Kräfte: Darstellung, Zerlegung und Zusammensetzung

Wenn an einem Bauteil mehrere Kräfte gleichzeitig ziehen und drücken, will man am Ende eine einzige Frage beantworten: In welche Richtung und mit welchem Betrag wirkt das alles zusammen? Genau darum geht es hier. Eine Kraft hat nicht nur eine Größe, sondern auch eine Richtung — und sobald mehrere davon zusammenkommen, kann man sie zeichnerisch oder rechnerisch zu einer einzigen Resultierenden zusammenfassen. Umgekehrt lässt sich jede Kraft in zwei Teilkräfte zerlegen, was bei schiefen Flächen und Streben ständig gebraucht wird.

Das ist das Handwerkszeug für alles, was später in der Statik kommt: Lagerkräfte berechnen, Tragwerke beurteilen, Belastungen abschätzen.

Vorwissen

  • Trigonometrie am rechtwinkligen Dreieck
  • Physikalische Größen und das SI-System

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • eine Kraft maßstäblich als Pfeil darstellen und ihre Wirkungslinie, ihren Angriffspunkt und ihren Betrag benennen
  • Kräfte mit gleicher Wirkungslinie zu einer Resultierenden zusammenfassen
  • zwei Kräfte unter beliebigem Winkel zeichnerisch (Kräfteparallelogramm, Krafteck) und rechnerisch (Kosinussatz) zusammensetzen
  • eine Kraft rechnerisch in zwei rechtwinklige Komponenten zerlegen und aus Komponenten wieder die Resultierende bestimmen

1. Was eine Kraft ausmacht

Eine Kraft ist eine gerichtete Größe. Das bedeutet: Es reicht nicht zu wissen, wie stark sie ist — man muss auch wissen, wohin sie wirkt. Gemessen wird der Betrag in Newton (N). Eine Größe, die nur einen Zahlenwert hat (etwa eine Masse oder eine Temperatur), nennt man skalar; eine Größe mit zusätzlicher Richtung ist vektoriell. Die Kraft gehört zur zweiten Sorte.

Für die Statik sind drei Eigenschaften einer Kraft entscheidend:

  • Betrag — wie stark die Kraft ist, in Newton.
  • Richtung — die Orientierung im Raum, festgelegt durch die Wirkungslinie (die gedachte Gerade, auf der die Kraft liegt) und den Richtungssinn entlang dieser Linie.
  • Angriffspunkt — der Punkt am Körper, an dem die Kraft eingeleitet wird, immer auf der Wirkungslinie gelegen.

Die Pfeildarstellung

Gezeichnet wird eine Kraft als Pfeil. Die Länge des Pfeils steht für den Betrag, die Lage für die Wirkungslinie, die Pfeilspitze für den Richtungssinn. Damit Längen und Kräfte vergleichbar werden, legt man einen Kräftemaßstab fest, zum Beispiel 1 cm ≙ 100 N. Eine Kraft von 350 N wäre dann ein 3,5 cm langer Pfeil.

Der Maßstab ist der Schlüssel zur zeichnerischen Lösung: Man konstruiert die Aufgabe maßstäblich, misst die gesuchte Pfeillänge ab und rechnet über den Maßstab zurück auf Newton.

Linienflüchtigkeit

Eine Besonderheit der Kraft am starren Körper ist die Linienflüchtigkeit: Eine Kraft darf entlang ihrer Wirkungslinie beliebig verschoben werden, ohne dass sich ihre Wirkung auf den Körper ändert. Ob ich an einem Wagen vorne ziehe oder hinten in gleicher Richtung schiebe — solange beide Kräfte auf derselben Wirkungslinie liegen und gleich groß sind, bewegt sich der Wagen identisch. Der Angriffspunkt ist also nicht fix an einer Stelle festgenagelt, sondern frei auf der Wirkungslinie wählbar. Das macht das Verschieben von Pfeilen beim Konstruieren erst erlaubt.

Wirkungslinie Angriffspunkt F = 250 N Maßstab: 1 cm ≙ 100 N Länge des Pfeils ⇒ Betrag der Kraft 2,5 cm

Eine Kraft wird am starren Körper entlang ihrer Wirkungslinie um 5 cm nach vorne verschoben. Was ändert sich dadurch an ihrer Wirkung auf den Körper?

  • a) Der Betrag der Kraft wird kleiner
  • b) Die Wirkung bleibt unverändert
  • c) Die Richtung kehrt sich um
  • d) Die Kraft wird zu einer skalaren Größe

Richtig: b)

Die Linienflüchtigkeit besagt, dass eine Kraft am starren Körper beliebig entlang ihrer Wirkungslinie verschoben werden darf, ohne dass sich ihre Wirkung ändert. Betrag und Richtung bleiben erhalten (a und c falsch), und eine Kraft bleibt immer vektoriell (d falsch).

Bei einem Kräftemaßstab von 1 cm ≙ 200 N misst ein gezeichneter Kraftpfeil 4,5 cm. Welchem Betrag entspricht das?

  • a) 900 N
  • b) 200 N
  • c) 450 N
  • d) 4,5 N

Richtig: a)

Über den Maßstab gilt 4,5 cm · 200 N/cm = 900 N. Antwort c verwechselt cm mit hN, b ignoriert die Pfeillänge, d nimmt die cm-Zahl direkt als Newton.

2. Kräfte mit gleicher Wirkungslinie

Der einfachste Fall: Alle Kräfte liegen auf einer Geraden. Dann braucht man kein Parallelogramm und keine Trigonometrie, sondern nur Vorzeichen. Man legt eine positive Richtung fest — typischerweise nach rechts oder nach oben — und versieht jede Kraft mit dem passenden Vorzeichen. Kräfte in positiver Richtung zählen positiv, Kräfte in Gegenrichtung negativ.

Die Resultierende ist die Summe dieser vorzeichenbehafteten Beträge. Sie ist die eine Ersatzkraft, die in ihrer Wirkung genau alle Einzelkräfte zusammen ersetzt.

F_R = F_1 + F_2 + F_3 + …

  • F_R … Resultierende in N
  • F_1, F_2, … Einzelkräfte mit Vorzeichen in N

Ein positives Ergebnis bedeutet: Die Resultierende zeigt in die festgelegte positive Richtung. Ein negatives Ergebnis kehrt den Richtungssinn um. Wird die Summe null, heben sich die Kräfte gegenseitig auf — der Körper ist in diese Richtung im Gleichgewicht.

F₁ = 1200 N F₂ = 1450 N F_R = 250 N (nach rechts) positiv nach rechts: +1450 − 1200 = +250 N

Gelöstes Beispiel

An einem Haken greifen drei Kräfte auf gemeinsamer Wirkungslinie an: 800 N nach oben, 350 N nach unten und 200 N nach unten. Wie groß ist die Resultierende und in welche Richtung wirkt sie?

Gegeben: F_1 = 800 N (oben), F_2 = 350 N (unten), F_3 = 200 N (unten)

Gesucht: F_R in N und Richtung

Lösungsweg:

  1. Vorzeichen festlegen (oben positiv): F_1 = +800 N, F_2 = −350 N, F_3 = −200 N
  2. Summieren: F_R = +800 − 350 − 200 = +250 N

Ergebnis: F_R = 250 N nach oben

Übungen

Zwei Kräfte auf einer Wirkungslinie: 600 N und 400 N, beide in dieselbe Richtung. Wie groß ist die Resultierende?

F_R = 600 + 400 = 1000 N in dieselbe Richtung.

Auf einen Schlitten wirken 500 N Zugkraft nach vorne und 320 N Reibung nach hinten. Resultierende?

F_R = 500 − 320 = 180 N nach vorne.

Vier Kräfte längs einer Linie: +250 N, −180 N, +90 N, −160 N. Bestimme F_R.

F_R = 250 − 180 + 90 − 160 = 0 N. Die Kräfte sind im Gleichgewicht.

An einer Öse ziehen drei Seile in gleicher Richtung mit 1,2 kN, 0,8 kN und 1,5 kN. Wie groß ist die Gesamtzugkraft?

F_R = 1,2 + 0,8 + 1,5 = 3,5 kN = 3500 N.

Ein Aufzugkorb (Gewichtskraft 4500 N nach unten) hängt an einem Seil mit 4500 N Zugkraft nach oben, zusätzlich drückt eine Person mit 700 N nach unten auf den Boden. Welche Seilkraft ist nötig, damit der Korb in Ruhe bleibt, und um wie viel liegt sie über der reinen Korbgewichtskraft?

Für Gleichgewicht muss die Seilkraft 4500 + 700 = 5200 N betragen, also 700 N mehr als die reine Korbgewichtskraft.

Auf einer gemeinsamen Wirkungslinie wirken 700 N nach rechts and 700 N nach links. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Die Resultierende beträgt 1400 N nach rechts
  • b) Die Resultierende beträgt 700 N nach links
  • c) Die Kräfte lassen sich nicht zusammenfassen, da sie entgegengesetzt sind
  • d) Die Resultierende ist null, der Körper ist in dieser Richtung im Gleichgewicht

Richtig: d)

Gleich große, entgegengesetzte Kräfte auf einer Wirkungslinie ergeben +700 − 700 = 0 N. Antwort a addiert fälschlich die Beträge, b unterschlägt eine Kraft, c verkennt, dass gerade gegenläufige Kräfte auf einer Linie besonders einfach zu addieren sind.

Warum legt man bei kollinearen Kräften zuerst eine positive Richtung fest?

  • a) Weil sonst die Beträge in der falschen Einheit herauskommen
  • b) Um die Wirkungslinie zu verschieben
  • c) Um den Richtungssinn jeder Kraft eindeutig über das Vorzeichen erfassen zu können
  • d) Weil nur positive Kräfte physikalisch existieren

Richtig: c)

Das Vorzeichen kodiert den Richtungssinn entlang der Wirkungslinie und macht die Summenbildung eindeutig. Die Einheit bleibt unberührt (a), die Wirkungslinie wird nicht verschoben (b), und Kräfte können in beide Richtungen wirken (d).

3. Kräfte zusammensetzen — Kräfteparallelogramm und Krafteck

Sobald zwei Kräfte unter einem Winkel zueinander an einem Punkt angreifen, reicht die einfache Addition nicht mehr. Jetzt kommt das Kräfteparallelogramm ins Spiel: Man trägt beide Kraftpfeile maßstäblich vom gemeinsamen Angriffspunkt aus auf, ergänzt das Parallelogramm und zieht die Diagonale vom Angriffspunkt aus. Diese Diagonale ist die Resultierende — nach Betrag und Richtung.

Dieselbe Resultierende erhält man mit dem Krafteck (auch Kräftedreieck genannt): Man hängt den zweiten Pfeil mit seinem Anfang an die Spitze des ersten. Der Pfeil vom Anfang des ersten zur Spitze des zweiten schließt das Dreieck und ist die Resultierende. Das Krafteck ist beim Zeichnen oft schneller, weil man keine Parallelen konstruieren muss.

Greifen mehr als zwei Kräfte an, reiht man im Kraftpolygon (Krafteck mit mehreren Gliedern) alle Pfeile der Reihe nach aneinander. Die Verbindung vom ersten Anfangspunkt zur letzten Spitze ist die Gesamtresultierende. Schließt sich das Polygon von selbst — Spitze trifft Anfang — ist die Resultierende null und das Kräftesystem im Gleichgewicht.

F₁ F₂ F_R Kräfteparallelogramm: F_R ist die Diagonale

Rechnerisch über den Kosinussatz

Zeichnen ist anschaulich, aber ungenau. Für zwei Kräfte unter dem Zwischenwinkel liefert der Kosinussatz den exakten Betrag der Resultierenden. Maßgeblich ist der von den beiden Kräften am Angriffspunkt eingeschlossene Winkel α.

F_R = Wurzel( F_1² + F_2² + 2 · F_1 · F_2 · cos(alpha) )

  • F_R … Resultierende in N
  • F_1, F_2 … die beiden Einzelkräfte in N
  • alpha … der von F_1 and F_2 eingeschlossene Winkel

Mit dem von den beiden Kräften eingeschlossenen Winkel α steht im Wurzelausdruck ein Pluszeichen vor dem Kosinusterm. Stehen die Kräfte rechtwinklig (α = 90°), wird cos(90°) = 0, und die Formel vereinfacht sich zum Satz des Pythagoras:

F_R = Wurzel( F_1² + F_2² )

  • F_R … Resultierende bei rechtwinkligen Kräften in N
  • F_1, F_2 … die beiden Einzelkräfte in N

Gelöstes Beispiel

Zwei Kräfte greifen an einem Punkt an: F₁ = 300 N und F₂ = 200 N, der eingeschlossene Winkel beträgt 60°. Wie groß ist die Resultierende?

Gegeben: F_1 = 300 N, F_2 = 200 N, alpha = 60°

Gesucht: F_R in N

Lösungsweg:

  1. Kosinussatz ansetzen: F_R = Wurzel( 300² + 200² + 2 · 300 · 200 · cos(60°) )
  2. Einsetzen (cos(60°) = 0,5): F_R = Wurzel( 90000 + 40000 + 120000 · 0,5 )
    F_R = Wurzel( 90000 + 40000 + 60000 )
    F_R = Wurzel( 190000 )

Ergebnis: F_R ≈ 436 N

Übungen

Zwei Kräfte F₁ = 400 N und F₂ = 300 N stehen rechtwinklig zueinander. Bestimme die Resultierende.

F_R = Wurzel(400² + 300²) = Wurzel(250000) = 500 N.

F₁ = 250 N und F₂ = 250 N schließen einen Winkel von 90° ein. Wie groß ist F_R?

F_R = Wurzel(250² + 250²) = Wurzel(125000) ≈ 354 N.

Zwei Kräfte F₁ = 500 N und F₂ = 350 N greifen unter 120° an. Berechne F_R.

cos(120°) = −0,5. F_R = Wurzel(250000 + 122500 + 2·500·350·(–0,5)) = Wurzel(250000 + 122500 − 175000) = Wurzel(197500) ≈ 444 N.

An einem Knoten ziehen zwei Seile: F₁ = 600 N und F₂ = 450 N mit einem Zwischenwinkel von 45°. Wie groß ist die Belastung am Knoten?

cos(45°) ≈ 0,707. F_R = Wurzel(360000 + 202500 + 2·600·450·0,707) = Wurzel(360000 + 202500 + 381780) ≈ Wurzel(944280) ≈ 972 N.

Zwei gleich große Kräfte F₁ = F₂ = F schließen einen Winkel von 60° ein, die gemessene Resultierende beträgt 520 N. Wie groß ist F?

F_R = Wurzel(F² + F² + 2·F²·0,5) = Wurzel(3·F²) = F·Wurzel(3). Also F = 520 / Wurzel(3) ≈ 300 N.

Zwei Kräfte von je 200 N greifen an einem Punkt an. Bei welchem eingeschlossenen Winkel ist die Resultierende am größten?

  • a) bei 0°
  • b) bei 90°
  • c) bei 120°
  • d) bei 180°

Richtig: a)

Bei 0° wirken beide Kräfte in dieselbe Richtung, die Resultierende ist die volle Summe (400 N). Mit wachsendem Winkel sinkt der Kosinusterm; bei 180° heben sich die Kräfte zu null auf. Der größte Betrag entsteht also bei 0°.

Beim zeichnerischen Krafteck wird der zweite Kraftpfeil so angesetzt, dass …

  • a) sein Anfang am Angriffspunkt des ersten liegt
  • b) sein Anfang an der Spitze des ersten Pfeils liegt
  • c) seine Spitze am Angriffspunkt des ersten liegt
  • d) er parallel zum ersten verschoben in doppelter Länge gezeichnet wird

Richtig: b)

Beim Krafteck reiht man die Pfeile aneinander: Der Anfang des zweiten Pfeils sitzt an der Spitze des ersten. Die Resultierende verbindet dann den Anfang des ersten mit der Spitze des zweiten. Die Längen bleiben maßstäblich unverändert (d falsch).

Warum ist die rechnerische Lösung über den Kosinussatz der rein zeichnerischen Lösung im Allgemeinen vorzuziehen?

  • a) Weil das Zeichnen verboten ist
  • b) Weil der Kosinussatz auch ohne Taschenrechner im Kopf geht
  • c) Weil die zeichnerische Lösung durch Mess- und Zeichenungenauigkeiten an Genauigkeit verliert
  • d) Weil der Kosinussatz keinen Winkel benötigt

Richtig: c)

Die Konstruktion hängt von Zeichen- und Messgenauigkeit ab, die Rechnung liefert exakte Werte. Zeichnen bleibt erlaubt und nützlich für das Verständnis (a falsch), der Kosinussatz braucht sehr wohl den eingeschlossenen Winkel (d falsch) und ist im Kopf kaum lösbar (b falsch).

4. Kräfte zerlegen — Komponenten

Das Zerlegen ist die Umkehrung des Zusammensetzens. Statt zwei Kräfte zu einer zusammenzufassen, ersetzt man eine Kraft durch zwei Teilkräfte — die Komponenten. Praktisch wählt man fast immer zwei rechtwinklige Komponenten entlang einer x- und einer y-Achse, weil sich damit am bequemsten rechnen lässt. Eine Kraft F, die unter dem Winkel α zur x-Achse wirkt, zerfällt in:

F_x = F · cos(alpha)

  • F_x … Komponente in x-Richtung in N
  • F … Betrag der Kraft in N
  • alpha … Winkel zwischen F und der x-Achse

F_y = F · sin(alpha)

  • F_y … Komponente in y-Richtung in N
  • F … Betrag der Kraft in N
  • alpha … Winkel zwischen F und der x-Achse

Der umgekehrte Weg führt von den Komponenten zurück zur Kraft. Hat man Fx und Fy, ergeben sich Betrag und Richtung über:

F_R = Wurzel( F_x² + F_y² )

  • F_R … Betrag der resultierenden Kraft in N
  • F_x, F_y … die beiden rechtwinkligen Komponenten in N

alpha = arctan( F_y / F_x )

  • alpha … Richtungswinkel zur x-Achse in Grad
  • F_x, F_y … die beiden Komponenten in N

Beim Richtungswinkel ist Vorsicht geboten: Der Taschenrechner liefert mit dem Arcustangens nur den Hauptwert zwischen −90° und +90°. In welchem Quadranten die Kraft tatsächlich liegt, muss man anhand der Vorzeichen von Fx und Fy zusätzlich beurteilen. Zeigt Fx etwa nach links (negativ), liegt der echte Winkel im zweiten oder dritten Quadranten, und man addiert 180° zum Hauptwert.

Genau dieses Zerlegen in Komponenten ist auch der Königsweg, um mehrere beliebig gerichtete Kräfte zusammenzufassen: Man zerlegt jede Kraft in ihre x- und y-Anteile, summiert alle x-Anteile und alle y-Anteile getrennt, und setzt aus den beiden Summen die Gesamtresultierende wieder zusammen.

Die schiefe Ebene

Der klassische Anwendungsfall ist die schiefe Ebene. Ein Körper auf einer um den Winkel α geneigten Fläche wird von seiner Gewichtskraft nach unten gezogen. Diese Gewichtskraft zerlegt man sinnvollerweise in zwei Komponenten entlang der Ebene: die Hangabtriebskraft parallel zur Fläche (sie zieht den Körper hangabwärts) und die Normalkraft senkrecht zur Fläche (sie drückt ihn auf die Unterlage).

F_H = F_G · sin(alpha)

  • F_H … Hangabtriebskraft in N
  • F_G … Gewichtskraft in N
  • alpha … Neigungswinkel der Ebene

F_N = F_G · cos(alpha)

  • F_N … Normalkraft in N
  • F_G … Gewichtskraft in N
  • alpha … Neigungswinkel der Ebene
α F_G F_H F_N F_H = F_G · sin(α) parallel zur Ebene F_N = F_G · cos(α) senkrecht zur Ebene

Eine Kraft von 600 N wirkt unter 30° zur x-Achse. Wie groß ist die x-Komponente?

  • a) 520 N
  • b) 300 N
  • c) 600 N
  • d) 346 N

Richtig: a)

Fx = F·cos(30°) = 600 · 0,866 ≈ 520 N. Antwort b verwendet sin(30°)·600 (das wäre Fy), d verwechselt mit tan, c ignoriert die Zerlegung ganz.

Ein Körper liegt auf einer um 0° geneigten (also waagrechten) Ebene. Wie groß ist die Hangabtriebskraft?

  • a) gleich der Gewichtskraft
  • b) gleich der Normalkraft
  • c) null
  • d) halb so groß wie die Gewichtskraft

Richtig: c)

F_H = F_G·sin(0°) = F_G·0 = 0 N. Auf der Waagrechten gibt es keinen Hang, also keinen Hangabtrieb. Die gesamte Gewichtskraft wirkt als Normalkraft (F_N = F_G·cos(0°) = F_G).

Die Komponenten einer Kraft sind Fx = −300 N und Fy = +400 N. In welchem Quadranten liegt die Kraft, und was muss man beim Arcustangens beachten?

  • a) erster Quadrant, der Hauptwert stimmt direkt
  • b) zweiter Quadrant, zum Arcustangens-Hauptwert müssen 180° addiert werden
  • c) vierter Quadrant, der Winkel ist negativ
  • d) der Winkel lässt sich aus negativen Komponenten nicht bestimmen

Richtig: b)

Fx negativ und Fy positiv bedeutet zweiter Quadrant (links oben). Der Taschenrechner liefert für arctan(400/−300) einen Hauptwert im vierten Quadranten; um in den korrekten zweiten Quadranten zu kommen, addiert man 180°. Aus negativen Komponenten lässt sich der Winkel sehr wohl bestimmen (d falsch).

Eine Kiste mit 800 N Gewichtskraft steht auf einer um 25° geneigten Rampe. Welche Aussage zur Belastung trifft zu?

  • a) Die Normalkraft ist größer als die Gewichtskraft
  • b) Hangabtriebs- und Normalkraft sind immer gleich groß
  • c) Die Hangabtriebskraft ist größer als die Gewichtskraft
  • d) Die Normalkraft ist kleiner als die Gewichtskraft und die Hangabtriebskraft kleiner als die Normalkraft

Richtig: d)

Bei 25° ist F_N = 800·cos(25°) ≈ 725 N und F_H = 800·sin(25°) ≈ 338 N. Beide Komponenten sind kleiner als die Gewichtskraft (eine Zerlegung kann keine Komponente größer als das Original erzeugen), und bei einem Winkel unter 45° ist die Hangabtriebskraft kleiner als die Normalkraft.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Drei Kräfte wirken auf gemeinsamer Wirkungslinie: 1200 N nach rechts, 500 N nach links, 300 N nach links. Bestimme Betrag und Richtung der Resultierenden.

Gegeben: F_1 = +1200 N, F_2 = −500 N, F_3 = −300 N (rechts positiv)

Gesucht: F_R

Lösungsweg:

F_R = 1200 − 500 − 300 = +400 N

Ergebnis: 400 N nach rechts

Aufgabe 2: Zwei Kräfte auf einer Wirkungslinie heben sich auf. F₁ = 750 N nach oben ist bekannt. Wie groß und in welche Richtung muss F₂ wirken?

Gegeben: F_1 = +750 N, F_R = 0

Gesucht: F_2

Lösungsweg:

0 = 750 + F_2 → F_2 = −750 N

Ergebnis: 750 N nach unten

Aufgabe 3: F₁ = 450 N und F₂ = 600 N greifen unter einem Winkel von 70° an einem Point an. Bestimme die Resultierende.

Gegeben: F_1 = 450 N, F_2 = 600 N, alpha = 70°

Gesucht: F_R

Lösungsweg:

F_R = Wurzel(450² + 600² + 2·450·600·cos70°), cos70° ≈ 0,342
F_R = Wurzel(202500 + 360000 + 184680) = Wurzel(747180)

Ergebnis: F_R ≈ 864 N

Aufgabe 4: Zwei rechtwinklig zueinander stehende Kräfte F₁ = 900 N und F₂ = 1200 N greifen an einem Knoten an. Berechne die Resultierende.

Gegeben: F_1 = 900 N, F_2 = 1200 N, alpha = 90°

Gesucht: F_R

Lösungsweg:

F_R = Wurzel(900² + 1200²) = Wurzel(810000 + 1440000) = Wurzel(2250000)

Ergebnis: F_R = 1500 N

Aufgabe 5: Eine Kraft von 700 N wirkt unter 40° zur x-Achse. Zerlege sie in ihre x- und y-Komponente.

Gegeben: F = 700 N, alpha = 40°

Gesucht: F_x, F_y

Lösungsweg:

F_x = 700·cos40° ≈ 700·0,766 ≈ 536 N;
F_y = 700·sin40° ≈ 700·0,643 ≈ 450 N

Ergebnis: F_x ≈ 536 N, F_y ≈ 450 N

Aufgabe 6: Ein Körper mit der Gewichtskraft 1000 N liegt auf einer um 35° geneigten Ebene. Bestimme Hangabtriebs- und Normalkraft.

Gegeben: F_G = 1000 N, alpha = 35°

Gesucht: F_H, F_N

Lösungsweg:

F_H = 1000·sin35° ≈ 1000·0,574 ≈ 574 N;
F_N = 1000·cos35° ≈ 1000·0,819 ≈ 819 N

Ergebnis: F_H ≈ 574 N, F_N ≈ 819 N

Aufgabe 7: Die Komponenten einer Kraft betragen Fx = 480 N und Fy = 360 N. Bestimme Betrag und Richtungswinkel zur x-Achse.

Gegeben: F_x = 480 N, F_y = 360 N

Gesucht: F_R, alpha

Lösungsweg:

F_R = Wurzel(480² + 360²) = Wurzel(230400 + 129600) = Wurzel(360000) = 600 N;
alpha = arctan(360/480) = arctan(0,75) ≈ 36,9°

Ergebnis: F_R = 600 N unter ≈ 36,9° zur x-Achse

Aufgabe 8: Zwei gleich große Kräfte F schließen 90° ein und ergeben eine Resultierende von 707 N. Wie groß ist F?

Gegeben: alpha = 90°, F_R = 707 N, F_1 = F_2 = F

Gesucht: F

Lösungsweg:

F_R = Wurzel(F² + F²) = F·Wurzel(2) → F = 707 / Wurzel(2) ≈ 500 N

Ergebnis: F ≈ 500 N

Frage 1: Welche drei Angaben legen eine Kraft am starren Körper vollständig fest?

  • a) Masse, Geschwindigkeit, Beschleunigung
  • b) Betrag, Richtung, Angriffspunkt
  • c) Länge, Breite, Höhe
  • d) nur der Betrag in Newton

Richtig: b)

Eine Kraft ist vektoriell und durch Betrag, Richtung (Wirkungslinie samt Richtungssinn) und Angriffspunkt bestimmt. Antwort a beschreibt Bewegungsgrößen, c geometrische Maße, d unterschlägt die Richtung.

Frage 2: Eine Kraft wird entlang ihrer Wirkungslinie verschoben. Welche Eigenschaft macht das beim starren Körper zulässig?

  • a) die Maßstäblichkeit
  • b) die Resultierende
  • c) die Normalkraft
  • d) die Linienflüchtigkeit

Richtig: d)

Die Linienflüchtigkeit erlaubt das Verschieben einer Kraft entlang ihrer Wirkungslinie ohne Wirkungsänderung. Die übrigen Begriffe bezeichnen andere Konzepte.

Frage 3: Zwei Kräfte von je 100 N schließen 180° ein. Wie groß ist die Resultierende?

  • a) 200 N
  • b) 141 N
  • c) 100 N
  • d) 0 N

Richtig: d)

180° bedeutet exakt entgegengesetzte Richtungen auf einer Linie. Gleiche Beträge heben sich auf: 100 − 100 = 0 N. Über den Kosinussatz: cos180° = −1, F_R = Wurzel(100² + 100² − 2·100·100) = Wurzel(0) = 0.

Frage 4: Beim Zusammensetzen zweier Kräfte über das Krafteck entsteht die Resultierende als …

  • a) Summe der beiden Pfeillängen
  • b) Schlusslinie vom Anfang des ersten zur Spitze des zweiten Pfeils
  • c) Differenz der beiden Beträge
  • d) Senkrechte auf den ersten Pfeil

Richtig: b)

Im Krafteck reiht man die Pfeile aneinander; die Resultierende schließt das Dreieck vom Anfangspunkt des ersten bis zur Spitze des letzten Pfeils. Eine einfache Summe oder Differenz gilt nur bei kollinearen Kräften.

Frage 5: Warum vereinfacht sich der Kosinussatz bei rechtwinklig stehenden Kräften zum Satz des Pythagoras?

  • a) weil Kräfte bei 90° gleich groß sein müssen
  • b) weil cos(90°) = 0 ist und der Mischterm wegfällt
  • c) weil bei 90° keine Resultierende entsteht
  • d) weil der Sinus bei 90° gleich 1 ist

Richtig: b)

Im Kosinussatz steht der Term 2·F₁·F₂·cos(α). Bei α = 90° wird cos(90°) = 0, dieser Term verschwindet, und es bleibt F_R = Wurzel(F₁² + F₂²). Antwort d nennt zwar eine richtige Tatsache, die hier aber nicht zur Vereinfachung beiträgt.

Frage 6: Eine Kraft von 500 N wird in zwei rechtwinklige Komponenten zerlegt. Welche Aussage über die Komponenten ist korrekt?

  • a) Keine der beiden Komponenten kann größer als 500 N sein
  • b) Die Summe der Beträge beider Komponenten ergibt immer 500 N
  • c) Jede Komponente ist größer als 500 N
  • d) Beide Komponenten sind stets gleich groß

Richtig: a)

Bei rechtwinkliger Zerlegung gilt F_R = Wurzel(Fx² + Fy²); jede Komponente ist daher höchstens so groß wie die Gesamtkraft. Die einfache Beträge-Summe ergibt nicht den Betrag der Kraft (b falsch), gleich groß sind die Komponenten nur bei genau 45° (d falsch).

Frage 7: Auf einer schiefen Ebene wird der Neigungswinkel von 20° auf 40° erhöht. Wie verändern sich Hangabtriebs- und Normalkraft?

  • a) beide steigen
  • b) beide sinken
  • c) Hangabtriebskraft steigt, Normalkraft sinkt
  • d) Hangabtriebskraft sinkt, Normalkraft steigt

Richtig: c)

F_H = F_G·sin(α) wächst mit zunehmendem Winkel (sin steigt), F_N = F_G·cos(α) sinkt (cos fällt). Je steiler die Ebene, desto stärker zieht es den Körper hangabwärts und desto weniger drückt er auf die Fläche.

Frage 8: Die x-Komponente einer Kraft ist negativ, die y-Komponente positiv. In welche allgemeine Richtung zeigt die Kraft?

  • a) nach rechts oben
  • b) nach rechts unten
  • c) nach links unten
  • d) nach links oben

Richtig: d)

Negatives Fx bedeutet Richtung nach links, positives Fy bedeutet nach oben — also links oben (zweiter Quadrant). Die Vorzeichenkombination legt den Quadranten eindeutig fest.

Frage 9: Vier Kräfte werden im Kraftpolygon aneinandergereiht, und das Polygon schließt sich von selbst. Was bedeutet das?

  • a) Die Resultierende ist maximal
  • b) Es wurde falsch gezeichnet
  • c) Die Resultierende ist null, das System ist im Gleichgewicht
  • d) Alle Kräfte sind gleich groß

Richtig: c)

Trifft die Spitze der letzten Kraft auf den Anfang der ersten, ist die Schlusslinie null — die Resultierende verschwindet und das Kräftesystem ist im Gleichgewicht. Über die Beträge der einzelnen Kräfte sagt das nichts aus (d falsch).

Frage 10: Zwei Kräfte F₁ = 300 N und F₂ = 400 N greifen unter 90° an. Eine dritte Kraft soll das System ins Gleichgewicht bringen. Wie groß muss sie sein und wohin zeigen?

  • a) 700 N, in Richtung der Resultierenden
  • b) 500 N, in Richtung der Resultierenden
  • c) 500 N, entgegengesetzt zur Resultierenden
  • d) 100 N, entgegengesetzt zur Resultierenden

Richtig: c)

Die Resultierende der beiden Kräfte ist Wurzel(300² + 400²) = 500 N. Die Gleichgewichtskraft (Äquilibrant) ist genauso groß, zeigt aber in die exakt entgegengesetzte Richtung, damit die Gesamtsumme null wird.

Glossar

Kraft
Gerichtete (vektorielle) Größe mit Betrag in Newton, Richtung und Angriffspunkt; sie verformt oder beschleunigt Körper.
Wirkungslinie
Die gedachte Gerade, auf der eine Kraft liegt und entlang der sie am starren Körper verschoben werden darf.
Angriffspunkt
Der Punkt am Körper, an dem eine Kraft eingeleitet wird.
Linienflüchtigkeit
Eigenschaft, dass eine Kraft am starren Körper entlang ihrer Wirkungslinie verschoben werden kann, ohne ihre Wirkung zu ändern.
Kräftemaßstab
Festgelegtes Verhältnis zwischen gezeichneter Pfeillänge und Kraftbetrag, z. B. 1 cm ≙ 100 N.
Resultierende
Die eine Ersatzkraft, die in ihrer Wirkung mehrere Einzelkräfte zusammen ersetzt.
Kräfteparallelogramm
Zeichnerisches Verfahren, bei dem die Resultierende zweier Kräfte als Diagonale des aus ihnen gebildeten Parallelogramms entsteht.
Krafteck
Zeichnerisches Verfahren, bei dem Kraftpfeile aneinandergereiht werden und die Schlusslinie die Resultierende bildet.
Kraftpolygon
Erweiterung des Kraftecks auf mehr als zwei Kräfte; schließt es sich, ist die Resultierende null.
Kosinussatz
Rechnerische Methode zur Bestimmung der Resultierenden zweier Kräfte unter beliebigem Winkel: F_R = Wurzel(F₁² + F₂² + 2·F₁·F₂·cos α).
Komponente
Eine der beiden Teilkräfte, in die eine Kraft zerlegt wird, meist entlang rechtwinkliger Achsen.
Hangabtriebskraft
Komponente der Gewichtskraft parallel zur schiefen Ebene; F_H = F_G·sin α.
Normalkraft
Komponente der Gewichtskraft senkrecht zur Auflagefläche; F_N = F_G·cos α.
Äquilibrant
Gleichgewichtskraft, die gleich groß wie die Resultierende ist, aber entgegengesetzt gerichtet, und das Kräftesystem ins Gleichgewicht bringt.

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