Das elektrische Feld
Ein Plastikkamm zieht nach dem Durchkämmen kleine Papierschnipsel an, ohne sie zu berühren. Ein geladener Luftballon hält an der Wand. Zwei gleichgeladene Folien stoßen sich ab. Diese Beobachtungen haben eines gemeinsam: Ladungen wirken aufeinander, ohne sich zu berühren. Wie kann das sein?
Der Schlüssel ist der Begriff des elektrischen Feldes. Das Feld ist der Raumzustand um eine Ladung herum, der bewirkt, dass auf andere Ladungen eine Kraft ausgeübt wird. In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie sich dieses unsichtbare Feld beschreiben lässt, wie man die Kraft zwischen Ladungen berechnet und wie sich Materie im Feld verhält.
Vorwissen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Bedeutung des elektrischen Feldes und des Feldlinienbildes erklären
- mit dem Coulombschen Gesetz die Kraft zwischen Punktladungen berechnen
- die elektrische Feldstärke definieren und in einfachen Anordnungen berechnen
- im homogenen Feld den Zusammenhang zwischen Spannung, Plattenabstand und Feldstärke anwenden
- Influenz und Polarisation unterscheiden und die Wirkung eines Faraday’schen Käfigs erklären
1. Was ist ein elektrisches Feld?
Stell dir zwei geladene Kugeln vor, die sich gegenseitig anziehen oder abstoßen. Wie weiß die eine Kugel, dass dort drüben die andere existiert? Sie berühren sich nicht. Trotzdem wirkt eine Kraft.
Die Antwort: Eine Ladung verändert den Raum um sich herum. Sie erzeugt eine Eigenschaft, die jeden Punkt in der Umgebung betrifft. Bringst du eine zweite Ladung in diesen Raumbereich, spürt sie diese Eigenschaft als Kraft. Diesen Raumzustand nennt man elektrisches Feld.
Das Feld ist also nichts, was zwischen zwei Ladungen vermittelt wie eine unsichtbare Schnur. Es ist eine Eigenschaft des Raums selbst, hervorgerufen durch die felderzeugende Ladung. Eine zweite Ladung, die in diesem Raum platziert wird, erfährt die lokale Wirkung des Feldes.
Um das Feld zu untersuchen, benutzt man eine Probeladung. Das ist gedanklich eine sehr kleine positive Ladung, die man an einen Punkt setzt und beobachtet, mit welcher Kraft und in welche Richtung sie verschoben wird. „Klein“ deshalb, weil sie das ursprüngliche Feld nicht merklich verändern soll – sie ist nur ein Messwerkzeug.
Wichtig zur Abgrenzung: Schon ruhende Ladungen erzeugen ein elektrisches Feld. Bewegte Ladungen erzeugen zusätzlich ein magnetisches Feld – das ist Thema eines eigenen Beitrags zum magnetischen Feld.
Wodurch entsteht ein elektrisches Feld?
- a) Durch bewegte Ladungen ausschließlich
- b) Durch elektrische Ladungen
- c) Durch magnetische Polarisation
- d) Durch hohe Temperaturen
Richtig: b)
Schon ruhende Ladungen erzeugen ein elektrisches Feld. Bewegte Ladungen erzeugen zusätzlich ein magnetisches Feld. Magnetische Polarisation und Temperatur sind keine direkten Ursachen eines elektrischen Feldes.
Wozu dient eine Probeladung im Konzept des elektrischen Feldes?
- a) Sie verstärkt das vorhandene Feld
- b) Sie erzeugt das Feld erst
- c) Sie dient als gedachtes Werkzeug, um die Wirkung des Feldes an einer Stelle zu bestimmen
- d) Sie hebt das Feld lokal auf
Richtig: c)
Die Probeladung ist ein gedankliches Hilfsmittel. Sie soll klein genug sein, um das ursprüngliche Feld nicht merklich zu verändern, und dient nur dazu, die Kraft an einem Punkt zu ermitteln.
2. Feldlinien – Bild des unsichtbaren Feldes
Ein Feld ist unsichtbar. Wie zeichnet man also etwas, das man nicht sieht? Die Lösung sind Feldlinien.
Eine Feldlinie ist eine gedachte Linie im Raum. In jedem Punkt zeigt die Tangente an die Linie in die Richtung des Feldes – also genau in die Richtung, in die eine positive Probeladung an dieser Stelle beschleunigt würde. Folgst du der Linie, folgst du der Feldrichtung.
Feldlinien haben einige feste Eigenschaften:
- Sie beginnen auf positiven Ladungen und enden auf negativen.
- Sie schneiden sich nie. (Sonst gäbe es an dieser Stelle zwei verschiedene Feldrichtungen, was unmöglich ist.)
- Sie stehen senkrecht auf Leiteroberflächen.
- Ihre Dichte – also die Anzahl pro Querschnittsfläche – ist ein Maß für die Stärke des Feldes. Wo die Linien dicht beieinander liegen, ist das Feld stark; wo sie weit auseinander stehen, ist es schwach.
Die typischen Feldbilder sehen so aus:
Drei Bilder, drei Aussagen: Bei einer einzelnen Punktladung verlaufen die Linien radial nach außen (oder bei negativer Ladung radial nach innen). Bei einem Dipol verbinden die Linien Plus- und Minuspol, gekrümmt durch den Raum. Bei zwei gleichnamigen Ladungen biegen die Linien voneinander weg – zwischen den Ladungen entsteht ein „neutraler“ Bereich, in dem die Feldstärke sehr klein wird.
In welche Richtung zeigen die Feldlinien des elektrischen Feldes?
- a) Von positiver zu negativer Ladung
- b) Von negativer zu positiver Ladung
- c) Immer senkrecht zur Ladung
- d) Es gibt keine festgelegte Richtung
Richtig: a)
Per Konvention zeigen Feldlinien in die Richtung der Kraft, die auf eine positive Probeladung wirkt – also weg von positiven und hin zu negativen Ladungen.
Was bedeutet eine hohe Dichte an Feldlinien an einer bestimmten Stelle?
- a) Die Ladung ist dort negativ
- b) Das Feld ist dort schwach
- c) Die Feldstärke ist dort hoch
- d) Es liegt ein magnetisches Feld vor
Richtig: c)
Die Liniendichte (Anzahl der Linien pro Querschnittsfläche) ist proportional zur Feldstärke. Dichte Linien stehen für ein starkes Feld, weit auseinanderstehende für ein schwaches.
Warum stehen Feldlinien immer senkrecht auf einer Leiteroberfläche?
- a) Weil Leiter feldfrei sind
- b) Weil sich sonst die Ladungen im Leiter so lange verschieben würden, bis dies erfüllt ist
- c) Weil das im SI-System so definiert ist
- d) Weil die Feldlinien sonst die Oberfläche zerstören würden
Richtig: b)
Hätte das Feld eine Komponente parallel zur Leiteroberfläche, würde diese die frei beweglichen Ladungsträger im Metall verschieben. Diese Verschiebung läuft, bis im Gleichgewicht keine Tangentialkomponente mehr existiert – das Feld steht also senkrecht auf der Oberfläche.
3. Das Coulombsche Gesetz
Zwei geladene Kugeln stoßen sich ab. Wie stark? Hängt die Kraft von der Ladungsmenge ab, vom Abstand, vom Material dazwischen? Charles Augustin de Coulomb hat das Ende des 18. Jahrhunderts mit einer Drehwaage experimentell untersucht und ein Gesetz formuliert.
Die Kraft zwischen zwei Punktladungen Q₁ und Q₂ im Abstand r im Vakuum (näherungsweise auch in Luft) beträgt:
Den Vorfaktor 1/(4πε₀) fasst man oft zur Coulomb-Konstante k zusammen:
Damit lässt sich das Gesetz kompakter schreiben: F = k · (Q₁·Q₂)/r².
Drei Dinge sind wichtig zu verstehen:
Erstens das Vorzeichen. Setzt man die Ladungen mit Vorzeichen ein, gibt das Ergebnis automatisch die Art der Kraft an. Gleiche Vorzeichen (++ oder −−) ergeben ein positives Ergebnis – die Ladungen stoßen sich ab. Ungleiche Vorzeichen (+ und −) ergeben ein negatives Ergebnis – die Ladungen ziehen sich an.
Zweitens das quadratische Abstandsgesetz. Verdoppelst du den Abstand, sinkt die Kraft auf ein Viertel. Verdreifachst du ihn, sinkt sie auf ein Neuntel. Halbierst du ihn, vervierfacht sie sich. Diese 1/r²-Abhängigkeit ist typisch für Kräfte, die sich kugelförmig im Raum ausbreiten.
Drittens die Analogie zur Gravitation. Das Coulombsche Gesetz hat dieselbe Form wie Newtons Gravitationsgesetz F = G·m₁·m₂/r². Massen ersetzen Ladungen, die Gravitationskonstante ersetzt 1/(4πε₀). Der wesentliche Unterschied: Massen ziehen sich immer an. Ladungen können je nach Vorzeichen anziehen oder abstoßen.
Eine wichtige Einschränkung: Die hier angegebene Formel gilt für Vakuum, näherungsweise auch für Luft. Sobald ein Stoff zwischen den Ladungen liegt – Glas, Wasser, ein Kunststoff – wird die Kraft verändert. Die Erweiterung darauf folgt in Kapitel 6.
F = (1 / (4 · π · ε₀)) · (Q₁ · Q₂) / r²
- F … Kraft in Newton (N)
- ε₀ … elektrische Feldkonstante, ε₀ ≈ 8,854 · 10⁻¹² F/m
- Q₁ … Punktladung 1 in Coulomb (C)
- Q₂ … Punktladung 2 in Coulomb (C)
- r … Abstand der Ladungen in Meter (m)
k = 1 / (4 · π · ε₀) ≈ 8,99 · 10⁹ N·m²/C²
Gelöstes Beispiel
Zwei Punktladungen Q₁ = 5 µC und Q₂ = 3 µC befinden sich in Luft im Abstand von 20 cm. Berechne die Kraft zwischen den Ladungen.
Gegeben: Q₁ = 5 µC = 5 · 10⁻⁶ C; Q₂ = 3 µC = 3 · 10⁻⁶ C; r = 20 cm = 0,2 m; ε₀ ≈ 8,854 · 10⁻¹² F/m, also k ≈ 8,99 · 10⁹ N·m²/C²
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel ansetzen:
F = k · (Q₁ · Q₂) / r² - Schritt 2 — Werte einsetzen:
F = 8,99 · 10⁹ · (5 · 10⁻⁶ · 3 · 10⁻⁶) / (0,2)²
F = 8,99 · 10⁹ · 15 · 10⁻¹² / 0,04 - Schritt 3 — Ausrechnen:
F = 8,99 · 10⁹ · 3,75 · 10⁻¹⁰
F ≈ 3,37 N
Ergebnis: F ≈ 3,37 N (abstoßend, da beide Ladungen positiv)
Übungen
Zwei Ladungen Q₁ = 2 µC und Q₂ = 2 µC haben einen Abstand von 10 cm. Welche Kraft wirkt zwischen ihnen?
F ≈ 3,60 N (abstoßend)
Zwei Ladungen von je 1 µC sind 1 m voneinander entfernt. Welche Kraft wirkt?
F ≈ 8,99 · 10⁻³ N ≈ 9 mN
Wie ändert sich die Coulombkraft, wenn der Abstand zwischen zwei Ladungen verdreifacht wird?
Die Kraft sinkt auf ein Neuntel des ursprünglichen Wertes (1/3² = 1/9).
Eine Ladung von 50 nC zieht eine zweite Ladung mit 0,9 mN an. Der Abstand beträgt 20 cm. Wie groß ist die zweite Ladung (Betrag)?
|Q₂| = F · r² / (k · Q₁) = 0,9 · 10⁻³ · 0,04 / (8,99 · 10⁹ · 50 · 10⁻⁹) ≈ 80 nC
Zwei gleich große Ladungen wirken im Abstand 5 cm mit 1 N aufeinander. Wie groß sind die Ladungen?
Q² = F · r² / k → Q = √(1 · 0,0025 / 8,99 · 10⁹) ≈ 5,27 · 10⁻⁷ C ≈ 0,53 µC
Wie verändert sich die Coulombkraft, wenn der Abstand zwischen zwei Punktladungen verdoppelt wird?
- a) Sie verdoppelt sich
- b) Sie halbiert sich
- c) Sie viertelt sich
- d) Sie bleibt gleich
Richtig: c)
F ist proportional zu 1/r². Doppelter Abstand bedeutet 1/(2²) = 1/4 der Kraft. Eine lineare Halbierung würde nur bei einem 1/r-Gesetz auftreten, was hier nicht zutrifft.
Zwei Punktladungen haben gleiches Vorzeichen. Welche Kraft wirkt zwischen ihnen?
- a) Eine anziehende Kraft
- b) Eine abstoßende Kraft
- c) Keine Kraft
- d) Die Coulombkraft hängt nicht vom Vorzeichen ab
Richtig: b)
Gleiche Vorzeichen ergeben ein positives Produkt Q₁ · Q₂, somit eine positive (abstoßende) Kraft. Das Vorzeichen geht direkt in das Vorzeichen der Kraft ein.
Welche Aussage zum Coulombschen Gesetz und zum Gravitationsgesetz ist korrekt?
- a) Beide haben identische mathematische Struktur, aber Gravitation kann nur anziehen
- b) Beide können sowohl anziehen als auch abstoßen
- c) Das Coulombsche Gesetz ist linear im Abstand, das Gravitationsgesetz quadratisch
- d) Die beiden Gesetze haben keine strukturelle Ähnlichkeit
Richtig: a)
Beide Gesetze haben die Form F = k · (X₁ · X₂)/r² – nur mit anderen Konstanten und anderen Größen (Ladung statt Masse). Massen können nur anziehen, Ladungen können je nach Vorzeichen anziehen oder abstoßen.
4. Die elektrische Feldstärke E
Das Coulombsche Gesetz beschreibt die Kraft zwischen zwei konkreten Ladungen. Aber das Feld selbst ist eine Eigenschaft des Raums, unabhängig von einer zweiten Ladung. Wie beschreibt man also das Feld an einem Punkt, ohne immer auf eine bestimmte Probeladung Bezug zu nehmen?
Die Antwort: Man dividiert die gemessene Kraft durch die Größe der Probeladung. Das Ergebnis ist die elektrische Feldstärke:
Die Feldstärke gibt also die Kraft pro Ladungseinheit an. Wählt man eine doppelt so große Probeladung, wirkt auch die doppelte Kraft – das Verhältnis bleibt gleich. Damit ist E eine reine Eigenschaft des Feldes an diesem Punkt, unabhängig von der eingebrachten Probeladung.
Die Einheit ist V/m (Volt pro Meter), gleichwertig auch N/C (Newton pro Coulomb). Die Schreibweise V/m wird in der Praxis bevorzugt.
E ist eine vektorielle Größe. Sie hat einen Betrag (wie stark) und eine Richtung (wohin würde eine positive Probeladung beschleunigt). Die Richtung ist also gleich der Tangentenrichtung der Feldlinien an dieser Stelle.
Für eine einzelne Punktladung Q kombinieren wir Coulombsches Gesetz und die Definition. Aus F = k · Q · q / r² für die Kraft auf eine Probeladung q und E = F/q folgt:
Die Feldstärke einer Punktladung sinkt also quadratisch mit dem Abstand – genau wie die Coulombkraft.
Umgekehrt: Wenn an einem Punkt die Feldstärke E bekannt ist, lässt sich die Kraft auf eine beliebige Ladung Q an diesem Punkt direkt berechnen:
Das ist die zentrale Anwendung des Feldbegriffs: Aus der Eigenschaft des Raums (E) und der eingebrachten Ladung (Q) ergibt sich die Kraft. Man muss nicht jedes Mal das Coulombsche Gesetz für alle anderen Ladungen einzeln auswerten.
E = F / Q
- E … elektrische Feldstärke in V/m
- F … Kraft auf die Probeladung in N
- Q … Probeladung in C
E = (1 / (4 · π · ε₀)) · Q / r²
- E … Feldstärke einer Punktladung in V/m
- ε₀ … elektrische Feldkonstante in F/m
- Q … felderzeugende Ladung in C
- r … Abstand vom Mittelpunkt der Ladung in m
F = Q · E
- F … Kraft auf eine Ladung in N
- Q … Ladung in C
- E … Feldstärke an der betrachteten Stelle in V/m
Gelöstes Beispiel
An einem Punkt herrscht eine elektrische Feldstärke von E = 5000 V/m. Welche Kraft erfährt dort eine Ladung von 2 µC?
Gegeben: E = 5000 V/m; Q = 2 µC = 2 · 10⁻⁶ C
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel ansetzen:
F = Q · E - Schritt 2 — Einsetzen und ausrechnen:
F = 2 · 10⁻⁶ · 5000
F = 0,01 N = 10 mN
Ergebnis: F = 10 mN
Übungen
Eine Punktladung Q = 50 nC. Welche Feldstärke herrscht im Abstand r = 10 cm?
E ≈ 45 000 V/m = 45 kV/m
Welche Kraft wirkt auf eine Ladung von 100 nC in einem Feld der Stärke 2000 V/m?
F = 100 · 10⁻⁹ · 2000 = 2 · 10⁻⁴ N = 0,2 mN
Eine Probeladung von 5 nC erfährt in einem Feld eine Kraft von 1 mN. Wie groß ist die Feldstärke?
E = F/Q = 10⁻³ / (5 · 10⁻⁹) = 2 · 10⁵ V/m = 200 kV/m
In welchem Abstand von einer Punktladung Q = 1 µC ist die Feldstärke auf 100 V/m abgesunken?
r = √(k · Q / E) = √(8,99 · 10⁹ · 10⁻⁶ / 100) ≈ 9,48 m
Eine Punktladung erzeugt im Abstand 30 cm eine Feldstärke von 200 V/m. Wie groß ist die Ladung?
Q = E · r² / k = 200 · 0,09 / (8,99 · 10⁹) ≈ 2,0 nC
Welche Einheit hat die elektrische Feldstärke?
- a) V/m
- b) C/m
- c) N/m
- d) F/m
Richtig: a)
E = F/Q hat die Einheit N/C, die sich gleichwertig als V/m schreiben lässt. F/m ist die Einheit der elektrischen Feldkonstante ε₀. C/m und N/m haben in diesem Zusammenhang keine direkte Bedeutung.
An einer Stelle herrscht die Feldstärke 2000 V/m. Eine Ladung von 5 µC wird dort platziert. Welche Kraft wirkt auf sie?
- a) 100 mN
- b) 1 N
- c) 400 N
- d) 10 mN
Richtig: d)
F = Q · E = 5 · 10⁻⁶ · 2000 = 0,01 N = 10 mN. Wer 1 N erhält, hat die Mikrofaktor vergessen; 100 mN wäre bei 50 µC korrekt.
Wodurch unterscheidet sich die Feldstärke E von der Coulombkraft F?
- a) Sie sind identisch
- b) E hängt von einer zweiten Ladung ab, F nicht
- c) F ist ein Skalar, E ein Vektor
- d) E ist eine Eigenschaft des Feldes, F beschreibt die konkrete Wirkung auf eine Ladung
Richtig: d)
E ist unabhängig davon, ob sich an der Stelle eine Ladung befindet – das Feld existiert auch ohne Probeladung. F ist die konkrete Kraft, die eine spezifische Ladung im Feld erfährt. Beide sind übrigens vektorielle Größen, c ist also falsch.
5. Homogenes Feld und Plattenkondensator
Bei einer Punktladung war die Feldstärke an jedem Ort anders – sie sank quadratisch mit dem Abstand. Bei einem Dipol änderte sich auch die Richtung von Punkt zu Punkt. Solche Felder nennt man inhomogen.
Es gibt einen wichtigen Spezialfall, in dem die Feldstärke nach Betrag und Richtung an jedem Ort gleich ist: das homogene Feld. Die Feldlinien sind hier parallel und gleichmäßig verteilt.
Das Standardmodell für ein homogenes Feld sind zwei parallele Metallplatten gleicher Größe, die entgegengesetzt geladen werden. Diese Anordnung heißt Plattenkondensator. Zwischen den Platten – nicht zu nah am Rand – ist das Feld nahezu perfekt homogen. Nur am Rand „beulen“ die Linien etwas aus, das nennt man Streufeld; für die meisten Rechnungen wird es vernachlässigt.
Im homogenen Feld eines Plattenkondensators hängen Feldstärke E, angelegte Spannung U und Plattenabstand d über eine einfache Beziehung zusammen:
Diese Formel ist auch der Grund, warum die Einheit der Feldstärke gerne als V/m geschrieben wird: Volt pro Meter Plattenabstand.
Energetisch betrachtet: Die Spannung gibt an, welche Arbeit pro Ladungseinheit verrichtet werden muss, um eine Ladung gegen das Feld von einer Platte zur anderen zu schieben. Die Feldstärke wiederum ist die Spannung pro Längeneinheit – also wie steil das elektrische Potential im Raum abfällt.
Über den Plattenkondensator als Bauelement, seine Kapazität und seine Anwendung gibt es einen eigenen Beitrag: Kondensator – Aufbau und Kapazität. Hier interessiert uns nur das Feld zwischen den Platten.
E = U / d
- E … elektrische Feldstärke im homogenen Feld in V/m
- U … Spannung zwischen den Platten in V
- d … Plattenabstand in m
Gelöstes Beispiel
Zwischen zwei parallelen Platten im Abstand d = 5 mm liegt eine Spannung U = 1000 V. Welche Feldstärke herrscht zwischen den Platten?
Gegeben: U = 1000 V; d = 5 mm = 0,005 m
Gesucht: E in V/m
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel ansetzen:
E = U / d - Schritt 2 — Einsetzen und ausrechnen:
E = 1000 / 0,005
E = 200 000 V/m = 200 kV/m
Ergebnis: E = 200 kV/m
Übungen
U = 230 V, d = 2 mm. Wie groß ist E?
E = 230 / 0,002 = 115 000 V/m = 115 kV/m
In einem Plattenkondensator soll E = 50 kV/m herrschen. Plattenabstand 2 cm. Welche Spannung muss angelegt werden?
U = E · d = 50 000 · 0,02 = 1000 V
Welcher Plattenabstand führt bei U = 400 V zu einer Feldstärke von 80 kV/m?
d = U / E = 400 / 80 000 = 0,005 m = 5 mm
Zwischen zwei Platten mit d = 1 mm Abstand wird die Spannung von 100 V auf 400 V erhöht. Wie ändert sich die Feldstärke?
Sie vervierfacht sich linear mit U: von 100 kV/m auf 400 kV/m.
Bei welcher Spannung wird in Luft bei einem Plattenabstand von 0,5 mm die Durchschlagfestigkeit (ca. 3 kV/mm) erreicht?
U = E · d = 3 000 000 V/m · 0,0005 m = 1500 V
Welcher Zusammenhang gilt im homogenen Feld zwischen Feldstärke E, Spannung U und Plattenabstand d?
- a) E = U · d
- b) E = U + d
- c) E = U / d
- d) E = d / U
Richtig: c)
Im homogenen Feld eines Plattenkondensators verteilt sich die Spannung gleichmäßig über den Plattenabstand. Daraus ergibt sich direkt E = U/d, mit der Einheit V/m.
Ein Plattenkondensator hat 1 mm Abstand. Wie viel Spannung darf höchstens anliegen, damit die Durchschlagfestigkeit der Luft von etwa 3 kV/mm nicht überschritten wird?
- a) 30 V
- b) 300 V
- c) 3 000 V
- d) 30 000 V
Richtig: c)
U = E · d. Bei E = 3 000 V/mm und d = 1 mm ergibt sich U = 3 000 V. Höhere Spannungen führen zum Durchschlag.
Zwei Plattenkondensatoren haben die gleiche Spannung, aber Kondensator A hat doppelten Plattenabstand wie Kondensator B. Wie verhalten sich ihre Feldstärken?
- a) Kondensator A hat die doppelte Feldstärke
- b) Kondensator A hat die halbe Feldstärke
- c) Beide haben die gleiche Feldstärke
- d) Kondensator A hat die vierfache Feldstärke
Richtig: b)
E = U/d. Bei gleicher Spannung und doppeltem Abstand halbiert sich die Feldstärke. Die Feldstärke skaliert linear mit 1/d.
6. Materie im elektrischen Feld
Bisher ging es um das Feld in Vakuum oder Luft. Doch was passiert, wenn andere Materialien ins Feld kommen – ein Metallblech, ein Stück Kunststoff, ein Glaskörper? Hier muss man zwischen zwei grundlegend verschiedenen Materialarten unterscheiden: Leitern und Nichtleitern.
Leiter im Feld – Influenz
In einem Metall sind Elektronen frei beweglich. Bringt man ein Metallstück in ein äußeres elektrisches Feld, üben die Feldlinien sofort eine Kraft auf diese Elektronen aus. Die Elektronen verschieben sich entgegen der Feldrichtung – also zur positiven Seite des äußeren Feldes hin – und sammeln sich dort an. An der gegenüberliegenden Seite entsteht ein Überschuss positiver Ladung (Atomkerne ohne ihre Elektronen).
Diese verschobenen Ladungen erzeugen ihrerseits ein Feld, das dem äußeren Feld im Inneren des Metalls genau entgegenwirkt. Die Verschiebung läuft so lange, bis sich das äußere Feld im Inneren komplett aufhebt. Das Endergebnis: Im Inneren eines geschlossenen Leiters herrscht im Gleichgewicht kein elektrisches Feld – das Innere ist feldfrei.
Diese Erscheinung heißt Influenz (vom lateinischen „influere“ – einfließen). Ihre wichtigste Anwendung ist der Faraday’sche Käfig: Ein geschlossener leitfähiger Hohlraum schirmt sein Inneres von äußeren elektrischen Feldern ab.
Beispiele für den Faraday’schen Käfig im Alltag: Ein Auto bei einem Blitzschlag (die Blechkarosserie führt den Blitz außen ab, Insassen bleiben unverletzt). Die metallische Abschirmung von Messleitungen, um Störfelder fernzuhalten. Das Lochblech in der Glasscheibe einer Mikrowelle, das die Mikrowellenstrahlung im Inneren hält. Die leitfähigen Schutzbeutel, in denen empfindliche Elektronikbauteile transportiert werden.
Nichtleiter im Feld – Polarisation
In einem Nichtleiter (Isolator) gibt es keine frei beweglichen Ladungsträger. Trotzdem reagiert das Material auf ein äußeres Feld – nur eben anders als ein Leiter.
Innerhalb der Atome oder Moleküle können sich die Elektronen ein kleines Stück gegen die Atomkerne verschieben. Aus jedem Atom wird so ein winziger Dipol mit positivem und negativem „Schwerpunkt“. Bei Molekülen mit ohnehin ungleicher Ladungsverteilung (sogenannten polaren Molekülen, etwa Wasser) richten sich die schon vorhandenen Molekül-Dipole im Feld aus. Beides zusammen nennt man Polarisation.
Das Ergebnis: Die polarisierten Atome oder Moleküle erzeugen ein eigenes, dem äußeren Feld entgegengesetztes Feld. Das Gesamtfeld im Inneren des Nichtleiters ist dadurch abgeschwächt – nicht null wie beim Leiter, aber kleiner als das ursprüngliche äußere Feld.
Wie stark die Abschwächung ausfällt, beschreibt die Dielektrizitätszahl εᵣ (auch Permittivitätszahl genannt). Sie ist dimensionslos und nimmt Werte ab 1 an:
- Vakuum: εᵣ = 1 (per Definition)
- Luft: εᵣ ≈ 1 (näherungsweise wie Vakuum)
- Glas: εᵣ ≈ 4 bis 10 (je nach Glassorte)
- Wasser: εᵣ ≈ 80 (sehr hoch wegen der stark polaren Wassermoleküle)
Mit der Dielektrizitätszahl lässt sich das Coulombsche Gesetz auf beliebige Medien erweitern:
Die Konsequenz ist deutlich: Zwei Ladungen, die sich in Wasser gegenüberstehen, ziehen sich nur mit einem Achtzigstel der Kraft an, mit der sie sich im Vakuum anziehen würden. Genau das ist der Grund, warum sich Salze (geladene Ionen) in Wasser so leicht auflösen – die elektrostatischen Bindungen zwischen den Ionen werden durch das polare Wasser stark abgeschwächt.
F = (1 / (4 · π · ε₀ · εᵣ)) · (Q₁ · Q₂) / r²
- F … Kraft in N
- ε₀ … elektrische Feldkonstante in F/m
- εᵣ … Dielektrizitätszahl des Mediums, dimensionslos
- Q₁ … Punktladung 1 in C
- Q₂ … Punktladung 2 in C
- r … Abstand in m
Was geschieht in einem metallischen Leiter, der in ein elektrisches Feld gebracht wird?
- a) Es bewegen sich Atomkerne zur einen Seite
- b) Die freien Elektronen werden so verschoben, dass im Inneren des Leiters das Feld verschwindet
- c) Das Material polarisiert sich auf molekularer Ebene
- d) Im Leiter entsteht keine Wechselwirkung
Richtig: b)
Influenz: Die frei beweglichen Elektronen im Metall verschieben sich, bis das äußere Feld im Inneren genau kompensiert ist. Polarisation auf Molekülebene tritt nur in Nichtleitern auf. Atomkerne bewegen sich nicht – sie sind im Kristallgitter fest verankert.
Was beschreibt die Dielektrizitätszahl εᵣ eines Mediums?
- a) Den ohmschen Widerstand des Mediums
- b) Die magnetische Permeabilität
- c) Um welchen Faktor das elektrische Feld im Medium gegenüber Vakuum abgeschwächt wird
- d) Die mechanische Festigkeit des Materials
Richtig: c)
εᵣ ist dimensionslos und gibt das Verhältnis aus elektrischem Feld im Vakuum zum Feld im Medium an. Die magnetische Permeabilität ist eine separate Größe für magnetische Felder. Widerstand und mechanische Festigkeit sind ebenfalls eigenständige Größen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Zwei Punktladungen Q₁ = 200 nC und Q₂ = 500 nC haben einen Abstand von 15 cm in Luft. Berechne die Kraft zwischen ihnen.
Gegeben: Q₁ = 200 nC = 2 · 10⁻⁷ C; Q₂ = 500 nC = 5 · 10⁻⁷ C; r = 0,15 m
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
- F = k · (Q₁ · Q₂) / r²
- F = 8,99 · 10⁹ · (2 · 10⁻⁷ · 5 · 10⁻⁷) / 0,15²
- F = 8,99 · 10⁹ · 10⁻¹³ / 0,0225
- F ≈ 0,04 N
Ergebnis: F ≈ 40 mN (abstoßend)
Aufgabe 2: Welche elektrische Feldstärke herrscht im Abstand 25 cm von einer Punktladung Q = 800 nC?
Gegeben: Q = 800 nC = 8 · 10⁻⁷ C; r = 0,25 m
Gesucht: E in V/m
Lösungsweg:
- E = k · Q / r²
- E = 8,99 · 10⁹ · 8 · 10⁻⁷ / 0,0625
- E ≈ 1,15 · 10⁵ V/m
Ergebnis: E ≈ 115 kV/m
Aufgabe 3: Auf eine Ladung von 30 nC wirkt in einem Feld eine Kraft von 6 µN. Wie groß ist die Feldstärke?
Gegeben: Q = 30 nC = 3 · 10⁻⁸ C; F = 6 µN = 6 · 10⁻⁶ N
Gesucht: E in V/m
Lösungsweg:
- E = F / Q
- E = 6 · 10⁻⁶ / 3 · 10⁻⁸
- E = 200 V/m
Ergebnis: E = 200 V/m
Aufgabe 4: Ein Plattenkondensator hat einen Plattenabstand von 8 mm. Die angelegte Spannung beträgt 1200 V. Berechne die Feldstärke zwischen den Platten und prüfe, ob die Durchschlagfestigkeit der Luft von etwa 3 kV/mm erreicht wird.
Gegeben: U = 1200 V; d = 8 mm = 0,008 m
Gesucht: E in V/m und in kV/mm; Vergleich mit Durchschlagfestigkeit
Lösungsweg:
- E = U / d = 1200 / 0,008 = 150 000 V/m = 0,15 kV/mm
Ergebnis: E = 150 kV/m = 0,15 kV/mm. Die Durchschlagfestigkeit von 3 kV/mm wird um den Faktor 20 unterschritten – sicher.
Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem elektrischen und einem magnetischen Feld in Bezug auf ihre Entstehung?
- a) Ein elektrisches Feld wird von Ladungen erzeugt, ein magnetisches von bewegten Ladungen
- b) Beide werden gleichermaßen von ruhenden Ladungen erzeugt
- c) Magnetische Felder gibt es nur in Vakuum
- d) Elektrische Felder treten nur bei Wechselstrom auf
Richtig: a)
Schon ruhende Ladungen erzeugen ein elektrisches Feld. Bewegte Ladungen (Ströme) erzeugen zusätzlich ein magnetisches Feld. Eine echte Symmetrie zwischen den Feldarten gibt es erst, wenn man bewegte Bezugssysteme und die Maxwell’sche Theorie betrachtet.
Wie ändert sich die Coulombkraft, wenn der Abstand zwischen zwei Punktladungen halbiert wird?
- a) Sie halbiert sich
- b) Sie bleibt gleich
- c) Sie verdoppelt sich
- d) Sie vervierfacht sich
Richtig: d)
F ist proportional zu 1/r². Halber Abstand ergibt 1/(0,5)² = 1/0,25 = 4 – die Kraft vervierfacht sich. Eine Halbierung würde nur bei einem 1/r-Gesetz auftreten.
Eine Punktladung von 5 nC wird in ein Feld mit E = 4 · 10⁵ V/m gebracht. Welche Kraft wirkt auf sie?
- a) 0,2 mN
- b) 20 mN
- c) 200 mN
- d) 2 mN
Richtig: d)
F = Q · E = 5 · 10⁻⁹ · 4 · 10⁵ = 2 · 10⁻³ N = 2 mN. Die anderen Werte entstehen, wenn man die Zehnerpotenz falsch zusammenfasst.
Welche der folgenden Eigenschaften gilt für ein homogenes Feld?
- a) Die Feldstärke ist überall gleich und die Feldlinien sind parallel
- b) Die Feldstärke ändert sich linear mit dem Abstand
- c) Die Feldstärke nimmt quadratisch ab
- d) Das Feld existiert nur in der Mitte des Raums
Richtig: a)
„Homogen“ bedeutet überall gleich – sowohl im Betrag als auch in der Richtung. Daraus folgt zwangsläufig, dass die Feldlinien parallel verlaufen. Quadratische Abnahme tritt bei Punktladungen auf, nicht im homogenen Feld.
Warum dürfen in der Auslegung von Schaltschränken Mindestabstände zwischen spannungsführenden Teilen unterschiedlichen Potentials nicht unterschritten werden?
- a) Wegen mechanischer Beschädigung der Leiter
- b) Weil unterhalb dieser Abstände die Feldstärke die Durchschlagfestigkeit der Luft übersteigen kann
- c) Wegen besserer Wärmeabfuhr
- d) Wegen Korrosionsschutz
Richtig: b)
Bei zu kleinem Abstand d und gegebener Spannung U wird E = U/d so groß, dass die Durchschlagfestigkeit der Luft (rund 3 kV/mm) überschritten wird – Funkenüberschlag, im schlimmsten Fall ein stehender Lichtbogen. Wärmeabfuhr, Korrosionsschutz und mechanische Schäden sind separate Auslegungskriterien.
Warum schirmt ein Faraday’scher Käfig sein Inneres von äußeren elektrischen Feldern ab?
- a) Weil die freien Elektronen im leitenden Material sich so verschieben, dass das äußere Feld im Inneren kompensiert wird
- b) Weil das Käfigmaterial magnetisch ist
- c) Weil die Käfigfarbe Felder absorbiert
- d) Weil sich die Luft im Inneren ändert
Richtig: a)
Influenz im Leiter: Die verschobenen freien Elektronen erzeugen ein Gegenfeld, das das äußere Feld im Käfigvolumen genau auslöscht. Magnetische Eigenschaften, Farbe oder Luftveränderung haben damit nichts zu tun.
Eine Punktladung erzeugt im Abstand r₁ = 10 cm eine Feldstärke E₁ = 1000 V/m. Welche Feldstärke herrscht im Abstand r₂ = 30 cm?
- a) 333 V/m
- b) 111 V/m
- c) 3000 V/m
- d) 9000 V/m
Richtig: b)
E ist proportional zu 1/r². Aus E₂/E₁ = (r₁/r₂)² = (10/30)² = 1/9 folgt E₂ ≈ 1000/9 ≈ 111 V/m. Wer 333 V/m wählt, hat ein lineares 1/r-Gesetz unterstellt.
Welche Aussage zum Verhalten der Feldlinien an einer geladenen Metallspitze ist korrekt?
- a) An scharfen Spitzen sind die Feldlinien besonders dünn verteilt
- b) Die Linien meiden Spitzen vollständig
- c) Sie haben dort die gleiche Dichte wie überall am Leiter
- d) An scharfen Spitzen drängen sich die Feldlinien besonders dicht – die Feldstärke ist dort am höchsten
Richtig: d)
Spitzeneffekt: An Krümmungen mit kleinem Radius drängen sich die Feldlinien zusammen, die Feldstärke ist dort am größten. Genau deshalb tragen Hochspannungsbauteile gerundete Kanten, während Blitzableiter umgekehrt mit Spitzen arbeiten – dort soll die Entladung gezielt einschlagen.
Eine Ladung wird gegen das elektrische Feld von einer Platte des Kondensators zur anderen verschoben. Was lässt sich aus der dafür nötigen Arbeit pro Ladungseinheit ableiten?
- a) Die Spannung zwischen den Platten
- b) Die Stromstärke im Leiter
- c) Die Kapazität des Kondensators
- d) Der Innenwiderstand der Quelle
Richtig: a)
Die Spannung ist definiert als Arbeit pro Ladungseinheit beim Verschieben einer Ladung gegen das Feld zwischen zwei Punkten: U = W/Q. Strom, Kapazität und Innenwiderstand sind separate Größen mit anderen Definitionen.
Dasselbe Ladungspaar wird einmal in Vakuum und einmal in Wasser (εᵣ ≈ 80) im gleichen Abstand angeordnet. Wie verhält sich die Kraft im Wasser im Vergleich zum Vakuum?
- a) Sie ist 80-mal größer
- b) Sie ist gleich groß
- c) Sie ist 8-mal kleiner
- d) Sie ist 80-mal kleiner
Richtig: d)
Im Medium gilt F = k · Q₁·Q₂ / (εᵣ · r²). Bei εᵣ = 80 ist die Kraft um den Faktor 80 kleiner als im Vakuum. Genau dieser Effekt ermöglicht das Lösen von Salzen in Wasser – die elektrostatischen Bindungen zwischen den Ionen werden stark abgeschwächt.
Welcher der folgenden Werte ist eine gute Näherung für die elektrische Feldkonstante ε₀?
- a) 9 · 10⁹ N·m²/C²
- b) 1,6 · 10⁻¹⁹ C
- c) 6,022 · 10²³ mol⁻¹
- d) 8,854 · 10⁻¹² F/m
Richtig: d)
ε₀ ≈ 8,854 · 10⁻¹² F/m. Der Wert 9 · 10⁹ N·m²/C² ist die Coulomb-Konstante k = 1/(4πε₀). 1,6 · 10⁻¹⁹ C ist die Elementarladung, 6,022 · 10²³ ist die Avogadro-Zahl – beides eigenständige Naturkonstanten ohne Bezug zu ε₀.
Zwei Plattenkondensatoren werden mit derselben Spannung verbunden. Kondensator A hat halben Plattenabstand wie Kondensator B. Welche Aussage stimmt?
- a) Beide Felder sind gleich groß
- b) In B ist das Feld doppelt so groß wie in A
- c) In A ist das Feld doppelt so groß wie in B
- d) Die Felder hängen nur von der Plattenfläche ab
Richtig: c)
E = U/d. Bei gleicher Spannung und halbiertem Abstand verdoppelt sich die Feldstärke. Die Plattenfläche ändert die Feldstärke im homogenen Bereich nicht – sie beeinflusst nur die Kapazität, was Thema eines eigenen Beitrags ist.
Glossar
- Elektrisches Feld
- Raumzustand um eine elektrische Ladung, der bewirkt, dass auf andere Ladungen Kräfte ausgeübt werden.
- Probeladung
- Eine gedanklich sehr kleine positive Ladung, die zur Untersuchung eines Feldes verwendet wird, ohne dieses merklich zu beeinflussen.
- Feldlinie
- Gedachte Linie im Raum, deren Tangente in jedem Punkt die Richtung des elektrischen Feldes an dieser Stelle angibt. Beginnt auf positiver, endet auf negativer Ladung.
- Coulombsches Gesetz
- Beschreibt die Kraft zwischen zwei Punktladungen: proportional zum Produkt der Ladungen, umgekehrt proportional zum Quadrat des Abstands.
- Elektrische Feldkonstante ε₀
- Naturkonstante mit ε₀ ≈ 8,854 · 10⁻¹² F/m, die im Coulombschen Gesetz und in der Definition der Feldstärke vorkommt.
- Elektrische Feldstärke E
- Kraft pro Probeladung an einem Punkt im Feld. Vektorielle Größe, Einheit V/m.
- Homogenes Feld
- Feld, in dem die Feldstärke nach Betrag und Richtung an jedem Ort gleich ist; Feldlinien verlaufen parallel.
- Plattenkondensator
- Anordnung aus zwei parallelen, entgegengesetzt geladenen Metallplatten; Standardmodell für ein homogenes Feld.
- Influenz
- Verschiebung der freien Ladungsträger in einem Leiter durch ein äußeres Feld, mit dem Ergebnis, dass das Innere des Leiters feldfrei wird.
- Polarisation
- Verschiebung oder Ausrichtung von Ladungen innerhalb der Atome oder Moleküle eines Nichtleiters durch ein äußeres Feld; führt zur Abschwächung des Feldes im Inneren.
- Dielektrizitätszahl εᵣ
- Dimensionsloser Materialkennwert, der angibt, um welchen Faktor ein Medium das elektrische Feld gegenüber Vakuum abschwächt. εᵣ ≥ 1.
- Faraday’scher Käfig
- Geschlossener leitfähiger Hohlraum, der sein Inneres durch Influenz von äußeren elektrischen Feldern abschirmt.
Österreichische Normen
- ÖVE/ÖNORM E 8101: Errichtung elektrischer Niederspannungsanlagen. Legt unter anderem Mindest-Luftstrecken und Isolierabstände fest, mit denen sichergestellt wird, dass die elektrische Feldstärke zwischen Teilen unterschiedlichen Potentials die Durchschlagfestigkeit der umgebenden Luft nicht überschreitet.
