SIL-zertifizierter Geber) und melden einen erkannten Fehler sicher an die Steuerung. Die Details gehören in die funktionale Sicherheit; für die Encoder-Auswahl genügt zu wissen, dass Safety-Anforderungen einen speziellen, redundant ausgewerteten Geber verlangen.
Warum werden Encoder-Signale beim Servoantrieb differenziell übertragen?
- a) Weil so weniger Adern benötigt werden
- b) Weil eine Störung beide Adern gleich trifft und sich in der Differenz aufhebt
- c) Weil digitale Signale grundsätzlich nicht über Einzeladern übertragbar sind
- d) Weil die Übertragung dadurch langsamer und damit sicherer wird
Richtig: b)
Bei der differenziellen Übertragung koppelt eine Störung gleichermaßen in beide Adern ein und verschwindet bei der Differenzbildung im Empfänger (b). Es werden eher mehr Adern benötigt, nicht weniger (a); Einzeladern wären technisch möglich, aber störanfälliger (c); langsamer wird es dadurch nicht (d).
Was ist bei einem sicherheitsgerichteten Encoder für eine Funktion wie SLS gegenüber einem Standardgeber zusätzlich gefordert?
- a) Eine redundante oder in sich überwachte Erfassung, damit Fehler sicher erkannt werden
- b) Eine höhere Strichzahl
- c) Ausschließlich analoge Sin/Cos-Signale ohne digitale Schnittstelle
- d) Der Verzicht auf jegliche Schirmung
Richtig: a)
Sicherheitsfunktionen verlangen, dass ein Geberfehler sicher erkannt wird; das erreicht man über redundante oder selbstüberwachende Erfassung, oft mit zwei Kanälen (a). Eine höhere Strichzahl allein schafft keine Sicherheit (b), ein Analogkanal kann ergänzend dienen, ist aber nicht die alleinige Bedingung (c), und auf Schirmung wird gerade nicht verzichtet (d).
Eine neu verlegte Geberleitung an einer Maschine zeigt unter Last sporadische Schleppfehler, im Stillstand ist alles in Ordnung. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- a) Der Encoder hat eine zu hohe Auflösung
- b) Ein nicht korrekt aufgelegter Schirm oder eine gestörte Leitung, sodass unter Last einkoppelnde Störungen das Signal verfälschen
- c) Der Motor ist falsch dimensioniert
- d) Die Referenzfahrt wurde vergessen
Richtig: b)
Lastabhängige, sporadische Schleppfehler bei unauffälligem Stillstand deuten typischerweise auf Störeinkopplung hin – etwa durch einen fehlenden Schirmanschluss, der erst beim schaltenden Motorbetrieb zum Tragen kommt (b). Eine hohe Auflösung verursacht das nicht (a), eine Fehldimensionierung zeigte sich anders (c), und eine fehlende Referenzfahrt führt zu einem Positions-, nicht zu einem lastabhängigen Störbild (d).
5. Encoder im geschlossenen Regelkreis des Servoantriebs
Jetzt fügt sich alles zusammen. Der Encoder sitzt auf der Motorwelle und führt seine Messgrößen zurück an den Umrichter, der den Regler enthält. Dort schließt sich der Kreis: Sollwert hinein, Istwert vom Encoder zurück, Stellgröße zum Motor.
Der Encoder liefert dabei gleichzeitig mehrere Informationen. Die Ist-Lage dient der Positionierung, die daraus abgeleitete Ist-Drehzahl der Geschwindigkeitsregelung, und der Kommutierungswinkel sorgt dafür, dass der Umrichter das Drehfeld jederzeit richtig zur Rotorlage ausrichtet. Diese Größen werden im Antrieb in mehreren ineinander verschachtelten Regelschleifen verarbeitet – die genaue Kaskade aus Strom-, Drehzahl- und Lageregelkreis ist ein eigenes Thema. Hier genügt das Bild: Der Regler ist eine Blackbox, entscheidend ist der Weg der Rückführung von der Welle zurück zum Eingang.
Statt eines optischen Encoders kommt teils auch ein Resolver zum Einsatz – ein robuster, induktiv arbeitender Lagegeber, der ebenfalls die absolute Rotorlage innerhalb einer Umdrehung liefert und in rauer Umgebung punktet. Funktional übernimmt er dieselbe Rolle in der Rückführung.
Wie fein der Encoder auflöst, wirkt sich direkt auf die Qualität des Antriebs aus. Eine hohe Auflösung bedeutet eine ruhige, feinfühlige Drehzahlerfassung und damit besseren Gleichlauf bei niedrigen Drehzahlen sowie eine genauere Positionierung. Ein grob auflösender Geber führt dagegen zu einer „körnigen“ Drehzahlinformation, die sich als Unruhe im Lauf bemerkbar machen kann.
Blockschaltbild: Rückführung im Servoantrieb
Welche Aufgabe hat der Encoder im geschlossenen Regelkreis des Servoantriebs?
- a) Er erzeugt das Drehfeld im Motor
- b) Er ersetzt den Umrichter
- c) Er begrenzt den Motorstrom
- d) Er führt die Istwerte für Lage, Drehzahl und Kommutierung zum Regler zurück, sodass dieser Abweichungen ausregeln kann
Richtig: d)
Der Encoder ist das Rückführglied: Er meldet die tatsächlichen Werte zurück, damit der Regler den Soll-Ist-Vergleich durchführen kann (d). Das Drehfeld erzeugt der Umrichter (a), den er auch nicht ersetzt (b), und die Strombegrenzung ist Aufgabe des Reglers, nicht des Gebers (c).
Wie wirkt sich eine höhere Encoder-Auflösung auf den Servoantrieb aus?
- a) Sie verschlechtert den Gleichlauf bei niedrigen Drehzahlen
- b) Sie hat keinen Einfluss auf die Regelgüte
- c) Sie ermöglicht eine feinere Drehzahl- und Lageerfassung und damit besseren Gleichlauf und genauere Positionierung
- d) Sie erhöht nur die maximale Drehzahl
Richtig: c)
Mehr Schritte pro Umdrehung bedeuten eine feinere Erfassung von Lage und Drehzahl, was den Gleichlauf besonders bei kleinen Drehzahlen und die Positioniergenauigkeit verbessert (c). Sie verschlechtert den Gleichlauf nicht (a), ist regelungstechnisch relevant (b) und beeinflusst nicht die Maximaldrehzahl (d).
Wodurch kann ein optischer Encoder in der Rückführung eines Servoantriebs funktional ersetzt werden?
- a) Durch einen Frequenzumrichter ohne Geber
- b) Durch einen Resolver, der ebenfalls die absolute Rotorlage innerhalb einer Umdrehung liefert
- c) Durch einen zusätzlichen Stromsensor
- d) Durch eine höhere Versorgungsspannung
Richtig: b)
Der Resolver ist ein robuster induktiver Lagegeber, der dieselbe Rückführrolle übernimmt und gerade in rauer Umgebung verbreitet ist (b). Ein geberloser Betrieb wäre kein vollwertiger Ersatz für die hier geforderte Rückführung (a), ein Stromsensor misst keine Lage (c), und die Versorgungsspannung hat damit nichts zu tun (d).
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein inkrementaler Servo-Encoder hat 2048 Impulse pro Umdrehung. Berechne die Winkelauflösung in Grad pro Schritt.
Gegeben: z = 2048 Schritte/Umdrehung
Gesucht: Winkelauflösung alpha in Grad
Lösungsweg:
alpha = 360 / 2048
Ergebnis: alpha = 0,1758 Grad pro Schritt
Aufgabe 2: Derselbe Encoder (2048 Impulse/Umdrehung) liefert bei einer bestimmten Drehzahl eine Impulsfrequenz von 81 920 Hz. Welche Drehzahl liegt vor?
Gegeben: z = 2048, f = 81 920 Hz
Gesucht: Drehzahl n in 1/min
Lösungsweg:
n = (f / z) * 60 = (81920 / 2048) * 60 = 40 * 60
Ergebnis: n = 2400 1/min
Aufgabe 3: Ein Singleturn-Absolutgeber hat eine Auflösung von 15 Bit. Wie viele Positionen unterscheidet er pro Umdrehung?
Gegeben: n = 15 Bit
Gesucht: Schritte z pro Umdrehung
Lösungsweg:
z = 2 ^ 15
Ergebnis: z = 32 768 Positionen pro Umdrehung
Aufgabe 4: Welche Winkelauflösung in Grad ergibt sich aus dem 15-Bit-Geber aus Aufgabe 3?
Gegeben: z = 32 768 Schritte/Umdrehung
Gesucht: Winkelauflösung alpha in Grad
Lösungsweg:
alpha = 360 / 32768
Ergebnis: alpha = 0,01099 Grad pro Schritt
Aufgabe 5: Ein Encoder mit 4096 Strichen pro Umdrehung dreht mit 1800 1/min. Welche Impulsfrequenz entsteht?
Gegeben: z = 4096, n = 1800 1/min
Gesucht: Impulsfrequenz f in Hz
Lösungsweg:
f = (n / 60) * z = (1800 / 60) * 4096 = 30 * 4096
Ergebnis: f = 122 880 Hz
Aufgabe 6: Ein Multiturn-Absolutgeber löst pro Umdrehung mit 13 Bit auf und kann zusätzlich 2^12 Umdrehungen unterscheiden. Wie viele eindeutige Positionen ergeben sich über den gesamten Bereich?
Gegeben: Singleturn-Anteil 13 Bit, Multiturn-Anteil 12 Bit
Gesucht: gesamte Positionszahl
Lösungsweg:
gesamt = 2^13 * 2^12 = 8192 * 4096
Ergebnis: 33 554 432 Positionen (entspricht 25 Bit)
Ein PMSM-Servoantrieb ist mit einem reinen A/B-Inkrementalgeber ohne Kommutierungsspuren ausgestattet. Welche Aussage zum Verhalten beim Einschalten ist korrekt?
- a) Der Antrieb kennt die absolute Rotorlage sofort und läuft direkt an
- b) Der Umrichter muss die Anfangslage des Rotors erst bestimmen (z.B. per Wake-and-Shake), bevor er definiert kommutieren kann
- c) Die fehlende Rotorlage ist unkritisch, weil A/B-Signale absolut sind
- d) Der Antrieb benötigt grundsätzlich keinen Kommutierungswinkel
Richtig: b)
A/B-Signale sind inkrementell, die absolute Rotorlage ist beim Einschalten unbekannt; der Umrichter braucht den Kommutierungswinkel zur Drehfeldausrichtung und muss die Anfangslage erst ermitteln (b). Deshalb sind (a) und (c) falsch, und der Kommutierungswinkel ist beim PMSM unverzichtbar (d).
Worin unterscheidet sich ein Multiturn- von einem Singleturn-Absolutgeber?
- a) Der Multiturn-Geber zählt zusätzlich die vollen Umdrehungen und kennt die Lage über mehrere Umdrehungen eindeutig
- b) Der Multiturn-Geber löst innerhalb einer Umdrehung feiner auf
- c) Der Singleturn-Geber arbeitet ohne Versorgungsspannung
- d) Der Multiturn-Geber benötigt keine Schnittstelle
Richtig: a)
Beide kennen die Lage innerhalb einer Umdrehung; der Multiturn-Geber zählt darüber hinaus die Umdrehungen und bleibt damit auch über große Verfahrwege eindeutig (a). Die Auflösung innerhalb einer Umdrehung ist nicht das Unterscheidungsmerkmal (b), versorgungsfrei arbeitet keiner (c), und eine Schnittstelle braucht auch der Multiturn-Geber (d).
Warum geht beim reinen Inkrementalgeber die Lageinformation bei einem Spannungsausfall verloren?
- a) Weil die Codescheibe gelöscht wird
- b) Weil die differenzielle Übertragung unterbrochen wird
- c) Weil er nur Zählschritte ab dem Einschaltpunkt führt und keinen absoluten Wert speichert
- d) Weil die Strichzahl sich ändert
Richtig: c)
Der Inkrementalgeber hält keinen absoluten Positionswert vor, sondern zählt nur relativ ab dem Start; ohne Versorgung geht der Zählerstand verloren (c). Die Scheibe wird nicht gelöscht (a), die Übertragungsart ist nicht die Ursache (b), und die Strichzahl ist eine feste Bauart (d).
Ein Servoantrieb zeigt bei niedrigen Drehzahlen einen unruhigen, „ruckeligen“ Gleichlauf. Welche Encoder-Eigenschaft kann hier eine Rolle spielen?
- a) Eine zu hohe differenzielle Spannung
- b) Ein zu kurzes Geberkabel
- c) Eine zu hohe Bit-Zahl beim Absolutgeber
- d) Eine zu grobe Auflösung, sodass die Drehzahlinformation bei kleinen Drehzahlen körnig wird
Richtig: d)
Bei niedrigen Drehzahlen liefert ein grob auflösender Geber nur wenige Schritte pro Zeit; die abgeleitete Drehzahl wird dadurch sprunghaft, was sich als Unruhe zeigt (d). Differenzspannung (a) und Kabellänge (b) verursachen das nicht in dieser Form, und eine hohe Bit-Zahl verbessert die Auflösung, statt sie zu verschlechtern (c).
Welche Funktion erfüllt die Referenzfahrt bei einem inkrementalgeberbasierten Servoantrieb?
- a) Sie kalibriert die Drehzahlmessung
- b) Sie stellt den Bezug zwischen dem relativen Zählerstand des Gebers und der absoluten Maschinenposition her
- c) Sie lädt die Encoder-Firmware
- d) Sie erhöht die Auflösung des Gebers
Richtig: b)
Die Referenzfahrt fährt einen bekannten Punkt an und verknüpft den relativen Zählerstand mit der absoluten Position im Maschinensystem (b). Mit der Drehzahlmessung (a), der Firmware (c) oder der Auflösung (d) hat sie nichts zu tun.
Warum werden Encoder-Leitungen im Servoumfeld differenziell und geschirmt ausgeführt?
- a) Um Störungen, die vom Motorkabel einkoppeln, zu unterdrücken bzw. in der Differenzbildung aufzuheben
- b) Um Kabel zu sparen
- c) Um die Übertragung zu verlangsamen
- d) Um die Versorgungsspannung des Gebers zu erhöhen
Richtig: a)
Differenzielle Übertragung und Schirmung sind Maßnahmen gegen elektromagnetische Störungen, die in der Nähe des schaltenden Motorkabels stark sind; in der Differenz heben sich gleich einkoppelnde Störungen auf (a). Kabelersparnis (b), Verlangsamung (c) und Spannungserhöhung (d) sind nicht der Zweck.
Welche Größe liefert der Encoder, damit der Umrichter beim PMSM das Drehfeld korrekt zur Rotorlage ausrichten kann?
- a) Die Impulsfrequenz
- b) Die Versorgungsspannung
- c) Den Kommutierungswinkel, also die Rotorstellung relativ zu den Statorwicklungen
- d) Die Kabellänge
Richtig: c)
Für die Drehmomentbildung muss das Statordrehfeld passend zum Rotor stehen – diese Information ist der Kommutierungswinkel (c). Die Impulsfrequenz dient der Drehzahlmessung (a), die übrigen Größen sind dafür irrelevant (b, d).
Für eine Sicherheitsfunktion wie SLS (sicher begrenzte Geschwindigkeit) soll der Encoder ausgewählt werden. Welche Eigenschaft ist gefordert?
- a) Eine möglichst niedrige Auflösung
- b) Der Verzicht auf jede Schnittstelle
- c) Eine analoge Übertragung ohne Schirmung
- d) Eine redundante oder selbstüberwachende Erfassung, sodass ein Geberfehler sicher erkannt wird
Richtig: d)
Sicherheitsgerichtete Funktionen verlangen, dass ein Fehler in der Geschwindigkeitserfassung sicher erkannt wird; das leisten redundante oder in sich überwachte Geber (d). Eine niedrige Auflösung (a), fehlende Schnittstelle (b) oder ungeschirmte Analogübertragung (c) widersprechen dem.
Ein Absolutwertgeber wird gegenüber einem Inkrementalgeber bevorzugt, weil er nach dem Einschalten keine Referenzfahrt braucht. Worauf beruht dieser Vorteil?
- a) Darauf, dass jede Position einen eindeutigen Codewert hat und die absolute Lage sofort feststeht
- b) Auf der höheren Drehzahlgrenze
- c) Darauf, dass er ohne Versorgungsspannung arbeitet
- d) Darauf, dass er nur eine einzige Signalader benötigt
Richtig: a)
Der Absolutgeber codiert jede Position eindeutig; die absolute Lage ist sofort bekannt, eine Referenzfahrt entfällt (a). Drehzahlgrenze (b), versorgungsfreier Betrieb (c) und Einadrigkeit (d) sind nicht der Grund.
Welche Aussage zum Resolver als Rückführelement im Servoantrieb ist korrekt?
- a) Er ist ein optischer Geber mit Glasscheibe
- b) Er liefert keine Lageinformation, nur die Drehzahl
- c) Er ist ein robuster induktiver Lagegeber, der die absolute Rotorlage innerhalb einer Umdrehung liefert
- d) Er kann ausschließlich an Schrittmotoren betrieben werden
Richtig: c)
Der Resolver arbeitet induktiv, ist mechanisch robust und liefert die absolute Lage innerhalb einer Umdrehung – funktional ein Ersatz für den optischen Encoder (c). Er ist nicht optisch (a), liefert sehr wohl Lageinformation (b) und ist nicht auf Schrittmotoren beschränkt (d).
Eine Spindelachse fährt über mehrere volle Umdrehungen. Welcher Gebertyp ist hier sinnvoll, wenn nach dem Einschalten ohne Referenzfahrt die absolute Position bekannt sein soll?
- a) Reiner Inkrementalgeber
- b) Singleturn-Absolutgeber
- c) Multiturn-Absolutgeber
- d) Ein Geber ohne jede Schnittstelle
Richtig: c)
Über several Umdrehungen muss neben der Lage innerhalb einer Umdrehung auch die Umdrehungszahl eindeutig bekannt sein – das leistet nur der Multiturn-Absolutgeber (c). Der Inkrementalgeber bräuchte eine Referenzfahrt (a), der Singleturn-Geber kennt die Umdrehungen nicht (b), und ein Geber ohne Schnittstelle existiert hier nicht sinnvoll (d).
Warum kann ein gesteuerter Schrittmotor bei Überlast unbemerkt von der Sollposition abweichen, ein Servoantrieb mit Encoder dagegen nicht?
- a) Weil der Schrittmotor schneller dreht
- b) Weil der Servoantrieb kein Drehmoment verliert
- c) Weil der Schrittmotor keine Schritte ausführt
- d) Weil dem Schrittmotor die Rückmeldung der tatsächlichen Lage fehlt, während der Servo jede Abweichung über den Encoder erkennt und ausregelt
Richtig: d)
Der gesteuerte Schrittmotor arbeitet ohne Rückführung; ein Schrittverlust bleibt unbemerkt. Der Servoantrieb misst die Ist-Lage und korrigiert Abweichungen sofort (d). Drehzahl (a), Drehmomentverhalten (b) und die grundsätzliche Schrittausführung (c) sind nicht der Kern.
Glossar
- Encoder
- Drehgeber auf der Motorwelle, der Lage, Drehzahl und Kommutierungswinkel als Rückführgrößen liefert.
- Rückführung
- Die laufende Rückmeldung der tatsächlichen Istwerte an den Regler, die den Regelkreis schließt.
- Inkrement
- Ein einzelner Zählschritt des Encoders; die kleinste auflösbare Winkeländerung.
- Inkrementalgeber
- Encoder, der ab einem Startpunkt nur Schritte zählt; benötigt eine Referenzfahrt und verliert die Lage bei Spannungsausfall.
- A/B-Spuren
- Zwei um 90° phasenversetzten Signalspuren eines Inkrementalgebers; aus ihrem Versatz erkennt die Auswertung die Drehrichtung.
- PMSM
- Permanentmagnet-Synchronmotor; ein dauermagneterregter Synchronmotor, die typische Bauform beim Servomotor.
- Absolutwertgeber
- Encoder, der jeder Position einen eindeutigen Codewert zuordnet und die absolute Lage sofort kennt; als Singleturn (eine Umdrehung) oder Multiturn (mit Umdrehungszählung).
- Kommutierungswinkel
- Die Rotorstellung relativ zu den Statorwicklungen; der Umrichter braucht ihn, um das Drehfeld zur Drehmomentbildung richtig auszurichten.
- Kommutierungsspuren
- Zusätzliche Spuren (oft U, V, W) eines Inkrementalgebers, die beim Einschalten eine grobe Information über die absolute Rotorlage liefern.
- Wake-and-Shake
- Verfahren, bei dem der Umrichter die Wicklungen kurz bestromt und aus der Reaktion des Rotors dessen Anfangslage bestimmt.
- Referenzfahrt
- Anfahren eines bekannten Punkts, um den relativen Zählerstand eines Inkrementalgebers mit der absoluten Maschinenposition zu verknüpfen.
- Differenzielle Übertragung
- Übertragung eines Signals über ein Adernpaar (Signal und invertiertes Gegenstück), bei der gleich einkoppelnde Störungen in der Differenz aufgehoben werden.
- Schleppfehler
- Die Abweichung zwischen Soll- und Ist-Position einer geregelten Achse; ein zentraler Diagnosewert bei der Fehlersuche an Servoantrieben.
- Resolver
- Robuster induktiver Lagegeber, der die absolute Rotorlage innerhalb einer Umdrehung liefert und einen optischen Encoder funktional ersetzen kann.
- Sicherheitsgerichteter Encoder
- Geber mit redundanter oder selbstüberwachender Erfassung für Sicherheitsfunktionen wie SLS; meldet erkannte Fehler sicher an die Steuerung.
