Instandhaltungsstrategien

Eine Maschine fällt nie zum günstigsten Zeitpunkt aus. Sie tut es mitten in der Schicht, beim wichtigsten Auftrag, kurz vor Feierabend. Wer wartet, bis etwas kaputtgeht, zahlt den ungeplanten Stillstand teuer. Wer dagegen jedes Bauteil vorsorglich tauscht, verschwendet Material und Arbeitszeit. Zwischen diesen Extremen liegt die eigentliche Frage der Instandhaltung: Wann greift man ein – und warum?

Genau das regelt eine Instandhaltungsstrategie. Sie legt fest, nach welcher Logik Maschinen und Anlagen betreut werden. In diesem Beitrag lernst du die vier Grundstrategien kennen, verstehst ihre Kosten- und Risiko-Logik und kannst beurteilen, welche Strategie zu welchem Bauteil passt.

Vorwissen

  • Grundbegriffe Messen und Prüfen
  • Bruch- und Prozentrechnung

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die vier Grundstrategien der Instandhaltung benennen und voneinander abgrenzen
  • für ein konkretes Bauteil begründet eine passende Strategie auswählen
  • die Kennzahlen MTBF, MTTR und Verfügbarkeit erklären und berechnen
  • ein einfaches Wartungsintervall aus Betriebsstunden und Auslastung bestimmen
  • erklären, warum in der Praxis fast immer eine Mischung aus mehreren Strategien gefahren wird

1. Was Instandhaltung umfasst

Im Alltag wird „Instandhaltung“ oft mit „Reparieren“ gleichgesetzt. Das greift zu kurz. Instandhaltung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen, die den funktionsfähigen Zustand einer Anlage erhalten oder wiederherstellen sollen. Reparieren ist nur ein Teil davon.

Üblicherweise unterscheidet man vier Grundmaßnahmen:

  • Wartung – vorbeugende Pflege, damit der Abnutzungsvorrat möglichst lange hält: schmieren, reinigen, nachstellen, Filter tauschen.
  • Inspektion – den Ist-Zustand feststellen: messen, prüfen, beurteilen. Die Inspektion repariert nichts, sie liefert Informationen.
  • Instandsetzung – den Soll-Zustand wiederherstellen, also das klassische Reparieren oder Austauschen nach einem Schaden.
  • Verbesserung – die Anlage so verändern, dass sie zuverlässiger oder leichter zu warten ist, ohne ihre eigentliche Funktion zu ändern.

Der Abnutzungsvorrat – ein zentraler Begriff – ist der Vorrat an möglicher Funktionserfüllung, den ein Bauteil im Neuzustand besitzt. Ein neues Lager hat einen vollen Abnutzungsvorrat; mit jeder Betriebsstunde wird er kleiner. Ist er aufgebraucht, fällt das Bauteil aus. Instandhaltung dreht sich im Kern darum, wie man mit diesem schrumpfenden Vorrat umgeht.

Wichtig ist die Trennung zwischen Maßnahme und Strategie. Eine Maßnahme ist die einzelne Tätigkeit – ein Lager schmieren. Eine Strategie ist die übergeordnete Entscheidung, nach welcher Regel man diese Maßnahmen auslöst: nach festem Zeitplan, nach gemessenem Zustand oder erst nach dem Ausfall. Dieser Beitrag dreht sich um die Strategie-Ebene.

Warum braucht es überhaupt eine bewusste Strategie? Weil jede Entscheidung Geld kostet – nur an unterschiedlicher Stelle. Ein ungeplanter Stillstand verursacht Stillstandskosten: Produktionsausfall, Folgeschäden, Eilbeschaffung von Ersatzteilen, eventuell Personenrisiko. Zu häufige Vorsorge verursacht dagegen unnötige Wartungskosten und Stillstände für Arbeiten, die noch gar nicht nötig wären. Die richtige Strategie ist die, die diese beiden Kostenarten für ein bestimmtes Bauteil in ein sinnvolles Gleichgewicht bringt.

Eine Anlage wird regelmäßig geschmiert, gereinigt und nachgestellt, ohne dass ein Defekt vorliegt. Welcher Grundmaßnahme entspricht das?

  • a) Wartung
  • b) Inspektion
  • c) Instandsetzung
  • d) Verbesserung

Richtig: a)

Schmieren, Reinigen und Nachstellen erhalten den Abnutzungsvorrat vorbeugend – das ist Wartung. Instandsetzung stellt erst nach einem Schaden den Soll-Zustand wieder her, Inspektion stellt nur den Zustand fest, ohne einzugreifen, und Verbesserung verändert die Anlage konstruktiv.

Was unterscheidet eine Inspektion von einer Instandsetzung?

  • a) Die Inspektion ist immer teurer als die Instandsetzung
  • b) Die Inspektion stellt den Zustand fest, ohne ihn zu verändern
  • c) Die Inspektion ersetzt defekte Bauteile
  • d) Die Inspektion ist nur bei elektrischen Anlagen zulässig

Richtig: b)

Eine Inspektion liefert Informationen über den Ist-Zustand, greift aber nicht ein. Die Instandsetzung verändert den Zustand aktiv, indem sie repariert oder tauscht. Die Aussagen zu Kosten, Bauteiltausch und Anwendungsbereich treffen nicht zu.

Warum genügt es nicht, einzelne Maßnahmen festzulegen, statt eine Strategie zu wählen?

  • a) Weil Maßnahmen gesetzlich verboten sind
  • b) Weil Maßnahmen keine Kosten verursachen
  • c) Weil eine Strategie regelt, nach welcher Regel Maßnahmen überhaupt ausgelöst werden
  • d) Weil eine Strategie die Maßnahmen überflüssig macht

Richtig: c)

Die Strategie ist die übergeordnete Entscheidung über den Auslöser einer Maßnahme – Zeit, Zustand oder Ausfall. Ohne diese Regel bleibt offen, wann eingegriffen wird. Maßnahmen sind weder verboten noch kostenlos, und eine Strategie ersetzt sie nicht, sondern steuert sie.

2. Reaktive Instandhaltung

Die einfachste Strategie ist, gar nicht vorzusorgen: Man betreibt das Bauteil, bis es ausfällt, und tauscht oder repariert es dann. Diese reaktive Instandhaltung wird auch Ausfallstrategie oder „run to failure“ genannt.

Das klingt zunächst nach Nachlässigkeit, ist aber bei bestimmten Bauteilen die wirtschaftlich richtige Wahl. Der Abnutzungsvorrat wird vollständig ausgenutzt – nichts wird vorzeitig getauscht. Es entstehen keine Inspektions- oder Wartungskosten. Sinnvoll ist das immer dann, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Das Bauteil ist unkritisch, der Ausfall verursacht keinen großen Folgeschaden, und der Ersatz ist billig und schnell verfügbar.

Das klassische Beispiel ist das Leuchtmittel. Eine Lampe wird nicht vorsorglich gewechselt – man tauscht sie, wenn sie durchgebrannt ist. Vorausgesetzt, ihr Ausfall legt nicht eine sicherheitsrelevante Beleuchtung lahm.

Die Kehrseite: Der Ausfall kommt ungeplant. Bei einem kritischen Bauteil bedeutet das einen unkalkulierbaren Stillstand zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, oft mit Folgeschäden an angrenzenden Komponenten. Ein gerissener Keilriemen, der sich um eine Welle wickelt, kann teurer werden als der Riemen selbst.

Vorteile Nachteile
Abnutzungsvorrat voll genutzt Ausfall kommt ungeplant
Keine Wartungs-/Inspektionskosten Risiko von Folgeschäden
Kein Planungsaufwand Hohe Stillstandskosten bei kritischen Teilen
Sinnvoll bei billigen, unkritischen Teilen Schlechte Planbarkeit von Ersatzteilen und Personal

Für welches Bauteil ist die reaktive Instandhaltung am ehesten geeignet?

  • a) Das Hauptlager einer Produktionswelle
  • b) Die Bremse eines Hebezeugs
  • c) Der Antriebsmotor einer Förderlinie
  • d) Eine einzelne Signalleuchte ohne Sicherheitsfunktion

Richtig: d)

Eine unkritische Signalleuchte ist billig, schnell ersetzbar und verursacht beim Ausfall keinen Folgeschaden – ideal für „run to failure“. Hauptlager, Bremse und Antriebsmotor sind kritisch; ihr ungeplanter Ausfall hätte hohe Stillstands- oder Sicherheitsfolgen.

Welcher wirtschaftliche Vorteil spricht für die Ausfallstrategie bei geeigneten Bauteilen?

  • a) Der Abnutzungsvorrat wird vollständig ausgenutzt
  • b) Folgeschäden werden ausgeschlossen
  • c) Stillstände lassen sich exakt planen
  • d) Die Verfügbarkeit ist immer am höchsten

Richtig: a)

Da nichts vorzeitig getauscht wird, nutzt man die mögliche Lebensdauer voll aus und spart Vorsorgekosten. Folgeschäden werden gerade nicht ausgeschlossen, Stillstände sind ungeplant, und die Verfügbarkeit ist bei kritischen Teilen tendenziell schlechter, nicht besser.

Warum kann ein ungeplanter Ausfall teurer sein als der Bauteilwert selbst?

  • a) Weil das Ersatzteil immer überteuert ist
  • b) Weil der Ausfall Folgeschäden und Produktionsstillstand nach sich ziehen kann
  • c) Weil reaktive Instandhaltung gesetzlich verboten ist
  • d) Weil dabei immer die gesamte Anlage getauscht wird

Richtig: b)

Der ungeplante Ausfall trifft die Produktion unvorbereitet und kann angrenzende Bauteile beschädigen – diese Folgekosten übersteigen schnell den Bauteilwert. Das Ersatzteil ist nicht grundsätzlich überteuert, die Strategie ist erlaubt, und es wird nicht die ganze Anlage getauscht.

3. Vorbeugende Instandhaltung

Bei der vorbeugenden Instandhaltung – auch präventiv oder periodisch genannt – greift man ein, bevor etwas ausfällt, und zwar nach einem festen Plan. Ausgelöst werden die Maßnahmen durch ein Intervall: nach Kalenderzeit (alle 6 Monate), nach Betriebsstunden (alle 2000 h) oder nach Beanspruchung (alle 100.000 Schaltspiele).

Der Grundgedanke: Man tauscht oder wartet ein Bauteil, solange noch ein Rest-Abnutzungsvorrat vorhanden ist. Damit verschwindet der ungeplante Ausfall weitgehend – Stillstände werden planbar, Ersatzteile und Personal lassen sich vorbereiten. Genau das macht diese Strategie für viele kritische Bauteile attraktiv.

Der Preis dafür ist, dass das Intervall geschätzt werden muss, und jede Schätzung kann danebenliegen:

  • Überwartung – das Intervall ist zu kurz gewählt. Man tauscht Bauteile mit noch reichlich Restvorrat, verschwendet Material und erzeugt unnötige Stillstände.
  • Unterwartung – das Intervall ist zu lang. Das Bauteil fällt vor dem geplanten Termin aus, der Vorteil der Strategie ist dahin.

Die Kunst liegt in der richtigen Intervallbestimmung. Hersteller geben Richtwerte vor, die man an die tatsächliche Belastung anpasst. Läuft eine Maschine nur halbtags, sollte ein betriebsstundenbasiertes Intervall nicht stur nach Kalender abgearbeitet werden, sondern nach den real geleisteten Stunden.

t_K = t_B / (h_T * d)

  • t_K … Intervall in Kalendertagen
  • t_B … zulässiges Intervall in Betriebsstunden
  • h_T … Betriebsstunden pro Tag
  • d … Auslastungsgrad (0 bis 1, dimensionslos)

Gelöstes Beispiel

Ein Hydraulikfilter ist alle 1500 Betriebsstunden zu tauschen. Die Anlage läuft 10 Stunden pro Tag bei einem Auslastungsgrad von 0,6. Nach wie vielen Kalendertagen ist der Tausch fällig?

Gegeben: t_B = 1500 h, h_T = 10 h/Tag, d = 0,6

Gesucht: t_K in Tagen

Lösungsweg:

  1. Lastbedingte Betriebsstunden pro Tag: h_T · d = 10 · 0,6 = 6 h/Tag effektiv
  2. Intervall in Kalendertagen: t_K = 1500 / 6 = 250 Tage

Ergebnis: Der Filter ist nach 250 Kalendertagen zu tauschen.

Übungen

Ein Lager soll alle 4000 Betriebsstunden geschmiert werden. Die Maschine läuft 8 h/Tag bei voller Auslastung (d = 1). Nach wie vielen Tagen ist die Schmierung fällig?

t_K = 4000 / (8 · 1) = 500 Tage.

Ein Riemen ist alle 3000 Betriebsstunden zu prüfen. Betrieb: 12 h/Tag, Auslastungsgrad 0,5. Nach wie vielen Tagen?

t_K = 3000 / (12 · 0,5) = 3000 / 6 = 500 Tage.

Ein Werkzeug muss nach 600 Betriebsstunden nachgeschliffen werden. Es läuft 6 h/Tag bei d = 0,8. Berechne das Intervall in Tagen und runde auf ganze Tage.

t_K = 600 / (6 · 0,8) = 600 / 4,8 = 125 Tage.

Eine Anlage hat ein vorgegebenes Wartungsintervall von 90 Kalendertagen bei 8 h/Tag und d = 0,75. Welchem Betriebsstunden-Intervall entspricht das? (Formel umstellen: t_B = t_K · h_T · d)

t_B = 90 · 8 · 0,75 = 540 Betriebsstunden.

Zwei identische Pumpen laufen am selben Standort. Pumpe A: 16 h/Tag bei d = 0,9. Pumpe B: 8 h/Tag bei d = 0,5. Das Herstellerintervall beträgt für beide 5000 Betriebsstunden. Um welchen Faktor unterscheiden sich die Kalenderintervalle der beiden Pumpen?

A: t_K = 5000 / (16 · 0,9) = 5000 / 14,4 ≈ 347 Tage. B: t_K = 5000 / (8 · 0,5) = 5000 / 4 = 1250 Tage. Faktor: 1250 / 347 ≈ 3,6. Pumpe B kommt also rund 3,6-mal so lange ohne Wartung aus wie Pumpe A.

Eine Maschine wird stur alle 12 Monate gewartet, obwohl sie nur an wenigen Tagen im Jahr unter Last läuft. Welcher Fehler liegt vor?

  • a) Unterwartung
  • b) Reaktive Instandhaltung
  • c) Überwartung
  • d) Zustandsüberwachung

Richtig: c)

Bei geringer realer Belastung ist der Abnutzungsvorrat nach 12 Monaten kaum angetastet – man wartet zu früh und verschwendet Aufwand. Das ist Überwartung. Unterwartung wäre das Gegenteil, und die anderen beiden Begriffe beschreiben andere Strategien.

Ein Getriebe ist alle 2000 Betriebsstunden zu warten. Es läuft 10 h/Tag bei einem Auslastungsgrad von 0,8. Nach wie vielen Kalendertagen ist die Wartung fällig?

  • a) 200 Tage
  • b) 160 Tage
  • c) 320 Tage
  • d) 250 Tage

Richtig: d)

Effektive Laststunden pro Tag: 10 · 0,8 = 8 h. Intervall: 2000 / 8 = 250 Tage. Die anderen Werte ergeben sich aus falsch angesetzten oder weggelassenen Faktoren.

Warum darf ein betriebsstundenbasiertes Intervall nicht ungeprüft als Kalenderintervall übernommen werden?

  • a) Weil die reale Auslastung bestimmt, wie schnell Betriebsstunden zusammenkommen
  • b) Weil Kalenderzeit immer länger ist als Betriebszeit
  • c) Weil Betriebsstunden gesetzlich nicht zählbar sind
  • d) Weil Hersteller keine Stunden, sondern nur Tage angeben

Richtig: a)

Wie schnell die zulässigen Betriebsstunden erreicht werden, hängt von Laufzeit und Auslastung ab – eine selten genutzte Maschine braucht für dieselben Stunden viel länger. Kalenderzeit ist nicht automatisch länger, Betriebsstunden sind zählbar, und Hersteller geben durchaus Stundenwerte an.

Welche Folge hat eine deutliche Unterwartung?

  • a) Material wird verschwendet
  • b) Das Bauteil fällt vor dem geplanten Termin aus
  • c) Die Wartungskosten steigen unnötig
  • d) Es entstehen keine Stillstände mehr

Richtig: b)

Bei zu langem Intervall ist der Abnutzungsvorrat vorzeitig erschöpft, das Bauteil versagt vor dem geplanten Eingriff. Materialverschwendung und unnötige Kosten kennzeichnen die Überwartung, und Stillstände werden gerade nicht ausgeschlossen.

4. Zustandsorientierte Instandhaltung

Statt nach einem geschätzten Intervall zu handeln, kann man den tatsächlichen Zustand eines Bauteils laufend beobachten und erst dann eingreifen, wenn sich eine Verschlechterung abzeichnet. Das ist die zustandsorientierte Instandhaltung, im Fachgebrauch oft CBM für condition based maintenance.

Der Auslöser ist hier kein Kalender und keine Betriebsstunde, sondern ein gemessener Zustandswert. Typische Messgrößen sind:

  • Schwingung – steigende Schwingungspegel an Lagern und Getrieben deuten auf beginnenden Verschleiß hin.
  • Temperatur – ein heißlaufendes Lager oder eine warme Klemmstelle zeigt erhöhte Reibung oder einen schlechten Kontakt an.
  • Ölzustand – Partikel oder Wasser im Schmieröl verraten Abrieb und beginnende Schäden, lange bevor das Bauteil ausfällt.
  • Elektrische Größen – ein langsam ansteigender Motorstrom kann auf Schwergängigkeit hinweisen.

Das laufende Beobachten dieser Werte heißt Condition Monitoring. Entscheidend ist dabei weniger der absolute Messwert als sein Trend: Ein Schwingungspegel, der über Wochen langsam ansteigt, ist ein klares Warnsignal, auch wenn der Grenzwert noch nicht erreicht ist. Man definiert dazu Schwellwerte – eine Warnschwelle für „beobachten“, eine Eingriffsschwelle für „handeln“.

Der große Vorteil: Man nutzt den Abnutzungsvorrat fast vollständig aus wie bei der reaktiven Strategie, vermeidet aber den ungeplanten Ausfall wie bei der vorbeugenden. Eingegriffen wird genau dann, wenn es nötig ist. Der Nachteil ist der Aufwand: Sensoren, Messtechnik und die Auswertung kosten Geld und erfordern Know-how. Das lohnt sich vor allem bei teuren, kritischen Bauteilen, deren Ausfall sich durch Messgrößen frühzeitig ankündigt.

Wie genau gemessen und beurteilt wird, hängt von den eingesetzten Mess- und Prüfverfahren ab – die Auswahl und Anwendung der Messmittel ist ein eigenes Themenfeld.

Was ist der Auslöser für einen Eingriff bei der zustandsorientierten Instandhaltung?

  • a) Ein fester Kalendertermin
  • b) Das Erreichen einer bestimmten Betriebsstundenzahl
  • c) Ein gemessener Zustandswert bzw. dessen Trend
  • d) Der bereits eingetretene Ausfall

Richtig: c)

CBM reagiert auf den tatsächlich gemessenen Zustand und dessen Entwicklung. Kalendertermin und Betriebsstunden kennzeichnen die vorbeugende Strategie, der eingetretene Ausfall die reaktive.

Warum ist der Trend eines Schwingungswerts oft aussagekräftiger als ein einzelner Messwert?

  • a) Weil Einzelwerte technisch nicht messbar sind
  • b) Weil der Trend immer kleiner ist als der Einzelwert
  • c) Weil ein Einzelwert gesetzlich nicht zulässig ist
  • d) Weil ein über Zeit ansteigender Wert eine beginnende Schädigung anzeigt, auch unterhalb des Grenzwerts

Richtig: d)

Ein steigender Trend signalisiert eine sich entwickelnde Schädigung, lange bevor ein absoluter Grenzwert erreicht wird – das ist der eigentliche Frühwarnvorteil. Einzelwerte sind sehr wohl messbar und zulässig, und der Trend ist nicht grundsätzlich kleiner.

Für welches Bauteil rechtfertigt sich der Aufwand für Condition Monitoring am ehesten?

  • a) Ein teures, kritisches Hauptlager mit ankündigendem Verschleiß
  • b) Eine billige Signalleuchte
  • c) Eine Schraube an einer Verkleidung
  • d) Ein Ersatzteil im Lager

Richtig: a)

Der Sensor- und Auswerteaufwand lohnt sich dort, wo ein Ausfall teuer ist und sich messtechnisch frühzeitig ankündigt – etwa ein Hauptlager. Bei billigen, unkritischen Teilen steht der Aufwand in keinem Verhältnis, und ein gelagertes Ersatzteil wird nicht überwacht.

Welcher Nachteil ist mit der zustandsorientierten Instandhaltung verbunden?

  • a) Der Abnutzungsvorrat wird schlecht ausgenutzt
  • b) Sensorik, Messtechnik und Auswertung verursachen Aufwand und Kosten
  • c) Ausfälle kommen grundsätzlich ungeplant
  • d) Sie ist nur bei Beleuchtung anwendbar

Richtig: b)

Der Preis für die genaue Zustandsbeurteilung sind Messtechnik und Auswertungs-Know-how. Der Abnutzungsvorrat wird gerade gut genutzt, Ausfälle werden eher vermieden, und die Strategie ist breit einsetzbar, nicht auf Beleuchtung beschränkt.

5. Vorausschauende Instandhaltung und Strategie-Auswahl

Die zustandsorientierte Instandhaltung lässt sich noch einen Schritt weiterdenken. Bei der vorausschauenden Instandhaltung – häufig als predictive maintenance bezeichnet – werden die laufend erfassten Zustandsdaten nicht nur mit Schwellwerten verglichen, sondern genutzt, um den künftigen Verlauf vorherzusagen. Aus dem bisherigen Trend wird hochgerechnet, wann die Eingriffsschwelle voraussichtlich erreicht wird. So lässt sich the Eingriff noch besser im Voraus planen.

Der Unterschied zu CBM ist fließend: CBM beantwortet „Wie ist der Zustand jetzt?“, predictive maintenance beantwortet „Wann wird der Zustand kritisch?“. Dafür braucht es eine breite Datenbasis und eine Auswertung, die Verläufe prognostiziert. Der Aufwand ist entsprechend hoch, weshalb diese Strategie heute vor allem bei besonders kritischen oder teuren Anlagenteilen zum Einsatz kommt.

Kennzahlen für die Strategie-Auswahl

Um Strategien zu vergleichen und die Zuverlässigkeit einer Anlage zu beurteilen, nutzt man Kennzahlen. Drei davon gehören zusammen.

Die MTBF (Mean Time Between Failures, mittlere Betriebsdauer zwischen zwei Ausfällen) misst, wie lange ein Bauteil im Schnitt fehlerfrei läuft. Eine hohe MTBF bedeutet ein zuverlässiges Bauteil, das selten ausfällt.

Die MTTR (Mean Time To Repair, mittlere Reparaturdauer) misst, wie lange es im Schnitt dauert, das Bauteil nach einem Ausfall wieder instand zu setzen. Eine niedrige MTTR bedeutet, dass ein Ausfall schnell behoben ist.

Beide zusammen ergeben die Verfügbarkeit – den Anteil der Zeit, in dem die Anlage tatsächlich einsatzbereit ist. Sie ist die zentrale Kennzahl, um zu beurteilen, ob die gewählte Strategie ausreicht oder ob ein zuverlässigeres Vorgehen nötig ist. Eine niedrige Verfügbarkeit zeigt: Entweder fällt das Bauteil zu oft aus (MTBF zu klein) oder die Reparatur dauert zu lange (MTTR zu groß).

Diese Kennzahlen dienen hier als strategisches Entscheidungswerkzeug – sie helfen bei der Frage, welche Strategie für ein Bauteil angemessen ist. Die laufende administrative Erfassung, Auswertung und Dokumentation im Instandhaltungs-Controlling ist ein eigenes Thema und gehört zur Wartungsplanung.

V = MTBF / (MTBF + MTTR)

  • V … Verfügbarkeit (0 bis 1, oft in Prozent angegeben)
  • MTBF … mittlere fehlerfreie Betriebsdauer in h
  • MTTR … mittlere Reparaturdauer in h

So wählt man die Strategie

Es gibt nicht die beste Strategie – es gibt nur die passende für ein bestimmtes Bauteil. Drei Kriterien geben den Ausschlag:

  • Kritikalität – Wie schwer wiegt der Ausfall? Gefährdet er Personen, legt er die ganze Anlage lahm, verursacht er Folgeschäden? Je kritischer, desto eher lohnt sich eine aufwendigere, vorausschauende Strategie.
  • Kosten – Was kostet die Vorsorge im Vergleich zum Ausfall? Bei billigen Teilen mit billigem Ausfall genügt die reaktive Strategie. Steigen die Ausfallkosten, rechtfertigt das mehr Vorsorgeaufwand.
  • Ausfallverhalten – Kündigt sich der Ausfall an? Ein Bauteil mit schleichendem, messbarem Verschleiß eignet sich für die zustandsorientierte Strategie. Ein Bauteil, das schlagartig ohne Vorwarnung ausfällt, lässt sich nur über feste Intervalle oder reaktiv betreuen.

Daraus ergibt sich eine grobe Zuordnung:

Strategie Passt zu Hauptvorteil Hauptnachteil
Reaktiv billig, unkritisch, kein Folgeschaden kein Vorsorgeaufwand ungeplanter Ausfall
Vorbeugend bekanntes Ausfallverhalten, kritisch planbar Über-/Unterwartung
Zustandsorientiert teuer, kritisch, Verschleiß messbar Eingriff nur bei Bedarf Mess- und Auswerteaufwand
Vorausschauend sehr kritisch, große Datenbasis Ausfall vorhersehbar hoher Aufwand und Know-how

In der Praxis fährt kaum ein Betrieb eine einzige Strategie. Stattdessen wird gemischt: Für jedes Bauteil oder jede Baugruppe wird einzeln entschieden, welche Logik am wirtschaftlichsten ist. Diese Mischung – mal reaktiv für die Beleuchtung, mal zustandsorientiert für das Hauptlager – ist der Normalfall und das Ergebnis bewusster Strategie-Entscheidungen entlang der drei Kriterien.

Welche Maßnahmen dann konkret durchgeführt werden, wenn ein Fehler doch auftritt, ist Sache der systematischen Fehlersuche und der Diagnose an Steuerungen und Antrieben – das sind eigene Themenfelder, die hier nicht vertieft werden.

Gelöstes Beispiel

Eine Maschine läuft im Schnitt 1200 Stunden fehlerfrei. Eine Reparatur dauert im Mittel 8 Stunden. Wie hoch ist die Verfügbarkeit in Prozent?

Gegeben: MTBF = 1200 h, MTTR = 8 h

Gesucht: V in %

Lösungsweg:

  1. Verfügbarkeit berechnen: V = MTBF / (MTBF + MTTR) = 1200 / (1200 + 8) = 1200 / 1208 = 0,9934
  2. In Prozent umrechnen: V = 0,9934 · 100 = 99,34 %

Ergebnis: Die Verfügbarkeit beträgt rund 99,34 %.

Übungen

Ein Antrieb hat eine MTBF von 2000 h and eine MTTR von 5 h. Berechne die Verfügbarkeit in Prozent.

V = 2000 / (2000 + 5) = 2000 / 2005 = 0,9975 → 99,75 %.

Eine Pumpe läuft im Mittel 800 h zwischen Ausfällen, die Reparatur dauert 16 h. Wie hoch ist die Verfügbarkeit?

V = 800 / (800 + 16) = 800 / 816 = 0,9804 → 98,04 %.

Zwei Maschinen haben dieselbe MTBF von 1000 h. Maschine A hat eine MTTR von 4 h, Maschine B eine MTTR von 20 h. Berechne beide Verfügbarkeiten und gib den Unterschied in Prozentpunkten an.

A: 1000 / 1004 = 0,9960 → 99,60 %. B: 1000 / 1020 = 0,9804 → 98,04 %. Unterschied: 99,60 − 98,04 = 1,56 Prozentpunkte.

Eine Anlage soll eine Verfügbarkeit von mindestens 99 % erreichen. Die MTTR liegt fest bei 6 h. Welche MTBF ist mindestens nötig? (Formel umstellen.)

Aus V = MTBF / (MTBF + MTTR) folgt MTBF = V · MTTR / (1 − V) = 0,99 · 6 / 0,01 = 594 h. Die MTBF muss mindestens rund 594 h betragen.

Eine kritische Anlage hat MTBF = 1500 h und MTTR = 24 h. Durch Vorhalten eines Ersatzteils und besser geschultes Personal sinkt die MTTR auf 6 h. Um wie viele Prozentpunkte steigt die Verfügbarkeit?

Vorher: 1500 / 1524 = 0,9843 → 98,43 %. Nachher: 1500 / 1506 = 0,9960 → 99,60 %. Anstieg: 99,60 − 98,43 = 1,17 Prozentpunkte. Allein durch kürzere Reparaturzeit verbessert sich die Verfügbarkeit spürbar.

Eine Maschine hat eine MTBF von 990 h und eine MTTR von 10 h. Wie hoch ist die Verfügbarkeit?

  • a) 90,0 %
  • b) 98,0 %
  • c) 99,0 %
  • d) 99,9 %

Richtig: c)

V = 990 / (990 + 10) = 990 / 1000 = 0,99 = 99,0 %. Die übrigen Werte entstehen durch falsche Summenbildung oder Verwechslung von MTBF und MTTR.

Worin unterscheidet sich vorausschauende von zustandsorientierter Instandhaltung?

  • a) Sie verzichtet vollständig auf Messwerte
  • b) Sie greift erst nach dem Ausfall ein
  • c) Sie ist immer billiger als jede andere Strategie
  • d) Sie prognostiziert aus den Daten den künftigen Zustand, statt nur den aktuellen zu bewerten

Richtig: d)

Predictive maintenance rechnet den Trend in die Zukunft hoch und sagt vorher, wann es kritisch wird – CBM beurteilt nur den Ist-Zustand. Auf Messwerte verzichtet sie gerade nicht, sie reagiert nicht erst nach dem Ausfall, und durch die nötige Datenbasis ist sie eher aufwendiger.

Ein Bauteil fällt schlagartig und ohne messbare Vorwarnung aus, ist aber kritisch für die Produktion. Welche Strategie ist am sinnvollsten?

  • a) Vorbeugende Instandhaltung mit festem Intervall
  • b) Reaktive Instandhaltung
  • c) Zustandsorientierte Instandhaltung
  • d) Gar keine Instandhaltung

Richtig: a)

Kündigt sich der Ausfall nicht an, lässt er sich nicht messtechnisch erfassen – CBM und predictive maintenance scheiden aus. Bei einem kritischen Teil ist die reaktive Strategie zu riskant, daher bleibt das feste vorbeugende Intervall die sinnvolle Wahl.

Eine Anlage hat eine niedrige Verfügbarkeit, obwohl die Bauteile selten ausfallen. Worauf deutet das hin?

  • a) Die MTBF ist zu klein
  • b) Die MTTR ist zu groß
  • c) Die Anlage fällt ständig aus
  • d) Die Verfügbarkeit lässt sich nicht beeinflussen

Richtig: b)

Seltene Ausfälle bedeuten eine hohe MTBF – sinkt die Verfügbarkeit trotzdem, müssen die Reparaturen zu lange dauern, also ist die MTTR zu groß. Eine kleine MTBF widerspricht den seltenen Ausfällen, und die Verfügbarkeit ist über beide Kennzahlen sehr wohl beeinflussbar.

Warum fährt ein Betrieb in der Praxis meist eine Mischung aus mehreren Strategien?

  • a) Weil Mischstrategien gesetzlich vorgeschrieben sind
  • b) Weil eine einzige Strategie technisch unmöglich ist
  • c) Weil jedes Bauteil je nach Kritikalität, Kosten und Ausfallverhalten eine andere Strategie braucht
  • d) Weil Mischen immer am billigsten ist

Richtig: c)

Die optimale Strategie hängt vom einzelnen Bauteil ab – darum wird pro Komponente entschieden, was die Mischung ergibt. Vorgeschrieben ist das nicht, eine einheitliche Strategie wäre technisch möglich (nur unwirtschaftlich), und „Mischen“ ist nicht pauschal am billigsten, sondern bauteilbezogen am wirtschaftlichsten.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Filter ist alle 1800 Betriebsstunden zu tauschen. Die Anlage läuft 12 h/Tag bei einem Auslastungsgrad von 0,5. Nach wie vielen Kalendertagen ist der Tausch fällig?

Gegeben: t_B = 1800 h, h_T = 12 h/Tag, d = 0,5

Gesucht: t_K in Tagen

Lösungsweg: Effektive Laststunden: 12 · 0,5 = 6 h/Tag. t_K = 1800 / 6 = 300 Tage.

Ergebnis: 300 Kalendertage.

Aufgabe 2: Eine Maschine soll nach 120 Kalendertagen gewartet werden. Sie läuft 16 h/Tag bei d = 0,75. Welchem Betriebsstunden-Intervall entspricht das?

Gegeben: t_K = 120 Tage, h_T = 16 h/Tag, d = 0,75

Gesucht: t_B in h

Lösungsweg: t_B = t_K · h_T · d = 120 · 16 · 0,75 = 1440 h.

Ergebnis: 1440 Betriebsstunden.

Aufgabe 3: Ein Antrieb hat eine MTBF von 1500 h und eine MTTR von 12 h. Berechne die Verfügbarkeit in Prozent.

Gegeben: MTBF = 1500 h, MTTR = 12 h

Gesucht: V in %

Lösungsweg: V = 1500 / (1500 + 12) = 1500 / 1512 = 0,9921 → 99,21 %.

Ergebnis: rund 99,21 %.

Aufgabe 4: Eine Anlage soll eine Verfügbarkeit von 99,5 % erreichen. Die MTBF beträgt 2000 h. Welche maximale MTTR ist zulässig?

Gegeben: V = 0,995, MTBF = 2000 h

Gesucht: MTTR in h

Lösungsweg: Aus V = MTBF / (MTBF + MTTR) folgt MTTR = MTBF · (1 − V) / V = 2000 · 0,005 / 0,995 = 10 / 0,995 ≈ 10,05 h.

Ergebnis: Die MTTR darf höchstens rund 10 h betragen.

Welche der folgenden Tätigkeiten ist eine Inspektion und keine Wartung?

  • a) Das Schmieröl wechseln
  • b) Einen Filter reinigen
  • c) Eine lockere Schraube nachziehen
  • d) Den Schwingungspegel eines Lagers messen und beurteilen

Richtig: d)

Messen und Beurteilen stellt den Zustand fest, ohne ihn zu verändern – das ist Inspektion. Ölwechsel, Filterreinigung und Nachziehen sind erhaltende Eingriffe, also Wartung.

Ein Bauteil ist billig, schnell ersetzbar und sein Ausfall richtet keinen Folgeschaden an. Welche Strategie ist am wirtschaftlichsten?

  • a) Reaktive Instandhaltung
  • b) Vorausschauende Instandhaltung
  • c) Zustandsorientierte Instandhaltung
  • d) Vorbeugende Instandhaltung mit kurzem Intervall

Richtig: a)

Bei unkritischen, billigen Teilen ohne Folgeschaden lohnt kein Vorsorgeaufwand – man fährt bis zum Ausfall. Die anderen Strategien verursachen Mess- oder Wartungsaufwand, der hier nicht gerechtfertigt ist.

Was beschreibt der Abnutzungsvorrat?

  • a) Den Lagerbestand an Ersatzteilen
  • b) Die verbleibende Funktionsreserve eines Bauteils bis zum Ausfall
  • c) Die Anzahl der durchgeführten Wartungen
  • d) Das Budget für Instandhaltung

Richtig: b)

Der Abnutzungsvorrat ist die im Bauteil noch vorhandene Fähigkeit, seine Funktion zu erfüllen – sie schrumpft mit der Beanspruchung. Lagerbestand, Wartungsanzahl und Budget sind etwas anderes.

Eine vorbeugend gewartete Maschine fällt regelmäßig kurz vor dem geplanten Wartungstermin aus. Was liegt vor und was ist zu tun?

  • a) Überwartung – Intervall verlängern
  • b) Reaktive Strategie – Sensoren nachrüsten
  • c) Unterwartung – Intervall verkürzen
  • d) Optimaler Zustand – nichts ändern

Richtig: c)

Fällt das Bauteil vor dem Termin aus, ist das Intervall zu lang gewählt – Unterwartung. Die Lösung ist ein kürzeres Intervall. Überwartung wäre das Gegenteil, eine reaktive Strategie liegt nicht vor, und der Zustand ist alles andere als optimal.

Welche Messgröße eignet sich typischerweise NICHT zur Zustandsüberwachung eines Wälzlagers?

  • a) Schwingung
  • b) Temperatur
  • c) Ölzustand
  • d) Die Kalenderwoche des Einbaus

Richtig: d)

Schwingung, Temperatur und Ölzustand verändern sich mit dem Verschleiß und eignen sich als Zustandsgrößen. Die Kalenderwoche des Einbaus ist eine feste Information, die nichts über den aktuellen Zustand aussagt.

Eine Maschine hat MTBF = 600 h und MTTR = 24 h. Wie hoch ist die Verfügbarkeit?

  • a) 96,15 %
  • b) 99,60 %
  • c) 92,30 %
  • d) 24,00 %

Richtig: a)

V = 600 / (600 + 24) = 600 / 624 = 0,9615 = 96,15 %. Die anderen Werte ergeben sich aus falschen Summen oder Vertauschen der Kennzahlen.

Warum ist die Verfügbarkeit eine bessere Strategie-Kennzahl als die MTBF allein?

  • a) Weil sie nur die Reparaturzeit berücksichtigt
  • b) Weil sie sowohl Ausfallhäufigkeit als auch Reparaturdauer einbezieht
  • c) Weil sie unabhängig von den Bauteilen ist
  • d) Weil sie immer 100 % ergibt

Richtig: b)

Die Verfügbarkeit verknüpft MTBF und MTTR und zeigt damit das Gesamtbild aus Zuverlässigkeit und Reparierbarkeit. Sie betrachtet nicht nur die Reparaturzeit, hängt sehr wohl von den Bauteilen ab und erreicht in der Realität nie exakt 100 %.

Ein teures Hauptlager zeigt schleichenden, messbaren Verschleiß. Welche Strategie nutzt den Abnutzungsvorrat am besten aus, ohne einen ungeplanten Ausfall zu riskieren?

  • a) Reaktive Instandhaltung
  • b) Vorbeugende Instandhaltung mit sehr kurzem Intervall
  • c) Zustandsorientierte Instandhaltung
  • d) Gar keine Überwachung

Richtig: c)

Messbarer, schleichender Verschleiß ist der ideale Fall für die zustandsorientierte Strategie: Man greift erst bei beginnender Verschlechterung ein und nutzt den Vorrat fast vollständig. Reaktiv wäre zu riskant, ein sehr kurzes Intervall führt zu Überwartung, und keine Überwachung verschenkt die messbare Vorwarnung.

Durch das Vorhalten kritischer Ersatzteile sinkt die MTTR einer Anlage von 20 h auf 5 h, die MTBF bleibt bei 1000 h. Wie verändert sich die Verfügbarkeit?

  • a) Sie sinkt
  • b) Sie bleibt gleich
  • c) Sie steigt auf genau 100 %
  • d) Sie steigt von 98,04 % auf 99,50 %

Richtig: d)

Vorher: 1000 / 1020 = 98,04 %. Nachher: 1000 / 1005 = 99,50 %. Kürzere Reparaturzeit erhöht die Verfügbarkeit, erreicht aber keine 100 %, da weiterhin Ausfälle auftreten.

Welche Aussage zur Strategie-Auswahl in der Praxis trifft zu?

  • a) Die Strategie wird je Bauteil nach Kritikalität, Kosten und Ausfallverhalten festgelegt
  • b) Ein Betrieb sollte für alle Bauteile dieselbe Strategie wählen
  • c) Die teuerste Strategie ist immer die beste
  • d) Die Strategie hängt nur vom Alter der Anlage ab

Richtig: a)

Sinnvoll ist eine bauteilbezogene Entscheidung anhand der drei Kriterien, was zu einer Mischstrategie führt. Eine Einheitsstrategie ist unwirtschaftlich, die teuerste Strategie ist nicht pauschal die beste, und das Anlagenalter ist nur ein Randaspekt.

Welche Strategie verursacht typischerweise die höchsten Vorsorgekosten durch Mess- und Auswertungsaufwand, liefert dafür aber die genaueste Ausfallvorhersage?

  • a) Reaktive Instandhaltung
  • b) Vorausschauende Instandhaltung
  • c) Vorbeugende Instandhaltung
  • d) Inspektion

Richtig: b)

Die vorausschauende Strategie erfordert umfangreiche Datenerfassung und Auswertung, prognostiziert dafür aber, wann ein Ausfall droht. Reaktiv hat keine Vorsorgekosten, vorbeugend arbeitet ohne Prognose, und Inspektion ist eine Maßnahme, keine vollständige Strategie.

Glossar

Instandhaltung
Oberbegriff für alle Maßnahmen zum Erhalten und Wiederherstellen des funktionsfähigen Zustands einer Anlage, umfasst Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung.
Abnutzungsvorrat
die im Bauteil verbleibende Funktionsreserve; sie schrumpft mit der Beanspruchung und ist beim Ausfall aufgebraucht.
Wartung
vorbeugende Maßnahmen wie Schmieren, Reinigen und Nachstellen, die den Abnutzungsvorrat erhalten.
Inspektion
Maßnahmen zur Feststellung des Ist-Zustands durch Messen und Prüfen, ohne den Zustand zu verändern.
Instandsetzung
Wiederherstellung des Soll-Zustands nach einem Schaden, also Reparieren oder Austauschen.
Reaktive Instandhaltung
Strategie, bei der ein Bauteil bis zum Ausfall betrieben und erst dann instand gesetzt wird; auch Ausfallstrategie genannt.
Vorbeugende Instandhaltung
Strategie mit festen Intervallen nach Zeit, Betriebsstunden oder Beanspruchung, die vor dem Ausfall eingreift; auch präventive Instandhaltung.
Überwartung
Folge eines zu kurzen Intervalls: Bauteile werden mit hohem Restvorrat getauscht, was Material und Stillstandszeit verschwendet.
Unterwartung
Folge eines zu langen Intervalls: Das Bauteil fällt vor dem geplanten Wartungstermin aus.
Auslastungsgrad
Anteil der Betriebszeit, in dem eine Maschine tatsächlich unter Last läuft; dimensionsloser Wert zwischen 0 und 1.
Zustandsorientierte Instandhaltung
Strategie, die auf Basis gemessener Zustandswerte und ihres Trends eingreift; engl. condition based maintenance (CBM).
Condition Monitoring
laufende Überwachung von Zustandsgrößen wie Schwingung, Temperatur oder Ölzustand.
Vorausschauende Instandhaltung
Weiterentwicklung der zustandsorientierten Strategie, die aus Zustandsdaten den künftigen Ausfallzeitpunkt prognostiziert; engl. predictive maintenance.
MTBF
Mean Time Between Failures, mittlere fehlerfreie Betriebsdauer zwischen zwei Ausfällen; Maß für die Zuverlässigkeit.
MTTR
Mean Time To Repair, mittlere Dauer einer Reparatur bis zur Wiederherstellung der Funktion.
Verfügbarkeit
Anteil der Zeit, in dem eine Anlage einsatzbereit ist; berechnet aus MTBF und MTTR.
Kritikalität
Maß dafür, wie schwer der Ausfall eines Bauteils wiegt – hinsichtlich Sicherheit, Anlagenstillstand und Folgeschaden.

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