PI-Regler

Ein reine Proportionalregler ist schnell, aber er hat einen Schönheitsfehler: Er lässt am Ende immer eine kleine Abweichung übrig. Genau diese Lücke schließt der PI-Regler, indem er einen zweiten Anteil dazunimmt, der so lange weiterarbeitet, bis die Abweichung wirklich null ist. Dieser Beitrag zeigt, wie P-Anteil und I-Anteil zusammenwirken, was die beiden Kennwerte Proportionalbeiwert und Nachstellzeit bedeuten und worauf es beim Einsatz in der Praxis amkommt.

Vorwissen

  • P-Regler
  • I-Regler
  • Aufbau eines Regelkreises

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum ein reiner P-Regler eine bleibende Regelabweichung hinterlässt und wie der I-Anteil sie beseitigt
  • die Reglergleichung des PI-Reglers im Zeitbereich aufstellen und die Bedeutung von Proportionalbeiwert und Nachstellzeit benennen
  • beschreiben, was die Nachstellzeit anschaulich bedeutet und wie sich ihre Größe auf das Regelverhalten auswirkt
  • den P-Anteil, den I-Anteil und die Gesamtstellgröße für eine konstante Regelabweichung berechnen
  • typische Einsatzfälle des PI-Reglers nennen und das Problem des Integrator-Wind-up bei begrenzten Stellgliedern einordnen

1. Warum überhaupt PI? – Das Problem des reinen P-Reglers

Bei einem Regler hängt die Stellgröße davon ab, wie groß die Regelabweichung ist – also die Differenz zwischen dem gewünschten Sollwert und dem tatsächlichen Istwert. Beim Proportionalregler ist dieser Zusammenhang einfach: Je größer die Abweichung, desto kräftiger stellt der Regler nach. Das macht ihn schnell. Es führt aber zu einem grundsätzlichen Problem.

Damit ein P-Regler überhaupt eine Stellgröße ausgibt, braucht er eine Abweichung ungleich null. Wäre die Abweichung exakt null, wäre auch die Stellgröße null – und dann fehlt oft die Stellgröße, die nötig ist, um den Istwert auf dem Sollwert zu halten. Das Ergebnis ist eine bleibende Regelabweichung: ein kleiner Rest, der dauerhaft übrig bleibt. (Die genaue Herleitung dieses Effekts wird im eigenen Beitrag zum P-Regler behandelt.)

Der Integralregler löst dieses Problem auf andere Weise. Er summiert die Abweichung über die Zeit auf und stellt so lange weiter, wie eine Abweichung besteht – auch dann noch, wenn sie schon sehr klein ist. Dadurch verschwindet die bleibende Regelabweichung vollständig. Allein eingesetzt ist der I-Regler allerdings träge: Bis er reagiert, vergeht Zeit, und das macht den Regelkreis langsam und schwingungsanfällig. (Details dazu im Beitrag zum I-Regler.)

Damit liegt die Idee auf der Hand: Man kombiniert beide. Der P-Anteil sorgt für die schnelle erste Reaktion, der I-Anteil räumt die verbleibende Abweichung über die Zeit auf. Genau das ist der PI-Regler.

Ein Heizungsregler arbeitet als reiner P-Regler. Im eingeschwungenen Zustand bleibt die Temperatur dauerhaft 2 °C unter dem Sollwert. Wie ist dieses Verhalten zu erklären?

  • a) Der P-Regler braucht eine Restabweichung, um überhaupt eine Stellgröße zu liefern
  • b) Der Regler ist defekt und muss getauscht werden
  • c) Die Heizung ist zu schwach dimensioniert
  • d) Der Sollwert wurde falsch eingestellt

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Ein P-Regler bildet die Stellgröße proportional zur Abweichung. Damit eine Stellgröße fließt, die die Wärmeverluste deckt, muss eine Abweichung bestehen bleiben – das ist die bleibende Regelabweichung, ein systembedingtes Verhalten und kein Defekt. b und c würden andere Symptome zeigen; d führt zwar zu falscher Temperatur, erklärt aber nicht die konstante Differenz.

Warum setzt man in vielen Anwendungen nicht einfach einen reinen I-Regler ein, der die bleibende Regelabweichung ja von selbst beseitigt?

  • a) Ein I-Regler ist technisch nicht realisierbar
  • b) Ein I-Regler verstärkt die Regelabweichung
  • c) Ein I-Regler reagiert allein zu träge und macht den Kreis langsam
  • d) Ein I-Regler funktioniert nur bei Gleichstrom

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Der I-Anteil baut seine Wirkung erst über die Zeit auf und reagiert deshalb verzögert. Allein eingesetzt wird der Regelkreis langsam und neigt zu Schwingungen. Genau deshalb kombiniert man ihn mit dem schnellen P-Anteil. a ist falsch, I-Regler sind üblich; b verkehrt die Wirkung ins Gegenteil; d ist unsinnig.

2. Aufbau und Wirkung des PI-Reglers

Der PI-Regler besteht aus zwei parallel arbeitenden Anteilen, deren Ausgangsgrößen addiert werden. Der P-Anteil reagiert sofort proportional auf die aktuelle Regelabweichung. Der I-Anteil summiert die Regelabweichung über die Zeit auf. Beide zusammen ergeben die Stellgröße – das Signal, mit dem der Regler auf die Strecke einwirkt.

In der Praxis – etwa beim Parametrieren von Industriesteuerungen – wird der PI-Regler fast immer in der parallelen Idealform mit den beiden Kennwerten Proportionalbeiwert und Nachstellzeit beschrieben. Im Zeitbereich sieht die Reglergleichung so aus:

y(t) = Kp * ( e(t) + (1/Tn) * INT[0..t] e(tau) dtau )

  • y(t) … Stellgröße
  • Kp …. Proportionalbeiwert (dimensionslos oder mit Streckenbezug)
  • e(t) .. Regelabweichung zum Zeitpunkt t
  • Tn …. Nachstellzeit in s
  • INT[0..t] e(tau) dtau … Aufsummierung der Abweichung von 0 bis t

Der Ausdruck in der Klammer makes die Struktur deutlich: Der erste Summand e(t) ist der proportionale Teil, der zweite Summand mit dem aufsummierten Verlauf ist der integrale Teil. Der gemeinsame Faktor Proportionalbeiwert wirkt auf beide. Das ist wichtig zu verstehen: Wer den Proportionalbeiwert verändert, verstellt nicht nur den P-Anteil, sondern skaliert auch den I-Anteil mit.

Die Nachstellzeit steckt im Nenner des I-Anteils. Eine kleine Nachstellzeit bedeutet einen großen Faktor 1/Tn und damit einen kräftig wirkenden I-Anteil. Eine große Nachstellzeit schwächt den I-Anteil ab. Was die Nachstellzeit anschaulich bedeutet, sehen wir uns im nächsten Kapitel genauer an.

Wenn man nur die konstanten Anteile betrachtet – also eine Regelabweichung, die sich nicht ändert – lassen sich die beiden Terme getrennt aufschreiben:

yP = Kp * e

  • yP … Anteil des P-Glieds an der Stellgröße
  • Kp … Proportionalbeiwert
  • e …. Regelabweichung

yI = Kp * (1/Tn) * e * t

  • yI … Anteil des I-Glieds an der Stellgröße bei konstanter Abweichung
  • Kp … Proportionalbeiwert
  • Tn … Nachstellzeit in s
  • e …. konstante Regelabweichung
  • t …. verstrichene Zeit in s

Der P-Anteil ist bei konstanter Abweichung ebenfalls konstant. Der I-Anteil dagegen wächst linear mit der Zeit – er läuft immer weiter hoch, solange die Abweichung besteht.

Gelöstes Beispiel

Ein PI-Regler hat den Proportionalbeiwert Kp = 2 und die Nachstellzeit Tn = 10 s. Die Regelabweichung springt zum Zeitpunkt t = 0 auf den konstanten Wert e = 5 und bleibt dort. Wie groß sind P-Anteil, I-Anteil und Gesamtstellgröße nach t = 10 s?

Gegeben: Kp = 2, Tn = 10 s, e = 5, t = 10 s

Gesucht: yP, yI, y (jeweils in Stellgrößeneinheiten)

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — P-Anteil:
    yP = Kp * e = 2 * 5 = 10
  2. Schritt 2 — I-Anteil:
    yI = Kp * (1/Tn) * e * t = 2 * (1/10) * 5 * 10 = 10
  3. Schritt 3 — Gesamtstellgröße:
    y = yP + yI = 10 + 10 = 20

Ergebnis: P-Anteil = 10, I-Anteil = 10, Gesamtstellgröße = 20. Auffällig: Nach genau t = Tn = 10 s hat der I-Anteil den P-Anteil eingeholt – beide sind gleich groß.

Übungen

Ein PI-Regler hat Kp = 1 and Tn = 5 s. Die Abweichung springt auf e = 4. Wie groß ist der P-Anteil unmittelbar nach dem Sprung?

Lösung: yP = Kp * e = 1 * 4 = 4. Der P-Anteil springt sofort auf 4 und bleibt bei konstanter Abweichung dort.

Gleicher Regler (Kp = 1, Tn = 5 s, e = 4). Wie groß ist der I-Anteil nach t = 5 s?

Lösung: yI = Kp * (1/Tn) * e * t = 1 * (1/5) * 4 * 5 = 4. Nach t = Tn hat der I-Anteil den P-Anteil von 4 erreicht.

Ein PI-Regler mit Kp = 3, Tn = 20 s arbeitet bei konstanter Abweichung e = 2. Wie groß ist die Gesamtstellgröße nach t = 10 s?

Lösung: yP = 3 * 2 = 6; yI = 3 * (1/20) * 2 * 10 = 3; y = 6 + 3 = 9.

Bei welcher Zeit t erreicht der I-Anteil bei Kp = 2, Tn = 8 s, e = 3 den Wert des P-Anteils?

Lösung: Der I-Anteil erreicht den P-Anteil immer nach t = Tn, unabhängig von Kp und e. Also t = 8 s. Probe: yP = 2 * 3 = 6; yI = 2 * (1/8) * 3 * 8 = 6.

Ein PI-Regler mit Kp = 1,5 und Tn = 12 s soll bei konstanter Abweichung e = 4 eine Gesamtstellgröße von 30 liefern. Nach welcher Zeit t ist dieser Wert erreicht?

Lösung: yP = 1,5 * 4 = 6 (konstant). Der I-Anteil muss also 24 beisteuern: yI = 1,5 * (1/12) * 4 * t = 0,5 * t. Aus 0,5 * t = 24 folgt t = 48 s.

Bei einem PI-Regler wird ausschließlich der Proportionalbeiwert verdoppelt, die Nachstellzeit bleibt gleich. Wie wirkt sich das auf P-Anteil und I-Anteil aus?

  • a) Nur der P-Anteil verdoppelt sich, der I-Anteil bleibt unverändert
  • b) Beide Anteile verdoppeln sich, weil der Proportionalbeiwert als gemeinsamer Faktor wirkt
  • c) Nur der I-Anteil verdoppelt sich, der P-Anteil bleibt unverändert
  • d) Beide Anteile halbieren sich

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. In der Parallelform steht der Proportionalbeiwert vor der gesamten Klammer und multipliziert damit sowohl den P- als auch den I-Term. Verdoppelt man ihn, verdoppeln sich beide Anteile. Genau das ist ein häufiger Fehler beim Parametrieren: Man unterschätzt, dass der Proportionalbeiwert auch die Integralwirkung mitskaliert.

Eine Regelabweichung springt auf einen konstanten Wert und bleibt dort. Wie verhalten sich P-Anteil und I-Anteil über die Zeit?

  • a) Beide bleiben konstant
  • b) Beide wachsen linear an
  • c) Der P-Anteil bleibt konstant, der I-Anteil wächst linear an
  • d) Der P-Anteil wächst linear, der I-Anteil bleibt konstant

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Der P-Anteil hängt nur vom aktuellen Wert der Abweichung ab – bleibt diese konstant, bleibt auch der P-Anteil konstant. Der I-Anteil summiert die Abweichung über die Zeit auf, deshalb wächst er bei konstanter Abweichung linear. Das ist der Kern des „Nachholens“, das im nächsten Kapitel behandelt wird.

Welche Bedeutung hat der Term (1/Tn) in der Reglergleichung?

  • a) Er bestimmt die Geschwindigkeit der Sollwertvorgabe
  • b) Er begrenzt die maximale Stellgröße
  • c) Er beschreibt die Totzeit der Strecke
  • d) Er gewichtet, wie stark der aufsummierte Abweichungsverlauf in die Stellgröße eingeht

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Die Nachstellzeit steht im Nenner des I-Anteils. Ein kleiner Wert von Tn ergibt einen großen Faktor 1/Tn und damit einen stark wirkenden I-Anteil, ein großer Wert schwächt ihn ab. a, b und c beschreiben Größen, die mit diesem Term nichts zu tun haben.

3. Die Nachstellzeit Tn verstehen

Die Nachstellzeit ist der Kennwert, der bei vielen am Anfang für Verwirrung sorgt. Eine anschauliche Deutung hilft: Die Nachstellzeit ist die Zeit, die der I-Anteil braucht, um genauso viel zur Stellgröße beizutragen wie der P-Anteil – bei einer konstanten, sprungförmigen Regelabweichung.

Das lässt sich direkt aus den Formeln ablesen. Der P-Anteil ist yP = Kp · e, konstant. Der I-Anteil ist yI = Kp · (1/Tn) · e · t, er wächst mit der Zeit. Setzt man beide gleich, kürzen sich Kp und e heraus, und es bleibt schlicht t = Tn. Egal wie groß Proportionalbeiwert oder Abweichung sind: Nach genau einer Nachstellzeit hat der I-Anteil den P-Anteil eingeholt. Daher der Name – der Regler „stellt nach“.

Daraus ergibt sich die praktische Bedeutung der Einstellung:

  • 1/Tn … Gewichtung des I-Anteils
  • kleine Tn -> grosser Faktor -> kraeftiger, schneller I-Anteil
  • grosse Tn -> kleiner Faktor -> schwacher, langsamer I-Anteil

Eine kleine Nachstellzeit macht den Regler aggressiv: Die bleibende Regelabweichung wird schnell ausgeregelt, aber der Kreis neigt zu Überschwingen und kann instabil werden. Eine große Nachstellzeit macht ihn gutmütig: Der Istwert nähert sich ruhig dem Sollwert, braucht dafür aber länger. Die richtige Einstellung ist immer ein Kompromiss zwischen Schnelligkeit und Stabilität.

Schaut man sich die Sprungantwort an – also die Stellgröße als Reaktion auf einen Sprung der Regelabweichung –, wird das Zusammenspiel sichtbar. Im Moment des Sprungs springt der P-Anteil sofort auf seinen Wert. Von da an steigt die Gesamtstellgröße als Gerade weiter an, weil der I-Anteil linear dazukommt. Die anfängliche Stufe ist der P-Anteil, die Steigung danach kommt vom I-Anteil.

Hier die Sprungantwort eines PI-Reglers schematisch dargestellt:

y(t) t Kp·e Tn 2·Kp·e P-Anteil (Sprung) + I-Anteil (Rampe)

Im Diagramm ist gut zu sehen: Die senkrechte Stufe bei t = 0 ist der P-Anteil. Danach läuft die Stellgröße als Gerade weiter hoch – das ist der I-Anteil, der sich aufsummiert. Nach genau einer Nachstellzeit (Tn) hat sich die Stellgröße verdoppelt, weil dann der I-Anteil so groß ist wie der P-Anteil.

Gelöstes Beispiel

Ein PI-Regler mit Kp = 4 und Tn = 6 s erhält eine konstante Regelabweichung e = 2. Nach welcher Zeit hat sich die Gesamtstellgröße gegenüber dem Sprungwert verdoppelt, und wie groß ist sie dann?

Gegeben: Kp = 4, Tn = 6 s, e = 2

Gesucht: Zeitpunkt t der Verdopplung und Stellgröße y zu diesem Zeitpunkt

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Sprungwert (P-Anteil):
    yP = Kp * e = 4 * 2 = 8
  2. Schritt 2 — Verdopplung tritt nach t = Tn ein:
    t = Tn = 6 s (dann ist yI = yP)
  3. Schritt 3 — Stellgröße bei t = Tn:
    y = yP + yI = 8 + 8 = 16

Ergebnis: Nach t = 6 s hat sich die Stellgröße auf y = 16 verdoppelt.

Übungen

Ein PI-Regler hat Tn = 8 s. Nach welcher Zeit hat der I-Anteil bei konstanter Abweichung den P-Anteil eingeholt?

Lösung: Nach t = Tn = 8 s, unabhängig von Kp und e.

Kp = 2, Tn = 4 s, e = 3. Wie groß ist die Gesamtstellgröße nach t = 4 s?

Lösung: yP = 2 * 3 = 6; yI = 2 * (1/4) * 3 * 4 = 6; y = 12.

Zwei PI-Regler haben dieselbe Strecke, aber Regler A hat Tn = 5 s, Regler B Tn = 20 s. Welcher regelt die bleibende Abweichung schneller aus, und warum?

Lösung: Regler A. Die kleinere Nachstellzeit ergibt den größeren Faktor 1/Tn and damit einen kräftigeren I-Anteil, der schneller wirkt – allerdings auf Kosten der Stabilität.

Kp = 1, Tn = 10 s, e = 6. Wie groß ist der I-Anteil nach t = 25 s?

Lösung: yI = 1 * (1/10) * 6 * 25 = 15.

Ein PI-Regler mit Kp = 2,5 und e = 4 (konstant) soll so eingestellt werden, dass der I-Anteil nach t = 30 s den Wert 20 erreicht. Welche Nachstellzeit Tn ist nötig?

Lösung: yI = Kp * (1/Tn) * e * t = 2,5 * (1/Tn) * 4 * 30 = 300/Tn. Aus 300/Tn = 20 folgt Tn = 15 s.

Ein PI-Regler hat Kp = 3, Tn = 12 s und eine konstante Abweichung e = 5. Nach welcher Zeit ist die Gesamtstellgröße doppelt so groß wie unmittelbar nach dem Sprung?

  • a) Nach 12 s
  • b) Nach 6 s
  • c) Nach 36 s
  • d) Das hängt von e ab und lässt sich so nicht sagen

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Die Verdopplung tritt ein, wenn der I-Anteil den P-Anteil erreicht, und das ist immer nach genau t = Tn der Fall – hier 12 s. Kp und e kürzen sich beim Gleichsetzen heraus, deshalb ist d falsch. b und c sind willkürliche Werte.

Eine Druckregelung schwingt nach jeder Sollwertänderung stark über und beruhigt sich nur langsam. Welche Änderung an der Nachstellzeit ist sinnvoll, um das Überschwingen zu dämpfen?

  • a) Nachstellzeit verkleinern
  • b) Nachstellzeit auf null setzen
  • c) Nachstellzeit hat keinen Einfluss auf das Überschwingen
  • d) Nachstellzeit vergrößern

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Eine größere Nachstellzeit schwächt den I-Anteil ab, der Regler wirkt ruhiger und neigt weniger zum Überschwingen. a würde den I-Anteil verstärken und das Problem verschlimmern. b ist technisch nicht sinnvoll (würde den I-Anteil unendlich groß machen). c ist falsch, die Nachstellzeit beeinflusst das Schwingverhalten direkt.

Warum kürzen sich beim Gleichsetzen von P-Anteil und I-Anteil der Proportionalbeiwert und die Regelabweichung heraus?

  • a) Weil der Proportionalbeiwert immer 1 is
  • b) Weil beide Anteile den gemeinsamen Faktor Kp·e enthalten
  • c) Weil die Regelabweichung beim PI-Regler keine Rolle spielt
  • d) Weil sich der I-Anteil unabhängig von der Zeit aufbaut

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Sowohl yP = Kp·e als auch yI = Kp·(1/Tn)·e·t enthalten den Faktor Kp·e. Setzt man sie gleich, fällt dieser gemeinsame Faktor weg, übrig bleibt 1 = t/Tn, also t = Tn. a und c sind sachlich falsch; d widerspricht der zeitabhängigen Natur des I-Anteils.

4. PI-Regler in der Praxis – Einsatz, Einstellung, Grenzen

Der PI-Regler ist in der Automatisierungstechnik der meistgenutzte Reglertyp – er ist gewissermaßen das Arbeitspferd unter den Reglern. Der Grund: Die meisten technischen Strecken brauchen genau das, was er bietet. Eine schnelle Reaktion auf Störungen und am Ende keine bleibende Abweichung. Ein reiner Differentialanteil, wie ihn der PID-Regler zusätzlich hat, lohnt sich nur bei Strecken mit ausgeprägter Trägheit; für viele Anwendungen genügt PI.

Für die Einstellung der beiden Kennwerte gibt es systematische Verfahren, mit denen man Proportionalbeiwert und Nachstellzeit aus dem beobachteten Streckenverhalten ableitet. Eines der bekanntesten ist das Verfahren nach Ziegler und Nichols. Die genaue Vorgehensweise dazu wird in einem eigenen Beitrag behandelt.

Eine Eigenheit muss man beim PI-Regler aber kennen, weil sie in realen Anlagen regelmäßig Probleme macht. Sie hängt damit zusammen, dass jedes echte Stellglied eine Grenze hat.

Eine Füllstandsregelung mit PI-Regler steuert ein Ventil an, das bereits zu 100 % geöffnet ist, während der Sollfüllstand noch nicht erreicht ist. Was passiert mit dem I-Anteil des Reglers?

  • a) Er bleibt automatisch stehen, weil das Ventil voll offen ist
  • b) Er wird sofort auf null zurückgesetzt
  • c) Er läuft weiter auf, obwohl die zusätzliche Stellgröße nicht mehr wirken kann
  • d) Er kehrt sein Vorzeichen um

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Solange die Regelabweichung besteht, summiert der Integrator weiter auf – unabhängig davon, ob das Stellglied die zusätzliche Stellgröße noch umsetzen kann. Genau das ist der Wind-up-Effekt. a beschreibt das gewünschte Anti-Wind-up-Verhalten, das aber gesondert vorgesehen sein muss; b und d passieren nicht von selbst.

Welche Folge hat ein aufgelaufener Integrator (Wind-up), wenn der Istwert den Sollwert schließlich erreicht?

  • a) Die Regelung wird sofort exakt und ohne Überschwingen
  • b) Der Regler schaltet automatisch auf reinen P-Betrieb um
  • c) Die bleibende Regelabweichung wird größer
  • d) Der hochgelaufene Integrator muss erst abgebaut werden, dadurch entsteht ein starker Überschwinger

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Der angesammelte Integratorwert hält die Stellgröße zu hoch, bis er abgebaut ist – in dieser Zeit überschießt der Istwert deutlich. a ist das Gegenteil des realen Verhaltens; b geschieht nicht; c beschreibt einen anderen Effekt, der mit Wind-up nichts zu tun hat.

Warum ist der reine PI-Regler für viele Strecken ausreichend, ohne dass ein zusätzlicher D-Anteil nötig wäre?

  • a) Weil viele Strecken keine ausgeprägte Trägheit haben, bei der ein D-Anteil Vorteile bringt
  • b) Weil der PI-Regler ohnehin keine Stabilitätsprobleme hat
  • c) Weil der D-Anteil die bleibende Regelabweichung beseitigt
  • d) Weil der D-Anteil die Reaktionsgeschwindigkeit verringert

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Der D-Anteil bringt vor allem bei trägen Strecken Vorteile, indem er auf die Änderungsgeschwindigkeit der Abweichung reagiert. Wo diese Trägheit fehlt, reicht das PI-Verhalten. c ist falsch (das übernimmt der I-Anteil); b ist zu pauschal; d beschreibt die Wirkung nicht zutreffend.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein PI-Regler hat Kp = 2,5 und Tn = 8 s. Die Regelabweichung springt auf den konstanten Wert e = 4. Berechne P-Anteil, I-Anteil und Gesamtstellgröße nach t = 8 s.

Gegeben: Kp = 2,5; Tn = 8 s; e = 4; t = 8 s

Gesucht: yP, yI, y

Lösungsweg:

  1. yP = Kp * e = 2,5 * 4 = 10
  2. yI = Kp * (1/Tn) * e * t = 2,5 * (1/8) * 4 * 8 = 10
  3. y = yP + yI = 10 + 10 = 20

Ergebnis: yP = 10, yI = 10, y = 20. Nach t = Tn sind P- und I-Anteil gleich groß.

Aufgabe 2: Ein PI-Regler mit Kp = 1,2 und Tn = 15 s arbeitet bei konstanter Abweichung e = 5. Wie groß ist die Gesamtstellgröße nach t = 30 s?

Gegeben: Kp = 1,2; Tn = 15 s; e = 5; t = 30 s

Gesucht: y

Lösungsweg:

  1. yP = 1,2 * 5 = 6
  2. yI = 1,2 * (1/15) * 5 * 30 = 1,2 * 10 = 12
  3. y = 6 + 12 = 18

Ergebnis: y = 18.

Aufgabe 3: Ein PI-Regler soll bei Kp = 3 und konstanter Abweichung e = 2 so eingestellt werden, dass der I-Anteil nach t = 20 s den Wert 30 erreicht. Welche Nachstellzeit Tn ist erforderlich?

Gegeben: Kp = 3; e = 2; t = 20 s; yI = 30

Gesucht: Tn

Lösungsweg:

  1. yI = Kp * (1/Tn) * e * t = 3 * (1/Tn) * 2 * 20 = 120/Tn
  2. 120/Tn = 30 -> Tn = 120/30 = 4 s

Ergebnis: Tn = 4 s.

Aufgabe 4: Bei einem PI-Regler mit Kp = 2 and Tn = 10 s springt die Regelabweichung auf e = 6. Nach welcher Zeit erreicht die Gesamtstellgröße den Wert 36?

Gegeben: Kp = 2; Tn = 10 s; e = 6

Gesucht: t bei y = 36

Lösungsweg:

  1. yP = 2 * 6 = 12 (konstant)
  2. yI = 2 * (1/10) * 6 * t = 1,2 * t
  3. y = 12 + 1,2 * t = 36 -> 1,2 * t = 24 -> t = 20 s

Ergebnis: t = 20 s.

Was ist die zentrale Aufgabe des I-Anteils im PI-Regler?

  • a) Die bleibende Regelabweichung des P-Anteils vollständig zu beseitigen
  • b) Die Reaktionsgeschwindigkeit auf Störungen zu erhöhen
  • c) Die maximale Stellgröße zu begrenzen
  • d) Das Messrauschen zu filtern

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Der I-Anteil summiert die Abweichung auf und stellt so lange nach, bis sie null ist – das beseitigt die bleibende Regelabweichung. b ist die Stärke des P-Anteils; c und d sind keine Aufgaben des I-Anteils.

Welche Aussage zur Parallelform y(t) = Kp · ( e + (1/Tn) · Integral von e ) ist korrekt?

  • a) Der Proportionalbeiwert wirkt nur auf den P-Anteil
  • b) Die Nachstellzeit wirkt nur auf den P-Anteil
  • c) Der Proportionalbeiwert wirkt als gemeinsamer Faktor auf P- und I-Anteil
  • d) Der Term 1/Tn vergrößert mit steigender Nachstellzeit den I-Anteil

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. In der Parallelform steht Kp vor der gesamten Klammer und skaliert beide Anteile. a ist deshalb falsch; b verwechselt die Wirkungen; d kehrt den Zusammenhang um – eine größere Nachstellzeit verkleinert den Faktor 1/Tn.

Ein PI-Regler regelt sehr aggressiv und neigt zu starkem Überschwingen. Welche Einstellungsänderung dämpft das Verhalten, ohne den I-Anteil ganz zu entfernen?

  • a) Proportionalbeiwert stark erhöhen
  • b) Nachstellzeit verkleinern
  • c) Regelabweichung künstlich vergrößern
  • d) Nachstellzeit vergrößern

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Eine größere Nachstellzeit schwächt den I-Anteil ab und beruhigt den Regler. a würde beide Anteile verstärken und das Problem verschärfen; b verstärkt den I-Anteil; c ist technisch unsinnig.

Bei einer konstanten Regelabweichung gilt für das Verhältnis von I-Anteil zu P-Anteil nach genau einer Nachstellzeit:

  • a) Der I-Anteil ist halb so groß wie der P-Anteil
  • b) Der I-Anteil ist gleich groß wie der P-Anteil
  • c) Der I-Anteil ist doppelt so groß wie der P-Anteil
  • d) Der I-Anteil ist null

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Aus dem Gleichsetzen von yP und yI folgt t = Tn – nach einer Nachstellzeit sind beide Anteile gleich groß. Das ist die anschauliche Definition der Nachstellzeit.

Welche physikalische Ursache liegt dem Integrator-Wind-up zugrunde?

  • a) Die Begrenzung (Sättigung) realer Stellglieder
  • b) Ein zu klein eingestellter Proportionalbeiwert
  • c) Ein fehlender D-Anteil
  • d) Messrauschen am Reglereingang

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Wind-up entsteht, weil das Stellglied an seine physikalische Grenze stößt, die Abweichung aber bestehen bleibt und der Integrator weiter aufläuft. b, c und d führen nicht zu diesem Effekt.

Warum führt ein hochgelaufener Integrator nach Erreichen des Sollwerts zu einem Überschwinger?

  • a) Weil der P-Anteil dann negativ wird
  • b) Weil die Nachstellzeit sich automatisch verkleinert
  • c) Weil der angesammelte Integratorwert die Stellgröße zu hoch hält, bis er abgebaut ist
  • d) Weil die Strecke ihre Verstärkung ändert

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Der über die Sättigung hinaus aufgelaufene Integrator hält die Stellgröße zu lange hoch, der Istwert überschießt. a, b und d beschreiben keine zutreffende Ursache.

Eine Temperaturregelung mit PI-Verhalten zeigt nach dem Einschalten ein großes Überschwingen, das sich nach Einbau einer Anti-Wind-up-Funktion deutlich reduziert. Was hat die Funktion bewirkt?

  • a) Sie hat den P-Anteil abgeschaltet
  • b) Sie hat die Nachstellzeit auf null gesetzt
  • c) Sie hat den Sollwert abgesenkt
  • d) Sie hat verhindert, dass der Integrator bei Sättigung des Stellglieds unbegrenzt weiter aufläuft

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Anti-Wind-up begrenzt oder stoppt den Integrator, sobald das Stellglied in Sättigung ist, sodass er sich nicht über den sinnvollen Bereich hinaus aufläuft – das Überschwingen fällt geringer aus. a, b und c beschreiben nicht die Funktion.

Welche Strecke profitiert am ehesten von einem zusätzlichen D-Anteil, sodass statt PI ein PID-Regler sinnvoll wäre?

  • a) Eine sehr schnelle Strecke ohne nennenswerte Trägheit
  • b) Eine Strecke mit ausgeprägter Trägheit und großen Zeitkonstanten
  • c) Eine Strecke, bei der gar keine Regelabweichung auftritt
  • d) Eine Strecke, die nur Störungen ausgesetzt ist

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Der D-Anteil reagiert auf die Änderungsgeschwindigkeit der Abweichung und bringt bei trägen Strecken mit großen Zeitkonstanten Vorteile. a profitiert kaum; c ist hypothetisch ohne Regelbedarf; d allein begründet keinen D-Anteil.

Ein PI-Regler mit Kp = 2 und Tn = 5 s erhält die konstante Abweichung e = 3. Wie groß ist die Gesamtstellgröße unmittelbar nach dem Sprung, also bei t ≈ 0?

  • a) 6
  • b) 0
  • c) 12
  • d) 3

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Bei t = 0 ist der I-Anteil noch null, nur der P-Anteil wirkt: yP = Kp · e = 2 · 3 = 6. c wäre der Wert nach einer Nachstellzeit; b und d passen nicht.

Was beschreibt die Nachstellzeit Tn anschaulich?

  • a) Die Totzeit der Regelstrecke
  • b) Die Zeit, in der der Istwert den Sollwert erstmals erreicht
  • c) Die Zeit, nach der der I-Anteil bei konstanter Abweichung den P-Anteil eingeholt hat
  • d) Die Abtastzeit des Reglers

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Genau das ist die anschauliche Deutung der Nachstellzeit und folgt direkt aus dem Gleichsetzen von P- und I-Anteil. a, b und d sind andere Größen, die nichts mit der Definition von Tn zu tun haben.

Bei einem PI-Regler wird der Proportionalbeiwert verdreifacht und die Nachstellzeit unverändert gelassen. Wie ändert sich der I-Anteil bei sonst gleichen Bedingungen?

  • a) Er bleibt gleich
  • b) Er drittelt sich
  • c) Er verschwindet
  • d) Er verdreifacht sich

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Da Kp als gemeinsamer Faktor auch im I-Term steht, verdreifacht sich mit ihm der I-Anteil. a, b und c widersprechen der Parallelform.

Glossar

PI-Regler
Regler, der einen proportionalen und einen integralen Anteil parallel kombiniert; reagiert schnell und beseitigt die bleibende Regelabweichung.
Proportionalbeiwert
Kennwert Kp des Reglers, der als gemeinsamer Faktor sowohl den P- als auch den I-Anteil skaliert.
Nachstellzeit
Kennwert Tn des I-Anteils; die Zeit, nach der der I-Anteil bei konstanter Regelabweichung den P-Anteil eingeholt hat.
Stellglied
Bauteil, das die Stellgröße des Reglers physikalisch umsetzt, etwa ein Ventil oder ein Motor.
Sättigung
Zustand, in dem ein Stellglied an seiner physikalischen Grenze angekommen ist und die Stellgröße nicht weiter erhöhen kann.
Integrator-Wind-up
unbegrenztes Weiteraufsummieren des I-Anteils, während das Stellglied bereits in Sättigung ist; führt zu starkem Überschwingen.
Anti-Wind-up
Maßnahme, die den Integrator bei Sättigung des Stellglieds anhält oder begrenzt, um Überschwingen zu vermeiden.

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