Pneumatik-Schaltpläne nach ÖNORM ISO 1219
Ein Schaltplan ist die Landkarte einer pneumatischen Anlage. Wer ihn lesen kann, versteht in Sekunden, was die Maschine tut, wie die Druckluft fließt und wo bei einer Störung zu suchen ist. Wer ihn nicht lesen kann, steht ratlos vor einem Bündel Schläuche.
Die gute Nachricht: Pneumatik-Schaltpläne sind genormt. Egal ob der Plan aus einer Werkstatt in Graz, einem Maschinenbauer in Linz oder einer Fachunterlage stammt — die Symbole, die Anschlussbezeichnungen und der grundsätzliche Aufbau sind überall gleich. Geregelt wird das in der ÖNORM ISO 1219. Dieser Beitrag zeigt, wie diese Bildsprache funktioniert und wie man aus einem Plan die tatsächliche Funktion einer Schaltung herausliest.
Vorwissen
- Grundlagen Druckluft und Pneumatik
- Wegeventile – Bezeichnung und Funktion
- Pneumatikzylinder – Bauformen und Funktion
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum pneumatische Schaltpläne genormt sind und was die ÖNORM ISO 1219 regelt
- die wichtigsten Schaltzeichen der Pneumatik erkennen und einordnen
- die genormten Anschlussbezeichnungen an Wegeventilen lesen und ihre Bedeutung benennen
- den Aufbau eines Schaltplans in Ebenen gliedern und den Signal- sowie Energiefluss verfolgen
- einen vollständigen Schaltplan vom Grundzustand bis zum betätigten Zustand Schritt für Schritt lesen
1. Warum genormte Schaltpläne?
Stell dir vor, jeder Techniker würde eine pneumatische Schaltung nach eigenem Gutdünken aufzeichnen. Der eine malt den Zylinder als Rechteck, der andere als Kreis, der dritte schreibt die Anschlüsse mit Buchstaben, der vierte mit Fantasienamen. Ein solcher Plan wäre nur für die Person verständlich, die ihn gezeichnet hat — und auch das nur, solange sie sich erinnert. Sobald jemand anderes an die Anlage muss, beginnt das Rätselraten.
Genau deshalb gibt es die Norm. Ein Schaltplan erfüllt drei Aufgaben: Er hilft beim Planen einer neuen Schaltung, er dient der Kommunikation zwischen allen Beteiligten, und er ist das wichtigste Werkzeug bei der Fehlersuche. Alle drei Aufgaben funktionieren nur, wenn sich jeder auf dieselbe Bildsprache verlassen kann.
Die maßgebliche Norm ist die ÖNORM ISO 1219. Sie besteht aus zwei Teilen:
- Teil 1 legt die grafischen Symbole fest — also wie ein Ventil, ein Zylinder oder eine Druckluftquelle gezeichnet wird.
- Teil 2 regelt die Benennung und Kennzeichnung der Bauteile im Plan — also wie die einzelnen Elemente beschriftet und nummeriert werden.
Ein wichtiger Punkt vorweg, der oft für Verwirrung sorgt: Ein Schaltplan zeigt immer den Grundzustand der Anlage. Das ist der Zustand, in dem keine Taste gedrückt und kein Ventil von Hand betätigt ist — nur die Energieversorgung steht an. Wer einen Plan liest, schaut also auf die Ruhestellung, nicht auf den Moment, in dem die Maschine gerade arbeitet. Darauf kommen wir in Kapitel 5 zurück.
Ein Kollege bringt einen handgezeichneten Pneumatikplan mit, auf dem er die Bauteile mit selbst erfundenen Abkürzungen beschriftet hat. Warum ist das ein Problem, selbst wenn der Plan technisch korrekt ist?
- a) Handzeichnungen sind in Österreich grundsätzlich nicht zulässig
- b) Ein Plan ohne Farben ist nicht gültig
- c) Die Druckluft fließt bei Handzeichnungen anders
- d) Ohne genormte Kennzeichnung kann ihn niemand außer dem Zeichner zuverlässig lesen
Richtig: d)
Der Sinn der Norm is die eindeutige Kommunikation. Sobald eine andere Person den Plan lesen muss — bei Wartung, Fehlersuche oder Umbau — versagen private Abkürzungen. d ist richtig. Handzeichnungen sind nicht verboten (a), Farbigkeit ist kein Gültigkeitskriterium (b), und die Beschriftung ändert nichts am physikalischen Verhalten der Luft (c).
Was beschreibt Teil 1 der ÖNORM ISO 1219 im Gegensatz zu Teil 2?
- a) Teil 1 regelt die Symbole, Teil 2 die Benennung und Kennzeichnung
- b) Teil 1 regelt die Wartung, Teil 2 die Reparatur
- c) Teil 1 gilt für Pneumatik, Teil 2 für Hydraulik
- d) Teil 1 regelt die Drücke, Teil 2 die Volumenströme
Richtig: a)
Teil 1 legt die grafischen Schaltzeichen fest, Teil 2 die Benennung und Kennzeichnung der Bauteile. a ist richtig. Die Norm trennt nicht nach Wartung/Reparatur (b), gilt für Fluidtechnik allgemein und nicht getrennt nach Pneumatik/Hydraulik in dieser Form (c), und regelt keine konkreten Druck- oder Volumenstromwerte (d).
Welchen Zustand einer Anlage zeigt ein Schaltplan standardmäßig?
- a) Den Zustand bei maximalem Druck
- b) Den betätigten Zustand mit gedrückten Tasten
- c) Den Grundzustand ohne Betätigung, nur mit anstehender Energieversorgung
- d) Einen beliebigen Moment im Arbeitsablauf
Richtig: c)
Der Schaltplan bildet die Ruhestellung ab — keine Betätigung, lediglich die Druckluftversorgung steht an. c ist richtig. Maximaldruck (a), betätigter Zustand (b) oder ein zufälliger Arbeitsmoment (d) werden nicht dargestellt; sie ergeben sich erst gedanklich beim Lesen.
2. Die Schaltzeichen der Pneumatik
Die Schaltzeichen der Pneumatik folgen einer Logik. Hat man die einmal verstanden, kann man auch unbekannte Zeichen einordnen, ohne sie auswendig gelernt zu haben. Grundsätzlich gilt: Ein Symbol zeigt die Funktion eines Bauteils, nicht sein Aussehen. Ein Ventilsymbol verrät, was das Ventil tut — nicht, ob es rund oder eckig ist.
Die wichtigsten Gruppen sind:
Energiequelle. Die Druckluftquelle wird als Kreis mit einem ausgefüllten Dreieck gezeichnet, das nach außen zeigt. Das Dreieck ist das allgemeine Zeichen für Druckluft. Ein Verdichter (Kompressor) erhält zusätzlich ein Gehäusesymbol.
Leitungen. Eine durchgezogene Linie ist eine Arbeitsleitung — durch sie strömt die Druckluft, die tatsächlich Arbeit verrichtet. Eine gestrichelte Linie ist eine Steuerleitung; sie überträgt ein Signal, das ein Ventil umschaltet. Wo Leitungen sich kreuzen, ohne verbunden zu sein, laufen sie einfach übereinander; eine echte Verbindung wird durch einen Punkt markiert.
Ventile. Ein Ventil wird als Kästchen dargestellt. Jede Schaltstellung ist ein eigenes Quadrat. Ein Ventil mit zwei Stellungen besteht also aus zwei aneinandergesetzten Quadraten. Innerhalb der Quadrate zeigen Pfeile die Durchflusswege und ein T-Symbol eine gesperrte Leitung. Die Funktionsweise der verschiedenen Wegeventile ist ein eigenes großes Thema — hier geht es nur darum, das Symbol als solches zu erkennen.
Zylinder. Der Arbeitszylinder wird als Rechteck mit Kolben und Kolbenstange gezeichnet. Ob einfach- oder doppeltwirkend, erkennt man an der Zahl der Anschlüsse und der Darstellung der Rückstellung.
Weitere Ventilarten. Sperrventile (etwa Rückschlagventile), Stromventile (Drosseln) und Druckventile haben jeweils eigene, genormte Symbole. Für das Lesen eines Schaltplans genügt es zunächst, sie als „hier sitszt ein Sperr-, Strom- oder Druckventil“ zu erkennen. Was diese Ventile im Detail tun und wie man sie auslegt, gehört in die jeweiligen eigenen Beiträge.
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Grundsymbole nebeneinander.
In einem Schaltplan verläuft zwischen einem Taster und einem Ventil eine gestrichelte Linie. Was bedeutet das?
- a) Es handelt sich um eine Steuerleitung, die ein Signal überträgt
- b) Die Leitung ist defekt oder unterbrochen
- c) Die Leitung ist optional und kann weggelassen werden
- d) Hier strömt die Arbeitsluft zum Zylinder
Richtig: a)
Eine gestrichelte Linie kennzeichnet eine Steuerleitung — sie überträgt das Signal, das ein Ventil umschaltet, und nicht die arbeitende Druckluft. a ist richtig. Eine gestrichelte Linie bedeutet weder Defekt (b) noch Optionalität (c); die Arbeitsluft (d) läuft durch durchgezogene Linien.
Ein Wegeventil ist im Plan als zwei nebeneinanderliegende Quadrate gezeichnet. Welche Aussage ist korrekt?
- a) Es sind zwei getrennte Ventile in einem Gehäuse
- b) Die beiden Quadrate sind zwei Kammern für Luftvorrat
- c) Die beiden Quadrate sind die zwei möglichen Schaltstellungen eines Ventils
- d) Ein Quadrat ist für Zuluft, das andere für die Steuerung
Richtig: c)
Jedes Quadrat steht für eine Schaltstellung desselben Ventils. Beim Umschalten wechselt gedanklich das aktive Quadrat. c ist richtig. Es sind weder zwei Ventile (a), noch Vorratskammern (b), noch eine Aufteilung in Zuluft/Steuerung (d).
Woran erkennt man im Schaltplan, dass sich zwei sich kreuzende Leitungen tatsächlich verbinden?
- a) An einem ausgefüllten Punkt an der Kreuzungsstelle
- b) An einer gestrichelten Umrandung
- c) Daran, dass beide Linien dieselbe Dicke haben
- d) Eine Verbindung wird im Schaltplan nie eingezeichnet
Richtig: a)
Ein gesetzter, ausgefüllter Punkt markiert eine echte Leitungsverbindung; ohne Punkt kreuzen sich die Leitungen nur optisch. a ist richtig. Eine gestrichelte Umrandung (b) bezeichnet etwas anderes, die Linienstärke (c) ist kein Verbindungsmerkmal, und Verbindungen werden sehr wohl dargestellt (d).
3. Anschlussbezeichnungen und Kennzeichnung der Bauteile
Symbole allein reichen nicht — die Anschlüsse und Bauteile müssen auch eindeutig benannt sein. Sonst weiß man zwar, dass ein Ventil im Plan steht, aber nicht, welche Leitung wohin gehört. Die ÖNORM ISO 1219 schreibt dafür ein Zahlensystem vor.
Anschlussbezeichnung an Wegeventilen. Jeder Anschluss eines Ventils trägt eine Ziffer mit fester Bedeutung:
| Ziffer | Bedeutung |
|---|---|
| 1 | Druckluftzufuhr (Versorgung) |
| 2 | Arbeitsanschluss |
| 4 | Arbeitsanschluss |
| 3 | Entlüftung |
| 5 | Entlüftung |
| 10, 12, 14 | Steueranslüsse |
Die Steueranschlüsse haben eine eingebaute Logik: Der Anschluss 12 schaltet die Verbindung von 1 nach 2, der Anschluss 14 die Verbindung von 1 nach 4. Die erste Ziffer (1) steht für die Versorgung, die zweite für den Arbeitsanschluss, der durchgeschaltet wird. Der Anschluss 10 wiederum schaltet auf die Sperrstellung, also „1 nach nichts“. Diese Systematik macht das Lesen erstaunlich schnell, sobald man sie verinnerlicht hat.
Kennzeichnung der Bauteile. Damit man im Plan über ein bestimmtes Bauteil sprechen kann, bekommt jedes eine eindeutige Kennzeichnung. Teil 2 der Norm sieht dafür ein Kennzeichen aus mehreren Bestandteilen vor: die Nummer der Anlage, die Nummer der Steuerkette und die laufende Nummer des Bauteils. So lässt sich auch in einer großen Anlage jedes Element exakt benennen — etwa wenn bei der Fehlersuche gesagt wird: „Schau dir das Ventil in Kette 1 an.“
Hinweis auf ältere Pläne. Früher wurden die Anschlüsse mit Buchstaben statt Ziffern gekennzeichnet: P für die Druckluftzufuhr (heute 1), A und B für die Arbeitsanschlüsse (heute 2 und 4), R und S für die Entlüftung (heute 3 und 5). Diese Buchstaben begegnen einem auf älteren Plänen und in mancher Altdokumentation immer noch. Wer sie kennt, kann auch solche Pläne ohne Stocken lesen.
An einem Wegeventil ist Anschluss 1 mit Druckluft versorgt, der Zylinder hängt an Anschluss 4. Der Zylinder fährt nicht aus. Wo setzt die Fehlersuche zuerst an?
- a) Am Anschluss 4 und dem Steueranschluss 14, der diesen Weg durchschaltet
- b) Am Entlüftungsanschluss 3
- c) Ausschließlich am Zylinder selbst
- d) Am Kompressor, da die Versorgung sicher fehlt
Richtig: a)
Anschluss 4 ist der betroffene Arbeitsanschluss, und der Steueranschluss 14 schaltet die Verbindung 1→4. Genau dort prüft man, ob das Signal ankommt und das Ventil umschaltet. a ist richtig. Anschluss 3 ist die Entlüftung der anderen Seite (b), den Zylinder allein zu verdächtigen greift zu kurz (c), und die Versorgung an 1 steht laut Angabe ja an (d).
Auf einem alten Schaltplan ist der Versorgungsanschluss mit „P“ beschriftet. Welcher heutigen Ziffer entspricht das?
- a) 2
- b) 3
- c) 1
- d) 14
Richtig: c)
P (für „Pressure“) war die alte Bezeichnung der Druckluftzufuhr, die heute mit der Ziffer 1 gekennzeichnet wird. c ist richtig. 2 war früher A (b ist die alte Entlüftung R), 3 entspricht R/S, und 14 ist ein Steueranschluss ohne alte Buchstabenentsprechung in dieser Reihe.
Was sagt der Steueranschluss mit der Bezeichnung 12 aus?
- a) Das Ventil hat zwölf Anschlüsse
- b) Der maximale Druck beträgt 12 bar
- c) Es ist der zwölfte Anschluss in der Reihe
- d) Beim Ansteuern wird die Verbindung von 1 nach 2 geschaltet
Richtig: d)
Die Logik der Steueranschlüsse: Die erste Ziffer ist die Versorgung (1), die zweite der Arbeitsanschluss, der durchgeschaltet wird (2). 12 bedeutet also „schaltet 1 nach 2″. d ist richtig. Es ist weder eine Anschlusszahl (a, c) noch ein Druckwert (b).
4. Aufbau eines Schaltplans — der Signalfluss von unten nach oben
Ein Schaltplan ist nicht wahllos zusammengewürfelt, sondern in Ebenen gegliedert. Diese Ordnung ist der Schlüssel zum schnellen Lesen. Von unten nach oben gelesen ergibt sich die natürliche Wirkkette der Schaltung.
Ganz unten sitzt die Energieversorgung: die Druckluftquelle und die Luftaufbereitung. Die Aufbereitung der Druckluft mit Filter, Regler und gegebenenfalls Öler ist dabei ein Thema für sich; im Schaltplan steht hier schlicht das Symbol, das anzeigt, dass aufbereitete Druckluft zur Verfügung steht.
Darüber liegen die Signal- und Steuerglieder: Taster, Grenztaster und die Steuerventile, die festlegen, wann und wohin die Luft geleitet wird. Hier wird die eigentliche Logik der Schaltung abgebildet.
Ganz oben stehen die Arbeitsglieder — meist die Zylinder, die die mechanische Arbeit verrichten. Sie sind das Ziel der ganzen Schaltung.
Daraus ergeben sich zwei Flussrichtungen, die man getrennt betrachten sollte:
- Der Signalfluss läuft von unten nach oben: Ein Taster ganz unten gibt ein Signal, das über die Steuerglieder nach oben zum Arbeitsglied weitergereicht wird.
- Der Energiefluss geht von der Druckluftquelle aus über die durchgeschalteten Ventile zum Zylinder.
Hat eine Anlage mehrere Zylinder oder mehrere unabhängige Funktionen, werden die zugehörigen Steuerketten nebeneinander angeordnet. Jede Kette liest man für sich von unten nach oben. So bleibt auch ein umfangreicher Plan überschaubar.
Die folgende Darstellung zeigt einen einfachen vollständigen Schaltplan mit dieser Ebenengliederung: eine Druckluftquelle mit Aufbereitung unten, ein von Hand betätigtes 3/2-Wegeventil als Signalglied, darüber ein 5/2-Wegeventil als Steuerglied und ganz oben ein doppeltwirkender Zylinder als Arbeitsglied.
In welcher Ebene eines normgerecht aufgebauten Schaltplans findet man den Arbeitszylinder?
- a) Ganz unten bei der Energieversorgung
- b) In der Mitte bei den Steuergliedern
- c) Ganz oben als Arbeitsglied
- d) Außerhalb des eigentlichen Plans
Richtig: c)
Die Ebenengliederung setzt das Arbeitsglied — den Zylinder — nach ganz oben, weil er das Ziel der Schaltung ist. c ist richtig. Unten sitzt die Energie (a), in der Mitte die Steuerung (b); außerhalb des Plans (d) steht der Zylinder nicht.
Eine Anlage hat drei Zylinder mit jeweils eigener Funktion. Wie ordnet ein normgerechter Schaltplan das an?
- a) Alle drei Zylinder werden in eine einzige durchgehende Kette gezwängt
- b) Die Zylinder werden ganz unten gezeichnet, um Platz zu sparen
- c) Jeder Zylinder bekommt einen eigenen Plan auf einem eigenen Blatt
- d) Als drei Steuerketten nebeneinander, jede für sich von unten nach oben lesbar
Richtig: d)
Mehrere unabhängige Funktionen werden als getrennte Steuerketten nebeneinander dargestellt, jede mit eigener Energie-, Steuer- und Arbeitsebene. d ist richtig. Ein Zusammenzwängen (a) widerspricht der Lesbarkeit, die Arbeitsglieder gehören nach oben (b), und ein eigenes Blatt je Zylinder (c) ist nicht erforderlich.
Was beschreibt der Begriff „Signalfluss“ in einem Pneumatik-Schaltplan?
- a) Den Weg der arbeitenden Druckluft zum Zylinder
- b) Die Reihenfolge, in der Bauteile montiert werden
- c) Den Weg des auslösenden Signals von unten nach oben durch die Steuerglieder
- d) Die Richtung, in der der Kompressor läuft
Richtig: c)
Der Signalfluss bezeichnet den Weg des auslösenden Signals — vom Taster unten über die Steuerglieder nach oben zum Arbeitsglied. c ist richtig. Die arbeitende Luft ist der Energiefluss (a); Montagereihenfolge (b) und Kompressorlaufrichtung (d) haben damit nichts zu tun.
5. Einen Schaltplan lesen — vom Symbol zur Funktion
Jetzt fügt sich alles zusammen. Wir nehmen den Plan aus Kapitel 4 und lesen ihn so, wie man es an der Maschine tatsächlich macht: erst den Ausgangszustand erfassen, dann gedanklich den Taster drücken und die Luft verfolgen.
Schritt 1 — Ausgangszustand erfassen. Der Plan zeigt den Grundzustand. Das handbetätigte 3/2-Wegeventil ist nicht gedrückt, das 5/2-Steuerventil steht in seiner Ruhelage. In dieser Stellung verfolgt man, welche Leitungen durchgeschaltet sind: Welche Seite des Zylinders ist mit Druck beaufschlagt, welche entlüftet? Der Zylinder steht in einer definierten Ausgangsposition — eingefahren oder ausgefahren, je nach Schaltung.
Schritt 2 — Betätigung gedanklich auslösen. Jetzt wird der Taster gedrückt. Das signalglied schaltet um und gibt über die gestrichelte Steuerleitung ein Signal an den Steueranschluss des 5/2-Ventils. Wichtig: Man schiebt gedanklich die andere Schaltstellung — das zweite Quadrat — an die Anschlüsse.
Schritt 3 — Luftweg verfolgen. Mit der neuen Schaltstellung verfolgt man den Weg der Druckluft von Anschluss 1 durch das Ventil zum nun durchgeschalteten Arbeitsanschluss und weiter zum Zylinder. Gleichzeitig wird die andere Zylinderseite über den Entlüftungsanschluss frei. Der Zylinder fährt. Lässt man den Taster los, fällt das Signalglied in die Ruhelage zurück, und je nach Schaltung kehrt auch das Steuerventil zurück.
Die folgende Gegenüberstellung zeigt denselben Plan in Grundstellung und im betätigten Zustand. Der durchgeschaltete Luftweg ist im betätigten Zustand hervorgehoben.
In komplexeren Steuerungen liest man einen Schaltplan selten allein. Die zeitliche und logische Abfolge mehrerer Bewegungen — also wann welcher Zylinder ein- und ausfährt — wird zusätzlich in einem Funktionsdiagramm dargestellt, etwa einem Weg-Schritt-Diagramm. Schaltplan und Funktionsdiagramm ergänzen sich: Der Schaltplan zeigt die Verschaltung, das Funktionsdiagramm die Reihenfolge. Wie diese Diagramme im Detail aufgebaut und gelesen werden, ist ein eigenes Thema.
Beim Lesen eines Schaltplans betätigst du gedanklich den Taster. Was musst du dann mit dem Ventilsymbol tun, um die Funktion zu verstehen?
- a) Das gezeichnete Quadrat unverändert weiterverwenden
- b) Das Ventil aus dem Plan streichen
- c) Die Anschlussnummern vertauschen
- d) Die andere Schaltstellung gedanklich an die Anschlüsse schieben
Richtig: d)
Beim Betätigen wechselt das Ventil die Schaltstellung. Gedanklich rückt das andere Quadrat an die Anschlüsse, und erst damit liest man den neuen Luftweg. d ist richtig. Das gezeichnete Quadrat (a) zeigt nur den Grundzustand, Streichen (b) oder Nummerntausch (c) ergeben keinen Sinn.
Ein Zylinder soll ausfahren, tut es aber nicht. Wie geht eine systematische Fehlersuche am Schaltplan vor?
- a) Wahllos Schläuche abziehen, bis sich etwas bewegt
- b) Den Luftweg vom Zylinder rückwärts bis zur Quelle prüfen und an jedem Bauteil das Sollverhalten vergleichen
- c) Sofort das teuerste Bauteil tauschen
- d) Den Plan ignorieren und nach Gehör suchen
Richtig: b)
Man verfolgt den Luftweg systematisch vom betroffenen Zylinder zurück zur Quelle und prüft an jedem Bauteil, ob es laut Plan korrekt schaltet. b ist richtig. Wahlloses Abziehen (a), Tauschen auf Verdacht (c) oder Suchen ohne Plan (d) kosten Zeit und schaffen neue Fehler.
Warum reicht der Schaltplan bei einer komplexen Mehrzylinder-Steuerung allein oft nicht aus?
- a) Weil der Schaltplan keine Symbole enthält
- b) Weil die zeitliche und logische Abfolge der Bewegungen erst aus einem Funktionsdiagramm hervorgeht
- c) Weil der Schaltplan nur für Hydraulik gilt
- d) Weil komplexe Anlagen keine Schaltpläne haben
Richtig: b)
Der Schaltplan zeigt die Verschaltung, aber nicht die zeitliche Reihenfolge mehrerer Bewegungen. Diese Abfolge wird in einem Funktionsdiagramm — etwa einem Weg-Schritt-Diagramm — dargestellt, das den Plan ergänzt. b ist richtig. Symbole sind sehr wohl enthalten (a), der Plan gilt für Pneumatik (c), und komplexe Anlagen haben durchaus Schaltpläne (d).
Abschlusstest
Welche der folgenden Aussagen über die ÖNORM ISO 1219 trifft zu?
- a) Sie regelt ausschließlich die Drücke in Pneumatikanlagen
- b) Teil 1 legt die Symbole fest, Teil 2 die Benennung und Kennzeichnung
- c) Sie ist nur für handgezeichnete Pläne verbindlich
- d) Sie gilt nur für Anlagen über 10 bar
Richtig: b)
Teil 1 regelt die grafischen Symbole, Teil 2 die Benennung und Kennzeichnung der Bauteile. b ist richtig. Drücke (a) und Druckgrenzen (d) regelt sie nicht, und sie gilt unabhängig von der Zeichenart (c).
Eine durchgezogene Linie im Schaltplan steht für:
- a) eine Steuerleitung
- b) eine defekte Leitung
- c) eine Arbeitsleitung, durch die die arbeitende Druckluft strömt
- d) eine optionale Verbindung
Richtig: c)
Durchgezogen heißt Arbeitsleitung — hier strömt die Luft, die Arbeit verrichtet. c ist richtig. Steuerleitungen (a) sind gestrichelt; Defekt (b) oder Optionalität (d) werden so nicht dargestellt.
Welche Bedeutung hat die Anschlussziffer 1 an einem Wegeventil?
- a) Erster Arbeitsanschluss
- b) Entlüftung
- c) Steueranschluss
- d) Druckluftzufuhr
Richtig: d)
Die Ziffer 1 kennzeichnet immer die Druckluftzufuhr. d ist richtig. Arbeitsanschlüsse sind 2 and 4 (a), Entlüftung 3 und 5 (b), Steueranschlüsse 10/12/14 (c).
Der Steueranschluss 14 eines Ventils bewirkt beim Ansteuern:
- a) das Schalten der Verbindung 1→4
- b) das Schalten der Verbindung 1→2
- c) die vollständige Entlüftung des Systems
- d) das Abschalten der Druckluftquelle
Richtig: a)
Die zweite Ziffer nennt den Arbeitsanschluss, der mit der Versorgung 1 verbunden wird. 14 schaltet also 1→4. a ist richtig. 1→2 ist Anschluss 12 (b); Systementlüftung (c) oder Quellenabschaltung (d) leistet ein Steueranschluss nicht.
Auf einem älteren Plan finden sich die Buchstaben P, A, B, R, S. Welche Zuordnung stimmt?
- a) P = Arbeitsanschluss, A = Zufuhr
- b) P = Zufuhr (heute 1), A und B = Arbeitsanschlüsse (heute 2 und 4)
- c) R = Zufuhr, S = Steueranschluss
- d) Alle Buchstaben bezeichnen Steueranschlüsse
Richtig: b)
P war die Zufuhr (heute 1), A und B die Arbeitsanschlüsse (heute 2 und 4), R und S die Entlüftung (heute 3 und 5). b ist richtig. Die übrigen Zuordnungen (a, c, d) sind falsch.
In einem normgerechten Schaltplan sitzt die Energieversorgung:
- a) ganz oben
- b) in der Mitte
- c) ganz unten
- d) am rechten Rand
Richtig: c)
Die Ebenengliederung setzt die Energieversorgung nach unten, die Steuerung in die Mitte und die Arbeitsglieder nach oben. c ist richtig.
Was bedeutet ein ausgefüllter Punkt an der Kreuzung zweier Leitungen?
- a) Die Leitungen sind dort tatsächlich verbunden
- b) Die Leitungen kreuzen sich nur, ohne Verbindung
- c) Hier sitzt ein Ventil
- d) Die Leitung endet an dieser Stelle
Richtig: a)
Der Punkt markiert eine echte Verbindung; ohne Punkt laufen die Leitungen nur optisch übereinander. a ist richtig.
Welchen Zustand zeigt ein Schaltplan grundsätzlich?
- a) Den betätigten Zustand
- b) Einen zufälligen Betriebsmoment
- c) Den Zustand bei maximaler Belastung
- d) Den Grundzustand ohne Betätigung
Richtig: d)
Der Plan bildet immer die Ruhestellung ab — keine Betätigung, nur anstehende Versorgung. d ist richtig. Der betätigte Zustand (a) muss gedanklich erschlossen werden; b und c werden nicht dargestellt.
Mehrere unabhängige Zylinderfunktionen werden im Schaltplan dargestellt als:
- a) eine einzige durchgehende Kette
- b) Steuerketten nebeneinander, jede für sich lesbar
- c) übereinandergestapelte Symbole ohne Ordnung
- d) reine Textbeschreibung ohne Symbole
Richtig: b)
Unabhängige Funktionen werden als getrennte Steuerketten nebeneinander angeordnet, jede mit eigener Energie-, Steuer- und Arbeitsebene. b ist richtig.
Ein Zylinder hängt an Anschluss 2, Anschluss 1 ist versorgt, aber der Zylinder bewegt sich nicht. Wo prüft man zuerst?
- a) Am Steueranschluss 12, der die Verbindung 1→2 durchschaltet
- b) Ausschließlich an der Kolbenstange
- c) Am Kompressor, da keine Versorgung da ist
- d) An einem beliebigen Bauteil
Richtig: a)
Anschluss 2 ist betroffen, und Steueranschluss 12 schaltet 1→2 durch. Dort prüft man, ob das Signal ankommt und das Ventil umschaltet. a ist richtig. Die Kolbenstange allein (b) greift zu kurz, die Versorgung steht laut Angabe an (c), und planloses Prüfen (d) ist ineffizient.
Warum zeigen die zwei Quadrate eines Wegeventilsymbols nicht zwei Bauteile?
- a) Weil ein Ventil immer nur ein Quadrat hat
- b) Weil sie die zwei Schaltstellungen desselben Ventils darstellen
- c) Weil das zweite Quadrat für die Entlüftung steht
- d) Weil eines davon der Zylinder ist
Richtig: b)
Die Quadrate sind die zwei möglichen Schaltstellungen eines einzigen Ventils, nicht zwei Bauteile. b ist richtig.
Welche Funktion erfüllt ein Schaltplan bei der Fehlersuche?
- a) Er ersetzt jede Messung an der Anlage
- b) Er gibt das Sollverhalten vor, mit dem man den Ist-Zustand systematisch vergleicht
- c) Er zeigt die genauen Materialkosten
- d) Er ist bei der Fehlersuche ohne Bedeutung
Richtig: b)
Der Plan liefert das Sollverhalten der Schaltung. Beim Vergleich mit dem tatsächlichen Verhalten lässt sich der Fehler eingrenzen. b ist richtig. Messungen ersetzt er nicht (a), Kosten zeigt er nicht (c), und unbedeutend ist er keineswegs (d).
Glossar
- ÖNORM ISO 1219
- österreichische Norm für fluidtechnische Schaltpläne; Teil 1 regelt die grafischen Symbole, Teil 2 die Benennung und Kennzeichnung der Bauteile.
- Schaltzeichen
- genormtes grafisches Symbol, das die Funktion eines pneumatischen Bauteils darstellt, nicht dessen Aussehen.
- Arbeitsleitung
- durchgezogen gezeichnete Leitung, durch die die arbeitende Druckluft strömt.
- Steuerleitung
- gestrichelt gezeichnete Leitung, die ein Signal zum Umschalten eines Ventils überträgt.
- Schaltstellung
- eine der möglichen Stellungen eines Ventils; im Symbol durch ein eigenes Quadrat dargestellt.
- Anschlussbezeichnung
- genormte Ziffern an Ventilanschlüssen: 1 = Zufuhr, 2/4 = Arbeit, 3/5 = Entlüftung, 10/12/14 = Steuerung.
- Grundzustand
- Ruhestellung der Anlage ohne Betätigung, bei nur anstehender Energieversorgung; dieser Zustand wird im Schaltplan dargestellt.
- Steuerkette
- zusammengehörige Abfolge von Energie-, Steuer- und Arbeitsgliedern für eine Funktion; bei mehreren Funktionen nebeneinander angeordnet.
- Signalfluss
- Weg des auslösenden Signals von unten (Taster) nach oben (Arbeitsglied) durch die Steuerglieder.
