Schleifringläufer-Asynchronmotor
Der Schleifringläufer ist die ältere und aufwendigere Variante des Drehstrom-Asynchronmotors. Sein Reiz liegt in einer einzigen idee: Die Rotorwicklung ist über Schleifringe nach außen geführt. Damit lassen sich Widerstände in den Läuferkreis schalten — und das verändert sein Anlauf- und Drehzahlverhalten so deutlich, dass er für Schwerlasten wie Krane, Aufzüge und Mühlen jahrzehntelang erste Wahl war. Heute übernimmt diese Aufgabe meist ein Käfigläufer am Frequenzumrichter. Trotzdem stehen Schleifringläufer noch in vielen Bestandsanlagen und in einigen großen Antrieben weiterhin im Einsatz.
Vorwissen
- Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
- Schlupf und M-n-Kennlinie beim ASM
- Drehfeld
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den Schleifringläufer vom Käfigläufer abgrenzen und seinen Aufbau benennen
- erklären, warum die zugängliche Rotorwicklung den Anlauf grundlegend verändert
- die Verschiebung der M-n-Kennlinie durch Rotorvorwiderstand beschreiben und rechnerisch nutzen
- die Verluste bei der Drehzahlsteuerung über Rotorwiderstand bewerten
- einschätzen, in welchen Anwendungen der Schleifringläufer heute noch sinnvoll ist
1. Was ist ein Schleifringläufer-Asynchronmotor?
Der Schleifringläufer-Asynchronmotor ist eine Bauart des Drehstrom-Asynchronmotors. Stator und Drehfelderzeugung sind identisch zum Käfigläufer. Der Unterschied steckt ausschließlich im Rotor: Statt eines kurzgeschlossenen Käfigs sitzt im Läufer eine dreisträngige Wicklung, deren Enden über drei isolierte Schleifringe auf der Welle nach außen geführt sind.
Damit ist die Rotorwicklung von außen elektrisch zugänglich. Im Betrieb werden die Schleifringe entweder kurzgeschlossen — dann verhält sich der Motor ungefähr wie ein Käfigläufer — oder über einen Anlasswiderstand verbunden, der das Verhalten beim Hochlauf und bei der Drehzahlstellung gezielt beeinflusst.
Die zentrale Idee ist also: Was beim Käfigläufer fest verlötet und unzugänglich ist, lässt sich beim Schleifringläufer von außen bewusst gestalten.
Worin unterscheidet sich der Schleifringläufer grundsätzlich vom Käfigläufer?
- a) Die Rotorwicklung ist über Schleifringe nach außen geführt
- b) Der Stator hat eine andere Wicklungsart
- c) Das Drehfeld wird nicht magnetisch, sondern elektrostatisch erzeugt
- d) Der Motor läuft synchron mit dem Drehfeld
Richtig: a)
Stator and Drehfeld sind bei beiden Bauarten gleich. Der entscheidende Unterschied liegt im Rotor: Beim Käfigläufer ein kurzgeschlossener Käfig, beim Schleifringläufer eine ausgeführte Drehstromwicklung mit drei Schleifringen. Das Drehfeld bleibt magnetisch erzeugt, der Motor läuft asynchron — sonst wäre er kein ASM.
Was passiert, wenn die Schleifringe eines Schleifringläufers direkt am Klemmenkasten kurzgeschlossen werden?
- a) Der Motor bleibt stehen
- b) Der Rotor wird zur reinen Wirkleistungsquelle
- c) Der Motor verhält sich annähernd wie ein Käfigläufer
- d) Der Schlupf wird negativ
Richtig: c)
Bei kurzgeschlossenen Schleifringen ist die Rotorwicklung in sich geschlossen — elektrisch wirkt das ähnlich wie der Käfig des Kurzschlussläufers. Daher das ähnliche Verhalten beim direkten Einschalten: hoher Anlaufstrom, mäßiges Anlaufmoment. Stehen bleibt der Motor nicht; ein negativer Schlupf träte erst beim Generatorbetrieb auf.
2. Aufbau im Detail: Stator, Rotor, Schleifringe, Bürsten
Der Stator ist baugleich zum Käfigläufer: Blechpaket mit Nuten, in denen eine dreisträngige Wicklung liegt, ausgeführt nach U1/V1/W1 und U2/V2/W2 am Klemmenbrett. Daran wird das Drehstromnetz angeschlossen.
Der Rotor trägt im Blechpaket ebenfalls eine dreisträngige Wicklung, üblicherweise in Sternschaltung im Inneren verbunden. Die drei freien Wicklungsenden werden auf drei elektrisch isolierte Schleifringe geführt, die auf der Welle sitzen. Die Schleifringe bestehen meist aus Bronze oder Stahl.
Auf den Schleifringen schleifen Bürsten aus Kohle oder Graphit, gehalten von federbelasteten Bürstenhaltern. Über die Bürsten ist die Rotorwicklung von außen zugänglich. Am Klemmenkasten erscheinen die Rotoranschlüsse mit den Bezeichnungen K, L, M — entsprechend den drei Strängen.
Bei größeren Maschinen gibt es eine Bürstenabhebevorrichtung: Sobald der Motor hochgelaufen ist und die Schleifringe innen kurzgeschlossen sind, werden die Bürsten mechanisch abgehoben. Damit entfallen Reibverluste und Bürstenverschleiß im Dauerbetrieb.
Genau dieser mechanische Kontakt ist auch der größte Wartungspunkt der Bauart. Kohlebürsten nutzen sich ab und müssen regelmäßig kontrolliert und ausgetauscht werden. Die Schleifringe werden mit der Zeit eingeschliffen, ein dünner Patinabelag ist normal, starker Abrieb oder eingebrannte Spuren dagegen ein Warnzeichen. Bei ungleichmäßigem Auflagedruck, verschmutzten Ringen oder zu kurzen Bürsten kommt es zum Bürstenfeuer — sichtbares Funken zwischen Bürste und Ring. Bürstenfeuer ist sowohl Verschleißbeschleuniger als auch Hinweis darauf, dass etwas im Kontaktsystem nicht stimmt.
Welche Klemmenbezeichnungen tragen die Rotoranschlüsse am Klemmenkasten eines Schleifringläufers?
- a) U2, V2, W2
- b) K, L, M
- c) L1, L2, L3
- d) R, S, T
Richtig: b)
U1/V1/W1 und U2/V2/W2 sind die Statoranschlüsse für Stern- und Dreieckschaltung. L1/L2/L3 und R/S/T bezeichnen die Außenleiter des Netzes. Die Rotoranschlüsse des Schleifringläufers werden traditionell mit K, L, M gekennzeichnet, damit Stator- und Rotorseite am Klemmenbrett sofort unterscheidbar sind.
Warum besitzen größere Schleifringläufer eine Bürstenabhebevorrichtung?
- a) Um den Anlaufstrom zu senken
- b) Um das Drehmoment zu erhöhen
- c) Um den Schlupf zu kompensieren
- d) Um Reibverluste und Bürstenverschleiß im Dauerbetrieb zu vermeiden
Richtig: d)
Sobald die Rotorwicklung innen kurzgeschlossen ist, brauchen die Bürsten keinen elektrischen Kontakt mehr. Lässt man sie auf den Ringen, verschleißen sie sinnlos und erzeugen Reibverluste. Die Bürstenabhebung trennt sie mechanisch ab. Anlaufstrom, Drehmoment und Schlupf werden dadurch nicht beeinflusst.
Was ist die wahrscheinlichste Ursache für sichtbares Bürstenfeuer an einem Schleifringläufer im Betrieb?
- a) Ungleichmäßiger Auflagedruck oder verschlissene Bürsten
- b) Zu hohe Statorspannung
- c) Falsche Drehrichtung
- d) Schlupf größer als 100 Prozent
Richtig: a)
Bürstenfeuer entsteht durch schlechten Kontakt zwischen Bürste und Ring — verschlissene Bürsten, falscher Federdruck, Verschmutzung oder eingeriefte Ringe. Die Statorspannung wirkt sich darauf nicht aus, Drehrichtung und Schlupf ebenfalls nicht. Ein Schlupf über 100 Prozent würde Gegenstrombremsung bedeuten und hat mit dem Kontaktbild nichts zu tun.
3. Funktionsprinzip und Stillstandsverhalten
Funktional ist der Schleifringläufer ein Drehstrom-Asynchronmotor. Das Drehfeld im Stator induziert in der Rotorwicklung eine Spannung, der induzierte Strom liefert in Verbindung mit dem Drehfeld das Drehmoment. Anschaulich ist der Schlupf das Nachhinken des Rotors gegenüber dem unsichtbaren Drehfeld — würden beide gleich schnell laufen, gäbe es keine Induktion und damit kein Drehmoment. Synchrondrehzahl und Schlupf gelten genau wie beim Käfigläufer (eigenes Thema in der Reihe):
n_s = 60 · f / p
- n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
- f … Netzfrequenz in Hz
- p … Polpaarzahl
s = (n_s − n) / n_s
- n … Ist-Drehzahl des Rotors in 1/min
- s … Schlupf, dimensionslos
Die Besonderheit zeigt sich im Stillstand: Solange der Rotor steht, schneidet das Statordrehfeld die Rotorwicklung mit voller Netzfrequenz. Der Schleifringläufer verhält sich dann wie ein Drehstromtransformator — der Stator ist die Primärseite, der Rotor die Sekundärseite. Lässt man die Schleifringe offen, lässt sich an den Rotorklemmen K, L, M eine Spannung messen: die Läuferstillstandsspannung U_20. Sie steht auf dem Typenschild des Motors und ist eine wichtige Auslegungsgröße für den Anlasswiderstand.
Sind die Schleifringe dagegen geschlossen — egal ob direkt kurzgeschlossen oder über einen Widerstand — fließt im Rotorkreis ein Strom, das Drehmoment builds sich auf und der Motor läuft an. Mit zunehmender Drehzahl sinkt die Relativgeschwindigkeit zwischen Drehfeld und Rotor, die induzierte Spannung im Rotor wird kleiner, und der Rotorstrom geht zurück. Im normalen Betriebspunkt ist der Schlupf klein (wenige Prozent), die Läuferspannung entsprechend gering.
Aus dieser Trafo-Analogie folgt: Die in den Rotor induzierte Spannung ist im Anlauf am größten. Genau deshalb ist der Anlaufstrom ohne Maßnahmen so hoch — und genau deshalb wirkt ein Vorwiderstand im Rotorkreis am stärksten beim Anfahren.
Wie verhält sich ein Schleifringläufer im Stillstand bei eingeschaltetem Statorfeld und offenen Schleifringen?
- a) Wie ein Käfigläufer mit Schlupf 1
- b) Wie eine Gleichstrommaschine
- c) Wie ein Drehstromtransformator mit Sekundärseite offen
- d) Wie ein Synchronmotor ohne Erregung
Richtig: c)
Steht der Rotor, schneidet das Statordrehfeld die Rotorwicklung mit voller Netzfrequenz — das ist genau die Trafo-Situation. Bei offenen Schleifringen fließt kein Sekundärstrom, an den Rotorklemmen lässt sich aber die Läuferstillstandsspannung messen. Ein Käfigläufer hat keinen offenen Sekundärkreis, eine Gleichstrommaschine arbeitet mit Kommutator, ein Synchronmotor mit eingeprägtem Polrad.
Was beschreibt die Größe Läuferstillstandsspannung U_20?
- a) Die im Stillstand bei offenen Schleifringen an den Rotorklemmen messbare Spannung
- b) Die Netzspannung im Sternpunkt
- c) Die Restspannung nach dem Abschalten
- d) Die Spannung im Nennbetriebspunkt am Rotor
Richtig: a)
U_20 ist die Sekundärspannung im Stillstand — definiert für offene Schleifringe und maximalen Schlupf. Im Nennbetrieb ist die Rotorspannung deutlich kleiner, weil der Schlupf klein ist. Mit Sternpunkt der Netzspannung oder Restspannung nach Abschalten hat sie nichts zu tun.
Warum ist der Anlaufstrom im Rotorkreis besonders hoch, wenn ohne Vorwiderstand angefahren wird?
- a) Weil das Statordrehfeld im Anlauf schwächer ist
- b) Weil die Statorwicklung im Anlauf höher belastet wird
- c) Weil die Frequenz im Rotor null is
- d) Weil die im Rotor induzierte Spannung im Anlauf am größten ist
Richtig: d)
Im Anlauf ist der Schlupf 1 — das Drehfeld läuft mit voller Relativgeschwindigkeit am Rotor vorbei und induziert die maximal mögliche Spannung. Bei niedrigem Rotorwiderstand resultiert daraus ein großer Strom. Das Statordrehfeld ist gleich stark, die Frequenz im Rotor ist im Anlauf gerade maximal (nicht null), und die Statorbelastung ist Folge, nicht Ursache.
4. Anlauf mit Anlasswiderständen
Ohne Maßnahmen hat ein direkt geschalteter Schleifringläufer mit kurzgeschlossenen Schleifringen dieselben Probleme wie ein Käfigläufer: hoher Anlaufstrom, vergleichsweise mäßiges Anlaufmoment. Genau hier spielt die Bauart ihre Stärke aus. Über die Schleifringe wird ein Anlasswiderstand in den Rotorkreis gelegt — meist als dreisträngiger Vorwiderstand, in Sternschaltung ausgeführt.
Die Wirkung ist doppelt:
- Der Rotorstrom wird begrenzt. Das senkt auch den Statorstrom und damit den Anlaufstrom aus dem Netz spürbar ab.
- Das maximale Drehmoment (Kippmoment) verschiebt sich zu höheren Schlupfwerten. Bei richtig dimensioniertem Vorwiderstand liegt der Kipppunkt direkt bei Stillstand — der Motor läuft mit maximalem Moment an.
Damit der Motor nicht in einem schlechten Arbeitspunkt mit großem Vorwiderstand stehen bleibt, ist der Stufenanlasser Standard. Er besteht aus mehreren Widerstandsstufen, die während des Hochlaufs nacheinander von Schützen kurzgeschlossen werden. Mit jeder Stufe wandert der Arbeitspunkt eine Kennlinie weiter und der Motor läuft stoßfrei in die Nähe der Synchrondrehzahl. In der letzten Stufe sind die Schleifringe direkt kurzgeschlossen — der Schleifringläufer läuft jetzt wie ein Käfigläufer im Nennpunkt.
Bei sehr großen Maschinen kommt statt eines Stufenanlassers ein Flüssigkeitsanlasser zum Einsatz. Hier tauchen Elektroden in einen Elektrolyten ein, der Widerstand wird durch Verschieben der Elektroden stufenlos verändert. Das ergibt einen besonders weichen Hochlauf.
Sicherheitstechnisch entscheidend: Der Hauptschütz darf den Motor nur einschalten, wenn der Anlasser tatsächlich auf der Anfangsstufe — also bei vollem Vorwiderstand — steht. Wird der Motor versehentlich mit kurzgeschlossenen Schleifringen oder auf einer zu niedrigen Stufe direkt eingeschaltet, fällt die Anlaufstrombegrenzung weg, der Strom steigt sprunghaft und das Motorschutzrelais löst aus. Deshalb arbeitet die Steuerung mit einer Verriegelung: Eine Rückmeldung des Anlassers (Endschalter in der Nullstellung) ist Freigabebedingung für den Hauptschütz. Erst während des Hochlaufs schalten die Stufenschütze über Zeitrelais oder über strom- bzw. drehzahlabhängige Logik weiter.
Welche zwei Effekte hat ein Anlasswiderstand im Rotorkreis beim Schleifringläufer gleichzeitig?
- a) Erhöhung des Statorstroms und Senkung des Drehmoments
- b) Begrenzung des Anlaufstroms und Verschiebung des maximalen Drehmoments zu höherem Schlupf
- c) Erhöhung der Synchrondrehzahl und Senkung der Frequenz
- d) Reduktion der Polpaarzahl und Anhebung des Kippmoments
Richtig: b)
Der Vorwiderstand begrenzt den Rotorstrom direkt — der Statorstrom sinkt dadurch ebenfalls. Gleichzeitig verschiebt sich die M-n-Kennlinie so, dass das Kippmoment zu kleineren Drehzahlen, also höherem Schlupf wandert. Synchrondrehzahl und Polpaarzahl sind dagegen reine Stator-/Netzgrößen und ändern sich nicht.
Warum wird beim Schleifringläufer ein mehrstufiger Anlasser eingesetzt?
- a) Damit der Schlupf negativ wird
- b) Damit der Motor schneller als das Drehfeld laufen kann
- c) Damit der Motor in jeder Stufe ein gleichmäßig hohes Anlaufmoment behält
- d) Damit der Motor in mehreren Stufen ruckfrei hochläuft, ohne im Vorwiderstand stehenzubleiben
Richtig: d)
Mit nur einer Vorwiderstandsstufe könnte der Motor zwar anfahren, würde aber bei stark reduzierter Drehzahl in einem schlechten Arbeitspunkt verharren und große Verluste produzieren. Mehrere Stufen erlauben, den Arbeitspunkt zunehmend Richtung Synchrondrehzahl zu schieben. Ein konstantes Anlaufmoment ist Folge der richtigen Dimensionierung, nicht der Stufenzahl. Negativer Schlupf wäre Generatorbetrieb.
Welche schutzfunktion verhindert, dass ein Schleifringläufer versehentlich mit zu wenig Anlaufwiderstand eingeschaltet wird?
- a) Der Motorschutzschalter löst sofort aus
- b) Die Bürstenabhebung blockiert das Einschalten
- c) Eine Verriegelung mit Rückmeldung des Anlassers in der Nullstellung gibt den Hauptschütz erst frei
- d) Der Stern-Dreieck-Wender öffnet automatisch
Richtig: c)
Steuerungstechnisch wird das Einschalten an die Bedingung „Anlasser steht auf der Anfangsstufe“ gekoppelt — meist über einen Endschalter im Anlasser, der den Hauptschütz freigibt. Der Motorschutzschalter würde im Fehlerfall zwar ansprechen, ist aber keine Vorabverriegelung. Die Bürstenabhebung ist nur im Dauerbetrieb relevant, und eine Stern-Dreieck-Schaltung gibt es beim Schleifringläufer-Anlauf gar nicht.
5. M-n-Kennlinie und Drehmomentverschiebung
Die Form der M-n-Kennlinie eines Asynchronmotors ist durch die Wicklungsdaten festgelegt. Eine zentrale Aussage gilt für jeden Schleifringläufer: Das Kippmoment M_k — also das maximale Drehmoment — bleibt unabhängig vom eingebauten Rotorwiderstand gleich. Was sich verändert, ist die Lage des Kipppunkts.
Der Kippschlupf s_k verschiebt sich proportional zum gesamten wirksamen Widerstand im Rotorkreis. Verdoppelt man den Widerstand, verdoppelt sich auch der Kippschlupf. Der Zusammenhang lässt sich als einfaches Verhältnis schreiben:
s_k_neu / s_k_alt = (R_R + R_V) / R_R
- s_k_neu … neuer Kippschlupf mit Vorwiderstand
- s_k_alt … ursprünglicher Kippschlupf ohne Vorwiderstand
- R_R … eigener Rotorwiderstand in Ohm
- R_V … eingeschalteter Vorwiderstand in Ohm
Anschaulich entsteht damit eine Kennlinienschar: Jeder Vorwiderstand erzeugt eine eigene M-n-Kurve, alle mit derselben Spitzenhöhe, aber zu unterschiedlichen Drehzahlen verschoben. Beim Anfahren wandert der Arbeitspunkt mit jeder überbrückten Anlasserstufe auf eine flachere Kurve weiter Richtung Synchrondrehzahl.
Wichtig ist die Konsequenz für die Auslegung: Wer den Anlasser so dimensioniert, dass der Kippschlupf genau bei s = 1 liegt (also bei n = 0), fährt mit dem maximal möglichen Anlaufmoment los. Das ist die Grundeinstellung für Schweranläufe mit großer Schwungmasse oder hohem Lastmoment.
Gelöstes Beispiel
Ein Schleifringläufer hat ohne Vorwiderstand einen Kippschlupf von 8 %. Der eigene Rotorwiderstand beträgt R_R = 0,12 Ohm. Welcher Kippschlupf stellt sich ein, wenn ein dreisträngiger Vorwiderstand mit R_V = 0,36 Ohm je Strang zugeschaltet wird?
Gegeben: s_k_alt = 8 % = 0,08, R_R = 0,12 Ohm, R_V = 0,36 Ohm
Gesucht: s_k_neu
Lösungsweg:
- Verhältnis der wirksamen Widerstände: (R_R + R_V) / R_R = (0,12 + 0,36) / 0,12 = 0,48 / 0,12 = 4
- Neuer Kippschlupf: s_k_neu = s_k_alt · 4 = 0,08 · 4 = 0,32 = 32 %
Ergebnis: Der Kippschlupf wandert von 8 % auf 32 %.
Übungen
Ein Schleifringläufer hat ohne Vorwiderstand s_k = 10 %. R_R = 0,1 Ohm. Wie groß wird s_k, wenn R_V = 0,1 Ohm eingeschaltet wird?
Lösung: (0,1 + 0,1) / 0,1 = 2; s_k_neu = 10 % · 2 = 20 %.
Ein Motor zeigt ohne Vorwiderstand s_k = 6 % bei R_R = 0,15 Ohm. Welcher Vorwiderstand verschiebt s_k auf 24 %?
Lösung: Faktor 24/6 = 4; (R_R + R_V) = 4 · R_R = 0,6 Ohm; R_V = 0,45 Ohm.
Ein Schleifringläufer soll mit maximalem Drehmoment anlaufen — der Kippschlupf muss also auf s_k = 100 % liegen. Ohne Vorwiderstand ist s_k = 5 %, R_R = 0,2 Ohm. Welcher Vorwiderstand wird benötigt?
Lösung: Faktor 100/5 = 20; (R_R + R_V) = 20 · 0,2 = 4,0 Ohm; R_V = 3,8 Ohm.
Wie ändert sich das Kippmoment, wenn der Rotorvorwiderstand verdoppelt wird?
Lösung: Das Kippmoment bleibt unverändert; nur der Kippschlupf verdoppelt sich.
Ein Motor mit R_R = 0,08 Ohm und s_k = 4 % wird mit drei gleichen Vorwiderstandsstufen je 0,08 Ohm sukzessive ausgestattet (Stufe 1: zusätzlich 0,24 Ohm; Stufe 2: zusätzlich 0,16 Ohm; Stufe 3: zusätzlich 0,08 Ohm). Welcher Kippschlupf gilt in den drei Stufen?
Lösung: Stufe 1: Faktor (0,08+0,24)/0,08 = 4 → s_k = 16 %. Stufe 2: Faktor (0,08+0,16)/0,08 = 3 → s_k = 12 %. Stufe 3: Faktor (0,08+0,08)/0,08 = 2 → s_k = 8 %.
Wie verändert sich das Kippmoment, wenn ein Rotorvorwiderstand zugeschaltet wird?
- a) Es bleibt gleich groß
- b) Es sinkt proportional zum Vorwiderstand
- c) Es steigt proportional zum Vorwiderstand
- d) Es wird null
Richtig: a)
Der Vorwiderstand verschiebt nur die Lage des Maximums entlang der Drehzahlachse, nicht seine Höhe. Diese Eigenschaft ist genau der Vorteil der Bauart: Anlaufmoment lässt sich einstellen, ohne das Drehmomentpotenzial der Maschine zu verringern.
Ein Schleifringläufer hat ohne Vorwiderstand einen Kippschlupf von 5 %. Welcher Wert ergibt sich, wenn der gesamte wirksame Rotorwiderstand vervierfacht wird?
- a) 5 %
- b) 20 %
- c) 25 %
- d) 80 %
Richtig: b)
Der Kippschlupf wächst proportional zum wirksamen Rotorwiderstand. Faktor 4 mal 5 % ergibt 20 %. 25 % und 80 % entstünden bei anderen Verhältnissen, 5 % wäre der Wert ohne Vorwiderstand.
Was bedeutet es praktisch, wenn der Kippschlupf bei korrekt dimensioniertem Anlasser auf s = 1 liegt?
- a) Der Motor läuft synchron
- b) Der Motor entwickelt kein Anlaufmoment
- c) Der Motor läuft mit Nennstrom an
- d) Der Motor läuft mit maximal möglichem Drehmoment an
Richtig: d)
Bei s = 1 is der Rotor in Ruhe (n = 0). Liegt das Kippmoment genau hier, entwickelt der Motor im Stillstand sein größtes Drehmoment — die ideale Bedingung für Schweranläufe. Synchronlauf wäre s = 0, kein Anlaufmoment hätte er bei sehr kleinem Vorwiderstand, Nennstrom liegt erst im Nennbetrieb vor.
6. Drehzahlsteuerung über Rotorwiderstand
Der Rotorvorwiderstand wirkt nicht nur beim Anfahren. Lässt man eine Widerstandsstufe dauerhaft im Rotorkreis, verschiebt sich der Arbeitspunkt der Last auf eine flachere Kennlinie — bei gleicher Last steigt der Schlupf, die Drehzahl sinkt. Damit lässt sich ein Schleifringläufer prinzipiell drehzahlstellen, ganz ohne Frequenzumrichter.
Das klingt zunächst attraktiv, hat aber einen großen Haken: Die Schlupfleistung wird im Vorwiderstand in Wärme umgesetzt. Bei 30 % Schlupf gehen 30 % der Luftspaltleistung im Widerstand verloren — die mechanische Wellenleistung ist nur noch 70 % der Luftspaltleistung. Das ist energetisch ungünstig und für Dauerteillast nicht zu rechtfertigen. Die Verlustaufteilung folgt direkt aus der Energiebilanz des Asynchronmotors:
P_v_Rotor = s · P_LS
- P_LS … Luftspaltleistung in kW
- s … Schlupf, dimensionslos
- P_v_Rotor … Verlustleistung im gesamten Rotorkreis in kW
P_mech = (1 − s) · P_LS
- P_mech … mechanische Wellenleistung in kW
Die Verluste verteilen sich auf den eigenen Rotorwiderstand und den eingeschalteten Vorwiderstand im Verhältnis ihrer Ohmwerte. Bei groß dimensioniertem Vorwiderstand entsteht der Großteil der Wärme außerhalb der Maschine — das schützt zwar den Rotor, ist energetisch aber kein Gewinn.
Gelöstes Beispiel
Ein Schleifringläufer arbeitet mit einer Luftspaltleistung von P_LS = 50 kW und einem Schlupf von s = 20 %. Wie groß sind die Rotorverluste und die mechanische Wellenleistung?
Gegeben: P_LS = 50 kW, s = 0,20
Gesucht: P_v_Rotor und P_mech
Lösungsweg:
- Rotorverlustleistung: P_v_Rotor = s · P_LS = 0,20 · 50 kW = 10 kW
- Mechanische Wellenleistung: P_mech = (1 − s) · P_LS = 0,80 · 50 kW = 40 kW
Ergebnis: 10 kW Verluste im Rotorkreis, 40 kW an der Welle.
Übungen
Ein Motor läuft mit P_LS = 30 kW und s = 5 %. Welche Wellenleistung steht zur Verfügung?
Lösung: P_mech = 0,95 · 30 kW = 28,5 kW.
Bei s = 25 % und P_LS = 80 kW: Wie viel Leistung wird im Rotorkreis verheizt?
Lösung: P_v_Rotor = 0,25 · 80 kW = 20 kW.
Ein Schleifringläufer soll dauerhaft mit halber Synchrondrehzahl arbeiten (also s = 50 %). Wie groß ist der Wirkungsgrad des Rotorkreises bezogen auf die Luftspaltleistung?
Lösung: η_Rotor = (1 − s) = 50 %. Die Hälfte der Luftspaltleistung geht im Rotorkreis verloren — Widerstandssteuerung ist hier energetisch nicht sinnvoll.
Ein Motor liefert 22 kW an der Welle bei s = 4 %. Wie groß ist die Luftspaltleistung?
Lösung: P_LS = P_mech / (1 − s) = 22 / 0,96 ≈ 22,92 kW.
Eine Pumpe wird mit einem Schleifringläufer über Vorwiderstand auf 70 % der Synchrondrehzahl gedrosselt (s = 30 %). Die Pumpe verlangt am Wellenende 14 kW. Wie groß sind P_LS und die Rotorverluste?
Lösung: P_LS = 14 / 0,70 = 20 kW; P_v_Rotor = 0,30 · 20 kW = 6 kW. Pro betriebener Stunde fallen 6 kWh Wärme im Vorwiderstand an — energetisch teurer Betrieb.
Was passiert mit der Schlupfleistung bei der klassischen Drehzahlsteuerung über Rotorvorwiderstand?
- a) Sie wird in das Netz zurückgespeist
- b) Sie wird im Statorblechpaket gespeichert
- c) Sie wird im Rotorkreis in Wärme umgewandelt
- d) Sie wird durch das Drehfeld kompensiert
Richtig: c)
Die Schlupfleistung ist die Energiedifferenz zwischen Luftspaltleistung und mechanischer Wellenleistung. Sie fließt in den Rotorkreis und wird dort an Eigenwiderstand und Vorwiderstand in Wärme umgesetzt. Eine Rückspeisung ins Netz gelingt nur mit aufwendiger Umrichtertechnik wie bei der doppeltgespeisten Asynchronmaschine.
Ein Schleifringläufer arbeitet mit P_LS = 40 kW and s = 25 %. Wie groß ist die mechanische Wellenleistung?
- a) 30 kW
- b) 10 kW
- c) 40 kW
- d) 50 kW
Richtig: a)
P_mech = (1 − s) · P_LS = 0,75 · 40 kW = 30 kW. 10 kW wären die Rotorverluste, 40 kW die Luftspaltleistung selbst, 50 kW kann an der Welle gar nicht erscheinen, weil sie über P_LS hinausginge.
Warum hat sich die Widerstandssteuerung in Neuanlagen kaum gehalten?
- a) Sie kommt mit dem Drehfeld nicht aus
- b) Sie ist energetisch ungünstig und erzeugt viel Verlustwärme
- c) Sie liefert kein Drehmoment im Stillstand
- d) Sie benötigt Synchronmotoren als Ersatz
Richtig: b)
Der Schlupfanteil der Luftspaltleistung wird verheizt — bei nennenswerter Drehzahlabsenkung wird das schnell viel. Frequenzumrichter stellen die Drehzahl ohne diesen Verlust ein und sind deshalb heute Standard. Das Drehfeld nutzt der Motor weiterhin, Drehmoment im Stillstand liefert er auch (das ist gerade die Stärke des Schleifringläufers), und Synchronmotoren sind eine andere Bauart, kein Ersatz im engeren Sinn.
7. Anwendungen und heutige Bedeutung
Klassisch eingesetzt wurde der Schleifringläufer überall dort, wo direkt am Netz hohe Lastmomente bei begrenztem Anlaufstrom anzufahren waren: Krananlagen, Personen- und Lastenaufzüge, Rohrmühlen und Kugelmühlen in der Zement- und Bergbauindustrie, große Bandförderer und Walzwerksantriebe. Auch in älteren Pumpwerken und Lüftungsanlagen mit großer Schwungmasse war die Bauart Standard.
Ihre Stärken sind nüchtern aufzählbar: hohes Anlaufmoment bei begrenztem Netzstrom, robuste Bauweise, gutmütiges Verhalten bei Überlast. Die Schwachstellen sind ebenso nüchtern: höhere Investitionskosten als ein Käfigläufer gleicher Leistung, regelmäßige Wartung an Bürsten und Schleifringen, hohe Verluste bei jeder dauerhaften Drehzahlstellung über Vorwiderstand.
Heutige Antriebsauslegung sieht meistens anders aus. In Neuanlagen wird die Aufgabe — Schweranlauf, Drehzahlstellung, sanfter Hochlauf — vom Käfigläufer am Frequenzumrichter übernommen. Der FU regelt Drehzahl und Drehmoment elektronisch, ohne Bürsten und ohne Verlustwiderstände, und ist heute selbst für mittelgroße Antriebe wirtschaftlich.
Trotzdem ist der Schleifringläufer nicht verschwunden. Drei Anwendungsbereiche tragen ihn weiter:
- Sehr große Antriebe im Megawatt-Bereich, in denen Frequenzumrichter teurer und aufwendiger sind als der mechanische Vorwiderstandsanlauf.
- Bestandsanlagen, in denen ein Tausch der gesamten Antriebskette wirtschaftlich nicht darstellbar ist und der Schleifringläufer einfach weiterläuft.
- Die doppeltgespeiste Asynchronmaschine in der Windkrafttechnik. Hier ist der Rotor über einen kleinen Umrichter mit dem Netz verbunden, die Schlupfleistung wird nicht verheizt, sondern aktiv zurückgespeist. Die Bauart ist konstruktiv ein Schleifringläufer — aus genau dem Grund, dass die Rotorwicklung zugänglich sein muss.
In welcher modernen Anwendung steckt der Schleifringläufer als konstruktive Grundlage?
- a) Permanentmagnet-Synchronmotor für Servoachsen
- b) Schrittmotor in der Robotik
- c) Käfigläufer-Asynchronmotor an Frequenzumrichtern
- d) Doppeltgespeiste Asynchronmaschine in der Windkraft
Richtig: d)
Die doppeltgespeiste Asynchronmaschine braucht zugängliche Rotoranschlüsse, um den Rotor über einen Umrichter ans Netz zu koppeln — konstruktiv genau ein Schleifringläufer. PMSM, Schrittmotor und Käfigläufer am FU sind eigenständige Bauarten ohne Schleifringe.
Was hat den Schleifringläufer in Neuanlagen weitgehend abgelöst?
- a) Käfigläufer am Frequenzumrichter
- b) Universalmotor
- c) Spaltpolmotor
- d) Gleichstrommotor mit Nebenschlusserregung
Richtig: a)
Der FU am Käfigläufer leistet heute, was früher die Domäne des Schleifringläufers war: Schweranlauf, Drehzahlstellung, sanfter Hochlauf — ohne Bürsten und ohne Verluste im Vorwiderstand. Universal- und Spaltpolmotoren sind kleine Maschinen mit ganz anderem Einsatzfeld, der Gleichstrommotor mit Nebenschluss ist in Industrieneuanlagen ebenfalls auf dem Rückzug.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Schleifringläufer hat ohne Vorwiderstand einen Kippschlupf von 7 % und einen eigenen Rotorwiderstand von R_R = 0,14 Ohm je Strang. Welcher Vorwiderstand verschiebt den Kippschlupf auf s_k_neu = 35 %?
Gegeben: s_k_alt = 7 %, R_R = 0,14 Ohm, s_k_neu = 35 %
Gesucht: R_V
Lösungsweg:
- Faktor = s_k_neu / s_k_alt = 35 / 7 = 5
- (R_R + R_V) = 5 · R_R = 0,70 Ohm
- R_V = 0,70 − 0,14 = 0,56 Ohm
Ergebnis: R_V = 0,56 Ohm je Strang.
Aufgabe 2: Ein Motor hat R_R = 0,10 Ohm und s_k = 5 % ohne Vorwiderstand. Der Anlasser hat drei Stufen mit insgesamt 0,30 Ohm. Welcher Kippschlupf gilt mit voll eingeschaltetem Anlasser?
Gegeben: R_R = 0,10 Ohm, R_V = 0,30 Ohm, s_k_alt = 5 %
Gesucht: s_k_neu
Lösungsweg:
- Faktor = (R_R + R_V) / R_R = 0,40 / 0,10 = 4
- s_k_neu = 4 · 5 % = 20 %
Ergebnis: s_k_neu = 20 %.
Aufgabe 3: Ein Schleifringläufer arbeitet mit P_LS = 75 kW und einer Wellendrehzahl entsprechend s = 8 %. Welche mechanische Wellenleistung und welche Rotorverluste fallen an?
Gegeben: P_LS = 75 kW, s = 0,08
Gesucht: P_mech, P_v_Rotor
Lösungsweg:
- P_v_Rotor = s · P_LS = 0,08 · 75 = 6 kW
- P_mech = (1 − s) · P_LS = 0,92 · 75 = 69 kW
Ergebnis: 69 kW an der Welle, 6 kW Rotorverluste.
Aufgabe 4: Ein Pumpenantrieb soll dauerhaft mit n = 1200 1/min am Vierpolmotor (n_s = 1500 1/min) betrieben werden. Die Pumpe braucht an der Welle 18 kW. Wie groß sind P_LS und die Rotorverluste bei Drehzahlsteuerung über Vorwiderstand?
Gegeben: n_s = 1500 1/min, n = 1200 1/min, P_mech = 18 kW
Gesucht: P_LS, P_v_Rotor
Lösungsweg:
- Schlupf s = (1500 − 1200) / 1500 = 0,20
- P_LS = P_mech / (1 − s) = 18 / 0,80 = 22,5 kW
- P_v_Rotor = s · P_LS = 0,20 · 22,5 = 4,5 kW
Ergebnis: P_LS = 22,5 kW, P_v_Rotor = 4,5 kW — 20 % der zugeführten Luftspaltleistung gehen als Wärme verloren.
Welches Bauteil ist beim Schleifringläufer-Anlasser für die Sicherheitsverriegelung mit dem Hauptschütz verantwortlich?
- a) Das Bremslüftgerät
- b) Der Endschalter in der Nullstellung des Anlassers
- c) Der FI-Schutzschalter
- d) Der Hauptklemmenkasten am Stator
Richtig: b)
Die Verriegelung stellt sicher, dass der Motor nur eingeschaltet werden kann, wenn der Anlasser auf der Anfangsstufe steht. Das wird mechanisch durch einen Endschalter an der Anlassersteuerung abgefragt, der die Schützsteuerung freigibt. FI, Klemmenkasten und Bremslüftgerät haben andere Aufgaben.
Warum verändert ein Rotorvorwiderstand das Kippmoment nicht?
- a) Weil die Statorspannung konstant bleibt
- b) Weil das Drehfeld unverändert bleibt
- c) Weil das Kippmoment nur von Wicklungs- und Magnetkreisdaten abhängt, nicht vom Ohmwert des Rotorkreises
- d) Weil der Schlupf bei Kipp immer 100 % ist
Richtig: c)
Das maximal mögliche Drehmoment hängt von den Wicklungsdaten und den Streureaktanzen der Maschine ab — beides ist konstruktiv festgelegt. Der Rotorwiderstand verschiebt nur, bei welchem Schlupf dieses Maximum auftritt. Statorspannung und Drehfeld bleiben zwar konstant, sind aber nicht der Grund; und ein Kippschlupf von 100 % gilt nur bei sehr großem Vorwiderstand, nicht generell.
Welche Aussage zur Bürstenabhebevorrichtung ist korrekt?
- a) Sie hebt die Bürsten an, sobald die Schleifringe innen kurzgeschlossen sind
- b) Sie hebt die Bürsten beim Anlaufen an, um den Strom zu erhöhen
- c) Sie ersetzt den Anlasswiderstand
- d) Sie schaltet das Drehfeld ab
Richtig: a)
Im Dauerbetrieb sind die Schleifringe kurzgeschlossen, die Bürsten haben keine elektrische Funktion mehr — also weg damit. Im Anlauf bleiben sie zwingend in Kontakt. Den Anlasser ersetzt die Vorrichtung nicht, und mit dem Drehfeld hat sie nichts zu tun.
In welchem Schaltzustand wird der Schleifringläufer am Ende des Hochlaufs üblicherweise betrieben?
- a) Mit halb eingeschaltetem Anlasser
- b) Mit offenen Schleifringen
- c) Bei reduzierter Statorspannung
- d) Mit kurzgeschlossenen Schleifringen
Richtig: d)
Im stationären Nennbetrieb sind die Schleifringe kurzgeschlossen — der Motor arbeitet dann praktisch wie ein Käfigläufer. Mit halb eingeschaltetem Anlasser entstünden dauerhaft große Verluste, offene Schleifringe würden gar kein Drehmoment erlauben, und eine reduzierte Statorspannung gehört zu anderen Anlassverfahren.
Welche Aussage zur Läuferstillstandsspannung U_20 stimmt?
- a) Sie ist die Spannung im Nennbetrieb am Rotor
- b) Sie ist die im Stillstand bei offenen Schleifringen messbare Rotorspannung
- c) Sie liegt typischerweise höher als die Netzspannung am Stator
- d) Sie ist null, weil der Rotor sich nicht bewegt
Richtig: b)
U_20 wird im Stillstand mit s = 1 und offenem Sekundärkreis definiert — analog zur Trafo-Leerlaufspannung. Im Nennbetrieb ist die Rotorspannung viel kleiner, weil der Schlupf klein ist. Liegen sie höher oder gleich der Netzspannung ist konstruktionsabhängig, jedenfalls nicht generell der Fall.
Welcher Vorteil bleibt dem Schleifringläufer gegenüber dem Käfigläufer ohne FU?
- a) Geringere Wartung
- b) Höherer Wirkungsgrad
- c) Hohes Anlaufmoment bei begrenztem Anlaufstrom
- d) Höhere Synchrondrehzahl
Richtig: c)
Genau dieser Punkt war jahrzehntelang der Grund für seinen Einsatz: Über den Anlasser lassen sich Anlaufmoment und Anlaufstrom unabhängig dimensionieren. Wartung und Wirkungsgrad sind dagegen schlechter, die Synchrondrehzahl wird allein vom Stator und der Netzfrequenz bestimmt — sie ist bei beiden Bauarten gleich.
Was begrenzt die Drehzahlstellung über Rotorwiderstand in der Praxis?
- a) Die Polpaarzahl
- b) Die Synchrondrehzahl
- c) Die Statorfrequenz
- d) Die im Vorwiderstand entstehende Verlustleistung
Richtig: d)
Bei jede Drehzahlabsenkung steigt der Schlupfanteil der Luftspaltleistung an — und der wird im Rotorkreis verheizt. Bei größerem Drehzahlhub wird die Verlustwärme schnell unwirtschaftlich und thermisch anspruchsvoll. Polpaarzahl, Synchrondrehzahl und Statorfrequenz sind konstruktive bzw. netzseitige Größen und nicht die Stellschraube der Widerstandssteuerung.
Welcher Begriff beschreibt das sichtbare Funken zwischen Bürste und Schleifring?
- a) Lichtbogenüberschlag
- b) Bürstenfeuer
- c) Korona-Entladung
- d) Streufeld
Richtig: b)
Bürstenfeuer ist der Fachbegriff für sichtbare Funken am Bürstenkontakt — meist Folge von Verschleiß, Schmutz oder ungleichmäßigem Druck. Lichtbogenüberschlag bezeichnet Spannungsüberschläge in Luftstrecken, Korona-Entladung Hochspannungsphänomene, Streufeld ein Magnetkreisthema.
Welche Aussage zur doppeltgespeisten Asynchronmaschine in der Windkraft ist korrekt?
- a) Sie ist ein Synchronmotor mit Permanentmagneten
- b) Sie ist konstruktiv ein Käfigläufer mit Umrichter im Stator
- c) Sie ist konstruktiv ein Schleifringläufer, dessen Rotor über einen Umrichter ans Netz gekoppelt ist
- d) Sie arbeitet ohne Statorwicklung
Richtig: c)
Die DASM braucht zugängliche Rotoranschlüsse — das ist genau die Bauart Schleifringläufer. Der Stator hängt direkt am Netz, der Rotor zusätzlich über einen Umrichter, der die Schlupfleistung steuert und teilweise zurückspeist. Ohne Statorwicklung würde sie nicht funktionieren, und mit Permanentmagneten wäre sie eine andere Maschine.
In welcher Betriebssituation ist die Verlustleistung im Rotorkreis am größten?
- a) Bei kleinem Schlupf nahe dem Synchronpunkt
- b) Im Stillstand mit kurzgeschlossenen Schleifringen direkt eingeschaltet
- c) Bei abgehobenen Bürsten
- d) Bei Generatorbetrieb mit Rückspeisung
Richtig: b)
Direkt eingeschaltet mit Schlupf 1 fließt der maximale Rotorstrom, gleichzeitig ist die induzierte Rotorspannung maximal — die Verlustleistung im Rotorkreis ist hier am höchsten. Bei kleinem Schlupf sind Strom und Spannung im Rotor klein. Mit abgehobenen Bürsten und kurzgeschlossenen Schleifringen liegen nur die Rotorblechverluste an, im Generatorbetrieb mit Rückspeisung wird die Leistung gerade nicht verheizt.
Glossar
- Schleifringläufer-Asynchronmotor
- Bauart des Drehstrom-Asynchronmotors mit ausgeführter Rotorwicklung, die über drei Schleifringe und Bürsten von außen elektrisch zugänglich ist.
- Anlasswiderstand
- Externer dreisträngiger Widerstand, der über die Schleifringe in den Rotorkreis geschaltet wird, um Anlaufstrom zu begrenzen und Anlaufmoment zu erhöhen.
- Stufenanlasser
- Mehrstufiger Anlasswiderstand, dessen Stufen während des Hochlaufs nacheinander von Schützen kurzgeschlossen werden, bis die Schleifringe direkt verbunden sind.
- Läuferstillstandsspannung
- Im Stillstand bei offenen Schleifringen an den Rotorklemmen messbare Spannung; Auslegungsgröße für Anlasswiderstand und auf dem Typenschild angegeben.
- Bürstenabhebevorrichtung
- Mechanik in größeren Schleifringläufern, die die Bürsten nach abgeschlossenem Hochlauf von den Schleifringen abhebt, um Reibverluste und Verschleiß im Dauerbetrieb zu vermeiden.
- Bürstenfeuer
- Sichtbares Funken zwischen Kohlebürste und Schleifring, meist Folge von Verschleiß, falschem Andruck oder verschmutzten Ringen.
- Kippmoment
- Maximales Drehmoment, das ein Asynchronmotor im Motorbetrieb entwickeln kann; bei Schleifringläufern unabhängig vom Rotorwiderstand.
- Kippschlupf
- Schlupfwert, bei dem das Kippmoment auftritt; beim Schleifringläufer proportional zum gesamten wirksamen Rotorwiderstand.
- Luftspaltleistung
- Über den Luftspalt vom Stator auf den Rotor übertragene Leistung; sie teilt sich in mechanische Wellenleistung und Rotorverluste auf.
- Doppeltgespeiste Asynchronmaschine
- Schleifringläufer-Bauart, deren Rotor über einen Frequenzumrichter ans Netz gekoppelt ist; verbreitet in Windkraftanlagen, um die Schlupfleistung ins Netz zurückzuspeisen statt zu verheizen.
