Wegeventile – Bezeichnung und Funktion
Druckluft allein bewegt noch gar nichts. Erst wenn man sie gezielt freigibt, sperrt oder umlenkt, fährt ein Zylinder aus, hält an oder kehrt um. Genau das ist die Aufgabe der Wegeventile – sie sind die Weichen im Druckluftsystem. Wer ihr Benennungsschema und ihre Symbole lesen kann, versteht jeden Pneumatik-Schaltplan. Dieser Beitrag entschlüsselt das Benennungsschema, zeigt den Aufbau der genormten Schaltsymbole und hilft dabei, für jede Aufgabe die passende Ventilbauart zu finden.
Vorwissen
- Grundlagen Druckluft und Pneumatik
- Pneumatikzylinder: einfach- und doppeltwirkend
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Bezeichnung eines Wegeventils nach dem n/m-Schema lesen und selbst bilden
- die genormten Anschlussbezeichnungen den Funktionen Druck, Arbeit, Entlüftung und Steuerung zuordnen
- ein Wegeventil-Schaltsymbol mit seinen Schaltstellungen und Durchflusswegen korrekt interpretieren
- monostabile von bistabilen Ventilen unterscheiden und ihr Verhalten bei Energieausfall einschätzen
- das passende Wegeventil für einfach- und doppeltwirkende Zylinder auswählen
1. Was ein Wegeventil macht
Ein Wegeventil ist ein Steuerorgan, das den Weg der Druckluft bestimmt. Es gibt den Luftstrom frei, sperrt ihn oder lenkt ihn auf einen anderen Anschluss um. Damit sitzt es in der Anlage genau zwischen der Druckluftaufbereitung und dem Verbraucher – meist einem Zylinder.
Der Name sagt es schon: Es geht um den Weg, den die Luft nimmt. Nicht um die Menge, nicht um den Druck, sondern um die Richtung – welcher Anschluss gerade mit welchem verbunden ist.
Davon abzugrenzen sind andere Ventiltypen, die andere Aufgaben übernehmen: Sperrventile lassen die Luft nur in eine Richtung durch, Stromventile regeln die Durchflussmenge und damit die Geschwindigkeit, Druckventile begrenzen oder regeln den Druck. Diese Gruppen werden in einem eigenen Beitrag behandelt – hier bleiben wir bei den Wegeventilen.
Eine Anlage soll die Ausfahrgeschwindigkeit eines Zylinders verlangsamen. Welches Bauelement ist dafür zuständig?
- a) ein Stromventil
- b) ein Wegeventil
- c) ein Pipetten-Druckanschluss
- d) ein zweiter Verdichter
Richtig: a)
Die Geschwindigkeit hängt von der durchströmenden Luftmenge ab, und die regelt ein Stromventil. Das Wegeventil bestimmt nur die Richtung, also welcher Anschluss verbunden ist – es ändert die Geschwindigkeit nicht. Ein zweiter Druckanschluss oder Verdichter löst die Aufgabe ebenfalls nicht.
Wodurch unterscheidet sich ein Wegeventil grundsätzlich von einem Sperrventil?
- a) Das Wegeventil arbeitet nur mit Hydrauliköl
- b) Das Sperrventil kann mehrere Anschlüsse umlenken
- c) Das Wegeventil kann den Luftstrom umlenken, das Sperrventil lässt ihn nur in eine Richtung durch
- d) Beide haben dieselbe Funktion
Richtig: c)
Das Wegeventil verbindet Anschlüsse unterschiedlich und lenkt den Strom dadurch um. Ein Sperrventil hat dagegen die einfache Aufgabe, Luft nur in eine Richtung durchzulassen und in der Gegenrichtung zu sperren. Antwort a ist falsch, weil Wegeventile in der Pneumatik mit Druckluft arbeiten, und b verwechselt die Funktionen.
2. Anschlüsse und Schaltstellungen – das Benennungsschema
Jedes Wegeventil wird mit zwei Zahlen beschrieben, zum Beispiel 3/2 oder 5/2. Diese beiden Zahlen sind der Schlüssel zum ganzen Ventil.
Die erste Zahl gibt die Anzahl der Anschlüsse (Wege) an – also wie viele Leitungen am Ventil angeschlossen werden können. Die zweite Zahl nennt die Anzahl der Schaltstellungen, das heißt wie viele Positionen das Ventil einnehmen kann.
n / m
- n … Anzahl der Anschlüsse (Wege)
- m … Anzahl der Schaltstellungen
Ein 3/2-Wegeventil hat also drei Anschlüsse und zwei Schaltstellungen. Ein 5/2-Wegeventil hat fünf Anschlüsse und zwei Stellungen. Gesprochen wird das „drei-zwei“ und „fünf-zwei“.
Ein paar typische Vertreter:
| Bezeichnung | Anschlüsse | Stellungen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| 2/2 | 2 | 2 | Luft an/aus, einfacher Durchgang |
| 3/2 | 3 | 2 | einfachwirkender Zylinder |
| 5/2 | 5 | 2 | doppeltwirkender Zylinder |
| 4/3 | 4 | 3 | Steuerung mit Mittelstellung |
| 5/3 | 5 | 3 | doppeltwirkender Zylinder mit Halt |
Die Logik dahinter ist immer dieselbe: erst zählen, wie viele Anschlüsse das Ventil braucht, dann wie viele Positionen es schalten muss. Daraus ergibt sich die Bezeichnung von selbst.
Ein Ventil trägt die Bezeichnung 5/3. Was bedeutet das?
- a) fünf Stellungen, drei Anschlüsse
- b) pfünf bar, drei Sekunden Schaltzeit
- c) fünf Ventile in drei Gruppen
- d) fünf Anschlüsse, drei Stellungen
Richtig: d)
Die erste Zahl steht immer für die Anschlüsse, die zweite für die Schaltstellungen. 5/3 bedeutet also fünf Anschlüsse und drei Stellungen. Die Zahlen haben nichts mit Druck oder Zeit zu tun, deshalb sind b und c falsch, und a vertauscht die Reihnfolge.
Ein Wegeventil soll vier Leitungen verbinden und drei verschiedene Positionen einnehmen können. Wie lautet die Bezeichnung?
- a) 4/3
- b) 3/4
- c) 7/1
- d) 4/4
Richtig: a)
Vier Anschlüsse ergeben die erste Zahl, drei Stellungen die zweite – also 4/3. Antwort b vertauscht die Reihenfolge, c addiert beide Zahlen fälschlich, und d nennt eine falsche Stellungszahl.
Warum kann ein 2/2-Wegeventil einen doppeltwirkenden Zylinder nicht allein steuern?
- a) Es schaltet zu langsam
- b) Es hat keinen Druckanschluss
- c) Es hat zu wenige Anschlüsse, um beide Zylinderseiten getrennt zu versorgen
- d) Es ist nur für Hydraulik geeignet
Richtig: c)
Ein doppeltwirkender Zylinder muss auf beiden Seiten abwechselnd be- und entlüftet werden, dafür reichen zwei Anschlüsse nicht. Ein 2/2-Ventil gibt nur einen Durchgang frei oder sperrt ihn. Die Schaltzeit (a) ist hier nicht das Problem, einen Druckanschluss hat auch das 2/2-Ventil (b), und es eignet sich sehr wohl für Pneumatik (d).
3. Anschlussbezeichnungen und Schaltsymbole
Damit jeder im Schaltplan dasselbe versteht, sind sowohl die Symbole als auch die Anschlussbezeichnungen genormt. In Österreich gilt dafür die ÖNORM ISO 1219-1. Sie legt fest, wie ein Wegeventil grafisch dargestellt wird und wie seine Anschlüsse gekennzeichnet werden.
Die Anschlüsse werden nach einem festen Zahlensystem beschriftet:
| Bezeichnung | Funktion |
|---|---|
| 1 | Druckluftanschluss (Versorgung, P) |
| 2 und 4 | Arbeitsanschlüsse zum Verbraucher (A, B) |
| 3 und 5 | Entlüftung (R, S) |
| 12 und 14 | Steueranschlüsse (Vorsteuerung) |
Das Zahlensystem hat eine Logik: Der Steueranschluss 14 schaltet die Verbindung von 1 nach 4, der Steueranschluss 12 schaltet von 1 nach 2. Die Steueranschluss-Nummer verweist also auf die Verbindung, die er herstellt.
Aufbau des Symbols: Das Schaltsymbol besteht aus so vielen aneinandergereihten Quadraten, wie das Ventil Schaltstellungen hat. Ein 5/2-Ventil hat also zwei Quadrate. Innerhalb jedes Quadrats zeigen Pfeile die offenen Durchflusswege, und ein quergestelltes T-Symbol kennzeichnet einen gesperrten Anschluss. Die Anschlussleitungen werden nur an ein Quadrat gezeichnet.
Hier kommt ein zentraler Punkt: die Ruhestellung (auch Grundstellung genannt). Das ist die Schaltstellung, die das Ventil im unbetätigten Zustand einnimmt – also dann, wenn niemand den Taster drückt, keine Rolle anschlägt und kein Steuersignal anliegt. Es gilt die feste Regel:
Die Anschlüsse werden immer in der Ruhestellung gezeichnet und beschriftet.
Das heißt praktisch: Man sucht im Symbol das Quadrat, an dem die Leitungen angeschlossen sind – das is die Ruhestellung. Nur dort gelten die angeschriebenen Anschlussnummern. Beim Schalten „wandert“ gedanklich das andere Quadrat an die Stelle der Leitungen, und die Durchflusswege ändern sich entsprechend. Wer die Ruhestellung nicht erkennt, kann ein Symbol nicht richtig lesen, weil dann unklar bleibt, welcher Zustand der unbetätigte ist.
Das folgende Bild zeigt das Schaltsymbol eines 5/2-Wegeventils mit seinen beiden Stellungen und der genormten Beschriftung.
In der Ruhestellung (linkes Quadrat) ist hier Anschluss 1 mit 2 verbunden, Anschluss 4 entlüftet über 5, and 3 ist gesperrt. Wird das Ventil geschaltet, gilt das rechte Quadrat: Jetzt strömt von 1 nach 4, und 2 entlüftet über 3.
Welcher Anschluss eines Wegeventils ist nach der genormten Kennzeichnung der Druckluftanschluss?
- a) 3
- b) 1
- c) 2
- d) 14
Richtig: b)
Nach dem genormten Zahlensystem trägt der Druckluftanschluss immer die 1. Die 2 und 4 sind Arbeitsanschlüsse, die 3 ist eine Entlüftung, und 14 ist ein Steueranschluss. Deshalb ist nur b richtig.
An welchem Quadrat eines Wegeventil-Symbols werden die Anschlussleitungen gezeichnet?
- a) an beiden Quadraten gleichzeitig
- b) am Quadrat der geschalteten Stellung
- c) das ist frei wählbar
- d) am Quadrat der Ruhestellung
Richtig: d)
Die Anschlüsse werden immer in der Ruhestellung gezeichnet und beschriftet. So erkennt man eindeutig, welcher Zustand der unbetätigte ist. Sie an beiden oder am geschalteten Quadrat zu zeichnen, wäre nicht normgerecht und würde das Symbol mehrdeutig machen.
In einem 5/2-Symbol ist in der Ruhestellung Anschluss 1 mit 2 verbunden. Was passiert mit Anschluss 2, wenn das Ventil schaltet?
- a) Anschluss 2 wird entlüftet
- b) Anschluss 2 wird zum Druckanschluss
- c) Anschluss 2 bleibt unverändert mit 1 verbunden
- d) Anschluss 2 wird gesperrt
Richtig: a)
Beim Schalten verbindet sich 1 mit 4, und der vorher versorgte Anschluss 2 wird über eine Entlüftung (3) drucklos. So entsteht beim doppeltwirkenden Zylinder der Wechsel zwischen den Seiten. Anschluss 2 wird also weder zum Druckanschluss (b) noch bleibt er verbunden (c); gesperrt (d) wird er beim Standard-5/2 nicht.
4. Betätigungsarten und Rückstellung
Ein Ventil muss irgendwie von einer Stellung in die andere kommen. Das nennt man Betätigung. Es gibt mehrere Arten, und im Symbol wird die Betätigung links und rechts an die Quadrate angezeichnet.
Die gebräuchlichsten Betätigungsarten:
- manuell – von Hand, etwa über Taster, Hebel oder Fußpedal
- mechanisch – durch ein Maschinenteil, zum Beispiel über einen Stößel oder eine Rolle, die der Zylinder am Endpunkt anfährt
- pneumatisch – durch ein Drucksignal an einem Steueranschluss
- elektromagnetisch – durch eine Magnetspule (Magnetventil)
Auf der Gegenseite steht die Rückstellung – die Kraft, die das Ventil wieder in die Ruhestellung bringt. Sehr oft übernimmt das eine Feder. Genau hier liegt der Unterschied zwischen zwei wichtigen Ventilarten:
Ein monostabiles Ventil hat eine eindeutige Ruhestellung. Wird das Steuersignal weggenommen, drückt die Feder das Ventil sofort zurück. Es hat also einen stabilen Zustand, in den es von selbst zurückkehrt.
Ein bistabiles Ventil (auch Impulsventil) hat keine Feder-Rückstellung. Es wird durch einen kurzen Impuls auf die eine Seite geschaltet und bleibt dort, bis ein Impuls auf die andere Seite kommt. Es „merkt“ sich also seine letzte Stellung – beide Stellungen sind stabil.
Wie ein Ventil konkret elektrisch oder über Vorsteuerung angesteuert wird, ist ein Thema für sich und wird in einem eigenen Beitrag behandelt.
Ein Wegeventil wird durch einen kurzen Druckimpuls geschaltet und behält diese Stellung, auch wenn der Impuls wieder verschwindet. Um welche Bauart handelt es sich?
- a) monostabil
- b) federzentriert
- c) bistabil
- d) Stromventil
Richtig: c)
Ein Ventil, das sich seine letzte Stellung ohne anliegendes Dauersignal merkt, ist bistabil – ein Impulsventil. Ein monostabiles Ventil (a) würde durch die Feder sofort zurückkehren. „Federzentriert“ (b) beschreibt eine Mittelstellung, kein bistabiles Verhalten, und ein Stromventil (d) ist gar kein Wegeventil.
Eine Anlage hat ein monostabiles 5/2-Wegeventil mit Federrückstellung. Was passiert bei einem Stromausfall der Magnetspule?
- a) Die Feder bringt das Ventil in die Ruhestellung
- b) Das Ventil bleibt in der zuletzt geschalteten Stellung
- c) Das Ventil schaltet zufällig
- d) Der Zylinder bleibt drucklos in der Mitte stehen
Richtig: a)
Fällt das Signal an der Magnetspule weg, ist nichts mehr da, was gegen die Feder wirkt – sie drückt das Ventil in die Ruhestellung. Genau dieses vorhersehbare Verhalten macht man sich für sichere Zustände zunutze. Die letzte Stellung halten (b) würde ein bistabiles Ventil, zufälliges Schalten (c) gibt es nicht, und eine Mittelstellung (d) hat ein 5/2-Ventil gar nicht.
Warum wird bei sicherheitsrelevanten Anwendungen oft bewusst ein monostabiles Ventil eingesetzt?
- a) weil es schneller schaltet als ein bistabiles
- b) weil es weniger Anschlüsse braucht
- c) weil es keinen Druckanschluss benötigt
- d) weil es bei Energieausfall selbsttätig in eine definierte Ruhestellung geht
Richtig: d)
Der Sicherheitsvorteil liegt im vorhersehbaren Verhalten: Ohne Energie fällt das Ventil durch die Feder in eine festgelegte Stellung, die man so wählt, dass die Anlage sicher wird. Die Schaltgeschwindigkeit (a) ist nicht der Grund, und die Anzahl der Anschlüsse (b) oder ein fehlender Druckanschluss (c) haben mit dem Sicherheitsverhalten nichts zu tun.
5. Typische Wegeventile und ihr Einsatz
Jetzt fügt sich alles zusammen. Welche Bauart man wählt, hängt vom Verbraucher ab – vor allem davon, ob ein einfach- oder doppeltwirkender Zylinder angesteuert wird.
3/2-Wegeventil für einfachwirkende Zylinder: Ein einfachwirkender Zylinder wird nur auf einer Seite mit Druck beaufschlagt; zurück fährt er über eine eingebaute Feder. Er braucht also einen Anschluss zum Belüften und einen zum Entlüften – plus den Druckanschluss. Das passt genau auf ein 3/2-Ventil: In der Ruhestellung ist der Zylinder entlüftet (Kolben eingefahren), beim Schalten wird er belüftet und fährt aus.
5/2-Wegeventil für doppeltwirkende Zylinder: Ein doppeltwirkender Zylinder muss auf beiden Seiten abwechselnd be- und entlüftet werden. Während die eine Kolbenseite Druck bekommt, muss die andere entlüften – und beim Umschalten genau umgekehrt. Dafür braucht es fünf Anschlüsse: einen Druck, zwei Arbeitsanschlüsse und zwei Entlüftungen. Das 5/2-Ventil schaltet beide Seiten in einem Zug um.
5/3-Wegeventil mit Mittelstellung: Manchmal soll der Zylinder nicht nur ausfahren und einfahren, sondern auch an einer beliebigen Stelle anhalten können. Dann kommt ein 5/3-Ventil mit einer dritten, mittleren Stellung ins Spiel.
Das Schaltsymbol eines 5/3-Ventils besteht aus drei aneinandergereihten Quadraten statt zwei. Das mittlere Quadrat ist die Ruhestellung – hier werden die Anschlussleitungen angezeichnet. Links und rechts liegen die beiden betätigten Stellungen für Aus- und Einfahren. Im unbetätigten Zustand halten zwei Federn, eine auf jeder Seite, das Ventil genau in der Mitte; man spricht von einer federzentrierten Mittelstellung. Erst ein signal auf einer Seite verschiebt das Ventil in eine der äußeren Stellungen, und sobald das Signal wegfällt, drücken die Federn es wieder zurück in die Mitte.
Was diese Mittelstellung tatsächlich tut, hängt davon ab, wie die Anschlüsse darin verschaltet sind. Es gibt drei gängige Ausführungen:
- Sperr-Mittelstellung: Alle Arbeitsanschlüsse sind in der Mitte gesperrt. Die Luft kann weder nach- noch abströmen, der eingeschlossene Druck hält den Zylinder fest – er bleibt stehen und hält die Last.
- Entlüftungs-Mittelstellung: Beide Arbeitsanschlüsse sind in der Mitte mit der Entlüftung verbunden. Auf keiner Kolbenseite steht Druck an, der Zylinder wird drucklos und lässt sich von Hand bewegen.
- Durchfluss-Mittelstellung: Beide Arbeitsanschlüsse bekommen in der Mitte Druck – eine Sonderform für besondere Anwendungen.
So lässt sich aus den Bausteinen der vorigen Kapitel – Bezeichnung, Anschlüsse, Symbol, Betätigung – für jeden Anwendungsfall das passende Ventil bestimmen. Man überlegt, was der Zylinder können muss, leitet daraus die nötigen Anschlüsse und Stellungen ab und kommt so zur richtigen Ventilbezeichnung.
Ein doppeltwirkender Zylinder soll an einer beliebigen Position angehalten werden und dabei die Last halten. Welches Wegeventil ist dafür am besten geeignet?
- a) 3/2-Wegeventil
- b) 5/3-Wegeventil mit Sperr-Mittelstellung
- c) 2/2-Wegeventil
- d) 5/2-Wegeventil
Richtig: b)
Zum Anhalten an beliebiger Stelle braucht es eine dritte, mittlere Stellung – das bietet nur das 5/3-Ventil. In der Sperr-Mittelstellung sind die Arbeitsanschlüsse blockiert, der Zylinder hält die Last. Ein 5/2-Ventil (d) kennt nur zwei Endstellungen, ein 3/2 (a) und ein 2/2 (c) reichen für einen doppeltwirkenden Zylinder ohnehin nicht.
Warum genügt für einen einfachwirkenden Zylinder ein 3/2-Wegeventil?
- a) weil er gar keinen Druck benötigt
- b) weil er fünf Anschlüsse hat
- c) weil er nur auf einer Seite Druck braucht und über Feder zurückfährt
- d) weil er nur mit bistabilen Ventilen funktioniert
Richtig: c)
Der einfachwirkende Zylinder wird nur auf einer Seite belüftet und fährt durch seine eingebaute Feder zurück. Er braucht deshalb nur Belüften, Entlüften und einen Druckanschluss – drei Anschlüsse, zwei Stellungen, also ein 3/2-Ventil. Druck braucht er sehr wohl (a), pfünf Anschlüsse (b) hat er nicht, und die Ventil-Stabilität (d) ist hier nicht entscheidend.
Ein 5/3-Wegeventil hat in Mittelstellung beide Arbeitsanschlüsse entlüftet. Welche praktische Folge hat das für den angeschlossenen Zylinder?
- a) Der Zylinder bleibt unter Druck blockiert
- b) Der Zylinder fährt mit voller Kraft aus
- c) Der Zylinder pendelt zwischen den Endlagen
- d) Der Zylinder wird drucklos und lässt sich von Hand bewegen
Richtig: d)
Sind beide Arbeitsanschlüsse entlüftet, steht auf keiner Kolbenseite Druck an – der Zylinder ist kraftlos und kann von Hand verschoben werden. Blockiert (a) bliebe er nur bei der Sperr-Mittelstellung, mit voller Kraft ausfahren (b) würde er bei Druck auf der Kolbenseite, und ein Pendeln (c) gibt es nicht.
Abschlusstest
Was beschreibt die Bezeichnung „5/2“ bei einem Wegeventil?
- a) fünf bar Betriebsdruck, zwei Sekunden Schaltzeit
- b) fünf Anschlüsse, zwei Schaltstellungen
- c) fünf Schaltstellungen, zwei Anschlüsse
- d) fünf Ventile in zwei Reihen
Richtig: b)
Die erste Zahl nennt die Anschlüsse, die zweite die Schaltstellungen – fünf Anschlüsse, zwei Stellungen. Mit Druck oder Zeit (a) hat das nichts zu tun, c vertauscht die Reihenfolge, und d ist frei erfunden.
Welche Norm regelt in Österreich die Schaltsymbole und Anschlussbezeichnungen von Wegeventilen?
- a) ÖNORM ISO 1219-1
- b) eine rein nationale Werksnorm
- c) eine reine US-Norm
- d) es gibt keine verbindliche Norm
Richtig: a)
In Österreich gilt die ÖNORM ISO 1219-1 für die grafische Darstellung und Kennzeichnung. Eine Werksnorm (b) wäre nicht allgemein verbindlich, eine US-Norm (c) gilt hier nicht, und ohne Norm (d) wären Schaltpläne nicht eindeutig lesbar.
Ein Schaltsymbol zeigt zwei Quadrate. Woran erkennt man die Ruhestellung?
- a) am rechten Quadrat
- b) am Quadrat mit den meisten Pfeilen
- c) am Quadrat, an dem die Anschlussleitungen gezeichnet sind
- d) das ist nicht erkennbar
Richtig: c)
Die Leitungen werden immer an der Ruhestellung angezeichnet – dort gelten die Anschlussnummern. Die Lage (a) is nicht festgelegt, die Anzahl der Pfeile (b) sagt nichts über die Ruhestellung aus, und erkennbar (d) ist sie über die Anschlüsse sehr wohl.
Welcher Anschluss ist nach dem genormten Zahlensystem eine Entlüftung?
- a) 1
- b) 4
- c) 3
- d) 14
Richtig: c)
Die 3 und die 5 sind Entlüftungsanschlüsse. Die 1 ist der Druckanschluss, die 4 ein Arbeitsanschluss und die 14 ein Steueranschluss. Nur c trifft zu.
Ein monostabiles Magnetventil steuert einen Zylinder. Bei Stromausfall …
- a) bleibt das Ventil in der aktuellen Stellung
- b) schaltet das Ventil dauerhaft um
- c) geht das Ventil über die Feder in die Ruhestellung
- d) wird der Zylinder zerstört
Richtig: c)
Ohne Strom fehlt die Kraft gegen die Feder, also drückt diese das Ventil in die Ruhestellung – ein vorhersehbares und damit sicherheitsrelevantes Verhalten. In der aktuellen Stellung bliebe nur ein bistabiles Ventil (a), dauerhaftes Umschalten (b) und eine Zerstörung (d) sind kein normales Verhalten.
Für welchen Verbraucher ist ein 3/2-Wegeventil die typische Wahl?
- a) einfachwirkender Zylinder
- b) doppeltwirkender Zylinder
- c) Drehantrieb mit Mittelstellung
- d) zwei Zylinder gleichzeitig
Richtig: a)
Der einfachwirkende Zylinder braucht nur Belüften, Entlüften und einen Druckanschluss – drei Anschlüsse, zwei Stellungen. Ein doppeltwirkender Zylinder (b) bräuchte ein 5/2, eine Mittelstellung (c) ein 5/3, und zwei Zylinder gleichzeitig (d) sind keine Standardaufgabe für ein einzelnes 3/2-Ventil.
Beim 5/2-Wegeventil ist in der Ruhestellung Anschluss 1 mit 2 verbunden. Was geschieht beim Schalten mit der Verbindung?
- a) 1 wird gesperrt, 2 bleibt unter Druck
- b) alle Anschlüsse werden gesperrt
- c) 3 wird zum Druckanschluss
- d) 1 verbindet sich mit 4, 2 wird entlüftet
Richtig: d)
Beim Schalten wechselt die Druckverbindung von 1–2 auf 1–4, und der vorher versorgte Anschluss 2 entlüftet über 3. So wird beim doppeltwirkenden Zylinder die Seite gewechselt. Ein vollständiges Sperren (b) gibt es beim 5/2 nicht, 1 bleibt Druckanschluss (a und c sind falsch).
Worin unterscheidet sich ein bistabiles von einem monostabilen Wegeventil?
- a) das bistabile hält ohne Dauersignal seine letzte Stellung
- b) das bistabile hat immer mehr Anschlüsse
- c) das monostabile kann nicht entlüften
- d) sie unterscheiden sich nur im Druckbereich
Richtig: a)
Das Kennzeichen des bistabilen Ventils ist, dass es seine zuletzt geschaltete Stellung ohne anliegendes Signal behält – beide Stellungen sind stabil. Die Anzahl der Anschlüsse (b) hängt nicht von der Stabilität ab, das monostabile Ventil kann sehr wohl entlüften (c), und der Druckbereich (d) ist kein Unterscheidungsmerkmal.
Welche Mittelstellung eines 5/3-Ventils macht den Zylinder kraftlos und von Hand beweglich?
- a) Sperr-Mittelstellung
- b) Druck-Mittelstellung
- c) Entlüftungs-Mittelstellung
- d) eine Mittelstellung gibt es beim 5/3 nicht
Richtig: c)
Sind in der Entlüftungs-Mittelstellung beide Arbeitsanschlüsse drucklos, hat der Kolben auf keiner Seite Druck und lässt sich verschieben. Die Sperr-Mittelstellung (a) hält die Last, die Durchfluss-Mittelstellung (b) legt Druck an, und eine Mittelstellung hat das 5/3 sehr wohl (d).
Was bedeutet der Steueranschluss mit der Bezeichnung 14 an einem Wegeventil?
- a) er entlüftet den Anschluss 4
- b) er ist ein zusätzlicher Druckanschluss
- c) er begrenzt den Durchfluss
- d) er schaltet die Verbindung von 1 nach 4
Richtig: d)
Die Steueranschluss-Nummer verweist auf die Verbindung, die sie herstellt: 14 schaltet die Verbindung von 1 nach 4, 12 von 1 nach 2. Eine Entlüftung (a), ein zweiter Druckanschluss (b) oder eine Durchflussbegrenzung (c) sind nicht gemeint.
Ein Konstrukteur braucht ein Ventil, das vier Leitungen verbindet und drei Stellungen schalten kann. Welche Bezeichnung trägt es?
- a) 4/3
- b) 3/4
- c) 4/4
- d) 7/3
Richtig: a)
Vier Anschlüsse ergeben die erste Zahl, drei Stellungen die zweite – also 4/3. Antwort b vertauscht die Reihenfolge, c und d nennen falsche Zahlen.
Eine sicherheitsgerichtete Achse soll bei Druckluftausfall selbsttätig einfahren. Welches Ventilverhalten wählt man?
- a) bistabil, damit die Stellung gehalten wird
- b) monostabil, mit Ruhestellung „Zylinder eingefahren“
- c) ein reines Stromventil
- d) ein Sperrventil
Richtig: b)
Damit die Achse bei Energieausfall von selbst in den sicheren Zustand geht, braucht man ein monostabiles Verhalten und legt die Ruhestellung auf „eingefahren“. Ein bistabiles Ventil (a) würde stehen bleiben, ein Stromventil (c) und ein Sperrventil (d) sind keine Wegeventile und steuern die Richtung nicht.
Glossar
- Wegeventil
- Pneumatisches Steuerorgan, das den Weg der Druckluft bestimmt, also den Luftstrom freigibt, sperrt oder umlenkt.
- Anschluss (Weg)
- Eine am Ventil angeschlossene Leitung; die Anzahl der Anschlüsse ist die erste Zahl in der Ventilbezeichnung.
- Schaltstellung
- Eine mögliche Position des Ventils; die Anzahl ist die zweite Zahl in der Bezeichnung.
- Ruhestellung (Grundstellung)
- Die Schaltstellung, die das Ventil im unbetätigten Zustand einnimmt; an ihr werden die Anschlüsse gezeichnet und beschriftet.
- Betätigung
- Die Art, wie ein Ventil umgeschaltet wird: manuell, mechanisch, pneumatisch oder elektromagnetisch.
- Monostabil
- Ventil mit einer stabilen Ruhestellung, in die es nach Wegfall des Signals selbsttätig zurückkehrt, meist über eine Feder.
- Bistabil (Impulsventil)
- Ventil mit zwei stabilen Stellungen, das ohne anliegendes Dauersignal seine zuletzt geschaltete Stellung behält.
- Mittelstellung
- Die dritte Stellung eines Ventils mit drei Schaltstellungen, ausgeführt als Sperr-, Entlüftungs- oder Durchfluss-Mittelstellung.
