Folgesteuerung über Druck- und Wegventile
In vielen Hydraulikanlagen reicht eine einzelne Bewegung nicht aus. Eine Spannvorrichtung muss erst das Werkstück festhalten, bevor gebohrt wird. Eine Presse muss zustellen, dann pressen, dann zurückfahren. Solche Abläufe laufen in einer festen Reihenfolge ab, und jeder Schritt darf erst beginnen, wenn der vorige sauber abgeschlossen ist. Genau das leistet eine Folgesteuerung: Sie verkettet mehrere Bewegungen so, dass eine die nächste auslöst.
Das Spannende daran ist, wie diese Verkettung rein hydraulisch funktioniert — ohne SPS, ohne elektrische Logik, nur mit Ventilen und dem Verhalten des Öls. Der Schlüssel liegt in zwei Größen, an denen man das Ende eines Schritts erkennt: dem zurückgelegten Weg und dem aufgebauten Druck.
Vorwissen
- Ventile in der Hydraulik
- Hydraulikzylinder und -motoren
- Hydraulik-Grundlagen und Druckübersetzung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, was eine Folgesteuerung ist und wann man sie einsetzt
- die beiden Auslösekriterien Weg und Druck unterscheiden und das jeweils passende auswählen
- die Funktion eines mechanisch betätigten Wegeventils und eines Druckfolgeventils in einer Kette beschreiben
- die Spannkraft aus Schaltdruck und Kolbenfläche berechnen
- den vollständigen Ablauf einer einfachen Folgesteuerung in Schrittform darstellen und im Schaltplan wiedererkennen
1. Was ist eine Folgesteuerung?
Stell dir eine Vorrichtung vor, die ein Werkstück bearbeitet. Zylinder A spannt es ein, Zylinder B fährt mit dem Bohrwerkzeug zu, bohrt, zieht sich zurück, und erst dann öffnet die Spannung wieder. Vier Bewegungen, die in einer ganz bestimmten Reihenfolge ablaufen müssen. Würde B losfahren, bevor A gespannt hat, fliegt das Werkstück aus der Vorrichtung.
Eine Folgesteuerung sorgt dafür, dass diese Schritte zwangsläufig nacheinander ablaufen. Jeder Schritt meldet sein Ende, und diese Meldung startet den nächsten. Man spricht auch von einer Ablaufsteuerung, weil ein fester Ablauf abgearbeitet wird.
Der Unterschied zur Einzelbewegung ist die Verkettung. Bei einer Einzelbewegung betätigt der Bediener ein Ventil, der Zylinder fährt, fertig. Bei der Folgesteuerung gibt der Bediener nur den Startbefehl — den Rest erledigt die Anlage selbst, indem jeder abgeschlossene Schritt den folgenden auslöst.
Wichtig ist die Frage: Woran erkennt die Anlage überhaupt, dass ein Schritt fertig ist? Eine rein hydraulisch aufgebaute Folgesteuerung hat keine Sensoren und keine Logikbausteine. Sie nutzt zwei physikalische Größen, die sich während einer Bewegung ändern und am Schrittende einen eindeutigen Zustand erreichen.
Eine Vorrichtung soll ein Werkstück spannen und anschließend bohren. Warum ist hier eine Folgesteuerung sinnvoller als zwei voneinander unabhängige Einzelbewegungen?
- a) Weil die richtige Reihenfolge zwangsläinezuläufig eingehalten wird und der Bohrvorgang nicht vor dem Spannen starten kann
- b) Weil eine Folgesteuerung weniger Öl verbraucht
- c) Weil Einzelbewegungen keinen Zylinder ansteuern können
- d) Weil eine Folgesteuerung ohne Druck auskommt
Richtig: a)
Der entscheidende Vorteil ist die erzwungene Reihenfolge. Bei zwei unabhängigen Bewegungen könnte der Bohrzylinder fahren, bevor das Werkstück fixiert ist — ein Sicherheits- und Qualitätsproblem. Der Ölverbrauch (b) hängt nicht von der Steuerungsart ab. Aussage c ist falsch, Einzelbewegungen steuern sehr wohl Zylinder. Aussage d ist falsch, jede Hydraulikbewegung braucht Druck.
Was beschreibt den Begriff „Ablaufsteuerung“ am treffendsten?
- a) Eine Steuerung, die mehrere Verbraucher gleichzeitig und parallel ansteuert
- b) Eine Steuerung, die den Öldurchfluss konstant hält
- c) Eine Steuerung, die ausschließlich elektrisch arbeitet
- d) Eine Steuerung, bei der ein vorgegebener Ablauf Schritt für Schritt abgearbeitet wird, wobei jeder Schritt den nächsten freigibt
Richtig: d)
Bei der Ablaufsteuerung wird ein fester Ablauf sequenziell abgearbeitet, und der Abschluss eines Schritts gibt den folgenden frei — genau das Prinzip der Folgesteuerung. Paralleles Ansteuern (a) ist das Gegenteil. Konstanter Durchfluss (b) ist Aufgabe eines Stromventils. Elektrisch (c) trifft auf die rein hydraulische Folgesteuerung gerade nicht zu.
2. Auslösekriterien: Druck oder Weg
Damit ein Schritt den nächsten auslösen kann, muss sein Ende eindeutig erkennbar sein. In der Hydraulik gibt es dafür zwei zuverlässige Auslösekriterien.
Das erste ist der Weg. Der Zylinder hat seine Endlage erreicht, die Kolbenstange ist vollständig aus- oder eingefahren. Diese Position lässt sich mechanisch abgreifen: Die Kolbenstange oder ein mitfahrendes Bauteil betätigt am Ende des Hubs ein Ventil. Solange der Zylinder noch fährt, ist das Ventil nicht betätigt — erst die Endlage schaltet es um. Das Wegkriterium eignet sich immer dann, wenn der Zylinder eine definierte Strecke zurücklegt und seine Endlage erreichen soll.
Das zweite Kriterium ist der Druck. Fährt ein Zylinder gegen einen Anschlag oder presst er ein Werkstück, kann er sich nicht weiter bewegen. Das Öl kann nicht mehr verdrängt werden, und der Druck in dieser Leitung steigt an. Dieser Druckanstieg ist das Signal: Der Zylinder hat seine Arbeit getan, etwa das Werkstück mit der gewünschten Kraft gespannt. Das Druckkriterium passt überall dort, wo nicht ein bestimmter Weg, sondern eine bestimmte Kraft das Ziel ist.
Welches Kriterium man wählt, hängt vom Schritt ab. Ein Vorschubzylinder, der bis zum Anschlag fahren soll, wird sinnvoll über den Weg abgefragt. Ein Spannzylinder, der mit definierter Kraft halten soll, über den Druck. Beide Kriterien lassen sich in einer Anlage mischen.
Beide Wege haben ihre Tücken. Beim Druckkriterium istdie Einstellung heikel: Wird der Schaltdruck zu niedrig gewählt, schaltet der Folgeschritt zu früh, womöglich bevor die volle Spannkraft anliegt. Schwankt der Systemdruck, kann es zu Fehlauslösungen kommen. Beim Wegkriterium muss das betätigte Ventil zuverlässig genau in der Endlage schalten und darf nicht durch Verschmutzung oder mechanisches Spiel verzögert auslösen.
Die konkreten Bauformen der Ventile, die hier zum Einsatz kommen, sind ein eigenes Thema. Hier genügt das Verständnis ihrer Aufgabe in der Kette.
Ein Spannzylinder soll ein Werkstück mit einer bestimmten Kraft festhalten, bevor der nächste Schritt startet. Welches Auslösekriterium ist hier am sinnvollsten?
- a) Das Wegkriterium, weil die Endlage immer eindeutig ist
- b) Beides ist gleich gut, da Kraft und Weg dasselbe aussagen
- c) Das Druckkriterium, weil der Druckanstieg das Erreichen der Spannkraft anzeigt
- d) Keines, ein Spannvorgang lässt sich nicht überwachen
Richtig: c)
Beim Spannen ist nicht ein bestimmter Weg, sondern eine bestimmte Kraft das Ziel. Diese Kraft zeigt sich im Druckanstieg, sobald der Zylinder am Werkstück ansteht — daher das Druckkriterium. Das Wegkriterium (a) sagt nichts über die anliegende Kraft aus, da das Werkstück je nach Toleranz an unterschiedlicher Position erreicht wird. Kraft und Weg sind nicht dasselbe (b). Aussage d ist falsch, gerade der Druck macht den Vorgang überwachbar.
Warum kann ein schwankender Systemdruck bei einer druckgesteuerten Folge zu Problemen führen?
- a) Weil dadurch der Zylinder schneller fährt
- b) Weil Druckschwankungen den Weg des Zylinders verlängern
- c) Weil das Öl bei Schwankungen seine Viskosität verliert
- d) Weil das Druckfolgeventil bei kurzzeitigen Druckspitzen zu früh oder unbeabsichtigt schalten kann
Richtig: d)
Das Druckfolgeventil schaltet bei Erreichen eines eingestellten Drucks. Steigt der Systemdruck kurzzeitig durch eine Spitze über diesen Wert, kann das Ventil auslösen, obwohl der eigentliche Arbeitsdruck noch nicht erreicht ist — eine Fehlauslösung. Die Fahrgeschwindigkeit (a) hängt vom Volumenstrom ab, nicht direkt von solchen Spitzen. Der zurückgelegte Weg (b) ist mechanisch begrenzt und ändert sich nicht durch Druckschwankungen. Die Viskosität (c) ist druckschwankungsunabhängig in diesem Rahmen.
3. Wegventil als Schrittauslöser
Beim Wegkriterium übernimmt ein mechanisch betätigtes Wegeventil die Rolle des Schrittauslösers. Es sitzt am Ende der Bewegungsstrecke, und seine Betätigung erfolgt durch die Kolbenstange selbst oder durch ein mit ihr verbundenes Bauteil. Üblich ist eine Betätigung über einen Rollenhebel oder einen Stößel: Erreicht der Kolben die Endlage, drückt eine Anschlagfläche gegen die Rolle, das Ventil schaltet um. Ein so aufgebautes Ventil nennt man Rollenhebelventil.
In diesem umgeschalteten Zustand gibt das Ventil den Ölweg zum nächsten Zylinder frei. Solange die Endlage nicht erreicht ist, bleibt das Ventil in Ruhestellung und der Folgezylinder erhält kein Öl. So entsteht die Verkettung: Bewegung A läuft, A erreicht die Endlage, A betätigt das Wegeventil, das Wegeventil schaltet Öl auf Bewegung B.
Eine einfache Zwei-Zylinder-Wegfolge lässt sich so beschreiben: Der Bediener startet, Zylinder A fährt aus. Am Ende seines Hubs betätigt die Kolbenstange von A ein Rollenhebelventil. Dieses Ventil leitet das Öl weiter zu Zylinder B, der daraufhin ausfährt. B fährt nur, weil A vorher seine Endlage gemeldet hat — die Reihenfolge ist zwangsläufig.
Die folgende Skizze zeigt diese Anordnung schematisch.
Wodurch wird das Wegeventil in einer wegabhängigen Folgesteuerung typischerweise betätigt?
- a) Durch die Kolbenstange oder ein mitfahrendes Bauteil beim Erreichen der Endlage
- b) Durch einen Druckanstieg in der Leitung
- c) Durch ein elektrisches Signal des Bedieners
- d) Durch das Absinken der Öltemperatur
Richtig: a)
Das mechanisch betätigte Wegeventil wird durch die Kolbenstange oder einen Anschlagnocken in der Endlage betätigt — der Weg ist das Kriterium. Ein Druckanstieg (b) gehört zum Druckkriterium und damit zum Druckfolgeventil. Ein elektrisches Signal (c) wäre eine elektrohydraulische Lösung. Die Öltemperatur (d) hat damit nichts zu tun.
In einer Zwei-Zylinder-Wegfolge fährt B nicht aus, obwohl A vollständig ausgefahren ist. Welche Ursache passt am besten zum beschriebenen Prinzip?
- a) Der Systemdruck ist generell zu hoch eingestellt
- b) Das von A betätigte Wegeventil schaltet nicht um und gibt den Ölweg zu B nicht frei
- c) Zylinder B ist grundsätzlich zu groß dimensioniert
- d) Die Folge benötigt zwingend ein zusätzliches Druckventil
Richtig: b)
Die Verkettung hängt am Wegeventil: Schaltet es trotz erreichter Endlage von A nicht um — etwa durch Verschmutzung, Spiel oder einen verstellten Anschlag — bekommt B kein Öl und fährt nicht. Ein zu hoher Systemdruck (a) würde das Ausfahren eher nicht verhindern. Die Größe von B (c) ändert nichts an der grundsätzlichen Freigabe. Ein Druckventil (d) ist in der reinen Wegfolge nicht erforderlich.
4. Druckventil als Schrittauslöser
Beim Druckkriterium übernimmt ein Druckfolgeventil den Schrittwechsel. Man kennt es auch als Zuschaltventil. Es bleibt geschlossen, solange der Druck in der überwachten Leitung unter einem eingestellten Wert liegt, und öffnet erst, wenn dieser Schaltdruck erreicht ist. Mit dem Öffnen gibt es den Weg zum nächsten Zylinder frei.
Der typische Anwendungsfall ist das Spannen. Zylinder A fährt gegen das Werkstück. Solange er sich noch bewegt, bleibt der Druck niedrig. Sobald er ansteht und das Werkstück presst, kann das Öl nicht weiter verdrängt werden, und der Druck steigt. Erreicht er den am Druckfolgeventil eingestellten Wert, öffnet das Ventil und gibt Öl auf Zylinder B frei. Damit ist sichergestellt, dass B erst dann startet, wenn A mit ausreichender Kraft spannt.
Die Einstellung des Schaltdrucks bestimmt also indirekt die Mindest-Spannkraft, die anliegen muss, bevor der nächste Schritt freigegeben wird. Dieser Zusammenhang ist rein über Druck, Kraft und Kolbenfläche beschreibbar.
Die Kraft, die ein Zylinder ausübt, ergibt sich aus dem Druck und der wirksamen Kolbenfläche:
F = p * A
- F … Kolbenkraft in N
- p … Druck in N/mm² (1 bar = 0,1 N/mm²)
- A … wirksame Kolbenfläche in mm²
Die Kolbenfläche eines Rundkolbens berechnet sich aus dem Durchmesser:
A = (pi / 4) * d * d
- A … Kolbenfläche in mm²
- d … Kolbendurchmesser in mm
- pi … Kreiszahl, rund 3,1416
Setzt man den eingestellten Schaltdruck als Druck ein, erhält man die Spannkraft, die genau dann anliegt, wenn das Druckfolgeventil öffnet. So lässt sich der Schaltdruck gezielt auf eine gewünschte Mindest-Spannkraft auslegen.
Gelöstes Beispiel
Ein Spannzylinder hat einen Kolbendurchmesser von 63 mm. Das Druckfolgeventil ist auf einen Schaltdruck von 100 bar eingestellt. Welche Spannkraft liegt an, wenn das Ventil öffnet?
Gegeben: d = 63 mm; p = 100 bar = 10 N/mm²
Gesucht: Spannkraft F in N
Lösungweg:
- Schritt 1 — Kolbenfläche:
A = (pi / 4) * d²
A = 0,7854 * 63² mm²
A = 0,7854 * 3969 mm²
A = 3117 mm² - Schritt 2 — Spannkraft:
F = p * A
F = 10 N/mm² * 3117 mm²
F = 31 170 N
Ergebnis: Beim Öffnen des Ventils liegt eine Spannkraft von rund 31 170 N an, also etwa 31,2 kN.
Übungen
Ein Spannzylinder mit 40 mm Kolbendurchmesser arbeitet bei einem Schaltdruck von 60 bar. Wie groß ist die Spannkraft beim Öffnen des Druckfolgeventils?
A = 0,7854 · 40² = 1257 mm²; F = 6 N/mm² · 1257 mm² = 7542 N, also rund 7,5 kN.
Welche Kolbenfläche hat ein Zylinder mit 80 mm Durchmesser?
A = 0,7854 · 80² = 0,7854 · 6400 = 5027 mm², also rund 50,3 cm².
Ein Zylinder mit 50 mm Kolbendurchmesser soll beim Öffnen des Druckfolgeventils eine Spannkraft von mindestens 15 000 N erreichen. Welcher Schaltdruck ist dafür nötig?
A = 0,7854 · 50² = 1963 mm²; p = F / A = 15 000 N / 1963 mm² = 7,64 N/mm², also rund 76,4 bar. Der Schaltdruck muss mindestens etwa 77 bar betragen.
Zwei Spannzylinder mit gleichem Schaltdruck von 90 bar sollen die gleiche Spannkraft liefern. Zylinder 1 hat 50 mm Durchmesser. Welchen Durchmesser braucht Zylinder 2, wenn er die doppelte Kraft aufbringen soll?
Bei gleichem Druck ist die Kraft proportional zur Fläche und damit zum Quadrat des Durchmessers. Doppelte Kraft heißt doppelte Fläche, also d₂ = d₁ · √2 = 50 · 1,414 = 70,7 mm. Zylinder 2 braucht rund 71 mm Durchmesser.
Eine Folgesteuerung soll erst bei 120 bar weiterschalten. Der Spannzylinder hat 90 mm Kolbendurchmesser. Prüfe, ob die anliegende Spannkraft die geforderten 70 kN sicher überschreitet.
A = 0,7854 · 90² = 6362 mm²; F = 12 N/mm² · 6362 mm² = 76 344 N, also rund 76,3 kN. Die geforderten 70 kN werden überschritten, der Schaltdruck ist ausreichend gewählt.
Ein Druckfolgeventil ist auf 100 bar eingestellt. Der Spannzylinder fährt frei aus, ohne ein Werkstück zu berühren. Was passiert?
- a) Das Ventil öffnet sofort, da der Zylinder sich bewegt
- b) Das Ventil öffnet bei halbem Druck, also 50 bar
- c) Das Ventil öffnet nicht, weil der Druck bei freier Bewegung niedrig bleibt und 100 bar nicht erreicht werden
- d) Das Ventil öffnet erst nach Ablauf einer festen Wartezeit
Richtig: c)
Solange der Zylinder frei ausfährt, kann das Öl ungehindert verdrängt werden und der Druck bleibt niedrig. Der Schaltdruck von 100 bar wird nicht erreicht, das Ventil bleibt geschlossen — der Folgeschritt startet erst, wenn der Zylinder ansteht und der Druck steigt. Es öffnet weder sofort (a) noch bei halbem Druck (b). Eine Wartezeit (d) spielt beim reinen Druckkriterium keine Rolle.
Ein Spannzylinder mit 50 mm Kolbendurchmesser arbeitet mit einem Schaltdruck von 80 bar. Wie verändert sich die Spannkraft beim Öffnen, wenn man bei gleichem Druck auf einen Zylinder mit 100 mm Durchmesser wechselt?
- a) Sie verdoppelt sich
- b) Sie bleibt gleich, da der Druck unverändert ist
- c) Sie halbiert sich
- d) Sie vervierfacht sich, weil die Fläche mit dem Quadrat des Durchmessers wächst
Richtig: d)
Die Kraft ist bei konstantem Druck proportional zur Kolbenfläche, und die Fläche wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Verdoppelt man den Durchmesser von 50 auf 100 mm, vervierfacht sich die Fläche und damit die Kraft. Eine Verdopplung (a) würde nur bei doppelter Fläche eintreten. Gleich (b) bleibt sie nicht, der Durchmesser ändert sich. Halbieren (c) ist das Gegenteil des tatsächlichen Effekts.
Warum legt man den Schaltdruck einer Spann-Folgesteuerung meist knapp unter den maximalen Systemdruck?
- a) Damit das Druckfolgeventil möglichst selten schaltet
- b) Damit der Zylinder schneller ausfährt
- c) Damit weniger Öl verbraucht wird
- d) Damit der Folgeschritt erst freigegeben wird, wenn nahezu die volle Spannkraft anliegt
Richtig: d)
Ein knapp unter dem Systemdruck liegender Schaltdruck stellt sicher, dass das Werkstück fast mit voller Kraft gespannt ist, bevor der nächste Schritt startet. Die Schalthäufigkeit (a) ist nicht das Auslegungsziel. Die Ausfahrgeschwindigkeit (b) hängt vom Volumenstrom ab. Der Ölverbrauch (c) wird davon nicht bestimmt.
5. Vollständiger Ablauf einer Folgesteuerung
Jetzt setzen wir die Schritte zu einem kompletten Ablauf zusammen. Als Beispiel dient die Spann-Bohr-Vorrichtung: Zylinder A spannt das Werkstück, Zylinder B führt das Bohrwerkzeug. Üblich ist die Schreibweise mit „+“ für ausfahren und „−“ für einfahren. Der vollständige Ablauf lautet:
A+ → B+ → B− → A−
Zuerst spannt A (A+). Das Druckfolgeventil erkennt am Druckanstieg, dass die Spannkraft anliegt, und gibt B frei. B fährt aus und bohrt (B+). Am unteren Hubende betätigt B ein Wegeventil, das die Rückbewegung einleitet (B−). Ist B wieder oben, betätigt es dort ein weiteres Wegeventil, das schließlich die Spannung löst (A−). Erst danach ist die Vorrichtung wieder frei für das nächste Werkstück.
Dieser Ablauf zeigt das typische Mischen der Kriterien: Der Wechsel von A+ auf B+ läuft über den Druck (Spannkraft muss anliegen), die Schritte rund um B über den Weg (Endlagen des Bohrhubs). Welcher Schritt über welches Kriterium ausgelöst wird, ergibt sich aus seiner Aufgabe.
Den Ablauf stellt man übersichtlich in einer Schritttabelle dar. Sie zeigt für jeden Schritt, was passiert und wodurch der nächste ausgelöst wird:
| Schritt | Aktion | Bedeutung | Auslöser für den nächsten Schritt |
|---|---|---|---|
| 1 | A+ | Werkstück spannen | Druckanstieg erreicht Schaltdruck |
| 2 | B+ | Bohrwerkzeug zustellen, bohren | Wegeventil am unteren Hubende |
| 3 | B− | Bohrwerkzeug zurückziehen | Wegeventil am oberen Hubende |
| 4 | A− | Spannung lösen | Ablauf beendet, bereit für Start |
Eine genauere zeitliche Darstellung über ein Weg-Schritt- oder Weg-Zeit-Diagramm ist ein eigenes Thema der Funktionsdiagramme und wird dort ausführlich behandelt.
Geht ein Schritt schief — etwa weil ein Wegeventil klemmt oder der Schaltdruck neuerreicht wird — bleibt die Kette stehen. Der nächste Schritt bekommt keine Freigabe, und die Anlage verharrt im aktuellen Zustand. Das ist sicherheitstechnisch erwünscht: Lieber ein Stillstand als ein Folgeschritt unter falschen Bedingungen. Bei der Fehlersuche arbeitet man die Kette daher Schritt für Schritt ab und prüft, an welcher Stelle die Freigabe ausbleibt.
In der Praxis liest man eine solche Folgesteuerung aus ihrem hydraulischen Schaltplan. Die Bauteile sind dort nach ÖNORM ISO 1219 mit genormten Symbolen dargestellt — Zylinder, Wege- und Druckventile, Leitungen. Wer die Symbole und das Folgeprinzip kennt, erkennt im Plan, welcher Zylinder welchen Schritt auslöst und über welches Kriterium. Die genaue Symbolik des Schaltplans ist ein eigenes Thema; entscheidend ist hier, die Folge im Plan wiederzuerkennen.
Wo rein hydraulische Folgesteuerungen an Grenzen stoßen — bei vielen Schritten, Verzweigungen oder häufig wechselnden Abläufen — übernimmt heute oft eine elektrohydraulische Lösung mit Magnetventilen und einer übergeordneten Steuerung. Das Grundprinzip der Schrittverkettung bleibt aber dasselbe.
Der Ablauf einer Vorrichtung lautet A+ → B+ → B− → A−. Was bedeutet der Schritt „A−“ am Ende?
- a) Zylinder A fährt ein und löst die Spannung
- b) Zylinder A fährt aus und spannt erneut
- c) Zylinder A wird abgesperrt und drucklos gemacht
- d) Zylinder A wechselt auf das Druckkriterium
Richtig: a)
Das „−“ steht für die einfahrende Bewegung. Da A der Spannzylinder ist, bedeutet A− das Lösen der Spannung am Ende des Ablaufs. Ausfahren und erneut spannen (b) wäre A+. Ein bloßes Abschalten (c) beschreibt die Notation nicht. Ein Wechsel des Auslösekriteriums (d) ist mit der Schreibweise nicht gemeint.
In der Folge A+ → B+ → B− → A− bleibt die Anlage nach A+ stehen, B+ startet nicht. Welche Prüfung ist nach dem beschriebenen Prinzip am sinnvollsten zuerst?
- a) Ob Zylinder B den falschen Durchmesser hat
- b) Ob der Spanndruck den eingestellten Schaltdruck des Druckfolgeventils erreicht
- c) Ob das Öl die richtige Farbe hat
- d) Ob die Vorrichtung geerdet ist
Richtig: b)
Der Übergang von A+ auf B+ läuft über das Druckkriterium. Bleibt B+ aus, liegt es naheliegend daran, dass der Schaltdruck nicht erreicht wird — etwa durch zu geringen Spanndruck. Daher prüft man zuerst diesen Druck. Der Durchmesser von B (a) erklärt das Ausbleiben der Freigabe nicht. Ölfarbe (c) und Erdung (d) sind hier irrelevant.
Warum ist es sicherheitstechnisch sinnvoll, dass die Kette bei einer ausbleibenden Freigabe einfach stehenbleibt?
- a) Weil der Stillstand Energie spart
- b) Weil die Anlage dadurch schneller wird
- c) Weil ein Folgeschritt unter falschen Bedingungen vermieden wird
- d) Weil das Öl sonst überhitzt
Richtig: c)
Bleibt eine Freigabe aus, startet der nächste Schritt nicht — so wird verhindert, dass etwa gebohrt wird, obwohl das Werkstück nicht ausreichend gespannt ist. Der sichere Zustand ist der Stillstand. Energieersparnis (a), Geschwindigkeit (b) und Ölüberhitzung (d) sind nicht der Grund für dieses Verhalten.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Spannzylinder hat 70 mm Kolbendurchmesser. Das Druckfolgeventil ist auf 90 bar eingestellt. Welche Spannkraft liegt beim Öffnen des Ventils an?
Gegeben: d = 70 mm; p = 90 bar = 9 N/mm²
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
- A = 0,7854 · 70² = 0,7854 · 4900 = 3848 mm²
- F = 9 N/mm² · 3848 mm² = 34 632 N
Ergebnis: rund 34 630 N, also etwa 34,6 kN.
Aufgabe 2: Ein Spannzylinder mit 56 mm Kolbendurchmesser soll beim Öffnen des Druckfolgeventils mindestens 18 000 N aufbringen. Welcher Schaltdruck ist erforderlich?
Gegeben: d = 56 mm; F = 18 000 N
Gesucht: p in bar
Lösungsweg:
- A = 0,7854 · 56² = 0,7854 · 3136 = 2463 mm²
- p = F / A = 18 000 N / 2463 mm² = 7,31 N/mm²
Ergebnis: rund 7,3 N/mm², also etwa 73 bar Schaltdruck.
Aufgabe 3: Eine Folgesteuerung schaltet bei 110 bar weiter. Der Spannzylinder hat 80 mm Durchmesser. Wie groß ist die Spannkraft beim Schalten?
Gegeben: d = 80 mm; p = 110 bar = 11 N/mm²
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
- A = 0,7854 · 80² = 0,7854 · 6400 = 5027 mm²
- F = 11 N/mm² · 5027 mm² = 55 297 N
Ergebnis: rund 55 300 N, also etwa 55,3 kN.
Aufgabe 4: Zwei Spannzylinder arbeiten am selben Druckfolgeventil mit 100 bar. Zylinder 1 hat 50 mm Durchmesser, Zylinder 2 hat 60 mm Durchmesser. Um wie viel Prozent ist die Spannkraft von Zylinder 2 größer als die von Zylinder 1?
Gegeben: d₁ = 50 mm; d₂ = 60 mm; p gleich
Gesucht: prozentualer Kraftunterschied
Lösungsweg:
- Bei gleichem Druck ist das Kraftverhältnis gleich dem Flächenverhältnis, also (d₂/d₁)² = (60/50)² = 1,44.
Ergebnis: Zylinder 2 liefert die 1,44-fache Kraft, also 44 % mehr Spannkraft.
Welches Auslösekriterium nutzt ein Druckfolgeventil?
- a) Den in der Leitung aufgebauten Druck
- b) Den zurückgelegten Weg des Zylinders
- c) Die Temperatur des Öls
- d) Die Drehzahl der Pumpe
Richtig: a)
Das Druckfolgeventil schaltet bei Erreichen eines eingestellten Drucks — das Druckkriterium. Der Weg (b) gehört zum Wegeventil. Temperatur (c) und Pumpendrehzahl (d) sind keine Auslösekriterien einer Folgesteuerung.
Eine Bewegung soll bis zu einem definierten Endanschlag laufen, ohne dabei eine bestimmte Kraft aufzubringen. Welches Kriterium ist passend?
- a) Das Druckkriterium
- b) Das Wegkriterium
- c) Ein Temperaturkriterium
- d) Gar keines, das ist nicht steuerbar
Richtig: b)
Gehört es um eine definierte Endlage ohne Arbeitskraft, ist der Weg die richtige Größe. Das Druckkriterium (a) würde erst bei hartem Anschlag auslösen und das Bauteil belasten. Ein Temperaturkriterium (c) gibt es hier nicht. Steuerbar ist es sehr wohl (d).
Was beschreibt die Notation „B+“ in einer Folgesteuerung?
- a) Zylinder B fährt ein
- b) Zylinder B wird drucklos
- c) Zylinder B fährt aus
- d) Zylinder B wird verriegelt
Richtig: c)
Das „+“ steht für die ausfahrende Bewegung. Einfahren (a) wäre B−. Drucklos (b) und Verriegeln (d) sind mit der Notation nicht gemeint.
Ein Zylinder fährt frei aus und arbeitet gegen keinen Widerstand. Was passiert mit dem Druck in seiner Zuleitung während der Bewegung?
- a) Er steigt kontinuierlich bis zum Maximaldruck
- b) Er schwankt im Takt der Pumpendrehzahl auf Maximalwert
- c) Er fällt auf null
- d) Er bleibt niedrig, solange das Öl ungehindert verdrängt wird
Richtig: d)
Solange der Kolben frei fährt, wird das Öl ungehindert verdrängt und der Druck bleibt niedrig. Er steigt erst, wenn der Zylinder ansteht. Ein kontinuierlicher Anstieg auf Maximaldruck (a) tritt nicht auf, ebenso wenig ein Maximalwert durch Pumpentakt (b). Auf null (c) fällt der Druck nicht, ein gewisser Bewegungsdruck bleibt erhalten.
In einer Spann-Bohr-Vorrichtung startet der Bohrzylinder, obwohl das Werkstück nur lose gespannt ist. Welche Ursache passt am besten?
- a) Der Schaltdruck des Druckfolgeventils ist zu niedrig eingestellt
- b) Der Bohrzylinder hat einen zu großen Durchmesser
- c) Das Hydrauliköl ist zu kalt
- d) Die Pumpe fördert zu viel Volumenstrom
Richtig: a)
Ist der Schaltdruck zu niedrig, öffnet das Druckfolgeventil bereits bei geringer Spannkraft und gibt den Bohrschritt zu früh frei. Der Durchmesser des Bohrzylinders (b) beeinflusst die Spannung nicht. Öltemperatur (c) und Volumenstrom (d) sind nicht die naheliegende Ursache für ein zu frühes Schalten.
Warum mischt man in einer Folgesteuerung häufig Weg- und Druckkriterium?
- a) Weil ein Ventiltyp allein technisch nicht funktioniert
- b) Weil jeder Schritt das Kriterium bekommt, das zu seiner Aufgabe passt
- c) Weil die Norm zwei Kriterien vorschreibt
- d) Weil sich dadurch der Ölverbrauch halbiert
Richtig: b)
Spannschritte verlangen eine Kraft (Druck), Fahrschritte eine Endlage (Weg) — man wählt je Schritt das passende Kriterium. Beide Ventiltypen funktionieren auch allein (a). Eine Norm-Vorschrift dazu (c) gibt es nicht. Den Ölverbrauch (d) beeinflusst das nicht.
Eine wegabhängige Folge bleibt stehen, weil ein Rollenhebelventil verschmutzt ist und nicht umschaltet. Was ist die unmittelbare Folge?
- a) Der Folgezylinder fährt trotzdem, nur langsamer
- b) Der Systemdruck fällt sofort auf null
- c) Der Folgezylinder erhält kein Öl und bleibt stehen
- d) Die Pumpe schaltet automatisch ab
Richtig: c)
Schaltet das Wegeventil nicht um, wird the Ölweg zum Folgezylinder nicht freigegeben — er bleibt stehen. Ein langsames Fahren (a) tritt nicht auf, da keine Freigabe erfolgt. Ein Druckabfall auf null (b) und ein automatisches Pumpenabschalten (d) folgen daraus nicht zwangsläufig.
Ein Spannzylinder mit 90 mm Durchmesser soll bei 70 kN Spannkraft weiterschalten. Reicht ein Schaltdruck von 120 bar?
- a) Nein, der Druck ist deutlich zu niedrig
- b) Nein, die Kraft erreicht nur etwa 50 kN
- c) Das lässt sich ohne die Öltemperatur nicht beantworten
- d) Ja, die anliegende Kraft liegt mit rund 76 kN über der Forderung
Richtig: d)
A = 0,7854 · 90² = 6362 mm²; F = 12 N/mm² · 6362 mm² ≈ 76 300 N. Die rund 76 kN überschreiten die geforderten 70 kN, der Schaltdruck reicht. Er ist nicht zu niedrig (a) und liefert mehr als 50 kN (b). Die Öltemperatur (c) ist für diese Auslegung nicht nötig.
Was lässt sich aus einem hydraulischen Schaltplan nach ÖNORM ISO 1219 für eine Folgesteuerung ablesen?
- a) Nur der Stromverbrauch der Anlage
- b) Welche Zylinder und Ventile verbaut sind und wie die Schritte ausgelöst werden
- c) Ausschließlich die Öltemperatur
- d) Die Lackfarbe der Maschine
Richtig: b)
Der genormte Schaltplan zeigt die Bauteile und ihre Verschaltung, woraus sich die Schrittauslösung ableiten lässt. Stromverbrauch (a), Öltemperatur (c) und Lackfarbe (d) stehen dort nicht.
Eine rein hydraulische Folgesteuerung stößt bei sehr vielen Schritten und häufig wechselnden Abläufen an Grenzen. Welche Lösung wird dann in der Praxis oft gewählt?
- a) Man verzichtet ganz auf eine Reihenfolge
- b) Man ersetzt das Öl durch Druckluft
- c) Man erhöht einfach den Systemdruck
- d) Eine elektrohydraulische Steuerung mit Magnetventilen und übergeordneter Steuerung
Richtig: d)
Bei komplexen, wechselnden Abläufen übernimmt eine elektrohydraulische Lösung, bei der eine Steuerung die Magnetventile ansteuert — flexibler als rein mechanische Verkettung. Auf die Reihenfolge verzichten (a) widerspräche dem Zweck. Ein Medienwechsel (b) oder höherer Druck (c) lösen das Problem der Ablaufkomplexität nicht.
Glossar
- Folgesteuerung
- Steuerung, die mehrere Bewegungen in fester Reihenfolge ablaufen lässt, wobei jeder abgeschlossene Schritt den nächsten auslöst.
- Ablaufsteuerung
- Oberbegriff für eine Steuerung, die einen vorgegebenen Ablauf Schritt für Schritt abarbeitet; die Folgesteuerung ist eine Form davon.
- Auslösekriterien
- Die Größe, an der das Ende eines Schritts erkannt wird; in der Hydraulik der zurückgelegte Weg oder der aufgebaute Druck.
- Wegeventil als Schrittauslöser
- Mechanisch betätigtes Ventil, das in der Endlage des Zylinders umschaltet und den Ölweg zum nächsten Schritt freigibt.
- Rollenhebelventil
- Mechanisch betätigtes Wegeventil, dessen Steuerschieber über einen Hebel mit einer Rolle durch mechanischen Kontakt, etwa mit einem Nocken der Kolbenstange, umgesteuert wird.
- Druckfolgeventil
- Auch Zuschaltventil; öffnet erst, wenn der eingestellte Schaltdruck erreicht ist, und gibt dann den nächsten Schritt frei.
- Schaltdruck
- Der am Druckfolgeventil eingestellte Druck, bei dessen Erreichen das Ventil öffnet.
- Notation „+/−“
- Kompakte Schreibweise für Zylinderbewegungen; „+“ steht für ausfahren, „−“ für einfahren.
