Löten in der Elektronik

Auf jeder Leiterplatte sitzen Dutzende, manchmal Hunderte Bauteile. Damit Strom fließt und das Bauteil hält, muss jede einzelne Verbindung sauber sein. Genau das leistet das Löten: Es verbindet Bauteil und Leiterbahn elektrisch und mechanisch in einem Arbeitsgang – und das bei Temperaturen, die das empfindliche Bauteil nicht zerstören.

Wer löten kann, erkennt auch, wann eine Verbindung schlecht ist. Eine kalte Lötstelle sieht auf den ersten Blick fertig aus, leitet aber unzuverlässig. Solche Fehler zu vermeiden und zu erkennen, ist die eigentliche Kunst beim Elektroniklöten.

Vorwissen

  • Lösbare und unlösbare Verbindungen
  • Leiter, Halbleiter und Isolatoren

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum Löten in der Elektronik ein Weichlötverfahren ist und sich vom Schweißen unterscheidet
  • die Aufgaben von Lot, Flussmittel und Benetzung im Lötprozess benennen
  • den Unterschied zwischen eutektischer Legierung und Legierung mit Schmelzbereich beschreiben und daraus das Erstarrungsverhalten ableiten
  • eine gute von einer fehlerhaften Lötstelle unterscheiden und typische Lötfehler benennen
  • die Schutzmaßnahmen gegen Lötrauch in der Werkstattpraxis erläutern
  • Durchsteckmontage und Oberflächenmontage gegeneinander abgrenzen

1. Was Löten in der Elektronik bedeutet

Löten verbindet zwei Metallteile mit einem dritten Metall – dem Lot. Der entscheidende Punkt: Die zu verbindenden Teile selbst schmelzen nicht. Nur das Lot wird flüssig, fließt in den Spalt und erstarrt. Beim Schweißen ist das anders, dort schmilzt der Grundwerkstoff selbst auf. Die Verfahren des Schweißens werden in einem eigenen Beitrag behandelt; hier geht es ausschließlich ums Löten.

In der Elektronik wird weichgelötet. Weichlöten bedeutet, dass das Lot unterhalb von etwa 450 °C schmilzt – beim Elektroniklöten liegen die Arbeitstemperaturen sogar deutlich darunter, meist zwischen 250 °C und 350 °C. Das Hartlöten mit höher schmelzenden Loten ist ein anderes Verfahren mit eigenem Einsatzbereich und wird separat besprochen.

Warum überhaupt löten und nicht schrauben oder klemmen? Drei Gründe: Die Verbindung ist elektrisch gut leitend, sie ist mechanisch fest, und die niedrige Temperatur schont die wärmeempfindlichen Bauteile. Ein Halbleiter verträgt nur kurz Hitze – ein Verfahren mit niedriger Prozesstemperatur ist hier Pflicht.

Worin unterscheidet sich Löten grundsätzlich vom Schweißen?

  • a) Beim Löten wird mit höherer Temperatur gearbeitet
  • b) Beim Löten schmilzt der Grundwerkstoff nicht mit, beim Schweißen schon
  • c) Löten funktioniert nur bei Kupfer, Schweißen nur bei Stahl
  • d) Beim Schweißen wird immer ein Zusatzwerkstoff verwendet, beim Löten nie

Richtig: b)

Das zentrale Merkmal ist der Grundwerkstoff: Beim Löten bleibt er fest, nur das Lot wird flüssig. Beim Schweißen schmilzt der Grundwerkstoff selbst. Antwort a ist falsch, weil Löten – besonders Weichlöten – meist mit deutlich niedrigerer Temperatur arbeitet. c ist sachlich falsch, beide Verfahren sind nicht auf einen Werkstoff beschränkt. d ist falsch, weil auch beim Schweißen oft ohne Zusatzwerkstoff gearbeitet wird und beim Löten das Lot der Zusatzwerkstoff ist.

Warum ist die niedrige Prozesstemperatur beim Elektroniklöten besonders wichtig?

  • a) Weil Halbleiterbauteile nur kurz hohe Temperaturen vertragen
  • b) Weil die Leiterplatte sonst leitend wird
  • c) Damit das Lot langsamer erstarrt
  • d) Damit kein Flussmittel benötigt wird

Richtig: a)

Halbleiter sind thermisch empfindlich und können durch zu lange oder zu hohe Hitzeeinwirkung beschädigt werden. Deshalb arbeitet man mit niedrig schmelzendem Lot und kurzer Kontaktzeit. b ist physikalisch unsinnig. c beschreibt keinen Vorteil. d ist falsch – Flussmittel wird unabhängig von der Temperatur gebraucht.

2. Lot, Flussmittel und Benetzung

Damit eine Lötstelle entsteht, müssen drei Dinge zusammenspielen: das Lot, das Flussmittel und die Benetzung der Oberflächen.

Das Lot is eine Metalllegierung. Lange war Zinn-Blei (SnPb) Standard, heute wird in der Elektronik fast durchgängig bleifrei gelötet, meist mit Zinn-Kupfer (SnCu) oder Zinn-Silber-Kupfer (SnAgCu). Bleifreie Lote schmelzen etwas höher und brauchen genauere Temperaturführung.

Hier kommt ein wichtiger metallurgischer Unterschied ins Spiel. Manche Legierungen haben einen Schmelzbereich – sie werden über eine Temperaturspanne hinweg erst breiig, dann flüssig. Andere sind eutektisch: Eine eutektische Legierung hat einen festen Schmelzpunkt, sie geht bei einer einzigen Temperatur direkt von fest auf flüssig über, ohne breiige Zwischenphase. Das klassische Beispiel ist Sn63Pb37 mit einem Schmelzpunkt von 183 °C. Auch unter den bleifreien Loten gibt es eutektische Zusammensetzungen.

Warum ist das praktisch wichtig? Eine eutektische Legierung erstarrt schlagartig. Eine Legierung mit Schmelzbereich durchläuft beim Abkühlen eine teigige Phase – wenn man die Lötstelle in diesem Moment bewegt, entsteht eine gestörte, oft kalte Lötstelle. Das Verständnis dieses Erstarrungsverhaltens erklärt, warum man eine Lötstelle nach dem Lötvorgang ruhig abkühlen lassen muss.

Das Flussmittel ist genauso wichtig wie das Lot. Jede Metalloberfläche überzieht sich an der Luft mit einer dünnen Oxidschicht. Flüssiges Lot perlt von dieser Oxidschicht ab, statt zu haften. Das Flussmittel löst die Oxide chemisch, hält die Oberfläche während des Lötens metallisch blank und ermöglicht so erst, dass das Lot haftet. In der Elektronik wird oft Kolophonium (ein Harz) oder ein no-clean-Flussmittel verwendet, dessen Rückstände nicht entfernt werden müssen.

Das Benetzen ist das eigentliche Ziel: Das flüssige Lot soll sich flach über die Oberfläche ausbreiten und mit dem Grundmetall eine dünne Verbindungsschicht bilden. Eine gut benetzte Stelle zeigt einen flachen, auslaufenden Lotrand. Perlt das Lot dagegen zu einer Kugel zusammen, ist die Benetzung schlecht – ein Zeichen für fehlendes Flussmittel oder eine verschmutzte Oberfläche. Wie gut sich eine Oberfläche löten lässt, beschreibt der Begriff Lötbarkeit.

Praktisch kommt beides oft kombiniert: Das Lötzinn hat eine Flussmittelseele – einen dünnen Kanal aus Flussmittel im Inneren des Drahts. Beim Schmelzen tritt das Flussmittel automatisch aus.

Eine gute und eine schlechte Benetzung lassen sich am Querschnitt des Lottropfens an der Oberfläche zeigen. Links breitet sich das Lot flach aus und benetzt, rechts zieht es sich zur Kugel zusammen.

Gute Benetzung Grundmetall Lot kleiner Winkel Schlechte Benetzung Grundmetall Lot großer Winkel
Je flacher das Lot ausläuft (kleiner Randwinkel), desto besser die Benetzung. Zieht es sich zur Kugel zusammen (großer Winkel), haftet es schlecht.

Eine eutektische Lotlegierung wie Sn63Pb37 unterscheidet sich von einer Legierung mit Schmelzbereich vor allem dadurch, dass sie

  • a) bei einer festen Temperatur direkt von fest auf flüssig wechselt
  • b) kein Flussmittel benötigt
  • c) bei niedrigerer Temperatur als jede andere Legierung schmilzt
  • d) nicht für Elektronik geeignet ist

Richtig: a)

Eutektisch heißt: ein fester Schmelzpunkt, kein breiiger Übergangsbereich. Das ist der Kern der Definition. b ist falsch, Flussmittel wird unabhängig von der Legierung gebraucht. c ist falsch, ein eutektischer Punkt ist nicht automatisch die niedrigste mögliche Temperatur. d ist falsch, gerade eutektische Lote sind in der Elektronik bewährt.

Warum darf eine frisch gelötete Stelle während des Abkühlens nicht bewegt werden?

  • a) Sonst verdampft das Flussmittel zu schnell
  • b) Sonst oxidiert das Lot sofort
  • c) Bei einer Legierung mit Schmelzbereich kann in der teigigen Phase eine gestörte, kalte Lötstelle entstehen
  • d) Sonst kühlt die Stelle zu langsam ab

Richtig: c)

In der teigigen Übergangsphase ist das Lot noch nicht fest. Bewegung in diesem Moment stört die Kristallbildung und führt zur kalten Lötstelle. a und b beschreiben keinen relevanten Zusammenhang mit der Bewegung. d ist sachlich falsch – Bewegung beeinflusst nicht die Abkühlgeschwindigkeit in dieser Weise.

Welche Aufgabe hat das Flussmittel beim Löten?

  • a) Es senkt den Schmelzpunkt des Lots
  • b) Es ersetzt das Lot bei kleinen Verbindungen
  • c) Es löst die Oxidschicht und hält die Oberfläche metallisch blank
  • d) Es erhöht die mechanische Festigkeit der Lötstelle

Richtig: c)

Flussmittel reinigt chemisch und entfernt die Oxide, damit das Lot benetzen kann. a ist falsch, das Flussmittel verändert den Schmelzpunkt nicht nennenswert. b ist falsch, Flussmittel ist kein Verbindungsmetall. d ist falsch, die Festigkeit kommt vom Lot.

3. Werkzeug, Temperatur und Arbeitsschutz

Das wichtigste Werkzeug ist der Lötkolben, in der Praxis meist als geregelte Lötstation. Eine Lötstation hält die eingestellte Temperatur konstant, weil sie ständig nachheizt, wenn die Spitze beim Kontakt mit der Lötstelle Wärme abgibt. Genau das ist der Vorteil gegenüber einem ungeregelten Kolben: gleichmäßige Temperatur, unabhängig davon, wie viel Wärme die Lötstelle gerade abzieht.

Die Lötspitze überträgt die Wärme. Entscheidend ist die Kontaktfläche zwischen Spitze und Lötstelle – je größer und sauberer der Kontakt, desto schneller fließt Wärme. Deshalb wird die Spitze regelmäßig verzinnt: Eine dünne Lotschicht verbessert den Wärmeübergang und schützt vor Oxidation. Eine oxidierte, schwarze Spitze überträgt kaum noch Wärme. Spitzenformen gibt es viele – von der feinen Bleistiftspitze für kleine Lötstellen bis zur Meißelform für größere Flächen.

Die Arbeitstemperatur richtet sich nach dem Lot. Bleifreie Lote brauchen etwas höhere Temperaturen als die früher üblichen verbleiten. Die Regel lautet: so heiß wie nötig, so kurz wie möglich. Zu niedrige Temperatur führt zur kalten Lötstelle, zu lange Hitze schlägt Bauteil und Leiterplatte.

Wer an elektronischen Baugruppen arbeitet, beachtet außerdem den ESD-Schutz – elektrostatische Entladungen können empfindliche Bauteile zerstören, deshalb arbeitet man an geerdeten Arbeitsplätzen.

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist der Gesundheitsschutz. Beim Löten entstehen Dämpfe – vor allem aus dem verdampfenden Flussmittel, etwa dem Kolophonium. Diese Lötrauche reizen die Atemwege und können bei dauerhafter Belastung gesundheitsschädlich sein. In der Werkstattpraxis gehört deshalb eine Lötrauchabsaugung zum Standard: ein kleines Absauggerät mit Filter, das die Dämpfe direkt an der Lötstelle abzieht, bevor sie eingeatmet werden. In Österreich sind Arbeitgeber über das Arbeitnehmerschutzgesetz und die Grenzwerteverordnung verpflichtet, die Belastung durch solche Stoffe gering zu halten. Bei gelegentlichem Löten reicht oft eine gute Lüftung, bei regelmäßiger Arbeit ist eine Absaugung an der Quelle die richtige Lösung.

Warum ist eine geregelte Lötstation einem einfachen, ungeregelten Lötkolben überlegen?

  • a) Sie verbraucht weniger Strom
  • b) Sie hält die Temperatur konstant, indem sie bei Wärmeabgabe nachheizt
  • c) Sie benötigt kein Flussmittel
  • d) Sie funktioniert auch ohne Lötspitze

Richtig: b)

Beim Kontakt mit der Lötstelle zieht diese Wärme aus der Spitze. Die geregelte Station heizt sofort nach und hält so die Solltemperatur. a ist kein primärer Vorteil. c und d sind unsinnig.

Eine Lötspitze überträgt plötzlich kaum noch Wärme auf die Lötstelle. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Die Spitze ist oxidiert und nicht mehr verzinnt
  • b) Das Lot ist eutektisch
  • c) Die Arbeitstemperatur ist zu niedrig eingestellt
  • d) Die Leiterplatte ist bleifrei

Richtig: a)

Eine oxidierte, nicht verzinnte Spitze hat einen schlechten Wärmeübergang. Verzinnen stellt den Kontakt wieder her. b hat mit der Wärmeübertragung der Spitze nichts zu tun. c würde die ganze Lötstelle betreffen, nicht den plötzlichen Wärmeübergang der Spitze. d ist irrelevant für die Spitze.

Welche Maßnahme schützt in der Werkstattpraxis am wirksamsten vor gesundheitsschädlichem Lötrauch?

  • a) Die Lötzeit verlängern, damit weniger Rauch auf einmal entsteht
  • b) Bleifreies Lot verwenden
  • c) Die Lötspitze häufiger reinigen
  • d) Eine Absaugung mit Filter direkt an der Lötstelle

Richtig: d)

Der Rauch entsteht vor allem aus dem Flussmittel und wird am wirksamsten direkt an der Quelle abgesaugt, bevor er die Atemluft erreicht. a verschärft die Belastung. b ändert nichts am Flussmittelrauch. c betrifft die Lötqualität, nicht den Rauch.

4. Die Lötstelle herstellen und beurteilen

Eine saubere Lötstelle entsteht in einer festen Reihenfolge. Zuerst wird die Lötstelle erhitzt – die Spitze berührt gleichzeitig Bauteilanschluss und Leiterbahn, damit beide warm werden. Dann wird das Lot zugeführt, und zwar an die erhitzte Stelle, nicht an die Spitze. Das Lot schmilzt, das Flussmittel tritt aus, und das Lot fließt in den Spalt. Anschließend wird zuerst das Lot, dann die Spitze entfernt, und die Stelle kühlt ohne Bewegung ab.

Eine gute Lötstelle erkennt man am Aussehen: Sie zeigt eine glatte, gleichmäßige Oberfläche und eine konkave, also nach innen gewölbte Form, bei der das Lot sauber an Anschluss und Pad ausläuft. Bleifreie Lötstellen wirken oft etwas matter als die früher glänzenden verbleiten – das ist normal und kein Fehler.

Typische Fehlerbilder:

Fehler Erscheinung Ursache
Kalte Lötstelle Matt, rissig, kugelig, schlecht ausgelaufen Zu wenig Wärme oder Bewegung beim Abkühlen
Lötbrücke Lot verbindet zwei benachbarte Stellen Zu viel Lot, Spitze schleppt Lot mit
Zu wenig Lot Anschluss nicht vollständig umschlossen Lot zu früh weggenommen
Zu viel Lot Dicke Lotkugel, Form nicht erkennbar Zu lange Lot zugeführt

Die kalte Lötstelle ist der häufigste und tückischste Fehler. Sie sieht oft fast fertig aus, hat aber keine echte metallische Verbindung. Elektrisch ist sie unzuverlässig: Sie funktioniert mal, mal nicht, und verursacht schwer auffindbare Fehler.

Soll eine Lötstelle wieder geöffnet werden, kommt das Entlöten zum Einsatz. Mit Entlötlitze – einem feinen Kupfergeflecht – wird das geschmolzen Lot durch Kapillarwirkung aufgesaugt. Für größere Lotmengen nutzt man eine Entlötpumpe, die das flüssige Lot absaugt.

Gute Lötstelle Leiterbahn / Pad Anschluss konkav, glatt Kalte Lötstelle Leiterbahn / Pad kugelig, Spalt

Eine Lötstelle wirkt matt, kugelig und schlecht ausgelaufen. Welcher Fehler liegt am wahrscheinlichsten vor?

  • a) Eine Lötbrücke
  • b) Eine kalte Lötstelle
  • c) Zu viel Lot
  • d) Ein ESD-Schaden

Richtig: b)

Matte, kugelige, schlecht ausgelaufene Form ist das klassische Bild der kalten Lötstelle, verursacht durch zu wenig Wärme oder Bewegung beim Abkühlen. a verbindet zwei Stellen, das ist hier nicht beschrieben. c zeigt eine dicke, aber meist glatte Lotkugel ohne den Benetzungsmangel. d ist ein Bauteilschaden, kein Lötstellenbild.

In welcher Reihenfolge wird eine Lötstelle korrekt hergestellt?

  • a) Lot an die Spitze geben, dann die Stelle berühren
  • b) Lot und Spitze gleichzeitig an die kalte Stelle führen
  • c) Stelle erhitzen, Lot an die heiße Stelle führen, ohne Bewegung abkühlen lassen
  • d) Erst Lot auftragen, dann mit der Spitze erhitzen

Richtig: c)

Die Stelle muss zuerst heiß sein, damit das zugeführte Lot durch die Wärme der Stelle fließt und benetzt. a führt zum Lottropfen an der Spitze ohne echte Verbindung. b und d erzeugen typischerweise kalte Lötstellen.

Wmit lässt sich überschüssiges Lot von einem Pad mit Kapillarwirkung entfernen?

  • a) Mit der Entlötpumpe
  • b) Mit zusätzlichem Flussmittel allein
  • c) Durch stärkeres Erhitzen der Spitze
  • d) Mit Entlötlitze

Richtig: d)

Entlötlitze ist ein Kupfergeflecht, das geschmolzenes Lot durch Kapillarwirkung aufsaugt. Die Entlötpumpe saugt das Lot mechanisch ab, nutzt aber keine Kapillarwirkung. b entfernt kein Lot. c allein entfernt das Lot nicht.

5. Durchsteckmontage und Oberflächenmontage

Bauteile werden auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten auf die Leiterplatte gelötet.

Bei der Durchsteckmontage – kurz THT für Through-Hole Technology – haben die Bauteile Drahtanschlüsse, die durch Bohrungen in der Leiterplatte gesteckt und auf der Rückseite verlötet werden. THT-Bauteile sitzen mechanisch fest und sind gut von Hand zu löten. Man findet sie bei größeren Bauteilen, Steckverbindern und überall dort, wo mechanische Belastung auftritt.

Bei der Oberflächenmontage – SMD für Surface Mounted Device – werden die Bauteile direkt auf Lötflächen der Platinenoberfläche gesetzt, ohne Bohrung. SMD-Bauteile sind klein, oft winzig, und erlauben dichte Bestückung. Sie sind heute der Standard in der Serienfertigung.

Beim Löten unterscheiden sich die Welten deutlich. THT und kleinere SMD-Bauteile lassen sich von Hand mit dem Lötkolben löten. In der industriellen Serienfertigung kommen automatisierte Verfahren zum Einsatz: Beim Reflowlöten wird zuerst Lötpaste – eine Mischung aus Lotpulver und Flussmittel – über eine Schablone auf die Pads aufgebracht, die Bauteile werden aufgesetzt, und die ganze Platine durchläuft einen Ofen, in dem die Paste aufschmilzt und alle Lötstellen gleichzeitig entstehen. Beim Wellenlöten läuft die Platine über eine Welle aus flüssigem Lot. Diese Welle entsteht, indem eine mechanische Pumpe das flüssige Lot kontinuierlich durch eine Düse drückt, sodass sich eine stehende Lotwelle aufbaut, die die Unterseite der vorbeilaufenden Platine berührt und die durchgesteckten Anschlüsse benetzt – ein Verfahren vor allem für THT-Bauteile in Serie.

Für die Werkstatt- und Reparaturpraxis zählt vor allem das Handlöten: THT-Bauteile sind unkompliziert, größere SMD-Bauteile gut machbar, sehr feine SMD-Bauteile verlangen Übung, feine Spitze und ruhige Hand.

Was ist das wesentliche Merkmal der SMD-Technik gegenüber THT?

  • a) SMD-Bauteile werden durch Bohrungen gesteckt
  • b) SMD-Bauteile sind immer größer als THT-Bauteile
  • c) SMD-Bauteile werden direkt auf Lötflächen der Oberfläche gesetzt, ohne Bohrung
  • d) SMD-Bauteile lassen sich grundsätzlich nicht von Hand löten

Richtig: c)

SMD sitzt ohne Bohrung direkt auf der Oberfläche – das ist die Definition. a beschreibt THT. b ist das Gegenteil, SMD is typischerweise kleiner. d ist falsch, größere SMD lassen sich gut von Hand löten.

Bei welchem Verfahren wird Lötpaste über eine Schablone aufgebracht und die Lötstellen in einem Ofen gleichzeitig erzeugt?

  • a) Wellenlöten
  • b) Handlöten
  • c) Entlöten
  • d) Reflowlöten

Richtig: d)

Reflowlöten arbeitet mit Lötpaste und einem Ofen, in dem alle Stellen gleichzeitig aufschmelzen. Wellenlöten nutzt eine Lotwelle, vor allem für THT. b und c passen nicht zur Beschreibung.

Warum werden in einem Netzteil große, mechanisch belastete Bauteile häufig in THT statt SMD ausgeführt?

  • a) Weil die Drahtanschlüsse durch die Bohrung mechanisch fest sitzen
  • b) Weil THT-Bauteile billiger sind
  • c) Weil SMD keinen Strom leiten kann
  • d) Weil THT-Bauteile nicht gelötet werden müssen

Richtig: a)

Die durch die Bohrung gesteckten und verlöteten Drahtanschlüsse halten mechanisch besser als auf der Oberfläche aufgesetzte SMD-Pads. b ist nicht der maßgebliche Grund. c ist falsch. d ist unsinnig.

Abschlusstest

Welche Aussage zum Elektroniklöten ist korrekt?

  • a) Beim Löten schmilzt der Grundwerkstoff mit
  • b) Löten ist immer eine lösbare Verbindung
  • c) Elektroniklöten ist ein Weichlötverfahren mit Lotschmelztemperatur unter etwa 450 °C
  • d) Beim Löten wird kein Flussmittel benötigt

Richtig: c)

Elektroniklöten ist Weichlöten, das Lot schmilzt unter rund 450 °C, in der Elektronik meist deutlich darunter. a beschreibt Schweißen. b ist falsch, Löten ist eine unlösbare Verbindung. d ist falsch.

Eine eutektische Lotlegierung

  • a) hat einen besonders breiten Schmelzbereich
  • b) hat einen festen Schmelzpunkt ohne breiige Übergangsphase
  • c) benötigt kein Werkzeug zum Verarbeiten
  • d) ist für Handlöten ungeeignet

Richtig: b)

Eutektisch bedeutet: ein definierter Schmelzpunkt, kein Schmelzbereich. a ist das Gegenteil. c und d sind sachlich falsch.

Eine Lötstelle wurde während des Abkühlens versehentlich bewegt und ist nun matt und rissig. Wie nennt man diesen Fehler?

  • a) Lötbrücke
  • b) Überlötung
  • c) Kalte Lötstelle
  • d) Benetzungsfehler durch Flussmittelmangel

Richtig: c)

Bewegung in der teigigen Erstarrungsphase erzeugt die kalte Lötstelle mit matter, rissiger Oberfläche. a verbindet zwei Stellen. b ist kein Fehlerbild dieser Beschreibung. d hat eine andere Ursache, nämlich fehlendes Flussmittel.

Welche Funktion erfüllt das Flussmittel?

  • a) Es erhöht die Schmelztemperatur des Lots
  • b) Es löst Oxide und ermöglicht die Benetzung
  • c) Es ersetzt das Lot
  • d) Es kühlt die Lötstelle

Richtig: b)

Flussmittel reinigt die Oberfläche chemisch und macht die Benetzung möglich. Die anderen Antworten sind sachlich falsch.

Warum ist eine geregelte Lötstation beim Elektroniklöten von Vorteil?

  • a) Sie hält die Temperatur konstant und gleicht Wärmeabgabe durch Nachheizen aus
  • b) Sie braucht keine Lötspitze
  • c) Sie macht Flussmittel überflüssig
  • d) Sie verhindert ESD-Schäden

Richtig: a)

Die Regelung gleicht den Wärmeentzug an der Lötstelle aus und hält die Temperatur stabil. b, c und d treffen nicht zu.

Welche Maßnahme ist beim regelmäßigen Löten gegen gesundheitsschädliche Dämpfe vorgeschrieben bzw. erforderlich?

  • a) Längere Lötzeiten
  • b) Ausschließlich verbleites Lot
  • c) Verzicht auf Flussmittel
  • d) Absaugung des Lötrauchs an der Quelle

Richtig: d)

Lötrauch aus dem Flussmittel wird am wirksamsten direkt an der Entstehungsstelle abgesaugt. a erhöht die Belastung. b ist gesundheitlich keine Verbesserung und zudem in der Elektronik nicht üblich. c ist nicht praktikabel.

Eine frisch gelötete Stelle benetzt schlecht und das Lot zieht sich zur Kugel zusammen. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Zu viel Flussmittel
  • b) Fehlendes Flussmittel oder verschmutzte, oxidierte Oberfläche
  • c) Zu niedriger elektrischer Widerstand
  • d) Eutektisches Lot

Richtig: b)

Schlechte Benetzung mit Kugelbildung deutet auf Oxide oder fehlendes Flussmittel hin. a wäre eher unkritisch. c ist irrelevant für die Benetzung. d hat mit dem Benetzungsverhalten nichts zu tun.

Worin unterscheidet sich Reflowlöten vom Wellenlöten?

  • a) Reflowlöten ist ein Handverfahren
  • b) Wellenlöten arbeitet ohne Lot
  • c) Reflowlöten nutzt Lötpaste und einen Ofen, Wellenlöten eine Welle aus flüssigem Lot
  • d) Beide Verfahren sind identisch

Richtig: c)

Reflow arbeitet mit Lötpaste und Ofen, Wellenlöten führt die Platine über eine Lotwelle. a ist falsch, beide sind Serienverfahren. b und d sind falsch.

Warum sitzen mechanisch belastete Bauteile oft in THT?

  • a) Weil sie dann nicht gelötet werden müssen
  • b) Weil die durch die Bohrung gesteckten Anschlüsse mechanisch fest halten
  • c) Weil THT-Bauteile nicht leiten
  • d) Weil SMD teurer ist

Richtig: b)

Die durchgesteckten und verlöteten Anschlüsse geben mechanischen Halt. Die übrigen Antworten treffen nicht zu.

Warum sollte beim Löten die Kontaktzeit der Spitze möglichst kurz gehalten werden?

  • a) Um Bauteile und Leiterplatte vor Hitzeschäden zu schützen
  • b) Damit das Flussmittel nicht ausläuft
  • c) Damit das Lot eutektisch wird
  • d) Um die Spitze zu schonen

Richtig: a)

Zu lange Hitze schädigt wärmeempfindliche Bauteile und kann die Leiterplatte beschädigen. b ist kein maßgeblicher Grund. c ist unsinnig, die Legierung ändert sich nicht durch die Zeit. d ist nebensächlich gegenüber dem Bauteilschutz.

Welches Werkzeug saugt geschmolzenes Lot mechanisch ab?

  • a) Entlötlitze
  • b) Lötschablone
  • c) Reflowofen
  • d) Entlötpumpe

Richtig: d)

Die Entlötpumpe saugt flüssiges Lot mechanisch ab. Die Entlötlitze nutzt Kapillarwirkung. b und c gehören zum Auftrag bzw. zur Serienfertigung.

Welche Aussage zu bleifreien Lötstellen ist richtig?

  • a) Sie müssen immer hochglänzend sein, sonst sind sie fehlerhaft
  • b) Sie benötigen kein Flussmittel
  • c) Sie schmelzen niedriger als verbleite Lote
  • d) Sie dürfen matter wirken als verbleite, ohne deshalb fehlerhaft zu sein

Richtig: d)

Bleifreie Lötstellen sind oft matter, das ist normal. a ist deshalb falsch. b ist falsch. c ist falsch, bleifreie Lote schmelzen tendenziell höher.

Glossar

Lot
Metalllegierung, die beim Löten geschmolzen wird und die Verbindung herstellt; der Grundwerkstoff selbst schmilzt nicht.
Weichlöten
Lötverfahren mit Loten, die unter etwa 450 °C schmelzen; in der Elektronik das übliche Verfahren.
Eutektische Legierung
Legierung mit einem festen Schmelzpunkt, die ohne breiige Übergangsphase direkt von fest auf flüssig wechselt.
Schmelzbereich
Temperaturspanne, über die eine nicht-eutektische Legierung vom festen in den flüssigen Zustand übergeht und dabei eine teigige Phase durchläuft.
Flussmittel
Stoff, der die Oxidschicht auf den Metalloberflächen löst und so die Benetzung durch das Lot ermöglicht; in der Elektronik oft Kolophonium.
Benetzung
Ausbreiten des flüssigen Lots auf der Metalloberfläche unter Bildung einer dünnen Verbindungsschicht; Maß für die Güte einer Lötstelle.
Lötbarkeit
Eigenschaft einer Oberfläche, sich gut benetzen und löten zu lassen.
Kalte Lötstelle
Fehlerhafte Lötstelle mit matter, rissiger Oberfläche und ohne echte metallische Verbindung; entsteht durch zu wenig Wärme oder Bewegung beim Abkühlen.
Lötrauchabsaugung
Absauggerät mit Filter, das die beim Löten entstehenden Dämpfe direkt an der Quelle abzieht.
THT
Durchsteckmontage; Bauteile mit Drahtanschlüssen werden durch Bohrungen gesteckt und verlötet.
SMD
Oberflächenmontage; Bauteile werden ohne Bohrung direkt auf Lötflächen der Platinenoberfläche gesetzt.
Reflowlöten
Serienlötverfahren, bei dem Lötpaste über eine Schablone aufgebracht und die Lötstellen in einem Ofen gleichzeitig erzeugt werden.
Wellenlöten
Serienlötverfahren, bei dem die Leiterplatte über eine Welle aus flüssigem Lot geführt wird; vor allem für THT-Bauteile.
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