Symmetrische und unsymmetrische Belastung

Ein Drehstromnetz hat drei Außenleiter und meistens noch einen Neutralleiter. Ob diese vier Leiter gleichmäßig oder ungleichmäßig belastet werden, entscheidet darüber, wie viel Strom im Neutralleiter fließt, wie hoch die einzelnen Strangbelastungen sind und ob das Netz sauber arbeitet. Genau darum geht es hier: um den Unterschied zwischen symmetrischer und unsymmetrischer Belastung – und um die Folgen, die das in der täglichen Praxis hat.

Der Drehstrommotor ist das Paradebeispiel für eine symmetrische Last. Die Steckdosen, Lampen und Geräte in einem Gebäude sind dagegen fast immer unsymmetrisch verteilt. Beide Fälle muss man rechnerisch in den Griff bekommen.

Vorwissen

  • Sternschaltung (Y)
  • Strang- und Außenleiterspannung
  • Wechselstrom-Kenngrößen und Effektivwert

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, wann eine Drehstromlast symmetrisch und wann sie unsymmetrisch ist
  • begründen, warum der Neutralleiter bei symmetrischer Last stromlos bleibt
  • den Neutralleiterstrom bei ungleicher ohmscher Belastung rechnerisch abschätzen
  • die Gesamtleistung sowohl bei symmetrischer als auch bei unsymmetrischer Last bestimmen
  • den Begriff Schieflast einordnen und die Bedeutung der Anschlussgrenzen im Verteilernetz benennen

1. Symmetrische Belastung – der Idealfall

Stell dir einen Drehstrommotor vor, der an einem Vierleiternetz hängt. Seine drei Wicklungen sind elektrisch praktisch identisch aufgebaut – gleicher Draht, gleiche Windungszahl, gleicher Widerstand. Jede Wicklung bildet einen Strang der Last.

Eine Last heißt symmetrisch, wenn alle drei Stränge denselben Widerstand und dieselbe Impedanz haben – also denselben Betrag und denselben Phasenwinkel. Dann zieht jeder Strang denselben Strom, nur eben zeitlich um 120° gegeneinander versetzt, weil die drei Außenleiterspannungen selbst um 120° verschoben sind.

I_Str = U_Str / Z

  • I_Str … Strangstrom in A
  • U_Str … Strangspannung in V
  • Z … Strangimpedanz in Ohm

Bei rein ohmscher symmetrischer Last sind die drei Strangströme also betragsgleich:

I_1 = I_2 = I_3

  • I_1, I_2, I_3 … Strangströme der drei Stränge in A

Diese drei Ströme are nicht gleichzeitig maximal. Sie folgen den drei um je 120° versetzten Spannungen und erreichen ihren Scheitelwert nacheinander. Genau diese saubere zeitliche Staffelung ist der Grund, warum sich im Vierleiternetz bei Symmetrie etwas Praktisches ergibt – der Neutralleiter wird nicht gebraucht. Das schauen wir uns im nächsten Kapitel an.

Gelöstes Beispiel

Eine symmetrische ohmsche Last hängt im Stern an einem 400/230-V-Netz. Jeder Strang hat einen Widerstand von 46 Ohm. Wie groß ist der Strangstrom?

Gegeben: U_Str = 230 V, R = 46 Ohm

Gesucht: I_Str in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Strangstrom über das Ohmsche Gesetz: I_Str = U_Str / R = 230 V / 46 Ohm = 5 A

Ergebnis: I_Str = 5 A in jedem der drei Stränge.

Übungen

Eine symmetrische Sternlast hat je Strang 115 Ohm bei 230 V Strangspannung. Berechne den Strangstrom.

I_Str = 230 V / 115 Ohm = 2 A

Drei gleiche Heizwiderstände von je 57,5 Ohm liegen im Stern an 230 V Strangspannung. Wie groß ist der Strom je Strang?

I_Str = 230 V / 57,5 Ohm = 4 A

Eine symmetrische Last zieht je Strang 8 A bei 230 V Strangspannung. Welchen Widerstand hat ein Strang?

R = 230 V / 8 A = 28,75 Ohm

Bei 230 V Strangspannung fließen je Strang 10 A. Die Last ist symmetrisch und rein ohmsch. Wie groß ist der Gesamtstrom im Neutralleiter?

0 A — bei symmetrischer Last bleibt der Neutralleiter stromlos (siehe Kapitel 2).

Eine symmetrische Sternlast soll je Strang genau 6 A ziehen. Die Strangspannung beträgt 230 V. Welcher Strangwiderstand ist nötig, und wie groß ist der Außenleiterstrom?

R = 230 V / 6 A = 38,33 Ohm. In der Sternschaltung ist der Außenleiterstrom gleich dem Strangstrom, also 6 A.

Eine Last gilt als symmetrisch, wenn …

  • a) alle drei Strangströme gleichzeitig ihren Scheitelwert erreichen
  • b) alle drei Stränge dieselbe Impedanz nach Betrag und Phasenwinkel haben
  • c) nur die Beträge der Strangwiderstände gleich sind, die Phasenwinkel aber egal sind
  • d) der Neutralleiter angeschlossen ist

Richtig: b)

Erklärung: Symmetrie verlangt gleiche Impedanz nach Betrag UND Phase – sonst stimmen zwar die Beträge, aber die Phasenlage der Ströme passt nicht, und es entsteht doch Unsymmetrie. Antwort a beschreibt einen physikalischen Unsinn, weil die drei Ströme den um 120° versetzten Spannungen folgen und nie gleichzeitig maximal sind. Der Neutralleiter (d) hat mit der Definition nichts zu tun.

Drei gleiche Heizwiderstände hängen im Stern an 400/230 V. Warum sind die Strangströme nicht gleichzeitig am größten?

  • a) Weil die Widerstände leicht unterschiedlich warm werden
  • b) Weil der Neutralleiter den Strom verzögert
  • c) Weil ohmsche Lasten grundsätzlich eine Phasenverschiebung von 120° erzeugen
  • d) Weil die drei Strangspannungen zeitlich um 120° gegeneinander versetzt sind

Richtig: d)

Erklärung: Die zeitliche Staffelung kommt allein von den drei um 120° versetzten Spannungen des Drehstromsystems. Der ohmsche Verbraucher erzeugt selbst keine Phasenverschiebung zwischen seiner Spannung und seinem Strom (d ist falsch). Erwärmung (a) und Neutralleiter (c) spielen hier keine Rolle.

2. Warum der Neutralleiter bei Symmetrie stromlos bleibt

Im Neutralleiter fließt nicht ein einzelner Strom, sondern die Summe der drei Strangströme – der Neutralleiterstrom. Und zwar nicht die simple Zahlen-Summe, sondern die zeitlich richtige Addition – die drei Ströme sind ja um 120° gegeneinander verschoben.

I_N = I_1 + I_2 + I_3

  • I_N … Neutralleiterstrom in A
  • I_1, I_2, I_3 … die drei Strangströme als zeitlich versetzte Wechselgrößen

Bei symmetrischer Last sind die drei Ströme betragsgleich und exakt um 120° versetzt. Wenn man sie als Zeiger darstellt – drei gleich lange Pfeile, die sternförmig um je 120° gedreht sind – zeigen sie in drei Richtungen, die sich gegenseitig vollständig aufheben. Hängt man die drei Zeiger aneinander, kommt man wieder genau am Ausgangspunkt an. Die Summe ist null.

Drei Strangströme (je 120° versetzt) I1 I2 I3 Aneinandergehängt Start Endpunkt = Startpunkt → Summe = 0

Das Ergebnis ist eine der wichtigsten Eigenschaften des symmetrisch belasteten Drehstromsystems: Bei symmetrischer Last fließt im Neutralleiter kein Strom.

I_N = 0 (bei symmetrischer Last)

Das ist auch der Grund, warum man einen symmetrischen Drehstrommotor mit nur drei Leitern betreiben kann – er braucht gar keinen Neutralleiter, weil dort ohnehin nichts fließen würde.

Welcher Strom fließt im Neutralleiter, wenn drei betragsgleiche Strangströme exakt um 120° versetzt sind?

  • a) Der dreifache Strangstrom
  • b) Der gleiche Betrag wie ein einzelner Strangstrom
  • c) Null
  • d) Die Hälfte des Strangstroms

Richtig: c)

Erklärung: Drei betragsgleiche, um 120° versetzte Zeiger addieren sich vektoriell zu null – darum bleibt der Neutralleiter stromlos. Die Antworten a, b und d würden nur stimmen, wenn man die Ströme als gleichphasig (also ohne 120°-Versatz) addieren würde, was im Drehstromsystem nicht der Fall ist.

Warum kann ein symmetrischer Drehstrommotor mit nur drei Leitern betrieben werden?

  • a) Weil bei symmetrischer Last im Neutralleiter ohnehin kein Strom fließt
  • b) Weil Motoren grundsätzlich keinen Schutzleiter brauchen
  • c) Weil der Sternpunkt des Motors immer geerdet ist
  • d) Weil der Motor seine eigene vierte Phase erzeugt

Richtig: a)

Erklärung: Da bei Symmetrie kein Neutralleiterstrom auftritt, ist der vierte Leiter funktional überflüssig. Antwort b verwechselt Neutral- und Schutzleiter – der Schutzleiter ist eine völlig andere Sache und immer erforderlich. c und d sind technisch falsch.

3. Unsymmetrische Belastung – wenn die Stränge ungleich sind

Sobald die drei Stränge nicht mehr gleich belastet sind, wird die Last unsymmetrisch. Das ist in Wohn- und Gewerbegebäuden der Normalfall: An Phase L1 hängt vielleicht der Herd, an L2 die halbe Beleuchtung, an L3 ein paar Steckdosen. Jeder Strang zieht einen anderen Strom.

Die Folge: Die drei Strangströme sind unterschiedlich groß, ihre vektorielle Summe ist nicht mehr null, und im Neutralleiter fließt jetzt Strom.

I_N = I_1 + I_2 + I_3 (vektorielle Summe, ungleich null)

  • I_N … Neutralleiterstrom in A
  • I_1, I_2, I_3 … die drei Strangströme als zeitlich versetzte Wechselgrößen

Bei rein ohmscher Last, bei der die drei Ströme wieder genau den um 120° versetzten Spannungen folgen, lässt sich der Neutralleiterstrom über die Zerlegung in Komponenten berechnen. Man zerlegt jeden der drei Strangströme in einen waagrechten und einen senkrechten Anteil, addiert beide Anteile getrennt und setzt sie am Ende wieder zusammen.

I_x = I_1 – 0,5 * I_2 – 0,5 * I_3

I_y = 0,866 * I_2 – 0,866 * I_3

I_N = Wurzel aus (I_x hoch 2 + I_y hoch 2)

  • I_x … waagrechte Komponente der Stromsumme in A
  • I_y … seninte Komponente der Stromsumme in A
  • 0,866 … entspricht dem Sinus von 60°

Der Faktor 0,866 ist der Sinus von 60° und kommt aus der 120°-Geometrie der drei Phasen. Der Faktor 0,5 ist der Cosinus von 60°.

Eine Sache zeigt dieser Rechner schön: Setzt man alle drei Ströme gleich, kommt fast genau null heraus. Je stärker die Stränge auseinanderlaufen, desto größer wird der Neutralleiterstrom.

Wie sich der Neutralleiter im Detail verhält und wie er dimensioniert wird, ist Thema eines eigenen Beitrags. Auch die Sternpunktverschiebung, die bei unsymmetrischer Last ohne Neutralleiter auftritt und die Strangspannungen verzerrt, wird gesondert behandelt. Hier reicht der Kern: ungleiche Stränge → Strom im Neutralleiter.

Gelöstes Beispiel

An einem Vierleiternetz hängen drei rein ohmsche Lasten. Strang 1 zieht 12 A, Strang 2 zieht 12 A, Strang 3 zieht 6 A. Wie groß ist der Neutralleiterstrom?

Gegeben: I_1 = 12 A, I_2 = 12 A, I_3 = 6 A

Gesucht: I_N in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — waagrechte Komponente: I_x = 12 – 0,5 · 12 – 0,5 · 6 = 12 – 6 – 3 = 3 A
  2. Schritt 2 — senkrechte Komponente: I_y = 0,866 · 12 – 0,866 · 6 = 10,39 – 5,20 = 5,19 A
  3. Schritt 3 — Betrag der Summe: I_N = Wurzel aus (3² + 5,19²) = Wurzel aus (9 + 26,9) = Wurzel aus 35,9 = 5,99 A

Ergebnis: I_N ≈ 6 A.

Übungen

Drei ohmsche Stränge ziehen jeweils genau 8 A. Wie groß ist der Neutralleiterstrom?

Bei drei gleichen Strömen heben sich die Komponenten auf: I_N = 0 A. Symmetrie.

Strang 1 zieht 10 A, Strang 2 und Strang 3 ziehen je 0 A (nur eine Phase belastet). Berechne den Neutralleiterstrom.

I_x = 10 A, I_y = 0 A, I_N = 10 A. Bei nur einer belasteten Phase ist der Neutralleiterstrom gleich dem Strangstrom.

Strang 1: 16 A, Strang 2: 16 A, Strang 3: 0 A. Wie groß ist der Neutralleiterstrom?

I_x = 16 – 8 – 0 = 8 A; I_y = 0,866·16 – 0 = 13,86 A; I_N = Wurzel aus (8² + 13,86²) = Wurzel aus (64 + 192) = 16 A.

Strang 1: 20 A, Strang 2: 10 A, Strang 3: 5 A. Berechne den Neutralleiterstrom.

I_x = 20 – 5 – 2,5 = 12,5 A; I_y = 0,866·10 – 0,866·5 = 8,66 – 4,33 = 4,33 A; I_N = Wurzel aus (12,5² + 4,33²) = Wurzel aus (156,25 + 18,75) = Wurzel aus 175 = 13,23 A.

Eine Etage ist stark schief belastet: L1 zieht 25 A, L2 zieht 5 A, L3 zieht 5 A. Wie hoch ist der Neutralleiterstrom, und was bedeutet das für die Leiterauswahl?

I_x = 25 – 2,5 – 2,5 = 20 A; I_y = 0,866·5 – 0,866·5 = 0 A; I_N = 20 A. Der Neutralleiter führt hier 20 A und muss mindestens so stark ausgelegt sein wie die Außenleiter.

An einem Vierleiternetz ziehen alle drei Stränge ohmsch je 12 A. Wie groß ist der Neutralleiterstrom?

  • a) 36 A
  • b) 12 A
  • c) 0 A
  • d) 6 A

Richtig: c)

Erklärung: Drei betragsgleiche, um 120° versetzte Ströme ergeben symmetrische Last – der Neutralleiterstrom ist null. Die 36 A (a) wären die falsche arithmetische Summe, 12 A (b) und 6 A (d) sind ebenfalls Ergebnisse falscher Rechenwege ohne Berücksichtigung der Phasenlage.

Nur Phase L1 is mit 18 A ohmsch belastet, L2 und L3 tragen keinen Strom. Wie groß ist der Neutralleiterstrom?

  • a) 0 A
  • b) 6 A
  • c) 54 A
  • d) 18 A

Richtig: d)

Erklärung: Wenn nur ein Strang Strom führt, gibt es keinen zweiten oder dritten Strom, der etwas kompensieren könnte – der gesamte Strangstrom kehrt über den Neutralleiter zurück. Deshalb ist I_N = 18 A. Das ist der ungünstigste Fall: Der Neutralleiter ist genauso stark belastet wie der Außenleiter.

Warum darf man den Neutralleiterstrom bei unsymmetrischer Last nicht durch einfaches Zusammenzählen der drei Strangströme bestimmen?

  • a) Weil die drei Ströme um 120° phasenversetzt sind und vektoriell addiert werden müssen
  • b) Weil die Ströme unterschiedliche Frequenzen haben
  • c) Weil der Neutralleiter einen eigenen Widerstand hat
  • d) Weil die Ströme im Neutralleiter doppelt gezählt werden

Richtig: a)

Erklärung: Die 120°-Phasenlage zwingt zur vektoriellen Addition. Die drei Ströme haben dieselbe Frequenz (b falsch). Der Leiterwiderstand (c) ändert nichts am Rechenprinzip, und eine Doppelzählung (d) gibt es nicht.

4. Leistung bei symmetrischer und unsymmetrischer Last

Bei symmetrischer Last ist die Leistungsberechnung einfach: Alle drei Stränge tragen gleich viel, also rechnet man einen Strang und nimmt das Dreifache.

P = 3 * U_Str * I_Str * cos_phi

  • P … Gesamtwirkleistung in W
  • U_Str … Strangspannung in V
  • I_Str … Strangstrom in A
  • cos_phi … Leistungsfaktor (bei ohmscher Last 1)

Bei unsymmetrischer Last geht diese Abkürzung nicht mehr. Jeder Strang hat einen anderen Strom, also rechnet man die Leistung für jeden Strang einzeln und addiert sie:

P = P_1 + P_2 + P_3

P_1 = U_Str * I_1 * cos_phi

P_2 = U_Str * I_2 * cos_phi

P_3 = U_Str * I_3 * cos_phi

  • P … Gesamtwirkleistung in W
  • P_1, P_2, P_3 … Wirkleistung der drei Stränge in W

Die ungleiche Verteilung der Last auf die drei Phasen nennt man Schieflast. Sie ist nicht nur ein Rechenthema, sondern auch ein Anschlussthema. Eine zu große Schieflast belastet das Verteilernetz einseitig, kann zu unzulässigen Spannungsunterschieden zwischen den Phasen führen und stört andere Netzteilnehmer.

Deshalb geben die Netzbetreiber Grenzen vor. In Österreich regeln die TAEV (Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an öffentliche Versorgungsnetze) sowie die TOR (Technische und Organisatorische Regeln der Netzbetreiber) unter anderem, wie groß die einphasige Schieflast eines Anschlusses höchstens sein darf. Größere einphasige Verbraucher müssen ab einer bestimmten Leistung dreiphasig angeschlossen werden, damit die Last sich gleichmäßig auf alle drei Außenleiter verteilt. Den genauen Grenzwert legt der zuständige Netzbetreiber fest – wer einphasige Geräte oberhalb der üblichen Grenze anschließen will, muss das dreiphasig ausführen oder mit dem Netzbetreiber abklären.

Der Rechner geht von rein ohmscher Last aus, also cos_phi = 1. Setzt man alle drei Ströme gleich, entspricht das Ergebnis genau dem Dreifachen einer Strangleistung – die symmetrische Formel und die Einzelrechnung führen dann zum selben Wert.

Gelöstes Beispiel

Eine unsymmetrische ohmsche Last hängt an einem 400/230-V-Netz. Die Strangströme betragen 10 A, 8 A und 5 A. Wie groß ist die Gesamtwirkleistung?

Gegeben: U_Str = 230 V, I_1 = 10 A, I_2 = 8 A, I_3 = 5 A, cos_phi = 1

Gesucht: P in W

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Leistung je Strang: P_1 = 230 V · 10 A = 2300 W, P_2 = 230 V · 8 A = 1840 W, P_3 = 230 V · 5 A = 1150 W
  2. Schritt 2 — Summe: P = 2300 + 1840 + 1150 = 5290 W

Ergebnis: P = 5290 W ≈ 5,29 kW.

Übungen

Symmetrische ohmsche Last, je Strang 6 A bei 230 V Strangspannung. Berechne die Gesamtleistung über die symmetrische Formel.

P = 3 · 230 V · 6 A · 1 = 4140 W.

Unsymmetrisch: I_1 = 12 A, I_2 = 12 A, I_3 = 0 A, U_Str = 230 V, ohmsch. Wie groß ist die Gesamtwirkleistung?

P = 230 · (12 + 12 + 0) = 230 · 24 = 5520 W.

Drei Stränge mit 15 A, 10 A und 10 A bei 230 V Strangspannung, rein ohmsch. Gesamtwirkleistung?

P = 230 · (15 + 10 + 10) = 230 · 35 = 8050 W.

An L1 hängt ein ohmscher Verbraucher mit 4600 W, L2 und L3 sind unbelastet. Strangspannung 230 V. Wie groß ist der Strangstrom in L1, und liegt eine starke Schieflast vor?

I_1 = 4600 W / 230 V = 20 A. Da die gesamte Leistung auf einer einzigen Phase liegt, ist die Schieflast maximal – solche Lasten gehören dreiphasig ausgeführt.

Eine Werkstatt zieht ohmsch L1 = 18 A, L2 = 6 A, L3 = 6 A bei 230 V Strangspannung. Berechne Gesamtleistung und Neutralleiterstrom.

P = 230 · (18 + 6 + 6) = 230 · 30 = 6900 W. Neutralleiter: I_x = 18 – 3 – 3 = 12 A; I_y = 0,866·6 – 0,866·6 = 0 A; I_N = 12 A.

Wie berechnet man die Gesamtwirkleistung bei einer unsymmetrischen Drehstromlast korrekt?

  • a) Man rechnet einen Strang und nimmt das Dreifache
  • b) Man nimmt den größten Strangstrom und multipliziert mit drei
  • c) Man multipliziert die Außenleiterspannung mit dem Neutralleiterstrom
  • d) Man berechnet jeden Strang einzeln und addiert die drei Leistungen

Richtig: d)

Erklärung: Bei Unsymmetrie trägt jeder Strang eine andere Leistung, also muss man sie einzeln rechnen und summieren. Die Dreifach-Abkürzung (a) gilt nur bei Symmetrie. b und c sind keine sinnvollen Leistungsformeln.

Warum wird eine 11-kW-Wallbox üblicherweise dreiphasig angeschlossen?

  • a) Weil die Schieflast bei einphasigem Anschluss die zulässige Grenze des Netzbetreibers überschreiten würde
  • b) Weil einphasige Anschlüsse keine 11 kW übertragen können
  • c) Weil dreiphasige Geräte immer billiger sind
  • d) Weil der Neutralleiter sonst überlastet würde

Richtig: a)

Erklärung: Eine so große einphasige Last würde die nach TAEV/TOR zulässige Schieflast überschreiten und das Netz einseitig belasten – verteilt auf drei Phasen bleibt jede im Rahmen. Antwort b ist falsch, weil ein einphasiger Anschluss prinzipiell auch hohe Leistungen kann, nur eben unzulässig schief. d trifft das eigentliche Anschlussproblem nicht.

Was bezeichnet der Begriff Schieflast?

  • a) Eine mechanische Unwucht im Drehstrommotor
  • b) Die ungleiche Aufteilung der Last auf die drei Außenleiter
  • c) Eine Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung
  • d) Den Spannungsabfall auf dem Neutralleiter

Richtig: b)

Erklärung: Schieflast meint die elektrisch ungleiche Belastung der drei Phasen. Mit Mechanik (a) hat das nichts zu tun. Die Phasenverschiebung (c) ist der Leistungsfaktor, eine andere Größe, und der Spannungsabfall am Neutralleiter (d) ist höchstens eine Folge, nicht die Definition.

Eine symmetrische ohmsche Last zieht je Strang 10 A bei 230 V Strangspannung. Wie groß ist die Gesamtwirkleistung?

  • a) 2300 W
  • b) 4600 W
  • c) 6900 W
  • d) 2300 W mal Wurzel 3

Richtig: c)

Erklärung: P = 3 · 230 V · 10 A · 1 = 6900 W. Antwort a ist nur die Leistung eines einzelnen Strangs, b das Doppelte. d vermischt die Strang-Rechnung fälschlich mit dem Wurzel-3-Faktor, der hier nicht hingehört, weil mit Strangwerten gerechnet wird.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine symmetrische ohmsche Sternlast hat je Strang 92 Ohm und liegt an 230 V Strangspannung. Berechne den Strangstrom.

Gegeben: U_Str = 230 V; R = 92 Ohm

Gesucht: I_Str in A

Lösungsweg:

  1. I_Str = 230 V / 92 Ohm

Ergebnis: I_Str = 2,5 A

Aufgabe 2: Symmetrische Last, je Strang 7 A bei 230 V Strangspannung, rein ohmsch. Berechne die Gesamtwirkleistung.

Gegeben: U_Str = 230 V; I_Str = 7 A; cos_phi = 1

Gesucht: P in W

Lösungsweg:

  1. P = 3 · 230 V · 7 A · 1

Ergebnis: P = 4830 W

Aufgabe 3: Drei ohmsche Stränge ziehen 14 A, 8 A und 8 A. Berechne den Neutralleiterstrom.

Gegeben: I_1 = 14 A; I_2 = 8 A; I_3 = 8 A

Gesucht: I_N in A

Lösungsweg:

  1. I_x = 14 – 4 – 4 = 6 A; I_y = 0,866·8 – 0,866·8 = 0 A; I_N = Wurzel aus (6² + 0²)

Ergebnis: I_N = 6 A

Aufgabe 4: Unsymmetrische ohmsche Last: I_1 = 20 A, I_2 = 12 A, I_3 = 8 A bei 230 V Strangspannung. Berechne die Gesamtwirkleistung.

Gegeben: U_Str = 230 V; I_1 = 20 A; I_2 = 12 A; I_3 = 8 A; cos_phi = 1

Gesucht: P in W

Lösungsweg:

  1. P = 230 · (20 + 12 + 8) = 230 · 40

Ergebnis: P = 9200 W

Aufgabe 5: Nur L1 ist mit 16 A ohmsch belastet, L2 und L3 tragen keinen Strom. Berechne den Neutralleiterstrom.

Gegeben: I_1 = 16 A; I_2 = 0 A; I_3 = 0 A

Gesucht: I_N in A

Lösungsweg:

  1. I_x = 16 A; I_y = 0 A; I_N = Wurzel aus (16² + 0²)

Ergebnis: I_N = 16 A

Aufgabe 6: Drei ohmsche Stränge mit 10 A, 10 A und 4 A. Berechne den Neutralleiterstrom.

Gegeben: I_1 = 10 A; I_2 = 10 A; I_3 = 4 A

Gesucht: I_N in A

Lösungsweg:

  1. I_x = 10 – 5 – 2 = 3 A; I_y = 0,866·10 – 0,866·4 = 8,66 – 3,46 = 5,20 A; I_N = Wurzel aus (3² + 5,20²) = Wurzel aus (9 + 27,04)

Ergebnis: I_N ≈ 6 A

Bei welcher Bedingung bleibt der Neutralleiter eines Vierleiternetzes stromlos?

  • a) Wenn nur eine phase belastet ist
  • b) Wenn der Neutralleiter besonders dick ausgeführt ist
  • c) Wenn die Last rein induktiv ist
  • d) Wenn alle drei Stränge gleich belastet sind

Richtig: d)

Erklärung: Nur bei symmetrischer Last heben sich die drei um 120° versetzten Ströme zu null auf. Bei nur einer belasteten Phase (a) ist der Neutralleiterstrom maximal. Querschnitt (b) und Lastart (c) ändern an dieser Bedingung nichts.

Drei ohmsche Stränge ziehen je 9 A. Wie groß ist der Neutralleiterstrom?

  • a) 27 A
  • b) 9 A
  • c) 0 A
  • d) 4,5 A

Richtig: c)

Erklärung: Gleiche Ströme bei 120°-Versatz ergeben Symmetrie und damit null im Neutralleiter. Die anderen Werte entstehen nur durch unzulässiges arithmetisches Addieren.

Was unterscheidet die Leistungsberechnung bei unsymmetrischer von der bei symmetrischer Last?

  • a) Bei Unsymmetrie muss jeder Strang einzeln gerechnet und addiert werden
  • b) Bei Unsymmetrie wird durch Wurzel 3 geteilt
  • c) Bei Symmetrie ist die Leistung immer null
  • d) Es gibt keinen Unterschied

Richtig: a)

Erklärung: Weil die Strangleistungen bei Unsymmetrie verschieden sind, fällt die Dreifach-Abkürzung weg und man summiert einzeln. b ist eine erfundene Regel, c und d sind falsch.

Eine einphasige Last von 25 A hängt allein an L1. Welche Aussage über den Neutralleiter stimmt?

  • a) Er bleibt stromlos
  • b) Er führt 25 A und ist damit so stark belastet wie der Außenleiter
  • c) Er führt rund 14 A
  • d) Er führt das Dreifache, also 75 A

Richtig: b)

Erklärung: Wenn nur eine Phase belastet ist, kehrt deren gesamter Strom über den Neutralleiter zurück – also 25 A. Genau deshalb darf der Neutralleiter nicht schwächer als die Außenleiter dimensioniert sein. Die übrigen Werte beruhen auf falschen Annahmen.

Warum führt eine starke Schieflast zu Problemen im Verteilernetz?

  • a) Sie erhöht die Netzfrequenz
  • b) Sie verringert immer die Gesamtleistung
  • c) Sie hat keinerlei Auswirkung auf andere Netzteilnehmer
  • d) Sie belastet die Außenleiter einseitig und kann unzulässige Spannungsunterschiede verursachen

Richtig: d)

Erklärung: Eine einseitige Belastung führt zu ungleichen Spannungen zwischen den Phasen und stört dadurch andere Anschlüsse. Die Frequenz (a) bleibt vom Netz vorgegeben unberührt, die Gesamtleistung (b) sinkt nicht zwangsläufig, und Auswirkungen auf andere gibt es sehr wohl (c).

Welche Regelwerke begrenzen in Österreich die zulässige Schieflast eines Anschlusses?

  • a) Nur die Maschinenrichtlinie
  • b) TAEV und TOR der Netzbetreiber
  • c) Ausschließlich internationale ISO-Normen
  • d) Es gibt keine Vorgaben

Richtig: b)

Erklärung: Die TAEV und die TOR der Netzbetreiber legen die Anschlussbedingungen samt Schieflastgrenzen fest. Die Maschinenrichtlinie (a) betrifft die Maschinensicherheit, nicht den Netzanschluss. c und d sind falsch.

In der Sternschaltung gilt für den Zusammenhang von Außenleiter- und Strangstrom bei der Last …

  • a) Außenleiterstrom = Strangstrom
  • b) Außenleiterstrom = Wurzel 3 mal Strangstrom
  • c) Außenleiterstrom = 3 mal Strangstrom
  • d) Außenleiterstrom = Strangstrom geteilt durch Wurzel 3

Richtig: a)

Erklärung: In der Sternschaltung fließt durch jeden Außenleiter genau der Strom des dahinterliegenden Strangs – beide sind gleich. Der Wurzel-3-Faktor (b, d) gilt für die Ströme in der Dreieckschaltung, nicht im Stern.

Drei Stränge ziehen 12 A, 6 A und 6 A. Wie groß ist der Neutralleiterstrom?

  • a) 0 A
  • b) 12 A
  • c) 6 A
  • d) 24 A

Richtig: c)

Erklärung: I_x = 12 – 3 – 3 = 6 A; I_y = 0,866·6 – 0,866·6 = 0 A; I_N = 6 A. Die anderen Werte ergeben sich aus falschen Rechenwegen.

Welcher Verbraucher ist das typische Beispiel für eine symmetrische Drehstromlast?

  • a) Die Steckdosenstromkreise eines Wohnhauses
  • b) Ein Drehstrom-Asynchronmotor
  • c) Eine einzelne Schreibtischlampe
  • d) Ein einphasiger Durchlauferhitzer

Richtig: b)

Erklärung: Der Drehstrommotor hat drei elektrisch gleiche Wicklungen und belastet damit alle Phasen gleich. Steckdosen (a) und einphasige Geräte (c, d) sind die klassischen Quellen von Unsymmetrie.

Eine unsymmetrische ohmsche Last zieht 10 A, 10 A und 10 A bei 230 V Strangspannung. Wie groß ist die Gesamtwirkleistung und der Neutralleiterstrom?

  • a) 6900 W und 0 A
  • b) 2300 W und 10 A
  • c) 6900 W und 30 A
  • d) 4600 W und 0 A

Richtig: a)

Erklärung: Bei drei gleichen Strömen ist die Last in Wahrheit symmetrisch: P = 230 · 30 = 6900 W, I_N = 0 A. Die Aufgabe ist eine Falle – „unsymmetrisch“ in der Angabe ändert nichts daran, dass drei gleiche Ströme symmetrisch wirken.

Aus welcher geometrischen Beziehung stammt der Faktor 0,866 in der Neutralleiterstrom-Berechnung?

  • a) Aus dem Cosinus von 30°
  • b) Aus dem Tangens von 45°
  • c) Aus dem Sinus von 60°
  • d) Aus dem Wurzel-2-Faktor des Effektivwerts

Richtig: c)

Erklärung: 0,866 ist der Sinus von 60° und ergibt sich aus der 120°-Aufteilung der drei Phasen. Zwar liefert auch der Cosinus von 30° denselben Zahlenwert, gemeint ist aber die senkrechte Komponente über den Sinus von 60°. Der Effektivwert-Faktor (d) ist eine andere Größe.

Ein großer einphasiger Verbraucher überschreitet die zulässige Schieflast. Was ist die übliche Lösung?

  • a) Den Neutralleiter weglassen
  • b) Die Netzfrequenz anpassen
  • c) Den Außenleiterquerschnitt verdoppeln
  • d) Den Verbraucher dreiphasig anschließen

Richtig: d)

Erklärung: Verteilt man den Verbraucher dreiphasig, sinkt die Last je Außenleiter auf rund ein Drittel und die Schieflast bleibt im zulässigen Rahmen. Den Neutralleiter wegzulassen (a) wäre bei unsymmetrischer Last gefährlich, die Frequenz (b) ist nicht beeinflussbar, und ein dickerer Außenleiter (c) löst das Schieflast-Problem nicht.

Glossar

Symmetrische Belastung
Drehstromlast, bei der alle drei Stränge dieselbe Impedanz nach Betrag und Phase haben; die Strangströme sind betragsgleich und der Neutralleiter bleibt stromlos.
Unsymmetrische Belastung
Drehstromlast mit ungleicher Belastung der drei Stränge; die Strangströme sind verschieden, und im Neutralleiter fließt Strom.
Neutralleiterstrom
Strom, der als vektorielle Summe der drei Strangströme über den Neutralleiter zurückfließt; bei Symmetrie null, bei Unsymmetrie ungleich null.
Schieflast
Ungleiche Aufteilung der Last auf die drei Außenleiter eines Drehstromnetzes, meist durch ungleich verteilte einphasige Verbraucher.
TAEV
Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an öffentliche Versorgungsnetze; regeln in Österreich unter anderem die zulässige einphasige Schieflast eines Anschlusses.
TOR
Technische und Organisatorische Regeln der Netzbetreiber; ergänzen die Anschlussbedingungen und Vorgaben für den Betrieb im Verteilernetz.
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