Leitungsverlegung und Verlegearten
Eine Leitung von der Verteilung zum Verbraucher zu bringen, klingt simpel. In der Praxis entscheidet aber die Art, wie diese Leitung geführt wird, über ihre Lebensdauer, ihre Belastbarkeit und am Ende über die Sicherheit der ganzen Anlage. Eine Leitung im Erdreich verhält sich anders als dieselbe Leitung im Installationskanal an der Wand. Wer das versteht, plant Anlagen, die nicht nur funktionieren, sondern auch nach Jahren noch in Ordnung sind.
In diesem Beitrag geht es darum, welche Verlegearten es gibt, wie man das passende Verlegesystem und die richtige Befestigung wählt, und warum die Verlegeart einen direkten Einfluss darauf hat, wie viel Strom eine Leitung dauerhaft führen darf.
Vorwissen
- Kabel- und Leitungsarten
- Elektrische Leistung und Arbeit
- Widerstand und Ohmsches Gesetz
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die genormten Verlegearten benennen und der jeweils passenden Anwendung zuordnen
- ein geeignetes Verlegesystem und die richtige Befestigung für eine konkrete Situation auswählen
- erklären, warum dieselbe Leitung je nach Verlegeart unterschiedlich belastbar ist
- die Grundregeln für die Erdverlegung und die Verlegung im Freien anwenden
- typische Fehler bei der Trassenführung und Befestigung vermeiden
1. Warum die Verlegeart zählt
Eine Leitung muss im Betrieb mehrere Dinge gleichzeitig leisten. Sie soll den Strom sicher führen, dabei vor mechanischer Beschädigung geschützt sein, ihre Wärme abgeben können und im Bedarfsfall zugänglich bleiben. Die Verlegeart – also die konkrete Art und Weise, wie eine Leitung geführt und befestigt wird – beeinflusst all diese Punkte direkt.
Ein einfaches Beispiel macht das klar. Wird eine Leitung frei an der Wand auf Schellen verlegt, gibt sie ihre Wärme leicht an die Umgebungsluft ab. Liegt dieselbe Leitung in einem geschlossenen Rohr unter Putz, staut sich die Wärme. Die Leitung wird wärmer, obwohl der Strom gleich bleibt. Daraus folgt eine zentrale Erkenntnis: Die Verlegeart bestimmt mit, wie stark eine Leitung belastet werden darf.
Damit man Verlegearten vergleichbar macht, fasst man sie zu Referenzverlegearten zusammen. Eine Referenzverlegeart ist eine genormte Modellsituation – zum Beispiel „im wärmegedämmten Hohlraum“ oder „frei in Luft“ –, der jede reale Verlegung zugeordnet wird. Diese Zuordnung ist die Brücke zwischen der praktischen Montage und den Tabellenwerten für die Strombelastbarkeit.
Welche Leitungsart man überhaupt einsetzt – also ob eine Mantelleitung, eine Einzelader oder ein bestimmtes Kabel – ist ein eigenes Thema und wird hier vorausgesetzt. Auch die genaue rechnerische Festlegung des Querschnitts samt Spannungsfall behandeln wir hier nicht; das gehört in den Beitrag zur Leitungsdimensionierung. In diesem Beitrag geht es um das Wie und Wo der Verlegung.
Eine Leitung wird statt frei an der Wand now in einem geschlossenen Rohr unter Putz verlegt. Der Betriebsstrom bleibt gleich. Welche Aussage trifft zu?
- a) Die Leitung wird wärmer, weil die Wärmeabfuhr schlechter ist
- b) Die Leitung wird kühler, weil das Rohr sie schützt
- c) An der Temperatur ändert sich nichts, da der Strom gleich bleibt
- d) Die zulässige Belastbarkeit steigt durch den mechanischen Schutz
Richtig: a)
Entscheidend ist die Wärmeabfuhr, nicht der mechanische Schutz. Im geschlossenen Rohr unter Putz staut sich die Wärme stärker als bei freier Verlegung in Luft, deshalb steigt die Leitertemperatur bei gleichem Strom. Die Annahme, das Rohr kühle die Leitung, verwechselt mechanischen Schutz mit thermischem Verhalten; die Annahme gleichbleibender Temperatur ignoriert die Wärmeabfuhr ganz; und die Vorstellung einer höheren Belastbarkeit durch den Schutz kehrt den Zusammenhang sogar um – schlechtere Kühlung senkt die Belastbarkeit.
Wozu dient die Zuordnung einer realen Verlegung zu einer Referenzverlegeart?
- a) Sie legt die zu verwendende Leitungsart fest
- b) Sie schafft die genormte Grundlage, um die Strombelastbarkeit aus Tabellen zu ermitteln
- c) Sie bestimmt die Farbe der Adern
- d) Sie ersetzt die Auswahl des Befestigungssystems
Richtig: b)
Die Referenzverlegeart ist eine genormte Modellsituation, über die eine reale Verlegung mit den Tabellenwerten verknüpft wird. Die Leitungsart wird separat gewählt, die Aderfarben folgen eigenen Regeln, und das Befestigungssystem ist eine montagetechnische Frage – keines davon wird durch die Referenzverlegeart ersetzt.
2. Verlegearten im Überblick
Für die Praxis in Österreich bildet die Normenreihe OVE E 8101 die Grundlage, insbesondere der Teil 5-52, der sich mit der Auswahl und Errichtung von Leitungsanlagen befasst. Dort sind die zulässigen Verlegearten systematisch erfasst. Man unterscheidet sie grob danach, wo und wie die Leitung geführt wird.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Verlegearten und ihre typischen Einsatzbereiche.
| Verlegeart | Beschreibung | Referenzverlegeart | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| In Rohr in wärmegedämmter Wand | Aderleitung im Rohr, in oder auf einer wärmegedämmten Wand | A1 / A2 | Wohnungsbau in gedämmten Außenwänden |
| In Rohr auf der Wand | Leitung in starrem oder flexiblem Rohr, sichtbar montiert | B1 / B2 | Werkstätten, Industriegebäude, Kellerräume |
| In Rohr unter Putz | Rohr im Mauerwerk eingelassen, Leitung einziehbar | B1 / B2 | Wohnungsbau, sichtbar saubere Räume |
| Direkt unter oder auf Putz | Mantelleitung ohne Rohr verlegt | C | Standard-Hausinstallation in Massivwänden |
| Im Installationskanal | Leitung in Kunststoff- oder Metallkanal | B1 / B2 | Büro, Nachrüstung, wo nicht gestemmt wird |
| Auf Kabelrinne oder Pritsche | Leitungen offen auf einem Tragsystem, frei in Luft | E / F | Industrie, Schaltschrankräume, lange Trassen |
| Frei an der Wand auf Schellen | Einzeln befestigte Leitung, sichtbar, in Luft | C / E | Maschinenanschluss, einfache Industieverlegung |
| Im Hohlraum | Leitung in Hohlwand, abgehängter Decke, Doppelboden | A1 / B1 | Trockenbau, Bürogebäude |
| In Erde | Erdkabel im Graben verlegt | D | Außenanschlüsse, Zuleitungen zwischen Gebäuden |
Die Buchstaben in der Spalte „Referenzverlegeart“ sind die normativen Kurzzeichen nach OVE E 8101. Sie tauchen in Herstellerdatenblättern und in den Reduktionstabellen wieder auf – wer eine reale Verlegung dem richtigen Kurzzeichen zuordnet, findet damit die passenden Belastbarkeitswerte. Grob gilt: A steht für umschlossene Verlegung in wärmegedämmten Wänden mit schlechter Kühlung, B für Verlegung in Rohr oder Kanal, C für direkt verlegte Mantelleitungen, D für Erdverlegung und E/F für die gut gekühlte freie Verlegung in Luft auf Tragsystemen. Welches Kurzzeichen exakt zutrifft, hängt zusätzlich von der Leitungsart und den genauen Einbaubedingungen ab.
Jede dieser Verlegearten lässt sich einer Referenzverlegeart zuordnen. Genau diese Zuordnung entscheidet später über die Strombelastbarkeit. Eine Leitung auf einer offenen Kabelrinne hat eine gute Wärmeabfuhr, eine Leitung im wärmegedämmten Hohlraum eine schlechte. Beide können dieselbe Leitung sein – die Verlegeart macht den Unterschied.
Wichtig ist, schon bei der Planung an die Zugänglichkeit zu denken. Eine Leitung im Installationskanal lässt sich nachträglich erweitern oder austauschen. Eine direkt eingeputzte Leitung ist dauerhaft fixiert. Beides hat seine Berechtigung, aber die Entscheidung sollte bewusst fallen.
In einer Industriehalle sollen lange Leitungstrassen verlegt werden, die später flexibel ergänzt werden müssen. Welche Verlegeart ist dafür am besten geeignet?
- a) Direkt unter Putz
- b) In Rohr unter Putz im Mauerwerk
- c) Auf Kabelrinne oder Pritsche
- d) Eingeputzt in einer gedämmten Außenwand
Richtig: c)
Kabelrinnen und Pritschen bieten gute Wärmeabfuhr und vor allem die Möglichkeit, Leitungen ohne Stemmarbeiten nachzuziehen oder zu ergänzen. Die ins Mauerwerk eingebundenen Varianten – unter Putz, in Rohr im Mauerwerk oder eingeputzt in einer gedämmten Wand – erfordern bei jeder Änderung Aufbrucharbeiten, und ihre Wärmeabfuhr ist zusätzlich schlechter.
Welche der genannten Verlegearten erlaubt den nachträglichen Austausch einer einzelnen Leitung am einfachsten?
- a) Mantelleitung direkt unter Putz
- b) Eingeputzte Leitung in einer Massivwand
- c) In Beton eingegossene Leitung
- d) Leitung im Installationskanal
Richtig: d)
Der Installationskanal ist offen zugänglich, eine Leitung lässt sich dort herausnehmen und ersetzen. Alle anderen Varianten sind fest mit Putz oder Beton verbunden und damit ohne Zerstörung nicht zugänglich.
Worauf beruht die unterschiedliche Belastbarkeit ein und derselben Leitung bei verschiedenen Verlegearten?
- a) Auf der unterschiedlichen Wärmeabfuhr an die Umgebung
- b) Auf der unterschiedlichen Aderfarbe
- c) Auf der unterschiedlichen Spannung
- d) Auf der Norm, nach der verlegt wird
Richtig: a)
Die Verlegeart verändert, wie gut die im Leiter entstehende Wärme abgeführt wird. Eine offene Verlegung in Luft kühlt besser als eine eingeschlossene im Hohlraum. Aderfarbe und Spannung spielen dabei keine Rolle, und die Norm beschreibt den Zusammenhang nur, sie verursacht ihn nicht.
3. Verlegesysteme und Befestigung
Hat man die Verlegeart gewählt, braucht es das passende System dazu. Hier geht es um die konkreten Bauteile: Rohre, Kanäle, Tragsysteme und Befestigungsmittel.
Rohrsysteme gibt es als starre und flexible Ausführung, in Kunststoff oder Metall. Starre Kunststoffrohre kommen unter Putz und in trockenen Innenräumen zum Einsatz. Flexible Rohre eignen sich, wo Bögen und Versprünge zu überbrücken sind. Metallrohre wählt man, wo zusätzlicher mechanischer Schutz oder eine bestimmte Brandbeständigkeit gefordert ist. In das Rohr werden später Einzeladern eingezogen, oder das Rohr schützt eine bereits ummantelte Leitung.
Installationskanäle und Sockelleisten sind aufgesetzte Systeme. Sie werden auf die Wand montiert und mit einem Deckel verschlossen. Der große Vorteil ist die jederzeitige Zugänglichkeit. Kanäle finden sich häufig in Büros, Werkstätten und bei Nachrüstungen, wo nicht in die Wand gestemmt werden soll.
Kabelrinnen, Pritschen und Kabelleitern sind Tragsysteme für die offene Verlegung größerer Leitungsmengen. Die Rinne hat einen geschlossenen Boden, die Pritsche ist gelocht für bessere Belüftung, die Leiter besteht nur aus Sprossen. Sie tragen Leitungen über lange Strecken und sind das Rückgrat der Industrieverlegung.
Bei der Belegung dieser Tragsysteme gelten einige Grundregeln, die direkt mit der Wärmeabfuhr zusammenhängen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten zusammen.
| Kriterium | Regel | Grund |
|---|---|---|
| Anordnung | Möglichst einlagig, Leitungen nebeneinander | Bessere Wärmeabfuhr als bei Bündelung |
| Häufung | Bündel und enges Nebeneinander vermeiden | Gegenseitige Erwärmung reduziert Belastbarkeit |
| Abstand | Energie- und Datenleitungen trennen | Schutz vor Störeinkopplung |
| Biegeradius | Herstellerangaben einhalten, nicht knicken | Schutz der Aderisolierung und Adern |
| Befestigung | Schellen in gleichmäßigen Abständen | Verhindert Durchhängen und Zugbelastung |
Bei der Befestigung sorgen Schellen, Klemmen und Kabelbinder für sicheren Halt. Die Abstände richten sich nach Leitungsgewicht und Verlegerichtung – waagrechte Strecken dürfen größere Abstände haben als senkrechte, bei denen das Eigengewicht zieht. Wichtig ist ein gleichmäßiges Bild ohne Durchhängen, denn eine durchhängende Leitung steht unter Dauerzug an den Befestigungspunkten.
Ein Punkt, der oft zu kurz kommt, ist die Abschottung. Führt eine Trasse durch eine Wand oder Decke mit Brandschutzanforderung, muss die Durchführung wieder brandsicher verschlossen werden – mit geprüften Brandschott-Systemen. Ein offen gebliebenes Loch in einer Brandwand macht die ganze Brandabschnittsbildung wirkungslos.
Auf einer Kabelpritsche sollen mehrere Leitungen verlegt werden. Welche Anordnung ist im Hinblick auf die Belastbarkeit am günstigsten?
- a) Alle Leitungen zu einem kompakten Bündel zusammengebunden
- b) Einlagig nebeneinander mit etwas Abstand
- c) Übereinander gestapelt in mehreren Lagen
- d) Möglichst eng gepackt, um Platz zu sparen
Richtig: b)
Einlagige Verlegung mit Abstand ermöglicht jeder Leitung eine gute Wärmeabfuhr an die Umgebung. Bündeln, Stapeln und enges Packen führen alle zu gegenseitiger Erwärmung – die Häufung senkt die zulässige Belastbarkeit jeder einzelnen Leitung.
Warum müssen Befestigungsabstände bei senkrecht verlegten Leitungen in der Regel enger gewählt werden als bei waagrechten?
- a) Weil senkrechte Leitungen wärmer werden
- b) Weil senkrechte Leitungen mehr Strom führen
- c) Weil das Eigengewicht die Leitung nach unten zieht und an den Punkten Zug entsteht
- d) Weil die Norm dort dünnere Schellen vorschreibt
Richtig: c)
Bei senkrechter Verlegung wirkt das Eigengewicht in Längsrichtung und belastet die Befestigungspunkte auf Zug. Engere Abstände verteilen diese Last. Mit Temperatur, Stromhöhe oder Schellengröße hat das nichts zu tun.
Eine Leitungstrasse durchdringt eine Brandwand. Was ist zwingend erforderlich?
- a) Die Leitung an dieser Stelle zusätzlich zu erden
- b) Den Querschnitt der Leitung zu erhöhen
- c) Die Leitung in diesem Bereich farblich zu kennzeichnen
- d) Die Durchführung mit einem geprüften Brandschott-System zu verschließen
Richtig: d)
Eine offene Durchführung würde die Brandabschnittsbildung wirkungslos machen, deshalb ist die Öffnung mit einem geprüften Brandschott wieder zu verschließen. Erdung, Querschnitt und Farbkennzeichnung haben mit dem Brandschutz der Durchführung nichts zu tun.
4. Verlegeart und Strombelastbarkeit
Im ersten Kapitel ist der Grundgedanke schon angeklungen: Dieselbe Leitung darf je nach Verlegeart unterschiedlich stark belastet werden. Hier sehen wir uns genauer an, warum das so ist – ohne die genaue Berechnung, denn die gehört in den Beitrag zur Leitungsdimensionierung.
Der physikalische Kern ist die Wärmeabfuhr. Jeder Leiter setzt beim Stromfluss Verlustleistung in Wärme um. Damit die Leitung nicht überhitzt, muss diese Wärme an die Umgebung abgegeben werden. Wie gut das gelingt, hängt von der Verlegeart ab. Eine frei in Luft verlegte Leitung kühlt gut, eine im wärmegedämmten Hohlraum oder im Bündel schlecht. Je schlechter die Kühlung, desto weniger Strom darf dauerhaft fließen.
Zwei Einflüsse spielen dabei eine besondere Rolle. Der erste ist die Häufung. Liegen mehrere stromführende Leitungen dicht beieinander, erwärmen sie sich gegenseitig. Jede einzelne kann dann weniger Strom führen als allein. Der zweite ist die Umgebungstemperatur. Ist die Umgebung wärmer als die genormte Bezugstemperatur, kann weniger Wärme abfließen, und auch dann sinkt die zulässige Belastung.
In der Norm werden diese Einflüsse über Reduktionsfaktoren berücksichtigt. Vereinfacht gesagt: Man geht von einem Grundwert der Belastbarkeit aus und verringert ihn mit Faktoren für Häufung und Temperatur. Das Prinzip lässt sich so beschreiben:
I_zul = I_basis · k_Haeufung · k_Temperatur
- I_zul ……… zulässige Strombelastbarkeit in A
- I_basis ……. Grundwert der Belastbarkeit in A
- k_Haeufung …. Reduktionsfaktor für Häufung (kleiner oder gleich 1)
- k_Temperatur .. Reduktionsfaktor für Umgebungstemperatur (kleiner oder gleich 1)
Beide Faktoren sind höchstens 1 und verkleinern den Grundwert. Liegen ungünstige Bedingungen vor – viele Leitungen gebündelt, hohe Umgebungstemperatur – kann die tatsächlich zulässige Belastbarkeit deutlich unter dem Grundwert liegen.
Für die konkrete Auslegung braucht man die genauen Tabellenwerte der Grundbelastbarkeit und der einzelnen Faktoren sowie die daraus folgende Querschnittswahl und den Spannungsfall. Diese vollständige Berechnung ist Gegenstand des Beitrags zur Leitungsdimensionierung und Spannungsfall. Für das Verständnis der Verlegearten reicht der Zusammenhang: Wer ungünstig verlegt, muss entweder den Querschnitt vergrößern oder den Strom begrenzen.
Mehrere stromführende Leitungen werden dicht gebündelt verlegt. Welche Auswirkung hat das auf die zulässige Belastbarkeit jeder einzelnen Leitung?
- a) Sie sinkt, weil sich die Leitungen gegenseitig erwärmen
- b) Sie steigt, weil sich die Leitungen gegenseitig stützen
- c) Sie bleibt unverändert
- d) Sie hängt nur von der Umgebungstemperatur ab
Richtig: a)
Eng beieinander liegende Leitungen geben ihre Wärme schlechter ab und heizen sich gegenseitig auf. Der Häufungsfaktor wird kleiner, die zulässige Belastbarkeit jeder Leitung sinkt. Die Vorstellung einer steigenden Belastbarkeit ist physikalisch falsch, die Annahme unveränderter Belastbarkeit ignoriert die Häufung, und die Reduktion allein auf die Umgebungstemperatur blendet aus, dass die Häufung ein eigener, zusätzlicher Einfluss ist.
Was beschreibt ein Reduktionsfaktor im Zusammenhang mit der Strombelastbarkeit?
- a) Einen Faktor größer als 1, der die Belastbarkeit erhöht
- b) Einen Faktor höchstens gleich 1, der den Grundwert der Belastbarkeit verringert
- c) Den Spannungsfall entlang der Leitung
- d) Die Anzahl der Adern in der Leitung
Richtig: b)
Reduktionsfaktoren liegen bei höchstens 1 und verkleinern den Grundwert der Belastbarkeit, etwa wegen Häufung oder hoher Umgebungstemperatur. Ein Faktor über 1 widerspricht dem Begriff, der Spannungsfall ist eine andere Größe, und die Aderzahl ist kein Faktor in diesem Zusammenhang.
Eine bestehende, gebündelte Leitungsgruppe wird um zusätzliche Leitungen ergänzt. Worauf ist besonders zu achten?
- a) Auf nichts, solange jede neue Leitung einzeln korrekt dimensioniert ist
- b) Nur auf die Farbe der neuen Leitungen
- c) Darauf, dass sich der Häufungsfaktor für die gesamte Gruppe verschlechtert
- d) Darauf, dass die Spannung in der Gruppe steigt
Richtig: c)
Mehr Leitungen im Bündel bedeuten stärkere gegenseitige Erwärmung, der Häufungsfaktor sinkt für alle. Die alte Auslegung kann dann nicht mehr passen. Die Einzelbetrachtung übersieht genau diesen Gruppeneffekt, die Farbe ist irrelevant, und die Spannung ändert sich durch zusätzliche Leitungen nicht.
5. Verlegung im Erdreich und im Freien
Sobald Leitungen das Gebäude verlassen, gelten besondere Regeln. Im Erdreich und im Freien wirken Belastungen, die im Innenraum keine Rolle spielen.
Bei der Erdverlegung wird ein für diesen Zweck geeignetes Erdkabel in einen Graben gelegt. Die Verlegetiefe ist so zu wählen, dass das Kabel vor mechanischer Beschädigung etwa durch Grabungsarbeiten geschützt ist; bei Trassen unter befahrbaren Flächen entsprechend tiefer. Das Kabel liegt in einem Sandbett, das es vor scharfkantigen Steinen schützt und Druck gleichmäßig verteilt. Darüber kommen eine Abdeckung – etwa Kabelabdeckplatten – und ein Warnband, das bei späteren Grabungen rechtzeitig auf die Leitung aufmerksam macht.
Der typische Aufbau eines Kabelgrabens lässt sich gut im Querschnitt zeigen.
Von unten nach oben gelesen: Das Kabel liegt im Sandbett, darüber schützt eine Abdeckplatte vor Spatenstichen, und das Warnband signalisiert die Leitung, bevor man beim Graben das Kabel selbst erreicht. Erst darüber wird der Graben mit Aushub verfüllt.
Im Freien kommen andere Belastungen dazu. UV-Strahlung greift ungeeignete Mäntel an, deshalb braucht es UV-beständige Leitungen oder einen Schutz durch Rohr oder Kanal. Feuchtigkeit und Regen verlangen eine ausreichende IP-Schutzart bei Dosen, Verteilern und Einführungen. An Stellen, wo eine Leitung mechanisch gefährdet ist – etwa im Bereich von Toren, Fahrwegen oder in Greifhöhe –, ist ein zusätzlicher mechanischer Schutz durch Rohr oder Profil sinnvoll.
Bei senkrechten Steig- und Fallleitungen an Fassaden is auf sichere Befestigung in engen Abständen zu achten, weil das Eigengewicht dauerhaft zieht. Auch die Einführung ins Gebäude muss dicht ausgeführt sein, damit kein Wasser entlang der Leitung ins Innere wandert.
Welche Funktion hat das Warnband über einem Erdkabel?
- a) Es verbessert die Wärmeabfuhr des Kabels
- b) Es ersetzt die Erdung des Kabels
- c) Es hält das Kabel mechanisch in Position
- d) Es warnt bei späteren Grabungen rechtzeitig vor der darunterliegenden Leitung
Richtig: d)
Das Warnband liegt oberhalb von Kabel und Abdeckung und wird beim Graben erreicht, bevor das Kabel selbst getroffen wird – es ist ein Warnsignal. Mit Wärmeabfuhr, Erdung oder Fixierung hat es nichts zu tun.
Warum wird ein Erdkabel in ein Sandbett gelegt?
- a) Um es vor scharfkantigen Steinen zu schützen und Druck zu verteilen
- b) Damit es schneller Wärme aufnimmt
- c) Um es elektrisch zu isolieren
- d) Um die Verlegetiefe zu verringern
Richtig: a)
Das Sandbett polstert das Kabel gegen scharfkantiges Material und verteilt Druck aus dem Erdreich gleichmäßig. Es dient nicht der Wärmeaufnahme, nicht der elektrischen Isolierung – das übernimmt der Kabelmantel – und beeinflusst die nötige Verlegetiefe nicht.
Eine Leitung wird im Außenbereich an einer sonnenbeschienenen Fassade verlegt. Welche Eigenschaft ist besonders wichtig?
- a) Eine möglichst dünne Isolierung
- b) UV-Beständigkeit des Mantels oder Schutz durch Rohr
- c) Eine besonders helle Aderfarbe
- d) Ein möglichst großer Biegeradius zur Kühlung
Richtig: b)
Direkte Sonneneinstrahlung belastet den Mantel mit UV-Strahlung, die ungeeignete Materialien spröde macht. Daher braucht es einen UV-beständigen Mantel oder mechanischen Schutz durch ein Rohr. Eine dünne Isolierung wäre kontraproduktiv, die Aderfarbe schützt nicht vor UV, und der Biegeradius hat mit UV-Belastung nichts zu tun.
Warum müssen senkrechte Steigleitungen an einer Fassade besonders engmaschig befestigt werden?
- a) Weil sie sonst zu viel Strom führen
- b) Weil sie im Freien kälter werden
- c) Weil das Eigengewicht dauerhaft an der Leitung zieht
- d) Weil senkrechte Leitungen dünner sein müssen
Richtig: c)
Bei senkrechter Verlegung wirkt das Eigengewicht entlang der Leitung und belastet die Befestigungspunkte dauerhaft auf Zug. Enge Abstände verteilen diese Last und verhindern, dass die Leitung sich löst. Strom, Temperatur und Querschnitt sind hier nicht die maßgeblichen Größen.
Abschlusstest
Frage 1: Eine korrekt dimensionierte Leitung löst im Sommer wiederholt den Leitungsschutzschalter aus, obwohl der Verbraucher unverändert ist. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- a) Die Aderfarbe ist falsch gewählt
- b) Der Querschnitt ist zu groß
- c) Die Leitung ist zu kurz
- d) Die Leitung liegt thermisch ungünstig, etwa eingeputzt in einer gedämmten Wand
Richtig: d)
Eine thermisch ungünstige Lage – etwa in einer gedämmten Wand – führt zu Wärmestau, besonders bei hohen Sommertemperaturen. Die Leitung erwärmt sich stärker, der Schutzschalter spricht an. Aderfarbe und Leitungslänge haben darauf keinen Einfluss, und ein zu großer Querschnitt würde die Erwärmung eher verringern.
Frage 2: Welche Aussage zur Referenzverlegeart ist korrekt?
- a) Sie ist eine genormte Modellsituation zur Ermittlung der Strombelastbarkeit
- b) Sie legt fest, welche Leitungsart verwendet werden muss
- c) Sie bestimmt den Leitungsschutzschalter
- d) Sie gibt die Verlegetiefe im Erdreich vor
Richtig: a)
Die Referenzverlegeart ordnet eine reale Verlegung einer genormten Modellsituation zu und schafft so die Grundlage für die Belastbarkeitswerte. Leitungsart, Schutzorgan und Verlegetiefe werden dadurch nicht festgelegt.
Frage 3: Auf einer Pritsche werden Leitungen einlagig mit Abstand statt gebündelt verlegt. Welcher Vorteil ergibt sich daraus hauptsächlich?
- a) Geringerer Materialverbrauch
- b) Bessere Wärmeabfuhr und damit höhere zulässige Belastbarkeit
- c) Höhere Spannung in den Leitungen
- d) Kürzere Leitungswege
Richtig: b)
Einlagige Verlegung mit Abstand verbessert die Wärmeabfuhr, wodurch jede Leitung höher belastet werden darf. Materialverbrauch, Spannung und Leitungsweg werden dadurch nicht beeinflusst.
Frage 4: Was geschieht mit dem Häufungsfaktor, wenn zu einer bestehenden Bündelung weitere Leitungen hinzukommen?
- a) Er steigt über 1
- b) Er bleibt konstant
- c) Er sinkt, weil die gegenseitige Erwärmung zunimmt
- d) Er wird zum Spannungsfall
Richtig: c)
Mehr Leitungen im Bündel erhöhen die gegenseitige Erwärmung, der Häufungsfaktor wird kleiner und senkt die zulässige Belastbarkeit für alle. Über 1 kann er nicht steigen, konstant bleibt er nicht, und mit dem Spannungsfall hat er nichts zu tun.
Frage 5: Welche der folgenden Verlegearten erlaubt die einfachste spätere Erweiterung?
- a) Mantelleitung direkt eingeputzt
- b) In Beton eingegossene Leitung
- c) Eingeputztes Rohr ohne Reservezug
- d) Leitung im offenen Installationskanal
Richtig: d)
Der offene Installationskanal ist jederzeit zugänglich, Leitungen lassen sich ergänzen oder tauschen. Eingeputzte und eingegossene Leitungen sind dauerhaft fixiert; ein eingeputztes Rohr ohne Reserve ist nur eingeschränkt nutzbar.
Frage 6: Eine Leitungstrasse durchdringt eine Decke mit Brandschutzanforderung. Was ist erforderlich?
- a) Ein geprüftes Brandschott zum Verschluss der Öffnung
- b) Eine zusätzliche Erdung an der Durchführung
- c) Eine Erhöhung des Leitungsquerschnitts
- d) Eine farbliche Markierung der Decke
Richtig: a)
Die Durchführung muss brandsicher verschlossen werden, sonst ist die Brandabschnittsbildung wirkungslos. Erdung, Querschnitt und Markierung leisten keinen Beitrag zum Brandschutz der Durchführung.
Frage 7: Warum liegt ein Erdkabel in einem Sandbett mit Abdeckung und Warnband?
- a) Zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit
- b) Zum Schutz vor mechanischer Beschädigung und zur Warnung bei Grabungen
- c) Um die Leitung zu erden
- d) Um den Spannungsfall zu verringern
Richtig: b)
Sandbett und Abdeckung schützen mechanisch, das Warnband warnt bei späteren Grabungen. Leitfähigkeit, Erdung und Spannungsfall werden dadurch nicht beeinflusst.
Frage 8: Welche Eigenschaft ist bei einer dauerhaft sonnenbeschienenen Leitung im Freien besonders wichtig?
- a) Eine möglichst geringe Aderzahl
- b) Eine besonders glatte Oberfläche zur Reinigung
- c) UV-Beständigkeit oder Schutz durch ein Rohr
- d) Eine möglichst hohe Betriebsspannung
Richtig: c)
UV-Strahlung macht ungeeignete Mäntel spröde, daher braucht es UV-beständiges Material oder einen Rohrschutz. Aderzahl, Oberfläche und Betriebsspannung sind hier nicht maßgeblich.
Frage 9: Eine Leitung soll in einem Büro verlegt werden, ohne in die Wand zu stemmen, mit der Möglichkeit zur späteren Erweiterung. Welche Verlegeart passt am besten?
- a) Direkt unter Putz
- b) In Erde
- c) Eingeputzt in der Außenwand
- d) Im Installationskanal
Richtig: d)
Der Installationskanal wird aufgesetzt, erfordert kein Stemmen und bleibt zugänglich für Erweiterungen. Die eingeputzten Varianten erfordern Stemmarbeiten und sind nicht zugänglich, und eine Erdverlegung ist für eine Bürowand unsinnig.
Frage 10: Welche Regel gilt für Befestigungsabstände bei senkrechter Verlegung im Vergleich zur waagrechten?
- a) Sie müssen in der Regel enger sein wegen der Zugbelastung durch das Eigengewicht
- b) Sie dürfen größer sein, weil weniger Last wirkt
- c) Sie spielen keine Rolle
- d) Sie hängen nur von der Aderfarbe ab
Richtig: a)
Bei senkrechter Verlegung wirkt das Eigengewicht an den Befestigungspunkten, deshalb sind engere Abstände nötig. Größere Abstände wären riskant, eine Rolle spielen sie sehr wohl, und die Aderfarbe ist irrelevant.
Frage 11: Worauf beruht der physikalische Zusammenhang zwischen Verlegeart und zulässiger Strombelastbarkeit?
- a) Auf der Länge der Leitung
- b) Auf der Güte der Wärmeabfuhr an die Umgebung
- c) Auf der Farbe des Mantels
- d) Auf der Anzahl der Anschlussklemmen
Richtig: b)
Die Verlegeart bestimmt, wie gut die Verlustwärme abgeführt wird; schlechtere Kühlung senkt die zulässige Belastbarkeit. Leitungslänge, Mantelfarbe und Klemmenanzahl sind dafür nicht ursächlich.
Frage 12: Welche der folgenden Maßnahmen ist sinnvoll, wenn eine Leitung im Freien in Greifhöhe und nahe einem Fahrweg verläuft?
- a) Die Leitung dünner wählen
- b) Die Leitung möglichst lose hängen lassen
- c) Zusätzlicher mechanischer Schutz durch ein Rohr oder Profil
- d) Auf eine Befestigung ganz verzichten
Richtig: c)
An mechanisch gefährdeten Stellen schützt ein Rohr oder Profil die Leitung vor Beschädigung. Ein dünnerer Querschnitt, loses Hängen oder fehlende Befestigung würden die Gefährdung sogar erhöhen.
Glossar
- Verlegeart
- Die konkrete Art und Weise, wie eine Leitung geführt und befestigt wird, etwa in Rohr, im Kanal, auf einer Pritsche oder im Erdreich.
- Referenzverlegeart
- Eine genormte Modellsituation, der eine reale Verlegung zugeordnet wird, um die Strombelastbarkeit aus Tabellen zu ermitteln.
- Verlegesystem
- Die für eine Verlegeart eingesetzten Bauteile wie Rohre, Installationskanäle, Kabelrinnen, Pritschen und Kabelleitern.
- Kabelrinne / Pritsche / Kabelleiter
- Offene Tragsysteme für die Verlegung größerer Leitungsmengen; die Pritsche ist gelocht zur besseren Belüftung, die Leiter besteht nur aus Sprossen.
- Häufung
- Das dichte Nebeneinander oder Bündeln mehrerer stromführender Leitungen, das durch gegenseitige Erwärmung die Belastbarkeit jeder einzelnen verringert.
- Reduktionsfaktor
- Ein Faktor von höchstens 1, mit dem der Grundwert der Strombelastbarkeit wegen Häufung oder erhöhter Umgebungstemperatur verkleinert wird.
- Sandbett
- Eine Sandschicht um ein Erdkabel, die es vor scharfkantigem Material schützt und den Druck aus dem Erdreich gleichmäßig verteilt.
- Warnband
- Ein farbiges Band oberhalb eines Erdkabels, das bei späteren Grabungen rechtzeitig auf die darunterliegende Leitung hinweist.
- Brandschott
- Ein geprüftes System, mit dem Wand- und Deckendurchführungen in Brandabschnitten wieder brandsicher verschlossen werden.
