Nieten und Durchsetzfügen

Bleche und Profile lassen sich auf viele Arten verbinden. Schrauben, Schweißen, Kleben – jedes Verfahren hat seinen Platz. Doch was tut man, wenn keine Wärme ins Bauteil darf, wenn beschichtete Bleche verbunden werden sollen oder wenn Aluminium auf Stahl trifft? Hier kommen zwei Verfahren ins Spiel, die ohne Hitze und ohne Schmelzen auskommen: Nieten und Durchsetzfügen. Beide verbinden Werkstücke durch reines Umformen – das eine mit einem zusätzlichen Verbindungselement, das andere ganz ohne.

Dieser Beitrag zeigt, wie die beiden Verfahren funktionieren, wie man eine Nietverbindung rechnerisch auslegt und wann welches Verfahren die richtige Wahl ist.

Vorwissen

  • Lösbare und unlösbare Verbindungen
  • Beanspruchungsarten: Zug, Druck, Biegung, Schub, Torsion
  • Werkstoffeigenschaften: Festigkeit, Härte, Zähigkeit

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Nieten und Durchsetzfügen als umformende, unlösbare Fügeverfahren einordnen und gegen Schrauben, Schweißen und Kleben abgrenzen
  • die wichtigsten Nietarten und ihren Aufbau benennen
  • eine einfache Nietverbindung auf Abscherung und Lochleibungsdruck auslegen und die erforderliche Nietanzahl bestimmen
  • das Prinzip des Durchsetzfügens erklären und seine verfahrenstechnischen Grenzen einschätzen
  • für einen konkreten Anwendungsfall das passende Fügeverfahren auswählen

1. Was Nieten und Durchsetzfügen gemeinsam haben

Verbindungen lassen sich grundsätzlich in zwei Gruppen teilen: lösbare und unlösbare. Eine Schraube kann man wieder herausdrehen, eine Schweißnaht nur zerstörend trennen. Nieten und Durchsetzfügen gehören zur zweiten Gruppe – sie erzeugen unlösbare Verbindungen, die sich nur durch Aufbohren oder Abschleifen wieder trennen lassen.

Das Besondere: Beide Verfahren verbinden die Bauteile durch Umformen. Es wird also kein Werkstoff geschmolzen und kein Klebstoff ausgehärtet, sondern Material kalt verformt, bis ein form- und kraftschlüssiger Verschluss entsteht. Formschlüssig heißt, die Bauteile greifen geometrisch ineinander; kraftschlüssig heißt, sie werden durch Druck zusammengehalten. Bei Niet- und Clinchverbindungen wirken meist beide Effekte zusammen.

Warum nicht einfach schrauben oder schweißen? Schraubverbindungen sind lösbar und brauchen Platz für Kopf und Mutter – das ist ein eigenes Thema. Schweißen bringt Wärme ein, die dünne oder beschichtete Bleche verzieht und die Beschichtung zerstört. Kleben braucht saubere Flächen und Aushärtezeit. Genau dort, wo diese Nachteile stören, spielen die umformenden Verfahren ihre Stärke aus: kein Wärmeeinfluss, beschichtete Bleche bleiben intakt, und auch unterschiedliche Werkstoffe lassen sich kombinieren.

Warum zählt eine Nietverbindung zu den unlösbaren Verbindungen?

  • a) Weil sie ausschließlich bei tragenden Bauteilen verwendet wird
  • b) Weil der Niet aus demselben Werkstoff wie die Bleche bestehen muss
  • c) Weil sie höhere Kräfte überträgt als eine Schraubverbindung
  • d) Weil sich der Niet nur durch Aufbohren oder Abschleifen wieder entfernen lässt

Richtig: d)

Erklärung: Unlösbar bedeutet, dass die Verbindung nicht zerstörungsfrei getrennt werden kann. Der Niet muss aufgebohrt oder abgeschliffen werden (d). Die Verwendung an tragenden Bauteilen (a) sagt nichts über die Lösbarkeit aus. Niet und Blech bestehen häufig aus unterschiedlichen Werkstoffen (b). Die übertragbare Kraft (c) ist kein Kriterium für die Lösbarkeit.

Worin unterscheidet sich das Durchsetzfügen grundsätzlich von einer Nietverbindung?

  • a) Durchsetzfügen benötigt kein zusätzliches Verbindungselement
  • b) Durchsetzfügen ist immer lösbar, Nieten nicht
  • c) Durchsetzfügen funktioniert nur bei Kunststoffen
  • d) Durchsetzfügen erzeugt eine Schmelzverbindung

Richtig: a)

Erklärung: Beim Durchsetzfügen werden die Bleche selbst ineinander verformt – es ist kein Niet, keine Schraube und kein Zusatzwerkstoff nötig (a). Beide Verfahren sind unlösbar (b falsch). Durchsetzfügen wird vor allem für Metallbleche eingesetzt (c falsch). Es entsteht keine Schmelze, sondern eine reine Kaltumformung (d falsch).

Welcher Vorteil spricht bei einem beschichteten, dünnen Stahlblech gegen das Schweißen und für ein umformendes Fügeverfahren?

  • a) Umformen ist grundsätzlich billiger als jede andere Verbindung
  • b) Schweißen ist bei Stahl technisch nicht möglich
  • c) Der fehlende Wärmeeinfluss schont Beschichtung und verhindert Verzug
  • d) Umformende Verfahren halten higher Kräfte als jede Schweißnaht

Richtig: c)

Erklärung: Schweißwärme zerstört Beschichtungen und verzieht dünne Bleche – umformende Verfahren arbeiten kalt und vermeiden beides (c). Pauschale Kostenaussagen (a) und Festigkeitsaussagen (d) sind so nicht haltbar. Stahl lässt sich selbstverständlich schweißen (b falsch).

2. Nietverbindungen – Arten und Aufbau

Ein Niet ist im Kern ein metallischer Bolzen, der zwei Bauteile durch eine gemeinsame Bohrung verbindet. Auf der einen Seite sitzt von vornherein der Setzkopf, auf der anderen Seite wird beim Setzen der Schließkopf gebildet. Dazwischen liegt der Nietschaft, und die Dicke des zu verbindenden Materials nennt man Klemmlänge.

Nach Bauform unterscheidet man mehrere Grundtypen:

  • Vollniet – ein durchgehend massiver Bolzen. Der Schließkopf entsteht durch Stauchen des überstehenden Schaftendes. Klassisch im Stahl- und Behälterbau.
  • Halbhohlniet – am Schaftende ausgehöhlt, lässt sich mit weniger Kraft umformen.
  • Hohlniet – durchgehend rohrförmig, für geringe Belastungen, etwa bei Leder, Textil oder dünnen Blechen.

Im praktischen Alltag, vor allem in Montage und Instandhaltung, dominiert jedoch ein anderer Typ: der Blindniet (umgangssprachlich Pop-Niet). Er besteht aus einer Niethülse und einem durchgesteckten Nietdorn. Sein großer Vorteil: Er lässt sich von nur einer Seite setzen. Man braucht also keinen Zugang zur Rückseite des Bauteils – daher der Name „blind“.

Ein eigen Typ ist die Einnietmutter (Blindnietmutter): eine Hülse mit Innengewinde, die wie ein Blindniet gesetzt wird und anschließend ein tragfähiges Gewinde in dünnem Blech bereitstellt. So lässt sich später eine Schraube eindrehen, obwohl das Blech selbst zu dünn für ein eigenes Gewinde wäre.

Als Werkstoffe kommen Stahl, Edelstahl, Aluminium und Kupfer zum Einsatz. Wichtig ist die Werkstoffpaarung: Setzt man einen Stahlniet in ein Aluminiumblech und kommt Feuchtigkeit hinzu, droht Kontaktkorrosion. In solchen Fällen wählt man Niet und Blech aus verträglichen Werkstoffen oder einen Niet aus Aluminium.

Der folgende Querschnitt zeigt einen Blindniet vor und nach dem Setzen.

Vor dem Setzen Nach dem Setzen Setzkopf Nietdorn Schließkopf Dorn abgerissen Dorn wird durch die Hülse gezogen … … staucht das Schaftende zum Schließkopf

Welcher Teil eines Niets entsteht erst während des Setzvorgangs?

  • a) Der Schließkopf
  • b) Der Setzkopf
  • c) Der Nietschaft
  • d) Die Klemmlänge

Richtig: a)

Erklärung: Der Setzkopf (b) ist von Anfang an vorhanden, der Schaft (c) ebenfalls. Die Klemmlänge (d) ist die Materialdicke, kein Bauteil des Niets. Erst beim Setzen wird das überstehende Schaftende zum Schließkopf umgeformt (a).

Warum lässt sich ein Blindniet auch dort einsetzen, wo die Rückseite des Bauteils nicht zugänglich ist?

  • a) Weil er aus besonders weichem Material besteht
  • b) Weil er ohne Bohrung gesetzt wird
  • c) Weil er beidseitig einen Setzkopf besitzt
  • d) Weil der Schließkopf durch den von vorne gezogenen Dorn gebildet wird

Richtig: d)

Erklärung: Beim Blindniet zieht das Setzgerät den Dorn von der zugänglichen Seite, wodurch sich das Hülsenende auf der Rückseite zum Schließkopf staucht (d). Das Material (a) ist nicht der Grund. Eine Bohrung ist nötig (b falsch). Einen zweiten Setzkopf gibt es nicht (c falsch).

Wozu dient eine Einnietmutter?

  • a) Sie verschließt eine Bohrung dauerhaft
  • b) Sie stellt ein tragfähiges Gewinde in dünnem Blech bereit
  • c) Sie ersetzt eine Schweißnaht bei dicken Profilen
  • d) Sie dichtet eine Nietverbindung gegen Flüssigkeiten ab

Richtig: b)

Erklärung: Die Einnietmutter wird wie ein Blindniet gesetzt und liefert ein Innengewinde, in das später eine Schraube greift – ideal für dünnes Blech ohne eigenes Gewinde (b). Sie verschließt nicht (a), ersetzt keine Schweißnaht im Schwerlastbereich (c) und ist kein Dichtelement (d).

Ein Stahlniet wird in ein Aluminiumblech gesetzt, das im Freien Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Welches Problem ist zu erwarten?

  • a) Der Niet verliert seine Festigkeit durch Wärme
  • b) Das Aluminium wird magnetisch
  • c) Es droht Kontaktkorrosion durch die Werkstoffpaarung
  • d) Der Schließkopf löst sich von selbst

Richtig: c)

Erklärung: Unterschiedliche Metalle bilden mit Feuchtigkeit ein galvanisches Element – das unedlere Aluminium korrodiert (c). Wärme spielt beim Nieten keine Rolle (a). Aluminium wird nicht magnetisch (b). Der Schließkopf löst sich nicht selbstständig (d).

3. Nieten in der Praxis – Setzen, Lochung und Auslegung

Eine saubere Nietverbindung beginnt mit der richtigen Bohrung. Der Bohrungsdurchmesser wird geringfügig größer gewählt als der Nietdurchmesser, damit sich der Niet leicht einführen lässt, aber nicht zu viel Spiel hat. Zu großes Spiel führt dazu, dass sich die Bleche unter Last erst verschieben, bevor der Niet trägt.

Genauso wichtig ist die Klemmlänge – die Gesamtdicke der zu verbindenden Bleche. Jeder Blindniet ist für einen bestimmten Klemmbereich ausgelegt. Wählt man den Niet zu lang, bildet sich kein sauberer Schließkopf; zu kurz, und der Niet greift gar nicht durch.

Auch die Lage der Bohrungen folgt Regeln. Der Randabstand (Abstand vom Lochmittelpunkt zur Blechkante) und der Lochabstand (Abstand zwischen zwei Nieten) dürfen nicht zu klein sein. Sonst reißt das Blech zur Kante hin aus oder zwischen den Löchern ein. Als Faustwerte gelten ein Randabstand von etwa dem Zwei- bis Dreifachen und ein Lochabstand von etwa dem Drei- bis Vierfachen des Nietdurchmessers.

Den Blindniet setzt man mit einer Nietzange oder einem akkubetriebenen Setzgerät. Der Dorn wird gegriffen und durch die Hülse gezogen. Dabei staucht sich das hintere Hülsenende zum Schließkopf, bis der Dorn an seiner Sollbruchstelle abreißt. Ein kurzes „Knack“ – fertig.

Auslegung auf Abscherung

Steht eine Nietverbindung unter einer Querkraft, wird der Nietschaft auf Abscherung beansprucht. Die wirkende Scherspannung ergibt sich aus der Kraft und der tragenden Querschnittsfläche aller Niete:

tau = F / (n * A)

  • tau … Scherspannung in N/mm²
  • F ….. Querkraft in N
  • n ….. Anzahl der Niete
  • A ….. Querschnittsfläche eines Niets in mm²

Die Querschnittsfläche eines Niets berechnet man aus seinem Durchmesser:

A = (d² * π) / 4

  • A … Querschnittsfläche in mm²
  • d … Nietdurchmesser in mm

Die berechnete Scherspannung muss unter der zulässigen Scherspannung des Nietwerkstoffs bleiben.

Auslegung auf Lochleibungsdruck

Die Abscherung ist aber nur die halbe Wahrheit. In der Praxis versagt eine Nietverbindung häufig gar nicht durch das Abscheren des Niets, sondern durch das Blech: Der Niet drückt mit seiner ganzen Kraft auf die Wand der Bohrung. Wird dieser Druck zu groß, fließt das Blech am Bohrungsrand oder reißt auf. Diese Beanspruchung nennt man Lochleibungsdruck (Lochleibungsspannung).

Maßgeblich ist dabei die projizierte Fläche, auf die der Niet drückt – also Nietdurchmesser mal Blechdicke:

p_L = F / (n * d * t)

  • p_L … Lochleibungsdruck in N/mm²
  • F ….. Querkraft in N
  • n ….. Anzahl der Niete
  • d ….. Nietdurchmesser in mm
  • t ….. Blechdicke in mm

Auch dieser Wert muss unter dem zulässigen Lochleibungsdruck des Blechwerkstoffs liegen. Eine Nietverbindung ist erst dann sicher ausgelegt, wenn beide Nachweise – Abscherung des Niets und Lochleibung im Blech – erfüllt sind. Oft ist die Lochleibung der kritischere Fall, vor allem bei dünnen Blechen.

Erforderliche Nietanzahl

Aus dem Abscher-Nachweis lässt sich umgekehrt bestimmen, wie viele Niete eine Verbindung mindestens braucht. Man stellt die Scherspannungsformel nach der Nietzahl um und setzt die zulässige Spannung ein:

n_erf = F / (A * tau_zul)

  • n_erf … erforderliche Nietanzahl
  • F ……. Querkraft in N
  • A ……. Querschnittsfläche eines Niets in mm²
  • tau_zul . zulässige Scherspannung in N/mm²

Das Ergebnis wird immer auf die nächste ganze Zahl aufgerundet – ein halber Niet existiert nicht.

Gelöstes Beispiel

Eine Blechverbindung überträgt eine Querkraft von 6000 N. Verwendet werden vier Blindniete mit 5 mm Durchmesser, die Bleche sind 2 mm dick. Die zulässige Scherspannung beträgt 140 N/mm². Prüfe, ob die Verbindung auf Abscherung hält, und bestimme den Lochleibungsdruck.

Gegeben: F = 6000 N; n = 4; d = 5 mm; t = 2 mm; tau_zul = 140 N/mm²

Gesucht: vorhandene Scherspannung tau und Lochleibungsdruck p_L in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Querschnittsfläche eines Niets:
    A = (d² · π) / 4 = (5² · π) / 4 = 19,63 mm²
  2. Schritt 2 — vorhandene Scherspannung:
    tau = F / (n · A) = 6000 / (4 · 19,63) = 76,4 N/mm²
    76,4 N/mm² < 140 N/mm² → Abscher-Nachweis erfüllt
  3. Schritt 3 — Lochleibungsdruck:
    p_L = F / (n · d · t) = 6000 / (4 · 5 · 2) = 150 N/mm²

Ergebnis: tau ≈ 76,4 N/mm² (zulässig eingehalten), p_L = 150 N/mm². Ob die Verbindung insgesamt sicher ist, hängt vom zulässigen Lochleibungsdruck des Blechwerkstoffs ab – dieser Wert muss zusätzlich geprüft werden.

Übungen

Berechne die Querschnittsfläche eines Niets mit 4 mm Durchmesser.

A = (4² · π) / 4 = 12,57 mm²

Eine Verbindung mit drei Nieten (d = 6 mm) überträgt 9000 N. Wie groß ist die Scherspannung?

A = (6² · π)/4 = 28,27 mm²; tau = 9000 / (3 · 28,27) = 106,1 N/mm²

Wie hoch ist der Lochleibungsdruck bei F = 5000 N, n = 4, d = 5 mm, t = 1,5 mm?

p_L = 5000 / (4 · 5 · 1,5) = 166,7 N/mm²

Wie viele Niete (d = 5 mm, tau_zul = 140 N/mm²) sind für F = 12000 N mindestens nötig?

A = 19,63 mm²; n_erf = 12000 / (19,63 · 140) = 4,37 → aufrunden auf 5 Niete

Eine Verbindung mit fünf Nieten (d = 4 mm, t = 1,2 mm) überträgt 7000 N bei tau_zul = 160 N/mm². Prüfe Abscherung und Lochleibung und beurteile, welcher Nachweis kritischer ist.

A = 12,57 mm²; tau = 7000 / (5 · 12,57) = 111,4 N/mm² < 160 N/mm² (Abscherung erfüllt). p_L = 7000 / (5 · 4 · 1,2) = 291,7 N/mm² – ein sehr hoher Wert; bei üblichen Blechwerkstoffen ist hier die Lochleibung der kritische, meist überschrittene Nachweis. Abhilfe: größerer Nietdurchmesser oder dickeres Blech.

Eine Nietverbindung mit zwei Nieten (d = 5 mm) überträgt 8000 N. Wie groß ist die Scherspannung näherungsweise?

  • a) etwa 100 N/mm²
  • b) etwa 51 N/mm²
  • c) etwa 204 N/mm²
  • d) etwa 408 N/mm²

Richtig: c)

Erklärung: A = (5²·π)/4 = 19,63 mm². tau = 8000 / (2 · 19,63) = 203,8 N/mm² (c). Wert (a) entspräche vier Nieten, (b) der Hälfte, (d) der doppelten Spannung – jeweils falsche Nietzahl angesetzt.

Warum reicht der Nachweis der Abscherung allein für eine sichere Nietauslegung nicht aus?

  • a) Weil der Niet sich sonst lösen könnte
  • b) Weil die Scherspannung temperaturabhängig ist
  • c) Weil die Klemmlänge sonst nicht stimmt
  • d) Weil das Blech am Bohrungsrand durch Lochleibungsdruck versagen kann

Richtig: d)

Erklärung: Selbst wenn der Niet die Scherspannung aushält, kann das Blech am Bohrungsrand fließen oder ausreißen – deshalb ist der Lochleibungsnachweis unverzichtbar (d). Ein gesetzter Niet löst sich nicht (a). Temperatur (b) und Klemmlänge (c) sind hier nicht der Punkt.

Eine Verbindung soll F = 10000 N übertragen, ein Niet (d = 5 mm) hat A = 19,63 mm², tau_zul = 120 N/mm². Wie viele Niete sind mindestens nötig?

  • a) 5 Niete
  • b) 4 Niete
  • c) 3 Niete
  • d) 6 Niete

Richtig: a)

Erklärung: n_erf = 10000 / (19,63 · 120) = 4,24 → aufrunden auf 5 (a). Auf 4 (b) abzurunden wäre unsicher; 3 (c) deutlich zu wenig; 6 (d) unnötig viele.

Welche Folge hat ein zu kleiner Randabstand der Nietbohrung?

  • a) Der Niet lässt sich nicht setzen
  • b) Das Blech reißt zur Kante hin aus
  • c) Die Scherspannung steigt sprunghaft
  • d) Der Schließkopf wird zu groß

Richtig: b)

Erklärung: Ist der Werkstoff zwischen Bohrung und Kante zu schmal, reißt er unter Last zur Kante aus (b). Setzen bleibt möglich (a). Die Scherspannung im Niet ändert sich dadurch nicht (c), und der Schließkopf hängt nicht vom Randabstand ab (d).

4. Durchsetzfügen (Clinchen)

Beim Durchsetzfügen – auch Clinchen genannt – kommt etwas Erstaunliches zum Tragen: Zwei Bleche werden allein durch Umformen verbunden, ohne Niet, ohne Schraube, ohne Vorlochung und ohne jeden Zusatzwerkstoff.

Das Prinzip: Ein Stempel drückt die übereinanderliegenden Bleche in eine Matrize. Dabei wird der Werkstoff zunächst tief in die Matrize hineingezogen und anschließend seitlich verdrängt. Der Stempel staucht das Material so, dass sich das obere Blech unter das untere „verhakt“ – es entsteht ein hinterschnittener Verschluss, der die Bleche formschlüssig zusammenhält. Man spricht je nach Werkzeugform von runden oder rechteckigen Clinchpunkten.

Weil das gesamte Material kalt verformt wird, bleibt eine vorhandene Beschichtung weitgehend erhalten – ein wesentlicher Vorteil bei verzinkten oder lackierten Blechen. Auch unterschiedliche Werkstoffe wie Aluminium und Stahl lassen sich kombinieren.

Es gibt aber Grenzen. Clinchen eignet sich für duktile, gut umformbare Bleche; spröde oder sehr harte Werkstoffe reißen beim Verformen. Die verbindbaren Blechdicken liegen meist im Bereich weniger Millimeter, und die übertragbaren Kräfte sind geringer als bei einer vergleichbaren Schweiß- oder Schraubverbindung. Entscheidend für die Anwendung ist außerdem: Stempel und Matrize müssen von beiden Seiten an die Fügestelle gelangen. Anders als beim Blindnieten genügt einseitiger Zugang hier nicht.

Der folgende Querschnitt zeigt das Werkzeugprinzip und die fertige Fügestelle.

Werkzeugprinzip Fertige Fügestelle Stempel Matrize Hinterschnitt verhakt die Bleche

Wodurch entsteht beim Durchsetzfügen der Zusammenhalt zwischen den Blechen?

  • a) Durch eine eingebrachte Schmelze
  • b) Durch einen eingesetzten Niet
  • c) Durch eine Klebeschicht zwischen den Blechen
  • d) Durch einen formschlüssigen Hinterschnitt aus verdrängtem Material

Richtig: d)

Erklärung: Der Stempel verdrängt das Material so, dass sich ein hinterschnittener Verschluss bildet, der die Bleche formschlüssig hält (d). Es gibt keine Schmelze (a), keinen Niet (b) und keinen Klebstoff (c).

Welche verfahrenstechnische Grenze unterscheidet das Clinchen vom Blindnieten am deutlichsten?

  • a) Clinchen benötigt Zugang von beiden Seiten
  • b) Clinchen funktioniert nur mit Vorlochung
  • c) Clinchen erfordert ein zusätzliches Verbindungselement
  • d) Clinchen erzeugt eine lösbare Verbindung

Richtig: a)

Erklärung: Stempel und Matrize müssen beidseitig an die Fügestelle – einseitiger Zugang wie beim Blindniet genügt nicht (a). Clinchen braucht keine Vorlochung (b) und kein Verbindungselement (c). Die Verbindung ist unlösbar (d falsch).

Warum eignet sich Durchsetzfügen besonders gut für verzinkte Bleche?

  • a) Weil die Zinkschicht die Umformung verhindert
  • b) Weil Zink die Bleche zusätzlich verklebt
  • c) Weil keine Wärme eingebracht wird und die Beschichtung erhalten bleibt
  • d) Weil verzinkte Bleche besonders spröde sind

Richtig: c)

Erklärung: Die kalte Umformung lässt die Beschichtung weitgehend unversehrt – im Gegensatz zum Schweißen, das die Zinkschicht verbrennt (c). Zink behindert die Umformung nicht (a), verklebt nichts (b), und verzinkte Bleche sind nicht besonders spröde (d).

5. Verfahren auswählen – Vor- und Nachteile

Welches Verfahren das richtige ist, entscheidet der Anwendungsfall. Die folgende Übersicht stellt die umformenden Verfahren den klassischen Alternativen gegenüber. Schrauben, Schweißen, Löten und Kleben sind dabei jeweils eigene Themengebiete – hier geht es nur um die Einordnung.

Kriterium Blindnieten Durchsetzfügen Schweißen Schrauben Kleben
Lösbar nein nein nein ja nein
Wärmeeinfluss keiner keiner hoch keiner keiner
Zusatzwerkstoff Niet keiner meist ja Schraube/Mutter Klebstoff
Beschichtung bleibt erhalten ja ja nein ja ja
Mischverbindung möglich ja ja eingeschränkt ja ja
Zugänglichkeit einseitig zweiseitig meist einseitig meist zweiseitig einseitig
Übertragbare Kraft mittel gering–mittel hoch hoch mittel
Vorbereitung Bohrung keine Fugenvorbereitung Bohrung/Gewinde Flächen reinigen

Drei Auswahlkriterien stechen heraus:

Erstens die Wärmeempfindlichkeit. Sobald Beschichtungen, dünne Bleche oder hitzeempfindliche Bauteile im Spiel sind, scheidet Schweißen aus – Nieten und Clinchen arbeiten kalt.

Zweitens die Werkstoffpaarung. Aluminium auf Stahl lässt sich kaum verschweißen, aber problemlos nieten oder clinchen.

Drittens die Zugänglichkeit. Kommt man nur von einer Seite an die Fügestelle, ist der Blindniet die naheliegende Lösung – er braucht keinen Zugriff auf die Rückseite. Das Durchsetzfügen scheidet in diesem Fall aus, weil Stempel und Matrize zwingend von beiden Seiten an das Bauteil müssen. Genau dieser Unterschied entscheidet in der Praxis oft zwischen den beiden umformenden Verfahren.

Bei einem geschlossenen Vierkantprofil ist nur die Außenseite zugänglich. Welches umformende Fügeverfahren ist hier geeignet?

  • a) Blindnieten
  • b) Durchsetzfügen
  • c) Vollnieten mit Gegenhalter
  • d) Punktschweißen

Richtig: a)

Erklärung: Nur der Blindniet kommt mit einseitigem Zugang aus (a). Durchsetzfügen (b) und Vollnieten mit Gegenhalter (c) brauchen beide Seiten. Punktschweißen (d) ist kein umformendes Verfahren und bringt Wärme ein.

Eine Aluminiumblende soll mit einem verzinkten Stahl

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