Unterschied Steuerung und Regelung
Steuern und regeln – im Alltag werden die beiden Wörter ständig durcheinandergeworfen. Man „steuert“ das Auto, „regelt“ die Heizung, „steuert“ die Maschine. Sprachlich egal. Technisch sind das aber zwei grundverschiedene Konzepte, und der Unterschied entscheidet darüber, wie gut eine Anlage mit Störungen zurechtkommt und wie genau sie ihr Ziel erreicht.
Dieser Beitrag bringt den Unterschied auf den Punkt: Eine Steuerung arbeitet „blind“ nach vorne, eine Regelung schaut nach, ob das Ergebnis stimmt, und korrigiert nach. Wer dieses eine Prinzip verstanden hat, kann jede Anlage richtig einordnen.
Vorwissen
- Regelkreis-Begriffe: Sollwert, Istwert, Stellgröße, Regelgröße, Störgröße
- Schütze und Relais
- Sensoren – Signalarten
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den grundlegenden Unterschied zwischen einer offenen Wirkungskette und einem geschlossenen Wirkungskreis erklären
- bei einer konkreten Anlage entscheiden, ob es sich um eine Steuerung oder eine Regelung handelt
- beschreiben, warum eine Regelung Störgrößen ausgleichen kann und eine Steuerung nicht
- die typischen Vor- und Nachteile beider Konzepte benennen
1. Warum dieser Unterschied wichtig ist
Stell dir zwei Heizungen vor. Bei der ersten drehst du morgens das Ventil auf eine feste Stellung – sagen wir halb offen. Den ganzen Tag bleibt das Ventil genau dort. Wird es draußen wärmer, heizt der Heizkörper trotzdem unverändert weiter, und die Bude wird zu heiß. Wird es kälter, reicht die halbe Stellung nicht, und es bleibt kühl.
Bei der zweiten Heizung sitzt ein Thermostat im Raum. Du stellst ihn auf 21 °C. Misst der Thermostat zu wenig, dreht er auf; wird es zu warm, dreht er zu. Egal ob die Sonne reinscheint oder das Fenster offen steht – der Raum pendelt sich auf 21 °C ein.
Die erste Heizung ist eine Steuerung, die zweite eine Regelung. Der entscheidende Unterschied: Die Regelung misst das Ergebnis und korrigiert, die Steuerung nicht. Genau deshalb landen die beiden Begriffe so oft im selben Topf, obwohl sie technisch komplett unterschiedlich funktionieren. Und genau deshalb lohnt es sich, den Unterschied sauber zu trennen – denn er bestimmt, wie genau und wie störungssicher eine Anlage arbeitet.
Ein Heizkörperventil wird morgens fest auf eine Stellung gebracht und bleibt dort. Im Lauf des Tages scheint die Sonne ins Zimmer. Was passiert?
- a) Die Raumtemperatur steigt unkontrolliert, weil keine Rückmeldung erfolgt.
- b) Das System gleicht die zusätzliche Wärme selbsttätig aus.
- c) Das Ventil dreht automatisch zu.
- d) Die Heizleistung sinkt automatisch.
Richtig: a)
Bei fester Ventilstellung ohne Rückmeldung handelt es sich um eine Steuerung. Sie „weiß“ nichts von der zusätzlichen Sonnenwärme und reagiert nicht – die Temperatur steigt. Antwort b, c und d würden eine Messung und Korrektur voraussetzen, die hier fehlt.
Worin liegt der entscheidende technische Unterschied zwischen den beiden beschriebenen Heizungen?
- a) Die Regelung verbraucht grundsätzlich weniger Energie.
- b) Die Steuerung arbeitet schneller als die Regelung.
- c) Die Regelung misst das Ergebnis und korrigiert nach, die Steuerung nicht.
- d) Die Steuerung ist immer genauer als die Regelung.
Richtig: c)
Das Kernmerkmal ist die Rückmeldung des Ergebnisses. Die Regelung vergleicht Ist mit Soll und korrigiert; die Steuerung gibt nur vor. Energieverbrauch (a) und Geschwindigkeit (b) sind keine prinzipiellen Unterscheidungsmerkmale, und Genauigkeit (d) spricht gerade für die Regelung, nicht für die Steuerung.
2. Die Steuerung – offene Wirkungskette
Eine Steuerung arbeitet entlang einer offenen Wirkungskette. „Offen“ heißt: Das Signal läuft in eine Richtung – vom Eingang zum Ausgang – und kommt nie zurück. Eine Eingangsgröße gibt etwas vor, eine Steuereinrichtung verarbeitet das, ein Stellglied setzt es um, und am Ende steht das Ergebnis. Ob dieses Ergebnis stimmt, prüft niemand.
Der typische Ablauf:
Eingangsgröße → Steuereinrichtung → Stellglied → Ausgangsgröße
Ein Beispiel ist die Drehzahl einer einfachen Bohrmaschine. Du stellst das Drehzahl-Stellrad auf eine Position. Die Elektronik gibt eine entsprechende Spannung an den Motor, der Motor dreht. Stellrad-Position rein, Drehzahl raus – fertig. Was die Maschine nicht tut: nachmessen, ob die eingestellte Drehzahl auch wirklich anliegt.
Und genau hier wird es interessant, wenn eine Störgröße ins Spiel kommt. Eine Störgröße ist ein äußerer, ungewollter Einfluss auf den Prozess, den niemand vorgesehen hat – etwa eine schwankende Versorgungsspannung, eine wechselnde Last oder eine Temperaturänderung. Drückst du den Bohrer fest ins Werkstück, steigt die Belastung des Motors. Bei der gesteuerten Bohrmaschine sinkt die Drehzahl dadurch ab, denn die Steuerung bekommt von dieser Laständerung nichts mit. Sie hält stur an ihrem Vorgabewert fest und kann die Störung nicht ausgleichen.
Das ist die zentrale Schwäche jeder Steuerung: Sie kann nur Störungen begegnen, die man vorher kennt und bei der Auslegung berücksichtigt hat. Alles Unvorhergesehene schlägt voll auf das Ergebnis durch.
Was bedeutet „offene Wirkungskette“ bei einer Steuerung?
- a) Die Kette kann jederzeit unterbrochen werden.
- b) Mehrere Eingänge wirken gleichzeitig.
- c) Der Ausgang ist offen zugänglich.
- d) Das Signal läuft nur in eine Richtung und wird nicht zurückgeführt.
Richtig: d)
„Offen“ beschreibt, dass die Wirkungskette nicht zu einem Kreis geschlossen ist – es fehlt die Rückführung vom Ausgang zum Eingang. Das Signal läuft vom Eingang über die Steuereinrichtung und das Stellglied zum Ausgang und kehrt nicht zurück. Die anderen Antworten deuten „offen“ falsch.
Eine gesteuerte Bohrmaschine läuft auf eingestellter Drehzahl. Der Anwender drückt den Bohrer stärker ins Werkstück. Was geschieht und warum?
- a) Die Drehzahl bleibt konstant, weil die Steuerung nachregelt.
- b) Die Drehzahl steigt, weil das Stellglied mehr Leistung liefert.
- c) Die Drehzahl sinkt, weil die höhere Last als Störgröße nicht ausgeglichen wird.
- d) Die Maschine schaltet sich automatisch ab.
Richtig: c)
Die erhöhte Last ist eine Störgröße. Das die Steuerung das Ergebnis nicht misst, kann sie nicht gegensteuern – die Drehzahl sinkt unter Last. Antwort a setzt eine Regelung voraus, die hier fehlt; b und d beschreiben Reaktionen, die ohne Rückmeldung nicht stattfinden.
Welche Eigenschaft trifft auf eine Störgröße zu?
- a) Sie ist ein äußerer, ungewollter Einfluss auf den Prozess.
- b) Sie ist Teil der geplanten Eingangsgröße.
- c) Sie tritt nur bei Regelungen auf.
- d) Sie wird vom Stellglied erzeugt.
Richtig: a)
Eine Störgröße wirkt von außen ungewollt auf den Prozess ein, etwa durch Lastwechsel oder Spannungsschwankungen. Sie gehört nicht zur geplanten Vorgabe (b) und wird nicht vom Stellglied erzeugt (d). Störgrößen treten bei Steuerungen genauso auf wie bei Regelungen (c) – der Unterschied liegt nur darin, ob das System sie ausgleichen kann.
3. Die Regelung – geschlossener Wirkungskreis
Bei einer Regelung wird aus der offenen Kette ein geschlossener Wirkungskreis. Der entscheidende Zusatz: Das Ergebnis wird laufend gemessen und an den Anfang zurückgeführt. Dort vergleicht die Regeleinrichtung den gemessenen Istwert mit dem gewünschten Sollwert. Stimmen beide nicht überein, korrigiert sie über das Stellglied so lange nach, bis die Abweichung verschwindet.
Diese zurücklaufende Verbindung heißt Rückführung. Sie ist das, was den Kreis schließt – und genau das, was der Steuerung fehlt.
e = w − x
- e … Regeldifferenz
- w … Sollwert (Führungsgröße)
- x … Istwert (Regelgröße)
Die Regeldifferenz ist die eigentliche Eingangsgröße der Regeleinrichtung – sie ist das Maß dafür, wie weit das Ergebnis vom Ziel entfernt ist. Ist e null, stimmt alles und es muss nichts korrigiert werden; ist e ungleich null, treibt genau dieser Wert die Korrektur an. Diese Schleife läuft ununterbrochen – der Kreis arbeitet ständig gegen jede Abweichung an.
Der große Vorteil: Eine Regelung gleicht auch unbekannte Störgrößen aus. Egal, was den Prozess stört – sobald sich der Istwert vom Sollwert entfernt, sieht die Regelung die Abweichung und korrigiert. Sie muss die Störung nicht kennen, sie muss nur ihre Auswirkung am Ergebnis bemerken.
Damit ist hier das funktionale Prinzip beschrieben. Wie ein Regelkreis im Detail aufgebaut ist und wie sich die einzelnen Begriffe wie Stellgröße und Regelgröße genau zueinander verhalten, wird im eigenen Beitrag „Aufbau eines Regelkreises“ behandelt – ebenso die genauen Definitionen im Beitrag „Regelkreis-Begriffe“.
Was unterscheidet den geschlossenen Wirkungskreis einer Regelung von der offenen Kette einer Steuerung?
- a) Die Regelung hat mehr Stellglieder.
- b) Die Regelung arbeitet ohne Eingangsgröße.
- c) Die Regelung benötigt kein Stellglied.
- d) Die Regelung führt den gemessenen Istwert zurück und vergleicht ihn mit dem Sollwert.
Richtig: d)
Das definierende Merkmal ist die Rückführung: Der Istwert wird gemessen und zum Vergleich mit dem Sollwert zurückgeführt. Die Zahl der Stellglieder (a) ist nicht entscheidend, und sowohl Eingangsgröße (b) als auch Stellglied (c) sind weiterhin vorhanden.
Ein Tempomat hält 100 km/h. Das Fahrzeug fährt eine Steigung hinauf. Warum bleibt die Geschwindigkeit annähernd konstant?
- a) Weil die Steigung als bekannte Eingangsgröße einprogrammiert ist.
- b) Weil das Stellglied unabhängig vom Ergebnis arbeitet.
- c) Weil die Regelung die sinkende Geschwindigkeit als Abweichung erkennt und mehr Gas gibt.
- d) Weil eine Steuerung die Steigung vorab ausgleicht.
Richtig: c)
Die Steigung ist eine Störgröße, die der Tempomat nicht vorab kennt. Über die Geschwindigkeitsmessung erkennt er die entstehende Abweichung vom Sollwert und korrigiert durch mehr Gas. Antwort a unterstellt fälschlich vorab bekannte Werte, b widerspricht dem Regelprinzip, und d beschreibt eine Steuerung, die genau das nicht leisten kann.
Warum kann eine Regelung auch Störgrößen ausgleichen, die bei der Auslegung nicht bekannt waren?
- a) Weil sie die Auswirkung jeder Störung am Istwert bemerkt und gegensteuert.
- b) Weil sie alle möglichen Störungen vorab berechnet.
- c) Weil Störgrößen bei Regelungen nicht auftreten.
- d) Weil das Messglied Störungen blockiert.
Richtig: a)
Die Regelung muss eine Störung nicht kennen – sie reagiert auf deren Wirkung. Jede Störung verändert den Istwert, und sobald dieser vom Sollwert abweicht, korrigiert die Regelung. Sie berechnet Störungen nicht vorab (b), Störgrößen treten sehr wohl auf (c), und das Messglied misst, blockiert aber nichts (d).
4. Direkter Vergleich und Erkennungsmerkmale
Wenn man beide Konzepte nebeneinanderlegt, wird the Unterschied greifbar. Das eine Wort dazu lautet immer: Rückführung.
| Merkmal | Steuerung | Regelung |
|---|---|---|
| Wirkungsweg | offene Kette, nur vorwärts | geschlossener Kreis mit Rückführung |
| Ergebnis-Messung | nein | ja, laufend |
| Soll-Ist-Vergleich | nicht vorhanden | ständig |
| Unbekannte Störgrößen | werden nicht ausgeglichen | werden ausgeglichen |
| Genauigkeit des Ergebnisses | abhängig von der Vorausberechnung | hoch, da nachkorrigiert wird |
| Aufwand | gering, kein Messglied nötig | höher, Messglied und Vergleich nötig |
| Stabilität | unkritisch, kann nicht schwingen | muss richtig ausgelegt sein, sonst Schwingneigung |
Die Faustregel zum Erkennen ist einfach: Frag dich, ob das System nachmisst, ob das gewünschte Ergebnis tatsächlich erreicht wird. Gibt es eine Messung des Ergebnisses, die zurück auf das System wirkt, ist es eine Regelung. Läuft alles nur stur nach Vorgabe ab, ist es eine Steuerung.
Ein interessanter Punkt zur Stabilität: Eine Steuerung kann nicht „außer Tritt geraten“, weil nichts zurückläuft. Eine Regelung dagegen kann bei falscher Auslegung anfangen zu schwingen – sie korrigiert über das Ziel hinaus, korrigiert wieder zurück, und so weiter. Das ist der Preis für die Fähigkeit, Störungen auszugleichen. Wie man eine Regelung stabil auslegt, ist ein eigenes Thema.
In der Praxis sind die beiden oft kombiniert. Eine Maschine wird in ihrem Ablauf gesteuert – Schritt eins, Schritt zwei, Schritt drei – während einzelne Größen wie Temperatur oder Drehzahl innerhalb dieses Ablaufs geregelt werden. Wer die klassische Schützsteuerung und die SPS-Technik dahinter genauer verstehen will, findet das in den entsprechenden Beiträgen zur Steuerungstechnik.
Eine Waschmaschine spult ihr Programm vollautomatisch ab, misst aber nicht zurück, ob das Ergebnis stimmt. Wie ist sie einzuordnen?
- a) Als Regelung, weil sie automatisch arbeitet.
- b) Als Regelung, weil mehrere Schritte ablaufen.
- c) Weder noch, da automatische Systeme eine eigene Kategorie sind.
- d) Als Steuerung, weil keine Rückführung des Ergebnisses erfolgt.
Richtig: d)
Automatik allein entscheidet nicht. Ohne Rückmessung des Ergebnisses bleibt es eine Steuerung, auch wenn der Ablauf komplex ist. Die Antworten a und b verwechseln Automatik mit Regelung; c ist eine erfundene Kategorie.
Welches einzelne Merkmal genügt, um eine Anlage zweifelsfrei als Regelung zu identifizieren?
- a) Sie misst das Ergebnis und führt es zum Soll-Ist-Vergleich zurück.
- b) Sie hat mehr als ein Stellglied.
- c) Sie läuft vollautomatisch ab.
- d) Sie verarbeitet mehrere Eingangsgrößen.
Richtig: a)
Die Rückführung mit Soll-Ist-Vergleich ist das eindeutige Kennzeichen. Zahl der Stellglieder (b), Automatikbetrieb (c) und mehrere Eingänge (d) können auch bei reinen Steuerungen vorkommen.
Warum kann eine Regelung – anders als eine Steuerung – grundsätzlich instabil werden und schwingen?
- a) Weil sie keine Rückführung besitzt.
- b) Weil sie über die laufende Rückführung überkorrigieren und gegensteuern kann.
- c) Weil Steuerungen niemals Stellglieder benutzen.
- d) Weil sie keine Störgrößen ausgleichen kann.
Richtig: b)
Gerade die Rückführung ermöglicht das Schwingen: Korrigiert die Regelung zu stark, schießt sie über das Ziel hinaus und muss zurückkorrigieren – das kann aufschaukeln. Eine Steuerung hat keine Rückführung (a ist falsch) und kann deshalb nicht schwingen. Antwort d beschreibt das Gegenteil der tatsächlichen Stärke einer Regelung.
In einer Anlage läuft ein fester Schrittablauf, innerhalb dessen die Temperatur eines Ofens konstant gehalten wird. Wie ist das einzuordnen?
- a) Reine Steuerung, da ein fester Ablauf vorliegt.
- b) Reine Regelung, da eine Temperatur konstant gehalten wird.
- c) Kombination: der Ablauf ist gesteuert, die Temperatur geregelt.
- d) Das ist technisch nicht möglich.
Richtig: c)
Solche Mischformen sind in der Praxis der Normalfall. Der zeitliche Ablauf wird gesteuert, während eine einzelne Größe – hier die Temperatur – mit Rückführung geregelt wird. Die Antworten a und b greifen jeweils nur die Hälfte heraus, d ist schlicht falsch.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Welche Aussage beschreibt eine offene Wirkungskette korrekt?
- a) Das Signal läuft vom Eingang zum Ausgang, ohne Rückführung.
- b) Das Ergebnis wird gemessen und zurückgeführt.
- c) Sollwert und Istwert werden ständig verglichen.
- d) Die Kette gleicht unbekannte Störgrößen aus.
Richtig: a)
Die offene Kette der Steuerung läuft nur vorwärts. Messung, Rückführung und Soll-Ist-Vergleich (b, c) sowie der Störgrößenausgleich (d) sind Merkmale der Regelung.
Aufgabe 2: Ein Heizlüfter ohne Thermostat wird auf Stufe 2 gestellt und bleibt dort. Wie ist er einzuordnen und wie verhält er sich bei geöffnetem Fenster?
- a) Regelung; er erhöht die Leistung automatisch.
- b) Steuerung; er hält die Leistung konstant, die Raumtemperatur sinkt.
- c) Regelung; er hält die Raumtemperatur konstant.
- d) Steuerung; er schaltet bei Zugluft automatisch ab.
Richtig: b)
Ohne Thermostat fehlt die Rückmessung – es ist eine Steuerung. Das offene Fenster ist eine Störgröße, die nicht ausgeglichen wird, also sinkt die Temperatur. Die Antworten a und c setzen eine Regelung voraus, d unterstellt eine Reaktion, die ohne Messung nicht stattfinden.
Aufgabe 3: Welche Größe wird bei einer Regelung an den Anfang zurückgeführt?
- a) der Sollwert
- b) die Stellgröße
- c) der gemessene Istwert
- d) die Eingangsgröße
Richtig: c)
Zurückgeführt wird der gemessene Istwert, damit er mit dem Sollwert verglichen werden kann. Der Sollwert (a) ist die Vorgabe, die Stellgröße (b) wirkt vorwärts auf das Stellglied, und die Eingangsgröße (d) ist nicht das, was die Rückführung transportiert.
Aufgabe 4: Warum benötigt eine Steuerung kein Messglied für das Ergebnis, eine Regelung aber schon?
- a) Weil das Messglied nur den Sollwert misst.
- b) Weil Steuerungen keine Stellglieder haben.
- c) Weil Regelungen keine Eingangsgröße besitzen.
- d) Weil die Steuerung das Ergebnis nicht kontrolliert, die Regelung dagegen den Istwert für den Vergleich braucht.
Richtig: d)
Die Steuerung prüft das Ergebnis nicht und braucht daher keine Messung; die Regelung braucht den gemessenen Istwert zwingend für den Soll-Ist-Vergleich. Antwort a verwechselt die Messgröße, b und c enthalten sachlich falsche Behauptungen.
Aufgabe 5: Eine Bohrmaschinen-Drehzahl bricht unter Last ein. Wie müsste die Maschine aufgebaut sein, damit die Drehzahl trotz Last konstant bliebe?
- a) Sie müsste die tatsächliche Drehzahl messen und über eine Rückführung nachkorrigieren.
- b) Sie müsste eine zweite Eingangsgröße erhalten.
- c) Sie müsste ein stärkeres Stellrad bekommen.
- d) Sie müsste ohne Stellglied auskommen.
Richtig: a)
Konstante Drehzahl unter wechselnder Last verlangt eine Regelung: Die Ist-Drehzahl wird gemessen und über die Rückführung nachgeführt. Eine zweite Eingangsgröße (b) oder ein anderes Stellrad (c) ändert am fehlenden Soll-Ist-Vergleich nichts; ohne Stellglied (d) ließe sich gar nichts korrigieren.
Aufgabe 6: Welche Aussage zur Stabilität ist korrekt?
- a) Eine Steuerung kann durch Überkorrektur ins Schwingen geraten.
- b) Beide Konzepte sind gleich schwingungsgefährdet.
- c) Schwingungen treten nur ohne Rückführung auf.
- d) Eine Regelung kann bei falscher Auslegung schwingen, eine reine Steuerung grundsätzlich nicht.
Richtig: d)
Nur die Rückführung kann ein Aufschaukeln verursachen, deshalb betrifft die Schwingneigung die Regelung. Eine Steuerung ohne Rückführung kann nicht schwingen. Die Antworten a, b und c widersprechen diesem Zusammenhang.
Aufgabe 7: Eine getaktete Ampel schaltet nach festem Zeitplan, unabhängig vom Verkehr. Worin liegt der prinzipielle Nachteil dieses Steuerungs-Ansatzes?
- a) Der Ablauf passt sich nicht an das tatsächliche Verkehrsaufkommen an.
- b) Die Ampel kann nicht zwischen den Farben wechseln.
- c) Die Ampel misst das Verkehrsaufkommen zu ungenau.
- d) Die Ampel überkorrigiert ständig.
Richtig: a)
Als Steuerung läuft die Ampel starr nach Plan und kann nicht auf die tatsächliche Verkehrslage reagieren – das ist der typische Nachteil der fehlenden Rückführung. Sie misst gar nichts (c ist falsch) und kann nicht überkorrigieren (d), weil sie keine Rückführung hat.
Aufgabe 8: Bei welcher der folgenden Anlagen liegt zweifelsfrei eine Regelung vor?
- a) eine Zeitschaltuhr, die das Licht um 18 Uhr einschaltet
- b) ein Lichtschalter, der per Hand betätigt wird
- c) ein Förderband, das auf fester Geschwindigkeit ohne Rückmessung läuft
- d) ein Kühlschrank, der über einen Temperaturfühler auf die Innentemperatur reagiert
Richtig: d)
Der Kühlschrank misst die Innentemperatur und korrigiert über das Kühlaggregat – das ist eine Regelung. Zeitschaltuhr (a), Lichtschalter (b) und das ungeregelte Förderband (c) arbeiten alle ohne Rückführung und sind damit Steuerungen.
Aufgabe 9: Was ist der gemeinsame Ausgangspunkt, an dem sich Steuerung und Regelung trennen?
- a) die Art des Stellglieds
- b) die Frage, ob das Ergebnis geändert und zurückgeführt wird
- c) die Anzahl der Eingangsgrößen
- d) die Höhe der Versorgungsspannung
Richtig: b)
Der einzige prinzipielle Trennpunkt ist die Rückführung des gemessenen Ergebnisses. Stellglied-Art (a), Zahl der Eingänge (c) und Versorgungsspannung (d) sagen nichts darüber aus, ob es sich um eine Steuerung oder eine Regelung handelt.
Aufgabe 10: In einer Anlage wird ein fester Bewegungsablauf abgearbeitet, während innerhalb dieses Ablaufs der Druck einer Presse konstant gehalten wird. Wie ist das korrekt beschrieben?
- a) ausschließlich eine Steuerung
- b) ausschließlich eine Regelung
- c) eine Kombination aus gesteuertem Ablauf und geregeltem Druck
- d) technisch widersprüchlich und nicht umsetzbar
Richtig: c)
Der zeitliche Ablauf ist gesteuert, der Druck mit Rückführung geregelt – eine in der Praxis übliche Kombination. Die Antworten a und b betrachten jeweils nur einen Teil, d ist falsch.
Aufgabe 11: Ein Mitarbeiter sagt: „Die Anlage regelt das vollautomatisch.“ Bei der Prüfung zeigt sich, dass kein Ergebnis gemessen wird. Was trifft zu?
- a) Es ist tatsächlich eine Regelung, weil sie vollautomatisch läuft.
- b) Es ist eine Steuerung; ohne Ergebnis-Rückführung liegt keine Regelung vor.
- c) Es ist eine Regelung, sobald mehrere Schritte ablaufen.
- d) Die Einordnung hängt von der Versorgungsspannung ab.
Richtig: b)
Vollautomatik ist kein Beleg für eine Regelung. Fehlt die Rückmessung des Ergebnisses, bleibt es eine Steuerung – unabhängig von Automatik (a), Schrittzahl (c) oder Spannung (d).
Glossar
- Steuerung
- Vorgang in einer offenen Wirkungskette: Eine Eingangsgröße wirkt über Steuereinrichtung und Stellglied auf den Ausgang, ohne dass das Ergebnis gemessen und zurückgeführt wird.
- Regelung
- Vorgang in einem geschlossenen Wirkungskreis: Der gemessene Istwert wird zurückgeführt, mit dem Sollwert verglichen und die Abweichung laufend ausgeglichen.
- Offene Wirkungskette
- Signalweg, der nur in eine Richtung vom Eingang zum Ausgang läuft und nicht zum Kreis geschlossen ist; charakteristisch für die Steuerung.
- Geschlossener Wirkungskreis
- Signalweg, bei dem das Ergebnis über eine Rückführung wieder auf den Anfang wirkt; charakteristisch für die Regelung.
- Rückführung
- Die zurücklaufende Verbindung, über die der gemessene Istwert zum Vergleich mit dem Sollwert an den Anfang gebracht wird.
- Regeldifferenz
- Differenz aus Sollwert und Istwert (e = w − x); sie ist die Eingangsgröße der Regeleinrichtung und treibt die Korrektur an. Auch Regelabweichung genannt.
- Störgröße
- Äußerer, ungewollter Einfluss auf den Prozess, etwa Lastwechsel oder Spannungsschwankungen; eine Regelung kann ihn ausgleichen, eine Steuerung nicht.
