IO-Link

Einnäherungsschalter meldet „belegt“ oder „frei“. Mehr nicht. Solange das reicht, ist alles gut. Aber sobald man wissen will, wie nah das Werkstück ist, ob der Sensor verschmutzt ist oder warum er nach dem Austausch plötzlich anders reagiert, stößt das klassische Schaltsignal an seine Grenzen. IO-Link löst genau dieses Problem: Es macht aus der stummen Schaltleitung eine Leitung, die spricht – Messwerte, Einstellungen und Diagnose laufen über dasselbe dreiadrige Kabel, das früher nur ein Ja/Nein transportiert hat.

Dieser Beitrag zeigt, was am Sensorkabel wirklich passiert, wie Master und Device zusammenspielen und warum IO-Link in modernen Anlagen so verbreitet ist.

Vorwissen

  • Analoge und digitale Signale
  • Sensor-Anschlussarten: 2/3/4-Leiter, PNP/NPN
  • Grundlagen industrieller Kommunikation

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum IO-Link kein Feldbus ist und wo es im Anlagenaufbau sitzt
  • die Rollen von Master und Device sowie das Punkt-zu-Punkt-Prinzip beschreiben
  • die dreiadrige Verbindung mit Pin-Belegung und Aderfarben korrekt zuordnen
  • Port-Class A und B unterscheiden und die Folgen einer Verwechslung benennen
  • Prozessdaten, Servicedaten und Ereignisse im Telegramm einordnen
  • die Übertragungszeit und die effektive Zykluszeit einer IO-Link-Verbindung überschlagen

1. Das Problem mit dem klassischen Schaltsignal

Ein herkömmlicher Sensor an einer Maschine kann genau eines: schalten. Ein induktiver Näherungsschalter zieht seinen Ausgang auf High, wenn Metall im Erfassungsbereich ist, und auf Low, wenn nicht. Das ist ein binäres Signal – ein einzelnes Bit, das nur zwei Zustände kennt. Für viele Aufgaben genügt das vollkommen.

Sobald die Anforderungen steigen, wird es eng. Ein Drucksensor, der einen analogen Messwert liefert, gibt typischerweise 4–20 mA oder 0–10 V aus. Dieses Analogsignal ist störanfällig: Lange Leitungen, Spannungsabfälle und elektromagnetische Einkopplung verfälschen den Wert. Außerdem trägt das Signal nur die Messgröße selbst – nichts darüber, ob der Sensor noch sauber arbeitet oder kurz vor dem Ausfall steht.

Dazu kommt der Aufwand beim Einstellen. Wer die Schaltschwelle eines Sensors ändern will, muss oft direkt am Gerät drehen oder Tasten drücken – an einer schwer zugänglichen Stelle in der Maschine. Und beim Austausch eines defekten Sensors beginnt das Spiel von vorn: Der neue muss von Hand identisch parametriert werden, sonst läuft die Anlage falsch. Vertauscht jemand zwei ähnliche Sensoren, fällt das oft erst im Betrieb auf.

Die Idee hinter IO-Link ist, diese stumme Leitung aufzuwerten. Statt nur ein Schaltsignal zu führen, soll dieselbe Standardleitung digital Daten in beide Richtungen transportieren: Messwerte vom Sensor zur Steuerung, Einstellungen von der Steuerung zum Sensor und obendrein Diagnoseinformationen.

Wichtig zur Einordnung: IO-Link ist kein Feldbus. Ein Feldbus vernetzt viele Teilnehmer über eine gemeinsame Leitung. IO-Link sitzt eine Ebene tiefer und verbindet immer nur ein einzelnes Gerät mit einem Anschlusspunkt. Wie Feldbusse grundsätzlich funktionieren, ist ein eigenes Thema – hier reicht der Merksatz: IO-Link ist die Verbindung zum einzelnen Sensor oder Aktor, der Feldbus ist die Verbindung zwischen den Baugruppen.

Ein Anlagenbetreiber klagt, dass der analoge Druckmesswert einer 25 m langen Sensorleitung am Schaltschrank um mehrere Prozent vom tatsächlichen Wert abweicht. Welche Aussage trifft den Kern des Problems am besten?

  • a) Analoge Spannungs- und Stromsignale werden über lange Leitungen durch Spannungsabfall und Einkopplung verfälscht
  • b) Das analoge Stromsignal 4–20 mA ist grundsätzlich nicht für Druckmessung geeignet
  • c) Der Sensor muss defekt sein, ein korrektes Analogsignal weicht nie ab
  • d) Die Abweichung lässt sich nur durch einen zweiten parallelen Sensor beheben

Richtig: a)

Lange Leitungen, Übergangswiderstände und elektromagnetische Einkopplung verändern analoge Signale – besonders Spannungssignale. Genau das ist eine der Schwächen, die eine digitale Übertragung umgeht. b) ist falsch, 4–20 mA ist für Druck verbreitet und üblich. c) ist falsch, Abweichungen über lange Strecken sind systembedingt normal. d) behebt die Ursache nicht.

Warum ist der Austausch eines klassischen, am Gerät parametrierten Sensors in der Praxis fehleranfällig?

  • a) Weil der neue Sensor immer eine andere Bauform hat
  • b) Weil das Schaltsignal beim Austausch verloren geht
  • c) Weil die Einstellungen von Hand identisch übernommen werden müssen und dabei Fehler entstehen
  • d) Weil ein klassischer Sensor nach dem Tausch neu kalibriert werden muss, bevor er überhaupt schaltet

Richtig: c)

Die Parameter (z. B. Schaltschwelle) stecken im Gerät selbst. Beim Tausch müssen sie manuell neu eingestellt werden – eine typische Fehlerquelle. a) und d) sind keine generellen Regeln. b) beschreibt kein Austauschproblem.

IO-Link verbindet immer genau zwei Teilnehmer: einen IO-Link-Master und ein IO-Link-Device. Das Device ist der Sensor oder Aktor an der Maschine. Der Master ist die Baugruppe, an die das Device angeschlossen wird – meist ein Modul im Schaltschrank oder direkt in der Anlage, das mehrere Anschlüsse besitzt.

Jeder einzelne Anschluss am Master heißt Port. An jedem Port hängt genau ein Device. Das ist der Kern des Punkt-zu-Punkt-Prinzips: keine geteilte Leitung, kein Bus, an dem sich mehrere Geräte die Übertragung teilen, sondern eine eigene direkte Verbindung pro Gerät. Ein Master mit acht Ports bedient also acht Devices, jedes über sein eigenes Kabel.

Der Master ist das Bindeglied nach oben. Er sammelt die Daten aller angeschlossenen Devices und reicht sie an die übergeordnete Steuerung weiter – die SPS. Diese Verbindung vom Master zur Steuerung läuft typischerweise über einen Feldbus oder Industrial Ethernet wie PROFINET. Diese obere Ebene ist hier nicht das Thema; entscheidend ist die Rollenverteilung: Das Device kennt nur seinen Master, der Master kennt sowohl die Devices als auch die Steuerung.

Standardisiert ist IO-Link in der Norm IEC 61131-9, dort unter der Bezeichnung SDCI (Single-drop Digital Communication Interface) geführt. Diese Norm legt fest, wie die Kommunikation zwischen Master und Device abläuft, sodass Geräte unterschiedlicher Hersteller zusammenarbeiten.

Die folgende Darstellung zeigt die Einordnung: Steuerung oben, Master in der Mitte, mehrere Devices über je eine eigene Leitung angebunden.

Steuerung (SPS) übergeordnete Ebene Feldbus / Industrial Ethernet IO-Link-Master Port 1 · Port 2 · Port 3 Punkt-zu-Punkt je eigene Leitung Device 1 Sensor Device 2 Sensor Device 3 Aktor

Ein IO-Link-Master besitzt acht Ports. Wie viele IO-Link-Devices lassen sich an diesem Master gleichzeitig betreiben, und wie sind sie verbunden?

  • a) Acht Devices, jedes über eine eigene Punkt-zu-Punkt-Leitung an einem eigenen Port
  • b) Beliebig viele, da alle Devices an einer gemeinsamen Busleitung hängen
  • c) Ein Device, der Master kann immer nur eine Verbindung führen
  • d) Acht Devices, die sich aber paarweise eine Leitung teilen

Richtig: a)

Pro Port genau ein Device über eine eigene Leitung – das ist das Punkt-zu-Punkt-Prinzip. Acht Ports ergeben acht mögliche Devices. b) und d) beschreiben Busverhalten, das IO-Link gerade nicht hat. c) ignoriert die Mehrzahl der Ports.

Welche Rolle übernimmt der IO-Link-Master im Anlagenaufbau?

  • a) Er ersetzt die SPS vollständig
  • b) Er ist selbst ein Sensor mit erweiterten Funktionen
  • c) Er verbindet die Devices nach unten und gibt deren Daten über den Feldbus an die Steuerung nach oben weiter
  • d) Er wandelt analoge Signale ausschließlich in 4–20 mA um

Richtig: c)

Der Master ist Bindeglied zwischen Device-Ebene und Steuerung. a) ist falsch, die SPS bleibt übergeordnet. b) verwechselt Master und Device. d) ist keine Funktion des Masters.

In welcher Norm ist IO-Link standardisiert?

  • a) In einer reinen DIN-Norm ohne internationale Entsprechung
  • b) Es gibt keine Norm, jeder Hersteller definiert IO-Link selbst
  • c) In der Norm für Schaltsymbole
  • d) In IEC 61131-9 unter der Bezeichnung SDCI

Richtig: d)

IO-Link ist als SDCI in IEC 61131-9 genormt, was die herstellerübergreifende Zusammenarbeit erst ermöglicht. a) und b) sind falsch, gerade die Normung sichert die Kompatibilität. c) betrifft ein anderes Normthema.

3. Die physikalische Verbindung — drei Adern, SIO und COM

Das Bestechende an IO-Link ist, dass es keine neue Verkabelung braucht. Es nutzt dieselbe dreiadrige Sensorleitung, die in der Automatisierungstechnik ohnehin Standard ist. Drei Adern, ein gängiger M12-Steckverbinder – mehr nicht.

Die drei Adern haben feste Aufgaben und folgen einer genormten Belegung. Bei einem M12-Steckverbinder der gängigen Bauform sieht die Zuordnung so aus:

Pin Ader Aderfarbe Funktion
1 L+ Braun Versorgungsspannung plus (24 V)
3 L− Blau Versorgungsspannung minus (Masse)
4 C/Q Schwarz Schalt- bzw. Kommunikationsleitung

Die genormten Aderfarben sind in der Praxis kein Detail, sondern Grundlage jeder fehlerfreien Verdrahtung: Braun ist immer L+, Blau immer L−, Schwarz die C/Q-Leitung. Wer im Schaltschrank oder bei der Fehlersuche an der Anlage steht, verlässt sich auf diese feste Zuordnung.

Die entscheidende Ader ist C/Q auf Pin 4. C/Q steht für Communication/Qualifier – und der Name sagt schon, dass diese Leitung zwei Betriebsarten kennt:

Im SIO-Modus (Standard Input/Output) verhält sich C/Q wie eine ganz normale Schaltleitung. Das Device gibt ein binäres Signal aus, genau wie ein klassischer Sensor. In diesem Modus merkt man IO-Link nicht an – ein IO-Link-fähiger Sensor lässt sich so auch an einer normalen digitalen Eingangskarte betreiben.

Im COM-Modus (Kommunikationsmodus) wird C/Q zur digitalen Datenleitung. Master und Device tauschen jetzt Telegramme aus – in beide Richtungen, über genau diese eine Ader. Der Master entscheidet beim Hochlauf, ob ein Port im SIO- oder im COM-Modus betrieben wird. Findet er ein kommunikationsfähiges Device, schaltet er auf COM um.

Die Übertragung läuft über eine ungeschirmte Standardleitung, und die Reichweite ist auf maximal 20 m begrenzt. Das ist eine bewusste Auslegung: IO-Link ist für die kurze Strecke zwischen Master und einzelnem Gerät gedacht, nicht für lange Anlagenwege.

Port-Class A und Port-Class B

Bei den Ports unterscheidet man zwei Bauarten, und der Unterschied ist in der Praxis kritisch.

Port-Class A nutzt die beschriebenen drei Adern. Pin 2 (die vierte Ader, falls vorhanden) ist herstellerspezifisch belegt – meist als zusätzlicher digitaler Ein- oder Ausgang (DI/DO). Für reine Sensoren mit geringem Strombedarf reicht das.

Port-Class B ist für Geräte mit höherem Leistungsbedarf gedacht, etwa Ventilinseln oder mechatronische Greifer. Hier liefern Pin 2 und Pin 5 eine zusätzliche, galvanisch getrennte Versorgungsspannung für die Aktorik. Die Kommunikation läuft weiterhin über C/Q, aber die Leistung für den Aktor kommt aus einem separaten, entkoppelten Spannungskreis. Dafür braucht Class B eine fünfadrige Leitung.

Genau hier passiert in der Praxis ein häufiger Fehler: Wird ein Class-B-Device an einen Class-A-Port angeschlossen, fehlt die zusätzliche Versorgung – der Aktor bekommt keine Leistung oder zieht sie unzulässig aus dem Versorgungskreis des Masters. Das führt zu Fehlfunktion oder Überlastung. Vor dem Anschluss muss also immer geklärt sein, welche Port-Class das Gerät braucht.

Welche Pin- und Farbzuordnung ist bei einem IO-Link-Anschluss korrekt?

  • a) Pin 1 = L+ braun, Pin 3 = L− blau, Pin 4 = C/Q schwarz
  • b) Pin 1 = C/Q schwarz, Pin 3 = L+ braun, Pin 4 = L− blau
  • c) Pin 1 = L− blau, Pin 3 = C/Q schwarz, Pin 4 = L+ braun
  • d) Pin 1 = L+ blau, Pin 3 = L− braun, Pin 4 = C/Q schwarz

Richtig: a)

Die genormte Belegung lautet Pin 1 L+ (braun), Pin 3 L− (blau), Pin 4 C/Q (schwarz). Die übrigen Varianten vertauschen Pins oder Farben – ein realer Verdrahtungsfehler mit Folgen.

Ein IO-Link-fähiger Sensor wird an eine herkömmliche digitale Eingangskarte einer SPS angeschlossen, nicht an einen IO-Link-Master. Was passiert?

  • a) Der Sensor funktioniert gar nicht, weil ein Master zwingend nötig ist
  • b) Der Sensor arbeitet im SIO-Modus wie ein klassischer Sensor und liefert ein binäres Schaltsignal
  • c) Der Sensor sendet trotzdem volle IO-Link-Telegramme, die die Karte interpretiert
  • d) Der Sensor wird beschädigt, weil die Karte kein C/Q kennt

Richtig: b)

Ohne Master bleibt der Port im SIO-Modus, C/Q verhält sich als reine Schaltleitung. a) ist der typische Irrtum. c) ist falsch, ohne Master entsteht keine Kommunikation. d) trifft nicht zu, die Belegung ist kompatibel.

Warum ist der Anschluss eines Class-B-Devices an einen Class-A-Port problematisch?

  • a) Weil Class A eine höhere Baudrate verlangt als Class B
  • b) Weil die Aderfarben bei Class A und B unterschiedlich sind
  • c) Weil bei Class A die galvanisch getrennte Zusatzversorgung auf Pin 2 und 5 fehlt, die der Aktor braucht
  • d) Weil Class-A-Ports kein C/Q-Signal führen

Richtig: c)

Class B stellt über Pin 2 und 5 eine separate, galvanisch getrennte Versorgung für die Aktorik bereit. An einem Class-A-Port fehlt diese – der Aktor wird unterversorgt oder belastet den Masterkreis unzulässig. a) und d) sind falsch. b) trifft die Ursache nicht.

Wofür steht das „C/Q“ der Signalleitung, und was beschreibt es?

  • a) Für Current/Quality, also die Strommessung
  • b) Für Control/Quantity, also die Stückzahlzählung
  • c) Für eine reine Versorgungsleitung ohne Datenfunktion
  • d) Für Communication/Qualifier – die Leitung kann sowohl kommunizieren als auch als Schaltsignal dienen

Richtig: d)

C/Q steht für Communication/Qualifier und drückt die Doppelfunktion aus: Datenleitung im COM-Modus, Schaltsignal im SIO-Modus. Die anderen Auflösungen sind frei erfunden.

4. Wie kommuniziert wird — Übertragungsraten, Telegramme und Datenarten

Sobald ein Port im COM-Modus läuft, tauschen Master und Device fortlaufend Telegramme aus. Diese Kommunikation ist bidirektional und läuft zyklisch: Der Master fragt das Device in festen Abständen ab, das Device antwortet. Dieser wiederkehrende Ablauf heißt M-Cycle (Master-Cycle) – ein vollständiger Frage-Antwort-Durchgang zwischen Master und Device.

IO-Link kennt drei feste Übertragungsraten:

Bezeichnung Übertragungsrate
COM1 4,8 kBit/s
COM2 38,4 kBit/s
COM3 230,4 kBit/s

Welche Rate ein Device unterstützt, ist im Gerät festgelegt – der Master passt sich an. Die meisten modernen Sensoren arbeiten mit COM3.

Entscheidend für das Verständnis ist, welche Daten in welchem Rhythmus übertragen werden. IO-Link teilt das in drei Arten auf:

Prozessdaten sind die eigentlichen Nutzwerte – etwa der gemessene Druck oder der Schaltzustand. Sie werden in jedem M-Cycle zyklisch übertragen, also fortlaufend und mit fester Wiederholrate. Das macht IO-Link für die laufende Sensorik berechenbar: Die Steuerung bekommt den aktuellen Wert in einem festen Takt.

Servicedaten (auch On-Request-Daten) sind Parameter und Einstellungen, etwa eine Schaltschwelle oder ein Filterwert. Sie werden azyklisch übertragen – nur dann, wenn sie tatsächlich gebraucht werden, etwa beim Einstellen oder Auslesen. Dafür gibt es im Telegramm einen eigenen, reservierten On-Request-Datenbereich.

Ereignisse sind Diagnose- und Statusmeldungen, zum Beispiel eine Warnung über Verschmutzung oder Übertemperatur. Auch sie laufen azyklisch, also nur bei Bedarf, über den On-Request-Bereich.

Diese Aufteilung ist der Schlüssel dafür, warum IO-Link trotz vergleichsweise niedriger Baudraten berechenbar arbeitet: Die zeitkritischen Prozessdaten haben in jedem Zyklus ihren festen Platz, während Parameter und Diagnose nur den Raum nutzen, der gerade frei ist, ohne den zyklischen Takt zu stören.

Damit der Master ein Device richtig anspricht, braucht er dessen Beschreibung. Diese liegt in der IODD (IO Device Description) – einer standardisierten Gerätebeschreibungsdatei, die der Hersteller mitliefert. Sie sagt dem Engineering-Werkzeug, welche Prozessdaten das Gerät liefert, welche Parameter es kennt und welche Diagnosemeldungen möglich sind.

Wie lange ein einzelnes Telegramm dauert, hängt von der Datenmenge und der Baudrate ab. Jedes übertragene Byte besteht aus dem Nutzbyte plus Rahmenbits (Start-, Stopp- und Paritätsbit) – pro Byte rechnet man üblicherweise mit rund 11 Bit auf der Leitung.

t_tele = (n_bytes * bits_pro_byte) / baudrate

  • t_tele … Telegramm-Übertragungszeit in Sekunden
  • n_bytes … Anzahl übertragener Bytes
  • bits_pro_byte … Bits je Byte inkl. Rahmen, typisch 11
  • baudrate … Übertragungsrate in Bit/s

Die reine Übertragungszeit ist aber nur die halbe Wahrheit. In der Anlage zählt die effektive Zykluszeit – der Abstand, in dem aktualisierte Prozessdaten tatsächlich zur Verfügung stehen. Sie setzt sich aus der Übertragungszeit und einer gerätebedingten Mindestzykluszeit zusammen, die jedes Device in seiner IODD vorgibt. Ein träger Sensor kann die effektive Zykluszeit also stärker bestimmen als die Baudrate.

t_zyklus = t_tele + t_min

  • t_zyklus … effektive Zykluszeit in Sekunden
  • t_tele … Telegramm-Übertragungszeit in Sekunden
  • t_min … gerätebedingte Mindestzykluszeit in Sekunden

Gelöstes Beispiel

Ein IO-Link-Device überträgt 4 Byte Prozessdaten bei COM3 (230,4 kBit/s). Pro Byte werden 11 Bit auf der Leitung übertragen. Wie lange dauert die reine Übertragung dieser Prozessdaten?

Gegeben: n_bytes = 4 Byte, bits_pro_byte = 11 Bit, baudrate = 230 400 Bit/s

Gesucht: t_tele in ms

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Bitanzahl gesamt: 4 Byte · 11 Bit = 44 Bit
  2. Schritt 2 — Übertragungszeit: t_tele = 44 Bit / 230 400 Bit/s = 0,000191 s
  3. Schritt 3 — Umrechnung in ms: 0,000191 s · 1000 = 0,191 ms

Ergebnis: rund 0,19 ms

Übungen

Ein Device überträgt 2 Byte bei COM2 (38,4 kBit/s), 11 Bit je Byte. Wie lange dauert die Übertragung in ms?

2 · 11 = 22 Bit; 22 / 38 400 = 0,000573 s ≈ 0,57 ms.

Wie lange dauert die Übertragung von 8 Byte bei COM3 (230,4 kBit/s) mit 11 Bit je Byte?

8 · 11 = 88 Bit; 88 / 230 400 = 0,000382 s ≈ 0,38 ms.

Ein Sensor liefert 4 Byte bei COM1 (4,8 kBit/s), 11 Bit je Byte. Vergleiche die Übertragungszeit mit COM3 aus dem gelösten Beispiel.

44 Bit / 4 800 = 0,00917 s ≈ 9,17 ms. Das ist rund 48-mal länger als die 0,19 ms bei COM3.

Ein Device hat bei COM3 eine Telegrammzeit von 0,38 ms (8 Byte) und eine geräteseitige Mindestzykluszeit von 0,6 ms. Wie groß ist die effektive Zykluszeit?

t_zyklus = 0,38 ms + 0,6 ms = 0,98 ms.

Zwei Devices laufen an COM3 mit je 4 Byte Prozessdaten (Telegrammzeit 0,19 ms). Device A hat eine Mindestzykluszeit von 0,4 ms, Device B von 2,0 ms. Welche effektive Zykluszeit ergibt sich je Device, und welches bestimmt den langsameren Takt?

A: 0,19 + 0,4 = 0,59 ms; B: 0,19 + 2,0 = 2,19 ms. Device B bestimmt mit 2,19 ms den langsameren Takt – obwohl beide gleich schnell übertragen, begrenzt die gerätebedingte Mindestzykluszeit den Gesamttakt.

Ein Sensor liefert bei COM3 4 Byte Prozessdaten (11 Bit je Byte). Die geräteseitige Mindestzykluszeit beträgt 1,5 ms. Welche Größe bestimmt die effektive Zykluszeit maßgeblich?

  • a) Die gerätebedingte Mindestzykluszeit von 1,5 ms, da sie deutlich größer ist als die Übertragungszeit
  • b) Die reine Übertragungszeit von rund 0,19 ms
  • c) Beide Anteile sind gleich groß
  • d) Die Baudrate ist hier der einzige Faktor

Richtig: a)

0,19 ms Übertragung plus 1,5 ms Mindestzykluszeit ergibt 1,69 ms – der gerätebedingte Anteil dominiert klar. b) und d) ignorieren die Mindestzykluszeit. c) ist falsch, die Werte sind weit auseinander.

Wie werden Parameter (Servicedaten) und Diagnose-Ereignisse bei IO-Link übertragen?

  • a) Zyklisch in jedem M-Cycle, gleichberechtigt mit den Prozessdaten
  • b) Azyklisch über einen reservierten On-Request-Bereich, nur bei Bedarf
  • c) Über eine separate zweite Leitung
  • d) Gar nicht, IO-Link überträgt nur Prozessdaten

Richtig: b)

Prozessdaten laufen zyklisch, Parameter und Ereignisse azyklisch über den On-Request-Bereich. So bleibt der zyklische Takt für die Prozessdaten ungestört. a) ist falsch. c) trifft nicht zu, alles läuft über C/Q. d) ignoriert Service- und Ereignisdaten.

Wozu dient die IODD eines IO-Link-Geräts?

  • a) Sie ist die physikalische Steckverbindung
  • b) Sie ist eine herstellerspezifische Verschlüsselung der Daten
  • c) Sie legt die maximale Leitungslänge fest
  • d) Sie beschreibt herstellerübergreifend Prozessdaten, Parameter und Diagnose des Geräts

Richtig: d)

Die IODD ist die Gerätebeschreibungsdatei, mit der das Engineering-Werkzeug das Device einbindet. a), b) und c) beschreiben andere Dinge.

Warum kann IO-Link trotz der niedrigen Baudrate von COM1 (4,8 kBit/s) für viele Sensoraufgaben ausreichen?

  • a) Weil die Prozessdaten in jedem Zyklus ihren festen Platz haben und die Datenmengen klein sind
  • b) Weil COM1 in Wahrheit schneller ist als COM3
  • c) Weil bei COM1 keine Rahmenbits übertragen werden
  • d) Weil Diagnose-Ereignisse die Prozessdaten beschleunigen

Richtig: a)

Sensorprozessdaten sind meist nur wenige Byte groß und haben durch den zyklischen Takt einen garantierten Platz – das genügt für viele Anwendungen auch bei niedriger Rate. b), c) und d) sind fachlich falsch.

5. Parametrieren, Gerätetausch und Diagnose in der Praxis

Der größte praktische Gewinn von IO-Link zeigt sich nicht im laufenden Betrieb, sondern bei Inbetriebnahme und Instandhaltung. Weil die Verbindung digital und bidirektional ist, lassen sich Geräte zentral von der Steuerung aus einstellen – niemand muss mehr an einer schwer zugänglichen Stelle in der Maschine am Sensor selbst drehen.

Die Parameter eines Devices werden dabei nicht nur im Gerät, sondern auch zentral im Master beziehungsweise in der Steuerung hinterlegt. Das ermöglicht die wohl meistgenannte Stärke: den automatischen Gerätetausch. Fällt ein Sensor aus und wird durch ein baugleiches Gerät ersetzt, erkennt der Master das neue Device und überträgt die gespeicherten Parameter automatisch zurück. Diese funktion heißt Data Storage. Das neue Gerät arbeitet sofort mit den richtigen Einstellungen, ohne dass jemand von Hand etwas parametrieren muss. Was bei klassischen Sensoren eine typische Fehlerquelle war, fällt damit weg.

Genauso wertvoll ist die Diagnose. Ein IO-Link-Device kann über die Ereignis-Telegramme melden, wenn etwas nicht stimmt: ein optischer Sensor meldet eine verschmutzte Linse, ein Gerät warnt vor Übertemperatur, ein Anschluss meldet einen Drahtbruch. Diese Meldungen erreichen die Steuerung, bevor es zum Stillstand kommt. So lässt sich Wartung planen, statt auf einen Ausfall zu reagieren – wie Diagnose und Instandhaltung grundsätzlich organisiert werden, ist ein eigenes Thema.

Eingestellt und ausgelesen wird all das über ein Engineering-Werkzeug, das die IODD des jeweiligen Geräts einliest. Darüber sieht man die aktuellen Messwerte, ändert Parameter und liest Diagnosemeldungen aus – herstellerübergreifend, weil die IODD ein einheitliches Format hat.

Ein optischer IO-Link-Sensor an einer Förderanlage wird durch ein baugleiches Gerät ersetzt. Dank welcher Funktion arbeitet das neue Gerät sofort mit den richtigen Einstellungen?

  • a) Dank SIO-Modus, der die Parameter selbst erzeugt
  • b) Dank der Aderfarben, die die Einstellung vorgeben
  • c) Dank Data Storage, das die im Master gespeicherten Parameter automatisch auf das neue Device überträgt
  • d) Gar nicht, das Gerät muss von Hand parametriert werden

Richtig: c)

Data Storage hält die Parameter zentral vor und spielt sie beim Tausch automatisch zurück. a) und b) haben mit Parametrierung nichts zu tun. d) beschreibt genau den Zustand vor IO-Link.

Welche Information kann ein IO-Link-Device zusätzlich zu seinem Messwert an die Steuerung melden?

  • a) Nur den reinen Schaltzustand, mehr nicht
  • b) Ausschließlich die Baudrate
  • c) Diagnosemeldungen wie Verschmutzung, Übertemperatur oder Drahtbruch über Ereignis-Telegramme
  • d) Die Aderfarbe der angeschlossenen Leitung

Richtig: c)

Über Ereignis-Telegramme liefert das Device Diagnoseinformationen – ein zentraler Vorteil gegenüber dem stummen Schaltsignal. a) beschreibt den klassischen Sensor. b) und d) sind keine Diagnoseinhalte.

Worin liegt der praktische Vorteil der Diagnose über IO-Link für die Instandhaltung?

  • a) Sie ersetzt jede Form von Wartung vollständig
  • b) Sie erhöht die Baudrate im Fehlerfall automatisch
  • c) Sie verhindert physikalisch jeden Sensorausfall
  • d) Sie meldet beginnende Probleme frühzeitig, sodass Wartung geplant statt reaktiv erfolgen kann

Richtig: d)

Frühzeitige Meldungen erlauben geplante statt reaktiver Wartung. a) und c) überschätzen die Funktion – Diagnose verhindert keinen Defekt, sie kündigt ihn an. b) ist erfunden.

IO-Link hat sich in der Automatisierungstechnik durchgesetzt, weil es eine ganze Reihe alltäglicher Probleme auf einmal löst – aber es ist kein Allheilmittel. Eine ehrliche Einordnung gehört dazu.

Die Stärken liegen auf der Hand. Die Verkabelung bleibt einfach, weil die vorhandene dreiadrige Standardleitung genügt. Geräte lassen sich flexibel tauschen und zentral parametrieren. Die Diagnose macht den Zustand jedes einzelnen Geräts sichtbar. Und weil sich Parameter und Seriennummern auslesen lassen, ist auch die Rückverfolgbarkeit gegeben – wichtig in Branchen mit Dokumentationspflicht.

Die Grenzen ergeben sich aus dem Prinzip. Punkt-zu-Punkt heißt: ein Gerät pro Port, kein gemeinsamer Bus über lange Strecken. Die Reichweite ist auf 20 m begrenzt. Und IO-Link ist für Sensorik und einfache Aktorik ausgelegt, nicht für hochdynamische Aufgaben wie eine schnelle Achsregelung an einem Servoantrieb – dafür sind die Baudraten und Zykluszeiten nicht gedacht.

Zur Abgrenzung: Ein Feldbus oder AS-Interface vernetzt viele Teilnehmer über eine gemeinsame Leitung und deckt größere Anlagenwege ab. IO-Link ersetzt diese Ebene nicht, sondern ergänzt sie unterhalb – der IO-Link-Master hängt selbst am Feldbus. Die Details dieser Systeme sind jeweils eigene Themen.

Typische Einsätze sind die Sensorik an Förderanlagen, Greifer und Handhabungstechnik, Ventilinseln in der Pneumatik sowie allgemein der Maschinen- und Anlagenbau, wo viele Sensoren auf engem Raum stehen und Diagnose und schneller Tausch zählen.

Für welche Aufgabe ist IO-Link typischerweise nicht die richtige Wahl?

  • a) Anbindung optischer Sensoren an einer Förderanlage
  • b) Hochdynamische Lageregelung einer schnellen Servoachse
  • c) Parametrierung einer pneumatischen Ventilinsel
  • d) Diagnose verschmutzungsgefährdeter Sensoren

Richtig: b)

Für hochdynamische Achsregelung sind die Baudraten und Zykluszeiten von IO-Link nicht ausgelegt – dafür gibt es schnellere, echtzeitfähige Systeme. a), c) und d) sind klassische IO-Link-Einsätze.

Wie verhält sich IO-Link zu einem Feldbus im Anlagenaufbau?

  • a) IO-Link ersetzt den Feldbus vollständig
  • b) IO-Link und Feldbus sind dasselbe
  • c) IO-Link ergänzt den Feldbus unterhalb der Master-Ebene; der Master hängt selbst am Feldbus
  • d) Der Feldbus hängt am IO-Link-Device

Richtig: c)

IO-Link sitzt unter dem Feldbus, der Master ist das Bindeglied. a) und b) sind falsch. d) kehrt die Hierarchie um.

Welche Eigenschaft von IO-Link ist in Branchen mit Dokumentationspflicht besonders wertvoll?

  • a) Die maximale Leitungslänge von 20 m
  • b) Die Rückverfolgbarkeit, weil Parameter und Seriennummern der Geräte auslesbar sind
  • c) Die ungeschirmte Leitung
  • d) Der SIO-Modus

Richtig: b)

Auslesbare Parameter und Seriennummern erlauben eine lückenlose Dokumentation. a), c) und d) tragen zur Rückverfolgbarkeit nichts bei.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein IO-Link-Device überträgt 6 Byte Prozessdaten bei COM3 (230,4 kBit/s) mit 11 Bit je Byte. Berechne die reine Telegramm-Übertragungszeit.

Gegeben: n_bytes = 6; bits_pro_byte = 11; baudrate = 230 400 Bit/s

Gesucht: t_tele in ms

Lösungsweg:

6 · 11 = 66 Bit; t_tele = 66 / 230 400 = 0,000286 s

Ergebnis: rund 0,29 ms

Aufgabe 2: Dasselbe Device aus Aufgabe 1 hat eine gerätebedingte Mindestzykluszeit von 0,5 ms. Berechne die effektive Zykluszeit.

Gegeben: t_tele = 0,29 ms; t_min = 0,5 ms

Gesucht: t_zyklus in ms

Lösungsweg:

t_zyklus = 0,29 ms + 0,5 ms

Ergebnis: 0,79 ms

Aufgabe 3: Ein Sensor liefert 2 Byte bei COM2 (38,4 kBit/s), 11 Bit je Byte. Berechne die Übertragungszeit.

Gegeben: n_bytes = 2; bits_pro_byte = 11; baudrate = 38 400 Bit/s

Gesucht: t_tele in ms

Lösungsweg:

2 · 11 = 22 Bit; t_tele = 22 / 38 400 = 0,000573 s

Ergebnis: rund 0,57 ms

Aufgabe 4: Vergleiche die Übertragungszeit von 4 Byte (11 Bit je Byte) bei COM1 (4,8 kBit/s) und COM3 (230,4 kBit/s). Um welchen Faktor unterscheiden sie sich?

Gegeben: n_bytes = 4; bits_pro_byte = 11; baudrate_1 = 4 800; baudrate_3 = 230 400

Gesucht: beide Zeiten und der Faktor

Lösungsweg:

44 Bit / 4 800 = 9,17 ms; 44 Bit / 230 400 = 0,19 ms; Faktor = 230 400 / 4 800 = 48

Ergebnis: COM1 ≈ 9,17 ms, COM3 ≈ 0,19 ms, Faktor 48

Warum ist IO-Link kein Feldbus?

  • a) Weil es eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen Master und einem einzelnen Device ist, statt viele Teilnehmer über eine gemeinsame Leitung zu vernetzen
  • b) Weil es schneller als jeder Feldbus ist
  • c) Weil es keine digitale Übertragung nutzt
  • d) Weil es ausschließlich Analogsignale überträgt

Richtig: a)

Der Kernunterschied ist die Punkt-zu-Punkt-Topologie ohne geteilte Busleitung. b) ist nicht das Unterscheidungsmerkmal. c) und d) sind falsch – IO-Link überträgt digital.

Ein Device wird im COM-Modus betrieben. Welche Aussage zu den Datenarten stimmt?

  • a) Prozessdaten und Parameter werden gleichberechtigt zyklisch übertragen
  • b) Prozessdaten laufen zyklisch in jedem M-Cycle, Parameter und Ereignisse azyklisch über den On-Request-Bereich
  • c) Alles wird azyklisch übertragen
  • d) Es werden nur Diagnosedaten übertragen

Richtig: b)

Die saubere Trennung – zyklische Prozessdaten, azyklische Service- und Ereignisdaten – ist das Grundprinzip. Die übrigen Aussagen widersprechen dem.

Welche Pin- und Farbzuordnung ist korrekt?

  • a) Pin 4 = L+ braun
  • b) Pin 3 = C/Q schwarz
  • c) Pin 1 = L+ braun, Pin 3 = L− blau, Pin 4 = C/Q schwarz
  • d) Pin 1 = C/Q blau

Richtig: c)

Genormt ist Pin 1 L+ (braun), Pin 3 L− (blau), Pin 4 C/Q (schwarz). Die anderen Optionen vertauschen Zuordnungen.

Ein Class-B-Device wird versehentlich an einen Class-A-Port angeschlossen. Was ist die wahrscheinliche Folge?

  • a) Höhere Baudrate
  • b) Die Kommunikation wird automatisch verschlüsselt
  • c) Der Sensor wechselt in den SIO-Modus
  • d) Der Aktor erhält keine ausreichende, galvanisch getrennte Versorgung und kann fehlerhaft arbeiten oder den Masterkreis belasten

Richtig: d)

Class B braucht die Zusatzversorgung auf Pin 2 und 5, die Class A nicht liefert. Das führt zu Unterversorgung oder Überlastung. Die anderen Antworten sind ohne Bezug.

Eine Anlage benötigt zwischen Master und Sensor eine Leitungslänge von 35 m. Was folgt daraus für IO-Link?

  • a) Die 35 m überschreiten die maximale IO-Link-Leitungslänge von 20 m – die Übertragung ist nicht spezifikationskonform
  • b) Kein Problem, IO-Link erlaubt beliebige Längen
  • c) Bei langen Leitungen verdoppelt sich die Baudrate
  • d) Die Leitung muss nur geschirmt werden, dann sind 35 m zulässig

Richtig: a)

IO-Link ist auf maximal 20 m ausgelegt. 35 m liegen darüber. b) ist falsch. c) ist erfunden. d) löst das Längenproblem nicht.

Was beschreibt die IODD eines Geräts?

  • a) Die mechanische Bauform des Steckers
  • b) Prozessdaten, Parameter und Diagnose des Geräts in einem herstellerübergreifenden Format
  • c) Die Farbe der Anschlussleitung
  • d) Den Schaltplan des gesamten Schaltschranks

Richtig: b)

Die IODD ist die Gerätebeschreibungsdatei für das Engineering-Werkzeug. Die anderen Optionen beschreiben Unzutreffendes.

Welche Aussage zum M-Cycle ist richtig?

  • a) Er ist die maximale Leitungslänge
  • b) Er ist eine Aderfarbe
  • c) Er bezeichnet einen kompletten Frage-Antwort-Durchgang zwischen Master und Device
  • d) Er ist die Bezeichnung für den SIO-Modus

Richtig: c)

M-Cycle (Master-Cycle) ist the zyklische Kommunikationsdurchgang. Die übrigen Antworten sind sachfremd.

Ein Sensor mit 4 Byte Prozessdaten an COM3 hat eine Telegrammzeit von rund 0,19 ms, aber eine gerätebedingte Mindestzykluszeit von 2,0 ms. Welche Aussage stimmt?

  • a) Die effektive Zykluszeit beträgt rund 0,19 ms
  • b) Die Mindestzykluszeit ist irrelevant
  • c) Die Übertragungszeit und die Mindestzykluszeit dürfen nicht addiert werden
  • d) Die effektive Zykluszeit beträgt rund 2,19 ms, der gerätebedingte Anteil bestimmt den Takt

Richtig: d)

t_zyklus = 0,19 + 2,0 = 2,19 ms; das träge Gerät bestimmt den Takt, nicht die Baudrate. a) und b) ignorieren die Mindestzykluszeit. c) ist falsch, genau diese Summe ergibt die effektive Zeit.

Warum lässt sich ein IO-Link-Sensor auch ohne Master an einer normalen digitalen Eingangskarte betreiben?

  • a) Weil er im SIO-Modus wie ein klassischer Sensor ein binäres Schaltsignal über C/Q liefert
  • b) Weil er ohne Master gar nicht anläuft
  • c) Weil die Eingangskarte selbst zum Master wird
  • d) Weil er dann automatisch auf COM3 umschaltet

Richtig: a)

Ohne Master bleibt der Port im SIO-Modus, C/Q ist eine reine Schaltleitung. b) ist der verbreitete Irrtum. c) und d) sind falsch.

Welcher Vorteil von IO-Link wirkt sich am stärksten auf die ungeplanten Stillstandszeiten einer Anlage aus?

  • a) Die feste Leitungslänge von 20 m
  • b) Die frühzeitige Diagnose, die beginnende Probleme meldet, bevor ein Gerät ganz ausfällt
  • c) Die Aderfarben
  • d) Der SIO-Modus

Richtig: b)

Frühe Diagnosemeldungen erlauben geplante Wartung und reduzieren ungeplante Stopps. Die anderen Punkte haben darauf keinen direkten Einfluss.

Ein Device unterstützt nur COM2 (38,4 kBit/s). Was bedeutet das für den Master?

  • a) Der Master kann das Gerät nicht betreiben
  • b) Der Master zwingt das Device auf COM3
  • c) Der Master passt sich an und kommuniziert mit diesem Device über COM2
  • d) Das Device muss in den SIO-Modus wechseln

Richtig: c)

Die Übertragungsrate gibt das Device vor, der Master passt sich pro Port an. a), b) und d) sind falsch.

Welche Funktion macht den Tausch eines defekten IO-Link-Sensors besonders einfach?

  • a) Der SIO-Modus
  • b) Die ungeschirmte Leitung
  • c) Die maximale Leitungslänge
  • d) Data Storage, das die Parameter automatisch auf das Ersatzgerät überträgt

Richtig: d)

Data Storage spielt die gespeicherten Parameter automatisch zurück, sodass das Ersatzgerät sofort richtig arbeitet. Die anderen Optionen leisten das nicht.

Glossar

IO-Link
standardisierte digitale Punkt-zu-Punkt-Kommunikation zwischen einem Master und einem einzelnen Sensor oder Aktor, genormt als SDCI in IEC 61131-9.
Master
Baugruppe mit mehreren Ports, an der die Devices angeschlossen werden; bündelt deren Daten und reicht sie über den Feldbus an die Steuerung weiter.
Device
der einzelne Sensor oder Aktor, der über einen Port mit dem Master verbunden ist.
Port
einzelner Anschluss am Master, an dem genau ein Device über eine eigene Punkt-zu-Punkt-Leitung hängt.
C/Q
Signalader auf Pin 4 (Communication/Qualifier), die im SIO-Modus als Schaltleitung und im COM-Modus als Datenleitung arbeitet.
SIO-Modus
Standard-Input/Output-Betrieb, in dem das Device wie ein klassischer Sensor ein binäres Schaltsignal liefert.
COM-Modus
Kommunikationsbetrieb, in dem Master und Device digitale Telegramme über C/Q austauschen.
Port-Class A
Anschlussart mit drei Adern; Pin 2 herstellerspezifisch, meist als zusätzlicher digitaler Ein- oder Ausgang.
Port-Class B
Anschlussart mit fünf Adern und einer galvanisch getrennten Zusatzversorgung für Aktoren über Pin 2 und Pin 5.
M-Cycle
Master-Cycle, ein vollständiger zyklischer Frage-Antwort-Durchgang zwischen Master und Device.
Prozessdaten
die zyklisch in jedem M-Cycle übertragenen Nutzwerte eines Geräts, etwa Messwert oder Schaltzustand.
Servicedaten
Parameter und Einstellungen, die azyklisch über den On-Request-Bereich übertragen werden.
IODD
IO Device Description, herstellergelieferte Gerätebeschreibungsdatei mit Prozessdaten, Parametern und Diagnoseinformationen.
Data Storage
Funktion, die gespeicherte Geräteparameter beim Tausch automatisch auf ein baugleiches Ersatz-Device überträgt.

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