Motorkenngrößen: M-n-Kennlinie, Drehmoment, Leistung

Einmotor wird in der Antriebstechnik immer über zwei Größen beschrieben: das Drehmoment und die Drehzahl. Aus ihrem Produkt ergibt sich die mechanische Leistung an der Welle. Die M-n-Kennlinie zeigt, wie diese beiden Größen am Motor zusammenhängen, und legt zusammen mit der Lastkennlinie den Arbeitspunkt eines Antriebs fest. Wer Motoren auslegt, austauscht oder Störungen sucht, kommt an diesen drei Begriffen nicht vorbei.

Vorwissen

  • Drehbewegung und Drehmoment
  • Arbeit, Energie, Leistung
  • Gleichungen umstellen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Drehmoment, Drehzahl und Leistung an einer Motorwelle sicher unterscheiden und ineinander umrechnen
  • die charakteristischen Punkte einer M-n-Kennlinie benennen und einordnen
  • den Arbeitspunkt eines Antriebs aus Motor- und Lastkennlinie bestimmen
  • die drei typischen Lastkennlinien (konstant, linear, quadratisch) den passenden Maschinen zuordnen
  • das Beschleunigungsmoment beurteilen und einschätzen, ob ein Motor eine Last hochfährt

1. Drehmoment als Motorkenngröße

Was unterscheidet einen „starken“ Motor von einem „schwachen“? Nicht die Drehzahl — die kann durch ein Getriebe verändert werden. Entscheidend ist das Drehmoment, also die Drehwirkung, die der Motor an der Welle aufbringt.

Das Drehmoment entsteht aus Kraft mal Hebelarm:

M = F * r

  • M … Drehmoment in Nm
  • F … Kraft in N
  • r … Hebelarm in m

Am Motor wirkt diese Drehwirkung an der Antriebswelle. Den Hebelarm bildet der Radius, an dem die Kraft greift — z. B. der Bohrungsradius einer Riemenscheibe oder der Teilkreisradius eines Zahnrads.

Welle r F M

Am Motor sind nicht alle Drehmomente gleich — es gibt verschiedene Betriebspunkte mit eigenen Bezeichnungen:

  • Das Nennmoment M_N ist das Drehmoment, das der Motor bei Nenndrehzahl im Dauerbetrieb sicher abgeben kann, ohne thermisch zu überlasten. Es steht am Typenschild und ist die wichtigste Größe für die Auslegung.
  • Das Anlaufmoment M_A (auch Anzugsmoment) ist das Drehmoment unmittelbar nach dem Einschalten, wenn der Motor noch steht. Es entscheidet, ob die Last überhaupt in Bewegung kommt.
  • Das Kippmoment M_K ist das maximale Drehmoment, das der Motor überhaupt aufbringen kann. Wird es überschritten, „kippt“ der Motor — die Drehzahl bricht ein, der Antrieb bleibt stehen.
  • Das Leerlaufmoment ist das kleine Restmoment, das der Motor allein für Lager-, Lüfter- und Luftreibung aufbringen muss. Klein, aber nie null.

In der Praxis werden diese Momente oft als Verhältnis zum Nennmoment angegeben — typische Werte bei Drehstrom-Asynchronmotoren liegen bei M_A/M_N ≈ 1,8 bis 2,5 und M_K/M_N ≈ 2,5 bis 3,5. Daraus lassen sich die absoluten Werte schnell ableiten.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrom-Asynchronmotor hat ein Nennmoment von 25 Nm. Laut Typenschild liegt das Anlaufmomentverhältnis bei 2,2 und das Kippmomentverhältnis bei 2,8. Wie groß sind Anlaufmoment und Kippmoment?

Gegeben: M_N = 25 Nm, M_A / M_N = 2,2, M_K / M_N = 2,8

Gesucht: M_A in Nm, M_K in Nm

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Anlaufmoment: M_A = 2,2 · 25 Nm = 55 Nm
  2. Schritt 2 — Kippmoment: M_K = 2,8 · 25 Nm = 70 Nm

Ergebnis: M_A = 55 Nm, M_K = 70 Nm

Übungen

M_N = 100 Nm, M_A/M_N = 2,0. Wie groß ist M_A?

M_A = 200 Nm

Ein Motor hat M_N = 40 Nm und M_K/M_N = 2,5. Welches Kippmoment ergibt sich?

M_K = 100 Nm

An einer Spannrolle wirkt eine Kraft von 200 N am Radius 0,15 m. Welches Drehmoment muss der Motor aufbringen?

M = 200 N · 0,15 m = 30 Nm

Ein Motor mit M_N = 60 Nm soll am Anlauf 150 Nm liefern. Welches Anlaufmomentverhältnis M_A/M_N ist erforderlich?

M_A/M_N = 150 / 60 = 2,5

Ein Motor hat M_A = 80 Nm und M_K = 110 Nm bei M_N = 45 Nm. Die Last verlangt im Dauerbetrieb 40 Nm und kurzzeitig Spitzen von 120 Nm. Ist der Motor geeignet?

Der Dauerlast von 40 Nm steht M_N = 45 Nm gegenüber — passt. Die Spitze von 120 Nm liegt aber über M_K = 110 Nm — der Motor würde dabei kippen. Nicht geeignet.

Ein Motor hat ein Nennmoment von 50 Nm und ein Kippmoment von 130 Nm. Eine Maschine verlangt kurzzeitig 150 Nm. Was passiert beim Lastanstieg?

  • a) Die Drehzahl bricht ein, der Motor kippt und bleibt stehen.
  • b) Der Motor erhöht sein Drehmoment automatisch über das Kippmoment hinaus.
  • c) Die Drehzahl steigt, weil mehr Last gefordert wird.
  • d) Der Motor schaltet automatisch in eine höhere Leistungsstufe.

Richtig: a)

Das Kippmoment ist die obere Grenze des Motors. Wird sie überschritten, verlässt der Arbeitspunkt den stabilen Bereich der Kennlinie — Drehzahl bricht ein, der Motor kippt. b) ist falsch, weil der Motor sein maximales Moment nicht überschreiten kann. c) ist falsch — höhere Last bedeutet kleinere Drehzahl, nicht umgekehrt. d) ist Unsinn, klassische Motoren haben keine „Leistungsstufen“.

Warum ist das Anlaufmoment für Hubantriebe besonders kritisch, für Lüfter dagegen weniger?

  • a) Lüfter haben kein Lastmoment, Hubwerke schon.
  • b) Hubwerke verlangen schon im Stillstand das volle Lastmoment, Lüfter brauchen erst bei steigender Drehzahl mehr Moment.
  • c) Anlaufmomente sind bei Lüftern und Hubwerken physikalisch identisch.
  • d) Lüfter haben ein höheres Eigengewicht als Hubwerke.

Richtig: b)

Die Lastkennlinie eines Hubwerks ist konstant — die Last hängt am Seil, ob die Welle steht oder dreht. Bei einem Lüfter ist die Lastkennlinie quadratisch — bei Stillstand fast null Lastmoment, erst bei Nenndrehzahl voller Widerstand. Deshalb sind Hubantriebe beim Anlauf am kritischsten.

Welcher Wert wird am Typenschild eines Motors NICHT direkt angegeben?

  • a) Nenndrehzahl
  • b) Anlaufmoment in Nm
  • c) Nennleistung
  • d) Nennstrom

Richtig: b)

Am Typenschild stehen Nennleistung, Nennspannung, Nennstrom, Nenndrehzahl, Frequenz, Wirkungsgrad und Leistungsfaktor. Anlauf- und Kippmoment werden nur indirekt über Datenblätter und Anlaufkennzeichen angegeben (z. B. Anlaufstromverhältnis I_A/I_N). Das absolute Anlaufmoment muss man aus M_A/M_N und dem Nennmoment ableiten.

Wie verändert sich das Drehmoment, wenn dieselbe Kraft an einem doppelt so langen Hebelarm angreift?

  • a) Es bleibt gleich, weil der Hebelarm das Drehmoment nicht beeinflusst.
  • b) Es wird halbiert.
  • c) Es vervierfacht sich.
  • d) Es verdoppelt sich.

Richtig: d)

Aus M = F · r folgt direkt: doppelter Hebelarm bei gleicher Kraft gibt doppeltes Drehmoment. Vierfaches Drehmoment entsteht nur, wenn auch die Kraft verdoppelt würde.

2. Drehzahl als Motorkenngröße

Die Drehzahl gibt an, wie oft sich die Motorwelle pro Zeiteinheit dreht. Im deutschsprachigen Raum üblich ist die Angabe in 1/min (Umdrehungen pro Minute, oft auch „rpm“). In Formeln wird hingegen meist mit 1/s gerechnet, weil sich daraus direkt die Winkelgeschwindigkeit ergibt:

n_s = n / 60

  • n_s … Drehzahl in 1/s
  • n … Drehzahl in 1/min

Die Winkelgeschwindigkeit ω beschreibt nicht die Anzahl der Umdrehungen, sondern den überstrichenen Winkel pro Sekunde — gemessen im Bogenmaß (rad). Eine volle Umdrehung entspricht 2·π rad:

omega = 2 * pi * n_s

  • omega … Winkelgeschwindigkeit in rad/s
  • n_s … Drehzahl in 1/s
  • pi … Kreiszahl, etwa 3,1416

Setzt man n in 1/min ein, ergibt sich daraus die praxisübliche Form:

omega = 2 * pi * n / 60

  • omega … Winkelgeschwindigkeit in rad/s
  • n … Drehzahl in 1/min
ω Punkt auf der Welle 1 Umdrehung = 2π rad = 360° Beispiel: n = 1500 1/min n in 1/s: 25 1/s ω = 2π·n/60: 157,08 rad/s Bedeutung: 25 Umdrehungen je Sekunde, 157 rad Winkel je Sekunde überstrichen.

Wie beim Drehmoment unterscheidet man am Motor verschiedene Drehzahl-Begriffe:

  • Die Nenndrehzahl n_N ist die Drehzahl, mit der der Motor bei Nennspannung und Nennlast dauerhaft läuft. Sie steht am Typenschild.
  • Die Leerlaufdrehzahl n_0 ist die Drehzahl ohne mechanische Last (nur Eigenreibung). Sie liegt oberhalb der Nenndrehzahl.
  • Die Synchrondrehzahl n_s ist eine Besonderheit bei Drehstrommaschinen: die Drehzahl, mit der das vom Stator erzeugte Drehfeld umläuft. Sie ergibt sich aus Netzfrequenz und Polpaarzahl.

Bei Drehstrom-Asynchronmotoren bleibt die Läuferdrehzahl unter Last immer etwas hinter der Synchrondrehzahl zurück — diese Differenz heißt Schlupf und wird im eigenen Beitrag „Schlupf und M-n-Kennlinie beim ASM“ ausführlich behandelt. Bei Synchronmotoren dagegen läuft der Läufer exakt mit dem Drehfeld mit.

Gelöstes Beispiel

Ein Motor läuft mit der Nenndrehzahl 1450 1/min. Berechne die Winkelgeschwindigkeit.

Gegeben: n = 1450 1/min

Gesucht: ω in rad/s

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Drehzahl in 1/s umrechnen: n_s = 1450 / 60 = 24,17 1/s
  2. Schritt 2 — Winkelgeschwindigkeit: ω = 2 · π · 24,17 = 151,8 rad/s

Ergebnis: ω = 151,8 rad/s

Übungen

Ein Motor läuft mit n = 3000 1/min. Berechne ω in rad/s.

ω = 2π · 3000 / 60 = 314,16 rad/s

Eine Welle dreht sich mit ω = 314 rad/s. Wie hoch ist die Drehzahl in 1/min?

n = 314 · 60 / (2π) = 2998,5 1/min ≈ 3000 1/min

Ein Motor läuft mit 1450 1/min. Wie viele Umdrehungen schafft er in 1,5 s?

1450/60 · 1,5 = 36,25 Umdrehungen

Ein langsam laufender Antrieb dreht mit 900 1/min. Welcher Wert in 1/s entspricht das?

900 / 60 = 15 1/s

Die Synchrondrehzahl eines Motors beträgt 1500 1/min, die Nenndrehzahl 1455 1/min. Welche prozentuale Abweichung ergibt sich?

(1500 − 1455) / 1500 = 0,03 = 3 %

Welcher Zusammenhang zwischen Drehzahl und Winkelgeschwindigkeit ist korrekt?

  • a) ω = n / (2π)
  • b) ω = 2π · n bei n in 1/s
  • c) ω = π · n bei n in 1/min
  • d) ω = n · 60

Richtig: b)

Eine volle Umdrehung entspricht 2π rad. Pro Sekunde überstreicht die Welle also 2π mal die Anzahl der Umdrehungen, daher ω = 2π·n mit n in 1/s. Bei n in 1/min muss man durch 60 dividieren, was a) und d) ausschließt. c) verwendet π statt 2π und ist deshalb falsch.

Ein zweipoliger Asynchronmotor wird am 50-Hz-Netz betrieben. Welche Drehzahl gibt das Typenschild typischerweise an?

  • a) Genau 3000 1/min, weil das die Synchrondrehzahl ist.
  • b) Mehr als 3000 1/min, weil Motoren übersynchron laufen.
  • c) Genau 50 1/min, entsprechend der Frequenz.
  • d) Etwas unter 3000 1/min, weil ASM mit Schlupf laufen.

Richtig: d)

Bei einem zweipoligen ASM am 50-Hz-Netz beträgt die Synchrondrehzahl 3000 1/min. Der Läufer dreht aber mit Schlupf — typische Nenndrehzahlen liegen zwischen 2850 und 2950 1/min. a) ist die Synchrondrehzahl, nicht die Nenndrehzahl. b) ist physikalisch falsch — ASM laufen niemals schneller als die Synchrondrehzahl. c) verwechselt Frequenz und Drehzahl.

Ein Motor läuft mit ω = 100 rad/s. Welche Drehzahl in 1/min entspricht das ungefähr?

  • a) 100 1/min
  • b) 1000 1/min
  • c) 955 1/min
  • d) 6283 1/min

Richtig: c)

Aus n = ω · 60 / (2π) = 100 · 60 / 6,283 = 954,9 1/min. a) entspricht der Annahme n = ω in falschen Einheiten. b) ist eine ungeprüfte Schätzung. d) ist das Ergebnis ohne den Faktor 60 im Zähler statt im Nenner.

3. Mechanische Leistung des Motors

Drehmoment allein sagt wenig — es ist nur die Drehwirkung an der stehenden Welle. Erst wenn sich die Welle bewegt, leistet der Motor Arbeit. Die mechanische Leistung an der Welle entsteht aus dem Produkt von Drehmoment und Winkelgeschwindigkeit:

P = M * omega

  • P … Leistung in W
  • M … Drehmoment in Nm
  • omega … Winkelgeschwindigkeit in rad/s

Setzt man die übliche Praxisform ω = 2π·n/60 ein und rechnet die Leistung in kW, entsteht die in der Antriebstechnik beliebteste Formel:

P = M * n / 9550

  • P … Leistung in kW
  • M … Drehmoment in Nm
  • n … Drehzahl in 1/min

Die 9550 ist kein Naturkonstanten-Wert, sondern eine Abkürzung: 60000 / (2·π) ≈ 9549,3. Sie steckt die Umrechnung W → kW und 1/min → 1/s in einer Zahl zusammen.

In Österreich findet man auf älteren Maschinenschildern noch die Pferdestärke (PS). Sie ist keine SI-Einheit, kommt in der Praxis aber weiterhin vor:

P_PS = P_kW / 0,7355

  • P_PS … Leistung in PS
  • P_kW … Leistung in kW

Eine Wichtige Abgrenzung: Die Leistung am Typenschild ist immer die mechanische Wellenleistung — das, was der Motor an die angetriebene Maschine abgibt. Die elektrische Eingangsleistung liegt höher; die Differenz steckt in Verlusten (Reibung, Wärme, Magnetisierung). Wie sich diese Verluste auswirken, behandelt der Beitrag „Wirkungsgrad“.

Gelöstes Beispiel

Ein Standardmotor hat M_N = 100 Nm bei n_N = 1450 1/min. Berechne die Nennleistung in kW.

Gegeben: M_N = 100 Nm, n_N = 1450 1/min

Gesucht: P_N in kW

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Praxisformel anwenden: P_N = M_N · n_N / 9550 = 100 · 1450 / 9550
  2. Schritt 2 — Rechnen: P_N = 145000 / 9550 = 15,18 kW

Ergebnis: P_N ≈ 15,2 kW

Übungen

M = 30 Nm, n = 1500 1/min. Welche Leistung in kW liefert der Motor?

P = 30 · 1500 / 9550 = 4,71 kW

Ein 5,5-kW-Motor läuft mit 1455 1/min. Welches Nennmoment hat er?

M = 5,5 · 9550 / 1455 = 36,1 Nm

Ein Motor liefert 11 kW bei 2900 1/min. Berechne das Nennmoment.

M = 11 · 9550 / 2900 = 36,2 Nm

Welche Drehzahl muss ein Motor erreichen, um 9 kW bei M = 60 Nm zu liefern?

n = 9 · 9550 / 60 = 1432,5 1/min

Ein 4-kW-Motor läuft mit 1450 1/min. Eine Last verlangt bei dieser Drehzahl 28 Nm. Reicht der Motor?

Nennmoment = 4 · 9550 / 1450 = 26,3 Nm. Erforderlich sind 28 Nm — der Motor ist leicht überlastet, läuft im Dauerbetrieb thermisch nicht sicher. Nicht ausreichend.

Wie ändert sich die mechanische Leistung, wenn das Drehmoment verdoppelt und gleichzeitig die Drehzahl halbiert wird?

  • a) Sie bleibt gleich.
  • b) Sie verdoppelt sich.
  • c) Sie wird halbiert.
  • d) Sie vervierfacht sich.

Richtig: a)

P = M · n / 9550. Doppeltes M und halbiertes n heben sich auf — P bleibt unverändert. Genau dieses Verhalten ist die Grundidee jedes Getriebes: dasselbe Maschinenelement kann denselben Leistungsbedarf mit verschiedenen M-n-Kombinationen decken.

Ein Motor liefert 7,5 kW bei 2900 1/min. Wie groß ist das Nennmoment?

  • a) 7,5 Nm
  • b) 36,1 Nm
  • c) 24,7 Nm
  • d) 750 Nm

Richtig: c)

M = P · 9550 / n = 7,5 · 9550 / 2900 = 24,69 Nm. a) verwechselt kW mit Nm. b) ist das Ergebnis für 5,5 kW bei 1450 1/min — eine andere Aufgabe. d) lässt fälschlich den Faktor 100 stehen.

Zwei Motoren haben dieselbe Nennleistung von 4 kW. Motor A läuft mit 2900 1/min, Motor B mit 1450 1/min. Welche Aussage stimmt?

  • a) Beide haben das gleiche Nennmoment.
  • b) Motor B hat das doppelte Nennmoment von Motor A.
  • c) Motor A hat das doppelte Nennmoment von Motor B.
  • d) Das Verhältnis hängt vom Wirkungsgrad ab.

Richtig: b)

M = P · 9550 / n. Bei halbierter Drehzahl und gleicher Leistung verdoppelt sich das Drehmoment. Motor A: M ≈ 13,2 Nm; Motor B: M ≈ 26,3 Nm. Der Wirkungsgrad beeinflusst die elektrische Aufnahme, ändert aber nichts an der mechanischen Wellenleistung-Nenndrehzahl-Beziehung.

Welche Leistung in kW entspricht ungefähr 10 PS?

  • a) 10 kW
  • b) 13,6 kW
  • c) 6,8 kW
  • d) 7,36 kW

Richtig: d)

1 PS ≈ 0,7355 kW, also 10 PS ≈ 7,36 kW. a) ignoriert den Umrechnungsfaktor. b) und c) sind ungefähr Rechenfehler durch falsche Division oder Multiplikation.

4. Die M-n-Kennlinie verstehen

Drehmoment und Drehzahl am Motor stehen nicht unabhängig. Welches Drehmoment der Motor liefert, hängt davon ab, mit welcher Drehzahl er gerade läuft. Diesen Zusammenhang stellt die M-n-Kennlinie dar — das wichtigste Diagramm in der Antriebstechnik.

In der Antriebstechnik gilt eine feste Konvention: Auf der x-Achse steht die Drehzahl n, auf der y-Achse das Drehmoment M. So lässt sich gut erkennen, wie sich das Drehmoment vom Stillstand bis zur Leerlaufdrehzahl entwickelt.

n M M_A M_K Nennpunkt (M_N, n_N) n_0 n_N

Vier Punkte sind besonders aussagekräftig:

  • Beim Anlaufpunkt ist n = 0, der Motor steht. Das Drehmoment ist hier das Anlaufmoment M_A.
  • Mit steigender Drehzahl steigt das Drehmoment, bis es das Kippmoment M_K erreicht. Das ist der höchste Punkt der Kennlinie. Daneben liegt der Bereich, in dem der Motor instabil wird.
  • Etwas oberhalb der Kippstelle, bei der praktisch genutzten Drehzahl, liegt der Nennpunkt mit M_N und n_N. Hier ist der Motor für Dauerbetrieb ausgelegt.
  • Bei der Leerlaufdrehzahl n_0 sinkt das Drehmoment auf nahezu null. Mehr als diese Drehzahl kann der Motor aus eigener Kraft nicht erreichen.

Verschiedene Motorbauarten haben charakteristisch unterschiedliche Kennlinienformen:

Motortyp Kennlinie Verhalten
Drehstrom-Asynchronmotor flach und stark gekrümmt, mit ausgeprägtem Kippmoment Drehzahlstarr im Nennbereich, Drehzahl bricht aber bei Überlast schnell ein
Reihenschluss-Gleichstrommotor steil fallend, hohes Anlaufmoment Drehzahlweich, sehr hohes Anzugsmoment — typisch für Traktion und Anlasser
Synchronmotor senkrechte Linie bei n_s Drehzahl konstant, unabhängig vom Drehmoment bis zum Kippmoment

Die genauen Kennlinienverläufe für jeden Motortyp werden in den jeweiligen Beiträgen behandelt — wichtig hier ist, dass die M-n-Kennlinie über den groben Charakter des Motors bereits viel verrät. Eine flache Kennlinie heißt: bei Lastschwankungen ändert sich die Drehzahl kaum. Eine steile Kennlinie heißt: kleine Laständerungen bringen schon spürbare Drehzahlsprünge.

Wo liegt das Kippmoment in einer typischen ASM-Kennlinie?

  • a) Bei n = 0, also im Stillstand.
  • b) Bei der Leerlaufdrehzahl n_0.
  • c) Zwischen Anlauf und Nennpunkt, als höchster Punkt der Kennlinie.
  • d) Genau bei der Synchrondrehzahl.

Richtig: c)

Das Kippmoment ist der Maximalwert der M-n-Kennlinie. Bei einem ASM liegt es zwischen Stillstand und Nennpunkt — typischerweise bei rund 70–90 % der Synchrondrehzahl. a) ist das Anlaufmoment, das niedriger ist als M_K. b) bei n_0 ist das Moment praktisch null. d) bei n_s ist das Drehmoment ebenfalls null.

Eine Last steigt langsam an und drückt den Motor in den Bereich rechts vom Nennpunkt, näher zum Stillstand. Was passiert?

  • a) Die Drehzahl sinkt, der Motor bleibt aber innerhalb der stabilen Kennlinie.
  • b) Der Motor wird sofort gekippt und bleibt stehen.
  • c) Die Drehzahl steigt automatisch.
  • d) Das Drehmoment bricht ein.

Richtig: a)

Solange die Last unter M_K bleibt, läuft der Motor im stabilen Bereich. Mit steigender Last steigt das Motormoment entlang der Kennlinie, die Drehzahl sinkt. Erst beim Überschreiten von M_K (also links der Kippstelle) wird der Bereich instabil und der Motor kippt. b) gilt nur, wenn M_K überschritten wird. c) widerspricht dem… Kennlinienverlauf. d) ist das Verhalten beim Kippen.

Warum verläuft die Kennlinie eines Synchronmotors annähernd senkrecht?

  • a) Weil das Drehmoment immer null ist.
  • b) Weil die Drehzahl unabhängig vom Drehmoment immer der Synchrondrehzahl entspricht.
  • c) Weil Synchronmotoren keine Last vertragen.
  • d) Weil sie kein Kippmoment besitzen.

Richtig: b)

Synchronmotoren laufen exakt mit dem Statordrehfeld mit — die Drehzahl ist durch die Netzfrequenz und Polpaarzahl fixiert und ändert sich auch unter Last nicht. Das Drehmoment passt sich der Belastung an, die Drehzahl bleibt konstant. Erst beim Kippmoment fällt der Motor außer Tritt und bleibt stehen.

5. Lastkennlinie und Arbeitspunkt

Die M-n-Kennlinie beschreibt, was der Motor kann. Aber ein Motor steht selten allein — er treibt eine Maschine an. Wie der Antrieb sich tatsächlich verhält, entscheidet das Zusammenspiel von Motor- und Lastkennlinie.

Das Lastmoment M_L ist das Drehmoment, das die angetriebene Maschine vom Motor an der Welle verlangt. Es hängt typischerweise von der Drehzahl ab — und genau dieser Zusammenhang heißt Lastkennlinie. In der Praxis treten drei Grundtypen auf:

Lastkennlinie Verlauf M_L über n Typische Maschinen
Konstant M_L = const, unabhängig von n Hubwerke, Förderbänder mit konstanter Last, Kolbenkompressoren
Linear M_L proportional zu n Kalander, Walzwerke, Glättwerke
Quadratisch M_L proportional zu n² Kreiselpumpen, Lüfter, Ventilatoren, Gebläse

Im Diagramm wird die Lastkennlinie über die Motorkennlinie gelegt. Der Arbeitspunkt ist the Schnittpunkt der beiden Kurven. Genau hier ist das, was der Motor liefert, gleich dem, was die Last fordert — der Antrieb läuft stationär.

n M Motor M(n) konstantes Lastmoment quadratische Last Arbeitspunkt

Die beiden Lastkennlinien im Diagramm enden beide etwa beim Nennpunkt des Motors — sie ergeben dort denselben Arbeitspunkt. Der große Unterschied liegt im Anlaufverhalten: Bei der konstanten Last verlangt die Maschine schon im Stillstand das volle Lastmoment. Bei der quadratischen Last ist das Lastmoment bei n = 0 praktisch null — die Last lässt sich „leicht“ anrucken.

Solange Motorkennlinie und Lastkennlinie nicht im Arbeitspunkt liegen, gilt:

M_b = M_M – M_L

  • M_b … Beschleunigungsmoment in Nm
  • M_M … Motormoment in Nm
  • M_L … Lastmoment in Nm

Das Beschleunigungsmoment M_b entscheidet über die Drehzahländerung:

  • M_b > 0: Motor beschleunigt, Drehzahl steigt.
  • M_b = 0: Stationärer Arbeitspunkt erreicht.
  • M_b < 0: Motor bremst, Drehzahl sinkt.

Für den Hochlauf eines Antriebs muss die Motorkennlinie über die gesamte Anlaufstrecke oberhalb der Lastkennlinie liegen. Schneiden sich beide vor dem Nennpunkt, bleibt der Motor in diesem ungünstigen Punkt hängen.

Gelöstes Beispiel

Ein Motor liefert beim Anlauf 80 Nm. Die Last verlangt im Stillstand 50 Nm. Wie groß ist das Beschleunigungsmoment?

Gegeben: M_M = 80 Nm, M_L = 50 Nm

Gesucht: M_b in Nm

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Beschleunigungsmoment: M_b = M_M − M_L = 80 Nm − 50 Nm = 30 Nm

Ergebnis: M_b = 30 Nm — positiv, der Antrieb beschleunigt.

Übungen

Motormoment 60 Nm, Lastmoment 40 Nm. Wie groß ist M_b?

M_b = 60 − 40 = 20 Nm (Motor beschleunigt)

Ein Motor hat M_A = 120 Nm. Die Last verlangt beim Anlauf 100 Nm. Welches Beschleunigungsmoment steht zur Verfügung?

M_b = 120 − 100 = 20 Nm

Im stationären Nennpunkt zeigt der Motor M_M = 45 Nm, die Last hat M_L = 45 Nm. Wie groß ist M_b? Was bedeutet das?

M_b = 0 Nm. Es liegt kein Beschleunigungsmoment vor — die Drehzahl bleibt konstant.

Eine Pumpe hat bei n = 1450 1/min ein Lastmoment von 60 Nm und bei n = 725 1/min ein Lastmoment von 15 Nm. Welcher Kennlinientyp liegt vor?

Die Drehzahl wird halbiert, das Lastmoment fällt auf ein Viertel (60 → 15). Das ist ein quadratisches Verhalten — typische Kreiselpumpe.

Ein Motor hat M_K = 90 Nm. Eine Last verlangt konstant 120 Nm. Was passiert beim Einschalten?

Das Lastmoment liegt über dem Kippmoment des Motors. Der Motor kann das Lastmoment nirgendwo im Kennlinienverlauf aufbringen — der Antrieb läuft nicht hoch und bleibt im Stillstand. Bei längerer Einschaltzeit folgt thermische Überlastung.

Welcher Lastkennlinientyp gehört zu einem Kreiselpumpenantrieb?

  • a) Quadratisch
  • b) Konstant
  • c) Linear
  • d) Hyperbolisch

Richtig: a)

Bei Kreiselpumpen und Strömungsmaschinen wächst der Strömungswiderstand mit dem Quadrat der Drehzahl. Im Anlauf ist das Lastmoment deshalb gering, im Nennbetrieb hoch. b) gehört zu Hubwerken. c) zu Walzwerken. d) ist kein praktisch relevanter Typ.

Im stationären Arbeitspunkt gilt:

  • a) M_M ist immer maximal.
  • b) M_M = M_L, die Drehzahl bleibt konstant.
  • c) M_b ist maximal.
  • d) Die Drehzahl steigt weiter linear.

Richtig: b)

Stationär heißt: keine Drehzahländerung, also kein Beschleunigungsmoment. Das setzt voraus, dass Motor- und Lastmoment gleich groß sind. a) und c) widersprechen dem stationären Zustand. d) ist der Beschleunigungsfall, nicht der stationäre Punkt.

Warum ist das Anlaufverhalten bei Hubwerken kritischer als bei Pumpen?

  • a) Hubwerke haben ein quadratisches Lastmoment.
  • b) Pumpen haben höhere Anlaufmomente.
  • c) Bei Hubwerken hängt das volle Lastmoment schon im Stillstand am Motor.
  • d) Hubwerke laufen mit niedrigerer Drehzahl.

Richtig: c)

Bei Hubwerken ist die Lastkennlinie konstant — die Last hängt am Seil unabhängig von der Drehzahl. Der Motor muss schon beim Anlauf das volle Lastmoment aufbringen. Bei Pumpen wächst das Lastmoment erst mit der Drehzahl, der Anlauf ist deshalb entspannt. a) ist falsch (umgekehrt). b) ist eine motorseitige, keine lastseitige Aussage. d) hat mit dem Anlaufverhalten nichts zu tun.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Motor hat ein Nennmoment von 35 Nm. Laut Datenblatt liegt M_A/M_N bei 2,2 und M_K/M_N bei 2,6. Berechne Anlauf- und Kippmoment.

Gegeben: M_N = 35 Nm, M_A/M_N = 2,2, M_K/M_N = 2,6

Gesucht: M_A, M_K in Nm

Lösungsweg:

  1. M_A = 2,2 · 35 = 77 Nm
  2. M_K = 2,6 · 35 = 91 Nm

Ergebnis: M_A = 77 Nm, M_K = 91 Nm

Aufgabe 2: An einer Welle wird mit einer Drehmomentschlüsselverlängerung von 0,4 m eine Kraft von 250 N gemessen. Welches Drehmoment liegt an?

Gegeben: F = 250 N, r = 0,4 m

Gesucht: M in Nm

Lösungsweg:

  1. M = F · r = 250 · 0,4 = 100 Nm

Ergebnis: M = 100 Nm

Aufgabe 3: Ein Motor läuft mit n = 2870 1/min. Berechne die Winkelgeschwindigkeit in rad/s.

Gegeben: n = 2870 1/min

Gesucht: ω in rad/s

Lösungsweg:

  1. ω = 2π · n / 60 = 2 · 3,1416 · 2870 / 60 = 300,5 rad/s

Ergebnis: ω ≈ 300,5 rad/s

Aufgabe 4: Eine Welle dreht mit ω = 157 rad/s. Welche Drehzahl entspricht das in 1/min?

Gegeben: ω = 157 rad/s

Gesucht: n in 1/min

Lösungsweg:

  1. n = ω · 60 / (2π) = 157 · 60 / 6,283 = 1499,3 1/min

Ergebnis: n ≈ 1499,3 1/min

Aufgabe 5: Ein Motor liefert M = 45 Nm bei n = 1450 1/min. Berechne die Wellenleistung in kW.

Gegeben: M = 45 Nm, n = 1450 1/min

Gesucht: P in kW

Lösungsweg:

  1. P = M · n / 9550 = 45 · 1450 / 9550 = 6,83 kW

Ergebnis: P ≈ 6,83 kW

Aufgabe 6: Ein zweipoliger Standardmotor hat 11 kW bei 2900 1/min. Wie groß ist das Nennmoment?

Gegeben: P = 11 kW, n = 2900 1/min

Gesucht: M in Nm

Lösungsweg:

  1. M = P · 9550 / n = 11 · 9550 / 2900 = 36,2 Nm

Ergebnis: M ≈ 36,2 Nm

Aufgabe 7: Ein Motor hat ein Anlaufmoment von 200 Nm. Eine Last verlangt im Stillstand 130 Nm. Wie groß ist das Beschleunigungsmoment im Anlauf?

Gegeben: M_A = 200 Nm, M_L = 130 Nm

Gesucht: M_b in Nm

Lösungsweg:

  1. M_b = M_A − M_L = 200 − 130 = 70 Nm

Ergebnis: M_b = 70 Nm — der Antrieb beschleunigt zügig.

Aufgabe 8: Eine Pumpe mit quadratischer Lastkennlinie verlangt bei n = 1500 1/min ein Lastmoment von 120 Nm. Welches Lastmoment ergibt sich bei der halben Drehzahl (750 1/min)?

Gegeben: M_L(1500) = 120 Nm, Lastverhalten quadratisch

Gesucht: M_L(750)

Lösungsweg:

M_L proportional zu n². Bei halber Drehzahl entsteht das Viertel des Lastmoments:

  1. M_L(750) = 120 · (750/1500)² = 120 · 0,25 = 30 Nm

Ergebnis: M_L = 30 Nm

Welcher Wert lässt sich direkt aus 7,5 kW und 1450 1/min als Nennmoment berechnen?

  • a) 49,4 Nm
  • b) 7,5 Nm
  • c) 1450 Nm
  • d) 5,17 Nm

Richtig: a)

M = P · 9550 / n = 7,5 · 9550 / 1450 = 49,4 Nm. b) verwechselt Einheiten, c) übernimmt die Drehzahl als Moment, d) ist das Ergebnis ohne den Faktor 9550.

Ein Motor wird durch ein quadratisches Lastmoment belastet. Im Anlauf gilt für das Beschleunigungsmoment:

  • a) Es ist null, weil der Motor steht.
  • b) Es ist negativ, weil das Lastmoment immer überwiegt.
  • c) Es ist hoch, weil das Lastmoment bei kleiner Drehzahl klein ist.
  • d) Es spielt für den Anlauf keine Rolle.

Richtig: c)

Bei quadratischem Lastmoment ist M_L bei n = 0 nahezu null. Das volle Anlaufmoment steht damit als Beschleunigungsmoment zur Verfügung. a) und b) widersprechen dem quadratischen Verhalten. d) verkennt den Hochlaufprozess.

Welche Aussage zum Kippmoment ist richtig?

  • a) Es entspricht dem Anlaufmoment.
  • b) Es liegt immer bei der Synchrondrehzahl.
  • c) Es tritt nur bei Synchronmotoren auf.
  • d) Es ist das maximale Drehmoment der Kennlinie und begrenzt die maximal zulässige Last.

Richtig: d)

M_K ist der höchste Punkt der M-n-Kennlinie. Überschreitet die Last M_K, fällt der Arbeitspunkt aus dem stabilen Bereich, der Motor kippt. a) ist nur näherungsweise und nur in Ausnahmefällen richtig. b) wäre der Leerlauf, dort ist M ≈ 0. c) ist falsch — Asynchronmotoren haben das ausgeprägteste Kippmoment.

Welche Lastkennlinie ist bei einem Förderband mit konstanter Beladung am ehesten zu erwarten?

  • a) Hyperbolisch
  • b) Quadratisch
  • c) Linear ansteigend
  • d) Konstant

Richtig: d)

Bei einem Förderband mit gleichbleibender Beladung ist die Belastung unabhängig von der Drehzahl — sobald sich das Band bewegt, hängt immer dasselbe Gewicht am Antrieb. b) und c) gehören zu Pumpen bzw. Walzwerken. a) ist kein praktischer Standardtyp.

Ein vierpoliger ASM am 50-Hz-Netz hat welche Synchrondrehzahl?

  • a) 1500 1/min
  • b) 3000 1/min
  • c) 750 1/min
  • d) 1450 1/min

Richtig: a)

Synchrondrehzahl n_s = 60·f / p mit p als Polpaarzahl. Bei vierpoligem Motor ist p = 2, also n_s = 60·50/2 = 1500 1/min. b) wäre zweipolig (p = 1). c) wäre achtpolig (p = 4). d) ist die Nenndrehzahl unter Schlupf.

Eine Maschine verlangt im Dauerbetrieb 40 Nm. Welcher Motor ist NICHT geeignet?

  • a) M_N = 50 Nm, M_K = 130 Nm
  • b) M_N = 60 Nm, M_K = 150 Nm
  • c) M_N = 35 Nm, M_K = 90 Nm
  • d) M_N = 45 Nm, M_K = 110 Nm

Richtig: c)

Im Dauerbetrieb muss M_N über dem Lastmoment liegen. Bei c) ist M_N = 35 Nm kleiner als die geforderten 40 Nm — der Motor ist dauerthermisch überlastet, auch wenn M_K reichlich Reserve bietet. Die anderen Motoren haben jeweils M_N ≥ 40 Nm und damit ausreichend Reserve.

Welche Größe steht NICHT auf dem Typenschild eines Drehstrom-Asynchronmotors?

  • a) Nennstrom
  • b) Nennspannung
  • c) Kippmoment in Nm
  • d) Nenndrehzahl

Richtig: c)

Das Typenschild zeigt elektrische und mechanische Nennwerte: Spannung, Strom, Leistung, Drehzahl, Frequenz, Wirkungsgrad, Leistungsfaktor. Anlauf- und Kippmoment stehen nicht direkt am Typenschild, sondern werden über Datenblätter oder das Anlaufkennzeichen kommuniziert.

Welche Aussage über die Formel P = M·n/9550 stimmt?

  • a) Sie liefert P in W, wenn n in 1/s eingesetzt wird.
  • b) Die Konstante 9550 kommt von 60·(2π).
  • c) Sie ist eine Näherung mit unbekanntem Genauigkeitsverlust.
  • d) Sie liefert P in kW, wenn M in Nm und n in 1/min eingesetzt werden.

Richtig: d)

Die Formel ist eine exakte Praxisform für M in Nm, n in 1/min, P in kW. Die 9550 entsteht aus 60·1000 / (2π), nicht 60·(2π). a) und b) sind falsch. c) ist falsch — die Formel ist exakt, abgesehen von Rundung der Zahl 9549,3.

Was passiert, wenn das Lastmoment im Anlauf größer als das Motormoment an dieser Drehzahl ist?

  • a) Der Motor wird beschleunigt.
  • b) Die Drehzahl steigt langsam weiter.
  • c) Der Motor bleibt in einem ungewollten Punkt hängen oder kommt gar nicht hoch.
  • d) Das Beschleunigungsmoment wird größer.

Richtig: c)

Sobald die Lastkennlinie über der Motorkennlinie liegt, ist M_b = M_M − M_L negativ. Der Motor kann die Last nicht weiter beschleunigen und bleibt im Schnittpunkt mit der Lastkennlinie hängen. Bei längerem Stillstand unter Strom folgt die thermische Überlastung. a), b) und d) widersprechen einem negativen Beschleunigungsmoment.

Ein 4-poliger Motor läuft mit 1450 1/min am 50-Hz-Netz. Wie groß ist der Schlupf prozentual?

  • a) 0 %
  • b) 3,3 %
  • c) 50 %
  • d) 96,7 %

Richtig: b)

Synchrondrehzahl n_s = 1500 1/min, Läuferdrehzahl 1450 1/min. Schlupf s = (n_s − n)/n_s = 50/1500 = 0,033 = 3,3 %. a) wäre Synchronlauf, d) ist (1 − Schlupf), c) hat mit dem Schlupf nichts zu tun.

Welche Leistung in PS entspricht ungefähr 22 kW?

  • a) 22 PS
  • b) 16,2 PS
  • c) 35,8 PS
  • d) 29,9 PS

Richtig: d)

P_PS = P_kW / 0,7355 = 22 / 0,7355 ≈ 29,9 PS. a) ignoriert den Faktor. c) hat einen Rechenfehler. b) entsteht durch falsche Division.

Bei einem Ventilatorantrieb fällt die Drehzahl von 1500 1/min auf 750 1/min. Wie verändert sich das Lastmoment (quadratische Lastkennlinie)?

  • a) Es halbiert sich.
  • b) Es geht auf ein Viertel zurück.
  • c) Es bleibt gleich.
  • d) Es verdoppelt sich.

Richtig: b)

Bei quadratischem Verhalten geht eine Halbierung der Drehzahl mit einer Viertelung des Lastmoments einher: (1/2)² = 1/4. a) wäre linear, c) konstant. d) verkennt die Richtung.

Glossar

Nennmoment (M_N)
Drehmoment, das ein Motor bei Nennspannung und Nenndrehzahl im Dauerbetrieb thermisch zulässig abgeben kann.
Anlaufmoment (M_A)
Drehmoment, das der Motor unmittelbar beim Einschalten aus dem Stillstand entwickelt. Entscheidend dafür, ob die Last überhaupt in Bewegung kommt.
Kippmoment (M_K)
Maximales Drehmoment der M-n-Kennlinie. Bei Überschreitung verlässt der Arbeitspunkt den stabilen Bereich und der Motor kippt.
Nenndrehzahl (n_N)
Drehzahl, mit der der Motor bei Nennspannung und Nennlast dauerhaft läuft.
Leerlaufdrehzahl (n_0)
Drehzahl ohne mechanische Last, nur unter Eigenreibung. Liegt oberhalb der Nenndrehzahl.
Synchrondrehzahl (n_s)
Bei Drehstrommaschinen die Drehzahl des Statordrehfeldes; ergibt sich aus Netzfrequenz und Polpaarzahl.
M-n-Kennlinie
Diagramm des Motordrehmoments in Abhängigkeit von der Drehzahl. Konvention: n auf der x-Achse, M auf der y-Achse.
Lastkennlinie
Verlauf des Lastmoments einer angetriebenen Maschine über der Drehzahl. Typische Formen: konstant, linear, quadratisch.
Arbeitspunkt
Schnittpunkt von Motor- und Lastkennlinie. Im Arbeitspunkt gilt M_Motor = M_Last und der Antrieb läuft stationär.
Beschleunigungsmoment (M_b)
Differenz zwischen Motormoment und Lastmoment. Positives M_b führt zu Drehzahlanstieg, negatives zu Drehzahlabfall.

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