Schrittmotor: Funktion und Ansteuerung

Die meisten Elektromotoren drehen sich, solange Strom fließt – mal schneller, mal langsamer, aber kontinuierlich. Ein Schrittmotor macht das anders: Er dreht in kleinen, fest definierten Winkelschritten weiter, einer nach dem anderen. Gibt man ihm hundert Schritte vor, dreht er um genau hundert Schritte und bleibt dann stehen. Diese Eigenschaft macht ihn zu einem der wichtigsten Antriebe überall dort, wo etwas genau positioniert werden muss, ohne dass ein teurer Lagesensor mitläuft.

In diesem Beitrag geht es darum, wie diese schrittweise Bewegung physikalisch entsteht, welche Bauarten es gibt und – der praktisch wichtigste Teil – wie man so einen Motor elektronisch ansteuert, damit er sauber läuft und keine Schritte verliert.

Vorwissen

  • Das magnetische Feld
  • Drehbewegung und Drehmoment
  • Gewindetriebe und Spindeln (Grundlagen)

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, wie beim Schrittmotor aus nacheinander erregten Statorpolen eine schrittweise Drehung entsteht
  • die drei Bauarten Permanentmagnet-, Reluktanz- und Hybrid-Schrittmotor unterscheiden
  • den Schrittwinkel und die Anzahl der Schritte pro Umdrehung berechnen
  • Voll-, Halb- und Mikroschrittbetrieb voneinander abgrenzen und den Einfluss auf die Auflösung beziffern
  • erklären, warum das Drehmoment mit steigender Schrittfrequenz abnimmt und wie man Schrittverluste vermeidet

1. Was ist ein Schrittmotor und wozu braucht man ihn?

Stell dir vor, du sollst einen Druckkopf auf einer Schiene exakt um 12,5 mm verschieben – immer wieder, zuverlässig, ohne nachzumessen. Mit einem gewöhnlichen Motor wäre das mühsam: Du müsstest seine Drehung messen, vergleichen und nachregeln. Der Schrittmotor löst das Problem auf eine elegantere Weise. Er bewegt sich in abzählbaren Schritten. Wenn ein Schritt einem bestimmten Winkel entspricht und der Winkel über eine Spindel in einen Weg umgerechnet wird, dann reicht es, die richtige Anzahl Schritte vorzugeben.

Der entscheidende Punkt: Das funktioniert gesteuert, nicht geregelt. Die Steuerung gibt eine bestimmte Zahl von Schritten aus und geht davon aus, dass der Motor sie auch wirklich ausgeführt hat – ohne Rückmeldung, ob die Position tatsächlich erreicht wurde. Solange die Last nicht zu groß wird, stimmt diese Annahme. Das spart einen Lagesensor und die zugehörige Regelelektronik, und genau das macht den Schrittmotor in vielen Geräten so attraktiv.

Man findet ihn deshalb überall, wo kleine bis mittlere Kräfte präzise positioniert werden: in 3D-Druckern und kleinen CNC-Fräsen, in Druckern und Scannern, in Dosier- und Schlauchpumpen, in Stellantrieben von Klappen und Ventilen. Überall dort zählt die genaue Position mehr als hohe Leistung oder Drehzahl.

Vom Servomotor unterscheidet sich der Schrittmotor genau in diesem Punkt: Der Servo arbeitet mit einer ständigen Lagerückmeldung über einen Geber und regelt seine Position aktiv nach. Der Schrittmotor verzichtet im Normalfall darauf. Servoantriebe sind ein eigenes Thema und werden hier nicht vertieft.

Warum kann ein Schrittmotor eine Position oft ohne Lagesensor anfahren?

  • a) Weil jeder Schritt einem festen Winkel entspricht und die Steuerung die Schritte abzählt
  • b) Weil er seine Drehzahl intern misst und korrigiert
  • c) Weil er sich immer gleich schnell dreht
  • d) Weil er nach jedem Schritt automatisch stehen bleibt und prüft

Richtig: a)

Die Steuerung gibt eine definierte Anzahl Schritte aus und verlässt sich darauf, dass jeder Schritt einen festen Winkel bewirkt. Daraus ergibt sich die Endposition rechnerisch – ganz ohne Rückmeldung. Antwort b) und d) beschreiben eine Regelung mit Rückführung, die der Schrittmotor im Normalbetrieb gerade nicht hat. c) ist falsch, weil die Drehzahl frei über die Schrittfrequenz vorgegeben wird.

Was unterscheidet eine Steuerung von einer Regelung im Zusammenhang mit dem Schrittmotor?

  • a) Eine Steuerung arbeitet mit Wechselstrom, eine Regelung mit Gleichstrom
  • b) Eine Steuerung ist langsamer als eine Regelung
  • c) Bei der Steuerung fehlt die Rückmeldung über das tatsächliche Ergebnis, bei der Regelung wird der Istwert zurückgeführt
  • d) Eine Regelung kommt ohne Elektronik aus

Richtig: c)

Das Kennzeichen einer Regelung ist die Rückführung des Istwerts und der Vergleich mit dem Sollwert. Der Schrittmotor im Normalbetrieb steuert nur: Er führt Schritte aus, ohne dass jemand kontrolliert, ob die Position erreicht wurde. Die übrigen Antworten vermischen den Begriff mit Stromart, Geschwindigkeit oder Bauteilen, die damit nichts zu tun haben.

2. Aufbau und Funktionsprinzip

Ein Schrittmotor besteht – wie die meisten Elektromotoren – aus einem feststehenden Stator und einem drehbaren Rotor. Im Stator sitzen mehrere Wicklungen, die zu Strängen zusammengefasst sind. Jeder Strang bildet, wenn er Strom führt, ein Magnetfeld mit ausgeprägten Polen. Die meisten Schrittmotoren haben zwei solche Stränge, oft Strang A und Strang B genannt.

Das Grundprinzip ist einfacher, als es zunächst klingt. Erregt man einen Strang, entsteht ein Magnetfeld in einer bestimmten Richtung. Der Rotor richtet sich danach aus – er dreht sich so, dass er möglichst „gut“ zu diesem Feld passt. Schaltet man nun den Strom auf den nächsten Strang um, springt das Magnetfeld weiter, und der Rotor folgt ihm um einen Schritt. Indem die Elektronik die Stränge in der richtigen Reihenfolge nacheinander erregt, wandert das Magnetfeld Stück für Stück um den Stator herum, und der Rotor läuft ihm hinterher. Genau das ist die schrittweise Drehung.

Damit die Schritte fein genug werden, sind Stator und Rotor with vielen Zähnen versehen. Das Feld muss dann nicht einmal pro Umdrehung umlaufen, sondern rastet von Zahn zu Zahn weiter – daraus ergeben sich die typischen kleinen Schrittwinkel. Wie genau, sehen wir in Kapitel 4.

Wie die Wicklungen angeschlossen sind

Ein Detail beim Aufbau entscheidet später über die Art der Ansteuerung: wie die Stränge des Stators nach außen verdrahtet sind. Hier gibt es zwei Bauformen.

Bei der ersten Bauform hat jeder Strang eine Mittelanzapfung – also einen zusätzlichen Anschluss in der Mitte der Wicklung. Damit lässt sich jede Wicklungshälfte einzeln bestromen, und der Strom kann eine Spulenhälfte immer in derselben Richtung durchfließen. Die Elektronik dafür ist einfach, weil die Stromrichtung nie umgekehrt werden muss. Diese Bauform mit Mittelanzapfung ist die Grundlage für die später besprochene unipolare Ansteuerung.

Bei der zweiten Bauform wird jeder Strang nur über seine zwei Spulenenden herausgeführt, ohne Mittelanzapfung. Um das Feld umzukehren, muss hier die Stromrichtung durch die gesamte Wicklung umgedreht werden. Das verlangt eine aufwändigere Endstufe, nutzt dafür aber die ganze Wicklung und liefert mehr Drehmoment. Diese Bauform ist die Grundlage für die bipolare Ansteuerung.

Es lohnt sich, diese beiden Verdrahtungsarten im Kopf zu behalten – in Kapitel 5 bauen die Begriffe unipolar und bipolar direkt darauf auf.

A+ erregt Schritt 1 B+ erregt Schritt 2 A− erregt Schritt 3
Schrittweise Drehung durch wechselnde Erregung. Die folgende schematische Darstellung zeigt den Stator mit zwei Strängen. Erregt man nacheinander unterschiedliche Pole, springt das Magnetfeld weiter, und der Rotorpfeil folgt.

Wodurch dreht sich der Rotor eines Schrittmotors um genau einen Schritt weiter?

  • a) Durch eine mechanische Rastvorrichtung, die ihn weiterschiebt
  • b) Dadurch, dass der Strom in einem Strang langsam ansteigt
  • c) Durch Fliehkraft bei steigender Drehzahl
  • d) Dadurch, dass die Erregung auf einen anderen Strang umgeschaltet wird und das Magnetfeld weiterspringt

Richtig: d)

Das Magnetfeld springt weiter, sobald die Elektronik einen anderen Strang erregt; der Rotor richtet sich neu aus und hat damit einen Schritt zurückgelegt. Eine mechanische Rastvorrichtung gibt es nicht. Ein langsam ansteigender Strom (b) erklärt keinen Schritt, und Fliehkraft (c) spielt für den Schrittvorgang keine Rolle.

Welcher Aufbau-Unterschied entscheidet darüber, ob ein Motor unipolar oder bipolar angesteuert werden kann?

  • a) Ob die Stränge eine Mittelanzapfung besitzen oder nur über ihre beiden Enden herausgeführt sind
  • b) Die Anzahl der Rotorzähne
  • c) Die Farbe der Anschlussleitungen
  • d) Der Durchmesser des Rotors

Richtig: a)

Eine Mittelanzapfung erlaubt es, jede Wicklungshälfte einzeln zu bestromen, ohne die Stromrichtung umzukehren – Grundlage der unipolaren Ansteuerung. Ohne Mittelanzapfung muss die Stromrichtung durch die ganze Wicklung gedreht werden – das ist die bipolare Ansteuerung. Rotorzähne, Leitungsfarbe und Rotordurchmesser haben damit nichts zu tun.

Warum are Stator und Rotor eines Schrittmotors mit vielen Zähnen ausgeführt?

  • a) Um die Reibung zu erhöhen
  • b) Um den Motor leiser zu machen
  • c) Um kleine Schrittwinkel und damit eine feine Auflösung zu erreichen
  • d) Um den Motor vor Überhitzung zu schützen

Richtig: c)

Durch die Verzahnung rastet das Feld von Zahn zu Zahn weiter, statt nur einmal pro Umdrehung umzulaufen. So entstehen die typisch kleinen Schrittwinkel und damit die feine Auflösung. Reibung, Geräusch und Kühlung sind nicht der Grund.

3. Bauarten: Permanentmagnet, Reluktanz, Hybrid

Schrittmotoren unterscheiden sich vor allem darin, wie der Rotor aufgebaut ist. Daraus ergeben sich verschiedene Schrittwinkel und ein unterschiedliches Drehmomentverhalten.

Beim Permanentmagnet-Schrittmotor ist der Rotor ein Dauermagnet mit festen Nord- und Südpolen. Er wird vom erregten Statorfeld angezogen und abgestoßen. Diese Bauart liefert auch im stromlosen Zustand ein gewisses Rastmoment, hat aber meist größere Schrittwinkel und damit eine gröbere Auflösung. Sie ist einfach und günstig.

Beim Reluktanz-Schrittmotor besteht der Rotor aus Weicheisen mit Zähnen, ohne eigene Magnetisierung. Er nutzt das Bestreben des Weicheisens, sich so auszurichten, dass der magnetische Widerstand – die Reluktanz – möglichst klein wird. Der Rotor dreht sich also in die Stellung, in der das Feld den leichtesten Weg findet. Ohne Strom hat diese Bauart kein Rastmoment, weil kein Dauermagnet vorhanden ist.

Der Hybrid-Schrittmotor kombiniert beides: einen dauermagnetischen Rotorkern mit feiner Verzahnung. Er vereint das hohe Drehmoment und das Rastmoment der Permanentmagnet-Bauart mit der feinen Auflösung der verzahnten Reluktanz-Bauart. Mit ihm erreicht man die heute üblichen kleinen Schrittwinkel von 1,8°, was 200 Schritten pro Umdrehung entspricht. Der Hybrid-Schrittmotor ist deshalb die in der Praxis am weitesten verbreitete Bauart.

Worauf beruht die Drehbewegung beim reinen Reluktanz-Schrittmotor?

  • a) Auf dem Dauermagnetismus des Rotors
  • b) Auf der Fliehkraft des Rotors
  • c) Auf der Reibung zwischen Stator und Rotor
  • d) Auf dem Bestreben des Weicheisenrotors, den magnetischen Widerstand zu minimieren

Richtig: d)

Der Weicheisenrotor richtet sich so aus, dass die Reluktanz – der magnetische Widerstand – möglichst klein wird; in dieser Lage findet das Feld den leichtesten Weg. Ein Dauermagnet (a) ist beim reinen Reluktanztyp gerade nicht vorhanden. Fliehkraft und Reibung treiben den Rotor nicht an.

Eine Maschine soll mit 1,8° Schrittwinkel und gutem Haltemoment im Stillstand positionieren. Welche Bauart ist die naheliegende Wahl?

  • a) Reiner Reluktanz-Schrittmotor
  • b) Permanentmagnet-Schrittmotor mit großem Schrittwinkel
  • c) Hybrid-Schrittmotor
  • d) Eine Bauart ohne Verzahnung

Richtig: c)

Der Hybrid-Schrittmotor verbindet die feine Verzahnung (kleiner Schrittwinkel, 1,8°) mit dem Rastmoment des Dauermagneten und liefert so beides. Der reine Reluktanztyp (a) hätte stromlos kein Rastmoment, die Permanentmagnet-Bauart (b) hätte einen groben Schrittwinkel, und ohne Verzahnung (d) wäre die Auflösung zu grob.

4. Schrittwinkel und Auflösung

Der Schrittwinkel gibt an, um welchen Winkel sich der Rotor bei einem einzelnen Schritt weiterdreht. Aus ihm folgt unmittelbar, wie viele Schritte eine volle Umdrehung benötigt:

z = 360° / alpha_s

  • z …… Schritte pro Umdrehung
  • alpha_s . Schrittwinkel in Grad
  • 360° …. eine volle Umdrehung

Ein Motor mit 1,8° Schrittwinkel braucht also 360° / 1,8° = 200 Schritte für eine volle Umdrehung. Das ist der heute mit Abstand häufigste Wert. Andere gängige Werte sind 0,9° (400 Schritte) und bei einfachen Permanentmagnet-Motoren 7,5° (48 Schritte).

Kennt man die Schritte pro Umdrehung, lässt sich umgekehrt aus einer gewünschten Anzahl Schritte der zurückgelegte Drehwinkel berechnen:

phi = n * alpha_s

  • phi …… Drehwinkel in Grad
  • n …….. Anzahl der ausgeführten Schritte
  • alpha_s .. Schrittwinkel in Grad

So entsteht der direkte Zusammenhang zwischen Schrittzahl und Position – die Grundlage dafür, dass man ohne Lagesensor genau positionieren kann.

Gelöstes Beispiel

Ein Hybrid-Schrittmotor hat einen Schrittwinkel von 1,8°. Wie viele Schritte braucht er für eine volle Umdrehung, und um welchen Winkel hat er sich nach 75 Schritten gedreht?

Gegeben: Schrittwinkel alpha_s = 1,8°, Schrittzahl n = 75

Gesucht: Schritte pro Umdrehung z; Drehwinkel phi in Grad

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Schritte pro Umdrehung:
    z = 360° / 1,8° = 200 Schritte
  2. Schritt 2 — Drehwinkel nach 75 Schritten:
    phi = 75 · 1,8° = 135°

Ergebnis: 200 Schritte pro Umdrehung; nach 75 Schritten 135° gedreht.

Übungen

Ein Schrittmotor hat 48 Schritte pro Umdrehung. Wie groß ist sein Schrittwinkel?

alpha_s = 360° / 48 = 7,5°

Ein Motor mit 0,9° Schrittwinkel führt 100 Schritte aus. Um welchen Winkel dreht er sich?

phi = 100 · 0,9° = 90°

Ein Motor mit 1,8° Schrittwinkel soll sich um genau 90° drehen. Wie viele Schritte sind nötig?

n = 90° / 1,8° = 50 Schritte

Eine Spindel mit 5 mm Steigung wird von einem Motor mit 200 Schritten pro Umdrehung angetrieben. Welcher Weg entspricht einem Schritt?

Eine Umdrehung = 5 mm; ein Schritt = 5 mm / 200 = 0,025 mm

Mit demselben Antrieb (200 Schritte/Umdrehung, 5 mm Steigung) soll ein Schlitten um 12,5 mm verfahren. Wie viele Schritte sind nötig?

Schritte pro mm = 200 / 5 mm = 40 Schritte/mm; n = 40 · 12,5 mm = 500 Schritte

Ein Schrittmotor besitzt 200 Schritte pro Umdrehung. Wie groß ist sein Schrittwinkel?

  • a) 3,6°
  • b) 0,9°
  • c) 1,8°
  • d) 2,0°

Richtig: c)

Der Schrittwinkel ist 360° / 200 = 1,8°. Das ist der in der Praxis häufigste Wert. 3,6° ergäbe nur 100 Schritte, 0,9° entspräche 400 Schritten, und 2,0° passt zu keiner ganzzahligen Schrittzahl pro Umdrehung.

Ein Antrieb hat 200 Schritte pro Umdrehung und treibt eine Spindel mit 4 mm Steigung. Welcher Weg entspricht einem einzelnen Schritt?

  • a) 0,02 mm
  • b) 0,2 mm
  • c) 0,8 mm
  • d) 4 mm

Richtig: a)

Eine Umdrehung verfährt 4 mm; ein Schritt ist 4 mm / 200 = 0,02 mm. 0,2 mm wäre der Weg für 10 Schritte, 0,8 mm für 40 Schritte, und 4 mm wäre eine ganze Umdrehung.

Warum kann man mit einem Schrittmotor eine Position ohne Lagesensor anfahren, sobald Schrittwinkel und Spindelsteigung bekannt sind?

  • a) Weil der Motor die Position selbst misst
  • b) Weil der Motor immer an derselben Stelle stehen bleibt
  • c) Weil die Spindel die Position speichert
  • d) Weil sich aus Schrittzahl und Schrittwinkel der Drehwinkel und über die Spindel der Weg eindeutig berechnen lässt

Richtig: d)

Schrittzahl mal Schrittwinkel ergibt den Drehwinkel, und die Spindelsteigung rechnet diesen in einen Weg um – die Position folgt rein rechnerisch aus den abgezählten Schritten. Der Motor misst nichts (a), und weder Motor noch Spindel speichern eine Position (b, c).

5. Ansteuerung: Voll-, Halb- und Mikroschritt

Bisher haben wir die Stränge nur „erregt“ oder „nicht erregt“ betrachtet. In Wirklichkeit entscheidet das genaue Bestromungsmuster der beiden Stränge darüber, wie fein und wie ruhig der Motor läuft. Drei Betriebsarten haben sich eingebürgert.

Im Vollschritt wird in jeder Schrittstellung entweder ein Strang oder es werden beide Stränge gleichzeitig voll bestromt. Der Rotor springt von einer vollen Schrittstellung zur nächsten. Das ist die einfachste Ansteuerung und liefert das volle Schrittwinkel-Raster, also zum Beispiel 200 Schritte pro Umdrehung.

Im Halbschritt schaltet die Elektronik zwischen den Vollschrittstellungen jeweils eine Zwischenstellung ein, in der nur ein Strang bestromt ist. Damit verdoppelt sich die Anzahl der Schritte pro Umdrehung – aus 200 werden 400. Der Lauf wird etwas ruhiger, weil die Sprünge kleiner sind.

Im Mikroschritt geht man noch weiter: Statt die Stränge nur ein- und auszuschalten, regelt die Elektronik den Strom in beiden Strängen in feinen Stufen, näherungsweise sinus- und cosinusförmig. Das Magnetfeld kann dadurch jede beliebige Zwischenrichtung einnehmen, und der Rotor lässt sich in viele kleine Zwischenstellungen führen. Übliche Mikroschrittfaktoren sind 1/4, 1/8 oder 1/16 – ein Faktor von 1/16 bedeutet, dass jeder Vollschritt in 16 kleinere Schritte unterteilt wird. Der Lauf wird deutlich ruhiger und leiser, und Resonanzen treten seltener auf. Die effektive Auflösung steigt entsprechend:

z_eff = z * m

  • z_eff . effektive Schritte pro Umdrehung
  • z ….. Vollschritte pro Umdrehung
  • m ….. Mikroschrittfaktor (z. B. 16 für 1/16-Schritt)

Wichtig ist, dass die feine Auflösung im Mikroschritt vor allem die Laufruhe verbessert. Die tatsächlich erreichbare Positioniergenauigkeit ist wegen Fertigungstoleranzen und Lasteinflüssen oft gröber, als die rechnerische Mikroschrittzahl vermuten lässt.

Unipolare und bipolare Ansteuerung

An dieser Stelle zahlt sich der Blick auf die Wicklungen aus Kapitel 2 aus. Bei der unipolaren Ansteuerung wird the Motor mit Mittelanzapfung verwendet. Der Strom fließt immer nur durch eine Wicklungshälfte und stets in derselben Richtung; das Umpolen des Feldes geschieht, indem man zwischen den beiden Hälften umschaltet. Die Elektronik ist einfach, weil sie die Stromrichtung nie umkehren muss. Der Nachteil: Immer nur die halbe Wicklung ist aktiv, das Drehmoment fällt geringer aus.

Bei der bipolaren Ansteuerung wird der Motor ohne Mittelanzapfung über die beiden Spulenenden betrieben. Um das Feld umzukehren, dreht die Endstufe die Stromrichtung durch die ganze Wicklung um. Das erfordert eine aufwändigere Schaltung – eine sogenannte H-Brücke je Strang –, nutzt dafür aber die volle Wicklung und liefert mehr Drehmoment. Die meisten modernen Treiber arbeiten bipolar.

Der Schrittmotortreiber

Die eigentliche Leistungselektronik steckt im Schrittmotortreiber, der Endstufe zwischen Steuerung und Motor. Die übergeordnete Steuerung – etwa eine SPS oder ein Mikrocontroller – gibt dem Treiber meist nur zwei einfache Signale: einen Takt (jeder Impuls bedeutet einen Schritt) und ein Richtungssignal (legt fest, ob vorwärts oder rückwärts geschritten wird). Der Treiber erzeugt daraus die richtigen Strommuster für die beiden Stränge.

Moderne Treiber arbeiten im Chopper-Betrieb: Sie schalten die Spannung sehr schnell ein und aus und regeln so den Strom in der Wicklung gezielt auf einen Sollwert. Damit lässt sich auch bei höheren Schrittfrequenzen noch genügend Strom in die Wicklung treiben – ein Punkt, der im nächsten Kapitel wichtig wird.

Vollschritt (Stufen) A B Mikroschritt (sinusförmig) A B
Vollschritt gegenüber Mikroschritt. Im Vollschritt springt der Strom je Strang zwischen festen Stufen. Im Mikroschritt verläuft er näherungsweise sinusförmig – das Feld dreht sich nahezu gleichmäßig weiter.

Gelöstes Beispiel

Ein Hybrid-Schrittmotor mit 1,8° Schrittwinkel wird im 1/8-Mikroschritt betrieben. Wie viele effektive Schritte ergeben sich pro Umdrehung, und welcher effektive Winkel entspricht einem Mikroschritt?

Gegeben: Schrittwinkel alpha_s = 1,8°, Mikroschrittfaktor m = 8

Gesucht: effektive Schritte pro Umdrehung z_eff; effektiver Mikroschrittwinkel

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — geometrische Schritte pro Umdrehung:
    z = 360° / 1,8° = 200 Schritte
  2. Schritt 2 — effektive Schritte pro Umdrehung:
    z_eff = 200 · 8 = 1600 Schritte
  3. Schritt 3 — effektiver Winkel je Mikroschritt:
    360° / 1600 = 0,225°

Ergebnis: 1600 effektive Schritte pro Umdrehung; ein Mikroschritt entspricht 0,225°.

Übungen

Ein Motor mit 200 Vollschritten pro Umdrehung läuft im Halbschritt. Wie viele Schritte ergeben sich pro Umdrehung?

200 · 2 = 400 Schritte

Ein Motor mit 1,8° Schrittwinkel läuft im 1/4-Mikroschritt. Effektive Schritte pro Umdrehung?

z = 360° / 1,8° = 200; z_eff = 200 · 4 = 800 Schritte

Im 1/16-Mikroschritt bei 200 Vollschritten: Wie viele effektive Schritte pro Umdrehung?

200 · 16 = 3200 Schritte

Bei 3200 effektiven Schritten pro Umdrehung: Welcher effektive Winkel entspricht einem Mikroschritt?

360° / 3200 = 0,1125°

Ein Antrieb mit 200 Vollschritten/Umdrehung, 1/8-Mikroschritt und 5 mm Spindelsteigung soll 10 mm verfahren. Wie viele Mikroschritte sind das?

effektive Schritte/Umdrehung = 200 · 8 = 1600; Schritte/mm = 1600 / 5 = 320; n = 320 · 10 mm = 3200 Mikroschritte

Ein Motor mit 1,8° Schrittwinkel wird im 1/8-Mikroschritt betrieben. Wie viele effektive Schritte ergeben sich pro Umdrehung?

  • a) 1600
  • b) 200
  • c) 400
  • d) 25

Richtig: a)

Geometrisch sind es 360° / 1,8° = 200 Schritte; im 1/8-Mikroschritt das Achtfache, also 200 · 8 = 1600. 200 wäre the Vollschritt, 400 der Halbschritt, und 25 ergibt sich aus keiner sinnvollen Rechnung.

Welche Signale gibt eine übergeordnete Steuerung einem typischen Schrittmotortreiber vor?

  • a) Drehzahl und Drehmoment als Analogwert
  • b) Die drei Strangströme direkt
  • c) Nur die Versorgungsspannung
  • d) Takt und Richtung

Richtig: d)

Üblich sind ein Taktsignal (ein Impuls pro Schritt) und ein Richtungssignal. Den Strom in den Strängen erzeugt der Treiber selbst. Analoge Drehzahl-/Drehmomentvorgaben (a) sind eher beim Servoantrieb üblich; die Strangströme direkt vorzugeben (b) wäre die Aufgabe des Treibers, und die Versorgungsspannung allein (c) genügt für die Schrittvorgabe nicht.

Worin liegt der Hauptvorteil der bipolaren gegenüber der unipolaren Ansteuerung?

  • a) Sie braucht keine Elektronik
  • b) Sie nutzt die volle Wicklung und liefert mehr Drehmoment
  • c) Sie kommt mit nur einem Anschluss aus
  • d) Sie verhindert jeden Schrittverlust

Richtig: b)

Bipolar wird die ganze Wicklung durchflossen, indem die Stromrichtung umgekehrt wird – das ergibt mehr Drehmoment als der unipolare Betrieb, der nur die halbe Wicklung nutzt. Der Preis ist eine aufwändigere Endstufe (H-Brücke), also nicht weniger Elektronik (a). Antworten c) und d) sind sachlich falsch.

Warum verbessert ein hoher Mikroschrittfaktor nicht zwangsläufig die Positioniergenauigkeit?

  • a) Weil Mikroschritt die Schrittzahl verringert
  • b) Weil der Motor dann langsamer wird
  • c) Weil mechanische Toleranzen und das Lastmoment die tatsächliche Genauigkeit begrenzen
  • d) Weil der Treiber dabei Schritte überspringt

Richtig: c)

Die rechnerische Mikroschrittauflösung ist fein, aber Lagerspiel, Fertigungstoleranzen und das anliegende Lastmoment begrenzen, wie genau der Rotor tatsächlich stehen bleibt. Mikroschritt verringert die Schrittzahl nicht (a), macht den Motor nicht grundsätzlich langsamer (b) und führt nicht systematisch zu übersprungenen Schritten (d).

6. Drehmoment, Schrittverluste und Grenzen

Solange der Schrittmotor seine Schritte sauber ausführt, stimmt die Position ohne jede Rückmeldung. Diese Verlässlichkeit hat aber Grenzen, und die hängen am Drehmoment.

Im Stillstand hält ein bestromter Schrittmotor seine Position mit dem Haltemoment fest – das ist das größte Drehmoment, das man aufbringen kann, ohne dass der Rotor aus seiner Schrittstellung herausgedreht wird. Daneben gibt es bei Permanentmagnet- und Hybridmotoren das Rastmoment: ein kleines Moment, das den Rotor auch im stromlosen Zustand in bestimmten Stellungen festhält, weil der Dauermagnet mit den Statorzähnen zusammenwirkt. Das Rastmoment merkt man, wenn man eine solche Motorwelle von Hand dreht – sie rastet spürbar von Stellung zu Stellung.

Warum das Drehmoment mit der Drehzahl sinkt

Das nutzbare Drehmoment bleibt nicht konstant, sondern fällt mit steigender Schrittfrequenz ab. Der Grund liegt in der Induktivität der Wicklungen. Eine Spule setzt jeder schnellen Stromänderung einen Widerstand entgegen – der Strom kann nicht beliebig schnell ansteigen, sondern braucht eine gewisse Zeit, die durch das Verhältnis von Induktivität zu Widerstand bestimmt wird. Bei niedriger Schrittfrequenz hat der Strom in jedem Schritt genug Zeit, seinen vollen Wert zu erreichen, und das Magnetfeld ist kräftig. Bei hoher Schrittfrequenz wird ein Strang aber schon wieder abgeschaltet, bevor der Strom überhaupt seinen Sollwert erreicht hat. Das Magnetfeld bleibt schwach, und damit bricht das Drehmoment ein.

Genau hier hilft der im vorigen Kapitel erwähnte Chopper-Betrieb: Indem der Treiber mit einer höheren Spannung arbeitet und den Strom gezielt regelt, treibt er den Strom schneller in die Wicklung und hält das Drehmoment bis zu höheren Frequenzen aufrecht. Ganz aufheben lässt sich der Effekt aber nicht.

Start-Stopp- und Betriebsbereich

Aus diesem Verhalten ergeben sich zwei wichtige Frequenzgrenzen, die man in Datenblättern findet. Die Start-Stopp-Frequenz (auch Pull-in genannt) gibt an, bis zu welcher Schrittfrequenz der Motor aus dem Stillstand heraus sofort anlaufen und ebenso abrupt stoppen kann, ohne Schritte zu verlieren. Die höhere Betriebsfrequenz (Pull-out) gibt an, bis zu welcher Frequenz der Motor mit der Last weiterläuft, wenn man ihn vorher langsam dorthin beschleunigt hat. Will man also schnell drehen, darf man nicht direkt mit hoher Frequenz starten, sondern muss über eine Beschleunigungsrampe in den Betriebsbereich hochfahren.

Resonanz und Schrittverluste

Ein zweites Problem ist die Resonanz. Bei bestimmten Schrittfrequenzen kann der Rotor in Schwingungen geraten, weil er nach jedem Schritt etwas überschwingt und nachschwingt. Trifft die Schrittfrequenz die Eigenfrequenz dieses Schwingsystems, schaukelt sich die Bewegung auf, der Motor läuft rau und kann im Extremfall Schritte verlieren. Mikroschrittbetrieb mildert das, weil die kleineren Schritte weniger Anregung bedeuten.

Der Schrittverlust ist die eigentliche Achillesferse: Wird der Motor überlastet oder zu schnell beschleunigt, schafft er einen Schritt nicht und bleibt zurück. Weil es keine Rückmeldung gibt, merkt die Steuerung davon nichts – sie zählt weiter, als wäre alles in Ordnung. Die reale Position weicht ab diesem Moment dauerhaft vom Sollwert ab. Dagegen helfen: ausreichende Drehmomentreserve bei der Auslegung, sanfte Beschleunigungs- und Bremsrampen statt abrupter Frequenzsprünge und Mikroschritt zur Vermeidung von Resonanzen.

Wer die fehlende Rückmeldung nicht in Kauf nehmen will, kann den Schrittmotor mit einem Drehgeber ausstatten und so einen geschlossenen Regelkreis aufbauen. Damit lassen sich Schrittverluste erkennen und korrigieren – die Lagerückführung über Geber ist allerdings ein eigenes Thema und wird hier nicht vertieft.

Warum sinkt das nutzbare Drehmoment eines Schrittmotors mit steigender Schrittfrequenz?

  • a) Weil die Induktivität der Wicklung den schnellen Stromaufbau bremst, sodass das Feld bei hoher Frequenz schwach bleibt
  • b) Weil die Wicklungen heiß werden und ihren Widerstand verlieren
  • c) Weil der Rotor bei hoher Drehzahl leichter wird
  • d) Weil das Rastmoment mit der Drehzahl zunimmt

Richtig: a)

Die Wicklungsinduktivität begrenzt, wie schnell der Strom ansteigt. Bei hoher Frequenz wird ein Strang abgeschaltet, bevor der Strom seinen vollen Wert erreicht – das Feld und damit das Drehmoment bleiben schwach. Erwärmung (b), Rotormasse (c) und Rastmoment (d) sind nicht die Ursache.

Was beschreibt die Start-Stopp-Frequenz (Pull-in) eines Schrittmotors?

  • a) Die höchste Frequenz, die der Motor nach langsamer Beschleunigung erreicht
  • b) Die Frequenz, bei der der Motor aus dem Stillstand sofort anlaufen und stoppen kann, ohne Schritte zu verlieren
  • c) Die Netzfrequenz der Versorgung
  • d) Die Frequenz, bei der Resonanz auftritt

Richtig: b)

Die Start-Stopp-Frequenz ist die Grenze für sofortiges Anlaufen und Stoppen ohne Rampe. Die höchste Frequenz nach Beschleunigung (a) ist die Betriebs- oder Pull-out-Frequenz. Netzfrequenz (c) und Resonanzfrequenz (d) sind etwas anderes.

Ein 3D-Drucker zeigt ab einer bestimmten Höhe versetzte Lagen, ohne dass eine Fehlermeldung erscheint. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Der Drucker hat die Temperatur falsch geregelt
  • b) Ein Achsmotor hat bei einer zu schnellen Bewegung Schritte verloren, was die Steuerung mangels Rückmeldung nicht bemerkt hat
  • c) Das Rastmoment war zu groß
  • d) Die Mikroschrittzahl war zu niedrig eingestellt

Richtig: b)

Ein Schrittverlust verschiebt ab dem Fehlerzeitpunkt alle weiteren Positionen, und weil keine Rückführung vorhanden ist, bleibt die Steuerung ahnungslos – genau das Bild versetzter Lagen ohne Fehlermeldung. Temperaturprobleme (a) zeigen andere Symptome, ein zu großes Rastmoment (c) führt nicht zu wachsendem Versatz, und eine niedrige Mikroschrittzahl (d) erklärt den kumulierten Lagenversatz nicht.

Welche Maßnahme verringert die Gefahr von Schrittverlusten am wirksamsten?

  • a) Den Motor möglichst abrupt auf hohe Drehzahl bringen
  • b) Das Rastmoment erhöhen
  • c) Mit Drehmomentreserve auslegen und über sanfte Beschleunigungsrampen hochfahren
  • d) Die Versorgungsspannung absenken

Richtig: c)

Genügend Drehmomentreserve und sanfte Rampen sorgen dafür, dass der Motor jeden Schritt schafft – das ist der direkte Hebel gegen Schrittverluste. Abruptes Beschleunigen (a) provoziert sie gerade, das Rastmoment (b) ist dafür nicht maßgeblich, und eine niedrigere Spannung (d) verschlechtert den Stromaufbau und damit das Drehmoment.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Hybrid-Schrittmotor hat einen Schrittwinkel von 1,8°. Wie viele Schritte braucht er für eine volle Umdrehung?

Gegeben: Schrittwinkel alpha_s = 1,8°

Gesucht: Schritte pro Umdrehung z

Lösungsweg:

  1. z = 360° / 1,8°

Ergebnis: z = 200 Schritte pro Umdrehung

Aufgabe 2: Ein Motor mit 0,9° Schrittwinkel führt 120 Schritte aus. Um welchen Winkel dreht er sich?

Gegeben: alpha_s = 0,9°; n = 120

Gesucht: Drehwinkel phi

Lösungsweg:

  1. phi = 120 · 0,9°

Ergebnis: phi = 108°

Aufgabe 3: Ein Motor mit 200 Vollschritten pro Umdrehung wird im 1/16-Mikroschritt betrieben. Wie viele effektive Schritte ergeben sich pro Umdrehung?

Gegeben: z = 200; Mikroschrittfaktor m = 16

Gesucht: effektive Schritte z_eff

Lösungsweg:

  1. z_eff = 200 · 16

Ergebnis: z_eff = 3200 Schritte pro Umdrehung

Aufgabe 4: Ein Antrieb mit 200 Vollschritten pro Umdrehung treibt eine Spindel mit 8 mm Steigung. Welcher Weg entspricht einem Vollschritt, und wie viele Vollschritte sind für 20 mm nötig?

Gegeben: z = 200; Spindelsteigung 8 mm; Weg s = 20 mm

Gesucht: Weg je Schritt; Schrittzahl n für 20 mm

Lösungsweg:

  1. Weg je Schritt = 8 mm / 200 = 0,04 mm
  2. n = 20 mm / 0,04 mm

Ergebnis: 0,04 mm je Schritt; n = 500 Schritte

What ist das wesentliche Merkmal des Schrittmotor-Betriebs ohne Geber?

  • a) Er steuert: Die Position folgt aus den abgezählten Schritten, ohne Rückmeldung
  • b) Er regelt seine Position ständig nach
  • c) Er misst seine Drehzahl über das Rastmoment
  • d) Er benötigt zwingend einen Lagesensor

Richtig: a)

Ohne Geber arbeitet der Schrittmotor gesteuert – die Position ergibt sich rechnerisch aus den vorgegebenen Schritten, ohne dass der Istwert zurückgeführt wird. b) und d) beschreiben eine Regelung, c) ist technisch unsinnig.

Ein Schrittmotor hat 48 Schritte pro Umdrehung. Welcher Bauart entspricht das am ehesten?

  • a) Hybrid-Schrittmotor mit 1,8°
  • b) Reluktanzmotor mit 0,9°
  • c) Hybrid-Schrittmotor mit 0,9°
  • d) Einfacher Permanentmagnet-Schrittmotor mit 7,5°

Richtig: d)

360° / 48 = 7,5° – ein grober Schrittwinkel, typisch für einfache Permanentmagnet-Bauarten. Hybridmotoren liegen bei feinen 1,8° (200 Schritte) oder 0,9° (400 Schritte), passen also nicht zu 48 Schritten.

Welche Aussage zum Halte- und Rastmoment ist richtig?

  • a) Das Rastmoment wirkt nur im bestromten Zustand
  • b) Das Haltemoment wirkt auch ohne Strom
  • c) Das Haltemoment wirkt im bestromten Stillstand, das Rastmoment auch stromlos bei PM-/Hybridmotoren
  • d) Beide Momente gibt es nur beim Reluktanzmotor

Richtig: c)

Das Haltemoment hält die Position bei bestromter Wicklung; das Rastmoment entsteht durch das Zusammenwirken von Dauermagnet und Statorzähnen und wirkt auch ohne Strom – daher nur bei PM- und Hybridmotoren. a) und b) vertauschen die Bedingungen, und d) ist falsch, weil der reine Reluktanzmotor stromlos gerade kein Rastmoment hat.

Im Halbschritt verglichen mit dem Vollschritt …

  • a) halbiert sich die Anzahl der Schritte pro Umdrehung
  • b) verdoppelt sich die Anzahl der Schritte pro Umdrehung
  • c) bleibt die Schrittzahl gleich, nur das Drehmoment steigt
  • d) vervierfacht sich die Schrittzahl

Richtig: b)

Der Halbschritt schaltet zwischen den Vollschrittstellungen je eine Zwischenstellung ein und verdoppelt so die Schrittzahl pro Umdrehung. Eine Halbierung (a) oder Vervierfachung (d) ist falsch, und die Schrittzahl bleibt nicht gleich (c).

Ein Motor mit 1,8° läuft im 1/4-Mikroschritt. Wie viele effektive Schritte pro Umdrehung ergeben sich?

  • a) 200
  • b) 400
  • c) 50
  • d) 800

Richtig: d)

360° / 1,8° = 200 geometrische Schritte, im 1/4-Mikroschritt das Vierfache: 200 · 4 = 800. 200 ist der Vollschritt, 400 der Halbschritt, 50 ergibt sich aus keiner sinnvollen Rechnung.

Warum muss man einen Schrittmotor für hohe Drehzahlen über eine Rampe beschleunigen?

  • a) Weil die Start-Stopp-Frequenz niedriger ist als die erreichbare Betriebsfrequenz und ein direkter Start mit hoher Frequenz zu Schrittverlusten führt
  • b) Weil sonst die Wicklung durchbrennt
  • c) Weil das Rastmoment den Start verhindert
  • d) Weil der Treiber sonst kein Richtungssignal erhält

Richtig: a)

Aus dem Stillstand kann der Motor nur bis zur Start-Stopp-Frequenz sofort anlaufen; höhere Drehzahlen erreicht er nur, wenn man ihn langsam dorthin beschleunigt. Ein direkter Sprung auf hohe Frequenz überfordert ihn und kostet Schritte. Durchbrennen (b), Rastmoment (c) und Richtungssignal (d) sind nicht der Grund.

Welche Ursache steckt hinter rauem Lauf und möglichen Schrittverlusten bei einer ganz bestimmten mittleren Drehzahl?

  • a) Eine durchgebrannte Wicklung
  • b) Resonanz, weil die Schrittfrequenz die Eigenfrequenz des Rotor-Schwingsystems trifft
  • c) Ein zu hohes Haltemoment
  • d) Eine falsche Spindelsteigung

Richtig: b)

Trifft die Schrittfrequenz die Eigenfrequenz des Systems, schaukeln sich die Schwingungen nach jedem Schritt auf – der Motor läuft rau und kann Schritte verlieren. Genau dass es nur bei bestimmten Drehzahlen auftritt, ist das Kennzeichen von Resonanz. Die anderen Ursachen erklären die Drehzahlabhängigkeit nicht.

Welcher Zusammenhang zwischen Wicklungsart und Ansteuerung ist korrekt?

  • a) Unipolar erfordert Wicklungen ohne Mittelanzapfung
  • b) Unipolar nutzt die Mittelanzapfung, bipolar kehrt die Stromrichtung durch die ganze Wicklung um
  • c) Bipolar erfordert eine Mittelanzapfung
  • d) Beide Ansteuerungen sind nur mit Reluktanzmotoren möglich

Richtig: b)

Die unipolare Ansteuerung verwendet die Mittelanzapfung und bestromt jeweils eine Wicklungshälfte in fester Richtung; bipolar wird die ganze Wicklung genutzt, indem die Stromrichtung umgekehrt wird. a) und c) vertauschen die Zuordnung, d) ist falsch.

Warum erkennt die Steuerung einen Schrittverlust im normalen Betrieb nicht?

  • a) Weil der Treiber den Fehler verschweigt
  • b) Weil der Motor den verlorenen Schritt selbsttätig nachholt
  • c) Weil ohne Lagerückführung niemand die tatsächliche Position mit dem Sollwert vergleicht
  • d) Weil Schrittverluste nur bei Servomotoren vorkommen

Richtig: c)

Im gesteuerten Betrieb gibt es keine Rückmeldung über die reale Position; die Steuerung zählt einfach weiter und bemerkt die Abweichung nicht. Der Motor holt den Schritt nicht nach (b), und Schrittverluste sind gerade ein Thema des Schrittmotors, nicht des Servos (d).

Ein Antrieb hat 200 Vollschritte pro Umdrehung und eine Spindel mit 5 mm Steigung. Wie viele Vollschritte sind für 15 mm Verfahrweg nötig?

  • a) 600
  • b) 75
  • c) 300
  • d) 3000

Richtig: a)

Schritte pro mm = 200 / 5 mm = 40; für 15 mm also 40 · 15 = 600 Schritte. 75 wäre der Weg-zu-Steigung-Quotient ohne Schrittzahl, 300 unterschätzt um die Hälfte, 3000 überschätzt um den Faktor fünf.

Welche Maßnahme verbessert vor allem die Laufruhe, nicht aber zwangsläufig die Positioniergenauigkeit?

  • a) Höheres Haltemoment
  • b) Mikroschrittbetrieb
  • c) Größere Spindelsteigung
  • d) Höhere Versorgungsspannung

Richtig: b)

Mikroschritt teilt jeden Vollschritt in kleinere Schritte und macht den Lauf ruhiger und leiser; die tatsächliche Genauigkeit bleibt durch Mechanik und Last begrenzt. Haltemoment, Spindelsteigung und Versorgungsspannung wirken sich anders aus und sind hier nicht gemeint.

Wozu dient der Chopper-Betrieb eines modernen Schrittmotortreibers?

  • a) Er zerhackt das Richtungssignal
  • b) Er reduziert die Schrittzahl
  • c) Er ersetzt den Lagesensor
  • d) Er regelt durch schnelles Ein- und Ausschalten den Wicklungsstrom auf einen Sollwert und hält das Drehmoment bis zu höheren Frequenzen

Richtig: d)

Der Chopper schaltet die Spannung schnell und regelt so den Strom gezielt; mit einer höheren Spannung treibt er den Strom rascher in die Wicklung und hält das Drehmoment bis zu höheren Schrittfrequenzen. Mit dem Richtungssignal (a), der Schrittzahl (b) oder einem Lagesensor (c) hat das nichts zu tun.

Glossar

Schrittmotor
Elektromotor, der sich in festen Winkelschritten dreht und dadurch ohne Lagerückführung positioniert werden kann.
Schrittwinkel
Winkel, um den sich der Rotor bei einem einzelnen Schritt weiterdreht; bestimmt die Anzahl der Schritte pro Umdrehung (z = 360° / Schrittwinkel).
Strang (Phase)
Zu einer Einheit zusammengefasste Statorwicklung, die bei Bestromung ein Magnetfeld erzeugt; übliche Schrittmotoren haben zwei Stränge.
Mittelanzapfung
Zusätzlicher Anschluss in der Mitte einer Wicklung, mit dem sich jede Wicklungshälfte einzeln und in fester Stromrichtung bestromen lässt; Grundlage der unipolaren Ansteuerung.
Reluktanz
Magnetischer Widerstand; beim Reluktanz-Schrittmotor richtet sich der Weicheisenrotor so aus, dass die Reluktanz minimal wird.
Hybrid-Schrittmotor
Bauart mit dauermagnetischem, fein verzahntem Rotor; vereint hohes Drehmoment und Rastmoment mit feinem Schrittwinkel und ist heute Standard.
Vollschritt
Betriebsart, in der die Stränge nur voll bestromt oder abgeschaltet werden; liefert das volle Schrittraster.
Halbschritt
Betriebsart mit einer Zwischenstellung je Vollschritt; verdoppelt die Schrittzahl pro Umdrehung.
Mikroschritt
Betriebsart mit feiner, näherungsweise sinusförmiger Stromaufteilung auf beide Stränge; verbessert vor allem die Laufruhe (z_eff = z · Mikroschrittfaktor).
Unipolare Ansteuerung
Betrieb mit Mittelanzapfung, bei dem der Strom in fester Richtung jeweils eine Wicklungshälfte durchfließt; einfache Elektronik, geringeres Drehmoment.
Bipolare Ansteuerung
Betrieb ohne Mittelanzapfung, bei dem die Stromrichtung durch die ganze Wicklung umgekehrt wird; aufwändigere Endstufe, höheres Drehmoment.
Schrittmotortreiber
Leistungselektronik (Endstufe), die aus Takt- und Richtungssignal die Strommuster für die Stränge erzeugt und den Strom regelt.
Chopper-Betrieb
Verfahren, bei dem der Treiber die Spannung schnell schaltet, um den Wicklungsstrom auf einen Sollwert zu regeln und das Drehmoment bis zu höheren Frequenzen zu halten.
Haltemoment
Größtes Drehmoment, mit dem ein bestromter Schrittmotor seine Position im Stillstand festhält.
Rastmoment
Kleines Drehmoment, das den Rotor bei Permanentmagnet- und Hybridmotoren auch im stromlosen Zustand in bestimmten Stellungen festhält.
Start-Stopp-Frequenz (Pull-in)
Höchste Schrittfrequenz, bei der der Motor aus dem Stillstand sofort anlaufen und stoppen kann, ohne Schritte zu verlieren.
Betriebsfrequenz (Pull-out)
Höhere Frequenz, bis zu der der Motor mit Last läuft, sofern er über eine Rampe dorthin beschleunigt wurde.
Schrittverlust
Ausbleiben eines Schritts durch Überlast, zu schnelle Beschleunigung oder Resonanz; bleibt ohne Lagerückführung unbemerkt und verschiebt die Position dauerhaft.
Scroll to Top