Der P-Regler

Einheizthermostat, der nur ein- und ausschaltet, regelt grob. Sobald es genauer und ruhiger werden soll, braucht man einen Regler, der nicht nur zwei Zustände kennt, sondern fein dosiert. Der P-Regler ist der einfachste dieser stetigen Regler – und ein guter Einstieg, um zu verstehen, wie eine Stellgröße auf einen Fehler reagiert.

Die Idee dahinter ist überraschend naheliegend: Je weiter der Istwert vom Sollwert entfernt ist, desto kräftiger greift der Regler ein. Kleine Abweichung, kleines Eingreifen. Große Abweichung, großes Eingreifen. Genau dieses proportionale Verhalten gibt dem Regler seinen Namen.

In diesem Beitrag siehst du, wie der P-Regler rechnet, was der Proportionalbeiwert und der Proportionalbereich bedeuten – und warum ein reiner P-Regler den Sollwert nie ganz erreicht.

Vorwissen

  • Unterschied Steuerung und Regelung
  • Aufbau eines Regelkreises
  • Regelkreis-Begriffe: Sollwert, Istwert, Stellgröße, Regelgröße, Störgröße

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, nach welchem Prinzip ein P-Regler seine Stellgröße bildet
  • mit der Gleichung y = Kp · e rechnen und den Zusammenhang zwischen Proportionalbeiwert und Proportionalbereich angeben
  • den Proportionalbereich Xp anhand der Reglerkennlinie deuten
  • die bleibende Regelabweichung berechnen und begründen, warum sie beim reinen P-Regler nie verschwindet
  • einschätzen, für welche Regelaufgaben ein reiner P-Regler geeignet ist

1. Was der P-Regler macht – die Grundidee

In einem Regelkreis vergleicht der Regler ständig den Sollwert mit dem gemessenen Istwert. Die Differenz aus beiden ist die Regelabweichung – das, was der Regler ausgleichen soll.

e = w – x

  • e … Regelabweichung
  • w … Sollwert (Führungsgröße)
  • x … Istwert (Regelgröße)

Ein einfacher Zweipunktregler kennt auf diese Abweichung nur zwei Antworten: ganz ein oder ganz aus. Das reicht für eine Kaffeemaschine, führt aber zu ständigem Pendeln um den Sollwert. Der P-Regler gehört dagegen zu den stetigen Reglern – seine Stellgröße kann jeden Wert zwischen vollständig zu und vollständig auf annehmen. (Den Zweipunktregler als Gegenstück behandeln wir an anderer Stelle eigenständig.)

Das Proportionalprinzip lautet: Die Stellgröße ist proportional zur Regelabweichung. Liegt der Istwert weit daneben, stellt der Regler kräftig nach. Nähert sich der Istwert dem Sollwert, fährt der Regler sein Eingreifen zurück. Genau dieses Mitgehen mit der Abweichung macht den Unterschied zur ruckartigen Zweipunktregelung.

Ein P-geregelter Heizkreis hat einen Sollwert von 60 °C. Der Istwert beträgt aktuell 54 °C. Wie verändert sich die Stellgröße des P-Reglers, wenn der Istwert auf 58 °C steigt?

  • a) Sie wird kleiner, weil die Regelabweichung kleiner geworden ist
  • b) Sie wird größer, weil der Istwert näher am Sollwert liegt
  • c) Sie bleibt unverändert, solange der Sollwert nicht erreicht ist
  • d) Sie springt auf null, sobald 58 °C erreicht sind

Richtig: a)

Die Regelabweichung sinkt von 6 K auf 2 K. Da die Stellgröße proportional zur Abweichung ist, wird sie kleiner. Sie bleibt nicht konstant (c) und springt nicht (d) – das wäre Zweipunktverhalten. Größer (b) wäre die falsche Richtung.

Worin unterscheidet sich ein stetiger Regler grundlegend von einem Zweipunktregler?

  • a) Er misst den Istwert genauer
  • b) Er benötigt keinen Sollwert
  • c) Er reagiert nur auf positive Regelabweichungen
  • d) Seine Stellgröße kann beliebige Zwischenwerte annehmen

Richtig: d)

Das Kennzeichen des stetigen Reglers istdie fein abgestufte Stellgröße zwischen den Grenzen. Die Messgenauigkeit (a) ist davon unabhängig. Einen Sollwert braucht jeder Regler (b). Auf negative wie positive Abweichungen reagiert er ebenfalls (c).

2. Die P-Regler-Gleichung und der Proportionalbeiwert Kp

Das Proportionalprinzip lässt sich in eine kurze Gleichung fassen:

y = Kp * e

  • y … Stellgröße
  • Kp … Proportionalbeiwert (Verstärkung)
  • e … Regelabweichung

Der Proportionalbeiwert Kp ist der entscheidende Einstellwert. Er sagt, wie stark der Regler auf eine bestimmte Abweichung antwortet. Ein großer Kp bedeutet: Schon eine kleine Abweichung erzeugt eine kräftige Stellgröße. Ein kleiner Kp lässt den Regler träger und vorsichtiger reagieren.

In der Reglertechnik wird statt Kp oft der Proportionalbereich Xp angegeben – ein in Prozent ausgedrückter Wert, der dasselbe Verhalten beschreibt, nur aus der anderen Richtung. Beide hängen über den Kehrwert zusammen:

Xp = 100 % / Kp

  • Xp … Proportionalbereich in Prozent
  • Kp … Proportionalbeiwert

Ein großer Kp entspricht also einem kleinen Xp und umgekehrt. Wer den Regler „schärfer“ stellt, erhöht Kp und verkleinert damit Xp.

Eine wichtige Einschränkung kommt aus der Realität: Die Stellgröße kann nicht unbegrenzt wachsen. Ein Ventil ist irgendwann ganz offen, ein Stellantrieb hat einen Maximalwert. Übersteigt das rechnerische Ergebnis y = Kp · e diese Grenze, bleibt die tatsächliche Stellgröße auf dem Maximalwert stehen. Diesen Effekt nennt man Stellgrößenbeschränkung oder Sättigung. Genauso gibt es eine untere Grenze – meist null.

Gelöstes Beispiel

Ein P-Regler hat einen Proportionalbeiwert von Kp = 4. Die Regelabweichung beträgt e = 5 K. Wie groß ist die rechnerische Stellgröße, und welchem Proportionalbereich Xp entspricht der eingestellte Kp?

Gegeben: Kp = 4, e = 5 K

Gesucht: y in %, Xp in %

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Stellgröße: y = Kp · e = 4 · 5 = 20 %
  2. Schritt 2 — Proportionalbereich: Xp = 100 % / Kp = 100 % / 4 = 25 %

Ergebnis: y = 20 %, Xp = 25 %

Übungen

Ein P-Regler hat Kp = 2. Die Regelabweichung beträgt 8 K. Wie groß ist die Stellgröße?

y = Kp · e = 2 · 8 = 16 %

Welcher Proportionalbereich Xp gehört zu einem Proportionalbeiwert Kp = 5?

Xp = 100 % / 5 = 20 %

Ein Regler ist auf Xp = 50 % eingestellt. Welchen Proportionalbeiwert Kp hat er?

Kp = 100 % / Xp = 100 % / 50 = 2

Ein P-Regler mit Kp = 8 hat eine Regelabweichung von 15 K. Die Stellgröße ist auf maximal 100 % begrenzt. Welche Stellgröße stellt sich tatsächlich ein?

Rechnerisch y = 8 · 15 = 120 %. Wegen der Begrenzung auf 100 % stellt sich tatsächlich y = 100 % ein (Sättigung).

Ein Regler soll bei einer Abweichung von 4 K genau 100 % Stellgröße liefern, ohne in die Begrenzung zu laufen. Welcher Kp ist dafür nötig, und welchem Xp entspricht das?

Aus y = Kp · e folgt Kp = y / e = 100 / 4 = 25. Damit Xp = 100 % / 25 = 4 %.

Ein P-Regler wird von Kp = 3 auf Kp = 6 umgestellt. Was passiert mit dem Proportionalbereich Xp?

  • a) Er halbiert sich von 33,3 % auf 16,7 %
  • b) Er verdoppelt sich von 33,3 % auf 66,7 %
  • c) Er bleibt unverändert
  • d) Er steigt auf 100 %

Richtig: a)

Xp = 100 % / Kp. Aus Kp = 3 folgt Xp ≈ 33,3 %, aus Kp = 6 folgt Xp ≈ 16,7 %. Da Kp und Xp Kehrwerte sind, halbiert sich Xp, wenn Kp verdoppelt wird. Eine Verdopplung (b) wäre die falsche Richtung.

Ein P-Regler rechnet bei großer Abweichung eine Stellgröße von 140 % aus. Das Stellglied kann höchstens 100 % liefern. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Der Regler arbeitet in diesem Moment exakt proportional zur Abweichung
  • b) Die Stellgröße wird auf 40 % reduziert
  • c) Der Proportionalbeiwert verkleinert sich automatisch
  • d) Die tatsächliche Stellgröße bleibt bei 100 %, der Regler ist in Sättigung

Richtig: d)

Übersteigt das rechnerische Ergebnis die Stellgrenze, bleibt die reale Stellgröße auf dem Maximum stehen – das ist die Sättigung. In diesem Bereich ist der Zusammenhang nicht mehr proportional (a falsch). Es wird nichts subtrahiert (b) und Kp bleibt unverändert (c).

Wovon hängt die Stellgröße eines reinen P-Reglers in einem bestimmten Moment ab?

  • a) Von der Dauer der Abweichung
  • b) Von der Geschwindigkeit, mit der sich die Abweichung ändert
  • c) Allein vom aktuellen Wert der Regelabweichung
  • d) Vom Mittelwert der letzten Abweichungen

Richtig: c)

Der P-Regler bewertet ausschließlich die momentane Abweichung über y = Kp · e. Die Dauer (a) wertet der I-Anteil aus, die Änderungsgeschwindigkeit (b) der D-Anteil – beides hat der reine P-Regler nicht. Ein Mittelwert (d) spielt keine Rolle.

3. Proportionalbereich Xp anschaulich

Der Proportionalbereich Xp lässt sich gut an der Reglerkennlinie ablesen. Er gibt an, über welchen Bereich der Regelgröße der Regler seine Stellgröße von 0 % auf 100 % fährt. Innerhalb dieses Bandes arbeitet der Regler proportional. Außerhalb läuft er in die Begrenzung – voll auf oder voll zu.

y / % 100 0 Regelgröße x Xp voll auf voll zu proportional

Die Steigung der Rampe ist nichts anderes als der Proportionalbeiwert Kp. Eine steile Rampe bedeutet großen Kp und schmalen Xp – der Regler fährt seine Stellgröße schon bei kleiner Regelgrößenänderung voll durch. Eine flache Rampe bedeutet kleinen Kp und breiten Xp – der Regler reagiert sanfter und über einen weiteren Bereich abgestuft.

Für die Einstellung heißt das: Ein schmaler Proportionalbereich macht den Regler aggressiv und schnell, neigt aber zum Überschwingen. Ein breiter Proportionalbereich macht ihn gutmütig und stabil, aber langsam.

In der Praxis: Bei einer Raumtemperaturregelung wird Xp oft auf einige Kelvin gelegt. Ein Xp von beispielsweise 5 K bedeutet: Liegt der Istwert 5 K oder mehr unter dem Sollwert, heizt das Ventil voll. Innerhalb dieser 5 K wird die Ventilöffnung fein abgestuft. Wählt man Xp zu schmal, beginnt das Ventil hektisch zu pumpen.

Was bedeutet ein sehr breiter Proportionalbereich Xp für das Regelverhalten?

  • a) Der Regler reagiert besonders aggressiv und schnell
  • b) Der Regler verhält sich wie ein Zweipunktregler
  • c) Die bleibende Regelabweichung verschwindet vollständig
  • d) Der Regler stellt sanft und über einen weiten Bereich abgestuft, neigt aber zu Trägheit

Richtig: d)

Breiter Xp heißt kleiner Kp und flache Kennlinie – der Regler stellt fein und stabil, aber langsam. Aggressiv (a) wäre ein schmaler Xp. Zum Zweipunktregler (b) wird er gerade nicht, im Gegenteil. Auf die bleibende Abweichung (c) wirkt sich das nur graduell, nicht aufhebend aus.

Eine Reglerkennlinie zeigt eine sehr steile Rampe zwischen „voll zu“ und „voll auf“. Welche Aussage stimmt?

  • a) Schon eine kleine Regelgrößenänderung treibt die Stellgröße über den vollen Bereich
  • b) Der Proportionalbeiwert Kp ist klein
  • c) Der Proportionalbereich Xp ist breit
  • d) Der Regler arbeitet außerhalb jeder Begrenzung

Richtig: a)

Eine steile Kennlinie bedeutet großes Kp und schmales Xp – die volle Stellgröße wird bereits bei kleiner Änderung der Regelgröße durchfahren. Kleiner Kp (b) und breiter Xp (c) widersprechen der steilen Rampe. Begrenzungen (d) gelten unverändert an den Enden.

4. Die bleibende Regelabweichung

Hier liegt der wunde Punkt des reinen P-Reglers. Er erreicht den Sollwert nie ganz – es bleibt immer eine kleine Differenz übrig. Das ist kein Fehler in der Einstellung, sondern liegt im Prinzip.

Der Grund: Die Stellgröße entsteht aus y = Kp · e. Damit der Regler überhaupt eine Stellgröße liefert, braucht er eine Regelabweichung. Wäre die Abweichung null, wäre auch die Stellgröße null – und dann würde die Strecke gar nicht mehr versorgt. Der Regelkreis pendelt sich deshalb auf einen Punkt ein, an dem gerade so viel Stellgröße anliegt, wie die Strecke im neuen Zustand braucht. Genau dafür ist eine kleine, dauerhaft bestehende Abweichung nötig.

Diese bleibende Regelabweichung lässt sich berechnen. Für eine proportional wirkende Strecke mit der Streckenverstärkung Ks ergibt sich bei einer sprungförmigen Anregung:

e_bleibend = e_0 / (1 + Kp * Ks)

  • e_bleibend … bleibende Regelabweichung
  • e_0 … ursprüngliche Abweichung (Sollwertsprung)
  • Kp … Proportionalbeiwert des Reglers
  • Ks … Streckenverstärkung

Was e_0 konkret bedeutet, wird an einem einfachen Fall klar: Ist das System zunächst in Ruhe (Istwert = 0) und springt der Sollwert schlagartig von 0 auf einen neuen Wert w, dann ist die anfängliche Regelabweichung genau gleich dieser Sprunghöhe – e_0 = w. In diesem Moment ist der Istwert noch nicht nachgekommen, die volle Differenz steht als Abweichung an.

An der Formel sieht man sofort: Je größer das Produkt Kp · Ks, desto kleiner wird die bleibende Abweichung. Verdoppelt man Kp, schrumpft die Restabweichung – sie verschwindet aber nie vollständig, weil der Nenner immer um 1 größer als Kp · Ks bleibt.

Wert Zeit t Sollwert w Istwert x e bleibend

Das Schaubild zeigt einen Sollwertsprung: Der Istwert läuft hoch, nähert sich dem Sollwert an – und bleibt knapp darunter stehen. Genau dieser dauerhafte Abstand ist die bleibende Regelabweichung.

Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt. Ein großer Kp drückt die Abweichung klein, macht den Kreis aber schwingfreudig und im Extremfall instabil. Ein kleiner Kp hält den Kreis ruhig, lässt aber eine größere Abweichung übrig. Den Rest restlos wegzubekommen, schafft der P-Regler nicht – dafür braucht es einen zusätzlichen Anteil, der über die Zeit aufintegriert. Diesen I-Anteil behandeln wir gesondert.

Gelöstes Beispiel

Ein P-Regler mit Kp = 4 regelt eine Strecke mit der Streckenverstärkung Ks = 2. Auf einen Sollwertsprung, der zunächst eine Abweichung von e_0 = 10 K bedeutet, stellt sich der Kreis ein. Wie groß ist die bleibende Regelabweichung?

Gegeben: Kp = 4, Ks = 2, e_0 = 10 K

Gesucht: e_bleibend in K

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Schleifenverstärkung: Kp · Ks = 4 · 2 = 8
  2. Schritt 2 — bleibende Abweichung: e_bleibend = e_0 / (1 + Kp · Ks) = 10 / (1 + 8) = 10 / 9 ≈ 1,11 K

Ergebnis: e_bleibend ≈ 1,11 K

Übungen

Ein P-Regler hat Kp = 9, die Strecke Ks = 1. Die ursprüngliche Abweichung beträgt 5 K. Wie groß ist die bleibende Regelabweichung?

e_bleibend = 5 / (1 + 9 · 1) = 5 / 10 = 0,5 K

Bei Kp = 3 und Ks = 3 stellt sich nach einem Sollwertsprung von 12 K eine bleibende Abweichung ein. Berechne sie.

e_bleibend = 12 / (1 + 3 · 3) = 12 / 10 = 1,2 K

Der Proportionalbeiwert wird von Kp = 4 auf Kp = 9 erhöht (Ks = 1, e_0 = 10 K). Um welchen Faktor sinkt die bleibende Abweichung?

Vorher: 10 / (1 + 4) = 2,0 K. Nachher: 10 / (1 + 9) = 1,0 K. Die Abweichung halbiert sich (Faktor 2).

Welche bleibende Abweichung verbleibt bei sehr großem Kp = 99 (Ks = 1, e_0 = 10 K)? Was zeigt das Ergebnis?

e_bleibend = 10 / (1 + 99) = 10 / 100 = 0,1 K. Die Abweichung wird sehr klein, aber nicht null – ein großer Kp drückt sie nur, beseitigt sie nicht.

Ein Kreis soll die bleibende Abweichung auf höchstens 5 % der ursprünglichen Abweichung halten. Welche Schleifenverstärkung Kp · Ks ist mindestens nötig?

Gefordert: 1 / (1 + Kp · Ks) ≤ 0,05. Daraus 1 + Kp · Ks ≥ 20, also Kp · Ks ≥ 19.

Warum erreicht ein reiner P-Regler den Sollwert grundsätzlich nicht exakt?

  • a) Weil die Messung des Istwerts immer ungenau ist
  • b) Weil eine Restabweichung nötig ist, damit überhaupt eine Stellgröße anliegt
  • c) Weil der Proportionalbeiwert nie groß genug eingestellt werden kann
  • d) Weil die Stellgröße zeitlich verzögert wirkt

Richtig: b)

Die Stellgröße entsteht aus y = Kp · e. Wäre e null, wäre auch y null und die Strecke unversorgt – der Kreis braucht eine bleibende Abweichung als „Treibstoff“ für die Stellgröße. Messungenauigkeit (a) ist eine andere Sache. Kp (c) kann groß sein, beseitigt die Abweichung aber nie ganz. Zeitverzug (d) erklärt das stationäre Verhalten nicht.

Ein P-Regler arbeitet mit Kp = 4 an einer Strecke mit Ks = 1. Eine Anfangsabweichung von 10 K liegt vor. Wie groß ist die bleibende Regelabweichung?

  • a) 0 K
  • b) 1 K
  • c) 2 K
  • d) 2,5 K

Richtig: c)

e_bleibend = 10 / (1 + 4 · 1) = 10 / 5 = 2 K. Null (a) ist beim P-Regler nie erreichbar. 1 K (b) ergäbe sich erst bei Kp = 9. 2,5 K (d) passt zu keiner sinnvollen Einsetzung.

Was geschieht mit der bleibenden Regelabweichung, wenn der Proportionalbeiwert deutlich erhöht wird?

  • a) Sie wird kleiner, die Schwingneigung des Kreises nimmt jedoch zu
  • b) Sie verschwindet vollständig
  • c) Sie bleibt unverändert
  • d) Sie wird größer

Richtig: a)

Ein größeres Kp · Ks verkleinert e_bleibend, weil der Nenner wächst – aber der Kreis wird zugleich schwingfreudiger und kann instabil werden. Vollständig verschwinden (b) kann sie nie. Unverändert (c) oder größer (d) widerspricht der Formel.

5. Verhalten bei Sollwertänderung und Praxiseinsatz

Springt der Sollwert auf einen neuen Wert, reagiert der P-geregelte Kreis sofort: Die schlagartig vergrößerte Abweichung erzeugt eine kräftige Stellgröße, der Istwert läuft zügig in Richtung des neuen Sollwerts. Je näher er kommt, desto kleiner wird die Abweichung und damit die Stellgröße – die Annäherung wird langsamer und endet knapp unterhalb des Ziels. Der P-Regler ist also schnell und unkompliziert, lässt aber den bekannten Rest stehen.

Bei richtiger Einstellung läuft der Istwert ruhig auf seinen Beharrungswert zu. Stellt man Kp zu hoch, schießt der Istwert über den Sollwert hinaus und pendelt sich erst nach einigen Schwingungen ein. Das ist der praktische Ausdruck des Zielkonflikts aus dem vorigen Kapitel.

Für die grobe Einstellung von Kp gilt: vorsichtig klein beginnen und schrittweise erhöhen, bis der Kreis schnell genug reagiert, ohne deutlich überzuschwingen. Den letzten Rest an Genauigkeit holt man beim reinen P-Regler bewusst nicht heraus – das ist sein Charakter.

Sinnvoll ist der reine P-Regler dort, wo eine kleine bleibende Abweichung nicht stört und es vor allem auf eine schnelle, stabile Reaktion ankommt. Typisch sind gutmütige Strecken mit klarer Proportionalwirkung, etwa einfache Druck- oder Füllstandsregelungen, bei denen ein paar Prozent Abweichung tolerierbar sind. Wo der Sollwert dagegen exakt gehalten werden muss, kombiniert man den P-Anteil mit weiteren Anteilen – das ist dann nicht mehr Sache dieses Beitrags.

Ein P-geregelter Kreis schwingt nach einem Sollwertsprung mehrfach über, bevor er sich beruhigt. Welche Maßnahme ist sinnvoll?

  • a) Den Proportionalbeiwert Kp erhöhen
  • b) Den Proportionalbeiwert Kp verkleinern
  • c) Den Sollwert absenken
  • d) Die Streckenverstärkung Ks erhöhen

Richtig: b)

Überschwingen und Pendeln sind Zeichen für ein zu großes Kp. Ein kleineres Kp beruhigt den Kreis. Kp erhöhen (a) verschärft das Problem. Den Sollwert (c) zu ändern löst das Verhalten nicht. Ks (d) ist eine Eigenschaft der Strecke, kein Einstellwert des Reglers.

Für welche Regelaufgabe ist ein reiner P-Regler besonders gut geeignet?

  • a) Eine Aufgabe, bei der der Sollwert exakt und dauerhaft eingehalten werden muss
  • b) Eine gutmütige Strecke, bei der eine kleine bleibende Abweichung akzeptabel ist
  • c) Eine Strecke mit sehr langer Totzeit und hoher Genauigkeitsforderung
  • d) Eine Anwendung, bei der jede Abweichung über die Zeit vollständig ausgeglichen werden soll

Richtig: b)

Der reine P-Regler punktet bei einfachen, stabilen Strecken mit tolerierbarer Restabweichung. Exakte, dauerhafte Sollwerthaltung (a, d) verlangt einen zusätzlichen integrierenden Anteil. Lange Totzeiten mit hoher Genauigkeit (c) sind für einen reinen P-Regler ungünstig.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein P-Regler hat einen Proportionalbeiwert von Kp = 6. Berechne die Stellgröße bei einer Regelabweichung von e = 12 K und gib den zugehörigen Proportionalbereich Xp an.

Gegeben: Kp = 6; e = 12 K

Gesucht: y in %, Xp in %

Lösungsweg:

  1. y = Kp · e = 6 · 12 = 72 %
  2. Xp = 100 % / 6 ≈ 16,7 %

Ergebnis: y = 72 %, Xp ≈ 16,7 %

Aufgabe 2: Ein Regler ist auf einen Proportionalbereich Xp = 40 % eingestellt. Welchen Proportionalbeiwert Kp hat er, und welche rechnerische Stellgröße ergibt sich bei e = 30 K?

Gegeben: Xp = 40 %; e = 30 K

Gesucht: Kp, y in %

Lösungsweg:

  1. Kp = 100 % / Xp = 100 / 40 = 2,5
  2. y = Kp · e = 2,5 · 30 = 75 %

Ergebnis: Kp = 2,5; y = 75 %

Aufgabe 3: Ein P-Regler mit Kp = 8 wirkt auf eine Strecke mit Ks = 1,5. Ein Sollwertsprung erzeugt zunächst eine Abweichung von e_0 = 20 K. Wie groß ist die bleibende Regelabweichung?

Gegeben: Kp = 8; Ks = 1,5; e_0 = 20 K

Gesucht: e_bleibend in K

Lösungsweg:

  1. Kp · Ks = 8 · 1,5 = 12
  2. e_bleibend = 20 / (1 + 12) = 20 / 13 ≈ 1,54 K

Ergebnis: e_bleibend ≈ 1,54 K

Aufgabe 4: Wie groß muss die Schleifenverstärkung Kp · Ks mindestens sein, damit die bleibende Regelabweichung höchstens 10 % der ursprünglichen Abweichung beträgt?

Gegeben: e_bleibend / e_0 ≤ 0,10

Gesucht: Kp · Ks

Lösungsweg:

  1. 1 / (1 + Kp · Ks) ≤ 0,10 → 1 + Kp · Ks ≥ 10 → Kp · Ks ≥ 9

Ergebnis: Kp · Ks ≥ 9

Nach welchem Prinzip bildet der P-Regler seine Stellgröße?

  • a) Proportional zur zeitlichen Änderung der Abweichung
  • b) Proportional zur aufsummierten Abweichung über die Zeit
  • c) Proportional zum aktuellen Wert der Regelabweichung
  • d) Antiproportional zur Regelabweichung

Richtig: c)

y = Kp · e – die Stellgröße folgt dem aktuellen Abweichungswert. Die zeitliche Änderung (a) wäre der D-Anteil, die Summe über die Zeit (b) der I-Anteil. Antiproportional (d) wäre die falsche Richtung.

Ein Regler wird von Xp = 25 % auf Xp = 50 % umgestellt. Was passiert?

  • a) Kp verdoppelt sich, der Regler wird aggressiver
  • b) Kp halbiert sich, der Regler wird gutmütiger
  • c) Kp bleibt gleich
  • d) Die bleibende Abweichung verschwindet

Richtig: b)

Kp = 100 % / Xp. Bei Xp = 25 % ist Kp = 4, bei Xp = 50 % ist Kp = 2 – Kp halbiert sich, der Regler reagiert sanfter. Aggressiver (a) wäre die Gegenrichtung. Gleich bleiben (c) widerspricht dem Kehrwert. Die Abweichung (d) verschwindet beim P-Regler nie.

Welche größe entscheidet neben Kp über die bleibende Regelabweichung?

  • a) Die Abtastzeit des Reglers
  • b) Die Streckenverstärkung Ks
  • c) Die Umgebungstemperatur
  • d) Die Farbe des Stellglieds

Richtig: b)

In e_bleibend = e_0 / (1 + Kp · Ks) steht neben Kp die Streckenverstärkung Ks. Eine Abtastzeit (a) spielt im stationären Endwert keine Rolle. Umgebungstemperatur (c) und Stellglied-Eigenschaften (d) gehen in diese Beziehung nicht ein.

Ein P-geregelter Kreis reagiert nach einem Sollwertsprung träge und schleicht langsam an den Beharrungswert heran. Welche Einstellung erklärt dieses Verhalten?

  • a) Ein sehr großer Kp / schmaler Xp
  • b) Ein negativer Proportionalbeiwert
  • c) Eine fehlende Streckenverstärkung
  • d) Ein sehr kleiner Kp / breiter Xp

Richtig: d)

Kleiner Kp (breiter Xp) macht den Regler gutmütig und langsam – genau das beschriebene träge Verhalten. Großer Kp (a) führt eher zu Überschwingen. Ein negativer Kp (b) würde den Regler in die falsche Richtung treiben. Ohne Streckenverstärkung (c) würde gar nichts geregelt.

Ein P-Regler rechnet bei großer Abweichung eine Stellgröße von 130 % aus, das Stellglied liefert maximal 100 %. Was beschreibt diesen Zustand?

  • a) Proportionalbetrieb
  • b) Sättigung / Stellgrößenbegrenzung
  • c) Bleibende Regelabweichung
  • d) Schwingungsneigung

Richtig: b)

Übersteigt die berechnete Stellgröße die Stellgrenze, bleibt die reale Stellgröße auf dem Maximum stehen – das ist die Sättigung. Proportionalbetrieb (a) liegt nur innerhalb des Xp vor. Bleibende Abweichung (c) und Schwingneigung (d) sind andere Erscheinungen.

Welche Aussage über den reinen P-Regler ist richtig?

  • a) Er gleicht jede Störung vollständig aus
  • b) Er hat ein Gedächtnis für vergangene Abweichungen
  • c) Seine Stellgröße hängt nur vom Momentanwert der Abweichung ab
  • d) Er erreicht den Sollwert nach kurzer Zeit exakt

Richtig: c)

Der P-Regler bewertet ausschließlich die aktuelle Abweichung. Ein Gedächtnis (b) hätte der I-Anteil. Vollständiger Störungsausgleich (a) und exaktes Erreichen des Sollwerts (d) sind ihm prinzipbedingt verwehrt.

Warum kann ein zu groß gewählter Kp problematisch sein?

  • a) Er kann den Regelkreis zum Schwingen bringen oder instabil machen
  • b) Er macht den Regler zu langsam
  • c) Er vergrößert die bleibende Regelabweichung
  • d) Er schaltet das Stellglied dauerhaft ab

Richtig: a)

Ein hoher Kp verstärkt die Reaktion so stark, dass der Kreis überschwingt und im Extremfall instabil wird. Langsamer (b) wird er bei kleinem Kp. Die bleibende Abweichung wird durch großen Kp kleiner, nicht größer (c). Abschalten (d) trifft nicht zu.

In welchem Bereich der Reglerkennlinie arbeitet der P-Regler tatsächlich proportional?

  • a) Über den gesamten Wertebereich der Regelgröße
  • b) Nur außerhalb des Proportionalbereichs
  • c) Nur am Sollwert selbst
  • d) Innerhalb des Proportionalbereichs Xp

Richtig: d)

Innerhalb von Xp steigt die Stellgröße proportional zur Regelgröße. Außerhalb (b) läuft der Regler in die Begrenzung – dort ist er nicht proportional. Der gesamte Bereich (a) trifft daher nicht zu, ein einzelner Punkt (c) ebenso wenig.

Ein P-Regler mit Kp = 5 erzeugt bei e = 4 K eine Stellgröße von 20 %. Wie groß ist die Stellgröße, wenn die Abweichung auf 8 K steigt (keine Begrenzung)?

  • a) 20 %
  • b) 30 %
  • c) 40 %
  • d) 100 %

Richtig: c)

y = Kp · e = 5 · 8 = 40 %. Die Verdopplung der Abweichung verdoppelt die Stellgröße. 20 % (a) wäre keine Reaktion, 30 % (b) passt zu keiner Rechnung, 100 % (d) träte nur bei Begrenzung oder größerem Produkt auf.

Was unterscheidet den reinen P-Regler hinsichtlich der bleibenden Abweichung von einem Regler mit zusätzlichem integrierenden Anteil?

  • a) Der P-Regler beseitigt die bleibende Abweichung schneller
  • b) Beide verhalten sich im stationären Zustand identisch
  • c) Der I-Anteil vergrößert die bleibende Abweichung
  • d) Der zusätzliche I-Anteil kann die bleibende Abweichung über die Zeit auf null bringen

Richtig: d)

Ein integrierender Anteil summiert die Abweichung über die Zeit auf und stellt so lange nach, bis sie verschwindet – das schafft der reine P-Regler nicht. Schneller beseitigen (a) kann er sie nicht, da er sie überhaupt nicht beseitigt. Identisches Verhalten (b) und Vergrößerung durch den I-Anteil (c) sind falsch.

Glossar

P-Regler
Stetiger Regler, dessen Stellgröße proportional zur aktuellen Regelabweichung gebildet wird (y = Kp · e).
Proportionalbeiwert Kp
Einstellwert, der angibt, wie stark der Regler auf eine bestimmte Regelabweichung reagiert. Großer Kp bedeutet kräftiges Eingreifen.
Proportionalbereich Xp
In Prozent angegebener Bereich der Regelgröße, über den der Regler seine Stellgröße von 0 % auf 100 % fährt. Es gilt Xp = 100 % / Kp.
Stellgrößenbeschränkung (Sättigung)
Begrenzung der tatsächlichen Stellgröße auf einen maximalen und minimalen Wert. Übersteigt das rechnerische Ergebnis die Grenze, bleibt die reale Stellgröße auf dem Grenzwert stehen.
Bleibende Regelabweichung
Dauerhaft verbleibende Differenz zwischen Soll- und Istwert beim reinen P-Regler, berechenbar über e_bleibend = e_0 / (1 + Kp · Ks).
Streckenverstärkung Ks
Kennwert der Regelstrecke, der angibt, wie stark die Regelgröße auf eine Änderung der Stellgröße reagiert.
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