Dichtungen

Dichtungen halten Medien dort, wo sie hingehören — und draußen, wo sie stören würden. Sie sitzen zwischen Flanschen, an Wellen, an Kolben und überall, wo zwei Teile aufeinanderreffen und ein Übertritt von Flüssigkeit oder Gas verhindert werden muss. Ohne Dichtungen würde aus jedem Hydraulikzylinder Öl tropfen, jedes Getriebe seinen Schmierstoff verlieren, jede Wasserleitung lecken. Welche Dichtung an welche Stelle gehört, hängt von zwei Fragen ab: Bewegen sich die Teile zueinander? Und welches Medium herrscht bei welchem Druck und welcher Temperatur?

Vorwissen

  • Maschinenelemente im Überblick
  • Kunststoffe: Thermoplaste, Duroplaste, Elastomere
  • Toleranzen, Passungen und Oberflächen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • statische und dynamische Dichtungen unterscheiden und ihre typischen Bauformen benennen
  • die wichtigsten berührenden und berührungslosen Dichtarten in der Praxis erkennen
  • Dichtungswerkstoffe nach Medium und Temperatur passend auswählen
  • Anpresskräfte und zulässige Flächenpressungen an Flachdichtungen rechnerisch abschätzen
  • typische Montage- und Einbaufehler bei Wellendichtringen vermeiden

1. Grundlagen und Einteilung von Dichtungen

Eine Pumpe fördert Hydrauliköl, ein Getriebe schützt seine Verzahnung mit einem Ölbad, ein Druckluftzylinder bewegt einen Kolben. Drei sehr unterschiedliche Maschinen, alle mit demselben Grundproblem: An jeder Trennstelle zwischen zwei Bauteilen will das Medium nach draußen — getrieben vom Druck. Eine Dichtung hält diesen Übertritt zurück.

Eine Dichtung ist ein Element zwischen zwei Bauteilen, das den Durchtritt eines Mediums (Flüssigkeit oder Gas) verhindert oder auf ein vertretbares Maß begrenzt. Das vollständig Verhinderte heißt Totaldichtheit, die zugelassene Restmenge Leckage.

Zwei Einteilungen helfen, sich im großen Sortiment zu orientieren.

Erste Einteilung — nach Bewegung:

  • Statische Dichtungen liegen zwischen Bauteilen, die sich im Betrieb nicht zueinander bewegen. Beispiel: die Dichtung zwischen Zylinderkopf und Motorblock, die Flachdichtung im Flansch einer Rohrleitung.
  • Dynamische Dichtungen dichten gegen ein bewegtes Bauteil. Beispiel: die Dichtung an einer drehenden Welle, die Dichtung am verschiebbaren Kolben eines Hydraulikzylinders.

Zweite Einteilung — bei dynamischen Dichtungen nach…“kontakt:“

  • Berührende Dichtungen liegen mit Lippe, Ring oder Packung direkt am bewegten Teil an. Sie dichten sehr gut, verschleißen aber.
  • Berührungslose Dichtungen haben einen kleinen Spalt zum bewegten Teil. Sie verschleißen nicht, lassen aber eine geringe Restleckage zu.
Einteilung Bauform Typische Anwendung
Statisch Flachdichtung Flansche, Zylinderkopf
Statisch O-Ring (statisch eingebaut) Verschraubungen, Deckel
Statisch Flüssigdichtung Gehäusehälften, Getriebedeckel
Statisch Metalldichtring Hydraulikverschraubungen
Dynamisch berührend Radialwellendichtring Wellen in Getrieben, Pumpen
Dynamisch berührend Stopfbuchspackung Ventilspindeln, Pumpenwellen
Dynamisch berührend Gleitringdichtung Kreiselpumpen, Verdichter
Dynamisch berührend Kolben-/Stangendichtung Hydraulik- und Pneumatikzylinder
Dynamisch berührungslos Spaltdichtung Schnelllaufende Wellen
Dynamisch berührungslos Labyrinthdichtung Turbinen, Wälzlager

Eine Dichtung zwischen zwei festen, miteinander verschraubten Gehäuseteilen wird als statische Dichtung bezeichnet. Welche Eigenschaft ist für diesen Dichtungstyp typisch?

  • a) Beide abzudichtenden Teile bewegen sich im Betrieb nicht zueinander
  • b) Die Dichtung muss ständig nachgeschmiert werden
  • c) Es ist immer eine Restleckage zu erwarten
  • d) Sie eignet sich besonders für hohe Drehzahlen

Richtig: a)

Eine statische Dichtung dichtet zwischen ruhenden Teilen. Reibung, Verschleiß und Schmierungsbedarf entfallen praktisch. Eine zugelassene Restleckage gehört zu berührungslosen dynamischen Dichtungen, hohe Drehzahlen sind ein Anwendungsfall dynamischer Dichtungen.

Was unterscheidet eine berührungslose Dichtung grundlegend von einer berührenden Dichtung?

  • a) Sie kommt ohne Werkstoff aus
  • b) Sie verträgt höhere Drücke
  • c) Sie hat einen kleinen Spalt zum bewegten Teil und kennt deshalb keinen Verschleiß
  • d) Sie ist immer kleiner gebaut

Richtig: c)

Das Kernmerkmal berührungsloser Dichtungen ist der Spalt zwischen Dichtung and bewegtem Bauteil. Kein Kontakt, kein Verschleiß durch Reibung. Der Preis dafür ist eine zulässige Restleckage. Druckverträglichkeit und Baugröße sind keine prinzipiellen Unterschiede.

2. Statische Dichtungen

Eine Hydraulikverschraubung, die feucht wird. Ein Getriebedeckel, der Öl schwitzt. Beides sind klassische Aufgaben für statische Dichtungen — zwei Teile, fest miteinander verschraubt, kein Medium darf zwischen ihnen entweichen.

Die wichtigsten Bauformen:

Flachdichtung — ein zugeschnittenes Stück Dichtungsmaterial, das zwischen zwei ebene Flächen geklemmt wird. Klassisch zwischen Flanschen einer Rohrleitung oder als Zylinderkopfdichtung. Werkstoff je nach Anwendung: faserverstärktes Material, Kupfer, Aluminium, Graphit für hohe Temperaturen.

O-Ring (statisch eingebaut) — ein Ringelement mit kreisrundem Querschnitt aus Elastomer, das in einer Nut sitzt und durch axiale oder radiale Verformung dichtet. Statisch eingebaut bedeutet: keines der angrenzenden Teile bewegt sich. Sehr verbreitet bei Deckeln, Gehäusen und Verschraubungen.

Profildichtung — wie eine Flachdichtung, aber mit speziellem Querschnitt (Rechteck-, X- oder Sternform). Sitzt formschlüssig in einer Nut und dichtet schon bei geringer Vorspannung.

Metalldichtring — meist aus Kupfer oder Aluminium, etwa bei Ölablassschrauben oder Hydraulikverschraubungen mit metrischem Gewinde und ebenem Dichtsitz. Kupfer wird durch Glühen weich und schmiegt sich beim Anziehen an.

Flüssigdichtung — eine Paste oder Flüssigkeit, die auf die Dichtfläche aufgetragen wird und dort aushärtet. Silikondichtmittel bleiben elastisch, anaerobe Dichtmittel härten unter Luftabschluss aus. Praktisch, wenn die Form der Trennstelle keine Standarddichtung zulässt.

Berechnung der Anpresskraft:

Eine statische Dichtung funktioniert nur, wenn sie ausreichend angepresst wird. Zwei Größen sind dabei wichtig. Die Anpresskraft muss hoch genug sein, damit der Innendruck die Dichtung nicht aufdrückt. Sie darf aber nicht so hoch werden, dass die Dichtung zerquetscht und der Werkstoff überlastet wird.

Grundformel für die theoretische Mindest-Anpresskraft gegen den Innendruck:

F_min = p * A

  • F_min … Mindest-Anpresskraft in N
  • p … Innendruck in N/mm²
  • A … Dichtfläche in mm²

In der Praxis kommt zusätzlich ein Vorspannfaktor ν von etwa 2 bis 3 hinzu, damit die Dichtung auch bei Druckspitzen sicher bleibt. Die tatsächlich aufzubringende Montagekraft ist also:

F_montage = nue * F_min

  • F_montage … Montage-Anpresskraft in N
  • nue … Vorspannfaktor (Erfahrungswert, etwa 2 bis 3)
  • F_min … theoretische Mindest-Anpresskraft in N

Für die rein theoretische Mindest-Anpresskraft (die Untergrenze, an der gerade noch dichtgehalten wird) gilt ν = 1 — so wird auch in den folgenden Aufgaben gerechnet.

Grenze nach oben — die maximal zulässige Anpresskraft aus der Materialfestigkeit:

F_max = sigma_zul * A

  • F_max … maximal zulässige Anpresskraft in N
  • sigma_zul … zulässige Flächenpressung des Dichtwerkstoffs in N/mm²
  • A … Dichtfläche in mm²

Wird F_max überschritten, wird der Dichtungswerkstoff dauerhaft verformt und verliert seine Rückstellfähigkeit.

Wichtige Umrechnung:

1 bar = 0,1 N/mm² = 100 000 Pa

Gelöstes Beispiel

Eine Flachdichtung zwischen zwei Flanschen einer Hydraulikleitung hat einen Innendurchmesser von 30 mm und einen Außendurchmesser von 50 mm. Im Betrieb herrschen 200 bar. Wie groß ist die theoretische Mindest-Anpresskraft, die das Medium gegen den Innendruck halten muss?

Gegeben: D_i = 30 mm, D_a = 50 mm, p = 200 bar = 20 N/mm²

Gesucht: F_min in N

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Dichtfläche berechnen: A = π/4 · (D_a² – D_i²) = π/4 · (50² – 30²) mm² = π/4 · (2500 – 900) mm² = π/4 · 1600 mm² ≈ 1256,6 mm²
  2. Schritt 2 — Anpresskraft berechnen: F_min = p · A = 20 N/mm² · 1256,6 mm² ≈ 25 133 N

Ergebnis: Die theoretische Mindest-Anpresskraft beträgt rund 25,1 kN.

Übungen

Eine Ringdichtung hat einen Innendurchmesser von 20 mm und einen Außendurchmesser von 40 mm. Welche Dichtfläche ergibt sich?

Lösung: A = π/4 · (40² − 20²) = π/4 · 1200 ≈ 942,5 mm²

Eine Flachdichtung mit einer Dichtfläche von 800 mm² wird mit 50 bar belastet. Wie hoch ist die theoretische Mindest-Anpresskraft?

Lösung: p = 50 bar = 5 N/mm²; F_min = 5 · 800 = 4000 N

Eine Ringdichtung mit D_i = 25 mm und D_a = 45 mm liegt zwischen zwei Flanschen bei 100 bar. Wie groß ist die Mindest-Anpresskraft?

Lösung: A = π/4 · (45² − 25²) ≈ 1099,6 mm²; p = 10 N/mm²; F_min ≈ 10 996 N ≈ 11 kN

Der Dichtungswerkstoff darf maximal mit 25 N/mm² belastet werden. Die Dichtfläche beträgt 1500 mm². Wie hoch ist die maximal zulässige Anpresskraft?

Lösung: F_max = 25 · 1500 = 37 500 N = 37,5 kN

Eine Ringdichtung mit D_i = 40 mm and D_a = 70 mm wird mit 150 bar belastet. Der Werkstoff hat eine zulässige Flächenpressung von 30 N/mm². Berechne Dichtfläche, Mindest-Anpresskraft und maximal zulässige Anpresskraft. Liegt die Mindest-Anpresskraft im zulässigen Bereich?

Lösung: A = π/4 · (70² − 40²) ≈ 2591,8 mm²; F_min = 15 · 2591,8 ≈ 38 877 N ≈ 38,9 kN; F_max = 30 · 2591,8 ≈ 77 754 N ≈ 77,8 kN. F_min liegt deutlich unter F_max, also zulässig.

Warum kann ein zu festes Anziehen einer Flanschverschraubung mit Flachdichtung zur Leckage führen?

  • a) Die Schraube wird länger und der Anpressdruck sinkt
  • b) Das Drehmoment kehrt sich am Anschlag um
  • c) Die Schrauben federn zurück
  • d) Der Dichtungswerkstoff wird über die zulässige Flächenpressung hinaus belastet und verliert seine Elastizität

Richtig: d)

Jeder Dichtungswerkstoff hat eine maximale Flächenpressung. Wird sie überschritten, fließt das Material plastisch — die Dichtung wird dauerhaft verformt, verliert ihre Rückstellfähigkeit und kann Druckschwankungen nicht mehr ausgleichen. Die anderen Optionen sind physikalisch nicht stichhaltig.

Wofür wird eine Flüssigdichtung typischerweise eingesetzt?

  • a) Für rotierende Wellen
  • b) Wo die Form der Trennstelle keine Standarddichtung zulässt
  • c) Bei extrem hohen Drücken über 500 bar
  • d) Statt eines Wellendichtrings

Richtig: b)

Flüssigdichtungen werden auf die Dichtfläche aufgetragen und härten dort aus. Sie sind ideal, wenn die Geometrie der Trennstelle ungewöhnlich ist oder eine Standarddichtung nicht passt — etwa bei Gehäusehälften eines Getriebes. Für rotierende Wellen sind sie nicht geeignet, für sehr hohe Drücke gibt es spezialisierte Lösungen, und sie ersetzen keinen Wellendichtring.

3. Dynamische berührende Dichtungen

Eine Getriebewelle dreht, und das Öl im Gehäuse soll drinnen bleiben. Ein Hydraulikkolben fährt aus und ein, und der Zylinderdruck darf nicht entweichen. Hier reichen statische Dichtungen nicht mehr. Es braucht eine Dichtung, die mit dem bewegten Teil mitlebt — und trotzdem dicht hält.

Die wichtigsten Bauformen:

Radialwellendichtring — in der Werkstatt oft „Simmerring“ genannt (nach einem Markennamen). Ein Ring aus Elastomer mit einer feinen Dichtlippe, die durch eine Wurzelfeder — eine kleine Ringfeder im Inneren des Rings — gegen die rotierende Welle gedrückt wird. Ein Versteifungsblech im Inneren gibt dem Ring Form und Festsitz im Gehäuse.

Wichtig: Bei Lippendichtungen verstärkt der Systemdruck die Anpresskraft. Steigt der Druck im Gehäuse, drückt das Medium von innen gegen die Dichtlippe und presst sie zusätzlich gegen die Welle. Das ist die Selbstverstärkung der Lippendichtung — sie hält bei höheren Drücken sogar besser. Verbaut wird der Wellendichtring deshalb immer mit der Dichtlippe zum abzudichtenden Medium hin.

Radialwellendichtring im Schnitt Halbschnitt durch Gehäuse, Wellendichtring und Welle Gehäuse Welle (rotierend) Druckseite (Medium) Druck presst Dichtlippe zusätzlich gegen Welle (Selbstverstärkung) Versteifungsblech Elastomerkörper Wurzelfeder Dichtlippe

Dynamisch eingebauter O-Ring — derselbe Ring wie statisch, aber das Gegenstück bewegt sich. Verwendet bei kurzhubigen, langsamen Bewegungen, etwa an Stellventilen. Bei längeren Hüben und höheren Geschwindigkeiten verschleißt der O-Ring schnell — dann sind speziell geformte Kolbendichtungen besser.

Stopfbuchspackung — eine Schichtung von Packungsringen (Graphit, PTFE, Aramid) in einer Bohrung. Über eine Brille wird der Packungsstapel axial verspannt und drückt seitlich gegen die Welle oder Spindel. Klassisch bei Armaturen-Ventilspindeln und älteren Pumpen. Eine kleine Restleckage ist gewollt — sie kühlt und schmiert die Packung.

Gleitringdichtung — die Standardlösung bei Kreiselpumpen. Zwei plangeschliffene Ringflächen (Gleitring und Gegenring) liegen aneinander, der eine dreht mit der Welle, der andere steht still. Eine Feder presst sie zusammen, ein Flüssigkeitsfilm im µm-Bereich übernimmt die Schmierung. Sehr dicht, sehr langlebig, aber empfindlich gegen Trockenlauf.

Kolben- und Stangendichtungen — Spezialformen für Hydraulik- und Pneumatikzylinder. Die Kolbendichtung sitzt am Kolben und dichtet gegen die Zylinderwand, die Stangendichtung sitzt im Zylinderdeckel und dichtet die ein- und ausfahrende Kolbenstange. Beide gibt es in vielen Profilformen (U-Ring, V-Ring, Lippendichtung) — die konkreten Bauarten gehören zum jeweiligen Zylinder-Thema.

Auf welcher Seite wird ein Radialwellendichtring eingebaut?

  • a) Dichtlippe nach außen, weg vom Medium
  • b) Dichtlippe zum abzudichtenden Medium hin
  • c) Egal, beide Richtungen funktionieren gleich
  • d) Versteifungsblech zum Medium hin

Richtig: b)

Die Lippendichtung verstärkt ihre Wirkung durch den Systemdruck — das Medium drückt die Dichtlippe zusätzlich gegen die Welle. Verbaut man den Ring andersherum, drückt der Innendruck die Lippe von der Welle weg, die Dichtung verliert Anpressung und beginnt zu lecken.

Eine Gleitringdichtung in einer Kreiselpumpe läuft kurzzeitig trocken. Welche Folge ist am wahrscheinlichsten?

  • a) Die beiden Dichtflächen erhitzen und beschädigen sich gegenseitig, weil der schmierende Flüssigkeitsfilm fehlt
  • b) Die Dichtung wird durch den fehlenden Druck dichter
  • c) Es passiert nichts, Gleitringdichtungen sind trockenlauf-unempfindlich
  • d) Die Wurzelfeder bricht

Richtig: a)

Zwischen den beiden plangeschliffenen Flächen einer Gleitringdichtung sitzt im Betrieb ein hauchdünner Flüssigkeitsfilm, der schmiert und kühlt. Fehlt dieser Film, reiben die Flächen direkt aufeinander, erhitzen sich stark und nehmen meist dauerhaft Schaden. Wurzelfedern gehören zu Wellendichtringen, nicht zu Gleitringdichtungen.

4. Berührungslose Dichtungen

An schnelllaufenden Wellen wird jede berührende Dichtung zum Problem — Reibungswärme, Verschleiß, ständiger Austausch. An solchen Stellen geht man einen anderen Weg: eine berührungslose Dichtung mit einem kleinen, gezielten Spalt. Sie dichten nicht vollständig, hält die Leckage aber so klein, dass sie für den Betrieb keine Rolle spielt.

Die wichtigsten Bauformen:

Spaltdichtung — die einfachste Form. Ein schmaler Ringspalt zwischen rotierender Welle und stehendem Gehäuse. Das Medium muss durch diesen langen, engen Spalt fließen, was den Volumenstrom stark drosselt. Je länger und enger die Spalt, desto kleiner die Leckage. Funktioniert ohne jeden Verschleiß.

Labyrinthdichtung — eine erweiterte Spaltdichtung. Der Spalt verläuft nicht gerade, sondern mehrfach umgelenkt durch ineinandergreifende Ringe oder Nuten. Das Medium muss bei jeder Umlenkung Energie verlieren — Wirbel bilden sich, Druck baut ab. Eine typische Labyrinthdichtung hat mehrere Kammern hintereinander und ist deutlich dichter als eine reine Spaltdichtung.

Schleuderring oder Schleudernut — nutzt die Fliehkraft. Eine kleine Scheibe oder Nut auf der drehenden Welle schleudert ankommende Flüssigkeit nach außen weg, bevor sie zur eigentlichen Dichtstelle gelangt. Oft als Vor-Dichtung in Kombination mit einem Radialwellendichtring eingebaut.

Labyrinthdichtung im Schnitt Mehrfach umgelenkter Spalt zwischen Gehäuse und Welle Gehäuse (stehend) Welle (rotierend) Medium Restleckage Labyrinthkammer Bei jeder Umlenkung bildet sich ein Wirbel — der Druck baut schrittweise ab

Worauf beruht die Dichtwirkung einer Labyrinthdichtung?

  • a) Auf einer Wurzelfeder, die zwei Ringflächen zusammenpresst
  • b) Auf einem Elastomerring mit Dichtlippe
  • c) Auf der mehrfachen Umlenkung des Mediums und dem dadurch entstehenden Druckabbau
  • d) Auf direktem Kontakt zwischen Welle und Gehäuse

Richtig: c)

Eine Labyrinthdichtung lenkt das durchströmende Medium mehrfach um. Bei jeder Umlenkung entstehen Wirbel, die kinetische Energie in Wärme umwandeln. So baut der Druck schrittweise ab und der Volumenstrom durch den Spalt bleibt sehr klein. Wurzelfedern und Dichtlippen gehören zu berührenden Dichtungen — ein direkter Kontakt ist hier ja gerade nicht gewünscht.

Wann ist eine berührungslose Dichtung gegenüber einer berührenden Dichtung im Vorteil?

  • a) Wenn der zur Verfügung stehende Bauraum besonders klein ist
  • b) Wenn absolute Totaldichtheit gefordert ist
  • c) Wenn die Dichtung möglichst billig sein muss
  • d) Bei sehr hohen Drehzahlen, wo Reibung und Verschleiß einer berührenden Dichtung zu groß würden

Richtig: d)

Berührungslose Dichtungen verschleißen nicht und erzeugen keine Reibung. Bei hohen Drehzahlen wäre eine berührende Dichtung schnell ausgeschlagen oder würde sich selbst zerstören. Für absolute Dichtheit sind berührungslose Lösungen ungeeignet — sie lassen prinzipbedingt eine kleine Leckage zu. Bauraum und Preis hängen vom Einzelfall ab.

5. Werkstoffe für Dichtungen

Eine Dichtung kann perfekt geformt und richtig eingebaut sein — wenn der Werkstoff nicht zum Medium passt, hält sie keine Woche. Das Vertauschen eines schwarzen NBR-O-Rings mit einem äußerlich identischen schwarzen EPDM-Ring in einer ölgefüllten Anlage ist ein klassischer Werkstattfehler mit teurer Folge.

Elastomere sind gummiartige Kunststoffe mit hoher Elastizität. Sie bilden die größte Gruppe der Dichtungswerkstoffe.

NBR (Nitril-Butadien-Kautschuk) — der Standard für Mineralöle, Hydrauliköle und Schmierfette. Einsatzbereich etwa −30 °C bis +100 °C. Schwarze O-Ringe aus dem Werkstattregal sind meist NBR.

EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) — beständig gegen Wasser, Dampf, Bremsflüssigkeit und viele wässrige Chemikalien. Verträgt sich aber nicht mit Mineralöl — quillt dort stark auf. Einsatzbereich etwa −40 °C bis +130 °C.

FKM (Fluorkautschuk, Handelsname Viton) — hohe Temperaturbeständigkeit (bis etwa +200 °C) und beständig gegen aggressive Medien wie synthetische Öle, Treibstoffe und viele Chemikalien. Erkennbar oft an grüner oder brauner Färbung. Deutlich teurer als NBR.

Silikon (VMQ) — sehr breiter Temperaturbereich (−50 °C bis +200 °C), aber mechanisch wenig belastbar und nicht beständig gegen Mineralöl. Häufig in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie wegen physiologischer Unbedenklichkeit.

Hinweis: Kunststoffe im Allgemeinen — Thermoplaste, Duroplaste, Elastomere — sind ein eigenes Werkstoffthema. Hier zählen nur die für Dichtungen typischen Vertreter.

PTFE (Polytetrafluorethylen, „Teflon“) — kein Elastomer, sondern ein Thermoplast. Extrem chemikalienbeständig, sehr breiter Temperaturbereich (−200 °C bis +260 °C), sehr geringe Reibung. Allerdings nicht elastisch — bei Druck verformt sich PTFE plastisch und behält die neue Form. Wird deshalb oft als beschichtetes Element oder kombiniert mit einer eingelegten Feder verwendet.

Faserdichtstoffe — verpresste Mineral- oder Aramidfasern mit Bindemitteln. Hitzebeständig, gut für Flansche und Zylinderkopfdichtungen. Asbest ist in der EU verboten, heutige Varianten sind asbestfrei.

Metalle — Kupfer und Aluminium für Dichtringe an Verschraubungen, Weichstahl bei sehr hohen Drücken, Edelstahl oder Nickel bei aggressiven Medien. Metalldichtungen halten höchste Temperaturen aus, brauchen aber eine sehr ebene Dichtfläche.

Graphit — als Folie oder eingepresst in Trägermaterialien. Hohe Temperaturbeständigkeit (über 400 °C), klassisch für Heißdampf- und Abgasleitungen.

Werkstoff Temperaturbereich Beständig gegen Nicht geeignet bei
NBR −30 bis +100 °C Mineralöl, Hydrauliköl, Fett, Wasser Bremsflüssigkeit, Ozon, Heißluft
EPDM −40 bis +130 °C Wasser, Dampf, Bremsflüssigkeit Mineralöl, Treibstoff
FKM (Viton) −20 bis +200 °C Mineralöl, Treibstoff, viele Chemikalien Heißwasser, Dampf
Silikon (VMQ) −50 bis +200 °C Heißluft, ozonbeständig, lebensmittelecht Mineralöl, mechanische Belastung
PTFE −200 bis +260 °C praktisch alle Chemikalien hohe Pressung ohne Stützring
Kupfer bis +250 °C Öl, Treibstoff starke Säuren

Wichtige in der Praxis: Moderne Hydraulikflüssigkeiten gibt es als rein mineralisches Öl (HLP), als biologisch abbaubares Öl (HEES) oder als wasserhaltige Spezialflüssigkeit (HFA, HFB, HFC, HFD). Nicht jeder Standard-NBR-Ring verträgt jede dieser Flüssigkeiten — bei einem Wechsel des Hydraulikmediums in einer Anlage gehören die Dichtungen mit auf den Prüfstand. HEES-Öle vertragen sich meist mit NBR, HFD-Flüssigkeiten brauchen in der Regel FKM oder spezielle Werkstoffe.

Du tauschst einen O-Ring in einem Hydraulikzylinder und greifst versehentlich zu einem EPDM-Ring statt zum NBR-Ring. Was passiert?

  • a) Der EPDM-Ring quillt in Mineralöl stark auf, verliert seine Form und dichtet nach kurzer Zeit nicht mehr
  • b) EPDM ist sogar beständiger als NBR, der Tausch ist unkritisch
  • c) Es passiert nichts, beide Werkstoffe sind chemisch identisch
  • d) Der Ring schrumpft und fällt aus der Nut

Richtig: a)

EPDM ist hervorragend gegen Wasser und viele wässrige Medien beständig, reagiert aber empfindlich auf Mineralöl. Die Polymerketten quellen auf, das Volumen nimmt stark zu, der Ring wird weich und verliert seine Dichtfunktion. NBR ist gezielt für Mineralölbeständigkeit entwickelt.

Für eine Heißwasser-Leitung mit etwa 130 °C wird ein Dichtungswerkstoff gesucht. Welcher passt am besten?

  • a) NBR
  • b) Kupfer als Flachdichtung
  • c) FKM
  • d) EPDM

Richtig: d)

EPDM ist beständig gegen Heißwasser und Dampf bis etwa 130 °C und der typische Werkstoff für solche Anwendungen. NBR erreicht in Heißwasser nicht denselben Temperaturbereich und altert vorzeitig. FKM verträgt Heißwasser über längere Zeit schlecht. Kupferdichtungen sind für spezielle Verschraubungen gedacht, nicht für eine durchgehende Wasserleitung.

6. Auswahl, Einbau und Praxis

Die richtige Dichtung auszuwählen ist die halbe Miete — die andere Hälfte ist der Einbau. Ein perfekt gewählter Wellendichtring lässt sich mit zwei Hammerschlägen ruinieren, ein perfekt montierter O-Ring kann an einer scharfen Kante zerschnitten werden.

Auswahl Schritt für Schritt:

  1. Bewegung — statisch, rotierend, translatorisch oder oszillierend?
  2. Druck — innen, außen, dauerhaft oder pulsierend?
  3. Temperatur — Dauerbetrieb und kurzfristige Spitzen?
  4. Medium — welches genau, mit welchen Zusätzen?
  5. Geschwindigkeit — bei dynamischen Dichtungen die Umfangs- oder Gleitgeschwindigkeit
  6. Bauraum — Standardlösung oder Sonderanfertigung?

Mit diesen sechs Punkten lässt sich aus jedem Herstellerkatalog die passende Dichtung ableiten.

Anforderungen an die Wellenoberfläche beim Radialwellendichtring:

Die Welle, die durch einen Wellendichtring läuft, muss bestimmte Anforderungen erfüllen — sonst hält selbst der teuerste Wellendichtring nicht lange.

  • Rauheit: Mittenrauwert R_a typisch im Bereich 0,2 bis 0,8 µm, gemittelte Rautiefe R_z etwa 1 bis 4 µm. Zu glatt: kein Schmierfilm, die Dichtlippe läuft trocken. Zu rauh: die Dichtlippe verschleißt schnell.
  • Drallfreiheit: Die Welle muss drallfrei geschliffen werden, in der Praxis meist durch Einstechschleifen ohne Längsvorschub. Hat die Welle einen Förderdrall (durch normales Längsschleifen entstanden), wirkt die Oberfläche wie eine Schraubenpumpe und fördert das Medium unter der Dichtlippe heraus — eine der häufigsten Ursachen für lecke Wellendichtringe.
  • Härte: Die Wellenoberfläche sollte mindestens etwa 45 HRC erreichen, sonst verschleißt sie unter der Dichtlippe.
  • Geometrie: Sauber gefertigt, ohne Beschädigungen, mit angefaster oder gerundeter Einlaufseite.

Einbau eines Radialwellendichtrings — die wichtigsten Punkte:

  • Dichtlippe immer zum Medium hin einbauen — bei einem Getriebe also zur Öl-Seite.
  • Vor dem Einpressen die Dichtlippe leicht ölen, damit sie nicht trocken anläuft.
  • Mit einer passenden Einpresshülse arbeiten — nie mit dem Hammer direkt auf den Dichtring schlagen.
  • Welle scharfkantig? Eine Montagehülse über die Welle schieben, dann die Dichtlippe aufziehen, sonst wird sie beim Aufschieben zerschnitten.
  • Sitz im Gehäuse: leichter Presssitz, die Außenseite des Wellendichtrings muss fest sitzen.

Wartung und Tausch:

Wellendichtringe und Elastomerdichtungen sind Verschleißteile. Ein leichtes Schwitzen an einer Welle nach längerem Betrieb ist normal, ein dauerhaftes Tropfen nicht. Beim Tausch immer auch die Wellenlauffläche prüfen — eine eingelaufene Welle ruiniert auch den neuen Dichtring innerhalb kurzer Zeit. In solchen Fällen entweder die Welle nacharbeiten (Schleifen) oder einen Wellendichtring mit leicht axial versetzter Lauffläche einsetzen.

Lagerung von Elastomerdichtungen:

Elastomere altern auch unbenutzt. Sie sollten kühl (unter 25 °C), dunkel, trocken und ozonfrei gelagert werden. Lange Lagerzeiten machen Elastomere hart und spröde — ein über zehn Jahre eingelagerter O-Ring ist meist nicht mehr brauchbar, auch wenn er äußerlich in Ordnung wirkt.

Welcher Wert beschreibt eine geeignete Wellenoberfläche für einen Radialwellendichtring am besten?

  • a) R_a etwa 5 µm, mit Längsdrall
  • b) R_a etwa 0,3 µm, drallfrei eingestochen geschliffen
  • c) Polierte Welle ohne jede Mikrostruktur, R_a deutlich unter 0,1 µm
  • d) Grobe Schleifspuren erhöhen die Dichtwirkung

Richtig: b)

Die Wellenoberfläche unter einer Dichtlippe braucht eine feine, aber definierte Mikrostruktur, die einen Schmierfilm hält — typisch R_a 0,2 bis 0,8 µm. Sie muss drallfrei sein, sonst fördert die Welle das Medium unter der Lippe heraus. Polierte Flächen ohne Struktur lassen keinen Schmierfilm zu, grobe Schleifspuren beschleunigen den Verschleiß der Lippe.

Ein gerade neu eingebauter Wellendichtring leckt nach kurzer Laufzeit erneut. Was sollte zuerst geprüft werden, bevor ein weiterer Dichtring eingebaut wird?

  • a) Wurde das Gehäuse zu fest mit dem Drehmomentschlüssel angezogen?
  • b) Wurde der richtige Aluminium-Dichtring darunter gelegt?
  • c) Ist die Wellenlauffläche eingelaufen, beschädigt oder hat Förderdrall, und wurde der Ring richtig herum eingebaut?
  • d) War der Werkstoff sicher EPDM und nicht NBR?

Richtig: c)

Wiederholtes Lecken eines neuen Wellendichtrings hat fast immer eine Ursache außerhalb des Dichtrings selbst — meist eine beschädigte Welle, ein Förderdrall durch falsches Schleifen oder ein falscher Einbau der Dichtlippe. Aluminiumdichtringe gehören zu Verschraubungen, nicht zu Wellendichtringen. EPDM kommt in Getriebeöl ohnehin nicht in Frage, NBR ist hier der Standard.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine Flachdichtung zwischen zwei Flanschen einer Rohrleitung hat einen Innendurchmesser von 50 mm und einen Außendurchmesser von 80 mm. Die Leitung führt 16 bar. Berechne die theoretische Mindest-Anpresskraft.

Gegeben: D_i = 50 mm, D_a = 80 mm, p = 16 bar = 1,6 N/mm²

Gesucht: F_min in N

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Dichtfläche: A = π/4 · (D_a² − D_i²) = π/4 · (80² − 50²) mm² = π/4 · (6400 − 2500) mm² = π/4 · 3900 mm² ≈ 3063,1 mm²
  2. Schritt 2 — Mindest-Anpresskraft: F_min = p · A = 1,6 N/mm² · 3063,1 mm² ≈ 4901 N

Ergebnis: F_min ≈ 4,9 kN

Aufgabe 2: Eine Ringdichtung hat eine Dichtfläche von 2000 mm². Der Dichtwerkstoff darf maximal mit 30 N/mm² belastet werden. Welche maximal zulässige Anpresskraft darf nicht überschritten werden?

Gegeben: A = 2000 mm², σ_zul = 30 N/mm²

Gesucht: F_max in N

Lösungsweg:

  1. F_max = σ_zul · A = 30 N/mm² · 2000 mm² = 60 000 N

Ergebnis: F_max = 60 kN

Eine Pumpenwelle dreht mit 3000 1/min, ein Wellendichtring soll abdichten. Welche Anforderung an die Wellenoberfläche ist die kritischste?

  • a) Drallfreies Schleifen, sonst fördert die Oberfläche das Medium unter der Lippe heraus
  • b) Eine möglichst hohe Korrosionsbeständigkeit der Wellenoberfläche
  • c) Eine möglichst große Wandstärke der Welle
  • d) Eine möglichst raue Oberfläche für gute Schmierung

Richtig: a)

Bei rotierenden Wellen ist der Drall der Schleifrichtung die häufigste Ursache für vorzeitiges Lecken. Eine drallbehaftete Welle wirkt wie eine Schraubenpumpe. Korrosion ist sekundär, Wandstärke ist nicht relevant, eine zu raue Oberfläche verschleißt die Dichtlippe schnell.

Eine berührungslose Labyrinthdichtung wird in einer Hochdrehzahlanwendung statt eines Wellendichtrings verwendet. Welcher Nachteil muss in Kauf genommen werden?

  • a) Höhere Reibungswärme als beim Wellendichtring
  • b) Stärkerer Verschleiß der Dichtung
  • c) Es ist mit einer geringen Restleckage zu rechnen
  • d) Die Welle muss aus Edelstahl gefertigt werden

Richtig: c)

Berührungslose Dichtungen lassen prinzipbedingt eine kleine Leckage zu — das ist ihr inhärenter Nachteil. Reibungswärme und Verschleiß entfallen ja gerade durch die berührungslose Bauform. Der Wellenwerkstoff ist davon unabhängig.

In einem Hydrauliksystem läuft Mineralöl HLP46. Welcher Werkstoff für die O-Ringe ist nicht geeignet?

  • a) NBR
  • b) EPDM — quillt in Mineralöl auf und versagt
  • c) FKM
  • d) Polyurethan

Richtig: b)

EPDM ist gegen Wasser und Dampf beständig, in Mineralöl quillt es jedoch stark auf und verliert seine Dichtfunktion. NBR ist der Standard für Mineralöl, FKM und Polyurethan sind ebenfalls ölbeständig.

Ein Wellendichtring wird in ein Getriebe eingebaut. Auf welcher Seite muss die Dichtlippe liegen?

  • a) Außen, weg vom Getriebeinneren
  • b) Egal, beide Seiten funktionieren
  • c) An der Seite mit dem Versteifungsblech
  • d) Innen, zur Ölseite des Getriebes hin

Richtig: d)

Die Dichtlippe wird vom Innendruck zusätzlich gegen die Welle gepresst — Selbstverstärkung. Liegt die Lippe nach außen, drückt der Innendruck die Lippe von der Welle weg. Versteifungsblech und Dichtlippe sind konstruktiv getrennte Elemente.

Eine Stopfbuchspackung an einer Ventilspindel zeigt eine kleine, gleichmäßige Tropfleckage. Was bedeutet das?

  • a) Das ist konstruktiv erwünscht — die Leckage kühlt und schmiert die Packung
  • b) Die Packung ist defekt und muss sofort getauscht werden
  • c) Die Brille wurde zu fest angezogen
  • d) Der Werkstoff der Packung ist falsch gewählt

Richtig: a)

Stopfbuchspackungen sind konstruktiv auf eine kleine Tropfleckage ausgelegt — sie kühlt und schmiert die Packung und reduziert den Verschleiß. Erst eine deutlich zunehmende oder strahlende Leckage ist ein Problem. Eine zu fest angezogene Brille würde die Bewegung der Spindel stark erschweren.

Du baust einen Hydraulikzylinder zusammen. Beim Aufschieben der Stangendichtung gleitet die Dichtung über die Nut für den Sicherungsring. Was ist die wahrscheinliche Folge?

  • a) Nichts, das ist normal
  • b) Die Stange verbiegt sich
  • c) Die Dichtung wird kalt
  • d) Die Dichtlippe wird an der scharfen Kante der Nut zerschnitten oder beschädigt

Richtig: d)

Scharfe Kanten — an Sicherungsringnuten, Keilnuten oder Gewindegängen — können die Dichtlippe beim Aufschieben durchtrennen. In solchen Fällen gehört eine Montagehülse über die Stange, die die Dichtlippe schützt und über die Kante hebt.

An welcher Stelle wird typischerweise eine Gleitringdichtung verwendet?

  • a) Im statischen Flansch einer Rohrleitung
  • b) Als Ölabstreifer am Hydraulikkolben
  • c) An der Welle einer Kreiselpumpe
  • d) Als statische Dichtung am Getriebedeckel

Richtig: c)

Gleitringdichtungen sind für rotierende Wellen mit zu dichtenden Flüssigkeiten entwickelt — Kreiselpumpen sind ihr Standard-Einsatzgebiet. Flansche und Getriebedeckel sind Aufgaben für Flachdichtungen, Kolbendichtungen sind konstruktiv anders aufgebaut.

Welche Aussage zu PTFE-Dichtungen ist richtig?

  • a) PTFE ist ein Elastomer und sehr elastisch
  • b) PTFE ist chemikalienbeständig, aber nicht elastisch — es wird oft mit einer eingelegten Feder kombiniert
  • c) PTFE ist auf etwa 80 °C Höchsttemperatur begrenzt
  • d) PTFE verträgt keine Mineralöle

Richtig: b)

PTFE ist kein Elastomer, sondern ein Thermoplast. Sehr breite chemische Beständigkeit, hoher Temperaturbereich, aber keine Rückstellelastizität. Deshalb wird PTFE oft mit einer eingelegten Feder kombiniert, die die Anpressung übernimmt. Mineralöle sind für PTFE völlig unproblematisch.

Eine Welle hat sich nach jahrelangem Betrieb unter der Dichtlippe eine sichtbare Einlaufspur eingearbeitet. Was ist die richtige Reaktion?

  • a) Den neuen Wellendichtring exakt auf die gleiche Stelle setzen
  • b) Den Wellendichtring durch einen O-Ring ersetzen
  • c) Eine Stopfbuchspackung einbauen
  • d) Die Welle nacharbeiten oder einen Wellendichtring mit leicht versetzter Lauffläche verwenden

Richtig: d)

Eine eingelaufene Wellenoberfläche zerstört auch jeden neuen Wellendichtring schnell wieder. Entweder die Welle wird nachgeschliffen, oder es kommt ein Dichtring zum Einsatz, dessen Lippe ein paar Millimeter axial versetzt sitzt — sie läuft dann auf einer noch unbeschädigten Stelle. O-Ringe oder Stopfbuchspackungen sind in dieser Einbausituation keine geeigneten Alternativen.

Bei der Lagerung von Elastomer-O-Ringen ist welche Bedingung am wichtigsten?

  • a) Kühl, dunkel und ozonfrei lagern, da Elastomere auch unbenutzt altern
  • b) Möglichst warm, damit das Material elastisch bleibt
  • c) In direktem Sonnenlicht zur UV-Behandlung
  • d) In offener Verpackung, damit Luft zirkulieren kann

Richtig: a)

Elastomere altern durch UV-Licht, Ozon und hohe Temperaturen. Sie werden hart und spröde. Die Lagerung sollte kühl, dunkel und ozonfrei sein — typischerweise in einer geschlossenen Verpackung im normalen Lagerregal. Auch unter idealen Bedingungen ist die Lagerdauer begrenzt.

Glossar

Dichtung
Element zwischen zwei Bauteilen, das den Durchtritt eines Mediums (Flüssigkeit oder Gas) verhindert oder auf ein vertretbares Maß begrenzt.
Leckage
bewusst zugelassene oder unerwünschte Restmenge eines Mediums, die durch eine Dichtung hindurchtritt.
Statische Dichtung
Dichtung zwischen Bauteilen, die sich im Betrieb nicht zueinander bewegen.
Dynamische Dichtung
Dichtung an einem im Betrieb bewegten Bauteil (rotierend oder translatorisch).
Berührende Dichtung
dynamische Dichtung mit direktem Kontakt zwischen Dichtelement und bewegtem Teil.
Berührungslose Dichtung
dynamische Dichtung, die mit einem definierten Spalt zum bewegten Teil arbeitet und prinzipbedingt eine kleine Restleckage zulässt.
Radialwellendichtring
Elastomer-Dichtring mit Dichtlippe und Wurzelfeder, der eine rotierende Welle gegen ein Gehäuse abdichtet (in der Werkstatt oft „Simmerring“ genannt).
Wurzelfeder
kleine Ringfeder im Wellendichtring, die die Dichtlippe gegen die Welle drückt.
Selbstverstärkung
Effekt bei Lippendichtungen, bei dem der Systemdruck die Dichtlippe zusätzlich gegen das Gegenstück presst.
Stopfbuchspackung
Schichtung weicher Packungsringe (Graphit, PTFE, Aramid), die axial verspannt seitlich gegen eine Spindel oder Welle dichtet; eine kleine Restleckage zur Kühlung ist gewollt.
Gleitringdichtung
Dichtung mit zwei plangeschliffenen Ringflächen, von denen eine rotiert und die andere stillsteht; typisch in Kreiselpumpen.
Spaltdichtung
einfachste berührungslose Dichtung mit definiertem, schmalem Ringspalt zwischen Welle und Gehäuse.
Labyrinthdichtung
berührungslose Dichtung mit mehrfach umgelenktem Strömungsweg, die das Medium durch wiederholten Druckabbau zurückhält.
Einstechschleifen
Schleifverfahren ohne Längsvorschub, das eine drallfreie Wellenoberfläche erzeugt; Voraussetzung für eine sauber abdichtende Wellendichtring-Lauffläche.
NBR
Nitril-Butadien-Kautschuk, Standard-Elastomer für mineralölbeständige Dichtungen.
EPDM
Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk, beständig gegen Wasser und Dampf, aber nicht gegen Mineralöl.
FKM
Fluorkautschuk (Handelsname Viton), hochtemperatur- und chemikalienbeständiges Elastomer.
PTFE
Polytetrafluorethylen („Teflon“), thermoplastischer Dichtungswerkstoff mit sehr breiter chemischer und thermischer Beständigkeit, aber ohne Elastizität.
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