PROFIBUS

In einer Maschine sitzen heute Dutzende Sensoren, Ventile und Antriebe verteilt über mehrere Meter. Früher zog man von jedem einzelnen Gerät eine eigene Leitung zur Steuerung — ein Kabelbaum aus Hunderten Adern, fehleranfällig und teuer. PROFIBUS ersetzt dieses Geflecht durch eine einzige Zweidrahtleitung, an der alle Teilnehmer hängen. Dieser Beitrag zeigt, wie diese Leitung aufgebaut ist, wie der Datenverkehr darauf geregelt wird und worauf es beim Aufbau und bei der Fehlersuche in der Praxis ankommt.

Vorwissen

  • Serielle Datenübertragung und Bussysteme — Grundbegriffe
  • Was ist eine SPS — Aufbau und Funktion
  • Digitale und analoge Signale

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, was PROFIBUS ist und wie sich die Varianten DP und PA unterscheiden
  • den physikalischen Aufbau einer PROFIBUS-Leitung samt Busabschluss beschreiben und begründen
  • den Zusammenhang zwischen Übertragungsrate und maximaler Segmentlänge anwenden und die nötige Repeater-Anzahl berechnen
  • das Master-Slave-Zugriffsverfahren mit Token-Weitergabe erklären
  • einen PROFIBUS-Strang korrekt adressieren, in Betrieb nehmen und typische Fehler eingrenzen

1. Warum überhaupt ein Feldbus — und was PROFIBUS ist

Bei klassischer Parallelverdrahtung bekommt jedes Feldgerät seine eigene Leitung zur Steuerung. Bei großen Anlagen werden daraus schnell hunderte Adern, mit entsprechendem Verdrahtungs-, Platz- und Fehleraufwand. Ein Feldbus dreht das Prinzip um: Alle Teilnehmer teilen sich ein gemeinsames Kabel und tauschen ihre Daten nacheinander digital darüber aus. Die Grundlagen dieses Prinzips werden in einem eigenen Beitrag behandelt — hier reicht der Kerngedanke: weniger Kabel, definierte Kommunikation, einfachere Erweiterung.

PROFIBUS (Process Field Bus) ist einer der am weitesten verbreiteten Feldbusse in der industriellen Automatisierung. Er verbindet eine Steuerung mit dezentral verteilten Sensoren, Aktoren und Antrieben über eine serielle Leitung.

Es gibt zwei Varianten, die man auseinanderhalten sollte: PROFIBUS DP und PROFIBUS PA.

Variante Einsatz Besonderheit
PROFIBUS DP Fertigungsautomatisierung, dezentrale Peripherie schnell, am häufigsten verbreitet
PROFIBUS PA Prozessautomatisierung, oft Ex-Bereiche eigensichere Speisung über die Busleitung

PROFIBUS PA spielt seine Stärke dort aus, wo brennbare Gase oder Stäube eine eigensichere Versorgung verlangen — etwa bei der Füllstands- und Druckmessung in großen Tankanlagen der chemischen Industrie oder in Raffinerien. Der Schwerpunkt dieses Beitrags liegt aber auf PROFIBUS DP, weil das die Variante ist, die einem im Maschinen- und Anlagenbau am häufigsten begegnet.

Eine Anlage hat 40 verteilte Sensoren und Aktoren. Welche Aussage zum Vergleich Parallelverdrahtung gegenüber Feldbus trifft zu?

  • a) Beide benötigen pro Gerät eine eigene Signalleitung zur Steuerung
  • b) Der Feldbus verbindet alle Geräte über eine gemeinsame Leitung und reduziert so den Verdrahtungsaufwand
  • c) Die Parallelverdrahtung ist bei vielen Geräten grundsätzlich störsicherer und damit zu bevorzugen
  • d) Der Feldbus benötigt pro Gerät zwei separate Leitungen

Richtig: b)

Der Kern des Feldbus-Prinzips ist die gemeinsame Leitung für alle Teilnehmer, daher ist b) richtig. a) beschreibt nur die Parallelverdrahtung. c) verwechselt Verdrahtungsaufwand mit Störsicherheit — der Vorteil des Feldbus liegt im reduzierten Aufwand. d) widerspricht dem Grundprinzip der gemeinsamen Leitung.

Wodurch unterscheidet sich PROFIBUS PA hauptsächlich von PROFIBUS DP?

  • a) PA überträgt grundsätzlich mit höherer Geschwindigkeit als DP
  • b) PA verwendet keine serielle Übertragung
  • c) PA benötigt keine Teilnehmeradressen
  • d) PA ist auf eigensichere Anwendungen in der Prozessautomatisierung ausgelegt

Richtig: d)

PA ist für die Prozessautomatisierung mit eigensicherer Speisung gedacht, daher d). a) ist falsch — DP ist die schnelle Variante. b) und c) treffen nicht zu, beide Varianten arbeiten seriell und adressiert.

2. Physikalische Übertragung: RS485 und der Buskabel-Aufbau

PROFIBUS DP überträgt seine Daten über eine RS485-Schnittstelle — ein serieller Übertragungsstandard, der ein Signal als Spannungsdifferenz zwischen zwei Adern überträgt. Dieses Differenzprinzip macht die Übertragung robust gegen elektrische Störungen; die Details dazu gehören in den Beitrag zu den seriellen Schnittstellen. Für PROFIBUS zählen vor allem die konkreten Hardware-Eigenschaften.

Das PROFIBUS-Standardkabel ist eine geschirmte, verdrillte Zweidrahtleitung in charakteristischem Violett. Die beiden Datenadern sind farblich eindeutig zugeordnet: die grüne Ader führt das Signal A, die rote das Signal B. Diese feste Farbzuordnung erleichtert die korrekte Verdrahtung über die ganze Anlage hinweg. Als Steckverbinder ist im DP-Bereich der 9-polige D-Sub-Stecker (DB9) Standard, in rauer Umgebung kommt auch der M12-Rundsteckverbinder zum Einsatz.

Die Teilnehmer werden in Linientopologie aneinandergereiht: Das Kabel läuft vom ersten zum letzten Gerät durch, jeder Teilnehmer hängt an dieser durchgehenden Linie. Kurze Abzweigungen zu einzelnen Geräten nennt man Stichleitungen — sie sollten kurz bleiben, bei hohen Übertragungsraten möglichst ganz vermieden werden.

An beiden Enden der Linie sitzt ein Busabschluss (Terminierung) — ein definiertes Widerstandsnetzwerk. Der Grund dafür ist physikalisch: An einem offenen Leitungsende würde das ankommende Signal reflektiert und liefe als Echo zurück über den Bus. Diese Signalreflexionen überlagern sich mit den eigentlichen Daten und verfälschen sie. Der Abschlusswiderstand „schluckt“ das Signal am Ende, sodass keine Reflexion entsteht. Deshalb muss der Abschluss an genau den beiden physikalischen Enden aktiv sein — nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Der Kabelschirm wird beidseitig auf das Anlagenpotential aufgelegt. So werden eingekoppelte Störungen abgeleitet, bevor sie die Datenadern erreichen.

Abschluss R Abschluss R Master Slave 1 Slave 2 Slave 3 Linientopologie — durchgehende Busleitung mit Abschluss an beiden Enden

Warum muss eine PROFIBUS-Leitung an beiden Enden abgeschlossen werden?

  • a) Um Signalreflexionen am offenen Leitungsende zu verhindern
  • b) Damit die Versorgungsspannung gleichmäßig verteilt wird
  • c) Um die Teilnehmer galvanisch zu trennen
  • d) Um die maximale Teilnehmerzahl zu erhöhen

Richtig: a)

Der Abschluss verhindert, dass das Signal am offenen Ende reflektiert wird und die Daten verfälscht — daher a). b) und c) beschreiben Funktionen, die der Abschluss nicht hat. d) ist falsch, mit der Terminierung hat die Teilnehmerzahl nichts zu tun.

Ein Techniker findet an einem PROFIBUS-Strang drei aktive Abschlusswiderstände: an beiden Enden und zusätzlich an einem Gerät in der Mitte. Welche Folge ist zu erwarten?

  • a) Keine, zusätzliche Abschlüsse verbessern immer die Signalqualität
  • b) Die Übertragungsrate verdoppelt sich automatisch
  • c) Der Bus funktioniert nur noch mit halber Teilnehmerzahl
  • d) Der mittlere Abschluss belastet den Bus zusätzlich und kann die Signalpegel verfälschen

Richtig: d)

Ein Abschluss in der Mitte is ein Fehler: Das zusätzliche Widerstandsnetzwerk belastet die Leitung und verschlechtert die Signalpegel, daher d). a) ist falsch, nur die beiden Enden gehören abgeschlossen. b) und c) haben keinen physikalischen Bezug zum Problem.

Welche Aderzuordnung ist beim PROFIBUS-Standardkabel korrekt?

  • a) Ader A grün, Ader B rot
  • b) Ader A rot, Ader B grün
  • c) Ader A blau, Ader B schwarz
  • d) Die Farben sind nicht festgelegt

Richtig: a)

Beim PROFIBUS-Kabel is die grüne Ader dem Signal A und die rote dem Signal B zugeordnet — daher a). Die feste Zuordnung verhindert Verdrahtungsfehler, deshalb ist d) falsch; b) vertauscht die Farben.

3. Übertragungsrate, Leitungslänge und Segmente

Die Übertragungsrate (Baudrate) lässt sich bei PROFIBUS in Stufen einstellen — von 9,6 kbit/s bis 12 Mbit/s. Dabei gilt ein wichtiger Zusammenhang: Je höher die Baudrate, desto kürzer die maximal zulässige Leitungslänge eines Segments. Ein Segment ist der Leitungsabschnitt zwischen zwei Abschlüssen, ohne zwischengeschalteten Repeater. Der Grund für die Begrenzung liegt in der Signallaufzeit und der Dämpfung: schnelle Signale „vertragen“ weniger Leitungslänge.

Baudrate max. Segmentlänge
9,6 – 187,5 kbit/s 1000 m
500 kbit/s 400 m
1,5 Mbit/s 200 m
3 – 12 Mbit/s 100 m

Pro Segment sind maximal 32 Teilnehmer erlaubt (inklusive Repeater, die ein Segment belegen). Reicht eine Strecke nicht aus oder werden mehr Teilnehmer gebraucht, schaltet man einen Repeater dazu. Er frischt das Signal auf und beginnt ein neues Segment. So lässt sich sowohl die Gesamtlänge als auch die Teilnehmerzahl erhöhen — insgesamt sind bis zu 126 Teilnehmeradressen vergeben (0 bis 125).

Wie viele Repeater man für eine gewünschte Gesamtlänge braucht, ergibt sich aus der Segmentlänge:

n = aufrunden(L_ges / L_seg) – 1

  • n ….. Anzahl der nötigen Repeater
  • L_ges . gewünschte Gesamtlänge in m
  • L_seg . max. Segmentlänge bei gewählter Baudrate in m

Das Aufrunden sorgt dafür, dass ein angefangenes Segment voll zählt; das „−1“ ergibt sich daraus, dass das erste Segment ohne Repeater auskommt — jedes weitere Segment braucht einen.

Gelöstes Beispiel

Eine Anlage soll mit 1,5 Mbit/s über eine Gesamtstrecke von 700 m betrieben werden. Wie viele Repeater sind nötig?

Gegeben: gewünschte Gesamtlänge: L_ges = 700 m, Baudrate 1,5 Mbit/s → max. Segmentlänge L_seg = 200 m

Gesucht: Anzahl der Repeater n

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Anzahl benötigter Segmente: 700 m / 200 m = 3,5 → aufgerundet 4 Segmente
  2. Schritt 2 — Repeater = Segmente − 1: n = 4 − 1 = 3

Ergebnis: Es sind 3 Repeater nötig.

Übungen

Eine Strecke von 350 m soll mit 500 kbit/s betrieben werden. Wie viele Repeater sind nötig?

Segmentlänge bei 500 kbit/s = 400 m. 350 m / 400 m = 0,875 → aufgerundet 1 Segment. n = 1 − 1 = 0. Kein Repeater nötig.

Eine Anlage arbeitet mit 12 Mbit/s und soll 280 m überbrücken. Wie viele Repeater sind nötig?

Segmentlänge bei 12 Mbit/s = 100 m. 280 m / 100 m = 2,8 → aufgerundet 3 Segmente. n = 3 − 1 = 2 Repeater.

Bei 187,5 kbit/s soll eine Gesamtstrecke von 2500 m aufgebaut werden. Wie viele Repeater sind nötig?

Segmentlänge = 1000 m. 2500 m / 1000 m = 2,5 → aufgerundet 3 Segmente. n = 3 − 1 = 2 Repeater.

Ein Strang mit 1,5 Mbit/s besteht aus 3 Segmenten zu je 200 m. Welche maximale Gesamtlänge ergibt sich, und wie viele Repeater stecken darin?

3 × 200 m = 600 m maximale Gesamtlänge. Repeater = Segmente − 1 = 3 − 1 = 2 Repeater.

Eine Anlage hat 70 Teilnehmer und arbeitet mit 500 kbit/s über 900 m. Prüfe sowohl die Längen- als auch die Teilnehmerbedingung und gib an, wie viele Repeater mindestens nötig sind.

Längenbedingung: Segmentlänge 400 m, 900 m / 400 m = 2,25 → 3 Segmente → 2 Repeater. Teilnehmerbedingung: max. 32 pro Segment, 70 Teilnehmer brauchen aufgerundet 3 Segmente (3 × 32 = 96 ≥ 70) → ebenfalls 2 Repeater. Beide Bedingungen verlangen 3 Segmente, also sind mindestens 2 Repeater nötig.

Eine Anlage wird von 1,5 Mbit/s auf 12 Mbit/s umgestellt, die Leitungslänge bleibt gleich. Welche Folge ist zu erwarten?

  • a) Die maximale Segmentlänge steigt, Repeater können entfallen
  • b) Die Segmentlänge bleibt von der Baudrate unberührt
  • c) Die maximal zulässige Segmentlänge sinkt, eventuell sind zusätzliche Repeater nötig
  • d) Die Teilnehmerzahl pro Segment steigt automatisch auf 64

Richtig: c)

Höhere Baudrate verkürzt die zulässige Segmentlänge (von 200 m auf 100 m), daher kann die bisherige Strecke zu lang werden — c). a) und b) widersprechen dem Zusammenhang. d) ist falsch, die Grenze von 32 Teilnehmern pro Segment hängt nicht an der Baudrate.

Eine Strecke von 600 m soll mit 500 kbit/s aufgebaut werden. Wie viele Repeater sind nötig?

  • a) 1
  • b) 0
  • c) 2
  • d) 3

Richtig: a)

Bei 500 kbit/s beträgt die Segmentlänge 400 m. 600 m / 400 m = 1,5 → aufgerundet 2 Segmente. Repeater = 2 − 1 = 1, daher a). b) würde nur bis 400 m reichen, c) und d) überschätzen die nötige Segmentzahl.

Warum begrenzt eine höhere Baudrate die zulässige Leitungslänge?

  • a) Weil mehr Teilnehmer angeschlossen werden müssen
  • b) Weil der Abschlusswiderstand sich mit der Baudrate ändert
  • c) Weil die Versorgungsspannung mit der Länge sinkt
  • d) Wegen Signallaufzeit und Dämpfung auf der Leitung

Richtig: d)

Schnelle Signale reagieren empfindlicher auf Laufzeit und Dämpfung, deshalb sinkt die zulässige Länge — d). a), b) und c) beschreiben keinen Zusammenhang zwischen Baudrate und Leitungslänge.

4. Buszugriff: Master-Slave und Token-Verfahren

Auf einer gemeinsamen Leitung darf nicht jeder gleichzeitig senden, sonst überlagern sich die Signale. PROFIBUS regelt den Zugriff über zwei Teilnehmerrollen:

Ein Master ist ein aktiver Teilnehmer — typischerweise die SPS. Er fragt die anderen Geräte ab und steuert den Datenverkehr. Ein Slave ist ein passiver Teilnehmer — ein Sensor-/Aktormodul, ein Antrieb, ein dezentrales E/A-Modul. Ein Slave sendet nur, wenn der Master ihn dazu auffordert.

Bei einem Mono-Master-System gibt es genau einen Master. Er ruft der Reihe nach jeden Slave auf (Polling), tauscht mit ihm die Ein- und Ausgangsdaten aus und geht zum nächsten. Ein kompletter Durchlauf über alle Slaves ist die Buszykluszeit — sie bestimmt, wie schnell die Steuerung auf Änderungen reagiert.

Bei einem Multi-Master-System teilen sich mehrere Master den Bus. Damit sich diese aktiven Teilnehmer nicht ins Gehege kommen, wird ein Token (eine Sendeberechtigung) zwischen ihnen weitergereicht. Nur der Master, der den Token gerade besitzt, darf seine Slaves abfragen. Danach gibt er den Token an den nächsten Master weiter. So entsteht ein geordneter, kollisionsfreier Ablauf: Token-Passing zwischen den Mastern, Polling der Slaves durch den jeweiligen Master.

Master 1 Master 2 Token-Weitergabe Slave A Slave B Slave C Polling der Slaves durch den Master mit Token

Wann darf ein Slave auf einem PROFIBUS senden?

  • a) Jederzeit, sobald er neue Daten hat
  • b) Nur wenn der Master ihn dazu auffordert
  • c) Nur wenn er den Token besitzt
  • d) Sobald die Buszykluszeit abgelaufen ist

Richtig: b)

Slaves sind passiv und antworten ausschließlich auf Aufforderung des Masters, daher b). a) würde zu Kollisionen führen. c) ist falsch — der Token wird zwischen Mastern weitergegeben, nicht an Slaves. d) hat keinen Bezug zur Sendeberechtigung.

Eine Anlage hat zwei SPS-Master an einem Bus. Wie wird verhindert, dass beide gleichzeitig senden?

  • a) Beide senden gleichzeitig, der Bus filtert Kollisionen heraus
  • b) Der langsamere Master wartet immer auf den schnelleren
  • c) Ein Token wird zwischen den Mastern weitergereicht; nur der Besitzer darf senden
  • d) Die Slaves entscheiden, welcher Master senden darf

Richtig: c)

Im Multi-Master-Betrieb regelt das Token-Passing den Zugriff, daher c). a) widerspricht dem Prinzip der Kollisionsvermeidung. b) und d) beschreiben keine real existierenden Mechanismen bei PROFIBUS.

Eine Anlage mit einem Master fragt 20 Slaves ab. Was passiert mit der Buszykluszeit, wenn 20 weitere Slaves hinzukommen?

  • a) Sie bleibt gleich, weil der Master parallel abfragt
  • b) Sie halbiert sich automatisch
  • c) Sie hängt nur von der Baudrate, nicht von der Teilnehmerzahl ab
  • d) Sie verlängert sich, weil mehr Slaves nacheinander abgefragt werden

Richtig: d)

Der Master fragt die Slaves nacheinander ab; mehr Slaves bedeuten einen längeren Durchlauf, daher d). a) ist falsch, das Polling ist seriell. b) ergibt keinen Sinn. c) ist unvollständig — die Zykluszeit hängt sowohl von Baudrate als auch von der Teilnehmerzahl ab.

5. Adressierung, GSD-Dateien und Inbetriebnahme

Jeder Teilnehmer am Bus braucht eine eindeutige Teilnehmeradresse zwischen 0 und 125. Wird eine Adresse doppelt vergeben, kommt es zu Konflikten und der betroffene Teilnehmer fällt aus oder stört den Bus. Die Adresse stellt man je nach Gerät über Drehschalter, DIP-Schalter oder per Software ein.

Damit das Projektierungstool ein Gerät kennt, gibt es zu jedem PROFIBUS-Gerät eine GSD-Datei (Geräte-Stammdaten-Datei). Sie ist eine standardisierte Textbeschreibung der Eigenschaften des Geräts: unterstützte Baudraten, Anzahl und Art der Ein- und Ausgänge, Parameter. Der Gerätehersteller liefert sie mit. Im Projektierungstool importiert man die GSD-Datei und kann das Gerät dann am virtuellen Bus platzieren und konfigurieren.

Der Hochlauf eines PROFIBUS-DP-Systems läuft in einer festen Reihenfolge ab:

Phase Was passiert
Projektierung Geräte über GSD-Dateien im Tool anlegen, Adressen und Baudrate festlegen
Parametrierung Master überträgt beim Start die Parameter an jeden Slave
Konfiguration Master prüft, ob die reale E/A-Belegung des Slaves zur Projektierung passt
Datenaustausch Zyklischer Austausch der Prozessdaten — der Normalbetrieb

Geht beim Hochlauf etwas schief, hängt der Slave nicht im Datenaustausch. Die Diagnose-LEDs am Gerät geben dann oft den ersten Hinweis: Sie zeigen typischerweise an, ob das Gerät versorgt ist, ob Buskommunikation stattfindet und ob ein Fehler ansteht.

Welche Folge hat eine doppelt vergebene Teilnehmeradresse?

  • a) Es entsteht ein Adresskonflikt, der betroffene Teilnehmer stört oder fällt aus
  • b) Der Bus arbeitet mit doppelter Geschwindigkeit
  • c) Beide Geräte teilen sich die Adresse problemlos
  • d) Die Buszykluszeit verkürzt sich

Richtig: a)

Adressen müssen eindeutig sein; eine Doppelvergabe führt zum Konflikt, daher a). b), c) und d) beschreiben keine realen Auswirkungen einer Adressdopplung.

Wozu dient die GSD-Datei?

  • a) Sie speichert die zyklischen Prozessdaten während des Betriebs
  • b) Sie ersetzt den Busabschluss in Software
  • c) Sie legt die Buszykluszeit fest
  • d) Sie beschreibt die Geräteeigenschaften standardisiert für das Projektierungstool

Richtig: d)

Die GSD-Datei ist die standardisierte Gerätebeschreibung für die Projektierung, daher d). a) ist falsch, Prozessdaten laufen im zyklischen Austausch. b) und c) beschreiben Funktionen, die die GSD-Datei nicht hat.

In welcher Hochlaufphase prüft der Master, ob die reale E/A-Belegung eines Slaves zur Projektierung passt?

  • a) Projektierung
  • b) Parametrierung
  • c) Konfiguration
  • d) Datenaustausch

Richtig: c)

In der Konfigurationsphase vergleicht the Master die reale Belegung mit der projektierten, daher c). a) und b) liegen davor, d) ist der Normalbetrieb nach erfolgreichem Hochlauf.

Ein Slave kommt nach einem Modultausch nicht in den Datenaustausch. Die Versorgungs-LED leuchtet, die Bus-LED blinkt rot. Was ist die wahrscheinlichste erste Prüfung?

  • a) Den Busabschluss an allen Teilnehmern aktivieren
  • b) Adresse und projektierte Konfiguration des getauschten Moduls prüfen
  • c) Die Baudrate auf den höchsten Wert stellen
  • d) Alle Slaves vom Bus trennen

Richtig: b)

Versorgung ist vorhanden, aber die Kommunikation scheitert — typisch nach einem Tausch sind falsche Adresse oder abweichende Konfiguration, daher b). a) ist falsch (Abschluss nur an den Enden), c) und d) sind keine sinnvollen ersten Schritte.

6. Aufbauregeln und Fehlersuche in der Praxis

Die meisten PROFIBUS-Probleme sind keine Software-, sondern Verdrahtungsprobleme. Ein paar Regeln verhindern die häufigsten Fehler.

Der PROFIBUS-Standardstecker hat einen integrierten, ein- und ausschaltbaren Abschlusswiderstand. An den beiden Endgeräten wird er eingeschaltet, an allen Geräten dazwischen ausgeschaltet. Das macht das Umkonfigurieren beim Erweitern einfach — vorausgesetzt, man denkt daran.

Stichleitungen sollten so kurz wie möglich bleiben. Bei hohen Baudraten (ab etwa 1,5 Mbit/s) vermeidet man sie am besten ganz und führt das Kabel direkt von Gerät zu Gerät durch. Der Kabelschirm wird sauber und großflächig aufgelegt, nicht nur über einen dünnen „Schweineschwanz“.

Die häufigsten Fehlerbilder und ihre Ursachen:

Fehlerbild Häufige Ursache
Sporadische Ausfälle, schwer reproduzierbar fehlender oder doppelter Busabschluss, schlechte Schirmung
Ein Teilnehmer ständig „weg“ falsche oder doppelte Adresse, defekte Stichleitung
Bus startet gar nicht falsche Baudrate, Leitungsbruch, Verdrahtung A/B vertauscht
Fehler erst ab bestimmter Baudrate Segment zu lang, zu lange Stichleitungen

Bei der Fehlersuche bewährt sich ein systematisches Vorgehen: zuerst die einfachen physikalischen Dinge prüfen (Abschluss an beiden Enden, Adern A/B nicht vertauscht, Schirm aufgelegt), dann die Adressen auf Eindeutigkeit kontrollieren, dann die Baudrate und die Segmentlängen gegen die Tabelle abgleichen. Erst danach lohnt der Blick in die Software-Diagnose der Steuerung.

An welchen Geräten wird the Abschlusswiderstand im PROFIBUS-Stecker eingeschaltet?

  • a) An allen Teilnehmern
  • b) Nur am Master
  • c) Nur an den beiden Endgeräten der Linie
  • d) An keinem, der Abschluss ist immer extern

Richtig: c)

Der Abschluss gehört an die beiden physikalischen Enden der Linie, daher c). a) führt zu Fehlern durch zusätzliche Abschlüsse, b) und d) sind falsch — die Lage des Masters ist für den Abschluss unerheblich, und der Abschluss steckt im Stecker.

Ein Bus zeigt sporadische, schwer reproduzierbare Ausfälle. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten zuerst zu prüfen?

  • a) Ein fehlender oder doppelter Busabschluss bzw. schlechte Schirmung
  • b) Ein Software-Fehler in der SPS
  • c) Eine zu niedrig eingestellte Baudrate
  • d) Eine zu kurze Stichleitung

Richtig: a)

Sporadische, schwer fassbare Fehler deuten typischerweise auf Abschluss- oder Schirmungsprobleme, daher a). b) lohnt erst nach den physikalischen Prüfungen. c) und d) erzeugen kein solches sporadisches Fehlerbild.

Ein neu eingeschleifter Teilnehmer kommuniziert nicht und stört zeitweise die übrigen. Was ist eine naheliegende Ursache?

  • a) Die Baudrate ist zu hoch eingestellt
  • b) Die GSD-Datei ist zu groß
  • c) Der Master hat zu wenige Token
  • d) Die Adern A und B wurden am neuen Teilnehmer vertauscht

Richtig: d)

Beim nachträglichen Anklemmen werden A und B leicht vertauscht, was genau dieses Fehlerbild erzeugt — d). a) würde alle Teilnehmer betreffen, b) und c) sind keine realen Ursachen.

Warum sollte man bei der PROFIBUS-Fehlersuche zuerst die physikalische Verdrahtung prüfen, bevor man die Software-Diagnose nutzt?

  • a) Weil die meisten Busfehler physikalische Ursachen haben und so schneller gefunden werden
  • b) Weil die Software-Diagnose keine brauchbaren Informationen liefert
  • c) Weil die Software-Diagnose den Bus beschädigen kann
  • d) Weil physikalische Fehler in der Software-Diagnose grundsätzlich nicht sichtbar sind

Richtig: a)

Der Großteil der Fehler liegt in der Physik (Abschluss, Schirm, Adressen), deshalb spart die physikalische Prüfung zuerst Zeit — a). b) und c) sind falsch, die Diagnose ist nützlich und harmlos. d) ist zu absolut formuliert.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine PROFIBUS-Anlage soll mit 1,5 Mbit/s über eine Gesamtstrecke von 950 m aufgebaut werden. Wie viele Repeater sind nötig?

Gegeben: L_ges = 950 m; Baudrate 1,5 Mbit/s → L_seg = 200 m

Gesucht: Anzahl Repeater n

Lösungsweg:

  1. 950 m / 200 m = 4,75 → aufgerundet 5 Segmente.
  2. n = 5 − 1 = 4

Ergebnis: 4 Repeater.

Aufgabe 2: Eine Strecke von 1500 m soll mit 187,5 kbit/s realisiert werden. Wie viele Repeater sind nötig, und welche maximale Gesamtlänge wäre mit dieser Repeater-Anzahl möglich?

Gegeben: L_ges = 1500 m; Baudrate 187,5 kbit/s → L_seg = 1000 m

Gesucht: Anzahl Repeater n und maximale Gesamtlänge

Lösungsweg:

  1. 1500 m / 1000 m = 1,5 → aufgerundet 2 Segmente. n = 2 − 1 = 1.
  2. Maximale Länge bei 2 Segmenten: 2 × 1000 m = 2000 m.

Ergebnis: 1 Repeater; bis 2000 m wären damit möglich.

Welche PROFIBUS-Variante ist für eigensichere Anwendungen in der Prozessautomatisierung ausgelegt?

  • a) DP
  • b) PA
  • c) Beide gleichermaßen
  • d) Keine, dafür braucht es einen anderen Bus

Richtig: b)

PA ist die Variante für die Prozessautomatisierung mit eigensicherer Speisung, daher b). DP (a) ist die schnelle Variante für die Fertigung. c) und d) sind falsch.

Welcher Steckertyp ist im PROFIBUS-DP-Bereich der Standard?

  • a) 9-poliger D-Sub
  • b) RJ45
  • c) USB-B
  • d) BNC

Richtig: a)

Der 9-polige D-Sub ist der DP-Standardstecker, daher a). RJ45 (b) gehört zu Ethernet-basierten Bussen, c) und d) sind im PROFIBUS-Umfeld nicht üblich.

Eine Anlage arbeitet mit 12 Mbit/s. Welche maximale Segmentlänge ist zulässig?

  • a) 1000 m
  • b) 400 m
  • c) 100 m
  • d) 200 m

Richtig: c)

Bei 3 bis 12 Mbit/s liegt die maximale Segmentlänge bei 100 m, daher c). Die anderen Werte gelten für niedrigere Baudraten.

Was geschieht in der Parametrierungsphase des Hochlaufs?

  • a) Die Prozessdaten werden zyklisch ausgetauscht
  • b) Die GSD-Dateien werden erstmals erstellt
  • c) Der Master überträgt die Parameter an jeden Slave
  • d) Die Teilnehmeradressen werden automatisch vergeben

Richtig: c)

In der Parametrierung sendet der Master die Parameter an die Slaves, daher c). a) ist der spätere Datenaustausch, b) passiert beim Hersteller, d) erfolgt nicht automatisch — Adressen werden vorher eingestellt.

Welche Teilnehmeranzahl ist pro PROFIBUS-Segment maximal zulässig?

  • a) 16
  • b) 64
  • c) 126
  • d) 32

Richtig: d)

Pro Segment sind maximal 32 Teilnehmer erlaubt, daher d). 126 (c) ist die maximale Adresszahl im Gesamtsystem (0–125), nicht pro Segment.

Auf einem Bus mit zwei Mastern regelt das Token-Verfahren den Zugriff. Was passiert, wenn ein Master den Token besitzt?

  • a) Er muss sofort still bleiben
  • b) Alle Slaves senden gleichzeitig
  • c) Er darf seine Slaves abfragen, bis er den Token weitergibt
  • d) Der andere Master übernimmt automatisch die Slaves

Richtig: c)

Der Token-Besitzer ist sendeberechtigt und fragt seine Slaves ab, bevor er den Token weiterreicht — c). a), b) und d) widersprechen dem Token-Prinzip.

Ein Strang mit 500 kbit/s soll 1100 m überbrücken. Wie viele Repeater sind mindestens nötig?

  • a) 1
  • b) 4
  • c) 2
  • d) 3

Richtig: c)

Segmentlänge bei 500 kbit/s = 400 m. 1100 m / 400 m = 2,75 → aufgerundet 3 Segmente. n = 3 − 1 = 2, daher c).

Ein Teilnehmer ist dauerhaft „weg“, obwohl er versorgt ist. Welche Ursache passt am besten?

  • a) Zu hohe Schirmqualität
  • b) Zu viele Token im System
  • c) Ein zu kurzes Buskabel
  • d) Falsche oder doppelte Adresse bzw. defekte Stichleitung

Richtig: d)

Ein dauerhaft fehlender, aber versorgter Teilnehmer deutet auf Adressproblem oder defekte Stichleitung, daher d). a), b) und c) beschreiben keine plausiblen Ursachen.

Warum sind bei hohen Baudraten lange Stichleitungen problematisch?

  • a) Sie erhöhen die Versorgungsspannung
  • b) Sie verursachen zusätzliche Reflexionen und Signalstörungen
  • c) Sie verlängern automatisch die Buszykluszeit auf das Doppelte
  • d) Sie sind bei hohen Baudraten generell ohne Auswirkung

Richtig: b)

Lange Stichleitungen wirken wie zusätzliche, nicht abgeschlossene Leitungsenden und stören das Signal besonders bei hohen Baudraten, daher b). a), c) und d) sind falsch.

Welche Reihenfolge der Hochlaufphasen ist korrekt?

  • a) Datenaustausch → Konfiguration → Parametrierung → Projektierung
  • b) Projektierung → Parametrierung → Konfiguration → Datenaustausch
  • c) Parametrierung → Projektierung → Datenaustausch → Konfiguration
  • d) Konfiguration → Datenaustausch → Projektierung → Parametrierung

Richtig: b)

Der Hochlauf läuft von der Projektierung über Parametrierung und Konfiguration zum zyklischen Datenaustausch, daher b). Die übrigen Reihenfolgen sind durcheinander.

Eine Anlage wird von 187,5 kbit/s auf 1,5 Mbit/s umgestellt. Eine vorhandene Strecke von 600 m läuft danach nicht mehr stabil. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Die zulässige Segmentlänge ist auf 200 m gesunken, die Strecke ohne Repeater zu lang
  • b) Die Adressen sind nun ungültig
  • c) Die GSD-Dateien müssen neu erstellt werden
  • d) Der Busabschluss ist bei höheren Baudraten nicht mehr nötig

Richtig: a)

Bei 1,5 Mbit/s sind nur 200 m pro Segment zulässig; 600 m ohne Repeater überschreiten das deutlich, daher a). b), c) und d) haben mit der Längenbegrenzung nichts zu tun.

Welche Aussage zur Adressierung ist korrekt?

  • a) Adressen dürfen mehrfach vergeben werden, solange die Geräte unterschiedlich sind
  • b) Es sind beliebig viele Adressen möglich
  • c) Die Adresse wird allein durch die GSD-Datei festgelegt
  • d) Es sind Adressen von 0 bis 125 möglich, jede nur einmal

Richtig: d)

Gültig sind eindeutige Adressen von 0 bis 125, daher d). a) widerspricht der Eindeutigkeit, b) ignoriert die Obergrenze, c) ist falsch — die GSD-Datei beschreibt das Gerät, legt aber nicht die Adresse fest.

Glossar

PROFIBUS
serieller Feldbus zur Verbindung von Steuerung, Sensoren und Aktoren über eine gemeinsame Zweidrahtleitung; verbreitet in der industriellen Automatisierung.
PROFIBUS DP
schnelle, am häufigsten eingesetzte Variante für die dezentrale Peripherie in der Fertigungsautomatisierung.
PROFIBUS PA
Variante für die Prozessautomatisierung mit eigensicherer Speisung über die Busleitung.
Busabschluss (Terminierung)
Widerstandsnetzwerk an beiden Leitungsenden, das Signalreflexionen verhindert.
Signalreflexion
Echo eines Signals an einem offenen Leitungsende, das die übertragenen Daten verfälschen kann.
Linientopologie
Anordnung, bei der alle Teilnehmer an einer durchgehenden, an beiden Enden abgeschlossenen Leitung hängen.
Stichleitung
kurze Abzweigung von der Hauptleitung zu einem einzelnen Teilnehmer; bei hohen Baudraten möglichst vermeiden.
Segment
Leitungsabschnitt zwischen zwei Abschlüssen ohne zwischengeschalteten Repeater; maximal 32 Teilnehmer.
Repeater
Gerät, das das Bussignal auffrischt, ein neues Segment beginnt und so Strecke und Teilnehmerzahl erhöht.
Buszykluszeit
Dauer eines kompletten Abfragedurchlaufs des Masters über alle Slaves.
Master
aktiver Teilnehmer (meist die SPS), der den Datenverkehr steuert und die Slaves abfragt.
Slave
passiver Teilnehmer, der nur auf Aufforderung des Masters sendet.
Token
Sendeberechtigung, die im Multi-Master-System zwischen den Mastern weitergereicht wird.
Teilnehmeradresse
eindeutige Kennung eines Geräts am Bus, möglich von 0 bis 125.
GSD-Datei
standardisierte Geräte-Stammdaten-Datei, die die Eigenschaften eines PROFIBUS-Geräts für das Projektierungstool beschreibt.
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