Weichlöten

Zwei Kupferrohre, ein Kabelschuh, eine Platine — überall dort, wo Metall dauerhaft und elektrisch leitend verbunden werden soll, ohne dass die Bauteile selbst aufschmelzen, kommt Weichlöten ins Spiel. Das Verfahren ist alt, einfach im Prinzip und trotzdem voller Details, an denen eine Verbindung steht oder fällt. Wer versteht, warum ein flüssiges Lot überhaupt in einen Spalt kriecht und sich mit dem Grundmetall verbindet, beurteilt eine Lötstelle anschließend mit anderen Augen.

Dieser Beitrag erklärt, was beim Weichlöten physikalisch passiert, welche Lote und Flussmittel es gibt, wie man sauber arbeitet und woran man eine gute von einer schlechten Lötstelle unterscheidet.

Vorwissen

  • NE-Metalle: Aluminium, Kupfer, Messing
  • Lösbare und unlösbare Verbindungen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Weichlöten gegen Hartlöten und Schweißen klar abgrenzen
  • erklären, wie Benetzung und Kapillarwirkung eine Lötverbindung entstehen lassen
  • den richtigen Lötspalt und seine Bedeutung für die Festigkeit benennen
  • bleihaltige und bleifreie Lote unterscheiden und ihre normgerechte Bezeichnung deuten
  • die Aufgabe des Flussmittels erklären und Flussmittel grob einordnen
  • eine Lötstelle nach optischen Merkmalen beurteilen und typische Fehler erkennen

1. Was ist Weichlöten?

Beim Löten werden zwei Metallteile durch ein drittes, artfremdes Metall verbunden — das Lot. Artfremd heißt: Das Lot ist un anderer Werkstoff als die zu verbindenden Teile. Es schmilzt bei deutlich niedrigerer Temperatur als die Grundwerkstoffe, fließt in den Spalt zwischen den Teilen und bildet beim Erstarren eine stoffschlüssige Verbindung. Die Bauteile selbst bleiben dabei fest — genau das unterscheidet das Löten vom Schweißen, wo die Grundwerkstoffe selbst aufgeschmolzen werden.

Die Grenze zwischen Weich- und Hartlöten liegt bei der Arbeitstemperatur des Lotes:

  • Weichlöten: Lot schmilzt unter 450 °C
  • Hartlöten: Lot schmilzt über 450 °C

Hartlöten erreicht dadurch deutlich höhere Festigkeiten und kommt etwa im Rohrleitungsbau unter Druck zum Einsatz. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag — hier geht es ausschließlich um das Weichlöten.

Eine Weichlötverbindung ist stoffschlüssig, aber bedingt lösbar: Erhitzt man die Stelle erneut über die Schmelztemperatur des Lotes, lässt sie sich wieder trennen. Das ist in der Elektronik ein Vorteil — Bauteile lassen sich auslöten und tauschen.

Typische Einsatzfälle: Kupferrohr-Installationen in der Sanitär- und Heizungstechnik, das Verbinden von Kabeln und Kabelschuhen, das Verzinnen von Litzen und das Bestücken von Leiterplatten. Letzteres — das Löten in der Elektronik — hat eigene Regeln und einen eigenen Beitrag; hier streifen wir es nur.

Eine Verbindung soll später durch Erwärmen wieder zerstörungsfrei trennbar sein, gleichzeitig elektrisch leiten und ohne Aufschmelzen der Bauteile entstehen. Welches Verfahren erfüllt das?

  • a) Schmelzschweißen
  • b) Nieten
  • c) Weichlöten
  • d) Kleben mit Zweikomponentenkleber

Richtig: c)

Beim Weichlöten bleiben die Grundwerkstoffe fest, die Verbindung leitet elektrisch und lässt sich durch erneutes Erhitzen über die Lotschmelztemperatur wieder trennen. Schmelzschweißen schmilzt die Bauteile auf (nicht trennbar in diesem Sinn), Nieten ist mechanisch und nicht durch Wärme lösbar, Kleben leitet im Regelfall nicht.

Worin liegt der entscheidende Unterschied zwischen Weich- und Hartlöten?

  • a) Weichlöten verbindet nur Stahl, Hartlöten nur Kupfer
  • b) Die Arbeitstemperatur des Lotes liegt beim Hartlöten über 450 °C
  • c) Beim Hartlöten schmilzt der Grundwerkstoff, beim Weichlöten nicht
  • d) Weichlöten benötigt kein Flussmittel

Richtig: b)

Die Definitionsgrenze ist die Arbeitstemperatur des Lotes: unter 450 °C Weichlöten, darüber Hartlöten. Bei beiden Verfahren bleibt der Grundwerkstoff fest (c falsch), beide brauchen Flussmittel (d falsch), und die Werkstoffwahl ist nicht so starr verteilt (a falsch).

2. Wie die Verbindung entsteht: Benetzung und Kapillarwirkung

Damit eine Lötverbindung hält, müssen zwei physikalische Vorgänge zusammenspielen: Benetzung und Kapillarwirkung.

Benetzung beschreibt, ob sich eine Flüssigkeit auf einer Oberfläche ausbreitet oder abperlt. Ein Wassertropfen auf frisch gewachstem Lack perlt ab — er benetzt schlecht. Flüssiges Lot auf einer sauberen, oxidfreien Kupferoberfläche dagegen läuft breit und flach aus — es benetzt gut. Nur wo das Lot benetzt, kann es sich mit dem Grundmetall verbinden.

An der Grenzfläche passiert dabei mehr als bloßes Anhaften: Atome des Lotes und des Grundwerkstoffs durchdringen sich in einer dünnen Schicht, es bildet sich eine Diffusionszone mit einer feinen Legierung. Diese stoffliche Verzahnung macht die Verbindung fest. Voraussetzung ist eine blanke Oberfläche — jede Oxidschicht verhindert die Benetzung. Genau hier setzt später das Flussmittel an.

Kapillarwirkung ist der zweite Schlüssel. In einem engen Spalt zieht sich eine benetzende Flüssigkeit von selbst hinein, auch entgegen der Schwerkraft — derselbe Effekt, mit dem ein Löschblatt Tinte aufsaugt. Beim Löten heißt das: Ist der Spalt zwischen den Bauteilen richtig bemessen, wird das flüssige Lot regelrecht hineingezogen und füllt ihn vollständig.

Der Lötspalt ist deshalb keine Nebensache, sondern bestimmt die Qualität der Verbindung. Richtwerte für Weichlöten:

  • Kapillarspalt: etwa 0,05 bis 0,2 mm — hier wirkt die Kapillarkraft optimal, das Lot wird sicher eingezogen, die Verbindung wird am festesten.
  • Bindespalt (gefügter Spalt): wird das Maß deutlich größer, reißt der Kapillareffekt ab. Das Lot füllt den Spalt nicht mehr zuverlässig, die Festigkeit sinkt.

Ein zu enger Spalt lässt das Lot nicht durch, ein zu weiter Spalt (über etwa 0,2 mm) lässt die Kapillarwirkung zusammenbrechen — beides schwächt die Verbindung. Dazu muss die Temperatur stimmen: Die Bauteile müssen heiß genug sein, dass das Lot an ihnen flüssig bleibt und benetzt, nicht nur an der Lötspitze.

0,05–0,2 mm Lot wird eingezogen Bauteil Bauteil Lötspalt mit Lot
Die Skizze zeigt den engen Spalt zwischen zwei Bauteilen. Das Lot füllt ihn vollständig und bildet oben einen leicht konkaven Übergang — den Meniskus, ein Zeichen guter Benetzung.

Beim Löten zweier Kupferteile ist der Spalt mit 0,4 mm deutlich breiter als üblich. Welche Folge ist zu erwarten?

  • a) Die Verbindung wird besonders fest, weil mehr Lot Platz hat
  • b) Die Benetzung verbessert sich
  • c) Es ändert sich nichts, der Spalt ist unkritisch
  • d) Die Kapillarwirkung reißt ab, das Lot füllt den Spalt nicht zuverlässig

Richtig: d)

Oberhalb von etwa 0,2 mm wird der Kapillareffekt zu schwach, um das Lot sicher in den Spalt zu ziehen. Die Verbindung wird unzuverlässig und schwächer — mehr Lot gleicht das nicht aus, da das Lot selbst weicher ist als die gut benetzte dünne Schicht.

Warum benetzt Lot eine oxidierte Kupferoberfläche nicht?

  • a) Die Oxidschicht verhindert den direkten Kontakt und die Diffusion zwischen Lot und Grundmetall
  • b) Oxid ist elektrisch nicht leitend
  • c) Oxid schmilzt bei zu niedriger Temperatur
  • d) Oxid ist schwerer als das Lot

Richtig: a)

Benetzung und die feste Diffusionsverbindung entstehen nur bei direktem Kontakt zwischen flüssigem Lot und blankem Grundmetall. Eine Oxidschicht trennt beide und das Lot perlt ab. Deshalb braucht es Flussmittel, das die Oxide löst.

Welche Aussage zur Diffusionszone einer Lötverbindung ist richtig?

  • a) Sie entsteht nur beim Hartlöten
  • b) Sie ist eine reine mechanische Verklammerung ohne stoffliche Verbindung
  • c) In ihr durchdringen sich Atome von Lot und Grundwerkstoff und bilden eine Legierung
  • d) Sie verhindert die Benetzung

Richtig: c)

In der dünnen Grenzschicht vermischen sich Lot- und Grundmetallatome zu einer feinen Legierung. Diese stoffliche Verzahnung trägt die Festigkeit der Verbindung — sie ist nicht bloß mechanisch und entsteht bei jedem Lötvorgang mit guter Benetzung.

3. Lote und Flussmittel

Lote

Weichlote sind niedrigschmelzende Metalllegierungen. Historisch war Zinn-Blei (Sn-Pb) der Standard — gut zu verarbeiten, glänzende Lötstellen, niedriger Schmelzpunkt. Wegen der Giftigkeit von Blei ist es heute weitgehend verdrängt.

Heute dominieren bleifreie Lote, meist auf Zinnbasis mit Zusätzen:

  • Sn-Cu (Zinn-Kupfer) — günstig, verbreitet in der Installationstechnik
  • Sn-Ag und Sn-Ag-Cu (Zinn-Silber, Zinn-Silber-Kupfer) — bessere Eigenschaften, häufig in der Elektronik

Bleifreie Lote schmelzen tendenziell etwas höher als die alten Sn-Pb-Lote, was eine höhere Arbeitstemperatur verlangt.

Lote haben selten einen einzelnen Schmelzpunkt, sondern einen Schmelzbereich: eine untere Temperatur, ab der das Lot zu erweichen beginnt (Soliduslinie), und eine obere, ab der es vollständig flüssig ist (Liquiduslinie). Verarbeitet wird bei der Arbeitstemperatur, die etwas über dem vollständigen Aufschmelzen liegt.

Die genormte Bezeichnung der Weichlote regelt die EN ISO 9453. Daraus lässt sich die Zusammensetzung direkt ablesen — etwa S-Sn99Cu1 für ein Lot aus 99 % Zinn und 1 % Kupfer. Wer die Norm kennt, deutet die Aufdrucke auf den Verpackungen ohne Rätselraten.

Im Handel kommt das Lot meist als Lötdraht mit Flussmittelseele: ein hohler Draht, dessen Kanal mit Flussmittel gefüllt ist. So gelangen Lot und Flussmittel gemeinsam an die Lötstelle.

Bleifrei und RoHS

Dass heute überwiegend bleifrei gelötet wird, ist kein Zufall, sondern Folge der RoHS-Richtlinie der EU (Restriction of Hazardous Substances), in Österreich über nationale Verordnungen umgesetzt. Sie beschränkt unter anderem Blei in Elektro- und Elektronikgeräten. Hersteller müssen die Konformität nachweisen; auf bleifrei verarbeiteten Produkten und in Arbeitsanweisungen finden sich entsprechende Kennzeichnungen.

Es gibt Ausnahmen, in denen bleihaltiges Lot weiterhin zulässig ist — etwa in bestimmten Bereichen der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt, bei militärischen Anwendungen sowie bei der Reparatur von Altgeräten, die ursprünglich bleihaltig gefertigt wurden. In der allgemeinen mechatronischen Praxis arbeitet man jedoch bleifrei.

Flussmittel

Sobald ein Metall erhitzt wird, oxidiert seine Oberfläche schneller. Genau diese Oxidschicht verhindert die Benetzung. Hier kommt das Flussmittel ins Spiel. Es hat drei Aufgaben:

  • vorhandene Oxide auf der Oberfläche chemisch lösen,
  • während des Lötens eine erneute Oxidation verhindern,
  • die Benetzung fördern, indem es die Oberflächenspannung herabsetzt.

Grob lassen sich Flussmittel nach ihrer Basis einteilen:

  • Harzbasierte (Kolophonium) — mild, für Elektronik, Rückstände meist unkritisch
  • organische — wasserlöslich, aktiver, Rückstände sollten entfernt werden
  • anorganische, aktive (z. B. salzsäure- oder zinkchloridhaltig) — sehr wirksam, aber korrosiv; nur für Installations- und Klempnerarbeiten, niemals in der Elektronik

Für die exakte, genormte Klassifizierung gilt die EN ISO 9454. Sie ordnet Flussmittel nach Basis, Aktivator und Aktivierungsgrad in einem Code ein. In technischen Unterlagen, Arbeitsanweisungen und auf Produkten wird die Flussmittelklasse nach dieser Norm angegeben — Trivialnamen wie „Lötfett“ oder „Lötwasser“ reichen in der Fachpraxis nicht aus.

Auf einer Lötdraht-Verpackung steht „S-Sn99Cu1″. Was bedeutet das?

  • a) Ein Lot mit 99 % Zinn und 1 % Kupfer
  • b) Ein Lot mit 99 % Kupfer und 1 % Zinn
  • c) Eine Flussmittelklasse nach EN ISO 9454
  • d) Ein bleihaltiges Lot mit 99 % Blei

Richtig: a)

Nach EN ISO 9453 nennt die Bezeichnung Hauptbestandteil und Zusätze mit Anteilen. Sn99 steht für 99 % Zinn, Cu1 für 1 % Kupfer — ein bleifreies Zinn-Kupfer-Lot. Eine Flussmittelklasse wäre nach EN ISO 9454 codiert, nicht über Sn/Cu.

Warum darf ein stark aktives, zinkchloridhaltiges Flussmittel nicht in der Elektronik verwendet werden?

  • a) Es schmilzt zu früh
  • b) Seine Rückstände sind korrosiv und greifen Leiterbahnen und Bauteile an
  • c) Es verhindert die Benetzung
  • d) Es ist nicht nach EN ISO 9454 genormt

Richtig: b)

Anorganisch-aktive Flussmittel lösen Oxide sehr gut, ihre Rückstände sind aber korrosiv. Auf einer Platine würden sie über die Zeit Leiterbahnen und Anschlüsse zerstören. In der Elektronik nimmt man milde harzbasierte Flussmittel.

Was beschreibt der Schmelzbereich eines Weichlots?

  • a) Den Temperaturunterschied zwischen Lötspitze und Bauteil
  • b) Die zulässige Umgebungstemperatur bei der Lagerung
  • c) Die Spanne zwischen beginnender Erweichung und vollständigem Aufschmelzen
  • d) Den Bereich, in dem das Flussmittel wirkt

Richtig: c)

Legierungen schmelzen meist nicht bei einer einzigen Temperatur. Zwischen Solidus (Beginn des Erweichens) und Liquidus (vollständig flüssig) liegt der Schmelzbereich. Verarbeitet wird oberhalb davon, bei der Arbeitstemperatur.

Welche Aussage zur RoHS-Richtlinie trifft zu?

  • a) Sie verbietet bleihaltiges Lot ausnahmslos
  • b) Sie gilt nur in Deutschland
  • c) Sie regelt die Bezeichnung von Loten
  • d) Sie beschränkt Blei in Elektro- und Elektronikgeräten, lässt aber definierte Ausnahmen zu

Richtig: d)

RoHS beschränkt gefährliche Stoffe wie Blei in Elektro- und Elektronikgeräten EU-weit, in Österreich national umgesetzt. Für bestimmte Bereiche wie Medizin- oder Luftfahrttechnik und für Reparaturen bestehen Ausnahmen. Die Lotbezeichnung regelt dagegen EN ISO 9453.

4. Werkzeuge und Verfahren in der Praxis

Die Wärme für das Weichlöten liefert meist ein Lötkolben oder eine Lötstation mit einstellbarer Temperatur. Für größere Werkstücke wie Kupferrohre kommt auch eine Lötlampe oder ein Gasbrenner zum Einsatz, solange die Temperatur unter der Hartlötgrenze bleibt.

Entscheidend ist, dass die Wärme nicht nur an der Lötspitze sitz, sondern auf die Bauteile übergeht. Das Lot soll an den heißen Bauteilen schmelzen, nicht an der Kolbenspitze. Dazu wird die Spitze gut benetzt (verzinnt) — eine blanke, mit etwas Lot überzogene Spitze überträgt die Wärme viel besser als eine oxidierte, trockene.

Die richtige Reihenfolge ist immer dieselbe:

  1. Bauteile mechanisch sauber und fettfrei vorbereiten.
  2. Lötstelle erhitzen, bis sie heiß genug ist.
  3. Lot an die erwärmte Stelle zuführen, nicht an die Spitze — schmilzt das Lot am Bauteil, stimmt die Temperatur.
  4. Lot fließen lassen, bis der Spalt gefüllt ist.
  5. Lotzufuhr beenden, dann die Wärmequelle entfernen.
  6. Verbindung ruhig erkalten lassen, nicht bewegen.

Wird das Lot dagegen an der Spitze geschmolzen und auf eine zu kalte Stelle getropft, entsteht eine kalte Lötstelle (mehr dazu in Kapitel 5).

Die Anwendungen reichen weit auseinander. In der Sanitär- und Heizungstechnik werden Kupferrohre weichgelötet — Rohr und Fitting bilden durch ihre Passung von selbst einen Kapillarspalt, das Lot zieht ringsum hinein. In der Elektrotechnik verbindet Weichlöten Litzen, Kabelschuhe und Bauteile, sorgt für sicheren Kontakt und schützt verzinnte Litzen vor Korrosion. Das spezielle Löten auf Leiterplatten behandelt ein eigener Beitrag.

Beim Löten schmilzt das Lot sofort an der Kolbenspitze, am Werkstück selbst aber kaum. Was ist die richtige Konsequenz?

  • a) Das Werkstück ist noch zu kalt — länger und gezielter erwärmen
  • b) Mehr Lot zuführen
  • c) Die Spitze wechseln
  • d) Sofort Lot auftragen und abkühlen lassen

Richtig: a)

Das Lot soll an der erwärmten Lötstelle schmelzen, nicht an der Spitze. Schmilzt es nur an der Spitze, hat das Werkstück die Arbeitstemperatur nicht erreicht — mehr Wärme ins Bauteil bringen. Sofort auftragen und abkühlen ergäbe eine kalte Lötstelle.

Warum wird die Lötspitze vor dem Arbeiten verzinnt?

  • a) Damit sie glänzt
  • b) Damit weniger Flussmittel nötig ist
  • c) Damit die Spitze nicht zu heiß wird
  • d) Weil eine benetzte Spitze die Wärme besser auf das Werkstück überträgt

Richtig: d)

Eine dünne Lotschicht auf der Spitze stellt einen guten Wärmekontakt zwischen Spitze und Werkstück her. Eine oxidierte, trockene Spitze überträgt die Wärme schlecht, das Löten dauert länger und wird unsauberer.

In welcher Reihenfolge wird beim Abschluss eines Lötvorgangs vorgegangen?

  • a) Wärmequelle weg, dann Lot zuführen
  • b) Lot zuführen, dann Wärmequelle weg, dann Verbindung ruhig erkalten lassen
  • c) Verbindung sofort bewegen, damit das Lot besser verteilt
  • d) Lot und Wärme gleichzeitig entfernen, bevor der Spalt gefüllt ist

Richtig: b)

Erst das Lot in den gefüllten Spalt bringen, dann die Wärmequelle entfernen und die Stelle unbewegt erstarren lassen. Bewegung während des Erstarrens oder ein zu früher Abbruch ergibt eine gestörte, schwache Lötstelle.

5. Lötstellen beurteilen und Fehler vermeiden

Eine Lötstelle lässt sich zu einem großen Teil mit dem Auge beurteilen. Eine gute Lötstelle zeigt:

  • gleichmäßige, vollständige Benetzung beider Bauteile
  • einen sauberen, konkaven Übergang (Meniskus) zwischen Lot und Bauteil — das Lot zieht sich dünn an die Teile heran
  • die richtige Menge Lot, nicht zu viel und nicht zu wenig
  • keine Risse, Poren oder Lotperlen

Beim Glanz liegt eine häufige Fehlerquelle. Bei den alten bleihaltigen Loten war eine gute Lötstelle spiegelnd glänzend. Bleifreie Lote — heute der Standard — erstarren dagegen typischerweise matt bis seidenmatt, oft mit leicht rauer Oberfläche. Wer das nicht weiß, hält eine völlig korrekte bleifreie Lötstelle fälschlich für eine kalte Lötstelle. Maßgeblich ist nicht der Glanz, sondern die Benetzung und der saubere Meniskus.

Die wichtigsten Fehler und ihre Ursachen:

Fehler Aussehen Ursache
Kalte Lötstelle Lot perlt auf, kein Meniskus, matt-krümelig Bauteil zu kalt, zu kurz erhitzt
Ungenügende Benetzung Lot zieht sich nicht an, blanke Stellen bleiben Oxid, fehlendes/verbrauchtes Flussmittel, zu kalt
Überhitzung verbranntes Flussmittel, dunkle Stelle, sprödes Lot zu heiß, zu lange erhitzt
Zu viel Lot dicke Lotraupe, Tropfenbildung, Brücke zu viel Lot zugeführt
Zu wenig Lot Spalt nicht gefüllt, Lücken Lotzufuhr zu früh beendet

Arbeitsschutz

Beim Löten entsteht Lötrauch, vor allem aus dem verdampfenden und sich zersetzenden Flussmittel. Diese Dämpfe sind reizend und sollen nicht eingeatmet werden. Deshalb gilt:

  • An stationären Lötplätzen eine Lötrauchabsaugung verwenden, mindestens für gute Belüftung sorgen.
  • Nicht direkt über der Lötstelle einatmen.
  • Auf die Verbrennungsgefahr achten — Lötkolben und frisch gelötete Stellen sind sehr heiß.
  • Nach dem Arbeiten Hände waschen, besonders nach kontakt mit bleihaltigem Lot.

Der Arbeitsschutz ist in Österreich rechtlich verbindlich geregelt. Für gesundheitsgefährdende Arbeitsstoffe — und dazu zählt Lötrauch — bestehen verbindliche Vorgaben zu Grenzwerten und Schutzmaßnahmen, unter anderem über die Grenzwerteverordnung (GKV). Praktisch heißt das: Wo regelmäßig gelötet wird, ist die Lötrauchabsaugung keine Kür, sondern Teil der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen.

Eine mit bleifreiem Lot ausgeführte Verbindung sieht nach dem Erstarren matt und leicht rau aus, ist aber rundum sauber benetzt und zeigt einen konkaven Meniskus. Wie ist sie zu bewerten?

  • a) Kalte Lötstelle, neu löten
  • b) Überhitzte Lötstelle
  • c) Eine einwandfreie Lötstelle
  • d) Zu wenig Lot

Richtig: c)

Bleifreie Lote erstarren typischerweise matt bis seidenmatt. Entscheidend für die Qualität sind die vollständige Benetzung und der saubere Meniskus — beides ist gegeben. Die Stelle ist in Ordnung; die matte Optik allein ist kein Fehler.

Woran erkennt man eine echte kalte Lötstelle zuverlässig?

  • a) Am matten Aussehen
  • b) An der schlechten Benetzung — das Lot perlt auf, ohne sich an die Bauteile zu ziehen
  • c) An der zu großen Lotmenge
  • d) Am glänzenden Meniskus

Richtig: b)

Der Glanz taugt nicht als Kriterium, da bleifreie Lote von Natur aus matt sind. Eine kalte Lötstelle entsteht durch zu wenig Wärme: Das Lot benetzt nicht richtig, sitzt als Tropfen auf und zieht sich nicht an die Bauteile heran, oft mit Riss am Rand.

Bei einer Lötstelle ist das Flussmittel dunkel verbrannt und das Lot wirkt spröde und krümelig. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Überhitzung — zu heiß oder zu lange erwärmt
  • b) Zu wenig Lot
  • c) Zu kalt gelötet
  • d) Falsches Lot

Richtig: a)

Verbranntes Flussmittel und sprödes, mattes Lot deuten auf Überhitzung hin. Das Flussmittel ist zersetzt, bevor es wirken konnte, und die Verbindung wird schlecht. Abhilfe: niedrigere Temperatur, kürzere Erwärmzeit.

Warum ist an einem stationären Lötarbeitsplatz eine Lötrauchabsaugung vorgeschrieben?

  • a) Damit das Lot schneller erstarrt
  • b) Weil der Lötrauch reizende Bestandteile enthält und Arbeitsstoff-Grenzwerte einzuhalten sind
  • c) Damit das Flussmittel besser wirkt
  • d) Zum Schutz vor Verbrennungen

Richtig: b)

Lötrauch entsteht vor allem aus dem sich zersetzenden Flussmittel und enthält reizende Bestandteile. Der Arbeitsschutz ist in Österreich über die Grenzwerteverordnung geregelt; die Absaugung dient der Einhaltung der Grenzwerte. Gegen Verbrennungen schützt sie nicht (das ist eine separate Gefahr).

Abschlusstest

Welche der folgenden Eigenschaften beschreibt das Weichlöten korrekt?

  • a) Das Lot schmilzt unter 450 °C und verbindet die festen Bauteile stoffschlüssig
  • b) Der Grundwerkstoff wird aufgeschmolzen
  • c) Die Verbindung ist grundsätzlich unlösbar
  • d) Es wird kein Zusatzwerkstoff verwendet

Richtig: a)

Beim Weichlöten schmilzt nur das artfremde Lot (unter 450 °C), die Bauteile bleiben fest. Die Verbindung ist stoffschlüssig und durch erneutes Erhitzen bedingt lösbar — nicht grundsätzlich unlösbar.

Der Lötspalt einer Verbindung beträgt 0,3 mm. Welche Auswirkung hat das?

  • a) Die Kapillarwirkung arbeitet optimal
  • b) Der Kapillareffekt lässt nach, die Verbindung wird unzuverlässig
  • c) Die Festigkeit ist maximal
  • d) Das Lot kann nicht in den Spalt eindringen

Richtig: b)

Der optimale Kapillarspalt liegt bei 0,05–0,2 mm. Bei 0,3 mm ist der Spalt zu breit, die Kapillarwirkung lässt nach und das Lot füllt ihn nicht mehr zuverlässig. Eindringen kann das Lot grundsätzlich noch, aber unvollständig.

Was leistet ein Flussmittel beim Löten nicht?

  • a) Es löst Oxide auf der Oberfläche
  • b) Es verhindert erneute Oxidation während des Lötens
  • c) Es ersetzt die Wärmezufuhr und schmilzt das Lot
  • d) Es fördert die Benetzung

Richtig: c)

Flussmittel löst Oxide, verhindert Neuoxidation und verbessert die Benetzung. Es liefert aber keine Wärme und schmilzt das Lot nicht — die Wärme kommt vom Lötkolben oder Brenner.

Eine bleifreie Lötstelle erstarrt matt. Welche Schlussfolgerung ist richtig?

  • a) Sie ist immer fehlerhaft
  • b) Sie ist sicher überhitzt
  • c) Sie enthält zu viel Flussmittel
  • d) Mattheit allein ist normal; entscheidend sind Benetzung und Meniskus

Richtig: d)

Bleifreie Lote sind von Natur aus matt bis seidenmatt. Das ist kein Fehler. Beurteilt wird die Qualität an der vollständigen Benetzung und am sauberen konkaven Meniskus, nicht am Glanz.

Welche Norm regelt die genormte Bezeichnung von Weichloten?

  • a) EN ISO 9453
  • b) EN ISO 9454
  • c) RoHS-Richtlinie
  • d) EN ISO 12100

Richtig: a)

EN ISO 9453 regelt Bezeichnung und Zusammensetzung der Weichlote (z. B. S-Sn99Cu1). EN ISO 9454 betrifft die Flussmittel, RoHS die Stoffbeschränkung, EN ISO 12100 die Risikobeurteilung an Maschinen.

Warum gehört ein stark aktives, anorganisches Flussmittel nicht auf eine Leiterplatte?

  • a) Es ist zu teuer
  • b) Seine korrosiven Rückstände schädigen Leiterbahnen und Bauteile
  • c) Es schmilzt das Lot zu langsam
  • d) Es ist in Österreich verboten

Richtig: b)

Anorganisch-aktive Flussmittel wirken stark, hinterlassen aber korrosive Rückstände. Auf Elektronik würden sie über die Zeit Leiterbahnen und Kontakte zerstören. Dort verwendet man milde harzbasierte Flussmittel.

Beim Löten schmilzt das Lot nur an der Kolbenspitze, nicht am Werkstück. Was bedeutet das?

  • a) Es wurde zu viel Flussmittel verwendet
  • b) Das Lot ist bleifrei
  • c) Das Werkstück hat die Arbeitstemperatur noch nicht erreicht
  • d) Der Lötspalt ist zu eng

Richtig: c)

Das Lot soll an der erwärmten Lötstelle schmelzen. Schmilzt es nur an der Spitze, ist das Werkstück zu kalt — die Verbindung würde kalt werden. Lösung: mehr Wärme ins Bauteil bringen.

Welche Aussage zur Diffusionszone einer Lötverbindung ist korrekt?

  • a) Sie entsteht nur bei bleihaltigem Lot
  • b) Sie verhindert die elektrische Leitung
  • c) Sie entsteht erst nach dem vollständigen Erkalten durch Korrosion
  • d) Sie ist eine Legierungsschicht aus Lot- und Grundwerkstoffatomen und trägt die Festigkeit

Richtig: d)

An der Grenzfläche durchdringen sich Atome von Lot und Grundmetall und bilden eine feine Legierung. Diese stoffliche Verbindung trägt die Festigkeit der Lötstelle und entsteht beim Löten selbst, unabhängig vom Bleigehalt.

Warum wird beim bleifreien Arbeiten in der allgemeinen Elektronikfertigung kein bleihaltiges Lot mehr verwendet?

  • a) Die RoHS-Richtlinie beschränkt Blei in Elektro- und Elektronikgeräten
  • b) Bleihaltiges Lot schmilzt nicht
  • c) Bleifreies Lot ist immer billiger
  • d) Bleihaltiges Lot benetzt grundsätzlich nicht

Richtig: a)

RoHS beschränkt EU-weit gefährliche Stoffe wie Blei in Elektro- und Elektronikgeräten. Daher wird in der allgemeinen Fertigung bleifrei gearbeitet. Bleihaltiges Lot hätte technisch sogar Vorteile (niedrigerer Schmelzpunkt, glänzend), ist aber aus Gesundheitsgründen beschränkt — mit definierten Ausnahmen.

Was ist die richtige Reaktion auf regelmäßigen Lötrauch an einem Arbeitsplatz?

  • a) Ignorieren, Lötrauch ist harmlos
  • b) Lötrauchabsaugung einsetzen, da Arbeitsstoff-Grenzwerte gelten
  • c) Die Löttemperatur erhöhen
  • d) Mehr Flussmittel verwenden, um den Rauch zu binden

Richtig: b)

Lötrauch enthält reizende Bestandteile aus dem zersetzten Flussmittel. Der Arbeitsschutz ist in Österreich über die Grenzwerteverordnung verbindlich; an stationären Plätzen gehört die Absaugung zu den vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen. Mehr Flussmittel oder höhere Temperatur verschärfen das Problem.

Ein Kupferrohr-Fitting bildet beim Aufschieben von selbst einen schmalen Ringspalt. Welcher Effekt sorgt dafür, dass das Lot rundum auch nach oben in den Spalt gelangt?

  • a) Der Luftdruck
  • b) Die Schwerkraft
  • c) Die Kapillarwirkung
  • d) Das Flussmittel allein

Richtig: c)

Im engen Ringspalt zieht die Kapillarwirkung das flüssige, benetzende Lot hinein — auch entgegen der Schwerkraft. Das Flussmittel macht die Benetzung erst möglich, der Transport in den Spalt ist aber der Kapillareffekt.

Welche Kombination beschreibt eine fehlerhafte „kalte Lötstelle“ am besten?

  • a) Matte Oberfläche bei guter Benetzung
  • b) Glänzende Oberfläche mit konkavem Meniskus
  • c) Dünne, gleichmäßige Lotschicht im gefüllten Spalt
  • d) Lot perlt auf, kein Meniskus, schlechte Benetzung, oft Riss am Rand

Richtig: d)

Eine kalte Lötstelle entsteht durch zu wenig Wärme: Das Lot benetzt nicht, sitzt als Tropfen auf und zieht sich nicht an die Bauteile, häufig mit Riss. Matte Oberfläche bei guter Benetzung (a) ist dagegen bei bleifrei normal; b und c beschreiben gute Lötstellen.

Glossar

Weichlöten
Fügeverfahren, bei dem ein artfremdes Lot unter 450 °C schmilzt und die festen Bauteile stoffschlüssig verbindet.
Lot
niedrigschmelzender, artfremder Zusatzwerkstoff, der den Lötspalt füllt und die Verbindung bildet.
Benetzung
Ausbreiten des flüssigen Lotes auf einer sauberen Metalloberfläche statt Abperlen; Voraussetzung für die Verbindung.
Kapillarwirkung
Effekt, der eine benetzende Flüssigkeit von selbst in einen engen Spalt zieht, auch gegen die Schwerkraft.
Lötspalt
Abstand zwischen den zu verbindenden Bauteilen; beim Weichlöten optimal 0,05 bis 0,2 mm.
Diffusionszone
dünne Grenzschicht, in der sich Lot- und Grundwerkstoffatome zu einer Legierung verbinden und die Festigkeit tragen.
Schmelzbereich
Temperaturspanne zwischen beginnender Erweichung (Solidus) und vollständigem Aufschmelzen (Liquidus) eines Lotes.
Flussmittel
Stoff, der Oxide löst, erneute Oxidation verhindert und die Benetzung fördert.
Kalte Lötstelle
fehlerhafte Verbindung durch zu geringe Wärme; das Lot benetzt schlecht und zieht sich nicht an die Bauteile.
Meniskus
konkaver Übergang des Lotes zu den Bauteilen; Zeichen guter Benetzung an einer einwandfreien Lötstelle.
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