Schmelzschweißen: E-Hand, MAG, WIG

Zwei Stahlteile so zu verbinden, dass die Naht so fest ist wie das Material drumherum – das leisten die drei Schmelzschweißverfahren, die in der österreichischen Werkstatt und auf der Baustelle den Ton angeben: E-Hand, MAG und WIG. Alle drei arbeiten mit einem Lichtbogen, der das Material örtlich aufschmilzt. Was sie unterscheidet, ist die Art, wie der Zusatzwerkstoff ins Schweißbad kommt und wie die flüssige Schmelze vor der Luft geschützt wird.

Genau an diesen beiden Punkten – Zusatz und Schutz – kann man die Verfahren auseinanderhalten und für die jeweilige Aufgabe das passende auswählen. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, liest auch eine Schweißanweisung richtig: Steht dort die Zahl 135, weiß man sofort, dass MAG gemeint ist.

Vorwissen

  • Schweißverfahren im Überblick
  • Elektrischer Strom – Definition und Wirkungen
  • Eisen und Stahl – Grundlagen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, wie ein Lichtbogen entsteht und warum die Schmelze vor der Luft geschützt werden muss
  • die drei Verfahren E-Hand (111), MAG (135) und WIG (141) nach Zusatzwerkstoff und Schutzart unterscheiden
  • begründen, warum eine Elektrode am Plus- oder Minuspol verschweißt wird und wann Wechselstrom nötig ist
  • die gängigen Nahtformen und typischen Schweißfehler benennen und einem Verfahren zuordnen
  • die Streckenenergie aus Spannung, Strom und Schweißgeschwindigkeit berechnen
  • für eine konkrete Aufgabe das passende Verfahren auswählen

1. Der Lichtbogen als gemeinsames Prinzip

Jedes der drei Verfahren beginnt mit demselben physikalischen Vorgang. Zwischen einer Elektrode und dem Werkstück fließt ein Strom, der einen Lichtbogen zündet – eine anhaltende elektrische Entladung durch die ionisierte Luft bzw. das Schutzgas im Spalt. Im Kern dieses Lichtbogens herrschen Temperaturen um die 5.000 bis 6.000 °C, weit über dem Schmelzpunkt von Stahl (rund 1.500 °C). Das Material wird dort örtlich flüssig, es entsteht das Schweißbad.

Damit eine tragfähige Verbindung wächst, kommen drei Dinge zusammen: der Grundwerkstoff (die zu verbindenden Teile), der Zusatzwerkstoff (das Material, das die Naht auffüllt) und ein Schutz gegen die Umgebungsluft.

Warum die Schmelze geschützt werden muss

Flüssiger Stahl reagiert gierig mit der Luft. Der Sauerstoff verbrennt Legierungsbestandteile und bildet Oxide, der Stickstoff löst sich in der Schmelze und macht die Naht spröde. Beim Erstarren bleiben außerdem Gasblasen zurück – Poren, die die Naht schwächen. Eine ungeschützte Schweißnaht sieht oft brauchbar aus, hält aber deutlich weniger aus, als sie sollte.

Genau hier unterscheiden sich die drei Verfahren: Sie lösen das Schutzproblem auf drei verschiedene Arten – über eine abbrennende Umhüllung, über ein zugeführtes aktives Gas oder über ein zugeführtes inertes (reaktionsträges) Gas.

Beim Gleichstrom-Lichtbogen verteilt sich die Wärme nicht gleichmäßig auf die beiden Pole. Als Richtwert – sauber gilt er vor allem beim WIG-Verfahren unter Schutzgas – entstehen rund 70 % der Wärme am Pluspol (Anode), etwa 30 % am Minuspol (Kathode). Wo man die größere Hitze braucht, entscheidet also über die Polung.

Beim E-Hand-Schweißen ist dieses Bild nicht so eindeutig: Hier verschiebt die chemische Zusammensetzung der Umhüllung das Verhältnis, weil die verdampfenden Bestandteile den Lichtbogen anders ionisieren. Manche Elektroden müssen deshalb zwingend an einer bestimmten Polung betrieben werden, sonst überhitzen sie oder brennen schlecht ab. Die Faustregel „mehr Wärme am Plus“ ist also ein guter Einstieg, aber kein starres Naturgesetz für jedes Verfahren.

Eine Sonderrolle spielt Aluminium. Es überzieht sich mit einer dünnen, extrem hochschmelzenden Oxidhaut (Schmelzpunkt der Oxidhaut weit über dem des Aluminiums darunter). Diese Haut muss aufgebrochen werden, sonst schwimmt sie als zäher Film im Bad. Das gelingt mit Wechselstrom (AC): In der einen Halbwelle wird die Oxidhaut aufgebrochen, in der anderen fließt die Wärme ins Werkstück. Deshalb wird Aluminium praktisch immer mit Wechselstrom geschweißt.

Die Prozessnummern nach EN ISO 4063

In Österreich werden die Verfahren nicht mit Namen, sondern mit genormten Prozess-Ordnungsnummern bezeichnet. Auf Schweißanweisungen und technischen Zeichnungen steht nicht „MAG“, sondern „135″. Diese drei Nummern begleiten uns durch den ganzen Beitrag:

  • 111 – Lichtbogenhandschweißen (E-Hand)
  • 135 – Metall-Aktivgasschweißen (MAG)
  • 141 – Wolfram-Inertgasschweißen (WIG)

Lichtbogen-Temperatur ≈ 5.000 … 6.000 °C

  • Schmelzpunkt Stahl ≈ 1.500 °C

Warum wird die Schmelze beim Schmelzschweißen vor der Umgebungsluft geschützt?

  • a) Damit der Lichtbogen heißer wird
  • b) Um Strom zu sparen
  • c) Weil Sauerstoff und Stickstoff Oxide und Poren bilden und die Naht verspröden
  • d) Damit das Werkstück langsamer abkühlt

Richtig: c)

Flüssiger Stahl reagiert mit Sauerstoff (Oxide) und löst Stickstoff (Versprödung); beim Erstarren entstehen Poren. Der Schutz hat nichts mit der Lichtbogentemperatur oder dem Stromverbrauch zu tun, und ein bewusstes Verlangsamen der Abkühlung ist nicht der Zweck.

Bei einem reinen Gleichstrom-Lichtbogen unter Schutzgas entsteht der größere Wärmeanteil

  • a) am Minuspol
  • b) gleichmäßig an beiden Polen
  • c) ausschließlich in der Luftstrecke
  • d) am Pluspol

Richtig: d)

Als Richtwert fallen rund 70 % der Wärme an der Anode, also am Pluspol, an. Die Verteilung ist gerade nicht gleichmäßig, und die Luftstrecke leitet die Energie nur weiter.

Warum wird Aluminium meist mit Wechselstrom geschweißt?

  • a) Um die hochschmelzende Oxidhaut in einer Halbwelle aufzubrechen
  • b) Weil Aluminium keinen Gleichstrom leitet
  • c) Weil Wechselstrom billiger ist
  • d) Weil Aluminium sonst zu heiß wird

Richtig: a)

Die Oxidhaut auf Aluminium schmilzt erst weit oberhalb des Aluminiums selbst. Wechselstrom bricht sie in der einen Halbwelle auf, während die andere Halbwelle einbrennt. Aluminium leitet Gleichstrom problemlos; Kosten oder Überhitzung sind nicht der Grund.

2. E-Hand-Schweißen (Lichtbogenhandschweißen, 111)

Das E-Hand-Schweißen – in der Norm die 111 – ist das älteste und robusteste der drei Verfahren. Der Zusatzwerkstoff und die Schutzfunktion stecken in einem einzigen Bauteil: der Stabelektrode. Das ist ein Metalldraht mit einer aufgepressten Umhüllung.

Wie der Schutz hier funktioniert

Beim Schweißen brennt der Kerndraht ab und liefert den Zusatzwerkstoff. Gleichzeitig verbrennt und verdampft die Umhüllung. Dabei passiert zweierlei: Ein Teil der Umhüllung bildet ein Schutzgas, das den Lichtbogen und das Bad gegen die Luft abschirmt. Der Rest schwimmt als flüssige Schlacke auf dem Bad, schützt es beim Erstarren und formt die Naht. Nach dem Abkühlen wird die erstarrte Schlacke abgeklopft.

Weil das Verfahren sein Schutzgas selbst erzeugt, braucht es keine Gasflasche und ist windunempfindlich – ein entscheidender Vorteil im Freien.

Elektrodentypen

Die Umhüllung bestimmt das Verhalten. Drei Typen sind gängig:

  • rutil – leicht zu zünden, schöne Nahtoptik, gut für allgemeine Stahlarbeiten
  • basisch – zähe, rissfeste Nähte, bevorzugt bei hohen Anforderungen und dickeren Bauteilen
  • zellulose – starker Einbrand, beliebt bei Fallnaht-Schweißungen an Rohren

Die Polung in der Praxis

Hier zahlt sich das Grundprinzip aus Kapitel 1 aus. Welche Polung man wählt, hängt von der Umhüllung ab und steht auf der Elektrodenpackung. Basische Elektroden werden meist am Pluspol verschweißt: Die hohe Wärme an der Anode brennt sauber ein und treibt die Umhüllung richtig ab. Rutile Typen sind toleranter und lassen sich je nach Hersteller an beiden Polen verarbeiten. Genau weil die Umhüllung die Wärmeverteilung verschiebt, ist die Polung kein Zufall, sondern steuert das Einbrandverhalten gezielt.

Welche zwei Aufgaben übernimmt die Umhüllung der Stabelektrode beim E-Hand-Schweißen?

  • a) Sie erzeugt Schutzgas und bildet eine schützende Schlacke
  • b) Sie kühlt das Werkstück und leitet den Strom
  • c) Sie erhöht die Spannung und senkt den Strom
  • d) Sie ersetzt den Kerndraht als Zusatzwerkstoff

Richtig: a)

Beim Abbrennen liefert die Umhüllung Schutzgas und Schlacke. Den Zusatzwerkstoff liegt der Kerndraht, nicht die Umhüllung; Kühlung oder eine Spannungsregelung sind nicht ihre Funktion.

Warum ist E-Hand-Schweißen für Arbeiten im Freien besonders geeignet?

  • a) Weil es das schnellste Verfahren ist
  • b) Weil es kein zugeführtes Schutzgas braucht, das der Wind wegblasen könnte
  • c) Weil es ohne Strom auskommt
  • d) Weil keine Schlacke entsteht

Richtig: b)

Der Schutz entsteht aus der abbrennenden Umhüllung, nicht aus einem Gasstrom – Wind kann ihn nicht wegblasen. Schnell ist das Verfahren gerade nicht, Strom braucht es sehr wohl, und Schlacke entsteht prinzipbedingt.

Eine basische Elektrode wird typischerweise am Pluspol verschweißt. Was ist der Hintergrund?

  • a) Am Pluspol fließt kein Strom
  • b) Der Pluspol ist immer kälter
  • c) Die Polung hat keinen Einfluss
  • d) Der höhere Wärmeanteil an der Anode sorgt für sauberen Einbrand und treibt die Umhüllung ab

Richtig: d)

Bei Gleichstrom liegt der größere Wärmeanteil am Pluspol; das treibt die basische Umhüllung sauber ab und sorgt für guten Einbrand. Am Pluspol fließt sehr wohl Strom, er ist heißer, nicht kälter, und die Polung ist hier alles andere als bedeutungslos.

3. MAG-Schweißen (Metall-Aktivgas, 135)

Beim MAG-Schweißen – der 135 – läuft der Zusatzwerkstoff automatisch nach. Eine Drahtelektrode wird von einem motorischen Vorschub kontinuierlich durch den Brenner geschoben und schmilzt im Lichtbogen ab. Der Schweißer muss also nicht ständig nachsetzen wie bei der Stabelektrode, sondern führt den Brenner gleichmäßig an der Fuge entlang.

Wie der Schutz hier funktioniert

Aus einer Düse am Brenner strömt ein aktives Schutzgas über das Bad. „Aktiv“ heißt: Das Gas nimmt am Vorgang teil. Verwendet werden Kohlendioxid (CO₂) oder ein Mischgas aus Argon und CO₂. Das Gas verdrängt die Luft und stabilisiert den Lichtbogen.

MAG und MIG – der feine Unterschied

Hier lohnt eine saubere Abgrenzung, weil beide Verfahren technisch fast gleich aussehen. Das aktive Gas macht das Verfahren zu MAG (135) und eignet sich für un- und niedriglegierte Stähle. Wird stattdessen ein inertes (reaktionsträges) Gas wie reines Argon verwendet, spricht man von MIG – das setzt man für Aluminium und hochlegierte Werkstoffe ein, die kein reaktives Gas vertragen. Die Brennertechnik ist dieselbe, nur das Gas entscheidet.

Stärken und Grenzen

MAG hat die höchste Abschmelzleistung der drei Verfahren – es bringt in kurzer Zeit viel Material ein. Deshalb ist es das Arbeitspferd in der Serien- und Stahlbaufertigung. Die Grenzen: Der Drahtvorschub und der Gasstrom machen die Ausrüstung empfindlicher, und im Freien muss der Wind das Schutzgas in Ruhe lassen.

Wärmeeinbringung: die Streckenenergie

Wie viel Wärme in das Bauteil gelangt, lässt sich rechnerisch fassen. Die Streckenenergie beschreibt, welche Energiemenge je Millimeter Nahtlänge eingebracht wird – eine zentrale Größe, weil zu viel Wärme das Gefüge verändert und das Bauteil verziehen lässt, zu wenig dagegen Bindefehler begünstigt.

Je langsamer geschweißt wird, desto mehr Energie landet pro Millimeter im Werkstück. Wer die Geschwindigkeit erhöht, senkt die Streckenenergie – das nutzt man, um den Wärmeeintrag in empfindliche Werkstoffe gezielt zu begrenzen.

E = (U * I * eta) / v

  • E … Streckenenergie in J/mm
  • U … Lichtbogenspannung in V
  • I … Schweißstrom in A
  • eta … thermischer Wirkungsgrad (dimensionslos, z. B. 0,8 bei MAG)
  • v … Schweißgeschwindigkeit in mm/s

Gelöstes Beispiel

Eine MAG-Naht wird mit 25 V Lichtbogenspannung und 220 A Schweißstrom gezogen. Die Schweißgeschwindigkeit beträgt 5 mm/s, der thermische Wirkungsgrad 0,8. Wie groß ist die Streckenenergie?

Gegeben: U = 25 V, I = 220 A, eta = 0,8, v = 5 mm/s

Gesucht: Streckenenergie E in J/mm

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Leistung im Lichtbogen mal Wirkungsgrad: U * I * eta = 25 V * 220 A * 0,8 = 4400 W
  2. Schritt 2 — durch die Geschwindigkeit teilen: E = 4400 W / 5 mm/s = 880 J/mm

Ergebnis: E = 880 J/mm

Übungen

Berechne die Streckenenergie bei U = 22 V, I = 180 A, eta = 0,8 und v = 6 mm/s.

E = (22 * 180 * 0,8) / 6 = 3168 / 6 = 528 J/mm

Eine Naht wird mit U = 28 V, I = 250 A, eta = 0,8 geschweißt; die Geschwindigkeit ist 7 mm/s. Wie groß ist E?

E = (28 * 250 * 0,8) / 7 = 5600 / 7 = 800 J/mm

Bei sonst gleichen Werten (U = 25 V, I = 220 A, eta = 0,8) wird die Geschwindigkeit von 5 mm/s auf 10 mm/s verdoppelt. Wie ändert sich die Streckenenergie?

E = (25 * 220 * 0,8) / 10 = 4400 / 10 = 440 J/mm. Die Verdopplung der Geschwindigkeit halbiert die Streckenenergie (von 880 auf 440 J/mm).

Eine Streckenenergie von 600 J/mm soll bei U = 24 V, I = 200 A und eta = 0,8 reached werden. Welche Schweißgeschwindigkeit ist nötig?

v = (U * I * eta) / E = (24 * 200 * 0,8) / 600 = 3840 / 600 = 6,4 mm/s

Für einen dünnwandigen Edelstahl darf die Streckenenergie 350 J/mm nicht überschreiten. Bei WIG wird mit U = 14 V, I = 120 A und einem höheren Wirkungsgrad eta = 0,6 gearbeitet. Welche Mindestgeschwindigkeit ist erforderlich?

v = (U * I * eta) / E = (14 * 120 * 0,6) / 350 = 1008 / 350 ≈ 2,88 mm/s. Es muss also mindestens mit rund 2,9 mm/s geschweißt werden, um unter 350 J/mm zu bleiben.

Was unterscheidet MAG (135) von MIG?

  • a) MAG verwendet ein aktives, MIG ein inertes Schutzgas
  • b) MAG verwendet einen dickeren Draht
  • c) MAG arbeitet ohne Schutzgas
  • d) MAG funktioniert nur mit Wechselstrom

Richtig: a)

Der einzige grundsätzliche Unterschied liegt im Gas: aktiv bei MAG, inert bei MIG. Die Brennertechnik und der Draht sind vergleichbar, ein Schutzgas brauchen beide, und die Stromart ist nicht das Unterscheidungsmerkmal.

Wie verändert sich die Streckenenergie, wenn bei gleichem Strom und gleicher Spannung die Schweißgeschwindigkeit erhöht wird?

  • a) sie steigt
  • b) sie bleibt gleich
  • c) sie sinkt
  • d) sie wird negativ

Richtig: c)

Die Geschwindigkeit steht im Nenner von E = (U · I · η) / v. Größeres v bedeutet kleinere Streckenenergie – pro Millimeter landet weniger Wärme im Bauteil. Negative Werte sind physikalisch ausgeschlossen.

Für hochlegierten Stahl oder Aluminium würde man statt MAG ein inertes Gas einsetzen. Wie heißt dieses Verfahren dann?

  • a) WIG
  • b) E-Hand
  • c) Lichtbogenhandschweißen
  • d) MIG

Richtig: d)

Drahtelektrode plus inertes Gas ergibt MIG. WIG nutzt eine nicht abschmelzende Wolframelektrode, E-Hand bzw. Lichtbogenhandschweißen ist die 111 mit Stabelektrode.

4. WIG-Schweißen (Wolfram-Inertgas, 141)

Das WIG-Schweißen – die 141 – kehrt das Prinzip um: Die Elektrode brennt hier nicht ab. Sie besteht aus Wolfram, einem Metall mit extrem hohem Schmelzpunkt, und dient nur dazu, den Lichtbogen zu halten. Der Zusatzwerkstoff wird – wenn überhaupt nötig – als separater Stab von Hand zugeführt, ähnlich wie beim Löten mit dem Lötdraht.

Wie der Schutz hier funktioniert

Aus der Brennerdüse strömt ein inertes Schutzgas, meist reines Argon. Inert bedeutet reaktionsträge: Das Gas nimmt nicht am Schweißvorgang teil, sondern hüllt Elektrode und Bad nur sauber ein. Das ergibt eine besonders ruhige, saubere Schmelze – und damit die höchste Nahtqualität der drei Verfahren.

Stromart nach Werkstoff

Hier greift das Polungs-Prinzip aus Kapitel 1 direkt: Stahl und Edelstahl werden mit Gleichstrom (DC) geschweißt, die Wolframelektrode am Minuspol, damit sie nicht überhitzen. Aluminium dagegen braucht Wechselstrom (AC), um die hochschmelzende Oxidhaut aufzubrechen – genau der Fall, den wir am Anfang besprochen haben.

Stärken und Grenzen

WIG liefert die feinsten, sichersten Nähte und eignet sich hervorragend für dünne Bleche, Edelstahl und Aluminium. Der Preis dafür ist Geschwindigkeit: Das Verfahren ist langsam und verlangt viel Übung, weil der Schweißer Brenner und Zusatzstab gleichzeitig führen muss.

What is the special feature about the electrode in TIG welding?

  • a) Sie besteht aus Wolfram und brennt nicht ab
  • b) Sie besteht aus Aluminium und schmilzt schnell
  • c) Sie brennt ab und liefert den Zusatzwerkstoff
  • d) Sie ist von einer Umhüllung umgeben

Richtig: a)

Die Wolframelektrode hält nur den Lichtbogen und brennt nicht ab; der Zusatz kommt als separater Stab. Abbrennende Elektroden mit Zusatzfunktion gibt es bei E-Hand (umhüllt) und MAG (Draht), nicht bei WIG.

Ein Edelstahlrohr für die Lebensmittelindustrie soll mit einer makellosen, dichten Naht verschweißt werden. Welches Verfahren passt am besten?

  • a) E-Hand (111)
  • b) WIG (141)
  • c) MAG (135)
  • d) Gasschmelzschweißen

Richtig: b)

WIG liefert die höchste Nahtqualität und ist für dünnwandigen Edelstahl die erste Wahl. E-Hand und MAG erreichen diese Sauberkeit bei dünnem Edelstahl in der Regel nicht; Gasschmelzschweißen spielt hier praktisch keine Rolle.

Warum wird die Wolframelektrode bei Stahl an den Minuspol gelegt?

  • a) Damit sie schneller abbrennt
  • b) Weil sonst kein Lichtbogen zündet
  • c) Weil Stahl nur am Minuspol schmilzt
  • d) Damit sie nicht überhitzt, weil dort weniger Wärme anfällt

Richtig: d)

Am Minuspol fallen nur rund 30 % der Wärme an, das schont die nicht abschmelzende Elektrode. Sie soll gerade nicht abbrennen; ein Lichtbogen zündet bei beiden Polungen, und Stahl schmilzt nicht polabhängig.

5. Verfahren im Vergleich und Auswahl

Jetzt lassen sich die drei Verfahren nebeneinanderstellen. Der Schlüssel sind immer dieselben Fragen: Wie kommt der Zusatz ins Bad, wie wird geschützt, wie viel Material schafft das Verfahren und wie sauber wird die Naht?

Merkmal E-Hand (111) MAG (135) WIG (141)
Zusatzwerkstoff abschmelzende Stabelektrode abschmelzender Draht (automatisch) separater Stab von Hand
Schutz Umhüllung (Gas + Schlacke) aktives Gas (CO₂ / Mischgas) inertes Gas (Argon)
Abschmelzleistung mittel hoch gering
Nahtqualität gut gut bis sehr gut sehr hoch
Typische Werkstoffe un-/niedriglegierter Stahl un-/niedriglegierter Stahl Edelstahl, Aluminium, dünne Bleche
Windempfindlich nein ja ja
Typische Anwendung Baustelle, Montage, Reparatur Serien- und Stahlbau Apparatebau, Edelstahl, dünne Bleche

Die Prozessnummern auf der Schweißanweisung

In der österreichischen Praxis steht auf jeder Schweißanweisung (WPS – Welding Procedure Specification) und auf Zeichnungen die Prozessnummer nach EN ISO 4063, nicht der Verfahrensname. Liest man dort 111, ist E-Hand gemeint, 135 steht für MAG, 141 für WIG. Diese Nummern identifizieren das Verfahren eindeutig – ein detail, das im Betrieb selbstverständlich vorausgesetzt wird. Wer eine WPS oder eine Zeichnung nach ÖNORM EN ISO 2553 lesen muss, muss die Zahlen sofort zuordnen können.

Nahtvorbereitung – die Fugenform

Bevor geschweißt wird, müssen die Teile passend zugerichtet werden. Die Fugenform richtet sich nach Werkstückdicke und Verfahren:

  • I-Naht – Bleche stumpf aneinander, ohne Schräge. Für dünne Bleche, oft beim WIG.
  • V-Naht – beide Kanten angeschrägt, ergibt eine V-förmige Fuge. Der Klassiker für mittlere Dicken.
  • Y-Naht – wie die V-Naht, aber mit einem geraden Steg am Wurzelbereich. Spart Zusatzwerkstoff.
  • DV-Naht (Doppel-V, X-Naht) – von beiden Seiten angeschrägt. Für dicke Bauteile, weil von beiden Seiten geschweißt wird und sich der Verzug ausgleicht.

Je dicker das Material, desto mehr muss die Fuge geöffnet werden, damit der Lichtbogen bis zur Wurzel durchkommt und die Naht durchgängig verbindet.

Typische Schweißfehler

Eine Naht kann von außen ordentlich aussehen und trotzdem fehlerhaft sein. Diese Fehler tauchen in der Praxis am häufigsten auf:

Fehler Ursache Vermeidung
Poren Feuchtigkeit, Verunreinigung, gestörter Gasschutz sauberer Grundwerkstoff, dichter Gasstrom, trockene Elektroden
Bindefehler zu wenig Wärme, falscher Brennerwinkel, Schlackeneinschluss richtige Stromstärke, saubere Lagen, Schlacke gründlich entfernen
Einbrandkerbe zu hohe Stromstärke, falsche Brennerführung am Nahtrand Strom anpassen, gleichmäßige Pendelbewegung
Schlackeneinschluss Schlacke vor der nächsten Lage nicht entfernt zwischen den Lagen abklopfen und bürsten
Wurzelfehler Fuge zu eng, zu wenig Einbrand an der Wurzel passende Fugenform, ausreichender Spalt, Wurzelschutz

Basische Elektroden müssen trocken gelagert werden – feuchte Umhüllung führt direkt zu Poren. Beim gasgeschützten Schweißen ist ein gestörter Gasstrom (Wind, verstopfte Düse) die häufigste Porenursache.

Sicherheit

Beim Lichtbogenschweißen entsteht intensive UV-Strahlung, die Augen und Haut schädigt – Schweißschild mit passender Schutzstufe und bedeckte Haut sind Pflicht. Der Schweißrauch enthält je nach Werkstoff gesundheitsschädliche Bestandteile, deshalb braucht es Absaugung oder gute Belüftung. Und es besteht Brandgefahr durch Funken und heiße Teile: brennbare Stoffe wegräumen, Löschmittel bereithalten.

Auswahl in der Praxis

Die Verfahrenswahl folgt vier Fragen: Welcher Werkstoff? Welche Blechdicke? Welche Stückzahl? An welchem Ort wird geschweißt? Edelstahl und dünnes Aluminium führen zu WIG, viel Stahl in Serie zu MAG, die Baustelle im Freien zu E-Hand. Meist ergibt sich daraus schon eine klare Antwort.

Gelöstes Beispiel

Zwei Verfahren werden verglichen. Bei MAG wird mit U = 26 V, I = 240 A, eta = 0,8 und v = 6 mm/s geschweißt. Wie groß ist die Streckenenergie?

Gegeben: U = 26 V, I = 240 A, eta = 0,8, v = 6 mm/s

Gesucht: Streckenenergie E in J/mm

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Leistung mal Wirkungsgrad: U * I * eta = 26 V * 240 A * 0,8 = 4992 W
  2. Schritt 2 — durch die Geschwindigkeit teilen: E = 4992 W / 6 mm/s = 832 J/mm

Ergebnis: E = 832 J/mm

Übungen

Berechne die Streckenenergie bei U = 20 V, I = 150 A, eta = 0,8 und v = 4 mm/s.

E = (20 * 150 * 0,8) / 4 = 2400 / 4 = 600 J/mm

Wie hoch ist die Streckenenergie bei einer WIG-Naht mit U = 12 V, I = 100 A, eta = 0,6 und v = 3 mm/s?

E = (12 * 100 * 0,6) / 3 = 720 / 3 = 240 J/mm

Ein dickes Stahlteil verlangt 1000 J/mm. Bei U = 28 V, I = 280 A und eta = 0,8 – wie schnell darf höchstens geschweißt werden?

v = (28 * 280 * 0,8) / 1000 = 6272 / 1000 = 6,27 mm/s. Es darf also höchstens mit rund 6,3 mm/s geschweißt werden.

Bei MAG (eta = 0,8) und WIG (eta = 0,6) werden sonst identische Werte verwendet: U = 20 V, I = 150 A, v = 5 mm/s. Vergleiche die Streckenenergien.

MAG: E = (20 * 150 * 0,8) / 5 = 480 J/mm. WIG: E = (20 * 150 * 0,6) / 5 = 360 J/mm. Trotz gleicher elektrischer Werte bringt MAG wegen des höheren Wirkungsgrads mehr Wärme pro Millimeter ein.

Für einen verzugsempfindliches Bauteil soll die Streckenenergie unter 500 J/mm bleiben. Verfügbar sind U = 24 V, I = 220 A, eta = 0,8. Welche Mindestgeschwindigkeit ist nötig, und was bedeutet das praktisch?

v = (24 * 220 * 0,8) / 500 = 4224 / 500 = 8,45 mm/s. Es muss zügig, mit mindestens rund 8,5 mm/s, geschweißt werden – ein hohes Tempo, das Übung verlangt, um trotzdem einen sauberen Einbrand zu sichern.

Auf einer Schweißanweisung steht das Verfahren „135″. Welches Verfahren ist gemeint?

  • a) MAG
  • b) E-Hand
  • c) WIG
  • d) Hartlöten

Richtig: a)

Nach EN ISO 4063 steht 135 für MAG. E-Hand ist 111, WIG ist 141, Hartlöten ist kein Lichtbogen-Schmelzschweißverfahren und hat keine dieser Nummern.

Für ein sehr dickes Stahlbauteil, das von beiden Seiten geschweißt werden kann, ist welche Fugenform sinnvoll?

  • a) I-Naht
  • b) DV-Naht (Doppel-V)
  • c) gar keine Vorbereitung
  • d) nur eine einseitige Y-Naht

Richtig: b)

Die DV- bzw. X-Naht wird von beiden Seiten angeschrägt und geschweißt, das gleicht den Verzug aus und sichert den Einbrand bei großen Dicken. Eine I-Naht reicht nur für dünne Bleche, ohne Vorbereitung kommt der Lichtbogen bei dickem Material nicht zur Wurzel durch, und eine einseitige Y-Naht ist hier nicht optimal.

Eine fertige Naht zeigt kleine Gasblasen im Inneren. Welcher Fehler liegt vor und was ist eine typische Ursache?

  • a) Einbrandkerbe durch zu hohe Stromstärke
  • b) Bindefehler durch zu wenig Wärme
  • c) Wurzelfehler durch zu enge Fuge
  • d) Poren durch Feuchtigkeit oder gestörten Gasschutz

Richtig: d)

Eingeschlossene Gasblasen sind Poren; typische Ursachen sind feuchte Elektroden oder ein gestörter Gasschutz. Einbrandkerben liegen am Nahtrand, Bindefehler betreffen die Verschmelzung der Lagen, Wurzelfehler sitzen an der Nahtwurzel.

Welche Schutzmaßnahme ist beim Lichtbogenschweißen wegen der Strahlung zwingend?

  • a) Gehörschutz
  • b) Schweißschild mit passender Schutzstufe und bedeckte Haut
  • c) Sicherheitsschuhe genügen
  • d) keine, der Lichtbogen ist ungefährlich

Richtig: b)

Der Lichtbogen sendet intensive UV-Strahlung aus, die Augen und Haut schädigt – Schild und Hautschutz sind Pflicht. Gehörschutz und Sicherheitsschuhe sind sinnvoll, decken die Strahlengefahr aber nicht ab, und ungefährlich ist der Lichtbogen keinesfalls.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine MAG-Naht wird mit einer Lichtbogenspannung von 24 V und einem Schweißstrom von 200 A gezogen. Der thermische Wirkungsgrad beträgt 0,8, die Schweißgeschwindigkeit 4 mm/s. Berechne die Streckenenergie.

Gegeben: U = 24 V; I = 200 A; eta = 0,8; v = 4 mm/s

Gesucht: Streckenenergie E in J/mm

Lösungsweg:

  1. U * I * eta = 24 * 200 * 0,8 = 3840 W
  2. E = 3840 / 4 = 960 J/mm

Ergebnis: E = 960 J/mm

Aufgabe 2: Für ein dünnwandiges Edelstahlteil darf die Streckenenergie 400 J/mm nicht überschreiten. Beim WIG-Schweißen wird mit U = 13 V, I = 110 A and eta = 0,6 gearbeitet. Welche Mindest-Schweißgeschwindigkeit ist erforderlich?

Gegeben: U = 13 V; I = 110 A; eta = 0,6; E = 400 J/mm

Gesucht: Schweißgeschwindigkeit v in mm/s

Lösungsweg:

  1. U * I * eta = 13 * 110 * 0,6 = 858 W
  2. v = 858 / 400 = 2,145 mm/s

Ergebnis: v ≈ 2,15 mm/s; langsamer darf nicht geschweißt werden, sonst steigt die Streckenenergie über 400 J/mm.

Welches gemeinsame physikalische Prinzip nutzen E-Hand, MAG und WIG?

  • a) einen Lichtbogen, der das Material aufschmilzt
  • b) Reibungswärme
  • c) chemische Reaktion ohne Strom
  • d) Ultraschall

Richtig: a)

Alle drei sind Lichtbogen-Schmelzschweißverfahren. Reibung (Reibschweißen), Ultraschall oder rein chemische Vorgänge gehören zu anderen Verfahrensgruppen.

Bei welchem Verfahren liefert ein einziges Bauteil sowohl Zusatzwerkstoff als auch Schutz?

  • a) MAG
  • b) WIG
  • c) E-Hand
  • d) MIG

Richtig: c)

Bei E-Hand vereint die umhüllte Stabelektrode beides – Kerndraht als Zusatz, Umhüllung als Schutz. Bei MAG/MIG kommen Draht und Gas getrennt, bei WIG Wolframelektrode, separater Stab und Gas.

Warum entsteht bei einem reinen Gleichstrom-Lichtbogen unter Schutzgas am Pluspol mehr Wärme?

  • a) weil dort der Widerstand null ist
  • b) weil der Minuspol keinen Strom führt
  • c) weil Plus immer oben liegt
  • d) weil sich als Richtwert rund 70 % der Energie an der Anode konzentrieren

Richtig: d)

Die Wärmeverteilung im Lichtbogen ist ungleich – als Richtwert etwa 70 % an der Anode. Der Widerstand ist nicht null, der Minuspol führt sehr wohl Strom, und die räumliche Lage spielt keine Rolle.

Ein Bauteil aus Aluminium soll mit WIG geschweißt werden. Welche Stromart wird gewählt und warum?

  • a) Gleichstrom, damit es schneller geht
  • b) Wechselstrom, um die hochschmelzende Oxidhaut aufzubrechen
  • c) Gleichstrom am Minuspol, damit die Elektrode schmilzt
  • d) gar kein Strom

Richtig: b)

Aluminium braucht Wechselstrom: Eine Halbwelle bricht die Oxidhaut auf, die andere bringt die Wärme ein. Gleichstrom löst das Oxidproblem nicht, die Wolframelektrode soll nicht schmelzen, und ohne Strom gibt es keinen Lichtbogen.

Welches Verfahren hat die höchste Abschmelzleistung und eignet sich daher für die Serienfertigung von Stahl?

  • a) WIG
  • b) E-Hand
  • c) MAG
  • d) keines, alle gleich

Richtig: c)

MAG bringt durch den automatisch nachlaufenden Draht in kurzer Zeit am meisten Material ein. WIG ist am langsamsten, E-Hand liegt im Mittelfeld.

Was bedeutet „inertes“ Schutzgas?

  • a) das Gas brennt
  • b) das Gas ist reaktionsträge und nimmt nicht am Vorgang teil
  • c) das Gas ist immer CO₂
  • d) das Gas ersetzt den Strom

Richtig: b)

Inert heißt reaktionsträge – Argon schützt nur, ohne mitzureagieren. Aktive Gase wie CO₂ nehmen dagegen teil; Strom ersetzt das Gas nicht.

Eine Schweißanweisung nennt das Verfahren „141″. Was muss der Schweißer vorbereiten?

  • a) eine umhüllte Stabelektrode
  • b) einen Drahtvorschub mit aktivem Gas
  • c) einen Lötkolben
  • d) Wolframelektrode, Argon und ggf. einen Zusatzstab

Richtig: d)

141 ist WIG: nicht abschmelzende Wolframelektrode, inertes Argon und bei Bedarf ein separater Zusatzstab. Stabelektrode gehört zu 111, Draht plus aktives Gas zu 135.

Für welchen Einsatz ist E-Hand-Schweißen trotz seiner geringeren Geschwindigkeit oft erste Wahl?

  • a) lange Serien-Nähte im Werk
  • b) hochreine Edelstahlrohre
  • c) Reparaturen und Montage im Freien
  • d) dünnstes Aluminiumblech

Richtig: c)

Da der Schutz aus der Umhüllung kommt, ist E-Hand windunempfindlich – ideal im Freien. Serien gehen schneller mit MAG, Edelstahlrohre und dünnes Aluminium verlangen WIG.

Eine Naht zeigt am Rand eine rinnenförmige Vertiefung im Grundwerkstoff. Welcher Fehler ist das?

  • a) Einbrandkerbe
  • b) Pore
  • c) Schlackeneinschluss
  • d) Wurzelfehler

Richtig: a)

Eine Kerbe am Nahtübergang zum Grundwerkstoff ist die Einbrandkerbe, meist durch zu hohe Stromstärke oder falsche Führung. Poren sitzen im Inneren, Schlacke schließt sich zwischen Lagen ein, Wurzelfehler liegen an der Wurzel.

Welche Fugenform eignet sich für dünne, stumpf aneinanderstoßende Bleche?

  • a) DV-Naht
  • b) tiefe V-Naht
  • c) I-Naht
  • d) Y-Naht mit großem Steg

Richtig: c)

Bei dünnen Blechen genügt die I-Naht ohne Anschrägung, der Lichtbogen durchdringt die geringe Dicke problemlos. V-, Y- und DV-Nähte sind für größere Dicken gedacht.

Warum darf eine basische Elektrode nicht feucht gelagert werden?

  • a) sie rostet sofort
  • b) sie lässt sich sonst nicht biegen
  • c) Feuchtigkeit erhöht die Schweißgeschwindigkeit
  • d) Feuchtigkeit in der Umhüllung führt zu Poren in der Naht

Richtig: d)

Feuchtigkeit in der Umhüllung verdampft im Lichtbogen und schlägt sich als Poren nieder. Deshalb werden basische Elektroden trocken bzw. rückgetrocknet gelagert. Mit Rost, Biegbarkeit oder Geschwindigkeit hat das nichts zu tun.

Worin unterscheiden sich MAG und MIG grundsätzlich?

  • a) in der Drahtdicke
  • b) MAG nutzt aktives, MIG inertes Schutzgas
  • c) MAG arbeitet ohne Strom
  • d) MIG hat eine Umhüllung

Richtig: b)

Der Unterschied liegt allein im Schutzgas – aktiv (MAG) oder inert (MIG). Beide nutzen einen Draht und Strom; eine Umhüllung gibt es nur bei der Stabelektrode der 111.

Die Schweißgeschwindigkeit wird bei gleichem Strom und gleicher Spannung halbiert. Was passiert mit der Streckenenergie?

  • a) sie verdoppelt sich
  • b) sie halbiert sich
  • c) sie bleibt gleich
  • d) sie viertelt sich

Richtig: a)

Die Geschwindigkeit steht im Nenner von E = (U · I · η) / v. Halbiert man v, verdoppelt sich E – pro Millimeter Naht landet doppelt so viel Wärme im Bauteil.

Glossar

Lichtbogen
anhaltende elektrische Entladung zwischen Elektrode und Werkstück, die mit rund 5.000 bis 6.000 °C das Material aufschmilzt.
Schweißbad
der örtlich aufgeschmolzene, flüssige Bereich aus Grund- und Zusatzwerkstoff, aus dem beim Erstarren die Naht entsteht.
Grundwerkstoff
das Material der zu verbindenden Teile.
Zusatzwerkstoff
das zusätzlich eingebrachte Material, das die Naht auffüllt; als Stabelektrode, Draht oder separater Stab.
Stabelektrode
umhüllter Metallstab beim E-Hand-Schweißen; der Kern liefert den Zusatz, die Umhüllung Schutzgas und Schlacke.
Umhüllung
die aufgepresste Schicht der Stabelektrode, die beim Abbrennen Schutzgas und Schlacke bildet; rutil, basisch oder zellulose.
Schlacke
erstarrte Schmelze aus der Umhüllung, die das Bad beim Abkühlen schützt und nach dem Schweißen abgeklopft wird.
Aktives Schutzgas
Gas, das am Schweißvorgang teilnimmt (CO₂ oder Mischgas), kennzeichnend für MAG.
Inertes Schutzgas
reaktionsträges Gas (Argon), das nur abschirmt und nicht mitreagiert, kennzeichnend für WIG und MIG.
Abschmelzleistung
die in einer bestimmten Zeit eingebrachte Menge an Zusatzwerkstoff; bei MAG am höchsten, bei WIG am geringsten.
Wolframelektrode
nicht abschmelzende Elektrode beim WIG-Schweißen, die nur den Lichtbogen hält.
Streckenenergie
die je Millimeter Nahtlänge eingebrachte Energie, berechnet aus E = (U · I · η) / v; bestimmt Wärmeeintrag, Verzug und Gefügeveränderung.
Prozessnummer (EN ISO 4063)
genormte Ordnungsnummer des Schweißverfahrens; 111 = E-Hand, 135 = MAG, 141 = WIG.
Schweißanweisung (WPS)
Dokument, das festlegt, wie eine bestimmte Schweißverbindung auszuführen ist, inklusive Verfahren über die Prozessnummer.
Fugenform
die Gestalt der vorbereiteten Schweißkante (I, V, Y, DV), abhängig von Werkstückdicke und Verfahren.
Einbrandkerbe
rinnenförmige Vertiefung am Nahtrand im Grundwerkstoff, meist durch zu hohe Stromstärke oder falsche Brennerführung.
Bindefehler
fehlende Verschmelzung zwischen Naht und Grundwerkstoff oder zwischen den Lagen, oft durch zu wenig Wärme.

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