Bremsverfahren bei Asynchronmotoren

Ein Asynchronmotor schaltet man aus — und er dreht trotzdem noch weiter. Je nach MassentrĂ€gheit der angetriebenen Last kann das einige Sekunden dauern, manchmal auch lĂ€nger. FĂŒr viele Maschinen ist das kein Problem. FĂŒr HebebĂŒhnen, SĂ€gemaschinen oder FörderbĂ€nder mit Positionieraufgabe schon. Genau dort kommen elektrische Bremsverfahren ins Spiel: Sie wirken aktiv gegen die Drehbewegung — ohne mechanische Bremse, ohne Verschleiß an BremsbelĂ€gen.

Drei Verfahren haben sich in der Praxis durchgesetzt: die Gegenstrombremsung, die Nutzbremsung (generatorischer Betrieb) und die Gleichstrombremsung. Jedes greift auf andere Weise in das elektromagnetische Geschehen im Motor ein, jedes hat seine typischen Einsatzgebiete.

Vorwissen

  • Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
  • Schlupf und M-n-Kennlinie beim ASM
  • Drehfeld

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Die drei elektrischen Bremsverfahren fĂŒr Asynchronmotoren erklĂ€ren und voneinander abgrenzen
  • Das Prinzip der Gegenstrombremsung beschreiben und die Notwendigkeit eines DrehzahlwĂ€chters begrĂŒnden
  • Den generatorischen Betrieb und die Rolle von Bremswiderstand und Bremschopper erlĂ€utern
  • Das Wirkprinzip der Gleichstrombremsung erklĂ€ren und typische Anwendungen nennen
  • Die Verfahren nach Bremswirkung, Energieverhalten und Einsatzzweck vergleichen

1. Warum bremsen? – Das Problem der MassentrĂ€gheit

Jeder rotierende Körper besitzt ein MassentrĂ€gheitsmoment — je grĂ¶ĂŸer und schwerer er ist, desto mehr Energie steckt in seiner Drehbewegung. Wenn der Motor abgeschaltet wird, lĂ€uft er durch diese gespeicherte Energie weiter. Man spricht vom Auslaufverhalten des Antriebs.

Bei einem kleinen LĂŒftermotor ist das unproblematisch. Ganz anders sieht es aus, wenn ein SĂ€geblatt nach dem Abschalten noch 15 Sekunden dreht, eine Förderbahn nicht exakt an der Zielposition stoppt oder ein Kran eine hĂ€ngende Last nicht sofort fixiert. Hier ist gezieltes Bremsen nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern der Sicherheit.

Der Bremsweg — also die Anzahl der Umdrehungen bis zum Stillstand — und die Bremszeit hĂ€ngen direkt vom MassentrĂ€gheitsmoment der Last und vom erzeugten Bremsmoment ab. Je grĂ¶ĂŸer das Bremsmoment, desto kĂŒrzer der Weg.

Mechanisches vs. elektrisches Bremsen

Die einfachste Lösung ist eine mechanische Bremse: Bremsbacken oder Bremsscheibe pressen gegen den Rotor oder die Welle. Das funktioniert zuverlĂ€ssig, erzeugt aber WĂ€rme, verschleißt BremsbelĂ€ge und erfordert regelmĂ€ĂŸige Wartung.

Elektrische Bremsverfahren greifen stattdessen ins elektromagnetische Innenleben des Motors ein. Sie erzeugen ein Bremsmoment ĂŒber das Magnetfeld — ohne mechanischen Kontakt, ohne Reibverschleiß. Das macht sie fĂŒr hĂ€ufig bremsende Antriebe besonders wirtschaftlich.

Überblick der drei Verfahren:

Verfahren Prinzip Hauptmerkmal
Gegenstrombremsung Drehfeld wird umgekehrt Sehr hohes Bremsmoment, hohe Verluste
Nutzbremsung Motor arbeitet generatorisch EnergierĂŒckspeisung möglich
Gleichstrombremsung Statisches Magnetfeld im StĂ€nder Sanftes, verschleißfreies Bremsen

Warum lÀuft ein Asynchronmotor nach dem Abschalten noch weiter?

  • a) Weil das Netz noch kurz Strom liefert
  • b) Weil die Wicklung einen Schwingkreis bildet
  • c) Wegen der Restmagnetisierung des StĂ€nderkerns
  • d) Wegen der im rotierenden System gespeicherten kinetischen Energie

Richtig: d)

Die kinetische Energie der rotierenden masse (Rotor + angetriebene Last) hĂ€lt die Bewegung aufrecht. Das Netz liefert nach dem Abschalten keinen Strom mehr; Restmagnetisierung allein reicht fĂŒr weiteres Drehen nicht aus.

Ein SĂ€geblatt mit großem MassentrĂ€gheitsmoment soll nach dem Abschalten möglichst schnell stoppen. Welche Aussage ist korrekt?

  • a) MassentrĂ€gheitsmoment und Bremsmoment bestimmen gemeinsam Bremsweg und Bremszeit
  • b) Ein grĂ¶ĂŸeres MassentrĂ€gheitsmoment verkĂŒrzt die Bremszeit automatisch
  • c) Ein grĂ¶ĂŸeres Bremsmoment verlĂ€ngert den Bremsweg
  • d) Bremszeit hĂ€ngt ausschließlich von der Motordrehzahl ab

Richtig: a)

Bremszeit und -weg ergeben sich aus dem VerhĂ€ltnis zwischen gespeicherter Energie (bestimmt durch MassentrĂ€gheitsmoment und Drehzahl) und dem aufgebrachten Bremsmoment. Beide GrĂ¶ĂŸen sind maßgeblich.

2. Gegenstrombremsung

Wer schon einmal an einem laufenden Motor zwei Phasen vertauscht hat, kennt das Ergebnis: Der Motor versucht sofort, in die andere Richtung zu drehen. Genau diesen Effekt nutzt die Gegenstrombremsung — allerdings kontrolliert und nur bis zum Stillstand.

Prinzip

Im normalen Motorbetrieb dreht das Drehfeld im StĂ€nder in eine Richtung, der Rotor folgt mit leichtem RĂŒckstand (Schlupf). Beim Gegenstrombremsen werden zwei der drei Außenleiter am Motor miteinander vertauscht. Das StĂ€nderdrehfeld dreht damit augenblicklich in die entgegengesetzte Richtung, wĂ€hrend der Rotor noch in der alten Richtung dreht. Der Relativschlupf zwischen Drehfeld und Rotor ist jetzt fast doppelt so groß wie im Anlaufmoment — das Bremsmoment ist entsprechend hoch.

Auf der M-n-Kennlinie (mehr dazu im Beitrag „Schlupf und M-n-Kennlinie beim ASM“) entspricht dieser Zustand dem Betrieb im Bereich s > 1, also oberhalb des normalen Anlaufs. Der Motor bremst kraftvoll.

Wirkung auf die M-n-Kennlinie

Das vollstĂ€ndige Bremsverhalten lĂ€sst sich nur ĂŒber alle Quadranten der M-n-Kennlinie nachvollziehen. Das SVG weiter unten in diesem Kapitel zeigt schematisch, wie der Arbeitspunkt beim Phasentausch vom motorischen Bereich in den Gegenstrombremsbetrieb springt.

n M 0 n₀ −n₀ Motorbetrieb Gegenstrombremsung (Arbeitspunkt) Nutzbremsung (n > n₀) Gegenstrom- bremsung (s > 1) Motorischer Betrieb (0 < s < 1) Motorbetrieb Gegenrichtung Nutzbremsung / Generator (s < 0) Phasentausch Motorischer Betrieb Gegenstrombremsung Nutzbremsung (Generator) M-n-Kennlinie des Asynchronmotors – Bremsquadranten

Die rote Kennlinie zeigt, was beim Phasentausch passiert: Der Arbeitspunkt springt aus dem motorischen Bereich (blau, rechts oben) schlagartig auf die Gegenstrombremskurve. Das dort wirkende Drehmoment ist stark und bremsend — aber der Motor wĂŒrde nach Erreichen des Stillstands sofort in Gegenrichtung anlaufen, wenn man ihn nicht rechtzeitig abschaltet.

DrehzahlwÀchter als Abschaltbedingung

Das ist das entscheidende Problem der Gegenstrombremsung: Sie bremst zuverlĂ€ssig bis Null — schaltet man nicht rechtzeitig ab, kehrt die Drehrichtung um. Deshalb ist ein DrehzahlwĂ€chter (auch Drehzahlrelais oder Nulldrehzahlschalter) zwingend erforderlich. Er erkennt den Stillstand und trennt den Motor sofort vom Netz, bevor er in Gegenrichtung hochlĂ€uft.

Thermische Belastung

Die Gegenstrombremsung ist energetisch teuer. Die gesamte kinetische Energie der Last plus die aus dem Netz aufgenommene elektrische Energie werden als WĂ€rme im LĂ€uferwiderstand vernichtet. Bei hĂ€ufigen Bremszyklen oder großen Massen kann das zur thermischen Überlastung des Motors fĂŒhren. Daher ist die Gegenstrombremsung eher fĂŒr gelegentliche Schnellstopps geeignet, nicht fĂŒr Dauerbetrieb mit vielen BremsvorgĂ€ngen pro Stunde.

Vor- und Nachteile

Gegenstrombremsung
Bremswirkung Sehr hoch
Bremszeit Kurz
Energieverluste Sehr hoch (alles als WĂ€rme)
Thermische Belastung Hoch
Zusatzaufwand DrehzahlwÀchter zwingend nötig
Typischer Einsatz Schnellstopp, gelegentliche Reversierung

Warum ist bei der Gegenstrombremsung ein DrehzahlwÀchter zwingend erforderlich?

  • a) Um den Bremsstrom zu begrenzen
  • b) Um die Phasenfolge zu ĂŒberwachen
  • c) Weil sonst der Motorschutzschalter auslöst
  • d) Weil der Motor ohne Abschaltung nach Stillstand in Gegenrichtung anlaufen wĂŒrde

Richtig: d)

Nach dem Phasentausch wirkt das nun entgegengesetzt drehende Drehfeld nicht nur bremsend, sondern wĂŒrde den Motor — ohne rechtzeitige Abschaltung — in die Gegenrichtung beschleunigen. Der DrehzahlwĂ€chter erkennt den Stillstand und trennt das Netz.

Ein Asynchronmotor wird durch Gegenstrombremsung gestoppt. Was passiert mit der kinetischen Energie der Last?

  • a) Sie wird ins Netz zurĂŒckgespeist
  • b) Sie wird im Bremswiderstand vernichtet
  • c) Sie wird als WĂ€rme im Motor dissipiert
  • d) Sie wird im Kondensatorbank zwischengespeichert

Richtig: c)

Bei der Gegenstrombremsung wird die kinetische Energie der Last zusammen mit der aus dem Netz aufgenommenen elektrischen Energie vollstĂ€ndig als WĂ€rme im Motor (Stator- und Rotorwiderstand) vernichtet. Es gibt keine EnergierĂŒckspeisung.

In welchem Schlupfbereich arbeitet der Asynchronmotor wÀhrend der Gegenstrombremsung?

  • a) s > 1
  • b) 0 < s < 1
  • c) s = 0
  • d) s < 0

Richtig: a)

Im normalen Motorbetrieb liegt der Schlupf zwischen 0 und 1. Bei der Gegenstrombremsung dreht das Feld entgegen der Rotordrehrichtung — der effektive Schlupf ĂŒbersteigt den Wert 1, was dem Betrieb jenseits des Kipppunkts entspricht.

3. Nutzbremsung – generatorischer Betrieb

Nicht jedes Bremsen bedeutet, dass Energie vernichtet werden muss. Wenn ein Asynchronmotor schneller dreht als sein Drehfeld — also schneller als die synchrone Drehzahl — kehrt sich die Energieflussrichtung um: Der Motor wird zum Generator.

Prinzip

Im normalen Motorbetrieb dreht der Rotor etwas langsamer als das Drehfeld (positiver Schlupf, 0 < s < 1). Wird der Rotor von außen beschleunigt — etwa durch eine herabsinkende Last beim Kran oder durch Frequenzumrichter-Steuerung — ĂŒberholt er das Drehfeld. Der Schlupf wird negativ (s < 0). In diesem Bereich liefert der Motor elektrische Energie, statt sie zu verbrauchen. Das erzeugte Bremsmoment wirkt der Bewegung entgegen.

Auf der M-n-Kennlinie entspricht das dem Bereich rechts von n₀ (grĂŒne Kennlinie im SVG oben). Der Arbeitspunkt wandert beim Überschreiten der Synchrondrehzahl automatisch in den generatorischen Bereich.

Energie: RĂŒckspeisung oder Vernichtung

Was mit der gewonnenen Energie passiert, hĂ€ngt von der Infrastruktur ab — und das ist in der Praxis ein entscheidender Unterschied:

NetzrĂŒckspeisefĂ€hige Systeme: Wenn ein entsprechender Frequenzumrichter (mit aktiver Einspeisung, sogenannte AFE-Umrichter) vorhanden ist oder wenn der Motor direkt am Netz betrieben wird und die Synchrondrehzahl ĂŒberschreitet, fließt die Bremsenergie tatsĂ€chlich ins Netz zurĂŒck. Das ist die energieeffiziente Variante.

Standard-Frequenzumrichter ohne RĂŒckspeisung: Die meisten Frequenzumrichter in der Praxis are nicht netzrĂŒckspeisefĂ€hig. Die generatorisch erzeugte Energie fließt in den Zwischenkreis des Umrichters und erhöht dort die Zwischenkreisspannung. Steigt diese Spannung ĂŒber einen zulĂ€ssigen Grenzwert, schaltet der Umrichter auf Störung ab — der Antrieb stoppt unkontrolliert.

Um das zu verhindern, wird ein Bremswiderstand ĂŒber einen Bremschopper (Transistor-Schaltkreis) zugeschaltet. Der Bremschopper ĂŒberwacht die Zwischenkreisspannung und schaltet den Bremswiderstand zu, sobald der Grenzwert ĂŒberschritten wird. Die generatorische Energie wird dann als WĂ€rme im Bremswiderstand vernichtet — kontrolliert, ohne Abschaltung auf Störung. Der Bremswiderstand ist je nach Anwendung im UmrichtergehĂ€use integriert oder als externe Einheit montiert.

Anwendungen

Die Nutzbremsung ist immer dann interessant, wenn die Last selbst Bewegungsenergie liefert: Krane beim Absenken, FörderbĂ€nder mit GefĂ€lle, AufzĂŒge, Windkraftanlagen im Netzbetrieb. Bei Frequenzumrichtern ist generatorisches Bremsen außerdem das bevorzugte Verfahren fĂŒr gezieltes Abbremsen von der Betriebsdrehzahl auf Null — sanft, kontrolliert, ohne Phasentausch.

Vor- und Nachteile

Nutzbremsung
Bremswirkung Mittel (abhÀngig von Schlupf)
Bremszeit Mittel bis lang
Energieverhalten RĂŒckspeisung (netzrĂŒckspeisefĂ€hig) oder Vernichtung im Bremswiderstand
Zusatzaufwand Bremswiderstand + Bremschopper bei Standard-Umrichter
Typischer Einsatz Krane, AufzĂŒge, FörderbĂ€nder mit GefĂ€lle, FU-gesteuerte Antriebe

Warum brauchen viele Standard-Frequenzumrichter beim generatorischen Bremsen einen Bremswiderstand?

  • a) Weil der Motor sonst zu heiß wird
  • b) Weil der Bremsstrom sonst die Netzleitung ĂŒberlastet
  • c) Weil der Umrichter keinen negativen Schlupf verarbeiten kann
  • d) Weil die Zwischenkreisspannung durch die Bremsenergie ansteigt und den Umrichter gefĂ€hrdet

Richtig: d)

Standard-Umrichter können die generatorisch erzeugte Energie nicht ins Netz zurĂŒckspeisen. Die Energie lĂ€dt den Zwischenkreiskondensator auf, die Zwischenkreisspannung steigt. Ohne Bremswiderstand/Bremschopper wĂŒrde der Umrichter bei Überspannung auf Störung abschalten.

Ein Kran senkt eine Last mit einem Asynchronmotor. Welcher Schlupfbereich liegt vor, wenn der Motor dabei generatorisch bremst?

  • a) s < 0 (Rotor dreht schneller als Drehfeld)
  • b) 0 < s < 1 (normaler Motorbetrieb)
  • c) s = 1 (Stillstand des Rotors)
  • d) s > 1 (Gegenstrombetrieb)

Richtig: a)

Beim Absenken einer Last am Kran treibt die Schwerkraft den Motor an. Der Rotor ĂŒberholt das Drehfeld — der Schlupf wird negativ. In diesem Bereich wirkt der Motor als Generator und bremst die Absenkbewegung.

Welche Aussage zur NetzrĂŒckspeisung beim generatorischen Bremsen ist richtig?

  • a) Nur netzrĂŒckspeisefĂ€hige Umrichter (AFE) oder Direktnetzbetrieb ermöglichen echte RĂŒckspeisung
  • b) Alle Frequenzumrichter können Energie ins Netz zurĂŒckspeisen
  • c) Die RĂŒckspeisung erfordert immer einen zusĂ€tzlichen Transformator
  • d) RĂŒckspeisung ist nur bei Synchronmotoren möglich

Richtig: a)

Standard-Umrichter (DiodenbrĂŒcke auf der Netzseite) können Energie nur in einer Richtung — vom Netz zum Motor — ĂŒbertragen. Echte NetzrĂŒckspeisung erfordert eine aktive Netzseite (AFE, Active Front End). Ansonsten muss ein Bremswiderstand die Energie aufnehmen.

4. Gleichstrombremsung

Die Gleichstrombremsung arbeitet nach einem anderen Grundprinzip als die beiden vorigen Verfahren. Statt mit einem rotierenden Drehfeld wird mit einem stehenden Magnetfeld gearbeitet.

Prinzip

Sobald der Asynchronmotor vom Wechselstromnetz getrennt wird, speist man einen Gleichstrom in zwei der drei StĂ€nderwicklungen ein. Dieser Gleichstrom erzeugt ein statisches (stehendes) Magnetfeld im StĂ€nder — kein rotierendes, kein drehendes, einfach ein festes Feld.

Der Rotor dreht sich aber noch (MassentrĂ€gheit). Damit bewegen sich die LĂ€uferstĂ€be durch dieses stehende Feld. Nach dem Induktionsgesetz werden in den LĂ€uferstĂ€ben Spannungen induziert, es fließen Ströme, und diese Ströme erzeugen ein Bremsmoment, das der Drehbewegung entgegenwirkt. Der Effekt ist derselbe wie bei einem generatorischen Betrieb — nur dass das Feld diesmal stillsteht.

Woher kommt der Gleichstrom?

Der Gleichstrom wird in der Regel ĂŒber einen BrĂŒckengleichrichter aus dem Wechselstromnetz gewonnen. Die Gleichstromhöhe lĂ€sst sich ĂŒber einen Vorwiderstand oder — bei moderneren GerĂ€ten — ĂŒber einen steuerbaren Gleichrichter einstellen. Je höher der Gleichstrom, desto stĂ€rker das Magnetfeld, desto höher das Bremsmoment. Die Bremswirkung ist damit gut anpassbar.

Bei SchĂŒtzsteuerungen ĂŒbernimmt ein separater Gleichstromkreis die Einspeisung; die genaue SchaltungsausfĂŒhrung ist im Beitrag „Gleichstrombremsung mit SchĂŒtzsteuerung“ ausfĂŒhrlich beschrieben.

Bremsverhalten

Die Gleichstrombremsung bremst weich und progressiv: Das Bremsmoment ist anfangs relativ hoch und nimmt mit sinkender Drehzahl ab, weil die induzierten Spannungen im LĂ€ufer kleiner werden. Kurz vor Stillstand ist das Bremsmoment sehr gering — der Motor „gleitet“ in den Stillstand. Das ist fĂŒr viele Anwendungen ideal, weil es mechanisch schonend ist und keine abrupten Stopps erzeugt.

Ein DrehzahlwÀchter ist bei die Gleichstrombremsung in der Regel nicht erforderlich, weil das stehende Feld keinen Anlauf in Gegenrichtung verursacht. Der Motor bleibt bei Stillstand stehen.

Vor- und Nachteile

Gleichstrombremsung
Bremswirkung Mittel, nimmt mit Drehzahl ab
Bremszeit Mittel
Energieverluste Mittel (Verluste im LĂ€uferwiderstand)
Thermische Belastung Moderat
Zusatzaufwand Gleichrichter, SchĂŒtzsteuerung oder Frequenzumrichter
Typischer Einsatz Holzbearbeitung, Zentrifugen, Textilmaschinen

Was erzeugt das Bremsmoment bei der Gleichstrombremsung?

  • a) Der StĂ€nder wird durch den Gleichstrom mechanisch blockiert
  • b) Der Rotor dreht sich durch ein stehendes Magnetfeld, dabei werden Ströme induziert, die ein Bremsmoment erzeugen
  • c) Das rotierende Drehfeld bremst den Rotor durch Gegenwirkung
  • d) Der Gleichstrom fließt direkt durch den Rotor und erzeugt Reibung

Richtig: b)

Das stehende Magnetfeld des gleichstromdurchflossenen StÀnders induziert in den sich bewegenden LÀuferstÀben Spannungen und damit Ströme. Diese Ströme im LÀufer erzeugen nach dem Lenzschen Gesetz ein der Bewegung entgegengesetztes Bremsmoment.

Warum nimmt das Bremsmoment bei der Gleichstrombremsung mit sinkender Drehzahl ab?

  • a) Weil der Gleichstrom mit sinkender Drehzahl automatisch kleiner wird
  • b) Weil die im LĂ€ufer induzierten Spannungen und Ströme mit der Drehzahl abnehmen
  • c) Weil das Magnetfeld des StĂ€nders sich mit der Drehzahl Ă€ndert
  • d) Weil der Wirkungsgrad des Gleichrichters bei niedrigen Drehzahlen sinkt

Richtig: b)

Die Induktion hÀngt von der Relativbewegung zwischen LÀufer und Feld ab. Je langsamer der Rotor dreht, desto geringer die induzierte Spannung, desto kleiner der LÀuferstrom, desto geringer das Bremsmoment. Dieses progressive Abbremsen ist eine typische Eigenschaft der Gleichstrombremsung.

Wozu wird bei der Gleichstrombremsung typischerweise ein BrĂŒckengleichrichter eingesetzt?

  • a) Um den Motorstrom vor dem Abschalten zu begrenzen
  • b) Um das Drehfeld des StĂ€nders umzukehren
  • c) Um den Rotor galvanisch vom Netz zu trennen
  • d) Um aus dem Wechselstromnetz den benötigten Gleichstrom fĂŒr den StĂ€nder zu erzeugen

Richtig: d)

Die StĂ€nderwicklung braucht fĂŒr die Gleichstrombremsung Gleichstrom. Da das Versorgungsnetz Wechselstrom liefert, wird ein BrĂŒckengleichrichter (DiodenbrĂŒcke) zwischengeschaltet. Über VorwiderstĂ€nde oder steuerbare Gleichrichter lĂ€sst sich die Gleichstromhöhe und damit die Bremswirkung einstellen.

5. Verfahren im Vergleich

Welches Bremsverfahren fĂŒr eine Anwendung taugt, hĂ€ngt von mehreren Faktoren ab: wie schnell gebremst werden muss, wie oft, ob EnergierĂŒckgewinnung sinnvoll ist, und welche Mechanik die Last vertrĂ€gt.

Kriterium Gegenstrombremsung Nutzbremsung Gleichstrombremsung
Bremswirkung 🔮 Sehr hoch 🟡 Mittel 🟡 Mittel
Bremszeit 🟱 Kurz 🟡 Mittel–lang 🟡 Mittel
Energie 🔮 Alles als WĂ€rme 🟱 RĂŒckspeisung mögl. 🟡 Teils als WĂ€rme
Therm. Belastung 🔮 Hoch 🟱 Gering 🟡 Moderat
Zusatzkomponenten DrehzahlwÀchter Bremswiderstand / Bremschopper Gleichrichter
Gegenrichtungsgefahr 🔮 Ja (→ DrehzahlwĂ€chter) 🟱 Nein 🟱 Nein
Typisch fĂŒr Schnellstopp, Reversierung Kran, Aufzug, FU-Antriebe Holzbearbeitung, Zentrifugen

Entscheidungshilfe fĂŒr die Praxis:

  • Maximale Geschwindigkeit beim Stoppen → Gegenstrombremsung, wenn die thermische Belastung vertretbar ist und ein DrehzahlwĂ€chter vorhanden ist
  • Energieeffizienz im Vordergrund → Nutzbremsung mit netzrĂŒckspeisefĂ€higem Umrichter; bei Standard-Umrichter: Bremswiderstand einplanen
  • Sanftes, verschleißfreies Bremsen ohne Gegenrichtungsrisiko → Gleichstrombremsung
  • Frequenzumrichter vorhanden → Nutzbremsung mit Bremswiderstand ist die typische Wahl; viele moderne Umrichter haben den Bremschopper bereits integriert

Mechanische Bremsen (Scheiben-, Backenbremsen) ergĂ€nzen elektrische Verfahren, wenn es um das Halten einer Last geht — etwa beim Kran im Stillstand. Elektrische Bremsverfahren allein erzeugen bei Drehzahl Null kein dauerhaftes Haltemoment. FĂŒr Kupplungen und mechanische Bremsen als Maschinenelemente sei auf den Beitrag „Kupplungen und Bremsen“ verwiesen.

Welches Bremsverfahren ist fĂŒr eine KreissĂ€ge am besten geeignet, die nach dem Abschalten sanft und sicher stoppen soll?

  • a) Mechanische Bremsung, weil elektrische Verfahren zu langsam sind
  • b) Gegenstrombremsung, wegen des hohen Bremsmoments
  • c) Nutzbremsung, wegen der EnergierĂŒckgewinnung
  • d) Gleichstrombremsung, wegen des sanften und verschleißfreien Stoppens

Richtig: d)

Die Gleichstrombremsung bremst progressiv und schonend — genau das, was eine KreissĂ€ge braucht. Die Gegenstrombremsung wĂ€re hier zu ruckartig und thermisch belastend; die Nutzbremsung erzeugt bei direkt am Netz betriebenen SĂ€gen kein gezieltes Bremsmoment.

Ein Kran mit Frequenzumrichter soll eine Last kontrolliert absenken. Der Umrichter ist nicht netzrĂŒckspeisefĂ€hig. Was ist zwingend erforderlich?

  • a) Ein DrehzahlwĂ€chter fĂŒr den Gegenstrombetrieb
  • b) Ein Bremswiderstand mit Bremschopper zur Aufnahme der generatorischen Energie
  • c) Ein BrĂŒckengleichrichter fĂŒr Gleichstrombremsung
  • d) Eine zusĂ€tzliche SchĂŒtzsteuerung fĂŒr Phasentausch

Richtig: b)

Beim Absenken arbeitet der Motor generatorisch. Ohne NetzrĂŒckspeisung steigt die Zwischenkreisspannung. Der Bremschopper schaltet den Bremswiderstand zu, sobald die Zwischenkreisspannung einen Grenzwert ĂŒberschreitet, und verhindert so eine Abschaltung auf Störung.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Asynchronmotor lĂ€uft mit einer Drehzahl von 1 450 min⁻Âč (Synchrondrehzahl: 1 500 min⁻Âč) im Motorbetrieb. Zur Gleichstrombremsung wird der Wechselstrom abgeschaltet und Gleichstrom eingespeist. Der Motor kommt nach 4 Sekunden zum Stillstand. Welches mittlere Bremsmoment war erforderlich, wenn das MassentrĂ€gheitsmoment der Last J = 0,8 kg·mÂČ betrĂ€gt?

Gegeben: n₁ = 1 450 min⁻Âč, J = 0,8 kg·mÂČ, t = 4 s

Gesucht: M_B (mittleres Bremsmoment in N·m)

Lösungsweg:

  1. Winkelgeschwindigkeit vor dem Bremsen:
    omega_1 = 2 * pi * n_1 / 60
    omega_1 = 2 * 3,1416 * 1450 / 60
    omega_1 ≈ 151,8 rad/s
  2. Mittleres Bremsmoment aus Drallsatz:
    M_B = J * omega_1 / t
    M_B = 0,8 * 151,8 / 4
    M_B ≈ 30,4 N·m

Ergebnis: Das mittlere Bremsmoment betrÀgt ca. 30,4 N·m.

Aufgabe 2: Ein Frequenzumrichter (nicht netzrĂŒckspeisefĂ€hig) bremst einen Asynchronmotor mit einer Bremsleistung von P_B = 5 kW ĂŒber t = 8 Sekunden ab. Der Bremswiderstand darf eine Dauerleistung von 3 kW nicht ĂŒberschreiten. Welche Energie wird in dieser Zeit insgesamt im Bremswiderstand vernichtet, und ist die Dauerleistungsgrenze eingehalten?

Gegeben: P_B = 5 000 W (generatorische Bremsleistung, vereinfacht als konstant angenommen), t = 8 s, P_max = 3 000 W (Dauerleistungsgrenze)

Gesucht: W_B (Energie in kJ), Beurteilung der Dauerleistung

Lösungsweg:

  1. Bremsenergie:
    W_B = P_B * t
    W_B = 5000 * 8
    W_B = 40 000 J = 40 kJ
  2. Beurteilung:
    P_B = 5 000 W > P_max = 3 000 W

Ergebnis: Die Bremsenergie betrĂ€gt 40 kJ. Die Dauerleistungsgrenze von 3 kW wird mit 5 kW deutlich ĂŒberschritten. Der Bremswiderstand ist fĂŒr diesen Betriebsfall nicht ausreichend dimensioniert — entweder muss ein leistungsfĂ€higerer Widerstand gewĂ€hlt oder die Bremszeit verlĂ€ngert werden.

Welche Aussage zur Gegenstrombremsung ist korrekt?

  • a) Sie erzeugt durch Phasentausch ein sehr hohes Bremsmoment, verbunden mit hohen Verlusten
  • b) Sie speist Energie ins Netz zurĂŒck
  • c) Sie erfordert keinen DrehzahlwĂ€chter, weil kein Gegenrichtungsrisiko besteht
  • d) Sie erzeugt ein stehendes Magnetfeld im StĂ€nder

Richtig: a)

Beim Phasentausch dreht das StĂ€nderdrehfeld entgegen der Rotordrehrichtung. Der Schlupf ĂŒbersteigt 1, das Bremsmoment ist sehr hoch. Die gesamte kinetische und aus dem Netz aufgenommene Energie wird als WĂ€rme vernichtet. Ein DrehzahlwĂ€chter ist zwingend nötig.

Was passiert beim generatorischen Betrieb eines Asynchronmotors am Standard-Frequenzumrichter ohne Bremswiderstand?

  • a) Die Motortemperatur steigt sprunghaft an
  • b) Der Schlupf wird automatisch auf 0 geregelt
  • c) Die Netzspannung steigt durch die RĂŒckspeisung an
  • d) Der Umrichter schaltet auf Störung ab, weil die Zwischenkreisspannung unzulĂ€ssig ansteigt

Richtig: d)

Ohne NetzrĂŒckspeisung und ohne Bremswiderstand fließt die generatorisch erzeugte Energie in den Zwischenkreis. Die Zwischenkreisspannung steigt ĂŒber den Grenzwert, der Umrichter löst einen Überspannungsfehler aus und schaltet ab.

Ein Asynchronmotor soll nach dem Abschalten innerhalb von 2 Sekunden sicher stoppen. Die Last hat ein hohes MassentrÀgheitsmoment. Welches Verfahren ist am geeignetsten?

  • a) Auslaufen lassen ohne Bremsung
  • b) Nutzbremsung, weil sie am energieeffizientesten ist
  • c) Gleichstrombremsung wegen des sanften Bremsmoments
  • d) Gegenstrombremsung wegen des hohen Bremsmoments bei gleichzeitiger Sicherstellung einer Abschaltung durch den DrehzahlwĂ€chter

Richtig: d)

Bei hohem MassentrĂ€gheitsmoment und kurzer geforderter Bremszeit braucht man ein hohes Bremsmoment. Die Gegenstrombremsung liefert das — vorausgesetzt, ein DrehzahlwĂ€chter schaltet den Motor beim Erreichen des Stillstands ab. Gleichstrom- und Nutzbremsung liefern geringere Bremsmomente.

Warum ist ein mechanisches Haltemoment nach dem elektrischen Bremsvorgang oft noch erforderlich?

  • a) Weil elektrische Bremsen im Stillstand kein dauerhaftes Haltemoment erzeugen
  • b) Weil elektrische Bremsen nach dem Stillstand den Motor in Gegenrichtung antreiben
  • c) Weil die Motorwicklung im Stillstand keinen Strom fĂŒhrt
  • d) Weil die Netzspannung nach dem Bremsen zusammenbricht

Richtig: a)

Alle drei elektrischen Bremsverfahren erzeugen ihr Bremsmoment durch die Bewegung des Rotors relativ zum Magnetfeld. Bei Drehzahl Null entfĂ€llt dieser Effekt — es wirkt kein Haltemoment mehr. Soll eine Last (z. B. beim Kran) im Stillstand gesichert werden, ist eine mechanische Haltebremse notwendig.

Welches Bremsverfahren verursacht die höchste thermische Belastung des Motors?

  • a) Gegenstrombremsung
  • b) Nutzbremsung mit Bremswiderstand
  • c) Gleichstrombremsung
  • d) Alle drei Verfahren belasten den Motor thermisch gleich stark

Richtig: a)

Bei der Gegenstrombremsung wird sowohl die kinetische Energie der Last als auch elektrische Leistung aus dem Netz als WĂ€rme im Motor vernichtet. Das ergibt die höchste thermische Belastung — deutlich mehr als bei Gleichstrom- oder Nutzbremsung.

Welche Komponente im Frequenzumrichter ĂŒberwacht die Zwischenkreisspannung und schaltet den Bremswiderstand zu?

  • a) Der Motorschutzschalter
  • b) Der Bremschopper
  • c) Das SanftanlaufgerĂ€t
  • d) Das Zeitrelais

Richtig: b)

Der Bremschopper (ein Transistorschalter im Umrichter) misst kontinuierlich die Zwischenkreisspannung. Überschreitet sie einen definierten Schwellwert, schaltet er den Bremswiderstand zu, der die Bremsenergie als WĂ€rme vernichtet. So wird eine Überspannungsabschaltung des Umrichters verhindert.

Welche Aussage zum Bremsmoment bei der Gleichstrombremsung ist korrekt?

  • a) Das Bremsmoment bleibt ĂŒber die gesamte Bremszeit konstant
  • b) Das Bremsmoment ist unabhĂ€ngig von der Rotordrehzahl
  • c) Das Bremsmoment steigt mit abnehmender Drehzahl an
  • d) Das Bremsmoment nimmt mit sinkender Drehzahl ab, weil die LĂ€uferinduktion sinkt

Richtig: d)

Das Bremsmoment entsteht durch in den LĂ€uferstĂ€ben induzierte Spannungen und Ströme. Diese Induktion ist proportional zur Relativbewegung zwischen LĂ€ufer und Magnetfeld. Mit sinkender Drehzahl nimmt die Induktion ab — damit auch der LĂ€uferstrom und das Bremsmoment. Der Motor „gleitet“ sanft in den Stillstand.

Ein Antrieb soll nach dem Stoppen in der Gegenrichtung wieder anlaufen (Reversierung). Welches Bremsverfahren ist dafĂŒr am besten nutzbar?

  • a) Gleichstrombremsung, weil sie am schonendsten ist
  • b) Alle Verfahren sind gleich gut fĂŒr Reversierung geeignet
  • c) Gegenstrombremsung, weil das Drehfeld bereits in Gegenrichtung dreht und ein Wiederanlauf einfach möglich ist
  • d) Nutzbremsung, weil Energie zurĂŒckgespeist wird

Richtig: c)

Bei der Gegenstrombremsung dreht das StĂ€nderdrehfeld bereits in der Gegenrichtung. Nach dem Erreichen des Stillstands (Abschalten des DrehzahlwĂ€chters kann entfallen, wenn Gegenrichtungsanlauf erwĂŒnscht ist) beschleunigt der Motor sofort in die neue Richtung. Dieser Effekt wird bei Reversiersteuerungen gezielt genutzt.

Welche Aussage zur Nutzbremsung beim direkten Netzbetrieb (ohne Frequenzumrichter) ist richtig?

  • a) Nutzbremsung ist nur mit Frequenzumrichter möglich
  • b) Nutzbremsung tritt beim Netzbetrieb nicht auf
  • c) Der Motor muss aktiv auf Generatorbetrieb umgeschaltet werden
  • d) Wenn der Rotor durch eine Ă€ußere Last ĂŒber die Synchrondrehzahl hinaus beschleunigt wird, arbeitet er automatisch generatorisch

Richtig: d)

Beim direkten Netzbetrieb ist keine aktive Schaltmaßnahme nötig. Sobald die Last den Rotor ĂŒber n₀ beschleunigt (z. B. beim Kran wĂ€hrend des Absenkens), wechselt der Motor automatisch in den generatorischen Bereich und bremst die Bewegung.

Ein Motor wird mittels Gegenstrombremsung gestoppt. Der DrehzahlwĂ€chter reagiert nicht — was ist die Folge?

  • a) Der Motor hĂ€lt zuverlĂ€ssig in seiner aktuellen Position
  • b) Der Motorschutzschalter löst sofort beim Phasentausch aus
  • c) Der Motor ĂŒberhitzt sofort beim Erreichen des Stillstands
  • d) Der Motor lĂ€uft nach Erreichen des Stillstands in Gegenrichtung an

Richtig: d)

Nach dem Stillstand dreht das Drehfeld weiterhin in der (neuen) Gegenrichtung. Ohne Abschaltung durch den DrehzahlwĂ€chter beschleunigt der Motor in Gegenrichtung — was in den meisten Anwendungen unerwĂŒnscht und gefĂ€hrlich ist.

Glossar

MassentrÀgheitsmoment
Maß dafĂŒr, wie stark ein rotierender Körper Änderungen seiner Drehbewegung widersetzt. Je grĂ¶ĂŸer das MassentrĂ€gheitsmoment, desto mehr Energie ist bei gleicher Drehzahl gespeichert (Einheit: kg·mÂČ).
Gegenstrombremsung
Elektrisches Bremsverfahren beim Asynchronmotor, bei dem durch Tausch zweier Außenleiter das StĂ€nderdrehfeld in die entgegengesetzte Richtung umgekehrt wird und damit ein starkes Bremsmoment erzeugt.
Schlupf
Relative Differenz zwischen der Synchrondrehzahl des Drehfelds und der tatsĂ€chlichen Rotordrehzahl. Im Motorbetrieb positiv (0 < s < 1), im generatorischen Betrieb negativ (s < 0), bei der Gegenstrombremsung grĂ¶ĂŸer als 1 (s > 1).
Synchrondrehzahl
Drehzahl des StÀnderdrehfelds, die von Polzahl und Netzfrequenz bestimmt wird. Der Rotor eines Asynchronmotors dreht immer etwas langsamer (im Motorbetrieb) oder schneller (im Generatorbetrieb).
Nutzbremsung
Bremsverfahren, bei dem der Asynchronmotor durch Überschreiten der Synchrondrehzahl in den generatorischen Betrieb wechselt. Die kinetische Energie der Last wird in elektrische Energie umgewandelt.
Bremschopper
Transistorbasierter Schaltkreis im Frequenzumrichter, der bei Überschreiten eines Zwischenkreisspannungsgrenzwerts den Bremswiderstand zuschaltet und damit die generatorische Bremsenergie kontrolliert vernichtet.
Bremswiderstand
Ohmscher Widerstand, der bei nicht netzrĂŒckspeisefĂ€higen Frequenzumrichtern die beim generatorischen Bremsen anfallende Energie als WĂ€rme dissipiert. Wird ĂŒber den Bremschopper gesteuert.
Zwischenkreisspannung
Gleichspannung im Gleichspannungs-Zwischenkreis eines Frequenzumrichters, die zwischen Gleichrichter und Wechselrichter liegt. Steigt beim generatorischen Bremsen ohne RĂŒckspeisung an.
Gleichstrombremsung
Elektrisches Bremsverfahren, bei dem nach dem Abschalten des Wechselstroms ein Gleichstrom in den StÀnder eingespeist wird. Das entstehende stehende Magnetfeld induziert im rotierenden LÀufer Bremsströme.
BrĂŒckengleichrichter
Schaltung aus Dioden, die Wechselstrom in Gleichstrom umwandelt. Bei der Gleichstrombremsung wird damit der benötigte Gleichstrom aus dem Wechselstromnetz erzeugt.
DrehzahlwÀchter
GerĂ€t, das die Rotordrehzahl ĂŒberwacht und bei Erreichen des Stillstands (oder eines Schwellwerts) ein Schaltsignal gibt. Bei der Gegenstrombremsung zwingend erforderlich, um den Motor vor dem unerwĂŒnschten Anlauf in Gegenrichtung abzuschalten.
Auslaufverhalten
Verlauf der Drehzahlabnahme eines Motors nach dem Abschalten, bestimmt durch MassentrÀgheitsmoment der Last und vorhandene Reibungsverluste.
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